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Plötzlicher Herztod - Kammerflimmern im Langzeit-EKG

Kammerflimmern im Langzeit-EKG

Wenn Sie das oben gezeigte EKG auf Ihrer Apple-Watch sehen, dann handelt es sich um Kammerflimmern. Nun ist die Zeit sehr knapp und es verbleiben nach Beginn des Kammerflimmerns nur noch ca. 10 Sekunden bis Sie das Bewusstsein verlieren. Kammerflimmern ist die häufigste Ursache für den plötzlichen Herztod.

Wenn Sie Glück haben, dann beginnen Menschen in Ihrem Umfeld nachdem Sie Ihr Bewusstsein verloren haben mit den Wiederbelebungsmaßnahmen. In optimalen Fällen ist ein Automatischer Externer Defibrillator, ein sog. AED zur Hand. Da in den 30 Minuten vor dem Einsetzen des plötzlichen Herztodes in ca. 2 Drittel der Fälle Symptome, wie z.B. innere Unruhe, Brustdruck oder Luftnot auftreten, haben Sie oder Menschen aus Ihrem Umfeld schon die Rettungskette unter 112 in Gang gesetzt. Geschultes Rettungspersonal ist in Stadtgebieten innerhalb von Minuten vor Ort.

Wenn das alles gut geht, und vor allen Dingen schnell läuft, dann haben Sie häufig Glück und Sie werden erfolgreich wiederbelebt, und können weiter ein aktives Leben führen.

Hier schildern wir Ihnen nun den Fall eines Mannes, der trotz günstiger Umstände, das Pech hatte, dass es im Spätherbst früher dunkel wird als im Sommer.

Fallbericht – Kammerflimmern im Langzeit-EKG

Ein 62-jähriger, sehr freundlicher Mann stellt sich zur Abklärung einer Belastungsluftnot in einer kardiologischen Klinik vor.

Am Aufnahmetag wird noch am Vormittag eine Herzultraschalluntersuchung vorgenommen. Diese zeigt als führenden Befund einer schweren Herzschwäche eine hochgradige Einschränkung der linksventrikulären Ejektionsfraktion von 25% (>55% normal).

Zeitgleich wird im Echokardiografielabor eine orientierende körperliche Untersuchung einschl. einer Auskultation des Herzens mit dem Stethoskop durchgeführt. Das differenzierte Abhören aller Ableitungspunkte ergibt unter Berücksichtigung von Atemmanövern einen deutlichen 3. Herzton über der Herzspitze.

Da eine Herzschwäche mit einem erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen verbunden ist, wird ein Langzeit-EKG angelegt. Für den nächsten Tag ist eine Herzkatheteruntersuchung zur Ursachenabklärung der Herzschwäche geplant.

Am diesem Oktoberabend, die Sonne ist schon untergegangen, macht der Bettnachbar gegen 19:00 Uhr das Licht an. Er entdeckt, dass der Mann bewegungslos in seinem blauen Trainingsanzug, auf dem noch nicht aufgedeckten Bett liegt und auch nicht mehr atmet. Die herbeigerufenen Schwestern, Pfleger und Ärzte beginnen nach Prüfung der Vitalzeichen unmittelbar mit den Reanimationsmaßnahmen. Leider sind diese erfolglos und der Mann wird für tot erklärt.

Das Langzeit-EKG wird posthum, d.h. nach dem Tod ausgewertet und zeigt den seltenen Fall von Kammerflimmern im Langzeit-EKG.

Plötzlicher Herztod - Kammerflimmern im Langzeit-EKG

Kammerflimmern im Langzeit-EKG

Was sehe ich?

Die Langzeit-EKG-Registrierung zeigt zunächst (Beginn EKG-1) eine regelmäßige schmal-komplexe schnelle Folge von QRS-Komplexen. Den QRS-Komplexen vorangeschaltet ist jeweils eine P-Welle. Es handelt sich um eine Sinustachykardie, wahrscheinlich im Sinne einer Bedarfstachykardie bei hochgradiger Einschränkung der linksventrikulären Pumpfunktion.

Im weiteren Verlauf treten zunächst vereinzelt, dann später auch gekoppelt breitkomplexige ventrikuläre Extrasystolen auf. Mit einer Extrasystole beginnt dann das Kammerflimmern (Mitte EKG-1).

Das Kammerflimmern ist initial noch höher-amplitudig. Später geht das Kammerflimmern in eine niedrig-amplitudige und sehr hoch-frequente Form über (EKG-2). Wir halten den Beginn der Herzrhythmusstörung nicht für eine Torsade de Pointes Tachykardie, da bereits zu Beginn (1. vollständige Zeile des Kammerflimmern) keine periodischen Amplituden- und Vektorwechsel auftreten. Nach ca. 25 Minuten ist eine elektrische Aktion der Herzhauptkammer nicht mehr zu erkennen. Wir sehen bezogen auf die Hauptkammern eine elektrische Nulllinie. Wir erkennen nur noch die regelmäßigen Vorhofaktionen (EKG-3).

Plötzlicher Herztod 3. Herzton

Der 3. Herzton – ein sehr schlechtes Vorzeichen

Beim Abhören des Herzens können wir immer, bis auf ganz seltene Ausnahmen den 1. Herzton und den 2. Herzton wahrnehmen. Der 1. Herzton kennzeichnet den Schluss der Verbindungsherzklappen zwischen Vor- und Hauptkammern (Anspannungston). Der 2. Herzton wird durch den Schluss der Herzklappen zwischen Hauptkammern und den abgehenden Arterien verursacht (Klappenschlusston).

Den 3. Herzton hören wir nur noch selten, weil die Menschen mit Herzschwäche meistens frühzeitig gut mit Herz-entlastenden Medikamenten behandelt werden. Er entsteht durch einen erhöhten Füllungsdruck im Herzen.

Wenn wir den 3. Herzton hören, dann ist das ein sog. Signum mali ominis (lat. Vorzeichen allen Schlechten) und die Lage ist ernst. Erfahrene Kardiologen wissen, dass eine lebensbedrohliche Situation vorliegt. Im Fall des beschriebenen Mannes war der 3. Herzton der Vorbote von Kammerflimmern im Langzeit-EKG und damit den plötzlichen Herztod.

Und noch ein weiteres Beispiel aus dem Alltag. Bei diesem 62-jährigen Mann hören wir einen Extraton (S(3+4)) als sog. Fusionsgalopp. Die visuelle Ableitung der Herztöne, das Phonokardiogramm stammt aus einer Zeit, als die Möglichkeiten zur Behandlung der Herzinsuffizienz noch sehr eingeschränkt waren. Der Fusionsgalopp ist eine Verschmelzung von 3. und 4. Herzton und die Prognose ist auch hier schlecht. Dieser Mann verstarb 15 Tage nach der Registrierung des Fusionsgalopps am Plötzlichen Herztod.

Das Herz – ein elektro-mechanisches Organ

Das Herz ist ein elektro-mechanisches Organ, d.h. einer elektrischen Herzaktion folgt ein mechanisches Zusammenziehen, eine sog. muskuläre Kontraktion. Vorkammern und Hauptkammern kontrahieren dabei nacheinander, so dass sich z.B. während die Hauptkammern Blut in Lungen- bzw. Körperkreislauf pumpen gleichzeitig die Vorkammern füllen. Das Herz ist somit eine Druck-Saugpumpe.

Diese elektro-mechanischen Prozesse im Herzen müssen geordnet ablaufen, damit ein ausreichender Kreislauf aufrechterhalten werden kann und alle Organe mit sauerstoffreichem Blut versorgt werden können. Das gilt vor allen Dingen für das sehr Sauerstoff-sensible Gehirn: ca. 10 Sekunden kein Kreislauf im Gehirn führt zu Bewusstseinsverlust.

Herzrhythmusstörungen, z.B. elektrische Extraaktionen, auch Extrasystolen genannt können den regelmäßigen elektro-mechanischen Ablauf und damit den Kreislauf des Blutes stören. Hier muss man wissen, dass jede Herzmuskelzelle das elektrische Potential hat eine Extrasystole auszulösen.

Kammerflimmern – elektrischer Sturm, mechanischer Stillstand

Die gefährlichste Herzrhythmusstörung ist das Kammerflimmern. Die elektrische Herzfrequenz beträgt 320-800 Aktionen pro Minute. Hier sind die Hauptkammern kontinuierlich elektrisch erregt, quasi in einem elektrischen Sturm und die Muskulatur der Hauptkammern befindet sich in einer mechanischen Starre, ähnlich wie einem Muskelkrampf in anderen Körperregionen. Durch die mechanische Starre kommt der Kreislauf zum Stillstand. Je länger der Kreislaufstillstand anhält, ohne dass das Herz mittels Elektroschock, der sog. Defibrillation wieder in einen normalen Rhythmus gebracht wird, desto wahrscheinlicher ist der Tod.

Kammerflimmern terminiert fast ausnahmslos nicht spontan, d.h. ohne Defibrillation kann diese Rhythmusstörung nicht beendet werden, auch nicht mit Medikamenten. Nur in sehr, sehr seltenen Fällen haben einzelne von uns im Herzkatheterlabor oder auf der Intensivstation erlebt, dass sich beginnendes Kammerflimmern wieder “gefangen” hat.

Die kontinuierliche elektrische Erregung der Hauptkammern hat zur Folge, dass sich die Herzmuskelzellen energetisch erschöpfen. Nach ca. 25 Minuten kann auch keine elektrische Erregung mehr stattfinden, das EKG geht in eine elektrische Nulllinie über.

