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Histaminintoleranz, Mastzellaktivitätssyndrom, Excercise Induced Anaphylaxis – schwer zu unterscheiden – Fallbericht

Bei den Histamin-vermittelten Erkrankung ist gerade die Abgrenzung zwischen einem Mastzellaktivitätssyndrom und einer Histaminintoleranz schwierig, da einfache und sichere diagnostische Labortests nicht zur Verfügung stehen.

Hier hilft meistens nur eine genaue Analyse der Begleitumstände weiter. Zu diesen zählen die Art der zugeführten Nahrung, der Ablauf der Symptomentwicklung und die Betrachtung weiterer Auslöser, wie z.B. Temperatur und körperliche Aktivität. Meistens wird erst nach Jahren, d.h. nach zahlreichen Episoden ein Muster erkannt, was dann eine diagnostische Zuordnung erlaubt.

Vorgeschichte – Allergie und Nahrungsmittelunverträglichkeit bekannt

Aus der medizinischen Vorgeschichte eines 53-jährigen Mannes ist eine saisonale Allergie (Rhinitis, Konjunktivitis) in der Jugend bekannt. Später zeigte sich dann ein eindeutiger allergischer Zusammenhang nur noch mit der Exposition von Latex, z.B. Latexhandschuhe beim Zahnarzt (Jucken der Mundschleimhaut, Asthma-ähnliche Symptome).

Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit wurde erstmalig um das 30. Lebensjahr bemerkt. Die Nahrungsmittelunverträglichkeit war bis dahin noch nicht gut charakterisiert. Das bedeutet vor allen Dingen, dass die auslösenden Nahrungsmittel nicht bekannt waren.

Urlaub bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit 

Gemeinsam mit seiner Frau verbrachte der Mann in einem Januar einen Urlaub im Norden der Dominkanischen Republik nahe der Stelle, wo Kolumbus das erste Mal in Amerika an Land ging. Das Wetter war gut, die Außentemperaturen erreichten am Tag 29 0C und die Luftfeuchtigkeit lag um 95%.

An einem warmen Abend besuchte das Ehepaar unweit des Hotels in ca. 400 m Entfernung ein Restaurant mit einem schönen Ausblick auf das Meer. Der Mann entschied sich für Shrimps mit Cocktailsauce (Ketchup, Meerrettich, Worchester Sauce, Limonensaft, Chili), trinkt 2 trockene Martinis und 2 Gläser Weißwein. Nach angeregten (und guten) Gesprächen verließ das Paar ca. 30 Minuten nach dem letzten Schluck Wein das Lokal in die Dunkelheit.

 

Histamin Symptome durch körperliche Bewegung 

Beim Verlassen des Lokals war noch alles in Ordnung.

Allerdings bemerkte der Mann schon nach ca. 100 m Gehen einen Juckreiz im Ohr. Ein überwältigender Juckreiz war sehr schnell am ganzen Körper zu verspüren. Am deutlichsten waren die Handinnenflächen und die Fußsohlen sowie der Genitalbereich betroffen. Der Ablauf war mit einem sehr starken Unruhegefühl (einschl. Wutausbruch) verbunden. Je weiter der Mann ging, desto schlimmer wurden es.

Nach insgesamt ca. 400 m Gehstrecke erreichte das Ehepaar das Hotel. Die Ehefrau des Mannes war in großer Sorge, weil jetzt bei Licht betrachtet bei ihrem Ehemann auch noch eine entstellende Schwellung des Gesichts sichtbar wurde. Glücklicherweise war seine Luftnot nicht sehr ausgeprägt. Der Schlundbereich war nur leicht geschwollen und die Schluckstörungen gering, so dass Tabletten geschluckt werden konnten.

In der Annahme, dass es sich um Histamin-vermittelte Symptome handelt, gab die Ehefrau ihrem Mann 1 Tablette Lorantadin (H1-Rezeptorblocker). Aufgrund des Hitzegefühls ging Mann unter die Dusche.

Die Unruhe hielt tief bis in die Nacht an und die Ehefrau dachte immer wieder daran ein Krankenhaus aufzusuchen, was aufgrund der abgelegenen Lage des Hotels in einem sehr kleinen Ort logistisch schwierig war.

Am Folgetag waren Unruhe und Juckreiz verschwunden, die Gesichtsschwellung hielt deutlich sichtbar für insgesamt 3 Tage an.

Juckreiz durch Nahrungsmittel – Histaminintoleranz? 

Betrachten wir den Fall nun etwas genauer, dann müssen wir zunächst die Nahrungsmittel analysieren.

Die Cocktailsauce zu den Shrimps enthielt mit Sicherheit Ketchup bzw. Tomatenmark. Beide haben einen mindestens mittel-hohen Gehalt an Histamin und sind darüber hinaus auch sog. Histamin-Liberatoren, d.h. sie begünstigen die Freisetzung von Histamin aus Mastzellen. Meerrettich gilt als unkompliziert, Worchestersauce hingegen hat einen hohen Histamingehalt.

Shrimps frisch gegessen sind meistens kein Problem. Allerdings kann eine Unterbrechung der Kühlkette den Histamingehalt durch Histamin-produzierende Bakterien hier kritisch steigern, und dass gerade bei warmer Umgebungstemperatur.

Und obendrauf ist Alkohol ein sehr starker Diaminooxidasehemmer, d.h. durch Alkohol wird der Abbau von Histamin kritisch gestört.

Aufgrund der Nahrungsmittel muss von einer Histaminintoleranz mit verminderter Diaminooxidaseaktivität, einer genetisch bedingten Abbaustörung von Histamin, ausgegangen werden. Die Kombination von gesteigerte Histaminzufuhr, vermehrter Freisetzung aus Mastzellen (Histaminlibertoren) und einer zusätzlichen Hemmung der Diaminooxidase durch Alkohol ist allein schon ein Grund für die geschilderte Symptomatik.

Das Besondere an diesem Fall ist allerdings, dass die Symptome erst mit einsetzender körperlicher Aktivität, in diesem Fall in Verbindung mit hohen Außentemperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit einsetzten.

Juckreiz durch Gehen – Excercise Induced Anaphylaxis?

Die Verbindung von körperlicher Aktivität und Symptomen des Histaminüberschusses ist als Exercise Induced Anaphylaxis (EIAn) oder Syndrom der Anaphylaxie durch körperliche Aktivität in der wissenschaftlichen Literatur bekannt.

Bei der Excercise Induced Anaphylaxis werden verschiedene Co-Faktoren genannt in der Literatur genannt. Laut diesen Angaben sind Nahrungsmittel in ca. 30% der Fälle ein Begleitumstand. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um solche, die eine Wirkung auf den Histaminstoffwechsel haben.

In ca. 28% der Fälle werden als Belgleitumstand sog. nicht-steroidale Entzündungshemmer genannt. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass Aspirin, Indometazin, Diclofenac als Histamin-freisetzende, sog. Histaminliberatoren gelten, im Gegensatz übrigens zu Ibuprofen.

Ein durch Immunglobulin E vermittelter Mechanismus, d.h. eine allergische Reaktion mit einer vermehrten Durchlässigkeit der Darmwände für Histamin wird diskutiert. Insgesamt gelten die Mechanismen der Excercise Induced Anaphylaxis allerdings als unklar.

Die Exercise Induced Anaphylaxis gilt zwar als selten, ist wahrscheinlich, aber doch häufiger als gedacht.  Die Bedeutung der Nahrung wird unserer Meinung nach im Zusammenhang mit der Exercise Induced Anaphylaxis allerdings unterschätzt.

Bei der Ursachensuche fragen Ärztinnen und Ärzte meistens nur nach zeitlich unmittelbaren Zusammenhängen. So zum Beispiel “Was haben Sie an diesem Tag bzw. unmittelbar vor den Symptomen gegessen?”. Zusammenhänge mit der Ernährung an den Vortagen werden fast nie erfragt. Allerdings haben Nahrungsmittel auch noch Tage nach der Einnahme Einfluss auf den Histaminstoffwechsel. So kann sich eine zunehmend labilere Situation aufbauen, die dann durch körperliche Aktivität kippt und Symptomen zur Folge hat.

Darüber hinaus ist die Abhängigkeit von Histaminsymptomen von körperlicher Aktivität kaum bekannt. Viele Menschen sind nach dem Essen körperlich in irgendeiner Form aktiv, nur der Zusammenhang zwischen Nahrungsaufnahme, körperlicher Aktivität und Symptomen wird nicht gesehen.

Juckreiz durch Ernährung und erhöhte Körpertemperatur – Mastzellaktivitätssyndrom?!! 

Mastzellen werden durch Wärme aktiviert und setzen dann vermehrt Histamin frei. In diesem Fall haben 4 Faktoren zur Steigerung der Körpertemperatur beigetragen.

Hohe Außentemperatur. Eine hohe Außentemperatur verringert den Gradienten, d.h. den Unterschied zwischen Körpertemperatur und Umgebung. So kann der Körper weniger Wärme durch Abstrahlung abgeben.

Hohe Luftfeuchtigkeit. Die hohe Luftfeuchtigkeit verhindert die Verdunstung von Schweiß auf der Haut. Die Wärmeabgabe durch Schwitzen war somit deutlich gestört.

Körperliche Aktivität. Körperliche Aktivität erhöht durch die Steigerung von Stoffwechselprozessen die Körpertemperatur.

Steigerung Körpertemperatur durch Symptome. Hinzu kommt im Sinne eines selbstverstärkenden Prozesses, dass die körperliche Stressreaktion, welche durch den Juckreiz verursacht wird, ebenfalls zur Steigerung der Körpertemperatur beiträgt.

Folglich trat die Steigerung der Körpertemperatur durch eine Kombination von vermehrter Wärmebildung und kritisch verringerten Möglichkeiten der Wärmeabgabe auf.

