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Flaschentauchen bei Herz- und Kreislauferkrankungen – Tauchurlaub planen

Das Herz-Kreislaufsystem wird beim Flaschen-Tauchen unter Wasser belastet. Folglich sollten sich gerade Menschen mit Herz- und Kreislauferkrankungen über den Einfluss des Flaschentauchens in Verbindung mit der individuellen Grunderkrankung informieren. Das gilt gerade für Menschen, die zum ersten Mal einen Kurs für Gerätetauchen planen.

Flaschentauchen – Risiko mechanische Belastung für die Lunge

Grundsätzlich gilt beim Tauchen: je tiefer Sie tauchen, desto stärker steigt der Umgebungsdruck. Ab Wasseroberfläche mit 1 bar steigt pro 10 m Tauchtiefe der Druck um jeweils 1 bar. Entsprechend dem Boyle-Mariott’schen Gesetze bleibt allerdings das Produkt aus Druck und Volumen konstant (Druck x Volumen = konstant). Das hat erhebliche Konsequenzen für Ihre Lunge.

Beim Tauchen ohne Atemgerät hat das beim Abtauchen folgende Konsequenzen. Zum Beispiel, wenn Sie an der Wasseroberfläche (1 bar) ein Lungenvolumen von 6 l haben, dann beträgt es in 10 m Tiefe (2 bar) nur noch 3 l. Wenn Sie auftauchen dehnt sich das das Volumen entsprechend wieder aus.

Beim Tauchen mit Atemgeräten wird allerdings das Lungenvolumen durch den Druck aus der Atemflasche beim Abtauchen konstant gehalten. Beim Auftauchen jedoch dehnt sich das Gasvolumen in der Lunge trotzdem aus: in 10 Meter Tiefe 6 l Luft, an der Wasseroberfläche 12 l Luft. Folglich sollten Sie stets regelmäßig ein- und auszuatmen und keinesfalls beim Aufstieg die Luft anhalten! Sonst besteht die Gefahr der Lungenüberdehnung mit Mediastinalemphysem, Pneumothorax oder arterieller Gasembolie.

Flaschentauchen – Risiko für Herz und Kreislauf

Alleine die mechanische Belastung der Lunge führt zu einer Beeinträchtigung des Kreislaufs indem die Lungenarterien und -venen eingeengt werden. Hinzu kommen der Umgebungsdruck und die Kälte, welche folglich einen Anstieg des Blutgefäßwiderstandes und damit eine Herabsetzung der Durchblutung begünstigen. Folglich wird auch das Herz vermehrt mechanisch belastet, was gerade bei Herzschwäche und Herzklappenfehlern zu kritischen Konsequenzen, wie Durchblutungsstörungen und Lungenödem führen kann. Das gilt nicht nur für die Phase des Tauchgangs, sondern auch für die Stunden bis Tage danach.

Der sog. Tauchreflex bedingt überdies, dass durch den erhöhten Umgebungsdruck unter Wasser, dass die Herzfrequenz um bis zu 30% abfallen kann. Dieser Mechanismus hat gerade bei Herzerkrankungen in Verbindungen mit einer niedrigen Ausgangsfrequenz, z.B. durch die Einnahme eines Beta-Blockers einen kritischen Einfluss auf die Durchblutung Ihres Körpers.

Tauchen bei Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Herzklappenfehlern, Herzschwäche und nach Implantation Herzschrittmacher bzw. Defibrillator

Voraussetzung für die Tauchtauglichkeit beim Gerätetauchen ist eine normale linksventrikuläre Ejektionsfraktion in Ruhe und bei Belastung. Zeichen der Durchblutungsstörung unter Belastung müssen ausgeschlossen sein.

Bei Bluthochdruck ist angezeigt:

  • nur bei guter Blutdruckeinstellung
  • Vorsicht bei Betablocker + Tauchreflex: Dadurch können Herzrhythmusstörungen entstehen!

Bei Koronarer Herzkrankheit gilt:

  • frühestens 12 Monate nach Herzinfarkt (wenn beschwerdefrei, Belastung-EKG & Echokardiographie unauffällig)
  • kein Tauchen unter Clopidogrel + Aspirin
  • nach Stent erst nach 6 Monaten Pause

Menschen mit einem Schrittmacher sollten berücksichtigen:

  • das Aggregat muss drucktauglich sein
  • nur in geringen Tiefen tauchen
  • ein adäquater Herzfrequenz-Anstieg unter Belastung ist prinzipiell möglich

Vorhofflimmern stellt kein Problem fürs Flaschentauchen dar, wenn:

  • die Herzfrequenzkontrolle und Belastbarkeit gut sind
  • keine strukturelle Herzerkrankung vorliegt

Bei Herzklappenfehlern können Sie mit Geräten tauchen, wenn:

  • Engstellen der Aortenklappe bzw. der Mitralklappe leichtgradig sind (Öffnungsfläche >1,5 cm2)
  • Undichtigkeiten an den Klappen leichtgradig sind, z.B. an der Aortenklappe oder der Mitralklappe (Rückwurffraktion <20%)

Keine Freigabe zum Flaschentauchen bekommen Menschen mit:

Sonderfall – Flaschentauchen und offenes Foramen ovale (PFO)

Ein offenes Formale ovale als Residuum des Fetalkreislaufs liegt bei ca. 25% der Bevölkerung vor. Im eigentlichen Sinne ist ein offenes Foranen ovale somit kein Herzfehler, sondern eine Normvariante. Dieses sog. PFO (engl.: patent formalen ovale) ist eine Kurzschlussverbindung zwischen venösem und arteriellem Kreislauf, d.h. venöses Blut, und somit auch Gas kann aus der rechten Herzvorkammer in den systemarteriellen Kreislauf und damit in das Gehirn gelangen.

Bei einem PFO besteht immer mindestens eine relative Kontraindikation, d.h. von Flaschentauchen wird eher abgeraten, da das Risiko sowohl einer symptomatischen als auch asymptomatischen Gasembolie in das Gehirn erhöht ist. Letzteres kann auch langfristige Folgen für die Gehirnleistung haben.

Eine absolute Kontraindikation besteht immer, wenn ein offenes Foramen ovale vorliegt und in der Vergangenheit bei Tauchgängen Symptome einer Gasembolie bemerkt wurden. Neurologische Symptome einer arteriellen Gasembolie sind z.B. Verwirrtheit, Sprach- und Sehstörungen, Gleichgewichtsstörungen und Benommenheit bis hin zum Bewusstseinsverlust. Auch Halbseiten- und Querschnittslähmungen können die Folge sein.

Ähnlich sollte das auch gehandhabt werden, wenn bei einer Computertomografie des Gehirns ein diffuses embolisches Muster nachgewiesen wird. Wir sind auch der Überzeugung, dass der sog. spontane Rechts-Links-Shunt, d.h. der Übertritt von Blut aus der rechten in die linke Vorkammer ohne Druckerhöhung ein erhöhtes Risiko darstellt. Dieser spontane Rechts-Links-Shunt kommt bei ca. 12,5% in der Bevölkerung vor und kann direkt in der Echokardiografie (am besten transoesophageale Untersuchung von der Speiseröhre aus) werden. Indirekte Hinweise auf eine Kurzschlussverbindung können auch mittels transkranieller Dopplersonografie der Hirnarterien gewonnen werden.

