Histaminintoleranz, Mastzellaktivitätssyndrom, Excercise Induced Anaphylaxis – schwer zu unterscheiden – Fallbericht

Bei den Histamin-vermittelten Erkrankung ist gerade die Abgrenzung zwischen einem Mastzellaktivitätssyndrom und einer Histaminintoleranz schwierig, da einfache und sichere diagnostische Labortests nicht zur Verfügung stehen.

Hier hilft meistens nur eine genaue Analyse der Begleitumstände weiter. Zu diesen zählen die Art der zugeführten Nahrung, der Ablauf der Symptomentwicklung und die Betrachtung weiterer Auslöser, wie z.B. Temperatur und körperliche Aktivität. Meistens wird erst nach Jahren, d.h. nach zahlreichen Episoden ein Muster erkannt, was dann eine diagnostische Zuordnung erlaubt.

Vorgeschichte – Allergie und Nahrungsmittelunverträglichkeit bekannt

Aus der medizinischen Vorgeschichte eines 53-jährigen Mannes ist eine saisonale Allergie (Rhinitis, Konjunktivitis) in der Jugend bekannt. Später zeigte sich dann ein eindeutiger allergischer Zusammenhang nur noch mit der Exposition von Latex, z.B. Latexhandschuhe beim Zahnarzt (Jucken der Mundschleimhaut, Asthma-ähnliche Symptome).

Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit wurde erstmalig um das 30. Lebensjahr bemerkt. Die Nahrungsmittelunverträglichkeit war bis dahin noch nicht gut charakterisiert. Das bedeutet vor allen Dingen, dass die auslösenden Nahrungsmittel nicht bekannt waren.

Urlaub bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit 

Gemeinsam mit seiner Frau verbrachte der Mann in einem Januar einen Urlaub im Norden der Dominkanischen Republik nahe der Stelle, wo Kolumbus das erste Mal in Amerika an Land ging. Das Wetter war gut, die Außentemperaturen erreichten am Tag 29 0C und die Luftfeuchtigkeit lag um 95%.

An einem warmen Abend besuchte das Ehepaar unweit des Hotels in ca. 400 m Entfernung ein Restaurant mit einem schönen Ausblick auf das Meer. Der Mann entschied sich für Shrimps mit Cocktailsauce (Ketchup, Meerrettich, Worchester Sauce, Limonensaft, Chili), trinkt 2 trockene Martinis und 2 Gläser Weißwein. Nach angeregten (und guten) Gesprächen verließ das Paar ca. 30 Minuten nach dem letzten Schluck Wein das Lokal in die Dunkelheit.

 

Histamin Symptome durch körperliche Bewegung 

Beim Verlassen des Lokals war noch alles in Ordnung.

Allerdings bemerkte der Mann schon nach ca. 100 m Gehen einen Juckreiz im Ohr. Ein überwältigender Juckreiz war sehr schnell am ganzen Körper zu verspüren. Am deutlichsten waren die Handinnenflächen und die Fußsohlen sowie der Genitalbereich betroffen. Der Ablauf war mit einem sehr starken Unruhegefühl (einschl. Wutausbruch) verbunden. Je weiter der Mann ging, desto schlimmer wurden es.

Nach insgesamt ca. 400 m Gehstrecke erreichte das Ehepaar das Hotel. Die Ehefrau des Mannes war in großer Sorge, weil jetzt bei Licht betrachtet bei ihrem Ehemann auch noch eine entstellende Schwellung des Gesichts sichtbar wurde. Glücklicherweise war seine Luftnot nicht sehr ausgeprägt. Der Schlundbereich war nur leicht geschwollen und die Schluckstörungen gering, so dass Tabletten geschluckt werden konnten.

In der Annahme, dass es sich um Histamin-vermittelte Symptome handelt, gab die Ehefrau ihrem Mann 1 Tablette Lorantadin (H1-Rezeptorblocker). Aufgrund des Hitzegefühls ging Mann unter die Dusche.

Die Unruhe hielt tief bis in die Nacht an und die Ehefrau dachte immer wieder daran ein Krankenhaus aufzusuchen, was aufgrund der abgelegenen Lage des Hotels in einem sehr kleinen Ort logistisch schwierig war.

Am Folgetag waren Unruhe und Juckreiz verschwunden, die Gesichtsschwellung hielt deutlich sichtbar für insgesamt 3 Tage an.

Juckreiz durch Nahrungsmittel – Histaminintoleranz? 

Betrachten wir den Fall nun etwas genauer, dann müssen wir zunächst die Nahrungsmittel analysieren.

Die Cocktailsauce zu den Shrimps enthielt mit Sicherheit Ketchup bzw. Tomatenmark. Beide haben einen mindestens mittel-hohen Gehalt an Histamin und sind darüber hinaus auch sog. Histamin-Liberatoren, d.h. sie begünstigen die Freisetzung von Histamin aus Mastzellen. Meerrettich gilt als unkompliziert, Worchestersauce hingegen hat einen hohen Histamingehalt.

Shrimps frisch gegessen sind meistens kein Problem. Allerdings kann eine Unterbrechung der Kühlkette den Histamingehalt durch Histamin-produzierende Bakterien hier kritisch steigern, und dass gerade bei warmer Umgebungstemperatur.

Und obendrauf ist Alkohol ein sehr starker Diaminooxidasehemmer, d.h. durch Alkohol wird der Abbau von Histamin kritisch gestört.

Aufgrund der Nahrungsmittel muss von einer Histaminintoleranz mit verminderter Diaminooxidaseaktivität, einer genetisch bedingten Abbaustörung von Histamin, ausgegangen werden. Die Kombination von gesteigerte Histaminzufuhr, vermehrter Freisetzung aus Mastzellen (Histaminlibertoren) und einer zusätzlichen Hemmung der Diaminooxidase durch Alkohol ist allein schon ein Grund für die geschilderte Symptomatik.

Das Besondere an diesem Fall ist allerdings, dass die Symptome erst mit einsetzender körperlicher Aktivität, in diesem Fall in Verbindung mit hohen Außentemperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit einsetzten.

Juckreiz durch Gehen – Excercise Induced Anaphylaxis?

Die Verbindung von körperlicher Aktivität und Symptomen des Histaminüberschusses ist als Exercise Induced Anaphylaxis (EIAn) oder Syndrom der Anaphylaxie durch körperliche Aktivität in der wissenschaftlichen Literatur bekannt.

Bei der Excercise Induced Anaphylaxis werden verschiedene Co-Faktoren genannt in der Literatur genannt. Laut diesen Angaben sind Nahrungsmittel in ca. 30% der Fälle ein Begleitumstand. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um solche, die eine Wirkung auf den Histaminstoffwechsel haben.

In ca. 28% der Fälle werden als Belgleitumstand sog. nicht-steroidale Entzündungshemmer genannt. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass Aspirin, Indometazin, Diclofenac als Histamin-freisetzende, sog. Histaminliberatoren gelten, im Gegensatz übrigens zu Ibuprofen.

Ein durch Immunglobulin E vermittelter Mechanismus, d.h. eine allergische Reaktion mit einer vermehrten Durchlässigkeit der Darmwände für Histamin wird diskutiert. Insgesamt gelten die Mechanismen der Excercise Induced Anaphylaxis allerdings als unklar.

Die Exercise Induced Anaphylaxis gilt zwar als selten, ist wahrscheinlich, aber doch häufiger als gedacht.  Die Bedeutung der Nahrung wird unserer Meinung nach im Zusammenhang mit der Exercise Induced Anaphylaxis allerdings unterschätzt.

Bei der Ursachensuche fragen Ärztinnen und Ärzte meistens nur nach zeitlich unmittelbaren Zusammenhängen. So zum Beispiel “Was haben Sie an diesem Tag bzw. unmittelbar vor den Symptomen gegessen?”. Zusammenhänge mit der Ernährung an den Vortagen werden fast nie erfragt. Allerdings haben Nahrungsmittel auch noch Tage nach der Einnahme Einfluss auf den Histaminstoffwechsel. So kann sich eine zunehmend labilere Situation aufbauen, die dann durch körperliche Aktivität kippt und Symptomen zur Folge hat.

Darüber hinaus ist die Abhängigkeit von Histaminsymptomen von körperlicher Aktivität kaum bekannt. Viele Menschen sind nach dem Essen körperlich in irgendeiner Form aktiv, nur der Zusammenhang zwischen Nahrungsaufnahme, körperlicher Aktivität und Symptomen wird nicht gesehen.

Juckreiz durch Ernährung und erhöhte Körpertemperatur – Mastzellaktivitätssyndrom?!! 

Mastzellen werden durch Wärme aktiviert und setzen dann vermehrt Histamin frei. In diesem Fall haben 4 Faktoren zur Steigerung der Körpertemperatur beigetragen.

Hohe Außentemperatur. Eine hohe Außentemperatur verringert den Gradienten, d.h. den Unterschied zwischen Körpertemperatur und Umgebung. So kann der Körper weniger Wärme durch Abstrahlung abgeben.

Hohe Luftfeuchtigkeit. Die hohe Luftfeuchtigkeit verhindert die Verdunstung von Schweiß auf der Haut. Die Wärmeabgabe durch Schwitzen war somit deutlich gestört.

Körperliche Aktivität. Körperliche Aktivität erhöht durch die Steigerung von Stoffwechselprozessen die Körpertemperatur.

Steigerung Körpertemperatur durch Symptome. Hinzu kommt im Sinne eines selbstverstärkenden Prozesses, dass die körperliche Stressreaktion, welche durch den Juckreiz verursacht wird, ebenfalls zur Steigerung der Körpertemperatur beiträgt.

Folglich trat die Steigerung der Körpertemperatur durch eine Kombination von vermehrter Wärmebildung und kritisch verringerten Möglichkeiten der Wärmeabgabe auf.

Im Übrigen hat berichtete der Betroffene, dass solche Ereignisse auch bei niedrigeren Außentemperaturen 6-12 Mal im Jahr auftreten. Bei niedrigeren Außentemperaturen sind die Symptome allerdings nicht so stark ausgeprägt, was für die Relevanz der Steigerung der Körpertemperatur durch körperliche Aktivität spricht.

Das Mastzellaktivitätssyndrom ist gekennzeichnet durch eine Instabilität von Mastzellen, d.h. bereits bei leichter Reizung setzen die Zellen Histamin frei. Zu diesen Auslösern gehören auch physikaliche Reize wie Druck und eben auch extreme Temperaturen, sei es Kälte oder Hitze. Auch der Sprung ins kalte Wasser an einem heißen Sommertag kann ein Trigger sein.

Aktivitäts-induzierte Anaphylaxie als Symptom des Mastzellaktivitätssyndroms

Grundlage für die die verstärkte Wirkung von Histamin war in diesem Fall ein Nahrungs-vermittelter Überschuss von Histamin im Gewebe. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat eine latente Instabilität von Mastzellen im Sinne eines Mastzellaktivitätssydroms in Verbindung mit einer Steigerung der Körpertemperatur eine zusätzliche Freisetzung von Histamin und damit eine Symptom-begünstigende bzw. verstärkende Wirkung gehabt.

Eine zirkulatorische Bedeutung bei der Exercise Induced Anaphylaxis, d.h. eine Verteilung, z.B. von Histamin aus dem Darm in den Körper durch einen gesteigerten Kreislauf darf nicht außer Acht gelassen werde.

In diesem Kontext verstehen wir die Aktivitäts-induzierte Anaphylaxie als Teil des Mastzellaktivitätssyndroms.

