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1-Kanal-EKG mit Smartphone

Verschiedene Hersteller bieten mittlerweile 1-Kanal-EKG-Systeme an. Diese erlauben es Ihnen, auch zu Hause über das Smartphone eine elektrische Herzstromkurve abzuleiten. Die Systeme, egal ob von AliveCor, Apple oder Samsung, sind medizinisch wertvoll und sehr gut geeignet zur Dokumentation von Herzrhythmusstörungen. Zum Beispiel ist ihre Diagnose von Vorhofflimmern zu über 95% sicher.

Allerdings leitet das 1-Kanal-EKG nur eine von 12 Standardableitungen ab. Die Ableitung I bildet lediglich einen Teil der Seitenwandregion der linken Hauptkammer ab. Jedoch ist das Herz ein dreidimensionales Organ und wir unterscheiden neben der Seitenwand noch eine Vorderwand und eine Hinterwand.

Normales Ruhe-EKG beim Arzt

Das Standard-EKG hat 12 Ableitungen. Hierfür benötigen wir Elektroden an Armen, Beinen und Körperstamm. Mit diesen 12 Ableitungen können wir alle Regionen des Herzens, also Vorderwand, Seitenwand und Hinterwand, elektrisch genau abbilden. Neben einer Herzrhythmusdiagnostik erlaubt uns ein vollständiges EKG auch eine gute Herzinfarktdiagnostik.

AliveCor KardiaMobile 6L – EKG-Ableitungen

Bereits vor über 5 Jahren hat AliveCor mit EKG KardiaMobile das erste Smartphone-basierte 1-Kanal-EKG auf den Markt gebracht. Nun hat die Firma das KardiaMobile 6L herausgebracht. Dieses verfügt über die sogenannten 6 Extremitätenableitungen: I, II, III, aVR, aVL und aVF.

  • Hinterwand des Herzens = II, III, aVF
  • Seitenwand des Herzens = I, aVL
  • Vorderwand des Herzens = keine Ableitung

Gerade die Vorderwand ist über einen Verschluss des Ramus interventricularis anterior häufig der Schauplatz eines Herzinfarktes. Aber diese Region wird mit dem 6-Kanal EKG nicht richtig erfasst. Zur genauen Abbildung der Vorderwand benötigen wir die bekannten Brustwandableitungen, die mit dem AliveCor KardiaMobile 6L nicht möglich sind.

Ein Vorteil des Kardia Mobile 6L ist eine bessere Abbildung der P-Welle, das ist die elektrische Vorhofaktion. Folglich können wir als Fachleute den Sinusrhythmus vom Vorhofflimmern noch besser unterscheiden. Des Weiteren können elektrische Extraaktionen, sogenannte Extrasystolen aus der Hauptkammer, im Hinblick auf ihren Ursprungsort besser abgegrenzt werden.

AliveCor KardiaMobile 6L – wie wird abgeleitet?

Man legt die Unterseite der Kontaktplatte auf den Unterschenkel des LINKEN Schienbeins. Dann berühren die rechte und die linke Hand jeweils die Oberseite der Kontaktplatte rechts und links. 30 Sekunden beträgt die Aufzeichnungsdauer und das EKG wird direkt an das Handy übertragen.

AliveCor KardiaMobile 6L – keine Herzinfarktdiagnostik

Auch das AliveCor KardiaMobile 6L ist nicht für die Herzinfarktdiagnostik geeignet, weil es die Vorderwand als häufigste Infarktregion nicht abbildet. Das 6-Kanal-EKG ist etwas störanfällig, da es nicht selten zu Verwackelungsartefakten kommt. Allerdings ist auch mit dem AliveCor KardiaMobile 6L eine stabile 1-Kanal-Ableitung möglich. So wie bei der Apple Watch und z. B. auch beim Kardia Mobile.

AliveCor KardiaMobile 6L am besten für Bewertung durch Kardiologen geeignet

Das AliveCor KardiaMobile 6L ist ein gutes Gerät und erlaubt Ärztinnen und Ärzten eine bessere Bewertung des EKGs. Für den Laien hat es aus unserer Sicht allerdings keinen Mehrwert. Darüber hinaus muss man auch die Kosten beachten.

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QT-Zeit – Was ist das?

Die sogenannte QT-Zeit ist ein EKG-Parameter, den wir im 12-Kanal-Oberflächen-EKG in Ruhe messen können. Die QT-Zeit wird erfasst vom Beginn der sogenannten Q-Zacke bis zum Ende der T-Welle. Folglich entspricht sie der Erregungsausbreitung und der Erregungsrückbildung in den Herzhauptkammern.

Die QT-Zeit ist ein sehr wichtiger EKG Parameter. Unserer Meinung nach wird die QT-Zeit bei der Gabe von Medikamenten allerdings zu wenig beachtet, vor allem Veränderungen der QT-Zeit im Verlauf werden zu selten bewertet.

QT-Zeit – Wichtige Hinweise zur Messung

Die QT-Zeit ist abhängig von der Herzfrequenz, das heißt: Je niedriger die Herzfrequenz, umso länger ist die QT-Zeit und umgekehrt. Die Messung der QT-Zeit ist nicht immer einfach, da das Ende der T-Welle bei niedriger Amplitude oder Auftreten von U-Wellen nicht immer leicht abzugrenzen ist. Wichtig ist vor allem auch, dass man sich auf eine Ableitung im EKG bezieht und auch die Kontrollmessung im Verlauf an dieser Ableitung durchführt. So lassen sich gut Vergleiche ziehen.

Aufgrund der Frequenzabhängigkeit normiert man die QT-Zeit auf eine Herzfrequenz von 60 Schlägen/min, so dass wir eine frequenzkorrigierte QT-Zeit angeben. Das entspricht der Schreibweise QTc.

Zur Berechnung der frequenzkorrigierten QTc-Zeit gibt es unterschiedliche Formeln, die in den EKG-Geräten hinterlegt sind. Die häufig angewandte Formel nach Bazett hat Schwächen, insbesondere bei niedrigen und hohen Herzrequenzen, sodass wir die Formel nach Fridericia bevorzugen:

QTc = QT-Dauer [s] : RR Intervall [s]

Das RR-Intervall beschreibt den Abstand zwischen R-Zacken im EKG.

Die Richtwerte für die frequenzkorrigierte QT-Zeit sind geschlechterabhängig:

Bei Frauen < QTc 460 ms
Bei Männern < QTc 450 ms

QTc- Zeit-Verlängerung – klinische Bedeutung

Eine Verlängerung der frequenzkorrigierten QT-Zeit geht mit einem erhöhten Risiko von Herzrhythmusstörungen aus der Herzhauptkammer einher. Das Risiko steigt mit zunehmender QTc-Verlängerung und es ist insbesondere bei einer frequenzkorrigierten QT-Zeit > 500 ms mit einem erhöhten Risiko zu rechnen.

Die typische Herzrhythmusstörung aus der Herzhauptkammer ist die sogenannte Torsade-de-Pointes-Tachykardie, welche üblicherweise spontan endet und selten in ein Kammerflimmern übergeht. Das Problem bei ihrem Auftreten sind mögliche kurzzeitige  Bewusstseinsverluste, sogenannte Synkopen. Die wiederum können zu Stürzen führen, bei denen sich betroffene Personen verletzen.

QTc- Zeit-Verlängerung – was sind die Ursachen?

Es gibt das angeborene Long-QT-Syndrom, welches genetisch bedingt und eher selten ist. Häufiger ist das erworbene Long-QT-Syndrom und insbesondere die QT-Zeit-Verlängerung durch bestimmte Medikamentengruppen. Typische Medikamentengruppen, die eine verlängerte QT-Zeit im EKG verursachen können, sind Antiarrhythmika, Antibiotika, Psychopharmaka.

