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Suche nach medizinischen Informationen im Internet – Chance und Risiko

Wir in der Cardiopraxis begrüßen es ausdrücklich, wenn die Menschen, die uns besuchen, um Rat und Hilfe zu erhalten sich im Internet informieren. Dieses ist ganz im Sinne unseres Konzeptes der Partnerschaftlichen Medizin.

Allerdings sollten Sie bei der Bewertung von medizinischen Informationen im Internet einige Grundregeln beachten. Hierzu gehört neben der Auswahl verlässlicher Informationsquellen das Bewusstsein über die eigenen menschlichen Schwächen. Sie sollten Ihre Vorurteile und die Neigung von Menschen zum Confirmation bias kennen.

Ein Mann (und eine Frau) muss seine Grenzen kennen. Clint Eastwood 

Risiko bei der Recherche im Internet – das Vorurteil

Wenn wir im Internet eine Anfrage beginnen, dann tun wir das IMMER mit einer vorgefassten Meinung, einem Vorurteil. Psychologisch betrachtet sind Vorurteile normal und menschlich. Aufgrund unserer individuellen Vorerfahrungen haben wir zu allen Lebenssituationen Vorurteile. Vorurteile sind Vereinfachungen, die uns komplexes Denken ersparen und so unsere Handlungsgeschwindigkeit und Handlungssicherheit erhöhen.

Stehen wir als Fußgänger z.B. vor einer roten Fußgängerampel, dann wissen wir aus Erfahrung, dass die Autos an uns vorbeifahren und wir besser nicht die Straße kreuzen sollten. Darüber denken wir nicht nach, wir handeln einfach und bleiben stehen bis unsere Ampel auf Grün schaltet. Dieses ist ein sinnvolles Vorurteil in einer einfachen Lebenssituation.

In komplexeren Lebenssituation können Vorurteile auch täuschen, und das tun sie jeden Tag, denn unsere menschliche Psychologie versucht Komplexität zu vermeiden, kurzum bevorzugt sie Vereinfachung. Wenn Sie z.B. das Vorurteil haben, dass Luftnot eine Störung der Lunge ist, dann werden Sie, wenn Sie Luftnot bei sich selber bemerken, denken, dass Sie in erster Linie ein Problem mit der Lunge, z.B. eine Lungenentzündung haben. Luftnot kann z.B. aber auch ein Symptom der Herzschwäche, einer Stoffwechselstörung oder einer generalisierten Entzündung des Körpers sein. Kurzum, weil Ihre Großmutter es an der Lunge hatte, müssen Sie nicht auch an einer Lungenerkrankung leiden, nur weil Sie dieselben Symptome haben.

Risiko bei der Recherche im Internet – der Confirmation bias, der Bestätigungsfehler

Wenn wir im Internet eine Anfrage beginnen, dann tun wir das mit einem Vorurteil UND unterliegen dem Risiko des Confirmation bias (engl. Bestätigung, Neigung). Confirmation bias, im Deutschen auch Bestätigungsfehler genannt, bedeutet, dass wir Menschen eine Neigung haben, Aussagen und Ereignisse bevorzugt in unsere Bewertung mit eingehen zu lassen, die unsere vorgefassten Meinungen, d.h. unsere Vorurteile bestätigen. Kurz gesagt, jeder hört gerne das, was er hören will. Das kann erhebliche Verzerrungen der Wahrnehmung zur Folge haben.

Für die medizinische Suche im Internet bedeutet das, dass Sie bezogen auf unser Beispiel von Luftnot und Lunge die Suchbegriffe “Lunge” und “Luftnot” in die Suchmaschine eingeben. Dazu erhalten Sie dann zahlreiche bereits eingeengte Informationsangebote und Sie freuen sich aufgrund der vielen Treffer, dass Sie recht haben; gewissermaßen belohnen Sie sich so selber. Informationen, die von Ihrem Vorurteil abweichen, blenden Sie aus, weil Sie sie nicht sehen wollen oder sie nicht sofort verstehen. Das Verhalten möglichst schnelle und einfache Lösungen für komplexe Probleme zu finden, übrigens ein charakteristisches Merkmal der Internetsuche, kann hier zu schweren gesundheitlichen Folgen führen. Im Fall der Luftnot kann es dann sein, dass Sie selber bei sich eine leichte Lungenentzündung diagnostizieren, obwohl eine lebensgefährliche Lungenembolie vorliegt.

Psychologisch betrachtet ist auch der Confirmation bias wieder ein Versuch die Dinge zu vereinfachen und Komplexität zu vermeiden. Die Vermeidung von Komplexität bedeutet hier auch die Vermeidung von Unbekanntem und damit von Unsicherheit und Angst. Genauso wie in der Interaktion mit seiner Umwelt wünscht sich der Mensch in seiner geistigen Innenwelt Geborgenheit und damit Sicherheit. So wollen Menschen häufig einfach nicht wahrhaben, dass Situationen oder geistige Inhalte ihren Bewertungs- und Handlungshorizont übersteigen, weil das mit einer lähmenden Hilflosigkeit verbunden sein kann.

Praktischer Umgang mit medizinischen Informationen aus dem Internet

Wenn Sie nun wieder auf die Suche nach medizinischen Informationen im Internet gehen, dann seien Sie sich Ihrer Vorurteile bewusst und achten Sie auf Ihren Confirmation bias. Bringen Sie Licht in Ihren Tunnelblick.

Wenn Sie sich unsicher sind, dann ist das vollkommen normal, schließlich sind Sie kein Fachmann bzw. keine Fachfrau. Gleichen Sie die im Internet gewonnen medizinischen Informationen mit einer Ärztin oder einem Arzt ab. Ärztinnen und Ärzte in Deutschland haben immerhin 6 Jahre Medizin studiert, haben mindestens eine zertifizierte Weiterbildung, z.B. zum Allgemeinmediziner oder Facharzt, müssen sich regelmäßig zertifiziert fortbilden und haben Berufserfahrung bei der Diagnose und Behandlung von Krankheiten. Nutzen Sie diese Ressource.

Wir wissen, auch Ärzte sind fehlbar und können gerade bei selteneren oder noch unbekannten Erkrankungen die Diagnose nicht immer richtig stellen. Auch medizinische Fachleute unterliegen Vorurteilen und dem Confirmation bias. In der Cardiopraxis kennen wir die Schwächen des medizinischen Systems nur zu gut, z.B. vom Zusammenhang zwischen Histaminerkrankungen und Herzrhythmusstörungen. Häufig irren die Betroffenen im wahren Sinne des Wortes, z.T.  jahrelang durch das Land bis ihnen geholfen wird.