Im Übrigen hat berichtete der Betroffene, dass solche Ereignisse auch bei niedrigeren Außentemperaturen 6-12 Mal im Jahr auftreten. Bei niedrigeren Außentemperaturen sind die Symptome allerdings nicht so stark ausgeprägt, was für die Relevanz der Steigerung der Körpertemperatur durch körperliche Aktivität spricht.

Das Mastzellaktivitätssyndrom ist gekennzeichnet durch eine Instabilität von Mastzellen, d.h. bereits bei leichter Reizung setzen die Zellen Histamin frei. Zu diesen Auslösern gehören auch physikaliche Reize wie Druck und eben auch extreme Temperaturen, sei es Kälte oder Hitze. Auch der Sprung ins kalte Wasser an einem heißen Sommertag kann ein Trigger sein.

Aktivitäts-induzierte Anaphylaxie als Symptom des Mastzellaktivitätssyndroms

Grundlage für die die verstärkte Wirkung von Histamin war in diesem Fall ein Nahrungs-vermittelter Überschuss von Histamin im Gewebe. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat eine latente Instabilität von Mastzellen im Sinne eines Mastzellaktivitätssydroms in Verbindung mit einer Steigerung der Körpertemperatur eine zusätzliche Freisetzung von Histamin und damit eine Symptom-begünstigende bzw. verstärkende Wirkung gehabt.

Eine zirkulatorische Bedeutung bei der Exercise Induced Anaphylaxis, d.h. eine Verteilung, z.B. von Histamin aus dem Darm in den Körper durch einen gesteigerten Kreislauf darf nicht außer Acht gelassen werde.

In diesem Kontext verstehen wir die Aktivitäts-induzierte Anaphylaxie als Teil des Mastzellaktivitätssyndroms.

Histaminintoleranz, Mastzellaktivitätssyndrom – Symptomen vorbeugen 

Sollten Sie an einer symptomatischen Histaminerkrankung, vor allen Dingen an einer Histaminintoleranz und/oder ein Mastzellaktivitätssyndrom leiden, dann ist für Sie ratsam gerade bei nicht selbst-zubereitetem Essen bzw. zweifelhafter Lagerung von Lebensmitteln vorsichtig zu sein. Sie können und sollten allerdings nicht jedes Essen außer Haus ausschlagen, nur weil Sie Symptome fürchten.

Achten Sie vor allen Dingen auf die Kombination von Lebensmitteln. So können Sie z.B. sicherlich Shrimps essen, vielleicht sogar mit Cocktailsauce; auf den Alkohol sollten Sie bei einer solchen Mahlzeit allerdings verzichten. Gerade bei einem Essen außer Haus macht es Sinn ca. 30 Minuten vor der Mahlzeit einen Diaminooxidasehemmer in Kapselform, z.B. Daosin (frei verkäuflich) einzunehmen.

Histaminintoleranz, Mastzellaktivitätssyndrom – Symptomen einfach behandeln 

Sollten Sie die Zeichen einer bewegungs- bzw. Körpertemperatur-abhängigen Symptomatik, und damit Hinweise auf ein Mastzellaktivitätssyndrom bestehen, dann ist es ratsam bei Symptombeginn einen kühlen Raum, z.B. mit Klimaanlage aufzusuchen und sobald als möglich die körperliche Aktivität einzustellen. Also, nach dem Essen lieber ruhen, als 1.000 Schritte tun.

Auch eine kühlende Dusche mit handwarmem Wasser kann die Aktivität der Mastzellen und damit auch die Ausschüttung von Histamin verringern. Wichtig ist dabei, dass Sie sich nicht b abtrocknen und das Wasser verdunsten lassen, denn das kühlt am besten. Eine eiskalte Dusche oder gar ein Sprung ins kalte Wasser sollten Sie allerdings auf keinen Fall unternehmen, da auch starke Kälte bzw. ein plötzlicher Wechsel von warm nach kalt die Mastzellen ebenfalls aktivieren kann.

 

 

 

 

 

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Verdacht auf Histaminintoleranz – Fallbericht 

Histaminerkrankungen, d.h. Allergien, die Histaminintoleranz oder auch das Mastzellaktivitätssyndrom können vermittelt durch Histamin zu zahlreichen verschiedenen Symptomen führen. Die Abgrenzung zwischen der Histaminintoleranz und der Manifestation eins Mastzellaktivitätssyndroms ist nicht immer einfach, da Laborbefunde nur begrenzt die Diagnose sichern können. Die genaue Schilderung der Symptome ist daher häufig richtungsweisend. 

Vorgeschichte – Allergie und Nahrungsmittelunverträglichkeit 

Bei einem 57-jährigen Mann ist seit der Kindheit eine saisonale Allergie (Gräser, Birkenpollen) mit Rhinitis und Konjunktivitis bekannt. Diese ist seit dem ca. 20. Lebensjahr deutlich rückläufig und aktuell fast nicht mehr vorhanden.  

Mit der beruflichen Tätigkeit (Arzt) trat dann ca. 10 Jahre nach der Erstexposition eine Latexallergie (Latexhandschuhe) auf. Diese manifestierte sich mit Juckreiz an Händen und Augen sowie mit einem leichten Asthma. Das Problem konnte mit latexfreien Handschuhen beherrscht werden.  

Zwischen dem 30. und 35. Lebensjahr tritt erstmals eine Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln auf. Neben starkem Juckreiz traten auch Ereignisse mit schwerer Luftnot auf. Anfänglich traten diese Episoden 2-4 Mal pro Jahr auf, stiegen aber in der Häufigkeit bis auf aktuell 6-12 Episoden pro Jahr.  

Akute und anhaltende Reaktion auf Histamin – Brühwürstchen, Sauerkraut und Senf

Der Betroffene aß zum Mittagessen eine Mahlzeit bestehend aus Brühwürstchen, Sauerkraut und Kartoffelpüree. 

 Die akuten Symptome entwickelten sich 10 Minuten nach Ende der Mahlzeit und der Mann nahm dann auf Anraten seiner Frau 2 orale Antihistaminika ein, den H1-Blocker Lorantadin (10mg) und den H2-Blockers Ranitidin (300 mg). Die Symptomentwicklung hatte eine klare Abfolge, indem sie eindeutig zuerst im Rachenraum bemerkt wurde. Die Schwellung der Augen sowie die sprunghafte Gewichtszunahme um 1 kg hielten bis zum Tag 3 an. 

Erste Symptome im oberen Verdauungstrakt – V.a. Histaminintoleranz 

Das erste und das am stärksten ausgeprägte Symptom war eine Schwellung im Rachenraum. Dadurch entwickelten sich eine kloßige Sprache und Schluckstörungen, so dass der Betroffene in der Akutphase folglich sogar Medikamente nur schwerlich schlucken konnten. Ein weicher „Stuhlgang“ trat an Tag 2 auf. 

Unverträglichkeit von Histamin – Müdigkeit ein häufiges Symptom 

Die Müdigkeit, die z.T. auch auf die Einnahme von Antihistaminika zurückgeführt werden kann, hielt bis zum Abend an. Der Betroffene kennt allerdings auch Müdigkeit als Histaminsymptom ohne den Einsatz von H1-Blockern.  

Die Schwellung um die Augen trat früh auf.  Die Augenschwellung ging am Tag 2 langsam zurück, hielt aber gut sichtbar bis zum Tag 3 an. Ein weiteres Zeichen für den Austritt von Flüssigkeit in das Körpergewebe war ein sprunghafter Anstieg des Körpergewichts, welcher am Tag 3 noch nachweisbar war. 

Histamin – Herzrhythmusstörungen im EKG mit Apple Watch 4 und AliveCor Kardia 6L nachweisbar 

Mit verschiedenen EKG-Systemen (Apple Watch 4, Kardia 6L von AliveCore) konnten wir 10-15 Minuten nach Beendigung der Mahlzeit atriale (gelber Punkt) und ventrikuläre Extrasystolen (roter Punkt) registrieren. Die ventrikulären Extrasystolen waren nach ca. 1 Stunde deutlich rückläufig bzw. nicht mehr nachweisbar. Folglich kam es nur noch zu atrialen Extraaktionen, die allerdings nicht mehr in der anfänglichen Häufigkeit auftraten. Schließlich müssen wir hier berücksichtigen, dass der anfänglich eingenommene H2-Blocker eine in diesem Fall positive Wirkung auf das Herz haben kann. 

Interessanterweise lag die Herzfrequenz in der Nacht (gemessen mit Apple-Watch 4 + SleepWatch App) bis zum Morgen, d.h. 16h Stunden nach der Symptom-auslösenden Mahlzeit mit 77 bpm mehr als 10 bpm höher als in den 7 Tagen davor (durchschnittlich 15,1 bpm kleiner 77 bpm). Dadurch war eine weiterhin gesteigerte elektrische Aktivierung des Herzens mit dem erhöhten Risiko von Herzrhythmusstörungen gegeben. 

 Für weitere Informationen zum EKG: siehe Blog 1-Kanal EKG mit Smartphone 

Histamin – Angina pectoris eindeutig dem Herz zuzuordnen 

Am Tag 2, ca. 20 Stunden nach der Mahlzeit trat ein Brustengegefühl, eine sog. Angina pectoris, in Ruhe auf. Die Herzfrequenz betrug 92 bpm. Das 12-Kanal Ruhe-EKG in der Arztpraxis ergab keine ST-Streckenveränderungen, die Echokardiografie war mit normalen regionalen Kontraktionen ebenfalls unauffällig. Somit lagen keine Zeichen einer ausgeprägten Durchblutungsstörung des Herzmuskels vor. 

Der Nitro-Spray Test war typisch positiv. Nach ca. 5 Minuten löste sich der Brustdruck mit einem deutlich befreienden Gefühl in der Brust begleitet von leichten Kopfschmerzen (häufig). Allerdings ist Nitrospray typischerweise nur kurz wirksam und nach ca. 30 Minuten trat die Angina pectoris wieder auf. 

