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Koronare Herzkrankheit: Stent, Bypass oder Medikamente – Der ISCHEMIA Trial

Immer wieder wird diskutiert: Was ist die richtige Behandlung für die stabile Koronare Herzkrankheit?

Dabei erfolgt immer wieder gerne eine Gegenüberstellung der rein medikamentösen Behandlung mit den sog. invasiven Verfahren, der aorto-koronaren Bypassoperation bzw. der Katheter-gestützten Wiedereröffnung von verengten Herzkranzarterien einschl. Stent-Implantation. Eine große Studie, die versucht hier Antworten zu finden ist der ISCHEMIA-Trial (International Study of Comparative Health Effectiveness With Medical and Invasive Approaches).

Erste Ergebnisse des ISCHEMIA-Trials sind jetzt als Kurzreferate auf Kongressen und als Kurzpublikationen auf der Website des ISCHEMIA-Trials veröffentlicht worden. In der Folge hat das beispielsweise in der Laienpresse für einige Unruhe gesorgt. Die vollständige Publikation in einem Fachjournal und die Veröffentlichung der Langzeitergebnisse steht aus.

Bevor wir die ersten Ergebnisse des ISCHEMIA-Trials darlegen, sollten wir uns über den aktuellen Stand im Klaren werden.

Die natürliche Lebenserwartung des Menschen

Die natürliche Lebenserwartung des Menschen beträgt 19-38 Jahre. Das können wir durch vergleichende Untersuchungen zur gesamten Anzahl der Herzschläge zwischen Menschen und anderen Säugetieren abschätzen: je schneller das Herz eines Säugetieres schlägt, desto kürzer die Lebenserwartung.  Weiterhin konnten genanalytische Untersuchungen diese Abschätzung mit einer natürlichen menschlichen Lebenserwartung von 38 Jahren bestätigen. Wohlgemerkt, es handelt sich hier um die biologische Lebenserwartung, d.h. eine Lebenserwartung ohne zusätzliche tödliche Unfälle oder akute Infektionen.

Im Gegensatz dazu liegt die zivilisatorische Lebenserwartung in Deutschland derzeit bei 80,6 Jahren, in den USA bei 78,7 Jahre (Stand 2016). Das ist wesentlich eine Folge des medizinischen Fortschritts im Allgemeinen und der erfolgreichen Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen im Speziellen.

Arteriosklerose und Lebenserwartung

Ein wesentlich begrenzender Faktor für die Einschränkung der natürlichen Lebenserwartung des Menschen ist die Arteriosklerose, d.h. die Engstellung von Arterien durch Verkalkungen.

Bei der Artriosklerose spielt vor allen Dingen die Verkalkung von Herzkranzarterien, die sog, Koronare Herzkrankheit mit ihren Folgen, wie Herzinfarkt und plötzlicher Herztod eine entscheidende Rolle. Demgemäß ist ein erhöhtes Cholesterin z.B. ein Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Verkalkungen in Arterien. Der Cholesterinwert, der genetisch festgelegt ist, ist somit ein kritischer Faktor für den natürlichen Alterungsprozess des Menschen.

Die Arteriosklerose der Herzkranzarterien ist eine schubweise verlaufende Erkrankung. Beispielsweise kann deren Voranschreiten mittels medikamentös konservativer Therapie nicht komplett kontrolliert werden, auch nicht durch eine adäquate therapeutische Senkung des Cholesterinspiegels allein.

Eine wesentliche Folge von Engstellen in Arterien sind nicht nur Herzinfarkte, sondern auch Durchblutungsstörungen des Herzmuskels bei körperlicher Belastung, dann wenn Herzfrequenz und Blutdruck natürlicherweise ansteigen. Folglich können nicht nur  Symptome wie Brustenge bei Belastung (typische Angina pectoris) und Luftnot bei körperlicher Anstrengung auftreten, sondern Durchblutungsstörungen erhöhen auch das Risiko für den plötzlichen Herztod, z.B. durch Herzkammerflimmern.

Übrigens beginnen bei Männern die Komplikationen einer Koronaren Herzkrankheit um das 40. Lebensjahr, bei Frauen um das 50. Lebensjahr gehäuft aufzutreten.

Ziele der Behandlung der koronaren Herzkrankheit

Folglich sind die Ziele zur Behandlung der koronaren Herzkrankheit klar definierbar:

  • Beschwerdefreiheit in Ruhe und bei körperlicher Belastung
  • hohe Lebenserwartung
  • möglichst geringes Risiko durch die Therapie
  • gute körperliche Leistungsfähigkeit trotz Medikation

Behandlungsverfahren der Arteriosklerose – kurzer Überblick

Wir unterscheiden bei der Behandlung von Durchblutungsstörungen der koronaren Herzkrankheit folgende Therapieansätze

  • mechanisch-invasiv
  • medikamentös-kausal
  • medikamentös-symptomatisch
  • Lebensstilmodifikation

Mechanisch-invasiv. Die mechanischen Verfahren haben das Ziel, Engstellen in den Herzkranzarterien entweder zu umgehen oder zu beseitigen. Hier sind die aorto-koronare Bypassoperation und die Katheter-gestützte Therapie, wie z.B. die Implantation von Stents gut etablierte Verfahren.

Medikamentös-kausal. Die medikamentös-kausale Behandlung zielt auf eine Verhinderung des Voranschreitens der Arteriosklerose ab, z.B. durch Cholesterinsenker (z.B. Statine) oder Thrombozytenblocker (z.B. Aspirin).

Medikamentös-symptomatisch. Die sogenannte medikamentös-antiischämische Therapie verringert im Wesentlichen die Arbeitslast des Herzens durch eine Reduktion von Herzfrequenz und Blutdruck, sodass Durchblutungsstörungen nicht entstehen, bzw. gemildert werden.

Die medikamentöse Therapie ist zur Beseitigung von Symptomen nicht selten mit Nebenwirkungen verbunden. Gerade der Einsatz von Betablockern ist mit einer Verringerung der körperlichen Belastungskapazität und damit der Leistungsfähigkeit im Alltag verbunden.

Lebensstilmodifikation. Gerade die letzten Jahre haben gezeigt, dass die Lebensstilmodifikation, z.B. durch regelmäßige körperliche Bewegung, Modifikation der Ernährung, Gewichtsreduktion und Verzicht auf toxische Risikofaktoren, wie z.B. den Nikotingenuss zu einer Verlängerung der Lebenserwartung führt.

Verringerte kardio-vaskuläre Sterblichkeit in Deutschland: der Herzkatheter ein wesentlicher Faktor

Die Summe der oben genannten therapeutischen Maßnahmen hat in den letzten Jahren in Deutschland zu einer deutlichen Verringerung der kardio-vaskulären Sterblichkeit um 44,5% zur Folge gehabt. Das heißt, dass im Jahr 2016 die kardio-vaskuläre Sterblichkeit laut Herzbericht der Deutschen Herzstiftung e.V. zuletzt 134,3 pro 100.000 Einwohner betrug. Nach eigenen Berechnungen lag die Anzahl der diagnostischen Herzkatheter bei 1.093, die der Katheter-gestützten Interventionen 460 pro 100.000 Einwohner.

Dabei korreliert die Verringerung der Sterblichkeit in den letzten 21 Jahren auch erstaunlich gut mit der Anzahl der durchgeführten diagnostischen und therapeutischen Herzkatheter, d.h. im letzteren Fall mit der Ballondilatation bzw. der Stentimplantation bei engen Herzkranzarterien.

Basierend auf dem Herzbericht betragen die linearen Korrelationen mit den Sterbeziffern (Todesfälle pro 100.000 Einwohner):

  • diagnostische Herzkatheter: -0,97
  • therapeutische Herzkatheter: -0,98

Ein nahezu optimales statistisches Ergebnis, denn eine negative Korrelation (je mehr Herzkatheter desto geringer die Sterblichkeit) von jeweils -1,00 wäre der maximale Wert.

Natürlich sind die Anzahl der diagnostischen Herzkatheter und Katheter-gestützte Interventionen nicht die einzigen Faktoren, die das Langzeitüberleben in Deutschland verbessert haben. Sie sind auch ein Maß für die Versorgungsqualität insgesamt. Allerdings weisen die Zahlen sehr deutlich darauf hin, dass Katheter-gestützte Interventionen an den Herzkranzarterien eine hohe Bedeutung für das Langzeitüberleben haben.

Der ISCHEMIA Trial – Stent, Bypass oder nur Medikamente? – die Ausgangsbedingungen

Der ISCHEMIA Trials hatte sich zum Ziel gesetzt zu untersuchen, ob die mechanisch-invasiven Verfahren (aorto-koronare Bypassoperation, Stentimplantation) der alleinigen medikamentösen Therapie überlegen ist. Bei allen Patienten war bei gleichzeitigem Vorliegen von mindestens höhergradigen Engstellen in mindestens einer Herzkranzarterie (Verengungsgrad >60%) eine mittel-schwere oder schwere Durchblutungsstörung (Belastungs-EKG, Stressechokardiografie, Stress-MRT oder Myokardszintigrafie) nachgewiesen worden.