Tauchtauglichkeit bei Herz- und Kreislauferkrankungen – differenzierte Diagnostik wichtig

Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen sollten sich im Hinblick auf die Tauchtauglichkeit mit Atemgeräten 1 mal im Jahr von einem spezialisierten Arzt untersuchen lassen. Hier erhalten Sie dann das Attest für die Tauchtauglichkeit, was nicht zuletzt aus versicherungstechnischen Gründen wichtig ist.

Wir halten es für ratsam, dass Sie zusätzlich eine Untersuchung bei einem spezialisierten Herz-Kreislaufmediziner durchführen. Beim Kardiologen sind apparative Möglichkeiten und die Erfahrungen auf dem Gebiet der Herz-Kreislaufmedizin häufig umfangreicher. So können wir eine Herzschwäche mit der Bestimmung der Ejektionsfraktion, ein möglicher Lungenhochdruck und Herzklappenfehler besser bewerten.

 

 

Vorhofflimmern – unterschiedliche Formen und Behandlung

Vorhofflimmern ist die häufigste behandlungsbedürftige Herzrhythmusstörung. Zirka 1 bis 2 % aller Menschen in Deutschland sind betroffen. Vorhofflimmern erhöht das Risiko für einen Schlaganfall um das 5-fache, 20 bis 25% aller Schlaganfälle sind auf diese Rhythmusstörung zurückzuführen.

Wir unterscheiden verschiedene Formen:

  • Paroxysmales Vorhofflimmern ist anfallsartig und endet spontan. Die Anfälle können Minuten bis Stunden oder Tage anhalten.
  • Persistierendes Vorhofflimmern endet nicht spontan. Der unregelmäßige Rhythmus lässt sich allerdings aktiv durch Medikamente beziehungsweise durch eine elektrische Kardioversion in den Sinusrhythmus überführen.
  • Permanentes Vorhofflimmern ist eine akzeptierte dauerhafte Rhythmusstörung, ein normaler Sinusrhythmus lässt sich nicht mehr herstellen.

Vorhofflimmern – Ziele der Behandlung

Das Hauptziel bei Vorhofflimmern ist es, einen Schlaganfall zu verhindern. Darüber hinaus gilt es, Ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten und insgesamt symptomfrei zu bleiben. Der Sinusrhythmus ist die beste Therapie.

Um Vorhofflimmern vorzubeugen, ist es wichtig, die Auslösebedingungen zu modulieren. Wir sprechen dabei vom sogenannten Up-stream-Ansatz. Hierzu zählen die Modulation des vegetativen Nervensystems und die Vermeidung von Triggern, wie zum Beispiel Alkohol, Schlafentzug und Übergewicht. Die medikamentöse Therapie trägt ebenfalls dazu bei Vorhofflimmern vorzubeugen.

Lang anhaltendes paroxysmales oder persistierendes Vorhofflimmern – mehrere Möglichkeiten der Behandlung

Eine besondere Herausforderung ist die Behandlung von seltenen Ereignissen beim persistierenden Vorhofflimmern bzw. beim lange anhaltenden paroxysmalen Vorhofflimmern, welches erst nach vielen Stunden oder Tagen wieder spontan in den Sinusrhythmus zurückspringt. Selten heißt hier: 1 bis maximal 12 Episoden pro Jahr, die ohne eine medizinische Intervention nicht innerhalb von Stunden spontan enden. Hier stehen grundsätzlich 4 Optionen zur Verfügung:

  • Medikamentöse Dauertherapie
    Die tägliche Einnahme von Rhythmusmedikamenten hat den Nachteil, dass an den meisten Tagen die Einnahme des Medikamentes umsonst ist und es zusätzlich zu mehr Nebenwirkungen kommt.
  • Medikamentöse Bedarfsmedikation
    Beim Pill-in-the-Pocket-Konzept erfolgt die Einnahme der Rhythmusmedikamente bedarfsabhängig, das heißt bei Einsetzen des Vorhofflimmerns. Dadurch werden Nebenwirkungen reduziert. In der Regel werden bedarfsabhängig nur Rhythmusmedikamente (Flecainid oder Propafenon) eingesetzt. Eine blutverdünnende Therapie, die den Schlaganfall wesentlich verhindert, ist häufig schon Teil der Dauertherapie beziehungsweise erfolgt nach Rücksprache mit dem Arzt.
  • Elektrische Kardioversion
    Lässt sich mit medikamentösen Maßnahmen ein Sinusrhythmus nicht wieder herstellen, dann ist in 90% der Fälle eine elektrische Kardioversion erfolgreich. In Kurznarkose wird mittels eines Elektroschocks mit niedriger Energie das Vorhofflimmern in den Sinusrhythmus überführt.
  • Katheterablation
    Bei symptomatischen und häufigen Episoden wird eine Katheterablation in Erwägung gezogen. Dabei handelt es sich um eine Katheter-gestützte Verödung des Vorhofflimmerns. Die Erfolgsrate ist hoch, allerdings ist es auch ein invasiver Eingriff mit einer Komplikationsrate.

Medizinische Voraussetzung für das Therapiekonzept „Pill-in-the-Pocket“

Wird ein Pill-in-the-Pocket-Konzept ärztlich indiziert, dann liegt ein symptomatisches anfallartiges Vorhofflimmern vor. Man konnte bereits nachweisen, dass die Rhythmusmedikation unter ärztlicher Kontrolle wirksam Vorhofflimmern in den Sinusrhythmus überführt.

Dieses Vorgehen ist nur sinnvoll für strukturell herzgesunde Menschen. Das Pill-in-the-Pocket-Konzept eignet sich NICHT für Menschen mit koronarer Herzkrankheit, z.B. nach einem Herzinfarkt, bei einer schweren Herzklappenerkrankung oder Herzschwäche sowie bei schweren Herzrhythmusstörungen, die ihren Ursprung in den Herzhauptkammern haben.

Vor dem Anfall Vorhofflimmern – „Pill-in-the-Pocket“ vorbereiten

Gemeinsam mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin sollten Sie einen genauen SCHRIFTLICHEN PLAN erstellen.

Folgende Fragen sind zu klären:

  • Was tue ich, wenn ich das Vorhofflimmern nicht toleriere (z.B. bei Benommenheit, Luftnot)?
  • Welches Rhythmusmedikament soll ich wann und wie einnehmen?
  • Was tun, wenn die Herzfrequenz über 100 Schlägen/min liegt?
  • Wie verhalte ich mich, wenn nach 6 Stunden kein normaler Rhythmus vorliegt?
  • Wie verhalte ich mich, wenn nach 6 Stunden kein normaler Rhythmus vorliegt und die Herzfrequenz über 100 liegt?
  • Wann nehme ich einen Blutverdünner ein?

Mit Ihrem Kardiologen klären Sie in jedem Fall auch die Kommunikationswege, also wie Sie ihn am besten erreichen, eventuell per E-Mail oder Textmessaging.

In der Regel werden von Ihnen 3 Medikamente in kleiner Packungsgröße vorgehalten:

  • Rhythmusmedikament (Flecainid zu 100 mg oder Propafenon zu 300 mg)
  • Herzfrequenzbremser ist in der Regel ein Beta-Blocker (z.B. Metoprolol 47,5 mg)
  • Blutverdünner, falls noch nicht in der Basismedikation (z.B. Eliquis 5 mg, Lixiana 60 mg etc.)

Sie sollten die Medikamente greifbar so lagern, dass Sie sie in 30 bis 60 Minuten erreichen können. Das kann die Kulturtasche, das Handschuhfach im Pkw oder auch die Büroschublade sein. Folglich ist es natürlich auch sinnvoll, die Medikamente mit auf Reisen zu nehmen.

