Herzrhythmusstörungen – EKG-Aufzeichnung enorm wichtig

Herzrhythmusstörungen können episodenhaft auftreten, wir nennen dies dann paroxysmal. Oder sie treten stetig über einen längeren Zeitraum auf. In diesem Fall sprechen wir dann von permanenten Herzrhythmusstörungen. Wichtig für die Diagnostik und weitere Therapie ist, dass bei paroxysmalen Herzrhythmusstörungen diese im EKG aufgezeichnet und dokumentiert werden.

Da Herzrhythmusstörungen beispielsweise nur einmal die Woche oder nur einmal im Monat auftreten können, reicht hier ein Ruhe-EKG mit einem Aufzeichnungszeitraum von 30 Sekunden nicht aus. Indes zeichnet ein Langzeit-EKG den Herzrhythmus über 24 Stunden auf, dies kann verlängert werden auf 7 Tage mit einer Aufzeichnungsdauer von insgesamt 168 Stunden. Auch die auf Smartphone basierten 1-Kanal– oder 6-Kanal-EKGs, die die Patienten selbst anfertigen, haben einen Aufzeichnungszeitraum von 30 Sekunden. Allerdings ist zu beachten, dass Herzrhythmusstörungen auch in asymptomatischer Form auftreten können, sodass bei gezielten Fragestellungen für die Diagnostik eine langfristige EKG-Aufzeichnung nötig ist.

Durchgehende EKG-Dokumentation mit dem implantierbaren Loop-Recorder

Der implantierbare Loop-Recorder ist ein sehr kleines Gerät, welches neben dem Brustbein subkutan implantiert werden kann.  Dabei sind die neuesten Geräte kleiner als ein USB-Stick mit einem Gewicht von ca. 2,5g. Zudem sind die Geräte seit einigen Jahren zunehmend kleiner geworden, sodass sie schon unter lokaler Betäubung mit einer größeren Spitze injiziert werden können. Die Batterieleistung reicht sogar aus, um ein EKG über einen Zeitraum von etwa 3 Jahren zu erstellen.

Implantierbarer Loop-Recorder: EKG-Aufzeichnung und Auswertung

Der implantierbare Loop-Recorder speichert relevante EKG-Episoden ab. Dafür hat man zuvor die Grenzwerte definiert, die typischerweise folgende sind:

  • Herzstillstand > 4 Sekunden
  • Herzfrequenz < 40/min
  • Herzfrequenz > 170/min (bei jüngeren Menschen auch höher)
  • Episoden von Vorhofflimmern

Folglich werden diese Episoden im Loop-Recorder gespeichert. Danach können vom Arzt über einen auflegbaren Magneten diese Episoden ausgelesen und beurteilt werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass der Patient selbst ein Gerät von außen auf den Loop-Recorder auflegen und somit die letzten Minuten des EKGs speichern kann. Folglich hat der Arzt damit eine klare Kopplung zwischen dem EKG-Befund und den klinischen Beschwerden des Patienten.

Darüberhinaus erfolgt die Abfrage des implantierbaren Recorders alle 3 bis 6 Monate in der Arztpraxis bzw. unmittelbar nach dem Auftreten eines klinischen Ereignisses. Des Weiteren kann man ein sogenanntes Home Monitoring durchführen: dass heisst relevante Episoden werden beispielsweise an das Implantationszentrum selbst digital übermittelt.

Implantierbarer Loop-Recorder: Wann ist er sinnvoll?

Derzeit bestehen zwei eindeutige Indikationen für einen implantierbaren Loop-Recorder. Zum einen sind dies kurze wiederholte Ohnmachtsanfälle, bei denen in der konventionellen Diagnostik kein richtungsweisender Befund für die Ursache zu erheben war. Besonders bei älteren Menschen gibt es jedoch bei unklaren Ohnmachtsanfällen häufig kurzfristige Störungen der Herzelektrik mit einem erniedrigten Puls. Anhand der Diagnostik niedriger Puls oder kurzfristiger Herzstillstand gekoppelt mit einer Ohnmacht ist die therapeutische Konsequenz eine Herzschrittmacherimplantation. Im Vergleich seltener treten bösartige Herzrhythmusstörungen aus der Hauptkammer auf. Dann besteht sogar die Indikation für einen implantierbaren Defibrillator.

Weiterhin gibt es es eine zweite wichtige Indikation für den implantierbaren Loop-Recorder, und zwar der kryptogene Schlaganfall. Dabei handelt es sich um Schlaganfälle ohne eine erkennbare Ursache. Eine Ursache hierfür kann ein nicht bemerktes paroxysmales Vorhofflimmern sein. Immerhin 20 bis 25% aller Schlaganfälle sind kryptogene Schlaganfälle. Kann der Loop-Recorder das paroxysmale Vorhofflimmern nachweisen, wird in der Folge eine Blutverdünnung notwendig. Dadurch gibt es effektiveren Schutz vor einem Zweitereignis.

Implantierbarer Loop-Recorder: Zusammenfassung

Der implantierbare Loop-Recorder ist das für uns intensivste, zur Verfügung stehende EKG-Monitoring. Dabei haben die Ergebnisse auch therapeutische Konsequenzen, insbesondere bei unklaren wiederholt auftretenden Ohnmachtsanfällen sowie bei Schlaganfällen unklarer Ursache.

 

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 

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