Sollten Sie sich von ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt nicht ernst genommen fühlen, dann suchen Sie im Internet nach einem kompetenten ärztlichen Partner. Vermeiden Sie unseriöse Anbieter von Gesundheitsleistungen, die häufig auch kostspielig sind. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie einen kompetenten Ansprechpartner gefunden haben, dann vermeiden Sie Bequemlichkeit. Häufig genug lohnt es sich auch einmal eine weitere Strecke zu fahren, um Hilfe zu erlangen.

Folglich sind wir uns in der Cardiopraxis selber der Begrenztheit des eigenen medizinischen Handelns bewusst. Für uns ist es ein ärztliches Qualititätsmerkmal zu sagen: “das weiß ich nicht”. Wir versuchen dann, übrigens auch mittels Internetrecherche Lösungen zu finden, was häufig genug gelingt. Falls wir selber nicht weiterwissen, dann suchen wir nach einer optimalen Möglichkeit durch einen Verweis an andere Spezialisten.

Literatur

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Der Fallbericht – ein wichtiger Aspekt der ärztlichen Kommunikation

Der ärztliche Alltag ist voller spannender Geschichten. Schließlich sind sie jedenfalls sehr viel spannender, als dass was Sie sonst in Literatur und Film so mitgeteilt bekommen.

Gute Ärzte sind gute Geschichtenerzähler und hören auch gerne Geschichten. Daher werden gerade Neuigkeiten und neu Gelerntes untereinander ausgetauscht. Das ist häufig der erste Schritt dazu, dass ein vorher unbekannter Zusammenhang wissenschaftlich weiter untersucht wird.

Ebenen der wissenschaftlichen Kommunikation

Fallberichte ordnen sich in die Hierarchie der medizinischen Kommunikation ein. Folglich kennen wir verschiedene Ebenen der Kommunikation. Sie reichen vom sogenannten kollegialen Gespräch bis hin zum Buchbeitrag.

Kollegiales Gespräch. Täglich tauschen sich Ärzte mit anderen Ärzten im Gespräch aus. Dabei geht es meistens um die sogenannten Patienten und ihre medizinischen Probleme. Wir fragen bei anderen Ärzten nach und lernen von ihnen. So lernen auch andere Ärzte von uns.

Fallbericht. Ist uns bei einem Menschen, den wir betreuen, ein besonderer Zusammenhang aufgefallen, der vielleicht noch gar nicht bekannt ist, dann wird manchmal auch ein Fallbericht erstellt. Dieser wird dann in der Regel in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht.

Fallserie. Finden wir eine Häufung von Zusammenhängen bei mehreren Patienten, dann kann auch eine Fallserie veröffentlicht werden.

Vergleichende Untersuchungen. Sei es, dass eine erstmals aufgetretene Erkrankung oder ein Medikament neu untersucht wird, dann werden häufig vergleichende Untersuchungen mit einer Kontrollgruppe durchgeführt.

Gerade bei Anwendungsuntersuchungen, wie z.B. der Wirksamkeit eines neuen Medikamentes werden Probanden zufällig einer Gruppe zugeordnet (sog. Randomisierung). Häufig wird auch ein Scheinmedikament, ein sog. Placebo verwendet.

Übersichtsarbeiten. Übersichtsarbeiten fassen die Ergebnisse zu einer bestimmten Fragestellung zusammen. Folglich geben sie den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung wieder und formulieren so den medizinischen Standard.

Im weiteren Sinne gehören auch die diagnostischen und therapeutischen Leitlinien von medizinischen Fachgesellschaften zu den Übersichtsarbeiten. Sie stellen den minimalen wissenschaftlichen Konsens zu einer Fragestellung zusammen. Anders formuliert, sie geben Ärzten bei einem Krankheitsbild vor, was mindestens zu tun und nicht zu tun ist.

Buchbeitrag. Wissenschaftliche Buchbeiträge sind dem Fachpersonal, beziehungsweise auch den Medizinstudenten zugänglich. Was in Buchbeiträgen steht, entspricht in der Regel der Lehrmeinung. Problematisch ist, dass diese Beiträge z.T. häufig etabliertes älteres Wissen wiedergeben und somit nicht unbedingt auf dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung sind.

Glück begünstigt den vorbereiteten Geist – Louis Pasteur

Was steht eigentlich in einem medizinischen Fallbericht

Für einen Fallbericht gibt es immer einen konkreten Anlass: ein ungewöhnlicher medizinischer Zusammenhang oder eine Erstanwendung einer Maßnahme bei einem Menschen. Gerade bei Fallberichten spielt der glückliche Zufall, im englischen Serendipity genannt häufig eine entscheidende Rolle.

Meistens geht es in Fallberichten darum, dass bestimmte Symptome in Verbindung mit einer Veränderung objektiver Messwerte einher gehen. Daher sind sie gerade für Laien interessant, die nach einer Erklärung für ihre Symptome suchen. Die Autoren müssen sich daher an eine sachliche und klare Darstellung möglichst unter Berücksichtigung objektivierender Messparameter halten.

Fallbeschreibungen als Anstoß für neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Ist ein Zusammenhang erstmalig aufgetreten, dann denken wir im Fallbericht nach, ob Rückschlüsse auf Zusammenhänge bei mehreren Menschen gezogen werden können. Dieses entspricht dem sogenannten induktiven Denken. In diesem Sinne sind Fallberichte wichtig für die sogenannte Hypothesenbildung. Und es stellt sich uns die Frage, ob die Einzelergebnisse auf mehrere Menschen übertragen werden können.

Die Risiken des Fallbericht liegen im subjektiven Betrachtungswinkel des Autors bzw. der Autoren. Die Tatsache, dass z.B. zwei Ereignisse gleichzeitig auftreten, bedeutet noch nicht, dass es sich auch um einen kausalen Zusammenhang handelt. Die Autoren müssen aufpassen, dass sie nicht das sehen, was sie sehen wollen und möglichst beschreibend bleiben.

Zum Schutz vor einer Überinterpretation in einem Fallbericht gibt es bei wissenschaftlichen Zeitschriften den Review-Prozess. Hier beurteilen Fachbegutachter, in der Regel zwei, den Fallbericht und überprüfen ihn auf Genauigkeit und Sinnhaftigkeit.