Akuter Anfall Vorhofflimmern – Pill-in-the-Pocket durchführen

Haben Sie das Gefühl, dass Sie Vorhofflimmern haben, z.B. durch Unruhe oder Wahrnehmung eines unregelmäßigen und/oder schnellen Herzschlages? Dann müssen Sie das Vorhofflimmern bestätigen. Entweder über Tasten des Pulses oder noch besser über die Ableitung eines 1-Kanal-EKGs, zum Beispiel mit Kardia Mobile bzw. Kardia Band von AliveCor oder der Apple Watch.

Die erstmalige Einnahme von Rhythmusmedikamenten sollte unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Nur so können die Wirksamkeit eines Rhythmusmedikaments nachgewiesen und Nebenwirkungen ausgeschlossen werden. Wenn Sie das Pill-in-the-Pocket-Konzept selbstständig durchführen, dann muss das immer nach dem ärztlichen Verordnungsplan geschehen.

Sie nehmen die Medikamente im Sitzen ein, da in seltenen Fällen Kreislaufprobleme auftreten. In der Regel beträgt die Dosis der Einmalgabe 200 bis 300 mg Flecainid oder 450 bis 600 mg Propafenon. NIEMALS nehmen Sie beide Medikamente gleichzeitig oder in kurzer Folge zu sich. Falls die Herzfrequenz erhöht ist, kombinieren Sie das Rhythmusmedikament nach Absprache mit Ihrem Arzt bzw. nach Plan mit einem Betablocker.

Die Erfolgsquote des „Pill-in-the-Pocket“-Konzeptes liegt nach 1 bis 2 Stunden bei ca. 80 %.

„Pill-in-the Pocket“ – Verhalten bei Erfolg und Misserfolg

Erfolgreiche medikamentöse Kardioversion. Ist die medikamentöse Überführung von Vorhofflimmern in den Sinusrhythmus erfolgreich, dann können Sie Ihre Alltagsaktivitäten wie gewohnt fortsetzen. Bei zunehmender Häufigkeit der Episoden, z.B. mehrmals im Monat, sollten Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt kontaktieren. Nehmen Sie die Rhythmusmedikamente nicht mehrmals am Tag ohne Rücksprache ein.

Erfolglose medikamentöse Kardioversion. Bei einem fortbestehenden Vorhofflimmern dürfen Sie die Dosis nicht eigenmächtig steigern oder wiederholen. Rhythmusmedikamente können vor allen Dingen bei zu hoher Dosis schwerwiegende Nebenwirkungen verursachen. Es gilt nun die kurzfristigen Sekundärziele zu erreichen. Damit meinen wir Herzfrequenzkontrolle, Symptomarmut bzw. Symptomfreiheit sowie die Vorbeugung eines Schlaganfalls. Ab 48 Stunden nach Einsetzen des Vorhofflimmerns steigt das Schlaganfallrisiko.

Diese Sekundärziele sind:

  • Herzfrequenzkontrolle: Die Herzfrequenz sollte unter 100 Schlägen/min liegen. Ist das nicht der Fall, dann nehmen Sie den Betablocker nach Plan beziehungsweise nach Rücksprache ein.
  • Symptomarmut bzw. – freiheit sollte gegeben sein.
  • Schlaganfall vorbeugen: Sie nehmen einen Gerinnungshemmer nach Plan bzw. nach Rücksprache.

Falls Sie die Sekundärziele erreichen, dann genügt eine mittelfristige Vorstellung beim Arzt, z.B. nach dem Wochenende oder dem Urlaub. Falls Sie die Sekundärziele allerdings nicht erreichen (siehe oben), dann müssen Sie sich am selben Tag noch beim Kardiologen bzw. auf einer Notaufnahmestation vorstellen.

„Pill-in-the-Pocket“ – ein Fallbericht aus dem Alltag

In der Cardiopraxis betreuen wir regelmäßig Menschen, die mit sehr gutem Erfolg „Pill-in-the-Pocket“ bei Vorhofflimmern durchführen. Hier ein Beispiel aus unserem Arbeitsalltag.

Vorteile des „Pill-in-the-Pocket“-Konzeptes

Durch das „Pill-in-the-Pocket“-Konzept sind jahrelange stabile Verläufe möglich. Nach erfolgreicher Durchführung nehmen Ihre Sicherheit und Vertrauen zu und damit auch Ihre Unabhängigkeit. So werden z.B. Fernreisen psychologisch wieder möglich. Wenn Ihre Episoden häufiger werden, ist es ratsam das Konzept gemeinsam mit Ihrem Kardiologen zu überdenken und eine Katheterablation in Erwägung zu ziehen.

Langfristig sollten Sie immer beachten, dass kardiologische Kontrollen alle 6 bis 12 Monate erforderlich sind. Wenn sich die Situation ändert oder neue Symptome auftreten, sollten Sie sich vorzeitig vorstellen. Der Medikamentenplan muss immer überprüft werden, wenn ein zusätzliches Medikament in die Behandlung eingeführt wird.

 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Erneuten Schlaganfall verhindern

80 bis 85 Prozent aller Schlaganfälle sind sogenannte ischämische Schlaganfälle. Dabei ist eine Gehirnarterie verstopft, entweder durch ein lokales Gerinnsel oder durch eine Embolie, meistens aus dem Herzen. Im ersten Jahr liegt das Risiko bei 20 Prozent, dass erneut eine Verstopfung auftritt. Damit kein neuer Schlaganfall passiert, ist es wichtig die genaue Ursache zu kennen. Liegt zum Beispiel die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern vor oder besteht eine hochgradige Engstelle der Halsschlagader? Essenzielle erste Informationen dazu liefert auch die Bildgebung des Gehirns mit Hilfe des MRT und Computertomografs. Daher sind verschiedene Behandlungsstränge nach einem ersten Schlaganfall wichtig.

Neuen Schlaganfall vorbeugen: Blutverdünnung

  • bei Menschen ohne Vorhofflimmern: mit Acetylsalicylsäure (Aspirin) 1 x 100 mg täglich, bei Unverträglichkeit alternativ Clopidogrel 75 mg 1x täglich
  • bei nachweisbarem Vorhofflimmern: mit neuen Gerinnungshemmern, sogenannten NOAKS wie zum Beispiel Apixaban, Rivaroxaban, Dabigatran, Edoxaban

Neuen Schlaganfall vorbeugen: Operation der Halsschlagader

Ist auf der betroffenen Gehirnseite die Halsschlagader (Arteria carotis interna) hochgradig verengt, so wird diese Operation empfohlen. Dabei gibt es 2 unterschiedliche Methoden: entweder die offen gefäßchirurgische Methode, bei der die Arterie ausgeschält wird, oder die Katheter- gestützt Methode, bei der ähnlich wie an den Herzkranzgefäßen eine Gefäßstütze, ein sogenannter Stent, implantiert wird.

Schlaganfall bei offenem Foramen ovale: Katheter-gestützter Verschluss

Ein offenes Foramen ovale ist eine Kurzschlussverbindung in der Vorhofscheidewand, zwischen der rechten und der linken Herzvorkammer. 25 Prozent aller Menschen haben ein offenes Foramen ovale. Ein Schlaganfall entsteht bei ihnen durch eine sogenannte gekreuzte Embolie: Ein Gerinnsel im venösen System umgeht die Lunge und gelangt über den Kurzschluss in die linke Vorkammer und bis in das Gehirn, wo es die Arterie verstopft. Ein offenes Foramen ovale wird mit Hilfe der transösophagealen Echokardiographie, d.h. ein Ultraschall des Herzen über die Speiseröhre, festgestellt.

