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Ibuprofen und Bluthochdruck – der Blutdruck schwankt stark

32,4 % der Menschen in Deutschland über 20 Jahren haben Bluthochdruck. Diese Herz-Kreislauferkrankung ist ein hoch-relevanter gesundheitlicher Risikofaktor, z.B. für das Auftreten eines Herzinfarktes.

In der Cardiopraxis erfassen wir durch die Kreislaufmessung mit dem FinapresⓇ-System nicht nur den Blutdruck, sondern auch den Blutfluss und gleichzeitig messen wir auch Ihre Körpertemperatur. Das zeigt uns nicht nur besser, wie Ihr Blutdruck reguliert wird, sondern auch wie Ihr Temperaturregelkreis – und damit Ihr Stoffwechsel – gesteuert wird. So können wir die Ursachen des erhöhten Blutdrucks sehr häufig besser erkennen und erfolgreich behandeln.

Zu uns in die Cardiopraxis kommen sehr häufig Menschen, die angeben, dass ihr Blutdruck „spinnt”, weil er besonders stark schwankt: mal ist er niedrig, mal sehr hoch. Auf genauere Befragung geben zahlreiche Betroffene an, dass sie in letzter Zeit das Schmerzmittel Ibuprofen in Tagesdosen von 400 bis 2.400 mg einnehmen.

Mit Ibuprofen, dem „Marktführer“ unter den Schmerzmitteln, haben wir in der Cardiopraxis umfangreiche messtechnische Erfahrungen. Denn bei der Kreislaufmessung bestimmen wir nicht nur Blutdruck, sondern auch Blutfluss und Körpertemperatur. Allein vom rezeptfreien Ibuprofen bis 400 mg wurden im Jahr 2017 in Deutschland 51 Millionen Packungen verkauft, der Umsatz betrug 320 Millionen Euro.

Ibuprofen – der Blutdruck steigt

In einer sogenannten Placebo-kontrollierten Doppelblind-Studie konnte man bei 444 Menschen mit einem durchschnittlichen Alter von 62 Jahren zeigen, dass mittlere Dosen an Ibuprofen (600-800 mg) und Naproxen (375-500 mg) den Blutdruck steigern

. Das galt vor allen Dingen für den systolischen Blutdruck mit durchschnittlich 3,4 mmHg (Ibuprofen) und 1,9 mmHg (Naproxen). Dies mag gering erscheinen, allerdings war der Pulsdruck, d.h. die Differenz zwischen systolischem und diastolischem Druck, ebenfalls erhöht. Das weist indirekt darauf hin, dass der Blutfluss relevant ansteigt – und damit auf eine Adrenalin-vermittelte Aktivierung.

Das besondere an der Untersuchung war, dass alle Studienteilnehmer ursprünglich einen normalen Blutdruck hatten. Nach einem Behandlungsintervall von 4 Monaten erfüllten in der Ibuprofen-Gruppe 23,2% und in der Naproxen-Gruppe 19% die Kriterien eines Bluthochdrucks. Nun fragten wir uns, welche Mechanismen hinter dem gestiegenen Blutdruck stecken.

 

Ibuprofen – nicht nur Schmerzmittel, sondern auch „Fiebersenker”

Ibuprofen ist nicht nur ein sehr gutes Schmerzmittel, sondern auch ein sehr guter Fiebersenker. Sie kennen das sehr gut, wenn Sie oder Ihre Kinder mal einen hochfieberhaften Infekt haben. Innerhalb von ca. 30 Minuten nach Einnahme schlägt das Herz schneller und kräftiger, Sie beginnen zu schwitzen und die Körpertemperatur fällt, z.B. von 40,0 auf 38,5 Grad Celsius.

Ibuprofen – Regelkreise für Körpertemperatur und Blutdruck

Nun, Ibuprofen greift auch bei normaler Körpertemperatur in die Regulation Ihres Temperaturhaushaltes ein. Genauso wie beim fieberhaften Infekt senkt Ibuprofen den Sollwert für die Körpertemperatur, z.B. von 36,5 auf 36,0 Grad Celsius. Folglich will der Körper nun mehr Wärme abgeben. Am besten macht er das, indem er die Haut stärker durchblutet. Die Blutgefäße werden weitgestellt und so wird vermehrt Blut aus dem warmen Körperkern über die Körperoberfläche zirkuliert, so dass mehr Wärme an die Umgebung abgestrahlt wird.