Nun wurde in der Praxis 1 Ampulle Cimetidin (200 mg) intravenös injiziert. Wieder kam es zu einer typischen Lösung der Beschwerden nach ca. 5 Minuten. 

Die Wirksamkeit vor allen Dingen von Nitrospray spricht für einen Gefäßkrampf der großen Herzkranzgefäße (koronarer Vasospasmus). 

Nebenbefund – Wirkung von Cimetidin auf Histaminrezeptoren im Harntrakt

Am Tag 2 erfolgte die Gabe des Antihistaminikus Cimetidien intravenös. In der Folge war der Harnstrahl bei dem 57-jährigen Mann subjektiv deutlich stärker. Hierfür ist das Wechselspiel zwischen H1- und H2-Rezeptoren wahrscheinlich ursächlich.

Das klingt zunächst paradox, da wir erst einmal denken, dass Antihistaminka zur Abschwächung des Harnstrahls bis hin zum Harnverhalt führen. Das gilt allerdings nur für H1-Antihistaminika, wie z.B. Lorantadin. Histamin vermittelt über H1-Rezeptoren eine stärkere Harnblasenkontraktion. Es gibt allerdings auch H2-Rezeptoren im Harntrakt, die die Blasenkntraktion schwächen, die Wirkung der H1-Rezeptoren sozusagen ausgleichen.

Wenn jetzt, wie in diesem Fall Histamin an den H1-Rezeptoren verstärkt wirkt und die an sich  abschwächende Wirkung von H2-Rezeptoren durch das H2-Antihistaminkum Cimetidin blockiert werden, dann kann der Harnstrahl kräftiger sein.

Hochgradiger Verdacht auf Histaminintoleranz durch unzureichende Funktion der Diaminooxidase 

Ursächlich für die Histaminsymptome war in diesem Fall am wahrscheinlichsten ein direkter toxischer Effekt durch Histamin, da die ersten und schwersten Symptome am Hauptkonzentrationsort der Nahrung, im Mund-Rachenbereich vor Verarbeitung in Magen oder Darm auftraten. Folglich handelt es sich um eine Überladung mit Histamin in einem Missverhältnis zu den enzymatischen Prozessen, die Histamin im Körper abbauen, eine sog. Histaminintoleranz.

Die Histaminintoleranz wird in den meisten Fällen durch eine genetisch bedingte Störung des abbauenden Enzyms Diaminooxidase verursacht. Neben der genetischen Grunddisposition tragen häufig Nahrungsmittel, sog. Diaminooxidase-Hemmer, wie z.B. Alkohol (nicht in diesem Fall) zu einer Verschlimmerung der Beschwerden bei.   

Aus ernährungstechnischer Sicht kommt als Hauptauslöser für die Symptome so auf jeden Fall das Sauerkraut mit seinem sehr hohen Histamingehalt in Frage. Senf als Histaminliberator dürfte zu mindestens in der Frühphase nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben. 

Erstaunlich an diesem Fall ist, dass die Nachwirkungen (Wassereinlagerung, Herzfrequenzerhöhung in der Nacht, Angina pectoris am Folgetag) so lange anhielten. Dabei ist der langsame Rückgang der Schwellungen um die Augen herum vielleicht noch dadurch erklärbar, dass eine Ödemrückbildung aus dem Gewebe länger dauern kann.

Die Tatsache aber, dass Angina pectoris erst am Folgetag auftrat, lässt sich eigentlich nur durch eine längere Verweildauer von Histamin im Körper und/oder eine nachhaltige Abbaustörung durch Hemmung des Enzyms Diaminooxidase und/oder eine längere Freisetzung des Histamins durch den Histaminliberator Senf erklären. 

 

 

 

 

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Zahlreiche Faktoren beeinflussen Überschuss an Histamin

Die Symptome einer Histaminfreisetzung werden durch folgende Faktoren beeinflusst

  • Zahl der Mastzellen
  • Aktivierbarkeit der Mastzellen
  • Vorhandensein eines Auslösers
  • Potenzial von Histamin, sich selbstverstärkend über Mastzellen freizusetzen
  • Status des Hormonhaushaltes
  • Funktionstüchtigkeit der Abbauwege von Histamin

Aufgrund der Vielzahl von Einflussgrößen, die die Konzentration von Histamin im Gewebe bestimmen, liegt bei den Symptomen von Histamin keine einfache Dosis-Wirkungs-Beziehung vor. Wir können also z.B. nicht sagen: je mehr Auslöser, desto mehr Histamin im Gewebe und desto mehr Symptome.

Schon alleine die Nahrung mit dem Gehalt an Histamin, Histamin-freisetzenden Stoffen (Histaminliberatoren) und den Faktoren, die den Abbau blockieren (Diaminooxidasehemmer) kann bewirken, dass die Symptome sehr variabel ausgeprägt sind. Das erklärt auch, warum derselbe Mensch an einem Tag z.B. Tomatenmark gut verträgt und an einem anderen Tag schwere Symptome des Histaminüberschusses hat.

Das Spektrum reicht von Symptomlosigkeit über leichte Symptome wie Müdigkeit bis hin zum Kreislaufschock, dem anaphylaktischen bzw. anaphylaktoiden Schock. Nachfolgend finden Sie einige Symptome.

Histamin – allgemeine Symptome

  • Müdigkeit
  • Erschöpfungszustände und allgemeines Krankheitsgefühl
  • Wärmeintoleranz

Gerade Müdigkeit oder häufige Erschöpfung sind Symptome, die zunächst nicht an eine Histaminerkrankung denken lassen. Das gilt vor allen Dingen nicht, wenn keine weiteren Symptome wie Juckreiz oder Hautschwellung vorliegen.

Die Müdigkeit kommt fast anfallsartig ca. 20 Minuten nach einer Mahlzeit. Sie haben das Gefühl der bleiernen Schwere und das unbedingte Bedürfnis zu schlafen. Das lässt sich von der üblichen Müdigkeit nach einer Mahlzeit manchmal nicht sicher abgrenzen. Kommen dann aber später Blähungen bzw. ein weicher Stuhlgang am Folgetag hinzu, dann können Sie davon ausgehen, dass die Müdigkeit durch einen Überschuss an Histamin vermittelt war. Im Gegensatz zu einem normalen Power-Nap wachen Sie von einer Histamin-verursachten Müdigkeit nicht erholt auf. Manchmal kann es den ganzen Tag dauern, bis Sie sich wieder langsam erholen.

Ein hochinteressantes Symptom ist die Wärmeintoleranz, die wahrscheinlich beim Mastzellaktivitätssyndrom eine entscheidende Rolle spielt. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen ist bekannt, dass Mastzellen mit Zunahme der Temperatur aktiver werden und mehr Histamin freisetzen. Beim Menschen kann ein Anstieg der Körpertemperatur indirekt durch die klimatische Außentemperatur oder direkt durch körperliche Aktivität verursacht werden.

Wir erleben immer wieder Menschen, die in Verbindung mit einer histaminlastigen Mahlzeit während sie essen und noch am Tisch sitzen keine Symptome haben. Diese treten erst dann zu Tage, wenn sie sich körperlich bewegen, z.B. eine mittlere Strecke zu Fuß gehen. Die Hauptursache ist hochwahrscheinlich, dass Mastzellen mit steigender Körperwärme zunehmend aktiviert werden und somit vermehrt selber Histamin freisetzen. Hinzu kommt, dass Histamin vom Ort der Aufnahme bzw. der Freisetzung, dem Darm, durch einen gesteigerten Kreislauf schneller an andere Orte im Körper gebracht wird.

Histamin – Symptome an der Haut

  • blasse bzw. auch rote Haut (je nach Aktivierungszustand des vegetativen Nervensystems)
  • Ausschläge
  • Neigung zu Blutergüssen
  • Hautschwellung bis hin zur Quaddelbildung (sog. Nesseln)
  • Juckreiz (Ohren, Augen, ganzer Körper)
  • Missempfindungen (Brennen)

Besonders der Juckreiz und die Hautschwellung lenken die Aufmerksamkeit auf die Diagnose einer Histaminerkrankung. Interessanterweise hängen beide Symptome in ihrer Lokalisation vor allen Dingen in der Anfangsphase von der Struktur des Unterhautgewebes ab.

Der Juckreiz tritt häufig dort zuerst auf, wo die Oberflächenhaut relativ fest mit darunter liegenden Strukturen, z.B. Knorpel oder Sehnen, verbunden ist. Viele Menschen berichten daher, dass sie den Juckreiz zuerst im äußeren Gehörgang oder auch an Hand- und/oder Fußsohlen merken. Das liegt unter anderem auch daran, dass eine durch Histamin verursachte Flüssigkeitsansammlung hier wenig Platz hat, um sich auszubreiten.

Ganz anders ist es bei der Hautschwellung. Diese sehen Sie vor allem dort als erstes, wo das Unterhautgewebe besonders locker ist, im Gesicht und vor allen Dingen unter den Augen. Hier bleibt die sichtbare Schwellung dann bis zu 48 Stunden bestehen.

Histamin – Emotionen, geistige Leistungsfähigkeit

  • Benommenheit unabhängig von Körperposition („brain fog“)
  • Gedächtnis- und Wortfindungsstörungen
  • Kopfschmerzen, Migräne, Trigeminusneuralgie
  • Angst mit Risiko für Panikattacken
  • Stimmungsschwankungen
  • Depressionen

Ein deutlicher Überschuss an Histamin ist immer auch mit Stress, d.h. mit einer Adrenalin-vermittelten Aktivierung, verbunden. Diese erklärt zu einem großen Teil die oben genannten Symptome, wobei die Begünstigung von Depressionen gerade der sog. Post-Adrenalinerschöpfung zuzuschreiben ist.
Dass Histaminerkrankungen Auslöser bzw. Co-Faktor von psychischen Auffälligkeiten sein können, unterschätzen Ärztinnen und Ärzte häufig. Vor allem bei latenten Angststörungen oder Stimmungsschwankungen müssen wir an eine Histaminerkrankung denken. Anstatt auch nach körperlichen Ursachen zu suchen, wird häufig ein rein psycho-somatischer Ansatz gewählt, der sich ausschließlich auf eine vermeintlich psychische Ursache verengt. Dem betroffenen Menschen hilft das nicht wirklich und kann es auch nicht helfen, solange der somatische Co-Faktor Histamin nicht beachtet und die zugrundeliegende somatische Störung nicht behandelt wird.