Histaminintoleranz, Mastzellaktivitätssyndrom – Symptomen vorbeugen 

Sollten Sie an einer symptomatischen Histaminerkrankung, vor allen Dingen an einer Histaminintoleranz und/oder ein Mastzellaktivitätssyndrom leiden, dann ist für Sie ratsam gerade bei nicht selbst-zubereitetem Essen bzw. zweifelhafter Lagerung von Lebensmitteln vorsichtig zu sein. Sie können und sollten allerdings nicht jedes Essen außer Haus ausschlagen, nur weil Sie Symptome fürchten.

Achten Sie vor allen Dingen auf die Kombination von Lebensmitteln. So können Sie z.B. sicherlich Shrimps essen, vielleicht sogar mit Cocktailsauce; auf den Alkohol sollten Sie bei einer solchen Mahlzeit allerdings verzichten. Gerade bei einem Essen außer Haus macht es Sinn ca. 30 Minuten vor der Mahlzeit einen Diaminooxidasehemmer in Kapselform, z.B. Daosin (frei verkäuflich) einzunehmen.

Histaminintoleranz, Mastzellaktivitätssyndrom – Symptomen einfach behandeln 

Sollten Sie die Zeichen einer bewegungs- bzw. Körpertemperatur-abhängigen Symptomatik, und damit Hinweise auf ein Mastzellaktivitätssyndrom bestehen, dann ist es ratsam bei Symptombeginn einen kühlen Raum, z.B. mit Klimaanlage aufzusuchen und sobald als möglich die körperliche Aktivität einzustellen. Also, nach dem Essen lieber ruhen, als 1.000 Schritte tun.

Auch eine kühlende Dusche mit handwarmem Wasser kann die Aktivität der Mastzellen und damit auch die Ausschüttung von Histamin verringern. Wichtig ist dabei, dass Sie sich nicht b abtrocknen und das Wasser verdunsten lassen, denn das kühlt am besten. Eine eiskalte Dusche oder gar ein Sprung ins kalte Wasser sollten Sie allerdings auf keinen Fall unternehmen, da auch starke Kälte bzw. ein plötzlicher Wechsel von warm nach kalt die Mastzellen ebenfalls aktivieren kann.

 

 

 

 

 

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Verdacht auf Histaminintoleranz – Fallbericht 

Histaminerkrankungen, d.h. Allergien, die Histaminintoleranz oder auch das Mastzellaktivitätssyndrom können vermittelt durch Histamin zu zahlreichen verschiedenen Symptomen führen. Die Abgrenzung zwischen der Histaminintoleranz und der Manifestation eins Mastzellaktivitätssyndroms ist nicht immer einfach, da Laborbefunde nur begrenzt die Diagnose sichern können. Die genaue Schilderung der Symptome ist daher häufig richtungsweisend. 

Vorgeschichte – Allergie und Nahrungsmittelunverträglichkeit 

Bei einem 57-jährigen Mann ist seit der Kindheit eine saisonale Allergie (Gräser, Birkenpollen) mit Rhinitis und Konjunktivitis bekannt. Diese ist seit dem ca. 20. Lebensjahr deutlich rückläufig und aktuell fast nicht mehr vorhanden.  

Mit der beruflichen Tätigkeit (Arzt) trat dann ca. 10 Jahre nach der Erstexposition eine Latexallergie (Latexhandschuhe) auf. Diese manifestierte sich mit Juckreiz an Händen und Augen sowie mit einem leichten Asthma. Das Problem konnte mit latexfreien Handschuhen beherrscht werden.  

Zwischen dem 30. und 35. Lebensjahr tritt erstmals eine Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln auf. Neben starkem Juckreiz traten auch Ereignisse mit schwerer Luftnot auf. Anfänglich traten diese Episoden 2-4 Mal pro Jahr auf, stiegen aber in der Häufigkeit bis auf aktuell 6-12 Episoden pro Jahr.  

Akute und anhaltende Reaktion auf Histamin – Brühwürstchen, Sauerkraut und Senf

Der Betroffene aß zum Mittagessen eine Mahlzeit bestehend aus Brühwürstchen, Sauerkraut und Kartoffelpüree. 

 Die akuten Symptome entwickelten sich 10 Minuten nach Ende der Mahlzeit und der Mann nahm dann auf Anraten seiner Frau 2 orale Antihistaminika ein, den H1-Blocker Lorantadin (10mg) und den H2-Blockers Ranitidin (300 mg). Die Symptomentwicklung hatte eine klare Abfolge, indem sie eindeutig zuerst im Rachenraum bemerkt wurde. Die Schwellung der Augen sowie die sprunghafte Gewichtszunahme um 1 kg hielten bis zum Tag 3 an. 

Erste Symptome im oberen Verdauungstrakt – V.a. Histaminintoleranz 

Das erste und das am stärksten ausgeprägte Symptom war eine Schwellung im Rachenraum. Dadurch entwickelten sich eine kloßige Sprache und Schluckstörungen, so dass der Betroffene in der Akutphase folglich sogar Medikamente nur schwerlich schlucken konnten. Ein weicher „Stuhlgang“ trat an Tag 2 auf. 

Unverträglichkeit von Histamin – Müdigkeit ein häufiges Symptom 

Die Müdigkeit, die z.T. auch auf die Einnahme von Antihistaminika zurückgeführt werden kann, hielt bis zum Abend an. Der Betroffene kennt allerdings auch Müdigkeit als Histaminsymptom ohne den Einsatz von H1-Blockern.  

Die Schwellung um die Augen trat früh auf.  Die Augenschwellung ging am Tag 2 langsam zurück, hielt aber gut sichtbar bis zum Tag 3 an. Ein weiteres Zeichen für den Austritt von Flüssigkeit in das Körpergewebe war ein sprunghafter Anstieg des Körpergewichts, welcher am Tag 3 noch nachweisbar war. 

Histamin – Herzrhythmusstörungen im EKG mit Apple Watch 4 und AliveCor Kardia 6L nachweisbar 

Mit verschiedenen EKG-Systemen (Apple Watch 4, Kardia 6L von AliveCore) konnten wir 10-15 Minuten nach Beendigung der Mahlzeit atriale (gelber Punkt) und ventrikuläre Extrasystolen (roter Punkt) registrieren. Die ventrikulären Extrasystolen waren nach ca. 1 Stunde deutlich rückläufig bzw. nicht mehr nachweisbar. Folglich kam es nur noch zu atrialen Extraaktionen, die allerdings nicht mehr in der anfänglichen Häufigkeit auftraten. Schließlich müssen wir hier berücksichtigen, dass der anfänglich eingenommene H2-Blocker eine in diesem Fall positive Wirkung auf das Herz haben kann. 

Interessanterweise lag die Herzfrequenz in der Nacht (gemessen mit Apple-Watch 4 + SleepWatch App) bis zum Morgen, d.h. 16h Stunden nach der Symptom-auslösenden Mahlzeit mit 77 bpm mehr als 10 bpm höher als in den 7 Tagen davor (durchschnittlich 15,1 bpm kleiner 77 bpm). Dadurch war eine weiterhin gesteigerte elektrische Aktivierung des Herzens mit dem erhöhten Risiko von Herzrhythmusstörungen gegeben. 

 Für weitere Informationen zum EKG: siehe Blog 1-Kanal EKG mit Smartphone 

Histamin – Angina pectoris eindeutig dem Herz zuzuordnen 

Am Tag 2, ca. 20 Stunden nach der Mahlzeit trat ein Brustengegefühl, eine sog. Angina pectoris, in Ruhe auf. Die Herzfrequenz betrug 92 bpm. Das 12-Kanal Ruhe-EKG in der Arztpraxis ergab keine ST-Streckenveränderungen, die Echokardiografie war mit normalen regionalen Kontraktionen ebenfalls unauffällig. Somit lagen keine Zeichen einer ausgeprägten Durchblutungsstörung des Herzmuskels vor. 

Der Nitro-Spray Test war typisch positiv. Nach ca. 5 Minuten löste sich der Brustdruck mit einem deutlich befreienden Gefühl in der Brust begleitet von leichten Kopfschmerzen (häufig). Allerdings ist Nitrospray typischerweise nur kurz wirksam und nach ca. 30 Minuten trat die Angina pectoris wieder auf. 

Nun wurde in der Praxis 1 Ampulle Cimetidin (200 mg) intravenös injiziert. Wieder kam es zu einer typischen Lösung der Beschwerden nach ca. 5 Minuten. 

Die Wirksamkeit vor allen Dingen von Nitrospray spricht für einen Gefäßkrampf der großen Herzkranzgefäße (koronarer Vasospasmus). 

Nebenbefund – Wirkung von Cimetidin auf Histaminrezeptoren im Harntrakt

Am Tag 2 erfolgte die Gabe des Antihistaminikus Cimetidien intravenös. In der Folge war der Harnstrahl bei dem 57-jährigen Mann subjektiv deutlich stärker. Hierfür ist das Wechselspiel zwischen H1- und H2-Rezeptoren wahrscheinlich ursächlich.

Das klingt zunächst paradox, da wir erst einmal denken, dass Antihistaminka zur Abschwächung des Harnstrahls bis hin zum Harnverhalt führen. Das gilt allerdings nur für H1-Antihistaminika, wie z.B. Lorantadin. Histamin vermittelt über H1-Rezeptoren eine stärkere Harnblasenkontraktion. Es gibt allerdings auch H2-Rezeptoren im Harntrakt, die die Blasenkntraktion schwächen, die Wirkung der H1-Rezeptoren sozusagen ausgleichen.

Wenn jetzt, wie in diesem Fall Histamin an den H1-Rezeptoren verstärkt wirkt und die an sich  abschwächende Wirkung von H2-Rezeptoren durch das H2-Antihistaminkum Cimetidin blockiert werden, dann kann der Harnstrahl kräftiger sein.

Hochgradiger Verdacht auf Histaminintoleranz durch unzureichende Funktion der Diaminooxidase 

Ursächlich für die Histaminsymptome war in diesem Fall am wahrscheinlichsten ein direkter toxischer Effekt durch Histamin, da die ersten und schwersten Symptome am Hauptkonzentrationsort der Nahrung, im Mund-Rachenbereich vor Verarbeitung in Magen oder Darm auftraten. Folglich handelt es sich um eine Überladung mit Histamin in einem Missverhältnis zu den enzymatischen Prozessen, die Histamin im Körper abbauen, eine sog. Histaminintoleranz.

Die Histaminintoleranz wird in den meisten Fällen durch eine genetisch bedingte Störung des abbauenden Enzyms Diaminooxidase verursacht. Neben der genetischen Grunddisposition tragen häufig Nahrungsmittel, sog. Diaminooxidase-Hemmer, wie z.B. Alkohol (nicht in diesem Fall) zu einer Verschlimmerung der Beschwerden bei.   

Aus ernährungstechnischer Sicht kommt als Hauptauslöser für die Symptome so auf jeden Fall das Sauerkraut mit seinem sehr hohen Histamingehalt in Frage. Senf als Histaminliberator dürfte zu mindestens in der Frühphase nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben. 

Erstaunlich an diesem Fall ist, dass die Nachwirkungen (Wassereinlagerung, Herzfrequenzerhöhung in der Nacht, Angina pectoris am Folgetag) so lange anhielten. Dabei ist der langsame Rückgang der Schwellungen um die Augen herum vielleicht noch dadurch erklärbar, dass eine Ödemrückbildung aus dem Gewebe länger dauern kann.