Da die Muskulatur der Hauptkammern von denen der Vorkammern bis auf den AV-Knoten elektrisch isoliert ist, wird die rückwärts gerichtete Erregung durch den AV-Knoten blockiert. Der AV-Knoten ist ein elektrischer Verzögerer. Genauso wenig wie das häufige Vorhofflimmern auf die Hauptkammern 1:1 übertragen, genauso wenig wir das Hauptkammerflimmern rückwärts auf die Vorkammern übertragen. Das können wir auch in unserem Beispiel gut sehen, die elektrischen Vorhofaktionen sind noch lange nachdem die Hauptkammern elektrisch funktionslos sind, im EKG sichtbar. Als mechanisches Phänomen hat dieses übrigens schon William Harvey, der Entdecker des Blutkreislaufs in seinem Buch “De motu cordis et sanguinis” 1628 beschrieben.

Kammerflimmern kann erfolgreich behandelt werden – Zeit ist der kritische Faktor

Sollte ein Mensch in Ihrem Umfeld das Bewusstsein verlieren, nicht mehr ansprechbar sein und auf Schmerzreize nicht reagieren, dann müssen Sie Hilfe rufen und unverzüglich mit den Reanimationsmaßnahmen beginnen:

PRÜFEN – RUFEN – DRÜCKEN

Sollte ein AED vor Ort sein, dann setzen Sie ihn ein. Sie können nichts falsch machen, handeln Sie unverzüglich.

Literatur

 

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


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Kammerflimmern – häufigste Ursache für plötzlichen Herztod 

Kammerflimmern ist eine tödliche Herzrhythmusstörung, die unmittelbar zum Kreislaufstillstand führt und daher bei fehlender Therapie unausweichlich mit dem Tod einhergeht. Folglich ist Kammerflimmern nur durch eine elektrische Therapie mittels Defibrillation terminierbar und behandelbar. 

Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland pro Jahr zwischen 65.000 und 200.000 Menschen am plötzlichen Herztod versterben. Ganz überwiegend liegt dem plötzlichen Herztod Kammerflimmern zugrunde – dies in etwa 80% der Fälle. Bei den restlichen 20% der Fälle geht man davon aus, dass der plötzliche Herztod durch eine primäre Bradykardie bzw. Asystolie, das heißt das gänzliche Fehlen von elektrischer Erregung im Herzen, stattfindet. Letztendlich führt unbehandeltes Kammerflimmern über Minuten dann auch zur Asystolie. 

 Kammerflimmern – elektrischer Sturm, mechanischer Stillstand 

Im normalen, gesunden Zustand kommt es im elektromechanischen Organ Herz zu einer koordinierten, homogen Erregungsausbreitung mit einer zeitgleichen Erregung der Herzmuskelzellen in den Hauptkammern, welches eine geordnete Kontraktion des Herzmuskels nach sich zieht. Folglich wird das Blut in den Herzkreislauf ausgeworfen. 

Die genauen elektrophysiologischen Mechanismen des Kammerflimmerns sind noch nicht eindeutig geklärt. Allerdings weiß man, dass beim Kammerflimmern regionale Erregungsabläufe gestört sind und es zur Initiierung von hochfrequenten, elektrischen Erregungen in der Herz-Hauptkammer >320 Erregungen/min kommt. Mechanisch bedeutet dies lediglich ein “Zucken” des Herzens, es erfolgt keine geordnete Kontraktion und damit auch kein Auswurf des Blutes in den Kreislauf. Gleichbedeutend ist dies ein Kreislaufstillstand. 

Kammerflimmern – am häufigsten bei Herzinfarkt 

Prinzipiell kann jede strukturelle Herzerkrankung mit einer vermehrten Neigung zu Herzrhythmusstörungen – und damit auch Kammerflimmern – einhergehen. Jedoch ist die mit Abstand wichtigste Ursache für ein Kammerflimmern ein akuter Herzinfarkt, der für etwa 80% aller Ereignisse verantwortlich gemacht wird.  

WICHTIG: Und weil bei einem Herzinfarkt das Kammerflimmern so häufig ist, sollten Sie bei einem ablaufenden Herzinfarkt sich auch nie mit einem PKW in die Klinik fahren lassen oder gar selber fahren. Daher bei Herzinfarkt immer die koronare Rettungskette unter 112 in Gang setzen. Die professionellen Rettungskräfte sind in wenigen Minuten vor Ort und haben den lebensrettenden Defibrillator immer dabei. 

Weitere Ursachen für Kammerflimmern sind: 

Kammerflimmern – Was ist zu tun? 

Beim Kammerflimmern muss sofort mit den Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden. Hier hilft der Algorithmus prüfen – rufen – drücken. 

  • Prüfen: Feststellen des Kreislaufstillstandes durch fehlende Reaktion auf Ansprache und abnormale oder fehlende Atmung. 
  • Rufen: Absetzen des Notrufes unter 112 
  • Drücken: Beginn mit der Kardio-Kompression 

Die einzige Möglichkeit ein Kammerflimmern zu durchbrechen, ist die Defibrillation. Daher ist es so wichtig, bei Wiederbelebungsmaßnahmen und Vorhandensein mehrerer Ersthelfer einen Defibrillator einzusetzen. Zum Beispiel finden Sie einen AED an öffentlichen Plätzen oder Gebäuden. 

Die Prognose sinkt je länger es dauert bis Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet werden. Bemerkenswert sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit ohne lebensrettende Massnahmen um etwa 10% pro verstrichener Minute. 

Kammerflimmern – Langzeittherapie 

 Wird ein Kammerflimmern durch ein einmaliges, akutes Ereignis, z.B. durch einen Herzinfarkt oder einen Stromschlag ausgelöst, dann ist die Prognose in den allermeisten Fällen gut und spezifisch vorbeugende Maßnahmen brauchen nicht ergriffen zu werden. 

Falls jedoch eine chronische Erkrankung der Auslöser ist, dann müssen dauerhafte spezifische therapeutische Mittel eingesetzt werden, um ein erneutes Kammerflimmern zu verhindern bzw. zu unterbrechen. Zu den chronischen Erkrankungen, die Kammerflimmern auslösen können, gehören zum Beispiel: 

  • Herzmuskelschwäche, vor allem nach Herzinfarkt
  • Herzmuskelerkrankungen (Dilatative Kardiomyopathie, Hypertrophe Herzmuskelerkrankung, Non-compaction Kardiomyopathie) 
  • Primäre elektrische Erkrankung (z.B. Long-QT Syndrom) 

Nach einem sog. überlebten Plötzlichen Herztod durch Kammerflimmern wird bei einer chronischen Herzerkrankung fast immer ein Implantierbarer Kardioverter Defibrillator (ICD) eingebaut. Zwar kann die medikamentöse Therapie die Häufigkeit von wiederholtem Kammerflimmern senken, aber nie vollständig vor Kammerflimmerepisoden schützen. Nur der ICD als spezialisiertes Schrittmachersystem kann dann das Kammerflimmern mittels Elektroschock über eine Elektrode von innen terminieren. Kurzum gilt für den Träger eines ICD: “Der Patient hat seinen Notarzt an Bord“. 

Eine Zwischenstellung zwischen akuten und chronischen Herzerkrankungen als Auslöser von Kammerflimmern sind akute Erkrankungen mit anfänglich nicht sicher abschätzbarem und längerem Heilungsverlauf. Zu diesen zählt vor allen Dingen die Herzmuskelentzündung, die sog. Myokarditis mit mutmaßlich vorübergehender Herzschwäche und einem erhöhten Risiko für Kammerflimmern, z.B. gekennzeichnet durch zahlreiche ventrikuläre Extrasystolen. Daher implantieren wir in solchen Fällen nicht sofort einen ICD, sondern der Patient trägt eine sog. Defi-Weste, bis die Erkrankung im optimalen Fall abgeheilt ist und sich damit auch das Risiko für Kammerflimmern normalisiert hat. 

 Kammerflimmern – wie beuge ich vor 

Es gibt strukturelle Krankheitszustände des Herzens, da ist das Risiko für Kammerflimmern so hoch, dass wir einen ICD empfehlen BEVOR das erste Mal Kammerflimmern aufgetreten ist. Die häufigste Konstellation ist hier eine Koronare Herzkrankheit mit einer linksventrikulären Ejektiosnfrakton von <35% nach einem Herzinfarkt. In diesen Fällen wird heutzutage der ICD primär-prophylaktisch implantiert, so dass der betroffene Mensch in der Zukunft geschützt ist.  

Demgegenüber besteht das Problem, dass nur etwa 10-15% aller Menschen mit plötzlichem Herztod in die Gruppe der Hochrisikopatienten fallen, die für einen primär-prophylaktischen ICD in Frage kommen. Daher ist es für uns besonders wichtig, das Ereignis zu verhindern bzw. im Akutfall möglichst schnell zu versorgen: den Herzinfarkt.  In erster Linie geschieht dies durch die Minimierung der kardiovaskulären Risikofaktoren wie unbehandelter Bluthochdruck, Zuckererkrankung, Fettstoffwechselstörung, Rauchen sowie Übergewicht und Bewegungsarmut. Jedoch im Akutfall sollten Sie unverzüglich handeln und die Rettungskette unter 112 in Gang setzen. 

Hier geht es zum Fallbericht: Kammerflimmern

Literatur

 

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


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Langsamer Herzschlag am Morgen nach dem Aufstehen – AV-junktionaler Rhythmus bei vagaler Gegenregulation

Vorgeschichte – Übelkeit und Speichelfluss NACH dem Aufstehen

Ein 61-jähriger gesunder Mann berichtete, dass seit 2 Monaten vor allen Dingen am Morgen ca. 30-45 Minuten NACH dem Aufstehen anfallsartige Benommenheit in Verbindung mit einem langsamem starken Herzschlag auftritt. Begleitet wurden diese Episoden immer wieder von Übelkeit bis hin zu Erbrechen und von gesteigertem Speichelfluss. 