Für den ISCHEMIA Trial wurden 5.167 Patienten in den 37 Ländern registriert. Die Finanzierung erfolgte ausschließlich mit öffentlichen Geldern der U.S.-Regierung. Das mittlere Lebensalter der Patienten betrug 64 Jahre, der Anteil der Frauen lag bei 23% und ein verhältnismäßig hoher Anteil von 41% hatte eine Blutzuckerkrankheit.

Ausgeschlossen waren beispielsweise Menschen mit hochgradigen Engstellen im Hauptstamm der linken Herzkranzarterie, beziehungsweise im vorderen Abschnitt der linken absteigenden Arterie, da hier bereits bekannt ist, dass mechanische Verfahren überlegen sind. Auch Menschen mit einer schweren Herzschwäche, das heißt mit einer linksventrikulären Ejektionsfraktion von <35%, wurden nicht aufgenommen.

Der ISCHEMIA Trial – Stent, Bypass oder nur Medikamente? – erste Ergebnisse

Das mittlere Nachbeobachtungsintervall betrug lediglich 3,3 Jahre.

Die Ergebnisse ergaben nach dem kurzen Nachbeobachtungsintervall für den primären Endpunkt keinen Unterschied zwischen beiden Gruppen. Der primäre Endpunkt setzte sich zusammen aus: kardiovaskulärer Tod, Herzinfarkt, überlebter plötzlicher Herztod, Krankenhausaufenthalt wegen instabiler Angina pectoris und Herzinsuffizienz.

Invasiv vs. medikamentös – 13,3% vs. 15,5% (P = 0,34, nicht signifikant).

Ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen wäre ab einem Wert von <0,05 gegeben.

Vergleicht man den primären Endpunkt für die mechanisch- invasiven Vorgehensweise vergleichend im Hinblick auf Schaden und Nutzen, dann betrug der Schaden innerhalb der ersten 6 Monate ca. 2%, der (errechnete) geschätzte Nutzen danach ca. 2%. Somit ergeben sich Hinweise, dass die mechanisch-invasiven Verfahren der rein medikamentösen Therapie langfristig überlegen ist.

Bei den sekundären Endpunkten (Herzinfarkt, kardiovaskulärer Tod – einschließlich bei invasiven Verfahren) zeigte sich zwar ein Unterschied, welcher allerdings nicht signifikant war:

Invasiv vs. medikamentös – 11,7 vs. 13,9 (P = 0,2, nicht signifikant).

Für den spontanen Herzinfarkt, das heißt ohne Tod bei invasiven Eingriffen, ergab sich immerhin für das invasive Vorgehen eine Risikoreduktion von -33% im Vergleich.

Bei den Symptomen war die invasive Interventionsgruppe deutlich überlegen.

Probleme des ISCHEMIA Trials

Beim ISCHEMIA Trial gibt es einige kritische Anmerkungen, die z.T. auch von den Autoren selber geteilt werden. Hervorzuheben ist hier vor allen Dingen, dass es so zu sein scheint, dass mit zunehmender Dauer nach der Rekrutierung von einer Versorgung mittels Stent bzw. Bypass profitieren. Zudem wurden Hoch-Risikopatienten ausgeschlossen, d.h. Patienten mit hochgradiger systolischer Herzschwäche oder Verengung des linkskoronaren Hauptstammes.

Probleme des ISCHEMIA Trials – Studienergebnisse mit Versorgungssituation in Deutschland vergleichbar?

Für den ISCHEMIA-Trial wurden Patienten von insgesamt 320 Zentren in 37 Ländern in die Studie aufgenommen. Von 320 Studienzentren lagen nur 4, d.h. 1,3% in Deutschland (2 Universitätskliniken, 1 Städtische Klinik, 1 Praxisklinik). Von den 5.179 rekrutierten Patienten stammten lediglich ca. 50, d.h. ca. 1% aus Deutschland.

Der Versorgungsstandard für die Behandlung der Koronaren Herzkrankheit ist in Deutschland hoch, was nicht zuletzt durch die deutliche Reduktion der kardio-vaskulären Sterblichkeit innerhalb der letzten 20 Jahren deutlich wird. Folglich können wir zu mindestens kritisch anmerken, inwieweit die Ergebnisse des ISCHEMIA-Trials aus den verschiedensten Ländern auf die Versorgungssituation in Deutschland übertragbar sind.

Probleme des ISCHEMIA Trials – zu kurzes Nachbeobachtungsintervall?!

Nachbeobachtungsintervall. Das Nachbeobachtungsintervall ist bisher mit 3,3 Jahren sehr kurz und zunehmende Vorteile in der invasiven Gruppe sind im weiteren Verlauf zu erwarten. Zu bedenken ist hier, dass die Belastung von hochgradigen Stenosen in Hauptarterien ein Risiko über die Zeit darstellt.

Ferner müssen wir mit einem Voranschreiten der Arteriosklerose trotz maximal medikamentöser Therapie rechnen. Folglich besteht ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt und zahlreiche Engstellen, beispielsweise im höheren Alter. Dem entsprechend ist nicht nur mit einer frühzeitigen Sterblichkeit, sondern auch mit der Notwendigkeit für komplexere und somit riskantere Koronarintervention in der Zukunft, einschließlich aorto-koronarer Bypassoperation verbunden. Ein sequenzielles Vorgehen, das heißt eine Schritt-für-Schritt-Behandlung von hämodynamisch relevanten Engstellen mittels Stents, d.h. eine Stentimplantation sobald diese notwendig wird, erscheint hier auf jeden Fall risikoärmer.

Probleme des ISCHEMIA Trials – Patienten mit Bypassoperation einer Behandlungsgruppe

In der investiven Behandlungsgruppe wurden Patienten erfasst die entweder einen Stent erhielten oder eine aorto-koronare Bypassoperation. Die genauen prozentualen Zahlen sind noch nicht mitgeteilt. Wir wissen allerdings sehr genau, dass die aorot-koronare Bypassoperation eine hohe Komplikationsrate im ersten Jahr nach Durchführung hat. Wir können daher durchaus rückschließen, dass die invasive Behandlungsgruppe wesentlich günstiger gegenüber der konservativen Gruppe abgeschlossen hätte, wenn nur Patienten eingeschlossen worden wären, die einen Stent erhalten hatten.

Anders gesagt, durch die Zusammenfassung von Patienten mit Stentbehandlung und Aorta-koronarer Bypassoperation wurden gerade im Hinblick auf das kurze Nachbeobachtungsintervall Äpfel und Birnen in einer Gruppe zusammengefaßt.

Probleme des ISCHEMIA Trials – Medikamente zur Behandlung von Durchblutungsstörungen haben Nebenwirkungen!

Die maximale antiischämische Therapie zur Verhinderung von Durchblutungsstörung hat auch zur Folge, dass häufig Betablocker eingesetzt werden müssen, um die Herzfrequenz bei Belastung zu verringern. In der Folge ist dieses zwar eindeutig mit einem geringeren Energieverbrauch des Herzens, aber auch mit einer verminderten körperlichen Belastungskapazität verbunden. In der Konsequenz kann dieses Verhalten zur Gewichtszunahme führen und letztendlich hierüber auch zur Risikosteigerung beitragen.

Zudem wurden bei den initial rein medikamentös behandelten Patienten im Verlauf bei 23% dieser Gruppe doch revaskularisierende Verfahren (Stent oder aorto-koronare Bypassoperation) angewendet, d.h. bei 23% dieser Patienten versagte die rein medikamentöse Therapie.

Probleme des ISCHEMIA Trials – Menschen mit engen Herzkranzarterien belasten sich weniger!!

Aus Erfahrung wissen wir, dass Menschen, die über ihre engen Herzkranzarterien Bescheid wissen, sich nicht mehr starken körperlichen Belastungen aussetzen und ihre Aktivitäten deutlich reduzieren. Folglich ist dieser psychologische Effekt mit der Angst vor Durchblutungsstörung verbunden. Dieses gilt umso mehr, wenn Belastung mit Angina pectoris verbunden ist. Das hat nicht nur  eine eingeschränkte Lebensqualität zur Folge, sondern erhöht auch das Risiko für eine prognostisch ungünstige Gewichtszunahme und Diabetes.

Probleme des ISCHEMIA Trials – verkürzte Darstellung in den Medien

Interpretation in den Medien. Die Darstellung der Ergebnisse des ISCHEMIA Trials werden in den Medien verkürzt, undifferenziert und emotional dargestellt. “Medikamente besser als Herzkatheter!”. Dieses entspricht nicht den Studienergebnissen und führt zu einer Verunsicherung der betroffenen Menschen.