Histamin – Symptome von Herz und Kreislauf

Ein Teil der Herz-Kreislaufsymptome erklärt sich durch die Wirkung von Histamin selbst. So werden Herzrhythmusstörungen über den Histamin H2 Rezeptor und eine Blutgefäßerweiterung bis hin zum Blutdruckabfall über den Histamin H1 Rezeptor vermittelt. Hinzu kommen noch die mehr oder weniger starken Flüssigkeitsverschiebungen aus dem Blutgefäßraum in das Gewebe.

Der Blutdruckabfall bewirkt eine Adrenalin-vermittelte Gegenreaktion. Die kann dann neben den genannten psychischen Reaktionen auch Blutdruckschwankungen zu Folge haben. Gerade in Verbindung mit Histamin begünstigt auch Adrenalin die Entstehung von Herzrhythmusstörungen. Hier handelt es sich meistens um einzelne Extrasystolen aus Vor- und Hauptkammer. Allerdings kann auch Vorhofflimmern entstehen.

Der kritische Kreislaufschock tritt eher selten auf und geht meistens mit einer echten immunologisch vermittelten Allergie einher. Allerdings kann auch eine massive Zufuhr von Histaminliberatoren, z.B. in Form von Kontrastmittel (z.B. CT, MRT), einen Schock zur Folge haben.

Histamin – Luftnot als lebensgefährliches Symptom

  • Niesen, verstopfte Nase
  • Schwierigkeiten beim Einatmen (Kehlkopf)
  • Schwierigkeiten beim Ausatmen (Bronchien) mit Spannungsgefühl in der Brust
  • Luftnot

Die Luftnot mit Atemversagen ist neben dem Kreislaufschock das gefährlichste Symptom der überschießenden Wirkung von Histamin.

Zunächst kommt es zu enggestellten Bronchien. Das erkennen Sie daran, dass pfeifende Geräusche beim Ausatmen zu hören sind, wie bei einem schweren Asthmaanfall. Schnell überbläht sich dann die Lunge, weil Luft nur noch unvollständig ausgeatmet wird. Schließlich ist eine ausreichende Hin-und-Her Bewegung von Luft kaum noch möglich. Hier sollten Sie im Ernstfall die Ruhe bewahren (so schwer das auch ist) und auf ruhiges und möglichst langes Ausatmen achten. So verhindern Sie eine Überblähung.

Besonders gefürchtet wird, wenn der Kehlkopf zuschwillt, so dass Luft kaum noch oder auch gar nicht eingeatmet werden kann. Hören Sie bei einem betroffenen Menschen ein pfeifendes Geräusch beim Einatmen, dann müssen Sie auf das Schlimmste gefasst sein. Verständigen Sie sofort das Rettungsteam unter 112!

Histamin – Symptome im Magen-Darmbereich häufig

  • Übelkeit, Erbrechen
  • Schluckbeschwerden, Engegefühl im Hals
  • Durchfall bzw. Verstopfung
  • Krämpfe, Unwohlsein im Bauch
  • Blasenentzündung, Brennen beim Wasserlassen

Bei Histaminerkrankungen sind häufig Störungen des Verdauungstrakts symptomatisch. Das ist auch plausibel, weil der Kontakt zwischen der großen Zahl der dort lagernden Mastzellen und der Nahrung hier am intensivsten ist. Die Nahrung enthält zudem neben Histamin selbst noch Histaminfreisetzer und Histaminabbaublocker.

Gerade der weiche Stuhlgang nach Stunden bzw. nach einem Tag weist darauf hin, dass mit einer vorangegangenen Mahlzeit etwas nicht gestimmt hat. Eine Nebenwirkung von Histamin ist die Tendenz zu weichem Stuhl, Verstopfung ist eher als Folge von Histamin-vermittelten Darmkrämpfen zu verstehen.
Sollten Sie ein Engegefühl im Hals merken, dann ist das der Ausdruck einer mittelschweren bis schweren Reaktion auf Histamin. Hier sollten Sie unbedingt auf Störungen der Atmung achten und frühzeitig weitere Maßnahmen einleiten.

Bewertung von Symptomen durch Histamin

Sollten Sie oder einer Ihrer Angehörigen an einer Histaminerkrankung leiden, dann ist es sinnvoll, wenn Sie die Symptome kennen. Das gilt vor allen Dingen für die Zeichen der akuten Lebensbedrohung: schwere Luftnot und Blutdruckabfall mit drohender oder bestehender Ohnmacht. Dann müssen Sie immer den Rettungsdienst unter 112 verständigen.

Mit Ihrem Hausarzt sollten Sie die Maßnahmen besprechen, um Nahrungsmittel mit hohem Histamingehalt bzw. mit Histamin-freisetzenden oder Histaminabbau-blockierenden Substanzen zu vermeiden. Hierzu können Sie sich auch sinnvoll im Internet erkundigen.

Symptome, wie z.B. eine Augenschwellung können bis zu 3 Tage anhalten. Darüber hinaus können Symptome, wie z.B. Angina pectoris oder weicher Stuhlgang erst am Folgetag auftreten. Hier fällt die Zuordnung zwischen Ursache und Wirkung manchmal schwer. Sie sollten aber daran denken, dass a) Symptome zeitversetzt vorkommen können und b) in der Zeit nach einem Ereignis Ihre System zum Abbau von Histamin geschwächt sind. Letzteres bedeutet, dass eine erneute Histaminbelastung schon bei geringeren Mengen Symptome auslösen kann.

Der Hausarzt sollte Ihnen auf jeden Fall klare Handlungsanweisungen für den Fall von Symptomen geben. Sie sollten gemeinsam den Einsatz von Antihistaminika, Bronchdilatatorsprays und Kortison besprechen. Ebenso schwere Fälle, bei denen auch die Notfallkette aktiviert werden muss.

Fallbericht: Verdacht auf Histaminintoleranz – Brustdruck und Herzrhythmusstörungen

Fallbericht: Mastzellaktivitätssyndrom – Juckreiz beim Gehen

 

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Schweregrade der Luftnot – Symptome bei Herzschwäche

Bei Herzschwäche, der sog. Herzinsuffizienz, bedeuten Symptome eine Einschränkung der Lebensqualität. Auch ist das Langzeitüberleben in Abhängigkeit vom Schweregrad der Symptome eingeschränkt. Folglich sind Symptome ein wichtiger Hinweis dafür, Therapiemaßnahmen einzuleiten bzw. zu intensivieren.

Unser Ziel ist es, für Sie ein gutes geistiges und körperliches Befinden im Alltag zu gewährleisten und auch das Langzeitüberleben zu verbessern.

Das Hauptsymptom der Herzschwäche ist die Luftnot, die sowohl in Ruhe als auch bei Belastung auftreten kann. Dabei teilt man die Schweregrade der Luftnot entsprechend der sogenannten NYHA-Klassifikation ein.

NYHA-Klassifikation – Schweregrad der Luftnot einteilen

Die NYHA-Klassifikation hat ursprünglich die New York Heart Association entwickelt, um die Mitralklappenstenose zu bewerten. Sie ist ein gutes Maß für die Belastungsgrenzen im Alltag. Folglich setzen Ärzte  dieses Stadieneinteilung vor allen Dingen ein, um Herzschwäche, aber auch Lungenhochdruck und Herzklappenfehler (Mitral- und Aortenklappenstenose) zu klassifizieren. In Verbindung mit dem Brustdruck, der sog. Angina pectoris, können wir so die Symptome von Durchblutungsstörungen des Herzmuskels bei koronarer Herzkrankheit bewerten.

Dementsprechend ist die NYHA-Klassifikation ist ein wichtiger Parameter in klinischen Studien. Neben den objektiven Parametern wird die NYHA-Klassifikation hier als Maß für eine verbesserte Alltagstauglichkeit herangezogen

NYHA-Klassifikation – Schweregrade

NYHA-Stadium I
Herzerkrankung ohne körperliche Einschränkungen:

Das bedeutet, dass alltägliche körperliche Belastung keine inadäquate Erschöpfung, keine Rhythmusstörungen, keine Luftnot oder Angina pectoris verursacht. Zum Beispiel Skifahren, Fahrradfahren mit 25 km/h und Laufen mit 12 km/h sind ohne Einschränkung möglich.

NYHA-Stadium II
Herzerkrankung mit leichter Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit:

Das bedeutet, dass in Ruhe keine Beschwerden auftreten. Alltägliche körperliche Belastung verursacht Erschöpfung, Rhythmusstörungen, Luftnot oder Angina pectoris. Bereits schnelles Gehen mit 6 km/h, Schnee schaufeln oder Gartenarbeit führen zu Luftnot.

NYHA-Stadium III
Herzerkrankung mit höhergradiger Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit bei gewohnter Tätigkeit:

Das bedeutet, dass in Ruhe keine Beschwerden auftreten. Geringe körperliche Belastung verursacht Erschöpfung, Rhythmusstörungen, Luftnot oder Angina pectoris. Langsames Gehen mit 3 km/h oder auch Hausarbeit verursachen Luftnot.

NYHA-Stadium IV
Herzerkrankung mit Beschwerden bei allen körperlichen Aktivitäten, auch in Ruhe:

Betroffene sind überwiegend bettlägrig. Gehen in der Wohnung, Sprechen und Ankleiden verursachen Luftnot.