Eine auswärtige kardiologische Untersuchung einschließlich eines Langzeit-EKGs zeigt aus dortiger Sicht keine Auffälligkeiten. Die orthopädische und die neurologische Abklärung einschließlich eines MRTs des Gehirns ergaben keinen richtungsweisenden Befund. Daher riet der versierte Neurologe zur Anschaffung einer Smartwatch mit EKG-Funktion (Apple-Watch 5). 

Sinusrhythmus -Apple Watch 5 – EKG

Asymptomatischer Normalbefund

Was kann ich sehen:

  • elektrische Herzfrequenz 79 bpm
  • P-Welle gut sichtbar (grüne Punkte)
  • regelmäßige P-Wellen mit konstantem Intervall, jeder P-Welle folgt ein QRS-Komplex mit gleichem Abstand = Sinusrhythmus
  • intermittierende breit-komplexige elektrische Extraaktionen (Extrasystolen, blaue Punkte)

Diagnose durch Apple

  • Sinusrhythmus

Diagnose durch den Kardiologen

  • Sinusrhythmus mit einzelnen ventrikulären Extrasystolen

AV-junktionaler Ersatzrhythmus mit U-Welle – Apple Watch 5 – EKG

Symptomatische Episode mit langsamem Herzschlag

Was kann ich sehen:

  • elektrische Herzfrequenz 49 bpm
  • P-Welle nicht sichtbar
  • regelmäßige Zusatzwelle in der T-Welle (rosa Punkte)

Diagnose durch Apple

  • Herzfrequenz unter 50 bpm, keine Aussage zum Herzrhythmus

Diagnose durch den Kardiologen

  • AV-junktionaler Ersatzrhythmus
  • U-Welle (rosa Punkte)
  • differentialdiagnostisch AV-Block I mit langer Überleitung unwahrscheinlich, da PQ-Zeit (Abstand zwischen Zusatzwelle in der T-Welle bis zum Beginn des QRS-Komplexes) mit 800 ms extrem lang wäre bei stabiler 1:1 Überleitung

Kurzbeschreibung – AV-junktionaler Ersatzrhythmus und U-Welle

AV-junktionaler Rhythmus bedeutet rein elektrisch betrachtet, dass der AV-Knoten zwischen Vorkammer (A=Atrium) und Hauptkammer (V-Ventrikel) die Taktgeberfunktion des Herzens übernimmt. Typischwerweise ist der AV-Knotenrhythmus mit ca. 45 bpm langsamer als der Rhythmus des vorgeschalteten Sinusknotens in der rechten Vorkammer (normal 50-100 bpm).

Die Ursache für  einen AV-junktionalen Rhythmus kann ein anhaltender struktureller bzw. funktioneller vorübergehender Ausfall des Sinusknotens sein. Daher sprechen wir auch von einem Ersatzrhythmus (für den Sinusknoten). Von einer strukturellen Störung des Sinusknotens sprechen wir, wenn die Zellen des Sinusknoten  so stark verändert sind , dass dieser keinen normalen Rhythmus mehr bilden kann, z.B. als Folge einer Entzündung.

Eine funktionelle Störung des Sinusknotens  ist vorübergehend und fast ausschließlich die Folge einer sog. vagalen Reaktion. Der Nervus vagus (“Bremser”) ist im vegetativen Nervensystem der Gegenspieler des Nervus sympathikus (“Gasgeber”). Folglich ist eine vagale Reaktion gekennzeichnet durch langsamen Herzschlag, Blutdruckabfall, Übelkeit, gelegentlich auch Speichelfluss, enge Pupillen und Benommenheit bis hin zum Bewußtseinsverlust. Ausserdem ist eine vagale Reaktion auch als eine übersteuernde Gegenregulation auf eine starke Aktivierung des sympathischen Anteils des vegetativen Nervensystems möglich.

Eine U-Welle sehen wir selten. Sie kommt nicht nur bei einer sehr starken vagalen Reaktion, sondern auch bei Menschen vor, die in ihrem vegetativen Nervensystem konstitutionell eher einen sog. Vagotonus haben. Gelegentlich tritt sie auch bei niedrigen Kaliumspiegeln auf.

AV-junktionaler Ersatzrhythmus – Folge einer Dysbalance des vegetativen Nervensystems

Der AV-junktionale Ersatzrhythmus wurde bei diesem Fall übrigens ausschließlich mit dem Smartphone-EKG am “point-of-action” dokumentiert, 2 Langzeit-EKGs waren diesbezüglich unauffällig.

Folglich mussten wir uns auf die Suche nach der Ursache machen. Die konventionelle kardiologische Diagnostik mit Ruhe-EKG, Langzeit-EKG, Belastung-EKG und  Stress-Echokardiografie ergaben keinen pathologischen Befund. Kurzum, Herzmuskel- und Herzklappenfunktion waren in Ruhe und bei Belastung normal, Hinweise auf eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels, eine sog. Koronare Herzkrankheit ergaben sich bei dem 61-jährigen Mann ebenfalls nicht.

Die Angabe, dass bei den symptomatischen Episoden ein vermehrter Speichelfluss auftrat, war ein starker Hinweis dafür, dass der AV-junktionale Ersatzrhythmus in diesem Fall ein Begleitphänomen einer vagalen Reaktion war. Also mussten wir uns als nächstes fragen, was die auslösende Ursache war und ob es möglicherweise eine Gegenregulation einer primär übersteigerten Aktivität des Nervus sympathikus war. Hierfür sprach schon einmal, dass die Ereignisse fast ausschließlich am Morgen NACH dem Aufstehen mit einer Latenz von 30-45 Minuten auftraten.

Wenn wir am Morgen aufstehen, dann muss sich unser Kreislauf nach einer entspannenden Nacht an die aufrechte Körperposition anpassen. So fließen nun im Stehen ca. 4/7 des venösen Rückstroms von der Großzehe bis zum Herz gegen die Schwerkraft bergauf. Hier schaltet sich das sympathische Nervensystem ein, so dass vermittelt durch Adrenalin und Noradrenalin ein Anstieg der Herzfrequenz und des Blutdrucks für eine ausreichende Durchblutung des Kopfes sorgen, um eine Ohnmacht zu verhindern.

Bei unserem Mann war diese Reaktion mit hoher Wahrscheinlichkeit besonders ausgeprägt. Hierfür spricht auch, dass bei einem Kreislauftest in der Cardiopraxis die Herzfrequenz vom Liegen zum Stehen um 37 bpm anstieg. Das ist für einen Mann in diesem Alter äußerst ungewöhnlich. Folglich mussten wir von einer übersteigerten Aktivität des sympathischen Nervensystems ausgehen.

AV-junktionaler Ersatzrhythmus – Nahrungsergänzungsmittel KarenzymⓇ mit Rutin als indirekte Ursache?!

Der betroffene 61-jährige Mann hatte im Vorfeld der Symptome über einen längeren Zeitraum das Nahrungsmittel KarenzymⓇ und damit eine Tagesdosis von 100 mg Rutin eingenommen. Rutin ist ein Hemmer des Enzyms Catechol-O-Methytransferase, welche entscheidend für den Abbau der Neurotransmitter Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin ist.

Daher lautete die Arbeitshypothese: Rutin bewirkt eine Abbaustörung von Dopamin, Adrenalin und Nordarenalin, was wiederum eine gesteigerte Aktivität des Nervus Sympathikus zur Folge hat und das Risiko für vagale Gegenregualtionen erhöht. In Verbindung mit einem sehr starken zusätzlichen Stimulus für den Nervus sympathikus, in diesem Fall das Aufstehen nach dem Nachtschlaf, treten gehäuft vagale Reaktionen mit den beschriebenen Symptomen und dem AV-junktionalen Ersatzrhythmus auf.

KarenzymⓇ wurde abgesetzt. Zur unmittelbaren Beseitigung wurde Reserpin (Rauwolfia Tropfen) für den verstärkten Abbau von adrenergen Neurotransmittern gegeben. Desweiteren wurde Magnesium-Bisglycinat empfohlen. Magnesium unterstützt als Kofaktor die Aktivität der Catechol-O-Methyltransferase und die Aminosäure Glycin gilt als beruhigender Neurotransmitter.

Im weiteren Verlauf traten dann nach einigen Tagen keine symptomatischen Episoden mehr auf, was als indirekter Beweis für die Hypothese gewertet werden muss.

Nahrungsergänzungsmittel – Einfluss auf das vegetative Nervensystem beachten

Nahrungsergänzungsmittel, in diesem Fall das frei verkäufliche Rutin können einen relevanten Einfluss auf das Herz-Kreislaufsystem haben. Falls Sie solche Substanzen einsetzen, dann sollten Sie neben Symptomen auf Herzfrequenz und Blutdruck achten. Wenn Sie hier relevante Veränderungen bemerken, dann sollten Sie die Substanz absetzen.

 

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Softdrinks: Limonade, Cola, Isotonische Getränke & Co – zur Deckung des Flüssigkeitsbedarfs?

Je nach körperlicher Aktivität beträgt der Flüssigkeitsbedarf Ihres Körpers 30-40 ml/kg Körpergewicht und Tag, bei einem Gewicht von z.B. 80 kg bedeutet dies, dass Sie 2,4-3,2 l/Tag trinken sollten. Allerdings sind die Regale in den Supermärkten und an den Tankstellen insbesondere voll mit Softdrinks. Daher erscheint es naheliegend, den Flüssigkeitsbedarf mit Softdrinks zu decken. Aber ist das sinnvoll?

EPIC-Studie – Einfluss von Softdrinks auf das Langzeitüberleben

Deshalb hatten sich die Mitarbeiter EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) zum Ziel gesetzt, Zusammenhänge zwischen Ernährung und verschiedenen Erkrankungen, wie zum Beispiel Krebs, zu untersuchen. Dafür wurde in 10 europäischen Ländern (Dänemark, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Großbritannien, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Spanien) auch der Zusammenhang zwischen Sterblichkeit und der Zufuhr von kommerziell erhältlichen sog. Softdrinks analysiert.