Der kluge interventionelle Kardiologe denkt immer 4-6 Züge im Voraus (Franz Imhaeuser)

Interpretation des ISCHEMIA Trials

Die Ergebnisse des ISCHEMIA-Trials ergeben für Menschen bei stabiler koronarer Herzkrankheit mit Nachweis einer Durchblutungsstörung des Herzmuskels folgende Hinweise:

  • kurzfristige Lebenserwartung: keine Überlegenheit von invasiver Strategie (Stent, Bypass) gegenüber optimaler medikamentöser Therapie im Hinblick auf Lebenserwartung und Häufigkeit eines Herzinfarktes
  • langfristige Lebenserwartung: Überlegenheit bei invasiver Strategie zu erwarten (Ergebnisse werden zukünftig publiziert werden)
  • immer: invasive Strategie ist auch kurzfristig besser zur Verringerung von Angina pectoris, sofern eine Durchblutungsstörung nachgewiesen ist

Dem entsprechend kommen wir in der Cardiopraxis aus diesen Überlegungen und unserer umfangreichen Erfahrung zu folgenden Schlussfolgerungen. Bei körperlich aktiven und ansonsten gesunden Menschen, sollte unabhängig vom Alter weiterhin mechanischen Verfahren bei hämodynamisch relevanten Stenosen in den Hauptästen der Vorzug gegeben werden. Dies ist im Einklang mit anderen Studien (z.B. FAME 2 trial), die gezeigt haben, dass bei relevanter Stenose mit nachweisbarer Minderdurchblutung des Herzmuskels die interventionelle Therapie der rein medikamentösen Therapie überlegen ist. Bei hoher Lebenserwartung ist folgerichtig weiterhin immer eine invasive Therapie eher angezeigt.

Kurzum, bei der Behandlung der Koronaren Herzkrankheit bleibt es dabei: eine fachlich professionelle und verantwortliche invasive Therapie in Kombination mit einer optimalen medikamentösen Therapie und einem gesunden Lebensstil verlängert das Leben. Folgerichtig sollte die antiischämische Therapie so gering als notwendig gehalten werden, so dass die körperliche Leistungsfähigkeit maximal ist.

Literatur

 

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Die Ejektionsfraktion – ein Mass für die Herzkraft

Die Leistungsfähigkeit Ihres Herz-Kreislaufsystems wird von verschiedenen Faktoren bestimmt. Hierzu zählen wir wesentlich das Füllungsvolumen des Blutgefäßsystems, die Funktionsfähigkeit der Herzklappen, die Pumpkraft des Herzens, die Herzfrequenz, den Gefäßwiderstand, gegen den das Herz Blut in den Körper pumpen muss und die komplexen Mechanismen des venösen Rückstroms. Übergeordnet steuert das vegetative Nervensystem das komplexe Zusammenspiel dieser Komponenten. Die Einschränkung der Lebensqualität wird vor allen Dingen durch den Schwergrad der Luftnot bestimmt.

Die Auswurfleistung, die sog. Ejektionsfraktion der Hauptkammern des Herzens, und hier vor allen Dingen die der linken Kammer sind ein wichtiges Maß für die Leistungsfähigkeit Ihres Herzens.

Linke Herzhauptkammer – besonders hohe Arbeitsbelastung

Die linke Herzhauptkammer, der sog. linke Ventrikel ist dem arteriellen Gefäßsystem vorgeschaltet und pumpt sauerstoffreiches Blut in den Körperkreislauf. Folglich muss der linke Ventrikel gegen die Schwerkraft und gegen den Gefäßwiderstand einen ausreichenden Druck aufbauen, um den Körper zu durchbluten und den Kreislauf aufrecht zu erhalten.

Der linke Ventrikel baut dabei ca. 6-mal so viel Druck auf wie der rechte Ventrikel, der der Lungenstrombahn vorgeschaltet ist. Kurzum, die Arbeitsbelastung des linken Ventrikels ist besonders hoch. Neben der hohen Arbeitsbelastung kommt noch hinzu, dass Herzmuskelzellen selber sehr stark auf die Sauerstoffversorgung durch die Herzkranzarterien angewiesen sind. Folglich ist gerade Ihre linke Herzhauptkammer durch die hohe Arbeitsbelastung bzw. den hohen Sauerstoffbedarf und die Abhängigkeit von der Sauerstoffversorgung besonders anfällig für Störungen.

Somit ist die Bewertung der Funktion des linken Ventrikels für die Bewertung Ihrer Herz-Kreislaufgesundheit von besonders großer Bedeutung. Neben der Funktion der Herzklappen und der Füllungsleistung, der sog. diastolischen Funktion bewerten wir hier vor allen Dingen Auswurfleistung des linken Ventrikels, die sog. linksventrikuläre Ejektionsfraktion.

Die linksventrikuläre Ejektionsfraktion wird berechnet

Die Bestimmung linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) erfolgt über die Messung des Herzvolumen zu bestimmten Phasen der Herzaktion. Hierfür gehen wir schrittweise vor.

Kammervolumina bestimmen. Hierfür ermitteln wir die Füllung der linken Herzhauptkammer in Milliliter zum Zeitpunkt der maximalen Füllung der Kammer, das sog. enddiastolischen Volumen (EDV) und dann, wenn der maximale Auswurf erfolgt ist, das sog. endsystolische Volumen (ESV). Diese dreidimensionalen Größen werden aus der zweidimensionalen Darstellung einzelner Bilder abgeleitet und über eine Formel errechnet.

Schlagvolumen berechnen. Ziehen wir vom enddiastolischen Volumen das endsystolische Volumen ab, dann erhalten wir ein Maß für die Menge an Blut, die die Herzkammer auswirft, das sog. Schlagvolumen in ml (EDV-ESV = Schlagvolumen = SV).

Auswurfleistung berechnen. Teilen wir nun das Schlagvolumen durch das enddiastolische Volumen multiplizieren mal 100, dann erhalten wir den prozentualen Anteil, den das Herz bei einer Herzaktion ausgeworfen hat, die Ejektionsfraktion in % (SV / EDV x 100 = Ejektionsfraktion = EF).

Normwert Ejektionsfraktion – häufig Anlass für Missverständnisse

Häufig hören wir von Menschen, die uns besuchen, den Satz “mein Herz pumpt nur noch 45%”. Die Betroffenen sind dann sehr besorgt, weil sie glauben, dass ihr Herz nur noch zu 45% “funktioniert” ist. Das ist nicht der Fall.

Der Normwert für die linksventrikuläre Ejektionsfraktion beträgt in Ruhe 55-65%. Unter maximaler Belastung steigt dieser Wert bis auf 75% an. Das bedeutet, dass Ihr Herz sich nie “leer pumpt” und die Auswurfleistung nie 100% beträgt. Das führt häufig zu Missverständnissen.

Die Richtwerte für die linksventrikuläre Ejektionsfraktion sind wie folgt festgelegt. Dabei orientieren sich die gewählten Grenzen wesentlich an der Langzeitüberlebenswahrscheinlichkeit, je niedriger die Ejektionsfraktion, desto niedriger die Lebenserwartung.

  • 55% – 70% – normal
  • 40 – 54% – leichtgradig eingeschränkt
  • 35 -39% – mittelgradig eingeschränkt
  • <35% – hochgradig eingeschränkt

In der Literatur finden Sie unterschiedliche Angaben für den Bereich zwischen 35 und 55%. So wird z.B. manchmal der Bereich zwischen 35 und 39% als höhergradig eingeschränkt bezeichnet. Unstrittig bei der Nomenklatur ist allerdings: Werte ab 55% sind normal, Werte unter 35% als hochgradig eingeschränkt zu bewerten.

Bezogen auf unser kleines Beispiel hat der der Mensch mit einer Ejektionsfraktion von 45% also nur eine leichtgradige Einschränkung der Ejektionsfraktion und damit eine vergleichsweise gute Lebenserwartung.

Methoden zur Bestimmung der Ejektionsfraktion des Herzens

Wir können die Auswurfleistung mit verschiedenen bildgebenden Verfahren zur Darstellung der linken Herzhauptkammer bestimmen. Das funktioniert z.B. im Alltag von Kardiologen sehr gut mit dem Herzultraschall oder dem Herzkatheter.

Der Goldstandard, d.h. die genaueste Methode zur Erfassung der Ejektionsfraktion ist die Magnet-Resonanz-Tomografie des Herzens, das Kardio-MRT. Sie wird vor allen Dingen dann eingesetzt, wenn es darum geht wichtige therapeutische Entscheidungen zu treffen, z.B. ob ein automatischer implantierbarer Defibrillator eingesetzt wird oder nicht.

Bei der Bestimmung der Auswurfleistung gibt es 2 potentielle Probleme, die wir berücksichtigen müssen, der Art der Messtechnik und der Variabilität in Abhängigkeit von anderen Kreislaufgrößen.

