Ibuprofen und Schmerzen – Risiko für plötzlichen Herztod erhöht

Schmerzen kennt jeder von uns. Wenn wir Schmerzen haben, dann sind wir in unseren körperlichen, vor allen Dingen aber auch geistigen Fähigkeiten zum Teil erheblich eingeschränkt. Der Schmerz steht meistens voll im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit, er besetzt unser Leben. Wir sind zunehmend mit dem Schmerz und uns selbst beschäftigt. Bei Schmerzen sind wir sind häufig nicht mehr unser gewohntes Selbst, nicht nur für uns selber, sondern auch für andere Menschen. Kurzum, wir drohen die Kontrolle zu verlieren. Unruhe, Angst und Gereiztheit bestimmen unseren Alltag.

Folglich ist es nur allzu verständlich, dass Menschen zu Schmerzmitteln greifen, um diesem Teufelskreis zu entkommen. Rezeptfrei ist vor allen Dingen Ibuprofen ein „beliebtes“ Schmerzmittel in Deutschland. Der Marktanteil an den nicht-steroidalen Schmerzmittel war 2017 mit 57,7% mit Abstand am höchsten, weit vor Paracetamol mit 30,6%, Acetylsalicylsäure mit 7,3% und Diclofenac mit 4,1%. Diese Präparate sind, so gut sie auch gegen Schmerzen helfen, nicht ohne Folgen für das Herz-Kreislaufsystem.

Ibuprofen und Diclofenac – Risiko für plötzlichen Herztod um 30-50% erhöht

In einer groß angelegten Fall-Kontrollstudie aus Dänemark bei 28.947 Menschen, die zwischen 2001 und 2010 einen plötzlichen Herztod erlitten hatten, konnte vor allen Dingen für Ibuprofen und Diclofenac ein erhöhtes Risiko eindrucksvoll belegt werden. In dieser Gruppe hatten 3.376 Personen in den 30 Tagen vor dem plötzlichen Ereignis ein sog. nicht-steroidales Schmerzmittel eingenommen.

Das Risiko für den plötzlichen Herztod war dabei für Ibuprofen mit +31% und Diclofenac mit +50% deutlich erhöht. Andere Schmerzmittel, wie z.B. Naproxen wurden zwar auch untersucht, fielen allerdings nicht so sehr ins Gewicht, weil sie in Dänemark nicht so häufig eingenommen werden.

Die betroffenen Menschen waren im Mittel 70 Jahre alt. Gerade bei solchen, die ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod durch Begleiterkrankungen hatten, wurde das Risiko durch die Einnahme von Diclofenac und Ibuprofen noch weiter gesteigert. Folglich sind auch jüngere Menschen, die ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod gefährdet.  Zu diesen Risikopatienten gehören solche mit Koronarer Herzkrankheit bzw. Zustand nach Herzinfarkt, solche mit Herzschwäche, mit vorbekannten Rhythmusstörungen aber auch Menschen mit Verkalkungen der Hirnarterien sowie diejenigen mit Nierenerkrankungen und rheumatoider Arthritis.

Schmerzen – Risiko Adrenalin-vermittelte Aktivierung durch Schmerzstress

Schmerzen alleine haben schon eine vermehrte Adrenalin-vermittelte Aktivierung zur Folge. Das liegt ja auch in der Natur dieser Körperwahrnehmung, den Schmerzen sind für uns ein wertvolles Warnsignal. Folglich werden wir durch die Schmerzen aufgefordert etwas gegen die Ursachen zu tun.

Adrenalin als Teil des Angriff-/Flucht-Systems, stimuliert körperliche und geistige Aktivität. Allerdings hat das auch Konsequenzen für das Herz-Kreislaufsystem. Es ist typisch, dass Schmerzen Blutdruckerhöhungen bis hin zur Blutdruckkrise zur Folge haben und sie können sogar Herzinfarkte auslösen. Nicht selten kommen Menschen auch zu uns in die Cardiopraxis, bei denen Schmerzen zu Herzstolpern und auch fassbaren Herzrhythmusstörungen im EKG zur Folge hat.

Ibuprofen – Risiko Adrenalin-vermittelten Aktivierung durch Eingriff in Temperaturregulation

Neben seiner Eigenschaft als Schmerzmittel ist Ibuprofen auch ein hoch-effektiver Fiebersenker und damit auf die Regulation Ihrer Körpertemperatur. Dieses geschieht zentral im Gehirn über eine Verstellung des Sollwerts nach unten, z.B. von normalerweise 36,5 Grad Celsius auf 36,0 Grad Celsius. Nun versucht Ihr Körper schon bei niedrigeren Körpertemperaturen Wärme an die Umgebung abzugeben. Das geschieht am besten reguliert über eine Steigerung der Durchblutung und damit eine Weitstellung der Arterien.

Weil die Gefäßerweiterung zum Blutdruckabfall führt, muss nun über eine Steigerung von Herzfrequenz und Pumpkraft des Herzens der Blutdruck adäquat hochgehalten werden. Das geschieht wieder Adrenalin-vermittelt.

Ibuprofen – Symptome durch Kreislaufstörungen erklärbar

Nun haben wir gesehen, dass sowohl Schmerzen als auch Ibuprofen über die Eingriffe in die Temperatur- und die Blutdruckregulation Folgen für Ihr Herz-Kreislaufsystem haben können. Aufgrund dieser Mechanismen lassen Sich auch eine ganze Reihe von Nebenwirkung von Ibuprofen erklären

Einnahme von Ibuprofen bei Herz-Kreislauferkrankungen

In der Cardiopraxis raten wir Menschen mit Bluthochdruck, Koronarer Herzkrankheit, Zustand nach Herzinfarkt und Herzrhythmusstörungen grundsätzlich zu einer möglichst kurzen Behandlung mit Ibuprofen. Sie sollten eine Tagesdosis von 1.200 mg nicht überschreiten. Das Risiko für Komplikationen ist aus unserer Sicht besonders bei Menschen mit einem hohen Blutfluss in der Kreislaufmessung erhöht, weil hier das Herz- und Kreislaufsystem bereits Adrenalin-vermittelt aktiviert.

