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Troponin – Zeichen für Schädigung des Herzmuskels auch ohne Herzinfarkt

Troponin sind Proteine, die sowohl in Skelett- als auch in Herzmuskelzellen vorkommen. Sie haben eine wesentliche Funktion für die jeweiligen Muskeln, weil Sie entscheidend am Zusammenziehen der Muskelfasern beteiligt sind.

Troponine aus Skelett- und Herzmuskelzellen sind unterschiedlich. Das Troponin, welches ausschließlich in Herzmuskelzellen vorkommt, nennen wir kardiales Troponin, kurz cTn. Wird eine Herzmuskelzelle geschädigt, dann erfolgt die vermehrte Freisetzung von cTn in die Blutbahn. Ab einem bestimmten Schwellenwert können wir cTn mittels Labortests im Blut nachweisen. Klinisch-wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass 12,5 % der behandelten Menschen auf Notaufnahmestationen ein erhöhtes cTn haben.

Irrtümlich wird der Nachweis von kardialem Troponin häufig mit der Diagnose „Herzinfarkt“ gleichgesetzt. Allerdings gibt es noch andere Ursachen für eine Erhöhung von cTn im Blut. Gerade die modernen hochempfindlichen Labortests für Troponin ergeben immer wieder erhöhte Werte, ohne dass ein Herzinfarkt vorliegt. So sind ca. 60% aller pathologisch erhöhten kardialen Troponinwerte nicht durch einen Herzinfarkt verursacht.

Fast allen gesteigerten cTn-Werten ist gemein, dass eine Schädigung von Herzmuskelzellen zugrunde liegt.

Troponin – Analyse im Labor und Schnelltest am Krankenbett

Wir unterscheiden grundsätzlich den aufwändigeren hoch-sensitiven Labortest und den Schnelltest am sogenannten Point of Action (am Krankenbett). Wichtig ist, dass gerade bei Symptomen und unauffälligem Test bei der ersten Bestimmung immer eine Kontrolle nach 1-3 Stunden erfolgt.

Troponin Labortest. Im Labor kann das Troponin mittels Fluoreszenz-Immunoessay bestimmt werden. Dieser Test ist sehr empfindlich und wenig störanfällig. Die Diagnose Herzmuskelschädigung gelingt bereits ab Konzentrationen von über 0,014 µg/l Troponin im Blut.

Die Bestimmung dauert unter optimalen Bedingungen in der Regel 15 bis 20 Minuten. Allerdings zeigt die Erfahrung im Alltag, dass die Zeit bis zum Befund in der Regel länger ist. Das ist abhängig von der Dauer der Blutentnahme, dem Transport der Blutprobe, der Verarbeitung derselben und schlussendlich der Befundübermittlung.

Schnelltest am Point of Care. Mit sogenannten einfachen Trockentests lässt sich direkt am Krankenbett feststellen, ob bei einem Menschen ein Troponin-positiver Befund vorliegt. Die Diagnose Herzmuskelschädigung erfolgt allerdings erst ab einem Schwellenwert von mehr als 0,4 µg/l. Das Ergebnis liegt im Vergleich zum Labortest bereits nach 10 bis 15 Minuten vor.

Hohes kardiales Troponin – akut oder chronisch?

Wir unterscheiden grundsätzlich eine akute von einer chronischen kardialen Troponinerhöhung.

Akute Erhöhung von cTn. Akut bedeutet hier, dass z.B. der Ausgangswert normal ist und der Wert über den oberen Schwellenwert ansteigt. Hierfür machen wir bei anfänglichem Normalbefund eine Kontrollmessung innerhalb von 1-3 Stunden. Ist der das kardiale Troponin in der Erstmessung bereits erhöht, dann zeigt z.B. ein Anstieg um >20% des Ausgangswertes bzw. um 50% des oberen Grenzwertes eines jeweiligen Tests eine akute Schädigung kann.

Chronische Erhöhung von cTn. Bleibt der kardiale Troponinwert auf einem stabil erhöhten Niveau, dann sprechen wir von einer chronischen Erhöhung,

Akut erhöhtes kardiales Troponin – mit Herzinfarkt

Ein Herzinfarkt ist dadurch gekennzeichnet, dass eine Veränderung in einem oder mehreren der großen Herzkranzgefäße vorliegt. Meistens handelt es sich um eine strukturell fixierte Gefäßverengung durch Verkalkung bzw. um einen Gefäßkrampf mit jeweils nachfolgender Blutgerinnselbildung. Das Blutgerinnsel ist dann der kritische Faktor für einen anhaltenden bzw. vorübergehenden Gefäßverschluss.

Troponin ist der wichtigste Parameter zum Nachweis eines Herzinfarktes. Im Vergleich mit anderen Parametern steigt er früher, das heißt 3 Stunden nach Gefäßverschluss, an und bleibt über mehrere Tage im Blut messbar.

Je höher der Troponinwert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt. Das bedeutet z.B., dass ein 3-fach erhöhter Wert einen Herzinfarkt zu 60 Prozent wahrscheinlich macht und ein 5-fach erhöhter Wert eine 90-prozentige Wahrscheinlichkeit besitzt.

Für die Diagnose „Herzinfarkt“ reicht die alleinige Bestimmung von cTn nicht aus. Weitere Diagnosekriterien sind

  • Symptome, z.B. neu aufgetretene anhaltende Angina pectoris
  • neue bzw. typische EKG-Veränderungen
  • regionale Wandbewegungsstörungen des Herzmuskels, z.B. im Herzultraschall
  • Nachweis eines kompletten bzw. teilweisen Gefäßverschlusses in der Koronarangiografie

Gerade dann, wenn die genannten Kriterien nicht ganz eindeutig sind, z.B. bei Symptomen und nicht-eindeutigen EKG-Veränderungen, dann erweist sich der Troponin-Schnelltest am Krankenbett als besonders wertvoll.

Bei einem Herzinfarkt müssen wir sehr schnell entscheiden, ob ein Herzkatheter zur Eröffnung eines verschlossenen Herzkranzgefäßes durchgeführt wird. Je länger bei einem Herzinfarkt die Arterie verschlossen ist, desto mehr Herzmuskel stirbt ab.

Das ist besonders wichtig auf der Notaufnahmestation in der Nacht. Ist das kardiale Troponin auch in einer Verlaufsmessung nicht erhöht, dann ist das Risiko für den Patienten niedrig und ein Herzkatheter kann gegebenenfalls am kommenden Morgen vorgenommen werden. Ist das Troponin allerdings positiv, dann besteht eine hohe Dringlichkeit: Der Herzkatheter wird bereits in der Nacht durchgeführt, um einen weiteren Untergang von lebenswichtigem Herzmuskelgewebe zu verhindern.

Auch in der Arztpraxis hilft der Troponin-Schnelltest bei der Diagnose eines Herzinfarktes.

Akut erhöhtes kardiales Troponin – ohne Herzinfarkt

Ist das kardiale Troponin akut erhöht und treffen die Kriterien für die Diagnose eines Herzinfarktes nicht zu, dann müssen wir an andere Ursachen für den Untergang von Herzmuskelgewebe denken. Im Zweifel wird zur absoluten Diagnosesicherung bei akuten Erhöhungen fast immer ein Herzkatheter vorgenommen, denn ein akuter Verschluss einer Herzkranzarterie kann mittels Kathetereingriff (z.B. Stent) sehr gut behandelt werden und lebensrettend sein.

Ist der Herzinfarkt sicher ausgeschlossen, dann unterscheiden wir kardiale und nicht-kardiale Ursachen.

Kardiale Ursachen. Diese sind durch Veränderungen gekennzeichnet, die direkt im Herzen ihren Ursprung haben. Zum Beispiel:

Die Mechanismen, die hier zur Freisetzung von kardialem Troponin führen, sind neben der Entzündung (z.B. Myokarditis) vor allen Dingen vermehrte Druckbelastungen (z.B. Bluthochdruckkrise, Lungenembolie). Durch eine zu hohe Druckbelastung der Herzkammer und die damit verbundene gesteigerte Wandspannung können die Herzkranzarterien das sauerstoffreiche Blut nicht mehr so gut in die Muskulatur fördern. Folglich können Herzmuskelzellen absterben.