Sind die Blutgefäße thermoregulatorisch weitgestellt, dann greift das auch in Ihre Blutdruckregulation ein – der Blutdruck sinkt zunächst. Der Blutdruckregelkreis hat ebenfalls einen Sollwert. Sein Ziel ist es zu jedem Zeitpunkt Ihr Gehirn richtig zu durchbluten. Fällt der Blutdruck durch die Weitstellung der Arterien ab, dann muss der der Regelkreis der Blutdruckregulation reagieren – sonst verlieren Sie das Bewusstsein.

Folglich versucht das vegetative Nervensystem über Ausgleichssysteme den Blutdruck adäquat hoch zu halten. Bei weit gestellten Blutgefäßen funktioniert das vor allen Dingen, indem die Herzfrequenz und Pumpkraft des Herzens steigen. Diese Reaktion wird über Adrenalin vermittelt.

Adrenalin im Übermaß kann wiederum schädliche Auswirkungen auf  Ihr Herz-Kreislaufsystem haben. Der beschriebene Mechanismus erklärt auch, warum unter Ibuprofen vermehrt Herzinfarkte und der plötzliche Herztod auftreten: zu viel Adrenalin begünstigt, dass Arterien verkrampfen, sich Blutgerinnsel bilden und Herzrhythmusstörungen ausgelöst werden.

Ibuprofen – Nebenwirkung „der Blutdruck spinnt”

Ihr Kreislauf ist durch den niedrigen Gefäßwiderstand, der ja die Ursache für den hohen Blutfluss ist, extrem „kippelig” und störanfällig. Als Folge des Wechselspiels „Bedürfnis nach erhöhter Temperaturabgabe“ und „Blutdruck aufrechterhalten“ gerät der Blutdruck aus dem Gleichgewicht. Ihr Blutdruck schwankt stärker, mal ist er niedrig, mal ist er zum Teil sehr hoch: Der „Blutdruck” spinnt.

Das erklärt auch eine Reihe von Nebenwirkungen von Ibuprofen:

Ibuprofen – Vorsicht bei Herz-Kreislauferkrankungen

Gerade, wenn Sie Herzrhythmusstörungen, eine Koronare Herzkrankheit oder einen Bluthochdruck haben, dann sollten Sie im Umgang mit Ibuprofen vorsichtig sein.

Wir empfehlen in diesen Fällen als Tagesdosis max. 1.200 mg Ibuprofen über einen möglichst kurzen Zeitraum. Eine Alternative ist Paracetamol.

Sollten sich Ihr Befinden verändern – und hier reicht schon eine zunehmende innere Unruhe – dann besprechen Sie Ihre Schmerzmedikation mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

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Ruschitzka F et al. Eur Heart J 2017;38:3282-3292

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Ibuprofen und Schmerzen – Risiko für plötzlichen Herztod erhöht

Schmerzen kennt jeder von uns. Wenn wir Schmerzen haben, dann sind wir in unseren körperlichen, vor allen Dingen aber auch geistigen Fähigkeiten zum Teil erheblich eingeschränkt. Der Schmerz steht meistens voll im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit, er besetzt unser Leben. Wir sind zunehmend mit dem Schmerz und uns selbst beschäftigt. Bei Schmerzen sind wir sind häufig nicht mehr unser gewohntes Selbst, nicht nur für uns selber, sondern auch für andere Menschen. Kurzum, wir drohen die Kontrolle zu verlieren. Unruhe, Angst und Gereiztheit bestimmen unseren Alltag.

Folglich ist es nur allzu verständlich, dass Menschen zu Schmerzmitteln greifen, um diesem Teufelskreis zu entkommen. Rezeptfrei ist vor allen Dingen Ibuprofen ein „beliebtes“ Schmerzmittel in Deutschland. Der Marktanteil an den nicht-steroidalen Schmerzmittel war 2017 mit 57,7% mit Abstand am höchsten, weit vor Paracetamol mit 30,6%, Acetylsalicylsäure mit 7,3% und Diclofenac mit 4,1%. Diese Präparate sind, so gut sie auch gegen Schmerzen helfen, nicht ohne Folgen für das Herz-Kreislaufsystem.