Medizinische Fallberichte im Internet

Fallberichte werden in der Regel in Fachzeitschriften veröffentlicht. Das hat den Vorteil, dass die Inhalte durch ein Gutachter-Verfahren überprüft werden. Die Fallberichte werden dann in der Zeitschrift einer großen Gruppe von Fachleuten mitgeteilt. Nicht selten ist es so, dass sich dann auch andere Autoren melden, denen ähnliche Zusammenhänge aufgefallen sind.

Ein relevanter Nachteil der ausschließlichen Veröffentlichung in Fachzeitschriften ist, dass medizinische Laien nur einen begrenzten Zugang zu diesen Informationen haben. Dieser ist jetzt allerdings auch zunehmend durch das Internet gegeben. Dies hat zum Vorteil, dass Betroffene hier Hinweise auf Zusammenhänge ihrer Symptome mit möglichen Erkrankungen finden können.

Die Nachteile der Internet-Recherche durch medizinische Nicht-Fachleute sind die Laien-Interpretation und die Laien-Autorenschaft. Die Komplexität medizinischer Zusammenhänge überfordert Laien meistens, so dass Zusammenhänge nicht richtig interpretiert werden. In diesem Sinne erklärt sich diese Einschränkung schon allein aus der Subjektivität von Autorenschaft und Interpretation durch die Leser. Hinzu kommen gerade bei betroffenen kranken Menschen der Wunsch nach einer möglichst einfachen Lösung ihrer Probleme. Dieses Wunschdenken ist zwar verständlich, entspricht aber in der Qualität mehr dem Hörensagen und führt häufig in die Irre, und das mit z.T. erheblichen gesundheitlichen Konsequenzen.

Praktischer Umgang mit Fallberichten

Wir in der Cardiopraxis lesen regelmäßig Fallberichte, weil wir häufig hier Hinweise für Lösungen der Probleme in unserem täglichen Arbeitsalltag finden. Darüber hinaus sehen wir es fast als unsere Pflicht an, Fallberichte selber zu veröffentlichen, um aus unserer Sicht wichtige Zusammenhänge aufzuzeigen, so dass diese einer größeren Gruppe von Menschen zugänglich wird, was wiederum medizinisch hilfreich sein kann. Folgerichtig veröffentlichen wir in der Cardiopraxis in loser Folge vor allen Dingen in den Cardiopraxis Selbsthilfekursen unter „Fallberichte“ und „Smartphone EKG“.

Abschliessend ist für Sie im Umgang mit Fallberichten wichtig, dass Sie als medizinische Laien keine voreiligen Schlüsse im Hinblick auf Diagnosen ziehen oder gar eine Therapie unkontrolliert beginnen. Sie sollten medizinische Informationen, die Sie z.B. im Internet erhalten immer mit einer Ärztin oder einem Arzt abgleichen bevor Sie medizinische Konsequenzen ziehen.

 

Hier geht es zu den Fallberichten der Cardiopraxis

Literatur

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Sehstörungen bei körperlicher Belastung – Ursache Vitamin B6?! 

Wir führen in der Cardiopraxis pro Jahr mehrere tausend Belastungs-EKGs durch. Dabei stoßen wir immer wieder auf ungewöhnliche Befunde. Folgend schildern wir Ihnen 2 Fälle von Männern, die regelhaft über Sehstörungen unter und nach körperlicher Belastung berichteten.

Wo der Mangel schadet, da schadet meistens auch der Überfluss (Franz Imhaeuser)

Fallbericht 1 – Sehstörungen bei Belastung und periphere Nervenschmerzen

In einem Septembermonat stellte sich ein 50-jähriger Mann (Mann I) mit Herzstolpern und Benommenheit bei Belastung in der Cardiopraxis vor. Klinisch war er als Freizeitsportler normgewichtig (BMI 23,0 kg/m2) und in einem sehr guten Trainingszustand.

Die aktuelle kardiologische Diagnostik einschließlich EKG, Belastungs-EKG, Stress-Echokardiografie und nicht-invasiver Kreislaufmessung im Liegen und im Stehen war unauffällig. Ein auswärtig durchgeführtes Langzeit-Blutdruck Monitoring ergab einen Normalbefund, ein Langzeit-EKG zeigte bis auf vereinzelte ventrikuläre Extrasystolen, welche als medizinisch harmlos eingestuft wurden, keinen relevanten Befund.

In der Vorgeschichte war seit 3 Monaten ein polytopes neurologisches Krankheitsbild bekannt. Polytop bedeutet, dass Symptome in verschiedenen Körperregionen auftreten, ohne dass diese durch eine einzelne neurologische Läsion, wie z.B. bei der Verletzung eines peripheren Nervs, erklärt werden können. Der Mann berichtete über Sehstörungen auf beiden Augen, Sprachstörungen mit “Verhaspeln” bei mehrsilbigen Wörtern, die auch im 2. und 3. Anlauf nicht richtig ausgesprochen werden konnten, sowie über intermittierend auftretendes Taubheitsgefühl und Schmerzen der rechten oberen Körperhälfte.

Vor und nach dem Erstbesuch in der Cardiopraxis war eine umfangreiche Abklärung einschließlich fachärztlicher neurologischer, rheumatologischer und Hals-Nasen-Ohren-ärztlicher ohne richtungsweisenden Befund erfolgt. Die augenärztliche Untersuchung hatte eine beidseitige ödematöse Makuladegeneration (rechts >links) ergeben, wobei die Behandlung mit Diamox, Cortison und Magnesium zu einer Verschlechterung der Symptomatik geführt hatten.

Hervorzuheben ist, dass die neurologisch untersuchten peripheren Nervenleitgeschwindigkeiten normal waren. Das Schädel-MRT war ebenfalls komplett unauffällig, d.h. es konnten keine Veränderungen des Sehnervs und auch keine Hinweise auf entzündliche Erkrankung der Gehirnsubstanz, wie z.B. bei Multipler Sklerose festgestellt werden.

Während des Erstbesuchs in der Cardiopraxis wurde auch eine Belastungsuntersuchung durchgeführt. Bei einer mittleren Belastungsstufe gab der Mann über Sehstörungen (“verschwommenes Sehen”) auf beiden Augen an, so dass die Untersuchung abgebrochen wurde. In Rückenlage nahmen die Sehstörungen dann zu.