Die Tatsache aber, dass Angina pectoris erst am Folgetag auftrat, lässt sich eigentlich nur durch eine längere Verweildauer von Histamin im Körper und/oder eine nachhaltige Abbaustörung durch Hemmung des Enzyms Diaminooxidase und/oder eine längere Freisetzung des Histamins durch den Histaminliberator Senf erklären. 

 

 

 

 

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QT-Zeit – Was ist das?

Die sogenannte QT-Zeit ist ein EKG-Parameter, den wir im 12-Kanal-Oberflächen-EKG in Ruhe messen können. Die QT-Zeit wird erfasst vom Beginn der sogenannten Q-Zacke bis zum Ende der T-Welle. Folglich entspricht sie der Erregungsausbreitung und der Erregungsrückbildung in den Herzhauptkammern.

Die QT-Zeit ist ein sehr wichtiger EKG Parameter. Unserer Meinung nach wird die QT-Zeit bei der Gabe von Medikamenten allerdings zu wenig beachtet, vor allem Veränderungen der QT-Zeit im Verlauf werden zu selten bewertet.

QT-Zeit – Wichtige Hinweise zur Messung

Die QT-Zeit ist abhängig von der Herzfrequenz, das heißt: Je niedriger die Herzfrequenz, umso länger ist die QT-Zeit und umgekehrt. Die Messung der QT-Zeit ist nicht immer einfach, da das Ende der T-Welle bei niedriger Amplitude oder Auftreten von U-Wellen nicht immer leicht abzugrenzen ist. Wichtig ist vor allem auch, dass man sich auf eine Ableitung im EKG bezieht und auch die Kontrollmessung im Verlauf an dieser Ableitung durchführt. So lassen sich gut Vergleiche ziehen.

Aufgrund der Frequenzabhängigkeit normiert man die QT-Zeit auf eine Herzfrequenz von 60 Schlägen/min, so dass wir eine frequenzkorrigierte QT-Zeit angeben. Das entspricht der Schreibweise QTc.

Zur Berechnung der frequenzkorrigierten QTc-Zeit gibt es unterschiedliche Formeln, die in den EKG-Geräten hinterlegt sind. Die häufig angewandte Formel nach Bazett hat Schwächen, insbesondere bei niedrigen und hohen Herzrequenzen, sodass wir die Formel nach Fridericia bevorzugen:

QTc = QT-Dauer [s] : RR Intervall [s]

Das RR-Intervall beschreibt den Abstand zwischen R-Zacken im EKG.

Die Richtwerte für die frequenzkorrigierte QT-Zeit sind geschlechterabhängig:

Bei Frauen < QTc 460 ms
Bei Männern < QTc 450 ms

QTc- Zeit-Verlängerung – klinische Bedeutung

Eine Verlängerung der frequenzkorrigierten QT-Zeit geht mit einem erhöhten Risiko von Herzrhythmusstörungen aus der Herzhauptkammer einher. Das Risiko steigt mit zunehmender QTc-Verlängerung und es ist insbesondere bei einer frequenzkorrigierten QT-Zeit > 500 ms mit einem erhöhten Risiko zu rechnen.

Die typische Herzrhythmusstörung aus der Herzhauptkammer ist die sogenannte Torsade-de-Pointes-Tachykardie, welche üblicherweise spontan endet und selten in ein Kammerflimmern übergeht. Das Problem bei ihrem Auftreten sind mögliche kurzzeitige  Bewusstseinsverluste, sogenannte Synkopen. Die wiederum können zu Stürzen führen, bei denen sich betroffene Personen verletzen.

QTc- Zeit-Verlängerung – was sind die Ursachen?

Es gibt das angeborene Long-QT-Syndrom, welches genetisch bedingt und eher selten ist. Häufiger ist das erworbene Long-QT-Syndrom und insbesondere die QT-Zeit-Verlängerung durch bestimmte Medikamentengruppen. Typische Medikamentengruppen, die eine verlängerte QT-Zeit im EKG verursachen können, sind Antiarrhythmika, Antibiotika, Psychopharmaka.

Hier eine Auswahl von häufig eingesetzten Medikamenten mit QT-verlängernder Wirkung

  • Voriconazole, Fluconazol, Itraconazol, Ketoconazol
  • Levofloxazin,Moxifloxazin, Ofloxacin, Ciprofloxacin
  • Clarithromycin,Erythromycin, Roxithromycin, Azithromycin
  • Cotrimoxazol
  • Lithium, Escitalopram,Venlafaxin,  Amitriptylin, Nortriptylin, Citalopram, Doxepin, Fluoxetin, Clomipramin
  • Imipramin, Trimipramin, Paroxetin, Sertalin
  • Sotalol, Amiodaron, Quinidin, Procainamid, Flecainid
  • Alfuzosin, Vardenafil 
  • Tacrolismus, Tamoxifen 
  • Astemizol, Terfenadine, Diphenhydramin

Eine ausführliche Liste finden Sie unter der unten genannten Literaturangabe.

QT-Verlängerung – Risiko für ventrikuläre Tachykardie des Herzens

Das Risiko für die gefürchtete Torsades-de-Pointes-Tachykardie der Herzhauptkammern (siehe Bild „Vorhofflimmern + Torsades-de-Pointes-Tachykardie unter Sotalol“) bei einer QT-Zeit-Verlängerung ist von Medikament zu Medikament unterschiedlich. Das heißt: Bei gleicher QT-Zeit-Verlängerung ist das Risiko einer Torsade nicht gleich, sondern einzelne Medikamente haben in sich ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Torsaden. Weitere Risikofaktoren für das Auftreten von Torsaden bei QT-Verlängerungen sind:

Lange QT-Zeit und Herzrhythmusstörungen – praktische Beispiele

Typische Auslösesituationen für das Auftreten von Torsaden bei QT-Zeit-Verlängerung entstehen durch die Kombination von QT-Zeit-verlängernden Medikamenten und begünstigenden Risikofaktoren. Eine typische Auslösesituation sieht wie folgt aus:

Beispiel 1. Unter einer Dauermedikation mit einem QT-Zeit-verlängernden Psychopharmakon (A) wird ein Antibiotikum (B) hinzugefügt, welches ebenfalls die QT-Zeit verlängert. Zudem tritt beispielsweise als Nebenwirkung des Antibiotikums Durchfall auf, der wiederum für Elektrolytverlust und Kaliummangel sorgt. Durch die Medikamentenwirkung und den durchfallbedingten Kaliummangel kann es dann zu einer summierten QT-Zeit-Verlängerung kommen – und somit zum Auftreten von Herzrhythmusstörungen.

Beispiel 2. Die Abbauprozesse von Medikamenten in der Leber, und hier vor allen Dingen über das Cytochrom P450 System, kurz CYP-System genannt, können ebenfalls Probleme bereiten. Stellen Sie sich vor ein potentiell QT-verlängerndes Medikament (A) wird über CYP 3A4 abgebaut. Kommt jetzt ein weiteres Medikament (B) hinzu, welches ebenfalls über CYP 3A4 verstoffwechselt wird, dann können sich folglich A und B am CYP 3A4 behindern. Aus diesem Grund wird der Abbau von A gestört, A staut sich vor CYP 3A4 an und A ist in stärkerer Konzentration in Ihrem Körper und auch in Ihrem Herzen erhöht. Das hat dann die Verlängerung der QT-Zeit zur Folge.

QT-Zeit-verlängernde Medikation – praktische Konsequenz

Es ist daher wichtig das Potenzial einer QT-Zeit-Verlängerung eines neu verordneten Medikamentes zu kennen. Somit ist es sinnvoll vor Einleitung einer Therapie das EKG zu kennen. Der Ausgangsbefund dient damit in Der Folge zur Kontrolle der  QT-Zeit im Verlauf.

Sollte hier eine relevante QT-Zeit-Verlängerung der frequenzkorrigierten QT-Zeit über 30 ms gemessen werden, so ist das Absetzen der Medikation zu überprüfen. Das ist nicht immer einfach, etwa wenn es sich um eine lebensnotwendige Therapie bei Tumorerkrankungen handelt. Dann muss man im Sinne einer Nutzen-Risikoabwägung gemeinsam im Team entscheiden, inwieweit die Medikation trotzdem fortgeführt wird. In solch einem Fall ist darauf zu achten, Zustände des Kalium- und Magnesiummangels zu verhindern und engmaschig im Blut zu kontrollieren.

Sollte es unter einer neuen Medikation zu Herzstolpern,  Schwindel oder Ohnmacht kommen, empfehlen wir, sofort ein EKG zu schreiben und die QT-Zeit zu messen. Zudem ist wichtig, dass man bei Langzeitbehandlung mit QT-Zeit-verlängernden Medikamenten regelmäßig den Kalium- und Magnesiumspiegel überprüft. Bei Leber- und Nierenfunktionsstörungen ist die Dosis anzupassen und bei Begleitmedikamenten müssen konkurrierende Abbauwege beachtet werden.

Sollten Sie unter Medikamenten Herzstolpern verspüren, dann sollten Sie folglich immer zuerst an eine QT-Verlängerung durch Medikamente denken.

Schlussfolgerung

Die Potenz von Medikamenten die QT-Zeit zu verlängern ist klinisch relevant und sollte folglich im EKG stets überprüft werden. Auf jeden Fall ist eine sinnvolle Kontrolle über die Fachinformation der eingenommenen Medikamente auch für Sie möglich. Auch Apps können helfen: Eine spezielle App zur Beurteilung des Risikos der QT-Zeit-Verlängerung und auch des Risikos der Torsaden ist die kostenfreie App CredibleMeds Mobile.

 

 

 

 

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Herzrasen nach dem Mittagessen –  Herzrhythmusstörungen durch Histamin

Vorgeschichte

Bei einem 57-jährigen Mann ist seit der Kindheit eine saisonale Allergie bekannt. Seit dem jungen Erwachsenenalter treten immer wieder Symptome einer Histaminintoleranz bzw. eines Mastzellaktivitäts-Syndroms auf.

Ca. 10 Minuten vor Beginn der Symptome Mahlzeit mit Würstchen, Sauerkraut und Kartoffelpürree, dazu ca. 3 Eßlöffel Senf (Löwensenf, mittelscharf-mild).

Symptome von Histamin

Akute Symptome am Tag 1

  • Zuschwellung des Rachens mit veränderter Stimme („kloßig“) und Schluckstörungen
  • Jucken der Augen
  • keine Luftnot
  • kein Herzstolpern (= asymptmatische Herzrhythmusstörungen)
  • Zuschwellen der Augen
  • Müdigkeit

Latente Symptome am Tag 2

  • Angina pectoris (Nitrospray– und Cimetidin-Test positiv)
  • weicher Stuhlgang
  • fortgesetzte Schwellung der Augen (bis Tag 3)

Smartphone 1-Kanal EKG – Apple Watch 4 

Was kann ich sehen:

  • elektrische Herzfrequenz 101 bpm
  • P-Welle gut sichtbar
  • regelmäßige P-Wellen mit konstantem Intervall, jeder P-Welle folgt ein QRS-Komplex mit gleichem Abstand = Sinusrhythmus
  • intermittierende elektrische Extraaktionen (Extrasystolen)
  • Extrasystolen mit SCHMALEM QRS-Komplex = Vorhoffextrasystolen = atriale Extrasystolen (gelber Punkt) mit post-extrasystolischen Pausen bis zur nächsten normalen elektrischen Herzaktion (gelber Strich). Bei einer Anzahl von  7 Extrasystolen während einer Aufzeichnungsdauer von 30 Sek. entspricht das 14% aller gezählter Hauptkammerkomplexe
  • Extrasystolen mit BREITEM QRS-Komplex = Hauptkammerextrasystolen = ventrikuläre Extrasystolen (roter Punkt), 1 Doppelaktion mit 2 aufeinanderfolgenden ventrikulären Extrasystolen (= Couplet); alle ventrikulären Extrasystolen sehen ähnlich aus = monomorphe ventrikuläre Extrasystolen = 1 einzelner Ursprungsort in den Herzhauptkammern wahrscheinlich. Bei einer Anzahl von 7 Extrasystolen während einer Aufzeichnungsdauer von 30 Sek entspricht das 14% aller gezählter Hauptkammerkomplexe.