Ibuprofen und Diclofenac – Risiko für plötzlichen Herztod um 30-50% erhöht

In einer groß angelegten Fall-Kontrollstudie aus Dänemark bei 28.947 Menschen, die zwischen 2001 und 2010 einen plötzlichen Herztod erlitten hatten, konnte vor allen Dingen für Ibuprofen und Diclofenac ein erhöhtes Risiko eindrucksvoll belegt werden. In dieser Gruppe hatten 3.376 Personen in den 30 Tagen vor dem plötzlichen Ereignis ein sog. nicht-steroidales Schmerzmittel eingenommen.

Das Risiko für den plötzlichen Herztod war dabei für Ibuprofen mit +31% und Diclofenac mit +50% deutlich erhöht. Andere Schmerzmittel, wie z.B. Naproxen wurden zwar auch untersucht, fielen allerdings nicht so sehr ins Gewicht, weil sie in Dänemark nicht so häufig eingenommen werden.

Die betroffenen Menschen waren im Mittel 70 Jahre alt. Gerade bei solchen, die ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod durch Begleiterkrankungen hatten, wurde das Risiko durch die Einnahme von Diclofenac und Ibuprofen noch weiter gesteigert. Folglich sind auch jüngere Menschen, die ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod gefährdet.  Zu diesen Risikopatienten gehören solche mit Koronarer Herzkrankheit bzw. Zustand nach Herzinfarkt, solche mit Herzschwäche, mit vorbekannten Rhythmusstörungen aber auch Menschen mit Verkalkungen der Hirnarterien sowie diejenigen mit Nierenerkrankungen und rheumatoider Arthritis.

Schmerzen – Risiko Adrenalin-vermittelte Aktivierung durch Schmerzstress

Schmerzen alleine haben schon eine vermehrte Adrenalin-vermittelte Aktivierung zur Folge. Das liegt ja auch in der Natur dieser Körperwahrnehmung, den Schmerzen sind für uns ein wertvolles Warnsignal. Folglich werden wir durch die Schmerzen aufgefordert etwas gegen die Ursachen zu tun.

Adrenalin als Teil des Angriff-/Flucht-Systems, stimuliert körperliche und geistige Aktivität. Allerdings hat das auch Konsequenzen für das Herz-Kreislaufsystem. Es ist typisch, dass Schmerzen Blutdruckerhöhungen bis hin zur Blutdruckkrise zur Folge haben und sie können sogar Herzinfarkte auslösen. Nicht selten kommen Menschen auch zu uns in die Cardiopraxis, bei denen Schmerzen zu Herzstolpern und auch fassbaren Herzrhythmusstörungen im EKG zur Folge hat.

Ibuprofen – Risiko Adrenalin-vermittelten Aktivierung durch Eingriff in Temperaturregulation

Neben seiner Eigenschaft als Schmerzmittel ist Ibuprofen auch ein hoch-effektiver Fiebersenker und damit auf die Regulation Ihrer Körpertemperatur. Dieses geschieht zentral im Gehirn über eine Verstellung des Sollwerts nach unten, z.B. von normalerweise 36,5 Grad Celsius auf 36,0 Grad Celsius. Nun versucht Ihr Körper schon bei niedrigeren Körpertemperaturen Wärme an die Umgebung abzugeben. Das geschieht am besten reguliert über eine Steigerung der Durchblutung und damit eine Weitstellung der Arterien.

Weil die Gefäßerweiterung zum Blutdruckabfall führt, muss nun über eine Steigerung von Herzfrequenz und Pumpkraft des Herzens der Blutdruck adäquat hochgehalten werden. Das geschieht wieder Adrenalin-vermittelt. Ibuprofen kann durch eine übermäßige Adrenalin vermittelte Aktivierung auch Bluthochdruck zur Folge haben.

Ibuprofen – Symptome durch Kreislaufstörungen erklärbar

Nun haben wir gesehen, dass sowohl Schmerzen als auch Ibuprofen über die Eingriffe in die Temperatur- und die Blutdruckregulation Folgen für Ihr Herz-Kreislaufsystem haben können. Aufgrund dieser Mechanismen lassen Sich auch eine ganze Reihe von Nebenwirkung von Ibuprofen erklären

Einnahme von Ibuprofen bei Herz-Kreislauferkrankungen

In der Cardiopraxis raten wir Menschen mit Bluthochdruck, Koronarer Herzkrankheit, Zustand nach Herzinfarkt und Herzrhythmusstörungen grundsätzlich zu einer möglichst kurzen Behandlung mit Ibuprofen. Sie sollten eine Tagesdosis von 1.200 mg nicht überschreiten. Das Risiko für Komplikationen ist aus unserer Sicht besonders bei Menschen mit einem hohen Blutfluss in der Kreislaufmessung erhöht, weil hier das Herz- und Kreislaufsystem bereits Adrenalin-vermittelt aktiviert.