Ein Verschluss des Foramen ovale ist angezeigt, falls keine andere erkennbare Ursache vorliegt. Meistens sind junge Menschen betroffen.

Nach Schlaganfall: Risikofaktoren vermeiden

Darüber hinaus ist es für Schlaganfall-Patienten hilfreich, allgemeine Gefäß-Risikofaktoren einzustellen:

  • Cholesterin senken
  • Blutdruck kontrollieren
  • Diabetes mellitus einstellen
  • auf Nikotin verzichten
  • körperlich aktiv sein

Die Therapie nach einem ischämischen Schlaganfall muss individuell an den Ursachen orientiert sein. Vor allem der Nachweis beziehungsweise Ausschluss von Vorhofflimmern ist sehr wichtig aber auch schwierig.

 

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Vorhofflimmern und Schlaganfall – häufiger bei Menschen mit Übergewicht

Jeder 10. Mensch in Deutschland erleidet im Laufe seines Lebens Vorhofflimmern des Herzens. Wichtig, Vorhofflimmern ist in 20 bis 25 Prozent der Fälle die Ursache von Schlaganfällen. Wissenschaftlich belegt tritt Vorhofflimmern häufiger bei übergewichtigen Menschen mit einem Body-Maß-Index über 25 kg/m² auf. Eine Meilenstein-Studie, die Legacy Studie, konnte sehr eindrucksvoll zeigen, wie wichtig Gewichtsreduktion ist, um ein Wiederauftreten von Vorhofflimmern zu vermeiden.

Gewichtsreduktion bei Vorhofflimmern – Meilenstein – Legacy Studie

In die Analyse der Legacy Studie wurden 355 Menschen mit einem Body-Maß-Index von >27 kg/m² aufgenommen, der Mittelwert betrug 33 kg/m². Alle Teilnehmenden hatten bereits eine Episode von Vorhofflimmern gehabt und waren zum Zeitpunkt des Studienbeginns im normalen Sinusrhythmus. Ihnen wurde ein Programm zur Gewichtsreduktion angeboten und sie wurden im Studienintervall regelmäßig nachuntersucht. Der sogenannte Endpunkt der Untersuchung war die Anfallsfreiheit von Vorhofflimmern nach fünf Jahren. Hier teilte man die Probanden in drei Gruppen ein:

  • ≥ 10 Prozent Gewichtsverlust = 46 Prozent anfallsfrei nach 5 Jahren
  • 3 bis 9 Prozent  Gewichtsverlust = 22 Prozent anfallsfrei nach 5 Jahren
  • < 3 Prozent  Gewichtsverlust = 12 Prozent anfallsfrei nach 5 Jahren.

Gewichtsreduktion bei Vorhofflimmern – langfristige Anfallsfreiheit

Dass 46 Prozent derjenigen, die mindestens 10 Prozent Gewicht verloren und das Gewicht gehalten haben, keine Anfälle mehr bekamen, ist ein sehr eindrucksvolles Resultat. Wir kennen so gute Ergebnisse noch nicht einmal von den großen Studien zur Wirksamkeit von Medikamenten bei Vorhofflimmern. Kurzum, die nachhaltige Gewichtsreduktion ist effektiver als der Einsatz von Medikamenten. Umso beeindruckender sind diese Studienergebnisse, weil sie unter einer maximalen medikamentösen antiarrhythmischen Therapie standen.

Aber wie kommt dieses Ergebnis zustande?

Gewichtsreduktion –  geringerer Blutdruck und Druck im Herzen

Relevant ist hier sicherlich, dass der systolische Blutdruck im Mittel um 18 mmHg sank. Ein geringerer Blutdruck im Kreislauf ist immer auch mit einem geringeren Druck im Herzen verbunden. Das wiederum reduziert die mechanische Belastung der dünnwandigen Herzvorkammern, die ja der Ursprungsort von Vorhofflimmern sind. Als Folge davon nahm die linke Vorkammer in ihrer Größe um 18 Prozent ab – was wiederum weniger Wandspannung am Ursprungsort des Vorhofflimmerns bedeutet.

Gewichtsreduktion – weniger Entzündung und thermischer Stress

Ein besonders interessanter Befund war auch die Abnahme des sogenannten C-reaktiven Proteins um 76 Prozent. Das C-reaktive Protein ist ein allgemeiner Marker für Entzündung. Es ist bekannt, dass Fett per se Entzündung produziert. Außerdem führt es zu einer stärkeren Wärmeisolierung des Körperstammes. Weil mehr Wärme gebildet und auch konserviert wird, haben übergewichtige Menschen häufig einen Hitzestau, der auch zu messbarem Einfluß auf das Kreislaufsystem führt. Gerade für diese Menschen sind vorbeugende Massnahmen gegen Hitzestress im Sommer besonders wichtig.

Gewichtsreduktion bei Vorhofflimmern – unblutige Blutflussmessung hilft bei der Therapie

In der Cardiopraxis können wir den Einfluss von Veränderungen des Körpergewichts auf den Kreislauf über die Blutflussmessung mit dem Finapres– System genau messen. Da Menschen mit Übergewicht häufig thermischen Wärmestress haben, finden wir bei Ihnen in diesen Fällen meistens einen hohen Blutfluss. Dieses gibt Ihrem Körper die Möglichkeit mehr Wärme in der Körperperipherie abzustrahlen. Da allerdings die damit verbundene Verringerung des Gefäßwiderstandes mit einem Blutdruckabfall verbunden ist, folgt eine Adrenalin-vermittelte Aktivierung zur Aufrechterhaltung des Blutdrucks. Folglich erhöht diese Aktivierung das Risiko für Rhythmusstörungen und vor allen Dingen kann auch Vorhofflimmern ausgelöst werden. Der thermische Stress ist auch der entscheidende Grund dafür, warum sich übergewichtige Menschen häufig innerlich so unruhig fühlen.

Bei der Gewichtsreduktion gibt es einige Punkte zu beachten, vor allen Dingen dann, wenn die Verringerung von Körperstammfett, und damit der Isolationsschicht ein vermehrtes Kälteempfinden zur Folge hat. Dann nämlich gilt es durch weitere Maßnahmen den thermischen Stress durch Kälte zu vermeiden.

In der Konsequenz bedeutet das: Menschen mit anfallsartigem Vorhofflimmern und einem Body-Maß-Index von >27 kg/m² sollten ihr Gewicht konsequent und nachhaltig reduzieren! So können sie in Zukunft Vorhofflimmer-Episoden vermeiden. Weniger Körperfett bedeutet: bessere Wärmeabstrahlung, weniger thermischer und mechanischer Stress, ein ruhigerer Kreislauf und ein besseres subjektives Befinden.

 

? Pathak RK et al. J Am Coll Cardiol 2015; 65: 2159-61

 

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Vorhofflimmern früh erkennen – Schlaganfall verhindern

Ein Schlaganfall ist ein gravierendes Ereignis, häufig genug mit bleibenden Folgen für die körperliche, geistige und seelische Selbstbestimmtheit. Auch wir und er Cardiopraxis sind immer wieder sehr betroffen, wenn ein Patient mit einem Schlaganfall zu uns kommt. Folglich unternehmen wir alle Anstrengung um bei den Menschen, die wir betreuen einen Schlaganfall in der Zukunft zu verhindern.