Nicht-Kardiale Ursachen. Diese haben ihren Ursprung außerhalb des Herzens und haben sekundär Veränderungen am Herzen zur Folge. Zum Beispiel:

  • akutes Nierenversagen
  • systemische Entzündung (Sepsis)
  • Blutarmut (Anämie)
  • zu geringer Sauerstoffgehalt des Blutes (Hypoxie)
  • zu niedriger Blutdruck
  • Medikamente
  • Schlaganfall und Hirnblutung
  • Störungen der Skelettmuskulatur (Rhabdomyolyse)
  • extreme körperliche Anstrengung

Zum Teil sind die Mechanismen hier unklar. Zum Beispiel können bei extremer Freisetzung von Troponin aus der Skelettmuskulatur falsch-positive Testergebnisse vorkommen.

Chronisch erhöhtes kardiales Troponin 

Wir sehen immer wieder Menschen, bei denen das cTn erhöht ist, ohne dass es zu nennenswerten Schwankungen kommt oder akute Symptome vorliegen. Auch hier unterteilen wir in kardiale und nicht-kardiale Ursachen.

Kardiale Ursachen. Zum Beispiel:

  • chronische Herzschwäche
  • Zellzerstörung durch Anreicherung von Stoffwechselprodukten (sog. infiltrative Kardiomyopathie, z.B. Amyloidose)
  • Herzmuskelerkrankung (hypertrophe Kardiomyopathie)
  • stabile Koronare Herzkrankheit
  • Bluthochdruck
  • Herzklappenerkrankung
  • anhaltende Rhythmusstörungen

Nicht-kardiale Ursachen. Zum Beispiel:

  • chronische Nierenschwäche
  • Lungenhochdruck
  • Diabetes mellitus
  • Medikamente
  • Vergiftungen

Bei chronischer Nierenschwäche ist nicht immer sicher, ob die Steigerung von cTn durch eine vermehrte Freisetzung aus den Herzmuskelzellen oder durch eine verringerte Ausscheidung verursacht wird.

Erhöhtes Troponin – erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Sterblichkeit in der Zukunft

Der Troponin-Test ist und bleibt ein wichtiger Baustein bei der Diagnose eines akuten Herzinfarktes, gerade der Troponin-Schnelltest ist hier von herausragender Bedeutung.

Allerdings wird durch die hoch-sensitiven Labortests in der Zukunft eine bessere Risikostratifizierung gerade bei Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen möglich, auch wenn ein Herzinfarkt ausgeschlossen ist. Die Relevanz wird hier alleine dadurch deutlich, dass das Risiko für kardio-vaskuläre Ereignisse, wie z.B. Herzinfarkt und Schlaganfall innerhalb von 5 Jahren um 70% erhöht ist, die 5-Jahressterblichkeit beträgt 30%.

Folglich, wird bei Ihnen ein erhöhtes Troponin gemessen, dann ist immer eine Ursachenabklärung erforderlich, auch wenn ein Herzinfarkt ausgeschlossen ist.

 

 

 

 

 

 

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Flugreisen – ein anderes Höhenklima

Bei Flugreisen wird der Kabinendruck bei jeder Reiseflughöhe auf ca. 2.400 Höhenmeter angepasst. Das bedeutet, dass der Luftdruck in der Flugkabine von 760 mmHg auf Meereshöhe auf 567 mmHg abfällt. Dadurch verringert sich auch der sog. Sauerstoffpartialdruck auf 66-71 mmHg. Der lebenswichtige Sauerstoff wird daher nicht mehr so gut in Ihren Körper aufgenommen. Das können wir daran sehen, dass die Sauerstoffsättigung im Blut von 97 auf 91 % deutlich sinkt. Wir sprechen hier von der hypobaren Hypoxie.

Darüber hinaus ist die Luftfeuchtigkeit der Kabine auf 5 Prozent reduziert, was ebenfalls Ihre Gesundheit beeinträchtigen kann.

Ein weiterer Umstand, der zu Stress führen kann: Gase dehnen sich in Ihrem Körper um 28 bis 46 % aus.

Anpassung an das Höhenklima im Flugzeug

Ihr Körper versucht den veränderten Luftdruck und damit auch den geringeren Sauerstoffpartialdruck auszugleichen. Folglich steigert er Ihre Kreislaufleistung. Das können Sie selbst bemerken durch einen Anstieg der Herzfrequenz um 5 bis 10 Schläge/min. Darüber hinaus versucht Ihr Körper die Sauerstoffaufnahme zu erhöhen, indem die Atemfrequenz steigt.

Durchaus bedeutsam ist, dass der niedrige Sauerstoffpartialdruck eine Engstellung der Lungenarterien bewirkt. Dadurch steigt der Druck in der Lungenstrombahn. Folglich kann das rechte Herz im Krankheitsfall kritisch belastet werden.

Fliegen mit Herzerkrankung

Langstreckenflüge sind prinzipiell möglich. Voraussetzung dafür ist, dass Sie eine gute Belastungskapazität haben. Den Fahrradergometer-Test sollten Sie erst oberhalb von 75 Watt abbrechen müssen. Das Steigen einer Treppenetage im Alltag sollte Ihnen mühelos möglich sein und ein Hochdruck der Lunge darf nicht vorliegen. Der Hochdruck der Lunge lässt sich übrigens mittels Herzultraschall häufig beim Kardiologen bestimmen.

Risiko bei Flugreise – Koronare Herzkrankheit nach Herzinfarkt und Herzschwäche 

Niedriges Risiko. Ein niedriges Risiko liegt vor, wenn Sie unter 65 Jahre alt sind, die koronare Herzkrankheit erfolgreich behandelt ist und die Pumpleistung des linken Herzens allenfalls leichtgradig eingeschränkt ist. Letzteres bedeutet, dass die Auswurfleistung, die sogenannte linksventrikuläre Ejektionsfraktion, über 45 % liegt (normal ist 55 bis 70 %). Des Weiteren dürfen keine Komplikationen, wie z.B. Rhythmusstörungen, vorliegen. Nach einem Herzinfarkt können Sie so 3 Tage nach dem Ereignis bereits wieder in ein Flugzeug steigen.

Hohes Risiko. Ein hohes Flugrisiko haben indes Patienten mit Symptomen der Herzschwäche bzw. mit einer linksventrikulären Ejektionsfraktion von unter 40 %. Letzteres bedeutet zumindest eine höhergradig eingeschränkte Pumpfunktion.

Auch Menschen, bei denen ein Stent oder eine Bypassoperation geplant sind, gehören zur Risikogruppe. Ebenso solche, bei denen ein implantierbarer Defibrillator eingesetzt werden soll.

 Flugreise nach Herzkatheter, Stent und Bypassoperation

Nach einer diagnostischen Herzkatheteruntersuchung mit unauffälliger Einstichstelle können Sie nach 24 Stunden eine Flugreise antreten. Nach einem Stent ist das je nach Komplexität des Eingriffes nach 2 bis 3 Tagen möglich. Besprechen Sie dies mit dem Kardiologen, der den Eingriff gemacht hat!

Nach einem unkomplizierten herzchirurgischen Eingriff muss auf Folgendes geachtet werden: Die Luft, die operationstechnisch in der Lunge verblieben ist, muss verschwunden sein. Das ist frühestens nach 14 Tagen der Fall.

Nach einem komplizierten herzchirurgischen Eingriff, z.B. mit einer deutlich eingeschränkten Pumpfunktion und Rhythmusstörungen sowie Blutarmut, sollten Sie frühestens nach 6 Wochen eine Reise antreten.