Bei chronischen Schmerzen ist es sinnvoll mit einem fachlich spezialisierten Schmerztherapeuten zusammen zu arbeiten.

Sollten Sie Ibuprofen einnehmen, dann achten Sie bitte auf die oben genannten Symptome, vor allen Dingen auf neu aufgetretene innere Unruhe, Gereiztheit, Benommenheit und Schlaflosigkeit. Hier können sich ernsthafte Folgen ankündigen.

Sie können dann mit Ihrer Ärztin oder Ärzten sprechen, ob Sie z.B. Paracetamol oder Aspirin einnehmen sollten. Auf jeden Fall ist es für Sie sinnvoll bei gleichzeitiger Einnahme von Ibuprofen ausreichend Trinken (30-40 ml pro kg Körpergewicht und Tag), denn ausreichende Flüssigkeitszufuhr beruhigt das vegetative Nervensystem.

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Sondergaard KB et al. Eur Heart J Cardiovasc Pharmacother 2017;3:100-107

 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Von einem Plötzlichen Herztod spricht man, wenn ein Tod unerwartet in weniger als 1 Stunde nach Symptombeginn auftritt. Schon alleine die Definition deutet darauf hin, dass der plötzliche Herztod selten ein Ereignis ist, das einen wie der Blitz aus heiterem Himmel trifft.

Ist der plötzliche Herztod wirklich ein plötzliches Ereignis?

Eine immer noch aktuelle Studie, die das Notarztsystem Berlin diesbezüglich durchgeführt hat, liefert zu dieser Frage sehr interessante Daten.

Die Arbeitsgruppe erfasste für die wissenschaftlichen Untersuchung 406 Patienten mit plötzlichem Herztod, 72 % der Ereignisse passierten in häuslicher Umgebung. Zu den Ursachen zählten Kammerflimmern (39 %), pulslose elektrische Aktivität (19 %) und Asystolie als kompletter Stillstand des Herzens (42 %). In zwei Dritteln der untersuchten Fälle waren Beobachter bei dem Ereignis dabei, 75% dieser Beobachter waren Angehörige.

Bei einer Befragung unter den Beobachtern kam heraus: 69 % der plötzlich verstorbenen Menschen wiesen vor ihrem plötzlichen Herztod länger als 30 Minuten folgende Symptome auf:

  • Angina pectoris  40 %
  • Luftnot 27 %
  • Bewusstseinsstörung 10 %
  • Andere 23 %

Kurzum in Stadtgebieten sind professionelle Rettungskräfte innerhalb von ca. 10 Minuten vor Ort. Berücksichtigt man eine Patienten- bzw. Beobachter-Entscheidungszeit von 10 Minuten, dann haben ca. 66% der Menschen mit plötzlichem Herztod eine gute Chance rechtzeitig Hilfe zu erhalten. Folglich können lebensrettende Maßnahmen können so innerhalb von 30 Minuten nach Symptombeginn eingeleitet werden.

Auch auf die Symptome bei anderen Menschen achten

Als Verwandter, Freund, Arbeitskollege und auch als Passanten sind Sie potentieller Lebensretter. Sollte in Ihrem Umfeld den Eindruck haben, dass es einem Menschen schlecht geht oder er oder die oben genannten Symptome äußern, dann handeln Sie. Verständigen Sie spätestens nach 10 Minuten den Rettungsdienst unter 112.

Falls erforderlich, führen Sie bis zum Eintreffen der Rettungskräfte selbst lebensrettende Maßnahmen durch:

…..weiter im Selbsthilfekurs „Herzinfarkt sofort handeln“

 

? Arntz et al. Intensivmed 1999;36: 485-492

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Automatischer Externer Defibrillator – hilft schnell und sicher bei Kammerflimmern

In Deutschland sterben pro Jahr über 100.000 Menschen den plötzlichen Herztod. Eine Hauptursache: Herzkammerflimmern der Herzhauptkammern.