Vorhofflimmern häufig in der Praxis unerkannt

Da gerade bei Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen, wie z.B. nach Herzinfarkt oder Bluthochdruck Vorhofflimmern eine sehr häufige Ursache für einen Schlaganfall ist, nutzen wir selbstverständlich auch die herkömmlichen Methoden zur vorbeugenden Diagnostik. Dazu gehören das bekannte Ruhe-EKG, das Langzeit-EKG, das Belastungs-EKG und zur Risikostratifizierung auch der Herzultraschall.

Weil Vorhofflimmern häufig ohne Symptome und/oder nur kurzzeitig anfallsartig auftritt, können wir anläßlich eines Besuchs in der Praxis Vorhofflimmern häufig nicht feststellen.

Ein Weg dieser diagnostischen Lücke zu begegnen ist die Selbstmessung durch die potentiell Betroffene. Methoden zur selbständigen Erfassung von Vorhofflimmern reichen dabei von der Pulstastung bis hin zur der Ableitung eines 1-Kanal-EKGs über ein Smartphone.

Pulstastung auf Regelmäßigkeit erlernbar und ein erster wichtiger Schritt

Einen Schlaganfall können Sie selbst verhindern: Tasten Sie Ihren Puls auf Regelmäßigkeit! Denn der Tastbefund gibt einen wertvollen Hinweis darauf, ob Sie zu den rund 1,7 Mio. Menschen in Deutschland mit der Diagnose Vorhofflimmern gehören. Ihr Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, ist 5x so hoch wie normal – bis zu 25% aller Fälle werden durch Vorhofflimmern verursacht!

In der Tat können Sie das  Pulstasten bei guter Schulung und mit etwas Geduld ziemlich zuverlässig selber lernen. Folglich können Sie in  92% aller Fälle Vorhofflimmern durch diese einfache Methode richtig erkennen. Im Gegensatz zum normalen, regelmäßig schlagenden Puls zeichnet sich Vorhofflimmern durch absolute Unregelmäßigkeit aus.

Von der Pulsabfolge sieht das in etwa so aus:

Normaler = regelmäßiger Puls:
__I__I__I__I__I__I__I__I__I__I__I__I

Einzelne elektrische Extrasystolen = regelmäßiger Grundrhythmus + mechanische Pausen:
__I__I__I_____I__I__I__I__I__I__I__I

Vorhofflimmern = absolute Unregelmäßigkeit („Morse-Code“):
__I_I____I__I_____I_I_I___I__I____I

Im letzten Fall sollten Sie noch am selben Tag ein EKG beim Arzt schreiben lassen! Das Risiko für einen Schlaganfall steigt 48 Stunden nach Einsetzen von Vorhofflimmern bedeutsam an.

Folglich empfehlen Risikopatienten für Vorhofflimmern grundsätzlich 2x pro den Puls auf Regelmäßigkeit zu tasten.

Eine weitere wichtige Anwendungsmöglichkeit der Pulstastung ist das „Pill-in-the-Pocket“ – Konzept zur selbstständigen Überführung von Vorhofflimmern in den normalen Sinusrhythmus.

 

? Taggar JS et al. Eur J Prev Cardiol 2016;23:1330-38

 

…..weiter im Selbsthilfekurs.

 

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Risiko für Vorhofflimmern – Schlaganfall aktiv verhindern

Vorhofflimmern ist die Ursache für 20 bis 25% aller Schlaganfälle. Fast jeden 10. Menschen kann es im Laufe des Lebens treffen. Herkömmlichen Methoden zur Erfassung von Vorhofflimmern, wie Ruhe-EKG und Langzeit-EKG können anfallsartiges Vorhofflimmern häufig nicht erfassen. Weiterhin erschwert wird die Diagnose dadurch, dass eine große Zahl Menschen von Vorhofflimmern dieses subjektiv gar nicht merken. Nicht selten wird Vorhofflimmern erst erkannt, wenn ein Schlaganfall aufgetreten ist.

Sie sollten Ihr individuelles Risiko kennen

Ihr persönliches Risiko sollten Sie, falls vorhanden mit einem Kardiologen oder einer Kardiologie besprechen. Dabei ist es wichtig über die Symptome von Vorhofflimmern gemeinsam zu sprechen. Die Untersuchungsintervalle sollten für die Zukunft festgelegt werden.

Puls auf Regelmäßigkeit tasten

Einen wertvollen Hinweis kann der Puls geben: Ist er absolut unregelmäßig wie bei einem Morse-Code, deutet das auf Vorhofflimmern hin. Die Pulsabfolge kann dann zum Beispiel so aussehen:

__I_I____I__I_____I_I_I___I__I____I

Risikopatienten sollten daher ihren Puls 2x pro Woche tasten.

Alternative Möglichkeiten: die Arrhythmie-Anzeige bei Blutdruck-Selbstmessung oder die 1-Kanal EKG zur Selbstmessung.

Verdacht auf Vorhofflimmern – schnell handeln

Sollten Sie den Verdacht auf Vorhofflimmern haben, dann gehen Sie am besten noch am selben Tag zu einer Ärztin oder einem Arzt, es kann auch der Hausarzt sein.  Hier sollte dann ein EKG geschrieben werden.

Bei der Diagnose von Rhythmusstörungen ist es im Allgemeinen immer sinnvoll eine EKG-Aufzeichnung der Rhythmusstörung zu haben, den kaum ein Kardiologe wird eine gerinnungshemmende Therapie einleiten, ohne dass das Vorhofflimmern schriftlich dokumentiert ist.

……weiter im Selbsthilfekurs.

 

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Vorhofflimmern ist häufig schwer zu erfassen

Vorhofflimmern und andere Rhythmusstörungen treten häufig nur vorübergehend auf. Daher können Kardiologen Vorhofflimmern mit einem Ruhe-EKG oder einem Langzeit-EKG häufig nur schwer erfassen. Das Problem ist, dass auch kurzzeitiges Vorhofflimmern ein erhöhtes Schlaganfallrisiko bedeutet.

Gerade bei Vorhofflimmern entsteht hier eine diagnostische Lücke, die zur Folge hat, dass gezielte Therapiemaßnahmen nicht eingeleitet werden können. Ohne EKG-Dokumentation wird kaum ein Arzt z.B. eine gerinnungshemmende Therapie zur Vorbeugung eines Schlaganfalls einleiten, weil diese ja auch mit einem erhöhten Blutungsrisiko verbunden ist.

1-Kanal EKG selber zu Hause und unterwegs messen

Sollten Sie ein Risikopatient für Vorhofflimmern sein oder Symptome wie z.B. Herzstolpern, Herzrasen verspüren, dann ist die App „Kardia“ von AliveCor eine gute Lösung. Die App funktioniert sowohl auf dem iPhone als auch mit Android-Systemen. Zusätzlich benötigen Sie eine kleine Platte, die Sie im Internet einfach erwerben. So können Sie selber ein hochwertiges 1-Kanal-EKG aufzeichnen.

Starten Sie einfach die die App auf Ihrem Smartphone. Danach drücken Sie auf „Aufzeichnen“ und legen die Daumen jeweils für mindestens 30 Sekunden auf die beiden Kontaktflächen. Sie können die Aufzeichnung auf dem Bildschirm direkt mitverfolgen. Ihr Ergebnis wird dann automatisch gespeichert.  In der Zukunft können Sie es dann immer wieder abrufen.