Ejektionsfraktion – Probleme der Messtechnik

Um die Ejektionsfraktion zu ermitteln wird die Herzkammer in einer zweidimensionalen Darstellung, d.h. von einem Bild zu unterschiedlichen Phasen der Herzaktion “abgezeichnet”. Dann errechnen wir wird über eine Formel das Volumen. Das Herz und damit auch die ermittelte Größe des Volumens sind aber dreidimensional. Folglich kann eine errechnete Ejektionsfraktion nur eine Annäherung an das tatsächliche Volumen sein.

Darüber hinaus hängt die Genauigkeit auch davon ab, wie genau man “abzeichnet” und somit davon, dass man sich nicht “verzeichnet”.

Ejektionsfraktion – Probleme der Variabilität

Die Ejektionsfraktion hängt von anderen Größen des Herz-Kreislaufsystems, vor allen Dingen von dem nachgeschalteten Gefäßwiderstand ab. Ist der Gefäßwiderstand hoch, was in der Regel mit einem erhöhten Blutdruck verbunden ist, dann ist die Auswurfleistung erniedrigt. Senken wir den Blutdruck mit einem gefäßerweiternden Medikament, dann steigt die Auswurfleistung in der Regel. Das kann erhebliche Schwankungen zur Folge haben, so beträgt z.B. die Ejektionsfraktion vor Therapie 45% und nach Einsatz von Medikamenten 50%.

Darüber hinaus haben der Füllungszustand des Herz-Kreislaufsystems und die Aktivierung des vegetativen Nervensystems einen erheblichen Einfluss.

Die Ejektionsfraktion ist somit als ein Summenwert mit vielen Einflussgrößen zu verstehen. Folglich ist die Bestimmung der Ejektionsfraktion eine Momentaufnahme mit einer Variabilität über die Zeit.

Die linksventrikuläre Ejektionsfraktion – bewährter Messparameter in Studien und in der Praxis

Die linksventrikuläre Ejektionsfraktion ist ein bewährtes Mass zur Risikostratifizierung in Studien. Hier wird häufig der Erfolg einer Maßnahme, z.B. eines Medikaments bei Gruppen mit unterschiedlicher Ejektionsfraktion bewertet. Das hat dann z.B. zum Ergebnis, dass die Gabe eines bestimmten Medikaments nur bei einer Auswurfleistung von <35 % als medizinisch sinnvoll erkannt wird.

In der alltäglichen Praxis hilft uns die Bestimmung der Ejektionsfraktion bei der Erfassung des individuellen Risikos. Ist die Ejektionsfraktion sehr niedrig, dann müssen nicht nur bestimmte Medikamente eingesetzt werden, sondern wir müssen die Implantation eines Implantierbaren Cardioverter Defibrillators (ICD) zum Schutz bei erhöhtem Risiko von ventrikulären Rhythmusstörungen in Erwägung ziehen. Darüber hinaus müssen wir Menschen mit einer hochgradig eingeschränkten Ejektionsfraktion immer engmaschig medizinisch überwachen.

Ein weiterer Aspekt ist, dass wir mit der Ejektionsfraktion einen Messparameter zur Therapiesteuerung bei Herzschwäche haben. Für die Feinstellung von Medikamenten nutzen wir in der Cardiopraxis hier die unblutige Kreislaufmessung mit dem FinapresⓇ -System. So können wir häufig erkennen, dass die optimale Entlastung der linken Herzhauptkammer auch zu einer Verbesserung der Ejektionsfraktion und damit eine Prognoseverbesserung zur Folge hat.

 

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Anpassung des Herz-Kreislaufsystems im Sommer

Ihr Herz-Kreislaufsystem passt sich immer den klimatischen Bedingungen an. Das Ziel ist dabei ein stabiler Sollwert für Ihre Körpertemperatur, denn nur bei richtiger Körpertemperatur sind Sie voll körperlich und geistig leistungsfähig.

Im Sommer ist in der Regel eine vermehrte Wärmeabgabe sinnvoll. Ihr Körper fördert das, indem er vor allem die Blutgefäße weit stellt und damit die Durchblutung steigert. Sie merken das an Ihren warmen Händen.

Im Winter steht hingegen die Wärmekonservierung im Vordergrund. Ihr Körper erreicht das, indem er die Blutgefäße eng stellt, also den Blutfluss verringert. Das wiederum können Sie daran merken, dass Ihre Hände häufiger kalt sind.

Gerade im Sommer erleben wir in der Cardiopraxis immer wieder starke Nebenwirkungen von Herz-Kreislaufmedikamenten. Die Menschen kommen zu uns mit innerer Unruhe, Luftnot, Benommenheit oder gar Ohnmachtsanfällen.

Medikamente gegen Bluthochdruck im Sommer – “mein Blutdruck spinnt”

Im Sommer ist er Blutdruck in Verbindung mit Medikamenten meistens das Hauptproblem.

Medikamente zur Herz-Kreislauftherapie können dabei die Ausgleichsmechanismen Ihres Körpers zur Reduktion überschüssiger Körperwärme verstärken. Der Blutdruck fällt dann ab.

Medikamente können die Wärmeabgabe aber auch kritisch verringern. Folglich steigen Hitzestress und Blutdruck Sie erleben so in der Regel einen Wechsel zwischen hohen und niedrigen Blutdruckwerten.

Häufig hören wir in den Sommermonaten in der Cardiopraxis den Satz: „Mein Blutdruck spinnt”. Mit differenzierten Kreislaufmessungen des Blutdrucks UND des Blutflusses können wir hier meistens gezielt helfen, indem wir die Medikation anpassen.

Herz- und Kreislaufmedikamente im Sommer

Blutgefäßweitsteller. Medikamenten dieser Gruppe (Kalzium-Antagonisten, ACE-Hemmer, AT-Blocker, Alphablocker) verursachen eine Weitstellung der Arterien. Der Blutdruck sinkt und die Durchblutung steigt, so dass der Körper Wärme besser an die Umgebung abgeben kann.

Sinkt der Blutdruck allerdings zu stark, versucht Ihr Körper das durch freigesetztes Adrenalin auszugleichen. Folglich steigen Herzfrequenz und Blutdruck häufig überschießend an.

Bremser der Pumpkraft und der Herzfrequenz. Beta-Blocker bremsen die Pumpkraft und reduzieren die Herzfrequenz und damit die Durchblutung. Damit sinkt auch der Blutdruck. Im Sommer ist die Wärmeabgabe durch die verringerte Durchblutung gerade bei höheren Dosen kritisch reduziert. Der Körper wird wärmer und Symptome von Hitzestress werden begünstigt.

Darüber hinaus dämpft ein falsch dosierter Beta-Blocker Warnsignale des Adrenalinsystems für eine körperlichen Überhitzung. So kann Ihre Körpertemperatur unbemerkt ansteigen und dann plötzlich kritische Folgen haben.

Harntreiber. Die sogenannten Diuretika reduzieren das Füllungsvolumen in den Arterien und Venen, was eine Verringerung er Durchblutung zur Folge hat. Der Blutdruck sinkt.

Weil die Durchblutung geringer ist, reduziert sich auch die Wärmeabgabe Mit einem verringerten Flüssigkeitsgehalt Ihrer Körperzellen reduziert sich auch die Wärmeleitfähigkeit Ihrer Körperzellen.. Somit steigt unter Harntreibern die Körpertemperatur an und Ihr Hitzestress steigt.

 

Hoher Blutdruck unter Medikamenten im Sommer

Zwar kann nicht nur bei übergewichtigen Menschen der Blutdruck im Sommer steigen, diese Gruppe ist allerdings besonders gefährdet.

Gerade Menschen mit Übergewicht haben durch das Körperfett eine bessere und häufig auch übermäßige Wärmeisolierung ihres Körpers. Hinzu kommt, dass Körperfett selbst entzündlich und damit wärmebildend ist. Das kann gerade im Sommer zu einem Hitzestau führen, was Hitzestress zur Folge hat Der wiederum ist mit einer gesteigerten Adrenalin-vermittelten Aktivierung verbunden, und das verursacht nicht selten krisenhafte Blutdruckanstiege.

Daher sollten vor allem übergewichtige Menschen unbedingt äußerlichen Hitzestress meiden. Sie sollten die Flüssigkeitszufuhr überprüfen. Eventuell müssen sie harntreibende Medikamente reduzieren bzw. absetzen. Falls es zu Blutdruckspitzen kommt, ist das Modulieren des Adrenalinhaushalts sinnvoll. Bei hoher Herzfrequenz können Betablocker in niedriger Dosierung oder auch Moxonidin zum Einsatz kommen.

Niedriger Blutdruck unter Medikamenten im Sommer

Die häufigste Ursache für einen zu niedrigen Blutdruck im Sommer ist ein zu geringer absoluter oder relativer Flüssigkeitsgehalt. “Absolut” bedeutet hier, dass Sie einfach zu wenig trinken; “relativ”, dass Ihr Gefäßraum, z.B. durch Wärme zu weit gestellt ist. Die Einnahme von Herz-Kreislaufmedikamenten verstärkt das noch.

