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Plötzlicher Herztod - Kammerflimmern im Langzeit-EKG

Kammerflimmern im Langzeit-EKG

Wenn Sie das oben gezeigte EKG auf Ihrer Apple-Watch sehen, dann handelt es sich um Kammerflimmern. Nun ist die Zeit sehr knapp und es verbleiben nach Beginn des Kammerflimmerns nur noch ca. 10 Sekunden bis Sie das Bewusstsein verlieren. Kammerflimmern ist die häufigste Ursache für den plötzlichen Herztod.

Wenn Sie Glück haben, dann beginnen Menschen in Ihrem Umfeld nachdem Sie Ihr Bewusstsein verloren haben mit den Wiederbelebungsmaßnahmen. In optimalen Fällen ist ein Automatischer Externer Defibrillator, ein sog. AED zur Hand. Da in den 30 Minuten vor dem Einsetzen des plötzlichen Herztodes in ca. 2 Drittel der Fälle Symptome, wie z.B. innere Unruhe, Brustdruck oder Luftnot auftreten, haben Sie oder Menschen aus Ihrem Umfeld schon die Rettungskette unter 112 in Gang gesetzt. Geschultes Rettungspersonal ist in Stadtgebieten innerhalb von Minuten vor Ort.

Wenn das alles gut geht, und vor allen Dingen schnell läuft, dann haben Sie häufig Glück und Sie werden erfolgreich wiederbelebt, und können weiter ein aktives Leben führen.

Hier schildern wir Ihnen nun den Fall eines Mannes, der trotz günstiger Umstände, das Pech hatte, dass es im Spätherbst früher dunkel wird als im Sommer.

Fallbericht – Kammerflimmern im Langzeit-EKG

Ein 62-jähriger, sehr freundlicher Mann stellt sich zur Abklärung einer Belastungsluftnot in einer kardiologischen Klinik vor.

Am Aufnahmetag wird noch am Vormittag eine Herzultraschalluntersuchung vorgenommen. Diese zeigt als führenden Befund einer schweren Herzschwäche eine hochgradige Einschränkung der linksventrikulären Ejektionsfraktion von 25% (>55% normal).

Zeitgleich wird im Echokardiografielabor eine orientierende körperliche Untersuchung einschl. einer Auskultation des Herzens mit dem Stethoskop durchgeführt. Das differenzierte Abhören aller Ableitungspunkte ergibt unter Berücksichtigung von Atemmanövern einen deutlichen 3. Herzton über der Herzspitze.

Da eine Herzschwäche mit einem erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen verbunden ist, wird ein Langzeit-EKG angelegt. Für den nächsten Tag ist eine Herzkatheteruntersuchung zur Ursachenabklärung der Herzschwäche geplant.

Am diesem Oktoberabend, die Sonne ist schon untergegangen, macht der Bettnachbar gegen 19:00 Uhr das Licht an. Er entdeckt, dass der Mann bewegungslos in seinem blauen Trainingsanzug, auf dem noch nicht aufgedeckten Bett liegt und auch nicht mehr atmet. Die herbeigerufenen Schwestern, Pfleger und Ärzte beginnen nach Prüfung der Vitalzeichen unmittelbar mit den Reanimationsmaßnahmen. Leider sind diese erfolglos und der Mann wird für tot erklärt.

Das Langzeit-EKG wird posthum, d.h. nach dem Tod ausgewertet und zeigt den seltenen Fall von Kammerflimmern im Langzeit-EKG.

Plötzlicher Herztod - Kammerflimmern im Langzeit-EKG

Kammerflimmern im Langzeit-EKG

Was sehe ich?

Die Langzeit-EKG-Registrierung zeigt zunächst (Beginn EKG-1) eine regelmäßige schmal-komplexe schnelle Folge von QRS-Komplexen. Den QRS-Komplexen vorangeschaltet ist jeweils eine P-Welle. Es handelt sich um eine Sinustachykardie, wahrscheinlich im Sinne einer Bedarfstachykardie bei hochgradiger Einschränkung der linksventrikulären Pumpfunktion.

Im weiteren Verlauf treten zunächst vereinzelt, dann später auch gekoppelt breitkomplexige ventrikuläre Extrasystolen auf. Mit einer Extrasystole beginnt dann das Kammerflimmern (Mitte EKG-1).

Das Kammerflimmern ist initial noch höher-amplitudig. Später geht das Kammerflimmern in eine niedrig-amplitudige und sehr hoch-frequente Form über (EKG-2). Wir halten den Beginn der Herzrhythmusstörung nicht für eine Torsade de Pointes Tachykardie, da bereits zu Beginn (1. vollständige Zeile des Kammerflimmern) keine periodischen Amplituden- und Vektorwechsel auftreten. Nach ca. 25 Minuten ist eine elektrische Aktion der Herzhauptkammer nicht mehr zu erkennen. Wir sehen bezogen auf die Hauptkammern eine elektrische Nulllinie. Wir erkennen nur noch die regelmäßigen Vorhofaktionen (EKG-3).

Plötzlicher Herztod 3. Herzton

Der 3. Herzton – ein sehr schlechtes Vorzeichen

Beim Abhören des Herzens können wir immer, bis auf ganz seltene Ausnahmen den 1. Herzton und den 2. Herzton wahrnehmen. Der 1. Herzton kennzeichnet den Schluss der Verbindungsherzklappen zwischen Vor- und Hauptkammern (Anspannungston). Der 2. Herzton wird durch den Schluss der Herzklappen zwischen Hauptkammern und den abgehenden Arterien verursacht (Klappenschlusston).

Den 3. Herzton hören wir nur noch selten, weil die Menschen mit Herzschwäche meistens frühzeitig gut mit Herz-entlastenden Medikamenten behandelt werden. Er entsteht durch einen erhöhten Füllungsdruck im Herzen.

Wenn wir den 3. Herzton hören, dann ist das ein sog. Signum mali ominis (lat. Vorzeichen allen Schlechten) und die Lage ist ernst. Erfahrene Kardiologen wissen, dass eine lebensbedrohliche Situation vorliegt. Im Fall des beschriebenen Mannes war der 3. Herzton der Vorbote von Kammerflimmern im Langzeit-EKG und damit den plötzlichen Herztod.

Und noch ein weiteres Beispiel aus dem Alltag. Bei diesem 62-jährigen Mann hören wir einen Extraton (S(3+4)) als sog. Fusionsgalopp. Die visuelle Ableitung der Herztöne, das Phonokardiogramm stammt aus einer Zeit, als die Möglichkeiten zur Behandlung der Herzinsuffizienz noch sehr eingeschränkt waren. Der Fusionsgalopp ist eine Verschmelzung von 3. und 4. Herzton und die Prognose ist auch hier schlecht. Dieser Mann verstarb 15 Tage nach der Registrierung des Fusionsgalopps am Plötzlichen Herztod.

Das Herz – ein elektro-mechanisches Organ

Das Herz ist ein elektro-mechanisches Organ, d.h. einer elektrischen Herzaktion folgt ein mechanisches Zusammenziehen, eine sog. muskuläre Kontraktion. Vorkammern und Hauptkammern kontrahieren dabei nacheinander, so dass sich z.B. während die Hauptkammern Blut in Lungen- bzw. Körperkreislauf pumpen gleichzeitig die Vorkammern füllen. Das Herz ist somit eine Druck-Saugpumpe.

Diese elektro-mechanischen Prozesse im Herzen müssen geordnet ablaufen, damit ein ausreichender Kreislauf aufrechterhalten werden kann und alle Organe mit sauerstoffreichem Blut versorgt werden können. Das gilt vor allen Dingen für das sehr Sauerstoff-sensible Gehirn: ca. 10 Sekunden kein Kreislauf im Gehirn führt zu Bewusstseinsverlust.