Fliegen bei Herzklappenerkrankungen

Bei Herzklappenerkrankungen sollte sichergestellt sein, dass keine hochgradigen Engstellen von Mitralklappe oder Aortenklappe (kleiner als 1 cm²) bestehen. Ein Lungenhochdruck sollte ebenfalls nicht vorliegen.

Fliegen bei Herzerkrankungen – vorab informieren 

Fliegen bei Herzerkrankung ist also prinzipiell möglich. Sie sollten das Vorgehen bei der Reiseplanung berücksichtigen und vorab mit Ihrer Kardiologin beziehungsweise Ihrem Kardiologen besprechen.

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Blitzeinschlag – Gefahr für elektrische Organe im Körper

Ein Blitzeinschlag bedeutet, dass zwischen Wolken und Erde bis zu 100.000.000 Volt Energie freigesetzt werden können. Die Stromstärke beträgt bis zu 100.000 Ampere. Dabei dauert eine Blitzentladung nur ca. 0,02 Sekunden. Gerade wegen der kurzen Entladungsdauer kann man einen direkten Blitzeinschlag überleben.

Besonders empfindlich gegenüber Blitzen sind elektrische Organe Ihres Körpers, vor allen Dingen Herz und Nervensystem. Das Herz ist ein elektro-mechanisches Organ. Im Sinusknoten wird selbstständig eine Erregung erzeugt, die über spezialisierte Zellen geordnet auf die Herzmuskulatur übergeleitet wird. Dort bewirkt sie eine mechanische Aktion. Grundsätzlich können alle Herzmuskelzellen eine elektrische Aktion bilden – und sind somit störanfällig für einen Blitzeinschlag.

Herzschädigung durch Blitzeinschlag

Die Herzschädigung durch einen Blitzeinschlag ist entweder direkt oder indirekt. Die direkte Schädigung bedeutet ein elektrisches bzw. ein mechanisches Trauma des Herzens. Das erkennt man etwa daran, dass vermehrt Herzmuskelenzyme (Troponin) freigesetzt werden. Die indirekte Schädigung entsteht, wenn exzessiv Katecholamine ausgeschüttet werden und eine übermäßige autonome sympathische Stimulation erfolgt. Ihr Herz wird einfach überbeansprucht und erschöpft sich.

Tod durch Blitzschlag – akute Phase

Meistens sind es Herzrhythmusstörungen, die durch einen Blitzeinschlag zum unmittelbaren Tod führen. Kammerflimmern ist dabei eine schnelle unkoordinierte Herzmuskelzuckung. Es kommt praktisch zum elektrischen Sturm im Herzen. Ein geregelter Blutauswurf wird nicht mehr möglich, der Kreislauf steht still.

Eine weitere Form ist die sogenannte Asystolie. Dabei fehlt die elektrische Aktivität des Herzens komplett. Auch das zieht einen Kreislaufstillstand nach sich. Weitere akute Todesursachen sind Atemlähmungen durch geschädigte Nerven sowie sehr selten zerrissene innere Organe durch die enorme Druckwelle.

Tod durch Blitzschlag – frühe Phase

Auch in der frühen Phase nach einem Blitzeinschlag ist das Herz gefährdet. Schon gering geschädigte Herzmuskelzellen können Rhythmusstörungen auslösen. Ausgedehnte Schädigungen können sogar einen Herzinfarkt bis hin zum muskulären Herzversagen zur Folge haben. Des Weiteren können ein akutes Nierenversagen sowie Verbrennungen zu kritischen Konsequenzen mit Todesfolge führen.

Blitzschlagopfer – immer ein Notfall

Ein Blitzunfall ist immer ein Notfall. Er muss für mindestens 24 Stunden intensivmedizinisch überwacht werden. Ebenso muss er langfristig kardiologisch betreut werden, da auch Folgeschäden vorkommen können.

Die kardiale Diagnostik im Intensivbereich ist immer mit einer Monitorüberwachung verbunden, mit der man Rhythmusstörungen erfassen kann. Laborchemische Untersuchungen erfassen das herzspezifische Troponin als Marker für das Absterben von Herzmuskelzellen. Selbstverständlich kommt routinemäßig der Herzultraschall zum Einsatz, um eine Herzmuskelschwäche bzw. einen Herzbeutelerguss zu erfassen.

Blitzeinschlag und Herz – verschiedene Symptome

Wie gesagt, der Blitz kann zu Herzrhythmusstörungen führen, die von einfachen Formen wie Extrasystolen über Vorhofflimmern bis zum gefährlichen Kammerflimmern reichen können. Die elektrische Erregung bzw. Überleitung kann ebenfalls gestört sein, z.B. in Form einer Asystolie bzw. eines AV-Blocks. Diese Phänomene verursachen einen zu langsamen Puls bis hin zum Herzstillstand.

Auch eine Herzschwäche, die mit Luftnot und Wassereinlagerungen verbunden sein kann, ist möglich. Im schlimmsten Fall kommt es zum Herzversagen, dem kardiogenen Schock. Minderdurchblutete Organe gehen damit einher, bis hin zum Ausfall von Nieren-, Leber- und Gehirnfunktion.

Ein Herzbeutelerguss entsteht meistens als Folge eines mechanischen Traumas und zieht eine gestörte Füllung des Herzens nach sich. Damit verbunden ist ebenfalls eine verringerte Kreislauffunktion.

Sollten Sie einen Herzschrittmacher tragen und einem Blitzschlag ausgesetzt sein, dann können Sie davon ausgehen, dass der Herzschrittmacher defekt ist. Hier muss in der Regel ein Austausch des Systems stattfinden.

Blitzschlag – langfristige Folgen für das Herz

Auch lange nach einem Blitzschlag kann dieser noch Probleme am Herzen bereiten. Häufig bleiben über lange Zeit EKG-Veränderungen bestehen beziehungsweise verschwinden gar nicht wieder. Betroffene Personen neigen zu Herzrhythmusstörungen. Besonders hartnäckig ist eine chronische Entzündung des Herzbeutels.

Erste Hilfe bei Blitzschlag

Auf jeden Fall sollten Sie einem Blitzschlagopfer Erste Hilfe leisten. Berührung bedeutet nach dem Blitzschlag keine Gefahr für Sie.

Bevor Sie mit den Maßnahmen beginnen, setzen Sie den Notruf 112 ab. Falls erforderlich, beginnen Sie mit der Wiederbelebung. Die Wiederbelebungsmaßnahmen sind, da es sich nicht um eine Herzerkrankung im eigentlichen Sinne handelt, überdurchschnittlich erfolgreich.

Vorbeugung bester Schutz vor Blitzschäden

Blitzeinschläge treffen auch elektrische Organe und können lebensbedrohlich sein.
Der beste Schutz vor einem tödlichen Blitzschlag ist die Vorbeugung. Beachten Sie die 30/30 Regel: Zeit zwischen Blitz und Donner 30 Sekunden: hohes Risiko; 30 Minuten nach dem letzten Donner: Entwarnung.

Bei hohem Risiko eines Blitzeinschlags suchen Sie frühzeitig Schutz in einem Gebäude oder Automobil auf. Im Freien verringern Sie die Kontaktfläche mit dem Boden und verringern Sie Ihre Körperhöhe, indem Sie in die Hocke gehen.Ist die Zeit zwischen Blitz und Donner gar kürzer als 5 Sekunden, besteht ein sehr hohes Risiko. Beim Golfspielen zum Beispiel sollten Sie dann unmittelbar in die Hocke gehen, am besten in einer Vertiefung, und nicht mehr das entfernte Clubhaus aufsuchen.
Hilfreich ist die App Blitzortung Live.

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Cholesterin – unabhängiger Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall

Ein zu hohes Cholesterin im Blut hat Verengungen von Herzkranzarterien, Gehirn- und Beinarterien zur Folge. Dadurch kommt es nicht nur zu Durchblutungsstörungen, sondern mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko für akute Komplikationen, wie den Herzinfarkt und den Schlaganfall.