Die zusätzliche Wärme durch klimatisches Anpassen führt dazu, dass sich die Blutgefäße weiten. Das hat bekanntermaßen zunächst einen Blutdruckabfall zur Folge, denn dem Kreislauf fehlt es einfach an “Hydraulikflüssigkeit”. Dieser vergrößerte Gefäßraum muss nun mit Flüssigkeit gefüllt oder verkleinert werden.

Auch hier gilt: Gegebenenfalls müssen Sie im Sommer die Dosis von Medikamenten anpassen. Gerade Kalzium-Antagonisten und Diuretika können vorübergehend reduziert bzw. abgesetzt werden.

Blutdruckmedikamente im Sommer – gemeinsam anpassen?

Der Flüssigkeitsbedarf des Körpers im Sommer ist höher, insbesondere bei körperlichen Freizeitaktivitäten. Sie sollten, falls nicht anders abgesprochen 30 bis 40 ml pro kg Körpergewicht und Tag trinken. Achten Sie auf kühlende und vorbeugende Maßnahmen, um Hitzestress zu vermeiden!

Wenn Ihr Blutdruck „spinnt”, sollten Sie die Medikation mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen. Bitte achten Sie auch darauf, dass andere Medikamentengruppen Einfluß auf die Körpertemperatur und damit auf Ihren Blutdruck haben.

Gerade unter extremen klimatischen Bedingungen sollten Sie nicht ohne Absprache die Medikation verändern. Sonst kann es zu kritischen Blutdruckkrisen kommen.

 

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Hitzewallungen durch Medikamente besonders im Sommer – erhöhtes Risiko für Herz und Kreislauf

Hitzewallungen mit Erhöhung der Körpertemperatur können als Folge von zahlreichen Medikamenten auftreten. Folglich können Medikamente, ohne dass Sie das zunächst vermuten,  unangenehme Symptomen, wie z.B. Hitzewallungen, Unruhegefühl, Gereiztheit, Blutdruckschwankungen, Schwitzen und auch Schlafstörungen zur Folge haben. Diese Nebenwirkungen können Sie zwar zu jeder Jahreszeit bemerken, sind allerdings in den Sommermonaten oder bei einem Urlaub in warmen Ländern verstärkt.

Symptome, die mit einem gesteigerten Wärmegefühl verbunden sind,  können ein erster Hinweis darauf sein, dass sich bei Ihnen ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen, wie z.B. Vorhofflimmern, Blutdruckkrisen oder auch ein Hitzenotfall ankündigen. Sie sollten daher thermische Nebenwirkungen von Medikamenenten kennen, um für sich und andere hier richtig zu handeln. Gerade ältere Menschen, die sich in Ihrem sozialen Umfeld befinden sind sich dieser Risiken nicht bewusst.

 

Hitzegefühl durch Medikamente – “Fieber” als Nebenwirkung im Beipackzettel oder in der Fachinformation

Im Folgenden finden Sie eine Auswahl der häufigsten und wichtigsten Wirkstoffe und Substanzgruppen, die bei Ihnen ein Hitzegefühl zur Folge haben können. Wir können hier nicht alle Medikamente aufzählen, die Auflistung würde einfach zu lang. Folglich sollten Sie im Zweifel die Beipackzettel bzw. die Fachinformationen Ihrer Medikamente genau lesen. Spätestens dann, wenn Symptome der körperlichen Überwärmung oder wenn Sie extremer klimatischer Hitze ausgesetzt sind, dann sollten Sie Bescheid wissen.

Der Einfluss eines Medikamentes auf Ihre Körpertemperatur wird in den Fachinformationen und Beipackzetteln unter dem Begriff “Fieber” zusamengefasst. Das ist von der Wortbedeutung her nicht ganz richtig ist, weil es sich bei Fieber genau genommen um einen Veränderung des Temperatur-Sollwertes, z.B. durch Bakterien und Viren handelt. Medikamente führen aber über verschiedenen Mechanismen zu einer erhöhten Körpertemperatur.

Medikamente – Körpertemperatur über das Gehirn steigern

Ihr Gehirn ist der Ort, an dem Ihre Körpertemperatur reguliert wird. Hier können Medikamente eine Störung Ihrer zentralen Temperaturregulation im Gehirn verursachen.

Zahlreiche Neuroleptika zur Therapie von Psychosen oder auch Anticholinergika, z. B. Asthma-Sprays zum Weitstellen der Bronchien, haben hier eine Wirkung auch auf Ihr Gehirn. Vor allen Dingen die weit verbreiteten Antidepressiva, z.B. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, greifen hier temperatursteigernd in die Thermoregulation Ihres Körpers ein.

Man mag es gar nicht vermuten, aber auch der Gerinnungshemmer Rivaroxaban (XareltoⓇ) oder das Rhythmusmedikament Flecainid (Tambocor®) verursacht in bis zu 10 %der Fälle erhöhte Körpertemperaturen, die dann häufig bei sommerlicher Hitze symptomatisch werden können.

Viele hormonell ausgerichtete Substanzen zur Behandlung von Krebserkrankungen steigernebenfalls Ihre Körpertemperatur. Zu ihnen zählen Bicalutamid, Tamoxifen, Goserelin und Anastrozol. Die Antidepressiva Venlafaxin und Duloxetin und die bei Migräne häufig eingesetzten Tryptane geben Ihnen auch das Gefühl der Wärme.

Hormone und Nahrungsergänzungsmittel – Steigerung des Stoffwechsels kann Hitzestress auslösen

Eine ganze Reihe an Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten steigern den Stoffwechsel und haben so ebenfalls Einfluss auf Ihre Körpertemperatur.

An erster Stelle zu nennen sind Schilddrüsenhormone, Kontrazeptiva mit ihrem Gehalt an Östrogen und Progesteron sowie Kortison und Asthma-Sprays. Des Weiteren können Magnesiumcitrat und Kalzium sowie Vitamin D den Stoffwechsel erheblich ankurbeln, so dass Sie sogar machmal nachts nicht richtig schlafen können. Einschlafstörungen, gerade bei sommerlichen Außentemperaturen sind hier die Folge . Vitamin B6 und B12 werden als Stoffwechselaktivatoren in der Regel ebenso unterschätzt.

Medikamente können Ausgleichsmechanismen für Hitzestress blockieren

Ihr Körper verfügt über zahlreiche Ausgleichsmechnismen, um die Körpertemperatur auch bei extremen Witterungsbedingungen konstant zu halten. Eine ganze Reihe von Medikamenten hemmen diese Ausgleichsmechanismen. Zum Beispiel nehmen Sie den Anstieg Ihrer Körpertemperatur dann nicht mehr wahr bzw. Ihr Körper kann nicht mehr richtig auf erhöhte Außentemperaturen reagieren. Häufig sind Sie sich dieser Mechanismen gar nicht bewusst, was zu schweren Nebenwirkungen bis hin zum Hitzeschock führen kann.

Durstgefühl verringert. Ein verringertes Durstgefühl kennen wir von ACE-Hemmern und AT-Blockern. Allerdings bringen auch Neuroleptika und Carbamazepin hier ein erhöhtes Risiko mit sich. Medikamente zur Behandlung des Morbus Parkinson sind weit verbreitet. Insbesondere bei älteren Menschen, die diese Medikamente ja häufig einnehmen, sollte häufiger einmal überprüft werden, inwieweit die Körpertemperatur zu hoch ist. Sinnvoll ist hier sicherlich das regelmäßige Messen der Ohrtemperatur.

Schwitzen verringert. Besonders tückisch ist ein verringertes Schwitzen durch einen sogenannten Antimuscarin-Effekt. Zu nennen sind hier Substanzen wie Alimemazin, Chlorpromazin, das Antidepressivum Amitriptylin und das gegen die Seekrankheit häufig verwendete Scopolamin. Des Weiteren haben Oxybutynin, Procyclidin und Topiramat hier eine Bedeutung.

Temperaturwahrnehmung verringert. Die Wahrnehmung der erhöhten Körpertemperatur ist vor allem bei Antiparkinson-Medikamenten gestört. Aber auch Medikamente, die beruhigend wirken, wie Benzodiazepine, Antihistaminika und Antidepressiva, verringern die Wahrnehmung einer zu hohen Temperatur. Weitere Medikamente, die diesen Effekt haben, sind Gabapentine, Anti-Muskarin-Medikamente und Antiepileptika.

Temperaturabgabe verringert. Damit der Körper Wärme gut abstrahlen kann, sind gut hydrierte Körperzellen wichtig. Ein erhöhtes Risiko für Überhitzung stellen folglich Medikamente, die das Körperwasser senken, wie z.B. harntreibende Medikamente, sogenannte Diuretika, ACE-Hemmer, AT Blocker und die sehr beliebten Abführmittel.