Ab NYHA-Stadium III sprechen wir von einer schweren funktionellen Einschränkung. In klinischen Studien werden die Stadien III und IV häufig zusammengefasst und stellen die Schwelle zur intensivierten Therapie dar.
Objektivieren lässt sich das NYHA-Stadium III zum Beispiel in der Fahrradergometrie im Sitzen. Wird bei 75 Watt aufgrund von Luftnot abgebrochen, dann liegt mindestens ein NYHA-Stadium III vor.

NYHA-Klasse und Lebensqualität

Die NYHA-Klasse ist ein sehr gutes Maß für die Einschränkung der Lebensqualität. Daher erfolgt ab dem NYHA-Stadium III eine maximale symptomatische Therapie, um die Alltagstauglichkeit aufrechtzuerhalten. Wird therapeutisch ein NYHA-Stadium II erzielt, dann sprechen wir von einem relativen Therapieerfolg. Unser Ziel ist immer die komplette Beschwerdefreiheit bei normaler körperlicher Belastungskapazität. Das werten wir als absoluten Therapieerfolg.

NYHA-Klasse und Langzeitüberleben

Bei Linksherzschwäche ist der Einfluss der NYHA-Klassifikation auf das Langzeitüberleben gesichert. Je höher die NYHA-Klasse bei Herzschwäche, desto kürzer ist das Langzeitüberleben.

Wir sollten die NYHA-Klasse nicht nur als ein Maß für die Belastungsgrenze, sondern auch als die Schwelle zur starken potentiellen Überlastung verstehen. Denn körperliche Überlastung bedeutet eine Adrenalin-vermittelte Aktivierung, was wiederum gerade bei Herzerkrankungen negative Konsequenzen haben kann. Etwa für das Auftreten von gefährlichen Rhythmusstörungen.

Natürlich können und sollten Sie mit einer Herzschwäche kontrolliert körperlich trainieren. Mit starken körperlichen Überlastungen sind hier z.B. Situationen gemeint, in denen Sie sich sehr stark körperlich belasten müssen, ohne vermeintlich eine Wahl zu haben. Ein Beispiel: Am Bahnhof in sommerlicher Hitze müssen Sie mit einer NYHA-Klasse III die Koffer der Familie (2 x 20 kg) bis zum Hotel schleppen.

NYHA-Klasse und objektiver Schweregrad einer Erkrankung

In der Tat  ist eine Übereinstimmung zwischen dem objektiven Schweregrad der Erkrankung und den Symptomen nur für die Mitralklappenstenose gesichert. Das heißt, je enger die Öffnungsfläche der Mitralklappe, desto schwerer die Symptome.

Leider ist das bei der Herzschwäche nicht immer der Fall. Denn die objektiven Parameter, z.B. die Ejektionsfraktion und der Schweregrad der NYHA-Klasse, stimmen kaum überein. Das Gleiche gilt auch für die Mitralklappeninsuffizienz und die Aortenklappeninsuffizienz. Sie können durchaus eine schwere Aortenklappeninsuffizienz haben, ohne dass Sie diese in Form von Luftnot merken.

NYHA-Klasse und Wirksamkeit von Therapiemaßnahmen bei Herzschwäche

Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der NYHA-Klasse und verbesserter Lebenserwartung bei Medikamenten. Das bedeutet, dass Medikamente die Lebenserwartung unabhängig von der NYHA-Klasse verbessern. Hier sind die objektiven Parameter, wie z.B. die Ejektionsfraktion, ein besseres Maß.

Lediglich bei hoher NYHA-Klasse in Verbindung mit einem implantierbaren Kardioverter-Defibrillator zeigt sich hier ein Zusammenhang. Menschen mit NYHA-Klasse III/IV haben eine Risikoreduktion der Sterblichkeit um 40%, mit NYHA-Klasse I/II um 20%.

NYHA-Klasse hat weiterhin eine hohe medizinische Bedeutung

Die NYHA-Klasse bleibt ein wichtiger Parameter, um die Einschränkung der Lebensqualität zu bewerten und damit die Notwendigkeit der Therapieintensität von symptomatischen Maßnahmen. Die NYHA- Klasse ist ein wichtiger Indikator für die Lebenserwartung.

Die NYHA-Klasse eignet sich nicht, um den objektiven Schweregrad einer Herzmuskelschädigung zu bewerten. Folglich kann man mit ihr nicht die zu erwartende lebensverlängernde Wirkung von Behandlungsmaßnahmen erfassen. Ausnahme ist die Implantation eines ICD: Hier profitieren Menschen mit höherer NYHA-Klasse deutlicher als mit geringer Symptomatik.

Miller, R. J. H. et al.  Canadian Journal of Cardiology 2015;31: 792–799

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Von einem Plötzlichen Herztod spricht man, wenn ein Tod unerwartet in weniger als 1 Stunde nach Symptombeginn auftritt. Schon alleine die Definition deutet darauf hin, dass der plötzliche Herztod selten ein Ereignis ist, das einen wie der Blitz aus heiterem Himmel trifft.

Ist der plötzliche Herztod wirklich ein plötzliches Ereignis?

Eine immer noch aktuelle Studie, die das Notarztsystem Berlin diesbezüglich durchgeführt hat, liefert zu dieser Frage sehr interessante Daten.

Die Arbeitsgruppe erfasste für die wissenschaftlichen Untersuchung 406 Patienten mit plötzlichem Herztod, 72 % der Ereignisse passierten in häuslicher Umgebung. Zu den Ursachen zählten Kammerflimmern (39 %), pulslose elektrische Aktivität (19 %) und Asystolie als kompletter Stillstand des Herzens (42 %). In zwei Dritteln der untersuchten Fälle waren Beobachter bei dem Ereignis dabei, 75% dieser Beobachter waren Angehörige.

Bei einer Befragung unter den Beobachtern kam heraus: 69 % der plötzlich verstorbenen Menschen wiesen vor ihrem plötzlichen Herztod länger als 30 Minuten folgende Symptome auf:

  • Angina pectoris  40 %
  • Luftnot 27 %
  • Bewusstseinsstörung 10 %
  • Andere 23 %

Kurzum in Stadtgebieten sind professionelle Rettungskräfte innerhalb von ca. 10 Minuten vor Ort. Berücksichtigt man eine Patienten- bzw. Beobachter-Entscheidungszeit von 10 Minuten, dann haben ca. 66% der Menschen mit plötzlichem Herztod eine gute Chance rechtzeitig Hilfe zu erhalten. Folglich können lebensrettende Maßnahmen können so innerhalb von 30 Minuten nach Symptombeginn eingeleitet werden.

Auch auf die Symptome bei anderen Menschen achten

Als Verwandter, Freund, Arbeitskollege und auch als Passanten sind Sie potentieller Lebensretter. Sollte in Ihrem Umfeld den Eindruck haben, dass es einem Menschen schlecht geht oder er oder die oben genannten Symptome äußern, dann handeln Sie. Verständigen Sie spätestens nach 10 Minuten den Rettungsdienst unter 112.

Falls erforderlich, führen Sie bis zum Eintreffen der Rettungskräfte selbst lebensrettende Maßnahmen durch:

…..weiter im Selbsthilfekurs „Herzinfarkt sofort handeln“

 

? Arntz et al. Intensivmed 1999;36: 485-492

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Angina pectoris – Brustschmerzen

Sehr häufig bitten uns in der Cardiopraxis Menschen um Rat und Tat, die als Symptom „Angina pectoris“ angeben. Angina pectoris bedeutet „Enge der Brust“.

So kommen Sie zu uns, weil Sie die Beschwerden bemerkt haben. Damit ist der Ort der Beschwerden schon einmal auf den Brustraum und angrenzende Regionen eingegrenzt. Das Problem besteht jetzt für Sie darin, dass Sie manchmal schwer unterscheiden können, wo die Beschwerden ihren Ursprung haben. Dabei kann es sich um ganz verschiedene Arten von Brustdruck oder Brustschmerzen handeln.

Angina pectoris – bewegungsabhängig und hell?

Die nächsten Hinweise erhalten wir über den Schmerzcharakter und die Auslösbarkeit. Kommen die Schmerzen von der Wirbelsäule oder von der Muskulatur, dann haben sie eher einen punktuellen “hellen” Charakter (“wie Stiche”). Sie sind fast immer bewegungsabhängig, d.h. sie verändern sich, z.B. wenn Sie den Arm heben oder die Wirbelsäule beugen oder drehen. Sind Lungen- und Rippenfell gereizt, dann nehmen die “hellen” Schmerzen beim vertieften Atmen zu. Immer wieder einmal erleben wir auch mal Menschen, bei denen eine Krämpfe der Speiseröhre zu Schmerzen führt. Bei Entzündungen der Speiseröhre sind die Schmerzen häufig im Liegen betont. 

Besonders gravierend, zum Glück aber sehr selten sind die reißenden Schmerzen, wenn ein Einriss der Hauptschlagader, die Aortendissektion auftritt. Hier ist der Schmerz ebenfalls „hell“ und ist häufig mit Zeichen der Adrenalin-vermittelten Aktivierung verbunden, wie z.B. Unruhe, schneller Herzschlag und Schwitzen. Bei der Lungenembolie tritt der Brustdruck häufig plötzlich, wie aus heiterem Himmel auf und ist mit Luftnot verbunden. Besteht die Lungenembolie schon etwas länger, dann sind Beschwerden durch die entzündliche Mitbeteiligung des Lungenfells auch mal atemabhängig.

 

Schmerz, der durch Druck z.B. auf das Brustbein ausgelöst werden kann, kommt nie vom Herzen.   

Angina pectoris – belastungsabhängig und dunkel?