Herzrhythmusstörungen, z.B. elektrische Extraaktionen, auch Extrasystolen genannt können den regelmäßigen elektro-mechanischen Ablauf und damit den Kreislauf des Blutes stören. Hier muss man wissen, dass jede Herzmuskelzelle das elektrische Potential hat eine Extrasystole auszulösen.

Kammerflimmern – elektrischer Sturm, mechanischer Stillstand

Die gefährlichste Herzrhythmusstörung ist das Kammerflimmern. Die elektrische Herzfrequenz beträgt 320-800 Aktionen pro Minute. Hier sind die Hauptkammern kontinuierlich elektrisch erregt, quasi in einem elektrischen Sturm und die Muskulatur der Hauptkammern befindet sich in einer mechanischen Starre, ähnlich wie einem Muskelkrampf in anderen Körperregionen. Durch die mechanische Starre kommt der Kreislauf zum Stillstand. Je länger der Kreislaufstillstand anhält, ohne dass das Herz mittels Elektroschock, der sog. Defibrillation wieder in einen normalen Rhythmus gebracht wird, desto wahrscheinlicher ist der Tod.

Kammerflimmern terminiert fast ausnahmslos nicht spontan, d.h. ohne Defibrillation kann diese Rhythmusstörung nicht beendet werden, auch nicht mit Medikamenten. Nur in sehr, sehr seltenen Fällen haben einzelne von uns im Herzkatheterlabor oder auf der Intensivstation erlebt, dass sich beginnendes Kammerflimmern wieder “gefangen” hat.

Die kontinuierliche elektrische Erregung der Hauptkammern hat zur Folge, dass sich die Herzmuskelzellen energetisch erschöpfen. Nach ca. 25 Minuten kann auch keine elektrische Erregung mehr stattfinden, das EKG geht in eine elektrische Nulllinie über.

Da die Muskulatur der Hauptkammern von denen der Vorkammern bis auf den AV-Knoten elektrisch isoliert ist, wird die rückwärts gerichtete Erregung durch den AV-Knoten blockiert. Der AV-Knoten ist ein elektrischer Verzögerer. Genauso wenig wie das häufige Vorhofflimmern auf die Hauptkammern 1:1 übertragen, genauso wenig wir das Hauptkammerflimmern rückwärts auf die Vorkammern übertragen. Das können wir auch in unserem Beispiel gut sehen, die elektrischen Vorhofaktionen sind noch lange nachdem die Hauptkammern elektrisch funktionslos sind, im EKG sichtbar. Als mechanisches Phänomen hat dieses übrigens schon William Harvey, der Entdecker des Blutkreislaufs in seinem Buch “De motu cordis et sanguinis” 1628 beschrieben.

Kammerflimmern kann erfolgreich behandelt werden – Zeit ist der kritische Faktor

Sollte ein Mensch in Ihrem Umfeld das Bewusstsein verlieren, nicht mehr ansprechbar sein und auf Schmerzreize nicht reagieren, dann müssen Sie Hilfe rufen und unverzüglich mit den Reanimationsmaßnahmen beginnen:

PRÜFEN – RUFEN – DRÜCKEN

Sollte ein AED vor Ort sein, dann setzen Sie ihn ein. Sie können nichts falsch machen, handeln Sie unverzüglich.

Literatur

 

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


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Kammerflimmern – häufigste Ursache für plötzlichen Herztod 

Kammerflimmern ist eine tödliche Herzrhythmusstörung, die unmittelbar zum Kreislaufstillstand führt und daher bei fehlender Therapie unausweichlich mit dem Tod einhergeht. Folglich ist Kammerflimmern nur durch eine elektrische Therapie mittels Defibrillation terminierbar und behandelbar. 

Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland pro Jahr zwischen 65.000 und 200.000 Menschen am plötzlichen Herztod versterben. Ganz überwiegend liegt dem plötzlichen Herztod Kammerflimmern zugrunde – dies in etwa 80% der Fälle. Bei den restlichen 20% der Fälle geht man davon aus, dass der plötzliche Herztod durch eine primäre Bradykardie bzw. Asystolie, das heißt das gänzliche Fehlen von elektrischer Erregung im Herzen, stattfindet. Letztendlich führt unbehandeltes Kammerflimmern über Minuten dann auch zur Asystolie. 

 Kammerflimmern – elektrischer Sturm, mechanischer Stillstand 

Im normalen, gesunden Zustand kommt es im elektromechanischen Organ Herz zu einer koordinierten, homogen Erregungsausbreitung mit einer zeitgleichen Erregung der Herzmuskelzellen in den Hauptkammern, welches eine geordnete Kontraktion des Herzmuskels nach sich zieht. Folglich wird das Blut in den Herzkreislauf ausgeworfen. 

Die genauen elektrophysiologischen Mechanismen des Kammerflimmerns sind noch nicht eindeutig geklärt. Allerdings weiß man, dass beim Kammerflimmern regionale Erregungsabläufe gestört sind und es zur Initiierung von hochfrequenten, elektrischen Erregungen in der Herz-Hauptkammer >320 Erregungen/min kommt. Mechanisch bedeutet dies lediglich ein “Zucken” des Herzens, es erfolgt keine geordnete Kontraktion und damit auch kein Auswurf des Blutes in den Kreislauf. Gleichbedeutend ist dies ein Kreislaufstillstand. 

Kammerflimmern – am häufigsten bei Herzinfarkt 

Prinzipiell kann jede strukturelle Herzerkrankung mit einer vermehrten Neigung zu Herzrhythmusstörungen – und damit auch Kammerflimmern – einhergehen. Jedoch ist die mit Abstand wichtigste Ursache für ein Kammerflimmern ein akuter Herzinfarkt, der für etwa 80% aller Ereignisse verantwortlich gemacht wird.  

WICHTIG: Und weil bei einem Herzinfarkt das Kammerflimmern so häufig ist, sollten Sie bei einem ablaufenden Herzinfarkt sich auch nie mit einem PKW in die Klinik fahren lassen oder gar selber fahren. Daher bei Herzinfarkt immer die koronare Rettungskette unter 112 in Gang setzen. Die professionellen Rettungskräfte sind in wenigen Minuten vor Ort und haben den lebensrettenden Defibrillator immer dabei. 

Weitere Ursachen für Kammerflimmern sind: 

Kammerflimmern – Was ist zu tun? 

Beim Kammerflimmern muss sofort mit den Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden. Hier hilft der Algorithmus prüfen – rufen – drücken. 

  • Prüfen: Feststellen des Kreislaufstillstandes durch fehlende Reaktion auf Ansprache und abnormale oder fehlende Atmung. 
  • Rufen: Absetzen des Notrufes unter 112 
  • Drücken: Beginn mit der Kardio-Kompression 

Die einzige Möglichkeit ein Kammerflimmern zu durchbrechen, ist die Defibrillation. Daher ist es so wichtig, bei Wiederbelebungsmaßnahmen und Vorhandensein mehrerer Ersthelfer einen Defibrillator einzusetzen. Zum Beispiel finden Sie einen AED an öffentlichen Plätzen oder Gebäuden. 

Die Prognose sinkt je länger es dauert bis Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet werden. Bemerkenswert sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit ohne lebensrettende Massnahmen um etwa 10% pro verstrichener Minute. 

Kammerflimmern – Langzeittherapie 

 Wird ein Kammerflimmern durch ein einmaliges, akutes Ereignis, z.B. durch einen Herzinfarkt oder einen Stromschlag ausgelöst, dann ist die Prognose in den allermeisten Fällen gut und spezifisch vorbeugende Maßnahmen brauchen nicht ergriffen zu werden. 