Der Zusammenhang zwischen einer Cholesterinerhöhung und der Arteriosklerose ist wissenschaftlich zweifelsfrei nachgewiesen. Dabei ist der Cholesterinwert des Menschen genetisch bestimmt und die Anlage zu hohem Cholesterin wird vererbt. Folglich lassen sich schon sogar im Kleinkindalter kleinste Ablagerungen in den Arterien histologisch, d.h. mit dem Mikroskop nachweisen, die sog. Stary-Lesions.

LDL-Cholesterin – der Hauptrisikofaktor

Wir kennen beim Cholesterin verschiedene Untertypen; das LDL-Cholesterin, das sog. „böse“ Cholesterin ist der Hauptrisikofaktor. Liegt bei Ihnen der LDL-Cholesterin-Wert im Blut über 160 mg/dl, dann ist Ihr Risiko für eine arteriosklerotische Erkrankung erhöht, vor allen Dingen dann, wenn weitere Risikofaktoren, wie z.B. Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Nikotingenuß hinzukommen.

In großen wissenschaftlichen Studien konnte durch eine medikamentöse LDL-Cholesterinsenkung mit Statinen eine Verringerung von Herzinfarkt- und Schlaganfallrate fast ausschließlich bei der Sekundärprävention, d.h. bei bereits vorbestehenden arteriosklerotischen Veränderungen sicher nachgewiesen werden. Je nach Risikokonstellation beträgt hier die Verringerung der Sterblichkeit z.T. über 50%.

Bei der Primärprävention, also dann, wenn noch keine Verkalkungen da sind, macht eine Senkung des LDL-Cholesterins nur bei sehr hohen Werten von >190 mg/dl bzw. in Verbindung mit anderen Risikofaktoren Sinn.

LDL-Cholesterinbildung in der Leber – läuft nach einer Inneren Uhr

Entscheidend für die Bildung von Cholesterin ist die Aktivität des Enzyms HMG-CoA-Reduktase in der Leber. Die Aktivität dieses Enzyms ist am frühen Nachmittag am niedrigsten und steigt dann um mehr als das 4-fache an und erreicht um Mitternacht seinen Gipfel. Anders formuliert, mit steigender Aktivität der HMG-CoA-Reduktase steigt auch die LDL-Konzentration im Blut.

Im Zusammenspiel mit der Aktivität des LDL-Cholesterin-Rezeptors in der Zellmembran, welcher für die Aufnahme von LDL-Cholesterin in die Zelle verantwortlich ist, sinkt das LDL-Cholesterin im Blut entsprechend am frühen Abend auf einen Tiefpunkt.  Als Folge der Aktivität der HMG-Co-Reduktase steigt es von da aus  bis zum frühen Morgen um ungefähr das Doppelte an. Vom Morgen bis zum frühen Nachmittag bleibt dann das LDL-Cholesterin auf einem stabil hohen Niveau, um dann wieder abzufallen. Diese Abläufe folgen chronobiologischen jeweils Inneren Uhren und sind bei jedem Menschen genetisch festgelegt.

Für die therapeutische Senkung des LDL-Cholesterins durch Statine ist die Blockierung der HMG-CoA-Reduktase ein sehr guter therapeutischer Angriffspunkt. Statine werden daher auch HMG-CoA-Reduktase Hemmer genannt. Wollen wir eine möglichst effektive Senkung von LDL-Cholesterin über den Tag erzielen, dann sollten wir den genetisch bestimmten Rhythmus der HMG-CoA-Reduktase berücksichtigen. Kurzum, ein Statin muss zum Zeitpunkt der maximalen Aktivität der HMG-CoA-Reduktase wirksam sein, das heißt also in der Nacht.

Statine wirken unterschiedlich lang

Neben den chronobiologischen Aspekten mit der maximalen Aktivität der LDL-Cholesterinbildung in der Nacht müssen wir bei der Behandlung mit Statinen auch die Halbwertszeit in unsere therapeutischen Überlegungen miteinbeziehen. Die Halbwertszeit ist die Zeit, in der ein Medikament um 50% abgebaut ist. Zum Beispiel ist bei einer Halbwertszeit von 2 Stunden nach 8 Stunden nur noch 6,25% der ursprünglichen Dosis eines Medikamentes im Blut vorhanden.

Statine haben unterschiedliche Halbwertszeiten:

  • Simvastatin: 2h
  • Pravastatin: 2h
  • Fluvastatin: 1-3h bzw. 9h (slow release Formen)
  • Cerivastatin: 2-3h
  • Lovavastatin: 2-5h
  • Atorvastatin: 14h
  • Rosuvastatin: 19h

Folglich ist für die Behandlung mit den verschiedenen Statinen daher ein optimales Timing wichtig. Würden Sie ein kurz-wirksames Statin um 8:00h morgens einnehmen, dann ist zum Zeitpunkt der maximalen Aktivität der LDL-Cholesterinbildung in der Nacht der Wirkstoff im Blut nicht mehr in einer therapeutischen Konzentration vorhanden.

Grundsätzlich gilt

  • kurz-wirksame Statine (z. B. Simvastatin, Pravastatin): immer abends einnehmen
  • lang-wirksame Statine (z. B. Atorvastatin, Rosuvastatin): können prinzipiell auch morgens eingenommen werden

Falls Ihnen eine morgendliche Einnahme ärztlich empfohlen wird, dann geht es ausschließlich darum die Regelmäßigkeit der Einnahme, die sog. Compliance sicherzustellen. Anders ausgedrückt, es ist einfacher ein Statin morgens mit den anderen Medikamenten einzunehmen, abends wird es häufiger mal vergessen.

Statine – weniger Nebenwirkungen durch geringere Dosis

Vor dem Hintergrund der möglichen Nebenwirkungen, vor allen Dingen im Bereich der Muskulatur (Schmerzen, Verspannungen, Schwäche), ist es sinnvoll, wenn Sie grundsätzlich eine möglichst geringe Dosis an Statinen einsetzen. Je geringer die Dosis der Statine, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen. Zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt senken Statine so das LDL-Cholesterin um 35 bis 55 %.

Kurzum, auch lang-wirksame Statine sollten am besten am Abend eingenommen werden, um die Dosis und damit die Nebenwirkungen möglichst niedrig zu halten.

Statine – individuelle Dosisanpassung

Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass Statine über das Cytochrom-P450-System der Leber mit anderen Medikamenten interagieren und so auch mehr oder weniger schnell abgebaut werden können. Somit kann die Wirkung bei Menschen individuell unterschiedlich sein.

In jedem Fall gilt es, den Erfolg der Statintherapie gemeinsam mit Ihrem Arzt zu überprüfen, ein LDL-Cholesterinwert von 70-100 mg/dl ist das therapeutische Ziel, z.B. nach einem Herzinfarkt. Eine Laborbestimmung 6 Wochen nach Beginn der Behandlung gibt hier eine erste Orientierung.

Ist allerdings einmal die richtige individuelle Dosis gefunden, dann bleibt dieses Ergebnis in der Regel stabil und Kontrollen brauchen nur noch sporadisch vorgenommen zu werden.

 

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Angina pectoris – Brustschmerzen

Sehr häufig bitten uns in der Cardiopraxis Menschen um Rat und Tat, die als Symptom „Angina pectoris“ angeben. Angina pectoris bedeutet „Enge der Brust“.

So kommen Sie zu uns, weil Sie die Beschwerden bemerkt haben. Damit ist der Ort der Beschwerden schon einmal auf den Brustraum und angrenzende Regionen eingegrenzt. Das Problem besteht jetzt für Sie darin, dass Sie manchmal schwer unterscheiden können, wo die Beschwerden ihren Ursprung haben. Dabei kann es sich um ganz verschiedene Arten von Brustdruck oder Brustschmerzen handeln.

Angina pectoris – bewegungsabhängig und hell?