Kreislaufmedikamente – Ausgleichmechanismen bei Überhitzung verstärkt oder blockiert

Medikamente können die natürliche Reaktion auf hohe Außentemperaturen, also die Ausgleichsmechanismen, verstärken. Die Folge ist ein kritisch beeinträchtiger Kreislauf.

An erster Stelle zu nennen ist der Blutdruckabfall, der durch blutdrucksenkende Medikamente wie Nitrate, Betablocker, Calciumantagonisten, ACE-Hemmer und AT-Blocker begünstigt wird.

Was man häufig vergisst ist, dass die in der Urologie verwendeten Alpha-Blocker, z.B. Tamsulosin und Dutasterid/Tamsulosin und Doxazosin ebenfalls den Blutdruck senken und hier zu thermoregulatorischen Nebenwirkungen beitragen. Auch die Phosphodiesterase-Hemmer, die als Erektionshilfen von Männern eingesetzt werden, wie z.B. Sildenafil, Vardenafil und Tadalafil, reduzieren gerade in den Sommermonaten den Blutdruck. Das hat nicht selten kritische Folgen.

Medikamente im Sommer – frühzeitig über Nebenwirkungen informieren

Bei hohen Außentemperaturen, auch im Urlaub sollten Sie die Medikamente, die Sie einnehmen, auf Nebenwirkungen bezüglich erhöhter Körpertemperatur überprüfen. Achten Sie im Beipackzettel auf die Nebenwirkung “Fieber”.

Lesen Sie hierzu sorgfältig den Beipackzettel oder die Fachinformation!

Sollten Sie Medikamente einnehmen, die Hitzestress begünstigen, dann ist die erste Maßnahme: Hitzestress im Alltag vorbeugen! Sie sollten auf die Symptome von Hitzestress achten und im Zweifel mit einem Arzt bzw. einer Ärztin sprechen.

Niemals sollten Sie eigenmächtig die Dosis eines Medikamentes anpassen.

 

 

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Kreislaufschwäche – Muskeln häufig das Problem 

Im Körperkreislauf unterscheiden wir den arteriellen und den venösen Kreislauf. Der arterielle Kreislauf versorgt den Körper z.B. mit Sauerstoff, Blut fließt vom Herzen weg. Über den venösen Kreislauf kehrt Blut, z.B. mit weniger Sauerstoff zum Herz und zur Lunge zurück.

Der venöse Rückstrom zum Herz ist wesentlich komplexer als der arterielle Einstrom. Um zum Herzen zurückzufließen müssen verschiedenen Muskelpumpen ineinandergreifen. Wir unterscheiden die Bein-, Beckenboden, Körperstamm-, Zwerchfell- und die Herzmuskelpumpe. Kurzum, das was beim arteriellen Einstrom alleine durch Ihre linke Herzhauptkammer geleistet wird, das muss auf der rückkehrenden venösen Seite von verschiedenen Pumpen erledigt werden. Folglich ist der venöse Rückstrom auch störanfälliger.

Schwacher venöser Rückstroms – Ursachen und Folgen

Zu einer der häufigsten Ursachen eines gestörten Rückstroms gehört eine schwache Muskulatur vor allen Dingen des Beckenbodens, des Körperstamms und des Zwerchfells. Das Blut versackt im Körper, vornehmlich im Bereich der Beckenvenen. Wir nennen das in der Fachsprache “venöses Pooling”.

Durch ein zu geringes Angebot an venösem Blut an die rechten Herzkammern droht das Herz “leer” zu pumpen und damit die Minderversorgung Ihres Gehirns. Diese existentielle Bedrohung des Bewusstseins beantwortet Ihr Körper verständlicherweise mit einer Stressreaktion. Adrenalin-vermittelt pumpt das Herz jetzt schneller und kräftiger und Ihr Körper versucht die Blutgefäße enger zu stellen. So will der Körper erreichen, dass der Druck im System wieder steigt.

Diese Mechanismen erklären auch die Symptome eines zu geringen Rückstroms.

Symptome bei venösen Kreislaufstörungen

Die Symptome eines zu geringen Rückstroms von venösem Blut treten vor allen Dingen im Stehen, aber auch im Sitzen und bei langsamem Gehen auf. In diesen Körperpositionen muss das Blut ca. 4/7 Ihrer Körperlänge gegen die Schwerkraft zurücklegen.

Besonders gefährdete Menschen sind hier vor allen Dingen Frauen, die nicht regelmäßig trainieren, eine sitzende Tätigkeit ausüben, übergewichtig sind, ein breites Gesäß und damit ein großes Reservoir für ein venöses Pooling haben. Auch sehr schlanke eher muskelschwache Menschen können Probleme entwickeln. Bei ruhigem Stehen oder langsamem Gehen kann es zu kritischen Kreislaufsituationen kommen.

Folgende akuten Symptome können Sie auch an sich selber bemerken.

Kreislaufstörungen bei anderen Menschen erkennen – Schwanken, Zittern, Ohnmacht

Nun, Sie können Kreislaufstörungen nicht nur bei sich selber bemerken, sondern auch bei anderen Menschen erkennen. Es ist durchaus sinnvoll, wenn Sie solche Veränderungen bei Ihren Mitmenschen erkennen. Folglich können Sie die Betroffene oder den Betroffenen darauf hinweisen. So können dann Maßnahmen ergriffen werden, um mittelfristig einer Ohnmacht vorzubeugen.

Aufgrund unserer alltäglichen Anwendung der unblutigen Kreislaufmessung, haben wir in der Cardiopraxis hier auch messtechnische Erfahrungen und können diese Phänomene besser zuordnen.

Venöse Kreislaufstörungen – nicht lange stillstehen können

Vielleicht ist es Ihnen schon mal aufgefallen, es gibt Menschen, die können nicht lange stillstehen. Dabei ist es durchaus normal, dass jeder Mensch beim Stehen sich leicht hin und her bewegt, z.B. von einem Fuß auf den anderen tritt. Allerdings kennen Sie sicherlich auch solche, die sich bei einem Gespräch im Stehen sehr schnell das Bedürfnis haben sich zu setzen.

Die Tendenz sich rasch hinzusetzen ist eine instinktive Vorbeugungsmaßnahme, um Kreislaufstess im Stehen oder gar einen Ohnmachtsanfall zu vermeiden.

Venöse Kreislaufstörungen – kompensatorisches zirkulatorisches Schwanken

Vor allen Dingen bei älteren und sehr muskelschwachen Menschen können Sie beobachten, wie diese im Stehen hin und her schwanken. Hierbei handelt es sich um ein Ausgleichsverhalten. Dieses dient dazu über eine wechselnde Anspannung der Muskeln den venösen Rückstrom in den Beinen zu unterstützen und Symptome zu vermeiden. Wir nennen dieses Phänomen das “kompensatorische zirkulatorisches Schwanken“.

Venöse Kreislaufstörungen – kompensatorisches zirkulatorisches Muskelzittern 

In seltenen Fällen können Sie beobachten, dass ein Mensch ausschließlich im Stehen zittert. Die Neurologen nennen es “orthostatischer Tremor“. Da dieses Phänomen ausschließlich im Stehen auftritt und im Sitzen verschwindet, kann eine Störung des venösen Rückstroms angenommen werden. Wir können es auch “kompensatorisches zirkulatorisches Muskelzittern” nennen. Die Störung des venösen Rückstroms ist hier der Auslöser, was eine notwendige bzw. eine überschießenden Ausgleichsreaktion zur Folge hat.

Menschen mit einer besonders starken Störung des venösen Rückstroms sind hier besonders gefährdet, wenn Sie einer extremen Belastungssituation, z.B. längerem Stehen in der Sonne ausgesetzt sind. Kofaktoren, wie z.B. Magnesium, eine Entzündung oder auch bestimmte Medikamente, die allesamt einen gefäßerweiternden Einfluss auf die Venen haben, begünstigen diese kritische Kreislaufsituation. – Es droht ein Ohnmachtsanfall!

Nun versucht der Körper diesen drohenden Ohnmachtsanfall über einen besonders starke Adrenalin-vermittelte Aktivierung abzuwenden und den Kreislauf aufrecht zu erhalten.  Folglich setzt ein Muskelzittern ein, welches funktionell betrachtet auch die Muskulatur des Körperstamms betrifft und so den venösen Rückfluss kompensatorisch aufrechterhält.

Sie können das “kompensatorische zirkulatorische Muskelzittern” als Betrachter ganz deutlich selber sehen, der betroffene Mensch zittert in der Tat am ganzen Leibe. Im Gegensatz zur üblichen Benommenheit bis hin zur Ohnmacht bei den üblichen Kreislaufstörungen, bleibt der Mensch bei “kompensatorischem zirkulatorischem Muskelzittern” wach und bewusst. Das liegt wahrscheinlich an der sehr hohen Ausschüttung von Adrenalin.