Diagnose durch Apple

  • uneindeutig

Diagnose durch den Kardiologen

  • Sinustachykardie mit intermittierenden supraventrikulären Extrasystolen und monomorphen ventrikulären Extrasystolen mit 1 Couplet

Smartphone 1-Kanal EKG – AliveCor KardiaMobile

Was kann ich sehen? – Zusatzinformationen

Die Annotation (blaue Markierung), die Balkenlinie unterhalb des EKGs zeigt einen komplett regelmäßigen Grundrhythmus an. Bei besser sichtbaren regelmäßigen P-Wellen vor dem QRS-Komplex können Sie somit die Diagnose „Sinusrhythmus“ eindeutig selber stellen. Auch die Vorhofextrasystolen (gelber Punkt) lassen sich gut abgrenzen.

Diagnose durch Kardia

  • Tachykardie

Die Diagnose „unklassifiziert“ oder „mögliches Vorhofflimmern“ wird NICHT gestellt, was richtig ist.

Diagnose durch den Kardiologen

  • Sinsutachykardie mit einzelnen atrialen Extrasystolen

Smartphone 1-Kanal EKG – AliveCor Kardia 6L

 

Was kann ich sehen? – Zusatzinformationen

Der Hauptvektor des QRS-Komplexes der monomorphen ventrikulären Extrasystolen liegt zwischen den Extremitätenableitungen II und III, d.h. die grösste positive Amplitude liegt zwischen diesen Ableitungen. Folglich handelt es sich um einen sog. Steiltyp.

Die Extrasystolen haben somit mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ihren Ursprung in einem Ausflußtrakt des Herzens oder der Aortenbasis. Entweder handelt es sich um den rechtsventrikulären Ausflußtrakt (Verbindung zwischen rechter Herzhauptkammer und Lungensrombahn) oder dem linksventrikulären Ausflußtrakt (Verbindung zwischen linker Herzhauptkammer und Aorta). Eine genauere Festlegung ist nicht möglich, hierfür brauchen Sie ein 12-Kanal EKG.

Die P-Wellen sind in dem 6-Kanal EKG gut abgrenzbar.

Diagnose durch Kardia

  • normal (bei Herzfrequenz <100 bom)

Diagnose durch den Kardiologen

  • ventrikuläre Extrasystole

Technische Anmerkung – Annotation bei Kardia von AliveCor

Die AliveCor Kardia Systeme, KardiaMobile, KardiaBand und Kradia 6L  zeigen im 1-Kanal EKG eine sog. Annotation an. Es handelt sich um eine Balkenlinie (blaue Markierung) unterhalb des EKGs; die kleinen senkrechten Balken zeigen den QRS-Komplex an. Somit können Sie auch bei schneller Herzschlagfolge die Regelmäßigkeit der Herzaktionen besser bewerten. Gegebenenfalls können Sie das EKG ausdrucken und mit einem Zirkel oder einem Lineal selber nachmessen. Sowohl das KardiaMobile als auch die 1-Kanal EKG-Funkton des Kardia 6L verfügen über eine Annotation. Das 1-Kanal EKG von Apple verfügt nicht über eine Annotation.

Technische Anmerkung – Vorteile des 6-Kanal EKGs

Gerade dem geschulten Betrachter bietet das 6-Kanal EKG von AliveCor mehr Möglichkeiten. Die P-Wellen sind besser abgrenzbar, weil Sie in der Regel in der Extremitäten Ableitung II am besten sichtbar sind. Die 1-Kanal EKGs bilden jeweils nur die Ableitung I ab.

Durch das 6-Kanal EKG läßt sich auch der Ursprungsort von ventrikulären Extrasystolen besser abgrenzen. Das hat durchaus Bedeutung, weil es sich in dem vorgestellten Fall mit hoher Wahrscheinlichkeit um  ventrikuläre Extrasystolen aus einem Ausflußtrakt des Herzens handelt.

 

Intervention und Verlauf

Symptome. Die akuten Symptome entwickelten sich 10 Minuten nach Ende der Mahlzeit und der betroffene Mensch nahm dann 2 orale Antihistaminika, den H1-Blocker Lorantadin (10mg) und den H2-Blockers Ranitidin (300 mg, oral nicht in Deutschland erhältlich). Die Symptomentwicklung hatte eine klare Abfolge, indem sie sich eindeutig zuerst im Rachenraum bemerkbar machten.

Herzrhythmus. Die atrialen und ventrikulären Extrasystolen wurden zuerst ca. 10-15 Minuten nach Beendigung der Mahlzeit registriert. Die ventrikulären Extrasystolen waren nach ca. 1 Stunde deutlich rückläufig bzw. nicht mehr nachweisbar, während atriale Extraaktion weiter vorkommen, allerdings nicht in der anfänglichen Häufigkeit.

Interessanterweise lag die Herzfrequenz in der Nacht (gemessen mit Apple-Watch 4 + SleepWatch App) bis zum Morgen, d.h. 16h Stunden nach der Symptom-auslösenden Mahlzeit mit 77 bpm mehr als 10 bpm höher als in den 7 Tagen davor (Durchschnitt 15,1 bpm <77 bpm). Folglich bestand somit eine fortgesetzte arrythmogene Aktivierung des Herzens auch in der Nacht.

Den vollständigen Fallbericht finden Sie hier: Fallbericht V.a.Histaminintoleranz

Kurzbeschreibung – Histamin und Herzrhythmusstörungen

Histamin wirkt über verschiedene Rezeptoren und bewirket so mannigfache Symptome. Dabei verursachen vor allen Dingen die Aktivierung von H1 und H2 Rezeptoren Veränderungen im Herz-Kreislaufsystem.

Folglich bewirkt Histamin über die  H1 Rezeptoren eine Blutgefäßerweiterung und damit Blutdruckschwankungen. Die H2 Rezeptoren hingegen stimulieren das Herz indem sie, so wie in diesem Fall eine Tachykardie auslösen und auch die Muskulatur der Herzhauptkammern zu mehr Aktivität stimulieren. Darüber hinaus können vor allen Dingen in den Vorkammern Extrasystolen bis hin zu Vorhofflimmern getriggert werden.

Ein indirekter Beleg für die Bedeutung von Histaminrezeptoren am Herzen ist die Wirkung von sog. H2-Blockern, z.B. Cimetedin und Ranitidin am Herzen. Schließlich ist bei Rantidin die Wirkung auf die Erregungsbildung und -weiterleitung im Herzen so  ausgeprägt, dass unter höheren Dosierungen von 300mg Ranitidin in seltenen Fällen kritische Verlangsamungen der Herzfrequenz vorkommen können.

Folglich haben diese  Zusammenhänge im Alltag durchaus praktische Bedeutung. In diesem Sinne sind Menschen, die ohnehin schon ein erhöhtes Risiko, z.B. für Vorhofflimmern haben, besonders gefährdet. Liegt dann noch eine Histaminerkrankung, z.B. eine Allergie, eine Histaminintoleranz oder ein Mastzellaktivitätssyndrom vor, dann können zugeführte Histamin-begünstigende Nahrungsmittel, so z.B. auch das beliebte Oktoberfestbier Herzrhythmusstörungen auslösen.

Während eine Allergie von Betroffenen und Ärzten gut erkannt wird, fällt die Abgrenzung anderer Histaminerkrankungen aufgrund der eingeschränkten diagnostischen Möglichkeiten, und hier vor allen Dingen eines einfachen Labortests, schwer. Folglich sollten wir bei Herzrhythmusstörungen im jüngeren und mittleren Lebensalter, d.h. bei fehlenden weiteren Risikofaktoren für das Herz an eine Histaminerkrankung bzw. den Einfluss von Nahrungsmitteln denken und genauer nach weiteren Histaminsymptomen fragen.

 

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Zahlreiche Faktoren beeinflussen Überschuss an Histamin

Die Symptome einer Histaminfreisetzung werden durch folgende Faktoren beeinflusst

  • Zahl der Mastzellen
  • Aktivierbarkeit der Mastzellen
  • Vorhandensein eines Auslösers
  • Potenzial von Histamin, sich selbstverstärkend über Mastzellen freizusetzen
  • Status des Hormonhaushaltes
  • Funktionstüchtigkeit der Abbauwege von Histamin

Aufgrund der Vielzahl von Einflussgrößen, die die Konzentration von Histamin im Gewebe bestimmen, liegt bei den Symptomen von Histamin keine einfache Dosis-Wirkungs-Beziehung vor. Wir können also z.B. nicht sagen: je mehr Auslöser, desto mehr Histamin im Gewebe und desto mehr Symptome.

Schon alleine die Nahrung mit dem Gehalt an Histamin, Histamin-freisetzenden Stoffen (Histaminliberatoren) und den Faktoren, die den Abbau blockieren (Diaminooxidasehemmer) kann bewirken, dass die Symptome sehr variabel ausgeprägt sind. Das erklärt auch, warum derselbe Mensch an einem Tag z.B. Tomatenmark gut verträgt und an einem anderen Tag schwere Symptome des Histaminüberschusses hat.

Das Spektrum reicht von Symptomlosigkeit über leichte Symptome wie Müdigkeit bis hin zum Kreislaufschock, dem anaphylaktischen bzw. anaphylaktoiden Schock. Nachfolgend finden Sie einige Symptome.

Histamin – allgemeine Symptome

  • Müdigkeit
  • Erschöpfungszustände und allgemeines Krankheitsgefühl
  • Wärmeintoleranz

Gerade Müdigkeit oder häufige Erschöpfung sind Symptome, die zunächst nicht an eine Histaminerkrankung denken lassen. Das gilt vor allen Dingen nicht, wenn keine weiteren Symptome wie Juckreiz oder Hautschwellung vorliegen.

Die Müdigkeit kommt fast anfallsartig ca. 20 Minuten nach einer Mahlzeit. Sie haben das Gefühl der bleiernen Schwere und das unbedingte Bedürfnis zu schlafen. Das lässt sich von der üblichen Müdigkeit nach einer Mahlzeit manchmal nicht sicher abgrenzen. Kommen dann aber später Blähungen bzw. ein weicher Stuhlgang am Folgetag hinzu, dann können Sie davon ausgehen, dass die Müdigkeit durch einen Überschuss an Histamin vermittelt war. Im Gegensatz zu einem normalen Power-Nap wachen Sie von einer Histamin-verursachten Müdigkeit nicht erholt auf. Manchmal kann es den ganzen Tag dauern, bis Sie sich wieder langsam erholen.

Ein hochinteressantes Symptom ist die Wärmeintoleranz, die wahrscheinlich beim Mastzellaktivitätssyndrom eine entscheidende Rolle spielt. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen ist bekannt, dass Mastzellen mit Zunahme der Temperatur aktiver werden und mehr Histamin freisetzen. Beim Menschen kann ein Anstieg der Körpertemperatur indirekt durch die klimatische Außentemperatur oder direkt durch körperliche Aktivität verursacht werden.