Bei chronischen Schmerzen ist es sinnvoll mit einem fachlich spezialisierten Schmerztherapeuten zusammen zu arbeiten.

Sollten Sie Ibuprofen einnehmen, dann achten Sie bitte auf die oben genannten Symptome, vor allen Dingen auf neu aufgetretene innere Unruhe, Gereiztheit, Benommenheit und Schlaflosigkeit. Hier können sich ernsthafte Folgen ankündigen.

Sie können dann mit Ihrer Ärztin oder Ärzten sprechen, ob Sie z.B. Paracetamol oder Aspirin einnehmen sollten. Auf jeden Fall ist es für Sie sinnvoll bei gleichzeitiger Einnahme von Ibuprofen ausreichend Trinken (30-40 ml pro kg Körpergewicht und Tag), denn ausreichende Flüssigkeitszufuhr beruhigt das vegetative Nervensystem.

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Sondergaard KB et al. Eur Heart J Cardiovasc Pharmacother 2017;3:100-107

 

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Energy Drinks – Aufgepasst!

Energy Drinks sind ein beliebtes Genussmittel, gerade bei jüngeren Menschen. Auf jeden Fall enthalten diese Getränke ein Gemisch aus stimulierenden Substanzen: zum Beispiel Koffein, Taurin, die Vitamine B2, B6, B8, B12, L-Carnitin, Guaraná, Ginseng, Kolanuss, Gingko biloba, Yohimbin und viele, viele mehr.

Die Konzentrationen der stimulierenden Einzelsubstanzen in Energy Drinks liegen dabei zum Teil deutlich oberhalb der empfohlenen Tagesmengen. Folglich sind Energy Drinks Aufputschmittel mit Adrenalin-vermittelter Aktivierung, die Herz und Kreislauf unkontrolliert beeinflussen. Als sogenannte psycho-aktive Substanzen wirken diese Stimulanzien direkt auf das Nervensystem ein. Außerdem können sie indirekt den Stoffwechsel anheizen, als sogenannte metabolisch aktivierende Substanzen.

Beispiel: Koffein in Energy Drinks

Der Koffeingehalt in Energy Drinks ist im Gegensatz zu den anderen Substanzen gut definiert. Als Referenzpunkt kann hier eine Tasse Kaffee dienen.

  • 1 Tasse Kaffee zu 125 ml = 40 mg pro 100 ml = 50 mg Koffein
  • Red Bull 1 Dose zu 473 ml = 30 mg pro 100 ml =142 mg Koffein
  • Effect 1 Dose zu 500 ml = 32 mg pro 100 ml = 160 mg Koffein
  • Monster 1 Dose 500 ml = 30 mg pro 100 ml = 160 mg Koffein
  • Rockstar 1 Dose 500 ml = 32 mg pro 100 ml = 160 mg Koffein

Kurzum, 1 große Dose eines Energy Drinks enthält allein schon das Koffein von ca. 3 Tassen Kaffee. Hinzu kommen dann selbstverständlich noch die zahlreichen weiteren psycho- und metabolisch aktivierende Substanzen.

Energy Drinks: häufig akute Symptome

Sie können sich jetzt schon vorstellen, dass Energy Drinks erhebliche Nebenwirkungen haben können. Diese sind meistens Folge einer Adrenalin-vermittelten Aktivierung:

Energy Drinks können krank machen

Zahlreiche Fallberichte in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Register von Vergiftungszentralen zeigen: Energy Drinks haben teilweise erhebliche gesundheitliche Nebenwirkungen. Dabei wird die Dunkelziffer der nicht gemeldeten Fälle um ein Mehrfaches höher sein.
Eine besonders wichtige Nebenwirkung sind Krampfanfälle des Gehirns. Krämpfe der Herzkranzarterien und Herzinfarkte werden häufig berichtet. Energy Drinks können auch ein Auslösefaktor für Vorhofflimmern sein. Ebenso Herzhauptkammerflimmern mit der Folge des plötzlichen Herztodes ist ein gefürchtetes Ereignis.

Einrisse der Hauptschlagader mit schwerem Blutungsschock enden ebenfalls meistens mit dem Tod.

Energy Drinks können Bluthochdruck verursachen

Forscher konnten in einer wissenschaftlichen Untersuchung zeigen: Hochvolumige Energy Drinks (900 ml) mit einem Gehalt von 300 bis 350 mg Koffein in Verbindung mit zahlreichen anderen Substanzen können innerhalb von 2 Stunden einen deutlichen Anstieg des Blutdrucks verursachen. Der Blutdruck ist dabei systolisch um ca. 15 mmHg und diastolisch um 10 mmHg angestiegen. In Expertenkreisen bedeutet das: Am ehesten handelt es sich hier um einen erheblichen Anstieg des Schlagvolumens – also die Folge einer starke Adrenalin-vermittelte Aktivierung.

Energy Drinks: Risiko für plötzlichen Herztod kann steigen

Energydrinks mit einem Gehalt von 300 bis 350 mg Koffein und den weiteren Substanzen verlängern auch die sogenannte korrigierte QT-Zeit im EKG um mehr als 15 Millisekunden. Ab 10 Millisekunden ist das Risiko für Herzkammer-Rhythmusstörungen, Kammerflimmern und Torsade-de-pointes-Tachykardien grundsätzlich erhöht.

Ein Beispiel dafür, warum das hochrelevant ist: Hersteller müssen bei Medikamenten, die eine Zunahme von mehr als 6 Millisekunden im Vergleich zum Ausgangsbefund verursachen, die Fachinformationen mit Warnhinweisen versehen. In Einzelfällen droht dem Hersteller sogar der Entzug der Zulassung.

Zusammengefasst bedeutet das: Eine um mehr als 10 Millisekunden längere korrigierte QT-Zeit – und damit auch die Einnahme von Energy Drinks – ist mit einem höheren Risiko für den Plötzlichen Herztod verbunden.