Hier eine Auswahl von häufig eingesetzten Medikamenten mit QT-verlängernder Wirkung

  • Voriconazole, Fluconazol, Itraconazol, Ketoconazol
  • Levofloxazin,Moxifloxazin, Ofloxacin, Ciprofloxacin
  • Clarithromycin,Erythromycin, Roxithromycin, Azithromycin
  • Cotrimoxazol
  • Lithium, Escitalopram,Venlafaxin,  Amitriptylin, Nortriptylin, Citalopram, Doxepin, Fluoxetin, Clomipramin
  • Imipramin, Trimipramin, Paroxetin, Sertalin
  • Sotalol, Amiodaron, Quinidin, Procainamid, Flecainid
  • Alfuzosin, Vardenafil 
  • Tacrolismus, Tamoxifen 
  • Astemizol, Terfenadine, Diphenhydramin

Eine ausführliche Liste finden Sie unter der unten genannten Literaturangabe.

QT-Verlängerung – Risiko für ventrikuläre Tachykardie des Herzens

Das Risiko für die gefürchtete Torsades-de-Pointes-Tachykardie der Herzhauptkammern (siehe Bild “Vorhofflimmern + Torsades-de-Pointes-Tachykardie unter Sotalol”) bei einer QT-Zeit-Verlängerung ist von Medikament zu Medikament unterschiedlich. Das heißt: Bei gleicher QT-Zeit-Verlängerung ist das Risiko einer Torsade nicht gleich, sondern einzelne Medikamente haben in sich ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Torsaden. Weitere Risikofaktoren für das Auftreten von Torsaden bei QT-Verlängerungen sind:

Lange QT-Zeit und Herzrhythmusstörungen – praktische Beispiele

Typische Auslösesituationen für das Auftreten von Torsaden bei QT-Zeit-Verlängerung entstehen durch die Kombination von QT-Zeit-verlängernden Medikamenten und begünstigenden Risikofaktoren. Eine typische Auslösesituation sieht wie folgt aus:

Beispiel 1. Unter einer Dauermedikation mit einem QT-Zeit-verlängernden Psychopharmakon (A) wird ein Antibiotikum (B) hinzugefügt, welches ebenfalls die QT-Zeit verlängert. Zudem tritt beispielsweise als Nebenwirkung des Antibiotikums Durchfall auf, der wiederum für Elektrolytverlust und Kaliummangel sorgt. Durch die Medikamentenwirkung und den durchfallbedingten Kaliummangel kann es dann zu einer summierten QT-Zeit-Verlängerung kommen – und somit zum Auftreten von Herzrhythmusstörungen.

Beispiel 2. Die Abbauprozesse von Medikamenten in der Leber, und hier vor allen Dingen über das Cytochrom P450 System, kurz CYP-System genannt, können ebenfalls Probleme bereiten. Stellen Sie sich vor ein potentiell QT-verlängerndes Medikament (A) wird über CYP 3A4 abgebaut. Kommt jetzt ein weiteres Medikament (B) hinzu, welches ebenfalls über CYP 3A4 verstoffwechselt wird, dann können sich folglich A und B am CYP 3A4 behindern. Aus diesem Grund wird der Abbau von A gestört, A staut sich vor CYP 3A4 an und A ist in stärkerer Konzentration in Ihrem Körper und auch in Ihrem Herzen erhöht. Das hat dann die Verlängerung der QT-Zeit zur Folge.

QT-Zeit-verlängernde Medikation – praktische Konsequenz

Es ist daher wichtig das Potenzial einer QT-Zeit-Verlängerung eines neu verordneten Medikamentes zu kennen. Somit ist es sinnvoll vor Einleitung einer Therapie das EKG zu kennen. Der Ausgangsbefund dient damit in Der Folge zur Kontrolle der  QT-Zeit im Verlauf.

Sollte hier eine relevante QT-Zeit-Verlängerung der frequenzkorrigierten QT-Zeit über 30 ms gemessen werden, so ist das Absetzen der Medikation zu überprüfen. Das ist nicht immer einfach, etwa wenn es sich um eine lebensnotwendige Therapie bei Tumorerkrankungen handelt. Dann muss man im Sinne einer Nutzen-Risikoabwägung gemeinsam im Team entscheiden, inwieweit die Medikation trotzdem fortgeführt wird. In solch einem Fall ist darauf zu achten, Zustände des Kalium- und Magnesiummangels zu verhindern und engmaschig im Blut zu kontrollieren.

Sollte es unter einer neuen Medikation zu Herzstolpern,  Schwindel oder Ohnmacht kommen, empfehlen wir, sofort ein EKG zu schreiben und die QT-Zeit zu messen. Zudem ist wichtig, dass man bei Langzeitbehandlung mit QT-Zeit-verlängernden Medikamenten regelmäßig den Kalium- und Magnesiumspiegel überprüft. Bei Leber- und Nierenfunktionsstörungen ist die Dosis anzupassen und bei Begleitmedikamenten müssen konkurrierende Abbauwege beachtet werden.

Sollten Sie unter Medikamenten Herzstolpern verspüren, dann sollten Sie folglich immer zuerst an eine QT-Verlängerung durch Medikamente denken.

Schlussfolgerung

Die Potenz von Medikamenten die QT-Zeit zu verlängern ist klinisch relevant und sollte folglich im EKG stets überprüft werden. Auf jeden Fall ist eine sinnvolle Kontrolle über die Fachinformation der eingenommenen Medikamente auch für Sie möglich. Auch Apps können helfen: Eine spezielle App zur Beurteilung des Risikos der QT-Zeit-Verlängerung und auch des Risikos der Torsaden ist die kostenfreie App CredibleMeds Mobile.

 

 

 

 

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Herzrasen nach dem Mittagessen –  Herzrhythmusstörungen durch Histamin

Vorgeschichte

Bei einem 57-jährigen Mann ist seit der Kindheit eine saisonale Allergie bekannt. Seit dem jungen Erwachsenenalter treten immer wieder Symptome einer Histaminintoleranz bzw. eines Mastzellaktivitäts-Syndroms auf.

Ca. 10 Minuten vor Beginn der Symptome Mahlzeit mit Würstchen, Sauerkraut und Kartoffelpürree, dazu ca. 3 Eßlöffel Senf (Löwensenf, mittelscharf-mild).

Symptome von Histamin

Akute Symptome am Tag 1

  • Zuschwellung des Rachens mit veränderter Stimme (“kloßig”) und Schluckstörungen
  • Jucken der Augen
  • keine Luftnot
  • kein Herzstolpern (= asymptmatische Herzrhythmusstörungen)
  • Zuschwellen der Augen
  • Müdigkeit

Latente Symptome am Tag 2

  • Angina pectoris (Nitrospray– und Cimetidin-Test positiv)
  • weicher Stuhlgang
  • fortgesetzte Schwellung der Augen (bis Tag 3)

Smartphone 1-Kanal EKG – Apple Watch 4 

Was kann ich sehen:

  • elektrische Herzfrequenz 101 bpm
  • P-Welle gut sichtbar
  • regelmäßige P-Wellen mit konstantem Intervall, jeder P-Welle folgt ein QRS-Komplex mit gleichem Abstand = Sinusrhythmus
  • intermittierende elektrische Extraaktionen (Extrasystolen)
  • Extrasystolen mit SCHMALEM QRS-Komplex = Vorhoffextrasystolen = atriale Extrasystolen (gelber Punkt) mit post-extrasystolischen Pausen bis zur nächsten normalen elektrischen Herzaktion (gelber Strich). Bei einer Anzahl von  7 Extrasystolen während einer Aufzeichnungsdauer von 30 Sek. entspricht das 14% aller gezählter Hauptkammerkomplexe
  • Extrasystolen mit BREITEM QRS-Komplex = Hauptkammerextrasystolen = ventrikuläre Extrasystolen (roter Punkt), 1 Doppelaktion mit 2 aufeinanderfolgenden ventrikulären Extrasystolen (= Couplet); alle ventrikulären Extrasystolen sehen ähnlich aus = monomorphe ventrikuläre Extrasystolen = 1 einzelner Ursprungsort in den Herzhauptkammern wahrscheinlich. Bei einer Anzahl von 7 Extrasystolen während einer Aufzeichnungsdauer von 30 Sek entspricht das 14% aller gezählter Hauptkammerkomplexe.