Fallbericht 1 – Sehstörungen bei Belastung – langsame Besserung nach Absetzen von Vitamin B6

Im weiteren Verlauf gingen die Symptome nach 15-18 Monaten zurück und waren bei einem Folgebesuch 24 Monate nach der Erstvorstellung praktisch nicht mehr vorhanden. Da wir zwischenzeitlich einen ähnlichen Fall (s.u.) betreut hatten, erfolgt nochmals eine genaue Befragung.

Der inzwischen 52-jährige Mann berichtete, dass er zur körperlichen Kräftigung 12 Monate vor der Erstmanifestation belastungsabhängigen Sehstörungen begonnen hatte durchgehend Eiweißprodukte einzunehmen, die hohe Dosen an Vitamin B6 enthielten. Dabei erreichte er Tagesdosen von 300-450% der empfohlen Bedarfsdosis für Vitamin B6. Zusätzlich führte er sich dann mit Beginn der Symptome noch eine weitere Mikronähstoffkombination mit 300% der empfohlenen Tagesdosis an Vitamin B6 zu. Auch ein weiteres Vitamin-B-Komplex Präparat nahm er in unregelmäßigen Abständen immer wieder mal ein. In Summe kam er so auf Vitamin-B6 Spitzenbelastungen von 600-750 % pro Tag, und das zusätzlich zu einer ansonsten sehr gesunden Ernährungsweise. Ca. 6 Monate nach dem Erstbesuch setzte er alle Vitamin B6-haltigen Präparate ab.

Die Symptome waren dann bei einem weiteren Besuch in einem Dezember fast komplett verschwunden. Mann I berichtete, dass die Symptomatik sich im Verlauf gebessert hatte nachdem er Vitamin B6 im Sommer des Vorjahres abgesetzt hatte. Interessanterweise gab er eine jahreszeitliche Abhängigkeit seiner Beschwerden an: im Sommer schlimmer als im Winter. Dabei war die Symptomatik im aktuellen Sommer deutlich geringer ausgeprägt gewesen als im Vorsommer. Bei der aktuellen Untersuchung wurde erstmals Vitamin B6 im Serum bestimmt, was mit 26,7 µg/l (Referenzbereich 3,6-18 µg/l) entsprechend dem 1,5-fachen des oberen Grenzwertes erhöht war.

Fallbericht 2 – Sehstörungen bei Belastung und hohe Vitamin B6-Spiegel im Blut

Ein 51-jähriger Mann (Mann II) stellte sich in einem Novembermonat mit belastungsabhängigen zentralen Sehstörungen (“punktuelle zentrale Ausfälle”) auf beiden Augen (rechts > links) vor. Mann II ist ein hochaktiver Freizeitsportler (Laufen, Kitesurfen) und normgewichtig (BMI 22,0 kg/m2). Die Beschwerden an den Augen hatten vor 3 Monaten, d.h. im August begonnen und in den letzten Wochen waren noch rechtsseitige Kopfschmerzen hinzugekommen. Mann II ist zeichnerisch versiert und hat ein Bild seiner Sehstörungen selber anfertigen können.

Die konventionelle kardiologische Untersuchung war komplett unauffällig. Die Kreislaufmessung ergab bei einer leichten Kälteempfindlichkeit eine sog. Wärmekonservierungskreislauf mit erniedrigten Blutflusswerten (71% des unteren Grenzwertes). Bei hoher Belastungsstufe im Belastungs-EKG traten die Sehstörungen wieder auf, wobei die zentrale Körpertemperatur, gemessen im Ohr von einem Ausgangswert von 36,4 0C auf 36,8 0C angestiegen war. Eine später durchgeführte passive Erwärmung (Sauna, 20 Minuten) blieb symptomfrei.

Eine weiterführende neurologische und augenärztliche Diagnostik einschl. Schädel-MRT waren komplett unauffällig. Auch die visuell evozierten Potentiale, d.h. ein Test der elektrischen Reizweiterleitung von der Netzhaut des Auges bis zur Großhirnrinde ergaben keine pathologischen Auffälligkeiten. Allerdings wurde dieser Test in vollkommener Ruhe und nicht nach körperlicher Belastung vorgenommen. Differentialdiagnostisch wurde Mann II unter dem Verdacht auf eine sog. Augenmigräne empfohlen, vor dem Laufen das Migränemittel Sumatriptan einzunehmen, was allerdings keine Besserung der Symptome unter Belastung zur Folge hatte.

Mann II hatte mittels verschiedener Nahrungsergänzungsmittel beginnenden Monate vor dem Einsetzen der Augensymptome hohe Dosen an Vitamin B6 eingenommen. Zusätzlich zu einer normalen Ernährung führte er so 265% der empfohlenen Tagesdosis an Vitamin B6 zusätzlich zu. Zum Zeitpunkt der Erstdiagnostik in der Praxis betrug der Vitamin B6 Spiegel unter fortlaufender Einnahme 39,3 µg/l (Referenzbereich 3,6-18 µg/l), d.h. das 2,2-fache vom oberen Grenzwert.

Der weitere Verlauf dieses Mannes nach Absetzen von Vitamin B6 Präparaten steht noch aus, da die Befunde relativ aktuell sind.

Sehstörungen bei Belastung – Sport und Vitamin B6

Mit der Vorstellung von Mann II zeigten sich Gemeinsamkeiten mit den Befunden von Mann I. Durch die genauere Angabe der Vitamin-B6-haltigen Nahrungsergänzungsmittel von Mann I konnte im Nachhinein auch eine zeitliche Koinzidenz zwischen der Zufuhr von Vitamin B6 und Symptomatik Mann I erkannt werden. Zusammengefasst waren folgende Übereinstimmungen zwischen beiden Fällen hervorstechend:

  • Sehstörungen bei körperlicher Belastung, d.h. bei aktiver körperlicher Erwärmung
  • Symptombeginn im Sommer, d.h. in der warmen Jahreszeit
  • Vitamin B6 Einnahme in hohen Dosen, d.h. von mindestens 250% der empfohlenen Tagesdosis über einen längeren Zeitraum
  • gut trainierte aktive Freizeitsportler, d.h. regelmäßige Belastung über die Alltagsbelastung hinaus

Schon früh wurde bei Mann I von fachneurologischer Seite der Verdacht auf ein Uhtoff-Phänomen (s.u.) geäußert. Weil allerdings die neurologische Diagnostik einschl. Schädel-MRT keine weiteren Hinweise, z.B. auf eine entzündliche Erkrankung des Gehirns ergeben hatte, wurde bei Mann I der Spontanverlauf abgewartet. Mit der Vorstellung von Mann II haben wir uns dann erneut auf die Suche nach den systematischen Zusammenhängen und Ursachen der Symptome gemacht.