Dabei definieren wir bei den Softdrinks im Gegensatz zu den alkoholhaltigen “hard drinks” kommerziell erhältliche nicht-alkoholische Getränke mit und ohne Kohlensäure, isotonische Getränke und siruphaltige Getränke. Diese wurden in der Studie unterteilt in solche mit Zucker oder solche mit Zuckerersatzmittel.

Zudem rekrutierten die Studienzentren zwischen 1992-2000 insgesamt 451.743 Teilnehmer, die keine Erkrankungen wie Krebs, Herzerkrankungen, Schlaganfall oder Diabetes mellitus aufweisen durften. Zudem lag das mittlere Alter zu Studienbeginn bei 50,8 +/- 9,8 Jahren, 71,1% der Teilnehmer waren Frauen und die Nachbeobachtungsdauer betrug 16,4+/- 11,1 Jahre.

Konsumverhalten von Softdrinks

Menschen mit einem hohen Verbrauch an Softdrinks, das heißt ≥2 Gläser pro Tag, hatten im Vergleich zu solchen, die weniger als 1 Glas pro Monat trinken, einen niedrigeren Bildungsstand (19,8 vs. 26,2%), waren körperlich aktiver (27,8 vs. 15,5%) und rauchten häufiger.

Sterblichkeit durch Softdrinks

In einer sogenannten Multivarianzanalyse wurden relevante Kofaktoren, so z.B. Körpergewicht, körperliche Aktivität, Nikotinkonsum usw. statistisch kontrolliert. Dadurch konnte man eine sichere Aussage über den untersuchten direkten Zusammenhang zwischen Softdrinks und Sterblichkeit treffen. Zudem diente als Basiswert ein sehr geringer Verbrauch von weniger als 1 Glas pro Monat. Im Nachbeobachtungsintervall betrug die Sterblichkeit in dieser Gruppe 8,9%.

Softdrinks mit Zuckerersatzstoffen. Dabei kam heraus, dass bei einem Konsum von zwei oder mehr Gläsern an Softdrinks mit Zuckerersatzstoffen ein deutlich erhöhtes Sterblichkeitsrisiko von +26% vorliegt. Dagegen hatte ein geringeres Sterblichkeitsrisiko, wer im Vergleich zur Kontrollgruppe weniger als 2 Gläser am Tag trinkt.

Softdrinks mit Zucker. Indes war bei Menschen, die Softdrinks mit Zucker zu sich genommen haben, die Sterblichkeit ab 1-2 Gläsern/Tag leicht erhöht.

Ursachen der Sterblichkeit

Sterblichkeit an Tumorerkrankungen. Dabei konnte keine Steigerung der Sterblichkeit für alle Softdrinks festgestellt werden, auch nicht für solche mit Zuckerersatzmitteln.

Sterblichkeit an gastro-intestinalen Erkrankungen. In diesem Fall ergab sich eine deutliche Steigerung der Sterblichkeit von 59%, wenn die Teilnehmer 2 oder mehr Gläser an Softdrinks mit Zucker getrunken hatten. Hingegen konnten die Untersucher keine Steigerung für Softdrinks mit Zuckerersatzmitteln auch bei hoher Zufuhr feststellen.

Sterblichkeit an kardio-vaskulären Erkrankungen. Schließlich zeigte sich eine deutliche Steigerung der Sterblichkeit um 52% bei Softdrinks mit Zuckerersatzmitteln bei 2 oder mehr Gläsern pro Tag. Außerdem ergab sich eine leichte Steigerung für zuckerhaltige Softdrinks von +11%.

Sonderfall Energy-Drinks

Erst Anfang der 1990er Jahre sind Energy-Drinks in Europa in den Handel eingeführt worden, Vorreiter war Red Bull. Jedoch sind diese Energy-Drinks in der EPIC-Studie noch nicht separat erfasst worden. Obwohl diese anfangs eher von Jugendlichen konsumierten Stimulanzien in den letzten Jahren zunehmend auch von Menschen im mittleren Lebensalter getrunken. Somit wäre eine separate Betrachtung sinnvoll.

Außerdem müssen wir im Falle von Energy-Drinks berücksichtigen, dass diese Stimulanzien wie Koffein, B-Vitamine, Phenylalanin und Taurin etc. enthalten. Folglich haben Energy Drinks ein gesondertes Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Herzinfarkt aber auch für Krampfanfälle des Gehirns.

Softdrinks nicht zur Deckung des täglichen Flüssigkeitsbedarfs geeignet

Deswegen sind Softdrinks als Hauptgetränk zur Deckung des täglichen Flüssigkeitsbedarfs ungeeignet. Daher sollten Sie Softdrinks als ein Genussgetränk werten und nur sparsam konsumieren, ähnlich wie beim Alkohol. Dagegen scheinen Softdrinks mit Zuckerersatzstoffen unbedenklich zu sein, wenn Sie weniger als 2 Gläser pro Tag davon trinken. Darüber hinaus gelten Softdrinks mit Zucker bei 1-6 Gläsern pro Woche als unbedenklich.

Schließlich raten wir Ihnen zu besonders vorsichtigen Umgang mit Energy Drinks, den modernen Softdrinks. Vor allem gilt dies ab einem mittleren Lebensalter oder bei Symptomen bzw. diagnostizierten kardiovaskulären Erkrankungen.

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Herzrasen nach dem Mittagessen –  Herzrhythmusstörungen durch Histamin

Vorgeschichte

Bei einem 57-jährigen Mann ist seit der Kindheit eine saisonale Allergie bekannt. Seit dem jungen Erwachsenenalter treten immer wieder Symptome einer Histaminintoleranz bzw. eines Mastzellaktivitäts-Syndroms auf.

Ca. 10 Minuten vor Beginn der Symptome Mahlzeit mit Würstchen, Sauerkraut und Kartoffelpürree, dazu ca. 3 Eßlöffel Senf (Löwensenf, mittelscharf-mild).

Symptome von Histamin

Akute Symptome am Tag 1

  • Zuschwellung des Rachens mit veränderter Stimme (“kloßig”) und Schluckstörungen
  • Jucken der Augen
  • keine Luftnot
  • kein Herzstolpern (= asymptmatische Herzrhythmusstörungen)
  • Zuschwellen der Augen
  • Müdigkeit

Latente Symptome am Tag 2

  • Angina pectoris (Nitrospray– und Cimetidin-Test positiv)
  • weicher Stuhlgang
  • fortgesetzte Schwellung der Augen (bis Tag 3)

Smartphone 1-Kanal EKG – Apple Watch 4 

Was kann ich sehen:

  • elektrische Herzfrequenz 101 bpm
  • P-Welle gut sichtbar
  • regelmäßige P-Wellen mit konstantem Intervall, jeder P-Welle folgt ein QRS-Komplex mit gleichem Abstand = Sinusrhythmus
  • intermittierende elektrische Extraaktionen (Extrasystolen)
  • Extrasystolen mit SCHMALEM QRS-Komplex = Vorhoffextrasystolen = atriale Extrasystolen (gelber Punkt) mit post-extrasystolischen Pausen bis zur nächsten normalen elektrischen Herzaktion (gelber Strich). Bei einer Anzahl von  7 Extrasystolen während einer Aufzeichnungsdauer von 30 Sek. entspricht das 14% aller gezählter Hauptkammerkomplexe
  • Extrasystolen mit BREITEM QRS-Komplex = Hauptkammerextrasystolen = ventrikuläre Extrasystolen (roter Punkt), 1 Doppelaktion mit 2 aufeinanderfolgenden ventrikulären Extrasystolen (= Couplet); alle ventrikulären Extrasystolen sehen ähnlich aus = monomorphe ventrikuläre Extrasystolen = 1 einzelner Ursprungsort in den Herzhauptkammern wahrscheinlich. Bei einer Anzahl von 7 Extrasystolen während einer Aufzeichnungsdauer von 30 Sek entspricht das 14% aller gezählter Hauptkammerkomplexe.

Diagnose durch Apple

  • uneindeutig

Diagnose durch den Kardiologen

  • Sinustachykardie mit intermittierenden supraventrikulären Extrasystolen und monomorphen ventrikulären Extrasystolen mit 1 Couplet

Smartphone 1-Kanal EKG – AliveCor KardiaMobile

Was kann ich sehen? – Zusatzinformationen

Die Annotation (blaue Markierung), die Balkenlinie unterhalb des EKGs zeigt einen komplett regelmäßigen Grundrhythmus an. Bei besser sichtbaren regelmäßigen P-Wellen vor dem QRS-Komplex können Sie somit die Diagnose “Sinusrhythmus” eindeutig selber stellen. Auch die Vorhofextrasystolen (gelber Punkt) lassen sich gut abgrenzen.

Diagnose durch Kardia

  • Tachykardie

Die Diagnose “unklassifiziert” oder “mögliches Vorhofflimmern” wird NICHT gestellt, was richtig ist.

Diagnose durch den Kardiologen

  • Sinsutachykardie mit einzelnen atrialen Extrasystolen

Smartphone 1-Kanal EKG – AliveCor Kardia 6L

 

Was kann ich sehen? – Zusatzinformationen

Der Hauptvektor des QRS-Komplexes der monomorphen ventrikulären Extrasystolen liegt zwischen den Extremitätenableitungen II und III, d.h. die grösste positive Amplitude liegt zwischen diesen Ableitungen. Folglich handelt es sich um einen sog. Steiltyp.