Die nächsten Hinweise erhalten wir über den Schmerzcharakter und die Auslösbarkeit. Kommen die Schmerzen von der Wirbelsäule oder von der Muskulatur, dann haben sie eher einen punktuellen “hellen” Charakter (“wie Stiche”). Sie sind fast immer bewegungsabhängig, d.h. sie verändern sich, z.B. wenn Sie den Arm heben oder die Wirbelsäule beugen oder drehen. Sind Lungen- und Rippenfell gereizt, dann nehmen die “hellen” Schmerzen beim vertieften Atmen zu. Immer wieder einmal erleben wir auch mal Menschen, bei denen eine Krämpfe der Speiseröhre zu Schmerzen führt. Bei Entzündungen der Speiseröhre sind die Schmerzen häufig im Liegen betont. 

Besonders gravierend, zum Glück aber sehr selten sind die reißenden Schmerzen, wenn ein Einriss der Hauptschlagader, die Aortendissektion auftritt. Hier ist der Schmerz ebenfalls „hell“ und ist häufig mit Zeichen der Adrenalin-vermittelten Aktivierung verbunden, wie z.B. Unruhe, schneller Herzschlag und Schwitzen. Bei der Lungenembolie tritt der Brustdruck häufig plötzlich, wie aus heiterem Himmel auf und ist mit Luftnot verbunden. Besteht die Lungenembolie schon etwas länger, dann sind Beschwerden durch die entzündliche Mitbeteiligung des Lungenfells auch mal atemabhängig.

 

Schmerz, der durch Druck z.B. auf das Brustbein ausgelöst werden kann, kommt nie vom Herzen.   

Angina pectoris – belastungsabhängig und dunkel?

Bei Durchblutungsstörungen des Herzmuskels nehmen Sie hingegen eher einen flächigen dumpfen Druck war (“wie ein Stein auf der Brust”), meistens hinter dem Brustbein oder in der linken Brusthälfte lokalisiert. In der Regel Belastung zu, dann wenn Blutdruck und Herzfrequenz steigen. Brustdruck kann aber auch schon mal in Ruhe auftreten, wenn sich ein Herzkranzarterie verkrampft, z.B. durch Kälte,  Aufregung oder auch Nahrungsmittel.

Angina pectoris – im Zweifel ärztliche Hilfe aufsuchen

Sie merken, dass die Zuordnung des Symptoms „Brustdruck“ bzw. „Brustschmerz“ zu einem Organ nicht ganz einfach ist. Häufig hilft zur Unterscheidung der Nitro Spray-Test.

Besonders, wenn die Beschwerden neu, sich in der den letzten Tagen verändert haben oder die Symptome intensiv sind, dann ist es für Sie über die nächsten Schritte genau nachdenken und handeln.

Scheuen Sie sich nicht je nach Intensität den Hausarzt aufzusuchen bzw. den Ärztlichen Notdienst unter 116 117 zu verständigen. Bei akuten lebensbedrohlichen Situationen verständigen Sie konsequent den Rettungsdienst unter 112.

 

 

….weiter im Selbsthilfekurs „Herzinfarkt sofort erkennen“

 

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Angina pectoris – Druck auf der Brust

Angina pectoris, also Enge der Brust und ist meistens hinter dem Brustbein lokalisiert. Der Brustdruck kann aber auch ausstrahlen, etwa in Schulter, Arm, Magen, Hals, Kieferwinkel oder Rücken. Angina pectoris kann ein Zeichen für eine Durchblutungsstörung im Herzen sein – und auch ein Vorbote für einen Herzinfarkt. Auch isolierte Beschwerden, z.B. im Kieferwinkel vor allen Dingen, wenn diese bei körperlicher Belastung auftreten und in Ruhe wieder verschwinden können auf eine Unterversorgung des Herzmuskels hinweisen.

Um den Schweregrad einer Durchblutungsstörung an Hand von Symptomen zu bewerten, sind die zeitlich Dynamik mit der Häufigkeit, Charakteristik, Auslöser und Intensität der Symptome wichtig. Man unterscheidet in stabile, instabile und anhaltende Angina pectoris.

Zeitliche Dynamik und Stabilität von Symptomen – wichtiger Risikoindikator

Bei einer stabilen Angina pectoris verändern sich die Symptome in einem Zeitraum von 4 Wochen nicht. In einem solchen Fall genügt es, regelmäßig den Kardiologen (ca. 1 mal jährlich) zu konsultieren.

Wenn innerhalb eines Beobachtungszeitraums von weniger als 4 Wochen bei Ihnen neue Symptome vorkommen oder sich bestehende Symptome verändern, dann bezeichnet man das als instabile Angina pectoris. Eine Veränderung kann sich auf die Häufigkeit beziehen, Angina pectoris merken Sie jetzt pro Woche 6-10 mal anstatt wie in der Vorwoche 1-5 mal. Ihre Beschwerden treten bei niedrigerer Belastungsstufe, z.B. nach 1 Etage Treppensteigen auf, vorher haben Sie 2 Etagen mühelos geschafft. Der Druck auf Ihrer Brust ist neuerdings stärker und strahlt sogar aus, z.B. in die Schulter. In einer solchen Situation sollten Sie einen Kardiologen oder eine Notaufnahmestation innerhalb weniger Tage aufsuchen.

Dauern Symptome länger als 10 Minuten in Ruhe an, sprechen wir von einer anhaltenden Angina pectoris. Fast immer geht sie bei einem Herzinfarkt mit Zusatzsymptomen wie etwa Luftnot einher. Besteht bei einer anhaltenden Angina pectoris der Verdacht auf einen Herzinfarkt, sollten Sie in dieser Situation sofort das Rettungsteam unter 112 verständigen.

Symptome bewerten und zeitgerecht handeln

Wir können Ihnen als professionelle Kardiologinnen und Kardiologen nur helfen, wenn Sie rechtzeitig zu uns kommen. Im Grunde ist Angina pectoris ein Schutzengel: Werden die Symptome richtig eingeordnet und entsprechende Maßnahmen eingeleitet, können Herzinfarkt oder gar Tod verhindert werden.

…..weiter im Selbsthilfekurs „Herzinfarkt sofort erkennen“

 

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Herzinfarkt – Zeit ist der kritische Faktor

Bei einem typischen Herzinfarkt liegt fast immer ein plötzlicher Verschluss eines Herzkranzgefäßes, einer sog. Koronararterie vor. Das bedeutet, dass wichtige Anteile des Herzmuskels kein sauerstoffreiches Blut mehr erhalten.

Bedenken Sie, ca. 10 Minuten nach einem akuten Verschluss eines Herzkranzgefäßes beginnt das Herzmuskelgewebe unwiederbringlich abzusterben. Je früher ein verschlossenes Herzkranzgefäß im Herzkatheterlabor wiedereröffnet wird, desto kleiner die Infarktgröße und je besser auch die Langzeitüberlebens-Chancen.

Die Zeit läuft.

Patientenentscheidungszeit – weiter ein Problem

Zahlreiche Maßnahmen der sog. Koronaren Versorgungskette zur Behandlung des Herzinfarktes haben sich insbesondere seit Beginn der 90er Jahre eindrucksvoll verbessert und die Herzinfarktsterblichkeit um über 30% verringert. Das Absetzen des Rettungsrufes 112 durch Betroffene oder Beobachter bleibt weiter ein Problem.

Den Zeitraum vom Symptombeginn bis zum Absetzen eines Notrufs nennt man die „Patientenentscheidungszeit“. Während in Deutschland die Abläufe nach Absetzen eines Notrufes unter 112 sehr gut definiert und schnell sind – in der Regel ist eine Notärztin oder ein Notarzt innerhalb von 10 Minuten vor Ort – bleibt die Patientenentscheidungszeit weiterhin ein Problem. Sie macht etwa 60 % der Gesamtzeit bis zur lebensrettenden Therapie im Herzkatheter-Labor aus. In vielen Fällen beträgt Sie mehrere Stunden.