Diagnose durch Apple

  • uneindeutig

Diagnose durch den Kardiologen

  • Sinustachykardie mit intermittierenden supraventrikulären Extrasystolen und monomorphen ventrikulären Extrasystolen mit 1 Couplet

Smartphone 1-Kanal EKG – AliveCor KardiaMobile

Was kann ich sehen? – Zusatzinformationen

Die Annotation (blaue Markierung), die Balkenlinie unterhalb des EKGs zeigt einen komplett regelmäßigen Grundrhythmus an. Bei besser sichtbaren regelmäßigen P-Wellen vor dem QRS-Komplex können Sie somit die Diagnose “Sinusrhythmus” eindeutig selber stellen. Auch die Vorhofextrasystolen (gelber Punkt) lassen sich gut abgrenzen.

Diagnose durch Kardia

  • Tachykardie

Die Diagnose “unklassifiziert” oder “mögliches Vorhofflimmern” wird NICHT gestellt, was richtig ist.

Diagnose durch den Kardiologen

  • Sinsutachykardie mit einzelnen atrialen Extrasystolen

Smartphone 1-Kanal EKG – AliveCor Kardia 6L

 

Was kann ich sehen? – Zusatzinformationen

Der Hauptvektor des QRS-Komplexes der monomorphen ventrikulären Extrasystolen liegt zwischen den Extremitätenableitungen II und III, d.h. die grösste positive Amplitude liegt zwischen diesen Ableitungen. Folglich handelt es sich um einen sog. Steiltyp.

Die Extrasystolen haben somit mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ihren Ursprung in einem Ausflußtrakt des Herzens oder der Aortenbasis. Entweder handelt es sich um den rechtsventrikulären Ausflußtrakt (Verbindung zwischen rechter Herzhauptkammer und Lungensrombahn) oder dem linksventrikulären Ausflußtrakt (Verbindung zwischen linker Herzhauptkammer und Aorta). Eine genauere Festlegung ist nicht möglich, hierfür brauchen Sie ein 12-Kanal EKG.

Die P-Wellen sind in dem 6-Kanal EKG gut abgrenzbar.

Diagnose durch Kardia

  • normal (bei Herzfrequenz <100 bom)

Diagnose durch den Kardiologen

  • ventrikuläre Extrasystole

Technische Anmerkung – Annotation bei Kardia von AliveCor

Die AliveCor Kardia Systeme, KardiaMobile, KardiaBand und Kardia 6L  zeigen im 1-Kanal EKG eine sog. Annotation an. Es handelt sich um eine Balkenlinie (blaue Markierung) unterhalb des EKGs; die kleinen senkrechten Balken zeigen den QRS-Komplex an. Somit können Sie auch bei schneller Herzschlagfolge die Regelmäßigkeit der Herzaktionen besser bewerten. Gegebenenfalls können Sie das EKG ausdrucken und mit einem Zirkel oder einem Lineal selber nachmessen. Sowohl das KardiaMobile als auch die 1-Kanal EKG-Funkton des Kardia 6L verfügen über eine Annotation. Das 1-Kanal EKG von Apple verfügt nicht über eine Annotation.

Technische Anmerkung – Vorteile des 6-Kanal EKGs

Gerade dem geschulten Betrachter bietet das 6-Kanal EKG von AliveCor mehr Möglichkeiten. Die P-Wellen sind besser abgrenzbar, weil Sie in der Regel in der Extremitäten Ableitung II am besten sichtbar sind. Die 1-Kanal EKGs bilden jeweils nur die Ableitung I ab.

Durch das 6-Kanal EKG läßt sich auch der Ursprungsort von ventrikulären Extrasystolen besser abgrenzen. Das hat durchaus Bedeutung, weil es sich in dem vorgestellten Fall mit hoher Wahrscheinlichkeit um  ventrikuläre Extrasystolen aus einem Ausflußtrakt des Herzens handelt.

 

Intervention und Verlauf

Symptome. Die akuten Symptome entwickelten sich 10 Minuten nach Ende der Mahlzeit und der betroffene Mensch nahm dann 2 orale Antihistaminika, den H1-Blocker Lorantadin (10mg) und den H2-Blockers Ranitidin (300 mg, oral nicht in Deutschland erhältlich). Die Symptomentwicklung hatte eine klare Abfolge, indem sie sich eindeutig zuerst im Rachenraum bemerkbar machten.

Herzrhythmus. Die atrialen und ventrikulären Extrasystolen wurden zuerst ca. 10-15 Minuten nach Beendigung der Mahlzeit registriert. Die ventrikulären Extrasystolen waren nach ca. 1 Stunde deutlich rückläufig bzw. nicht mehr nachweisbar, während atriale Extraaktion weiter vorkommen, allerdings nicht in der anfänglichen Häufigkeit.

Interessanterweise lag die Herzfrequenz in der Nacht (gemessen mit Apple-Watch 4 + SleepWatch App) bis zum Morgen, d.h. 16h Stunden nach der Symptom-auslösenden Mahlzeit mit 77 bpm mehr als 10 bpm höher als in den 7 Tagen davor (Durchschnitt 15,1 bpm <77 bpm). Folglich bestand somit eine fortgesetzte arrythmogene Aktivierung des Herzens auch in der Nacht.

Den vollständigen Fallbericht finden Sie hier: Fallbericht V.a.Histaminintoleranz

Kurzbeschreibung – Histamin und Herzrhythmusstörungen

Histamin wirkt über verschiedene Rezeptoren und bewirket so mannigfache Symptome. Dabei verursachen vor allen Dingen die Aktivierung von H1 und H2 Rezeptoren Veränderungen im Herz-Kreislaufsystem.

Folglich bewirkt Histamin über die  H1 Rezeptoren eine Blutgefäßerweiterung und damit Blutdruckschwankungen. Die H2 Rezeptoren hingegen stimulieren das Herz indem sie, so wie in diesem Fall eine Tachykardie auslösen und auch die Muskulatur der Herzhauptkammern zu mehr Aktivität stimulieren. Darüber hinaus können vor allen Dingen in den Vorkammern Extrasystolen bis hin zu Vorhofflimmern getriggert werden.

Ein indirekter Beleg für die Bedeutung von Histaminrezeptoren am Herzen ist die Wirkung von sog. H2-Blockern, z.B. Cimetedin und Ranitidin am Herzen. Schließlich ist bei Rantidin die Wirkung auf die Erregungsbildung und -weiterleitung im Herzen so  ausgeprägt, dass unter höheren Dosierungen von 300mg Ranitidin in seltenen Fällen kritische Verlangsamungen der Herzfrequenz vorkommen können.

Folglich haben diese  Zusammenhänge im Alltag durchaus praktische Bedeutung. In diesem Sinne sind Menschen, die ohnehin schon ein erhöhtes Risiko, z.B. für Vorhofflimmern haben, besonders gefährdet. Liegt dann noch eine Histaminerkrankung, z.B. eine Allergie, eine Histaminintoleranz oder ein Mastzellaktivitätssyndrom vor, dann können zugeführte Histamin-begünstigende Nahrungsmittel, so z.B. auch das beliebte Oktoberfestbier Herzrhythmusstörungen auslösen.

Während eine Allergie von Betroffenen und Ärzten gut erkannt wird, fällt die Abgrenzung anderer Histaminerkrankungen aufgrund der eingeschränkten diagnostischen Möglichkeiten, und hier vor allen Dingen eines einfachen Labortests, schwer. Folglich sollten wir bei Herzrhythmusstörungen im jüngeren und mittleren Lebensalter, d.h. bei fehlenden weiteren Risikofaktoren für das Herz an eine Histaminerkrankung bzw. den Einfluss von Nahrungsmitteln denken und genauer nach weiteren Histaminsymptomen fragen.