Bei Durchblutungsstörungen des Herzmuskels nehmen Sie hingegen eher einen flächigen dumpfen Druck war (“wie ein Stein auf der Brust”), meistens hinter dem Brustbein oder in der linken Brusthälfte lokalisiert. In der Regel Belastung zu, dann wenn Blutdruck und Herzfrequenz steigen. Brustdruck kann aber auch schon mal in Ruhe auftreten, wenn sich ein Herzkranzarterie verkrampft, z.B. durch Kälte,  Aufregung oder auch Nahrungsmittel.

Angina pectoris – im Zweifel ärztliche Hilfe aufsuchen

Sie merken, dass die Zuordnung des Symptoms „Brustdruck“ bzw. „Brustschmerz“ zu einem Organ nicht ganz einfach ist. Häufig hilft zur Unterscheidung der Nitro Spray-Test.

Besonders, wenn die Beschwerden neu, sich in der den letzten Tagen verändert haben oder die Symptome intensiv sind, dann ist es für Sie über die nächsten Schritte genau nachdenken und handeln.

Scheuen Sie sich nicht je nach Intensität den Hausarzt aufzusuchen bzw. den Ärztlichen Notdienst unter 116 117 zu verständigen. Bei akuten lebensbedrohlichen Situationen verständigen Sie konsequent den Rettungsdienst unter 112.

 

 

….weiter im Selbsthilfekurs „Herzinfarkt sofort erkennen“

 

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Herzinfarkt – Zeit ist der kritische Faktor

Bei einem typischen Herzinfarkt liegt fast immer ein plötzlicher Verschluss eines Herzkranzgefäßes, einer sog. Koronararterie vor. Das bedeutet, dass wichtige Anteile des Herzmuskels kein sauerstoffreiches Blut mehr erhalten.

Bedenken Sie, ca. 10 Minuten nach einem akuten Verschluss eines Herzkranzgefäßes beginnt das Herzmuskelgewebe unwiederbringlich abzusterben. Je früher ein verschlossenes Herzkranzgefäß im Herzkatheterlabor wiedereröffnet wird, desto kleiner die Infarktgröße und je besser auch die Langzeitüberlebens-Chancen.

Die Zeit läuft.

Patientenentscheidungszeit – weiter ein Problem

Zahlreiche Maßnahmen der sog. Koronaren Versorgungskette zur Behandlung des Herzinfarktes haben sich insbesondere seit Beginn der 90er Jahre eindrucksvoll verbessert und die Herzinfarktsterblichkeit um über 30% verringert. Das Absetzen des Rettungsrufes 112 durch Betroffene oder Beobachter bleibt weiter ein Problem.

Den Zeitraum vom Symptombeginn bis zum Absetzen eines Notrufs nennt man die „Patientenentscheidungszeit“. Während in Deutschland die Abläufe nach Absetzen eines Notrufes unter 112 sehr gut definiert und schnell sind – in der Regel ist eine Notärztin oder ein Notarzt innerhalb von 10 Minuten vor Ort – bleibt die Patientenentscheidungszeit weiterhin ein Problem. Sie macht etwa 60 % der Gesamtzeit bis zur lebensrettenden Therapie im Herzkatheter-Labor aus. In vielen Fällen beträgt Sie mehrere Stunden.

Angehörige, Freunde, Kollegen …. und Fremde – wichtige Signalgeber

Nicht nur der Mensch, der von einem Herzinfarkt betroffen ist, kann die lebensrettende Koronare Versorgungskette in Gang setzten. Häufig sind Freunde, Mitarbeiter, Angehörige und auch Fremde anwesend, die wertvolle Hilfe leisten können. Gerade Fremde, die den Betroffenen nicht kennen, sehen die Situation unvoreingenommen und handeln meist schneller und konsequenter als Angehörige.

Folglich hat der Satz „warten wir erst mal ab“, häufig von einem Angehörigen geäußert, z.B. während einer laufenden Fernsehsendung, schon viel wertvolle Zeit gekostet. Die Kriterien für das Absetzen beim Verdacht auf einen Herzinfarkt sind klar.

Herzinfarkt – allermeistens mehr als 1 Symptom

Einen Herzinfarkt erkennen Sie an diesen Warnzeichen.

  • Druck meistens hinter dem Brustbein
  • Ausstrahlung in andere Körperregionen
  • Luftnot
  • Übelkeit, Gesichtsblässe, Kaltschweissigkeit
  • Bewusstseinsstörung

Nicht immer müssen alle diese typischen Symptome gleichzeitig vorhanden bzw. stark ausgeprägt sein. Allerdings treten bei einem Herzinfarkt fast immer mindestens 2 Symptome gleichzeitig auf. Folglich müssen Sie, sei es, dass Sie Betroffene bzw. Betroffener oder eine anwesende Person sind, bei Vorhandensein von mindestens 2 Symptomen zügig handeln.

Auch zeigt sich hier wieder, wie wichtig die anwesenden Mitmenschen sind, denn Gesichtsblässe, das fahle graue Gesicht, wird von der Betroffenen praktisch nie wahrgenommen.

Besonders verheerend ist der sog. „neglect“, die fehlende Bereitschaft des Betroffenen den Ernst der Lage zu erkennen und selber zu handeln. Häufig hören wir dann den Satz „das wird schon wieder“, wieder ein Grund für unnötigen Zeitverlust.

Verdacht auf Herzinfarkt – Notruf 112 absetzen

Wenn Symptome des Herzinfarktes vorliegen, dann müssen Sie schnell handeln! Falls diese Beschwerden 10 Minuten und mehr bestehen, sollte sofort das Rettungsteam unter 112 verständigt werden!

Das sind wichtige Informationen für das Rettungsteam am Telefon:

  • Wer: Name Anrufer
  • Was: „Medizinischer Notfall“, evtl. zusätzlich „Verdacht auf Herzinfarkt“
  • Wen: Name, Alter Betroffener
  • Wo: Straße, Hausnummer, Stockwerk (!)
  • Wie: wach, ansprechbar „ja“ oder „nein“
  • Wie: nicht spontan atmend „ja“ oder „nein“

Zwar ist die Nennung des eigenen Namens bei einem Notruf nicht zwingend erforderlich, sie erleichtert allerdings unter der emotionalen Belastung den Einstieg in das Gespräch.

Achten Sie darauf, dass das Telefonat immer vom Profi in der Einsatzzentrale des Rettungsdienstes am anderen Hörer beendet wird, damit keine wertvollen Informationen in der Aufregung fehlen.

Sollten Sie gehörlos bzw. die Sprechsprache nicht richtig beherrschen, dann erkundigen Sie sich vor einem Notfall bzgl. Möglichkeiten der Notfallalarmierung für Gehörbeeinträchtigte.

Wegweisende Maßnahmen – erleichtern Eintreffen für Rettungsdienst

Stellen Sie sich vor, wie können Sie dem Rettungsteam den Weg zum Einsatzort erleichtern:

  • Haustür öffnen
  • Lichter überall anmachen
  • Meldekette bis zur Straße aufbauen, falls genügend Personen anwesend sind, z.B. in Mehretagenhäusern, Schulen oder Bürogebäuden

Ersthelfermaßnahmen – lebensrettend

Ist der Mensch nicht bewusstlos, dann sollte immer ein Ersthelfer bei ihm bleiben, weil die Lage sich plötzlich verschlechtern kann. Besonders tückisch ist die Situation, wenn der Brustdruck des Herzinfarktpatienten nachlässt. Denn gerade dann, wenn sich eine Koronararterie auch spontan wiedereröffnet, treten besonders häufig potentiell tödliche Rhythmussstörungen, wie z.B. Kammerflimmern auf, die gefürchteten Reperfusionsarrhythmien. Die Beteiligten denken „alles ist gut“ und dann geht es erst mal richtig los.

Falls der betroffene Mensch von vorne herein bewusstlos ist, dann sollten Sie mit den Erste-Hilfe-Maßnahmen beginnen. Die Herz-Druckmassage alleine führt schon zu einer Verdopplung der akuten Überlebensrate. Bei vorhandenem Automatischen Externen Defibrillator (AED): setzen Sie ihn ein, denn Sie können nichts falsch machen!

Seien Sie Teil des Erfolges

Gerade Risikopatienten für das Auftreten eines Herzinfarktes und deren Angehörigen sollten sich diese Informationen immer wieder mal vor Augen führen. Das mentale Durchspielen einer solchen Situation ist eine Übung und …..“üben übt“.

Sie können diese Informationen auch im Sinne einer betrieblichen Fortbildung an Ihrem Arbeitsplatz weiterleiten. Wir in der Cardiopraxis trainieren regelmäßig für den Ernstfall.

Mit diesen Informationen machen Sie alles richtig. Seien Sie im Notfall Teil des Erfolges, handeln Sie für sich selbst oder seien Sie ein aktiver Ersthelfer.

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Stabile Angina pectoris – meistens Brustdruck hinter dem Brustbein

Die meisten Menschen, bei denen eine Verengung einer Herzkranzarterie zur Durchblutungsstörungen des Herzmuskels führt, kennen das Symptom Angina pectoris.

Angina pectoris bedeutet übersetzt „Enge der Brust“ und meistens tritt sie hinter dem Brustbein auf. Das Druckgefühl kann aber auch in andere Körperregionen vorkommen bzw. vom Brustbein dorthin ausstrahlen, z.B. in Schulter, Arm, Magen, Hals, Kieferwinkel oder Rücken.

Angina pectoris bei Verengungen von Herzkranzarterien tritt typischerweise bei körperlicher Belastung auf und wird meistens von Luftnot begleitet. Im  Nitro Spray-Test, vorausgesetzt es handelt sich nicht um einen ablaufenden Herzinfarkt, nimmt die beschwerdefreie Belastbarkeit durch Nitro Spray typischerweise zu.

Stabile Angina pectoris – was bedeutet eigentlich stabil?