Der Sehnerv – Überträger von elektrischen Signalen

Jeder gesunde Mensch hat 2 Sehnerven, für jedes Auge einen. Ein einzelner Sehnerv hat ca. 1 Millionen Nervenfasern, sog. Axone, die visuelle Reize vom Auge über elektrische Impulse an die hintere Großhirnrinde übertragen, wo sie dann zu bildlichen Informationen verarbeitet werden. Weil im Punkt des schärfsten Sehens in der Netzhaut besonders viele visuelle Rezeptoren liegen, deren Reize weitergeleitet werden müssen, wird hier eine Schädigung der nachgeschalteten Nerven besonders früh wahrgenommen.

Die einzelnen Nervenfasern eines Sehnervs sind umgeben von fetthaltigen Markscheiden, auch Myelinscheiden genannt. Sie können sich das zunächst so vorstellen, wie die Isolation an einem elektrischen Kabel. Die Markscheiden dienen in der Tat der elektrischen Isolation und dem Schutz der Nervenfaser vor Außeneinflüssen. Die Markscheiden weisen im Verlauf Lücken auf, die eine besonders schnelle elektrische Übertragung, eine sprunghafte sog. saltatorische Erregungsüberleitung erlauben.

Sehstörungen bei Belastung – Uhtoff-Phänomen

Reversible Sehstörungen bei körperlicher Belastung, die innerhalb von 24 Stunden wieder verschwinden, wurden erstmals von 1890 von Wilhelm Uhtoff bei Patienten mit Multipler Sklerose beschrieben. Folglich wird dieses Symptom daher auch Uhtoff-Phänomen genannt.

Wilhelm Uhtoff beobachtet diese Symptomatik seinerzeit bei 4% der betreuten Patienten mit Multipler Sklerose. Das setzt eine erstaunliche Beobachtungsgabe voraus, da dieses Symptom in seinem Kollektiv eher selten war und seinerzeit standardisierte Belastungstests, wie z.B. heute das Belastungs-EKG und Freizeitsport nicht üblich waren.

Während Wilhelm Uhtoff die Verbindung zwischen körperlicher Belastung und vorübergehender Sehstörung erkannte, wurde der Zusammenhang der Symptome mit einer Erhöhung der Körpertemperatur 60 Jahre später hergestellt. So wurde dann vorübergehend sogar ein Heißbade-Test als diagnostisches Kriterium die Multiple Sklerose eingesetzt.

Entsprechend sind Faktoren, die zu einem Auslöser für das Uhtoff-Phänomen bzw. dieses begünstigen können:

  • körperliche Belastung
  • emotionaler Stress
  • heißes Bad oder Dusche
  • Sonnenexposition bzw. hohe Außentemperaturen
  • weiblicher Ovulationszyklus (2. Zyklushälfte)
  • heiße Mahlzeiten
  • Fieber

Wir können folglich eine Stoffwechsel-aktive Erwärmung (z.B. körperliche Belastung) von einem weitgehend Stoffwechsel-passivem Auslösemechanismus (z.B. heißes Bad) unterscheiden. Unter theoretischen Gesichtspunkten ist der aktive Auslöser der stärkere Reiz.

Uthoff-Phänomen – Störung der elektrischen Reizweiterleitung im Sehnerv

Das Uhtoff-Phänomen wird auch bei anderen Erkrankungen des Sehnervens, die die Myelinscheide betreffen, so z.B. bei der Neuromyelitis optica beobachtet.

Als Mechanismus, welche zu den Sehstörungen führt, wird die temperaturabhängige elektrische Blockade von teilweise demyelinisierten sensorischen Nervenfasern angenommen. Dabei genügen für eine erkrankte Nervenfaser schon Temperaturunterschiede von 0,2-0,5 0C, dass sich die Nervenleitgeschwindigkeit merklich verändert.

Eine Erweiterung der sog. Ranvierschen Schnürringe als Folge des Verlustes von Markscheidenmaterial hat für Änderungen der Nervenleitgeschwindigkeit die entscheidende Bedeutung. Hierdurch wird die schnelle sog. saltatorische elektrische Erregungsüberleitung in der betroffenen Nervenfaser verlangsamt, so dass die Weiterleitung von zeitlich gleichzeitig stattfindenden visuellen Reizen auf der Netzhaut des Auges zeitlich inhomogen an das Großhirn weitergleitet wird. Da nun aus noch gesunden und kranken Nervenfasern ein Bild in der Großhirnrinde generiert wird, bleibt dieses aufgrund der unterschiedlichen Nervenleitgeschwindigkeiten lückenhaft.

Vitamin B6 und Neurotoxizität- Mangel und Toxizität durch Nahrungsergänzungsmittel

Die wasserlöslichen und neurotropen B-Vitamine haben als sog. Ko-Enzyme eine hervorgehobene Relevanz bei der Aufrechterhaltung eines gesunden Nervensystems. Von besonderer Bedeutung sind hier die Vitamine B1, B6 und B12. Von diesen Vitaminen ist seit der ersten Hälfte des vorherigen Jahrhunderts gut bekannt, dass ein Mangel schwere neurologischen Störungen zur Folge haben kann.

Bei einem schweren Mangel an Vitamin B6 tritt eine strukturelle Schädigung der Myelinscheiden als Ursache für Schäden sowohl der peripheren Nerven als auch des Gehirns auf. Die Veränderungen ähneln dabei sehr stark solchen, die wir von einer anderen demyelinisierenden Erkrankung, der Multiplen Sklerose kennen.

Im Jahr 1983 wurde allerdings auch erstmals berichtet, dass auch eine zu hohe Zufuhr von Vitamin B6 neurologische Symptome zur Folge haben kann. Zahlreiche Fälle werden seit dieser Zeit immer wieder in der Fachliteratur berichtet. In den Niederlanden alleine wurden zwischen 2014 und 2017 mehr als 50 Fälle in einem entsprechenden Register aufgenommen. Die Dunkelziffer dürfte in Anbetracht der Freiverkäuflichkeit und der zunehmenden Selbstmedikation von gesundheitsbewussten Menschen, die meinen, dass sie sich etwas Gutes tun, noch deutlich höher sein.