Wir erleben immer wieder Menschen, die in Verbindung mit einer histaminlastigen Mahlzeit während sie essen und noch am Tisch sitzen keine Symptome haben. Diese treten erst dann zu Tage, wenn sie sich körperlich bewegen, z.B. eine mittlere Strecke zu Fuß gehen. Die Hauptursache ist hochwahrscheinlich, dass Mastzellen mit steigender Körperwärme zunehmend aktiviert werden und somit vermehrt selber Histamin freisetzen. Hinzu kommt, dass Histamin vom Ort der Aufnahme bzw. der Freisetzung, dem Darm, durch einen gesteigerten Kreislauf schneller an andere Orte im Körper gebracht wird.

Histamin – Symptome an der Haut

  • blasse bzw. auch rote Haut (je nach Aktivierungszustand des vegetativen Nervensystems)
  • Ausschläge
  • Neigung zu Blutergüssen
  • Hautschwellung bis hin zur Quaddelbildung (sog. Nesseln)
  • Juckreiz (Ohren, Augen, ganzer Körper)
  • Missempfindungen (Brennen)

Besonders der Juckreiz und die Hautschwellung lenken die Aufmerksamkeit auf die Diagnose einer Histaminerkrankung. Interessanterweise hängen beide Symptome in ihrer Lokalisation vor allen Dingen in der Anfangsphase von der Struktur des Unterhautgewebes ab.

Der Juckreiz tritt häufig dort zuerst auf, wo die Oberflächenhaut relativ fest mit darunter liegenden Strukturen, z.B. Knorpel oder Sehnen, verbunden ist. Viele Menschen berichten daher, dass sie den Juckreiz zuerst im äußeren Gehörgang oder auch an Hand- und/oder Fußsohlen merken. Das liegt unter anderem auch daran, dass eine durch Histamin verursachte Flüssigkeitsansammlung hier wenig Platz hat, um sich auszubreiten.

Ganz anders ist es bei der Hautschwellung. Diese sehen Sie vor allem dort als erstes, wo das Unterhautgewebe besonders locker ist, im Gesicht und vor allen Dingen unter den Augen. Hier bleibt die sichtbare Schwellung dann bis zu 48 Stunden bestehen.

Histamin – Emotionen, geistige Leistungsfähigkeit

  • Benommenheit unabhängig von Körperposition („brain fog“)
  • Gedächtnis- und Wortfindungsstörungen
  • Kopfschmerzen, Migräne, Trigeminusneuralgie
  • Angst mit Risiko für Panikattacken
  • Stimmungsschwankungen
  • Depressionen

Ein deutlicher Überschuss an Histamin ist immer auch mit Stress, d.h. mit einer Adrenalin-vermittelten Aktivierung, verbunden. Diese erklärt zu einem großen Teil die oben genannten Symptome, wobei die Begünstigung von Depressionen gerade der sog. Post-Adrenalinerschöpfung zuzuschreiben ist.
Dass Histaminerkrankungen Auslöser bzw. Co-Faktor von psychischen Auffälligkeiten sein können, unterschätzen Ärztinnen und Ärzte häufig. Vor allem bei latenten Angststörungen oder Stimmungsschwankungen müssen wir an eine Histaminerkrankung denken. Anstatt auch nach körperlichen Ursachen zu suchen, wird häufig ein rein psycho-somatischer Ansatz gewählt, der sich ausschließlich auf eine vermeintlich psychische Ursache verengt. Dem betroffenen Menschen hilft das nicht wirklich und kann es auch nicht helfen, solange der somatische Co-Faktor Histamin nicht beachtet und die zugrundeliegende somatische Störung nicht behandelt wird.

Histamin – Symptome von Herz und Kreislauf

Ein Teil der Herz-Kreislaufsymptome erklärt sich durch die Wirkung von Histamin selbst. So werden Herzrhythmusstörungen über den Histamin H2 Rezeptor und eine Blutgefäßerweiterung bis hin zum Blutdruckabfall über den Histamin H1 Rezeptor vermittelt. Hinzu kommen noch die mehr oder weniger starken Flüssigkeitsverschiebungen aus dem Blutgefäßraum in das Gewebe.

Der Blutdruckabfall bewirkt eine Adrenalin-vermittelte Gegenreaktion. Die kann dann neben den genannten psychischen Reaktionen auch Blutdruckschwankungen zu Folge haben. Gerade in Verbindung mit Histamin begünstigt auch Adrenalin die Entstehung von Herzrhythmusstörungen. Hier handelt es sich meistens um einzelne Extrasystolen aus Vor- und Hauptkammer. Allerdings kann auch Vorhofflimmern entstehen.

Der kritische Kreislaufschock tritt eher selten auf und geht meistens mit einer echten immunologisch vermittelten Allergie einher. Allerdings kann auch eine massive Zufuhr von Histaminliberatoren, z.B. in Form von Kontrastmittel (z.B. CT, MRT), einen Schock zur Folge haben.

Histamin – Luftnot als lebensgefährliches Symptom

  • Niesen, verstopfte Nase
  • Schwierigkeiten beim Einatmen (Kehlkopf)
  • Schwierigkeiten beim Ausatmen (Bronchien) mit Spannungsgefühl in der Brust
  • Luftnot

Die Luftnot mit Atemversagen ist neben dem Kreislaufschock das gefährlichste Symptom der überschießenden Wirkung von Histamin.

Zunächst kommt es zu enggestellten Bronchien. Das erkennen Sie daran, dass pfeifende Geräusche beim Ausatmen zu hören sind, wie bei einem schweren Asthmaanfall. Schnell überbläht sich dann die Lunge, weil Luft nur noch unvollständig ausgeatmet wird. Schließlich ist eine ausreichende Hin-und-Her Bewegung von Luft kaum noch möglich. Hier sollten Sie im Ernstfall die Ruhe bewahren (so schwer das auch ist) und auf ruhiges und möglichst langes Ausatmen achten. So verhindern Sie eine Überblähung.

Besonders gefürchtet wird, wenn der Kehlkopf zuschwillt, so dass Luft kaum noch oder auch gar nicht eingeatmet werden kann. Hören Sie bei einem betroffenen Menschen ein pfeifendes Geräusch beim Einatmen, dann müssen Sie auf das Schlimmste gefasst sein. Verständigen Sie sofort das Rettungsteam unter 112!

Histamin – Symptome im Magen-Darmbereich häufig

  • Übelkeit, Erbrechen
  • Schluckbeschwerden, Engegefühl im Hals
  • Durchfall bzw. Verstopfung
  • Krämpfe, Unwohlsein im Bauch
  • Blasenentzündung, Brennen beim Wasserlassen

Bei Histaminerkrankungen sind häufig Störungen des Verdauungstrakts symptomatisch. Das ist auch plausibel, weil der Kontakt zwischen der großen Zahl der dort lagernden Mastzellen und der Nahrung hier am intensivsten ist. Die Nahrung enthält zudem neben Histamin selbst noch Histaminfreisetzer und Histaminabbaublocker.

Gerade der weiche Stuhlgang nach Stunden bzw. nach einem Tag weist darauf hin, dass mit einer vorangegangenen Mahlzeit etwas nicht gestimmt hat. Eine Nebenwirkung von Histamin ist die Tendenz zu weichem Stuhl, Verstopfung ist eher als Folge von Histamin-vermittelten Darmkrämpfen zu verstehen.
Sollten Sie ein Engegefühl im Hals merken, dann ist das der Ausdruck einer mittelschweren bis schweren Reaktion auf Histamin. Hier sollten Sie unbedingt auf Störungen der Atmung achten und frühzeitig weitere Maßnahmen einleiten.

Bewertung von Symptomen durch Histamin

Sollten Sie oder einer Ihrer Angehörigen an einer Histaminerkrankung leiden, dann ist es sinnvoll, wenn Sie die Symptome kennen. Das gilt vor allen Dingen für die Zeichen der akuten Lebensbedrohung: schwere Luftnot und Blutdruckabfall mit drohender oder bestehender Ohnmacht. Dann müssen Sie immer den Rettungsdienst unter 112 verständigen.

Mit Ihrem Hausarzt sollten Sie die Maßnahmen besprechen, um Nahrungsmittel mit hohem Histamingehalt bzw. mit Histamin-freisetzenden oder Histaminabbau-blockierenden Substanzen zu vermeiden. Hierzu können Sie sich auch sinnvoll im Internet erkundigen.

Symptome, wie z.B. eine Augenschwellung können bis zu 3 Tage anhalten. Darüber hinaus können Symptome, wie z.B. Angina pectoris oder weicher Stuhlgang erst am Folgetag auftreten. Hier fällt die Zuordnung zwischen Ursache und Wirkung manchmal schwer. Sie sollten aber daran denken, dass a) Symptome zeitversetzt vorkommen können und b) in der Zeit nach einem Ereignis Ihre System zum Abbau von Histamin geschwächt sind. Letzteres bedeutet, dass eine erneute Histaminbelastung schon bei geringeren Mengen Symptome auslösen kann.

Der Hausarzt sollte Ihnen auf jeden Fall klare Handlungsanweisungen für den Fall von Symptomen geben. Sie sollten gemeinsam den Einsatz von Antihistaminika, Bronchdilatatorsprays und Kortison besprechen. Ebenso schwere Fälle, bei denen auch die Notfallkette aktiviert werden muss.

Fallbericht: Verdacht auf Histaminintoleranz – Brustdruck und Herzrhythmusstörungen

Fallbericht: Mastzellaktivitätssyndrom – Juckreiz beim Gehen

 

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Histamin und Nahrung – es muss nicht immer eine Allergie sein

In der Regel kommt ein gesunder Mensch mit den Mengen an Histamin, die durch die körpereigenen Mastzellen freigesetzt bzw. durch die Nahrung zugeführt werden, gut zurecht, ohne dass Symptome wie z.B. Niesen, Juckreiz oder Atemnot auftreten.

Ein kritischer Überschuss an Histamin und damit auch Symptome treten fast ausschließlich dann auf, wenn eine Prädisposition Ihres Körpers besteht Histamin vermehrt aus Mastzellen freizusetzen bzw. oder freigesetztes Histamin nicht schnell genug abzubauen. Diese Prädisposition, d.h. die Bereitschaft Histamin-vermittelte Symptome zu begünstigen können wir im erweiterten Sinne auch Histaminerkankungen bzw. Histaminosen nennen. Diese können isoliert alleine, aber auch in Kombination vorkommen. Zu ihnen zählen:

  • Allergie (Freisetzung +)
  • Histaminintoleranz (Abbau -)
  • Mastzellaktivierungssyndrom (Freisetzung +)
  • Mastozytose (Freisetzung +)

Erst in Verbindung mit einer zugrundeliegenden Histaminerkrankung können Umwelteinflüsse eine Überschuss von Histamin in Ihrem Körper bewirken. Gerade Nahrungsmittel sind hier von großer Bedeutung. Über die Nahrung können vor allen Dingen zugeführt werden:

  • Histamin (Abbau -)
  • Histaminfreisetzer (Freisetzung +)
  • Histaminabbauhemmer (Abbau -)

An dieser Stelle müssen der Vollständigkeit halber auch Allergen erwähnt werden, die mit der Nahrung zugeführt werden und eine vermehrte Freisetzung von Histamin bewirken können. Allergien sind im Gegensatz zu den anderen Histaminerkrankungen echte immunologische Erkrankungen, die durch Immunglobulin E vermittelt werden. Im Vergleich zu den anderen Histaminerkrankungen werden die Nahrungsmittelallergien allerdings eher überschätzt. Folglich wird der Begriff „Nahrungsmittelallergie“ häufig leichtfertig und falsch eingesetzt.