Die Extrasystolen haben somit mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ihren Ursprung in einem Ausflußtrakt des Herzens oder der Aortenbasis. Entweder handelt es sich um den rechtsventrikulären Ausflußtrakt (Verbindung zwischen rechter Herzhauptkammer und Lungensrombahn) oder dem linksventrikulären Ausflußtrakt (Verbindung zwischen linker Herzhauptkammer und Aorta). Eine genauere Festlegung ist nicht möglich, hierfür brauchen Sie ein 12-Kanal EKG.

Die P-Wellen sind in dem 6-Kanal EKG gut abgrenzbar.

Diagnose durch Kardia

  • normal (bei Herzfrequenz <100 bom)

Diagnose durch den Kardiologen

  • ventrikuläre Extrasystole

Technische Anmerkung – Annotation bei Kardia von AliveCor

Die AliveCor Kardia Systeme, KardiaMobile, KardiaBand und Kardia 6L  zeigen im 1-Kanal EKG eine sog. Annotation an. Es handelt sich um eine Balkenlinie (blaue Markierung) unterhalb des EKGs; die kleinen senkrechten Balken zeigen den QRS-Komplex an. Somit können Sie auch bei schneller Herzschlagfolge die Regelmäßigkeit der Herzaktionen besser bewerten. Gegebenenfalls können Sie das EKG ausdrucken und mit einem Zirkel oder einem Lineal selber nachmessen. Sowohl das KardiaMobile als auch die 1-Kanal EKG-Funkton des Kardia 6L verfügen über eine Annotation. Das 1-Kanal EKG von Apple verfügt nicht über eine Annotation.

Technische Anmerkung – Vorteile des 6-Kanal EKGs

Gerade dem geschulten Betrachter bietet das 6-Kanal EKG von AliveCor mehr Möglichkeiten. Die P-Wellen sind besser abgrenzbar, weil Sie in der Regel in der Extremitäten Ableitung II am besten sichtbar sind. Die 1-Kanal EKGs bilden jeweils nur die Ableitung I ab.

Durch das 6-Kanal EKG läßt sich auch der Ursprungsort von ventrikulären Extrasystolen besser abgrenzen. Das hat durchaus Bedeutung, weil es sich in dem vorgestellten Fall mit hoher Wahrscheinlichkeit um  ventrikuläre Extrasystolen aus einem Ausflußtrakt des Herzens handelt.

 

Intervention und Verlauf

Symptome. Die akuten Symptome entwickelten sich 10 Minuten nach Ende der Mahlzeit und der betroffene Mensch nahm dann 2 orale Antihistaminika, den H1-Blocker Lorantadin (10mg) und den H2-Blockers Ranitidin (300 mg, oral nicht in Deutschland erhältlich). Die Symptomentwicklung hatte eine klare Abfolge, indem sie sich eindeutig zuerst im Rachenraum bemerkbar machten.

Herzrhythmus. Die atrialen und ventrikulären Extrasystolen wurden zuerst ca. 10-15 Minuten nach Beendigung der Mahlzeit registriert. Die ventrikulären Extrasystolen waren nach ca. 1 Stunde deutlich rückläufig bzw. nicht mehr nachweisbar, während atriale Extraaktion weiter vorkommen, allerdings nicht in der anfänglichen Häufigkeit.

Interessanterweise lag die Herzfrequenz in der Nacht (gemessen mit Apple-Watch 4 + SleepWatch App) bis zum Morgen, d.h. 16h Stunden nach der Symptom-auslösenden Mahlzeit mit 77 bpm mehr als 10 bpm höher als in den 7 Tagen davor (Durchschnitt 15,1 bpm <77 bpm). Folglich bestand somit eine fortgesetzte arrythmogene Aktivierung des Herzens auch in der Nacht.

Den vollständigen Fallbericht finden Sie hier: Fallbericht V.a.Histaminintoleranz

Kurzbeschreibung – Histamin und Herzrhythmusstörungen

Histamin wirkt über verschiedene Rezeptoren und bewirket so mannigfache Symptome. Dabei verursachen vor allen Dingen die Aktivierung von H1 und H2 Rezeptoren Veränderungen im Herz-Kreislaufsystem.

Folglich bewirkt Histamin über die  H1 Rezeptoren eine Blutgefäßerweiterung und damit Blutdruckschwankungen. Die H2 Rezeptoren hingegen stimulieren das Herz indem sie, so wie in diesem Fall eine Tachykardie auslösen und auch die Muskulatur der Herzhauptkammern zu mehr Aktivität stimulieren. Darüber hinaus können vor allen Dingen in den Vorkammern Extrasystolen bis hin zu Vorhofflimmern getriggert werden.

Ein indirekter Beleg für die Bedeutung von Histaminrezeptoren am Herzen ist die Wirkung von sog. H2-Blockern, z.B. Cimetedin und Ranitidin am Herzen. Schließlich ist bei Rantidin die Wirkung auf die Erregungsbildung und -weiterleitung im Herzen so  ausgeprägt, dass unter höheren Dosierungen von 300mg Ranitidin in seltenen Fällen kritische Verlangsamungen der Herzfrequenz vorkommen können.

Folglich haben diese  Zusammenhänge im Alltag durchaus praktische Bedeutung. In diesem Sinne sind Menschen, die ohnehin schon ein erhöhtes Risiko, z.B. für Vorhofflimmern haben, besonders gefährdet. Liegt dann noch eine Histaminerkrankung, z.B. eine Allergie, eine Histaminintoleranz oder ein Mastzellaktivitätssyndrom vor, dann können zugeführte Histamin-begünstigende Nahrungsmittel, so z.B. auch das beliebte Oktoberfestbier Herzrhythmusstörungen auslösen.

Während eine Allergie von Betroffenen und Ärzten gut erkannt wird, fällt die Abgrenzung anderer Histaminerkrankungen aufgrund der eingeschränkten diagnostischen Möglichkeiten, und hier vor allen Dingen eines einfachen Labortests, schwer. Folglich sollten wir bei Herzrhythmusstörungen im jüngeren und mittleren Lebensalter, d.h. bei fehlenden weiteren Risikofaktoren für das Herz an eine Histaminerkrankung bzw. den Einfluss von Nahrungsmitteln denken und genauer nach weiteren Histaminsymptomen fragen.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Bier auf dem Oktoberfest – Risikofaktor für Herzrhythmusstörungen

Seit 1810 findet in München das Oktoberfest statt. Ursprünglich als Feierlichkeit anlässlich der Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese gedacht, hat sich das Oktoberfest zu einem weltbekannten Volksfest mit über 5 Millionen Besuchern aus über 60 Ländern des nicht-bayrischen Auslands entwickelt.

Im Jahr 2015 haben 5,9 Millionen Besucher durchschnittlich 1,31 Maß Bier pro Besucher (1 Maß Bier = 1,069 l) getrunken. Wir untertreiben also sicherlich nicht, wenn wir behaupten, dass die allermeisten Besucher dieses beliebten Volksfestes kommen, um in der Gesellschaft Gleichgesinnter Bier zu trinken.

Bier enthält Alkohol. Alkohol kann Rhythmusstörungen auslösen. Diese Zusammenhänge hat eine Arbeitsgruppe, die Munich Beer Related Electrocardiogram Workup Study (MunichBREW) wissenschaftlich (und nüchtern) untersucht.

Alkoholtest und AliveCor Smartphone EKG auf dem Oktoberfest

Für die MunichBREW Studie wurden im Jahr 2015 auf dem Oktoberfestgelände 3.028 Besucher erfasst. Neben einem Standard-Alkohol-Atemtest leiteten die Untersucher jeweils ein 30-sekündiges 1-Kanal EKG mit dem KardiaMobile von AliveCor ab. Dieses Smartphone-basierte System zur Dokumentation eines EKGs ist wissenschaftlich getestet und wird von uns in der Cardiopraxis auch bei der Betreuung von Menschen mit Herzrhythmusstörungen häufig genutzt.

Das Durchschnittsalter betrug 34,7 +/- 13,3  Jahre, 29,9% waren Frauen. Der mittlere Alkoholgehalt betrug 0,85 +/- 0,54 Promille, bei Männern höher als bei Frauen.

Schneller Herzschlag und Herzrhythmusstörungen durch Bier

Bei 30,5% der Menschen wurde in der MunichBREW-Studie eine Herzrhythmusstörung nachgewiesen, wobei bei 25,9% aller Untersuchten eine Sinustachykardie vorlag. Sinustachykardie bedeutet eine regelmäßige Herzschlagfolge mit über 100 bpm, die als Ausdruck eines erhöhten Risikos für komplexere Herzrhythmusstörungen gewertet werden kann. Immerhin 5,4% des recht jungen Gesamtkollektives hatten komplexere Herzrhythmusstörungen, wie z.B. Extrasystolen der Vor- bzw.- Hauptkammern und 0,8% hatten sogar Vorhofflimmern, was ja ein Risikofaktor für einen Schlaganfall ist.

Hier ein authentisches “Oktoberfest-EKG” aus München (siehe Datum und Uhrzeit): vorbekanntes intermittierendes Vorhofflimmern; Samstag 28.9.19: Besuch des Oktoberfestes; gegen 21:00h 0,5 Maß Augustiner-Bräu, keine Nahrungsaufnahme; 2:02h in Nacht nächtlich symptomatisches Vorhofflimmern (geistriert mit KardiaMobile von AliveCore).

Bier für Bier – Risiko für Herzrhythmusstörungen steigt bei Frauen stärker als bei Männern

Nicht ganz unerwartet stieg mit der Alkoholkonzentration im Blut auch der Anteil an Menschen, die irgendeine Form von Herzrhythmusstörung aufwiesen. Frauen waren dabei deutlich häufiger betroffen als Männer. Ab 1,2 Promille konnten die Untersucher bei knapp 50% der Frauen und bei knapp 40% der Männer eine Herzrhythmusstörung mit dem 1-Kanal EKG nachweisen.