Falls jedoch eine chronische Erkrankung der Auslöser ist, dann müssen dauerhafte spezifische therapeutische Mittel eingesetzt werden, um ein erneutes Kammerflimmern zu verhindern bzw. zu unterbrechen. Zu den chronischen Erkrankungen, die Kammerflimmern auslösen können, gehören zum Beispiel: 

  • Herzmuskelschwäche, vor allem nach Herzinfarkt
  • Herzmuskelerkrankungen (Dilatative Kardiomyopathie, Hypertrophe Herzmuskelerkrankung, Non-compaction Kardiomyopathie) 
  • Primäre elektrische Erkrankung (z.B. Long-QT Syndrom) 

Nach einem sog. überlebten Plötzlichen Herztod durch Kammerflimmern wird bei einer chronischen Herzerkrankung fast immer ein Implantierbarer Kardioverter Defibrillator (ICD) eingebaut. Zwar kann die medikamentöse Therapie die Häufigkeit von wiederholtem Kammerflimmern senken, aber nie vollständig vor Kammerflimmerepisoden schützen. Nur der ICD als spezialisiertes Schrittmachersystem kann dann das Kammerflimmern mittels Elektroschock über eine Elektrode von innen terminieren. Kurzum gilt für den Träger eines ICD: “Der Patient hat seinen Notarzt an Bord“. 

Eine Zwischenstellung zwischen akuten und chronischen Herzerkrankungen als Auslöser von Kammerflimmern sind akute Erkrankungen mit anfänglich nicht sicher abschätzbarem und längerem Heilungsverlauf. Zu diesen zählt vor allen Dingen die Herzmuskelentzündung, die sog. Myokarditis mit mutmaßlich vorübergehender Herzschwäche und einem erhöhten Risiko für Kammerflimmern, z.B. gekennzeichnet durch zahlreiche ventrikuläre Extrasystolen. Daher implantieren wir in solchen Fällen nicht sofort einen ICD, sondern der Patient trägt eine sog. Defi-Weste, bis die Erkrankung im optimalen Fall abgeheilt ist und sich damit auch das Risiko für Kammerflimmern normalisiert hat. 

 Kammerflimmern – wie beuge ich vor 

Es gibt strukturelle Krankheitszustände des Herzens, da ist das Risiko für Kammerflimmern so hoch, dass wir einen ICD empfehlen BEVOR das erste Mal Kammerflimmern aufgetreten ist. Die häufigste Konstellation ist hier eine Koronare Herzkrankheit mit einer linksventrikulären Ejektiosnfrakton von <35% nach einem Herzinfarkt. In diesen Fällen wird heutzutage der ICD primär-prophylaktisch implantiert, so dass der betroffene Mensch in der Zukunft geschützt ist.  

Demgegenüber besteht das Problem, dass nur etwa 10-15% aller Menschen mit plötzlichem Herztod in die Gruppe der Hochrisikopatienten fallen, die für einen primär-prophylaktischen ICD in Frage kommen. Daher ist es für uns besonders wichtig, das Ereignis zu verhindern bzw. im Akutfall möglichst schnell zu versorgen: den Herzinfarkt.  In erster Linie geschieht dies durch die Minimierung der kardiovaskulären Risikofaktoren wie unbehandelter Bluthochdruck, Zuckererkrankung, Fettstoffwechselstörung, Rauchen sowie Übergewicht und Bewegungsarmut. Jedoch im Akutfall sollten Sie unverzüglich handeln und die Rettungskette unter 112 in Gang setzen. 

Hier geht es zum Fallbericht: Kammerflimmern

Literatur

 

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


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Der stumme Herzinfarkt – häufiger als man denkt

Typischerweise ist der akute Herzinfarkt durch den plötzlichen Verschluss einer Herzkranzarterie mit anhaltenden Druckbeschwerden im Brustraum verbunden. Dieser Druck kann in andere Körperregionen ausstrahlen und ist häufig auch von Luftnot begleitet. Im optimalen Fall veranlassen diese Symptome die Betroffenen oder das soziale Umfeld nach 10 Minuten dazu einen Notruf unter 112 abzusetzen. So wird dann die lebensrettende Koronare Versorgungskette in Gang gesetzt. Dieser Ablauf hat in Deutschland zu einer wesentlichen Verringerung der kardio-vaskulären Sterblichkeit beigetragen.

Nun ist es aber so, dass ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung einen Herzinfarkt gänzlich ohne oder nur mit minimalen Symptomen erleidet, so dass zum Zeitpunkt des Ereignisses und auch danach nicht die notwendige ärztliche Hilfe aufgesucht wird. Diese Form des Herzinfarktes bezeichnen wir als stummen Herzinfarkt.

Zahlreiche Studien haben indirekte Hinweise auf eine Narbenbildung im Herzmuskel, der definierende Folge eines Herzinfarkts im EKG untersucht. Dabei wurden meistens die normalen Ausgangs-EKGs mit denen im Zeitverlauf verglichen. In 16 Studien mit insgesamt 97.367 Menschen mit einem stattgehabten Herzinfarkt (symptomatisch + asymptomatisch) wurde so bei durchschnittlich 29,1% ein stummer Herzinfarkt diagnostiziert (20 – 44% der Fälle). Die Häufigkeit war dabei zwischen Männern und Frauen vergleichbar.

Warum ist der stumme Herzinfarkt stumm?

Der stumme Herzinfarkt wird in der Akutphase aus verschiedenen Gründen von Betroffenen nicht bemerkt, z.B.:

  • atypische bzw. minimale Beschwerden (kein Brustdruck, z.B. nur Unwohlsein)
  • neurologisch begründete Wahrnehmungsstörung
  • psychologisch begründete Wahrnehmungsstörung (z.B. Banalisierung von geringen Symptomen)
  • kleines Infarktareal (z.B. Verschluss einer Seitenastarterie)
  • vorbestehende hochgradige Engstelle der Herzkranzarterie (= geringer Durchmesser, der durch Blutgerinnsel akut verschlossen wird)

 

 “….vor ein paar Jahren habe ich im Urlaub mal wegen Luftnot und Beklemmungen die ganze Nacht auf der Treppe gesessen…”

Was ist ein pseudo-stummer Herzinfarkt

Von einem pseudo-stummen Herzinfarkt sprechen wir, wenn sich bei der späteren genaueren Befragung dann herausstellt, dass in der Vergangenheit doch ein relevantes symptomatisches Ereignis erinnert werden kann. Häufig bestehen zum Zeitpunkt des Akutereignisses Unkenntnis der Symptomzusammenhänge und psycho-soziale Gründe bei den Betroffenen selbst (“..will doch niemandem zur Last fallen..”) oder dem sozialen Umfeld (“….stell dich mal nicht so an, das wird schon wieder…).

Typisch ist auch bei einem pseudo-stummen Herzinfarkt, dass zum Zeitpunkt des akuten Ereignisses bzw. in den ersten Tagen danach eine Phase der Schwäche besteht, die dann wieder verschwindet.

Wer hat ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt ohne Symptome?

Die Risikofaktoren für einen stummen Herzinfarkt sind denen für einen symptomatischen Herzinfarkt vergleichbar. Folglich sind diese Risikofaktoren:

Der stumme Herzinfarkt – die richtigen Medikamente nicht zum richtigen Zeitpunkt

Das Problem des stummen Herzinfarkts ist, dass er für die Betroffenen stumm ist und sie deshalb keine ärztliche Hilfe aufsuchen. So erhalten diese kranken Menschen nicht die notwendige, und häufig lebensverlängernde Therapie, die sie benötigen.

Meistens liegt auch bei einem stummen Herzinfarkt eine Arteriosklerose der Herzkranzarterien mit den entsprechenden Risikofaktoren vor. Die Standardtherapie zur Behandlung einer Arteriosklerose besteht aus Cholesterinsenkern, Aspirin und falls erforderlich Blutdrucksenkern bzw. Medikamenten zur Behandlung der Herzschwäche. Werden diese nicht zum richtigen Zeitpunkt, in diesem Fall nach einem Herzinfarkt eingesetzt, dann steigt das Risiko für eine voranschreitende Herzschwäche, einem erneuten, möglicherweise kritischeren Herzinfarkt und den frühzeitigen kardio-vaskulären Tod.