Wissenschaftlich gesicherter Analyse-Modus

Die App verfügt über einen wissenschaftlich geprüften Analyse-Modus mit einer hohen Sensitivität und Spezifität von 97% bzw. 98%. Sie erhalten 1 von 3 Diagnosen: „normal“, „unklassifiziert“ und „mögliches Vorhofflimmern“. Über die App können Sie dann eine PDF-Date erstellen und diese dann per E-Mail oder Textmessaging an die Ärztin oder den Arzt weiterleiten. Ihre Ergebnisse werden, etwa im Hinblick auf Vorhofflimmern, analysiert. Dann können Sie Ihr EKG per PDF-Datei an die Ärztin bzw. den Arzt versenden.

Vorhofflimmern – konsequent handeln

Sollten Sie ein Ergebnis „unklassifiziert“ oder „mögliches Vorhofflimmern“ erhalten, dann sollten Sie zeitnah mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt Kontakt aufnehmen, denn es könnte sich um Vorhofflimmern handeln. Innerhalb von 48 Stunden nach Beginn dieser Rhythmusstörung steigt das Schlaganfallrisiko.

Am besten besprechen Sie das Vorgehen vor dem ersten Einsatz mit Ihrer Kardiologin oder Ihrem Kardiologen, damit alles gut funktioniert.

Gute Erfahrungen in der Cardiopraxis

Wir setzen das AliveCor-System seit 2016 regelmäßig im Praxisalltag ein. Dabei verleihen die Geräte in der Regel für 2 Wochen. So können wir fast immer einen gesicherten Zusammenhang zwischen Ihren subjektiven Symptomen und objektiven EKG-Veränderungen herstellen. Sehr häufig können wir so gesundheitsrelevante Rhythmusstörungen sichern und adäquate Therapiemaßnahmen einleiten. Nicht selten ist es aber auch so, dass bei Symptomen gar keine Rhythmusstörungen vorliegen. Sie können dann beruhigt sein und unnötige Therapien können vermieden werden.

Eine weitere wichtige Anwendungsmöglichkeit ist das „Pill-in-the-Pocket“ – Konzept zur selbstständigen Überführung von Vorhofflimmern in den normalen Sinusrhythmus.

Wir als professionelle Kardiologinnen und Kardiologen sehen die Entwicklung hin zur EKG-Selbstmessung als sehr positiv. 1-Kanal-EKGs sind ein weiterer Schritt zu mehr Patientensicherheit und vor allen Dingen zur Vorbeugung eines Schlaganfalls.

Für wen ist eine Anschaffung sinnvoll?

Sie sollten sich die Anschaffung vor allen Dingen überlegen, wenn Sie ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern haben. Sind Sie über 60 Jahre als oder haben Sie ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern, dann macht es aus unserer Sicht auf jeden Fall Sinn. Sie können es so sehen, ähnlich wie ein Mensch mit Bluthochdruck regelmäßig den Blutdruck mit einer Blutdruckmanschette misst so sollte ein Mensch mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern regelmäßig, z.B. 2x pro Woche ein 1-Kanal-EKG ableiten.

Sollten Sie Rhythmusstörungen subjektiv empfinden, aber bei Ihnen ist noch nie ein Ereignis in einem EKG erfasst worden, dann können profitieren.

Die App können Sie kostenlos herunterladen. Sie erwerben die Kontaktplatte für unter 150 Euro im Internet. Die Krankenkassen erstatten zum Teil die Kosten.

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Herzrhythmusstörungen – häufig in EKG und Langzeit-EKG nicht erfasst

Der normale Herzrhythmus ist regelmäßig und die Herzfrequenz liegt zwischen 50 und 100 Schlägen pro Minute. Wird die geordnete elektrische Aktivität von elektrischen Extraaktionen unterbrochen, dann können Sie das durch einen unregelmäßigen Puls merken. Ihr Herz stolpert dann, macht Pausen, ist dabei mehr oder weniger unregelmäßig in Aktion. Meistens sind diese Ereignisse nur kurzzeitige und seltene Unterbrechungen des normalen Herzrhythmus. Folglich werden Sie von einem Ruhe-EKG oder einem 24-Stunden Langzeit-EKG nicht erfasst.

Vorhofflimmern – häufig erst mit dem Schlaganfall erkannt

Vorhofflimmern erhöht das Risiko für einen Schlaganfall auf das 5-fache. 20-25% aller Schlaganfälle werden durch diese Herzrhythmusstörung verursacht. Problematisch ist, dass auch kurzzeitiges Vorhofflimmern das Risiko schon erhöht und viele Menschen Vorhofflimmern gar nicht merken. Folglich wird Vorhofflimmern zu spät erkannt, dann wenn der Schlaganfall im vollen Gange ist.

KardiaBand von AliveCor – medizinisch verwendbares 1-Kanal EKG

Eine praktische Lösung, die vor allen Dingen die Diagnose von Vorhofflimmern erleichtert, ist das KardiaBand von AliveCor. Im Gegensatz zu KardiaMobile, welches mit einer Kontaktplatte und dem Smartphone funktioniert, benötigen Sie bei KardiaBand neben dem Armband mit dem Kontaktpunkt und dem Smartphone noch zusätzlich eine Apple Watch.

Die Funktionsweise der KardiaApp ist für KardiaMobile und KardiaBand gleich. Die Sicherheit zur Erkennung von Vorhofflimmern in der aktiven Messung liegt bei über 95%. 1-Kanal EKGs können bequem via E-Mail oder Textmessaging an Ihre Kardiologen weitergeleitet werden. Die 1-Kanal EKG Selbstmessung ist ein besonders sinnvoller Baustein beim „Pill-in-the-Pocket“Konzept zur selbstständigen Überführung von Vorhofflimmern in den normalen Sinusrhythmus.

 

Der Vorteil des KardiaBands ist, dass Sie es am Arm tragen können. Der Vorteil von KardiaMobile ist, dass Sie es auch mit anderen Betriebssystemen für Smartphones, z.B. Android benutzen können. KardiaMobile und KardiaBand sind im Anschaffungspreis ungefähr gleich und liegen unter 150 Euro.

Mit der Einführung der 1-Kanal EKG Funktion bei der Apple-Watch 4 ist der Markt für KardiaMobile deutlich reduziert worden. Wenn Sie allerdings Modell der Apple Watch 3 oder darunter nutzen wollen, dann ist das KardiaBand die richtige Anschaffung, denn es funktioniert auch mit älteren Versionen der Apple Watch.

Kardia von AliveCor – weitere Entwicklungen zu erwarten

Es wäre falsch anzunehmen, dass mit der Einführung der Apple Watch 4 dieses Unternehmen vom Markt verschwinden wird. AliveCor ist ein ernstzunehmendes Unternehmen mit einer großen Forschungsabteilung. Zurzeit werden bei AliveCor z.B. EKG-Diagnose Algorithmen zum Nachweis von zu niedrigen bzw. zu hohen Kaliumspiegeln gearbeitet, beides Risikofaktoren für potentiell tödlich Rhythmusstörungen. Des weiteren steht ein mobiles und Smartphone-taugliches 12 Kanal EKG kurz vor der Markteinführung.

 

 

 

 

 

 

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Vorhofflimmern – 1-Kanal EKG mit der Apple Watch ein Schritt zur Verhütung eines Schlaganfalls

Mehr als 10 % aller Menschen haben im Laufe ihres Lebens Vorhofflimmern des Herzens. Vorhofflimmern wiederum verursacht 20-25 % aller Schlaganfälle. Dementsprechend ist Vorhofflimmern nicht nur eine häufige Rhythmusstörung, sondern auch eine Diagnose mit hoher gesundheitlicher Relevanz.