Energy Drinks: Risiko für Herzinfarkt kann steigen

Energy Drinks können dafür sorgen, dass sich Arterien um 50 Prozent weniger erweitern. Dieses wird als Störung der Gefäßmotilität gedeutet. Folglich verändert sich der Blutfluss, wahrscheinlich sind auch die beschriebenen Krämpfe der Herzkranzarterien so verursacht. Ebenfalls nachgewiesen haben Experten, dass Energy Drinks zu mehr verklumpten Blutplättchen führen – damit einher geht eine stärkere Gerinnselbildung. All diese Störungen sind wesentliche Faktoren, wenn ein Herzinfarkt entsteht.

Energy Drinks: Herzschwäche kann Folge sein

Ein eingeschränktes Füllungs- und Pumpverhalten des Herzens kann ebenso eine Folge von Energy Drink-Konsum sein. Das ist ein Zeichen dafür, dass entweder das Herz energetisch erschöpft oder dass der Stoffwechsel gestört ist.

Risikogruppen für Nebenwirkungen von Energy Drinks

Sie können jetzt sicherlich nachvollziehen, dass einige Menschen Energy Drinks meiden sollten. Aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen, wie Energy Drinks auf das Herz-Kreislaufsystem wirken, können wir verschiedene Risikogruppen ableiten.

Energy Drinks vermeiden: Menschen über 35 Jahre

Bei Menschen ab dem 35. Lebensjahr besteht ein höheres Risiko für unerkannte Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Bluthochdruck. Mit steigendem Lebensalter haben in Deutschland zunehmend mehr Menschen einen Bluthochdruck:

  • 35-44 Jahre: 8,8 bis 10,5 Prozent
  • 45-54 Jahre: 25,9 bis 31,8 Prozent
  • 55-65 Jahre: 47,7 bis 51,3 Prozent

Besonders tückisch ist dabei, dass 30 bis 40 Prozent der betroffenen Menschen gar nicht wissen, dass Sie einen Bluthochdruck haben. Dabei ist der Bluthochdruck ein sehr wichtiger Faktor für weitere Herz-Kreislauferkrankungen.

Energy Drinks vermeiden: Menschen mit Gefäß-Risikofaktoren 

Menschen, die ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, sollten mit Energy Drinks ebenfalls vorsichtig sein. Zu den Risikofaktoren zählen unter anderem:

  • Diabetes mellitus
  • hoher Cholesterinspiegel
  • Nikotingenuss

Energy Drinks vermeiden: Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Folgende Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen eine Rolle:

Energy Drinks vermeiden: Diese Menschen sind unabhängig vom Alter gefährdet

Menschen, die mehr als 5 Tassen Kaffee pro Tag trinken, sind bereits stimuliert. Folglich sollten Sie daher zusätzliche Psychostimulanzien vermeiden. Insbesondere die Kombination von Alkohol und Energy Drinks ist nicht ratsam.

Psycho-aktive Medikamente, wie zum Beispiel Methylphenidat und Amphetamine zur Therapie des Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätssyndroms, sollten nicht mit Energy Drinks kombiniert eingenommen werden. Das Gleiche gilt übrigens auch für Drogen. Ebenso bei der Einnahme von Psychopharmaka ist der Genuss von Energy Drinks nicht ratsam.

Falls Sie eine akute oder chronische Entzündungserkrankung haben, sind Sie allein dadurch schon vermehrt durch Adrenalin aktiviert. Schon bei einer einfachen Erkältung kann durch Energy Drinks Ihr Risiko für Herzrhythmusstörungen steigen.

Überdies ist bei Medikamenten, die die QT-Zeit im EKG verlängern, das Risiko ebenfalls erhöht. Falls Sie bestimmte Antibiotika, Psychopharmaka oder auch Antiarrhythmika einnehmen, sollten Sie außerdem auf Energy Drinks verzichten. Schauen Sie daher auf den Beipackzettel, ob das jeweilige Medikament die QT-Zeit verlängern könnte.

 

Energy Drinks: das empfehlen wir in der Cardiopraxis

Wir in der Cardiopraxis empfehlen: Alle Menschen, die Risikofaktoren für Nebenwirkungen von Energy Drinks haben, sollten diese vermeiden. Vor allem Personen ab dem 35. Lebensjahr sollten grundsätzlich vorsichtig sein, da unerkannte Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen können.

Bitte bedenken Sie: Energy Drinks sind ein schlecht definiertes Gemisch aus psychisch-metabolisch aktivierenden Substanzen, deren Wirkung auf den Körper individuell kaum kontrollierbar ist.

Energy Drinks stimulieren explosiv wie ein Raketenstart, das Risiko des Absturzes ist erhöht…..eben keine Flügel.

 

 

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https://www.aerzteblatt.de/archiv/184187/Bluthochdruck-in-Deutschland

https://www.aerzteblatt.de › archiv › Med…Medikamentenbedingte QT-Verlängerung und Torsade de …

Higgins JP et al. Circulation 2018;138, Suppl. 1: Abstract 10655

Shah SA et al. JAHA 2019;8: https://doi.org/10.1161/JAHA.118.011318

Higgins JP et al. Beverages 2015;1:104-126

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Die Leber verstoffwechselt Medikamente

Damit Medikamente optimal wirken und zu keinen Nebenwirkungen führen, muss der menschliche Körper sie verstoffwechseln können. Manchmal ist es erst die biochemische Verarbeitung durch den Körper selbst, die aus einer sogenannten Pro-Drug, einem „Vormedikament”, die eigentlich wirksame Substanz „herstellt”.

Besonders wichtig für die Verstoffwechselung von Medikamenten ist die Leber. Sie ist das erste große Stoffwechselorgan, welches dem Darm und somit dem Aufnahmeort der meisten Präparate, nachgeschaltet ist. In der Leber wiederum ist es auf zellulärer Ebene das Cytochrom-P450-System, das vor allen anderen Systemen für den Ab- und Umbau von Medikamenten am wichtigsten ist, denn 90% aller Medikamente werden hier verarbeitet.