Der stumme Herzinfarkt – Risikofaktor für Herzschwäche

Nach einem stummen Herzinfarkt ist das Risiko für eine symptomatische Herzschwäche erhöht. Die ARIC-Studie (Atherosclerosis Risk in Communities Study), eine aktuelle Langzeitstudie mit 9.243 Teilnehmern hat für den stummen Herzinfarkt gezeigt, dass in dieser Gruppe eine Herzinsuffizienz zwar nicht so häufig wie nach einem typisch symptomatischen Herzinfarkt allerdings doppelt so häufig im Vergleich zu Menschen ohne Herzinfarkt auftritt.

Letztlich ist es dann doch die Herzinsuffizienz mit ihren Hauptsymptomen Belastungsluftnot und Leistungsschwäche, die als Folge eines stummen Herzinfarktes, die Menschen dazu veranlasst sich ärztlich untersuchen zu lassen.

Ein Herzinfarkt ohne Symptome erhöht die  Sterblichkeit

Der stumme Herzinfarkt ist auch mit einer frühzeitigen kardio-vaskulären Sterblichkeit verbunden. Auch hier hat die gut dokumentierte ARIC-Studie für den stummen Herzinfarkt gezeigt, dass im Vergleich zu Menschen ohne Herzinfarkt nach 10 Jahren die Sterblichkeit ca. doppelt so hoch ist. Sie ist dabei ca. halb so hoch wie nach einem symptomatischen Herzinfarkt.

Herzinfarkt ohne Symptome – Risikofaktor für den plötzlichen Herztod

In einer großen Autopsiestudie wurden nach Abzug inkompletter Datensätze die Herzen von 5.623 Menschen, die an einem plötzlichen Herztod verstorben waren, genau untersucht. Die Untersucher nutzten hierzu die feingewebliche Betrachtung, d.h. die Herzen wurden unter dem Mikroskop untersucht.

Aus der Gesamtgruppe mit plötzlichem Herztod waren 26,3% an einem nicht-ischämischen Herztod verstorben, d.h. die Herzen wiesen keine Veränderungen an den Herzkranzarterien oder Veränderungen im Herzen auf, die auf eine Koronare Herzkrankheit als Ursache hinwiesen. Der überwiegende Anteil der plötzlich Verstorbenen von 73,7% zeigte Veränderungen, die eine Koronare Herzkrankheit als Auslöser belegten. In den meisten Fällen wird der Plötzliche Herztod durch Kammerflimmern verursacht.

In der Gruppe mit einer Koronaren Herzkrankheit fanden die Wissenschaftler durch Sichtung von Vorbefunden und mittels Befragung von Angehörigen heraus, dass bezogen auch die Gesamtgruppe bei 18,2% eine Koronare Herzkrankheit vorbekannt gewesen war. Bezogen auf die Gesamtgruppe konnten die Untersucher bei 32,0% Belege für einen frischen Herzinfarkt als Ursache erbringen. Bei 23,5% wurde lediglich eine ältere Narbe als Beleg für einen älteren stummen Herzinfarkt in der entfernten Vergangenheit gefunden.

Folglich können wir feststellen, dass bei 20-25% der Menschen mit plötzlichem Herztod ein stummer Herzinfarkt die Ursache ist.

Der stumme Herzinfarkt – zukünftiges Risiko

Zusammenfassend ist die frühzeitige Erkennung eines stummen Herzinfarktes aus folgenden Gründen wichtig:

  • unbehandelte Durchblutungsstörungen des Herzmuskels
  • fehlende Therapie (Blutgerinnung, Cholesterin, Herzentlastung) Erhöhung von Risiko für:
  • erneuten Herzinfarkt
  • Herzschwäche
  • Herzrhythmusstörungen

Der stumme Herzinfarkt – EKG-Veränderungen bereits vor dem plötzlichen Herztod

In der oben angesprochenen Autopsiestudie konnten die Untersucher in einer Untergruppe auch die Ruhe-EKGs von Menschen mit stummem und nicht-stummem Herzinfarkt in der Vergangenheit vor dem Ereignis vergleichen. Dabei ließ sich irgendeine EKG-Veränderung, die auf einen älteren Herzinfarkt hinwies, sogar häufiger bei Menschen mit stattgehabtem stummem Herzinfarkt nachweisen:  66,8% bei Zustand nach stummem Herzinfarkt und 55,4% bei Verstorbenen mit typisch-symptomatischem Herzinfarkt.

Folglich könnten Ärztinnen und Ärzte alleine schon mittels Ruhe-EKG einen stummen Herzinfarkt erkennen, weitere diagnostische Maßnahmen und die gegebenenfalls lebensrettenden therapeutischen Maßnahmen einleiten. – Doch warum tun sie das nicht?

Goldstandard bei der Erfassung des stummen Herzinfarktes –  Herz-MRT

Nicht nur die fehlende Symptomatik des betroffenen Menschen, sondern auch die Standardmethodik zur Erfassung eines stattgehabten Herzinfarktes trägt dazu bei, dass ein älterer Herzinfarkt übersehen wird. Dieses gilt vor allen Dingen für das Ruhe-EKG und den Herzultraschall, aber auch für Belastungsuntersuchungen.

Das Herz-MRT  ist der Goldstandard zur Diagnostik des stummen Herzinfarktes, da vor allen Dingen fast keine Untersucher- und Patienten-seitigen Einschränkungen bestehen, so dass das Verfahren verhältnismäßig “objektiv” ist. Zeigt sich im Herz-MRT eine Narbe in einem typischen Versorgungsareal einer Herzkranzarterie und hat die Narbe eine typische Ausdehnung, d.h. von subendokardial nach subepikardial, dann gehen wir von einem Herzinfarkt aus. Allerdings können wir andere Ursachen einer Myokardverletzung, wie z.B. eine Herzmuskelentzündung nicht immer zu 100% ausschließen

Problematisch am Herz-MRT sind die Kosten und die Versorgungsengpässe aufgrund fehlender Geräte. Somit werden wir uns auch in Zukunft wesentlich auf die konventionelle Diagnostik mit EKG und Echokardiografie stützen müssen.

Probleme bei der Erfassung des stummen Herzinfarktes – Ruhe-EKG

Neu aufgetretene Q-Zacken als Zeichen eines stattgehabten Herzinfarktes können sehr klein, z.B. über den Hinterwandableitungen sein und der R-Verlust, z.B. beim Vorderseitenwandinfarkt kann auf wenige Ableitungen beschränkt sein. Veränderungen der T-Welle sind häufig nur vorübergehende Erscheinungen eines Herzinfarktes. Veränderungen der Seitenwand werden eher schlecht durch das EKG erfasst.

Problematisch ist, dass Ruhe-EKGs heutzutage in der Regel nicht mehr ausgedruckt und folglich nur am Computerbildschirm ausgewertet werden. Hinzu kommt, dass wesentliche Teile des Befundes, wie z.B. Herzfrequenz, Rhythmusanalyse und Bestimmung der elektrischen Leitungszeiten automatisch generiert werden. Das verleitet den Arzt dazu, sich nur noch flüchtig mit dem Ruhe-EKG zu beschäftigen. Optimal zur Bewertung des Ruhe-EKGs durch einen menschlichen Untersucher bleibt der 12-Kanal-Ausdruck im Querformat.

Da EKG-Veränderungen, die auf einen Herzinfarkt hinweisen, häufig gering ausgeprägt und/oder unspezifisch sind, sind es vor allen Dingen die Veränderungen im Vergleich zu einem Vor-EKG, die deutlicher auf einen stattgehabten Herzinfarkt hinweisen. Gerade hier ist es wichtig, dass das aktuelle EKG und die älteren Vorbefunde ausgedruckt und direkt miteinander verglichen werden.