Alkohol und Histamin im Bier – Risikofaktor für Herzrhythmusstörungen

Wir können davon ausgehen, dass auf dem Oktoberfest zur Steigerung des Alkoholgehaltes im Blut fast ausschließlich Bier zum Einsatz kommt. Folglich müssen wir für die Entstehung von Herzrhythmusstörungen also neben dem Alkoholgehalt und dem Verlust an Elektrolyten auch den Gehalt an Histamin im Bier berücksichtigen.

Beim Bier hat der Histaminstoffwechsel eine besondere Bedeutung, da Bier Histamin enthält und durch den Alkoholgehalt der Abbau von Histamin über das Enzym Diaminooxidase gleichzeitig blockiert wird. Histamin selber kann über H2 Rezeptoren am Herzen einen schnellen Herzschlag und Herzrhythmusstörungen auslösen.

Alkohol. Grundsätzlich gilt, dass Alkohol schon alleine, egal in welcher Zubereitung ein Risikofaktor für Rhythmusstörungen des Herzens ist. Die Mechanismen sind hier nicht ganz klar. Das traditionelle Oktoberfestbier, das Märzenbier, welches die Münchner Brauereien im März brauen, zeichnet sich durch einen relativ hohen Alkoholgehalt von bis zu 6,4% aus.

Trinken wir Alkohol, dann kennen die meisten von uns den Befund des schnellen Herzschlages. Ihre Herzfrequenz liegt dabei 10-20 ppm über Ihrer gewohnten Grundfrequenz in Ruhe. Unabhängig von den Mechanismen, die zum schnelleren Herzschlag führen, zeigt dieses an, dass Alkohol eine Adrenalin-vermittelte Aktivierung des Herzens zur Folge hat. Adrenalin begünstigt immer Herzrhythmusstörungen, insbesondere dann, wenn im Vorfeld Rhythmusstörungen bzw. eine Herz-Kreislauferkrankung bekannt sind.

Elektrolytverlust. Wer Bier trinkt geht häufig zum Wasserlassen. Über den Urin kann Ihr Körper wichtige Elektrolyte, wie Kalium Magnesium und Natrium verlieren. Geschieht dieses im Übermaß, dann wird auch das elektrische Gleichgewicht im Herzen gestört und Herzrhythmusstörungen sind die Folge.

Histamin. Das Oktoberfestbier, also das untergärige Märzenbier enthält wie viele Nahrungsmittel Histamin, was schon alleine das Risiko für Herzrhythmusstörungen steigert. Übrigens, wer Probleme mit Herzrhythmusstörungen bzw. mit Histaminerkrankungen hat, der sollte das obergärige Weizenbier meiden, denn es hat sogar den ca. 6-fachen Histamingehalt im Vergleich zu untergärigen Bieren.

Clever auf das Oktoberfest

Sollten Sie bisher gesund sein und das Oktoberfest besuchen, dann wünschen wir Ihnen viel Spaß in guter Gesellschaft.

Zur Vorsicht raten wir allerdings Menschen mit vorbekannten Herz-Kreislauferkrankungen, insbesondere mit einer Vorgeschichte für Herzrhythmusstörungen, wie z.B. Extrasystolen und Vorhofflimmern. Darüber hinaus haben Menschen mit Histaminerkrankungen, vor allen Dingen mit einer vorgenannten Histaminintoleranz und einem Mastzellaktivitätssyndrom ein erhöhtes Symptomrisiko.

Herzrhythmusstörungen. Eine Maß zu viel kann bei vorgenannten Herzrhythmusstörungen der Auslöser für anhaltendes Vorhofflimmern sein. Sie sollten sich auf eine Maß beschränken und vor dem Gang zur Theresienwiese 1-2 Elektrolyttabletten einnehmen, welche Kalium, Magnesium und Natrium enthalten. Hat Alkohol in der Vergangenheit bei Ihnen wiederholt Herzrhythmusstörungen verursacht, dann sollten Sie ganz auf Alkohol verzichten.

Histaminerkrankungen. In Abhängigkeit von den Symptomen eines Histaminüberschusses in der Vergangenheit, sollten Sie evtl. auf Bier ganz verzichten. Das gilt vor allen Dingen dann, wenn z.B. nach Bier bei Ihnen schon mal Luftnot und ein instabiler Kreislauf vorgekommen sind. Waren die Symptome allerdings bisher nicht besonders stark ausgeprägt, z.B. traten nur Müdigkeit, lediglich leichter Juckreiz bzw. leichter Durchfall am Folgetag auf, dann können Sie Histamin-Symptomen vorbeugen.

So können Sie den Abbau von Histamin durch die Einnahme von Diaminooxidase-Kapseln (DaosinⓇ) ca. 30-60 Minuten vor dem ersten Bier unterstützen. Weiterhin kann Ihnen auch die Einnahme von 500-1.000 mg Vitamin C pro Tag an den Tagen vor dem Wies’n Besuch helfen, da Vitamin C die Histaminfreisetzung aus Mastzellen verringert.

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


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Herzstolpern, Herzrasen – Warum ein 1-Kanal-EKG mit dem Smartphone?

Die EKG-Funktion von Smartphones entweder in Verbindung mit einer Smartwatch oder anderen Geräten zur Ableitung wird  zunehmend auch in Fachkreisen diskutiert. Auch wir in der Cardiopraxis erleben hier alltäglich den wertvollen Beitrag dieser Systeme bei der Gesundheitsversorgung, insbesondere bei der Verhinderung eines Schlaganfalls. Sollten Sie sich für dieses Thema interessieren, dann werden Sie bei Cardiopraxis immer wieder Beiträge zum Thema “Smartphone EKG” finden.

Smartphone, Smartwatch oder Blutdruckgerät mit EKG-Funktion – planen und kaufen 

Sie überlegen sich, ob Sie ein Smartphone-basiertes Gerät mit EKG-Funktion oder ein ähnliches Gerät kaufen sollen. Möglicherweise haben Sie ein solch teures Produkt bereits erworben und fragen sich jetzt: Was soll ich damit anfangen? Wozu brauche ich überhaupt eine EKG-Funktion auf meinem Smartphone?

Aus professioneller Sicht handelt es sich bei den Smartphone-basierten Angeboten zur Ableitung eines EKGs zunächst einmal um hochwertige Produkte. Es gibt hier verschiedene Anbieter, z.B. AliveCor, Apple, Withings und Samsung.Die Information des 1-Kanal-EKGs ist medizinisch verwertbar und wissenschaftlich getestet. Es handelt sich somit nicht um ein Spielzeug, da die Messergebnisse diagnostische und therapeutische Konsequenzen haben können.

Wie können Sie die EKG-Funktion für sich sinnvoll nutzen?

Der Blog “Smartphone-EKG” – EKG lernen

Um Ihnen ein besseres Verständnis für den Sinn und die Feinheiten des 1-Kanal-EKGs zu ermöglichen, betreibt Cardiopraxis zu diesem zukunftsweisenden Thema einen Blog.

Wir veröffentlichen Beiträge zum Thema EKG mit dem Smartphone in loser Folge. Dabei stehen Fallberichte mit Beispiel-EKGs und den dazu passenden Erklärungen im Vordergrund. Wir wollen Ihnen die Nutzungsmöglichkeiten, aber auch die Fehlerquellen beim 1-Kanal-EKG aufzeigen.

Warum macht die Cardiopraxis einen Blog zum Thema Smartphone und EKG? 

Wir in der Cardiopraxis nutzen seit 2016 KardiaMobile von AliveCor bei der Patientenversorgung, die Systeme verleihen wir mehrmals im Monat an Patienten mit unklaren Rhythmusstörungen. Da Rhythmusstörungen häufig nur vorübergehend sind, die z.B. nur 2 mal im Monat auftreten, werden Sie häufig auch mit einem Langzeit-EKG nicht erfasst. Gerade hier sind uns die Smartphone-basierten Systeme eine große Hilfe.

Inzwischen haben wir auch umfangreiche Erfahrungen mit dem KardiaBand und der AppleWatch 4. Im Bereich Smartphone EKG werden wir in der Zukungft auch alle medizinsich sinnvollen Systeme testen und Sie darüber informieren.

Wir sind von den 1-Kanal-EKGs mit dem Smartphone und deren Nutzen auch als Profis überzeugt. Die Verlagerung von hochwertiger Diagnostik zum betroffenen Menschen halten wir für zukunftsweisend und gesundheitsfördernd. Der medizinische Hauptnutzen bei den 1-Kanal-EKGs mit dem Smartphone ist der Nachweis bzw. der Ausschluss von symptomatischem und asymptomatischem Vorhofflimmern, was der Schlaganfallverhütung dient.

Schlaganfall – unerkanntes Vorhofflimmern häufig die Ursache 

Pro Jahr treten in Deutschland ca. 270.000 neue Schlaganfälle auf. Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für eine bleibende Behinderung. Dieser Zustand ist nur allzu häufig mit einem Verlust der vollen körperlichen und geistigen Selbstbestimmtheit verbunden. Das Gefühl der Hilflosigkeit vor dem Hintergrund verlorener Gesundheit lässt Sie bisweilen verzweifeln und an den Verlust der eigenen Würde denken.

Wer schwere Verläufe von Schlaganfällen kennt, und wenn es nur ein einziger “Fall”  ist, der weiß, warum wir diesen Blog machen.

In 20-25% der Fälle ist die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern die Ursache eines Schlaganfalls. Vor allen Dingen unerkanntes und unbehandeltes Vorhofflimmern ist dabei meistens der Grund. Die Diagnose “Vorhofflimmern” kann nur mittels EKG gestellt werden. Andere Verfahren, wie z.B. die Tastung des Pulses sind nur richtungsweisend.