Angehörige, Freunde, Kollegen …. und Fremde – wichtige Signalgeber

Nicht nur der Mensch, der von einem Herzinfarkt betroffen ist, kann die lebensrettende Koronare Versorgungskette in Gang setzten. Häufig sind Freunde, Mitarbeiter, Angehörige und auch Fremde anwesend, die wertvolle Hilfe leisten können. Gerade Fremde, die den Betroffenen nicht kennen, sehen die Situation unvoreingenommen und handeln meist schneller und konsequenter als Angehörige.

Folglich hat der Satz „warten wir erst mal ab“, häufig von einem Angehörigen geäußert, z.B. während einer laufenden Fernsehsendung, schon viel wertvolle Zeit gekostet. Die Kriterien für das Absetzen beim Verdacht auf einen Herzinfarkt sind klar.

Herzinfarkt – allermeistens mehr als 1 Symptom

Einen Herzinfarkt erkennen Sie an diesen Warnzeichen.

  • Druck meistens hinter dem Brustbein
  • Ausstrahlung in andere Körperregionen
  • Luftnot
  • Übelkeit, Gesichtsblässe, Kaltschweissigkeit
  • Bewusstseinsstörung

Nicht immer müssen alle diese typischen Symptome gleichzeitig vorhanden bzw. stark ausgeprägt sein. Allerdings treten bei einem Herzinfarkt fast immer mindestens 2 Symptome gleichzeitig auf. Folglich müssen Sie, sei es, dass Sie Betroffene bzw. Betroffener oder eine anwesende Person sind, bei Vorhandensein von mindestens 2 Symptomen zügig handeln.

Auch zeigt sich hier wieder, wie wichtig die anwesenden Mitmenschen sind, denn Gesichtsblässe, das fahle graue Gesicht, wird von der Betroffenen praktisch nie wahrgenommen.

Besonders verheerend ist der sog. „neglect“, die fehlende Bereitschaft des Betroffenen den Ernst der Lage zu erkennen und selber zu handeln. Häufig hören wir dann den Satz „das wird schon wieder“, wieder ein Grund für unnötigen Zeitverlust.

Verdacht auf Herzinfarkt – Notruf 112 absetzen

Wenn Symptome des Herzinfarktes vorliegen, dann müssen Sie schnell handeln! Falls diese Beschwerden 10 Minuten und mehr bestehen, sollte sofort das Rettungsteam unter 112 verständigt werden!

Das sind wichtige Informationen für das Rettungsteam am Telefon:

  • Wer: Name Anrufer
  • Was: „Medizinischer Notfall“, evtl. zusätzlich „Verdacht auf Herzinfarkt“
  • Wen: Name, Alter Betroffener
  • Wo: Straße, Hausnummer, Stockwerk (!)
  • Wie: wach, ansprechbar „ja“ oder „nein“
  • Wie: nicht spontan atmend „ja“ oder „nein“

Zwar ist die Nennung des eigenen Namens bei einem Notruf nicht zwingend erforderlich, sie erleichtert allerdings unter der emotionalen Belastung den Einstieg in das Gespräch.

Achten Sie darauf, dass das Telefonat immer vom Profi in der Einsatzzentrale des Rettungsdienstes am anderen Hörer beendet wird, damit keine wertvollen Informationen in der Aufregung fehlen.

Sollten Sie gehörlos bzw. die Sprechsprache nicht richtig beherrschen, dann erkundigen Sie sich vor einem Notfall bzgl. Möglichkeiten der Notfallalarmierung für Gehörbeeinträchtigte.

Wegweisende Maßnahmen – erleichtern Eintreffen für Rettungsdienst

Stellen Sie sich vor, wie können Sie dem Rettungsteam den Weg zum Einsatzort erleichtern:

  • Haustür öffnen
  • Lichter überall anmachen
  • Meldekette bis zur Straße aufbauen, falls genügend Personen anwesend sind, z.B. in Mehretagenhäusern, Schulen oder Bürogebäuden

Ersthelfermaßnahmen – lebensrettend

Ist der Mensch nicht bewusstlos, dann sollte immer ein Ersthelfer bei ihm bleiben, weil die Lage sich plötzlich verschlechtern kann. Besonders tückisch ist die Situation, wenn der Brustdruck des Herzinfarktpatienten nachlässt. Denn gerade dann, wenn sich eine Koronararterie auch spontan wiedereröffnet, treten besonders häufig potentiell tödliche Rhythmussstörungen, wie z.B. Kammerflimmern auf, die gefürchteten Reperfusionsarrhythmien. Die Beteiligten denken „alles ist gut“ und dann geht es erst mal richtig los.

Falls der betroffene Mensch von vorne herein bewusstlos ist, dann sollten Sie mit den Erste-Hilfe-Maßnahmen beginnen. Die Herz-Druckmassage alleine führt schon zu einer Verdopplung der akuten Überlebensrate. Bei vorhandenem Automatischen Externen Defibrillator (AED): setzen Sie ihn ein, denn Sie können nichts falsch machen!

Seien Sie Teil des Erfolges

Gerade Risikopatienten für das Auftreten eines Herzinfarktes und deren Angehörigen sollten sich diese Informationen immer wieder mal vor Augen führen. Das mentale Durchspielen einer solchen Situation ist eine Übung und …..“üben übt“.

Sie können diese Informationen auch im Sinne einer betrieblichen Fortbildung an Ihrem Arbeitsplatz weiterleiten. Wir in der Cardiopraxis trainieren regelmäßig für den Ernstfall.

Mit diesen Informationen machen Sie alles richtig. Seien Sie im Notfall Teil des Erfolges, handeln Sie für sich selbst oder seien Sie ein aktiver Ersthelfer.

…..weiter im Selbsthilfekurs „Herzinfarkt sofort handeln“

 

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Stabile Angina pectoris – meistens Brustdruck hinter dem Brustbein

Die meisten Menschen, bei denen eine Verengung einer Herzkranzarterie zur Durchblutungsstörungen des Herzmuskels führt, kennen das Symptom Angina pectoris.

Angina pectoris bedeutet übersetzt „Enge der Brust“ und meistens tritt sie hinter dem Brustbein auf. Das Druckgefühl kann aber auch in andere Körperregionen vorkommen bzw. vom Brustbein dorthin ausstrahlen, z.B. in Schulter, Arm, Magen, Hals, Kieferwinkel oder Rücken.

Angina pectoris bei Verengungen von Herzkranzarterien tritt typischerweise bei körperlicher Belastung auf und wird meistens von Luftnot begleitet. Im  Nitro Spray-Test, vorausgesetzt es handelt sich nicht um einen ablaufenden Herzinfarkt, nimmt die beschwerdefreie Belastbarkeit durch Nitro Spray typischerweise zu.

Stabile Angina pectoris – was bedeutet eigentlich stabil?

Um die Bedrohlichkeit einer Angina pectoris einzuordnen, sind die Bewertung von Charakteristik, Auslöser, Intensität und Häufigkeit der auftretenden Symptome wichtig. Man unterscheidet in stabile, instabile Angina pectorissowie anhaltende Angina pectoris bei Herzinfarkt.

Von einer stabilen Angina pectoris bei Koronarer Herzkrankheit sprechen wir, wenn sich die Symptome in einem Zeitraum von 4 Wochen nicht verändern. Charakteristisch für eine stabile Angina pectoris sind zum Beispiel:

  • Auftreten bei stabiler Belastungsschwelle, z.B. nach Ersteigen von 1 Treppenetage
  • Beschwerden verschwinden in Ruhe
  • stabile Häufigkeit, z.B. 1 bis 5 Episoden pro Woche
  • das gleiche Beschwerdebild besteht seit mehr als 4 Wochen

Bei stabiler Angina pectoris ist das Risiko für einen Herzinfarkt bzw. den Tod ist gering; die Sterblichkeit liegt bei ca. 5 % pro Jahr.