Sie können sich Kammerflimmern wie einen elektrischen Sturm im Herz vorstellen, die Hauptkammern werden kontinuierlich elektrisch erregt. Folglich tritt eine Erstarrung des Herzens ein, der mechanische Herzstillstand. Aus diesem Grund kann sich das Herz nun weder richtig mit Blut füllen und schon gar nicht mehr Blut in den Kreislauf pumpen, ein vollständiger Kreislaufkollaps.

Am empfindlichsten reagiert das Gehirn. Wird Ihr Gehirn 10 bis 15 Sekunden nicht richtig mit sauerstoffreichem Blut versorgt, dann tritt Bewusstseinsverlust ein. Folglich sinkt mit jeder Minute die Überlebenswahrscheinlichkeit um 10%.

Automatischer externer Defibrillator – einfach zu handhaben, für jeden

Ein Automatischer Externer Defibrillator (AED) kann das Herzkammerflimmern beenden. AEDs sind mit einem grünen Hinweisschild gekennzeichnet und gibt es heutzutage in vielen öffentlichen Gebäuden.

Mit Hilfe der App „Defi App“ vom Deutschen Roten Kreuz finden Sie im Notfall den nächsten AED Standort. Folgerichtig gehört der AED  in Deutschland zunehmend zu den Maßnahmen der Erstversorgung bei akutem Herzinfarkt.

Der AED ist selbsterklärend, nach dem Öffnen des AED gibt eine Stimme Ihnen die Schritte vor:

  • Als erstes kleben Sie 2 Elektroden auf den freien Oberkörper der betroffenen Person. Die richtige Position der Elektroden ist auf einem Piktogramm abgebildet
  • Daraufhin analysiert der AED den Herzrhythmus. Während dieser Zeit (etwa 10 Sekunden) muss man die Herzdruckmassage unterbrechen (und geduldig sein)
  • Der AED fordert Sie mit einem Sprachsignal auf, falls Kammerflimmern vorliegt, den gut erkennbaren Knopf für die elektrische Schockabgabe zu drücken. Während der Schockabgabe sollte keine anwesende Person den bewußtlosen Menschen berühren
  • Nach erfolgter Schockabgabe führen Sie die Herzdruckmassage unmittelbar fort und folgen den weiteren Vorgaben des AED
  • Führen Sie die Wiederbelebungsmassnahmen mit Hilfe des AED solange durch bis der Patient das Bewusstsein wiedererlangt oder Hilfe eintrifft

Automatischer externer Defibrillator – funktioniert einfach prima!

Eine Wiederbelebung in einer kardiologischen Praxis ist ein sehr seltenes Ereignis, und doch kommt Sie alle 10 Jahre 1x vor. Darauf sind wir vorbereitet. So haben wir auch selber schon in der Cardiopraxis einen AED eingesetzt.

An einem Montagabend im Januar 2017, saß abends spät noch ein 71-jähriger Mann im Wartebereich der Cardiopraxis Düsseldorf. Das Video „AED – Leben retten“ war noch keine 14 Tage veröffentlicht. Der Mann war nur 30 Sekunden unbeobachtet, bewußtlos wurde er von Dr. Dierkes aufgefunden.

Mit eingespielten Abläufen ging nun alles ganz schnell.

  • Dr. Dierkes begann unverzüglich mit der Herz-Druckmassage
  • Frau Rottsieper holte unmittelbar den Automatischen Externen Defibrillator (AED)
  • zeitgleich verständigte Herr Schönling das  Notarztteam unter 112 
  • Dr. Dierkes legte die Elektroden auf dem Brustkorb an
  • Frau Busch startete den AED und löste nach etwa 2,5 Minuten Bewusstlosigkeit durch Knopfdruck den elektronischen Wiederbelebungsschock aus
  • der Mann erwachte spontan atmend und war kreislaufstabil

Kurzum, nach sicherer Ankunft am Universitätsklinikum Düsseldorf konnte im Herzkatheterlabor eine hochgradige Engstelle einer Herzkranzarterie erfolgreich mittels Stent behandelt werden. Darauf hat der zufriedene Mann uns in der Cardiopraxis 15 Tage nach dem Ereignis wieder besucht. Seit dem eindrucksvollen Ereignis hat er wieder viele schöne Tage in seiner Werkstatt verbracht.