Vitamin B6 Paradox 

Interessanterweise ist es so, dass die neurologischen Symptome bei einem Vitamin B6 Mangel denen bei einem pathologischen Vitaminüberschuss, einer Vitamin B6 Intoxikation durch Nahrungsergänzungsmittel sehr stark ähneln. In der Wissenschaft wird dieses daher als auch “Vitamin B6 Paradox” bezeichnet. In experimentellen Untersuchungen konnte inzwischen gezeigt werden, dass eine zu hohe Konzentration von Vitamin B6 zu einer funktionellen Störung der Wirkung von Vitamin B6 zur Folge haben kann. Oder anders gesagt, ein quantitativer Überschuss an Vitamin B6 hat eine qualitative Störung der Funktion zur Folge.

Diagnose – Uhtoff-Phänomen durch Vitamin B6 Überdosierung

Bei beiden Männern mit Sehstörungen unter und nach körperlicher Belastung lag nach unseren Erkenntnissen ein Uhtoff-Phänomen vor, welches durch hohe Zufuhr von Vitamin B6 verursacht wurde.

Während bei Mann II das Uhtoff-Phänomen als monotope Störung, d.h. isoliert nur an den Augen auftrat, lagen bei Mann II polytope Symptome mit Beteiligung weiterer peripherer Nervengebiete vor. Bei beiden Männern haben wir gerade bei Mann I an eine entzündliche sog. demyelinisierende Erkrankung, d.h. an das Vorliegen einer Multiple Sklerose gedacht. In beiden Fällen konnte dieser Verdacht nicht bestätigt werden.

Mann I hatte auch eine feuchte, eine sog. ödematöse Makuladegeneration (rechts>links). Dieses kann ein Ko-Faktor bei den Sehstörungen unter Belastung sein, erklärt diese aber nicht alleine.  Dieses gilt umso mehr, da anfänglich zusätzliche neurologische periphere Nervenstörungen in Verbindung mit den belastungsabhängigen Sehstörungen vorlagen; beide Symptome verschwanden bzw. waren 12 Monate nach dem Absetzen von Vitamin B6 fast nicht mehr vorhanden. Weder bei einer Recherche bei Google noch bei PubMed finden sich Einträge zu “uhtoff” in Verbindung mit “macula degeneration” gefunden werden (Stand Januar 2020)

Heilungsverlauf nach Überdosierung von Vitamin B6 plus Sehstörungen unter Belastung

Der Heilungsverlauf nach Absetzen von Vitamin B6 Präparaten ist, wie der Fall von Mann I zeigt, langwierig, d.h. Monate bis Jahre, da Nerven und die umgebenden Markscheiden bekanntermaßen lange brauchen bis sie sich wieder regenerieren. Da eine spezifische Therapie bisher nicht bekannt ist, ist bisher die einzige Behandlungsoption das Absetzen von Vitamin B6 Präparaten und der Spontanverlauf muss abgewartet werden.

Zwar scheint die Prognose auf eine komplette Wiederherstellung der Sehfähigkeit in allen Lebenssituationen eher gut zu sein, bleibende Schäden können allerdings nicht von vorneherein ausgeschlossen werden.

Unklar, und aus unserer Sicht problematisch ist, warum Mann I auch noch Monate nach Absetzen einen erhöhten Vitamin B6-Spiegel vom 1,5-fachen des oberen Grenzwertes hatte. Wir sehen bei anderen Menschen immer wieder leicht erhöhte Vitamin B6 Spiegel, ohne dass sie Vitamin B6 in Form von Nahrungsergänzungsmittel zuführen. Grundsätzlich gilt in der wissenschaftlichen Literatur der Leitsatz, dass eine Intoxikation mit Vitamin B6 durch eine normale Ernährung nicht möglich ist; erst die zusätzliche Einnahme von Vitamin B6 in Form von Nahrungsergänzungsmitteln verursacht gesundheitliche Schäden. Wir sind uns da allerdings nicht so sicher und können hier zu mindestens eine Prädisposition annehmen.

Mögliche Ursachen sind hier:

  • bisher unbekannte genetisch bedingte Abbaustörungen von Vitamin B6
  • bisher unbekannter toxischer Faktor, der den Stoffwechsel von Vitamin B6 verändert
  • anhaltende toxische Störungen durch ursprünglich hohe Zufuhr an Vitamin B6

Sehstörungen bei Belastung durch Vitamin B6 – häufig unerkannt?!

Zwar sind neurologische Störungen, z.B. von peripheren Nervenschäden (Polyneuropathie) und Ataxie (zentral-nervös verursachte Bewegungsstörung) durch eine Überdosierung von Vitamin B6 in der Literatur seit 1983 bekannt. Sie werden auch in den deutschen Fachinformationen, der als Medikament zugelassenen Vitamin B6 Präparate genannt. Allerdings finden sich keine Hinweise auf isolierte Sehstörungen bei Belastung bei Vitamin B6 Überdosierung. In der größten Datenbank für medizinische Artikel PubMed konnten bisher keine Beiträge zu “uhtoff” in Verbindung mit “vitamin b6” gefunden werden; ebenso nicht bei einer Google Recherche (Stand Januar 2020).

Für den Zusammenhang Sehstörungen bei körperlicher Belastung durch die Einnahme von Vitamin B6 liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine hohe Dunkelziffer vor. Dieses bedeutet, dass der Zusammenhang unterdiagnostiziert oder vereinfacht gesagt, einfach nicht erkannt wird. Das liegt vor allen Dingen daran, dass die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln von den Patienten bei der ärztlichen Befragung nicht angegeben bzw. von Ärztinnen und Ärzten neben den üblichen Medikamenten nicht systematisch abgefragt werden.

Kurzum, die gesundheitliche Bedeutung und damit auch der potentielle Schaden von Nahrungsergänzungsmittel werden, wenn sie unkontrolliert eingenommen werden, sowohl von Laien als auch von Ärztinnen und Ärzten im Allgemeinen unterschätzt. Wir sind zwar nur Kardiologen, d.h. keine Spezialisten für neurologische Störungen, aber auch wir hatten bei Mann I zunächst nicht auf die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln geachtet.

Nahrungsergänzungsmittel Vitamin B6 und Sehstörungen bei Belastung – richtig handeln

Auf der Grundlage der Fallbeschreibung besteht zwar keine absolute Sicherheit für den Zusammenhang zwischen der Einnahme von Vitamin B6 als Nahrungsergänzungsmittel und Sehstörungen bei Belastung, wir sehen die Wahrscheinlichkeit allerdings als so hoch an, dass wir auf diesen Zusammenhang hinweisen.