Probleme bei der Erfassung des stummen Herzinfarktes – Echokardiografie in Ruhe

Nach einem Herzinfarkt pumpt der narbig veränderte Wandabschnitt nicht mehr richtig. Die Echokardiografie als Verfahren zur Abbildung von Wandbewegungsstörungen ist allerdings stark Untersucher- und Patienten-abhängig, letzteres vor allen Dingen durch die anatomischen Schallbedingungen, z.B. durch Luftüberlagerung und die Darstellbarkeit der Herzspitze. Darüber hinaus haben Herzfrequenz, Herzrhythmusstörungen und Medikation, vor allen Dingen die Behandlung mit einem Beta-Blocker einschränkenden Einfluss auf die Beurteilbarkeit.

Probleme bei der Erfassung des stummen Herzinfarktes – Belastungs-EKG und Stressechokardiografie

Das Belastungs-EKG hat bei einem Herz ohne Narbe eine Sicherheit zum Nachweis einer Durchblutungsstörung aufgrund einer Engstelle einer Herzkranzarterie von 60-80%. Bei einem Zustand nach Herzinfarkt liegt eine Narbe vor und dynamische EKG-Veränderungen als Folge eines Sauerstoffmangels zeigen sich oftmals nicht.

Wie sieht die Zukunft der Diagnose des stummen Herzinfarktes aus?

Bei der Diagnose des stummen Herzinfarktes stehen wir aktuell noch vor einem komplexen Dilemma. Auf der einen Seite können wir aufgrund von Versorgungsengpässen die Goldstandarduntersuchung der Herz-MRT-Untersuchung nicht bei allen Menschen mit einem erhöhten Risiko durchführen. Auf der anderen Seite haben die bestehenden Untersuchungsmethoden der Standarddiagnostik, wie z.B. EKG und Echokardiografie Schwächen, die dazu führen, dass pathologische Befunde nicht erfasst oder übersehen werden.

Ein vielsprechender Lösungsansatz zur besseren Diagnose des stummen Herzinfarktes ist die vergleichende Untersuchung von Ruhe-EKGs im Zeitverlauf durch automatisierte Systeme bzw. Methoden der Künstlichen Intelligenz. Wir rechnen hier mit studientauglichen Systemen innerhalb der nächsten 3-5 Jahre, die dann in großen epidemiologischen Untersuchungen getestet und in der Zukunft zur breiten Marktauglichkeit geführt werden.

Stummer Herzinfarkt – Was können wir jetzt tun?

Sollten Sie ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt haben, vor allen Dingen, wenn Sie einen oder mehrere der oben genannten kardio-vaskulären Risikofaktoren haben, dann raten wir Ihnen sich frühzeitig von einer Kardiologin oder einem Kardiologen untersuchen zu lassen. Für Männer gilt hier der Zeitraum spätestens ab dem 40. Lebensjahr und für Frauen 5-10 Jahre nach Einsetzen der Menopause

Im Fall von anhaltenden Symptomen im Brustraum oder den angrenzenden Körperregionen, die mit einer plötzlichen Leistungsschwäche verbunden sind, kann es sich um einen stummen Herzinfarkt handeln. Sie oder jemand aus Ihrem sozialen Umfeld sollte folglich die notfallmäßige Koronare Versorgungskette unter der Notfallnummer 112 in Gang setzen. Die diagnostische Treffsicherheit ist vor allen Dingen dann besonders hoch, wenn Sie einen oder mehrere der oben genannten Risikofaktoren haben.

Wir als Ärzte sollten gerade bei asymptomatischen kardio-vaskulären Risikopatienten neben den anderen Untersuchungsergebnissen, besonders genau auf Veränderungen in den Ruhe-EKGs im Zeitverlauf achten. Das gilt vor allen Dingen dann, wenn sich Menschen mit Symptomen der Herzschwäche bei uns vorstellen.

 

 

Literatur

 

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Ibuprofen und Bluthochdruck – der Blutdruck schwankt stark

32,4 % der Menschen in Deutschland über 20 Jahren haben Bluthochdruck. Diese Herz-Kreislauferkrankung ist ein hoch-relevanter gesundheitlicher Risikofaktor, z.B. für das Auftreten eines Herzinfarktes.

In der Cardiopraxis erfassen wir durch die Kreislaufmessung mit dem FinapresⓇ-System nicht nur den Blutdruck, sondern auch den Blutfluss und gleichzeitig messen wir auch Ihre Körpertemperatur. Das zeigt uns nicht nur besser, wie Ihr Blutdruck reguliert wird, sondern auch wie Ihr Temperaturregelkreis – und damit Ihr Stoffwechsel – gesteuert wird. So können wir die Ursachen des erhöhten Blutdrucks sehr häufig besser erkennen und erfolgreich behandeln.

Zu uns in die Cardiopraxis kommen sehr häufig Menschen, die angeben, dass ihr Blutdruck „spinnt”, weil er besonders stark schwankt: mal ist er niedrig, mal sehr hoch. Auf genauere Befragung geben zahlreiche Betroffene an, dass sie in letzter Zeit das Schmerzmittel Ibuprofen in Tagesdosen von 400 bis 2.400 mg einnehmen.

Mit Ibuprofen, dem „Marktführer“ unter den Schmerzmitteln, haben wir in der Cardiopraxis umfangreiche messtechnische Erfahrungen. Denn bei der Kreislaufmessung bestimmen wir nicht nur Blutdruck, sondern auch Blutfluss und Körpertemperatur. Allein vom rezeptfreien Ibuprofen bis 400 mg wurden im Jahr 2017 in Deutschland 51 Millionen Packungen verkauft, der Umsatz betrug 320 Millionen Euro.

Ibuprofen – der Blutdruck steigt

In einer sogenannten Placebo-kontrollierten Doppelblind-Studie konnte man bei 444 Menschen mit einem durchschnittlichen Alter von 62 Jahren zeigen, dass mittlere Dosen an Ibuprofen (600-800 mg) und Naproxen (375-500 mg) den Blutdruck steigern

. Das galt vor allen Dingen für den systolischen Blutdruck mit durchschnittlich 3,4 mmHg (Ibuprofen) und 1,9 mmHg (Naproxen). Dies mag gering erscheinen, allerdings war der Pulsdruck, d.h. die Differenz zwischen systolischem und diastolischem Druck, ebenfalls erhöht. Das weist indirekt darauf hin, dass der Blutfluss relevant ansteigt – und damit auf eine Adrenalin-vermittelte Aktivierung.

Das besondere an der Untersuchung war, dass alle Studienteilnehmer ursprünglich einen normalen Blutdruck hatten. Nach einem Behandlungsintervall von 4 Monaten erfüllten in der Ibuprofen-Gruppe 23,2% und in der Naproxen-Gruppe 19% die Kriterien eines Bluthochdrucks. Nun fragten wir uns, welche Mechanismen hinter dem gestiegenen Blutdruck stecken.

 

Ibuprofen – nicht nur Schmerzmittel, sondern auch “Fiebersenker”

Ibuprofen ist nicht nur ein sehr gutes Schmerzmittel, sondern auch ein sehr guter Fiebersenker. Sie kennen das sehr gut, wenn Sie oder Ihre Kinder mal einen hochfieberhaften Infekt haben. Innerhalb von ca. 30 Minuten nach Einnahme schlägt das Herz schneller und kräftiger, Sie beginnen zu schwitzen und die Körpertemperatur fällt, z.B. von 40,0 auf 38,5 Grad Celsius.

Ibuprofen – Regelkreise für Körpertemperatur und Blutdruck

Nun, Ibuprofen greift auch bei normaler Körpertemperatur in die Regulation Ihres Temperaturhaushaltes ein. Genauso wie beim fieberhaften Infekt senkt Ibuprofen den Sollwert für die Körpertemperatur, z.B. von 36,5 auf 36,0 Grad Celsius. Folglich will der Körper nun mehr Wärme abgeben. Am besten macht er das, indem er die Haut stärker durchblutet. Die Blutgefäße werden weitgestellt und so wird vermehrt Blut aus dem warmen Körperkern über die Körperoberfläche zirkuliert, so dass mehr Wärme an die Umgebung abgestrahlt wird.