Medizinischer Nutzen von Smartphone-EKGs – Schlaganfall verhindern 

Das Besondere an den meisten Systemen für Smartphone-EKGs ist eine automatische Erkennung von Vorhofflimmern. Das AliveCor System zeigte in Studien eine Diagnosesicherheit von Vorhofflimmern von über 95%. Die Sicherheit bei der Diagnose eines Normalbefundes lag ebenfalls über 95%.

Sollte die Diagnose Vorhofflimmern gestellt werden, muss fast immer eine notwendige Therapie zur Verhinderung eines Schlaganfalls eingeleitet werden. Diese beinhaltet dann auch eine Hemmung der Blutgerinnung, was schlussendlich das Risiko für einen Schlaganfall um mehr als 70% reduziert.

Problematisch bei Vorhofflimmern ist, dass es häufig immer wieder nur kurzzeitig auftritt und trotzdem gefährlich ist. In diesen Fällen können wir auch als Kardiologen die Rhythmusstörung mittels Ruhe-EKG oder auch Langezeit-EKG nicht erfassen. Diese diagnostische Lücke kann durch das Smartphone-EKG geschlossen werden. Anders gesagt, mit einem Smartphone-EKG können Sie selber Vorhofflimmern erfassen, auch wenn Sie nicht in direkter kardiologischer Betreuung sind oder ein übliches EKG-Gerät in der Hausarztpraxis oder Notaufnahme unmittelbar erreichbar ist.

Wir sind davon überzeugt, dass sich durch die Früherkennung von Vorhofflimmern mittels Smartwatch-EKGs die Rate an Schlaganfällen deutlich senken lässt.

Neben Vorhofflimmern werden natürlich auch andere Rhythmusstörungen aufgezeichnet, die bei Symptomen zur Diagnosefindung beitragen können. Ein nicht zu unterschätzender Wert von Smartphone-EKGs ist, dass bei vorliegenden Symptomen eine Rhythmusstörung ausgeschlossen werden kann. Dieses vermeidet weitere unnötige Diagnostik und Therapie.

EKG mit dem Smartphone – Was es nicht leisten kann

Grundsätzlich ist festzuhalten: Ein Smartphone-EKG eignet sich bisher nicht zur Erfassung eines Herzinfarktes.

Die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern tritt oft anfallsartig auf, sie dauert unterschiedlich lang, einige Minuten bis viele Stunden. Problematisch ist, dass viele solcher Episoden asymptomatisch sind. Studien legen nahe, dass mehr Episoden asymptomatisch als symptomatisch sind. Deshalb macht es auch für Risikopatienten Sinn, dass sie auch ohne Beschwerden 1-2 mal in der Woche messen.

Mit dem Smartphone-EKG kann ich den Herzrhythmus im selben Augenblick messen. Eine Aussage darüber, ob vielleicht in der Vergangenheit Vorhofflimmern vorlag, können wir nicht treffen. Übrigens gilt dies auch für alle anderen herkömmlichen EKG-Methoden.

Vorhofflimmern – Puls tasten, Arrhythmiefunktion mit Blutdruckmanschette oder Smartphone-EKGs

Im Gegensatz zum Tastbefund und der Arrhythmie-Detektion durch eine einfache Blutdruckmanschette ermöglicht das 1-Kanal-EKG mit dem Smartphone eine schriftliche Dokumentation. Ohne schriftliche Dokumentation ist keine Einordnung von Rhythmusstörungen durch den Arzt möglich, und damit auch keine Therapie. Hier bieten die Smartphone-EKGs einen entscheidenden Vorteil.

Die Daten können an eine Ärztin oder an einen Arzt via Text-messaging, E-Mail oder direkt als Print-out mitgeteilt werden.

EKG mit dem Smartphone – den Kontakt zum Arzt halten 

Das Smartphone-EKG ersetzt nicht den Arztbesuch. Nur ein Arzt kann ein EKG sicher bewerten und gegebenenfalls weitere diagnostische Maßnahmen einleiten.

Im Zweifel sollten Sie bei Symptomen oder unklaren EKG-Befunden daher immer einen Arzt kontaktieren, am besten einen Kardiologen oder eine Kardiologin.

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


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Herzstolpern, Herzrasen – nur ein EKG kann eine Diagnose sichern 

Die Symptome von Herzrhythmusstörungen sind unterschiedlich. Sie berichten uns „mein Herz stolpert immer mal wieder“, „mein Herz rast“, „manchmal habe ich das Gefühl, mein Herz macht eine Pause“, zwischen durch ist mein Herz so langsam“ oder „in letzter Zeit schlägt mein Herz immer mal wieder komplett unregelmäßig“.

Symptome können auf spezifische Rhythmusstörungen hinweisen, aber erst das EKG erlaubt eine genaue Diagnose und damit eine sichere Risikoabschätzung. Viele Rhythmusstörungen sind harmlos, manche allerdings können ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen haben.

Eine wichtige Frage, die uns in der Cardiopraxis immer wieder gestellt wird, ist:

  • Soll ich überhaupt ein Smartphone-EKG messen?
  • Wie soll ich ein Smartphone-EKG ableiten?
  • Wann sollte ich ein 1-Kanal EKG bestimmen?

Warum 1-Kanal EKG messen? 

Das Smartphone-EKG ist besonders dann sinnvoll, wenn Sie symptomatische Rhythmusstörungen haben, die bisher schriftlich noch nicht registriert wurden. Die Messung mit schriftlicher Dokumentation ist für den Arzt besonders wichtig, da nur so eine richtige Diagnose möglich wird und damit auch die richtige Therapie. Rhythmusstörungen sind häufig selten, z.B.  einmal im Monat.

Smartphone-EKG – wer sollte diese Funktion nutzen? 

Wir kennen 3 große Gruppen von Menschen, die von einem 1-Kanal EKG profitieren können. Solche mit:

  • Symptomen von Herzrhythmusstörungen
  • einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern
  • bekannten Herzrhythmusstörungen

Menschen mit Symptomen und unbekannten Herzrhythmusstörungen 

Symptome von Herzrhythmusstörungen können sich vielfältig äußern. Manchmal merken Sie einfach nur ein plötzlich einsetzendes Unwohlsein, Unruhe auf der Brust bzw. eine Luftnot. Etwas spezifischer für Herzrhythmusstörungen sind:

  • Herzrasen
  • langsamer Herzschlag
  • Herzstolpern
  • unregelmäßiger Herzschlag

Bei gelegentlich auftretenden Symptomen ist eine Rhythmusstörung häufig noch nicht schriftlich dokumentiert. Gerade hier macht die Aufzeichnung mit dem Smartphone Sinn, um eine richtige Diagnose zu stellen.

Menschen mit symptomatischen Rhythmusstörungen messen zum Zeitpunkt der Symptome, quasi am “point-of-Action”. Des Weiteren sollten auch symptomatische Menschen gelegentlich, das heißt 1-2 Mal pro Woche unabhängig von den Symptomen messen, um gegebenenfalls asymptomatische Rhythmusstörungen zu erfassen und zu dokumentieren.

Risikopatienten für Vorhofflimmern 

Aus unserer Sicht macht es Sinn, wenn Menschen mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern unabhängig von den Symptomen regelmäßig ein 1-Kanal ableiten. Zur Risikogruppe gehören Menschen mit:

  • Alter >65 Jahre
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • vergrößerte Herzvorkammern im Herzultraschall
  • relevante Herzklappenerkrankung
  • Herzschwäche
  • Durchblutungsstörung des Herzens (Koronare Herzkrankheit, nach Herzinfarkt)

Haben Sie ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern, dann sollten Sie z.B. 2 mal pro Woche unabhängig von Symptomen messen. So können asymptomatische Episoden von Vorhofflimmern erfasst werden.

Menschen mit bekannten Herzrhythmusstörungen 

Es macht durchaus Sinn ebenfalls 2 Mal wöchentlich zu messen, wenn bei Ihnen Rhythmusstörungen bekannt und dokumentiert sind. Zunächst harmlose Rhythmusstörungen, wie z.B. vermehrte Vorhofextrasystolen sind nicht selten der Vorbote für Vorhofflimmern.

Wie sollte Sie ein 1-Kanal EKG mit einem Smartphone-EKG gemessen werden? 

Wenn Sie qualitativ ein hochwertiges 1-Kanal EKG mit dem Smartphone ableiten wollen, dann ist eine gute Messroutine wichtig. Nur so können Sie ein verwertbares EKG ohne Störungen, sog. Artefakte ableiten.

Häufig spielt die Bewegung des Armes eine erhebliche Rolle und hat Artefakte zur Folge. Das ist ähnlich wie bei einem verwackelten Foto, wir können dann häufig den Befund nicht richtig erkennen. Am besten Sie leiten ein Smartphone-EKG möglichst im Sitzen ab und legen dabei den Arm auf den Tisch. Während der Aufzeichnung sollte nicht gesprochen werden. Das EKG sollten Sie speichern und zur genauen Betrachtung eventuell auch ausdrucken.

Sie sollten auf den Bedarfsfall vorbereitet sein, da manche Rhythmusstörungen nur einige Minuten anhalten. Daher macht es Sinn, wenn Sie den Umgang mit dem jeweiligen System üben. Zudem ist es sehr wertvoll bei einer auffälligen Messung wiederholt zu messen und somit zu dokumentieren, wie lange die Herzrhythmusstörung dauert.

Smartphone-EKG – automatische Diagnose von Vorhofflimmern – Kommunikation mit einem Kardiologen am besten 

Kardiologinnen und Kardiologen sind Spezialisten für Herzrhythmusstörungen und dafür lange ausgebildet worden. Sie sollten daher mit einem Kardiologen das Vorgehen zur Befundübermittlung und -bewertung besprechen.