Um die Bedrohlichkeit einer Angina pectoris einzuordnen, sind die Bewertung von Charakteristik, Auslöser, Intensität und Häufigkeit der auftretenden Symptome wichtig. Man unterscheidet in stabile, instabile Angina pectorissowie anhaltende Angina pectoris bei Herzinfarkt.

Von einer stabilen Angina pectoris bei Koronarer Herzkrankheit sprechen wir, wenn sich die Symptome in einem Zeitraum von 4 Wochen nicht verändern. Charakteristisch für eine stabile Angina pectoris sind zum Beispiel:

  • Auftreten bei stabiler Belastungsschwelle, z.B. nach Ersteigen von 1 Treppenetage
  • Beschwerden verschwinden in Ruhe
  • stabile Häufigkeit, z.B. 1 bis 5 Episoden pro Woche
  • das gleiche Beschwerdebild besteht seit mehr als 4 Wochen

Bei stabiler Angina pectoris ist das Risiko für einen Herzinfarkt bzw. den Tod ist gering; die Sterblichkeit liegt bei ca. 5 % pro Jahr.

Schwergrad der Angina pectoris – die CCS-Klassifikation?

Der Schwergrad der Angina pectoris entsprechend den Kriterien der Canadian Cardiovascular Society beschreibt wie stark ein Mensch in seiner körperlichen Belastbarkeit eingeschränkt ist.

CCS I – Keine Angina pectoris bei Alltagsbelastung, z.B. beim Treppensteigen oder Laufen. Angina pectoris bei plötzlicher und längerer körperlicher Belastung.

CCS II – Angina pectoris bei stärkerer körperlicher Belastung, z.B. beim schnellen Laufen, Treppensteigen oder Bergaufgehen. Angina pectoris beim Treppensteigen nach dem Essen, in Kälte, Wind oder bei psychischer Belastung.

CCS III – Angina pectoris bei Alltagsbelastung, z.B. bei normalem Gehen oder beim Ankleiden.

CCS IV – Angina pectoris auch kurzzeitig in Ruhe.

Eine Angina pectoris Schwergrad III oder IV bedeutet eine schwere Beeinträchtigung im Alltag; nicht selten treten 16-20 Angina pectoris Episoden pro Woche auf. Das Beschwerdebild kann trotzdem als stabil eingestuft werden, wenn die Beschwerden sich in den letzten 4 Wochen nicht verändert haben. In dieser Gruppe ist das Langzeitüberleben allerdings deutlich eingeschränkt, die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt lediglich 50%.

Stabile Angina pectoris – Langzeitüberleben in der Regel gut, aber….

Ausgenommen Betroffene mit Angina pectoris CCS-Klasse III und IV, ist die Prognose mit stabiler Angina pectoris gut.

Allerdings sollten Sie sich vor Augen führen, dass Angina pectoris in der Regel ein spätes Symptom einer länger anhaltenden Durchblutungsstörung ist, sozusagen die Spitze des Eisbergs. Weiterhin wird derselbe Schwergrad einer Durchblutungsstörung am Herzen von einigen Menschen früher, von anderen später wahrgenommen. Somit wissen wir, auch wenn die Beschwerden stabil sind nie so ganz genau, wie schwer verändert die Herzkranzarterien sind.

Wir raten daher bei typischer belastungsabhängiger Angina pectoris fast immer zur Herzkatheteruntersuchung, allerspätestens bei mehr als 5 Episoden pro Woche oder ab CCS-Klasse III. Der Herzkatheter schafft definitive Klarheit und in einem Arbeitsgang kann, falls erforderlich eine Engstelle mittels Stent beseitigt werden.

Wenn Sie eine stabile Angina pectoris haben, dann sollten Sie regelmäßig (1 Mal pro Jahr) einen Kardiologen bzw. eine Kardiologin besuchen. Hier kann der Schwergrad der Veränderungen an den Herzkranzarterien indirekt besser erfasst werden. Dafür nutzen wir das EKG, Belastung-EKG und den Herzultraschall. Gegebenenfalls kommen noch weitere Untersuchungen wie das Herz-MRT oder die Myokardszintigrafie hinzu.

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? Schoebel FC et al. Refractory angina pectoris in end-stage coronary artery disease: evolving therapeutic concepts. Am Heart J 1997;134:587-602

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Akuter Herzinfarkt – Symptome ernst nehmen und schnell handeln

Ein akuter Herzinfarkt ist ein gravierendes Ereignis, welches in 30% der Fälle mit Todesfolge verbunden ist. Richtiges und sofortiges Handeln kann hier Leben retten.

Häufig ist der betroffene Mensch im ablaufenden Herzinfarkt nicht handlungsfähig, sei es, weil er oder sie körperlich und geistig nicht in der Lage ist oder weil einfach die Krankheitseinsicht fehlt. Manchmal ist es die Banalisierung von eher gering ausgeprägten Beschwerden, was zu einem wertvollen Zeitverlust führt. Denn, je früher ein verschlossenes Herzkranzgefäß bei einem ablaufenden Herzinfarkt im Herzkatheterlabor wiedereröffnet wird, desto höher die Überlebenswahrscheinlichkeit.

Folglich ist bei einem akuten Herzinfarkt nicht nur wichtig, was Sie bei der Selbstwahrnehmung als betroffener Mensch selber spüren, sondern auch welche Veränderungen Ihr soziales Umfeld im Sinne der Fremdwahrnehmung bemerkt.

Brustdruck – häufigstes Symptom eines akuten Herzinfarktes

Brustdruck, in der Fachsprache Angina pectoris genannt, ist das häufigste Symptom bei einem Herzinfarkt. Im Gegensatz zur stabilen Angina pectoris und zur instabilen Angina pectoris besteht bei einem akuten Herzinfarkt ein anhaltender Druck in Ruhe mit einer Dauer von mehr als 10 Minuten. Ab diesem Zeitpunkt stirbt der Herzmuskel unwiederbringlich ab.

Der Druck kann auch isoliert in der Schulter, dem Arm, dem Rücken oder dem Oberbauch auftreten. Sogar ein dumpfes Ziehen im Unterkiefer kann vorkommen.

Bei einem Herzinfarkt ist der Brustdruck fast immer von Zusatzsymptomen begleitet. Hierzu zählen insbesondere:

  • Luftnot
  • Ausstrahlung
  • Blässe
  • Übelkeit
  • Schwitzen
  • Verwirrtheit

Übrigens, Brustdruck, der seinen Ursprung in einer Durchblutungsstörung des Herzens hat, ist nicht bewegungsabhängig, d.h. er kann durch eine Beugung bzw. Drehung der Wirbelsäule bzw. tiefes ein- und ausatmen nicht beeinflusst werden. Ist das allerdings der Fall, dann sind andere Ursachen der Beschwerden, z.B. im Bereich der Wirbelsäule wahrscheinlicher. Auch ein sog. heller, stechender oder ein punktueller Schmerz hat seinen Ursprung fast nie im Herz.

Bei einem akuten Herzinfarkt reagiert der Brustdruck im Test NICHT auf die Einnahme von Nitro Spray, weil das Herzkranzgefäß in der Regel komplett verschlossen ist.

Akuter Herzinfarkt – die Perspektive BETROFFENER Menschen

Bei einem akut und symptomatisch ablaufenden Herzinfarkt sind Sie zunächst irritiert, Sie spüren Druck auf der Brust, aller meistens mit Luftnot verbunden.

Mit Brustdruck und Luftnot kommt ein Gefühl der inneren Schwäche, Ihr Körper fühlt sich an wie Blei. Körperliche Bewegung versuchen Sie zu vermeiden, um die Herzarbeit nicht zu steigern, denn Sie spüren, das würde eine Zunahme der Beschwerden zur Folge haben.

Trotz dieser äußerlichen und auch für andere Menschen sichtbaren körperlichen Gebundenheit werden Sie innerlich zunehmend unruhiger. Das ist eine Folge von Adrenalin, welches schon alleine durch den Stress der Durchblutungsstörung des Herzmuskels, vermehrt ausgeschüttet wird.

Adrenalin kann Ihre geistigen Fähigkeiten einschränken, so dass Ihnen das Sprechen von klaren Sätzen schwerfällt.

Im optimalen Fall wissen Sie spätestens jetzt, dass Sie in einer lebensbedrohlichen Situation sind und Hilfe benötigen. Sie setzen selber oder über andere Menschen die Rettungskette in Gang.

Akuter Herzinfarkt – die Perspektive NICHT-BETROFFENER Menschen

Sie sitzen mit Ihrer Frau am Sonntagabend zu Hause vor dem Fernseher, der Tatort beginnt gerade. Obwohl Sie dem Krimi folgen, spüren Sie, dass irgendetwas nicht stimmt. Als Sie sich zufällig Ihrer Frau zuwenden, merken Sie, dass Ihre Frau sich mit der rechten Hand an die linke Brust greift und mit dem anderen Arm auf den Oberschenkel aufstützt.

Sie bekommen den Eindruck, dass Ihre Frau schwer atmet. Sie fragen Ihre Frau: „Stimmt etwas nicht?.“ Ihre Frau antwortet: „Nein, nein, alles in Ordnung, ich glaube, ich habe mir nur irgendwie den Rücken verknackst.“

Jetzt kennen Sie natürlich Ihre Frau, bevor sie überhaupt irgendetwas sagt, muss schon etwas Schwerwiegendes passiert sein. Zwischenzeitlich sehen Sie, dass Ihre Frau ein aschfahles Gesicht bekommt. Sie sagt jetzt ungefragt: „Ich hab hier irgendwie so einen komischen Druck auf der Brust……und ich krieg´ so schlecht Luft.“

Sie fragen: „Soll ich einen Arzt rufen?“ Ihre Frau: „Ne, ne, lass mal lieber, das wird schon.“ – Sie wirkt jetzt etwas verwirrt, so kennen Sie sie gar nicht.