Cytochrome, auch CYPs genannt, sind Eiweiße, die vor allen Dingen wasserunlösliche Substanzen in wasserlösliche Stoffe umwandeln. Dadurch können diese besser ausgeschieden werden, zum Beispiel über die Niere. Für unterschiedliche Medikamente benötigt der Organismus unterschiedliche CYPs. So hat der Mensch 57 verschiedene CYPs. Eines der wichtigsten Cytochrome ist CYP3A4, hierüber werden bis zu 50 Prozent aller Medikamente verarbeitet.

Stoffwechsel von Medikamenten: bei jedem Menschen unterschiedlich durch Genetik

Menschen sind auch in Bezug auf das Cytochrom-System genetisch unterschiedlich. Variiert ein einzelnes CYP, z.B. CYP3A4 in seiner Ausprägung, dann nennen wir das einen Genpolymorphismus. Diese Genpolymorphismen sind ein wesentlicher Grund dafür, dass Menschen auf Medikamente mit unterschiedlicher therapeutischer Wirkung und mit unerwünschten Nebenwirkungen reagieren.

Wir unterscheiden:

  • slow metabolizer
  • normal metabolizer
  • fast metabolizer

„Slow metabolizer” bedeutet, dass ein CYP bedingt durch eine genetische Veränderung vergleichsweise langsam arbeitet. „Fast metabolizer” steht dafür, dass ein CYP besonders schnell eine angebotene Substanz umwandelt. Das erklärt auch, warum eine Substanz bei einigen Menschen gut wirken kann („normal metabolizer”), bei anderen aber nicht so gut, weil es z.B. zu schnell abgebaut wird („fast metabolizer”).

Über genetisch festgelegte Veränderungen erklärt sich auch ein Teil der Nebenwirkungen von Medikamenten. Ein zu langsamer Abbau des medizinischen Wirkstoffes („slow metabolizer”)  kann eine überstarke Anhäufung des Medikaments im Körper zur Folge haben. Das wiederum verursacht toxische Nebenwirkungen und der Körper ist überfordert.

Medikamente und Nahrungsmittel beeinflussen CYPs des Cytochrom P450 Systems

Medikamente und Nahrungsmittel können die Funktion von CYPs beeinflussen. Wir unterscheiden:

  • Substrate
  • Inhibitoren
  • Induktoren

„Substrat” bedeutet, dass ein Medikament von einem bestimmten CYP verarbeitet wird, z.B. Metoprolol über CYP 3A4. Der Stoffwechsel hängt also hier wesentlich davon ab, wie ein einzelnes CYP genetisch festgelegt ist.

Problematisch wird es bei „Inhibitoren”. Sie blockieren mehr oder weniger ein CYP und hemmen so den Abbau von anderen Medikamenten. Das können übrigens auch Nahrungsmittel sein, wie z.B. Grapefruit bei CYP3A4.

„Induktoren” hingegen beschleunigen die Stoffwechselrate von CYPs, so z.B. Johanniskraut bei CYP3A4. Entsprechende Medikamente werden dann schneller abgebaut und sind bei den betroffenen Menschen weniger wirksam. Das gilt übrigens auch für die kombinierte Einnahme der Anti-Baby-Pille mit Johanniskraut.

Ein Medikament beeinflusst häufig mehrere Cytochrome

Die meisten Menschen bekommen gleich mehrere Pillen verschrieben, z.B. bei der Behandlung von Koronarer Herzkrankheit, Herzschwäche oder Bluthochdruck. So wird der Abbau von Medikamenten noch komplizierter.

Verschiedene Medikamente werden über denselben Stoffwechselweg abgebaut, z.B. Metoprolol (Beta-Blocker), Lercanidipin (Kalziumantagonist) und Irbesartan (AT-Blocker) über CYP3A4. So kann auch bei einem CYP3A4 „normal-metabolizer” zu einer Überlastung von CYP 3A4 auftreten. Erstrecht, wenn es sich bei dem behandelten Menschen um einen „slow-metabolizer” handelt.

Meistens nutzt dasselbe Medikament verschiedene CYPs für den Abbau. Der häufig eingesetzte Beta-Blocker Metoprolol z.B. wird über CYP3A4 und CYP2D abgebaut. Andere Substanzen nutzen weit mehr und bis zu 7 CYPs. Bei den häufig genutzten Medikamenten des Herz-Kreislaufbereichs interagiert ein Medikament (Substrat, Inhibitor, Induktor) mit durchschnittlich mit 2,1 CYPs.

Genvarianten des Cytochrom-System bestimmen: ein Schritt in die richtige Richtung

Genetische Veränderungen von Cytochromen kann man heutzutage unkompliziert und zuverlässig molekular-genetisch mit Hilfe einer Blutprobe im Labor bestimmen. Allerdings liegen die Kosten für die notwendige komplette Charakterisierung zwischen 300 und 400 Euro. Diese werden nur von einem Teil der privaten Krankenkassen und gar nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

In der Cardiopraxis empfehlen wir Ihnen einen solchen Test, falls aufgrund von medikamentösen Nebenwirkungen der begründete Verdacht auf einen sogenannten Genpolymorphismus besteht. Wir raten Ihnen vor allen Dingen dann dazu, wenn Sie mit einer lebenslangen Einnahme von Medikamenten rechnen müssen. So können die aktuellen Medikamente überprüft werden und auch bei neuen Präparaten später Nebenwirkungen vermieden werden.

Medikamenteninteraktionen: So gehen wir praktisch in der Cardiopraxis vor

Es folgen jetzt einige Abschnitte, die eigentlich für Ärztinnen und Ärzte gedacht sind, die lernen wollen mit dem Cytochrom-System praktisch umzugehen. Falls Ihnen das verständlicherweise zu kompliziert ist, dann können Sie gerne zum letzten Abschnitt „Nebenwirkung von Medikamenten…” springen.