Sind die Blutgefäße thermoregulatorisch weitgestellt, dann greift das auch in Ihre Blutdruckregulation ein – der Blutdruck sinkt zunächst. Der Blutdruckregelkreis hat ebenfalls einen Sollwert. Sein Ziel ist es zu jedem Zeitpunkt Ihr Gehirn richtig zu durchbluten. Fällt der Blutdruck durch die Weitstellung der Arterien ab, dann muss der der Regelkreis der Blutdruckregulation reagieren – sonst verlieren Sie das Bewusstsein.

Folglich versucht das vegetative Nervensystem über Ausgleichssysteme den Blutdruck adäquat hoch zu halten. Bei weit gestellten Blutgefäßen funktioniert das vor allen Dingen, indem die Herzfrequenz und Pumpkraft des Herzens steigen. Diese Reaktion wird über Adrenalin vermittelt.

Adrenalin im Übermaß kann wiederum schädliche Auswirkungen auf  Ihr Herz-Kreislaufsystem haben. Der beschriebene Mechanismus erklärt auch, warum unter Ibuprofen vermehrt Herzinfarkte und der plötzliche Herztod auftreten: zu viel Adrenalin begünstigt, dass Arterien verkrampfen, sich Blutgerinnsel bilden und Herzrhythmusstörungen ausgelöst werden.

Ibuprofen – Nebenwirkung “der Blutdruck spinnt”

Ihr Kreislauf ist durch den niedrigen Gefäßwiderstand, der ja die Ursache für den hohen Blutfluss ist, extrem „kippelig” und störanfällig. Als Folge des Wechselspiels „Bedürfnis nach erhöhter Temperaturabgabe“ und „Blutdruck aufrechterhalten“ gerät der Blutdruck aus dem Gleichgewicht. Ihr Blutdruck schwankt stärker, mal ist er niedrig, mal ist er zum Teil sehr hoch: Der „Blutdruck” spinnt.

Das erklärt auch eine Reihe von Nebenwirkungen von Ibuprofen:

Ibuprofen – Vorsicht bei Herz-Kreislauferkrankungen

Gerade, wenn Sie Herzrhythmusstörungen, eine Koronare Herzkrankheit oder einen Bluthochdruck haben, dann sollten Sie im Umgang mit Ibuprofen vorsichtig sein.

Wir empfehlen in diesen Fällen als Tagesdosis max. 1.200 mg Ibuprofen über einen möglichst kurzen Zeitraum. Eine Alternative ist Paracetamol.

Sollten sich Ihr Befinden verändern – und hier reicht schon eine zunehmende innere Unruhe – dann besprechen Sie Ihre Schmerzmedikation mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

 

Ruschitzka F et al. Eur Heart J 2017;38:3282-3292

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Ibuprofen und Schmerzen – Risiko für plötzlichen Herztod erhöht

Schmerzen kennt jeder von uns. Wenn wir Schmerzen haben, dann sind wir in unseren körperlichen, vor allen Dingen aber auch geistigen Fähigkeiten zum Teil erheblich eingeschränkt. Der Schmerz steht meistens voll im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit, er besetzt unser Leben. Wir sind zunehmend mit dem Schmerz und uns selbst beschäftigt. Bei Schmerzen sind wir sind häufig nicht mehr unser gewohntes Selbst, nicht nur für uns selber, sondern auch für andere Menschen. Kurzum, wir drohen die Kontrolle zu verlieren. Unruhe, Angst und Gereiztheit bestimmen unseren Alltag.

Folglich ist es nur allzu verständlich, dass Menschen zu Schmerzmitteln greifen, um diesem Teufelskreis zu entkommen. Rezeptfrei ist vor allen Dingen Ibuprofen ein “beliebtes” Schmerzmittel in Deutschland. Der Marktanteil an den nicht-steroidalen Schmerzmittel war 2017 mit 57,7% mit Abstand am höchsten, weit vor Paracetamol mit 30,6%, Acetylsalicylsäure mit 7,3% und Diclofenac mit 4,1%. Diese Präparate sind, so gut sie auch gegen Schmerzen helfen, nicht ohne Folgen für das Herz-Kreislaufsystem.

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Ibuprofen und Diclofenac – Risiko für plötzlichen Herztod um 30-50% erhöht

In einer groß angelegten Fall-Kontrollstudie aus Dänemark bei 28.947 Menschen, die zwischen 2001 und 2010 einen plötzlichen Herztod erlitten hatten, konnte vor allen Dingen für Ibuprofen und Diclofenac ein erhöhtes Risiko eindrucksvoll belegt werden. In dieser Gruppe hatten 3.376 Personen in den 30 Tagen vor dem plötzlichen Ereignis ein sog. nicht-steroidales Schmerzmittel eingenommen.

Das Risiko für den plötzlichen Herztod war dabei für Ibuprofen mit +31% und Diclofenac mit +50% deutlich erhöht. Andere Schmerzmittel, wie z.B. Naproxen wurden zwar auch untersucht, fielen allerdings nicht so sehr ins Gewicht, weil sie in Dänemark nicht so häufig eingenommen werden.

Die betroffenen Menschen waren im Mittel 70 Jahre alt. Gerade bei solchen, die ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod durch Begleiterkrankungen hatten, wurde das Risiko durch die Einnahme von Diclofenac und Ibuprofen noch weiter gesteigert. Folglich sind auch jüngere Menschen, die ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod gefährdet.  Zu diesen Risikopatienten gehören solche mit Koronarer Herzkrankheit bzw. Zustand nach Herzinfarkt, solche mit Herzschwäche, mit vorbekannten Rhythmusstörungen aber auch Menschen mit Verkalkungen der Hirnarterien sowie diejenigen mit Nierenerkrankungen und rheumatoider Arthritis.

Schmerzen – Risiko Adrenalin-vermittelte Aktivierung durch Schmerzstress

Schmerzen alleine haben schon eine vermehrte Adrenalin-vermittelte Aktivierung zur Folge. Das liegt ja auch in der Natur dieser Körperwahrnehmung, den Schmerzen sind für uns ein wertvolles Warnsignal. Folglich werden wir durch die Schmerzen aufgefordert etwas gegen die Ursachen zu tun.

Adrenalin als Teil des Angriff-/Flucht-Systems, stimuliert körperliche und geistige Aktivität. Allerdings hat das auch Konsequenzen für das Herz-Kreislaufsystem. Es ist typisch, dass Schmerzen Blutdruckerhöhungen bis hin zur Blutdruckkrise zur Folge haben und sie können sogar Herzinfarkte auslösen. Nicht selten kommen Menschen auch zu uns in die Cardiopraxis, bei denen Schmerzen zu Herzstolpern und auch fassbaren Herzrhythmusstörungen im EKG zur Folge hat.

Ibuprofen – Risiko Adrenalin-vermittelten Aktivierung durch Eingriff in Temperaturregulation

Neben seiner Eigenschaft als Schmerzmittel ist Ibuprofen auch ein hoch-effektiver Fiebersenker und damit auf die Regulation Ihrer Körpertemperatur. Dieses geschieht zentral im Gehirn über eine Verstellung des Sollwerts nach unten, z.B. von normalerweise 36,5 Grad Celsius auf 36,0 Grad Celsius. Nun versucht Ihr Körper schon bei niedrigeren Körpertemperaturen Wärme an die Umgebung abzugeben. Das geschieht am besten reguliert über eine Steigerung der Durchblutung und damit eine Weitstellung der Arterien.