AED – der Feuerlöscher für das Herz

Wir kennen ihn alle und sehen ihn überall, den Feuerlöscher für Hausbrände. Obwohl ein Gebäudebrand rein statistisch betrachtet ein sehr unwahrscheinliches Ereignis ist, ist die Vorhaltung eines Feurlöscher in öffentlichen Gebäuden sogar gesetzlich vorgeschrieben.

Nun, der AED ist in gewisser Weise der Feuerlöscher für das Herz, denn er löscht Kammerflimmern. Zwar gibt es hier noch keine gesetzlichen Vorschriften, allerdings schätzen wir die Notwenigkeit der flächendeckenden Vorhaltung von AEDs in öffentlichen Gebäuden ähnlich ein wie beim Feuerlöscher. Der Bedarfsfall ist selten, aber wenn es brennt dann müssen wir sofort handlungsbereit und handlungsfähig sein.

Schauen Sie sich doch mal in Ihrem Lebensumfeld um wo ein AED zu finden ist, sei es an Ihrer Arbeitsstelle oder auf Ihren üblichen Wegen an Ihrem Wohnort. Machen Sie es wie beim Ostereiersuchen. Hilfreich ist dabei die Defi-App vom Deutschen Roten Kreuz.

? Mell HK et al. Progr Cardiovasc Dis 2008;51: 204-212

 

….weiter im Selbsthilfekurs „Herzinfarkt sofort handeln“

 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Am Plötzlichen Herztod sterben 100.000 Menschen pro Jahr in Deutschland. 80 % von ihnen litten an einer schnellen Herzrhythmusstörung der Hauptkammern (z. B. Kammerflimmern). Bei einem Kammerflimmern kommt es zu einem mechanischen Herzstillstand. Jede Minute Kreislaufstillstand senkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um 10 %. Ein Elektroschock mit Defibrillator kann hier lebensrettend sein.

Eine besondere Form ist die Defibrillatorweste. Sie besteht aus 2 Elektroden, einer Kontrolleinheit und einer Batterie. Getragen wird sie 24 Stunden am Tag, nur zum Duschen muss man sie abnehmen.

Die Defibrillatorweste erkennt zuverlässig schnelle Herzrhythmusstörungen. Über einen Signalton wird der Patient bei Erkennung gewarnt und kann den bevorstehenden Elektroschock durch Drücken eines Knopfes verhindern. Bei Fortbestehen der Herzrhythmusstörung kommt es zum Bewusstseinsverlust, der Knopf wird automatisch losgelassen und der Elektroschock von der Weste abgegeben. So wird verhindert, dass bei Bewusstsein oder durch fehlerhafte Erkennung ein Schock ausgelöst wird.

Die Defibrillatoweste ist sehr effektiv, in 98 % der Fälle wird durch den ersten Schock die lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung beendet.

Geeignet ist die Defibrillatorweste für Menschen mit vorübergehend erhöhtem Risiko für Kammerflimmern. Das ist der Fall
– in den ersten 6 Wochen nach großem Herzinfarkt mit bedeutsamer Herzschwäche
– bei akuter Herzmuskelentzündung mit Herzschwäche und Rhythmusstörungen
– bei der Explantation eines implantierten Defibrillators, z.B. aufgrund einer Infektion

Die Defibrillatorweste wird in der Regel über einen Zeitraum bis zu 3 Monaten getragen. Danach wird entschieden, ob das erhöhte Risiko weiter fortbesteht. Ist dies der Fall, wird ein Defibrillator unter die Haut dauerhaft implantiert (sogenannter ICD).

Die Defibrillatorweste kann Leben retten, sie hilft vorübergehende Risiken sicher zu meistern.

 

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Die 42,195 km lange Strecke eines Marathons erfreut sich auch bei Amateuren großer Beliebtheit: Allein beim New York Marathon 2016 kamen über 51.000 Menschen zum Ziel, darunter viele Amateure.

Ein Marathonlauf ist allerdings eine sehr große Belastung fürs Herz. Das zeigt eine Studie unter gesunden Amateurläufern mit dem Biomarker Troponin, dessen Nachweis im Blut einen Hinweis auf Herzinfarkte geben kann. Während bei 10-km-Läufern ein normaler Troponingehalt nachgewiesen wurde, war die Troponinmenge bei Marathonläufern  erhöht.