Die Diagnosefunktion bei den Kardia-Geräten von AliveCor bzw. von Apple verfügen im Hinblick auf Vorhofflimmern über 3 Diagnosen:

  • normal
  • unklassifiziert
  • mögliches Vorhofflimmern

Bei den Diagnosen “unklassifiziert” und “mögliches Vorhofflimmern” raten wir zur zeitnahen Kontaktaufnahme. Bei Vorhofflimmern steigt das Risiko für einen Schlaganfall an. In der Cardiopraxis haben viele Menschen, die wir betreuen unsere E-Mail oder Handynummer, so dass die Übermittlung rasch erfolgen kann, auch über Textmessaging.

Im Falle von Symptomen, wie Luftnot und Benommenheit raten wir Ihnen eine Notaufnahmestation aufzusuchen bzw. den Rettungsdienst unter 112 zu verständigen.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

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Routinemessung – Sinusrhythmus – 1-Kanal EKG mit Apple Watch 4 

Vorgeschichte

Ein 38-jähriger gesunder Mann hat eine Apple Watch 4 erworben. Folglich testet er auch einmal die EKG-Funktion.

Aktuelle Symptome

  • keine Symptome
  • gute Belastbarkeit

Smartphone 1-Kanal EKG – Apple Watch 4 

Was sehe ich:

  • elektrische Herzfrequenz 70bpm
  • regelmäßiger QRS-Komplex
  • schmaler QRS-Komplex (blauer Punkt)
  • P-Welle gut sichtbar (grüner Punkt)

Diagnose durch den Kardiologen 

  • Sinusrhythmus

EKG – Diagnose-Kriterien

  • regelmäßige P-Wellen
  • Konstante P-Wellen-Intervalle
  • Jeder P-Welle folgt ein QRS-Komplex

Kurzbeschreibung – Sinusrhythmus

Der Sinusrhythmus ist der normale elektrische Rhythmus Ihres Herzen. Zur Diagnose eines Sinusrhythmus gehört, dass der regelmäßig auftretenden P-Welle (blauer Punkt) jeweils ein QRS-Komplex (grüner Punkt) folgt. Folglich tritt durch die geordnete hintereinander geschaltete elektrische Erregung von Vorkammer (P-Welle) und Hauptkammer (QRS-Komplex) auch das mechanische Zusammenziehen der Vorkammer und der Hauptkammermuskulatur nacheinander auf. Kurzum, erst entleeren sich die Vorkammern in die Hauptkammern und danach werfen die Hauptkammern Blut in den Lungen- bzw. Körperkreislauf aus.

Zum Sinusrhythmus gehört ein typischer Vektor der P-Welle. Dies ist im 1-Kanal-EKG im Gegensatz zum 12-Kanal-EKG eingeschränkt beurteilbar. Da alternative geordnete ektope Vorhofrhythmen z.B. aus dem basalen Vorhof, sehr selten sind, ist dies zu vernachlässigen, insbesondere auch, weil dieses Kriterium nicht zur Abgrenzung von Vorhofflimmern herangezogen wird.

Der Sinusrhythmus bestimmt im Normalfall die Herzfrequenz, d.h. die Häufigkeit mit der Ihr Herz z.B. pro Minute elektrisch und mechanisch aktiv ist. Die normale Herzfrequenz beträgt beim Menschen in Ruhe 50-100 bpm. Folglich sprechen wir bei einer Herzfrequenz von >100 bpm von einer Tachykardie, bei einer Herzfrequenz <50 bpm von einer Bradykardie.

Beim Sinusrhythmus ist die Herzschlagfolge regelmäßig, d.h. die Abstände z.B. zwischen den QRS-Komplexen sind fast gleich. Beispielsweise beträgt der Abstand bei 50 bpm 1.200 ms und bei 100 bpm 600 ms.

Allerdings kann der Abstand zwischen zwei elektrischen Herzaktionen atemabhängig sehr geringfügig, z.B. um 30 ms schwanken. Dieses Phänomen nennen wir Herzfrequenzvariabilität, es ist abhängig von der Atmung und ein Zeichen des Gesunden. In der Einatmung nimmt die Herzfrequenz zu, in der Ausatmung nimm sie ab. Dieses Phänomen nennen wir respiratorische Sinusarrhythmie. Im EKG können wir es gerade bei jüngeren Menschen immer wieder sehen.

 

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Herzrasen – plötzlich schneller Puls –  1-Kanal EKG mit Apple Watch 4 

Vorgeschichte

Ein 62-jähriger gesunder Mann bemerkt aus der körperlichen Ruhe heraus eine plötzliche innere Unruhe. Folglich tastet er einen sehr schnellen Puls. Ein sicherer Auslöser liegt nicht vor.

Allerdings kennt er dieses Herzrasen schon aus seiner Vorgeschichte. Einerseits beginnt  das Herzrasen immer plötzlich,  andererseits hört es auch genauso plötzlich wieder auf  (on-off, wie ein Lichtschalter). Die Episoden kommen 1-2 mal pro Jahr vor und er kann sie bisher durch vagale bzw. mechanische Manöver mit Eiswasser bzw. Kopfstand erfolgreich beenden. Eine Dokumentation mit einem 12-Kanal-EKG ist bisher noch nicht erfolgt.

Aktuelle Symptome bei laufendem Herzrasen

  • innere Unruhe
  • keine Benommenheit
  • körperlich belastbar

Smartphone 1-Kanal EKG – Apple Watch 4 

Was sehe ich:

  • elektrische Herzfrequenz 170 bpm
  • regelmäßige Kammeraktionen
  • schmale Kammerkomplexe
  • keine sichere P-Welle, möglich unmittelbar nach QRS-Komplex

Verdachtsdiagnose durch den Kardiologen 

  • hochgradiger Verdacht auf AV-Knoten Reentrytachykardie (AVNRT)

Anamnesekriterien aus der Vorgeschichte

  • plötzliches Einsetzen und Ende der Tachykardie
  • mehrmals durch mechanische und vagale Manöver beendet

EKG – Kriterien der typischen AVNRT

  • schmale QRS-Komplexe
  • regelmäßige QRS-Komplexe
  • Keine oder unmittelbar nach QRS-Komplex erkennbare P-Welle

Akute Therapie der AVNRT 

Mechanisches Manöver

  • Kopfstand

BILD – Kopfstand

  • führt zur Terminierung der Rhythmusstörung mit Sinusrhythmus

Technische Anmerkungen

Bei sehr hohen Herzfrequenzen ist die P-Welle häufig schwierig abgrenzbar. Allerdings kann durch eine komplette Blockade des AV-Knotens mittels Adenosin die P-Welle sichtbar gemacht werden.

Der Analysemodus der Apple-Watch erlaubt die Diagnose “mögliches Vorhofflimmern” nur bis zu einer Herzfrequenz von 120 bpm. Dasselbe gilt übrigens auch bei einer Herzfrequenz von unter 50 bpm. Kurzum, die Apple Watch ist für die Diagnose “mögliches Vorhofflimmern” nur in einem Herzfrequenzbereich von 50-120 bpm geeignet. Folglich kann es sich in dem oben genannten Fall streng genommen auch um pseudoreguläres schnelles Vorhofflimmern gehandelt haben. Das ist allerdings aufgrund der Ansprechbarkeit der Rhythmusstörung auf ein vagales Manöver mit prompter Terminierug des Herzrasen unwahrscheinlich. Denn Vorhofflimmern reagiert allenfalls mit einer vorübergehenden Verlangsamung der Herzfrequenz auf vagale Manöver, fast nie mit einer kompletten Terminierung.

 

Kurzbeschreibung AV-Knoten Reentrytachykardie (AVNRT) 

Eine AVNRT ist eine grundsätzlich „gutartige“ Herzrhythmusstörung, welche typischerweise plötzlich beginnt und wieder endet. Diese Form der Tachykardie kann in jedem Lebensalter erstmals auftreten.

In der Tat können Sie eine AVNRT häufig durch vagale Manöver (z.B. Augenbulbusdruck, Druck auf eine Halsschlagader, Valsalva-Pressmanöver, Eiswasser) beenden. Allerdings sollten Sie einen Kopfstand wirklich nur dann durchführen, wenn Sie ihn wirklich beherrschen. Folglich muss der  Einsatz von vagalen Manövern immer vor der ersten Durchführung mit einer Kardiologin oder einem Kardiologen besprochen werden.

Eine AVNRT kann bei langer Dauer von mehreren Stunden zu Luftnot, vermehrter Harnausscheidung („Harnflut“) und Leistungsschwäche führen. Aus diesem Grund kann bei begleitenden weiteren Herz-Kreislauferkrankungen, wie Herzschwäche und Koronare Herzkrankheit eine kritische Kreislaufschwäche mit Lungenödem auftreten.

Folgerichtig, hält die AVNRT an bzw. kann die Tachykardie nicht durch vagale oder mechanische Manöver beendet werden, dann müssen Sie ärztliche Hilfe aufsuchen. Bei guter Leistungsfähigkeit können Sie unmittelbar zu einem Kardiologen oder eine Notaufnahmestation gehen. Im Zweifel, und immer bei Symptomen, wie z.B. Luftnot und Benommenheit, sollten Sie den Rettungsdienst unter 112 verständigen.

Eine AVNRT kann typischerweise durch die intravenöse Gabe von Adenosin (AdrekarⓇ) beendet werden. Zudem ist so auch die diagnostische Abgrenzung von Vorhofflattern mit regelmäßiger Überleitung möglich.

Überdies können wir  eine AVNRT durch eine Katheterablation behandeln und somit “heilen”. Zudem ist der Eingriff  komplikationsarm und hocheffektiv mit Erfolgsraten > 95%. Eine medikamentöse Rezidivpropylaxe ist wenig effektiv und nicht zu empfehlen.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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