Weil die Gefäßerweiterung zum Blutdruckabfall führt, muss nun über eine Steigerung von Herzfrequenz und Pumpkraft des Herzens der Blutdruck adäquat hochgehalten werden. Das geschieht wieder Adrenalin-vermittelt. Ibuprofen kann durch eine übermäßige Adrenalin vermittelte Aktivierung auch Bluthochdruck zur Folge haben.

Ibuprofen – Symptome durch Kreislaufstörungen erklärbar

Nun haben wir gesehen, dass sowohl Schmerzen als auch Ibuprofen über die Eingriffe in die Temperatur- und die Blutdruckregulation Folgen für Ihr Herz-Kreislaufsystem haben können. Aufgrund dieser Mechanismen lassen Sich auch eine ganze Reihe von Nebenwirkung von Ibuprofen erklären

Einnahme von Ibuprofen bei Herz-Kreislauferkrankungen

In der Cardiopraxis raten wir Menschen mit Bluthochdruck, Koronarer Herzkrankheit, Zustand nach Herzinfarkt und Herzrhythmusstörungen grundsätzlich zu einer möglichst kurzen Behandlung mit Ibuprofen. Sie sollten eine Tagesdosis von 1.200 mg nicht überschreiten. Das Risiko für Komplikationen ist aus unserer Sicht besonders bei Menschen mit einem hohen Blutfluss in der Kreislaufmessung erhöht, weil hier das Herz- und Kreislaufsystem bereits Adrenalin-vermittelt aktiviert.

Bei chronischen Schmerzen ist es sinnvoll mit einem fachlich spezialisierten Schmerztherapeuten zusammen zu arbeiten.

Sollten Sie Ibuprofen einnehmen, dann achten Sie bitte auf die oben genannten Symptome, vor allen Dingen auf neu aufgetretene innere Unruhe, Gereiztheit, Benommenheit und Schlaflosigkeit. Hier können sich ernsthafte Folgen ankündigen.

Sie können dann mit Ihrer Ärztin oder Ärzten sprechen, ob Sie z.B. Paracetamol oder Aspirin einnehmen sollten. Auf jeden Fall ist es für Sie sinnvoll bei gleichzeitiger Einnahme von Ibuprofen ausreichend Trinken (30-40 ml pro kg Körpergewicht und Tag), denn ausreichende Flüssigkeitszufuhr beruhigt das vegetative Nervensystem.

 

Sondergaard KB et al. Eur Heart J Cardiovasc Pharmacother 2017;3:100-107

 

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Von einem Plötzlichen Herztod spricht man, wenn ein Tod unerwartet in weniger als 1 Stunde nach Symptombeginn auftritt. Schon alleine die Definition deutet darauf hin, dass der plötzliche Herztod selten ein Ereignis ist, das einen wie der Blitz aus heiterem Himmel trifft.

Ist der plötzliche Herztod wirklich ein plötzliches Ereignis?

Eine immer noch aktuelle Studie, die das Notarztsystem Berlin diesbezüglich durchgeführt hat, liefert zu dieser Frage sehr interessante Daten.

Die Arbeitsgruppe erfasste für die wissenschaftlichen Untersuchung 406 Patienten mit plötzlichem Herztod, 72 % der Ereignisse passierten in häuslicher Umgebung. Zu den Ursachen zählten Kammerflimmern (39 %), pulslose elektrische Aktivität (19 %) und Asystolie als kompletter Stillstand des Herzens (42 %). In zwei Dritteln der untersuchten Fälle waren Beobachter bei dem Ereignis dabei, 75% dieser Beobachter waren Angehörige.

Bei einer Befragung unter den Beobachtern kam heraus: 69 % der plötzlich verstorbenen Menschen wiesen vor ihrem plötzlichen Herztod länger als 30 Minuten folgende Symptome auf:

  • Angina pectoris  40 %
  • Luftnot 27 %
  • Bewusstseinsstörung 10 %
  • Andere 23 %

Kurzum in Stadtgebieten sind professionelle Rettungskräfte innerhalb von ca. 10 Minuten vor Ort. Berücksichtigt man eine Patienten- bzw. Beobachter-Entscheidungszeit von 10 Minuten, dann haben ca. 66% der Menschen mit plötzlichem Herztod eine gute Chance rechtzeitig Hilfe zu erhalten. Folglich können lebensrettende Maßnahmen können so innerhalb von 30 Minuten nach Symptombeginn eingeleitet werden.

Auch auf die Symptome bei anderen Menschen achten

Als Verwandter, Freund, Arbeitskollege und auch als Passanten sind Sie potentieller Lebensretter. Sollte in Ihrem Umfeld den Eindruck haben, dass es einem Menschen schlecht geht oder er oder die oben genannten Symptome äußern, dann handeln Sie. Verständigen Sie spätestens nach 10 Minuten den Rettungsdienst unter 112.

Falls erforderlich, führen Sie bis zum Eintreffen der Rettungskräfte selbst lebensrettende Maßnahmen durch:

…..weiter im Selbsthilfekurs “Herzinfarkt sofort handeln”

 

Arntz et al. Intensivmed 1999;36: 485-492

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Automatischer Externer Defibrillator – hilft schnell und sicher bei Kammerflimmern

In Deutschland sterben pro Jahr über 100.000 Menschen den plötzlichen Herztod. Eine Hauptursache: Herzkammerflimmern der Herzhauptkammern.

Sie können sich Kammerflimmern wie einen elektrischen Sturm im Herz vorstellen, die Hauptkammern werden kontinuierlich elektrisch erregt. Folglich tritt eine Erstarrung des Herzens ein, der mechanische Herzstillstand. Aus diesem Grund kann sich das Herz nun weder richtig mit Blut füllen und schon gar nicht mehr Blut in den Kreislauf pumpen, ein vollständiger Kreislaufkollaps.

Am empfindlichsten reagiert das Gehirn. Wird Ihr Gehirn 10 bis 15 Sekunden nicht richtig mit sauerstoffreichem Blut versorgt, dann tritt Bewusstseinsverlust ein. Folglich sinkt mit jeder Minute die Überlebenswahrscheinlichkeit um 10%.

Automatischer externer Defibrillator – einfach zu handhaben, für jeden

Ein Automatischer Externer Defibrillator (AED) kann das Herzkammerflimmern beenden. AEDs sind mit einem grünen Hinweisschild gekennzeichnet und gibt es heutzutage in vielen öffentlichen Gebäuden.

Mit Hilfe der App “Defi App” vom Deutschen Roten Kreuz finden Sie im Notfall den nächsten AED Standort. Folgerichtig gehört der AED  in Deutschland zunehmend zu den Maßnahmen der Erstversorgung bei akutem Herzinfarkt.

Der AED ist selbsterklärend, nach dem Öffnen des AED gibt eine Stimme Ihnen die Schritte vor:

  • Als erstes kleben Sie 2 Elektroden auf den freien Oberkörper der betroffenen Person. Die richtige Position der Elektroden ist auf einem Piktogramm abgebildet
  • Daraufhin analysiert der AED den Herzrhythmus. Während dieser Zeit (etwa 10 Sekunden) muss man die Herzdruckmassage unterbrechen (und geduldig sein)
  • Der AED fordert Sie mit einem Sprachsignal auf, falls Kammerflimmern vorliegt, den gut erkennbaren Knopf für die elektrische Schockabgabe zu drücken. Während der Schockabgabe sollte keine anwesende Person den bewußtlosen Menschen berühren
  • Nach erfolgter Schockabgabe führen Sie die Herzdruckmassage unmittelbar fort und folgen den weiteren Vorgaben des AED
  • Führen Sie die Wiederbelebungsmassnahmen mit Hilfe des AED solange durch bis der Patient das Bewusstsein wiedererlangt oder Hilfe eintrifft

Automatischer externer Defibrillator – funktioniert einfach prima!