Grundsätzlich sollten Sie Nahrungsergänzungsmittel im Allgemeinen und Vitamin B6 im Speziellen nie über einen längeren Zeitraum, d.h. mehrere Wochen in hohen Dosen einnehmen. Optimal ist eine Steuerung über die jeweiligen Konzentrationen im Blut.

Falls Sie Sehstörungen unter Belastung haben, dann sollten Sie diese Zusammenhänge mit einem Neurologen bzw. Augenarzt besprechen. Eine vollständige fachärztliche neurologische und augenärztliche Untersuchung einschl. eines CTs bzw. eines MRTs des Gehirns muss zum Ausschluss anderer Ursachen immer durchgeführt werden.

Falls Sie im Vorfeld oder begleiteten mit den Symptomen Vitamin B6 über einen längeren Zeitraum eingenommen haben, dann sollten Sie dieses mit der Ärztin bzw. dem Arzt besprechen und Vitamin B6 absetzen.

Im Fall von Sehstörungen unter Belastung in Verbindung mit Vitamin B6 kann es wahrscheinlich Monate dauern bis diese nach Absetzen verschwinden. Sollten die Symptome 3-6 Monaten ohne zusätzliche Einnahme von Vitamin B6 unverändert fortbestehen, dann muss gegebenenfalls eine erneute vollständige Diagnostik erfolgen.

Literatur

Herzlichen Dank für die neurologische Expertise an Frau Dr. V.I. Leussink und Herrn Prof. M. Siebler

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Online-Rezeptanforderung – eine Win-Win-Situation für mehr Sicherheit und Gesundheit

Online-Rezepte sparen Zeit für Sie selbst und die Arztpraxis. Die Online-Rezepte bedeuten mehr Sicherheit bei der Behandlung mit Medikamenten für Sie und ihre Gesundheit.

Medikamente – Wirkungen und Nebenwirkungen

Medikamente sind ein wichtiger Bestandteil beim Behandeln von Erkrankungen. Sie haben Wirkungen, aber auch Nebenwirkungen, die zu schweren Gesundheitsschäden führen können. Daher ist die genaue Einnahme nach ärztlicher Verordnung entscheidend. Dabei müssen Sie sowohl auf die Konzentration als auch auf die Dosierung ihrer Tabletten achten.

Medikamente sind verschreibungspflichtig durch eine Ärztin oder einen Arzt. Die Verschreibung erfolgt mit Rezept und ärztlicher Unterschrift. Ohne ein Rezept können Sie Medikamente in der Apotheke nicht bekommen.

Ein Rezept erhalten Sie beim Besuch in einer Arztpraxis beim direkten Arztkontakt oder in Form eines Folgerezeptes ohne Arztkontakt.

Was sind Folgerezepte?

Folgerezepte für Medikamente erhalten Sie nur, wenn Sie in einer Arztpraxis bekannt sind und in der Regel nur für Medikamente, die Ihnen schon einmal verordnet wurden.

Die Anforderung für ein solches Folgerezept kann über Telefon, Fax oder direkt vor Ort in der Praxis stattfinden.

Das Rezept erhalten Sie dann manuell oder per Post.

Probleme bei der Anforderung von Folgerezepten

Wenn Sie ein Folgerezept anfordern, kann es durchaus sein, dass Medikamente von anderen Ärzten geändert worden sind. Das gilt häufig für die Konzentration, z.B. 16 anstatt 32 mg Tabletten. Beim Anfordern können Ihnen ebenso Fehler unterlaufen, etwa beim Übermitteln oder weil sie sich nicht richtig erinnern können.

Gerade in der mündlichen Kommunikation können Verständnisfehler auftreten, auch von unserer Seite aus. So kann es zum Versand von fehlerhaften Rezepten kommen.

Ein weiteres Problem sind die Wartezeiten in der Praxis. Bis Sie ihre Rezeptanforderung gemacht haben und das Rezept erhalten haben, kann einige Zeit vergehen. Die Rezeptausstellung ist gerade zu Stoßzeiten in einer Arztpraxis ein deutlicher Mehraufwand für Sie und für uns.

Vorteile der Online-Rezeptanforderung

Grundsätzlich gilt, dass Sie den Namen und die Dosis Ihrer Medikamente am besten kennen. Das muss so sein, denn es geht um Ihre Gesundheit. Am besten führen Sie eine schriftliche Liste, z.B. in einer Computerdatei (Excel).

Von Ihrer persönlichen Medikamentenliste aus können Sie am besten Ihre Online-Rezept-Anforderung in das Online-Formular übertragen, überprüfen und dann abschicken. Das ist an jedem Wochentag und zu jeder Tageszeit möglich.

Ihre Rezeptanforderung liegt uns dann visuell vor, was Fehler bei der akustischen Übermittlung vermeidet. Wir bereiten dann die Rezepte vor und schicken Ihnen diese je nach Vereinbarung per Post zu oder Sie holen sie in der Praxis zu einem vereinbarten Zeitpunkt ab. Die Wartezeit wird dadurch erheblich verkürzt. Wir empfehlen Ihnen in der Cardiopraxis Düsseldorf zwischen 14:00 und 16:00 Uhr und in der Cardiopraxis Meerbusch zwischen 12:00 und 13:00 Uhr vorbei zu kommen.

Lernen Sie die Online-Rezept-Anforderung kennen

Auf der Homepage von vielen modernen Arztpraxen finden Sie inzwischen ein Formular zur Online-Rezept-Anforderung, so auch auf der Homepage der Cardiopraxis. Lernen Sie die Online-Rezept-Anforderung in Ruhe kennen, denn sie ist ganz im Sinne Ihrer individuellen gesundheitlichen Sicherheit.

Hier geht es zur Online-Anforderung für Folgerezepte bei Cardiopraxis. Bitte beachten Sie, dass Sie nur bei uns Rezepte anfordern können, wenn Sie bei uns bekannt sind.

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Anpassung des Herz-Kreislaufsystems im Sommer

Ihr Herz-Kreislaufsystem passt sich immer den klimatischen Bedingungen an. Das Ziel ist dabei ein stabiler Sollwert für Ihre Körpertemperatur, denn nur bei richtiger Körpertemperatur sind Sie voll körperlich und geistig leistungsfähig.