Wenn wir Symptome eines Überschusses an Histamin, dann liegt meistens eine Histaminintoleranz oder ein Mastzellaktivierungssyndrom in Verbindung einer vermehrten Zufuhr von Histamin und/oder Histaminfreisetzern und/oder Histaminaubbauhemmern zugrunde.

Histaminspender – Histamingehalt in Nahrungsmitteln

Nahrungsmittel können die Konzentration von Histamin in Ihrem Körper erhöhen. Aufgrund ihres beeinflussenden Histamingehalts nennen wir sie auch Histaminspender.

Grundsätzlich gilt bei Nahrungsmitteln: Solche, bei denen ein bakterieller Zersetzungsprozess eine Rolle spielt, enthalten eher eine erhöhte Konzentration an Histamin. Denn beispielsweise sind bei der Gärung von Alkohol, der Fermentierung von Käse oder anderen Milchprodukten Bakterien notwendig, die allerdings auch Histamin bilden.

Das Gleiche gilt auch für die Frische von Lebensmitteln. Werden Lebensmittel unsachgemäß verarbeitet, gelagert oder transportiert werden, z.B. mit Unterbrechung der Kühlkette, dann beginnt der Zersetzungsprozess durch Bakterien und es steigt der Histamingehalt.

Ein schönes Beispiel ist hier der Fisch. Fangfrisch macht er keine Probleme. Wird er aber gelagert oder verarbeitet, dann kann der Histamingehalt erheblich steigen.

Bitte bedenken Sie auch, dass sog. Probiotika histaminbildende Bakterien enthalten können. An erster Stelle sind hier solche zu nennen, die Lactobazillen enthalten. Andere Bakterienstämme in Probiotika, z.B. Bifidobacterium infantis oder Bifidobaterium longum senken sogar den Histamingehalt im Darm.

Hier eine Auswahl an Lebensmitteln, die besonders viel Histamin enthalten:

  • Gemüse, z.B. Sauerkraut (!), Tomaten, Spinat, Avocado
  • Käse, vor allen Dingen Camembert, Emmentaler, Roquefort, Gouda, Edamer
  • Wurstwaren, z.B. Salami, rohe Wurst und Schinken
  • Fisch, vor allen Dingen geräuchert und in Konserven, z.B. Sardellen, Makrelen, Thunfisch
  • Essig, sog. Tafelessig und Rotweinessig (Aceto balsamico)
  • Alkohol, vor allen Dingen obergäriges Bier (z.B. Weizenbier, Alt), auch alkoholfreies Bier, Rotwein, Sekt & Champagner, Dessertweine (Port, Sherry)

Histaminliberatoren als Histaminfreisetzer – vermehrte Freisetzung von Histamin aus Mastzellen durch Nahrungsmittel

Histaminliberatoren bewirken, dass Histamin nicht-immunologisch, d.h. nicht durch Immunglobulin RE vermittelt, vermehrt aus Mastzellen freigesetzt wird. Deswegen nennen wir Histaminliberatoren auch Histaminfreisetzer. Zum Beispiel folgende Lebensmittel enthalten Histaminliberatoren:

  • Meeresfrüchte, zB. Muscheln, Austern, Krebse, Hummer, Krevetten, Garnelen, Langusten
  • Sonneblumenkerne, Weizenkeime
  • Cashewnüsse, Haselnüsse, Walnüsse
  • Hülsenfrüchte, z.B. Soja, Bohnen, Erbsen, Linsen
  • Weiß- und Rotwein
  • Orangen, Papaya, verschiedene Pflaumenarten, Limone, Kiwi, Grapefruit, Ananas, Erdbeere
  • Kakao
  • Tomaten- und Orangensaft
  • zahlreiche Zusatzstoffe, z.B. Glutamat
  • Kalium, Jodsalz, Folsäure, Vitamin B2
  • Salizylsäure, z.B. Aspirin
  • Senf, Lakritze
  • Eiklar

Diaminooxidasehemmer als Histaminabbauhemmer – verringerter Abbau von Histamin durch Nahrungsmittel

Histamin wird vor allen Dingen über das Enzym Diaminooxidase abgebaut. Diaminooxidasehemmer in der Nahrung bewirken somit einen verringerten Abbau von Histamin. Sie sind folglich Histaminabbaublocker.

So kann es auch bei normaler Nahrungszufuhr bzw. bei freigesetztem Histamin aus den Mastzellen zu einem Überschuss an Histamin kommen. Hier die wichtigsten Beispiele:

  • verschiedene Tees, z. B. Schwarzer Tee, Grüner Tee oder Matetee
  • Kaffee
  • jede Form von Alkohol
  • Energy-Drinks
  • Vitamin C

Umgang mit Nahrung bei Histaminerkrankungen

Sollten Sie an einer Histaminerkrankung leiden, dann ist der richtige Umgang mit Nahrungsmitteln sinnvoll. Natürlich heißt der erste Schritt: Histaminhaltige Nahrung, Histaminfreisetzer und Histaminabbaublocker vermeiden! Eine vollständige „Abstinenz” ist im Alltag nicht immer möglich und in der Regel auch nicht erforderlich.

Häufig ist es nämlich eine Kombination von Einflussfaktoren, die zu einem Überschuss an Histamin im Körper führt. Zum Beispiel eine typische Konstellation ist: ein Mastzellaktivitätssyndrom (Histaminerkrankung) in Verbindung mit einem Gericht aus Meeresfrüchten (Histaminfreisetzer) + Weizenbier (Histaminspender + Histaminblocker) + abschließend Camembert (Histaminspender). Da kommt dann einiges zusammen, was den Histamingehalt im Körper kritisch erhöht.

Folglich sollten Sie gerade die Kombination der genannten Lebensmittel meiden. So können Sie die Anzahl der symptomatischen Episoden deutlich verringern. Das gelingt nicht immer, aber meistens. Sie müssen achtsam sein, die Nahrungsmittel kennen, die Ihnen Probleme bereiten, und diese in Kombination möglichst meiden.

Histaminüberschuss durch Medikamente

Ähnlich wie bei der Nahrung gibt es bei Medikamenten auch Histaminliberatoren und Histaminabbaublocker. Nachfolgend finden Sie die diesbezüglich stark wirksamen Medikamente.

Histaminliberatoren:

  • Schmerzmittel, z.B. Acetylsalicylsäure, Morphin, Codein, Indometazin, Diclofenac, Metamizol, Novaminsulfon
  • Lokalanästhetika, z.B. Lidocain, Tetracain
  • Narkosemittel, z.B. Ketamin, Propofol
  • Muskelrelaxantien, z.B. Pancuronium, Tubucurarin
  • Kreislaufmittel, z.B. Atropin
  • Kontrastmittel, alle, sowohl für Röntgen als auch für Magnetresonanztomografie

Histaminabbaublocker:

  • Metformin (Antidiabetikum)
  • Dihydralazin, Clonidin (Bluthochdruckmittel)
  • Chloroquine (Malariamittel)
  • Clavulansäure (Zusatz bei Antibiotika)
  • Pancuronium, Tubucurarin (Muskelrelaxantien)

Sollten Sie an einer Histaminerkrankung leiden, dann weisen Sie Ihren Arzt darauf hin. Gerade vor operativen Eingriffen sollten der Operateur und der Anästhesist hier Bescheid wissen.

Fallbericht: Verdacht auf Histaminintoleranz – Brustdruck und Herzrhythmusstörungen

Fallbericht: Mastzellaktivitätssyndrom – Juckreiz beim Gehen

 

 

 

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Zu viel Histamin – Nebenwirkungen Herzrasen, Herzstolpern, Blutdruckschwankungen möglich

Wir kennen verschiedene Erkrankungen, die zu einer vermehrten Wirkung von Histamin im Körper führen. Hierzu zählen an aller erster Stelle die Allergie, welche immunologisch vermittelt ist, die Histaminintoleranz sowie das Mastzellaktivierungssyndrom und selten auch die Mastozytose.

In der Cardiopraxis beschäftigt uns Histamin immer wieder, weil Histamin einen erheblichen Einfluss auf den Kreislauf, aber auch das Herz selber haben kann. So können durch ein Übermaß an Histamin in Ihrem Körper Blutdruckschwankungen, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen und Brustdruck auftreten.

Was ist Histamin und wo kommt es her?

Histamin ist ein Botenstoff und ein wichtiger Bestandteil Ihres Immunsystems und damit der entzündlichen Abwehr bei Verletzungen und Fremdkörperkontakt. Es handelt sich um ein Gewebshormon, welches die Durchblutung steigert und die Durchlässigkeit der Blutgefäße für andere Entzündungszellen und somit auch für Flüssigkeit erhöht. Dadurch können Entzündungszellen besser an den Ort des Problems gelangen, um Fremdkörper abzubauen und die Heilung einzuleiten.

Histamin wird im Körper in Mastzellen gebildet und gespeichert. Diese Mastzellen sind überwiegend gewebeständige Zellen der Immunabwehr, d.h. wir finden Sie kaum im Blut.  Mastzellen lagern vor allen Dingen in der Haut, den Bronchien und im Darm. Die Zellen enthalten in Speicherbläschen, den sog. Vesikeln neben dem Histamin bis zu 60 weitere Stoffe der entzündlichen Abwehrreaktion. Interessanterweise nimmt die Zahl der Mastzellen nimmt mit dem Alter zu.

Körpergewebe – Wirkung über verschiedene Histamin-Rezeptoren

Histamin wirkt auf verschiedne Organe und Gewebetypen im Körper. Dieses geschieht  über die Rezeptoren H1, H2, H3 und H4, die auf der Zelloberfläche von  Zellmembranen sitzen. Dabei sind die Rezeptoren verschiedenen Zelltypen des Körpers zugeordnet und vermitteln unterschiedliche Wirkungen.

H1- Rezeptoren bewirken z.B. die Blutgefäßerweiterung und die Engstellung der Bronchien, H2-Rezeptoren verursachen z.B. eine vermehrte Bildung von Magensaft. Die H2-Rezpetoren sind übrigens auch für die Nebenwirkungen von Histamin am Herzen, wie einen schnellen Herzschlag oder Rhythmusstörungen relevant.

Histamin ist auch ein Neurotransmitter im Gehirn und ist hier vor allen Dingen an der Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus und damit der zirkadianen Rhythmik beteiligt. Histamin vermittelt im Gehirn dabei den Wachzustand. Hier wird auch klar, warum Antihistaminika, also Medikamente, die die Wirkung von Histamin am Rezeptor blockieren, müde machen.

Mastzellen – Steuerung der Ausschüttung Histamin über Rezeptoren auf Mastzellen

Wichtig ist, dass Mastzellen als der Hauptspeicherort von Histamin, selber Histaminrezeptoren haben. Diese Rezeptoren können die Mastzelle aktivieren oder je nach Rezeptor auch die Freisetzung von Histamin blockieren.

Ein weiterer wichtiger Rezeptor zur Mastzellaktivierung ist der Östrogenrezeptor. Dieser spielt wahrscheinlich bei Frauen bei Histamin-vermittelten Symptomen in Abhängigkeit vom weiblichen Zyklus eine Rolle.

Auf der anderen Seite gibt es auch weitere Rezeptoren auf der Oberfläche der Mastzellen, welche die Mastzellaktivität und damit die Freisetzung von Histamin blockieren. Hier sind vor allen Dingen die Progesteron-Rezeptoren, Beta 2-Adrenalinzeptoren und Vitamin D-Rezeptoren zu nennen.