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Virale Infekte wie die Grippe können das Herz in Mitleidenschaft ziehen. Die Verläufe variieren von flüchtigen Symptomen bis hin zu fortschreitender Herzschwäche. Schwere Verläufe sind allerdings sehr selten.

Abklären sollten Sie folgende Symptome, die nach einer Grippe neu auftreten:

Dafür wird folgende Basis-Diagnostik eingesetzt:

  • Körperliche Untersuchung
  • Labor
  • EKG
  • Ultraschall des Herzens (Echokardiografie)

Um weiter abklären zu können, wendet ein Arzt/eine Ärztin ggf. auch ein Herz-MRT und in seltenen Fällen einen Herzkatheter oder eine Herzmuskelbiospie an.

…weiter im Selbsthilfekurs “Grippe”

 

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


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Apple Watch und AliveCor – 1-Kanal EKG zur Vorbeugung eines Schlaganfalls

Mit der Apple Watch von Apple und Kardia Band bzw. Kardia Mobile von AliveCor gibt es Smartphone-basierte Systeme um 1-Kanal-EKG abzuleiten. So können Sie als medizinischer Laien erlauben zu jeder Tages- und Nachtzeit, sei es zu Hause, bei der Arbeit oder beim Sport ein medizinisch hochwertiges EKG schreiben und auf Ihrem Smartphone speichern.

Medizinisch so bedeutend sind die Systeme, weil sie Herzrhythmusstörungen erkennen können und hier vor allen Dingen Vorhofflimmern. Daneben können auch Symptome wie Herzstolpern, Herzrasen und Benommenheit im Hinblick auf mögliche andere Rhythmusstörungen objektiviert werden. Ein Herzinfarkt lässt sich mit einem 1-Kanal EKG allerdings nicht erkennen.

Vorhofflimmern – häufig zu spät erkannt

In Deutschland treten pro Jahr 270.000 Schlaganfälle auf. Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für eine dauerhafte Behinderung und die dritthäufigste Todesursache. Ausgangspunkt für einen Schlaganfall ist in 20-25% der Fälle ein Vorhofflimmern des Herzens. Hat ein Mensch Vorhofflimmern, dann ist das Schlaganfallrisiko um das 5-fache erhöht.

Mindestens 1,8 Millionen Menschen in Deutschland haben Vorhofflimmern. Problematisch ist, dass Vorhofflimmern selbst in über 50% der Fälle keine Symptome verursacht, so dass es häufig nur zufällig entdeckt wird. Immer wieder wird Vorhofflimmern erstmalig beim Auftreten eines Schlaganfalls und damit viel zu spät diagnostiziert. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass Vorhofflimmern häufig nur anfallsartig, d.h. vorübergehend auftritt (und trotzdem das Schlaganfallrisiko steigert), so dass der Befund in der Routinediagnostik wie Ruhe-EKG und Langzeit-EKG nicht erfasst wird. 1-Kanal-EKGs abgeleitet über die Apple Watch oder über die AliveCor Systeme sind hier eine wertvolle medizinische Hilfe, insbesondere für Risikopatienten.

Verschiedene Anbieter für 1-Kanal-EKGs

Sowohl mit dem KardiaBand von AliveCor als auch beim eigenen System der Apple Watch (ab Apple Watch 4) kann man ein EKG über die Apple Watch ableiten. Für die Nutzung des AliveCor Systems benötigen Sie ein spezielles Armband mit einem zusätzlichen Kontaktpunkt, das KardiaBand. Dieser zweite Kontaktpunkt ist bei der Apple Watch 4 fest in die Uhrkrone integriert.

Als alternative Lösung kann man unabhängig von einer Apple Watch auch die Kardia Mobile Kontaktplatte nutzen. Während beide Lösungen über die Apple Watch auch prinzipiell ohne Smartphone funktionieren, benötigen Sie für das Kardia Mobile immer das Smartphone. Vorteil der Lösung mit Kardia Mobile: Es ist wesentlich kostengünstiger als die beiden anderen Lösungen und lässt sich auch mit anderen mobilen Betriebssystemen wie Android nutzten.

Passive und aktive Messung unterscheiden

Man unterscheidet bei beiden Lösungen, die in Verbindung mit der Apple Watch funktionieren, eine passive und eine aktive Messung. Bei der passiven Messung überwacht die Uhr die Herzfrequenz in Verbindung mit der Bewegung und zeigt an, wenn die Herzfrequenz in Ruhe von der sonst üblichen Herzfrequenz abweicht, z.B. 120 anstatt üblicherweise 72 bpm. Das kann ein indirekter Hinweis auf Vorhofflimmern sein. Die aktive Messung ist dagegen die direkte Registrierung eines EKGs: Dabei wird die EKG-Funktion aktiviert und über 2 Körperkontaktpunkte in der Regel über 30 Sekunden ein EKG abgeleitet. Dieses EKG wird gespeichert und die betroffene Person kann es jederzeit bequem über die App an einen Arzt bzw. eine Ärztin weiterleiten.

Während die passive Messung durchaus häufiger fehlerhaft ist, z.B. durch einen lockeren Sitz der Uhr, ist die aktive EKG-Messung sehr genau und kann im Fall von Vorhofflimmern Grundlage einer Therapieentscheidung sein. Sowohl das System von Apple als auch die Systeme von AliveCor verfügen über eine Diagnosefunktion mit den Diagnosen “normal”, “unklassifiziert” und “mögliches Vorhofflimmern”. Die Treffersicherheit zum Nachweis von Vorhofflimmern bzw. eines normalen Herzrhythmus´ liegt bei beiden Systemen zwischen 97-99%. Das Risiko für einen Schlaganfall steigt innerhalb von 48h nach Beginn deutlich an. Daher sollten Sie im Fall der Diagnose “unklassifiziert” oder “mögliches Vorhofflimmern” den Befund zeitnah einem Arzt zeigen.

Bereits gute Erfahrungen in der Cardiopraxis mit AliveCor

In der Cardiopraxis machen wir mit den AliveCor Systemen seit mehreren Jahren sehr gute Erfahrungen. Ähnliche Ergebnisse erwarten wir bei der Apple Watch 4  (hier geht´s zu einem aktuellen WDR-Bericht über die Apple Watch 4 in der “Aktuellen Stunde”). Wir verfügen über mehrere Kardia Mobile Kontaktplatten, die wir mehrmals im Monat an symptomatische Patienten verleihen.

Das Vorgehen ist insbesondere dann wertvoll, wenn wir aufgrund einer Risikokonstellation und bei immer wieder auftretendem eher typischem Herzstolpern für Vorhofflimmern im Ruhe-EKG und Langzeit-EKG keine relevanten Rhythmusstörungen finden.

Eine weitere wichtige Anwendungsmöglichkeit ist das “Pill-in-the-Pocket” – Konzept zur selbstständigen Überführung von Vorhofflimmern in den normalen Sinusrhythmus.

Ein Beispiel aus dem Alltag

Um es an einem Beispiel zu erklären: Es kann etwa vorkommen, dass ein Mann an einem Freitagabend nach dem Sport und zwei Gläsern Bier erstmals mittels Kardia Mobile und Smartphone Vorhofflimmern dokumentiert. Er schickt dann das EKG per E-Mail oder per Textmessenger an eine unserer Ärztinnen oder Ärzte in der Cardiopraxis. Das sieht so aus:

Meistens lässt sich dann alles Weitere gut regeln, ohne dass der Patient (oder die Patientin) eine Notaufnahmestation aufsuchen muss. Häufig hat die betroffene Person schon vorab ein Rezept für einen Blutverdünner erhalten, was sie dann in der Notapotheke “scharf stellen” kann. Oder wir schicken eins per Handy-Foto zu, was in der Regel vom Apotheker akzeptiert wird (vorausgesetzt das Originalrezept wird nachgeliefert). So lässt sich ein gefährlicher Schlaganfall verhindern, ohne stundenlang in der Notaufnahme sitzen zu müssen – und man kann am nächsten Tag wieder zum Sport gehen.