Schwergrad der Angina pectoris – die CCS-Klassifikation?

Der Schwergrad der Angina pectoris entsprechend den Kriterien der Canadian Cardiovascular Society beschreibt wie stark ein Mensch in seiner körperlichen Belastbarkeit eingeschränkt ist.

CCS I – Keine Angina pectoris bei Alltagsbelastung, z.B. beim Treppensteigen oder Laufen. Angina pectoris bei plötzlicher und längerer körperlicher Belastung.

CCS II – Angina pectoris bei stärkerer körperlicher Belastung, z.B. beim schnellen Laufen, Treppensteigen oder Bergaufgehen. Angina pectoris beim Treppensteigen nach dem Essen, in Kälte, Wind oder bei psychischer Belastung.

CCS III – Angina pectoris bei Alltagsbelastung, z.B. bei normalem Gehen oder beim Ankleiden.

CCS IV – Angina pectoris auch kurzzeitig in Ruhe.

Eine Angina pectoris Schwergrad III oder IV bedeutet eine schwere Beeinträchtigung im Alltag; nicht selten treten 16-20 Angina pectoris Episoden pro Woche auf. Das Beschwerdebild kann trotzdem als stabil eingestuft werden, wenn die Beschwerden sich in den letzten 4 Wochen nicht verändert haben. In dieser Gruppe ist das Langzeitüberleben allerdings deutlich eingeschränkt, die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt lediglich 50%.

Stabile Angina pectoris – Langzeitüberleben in der Regel gut, aber….

Ausgenommen Betroffene mit Angina pectoris CCS-Klasse III und IV, ist die Prognose mit stabiler Angina pectoris gut.

Allerdings sollten Sie sich vor Augen führen, dass Angina pectoris in der Regel ein spätes Symptom einer länger anhaltenden Durchblutungsstörung ist, sozusagen die Spitze des Eisbergs. Weiterhin wird derselbe Schwergrad einer Durchblutungsstörung am Herzen von einigen Menschen früher, von anderen später wahrgenommen. Somit wissen wir, auch wenn die Beschwerden stabil sind nie so ganz genau, wie schwer verändert die Herzkranzarterien sind.

Wir raten daher bei typischer belastungsabhängiger Angina pectoris fast immer zur Herzkatheteruntersuchung, allerspätestens bei mehr als 5 Episoden pro Woche oder ab CCS-Klasse III. Der Herzkatheter schafft definitive Klarheit und in einem Arbeitsgang kann, falls erforderlich eine Engstelle mittels Stent beseitigt werden.

Wenn Sie eine stabile Angina pectoris haben, dann sollten Sie regelmäßig (1 Mal pro Jahr) einen Kardiologen bzw. eine Kardiologin besuchen. Hier kann der Schwergrad der Veränderungen an den Herzkranzarterien indirekt besser erfasst werden. Dafür nutzen wir das EKG, Belastung-EKG und den Herzultraschall. Gegebenenfalls kommen noch weitere Untersuchungen wie das Herz-MRT oder die Myokardszintigrafie hinzu.

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? Schoebel FC et al. Refractory angina pectoris in end-stage coronary artery disease: evolving therapeutic concepts. Am Heart J 1997;134:587-602

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Instabile Angina pectoris – Warnung vor einem drohenden Herzinfarkt

Diesen Beitrag zur instabilen Angina pectoris sollten Sie genau lesen, denn Ihr Wissen kann wirklich eines Tages Ihr Leben oder das eines Angehörigen, einer Freundin oder einer Arbeitskollegin retten. Die instabile Angina pectoris ist ein wahrer Schutzengel. Ihre Beschwerden zeigen Ihnen an, dass etwas bedrohliches im Gange ist. Noch ist der Herzmuskel intakt, ein Herzinfarkt ist noch nicht aufgetreten, er steht aber häufig kurz vor der Tür.

Instabile Angian pectoris – Häufigkeit, Intensität, Auslösesituationen,  die entscheidenden Kriterien für die drohende Gefahr

Angina pectoris steht für „Enge der Brust“. Häufig macht sie sich nämlich hinter dem Brustbein bemerkbar. Allerdings kann sie ebenso ausstrahlen, etwa in Arm, Schulter, Hals, Kieferwinkel, Magen oder Rücken. Charakteristik, Intensität, Auslöser und Häufigkeit der Symptome sind Faktoren, die für die genaue Einordnung hinsichtlich der Bedrohung für Leib und Leben wichtig sind. Man unterscheidet die stabile Angina pectoris, instabile Angina pectoris und anhaltende Angina pectoris bei Herzinfarkt.

Instabile Angina pectoris – Veränderungen innerhalb der letzten 4 Wochen kündigen den Herzinfarkt an

Ursache für ein instabile Angina pectoris ist meistens ein Einriss eines instabilen Plaques mit der Bildung eines Blutgerinnsels. Von einer instabilen Angina pectoris bei Koronarer Herzkrankheit spricht man, wenn sich Symptome in weniger als 4 Wochen verändern oder in diesem Zeitraum neue Symptome auftreten. In diesem Fall kann auch ein Herzinfarkt drohen. Eine instabile Angina pectoris zeichnet sich beispielsweise aus durch folgende Faktoren:

  • erstmalige Beschwerden innerhalb der letzten 4 Wochen
  • Zunahme der Häufigkeit von vorher 1-5 auf 11 bis 15 Episoden pro Woche
  • bei vorbestehendem Brustdruck eine leichtere Auslösung, z.B. Brustdruck jetzt schon nach 1 Etage Treppensteigen, anstatt vorher erst nach 2 Etagen
  • neue Ausstrahlung z.B. in die Schulter
  • auch kurzzeitige sind Ruhebeschwerden möglich (< 10 Minuten)
  • im Nitro Spray-Test verschwinden nach Einahme von Nitro Spray (noch)

 

Instabile Angina pectoris – zügig und konsequent handeln

Das Risiko für einen Herzinfarkt bzw. Tod ist mittelgradig erhöht: unbehandelt liegt die Sterblichkeit bei instabiler Angina pectoris bei ca. 15 % im ersten Jahr des Auftretens.

In 60% der Fälle haben Menschen mit einem Herzinfarkt vor dem potentiell tödlichen Ereignis Angina pectoris. In den meisten Fällen haben sich die Beschwerden in einem mehr oder weniger kurzen Zeitraum im Sinne einer instabilen Angina verändert oder sind neu aufgetreten. Das bedeutet für Sie eine potentiell lebensrettende Chance, die Sie nutzen sollten.

Eine instabile Angina pectoris sollte innerhalb von wenigen Tagen behandelt werden, durch einen Kardiologen oder auf der Notaufnahmestation (bei kurzzeitigen Ruhebeschwerden sofort). Seien Sie konsequent, wir können Ihnen als Ärzte nur helfen, wenn Sie Hilfe suchen. Die behandelnden Ärzte handeln dann ebenfalls schnell, sie schließen bei Ihnen zunächst einen Herzinfarkt aus. Hierfür werden das EKG und der sog. Troponin-Test genutzt, innerhalb von 15 Minuten steht die Diagnose: Herzinfarkt oder instabile Angina pectoris.

Besteht bei Ihnen der begründete Verdacht auf eine Verengung Ihrer Herzkranzarterien, wird fast immer eine Herzkatheter-Untersuchung durchgeführt, gegebenenfalls wird ein Stent implantiert. So kann ein Herzinfarkt abgewendet werden und Sie können meistens nach einigen Tage schon wieder verreisen.

Die Symptome einer instabilen Angina pectoris sind wie ein Schutzengel: Werden sie rechtzeitig erkannt und behandelt, können Herzinfarkt und sogar Tod verhindert werden!

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Akuter Herzinfarkt – Symptome ernst nehmen und schnell handeln

Ein akuter Herzinfarkt ist ein gravierendes Ereignis, welches in 30% der Fälle mit Todesfolge verbunden ist. Richtiges und sofortiges Handeln kann hier Leben retten.