Mögliche Ursachen dafür sind die anhaltend hohe Druck- und Volumenbelastung bei Marathonläufern, ihr Elektrolytverlust und ihre Dehydratation sowie die Bildung von kleinsten Thrombosen. Das Risiko für einen plötzlichen Herztod beim Marathon liegt bei ca.  1 zu 100.000.

Ausdauertraining ist grundsätzlich gesund. Das Gesundheitsrisiko bei Marathon steigt allerdings mit dem Lebensalter. Wir empfehlen daher:

  • Menschen über 35 Jahre sollten vorher immer einen Gesundheitscheck machen
  • stets eine professionelle Vorbereitung
  • immer ausreichend Flüssigkeit zuführen (auch während des Laufs)
  • eigene Grenzen erkennen

Ein Halbmarathon ist übrigens auch eine echt tolle Leistung…

 

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Eine Herz-Kreislauf-Synkope ist eine kurze Ohnmacht (weniger als 60 Sekunden). Weil sie so plötzlich auftritt, können Betroffene sich zum Beispiel beim Hinfallen verletzten. 40 % aller Menschen erleben sie mindestens einmal in ihrem Leben, meist zwischen dem 10. und 20. oder nach dem 60. Lebensjahr.

Bei einer Synkope fallen Blutdruck und Herzfrequenz kritisch ab und das Gehirn ist kurzzeitig zu wenig durchblutet. Häufigste Ursachen dafür sind:

Für eine erste Diagnostik sind wichtig:

So können Ursachen genau abgeklärt werden. Eine Synkope kann mit einem höheren Risiko für plötzlichen Herztod einhergehen. Der Großteil der Synkopen ist langfristig jedoch gutartig.

 

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In der kalten Jahreszeit steigt das Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen. Denn der Kreislauf reagiert bei Kälte anders. Weil die Außentemperatur sinkt, will der Körper seine Kerntemperatur stabil halten und Haut- und Muskelgefäße ziehen sich zusammen.

Dadurch steigt auch der Gefäßwiderstand – und damit die Herzarbeit:

  • die Herzkranzgefäße ziehen sich zusammen
  • Stresshormone werden ausgeschüttet (Adrenalin, Noradrenalin)
  • Die Blutgerinnung nimmt zu

Das kann zu Angina pectoris, einem spürbaren Brustdruck, führen. Bewegungsmangel, fettes Essen und schlechte Stimmung erhöhen das Risiko zusätzlich. Da verwundert es nicht, dass Herzinfarkte und plötzlicher Herztod im Winter häufiger auftreten. Übrigens ist das Risiko beim Schnee-Schippen am höchsten.

Herzpatienten aufgepasst! Sie sollten besonders darauf achten:

  • Herzsymptome (Angina pectoris, Herzstolpern, Luftnot)
  • Kälteschutz (z. B. Schal, mit geschlossenem Mund atmen)
  • entspannte Winterspaziergänge machen (keine übermäßige Anstrengung)
  • soziale Kontakte pflegen (auch über Soziale Medien = besser als nichts)

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Der implantierbare Cardioverter/Defibrillator (ICD) ist ein spezieller Herzschrittmacher, der vor dem plötzlichen Herztod schützt. Denn: Bei plötzlichen Kammerrhythmusstörungen mit Herzkreislaufstillstand nimmt die Wahrscheinlichkeit zu überleben jede Minute um 10 % ab. Der ICD reagiert indes schon nach 15 bis 20 Sekunden, wenn eine Rhythmusstörung auftritt.

Ein ICD wird implantiert bei

  • bekannten lebensbedrohenden schnellen Herzrhythmusstörungen (Herzhauptkammer-Flattern und/oder -Flimmern)
  • erhöhtem Risiko für schnelle Kammerrhythmusstörungen

Implantiert wird der ICD (ca. 5 bis 6 cm Durchmesser) unter der Haut, in der Region unter dem Schlüsselbein. Eine Elektrode wird schließlich über eine Vene in die rechte Herzspitze vorgeführt.

Ein ICD erfüllt mehrere Funktionen. Er

  • überwacht kontinuierlich den Herzrhythmus
  • gibt bei Herzhauptkammer-Flattern oder -Flimmern nach 15 bis 20 Sekunden einen Elektroschock ab
  • beschleunigt ebenso das Herz bei zu langsamem Herzschlag

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