Leider stehen uns molekular-genetische Analysen nur gelegentlich zur Verfügung. Wie gehen wir da in der Cardiopraxis nun praktisch vor? Wir führen eine Cytochrom-Liste mit fast allen Medikamenten, die wir zur Therapie Ihres Herz-Kreislaufsystems nutzen. In dieser Liste ordnen wir den Medikamenten die verschiedenen CYPs mit ihren jeweiligen Eigenschaften zu. Diese Liste ist nur ein Beispiel wie Sie die Zuordnung machen können.1

Schritt 1: Verdacht schöpfen

Alles beginnt mit einem Problem. Bei zahlreichen Medikamenten kennen wir das Potenzial für Interaktionen. Z.B. ist das Herzrhythmusmedikament Amiodaron ein starker Inhibitor von CYP2C9 und Blutdrucksenker wie Irbesartan und Candesartan müssen in der Regel deutlich geringer dosiert werden.

Wenn ein Mensch von einer neuen Nebenwirkung berichtet, dann kann das schon auf eine Abbaustörung durch ein verändertes CYP hinweisen. Das gilt vor allen Dingen dann, wenn es sich um allgemeine Unverträglichkeit handelt.

Ein weiterer Ansatzpunkt: Wenn bei einem neuen Medikament eine stärkere Wirkung einer schon länger genommenen Substanz eintritt. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, dass Sie seit Jahren den Beta-Blocker Metoprolol in niedriger Dosierung einnehmen. Dabei lag Ihre Herzfrequenz in Ruhe bisher immer bei ca. 72 bpm. Nun erhalten Sie im Krankenhaus zusätzlich den Thrombozytenblocker Clopidogrel. Sie berichten nun über neu aufgetretene Benommenheit und eine Herzfrequenz von 56 bpm.

Was ist passiert?

Schritt 2: Interaktion zwischen Medikament und Cytochrom klären

Im ersten Schritt schauen wir, ob das unter Nebenwirkungsverdacht stehende Clopidogrel überhaupt über ein CYP verarbeitet wird. Wenn wir unsere CYP-Liste nicht zur Hand haben, dann schauen wir im Internet in der Datenbank „drugbank” nach. Hier finden wir unter „Predicted ADMET Features“ die sogenannte pharmakokinetische Eigenschaft des Medikaments: „A” steht für „Adsorption” (= Aufnahme), „D” für „Distribution (= Verteilung), „M” für „Metabolism” (= Stoffwechsel), „E” für „Excretion” (= Ausscheidung) und „T” für „Toxicity” (= Giftigkeit).

In der Spalte 1 „Property” sind die potenziellen Eigenschaften des Medikaments in Bezug auf das CYP-System aufgelistet. Darauf wurde es laborchemisch getestet, in diesem Fall die Eigenschaft als CYP2D6 Inhibitor.

In Spalte 2 unter „Value” ist angegeben, welche Eigenschaft das Medikament tatsächlich hat, z.B. Inhibitor. In der Tat ist Clopidogrel ein Inhibitor von CYP2D6.

Und in Spalte 3 finden Sie die Wahrscheinlichkeit dieser tatsächlichen Eigenschaft. Dabei werten wir 1,0 als hoch und <0,50 als niedrig. Im Fall von Clopidogrel besteht eine mittlere Wahrscheinlichkeit von 0,57, dass Clopidogrel ein Wirkung als „Inhibitor“ hat.

 

Schritt 3: Schnittmenge mit anderen Medikamenten finden

Nun haben Sie herausgefunden, dass Ihr Medikament Clopidogrel tatsächlich Einfluss auf das Cytochrom-System hat. Sie müssen jetzt sehen, ob andere Medikamente mit Clopidogrel eine Schnittmenge beim CYP2D6 haben. Das können Sie wieder über „drugbank” machen. Bei mehreren Medikamenten ist es manchmal einfacher, wenn Sie im englischen Wikipedia den Eintrag zum Cytochrom selbst lesen, in diesem Fall „CYP2D6”. Am Ende des Wikipedia-Beitrages finden Sie eine ziemlich vollständige Liste mit Medikamenten, die als Substrate, Inhibitoren oder Induktoren mit dem Cytochrom interagieren können.

Schritt 4: Konsequenzen ziehen

Falls wir den klinischen Verdacht auf einen Genpolymorphismus haben, schreiben wir das als Verdachtsdiagnose in unsere Arztbriefe. Wir versuchen dann in der Zukunft Medikamente zu vermeiden, die über diesen Stoffwechselweg abgebaut werden.

Nebenwirkungen von Medikamenten – schwierige Analyse für Ärztin und Arzt

Sie werden spätestens jetzt bemerkt haben, dass die Bewertung von Nebenwirkungen sehr komplex, schwierig und zeitaufwändig ist, auch für den verschreibenden Arzt. Das bedeutet: Die Empfehlung von Medikamenten ist folglich auch immer mit einem hohen Maß an Verantwortung verbunden.

Sie verstehen jetzt auch, warum es ab der Einnahme von 5 Medikamenten für eine Ärztin bzw. einen Arzt fast unmöglich ist, die Arzneimittelinteraktionen zu bewerten.

Das alles erklärt auch unseren Grundsatz in der Cardiopraxis: „So wenig Medikamente wie nötig”. Es geht hierbei nicht darum, Ihren individuellen Wünschen nach wenigen Präparaten zu folgen, sondern einfach um eine medizinische Notwendigkeit.

Wir rechnen in der Zukunft damit, dass die Bestimmung von Arzneimittelinteraktionen mit Medikamenten besser bestimmbar und besser vorhersehbar werden. Die bisherig eingesetzten einfachen Ampelsysteme, z.B. durch Apotheken sind noch zu grob. Ziel muss sein, die individuelle genetisch determinierte Stoffwechselaktivität von Cytochromen  bzw. ihre Aktivität bei Einsatz mehrerer Medikamente zu erfassen. Hilfreich werden hierbei  System der künstlichen Intelligenz sein, die große Datenmengen verarbeiten können. Optimal ist eine molekular-genetische Analyse des Cytochrom-Systems bei allen Menschen, die langfristig Medikamente einnehmen.

Anhang

Links zu einzelnen Medikamenten

Drugbank

Geben Sie oben einen Wirkstoff ein und scrollen Sie nach unten bis Sie zum Abschnitt „Properties“ gelangen. Dort finden Sie unter „Predicted ADMET Features“ die Bedeutung der Medikamente im Verhältnis zu verschiedenen CYPs.