Natürlich kann man auch zur Überwachung den Puls tasten, z.B. 2x in der Woche über jeweils 1 Minute. Allerdings ist die Diagnose aufgrund der mündlichen Aussagen bei weitem so nicht sicher. Folglich würden die allermeisten Ärzte und Ärztinnen nie eine Entscheidung für eine gerinnungshemmende Therapie treffen, wenn kein schriftlich dokumentiertes EKG vorliegt. Der Grund ist, dass eine gerinnungshemmende Therapie zur Verhinderung eines Schlaganfalls ja auch mit einem erhöhten Blutungsrisiko verbunden ist, was als eine erhebliche Nebenwirkung einzustufen ist.

Auch für Risikopatienten ohne bisherige Symptome geeignet

Wir in der Cardiopraxis empfehlen Systeme zur Ableitung eines 1-Kanal EKGs auch solchen Menschen, die ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern haben und bisher noch keine Symptome oder kein gesichertes Vorhofflimmern hatten. Vor allen Dingen dann, wenn eine Kombination mehrerer Risikofaktoren vorliegt:

  • Alter >65 Jahre
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • vergrößerte Herzvorkammer im Herzultraschall
  • Herzschwäche
  • relevante Herzklappenerkrankung
  • Durchblutungsstörung des Herzens (Koronare Herzkrankheit, nach Herzinfarkt)
  • Zustand nach Herzoperation
  • in bestimmten Fällen bei Medikamenten (z.B. Schilddrüsenhormone, Asthma-Sprays)

Da wir nicht wissen, ob solche Menschen ein asymptomatisches Vorhofflimmern entwickeln werden, raten wir dazu, unabhängig von Symptomen 1-2x pro Woche jeweils über 1 Minute ein EKG abzuleiten. Man kann das mit der Blutdruckmessung vergleichen: Man misst regelmäßig, um im richtigen Moment das Richtige tun zu können. Wichtig an dieser Stelle ist, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen dem betroffenen Menschen und der Ärztin bzw. dem Arzt vereinbart ist. Tauchen bei der EKG-Dokumentation Unsicherheiten auf, dann muss in jedem Fall ein fachlich geschulter Arzt konsultiert werden.

1-Kanal-EKGs mit dem Smartphone – ein wichtiger Schritt in Zukunft

Heutzutage haben wir gerade bei Vorhofflimmern sehr differenzierte effektive und sichere Behandlungsmöglichkeiten, die uns helfen einen Schlaganfall zu verhindern. Sie müssen allerdings auch zum richtigen Zeitpunkt ärztliche Hilfe suchen. Grundsätzlich besteht in der Medizin eine zunehmende Tendenz, differenzierte technische Diagnostik möglichst nah zu den potentiell betroffenen Menschen zu bringen. Seien es jetzt die Apple Watch 4 oder die Systeme von AliveCor – es handelt sich um valide Diagnosesysteme. Folglich schließen wir eine wichtige diagnostisch Lücke und die Schnittstelle zwischen Ihnen und z.B. ihrer Kardiologin wird weiter verbessert.

Die Verlagerung von hochwertiger medizinisch-technischer Diagnostik in den Alltag von Risikogruppen wird in zunehmen. Daher rechnen wir damit, dass in den nächsten 5-10 Jahren durch diese Systeme die Schlaganfallrate deutlich reduzieren lässt.

Blog “EKG erstellen mit Smartphone & Smartwatch”

Hier geht es zu unserem Blog “EKG erstellen mit Smartphone & Smartwatch”. Dort finden Sie Fallberichte mit EKG-Beispielen und Erklärungen der EKGs. In loser Folge werden Sie hier immer wieder neue Beiträge finden.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Herzstolpern, Herzrasen – Warum ein 1-Kanal-EKG mit dem Smartphone?

Die EKG-Funktion von Smartphones entweder in Verbindung mit einer Smartwatch oder anderen Geräten zur Ableitung wird  zunehmend auch in Fachkreisen diskutiert. Auch wir in der Cardiopraxis erleben hier alltäglich den wertvollen Beitrag dieser Systeme bei der Gesundheitsversorgung, insbesondere bei der Verhinderung eines Schlaganfalls. Sollten Sie sich für dieses Thema interessieren, dann werden Sie bei Cardiopraxis immer wieder Beiträge zum Thema “Smartphone EKG” finden.

Smartphone, Smartwatch oder Blutdruckgerät mit EKG-Funktion – planen und kaufen 

Sie überlegen sich, ob Sie ein Smartphone-basiertes Gerät mit EKG-Funktion oder ein ähnliches Gerät kaufen sollen. Möglicherweise haben Sie ein solch teures Produkt bereits erworben und fragen sich jetzt: Was soll ich damit anfangen? Wozu brauche ich überhaupt eine EKG-Funktion auf meinem Smartphone?

Aus professioneller Sicht handelt es sich bei den Smartphone-basierten Angeboten zur Ableitung eines EKGs zunächst einmal um hochwertige Produkte. Es gibt hier verschiedene Anbieter, z.B. AliveCor, Apple, Withings und Samsung.Die Information des 1-Kanal-EKGs ist medizinisch verwertbar und wissenschaftlich getestet. Es handelt sich somit nicht um ein Spielzeug, da die Messergebnisse diagnostische und therapeutische Konsequenzen haben können.

Wie können Sie die EKG-Funktion für sich sinnvoll nutzen?

Der Blog “Smartphone-EKG” – EKG lernen

Um Ihnen ein besseres Verständnis für den Sinn und die Feinheiten des 1-Kanal-EKGs zu ermöglichen, betreibt Cardiopraxis zu diesem zukunftsweisenden Thema einen Blog.

Wir veröffentlichen Beiträge zum Thema EKG mit dem Smartphone in loser Folge. Dabei stehen Fallberichte mit Beispiel-EKGs und den dazu passenden Erklärungen im Vordergrund. Wir wollen Ihnen die Nutzungsmöglichkeiten, aber auch die Fehlerquellen beim 1-Kanal-EKG aufzeigen.

Warum macht die Cardiopraxis einen Blog zum Thema Smartphone und EKG? 

Wir in der Cardiopraxis nutzen seit 2016 KardiaMobile von AliveCor bei der Patientenversorgung, die Systeme verleihen wir mehrmals im Monat an Patienten mit unklaren Rhythmusstörungen. Da Rhythmusstörungen häufig nur vorübergehend sind, die z.B. nur 2 mal im Monat auftreten, werden Sie häufig auch mit einem Langzeit-EKG nicht erfasst. Gerade hier sind uns die Smartphone-basierten Systeme eine große Hilfe.

Inzwischen haben wir auch umfangreiche Erfahrungen mit dem KardiaBand und der AppleWatch 4. Im Bereich Smartphone EKG werden wir in der Zukungft auch alle medizinsich sinnvollen Systeme testen und Sie darüber informieren.

Wir sind von den 1-Kanal-EKGs mit dem Smartphone und deren Nutzen auch als Profis überzeugt. Die Verlagerung von hochwertiger Diagnostik zum betroffenen Menschen halten wir für zukunftsweisend und gesundheitsfördernd. Der medizinische Hauptnutzen bei den 1-Kanal-EKGs mit dem Smartphone ist der Nachweis bzw. der Ausschluss von symptomatischem und asymptomatischem Vorhofflimmern, was der Schlaganfallverhütung dient.

Schlaganfall – unerkanntes Vorhofflimmern häufig die Ursache 

Pro Jahr treten in Deutschland ca. 270.000 neue Schlaganfälle auf. Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für eine bleibende Behinderung. Dieser Zustand ist nur allzu häufig mit einem Verlust der vollen körperlichen und geistigen Selbstbestimmtheit verbunden. Das Gefühl der Hilflosigkeit vor dem Hintergrund verlorener Gesundheit lässt Sie bisweilen verzweifeln und an den Verlust der eigenen Würde denken.