Histamin – Abbau über Enzyme

Der Abbau von Histamin findet über die Enzyme Diaminooxidase und die Histamin-N-Methyltransferase statt. Werden diese Enzyme genetisch bedingt vermindert gebildet oder ihre Wirkung durch Nahrungsmittel blockiert, dann kann es ebenfalls zu den Symptomen des Histaminüberschusses kommen.

Aktivierung von Mastzellen – verschiedene Auslöser

Die Aktivierung von Mastzellen, und damit auch die Ausschüttung von Histamin kann neben Nahrungsmitteln auch durch andere Faktoren begünstigt werden.

  • Hitze, Kälte, plötzliche Temperaturänderungen (z.B. der Sprung ins kalte Wasser an einem heißen Sommertag)
  • körperliche Anstrengung
  • Sonnenlicht (Sonnenbank?!)
  • mechanische Irritationen, Spannung, Vibration
  • natürliche und chemisch Gerüche (z.B. Parfüms)
  • emotionaler Stress
  • physischer Stress einschl. Schmerz und Umweltfaktoren (z.B. Wetterwechsel, Umweltgifte, Pollen, Tierhaare etc.)
  • Erschöpfung
  • Nahrungsmittel und Getränke, einschl. Alkohol
  • Medikamente (z.B. Opeoide, nicht-steroidale Entzündungshemmer, Antbiotika, einige Lokalanästhetika) und Konstrastmittel
  • Gifte (z.B. Biene, Wespe, Spinnen, bestimmte Quallen und Ameisen, Schlangen, beißende Insekten, wie Fliegen, Mosquitos, Flöhe)
  • Infektionen (viral, bakteriell, Pilz)

Aufgrund der Vielzahl der Faktoren ist eine Abgrenzung einer symptomatischen Episode eines Histaminüberschusses häufig nicht immer ganz einfach. Zudem besteht häufig eine zeitliche Latenz zwischen dem auslösenden Ereignis und den Symptomen. Folglich müssen wir bei der Suche nach dem Trigger für eine symptomatische Episoden nicht nur den direkten zeitlichen Zusammenhang, z.B. Nahrungsaufnahme und Symptombeginn innerhalb von einer Stunde, sondern auch potentielle Trigger innerhalb der vorangegangenen ca. 3 Tage denken.

Fallbericht: Verdacht auf Histaminintoleranz – Brustdruck und Herzrhythmusstörungen

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Online-Rezeptanforderung – eine Win-Win-Situation für mehr Sicherheit und Gesundheit

Online-Rezepte sparen Zeit für Sie selbst und die Arztpraxis. Die Online-Rezepte bedeuten mehr Sicherheit bei der Behandlung mit Medikamenten für Sie und ihre Gesundheit.

Medikamente – Wirkungen und Nebenwirkungen

Medikamente sind ein wichtiger Bestandteil beim Behandeln von Erkrankungen. Sie haben Wirkungen, aber auch Nebenwirkungen, die zu schweren Gesundheitsschäden führen können. Daher ist die genaue Einnahme nach ärztlicher Verordnung entscheidend. Dabei müssen Sie sowohl auf die Konzentration als auch auf die Dosierung ihrer Tabletten achten.

Medikamente sind verschreibungspflichtig durch eine Ärztin oder einen Arzt. Die Verschreibung erfolgt mit Rezept und ärztlicher Unterschrift. Ohne ein Rezept können Sie Medikamente in der Apotheke nicht bekommen.

Ein Rezept erhalten Sie beim Besuch in einer Arztpraxis beim direkten Arztkontakt oder in Form eines Folgerezeptes ohne Arztkontakt.

Was sind Folgerezepte?

Folgerezepte für Medikamente erhalten Sie nur, wenn Sie in einer Arztpraxis bekannt sind und in der Regel nur für Medikamente, die Ihnen schon einmal verordnet wurden.

Die Anforderung für ein solches Folgerezept kann über Telefon, Fax oder direkt vor Ort in der Praxis stattfinden.

Das Rezept erhalten Sie dann manuell oder per Post.

Probleme bei der Anforderung von Folgerezepten

Wenn Sie ein Folgerezept anfordern, kann es durchaus sein, dass Medikamente von anderen Ärzten geändert worden sind. Das gilt häufig für die Konzentration, z.B. 16 anstatt 32 mg Tabletten. Beim Anfordern können Ihnen ebenso Fehler unterlaufen, etwa beim Übermitteln oder weil sie sich nicht richtig erinnern können.

Gerade in der mündlichen Kommunikation können Verständnisfehler auftreten, auch von unserer Seite aus. So kann es zum Versand von fehlerhaften Rezepten kommen.

Ein weiteres Problem sind die Wartezeiten in der Praxis. Bis Sie ihre Rezeptanforderung gemacht haben und das Rezept erhalten haben, kann einige Zeit vergehen. Die Rezeptausstellung ist gerade zu Stoßzeiten in einer Arztpraxis ein deutlicher Mehraufwand für Sie und für uns.

Vorteile der Online-Rezeptanforderung

Grundsätzlich gilt, dass Sie den Namen und die Dosis Ihrer Medikamente am besten kennen. Das muss so sein, denn es geht um Ihre Gesundheit. Am besten führen Sie eine schriftliche Liste, z.B. in einer Computerdatei (Excel).

Von Ihrer persönlichen Medikamentenliste aus können Sie am besten Ihre Online-Rezept-Anforderung in das Online-Formular übertragen, überprüfen und dann abschicken. Das ist an jedem Wochentag und zu jeder Tageszeit möglich.

Ihre Rezeptanforderung liegt uns dann visuell vor, was Fehler bei der akustischen Übermittlung vermeidet. Wir bereiten dann die Rezepte vor und schicken Ihnen diese je nach Vereinbarung per Post zu oder Sie holen sie in der Praxis zu einem vereinbarten Zeitpunkt ab. Die Wartezeit wird dadurch erheblich verkürzt. Wir empfehlen Ihnen in der Cardiopraxis Düsseldorf zwischen 14:00 und 16:00 Uhr und in der Cardiopraxis Meerbusch zwischen 12:00 und 13:00 Uhr vorbei zu kommen.

Lernen Sie die Online-Rezept-Anforderung kennen

Auf der Homepage von vielen modernen Arztpraxen finden Sie inzwischen ein Formular zur Online-Rezept-Anforderung, so auch auf der Homepage der Cardiopraxis. Lernen Sie die Online-Rezept-Anforderung in Ruhe kennen, denn sie ist ganz im Sinne Ihrer individuellen gesundheitlichen Sicherheit.

Hier geht es zur Online-Anforderung für Folgerezepte bei Cardiopraxis. Bitte beachten Sie, dass Sie nur bei uns Rezepte anfordern können, wenn Sie bei uns bekannt sind.

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

 

Anpassung des Herz-Kreislaufsystems im Sommer

Ihr Herz-Kreislaufsystem passt sich immer den klimatischen Bedingungen an. Das Ziel ist dabei ein stabiler Sollwert für Ihre Körpertemperatur, denn nur bei richtiger Körpertemperatur sind Sie voll körperlich und geistig leistungsfähig.

Im Sommer ist in der Regel eine vermehrte Wärmeabgabe sinnvoll. Ihr Körper fördert das, indem er vor allem die Blutgefäße weit stellt und damit die Durchblutung steigert. Sie merken das an Ihren warmen Händen.

Im Winter steht hingegen die Wärmekonservierung im Vordergrund. Ihr Körper erreicht das, indem er die Blutgefäße eng stellt, also den Blutfluss verringert. Das wiederum können Sie daran merken, dass Ihre Hände häufiger kalt sind.

Gerade im Sommer erleben wir in der Cardiopraxis immer wieder starke Nebenwirkungen von Herz-Kreislaufmedikamenten. Die Menschen kommen zu uns mit innerer Unruhe, Luftnot, Benommenheit oder gar Ohnmachtsanfällen.

Medikamente gegen Bluthochdruck im Sommer – „mein Blutdruck spinnt”

Im Sommer ist er Blutdruck in Verbindung mit Medikamenten meistens das Hauptproblem.

Medikamente zur Herz-Kreislauftherapie können dabei die Ausgleichsmechanismen Ihres Körpers zur Reduktion überschüssiger Körperwärme verstärken. Der Blutdruck fällt dann ab.

Medikamente können die Wärmeabgabe aber auch kritisch verringern. Folglich steigen Hitzestress und Blutdruck Sie erleben so in der Regel einen Wechsel zwischen hohen und niedrigen Blutdruckwerten.

Häufig hören wir in den Sommermonaten in der Cardiopraxis den Satz: „Mein Blutdruck spinnt”. Mit differenzierten Kreislaufmessungen des Blutdrucks UND des Blutflusses können wir hier meistens gezielt helfen, indem wir die Medikation anpassen.

Herz- und Kreislaufmedikamente im Sommer

Blutgefäßweitsteller. Medikamenten dieser Gruppe (Kalzium-Antagonisten, ACE-Hemmer, AT-Blocker, Alphablocker) verursachen eine Weitstellung der Arterien. Der Blutdruck sinkt und die Durchblutung steigt, so dass der Körper Wärme besser an die Umgebung abgeben kann.

Sinkt der Blutdruck allerdings zu stark, versucht Ihr Körper das durch freigesetztes Adrenalin auszugleichen. Folglich steigen Herzfrequenz und Blutdruck häufig überschießend an.

Bremser der Pumpkraft und der Herzfrequenz. Beta-Blocker bremsen die Pumpkraft und reduzieren die Herzfrequenz und damit die Durchblutung. Damit sinkt auch der Blutdruck. Im Sommer ist die Wärmeabgabe durch die verringerte Durchblutung gerade bei höheren Dosen kritisch reduziert. Der Körper wird wärmer und Symptome von Hitzestress werden begünstigt.

Darüber hinaus dämpft ein falsch dosierter Beta-Blocker Warnsignale des Adrenalinsystems für eine körperlichen Überhitzung. So kann Ihre Körpertemperatur unbemerkt ansteigen und dann plötzlich kritische Folgen haben.

Harntreiber. Die sogenannten Diuretika reduzieren das Füllungsvolumen in den Arterien und Venen, was eine Verringerung er Durchblutung zur Folge hat. Der Blutdruck sinkt.

Weil die Durchblutung geringer ist, reduziert sich auch die Wärmeabgabe Mit einem verringerten Flüssigkeitsgehalt Ihrer Körperzellen reduziert sich auch die Wärmeleitfähigkeit Ihrer Körperzellen.. Somit steigt unter Harntreibern die Körpertemperatur an und Ihr Hitzestress steigt.

 

Hoher Blutdruck unter Medikamenten im Sommer

Zwar kann nicht nur bei übergewichtigen Menschen der Blutdruck im Sommer steigen, diese Gruppe ist allerdings besonders gefährdet.

Gerade Menschen mit Übergewicht haben durch das Körperfett eine bessere und häufig auch übermäßige Wärmeisolierung ihres Körpers. Hinzu kommt, dass Körperfett selbst entzündlich und damit wärmebildend ist. Das kann gerade im Sommer zu einem Hitzestau führen, was Hitzestress zur Folge hat Der wiederum ist mit einer gesteigerten Adrenalin-vermittelten Aktivierung verbunden, und das verursacht nicht selten krisenhafte Blutdruckanstiege.