Links zu einzelnen Cytochromen

Wikipedia-Links zu den wichtigsten CYPs für Herz-Kreislaufmedikamente.

1A2 2B6 2C8 2C9 2C19 2D6 2E1 2J2 3A4 3A5

Rot markierte Links kennzeichnen Beiträge, die Medikamentenlisten enthalten; Sie finden sie dort unter „Ligands“.

 

1Für die CYP-Liste übernimmt Cardiopraxis keine Gewährleistung. Nur zum internen Gebrauch in der Cardiopraxis gedacht.

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Mikronährstoffe sind ein wertvoller Bestandteil für ein gesundes Leben. Als Mikronährstoffe werden Vitamine, Mineralien und Spurenelemente bezeichnet. In der Regel reicht eine ausgewogene Ernährung aus und die allermeisten Menschen nehmen Mikronährstoffe in ausreichendem und im gesunden Maß zu sich.

Mikronährstoffmangel – ältere Menschen aufgepasst

Gerade ältere Menschen sollten hier besonders auf eine ausgewogene Ernährung achten. Normalerweise sinkt mit dem Alter der Energiebedarf und damit auch der Kalorienbedarf. Als Folge davon, essen ältere Menschen häufig auch weniger. Daher können so bedeutsame gesundheitlichen Konsequenzen auftreten. In der Tat ist es so, dass nämlich der Bedarf an Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen über das ganze Leben gleich hoch bleibt. Folglich ist die verringerte Nahrungsaufnahme ein entscheidender Grund für den Mangel an Mikronährstoffen bei älteren Menschen. Demnach sollten vor allen Dingen ältere Menschen auf eine ausreichende Zufuhr von Mikronährstoffen achten.

Gerade bei älteren Menschen nehmen häufig zahlreiche Medikamente ein, so dass hier ein Mikronährstoffmangel häufig noch verstärkt wird. Daher müssen vor allen Dingen ältere Menschen auf diese  Zusammenhänge besonders achten.

Mikronährstoffräuber kennen

Hier finden Sie eine Auswahl von Medikamenten, die vor allen Dingen in der Herz-Kreislauftherapie häufig eingesetzt werden:

  • Aspirin: Vitamin C, B12 und Folsäure
  • Statine: CoEnzym Q10
  • Torasemid, Furosemid, Hydrocholorthiazid: Kalium und Zink
  • Triamteren: Folsäure
  • Metformin: Vitamin B 12
  • Glibenclamid: CoEnzym Q10
  • Protonenpumpen-Hemmer: Vitamin B12 und D, Kalzium, Eisen
  • Abführmittel: Natrium, Kalium, Magnesium, Kalzium
  • H2-Blocker: Zink, Vitamin D
  • Cotrim: Folsäure
  • Orale Kontrazeptiva: Vitamin B 2 und C, Magnesium
  • Kortison: Vitamin D und K, Kalzium, Kalium, Zink

Medikamente auf Mikronährstoffräuber überprüfen

Folglich sollten Sie auf Symptome eines Mikronährstoffmangels achten. Hierbei kann es sich z.B. um Müdigkeit, Antriebsarmut oder Muskelsschwäche handeln. Vor allen Dingen sollten Sie sich zur Wirkung Ihrer Medikamente auf Mikronährstoffe erkundigen, denn auch zahlreiche andere Medikamente können zu einem symptomatischen Mikronährstoffmangel führen. Zum Teil kann der Mikronährstoffmangel auch laborchemisch bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt überprüft werden.

Aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse sollten Sie so wenig Medikamente wie möglich einsetzen, weil ab 5 Medikamenten Wechsel- und Nebenwirkungen kaum noch kontrollierbar sind. Weil Medikamente nicht nur Nebenwirkungen, sondern vor allen Dingen auch gewünschte therapeutische Wirkungen haben, ist es sinnvoll wenn Sie Medikamente nur in Absprache mit Ihrem Arzt ändern. Bedenken Sie immer, dass die unkontrollierte medikamentöse Umstellung ernste gesundheitliche Folgen haben kann.

Vitamine, Mineralien und Spurenelemente – nur kontrolliert einnehmen

Dank beruflicher Erfahrung und differenzierter Messmethoden zur Bewertung des Kreislaufs wissen wir in der Cardiopraxis, dass Mikronährstoffe ebenfalls zu Nebenwirkungen führen können und betrachten sie daher wie Medikamente. Infolgedessen sollten Sie Mikronährstoffe nur kontrolliert und in Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt nutzen, weil die unkontrollierte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, vor allen Dingen von Magnesium zu Nebenwirkungen führen kann.

📚 Gröber U. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft: Arzneimittel und Mikronährstoffe, 3. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 2014

 

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Hydrochlorothiazid (HCT) ist ein harntreibendes Medikament – ein sogenanntes Diuretikum. Häufig wird es als Kombinationspräparat bei Herz-Kreislauferkrankungen eingesetzt, etwa bei Herzschwäche, Bluthochdruck und Wassereinlagerungen.

Eine große dänische Registerstudie zeigte, dass HCT unter bestimmten Voraussetzungen das Risiko für nicht-schwarzen Hautkrebs erhöhen kann. Dazu zählen das Basaliom, das in Westeuropa zwischen 30-150 von 100.000 Menschen haben, sowie das Spinaliom, das in dieser Region bei zwischen 1-34 von 100.000 Menschen vorkommt.
Gemäß der Studie steigt das Risiko für diese Krebsarten, je länger und mehr HCT eingenommen wird.

Konkret heißt das:

  • bei einer Einnahme von mehr als 50.000 mg HCT steigt das Risiko für ein Basaliom um 29 %
  • bei einer Einnahme von mehr als 200.000 mg HCT steigt es sogar um 54 %

Auf eine Menge von mehr als 50.000 mg HCT kommt zum Beispiel, wer über etwa 11 Jahre täglich eine typische HCT-Dosis (12,5 mg) einnimmt.