Eine Wiederbelebung in einer kardiologischen Praxis ist ein sehr seltenes Ereignis, und doch kommt Sie alle 10 Jahre 1x vor. Darauf sind wir vorbereitet. So haben wir auch selber schon in der Cardiopraxis einen AED eingesetzt.

An einem Montagabend im Januar 2017, saß abends spät noch ein 71-jähriger Mann im Wartebereich der Cardiopraxis Düsseldorf. Das Video “AED – Leben retten” war noch keine 14 Tage veröffentlicht. Der Mann war nur 30 Sekunden unbeobachtet, bewußtlos wurde er von Dr. Dierkes aufgefunden.

Mit eingespielten Abläufen ging nun alles ganz schnell.

  • Dr. Dierkes begann unverzüglich mit der Herz-Druckmassage
  • Frau Rottsieper holte unmittelbar den Automatischen Externen Defibrillator (AED)
  • zeitgleich verständigte Herr Schönling das  Notarztteam unter 112 
  • Dr. Dierkes legte die Elektroden auf dem Brustkorb an
  • Frau Busch startete den AED und löste nach etwa 2,5 Minuten Bewusstlosigkeit durch Knopfdruck den elektronischen Wiederbelebungsschock aus
  • der Mann erwachte spontan atmend und war kreislaufstabil

Kurzum, nach sicherer Ankunft am Universitätsklinikum Düsseldorf konnte im Herzkatheterlabor eine hochgradige Engstelle einer Herzkranzarterie erfolgreich mittels Stent behandelt werden. Darauf hat der zufriedene Mann uns in der Cardiopraxis 15 Tage nach dem Ereignis wieder besucht. Seit dem eindrucksvollen Ereignis hat er wieder viele schöne Tage in seiner Werkstatt verbracht.

AED – der Feuerlöscher für das Herz

Wir kennen ihn alle und sehen ihn überall, den Feuerlöscher für Hausbrände. Obwohl ein Gebäudebrand rein statistisch betrachtet ein sehr unwahrscheinliches Ereignis ist, ist die Vorhaltung eines Feurlöscher in öffentlichen Gebäuden sogar gesetzlich vorgeschrieben.

Nun, der AED ist in gewisser Weise der Feuerlöscher für das Herz, denn er löscht Kammerflimmern. Zwar gibt es hier noch keine gesetzlichen Vorschriften, allerdings schätzen wir die Notwenigkeit der flächendeckenden Vorhaltung von AEDs in öffentlichen Gebäuden ähnlich ein wie beim Feuerlöscher. Der Bedarfsfall ist selten, aber wenn es brennt dann müssen wir sofort handlungsbereit und handlungsfähig sein.

Schauen Sie sich doch mal in Ihrem Lebensumfeld um wo ein AED zu finden ist, sei es an Ihrer Arbeitsstelle oder auf Ihren üblichen Wegen an Ihrem Wohnort. Machen Sie es wie beim Ostereiersuchen. Hilfreich ist dabei die Defi-App vom Deutschen Roten Kreuz.

? Mell HK et al. Progr Cardiovasc Dis 2008;51: 204-212

 

….weiter im Selbsthilfekurs “Herzinfarkt sofort handeln”

 

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


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Am Plötzlichen Herztod sterben 100.000 Menschen pro Jahr in Deutschland. 80 % von ihnen litten an einer schnellen Herzrhythmusstörung der Hauptkammern (z. B. Kammerflimmern). Bei einem Kammerflimmern kommt es zu einem mechanischen Herzstillstand. Jede Minute Kreislaufstillstand senkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um 10 %. Ein Elektroschock mit Defibrillator kann hier lebensrettend sein.

Eine besondere Form ist die Defibrillatorweste. Sie besteht aus 2 Elektroden, einer Kontrolleinheit und einer Batterie. Getragen wird sie 24 Stunden am Tag, nur zum Duschen muss man sie abnehmen.

Die Defibrillatorweste erkennt zuverlässig schnelle Herzrhythmusstörungen. Über einen Signalton wird der Patient bei Erkennung gewarnt und kann den bevorstehenden Elektroschock durch Drücken eines Knopfes verhindern. Bei Fortbestehen der Herzrhythmusstörung kommt es zum Bewusstseinsverlust, der Knopf wird automatisch losgelassen und der Elektroschock von der Weste abgegeben. So wird verhindert, dass bei Bewusstsein oder durch fehlerhafte Erkennung ein Schock ausgelöst wird.

Die Defibrillatoweste ist sehr effektiv, in 98 % der Fälle wird durch den ersten Schock die lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung beendet.

Geeignet ist die Defibrillatorweste für Menschen mit vorübergehend erhöhtem Risiko für Kammerflimmern. Das ist der Fall
– in den ersten 6 Wochen nach großem Herzinfarkt mit bedeutsamer Herzschwäche
– bei akuter Herzmuskelentzündung mit Herzschwäche und Rhythmusstörungen
– bei der Explantation eines implantierten Defibrillators, z.B. aufgrund einer Infektion

Die Defibrillatorweste wird in der Regel über einen Zeitraum bis zu 3 Monaten getragen. Danach wird entschieden, ob das erhöhte Risiko weiter fortbesteht. Ist dies der Fall, wird ein Defibrillator unter die Haut dauerhaft implantiert (sogenannter ICD).

Die Defibrillatorweste kann Leben retten, sie hilft vorübergehende Risiken sicher zu meistern.

 

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


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Die 42,195 km lange Strecke eines Marathons erfreut sich auch bei Amateuren großer Beliebtheit: Allein beim New York Marathon 2016 kamen über 51.000 Menschen zum Ziel, darunter viele Amateure.

Ein Marathonlauf ist allerdings eine sehr große Belastung fürs Herz. Das zeigt eine Studie unter gesunden Amateurläufern mit dem Biomarker Troponin, dessen Nachweis im Blut einen Hinweis auf Herzinfarkte geben kann. Während bei 10-km-Läufern ein normaler Troponingehalt nachgewiesen wurde, war die Troponinmenge bei Marathonläufern  erhöht.

Mögliche Ursachen dafür sind die anhaltend hohe Druck- und Volumenbelastung bei Marathonläufern, ihr Elektrolytverlust und ihre Dehydratation sowie die Bildung von kleinsten Thrombosen. Das Risiko für einen plötzlichen Herztod durch Kammerflimmern beim Marathon liegt bei ca.  1 zu 100.000.

Ausdauertraining ist grundsätzlich gesund. Das Gesundheitsrisiko bei Marathon steigt allerdings mit dem Lebensalter. Wir empfehlen daher:

  • Menschen über 35 Jahre sollten vorher immer einen Gesundheitscheck machen
  • stets eine professionelle Vorbereitung
  • immer ausreichend Flüssigkeit zuführen (auch während des Laufs)
  • eigene Grenzen erkennen

Ein Halbmarathon ist übrigens auch eine echt tolle Leistung…

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Eine Herz-Kreislauf-Synkope ist eine kurze Ohnmacht (weniger als 60 Sekunden). Weil sie so plötzlich auftritt, können Betroffene sich zum Beispiel beim Hinfallen verletzten. 40 % aller Menschen erleben sie mindestens einmal in ihrem Leben, meist zwischen dem 10. und 20. oder nach dem 60. Lebensjahr. Häufig haben Menschen Synkopen im Vorfeld Symptome, wie z.B. eine kurzzeitige Benommenheit oder Herzrasen beim Aufstehen.

Bei einer Synkope fallen Blutdruck und Herzfrequenz kritisch ab und das Gehirn ist kurzzeitig zu wenig durchblutet. Häufigste Ursachen dafür sind:

Für eine erste Diagnostik sind wichtig:

So können Ursachen genau abgeklärt werden. Eine Synkope kann mit einem höheren Risiko für plötzlichen Herztod einhergehen. Der Großteil der Synkopen ist langfristig jedoch gutartig.

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