Kompensatorisches Muskelzittern und orthostischer Tremor

Die Neurologen nennen dieses Phänomen des Zitterns im Stehen beschreibend einen “orthostatischer Tremor“, welcher eine sehr hohe Schlagfrequenz von 13-18 Aktionen pro Sekunde hat. Inwieweit es sich hier um eine Verstärkung des normalen und üblicherweise nicht sichtbaren physiologischen Tremors mit ca. 7 Aktionen pro Sekunde handelt ist nicht klar.

Klar ist allerdings, dass das kompensatorische zirkulatorische Zittern bzw. der orthostatische Tremor immer im Stehen auftritt und im Sitzen verschwindet. Von Seiten der Kreislaufmedizin gesehen betrachten wir dieses Phänomen daher eher funktionell bezogen auf die Auslösesituation bzw. eine ursächliche Kreislaufstörung.

Die neurologische Betrachtungsweise führt in der Regel zu einem rein symptomatischen und medikamentöse Therapieansatz, z.B. mit Benzodiazepinen oder Gabapentin. Der kreislaufmedizinische Ansatz hingegen zielt mit einer Stärkung der Muskulatur ursächlich auf die therapeutische Normalisierung des venösen Rückflusses ab.

Sei es, dass es sich um eine primär neurologische Störung Signalverarbeitung oder um eine primäre Kreislaufstörung handelt, eine Normalisierung des venösen Rückstroms, z.B. durch physiotherapeutisch angeleitetes Beckenboden-Training muss hier immer Teil des Behandlungskonzeptes sein, langfristig ist gutes Yoga therapeutisch.

Kreislaufstörungen – rationale Diagnostik und Therapie

Bemerken Sie bei sich oder anderen Menschen Symptome eines gestörten Kreislaufs, dann ist immer auch ein Besuch bei einer Kreislaufspezialistin bzw. bei einem -spezialisten sinnvoll. Hier sollten Ihr Herz sowie der venöse als auch der arterielle Kreislauf differenziert untersucht werden. Die unblutige Kreislaufmessung mit dem Finapres-System kann hier wertvolle Hinweise geben. Auch die Einnahme von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln muss im Hinblick auf ihre Kreislaufwirkung kritisch hinterfragt werden.

Auf der Grundlage von rationalen Messdaten kann so ein Therapiekonzept erarbeitet werden. Dieses zielt auf die Stärkung der Muskulatur der Beine, des Beckenbodens, des Körperstamms und des Zwerchfells und damit auf Behebung der Ursachen der Kreislaufstörungen ab.

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Schlaganfall – immer ein Notfall!!

Ein Schlaganfall ist eine Notfallsituation. Allerdings ist der betroffene Mensch meistens hilflos oder nimmt den Schlaganfall selber gar nicht wahr. Die fehlende Wahrnehmung von Symptomen bei Betroffenen nennen wir in der Medizin “Neglect” und dieses Verhalten ist gerade typisch bei einem akuten Schlaganfall.

Zeitliche Verzögerung kann kritisch für den weiteren Verlauf sein, denn je früher ein Schlaganfall medizinisch behandelt wird, desto geringer sind die Spätfolgen, wie z.B. eine schwere körperliche Behinderung.

Folglich kommt gerade Angehörigen bei der Erkennung des Schlaganfalls eine große Bedeutung für die Einleitung der Rettungskette zu. Wir erleben es in der Cardiopraxis immer wieder, dass dem Ehepartner am Morgen beim Frühstück oder bei der Hausarbeit auffällt, dass mit dem Partner irgendetwas nicht stimmt.

Schlaganfall bei Mitmenschen erkennen

Folglich ist es sinnvoll, wenn Sie als Mitmensch die Symptome eines Schlaganfalls auch bei anderen Menschen erkennen können. Das gilt vor allen Dingen dann, wenn Menschen in Ihrem sozialen Umfeld Risikofaktoren für einen Schlaganfall haben, wie z.B. Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Vorhofflimmern oder auch eine Koronare Herzkrankheit.

Bemerkbar macht sich ein Schlaganfall zum Beispiel durch folgende Warnsymptome:

  • hängender Mundwinkel
  • halbseitige Lähmung
  • Sprachstörung
  • Sehstörungen
  • Schwindel und Gangstörung
  • heftigster, nicht gekannter Kopfschmerz

Nutzen Sie den FAST-Test:

Schlaganfall – so verhalten Sie sich bei einem Notfall

Wenn Sie (z. B. als Angehöriger oder Arbeitskollege) einen Schlaganfall vermuten, gehen Sie folgendermaßen vor:

  • Wählen Sie sofort 112, um einen Notruf abzusetzen!
  • Äußern Sie Ihren Verdacht auf einen Schlaganfall und beschreiben Sie genau, seit wann welche konkreten Symptome bestehen!
  • Beachten Sie: Nicht Sie, sondern die Notrufzentrale beendet das Gespräch! Somit gehen keine wichtigen Informationen (z. B. die Adresse) verloren.
  • Und: Fahren Sie niemals die betroffene Person selbst in die Klinik!

Schlaganfall – das machen Sie, bis der Rettungsdienst eintrifft

Bis der Rettungsdienst eintrifft, sollten Sie sich intensiv um den Menschen mit Verdacht auf Schlaganfall kümmern:

  • Beruhigen Sie ihn, indem Sie mit ihm sprechen!
  • Signalisieren Sie, dass Hilfe zeitnah kommt!
  • Öffnen Sie enge Kleidung!

Auch körperlich können Sie die Person unterstützen:

  • Sorgen Sie für eine 30 Grad-Oberkörperhochlagerung (z. B. mit einem Kissen)!
  • Achten Sie, dass sie auf dem Sofa oder Boden sitzt, nicht auf dem Stuhl (Sturzgefahr!)!
  • Wenn die Person bewusstseinsgestört ist und normal atmet: Machen Sie eine stabile Seitenlage! Auch bei Erbrechen können Sie eine stabile Seitenlage durchführen.
  • Wenn die Person bewusstlos ist und nicht normal atmet: Beginnen Sie mit Wiederbelebung!

Bei einem Schlaganfall können Schluckstörungen auftreten. Daher sollten Sie der betroffenen Person

  • keine Medikamente geben
  • kein Essen oder Trinken reichen
  • mögliche Zahnprothesen entfernen

Schlaganfall – Dokumentation für Klinik bereithalten

Wenn der Notarzt bzw. die Notärztin eintrifft, geben Sie bitte Medikamentenpläne und Arztbriefe mit. Es kann hilfreich sein, den Schlaganfall-Patienten ins Krankenhaus zu begleiten, zum Beispiel bei Sprachstörungen.

Fazit: Auch der Verdacht auf einen Schlaganfall ist immer ein Notfall. „Es wird schon wieder“ ist immer die falsche Sichtweise. Wählen Sie daher bei Verdacht die 112 und verständigen Sie den Rettungsdienst. So können Sie womöglich ein Leben retten oder dauerhafte geistige und körperliche Schäden bei einem Mitmenschen verhindern.

 

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Mikronährstoffe sind ein wertvoller Bestandteil für ein gesundes Leben. Als Mikronährstoffe werden Vitamine, Mineralien und Spurenelemente bezeichnet. In der Regel reicht eine ausgewogene Ernährung aus und die allermeisten Menschen nehmen Mikronährstoffe in ausreichendem und im gesunden Maß zu sich.

Mikronährstoffmangel – ältere Menschen aufgepasst

Gerade ältere Menschen sollten hier besonders auf eine ausgewogene Ernährung achten. Normalerweise sinkt mit dem Alter der Energiebedarf und damit auch der Kalorienbedarf. Als Folge davon, essen ältere Menschen häufig auch weniger. Daher können so bedeutsame gesundheitlichen Konsequenzen auftreten. In der Tat ist es so, dass nämlich der Bedarf an Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen über das ganze Leben gleich hoch bleibt. Folglich ist die verringerte Nahrungsaufnahme ein entscheidender Grund für den Mangel an Mikronährstoffen bei älteren Menschen. Demnach sollten vor allen Dingen ältere Menschen auf eine ausreichende Zufuhr von Mikronährstoffen achten.

Gerade bei älteren Menschen nehmen häufig zahlreiche Medikamente ein, so dass hier ein Mikronährstoffmangel häufig noch verstärkt wird. Daher müssen vor allen Dingen ältere Menschen auf diese  Zusammenhänge besonders achten.