Kurzzeitiges Vorhofflimmern – diagnostische Lücke

Vorhofflimmern tritt häufig nur kurzzeitig  auf, manchmal nur für ein Sekunden, ein paar Minuten oder auch Stunden. Obwohl nur kurzzeitig, ist auch durch diese anfallsartigen Episoden das Risiko für einen Schlaganfall erhöht. Demzufolge entsteht so eine diagnostische Lücke, weil auch wiederholt abgeleitete Langzeit-EKGs häufig unauffällig sind.

Anders formuliert stellt sich das so dar: Sie machen eine Wanderung durch einen großen Wald machen und halten nach Rehen Ausschau. Wenn Sie aus dem Wald heraus kommen, und Sie haben keine Rehe gesehen, dann können Sie auch nicht mit letzter Sicherheit ausschließen, dass in dem Wald keine Rehe sind.

Vorhofflimmern ohne EKG – therapeutisches Dilemma

Zum anderen steht der Kardiologe vor einem therapeutischen Dilemma. Kardiologen können aufgrund der Kombination aus Risikofaktoren für Vorhofflimmern in Verbindung mit dem geschilderte Pulsmuster eine Verdachtsdiagnose auf Vorhofflimmern mit einer hohen Trefferquote stellen. Allerdings kann der Kardiologe nicht mit der gerinnungshemmenden Therapie beginnen, weil diese mit einem, wenn auch leicht erhöhten Blutungsrisiko verbunden ist. Der Arzt möchte ja den potentiell Betroffenen nicht einem unnötigen Blutungsrisiko aussetzen.

Kurzum, ohne EKG-Dokumentation keine sichere Diagnose Vorhofflimmern und so auch keine gerinnungshemmende Therapie.

Diagnostische Lücke schließen – 1-Kanal EKG zur Selbstmessung

Die neue Apple Watch 4 kann nicht nur Ihren Puls messen, sondern auch ein medizinisch hochwertiges 1-Kanal EKG erstellen. Wir unterscheiden eine passive von einer aktiven Messung.

Aktive und passive Messung unterscheiden

Bei der passiven Messung erfasst die Apple Watch die Abweichung der Herzfrequenz von der üblichen Ruhefrequenz. Sie erhalten so Hinweise auf mögliches Vorhofflimmern. Allerdings ist das keine Diagnose, denn die passive Messung ist relativ störanfällig (z.B. zu lockerer Sitz der Uhr) und gibt in etwa 60 % der Fälle „falschen Alarm“.

Sicherer ist die aktive Messung, bei der ein 1-Kanal-EKG direkt abgeleitet wird. Zusätzlich erhalten Sie nach einer solchen Messung die Diagnosen „Sinusrhythmus“, „Vorhofflimmern“ oder „Unklassifiziert“. Die Trefferquote für eine richtige Diagnose liegt bei dieser Messung zwischen 97-99%! Das aufgezeichnete EKG können Sie bequem über das Smartphone per E-Mail und Textmessagingsysteme übertragen.

Enge Abstimmung mit Kardiologen erforderlich

Wenn Sie eine eine Apple Watch 4 zur EKG-Messung nutzt, dann sollte sich vorher mit seiner Ärztin bzw. seinem Arzt abstimmen. Risikopatienten für Vorhofflimmern können von dem Smartwatch-EKG besonders profitieren. Sie sollten 2x pro Woche auch ohne Symptome ein EKG ableiten. Bei der Diagnose „Vorhofflimmern“ oder „Unklassifiziert“ sollten sie innerhalb der nächsten 48 Stunden Kontakt aufnehmen mit ihrem Arzt bzw. ihrer Ärztin, um frühzeitig eine blutverdünnende Therapie einzuleiten

Alternative Systeme

Eine Alternative zur Apple Watch 4 sind die beiden Systeme von AliveCor:

Positive Erfahrungen durch professionelle Kardiologen

Wir machen in der Cardiopraxis seit 2016 sehr gute Erfahrungen mit den AliveCor Systemen. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit erwarten wir ähnliche Ergebnisse mit der Apple Watch 4. Gerade bei Risikopatienten für Vorhofflimmern erhoffen wir uns eine frühzeitigere Diagnose – und damit auch weniger Schlaganfälle. Eine weitere wichtige Anwendungsmöglichkeit ist das „Pill-in-the-Pocket“ – Konzept zur selbstständigen Überführung von Vorhofflimmern in den normalen Sinusrhythmus.

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Apple Watch und AliveCor – 1-Kanal EKG zur Vorbeugung eines Schlaganfalls

Mit der Apple Watch von Apple und Kardia Band bzw. Kardia Mobile von AliveCor gibt es Smartphone-basierte Systeme um 1-Kanal-EKG abzuleiten. So können Sie als medizinischer Laien erlauben zu jeder Tages- und Nachtzeit, sei es zu Hause, bei der Arbeit oder beim Sport ein medizinisch hochwertiges EKG schreiben und auf Ihrem Smartphone speichern.

Medizinisch so bedeutend sind die Systeme, weil sie Herzrhythmusstörungen erkennen können und hier vor allen Dingen Vorhofflimmern. Daneben können auch Symptome wie Herzstolpern, Herzrasen und Benommenheit im Hinblick auf mögliche andere Rhythmusstörungen objektiviert werden. Ein Herzinfarkt lässt sich mit einem 1-Kanal EKG allerdings nicht erkennen.

Vorhofflimmern – häufig zu spät erkannt

In Deutschland treten pro Jahr 270.000 Schlaganfälle auf. Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für eine dauerhafte Behinderung und die dritthäufigste Todesursache. Ausgangspunkt für einen Schlaganfall ist in 20-25% der Fälle ein Vorhofflimmern des Herzens. Hat ein Mensch Vorhofflimmern, dann ist das Schlaganfallrisiko um das 5-fache erhöht.

Mindestens 1,8 Millionen Menschen in Deutschland haben Vorhofflimmern. Problematisch ist, dass Vorhofflimmern selbst in über 50% der Fälle keine Symptome verursacht, so dass es häufig nur zufällig entdeckt wird. Immer wieder wird Vorhofflimmern erstmalig beim Auftreten eines Schlaganfalls und damit viel zu spät diagnostiziert. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass Vorhofflimmern häufig nur anfallsartig, d.h. vorübergehend auftritt (und trotzdem das Schlaganfallrisiko steigert), so dass der Befund in der Routinediagnostik wie Ruhe-EKG und Langzeit-EKG nicht erfasst wird. 1-Kanal-EKGs abgeleitet über die Apple Watch oder über die AliveCor Systeme sind hier eine wertvolle medizinische Hilfe, insbesondere für Risikopatienten.

Verschiedene Anbieter für 1-Kanal-EKGs

Sowohl mit dem KardiaBand von AliveCor als auch beim eigenen System der Apple Watch (ab Apple Watch 4) kann man ein EKG über die Apple Watch ableiten. Für die Nutzung des AliveCor Systems benötigen Sie ein spezielles Armband mit einem zusätzlichen Kontaktpunkt, das KardiaBand. Dieser zweite Kontaktpunkt ist bei der Apple Watch 4 fest in die Uhrkrone integriert.

Als alternative Lösung kann man unabhängig von einer Apple Watch auch die Kardia Mobile Kontaktplatte nutzen. Während beide Lösungen über die Apple Watch auch prinzipiell ohne Smartphone funktionieren, benötigen Sie für das Kardia Mobile immer das Smartphone. Vorteil der Lösung mit Kardia Mobile: Es ist wesentlich kostengünstiger als die beiden anderen Lösungen und lässt sich auch mit anderen mobilen Betriebssystemen wie Android nutzten.