Häufig ist der betroffene Mensch im ablaufenden Herzinfarkt nicht handlungsfähig, sei es, weil er oder sie körperlich und geistig nicht in der Lage ist oder weil einfach die Krankheitseinsicht fehlt. Manchmal ist es die Banalisierung von eher gering ausgeprägten Beschwerden, was zu einem wertvollen Zeitverlust führt. Denn, je früher ein verschlossenes Herzkranzgefäß bei einem ablaufenden Herzinfarkt im Herzkatheterlabor wiedereröffnet wird, desto höher die Überlebenswahrscheinlichkeit.

Folglich ist bei einem akuten Herzinfarkt nicht nur wichtig, was Sie bei der Selbstwahrnehmung als betroffener Mensch selber spüren, sondern auch welche Veränderungen Ihr soziales Umfeld im Sinne der Fremdwahrnehmung bemerkt.

Brustdruck – häufigstes Symptom eines akuten Herzinfarktes

Brustdruck, in der Fachsprache Angina pectoris genannt, ist das häufigste Symptom bei einem Herzinfarkt. Im Gegensatz zur stabilen Angina pectoris und zur instabilen Angina pectoris besteht bei einem akuten Herzinfarkt ein anhaltender Druck in Ruhe mit einer Dauer von mehr als 10 Minuten. Ab diesem Zeitpunkt stirbt der Herzmuskel unwiederbringlich ab.

Der Druck kann auch isoliert in der Schulter, dem Arm, dem Rücken oder dem Oberbauch auftreten. Sogar ein dumpfes Ziehen im Unterkiefer kann vorkommen.

Bei einem Herzinfarkt ist der Brustdruck fast immer von Zusatzsymptomen begleitet. Hierzu zählen insbesondere:

  • Luftnot
  • Ausstrahlung
  • Blässe
  • Übelkeit
  • Schwitzen
  • Verwirrtheit

Übrigens, Brustdruck, der seinen Ursprung in einer Durchblutungsstörung des Herzens hat, ist nicht bewegungsabhängig, d.h. er kann durch eine Beugung bzw. Drehung der Wirbelsäule bzw. tiefes ein- und ausatmen nicht beeinflusst werden. Ist das allerdings der Fall, dann sind andere Ursachen der Beschwerden, z.B. im Bereich der Wirbelsäule wahrscheinlicher. Auch ein sog. heller, stechender oder ein punktueller Schmerz hat seinen Ursprung fast nie im Herz.

Bei einem akuten Herzinfarkt reagiert der Brustdruck im Test NICHT auf die Einnahme von Nitro Spray, weil das Herzkranzgefäß in der Regel komplett verschlossen ist.

Akuter Herzinfarkt – die Perspektive BETROFFENER Menschen

Bei einem akut und symptomatisch ablaufenden Herzinfarkt sind Sie zunächst irritiert, Sie spüren Druck auf der Brust, aller meistens mit Luftnot verbunden.

Mit Brustdruck und Luftnot kommt ein Gefühl der inneren Schwäche, Ihr Körper fühlt sich an wie Blei. Körperliche Bewegung versuchen Sie zu vermeiden, um die Herzarbeit nicht zu steigern, denn Sie spüren, das würde eine Zunahme der Beschwerden zur Folge haben.

Trotz dieser äußerlichen und auch für andere Menschen sichtbaren körperlichen Gebundenheit werden Sie innerlich zunehmend unruhiger. Das ist eine Folge von Adrenalin, welches schon alleine durch den Stress der Durchblutungsstörung des Herzmuskels, vermehrt ausgeschüttet wird.

Adrenalin kann Ihre geistigen Fähigkeiten einschränken, so dass Ihnen das Sprechen von klaren Sätzen schwerfällt.

Im optimalen Fall wissen Sie spätestens jetzt, dass Sie in einer lebensbedrohlichen Situation sind und Hilfe benötigen. Sie setzen selber oder über andere Menschen die Rettungskette in Gang.

Akuter Herzinfarkt – die Perspektive NICHT-BETROFFENER Menschen

Sie sitzen mit Ihrer Frau am Sonntagabend zu Hause vor dem Fernseher, der Tatort beginnt gerade. Obwohl Sie dem Krimi folgen, spüren Sie, dass irgendetwas nicht stimmt. Als Sie sich zufällig Ihrer Frau zuwenden, merken Sie, dass Ihre Frau sich mit der rechten Hand an die linke Brust greift und mit dem anderen Arm auf den Oberschenkel aufstützt.

Sie bekommen den Eindruck, dass Ihre Frau schwer atmet. Sie fragen Ihre Frau: „Stimmt etwas nicht?.“ Ihre Frau antwortet: „Nein, nein, alles in Ordnung, ich glaube, ich habe mir nur irgendwie den Rücken verknackst.“

Jetzt kennen Sie natürlich Ihre Frau, bevor sie überhaupt irgendetwas sagt, muss schon etwas Schwerwiegendes passiert sein. Zwischenzeitlich sehen Sie, dass Ihre Frau ein aschfahles Gesicht bekommt. Sie sagt jetzt ungefragt: „Ich hab hier irgendwie so einen komischen Druck auf der Brust……und ich krieg´ so schlecht Luft.“

Sie fragen: „Soll ich einen Arzt rufen?“ Ihre Frau: „Ne, ne, lass mal lieber, das wird schon.“ – Sie wirkt jetzt etwas verwirrt, so kennen Sie sie gar nicht.

Nun wissen Sie, dass ca. 60% aller Herzinfarkte im häuslichen Bereich vorkommen und dass auch Frauen in ca. 33% der Fälle betroffen sein können. Irgendwo haben Sie gelesen, dass ca. 66% aller Menschen vor einem Plötzlichen Herztod innerhalb von 30 Minuten vor dem Ereignis Symptome wie Brustdruck und Luftnot haben; Blässe und Schwitzen sollen ein ganz schlechtes Zeichen sein.

Sie wissen jetzt, dass es sich bei Ihrer Frau um einen lebensbedrohlichen Notfall handelt. Jetzt zählt jede Minute. Sie rufen den Notarzt mit dem Rettungsteam unter 112.

So etwas kann natürlich auch einem Arbeitskollegen oder -kollegin am Arbeitsplatz passieren. Auch hier verlassen Sie sich auf Ihr Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt, fragen nach und handeln sofort.

Herzinfarkt jede Minute zählt

Wir in Cardiopraxis haben alleine durch unsere Tätigkeit in verschiedenen Kliniken Tausende und Abertausende von Menschen mit ablaufendem Herzinfarkt akut betreut, sei es auf der Notaufnahmestation, im Herzkatheterlabor oder auf der Intensivstation. Solche Geschichten, wie oben geschildert sind auch jetzt noch ein großer Teil unseres Alltags.

Jetzt betreuen wir vor allen Dingen Menschen nach einem Herzinfarkt, so dass ein solcher in der Zukunft nicht mehr passiert. Wir helfen Ihnen Symptome richtig einzuschätzen, so dass Sie im Ernstfall richtig handeln können. Deshalb haben wir auch diesen Beitrag für Sie geschrieben.

Die Menschen die rechtzeitig die richtigen Schritte einleiten, sind diejenigen, die zu einer deutlich verringerten Sterblichkeit bei Herzinfarkt, kurzfristig und langfristig beitragen. – Jede Minute zählt.

Also, bei anhaltendem Brustdruck länger als 10 Minuten und Begleitsymptomen wie Luftnot, Blässe, Schwindel, Schwitzen oder Übelkeit immer unverzüglich die Rettungskette unter 112 starten. Haben Sie Zweifel, denken aber an einen Herzinfarkt, handeln Sie ebenso mit 112!

 

 

….weiter im Selbsthilfekurs „Herzinfarkt sofort erkennen“

 

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