Zu den Risikofaktoren für nicht-schwarzen Hautkrebs zählen zudem:

  • heller Hauttyp
  • familiäre Belastung
  • hohe Sonneneinstrahlung
  • Immunsuppression

Betroffenen Personen empfehlen wir, HCT nicht eigenmächtig abzusetzen. Über alternative Präparate können Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt sprechen. Bei langjähriger Einnahme sind außerdem ein sorgfältiger Sonnenschutz und regelmäßiges Hautkrebsscreening wichtig.

 

📚 Rote-Hand-Brief „Hydrochlorothiazid“ des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

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Rauwolfia Tropfen – ein wertvolles Medikament

In die Cardiopraxis kommen häufig Menschen, die erst seit kurzer Zeit einen erhöhten Blutdruck haben und die uns gleichzeitig über innere Unruhezustände bis hin zu vermehrter Angst berichten. Wir werten dann den erhöhten Blutdruck zunächst nicht als eigenständige, und schon gar nicht als lebenslange Erkrankung.

Bluthochdruck ist grundsätzlich zunächst immer erst einmal nur ein Symptom, welches eine Ursache hat. Häufig liegt in solchen Fällen eine Stressreaktion vor, die z.B. durch einen zu aktiven oder zu stark herabgesetzten Stoffwechsel oder auch durch emotionale Überlastung ausgelöst verursacht wird. Mit einfachen therapeutischen Maßnahmen lässt sich dieser Zustand meistens ursächlich beheben und der erhöhte Blutdruck als Symptom normalisiert sich wieder.

Zu unseren therapeutischen bewährten Behandlungsmitteln gehört seit Jahren Rauwolfia serpentina. Diese wertvolle medizinische Heilpflanze, deren medizinische Wirksamkeit in Indien schon seit etwa 1.000 v. Chr. bekannt ist, wird im Deutschen auch „Schlangenwurz“ genannt.  Mahatma Gandhi selbst soll sie zur Beruhigung mit dem abendlichen Tee getrunken haben.

Stress durch Überaktivierung

Im autonomen Nervensystem stehen die Botenstoffe Noradrenalin bzw. Adrenalin für Aktivität und Wachheit. Sie sind für uns besonders in Situationen wichtig, welche maximale Aktivität von uns fordern. Wir sprechen hier auch von den „Angriffs- bzw. Fluchthormonen“. Sie werden aber auch bei chronischem emotionalem Stress vermehrt freigesetzt, z.B. durch Umweltfaktoren wie ein zu lautes bzw. ein lärmendes Umfeld, Anspannung durch berufliche Überladung, und auch soziale Stressoren.

Besonders problematisch ist hierbei, dass sich der Stress in einem selbst-verstärkenden Prozess aufschaukeln kann: Stress macht mehr Stress. Sie können sich das so vorstellen wie bei einer Katze: Sie können zwar den Stressbaum leicht hochklettern, es fällt Ihnen aber schwer wieder herunterzukommen. Fast jeder von uns hat das schon mal erlebt. Innere Unruhe, Gereiztheit, kreisende Gedanken und Schlafstörungen können die bekannten Folgen sein.

So sind Sie dann einfach nicht mehr Ihr normales Selbst und auch der Kontakt zu Ihrem sozialen Umfeld leidet. Dieser Zustand kann über Tage und Wochen anhalten bis dann die Erschöpfungszustände überhandnehmen.

Rauwolfia reduziert den Stress

Die Wurzel von Rauwolfia serpentina enthält den Wirkstoff Reserpin. Dieser hemmt die Freisetzung und fördert Abbau von Neurotransmittern, wie z.B. von Noradrenalin bzw. Adrenalin. Mit dieser Wirkweise kann Reserpin in folgenden Situationen helfen, z.B. unter kontrollierten Bedingungen bei leichtem, sog. rotem Bluthochdruck und sehr gut auch bei den beschriebenen Unruhezuständen aufgrund einer Überaktivierung durch Stress.

Rauwolfia-Tropfen – kontrollierte Einnahme ist wichtig

Wir haben sehr gute Erfahrungen mit der Rauwolfia Serpentina Urtinktur von Weleda gemacht. Es handelt sich dabei um Phytotherapie und es ist KEIN homöopathisches Produkt. Rauwolfia-Tropfen sind rezeptpflichtig.

Wir empfehlen bis zu 1-2 Tropfen Urtinktur pro 10 kg Körpergewicht 2-mal am Tag. Die Tropfen müssen für eine optimale Wirkung 1-2 Minuten im Mund bleiben, so dass sie über die Mundschleimhaut aufgenommen werden können. Für einen besseren Geschmack können sie die leicht bitteren Tropfen auch auf einem Esslöffel mit etwas Wasser verdünnen.

Sie sollten mit einer niedrigen Dosis von z.B. 2×2 Tropfen beginnen und dann jeweils am Abend um 2 Tropfen bis z.B. auf 2×16 Tropfen steigern. Führt die abendliche Dosis zu einer überstarken Müdigkeit, dann ist es ratsam am Morgen eine etwas niedriger Dosis einzunehmen. Sollte das auch mit vermehrter Müdigkeit und Einschränkung der Leistungsfähigkeit verbunden sein, dann sollten Sie die Behandlung pausieren und mit Ihrem Arzt sprechen.

Insgesamt sollte man Rauwolfia-Tropfen nicht mehr als 14 Tage im Monat einnehmen.

Relevante Nebenwirkungen wie langsamer Herzschlag oder auch mal schlechte Träume sind selten. Falls vermehrt Müdigkeit auftritt, dann werten wir das als Zeichen dafür, dass wir das pharmakologische Therapieziel erreicht haben und raten zur Pause.

Sie sollten keine Rauwolfia-Tropfen einnehmen, wenn Sie folgenden Erkrankungen bzw. Zustände aufweisen: Depression, neuro-humorale Erkrankungen wie Morbus Parkinson, eine niedrige Herzfrequenz oder Herz-Reizbildungs- und leitungsstörungen im EKG, wie z.B. einen AV-Block.