Passive und aktive Messung unterscheiden

Man unterscheidet bei beiden Lösungen, die in Verbindung mit der Apple Watch funktionieren, eine passive und eine aktive Messung. Bei der passiven Messung überwacht die Uhr die Herzfrequenz in Verbindung mit der Bewegung und zeigt an, wenn die Herzfrequenz in Ruhe von der sonst üblichen Herzfrequenz abweicht, z.B. 120 anstatt üblicherweise 72 bpm. Das kann ein indirekter Hinweis auf Vorhofflimmern sein. Die aktive Messung ist dagegen die direkte Registrierung eines EKGs: Dabei wird die EKG-Funktion aktiviert und über 2 Körperkontaktpunkte in der Regel über 30 Sekunden ein EKG abgeleitet. Dieses EKG wird gespeichert und die betroffene Person kann es jederzeit bequem über die App an einen Arzt bzw. eine Ärztin weiterleiten.

Während die passive Messung durchaus häufiger fehlerhaft ist, z.B. durch einen lockeren Sitz der Uhr, ist die aktive EKG-Messung sehr genau und kann im Fall von Vorhofflimmern Grundlage einer Therapieentscheidung sein. Sowohl das System von Apple als auch die Systeme von AliveCor verfügen über eine Diagnosefunktion mit den Diagnosen “normal”, “unklassifiziert” und “mögliches Vorhofflimmern”. Die Treffersicherheit zum Nachweis von Vorhofflimmern bzw. eines normalen Herzrhythmus´ liegt bei beiden Systemen zwischen 97-99%. Das Risiko für einen Schlaganfall steigt innerhalb von 48h nach Beginn deutlich an. Daher sollten Sie im Fall der Diagnose “unklassifiziert” oder “mögliches Vorhofflimmern” den Befund zeitnah einem Arzt zeigen.

Bereits gute Erfahrungen in der Cardiopraxis mit AliveCor

In der Cardiopraxis machen wir mit den AliveCor Systemen seit mehreren Jahren sehr gute Erfahrungen. Ähnliche Ergebnisse erwarten wir bei der Apple Watch 4  (hier geht´s zu einem aktuellen WDR-Bericht über die Apple Watch 4 in der „Aktuellen Stunde“). Wir verfügen über mehrere Kardia Mobile Kontaktplatten, die wir mehrmals im Monat an symptomatische Patienten verleihen.

Das Vorgehen ist insbesondere dann wertvoll, wenn wir aufgrund einer Risikokonstellation und bei immer wieder auftretendem eher typischem Herzstolpern für Vorhofflimmern im Ruhe-EKG und Langzeit-EKG keine relevanten Rhythmusstörungen finden.

Eine weitere wichtige Anwendungsmöglichkeit ist das „Pill-in-the-Pocket“ – Konzept zur selbstständigen Überführung von Vorhofflimmern in den normalen Sinusrhythmus.

Ein Beispiel aus dem Alltag

Um es an einem Beispiel zu erklären: Es kann etwa vorkommen, dass ein Mann an einem Freitagabend nach dem Sport und zwei Gläsern Bier erstmals mittels Kardia Mobile und Smartphone Vorhofflimmern dokumentiert. Er schickt dann das EKG per E-Mail oder per Textmessenger an eine unserer Ärztinnen oder Ärzte in der Cardiopraxis. Das sieht so aus:

Meistens lässt sich dann alles Weitere gut regeln, ohne dass der Patient (oder die Patientin) eine Notaufnahmestation aufsuchen muss. Häufig hat die betroffene Person schon vorab ein Rezept für einen Blutverdünner erhalten, was sie dann in der Notapotheke “scharf stellen” kann. Oder wir schicken eins per Handy-Foto zu, was in der Regel vom Apotheker akzeptiert wird (vorausgesetzt das Originalrezept wird nachgeliefert). So lässt sich ein gefährlicher Schlaganfall verhindern, ohne stundenlang in der Notaufnahme sitzen zu müssen – und man kann am nächsten Tag wieder zum Sport gehen.

Natürlich kann man auch zur Überwachung den Puls tasten, z.B. 2x in der Woche über jeweils 1 Minute. Allerdings ist die Diagnose aufgrund der mündlichen Aussagen bei weitem so nicht sicher. Folglich würden die allermeisten Ärzte und Ärztinnen nie eine Entscheidung für eine gerinnungshemmende Therapie treffen, wenn kein schriftlich dokumentiertes EKG vorliegt. Der Grund ist, dass eine gerinnungshemmende Therapie zur Verhinderung eines Schlaganfalls ja auch mit einem erhöhten Blutungsrisiko verbunden ist, was als eine erhebliche Nebenwirkung einzustufen ist.

Auch für Risikopatienten ohne bisherige Symptome geeignet

Wir in der Cardiopraxis empfehlen Systeme zur Ableitung eines 1-Kanal EKGs auch solchen Menschen, die ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern haben und bisher noch keine Symptome oder kein gesichertes Vorhofflimmern hatten. Vor allen Dingen dann, wenn eine Kombination mehrerer Risikofaktoren vorliegt:

  • Alter >65 Jahre
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • vergrößerte Herzvorkammer im Herzultraschall
  • Herzschwäche
  • relevante Herzklappenerkrankung
  • Durchblutungsstörung des Herzens (Koronare Herzkrankheit, nach Herzinfarkt)
  • Zustand nach Herzoperation
  • in bestimmten Fällen bei Medikamenten (z.B. Schilddrüsenhormone, Asthma-Sprays)

Da wir nicht wissen, ob solche Menschen ein asymptomatisches Vorhofflimmern entwickeln werden, raten wir dazu, unabhängig von Symptomen 1-2x pro Woche jeweils über 1 Minute ein EKG abzuleiten. Man kann das mit der Blutdruckmessung vergleichen: Man misst regelmäßig, um im richtigen Moment das Richtige tun zu können. Wichtig an dieser Stelle ist, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen dem betroffenen Menschen und der Ärztin bzw. dem Arzt vereinbart ist. Tauchen bei der EKG-Dokumentation Unsicherheiten auf, dann muss in jedem Fall ein fachlich geschulter Arzt konsultiert werden.

1-Kanal-EKGs mit dem Smartphone – ein wichtiger Schritt in Zukunft

Heutzutage haben wir gerade bei Vorhofflimmern sehr differenzierte effektive und sichere Behandlungsmöglichkeiten, die uns helfen einen Schlaganfall zu verhindern. Sie müssen allerdings auch zum richtigen Zeitpunkt ärztliche Hilfe suchen. Grundsätzlich besteht in der Medizin eine zunehmende Tendenz, differenzierte technische Diagnostik möglichst nah zu den potentiell betroffenen Menschen zu bringen. Seien es jetzt die Apple Watch 4 oder die Systeme von AliveCor – es handelt sich um valide Diagnosesysteme. Folglich schließen wir eine wichtige diagnostisch Lücke und die Schnittstelle zwischen Ihnen und z.B. ihrer Kardiologin wird weiter verbessert.

Die Verlagerung von hochwertiger medizinisch-technischer Diagnostik in den Alltag von Risikogruppen wird in zunehmen. Daher rechnen wir damit, dass in den nächsten 5-10 Jahren durch diese Systeme die Schlaganfallrate deutlich reduzieren lässt.

 

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