Mikronährstoffräuber kennen

Hier finden Sie eine Auswahl von Medikamenten, die vor allen Dingen in der Herz-Kreislauftherapie häufig eingesetzt werden:

  • Aspirin: Vitamin C, B12 und Folsäure
  • Statine: CoEnzym Q10
  • Torasemid, Furosemid, Hydrocholorthiazid: Kalium und Zink
  • Triamteren: Folsäure
  • Metformin: Vitamin B 12
  • Glibenclamid: CoEnzym Q10
  • Protonenpumpen-Hemmer: Vitamin B12 und D, Kalzium, Eisen
  • Abführmittel: Natrium, Kalium, Magnesium, Kalzium
  • H2-Blocker: Zink, Vitamin D
  • Cotrim: Folsäure
  • Orale Kontrazeptiva: Vitamin B 2 und C, Magnesium
  • Kortison: Vitamin D und K, Kalzium, Kalium, Zink

Medikamente auf Mikronährstoffräuber überprüfen

Folglich sollten Sie auf Symptome eines Mikronährstoffmangels achten. Hierbei kann es sich z.B. um Müdigkeit, Antriebsarmut oder Muskelsschwäche handeln. Vor allen Dingen sollten Sie sich zur Wirkung Ihrer Medikamente auf Mikronährstoffe erkundigen, denn auch zahlreiche andere Medikamente können zu einem symptomatischen Mikronährstoffmangel führen. Zum Teil kann der Mikronährstoffmangel auch laborchemisch bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt überprüft werden.

Aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse sollten Sie so wenig Medikamente wie möglich einsetzen, weil ab 5 Medikamenten Wechsel- und Nebenwirkungen kaum noch kontrollierbar sind. Weil Medikamente nicht nur Nebenwirkungen, sondern vor allen Dingen auch gewünschte therapeutische Wirkungen haben, ist es sinnvoll wenn Sie Medikamente nur in Absprache mit Ihrem Arzt ändern. Bedenken Sie immer, dass die unkontrollierte medikamentöse Umstellung ernste gesundheitliche Folgen haben kann.

Vitamine, Mineralien und Spurenelemente – nur kontrolliert einnehmen

Dank beruflicher Erfahrung und differenzierter Messmethoden zur Bewertung des Kreislaufs wissen wir in der Cardiopraxis, dass Mikronährstoffe ebenfalls zu Nebenwirkungen führen können und betrachten sie daher wie Medikamente. Infolgedessen sollten Sie Mikronährstoffe nur kontrolliert und in Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt nutzen, weil die unkontrollierte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, vor allen Dingen von Magnesium zu Nebenwirkungen führen kann.

Gröber U. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft: Arzneimittel und Mikronährstoffe, 3. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 2014

 

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Unsere komplette Kreislaufmessung mit der Finapres®-Methode hat viele Vorteile. Sie ermöglicht einen Einblick in das Wechselspiel zwischen Blutdruck, Blutfluss und Gefäßwiderstand, welcher sowohl durch den Druck- als auch den Temperaturregelkreis bestimmt wird. So können wir in der Cardiopraxis über die zusätzliche Messung der Temperatur einen Eindruck von der thermoregulatorischen Wirkung des Stoffwechsels des Menschen gewinnen. Das befähigt uns auch bei normalen Werten für Herzfrequenz und Blutdruck Störungen im Kreislauf aufdecken und gezielt therapieren.

Die komplette Kreislaufmessung ermöglicht:

• eine präzise Diagnose
• individuell-maßgeschneiderte Therapie
• einen möglichst geringen Einsatz von Medikamenten (am besten gar keine)
• die Vermeidung von medikamentösen Nebenwirkungen

Konkret angewendet werden kann sie in ganz verschiedenen Situationen. Zum Beispiel, um den Kreislauf zu messen bei Menschen mit diesen Erkrankungen:

• Arterielle Hypertonie (hypodynamer vs. hyperdynamer Kreislauf)
Herzschwäche (mit dem Therapieziel: optimale Entlastung des Herzens)
Herzklappenerkrankungen (mit dem Therapieziel: Verringerung der Undichtigkeit)
• Herzrhythmusstörungen (bei intermittierendem Vorhofflimmern mit dem Therapieziel: Modulation des autonomen Nervensystems)

Die komplette Kreislaufmessung eignet sich auch gut, um Medikamente einzustellen. Dazu zählen Kreislauf-aktive Medikamente wie zum Beispiel Beta-Blocker, AT-Blocker oder Kalziumantagonisten sowie Stoffwechsel-aktive Medikamente wie etwa Schilddrüsenhormone, Vitamin D oder Magnesium.

Sehr hilfreich ist die komplette Kreislaufmessung zudem, um folgende Symptome genauer abzuklären:

• Unruhe
• Leistungseinschränkung
• Luftnot
• Schlafstörungen (besonders Einschlafstörungen)
• Müdigkeit

Insgesamt ist die komplette Kreislaufmessung ein wertvolles Instrument für die Ärztin/den Arzt, um ansonsten unspezifische Symptome kausal einzuordnen. Sie ermöglicht eine Objektivierung von Veränderungen des körperlichen Befindens und der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit sowie der Stimmungslage, z.B. Unruhe und Angst. Nicht selten ist es so, dass wir für psychische Veränderungen, welche zunächst von anderer Seite als rein psycho-somatisch eingestuft worden sind, im Sinne einer somato-psychischen Interaktion eine körperliche Ursache der veränderten Stimmungslage ist. Häufig genug kann mit einfachen Massnahmen hier weitergeholfen, so dass Leistungsfähigkeit und eine belastbare seelische Stimmungslage wiederhergestellt werden können.

Durch die enge Verknüpfung zwischen Symptomen des Herz-Kreislaufsystems und dem seelischen Befinden und den täglichen Einsatz der Finapres®-Methode können wir in der Cardiopraxis den Menschen, der uns um Rat und Hilfe bittet einfach auch besser verstehen, was nicht zuletzt auch unsere Empathie schult.

…..Komplette Kreislaufmessung – Was ist das?

Im Bild Jeremy Swan & William Ganz, Kardiologen

 

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Durch unsere unblutige Kreislaufmessung mit dem Finapres®-System können wir die drei hydraulischen Größen Ihres Kreislaufsystems Blutdruck, Blutfluss und Gefäßwiderstand bewerten – und zwar bei jedem Herzschlag und in jeder Körperlage. Dadurch ziehen wir Rückschlüsse auf die Druck- sowie Thermoregulation und damit auch auf Ihren Stoffwechsel.

Die Kenntnis der genannten hydraulischen Messgrößen erlaubt uns z.B. beim Bluthochdruck eine individuelle und maßgeschneiderte Therapie mit Kreislauf-Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln, wie z.B. Magnesium. Liegt zum Beispiel ein erhöhter Blutdruck bei gleichzeitig hohem Gefäßwiderstand vor, setzen wir gefäßerweiternde Medikamente ein. Ist der Blutdruck hoch, der Gefäßwiderstand aber niedrig, sind dagegen Pumpkraftbremser und Harntreiber angezeigt (z. B. Betablocker, Diuretika).

Auch die Feineinstellung von Medikamenten mit Herzschwäche ist eine Herausforderung. In der Cardiopraxis geht es uns darum die Therapie so auszubalancieren, dass das geschwächt Herz bei gleichzeitiger Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit durch eine Kontrolle des system-arteriellen Gefäßwiderstandes optimal entlastet ist , ohne dass Benommenheit auftritt.

Diese Beispiele zeigen, dass mit dem Finapres@-System im Sinne einer wissenschaftlich-ganzheitlichen Medizin so eine individuelle Behandlung möglich ist. Wir in der Cardiopraxis wissen durch umfangreiche Erfahrung, dass dieses mit den herkömmlichen Methoden wie Blutdruckmessung, EKG und auch dem Herzultraschall allein nicht möglich ist.

Was uns besonders am Herzen liegt: Die unblutige Kreislaufmessung vermeidet Nebenwirkungen von Kreislauf-Medikamenten und verringert die Anzahl der Medikamente insgesamt.

….Komplette Kreislaufmessung – Für wen?

Im Bild: Werner Forssmann, Urologe & Chirurg

 

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Eine Übertherapie mit dem Schilddrüsenhormon L-Thyroxin kann man bei etwa 1 bis 2 Prozent aller Patientinnen und Patienten in einer kardiologischen Praxis beobachten. Die Folge ist ein gesteigerter Stoffwechsel, der mit einer höheren Körpertemperatur, thermischem Stress und einer Erweiterung der Gefäße einhergeht.

Bemerkbar macht sich das zum Beispiel durch Unruhe, Angst, Schlafstörungen, Blutdruckschwankungen, Herzrasen oder Rhythmusstörungen. Ein 5-fach höheres Auftreten von Vorhofflimmern und eine Zunahme der Sterblichkeit um mehr als das Doppelte sind ebenfalls angezeigt. Ein Grund dafür ist, dass Therapien fast nur auf Basis von Laborwerten, wie etwa dem TSH-Wert, gesteuert werden. Dabei gibt es noch weitere wichtige Steuerungsgrößen, die berücksichtigt werden sollten – eben Blutfluss, Körpertemperatur, Blutdruck und Herzfrequenz.

Noch etwas Wichtiges in puncto Schilddrüsenhormontherapie: Ihr Nutzen zur Unterdrückung von gutartigen Schilddrüsenknoten darf angezweifelt werden; zur Behandlung von Schilddrüsenkarzinom werden dagegen hohe Dosen von sogenannten T3- oder T4-Medikamenten eingesetzt.

 

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