Rauwolfia-Tropfen – in der Regel als Krisenintervention

In der Cardiopraxis verordnen wir Rauwolfia sowohl bei leichtem Bluthochdruck als auch bei inneren Unruhezuständen, die ja häufig mit meistens vorübergehendem Bluthochdruck verbunden sind. Wir nutzen dieses Medikament in der Regel nur vorübergehend als Krisenintervention, denn es geht uns in erster Linie darum den „Teufelskreis“ Stress zu durchbrechen, oder anders ausgedrückt: wir bauen der Katze eine Leiter, damit sie vom Baum wieder runterkommen kann. Häufig reicht ein eimaliger Behandlungszyklus aus, um bei Ihnen wieder normale Verhältnisse herzustellen.

Schon vor Beginn der Behandlung sollten Sie sich gemeinsam mit Ihrem Arzt darüber im Klaren werden, wo die Ursache für Unruhezustände liegen. Immer wieder mal sind Unruhezustände ein erstes Zeichen für eine bedeutsame Organerkrankung. Wesentlich häufiger sind Unruhezustände allerdings neben psychischen Faktoren die Folge der Einnahme von Hormonpräparaten einschließlich Schilddrüsenmedikamenten, Kreislaufpräparaten und von Stoffwechsel-aktivierenden Produkten, wie z.B. Magnesium.

In jedem Fall sollten Sie die Behandlung mit Rauwolfia nur mit Begleitung eines Arztes durchführen!

 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Die Weihnachtsfeiertage und die Jahreswende stehen kurz bevor. Eine schöne Zeit, aber: Die meisten Arztpraxen sind dann geschlossen. Falls Sie also Medikamente einnehmen, sollten Sie am besten heute noch den Bestand überprüfen und sich rechtzeitig beim Hausarzt Rezepte besorgen.

In akuten lebensbedrohlichen Notfällen verständigen Sie sofort den Notarzt mit der 112 und teilen Sie ihm genaustens mit: Was ist passiert? Wer ist involviert? Wann und wo ist es passiert?

Ein akut lebensbedrohlicher Notfall liegt vor, wenn folgende Symptome auftreten:

  • Brustschmerzen, vor allen Dingen in Verbindung mit Luftnot
  • Bewegungs- und/ oder Sprachstörungen
  • starker (oder nicht bekannter) Kopfschmerz
  • Benommenheit und Bewusstlosigkeit
  • Gesichtsblässe und vermehrtes Schwitzen
  • schwere Luftnot

Die 116117 (elf6elf7) – den Ärztlichen Notdienst – verständigen Sie bitte bei folgenden nicht-lebensbedrohlichen Symptomen:

  • Brechdurchfall
  • Erkältung mit hohem, nicht beherrschbarem Fieber
  • Bauchschmerzen
  • Harnwegsinfekt
  • Rückenschmerzen
  • starke Hals- und Ohrenschmerzen

Bleiben Sie gesund! Handeln Sie rechtzeitig und rufen Sie die richtige Nummer an!

 

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Bei der Krankheit Arteriosklerose wird der Körper daran gehindert, LDL-Cholesterin in den Arterien von Herz, Gehirn und Beinen zu senken. Das kann zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen.

Einfach und effektiv helfen dagegen sogenannte Statine. Sie senken das LDL-Cholesterin um 35 bis 55 %.
Natürlich gebildet wird Cholesterin nachts in der Leber. Weil die Abbaurate von verschiedenen Statinen sehr unterschiedlich ist (z. B. Simvastatin ca. 2 Stunden, Rosuvastatin ca. 19 Stunden), müssen sie auch entsprechend eingenommen werden:

  • kurz-wirksame Statine (z. B. Simvastatin, Pravastatin): abends einnehmen
  • lang-wirksame Statine (z. B. Atorvastatin, Rosuvastatin): können auch morgens eingenommen werden

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11 % aller Frauen im gebärfähigen Alter (16 bis 49 Jahre) haben Eisenmangel. Das geht nicht zwangsläufig mit Blutarmut (Anämie) einher – daran leiden 4 % dieser Zielgruppe.

Folgende Symptome treten bei ihnen auch ohne Anämie auf:

  • Abgeschlagenheit
  • Schwäche
  • Kopfschmerzen
  • Reizbarkeit
  • eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit
  • Belastungsluftnot
  • Benommenheit
  • Angina pectoris

Frauen, die diese Symptome aufweisen und/oder starke Regelblutungen haben, sollten ihr Blutbild und ihren Eisenstoffwechsel kontrollieren lassen.

Auch andere Ursachen für Eisenmangel sind denkbar, zum Beispiel

  • verminderte Eisen-Zufuhr (etwa bei Vegetariern oder Veganern)
  • Eisen-Verlust (z. B. Mikroblutung im Magen-Darm-Bereich)
  • verminderte Eisen-Aufnahme (etwa bei Magen-Darmerkrankungen)

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Viagra-Nutzer: Aufgepasst!

Die Hauptnebenwirkung von sogenannten PDE-Hemmern wie Viagra®, Cialis® oder Levitra® sind Blutdruckabfälle. Durch ihre Adrenalin-vermittelte Aktivierung können zudem weitere Nebenwirkungen bis hin zum Herzinfarkt die Folge sein. Männer, die einen PDE-Hemmer nutzen, nehmen zur Behandlung einer Prostatavergrößerung häufig auch Alpha-Blocker ein – als hochwirksame Blutdrucksenker erhöhen diese das Risiko für Nebenwirkungen zusätzlich.

Typische Symptome sind dann Benommenheit, Bewusstseinsverlust, Herzrasen oder -stolpern, Unruhegefühl oder Druck auf der Brust. Vorbeugen kann man dem Ganzen, indem man die Medikamenteneinnahme mit der Ärztin bzw. dem Arzt abklärt. Hilfreich ist zum Beispiel die zeitversetzte Einnahme von PDE-Hemmern und Gefäß-erweiternden Medikamenten.

Mit Nitropräparaten sollten Viagra und Co dagegen niemals eingenommen werden. Auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von 30 ml pro Kilogramm und Tag ist förderlich. Im Notfall ist schnelles Handeln gefragt: Bei Benommenheit und Unruhegefühl die Beine hochlegen, im Zweifel den Notarzt rufen!

 

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