Wer schwere Verläufe von Schlaganfällen kennt, und wenn es nur ein einziger “Fall”  ist, der weiß, warum wir diesen Blog machen.

In 20-25% der Fälle ist die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern die Ursache eines Schlaganfalls. Vor allen Dingen unerkanntes und unbehandeltes Vorhofflimmern ist dabei meistens der Grund. Die Diagnose “Vorhofflimmern” kann nur mittels EKG gestellt werden. Andere Verfahren, wie z.B. die Tastung des Pulses sind nur richtungsweisend.

Medizinischer Nutzen von Smartphone-EKGs – Schlaganfall verhindern 

Das Besondere an den meisten Systemen für Smartphone-EKGs ist eine automatische Erkennung von Vorhofflimmern. Das AliveCor System zeigte in Studien eine Diagnosesicherheit von Vorhofflimmern von über 95%. Die Sicherheit bei der Diagnose eines Normalbefundes lag ebenfalls über 95%.

Sollte die Diagnose Vorhofflimmern gestellt werden, muss fast immer eine notwendige Therapie zur Verhinderung eines Schlaganfalls eingeleitet werden. Diese beinhaltet dann auch eine Hemmung der Blutgerinnung, was schlussendlich das Risiko für einen Schlaganfall um mehr als 70% reduziert.

Problematisch bei Vorhofflimmern ist, dass es häufig immer wieder nur kurzzeitig auftritt und trotzdem gefährlich ist. In diesen Fällen können wir auch als Kardiologen die Rhythmusstörung mittels Ruhe-EKG oder auch Langezeit-EKG nicht erfassen. Diese diagnostische Lücke kann durch das Smartphone-EKG geschlossen werden. Anders gesagt, mit einem Smartphone-EKG können Sie selber Vorhofflimmern erfassen, auch wenn Sie nicht in direkter kardiologischer Betreuung sind oder ein übliches EKG-Gerät in der Hausarztpraxis oder Notaufnahme unmittelbar erreichbar ist.

Wir sind davon überzeugt, dass sich durch die Früherkennung von Vorhofflimmern mittels Smartwatch-EKGs die Rate an Schlaganfällen deutlich senken lässt.

Neben Vorhofflimmern werden natürlich auch andere Rhythmusstörungen aufgezeichnet, die bei Symptomen zur Diagnosefindung beitragen können. Ein nicht zu unterschätzender Wert von Smartphone-EKGs ist, dass bei vorliegenden Symptomen eine Rhythmusstörung ausgeschlossen werden kann. Dieses vermeidet weitere unnötige Diagnostik und Therapie.

EKG mit dem Smartphone – Was es nicht leisten kann

Grundsätzlich ist festzuhalten: Ein Smartphone-EKG eignet sich bisher nicht zur Erfassung eines Herzinfarktes.

Die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern tritt oft anfallsartig auf, sie dauert unterschiedlich lang, einige Minuten bis viele Stunden. Problematisch ist, dass viele solcher Episoden asymptomatisch sind. Studien legen nahe, dass mehr Episoden asymptomatisch als symptomatisch sind. Deshalb macht es auch für Risikopatienten Sinn, dass sie auch ohne Beschwerden 1-2 mal in der Woche messen.

Mit dem Smartphone-EKG kann ich den Herzrhythmus im selben Augenblick messen. Eine Aussage darüber, ob vielleicht in der Vergangenheit Vorhofflimmern vorlag, können wir nicht treffen. Übrigens gilt dies auch für alle anderen herkömmlichen EKG-Methoden.

Vorhofflimmern – Puls tasten, Arrhythmiefunktion mit Blutdruckmanschette oder Smartphone-EKGs

Im Gegensatz zum Tastbefund und der Arrhythmie-Detektion durch eine einfache Blutdruckmanschette ermöglicht das 1-Kanal-EKG mit dem Smartphone eine schriftliche Dokumentation. Ohne schriftliche Dokumentation ist keine Einordnung von Rhythmusstörungen durch den Arzt möglich, und damit auch keine Therapie. Hier bieten die Smartphone-EKGs einen entscheidenden Vorteil.

Die Daten können an eine Ärztin oder an einen Arzt via Text-messaging, E-Mail oder direkt als Print-out mitgeteilt werden.

EKG mit dem Smartphone – den Kontakt zum Arzt halten 

Das Smartphone-EKG ersetzt nicht den Arztbesuch. Nur ein Arzt kann ein EKG sicher bewerten und gegebenenfalls weitere diagnostische Maßnahmen einleiten.

Im Zweifel sollten Sie bei Symptomen oder unklaren EKG-Befunden daher immer einen Arzt kontaktieren, am besten einen Kardiologen oder eine Kardiologin.

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


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Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Herzstolpern, Herzrasen – nur ein EKG kann eine Diagnose sichern 

Die Symptome von Herzrhythmusstörungen sind unterschiedlich. Sie berichten uns „mein Herz stolpert immer mal wieder“, „mein Herz rast“, „manchmal habe ich das Gefühl, mein Herz macht eine Pause“, zwischen durch ist mein Herz so langsam“ oder „in letzter Zeit schlägt mein Herz immer mal wieder komplett unregelmäßig“.

Symptome können auf spezifische Rhythmusstörungen hinweisen, aber erst das EKG erlaubt eine genaue Diagnose und damit eine sichere Risikoabschätzung. Viele Rhythmusstörungen sind harmlos, manche allerdings können ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen haben.

Eine wichtige Frage, die uns in der Cardiopraxis immer wieder gestellt wird, ist:

  • Soll ich überhaupt ein Smartphone-EKG messen?
  • Wie soll ich ein Smartphone-EKG ableiten?
  • Wann sollte ich ein 1-Kanal EKG bestimmen?

Warum 1-Kanal EKG messen? 

Das Smartphone-EKG ist besonders dann sinnvoll, wenn Sie symptomatische Rhythmusstörungen haben, die bisher schriftlich noch nicht registriert wurden. Die Messung mit schriftlicher Dokumentation ist für den Arzt besonders wichtig, da nur so eine richtige Diagnose möglich wird und damit auch die richtige Therapie. Rhythmusstörungen sind häufig selten, z.B.  einmal im Monat.

Smartphone-EKG – wer sollte diese Funktion nutzen? 

Wir kennen 3 große Gruppen von Menschen, die von einem 1-Kanal EKG profitieren können. Solche mit:

  • Symptomen von Herzrhythmusstörungen
  • einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern
  • bekannten Herzrhythmusstörungen

Menschen mit Symptomen und unbekannten Herzrhythmusstörungen 

Symptome von Herzrhythmusstörungen können sich vielfältig äußern. Manchmal merken Sie einfach nur ein plötzlich einsetzendes Unwohlsein, Unruhe auf der Brust bzw. eine Luftnot. Etwas spezifischer für Herzrhythmusstörungen sind:

  • Herzrasen
  • langsamer Herzschlag
  • Herzstolpern
  • unregelmäßiger Herzschlag

Bei gelegentlich auftretenden Symptomen ist eine Rhythmusstörung häufig noch nicht schriftlich dokumentiert. Gerade hier macht die Aufzeichnung mit dem Smartphone Sinn, um eine richtige Diagnose zu stellen.

Menschen mit symptomatischen Rhythmusstörungen messen zum Zeitpunkt der Symptome, quasi am “point-of-Action”. Des Weiteren sollten auch symptomatische Menschen gelegentlich, das heißt 1-2 Mal pro Woche unabhängig von den Symptomen messen, um gegebenenfalls asymptomatische Rhythmusstörungen zu erfassen und zu dokumentieren.

Risikopatienten für Vorhofflimmern 

Aus unserer Sicht macht es Sinn, wenn Menschen mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern unabhängig von den Symptomen regelmäßig ein 1-Kanal ableiten. Zur Risikogruppe gehören Menschen mit:

  • Alter >65 Jahre
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • vergrößerte Herzvorkammern im Herzultraschall
  • relevante Herzklappenerkrankung
  • Herzschwäche
  • Durchblutungsstörung des Herzens (Koronare Herzkrankheit, nach Herzinfarkt)

Haben Sie ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern, dann sollten Sie z.B. 2 mal pro Woche unabhängig von Symptomen messen. So können asymptomatische Episoden von Vorhofflimmern erfasst werden.