Nun wissen Sie, dass ca. 60% aller Herzinfarkte im häuslichen Bereich vorkommen und dass auch Frauen in ca. 33% der Fälle betroffen sein können. Irgendwo haben Sie gelesen, dass ca. 66% aller Menschen vor einem Plötzlichen Herztod innerhalb von 30 Minuten vor dem Ereignis Symptome wie Brustdruck und Luftnot haben; Blässe und Schwitzen sollen ein ganz schlechtes Zeichen sein.

Sie wissen jetzt, dass es sich bei Ihrer Frau um einen lebensbedrohlichen Notfall handelt. Jetzt zählt jede Minute. Sie rufen den Notarzt mit dem Rettungsteam unter 112.

So etwas kann natürlich auch einem Arbeitskollegen oder -kollegin am Arbeitsplatz passieren. Auch hier verlassen Sie sich auf Ihr Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt, fragen nach und handeln sofort.

Herzinfarkt jede Minute zählt

Wir in Cardiopraxis haben alleine durch unsere Tätigkeit in verschiedenen Kliniken Tausende und Abertausende von Menschen mit ablaufendem Herzinfarkt akut betreut, sei es auf der Notaufnahmestation, im Herzkatheterlabor oder auf der Intensivstation. Solche Geschichten, wie oben geschildert sind auch jetzt noch ein großer Teil unseres Alltags.

Jetzt betreuen wir vor allen Dingen Menschen nach einem Herzinfarkt, so dass ein solcher in der Zukunft nicht mehr passiert. Wir helfen Ihnen Symptome richtig einzuschätzen, so dass Sie im Ernstfall richtig handeln können. Deshalb haben wir auch diesen Beitrag für Sie geschrieben.

Die Menschen die rechtzeitig die richtigen Schritte einleiten, sind diejenigen, die zu einer deutlich verringerten Sterblichkeit bei Herzinfarkt, kurzfristig und langfristig beitragen. – Jede Minute zählt.

Also, bei anhaltendem Brustdruck länger als 10 Minuten und Begleitsymptomen wie Luftnot, Blässe, Schwindel, Schwitzen oder Übelkeit immer unverzüglich die Rettungskette unter 112 starten. Haben Sie Zweifel, denken aber an einen Herzinfarkt, handeln Sie ebenso mit 112!

 

 

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Herzinfarkt – Kardiologen helfen

Die Sterblichkeit beim Herzinfarkt beträgt in Deutschland zwischen 30 und 50 %. Die Ursache für einen Herzinfarkt ist fast immer der plötzliche Verschluss einer Herzkranzarterie. Bereits 10-20 Minuten nach Einsetzen des Verschlusses und damit auch nach Einsetzen der Symptome beginnt das Herzmuskelgewebe unwiederbringlich abzusterben. Um die kurzfristige und langfristige Überlebenschance zu verbessern, muss die verschlossene Herzkranzarterie so rasch als möglich in einem Herzkatheterlabor wiedereröffnet werden.

Sie haben richtig gehandelt – jetzt muss die Ärztin handeln

Wenn Sie bei Symptomen eines Herzinfarktes ärztliche Hilfe aufsuchen, dann haben Sie grundsätzlich richtig gehandelt. Die Patiententscheidungszeit sollte hier möglichst kurz sein, optimal sind 10 Minuten nach Symptombeginn bis zum Absetzen des Notrufes 112. Sie sollten an Ort und Stelle bleiben und sich nicht mit dem Auto in eine Klinik fahren lassen oder gar sich selber ans Steuer setzen, das kann gefährlich werden. Warten Sie auf den Rettungsdienst, der innerhalb von 10 Minuten bei Ihnen vor Ort ist. Der Rettungsdienst hat alle lebensrettende Instrumente, wie z.B. Defibrillator, Beatmungsbesteck und Medikamente dabei.

Gelegentlich kommt es vor, dass Menschen anstatt den Rettungsdienst zu verständigen  zum Hausarzt gehen oder auch zu uns in die Cardiopraxis kommen. Das hat wertvolle Zeit gekostet und jetzt müssen wir besonders schnell handeln.  Wir können als erfahrene Kardiologen die Diagnose „Herzinfarkt“ innerhalb von 20 Minuten nach Eintreffen mit hoher Sicherheit stellen. Das Vorgehen ist weltweit standardisiert und läuft in der Cardiopraxis genauso schnell ab wie in einem Krankenhaus.

Fragen des Kardiologen bei Verdacht auf Herzinfarkt

Sollten Sie mit einem akuten Herzinfarkt zu uns in die Cardiopraxis kommen, dann erkennen die Assistentinnen an der Rezeption bereits, dass eine akute Erkrankung vorliegt und geben den Ärzten sofort Bescheid und leiten Sie direkt in den EKG-Raum weiter.

Mit dem ersten Eindruck ist uns bei einem ablaufenden Herzinfarkt die Situation meistens schon klar. Sie sehen blass aus, atmen in der Regel schwer, und haben häufig ein angestrengtes Gesicht und versuchen Bewegung zu vermeiden. Liegt dabei Ihre Hand entweder als Faust oder flach auf Ihrer Brust, dann denken wir „Wahrscheinlich Herzinfarkt“.

Einige wenige Fragen verschaffen uns weitere Klarheit: „Wo verspüren Sie den Druck?“ „Strahlt der Druck in eine andere Körperregion aus?“ „Ist der Druck anhaltend oder verschwindet er zwischendurch wieder?“, „Seit wann ist der Druck anhaltend?“, “ Haben Sie Luftnot?“, „Verspüren Sie Übelkeit?“, „Hatten Sie in den letzten 4 Wochen vermehrt Druck bei Belastung?“.

Akuter Herzinfarkt – EKG und Troponin-Test verschaffen Klarheit

Zeigt das Elektrokardiogramm typische Veränderungen, dann kann von uns die Diagnose schon 10 Minuten nach Ihrem Eintreffen mit sehr hoher Sicherheit gestellt werden. In diesem Moment verständigt eine Assistentin schon den Rettungsdienst unter 112. Wir stellen den Notfallkoffer mit Medikamenten, Beatmungsbesteck und Defibrillator in Ihre Nähe für den Fall, dass bei Ihnen eine schwerwiegende Komplikation, wie z.B. Kammerflimmern einsetzt.

Wir legen dann eine periphere Verweilkanüle in eine Ihrer Armvenen und das Blut für den Troponin-Schnelltest wird direkt noch auf der EKG-Liege abgenommen. Der Troponin-Test misst den Gehalt an Troponin im Blut.Troponin ist ein Eiweiß, welches nur im Herzmuskel vorkommt, messen wir es im Blut, dann ist das ein sehr sicherer Hinweis auf einen Herzmuskelschaden und bestätigt die Diagnose „ablaufender Herzinfarkt“. Die Dauer bis zum Testergebnis beträgt 15 Minuten. Da sich Troponin erst 3 Stunden nach dem Beginn des Untergangs von Herzmuskelzellen im Blut nachweisen läßt, hat der Test häufig eher bestätigenden Charakter.

Die Ärztin hört Herz- und Lunge ab, um vor allen Dingen zu hören, ob bei Ihnen ein Lungenödem als Hinweis auf ein erhöhtes Risiko vorliegt. Der gleichzeitige wahrgenommene Hauttastbefund zeigt die Feuchtigkeit der Haut an und ist für uns in Verbindung  mit Blutdruck- und Herzfrequenzmessung richtungsweisend auf einen akuten Herz-Kreislaufschock, ein weiterer gravierender Risikoindikator.

Zu diesem Zeitpunkt geben wir Ihnen 500mg Aspirin über die Venenverweilkanüle. Aspirin trägt dazu bei, dass das Blutgerinnsel, welches wahrscheinlich die Herzkranzarterie verstopft, wieder aufgelöst wird.

Wir streben auch immer eine Herzultraschall-Untersuchung an. Dieses Untersuchungsverfahren erlaubt eine Bewertung der Pumpleistung des Herzens, gibt damit weitere Rückschlüsse auf das Ausmass des Herzinfarktes und zeigt gegebenfalls eine begleitende Herzklappenerkrankung an. Auch das sind wertvolle Hinweise für Ihre weitere Versorgung im Krankenhaus.

Rettungsdienst – schnell vor Ort

Häufig bleibt für die Echokardiografie keine Zeit, denn das Rettungsteam ist innerhalb von 10 Minuten bei uns vor Ort. Die Betreuung übernehmen nach einer mündlichen Übergabe und Mitgabe von EKG und Laborbefund jetzt die Rettungsassistenten und die Notärztin. Spätestens nach 20-30 Minuten nach Ihrer Ankunft verlassen Sie mit dem Rettungsteam wieder die Cardiopraxis in Richtung Krankenhaus.

Herzinfarkt – fast immer ins Herzkatherlabor

Da Deutschland flächendeckend gut mit Herzkatheterlaboren versorgt ist, werden Sie fast immer in eine Klinik mit Herzkatheterlabor gebracht. Hier erfolgt dann die mechanische Wiedereröffnung der verschlossenen Herzkranzarterie und die intensivmedizinische Überwachung.

Nach dem Herzinfarkt – Herzinfarkt verhindern!

Noch während Sie im Krankenhaus sind, erkundigen wir uns von der Cardiopraxis bei den Klinikärzten über Ihren weiteren Verlauf. Gleichzeitig fordern wir die Herzkatheter-CD und die Befunde an, so bekommen wir ein noch besseres Bild.

Da gerade die ersten 12 Monate je nach Größe des Herzinfarktes mit einem erhöhten Risiko verbunden sind, treffen wir uns dann frühzeitig in der Cardiopraxis wieder, meistens schon vor einer Rehabilitationsmassnahme. Wir besprechen dann die weiteren Schritte mit Ihnen gemeinsam und passen Ihre Medikamente individuell an, damit so etwas wie ein Herzinfarkt Ihnen nicht nochmal passiert.

 

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