Daher sollten vor allem übergewichtige Menschen unbedingt äußerlichen Hitzestress meiden. Sie sollten die Flüssigkeitszufuhr überprüfen. Eventuell müssen sie harntreibende Medikamente reduzieren bzw. absetzen. Falls es zu Blutdruckspitzen kommt, ist das Modulieren des Adrenalinhaushalts sinnvoll. Bei hoher Herzfrequenz können Betablocker in niedriger Dosierung oder auch Moxonidin zum Einsatz kommen.

Niedriger Blutdruck unter Medikamenten im Sommer

Die häufigste Ursache für einen zu niedrigen Blutdruck im Sommer ist ein zu geringer absoluter oder relativer Flüssigkeitsgehalt. „Absolut” bedeutet hier, dass Sie einfach zu wenig trinken; “relativ”, dass Ihr Gefäßraum, z.B. durch Wärme zu weit gestellt ist. Die Einnahme von Herz-Kreislaufmedikamenten verstärkt das noch.

Die zusätzliche Wärme durch klimatisches Anpassen führt dazu, dass sich die Blutgefäße weiten. Das hat bekanntermaßen zunächst einen Blutdruckabfall zur Folge, denn dem Kreislauf fehlt es einfach an “Hydraulikflüssigkeit”. Dieser vergrößerte Gefäßraum muss nun mit Flüssigkeit gefüllt oder verkleinert werden.

Auch hier gilt: Gegebenenfalls müssen Sie im Sommer die Dosis von Medikamenten anpassen. Gerade Kalzium-Antagonisten und Diuretika können vorübergehend reduziert bzw. abgesetzt werden.

Blutdruckmedikamente im Sommer – gemeinsam anpassen?

Der Flüssigkeitsbedarf des Körpers im Sommer ist höher, insbesondere bei körperlichen Freizeitaktivitäten. Sie sollten, falls nicht anders abgesprochen 30 bis 40 ml pro kg Körpergewicht und Tag trinken. Achten Sie auf kühlende und vorbeugende Maßnahmen, um Hitzestress zu vermeiden!

Wenn Ihr Blutdruck „spinnt”, sollten Sie die Medikation mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen. Bitte achten Sie auch darauf, dass andere Medikamentengruppen Einfluß auf die Körpertemperatur und damit auf Ihren Blutdruck haben.

Gerade unter extremen klimatischen Bedingungen sollten Sie nicht ohne Absprache die Medikation verändern. Sonst kann es zu kritischen Blutdruckkrisen kommen.

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Hitzewallungen durch Medikamente besonders im Sommer – erhöhtes Risiko für Herz und Kreislauf

Hitzewallungen mit Erhöhung der Körpertemperatur können als Folge von zahlreichen Medikamenten auftreten. Folglich können Medikamente, ohne dass Sie das zunächst vermuten,  unangenehme Symptomen, wie z.B. Hitzewallungen, Unruhegefühl, Gereiztheit, Blutdruckschwankungen, Schwitzen und auch Schlafstörungen zur Folge haben. Diese Nebenwirkungen können Sie zwar zu jeder Jahreszeit bemerken, sind allerdings in den Sommermonaten oder bei einem Urlaub in warmen Ländern verstärkt.

Symptome, die mit einem gesteigerten Wärmegefühl verbunden sind,  können ein erster Hinweis darauf sein, dass sich bei Ihnen ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen, wie z.B. Vorhofflimmern, Blutdruckkrisen oder auch ein Hitzenotfall ankündigen. Sie sollten daher thermische Nebenwirkungen von Medikamenenten kennen, um für sich und andere hier richtig zu handeln. Gerade ältere Menschen, die sich in Ihrem sozialen Umfeld befinden sind sich dieser Risiken nicht bewusst.

 

Hitzegefühl durch Medikamente – „Fieber“ als Nebenwirkung im Beipackzettel oder in der Fachinformation

Im Folgenden finden Sie eine Auswahl der häufigsten und wichtigsten Wirkstoffe und Substanzgruppen, die bei Ihnen ein Hitzegefühl zur Folge haben können. Wir können hier nicht alle Medikamente aufzählen, die Auflistung würde einfach zu lang. Folglich sollten Sie im Zweifel die Beipackzettel bzw. die Fachinformationen Ihrer Medikamente genau lesen. Spätestens dann, wenn Symptome der körperlichen Überwärmung oder wenn Sie extremer klimatischer Hitze ausgesetzt sind, dann sollten Sie Bescheid wissen.

Der Einfluss eines Medikamentes auf Ihre Körpertemperatur wird in den Fachinformationen und Beipackzetteln unter dem Begriff “Fieber” zusamengefasst. Das ist von der Wortbedeutung her nicht ganz richtig ist, weil es sich bei Fieber genau genommen um einen Veränderung des Temperatur-Sollwertes, z.B. durch Bakterien und Viren handelt. Medikamente führen aber über verschiedenen Mechanismen zu einer erhöhten Körpertemperatur.

Medikamente – Körpertemperatur über das Gehirn steigern

Ihr Gehirn ist der Ort, an dem Ihre Körpertemperatur reguliert wird. Hier können Medikamente eine Störung Ihrer zentralen Temperaturregulation im Gehirn verursachen.

Zahlreiche Neuroleptika zur Therapie von Psychosen oder auch Anticholinergika, z. B. Asthma-Sprays zum Weitstellen der Bronchien, haben hier eine Wirkung auch auf Ihr Gehirn. Vor allen Dingen die weit verbreiteten Antidepressiva, z.B. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, greifen hier temperatursteigernd in die Thermoregulation Ihres Körpers ein.

Man mag es gar nicht vermuten, aber auch der Gerinnungshemmer Rivaroxaban (XareltoⓇ) oder das Rhythmusmedikament Flecainid (Tambocor®) verursacht in bis zu 10 %der Fälle erhöhte Körpertemperaturen, die dann häufig bei sommerlicher Hitze symptomatisch werden können.

Viele hormonell ausgerichtete Substanzen zur Behandlung von Krebserkrankungen steigernebenfalls Ihre Körpertemperatur. Zu ihnen zählen Bicalutamid, Tamoxifen, Goserelin und Anastrozol. Die Antidepressiva Venlafaxin und Duloxetin und die bei Migräne häufig eingesetzten Tryptane geben Ihnen auch das Gefühl der Wärme.

Hormone und Nahrungsergänzungsmittel – Steigerung des Stoffwechsels kann Hitzestress auslösen

Eine ganze Reihe an Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten steigern den Stoffwechsel und haben so ebenfalls Einfluss auf Ihre Körpertemperatur.

An erster Stelle zu nennen sind Schilddrüsenhormone, Kontrazeptiva mit ihrem Gehalt an Östrogen und Progesteron sowie Kortison und Asthma-Sprays. Des Weiteren können Magnesiumcitrat und Kalzium sowie Vitamin D den Stoffwechsel erheblich ankurbeln, so dass Sie sogar machmal nachts nicht richtig schlafen können. Einschlafstörungen, gerade bei sommerlichen Außentemperaturen sind hier die Folge . Vitamin B6 und B12 werden als Stoffwechselaktivatoren in der Regel ebenso unterschätzt.

Medikamente können Ausgleichsmechanismen für Hitzestress blockieren

Ihr Körper verfügt über zahlreiche Ausgleichsmechnismen, um die Körpertemperatur auch bei extremen Witterungsbedingungen konstant zu halten. Eine ganze Reihe von Medikamenten hemmen diese Ausgleichsmechanismen. Zum Beispiel nehmen Sie den Anstieg Ihrer Körpertemperatur dann nicht mehr wahr bzw. Ihr Körper kann nicht mehr richtig auf erhöhte Außentemperaturen reagieren. Häufig sind Sie sich dieser Mechanismen gar nicht bewusst, was zu schweren Nebenwirkungen bis hin zum Hitzeschock führen kann.

Durstgefühl verringert. Ein verringertes Durstgefühl kennen wir von ACE-Hemmern und AT-Blockern. Allerdings bringen auch Neuroleptika und Carbamazepin hier ein erhöhtes Risiko mit sich. Medikamente zur Behandlung des Morbus Parkinson sind weit verbreitet. Insbesondere bei älteren Menschen, die diese Medikamente ja häufig einnehmen, sollte häufiger einmal überprüft werden, inwieweit die Körpertemperatur zu hoch ist. Sinnvoll ist hier sicherlich das regelmäßige Messen der Ohrtemperatur.

Schwitzen verringert. Besonders tückisch ist ein verringertes Schwitzen durch einen sogenannten Antimuscarin-Effekt. Zu nennen sind hier Substanzen wie Alimemazin, Chlorpromazin, das Antidepressivum Amitriptylin und das gegen die Seekrankheit häufig verwendete Scopolamin. Des Weiteren haben Oxybutynin, Procyclidin und Topiramat hier eine Bedeutung.

Temperaturwahrnehmung verringert. Die Wahrnehmung der erhöhten Körpertemperatur ist vor allem bei Antiparkinson-Medikamenten gestört. Aber auch Medikamente, die beruhigend wirken, wie Benzodiazepine, Antihistaminika und Antidepressiva, verringern die Wahrnehmung einer zu hohen Temperatur. Weitere Medikamente, die diesen Effekt haben, sind Gabapentine, Anti-Muskarin-Medikamente und Antiepileptika.

Temperaturabgabe verringert. Damit der Körper Wärme gut abstrahlen kann, sind gut hydrierte Körperzellen wichtig. Ein erhöhtes Risiko für Überhitzung stellen folglich Medikamente, die das Körperwasser senken, wie z.B. harntreibende Medikamente, sogenannte Diuretika, ACE-Hemmer, AT Blocker und die sehr beliebten Abführmittel.

Kreislaufmedikamente – Ausgleichmechanismen bei Überhitzung verstärkt oder blockiert

Medikamente können die natürliche Reaktion auf hohe Außentemperaturen, also die Ausgleichsmechanismen, verstärken. Die Folge ist ein kritisch beeinträchtiger Kreislauf.

An erster Stelle zu nennen ist der Blutdruckabfall, der durch blutdrucksenkende Medikamente wie Nitrate, Betablocker, Calciumantagonisten, ACE-Hemmer und AT-Blocker begünstigt wird.

Was man häufig vergisst ist, dass die in der Urologie verwendeten Alpha-Blocker, z.B. Tamsulosin und Dutasterid/Tamsulosin und Doxazosin ebenfalls den Blutdruck senken und hier zu thermoregulatorischen Nebenwirkungen beitragen. Auch die Phosphodiesterase-Hemmer, die als Erektionshilfen von Männern eingesetzt werden, wie z.B. Sildenafil, Vardenafil und Tadalafil, reduzieren gerade in den Sommermonaten den Blutdruck. Das hat nicht selten kritische Folgen.

Medikamente im Sommer – frühzeitig über Nebenwirkungen informieren

Bei hohen Außentemperaturen, auch im Urlaub sollten Sie die Medikamente, die Sie einnehmen, auf Nebenwirkungen bezüglich erhöhter Körpertemperatur überprüfen. Achten Sie im Beipackzettel auf die Nebenwirkung „Fieber“.

Lesen Sie hierzu sorgfältig den Beipackzettel oder die Fachinformation!

Sollten Sie Medikamente einnehmen, die Hitzestress begünstigen, dann ist die erste Maßnahme: Hitzestress im Alltag vorbeugen! Sie sollten auf die Symptome von Hitzestress achten und im Zweifel mit einem Arzt bzw. einer Ärztin sprechen.

Niemals sollten Sie eigenmächtig die Dosis eines Medikamentes anpassen.

 

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