Menschen mit bekannten Herzrhythmusstörungen 

Es macht durchaus Sinn ebenfalls 2 Mal wöchentlich zu messen, wenn bei Ihnen Rhythmusstörungen bekannt und dokumentiert sind. Zunächst harmlose Rhythmusstörungen, wie z.B. vermehrte Vorhofextrasystolen sind nicht selten der Vorbote für Vorhofflimmern.

Wie sollte Sie ein 1-Kanal EKG mit einem Smartphone-EKG gemessen werden? 

Wenn Sie qualitativ ein hochwertiges 1-Kanal EKG mit dem Smartphone ableiten wollen, dann ist eine gute Messroutine wichtig. Nur so können Sie ein verwertbares EKG ohne Störungen, sog. Artefakte ableiten.

Häufig spielt die Bewegung des Armes eine erhebliche Rolle und hat Artefakte zur Folge. Das ist ähnlich wie bei einem verwackelten Foto, wir können dann häufig den Befund nicht richtig erkennen. Am besten Sie leiten ein Smartphone-EKG möglichst im Sitzen ab und legen dabei den Arm auf den Tisch. Während der Aufzeichnung sollte nicht gesprochen werden. Das EKG sollten Sie speichern und zur genauen Betrachtung eventuell auch ausdrucken.

Sie sollten auf den Bedarfsfall vorbereitet sein, da manche Rhythmusstörungen nur einige Minuten anhalten. Daher macht es Sinn, wenn Sie den Umgang mit dem jeweiligen System üben. Zudem ist es sehr wertvoll bei einer auffälligen Messung wiederholt zu messen und somit zu dokumentieren, wie lange die Herzrhythmusstörung dauert.

Smartphone-EKG – automatische Diagnose von Vorhofflimmern – Kommunikation mit einem Kardiologen am besten 

Kardiologinnen und Kardiologen sind Spezialisten für Herzrhythmusstörungen und dafür lange ausgebildet worden. Sie sollten daher mit einem Kardiologen das Vorgehen zur Befundübermittlung und -bewertung besprechen.

Die Diagnosefunktion bei den Kardia-Geräten von AliveCor bzw. von Apple verfügen im Hinblick auf Vorhofflimmern über 3 Diagnosen:

  • normal
  • unklassifiziert
  • mögliches Vorhofflimmern

Bei den Diagnosen “unklassifiziert” und “mögliches Vorhofflimmern” raten wir zur zeitnahen Kontaktaufnahme. Bei Vorhofflimmern steigt das Risiko für einen Schlaganfall an. In der Cardiopraxis haben viele Menschen, die wir betreuen unsere E-Mail oder Handynummer, so dass die Übermittlung rasch erfolgen kann, auch über Textmessaging.

Im Falle von Symptomen, wie Luftnot und Benommenheit raten wir Ihnen eine Notaufnahmestation aufzusuchen bzw. den Rettungsdienst unter 112 zu verständigen.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

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Routinemessung – Sinusrhythmus – 1-Kanal EKG mit Apple Watch 4 

Vorgeschichte

Ein 38-jähriger gesunder Mann hat eine Apple Watch 4 erworben. Folglich testet er auch einmal die EKG-Funktion.

Aktuelle Symptome

  • keine Symptome
  • gute Belastbarkeit

Smartphone 1-Kanal EKG – Apple Watch 4 

Was sehe ich:

  • elektrische Herzfrequenz 70bpm
  • regelmäßiger QRS-Komplex
  • schmaler QRS-Komplex (blauer Punkt)
  • P-Welle gut sichtbar (grüner Punkt)

Diagnose durch den Kardiologen 

  • Sinusrhythmus

EKG – Diagnose-Kriterien

  • regelmäßige P-Wellen
  • Konstante P-Wellen-Intervalle
  • Jeder P-Welle folgt ein QRS-Komplex

Kurzbeschreibung – Sinusrhythmus

Der Sinusrhythmus ist der normale elektrische Rhythmus Ihres Herzen. Zur Diagnose eines Sinusrhythmus gehört, dass der regelmäßig auftretenden P-Welle (blauer Punkt) jeweils ein QRS-Komplex (grüner Punkt) folgt. Folglich tritt durch die geordnete hintereinander geschaltete elektrische Erregung von Vorkammer (P-Welle) und Hauptkammer (QRS-Komplex) auch das mechanische Zusammenziehen der Vorkammer und der Hauptkammermuskulatur nacheinander auf. Kurzum, erst entleeren sich die Vorkammern in die Hauptkammern und danach werfen die Hauptkammern Blut in den Lungen- bzw. Körperkreislauf aus.

Zum Sinusrhythmus gehört ein typischer Vektor der P-Welle. Dies ist im 1-Kanal-EKG im Gegensatz zum 12-Kanal-EKG eingeschränkt beurteilbar. Da alternative geordnete ektope Vorhofrhythmen z.B. aus dem basalen Vorhof, sehr selten sind, ist dies zu vernachlässigen, insbesondere auch, weil dieses Kriterium nicht zur Abgrenzung von Vorhofflimmern herangezogen wird.

Der Sinusrhythmus bestimmt im Normalfall die Herzfrequenz, d.h. die Häufigkeit mit der Ihr Herz z.B. pro Minute elektrisch und mechanisch aktiv ist. Die normale Herzfrequenz beträgt beim Menschen in Ruhe 50-100 bpm. Folglich sprechen wir bei einer Herzfrequenz von >100 bpm von einer Tachykardie, bei einer Herzfrequenz <50 bpm von einer Bradykardie.

Beim Sinusrhythmus ist die Herzschlagfolge regelmäßig, d.h. die Abstände z.B. zwischen den QRS-Komplexen sind fast gleich. Beispielsweise beträgt der Abstand bei 50 bpm 1.200 ms und bei 100 bpm 600 ms.

Allerdings kann der Abstand zwischen zwei elektrischen Herzaktionen atemabhängig sehr geringfügig, z.B. um 30 ms schwanken. Dieses Phänomen nennen wir Herzfrequenzvariabilität, es ist abhängig von der Atmung und ein Zeichen des Gesunden. In der Einatmung nimmt die Herzfrequenz zu, in der Ausatmung nimm sie ab. Dieses Phänomen nennen wir respiratorische Sinusarrhythmie. Im EKG können wir es gerade bei jüngeren Menschen immer wieder sehen.

 

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Herzrasen – plötzlich schneller Puls –  1-Kanal EKG mit Apple Watch 4 

Vorgeschichte

Ein 62-jähriger gesunder Mann bemerkt aus der körperlichen Ruhe heraus eine plötzliche innere Unruhe. Folglich tastet er einen sehr schnellen Puls. Ein sicherer Auslöser liegt nicht vor.

Allerdings kennt er dieses Herzrasen schon aus seiner Vorgeschichte. Einerseits beginnt  das Herzrasen immer plötzlich,  andererseits hört es auch genauso plötzlich wieder auf  (on-off, wie ein Lichtschalter). Die Episoden kommen 1-2 mal pro Jahr vor und er kann sie bisher durch vagale bzw. mechanische Manöver mit Eiswasser bzw. Kopfstand erfolgreich beenden. Eine Dokumentation mit einem 12-Kanal-EKG ist bisher noch nicht erfolgt.

Aktuelle Symptome bei laufendem Herzrasen

  • innere Unruhe
  • keine Benommenheit
  • körperlich belastbar

Smartphone 1-Kanal EKG – Apple Watch 4 

Was sehe ich:

  • elektrische Herzfrequenz 170 bpm
  • regelmäßige Kammeraktionen
  • schmale Kammerkomplexe
  • keine sichere P-Welle, möglich unmittelbar nach QRS-Komplex

Verdachtsdiagnose durch den Kardiologen 

  • hochgradiger Verdacht auf AV-Knoten Reentrytachykardie (AVNRT)

Anamnesekriterien aus der Vorgeschichte

  • plötzliches Einsetzen und Ende der Tachykardie
  • mehrmals durch mechanische und vagale Manöver beendet

EKG – Kriterien der typischen AVNRT

  • schmale QRS-Komplexe
  • regelmäßige QRS-Komplexe
  • Keine oder unmittelbar nach QRS-Komplex erkennbare P-Welle

Akute Therapie der AVNRT 

Mechanisches Manöver

  • Kopfstand

BILD – Kopfstand

  • führt zur Terminierung der Rhythmusstörung mit Sinusrhythmus

Technische Anmerkungen

Bei sehr hohen Herzfrequenzen ist die P-Welle häufig schwierig abgrenzbar. Allerdings kann durch eine komplette Blockade des AV-Knotens mittels Adenosin die P-Welle sichtbar gemacht werden.

Der Analysemodus der Apple-Watch erlaubt die Diagnose “mögliches Vorhofflimmern” nur bis zu einer Herzfrequenz von 120 bpm. Dasselbe gilt übrigens auch bei einer Herzfrequenz von unter 50 bpm. Kurzum, die Apple Watch ist für die Diagnose “mögliches Vorhofflimmern” nur in einem Herzfrequenzbereich von 50-120 bpm geeignet. Folglich kann es sich in dem oben genannten Fall streng genommen auch um pseudoreguläres schnelles Vorhofflimmern gehandelt haben. Das ist allerdings aufgrund der Ansprechbarkeit der Rhythmusstörung auf ein vagales Manöver mit prompter Terminierug des Herzrasen unwahrscheinlich. Denn Vorhofflimmern reagiert allenfalls mit einer vorübergehenden Verlangsamung der Herzfrequenz auf vagale Manöver, fast nie mit einer kompletten Terminierung.

 

Kurzbeschreibung AV-Knoten Reentrytachykardie (AVNRT) 

Eine AVNRT ist eine grundsätzlich „gutartige“ Herzrhythmusstörung, welche typischerweise plötzlich beginnt und wieder endet. Diese Form der Tachykardie kann in jedem Lebensalter erstmals auftreten.

In der Tat können Sie eine AVNRT häufig durch vagale Manöver (z.B. Augenbulbusdruck, Druck auf eine Halsschlagader, Valsalva-Pressmanöver, Eiswasser) beenden. Allerdings sollten Sie einen Kopfstand wirklich nur dann durchführen, wenn Sie ihn wirklich beherrschen. Folglich muss der  Einsatz von vagalen Manövern immer vor der ersten Durchführung mit einer Kardiologin oder einem Kardiologen besprochen werden.

Eine AVNRT kann bei langer Dauer von mehreren Stunden zu Luftnot, vermehrter Harnausscheidung („Harnflut“) und Leistungsschwäche führen. Aus diesem Grund kann bei begleitenden weiteren Herz-Kreislauferkrankungen, wie Herzschwäche und Koronare Herzkrankheit eine kritische Kreislaufschwäche mit Lungenödem auftreten.

Folgerichtig, hält die AVNRT an bzw. kann die Tachykardie nicht durch vagale oder mechanische Manöver beendet werden, dann müssen Sie ärztliche Hilfe aufsuchen. Bei guter Leistungsfähigkeit können Sie unmittelbar zu einem Kardiologen oder eine Notaufnahmestation gehen. Im Zweifel, und immer bei Symptomen, wie z.B. Luftnot und Benommenheit, sollten Sie den Rettungsdienst unter 112 verständigen.

Eine AVNRT kann typischerweise durch die intravenöse Gabe von Adenosin (AdrekarⓇ) beendet werden. Zudem ist so auch die diagnostische Abgrenzung von Vorhofflattern mit regelmäßiger Überleitung möglich.

Überdies können wir  eine AVNRT durch eine Katheterablation behandeln und somit “heilen”. Zudem ist der Eingriff  komplikationsarm und hocheffektiv mit Erfolgsraten > 95%. Eine medikamentöse Rezidivpropylaxe ist wenig effektiv und nicht zu empfehlen.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Vorhofflimmern früh erkennen – Schlaganfall verhindern

Ein Schlaganfall ist ein gravierendes Ereignis, häufig genug mit bleibenden Folgen für die körperliche, geistige und seelische Selbstbestimmtheit. Auch wir und er Cardiopraxis sind immer wieder sehr betroffen, wenn ein Patient mit einem Schlaganfall zu uns kommt. Folglich unternehmen wir alle Anstrengung um bei den Menschen, die wir betreuen einen Schlaganfall in der Zukunft zu verhindern.

Vorhofflimmern häufig in der Praxis unerkannt

Da gerade bei Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen, wie z.B. nach Herzinfarkt oder Bluthochdruck Vorhofflimmern eine sehr häufige Ursache für einen Schlaganfall ist, nutzen wir selbstverständlich auch die herkömmlichen Methoden zur vorbeugenden Diagnostik. Dazu gehören das bekannte Ruhe-EKG, das Langzeit-EKG, das Belastungs-EKG und zur Risikostratifizierung auch der Herzultraschall.

Weil Vorhofflimmern häufig ohne Symptome und/oder nur kurzzeitig anfallsartig auftritt, können wir anläßlich eines Besuchs in der Praxis Vorhofflimmern häufig nicht feststellen.

Ein Weg dieser diagnostischen Lücke zu begegnen ist die Selbstmessung durch die potentiell Betroffene. Methoden zur selbständigen Erfassung von Vorhofflimmern reichen dabei von der Pulstastung bis hin zur der Ableitung eines 1-Kanal-EKGs über ein Smartphone.

Pulstastung auf Regelmäßigkeit erlernbar und ein erster wichtiger Schritt

Einen Schlaganfall können Sie selbst verhindern: Tasten Sie Ihren Puls auf Regelmäßigkeit! Denn der Tastbefund gibt einen wertvollen Hinweis darauf, ob Sie zu den rund 1,7 Mio. Menschen in Deutschland mit der Diagnose Vorhofflimmern gehören. Ihr Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, ist 5x so hoch wie normal – bis zu 25% aller Fälle werden durch Vorhofflimmern verursacht!

In der Tat können Sie das  Pulstasten bei guter Schulung und mit etwas Geduld ziemlich zuverlässig selber lernen. Folglich können Sie in  92% aller Fälle Vorhofflimmern durch diese einfache Methode richtig erkennen. Im Gegensatz zum normalen, regelmäßig schlagenden Puls zeichnet sich Vorhofflimmern durch absolute Unregelmäßigkeit aus.

Von der Pulsabfolge sieht das in etwa so aus:

Normaler = regelmäßiger Puls:
__I__I__I__I__I__I__I__I__I__I__I__I

Einzelne elektrische Extrasystolen = regelmäßiger Grundrhythmus + mechanische Pausen:
__I__I__I_____I__I__I__I__I__I__I__I

Vorhofflimmern = absolute Unregelmäßigkeit („Morse-Code“):
__I_I____I__I_____I_I_I___I__I____I

Im letzten Fall sollten Sie noch am selben Tag ein EKG beim Arzt schreiben lassen! Das Risiko für einen Schlaganfall steigt 48 Stunden nach Einsetzen von Vorhofflimmern bedeutsam an.

Folglich empfehlen Risikopatienten für Vorhofflimmern grundsätzlich 2x pro den Puls auf Regelmäßigkeit zu tasten.

Eine weitere wichtige Anwendungsmöglichkeit der Pulstastung ist das “Pill-in-the-Pocket” – Konzept zur selbstständigen Überführung von Vorhofflimmern in den normalen Sinusrhythmus.

 

Taggar JS et al. Eur J Prev Cardiol 2016;23:1330-38

 

…..weiter im Selbsthilfekurs.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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