Im Sommer ist in der Regel eine vermehrte Wärmeabgabe sinnvoll. Ihr Körper fördert das, indem er vor allem die Blutgefäße weit stellt und damit die Durchblutung steigert. Sie merken das an Ihren warmen Händen.

Im Winter steht hingegen die Wärmekonservierung im Vordergrund. Ihr Körper erreicht das, indem er die Blutgefäße eng stellt, also den Blutfluss verringert. Das wiederum können Sie daran merken, dass Ihre Hände häufiger kalt sind.

Gerade im Sommer erleben wir in der Cardiopraxis immer wieder starke Nebenwirkungen von Herz-Kreislaufmedikamenten. Die Menschen kommen zu uns mit innerer Unruhe, Luftnot, Benommenheit oder gar Ohnmachtsanfällen.

Medikamente gegen Bluthochdruck im Sommer – “mein Blutdruck spinnt”

Im Sommer ist er Blutdruck in Verbindung mit Medikamenten meistens das Hauptproblem.

Medikamente zur Herz-Kreislauftherapie können dabei die Ausgleichsmechanismen Ihres Körpers zur Reduktion überschüssiger Körperwärme verstärken. Der Blutdruck fällt dann ab.

Medikamente können die Wärmeabgabe aber auch kritisch verringern. Folglich steigen Hitzestress und Blutdruck Sie erleben so in der Regel einen Wechsel zwischen hohen und niedrigen Blutdruckwerten.

Häufig hören wir in den Sommermonaten in der Cardiopraxis den Satz: „Mein Blutdruck spinnt”. Mit differenzierten Kreislaufmessungen des Blutdrucks UND des Blutflusses können wir hier meistens gezielt helfen, indem wir die Medikation anpassen.

Herz- und Kreislaufmedikamente im Sommer

Blutgefäßweitsteller. Medikamenten dieser Gruppe (Kalzium-Antagonisten, ACE-Hemmer, AT-Blocker, Alphablocker) verursachen eine Weitstellung der Arterien. Der Blutdruck sinkt und die Durchblutung steigt, so dass der Körper Wärme besser an die Umgebung abgeben kann.

Sinkt der Blutdruck allerdings zu stark, versucht Ihr Körper das durch freigesetztes Adrenalin auszugleichen. Folglich steigen Herzfrequenz und Blutdruck häufig überschießend an.

Bremser der Pumpkraft und der Herzfrequenz. Beta-Blocker bremsen die Pumpkraft und reduzieren die Herzfrequenz und damit die Durchblutung. Damit sinkt auch der Blutdruck. Im Sommer ist die Wärmeabgabe durch die verringerte Durchblutung gerade bei höheren Dosen kritisch reduziert. Der Körper wird wärmer und Symptome von Hitzestress werden begünstigt.

Darüber hinaus dämpft ein falsch dosierter Beta-Blocker Warnsignale des Adrenalinsystems für eine körperlichen Überhitzung. So kann Ihre Körpertemperatur unbemerkt ansteigen und dann plötzlich kritische Folgen haben.

Harntreiber. Die sogenannten Diuretika reduzieren das Füllungsvolumen in den Arterien und Venen, was eine Verringerung er Durchblutung zur Folge hat. Der Blutdruck sinkt.

Weil die Durchblutung geringer ist, reduziert sich auch die Wärmeabgabe Mit einem verringerten Flüssigkeitsgehalt Ihrer Körperzellen reduziert sich auch die Wärmeleitfähigkeit Ihrer Körperzellen.. Somit steigt unter Harntreibern die Körpertemperatur an und Ihr Hitzestress steigt.

 

Hoher Blutdruck unter Medikamenten im Sommer

Zwar kann nicht nur bei übergewichtigen Menschen der Blutdruck im Sommer steigen, diese Gruppe ist allerdings besonders gefährdet.

Gerade Menschen mit Übergewicht haben durch das Körperfett eine bessere und häufig auch übermäßige Wärmeisolierung ihres Körpers. Hinzu kommt, dass Körperfett selbst entzündlich und damit wärmebildend ist. Das kann gerade im Sommer zu einem Hitzestau führen, was Hitzestress zur Folge hat Der wiederum ist mit einer gesteigerten Adrenalin-vermittelten Aktivierung verbunden, und das verursacht nicht selten krisenhafte Blutdruckanstiege.

Daher sollten vor allem übergewichtige Menschen unbedingt äußerlichen Hitzestress meiden. Sie sollten die Flüssigkeitszufuhr überprüfen. Eventuell müssen sie harntreibende Medikamente reduzieren bzw. absetzen. Falls es zu Blutdruckspitzen kommt, ist das Modulieren des Adrenalinhaushalts sinnvoll. Bei hoher Herzfrequenz können Betablocker in niedriger Dosierung oder auch Moxonidin zum Einsatz kommen.

Niedriger Blutdruck unter Medikamenten im Sommer

Die häufigste Ursache für einen zu niedrigen Blutdruck im Sommer ist ein zu geringer absoluter oder relativer Flüssigkeitsgehalt. “Absolut” bedeutet hier, dass Sie einfach zu wenig trinken; “relativ”, dass Ihr Gefäßraum, z.B. durch Wärme zu weit gestellt ist. Die Einnahme von Herz-Kreislaufmedikamenten verstärkt das noch.

Die zusätzliche Wärme durch klimatisches Anpassen führt dazu, dass sich die Blutgefäße weiten. Das hat bekanntermaßen zunächst einen Blutdruckabfall zur Folge, denn dem Kreislauf fehlt es einfach an “Hydraulikflüssigkeit”. Dieser vergrößerte Gefäßraum muss nun mit Flüssigkeit gefüllt oder verkleinert werden.

Auch hier gilt: Gegebenenfalls müssen Sie im Sommer die Dosis von Medikamenten anpassen. Gerade Kalzium-Antagonisten und Diuretika können vorübergehend reduziert bzw. abgesetzt werden.

Blutdruckmedikamente im Sommer – gemeinsam anpassen?

Der Flüssigkeitsbedarf des Körpers im Sommer ist höher, insbesondere bei körperlichen Freizeitaktivitäten. Sie sollten, falls nicht anders abgesprochen 30 bis 40 ml pro kg Körpergewicht und Tag trinken. Achten Sie auf kühlende und vorbeugende Maßnahmen, um Hitzestress zu vermeiden!

Wenn Ihr Blutdruck „spinnt”, sollten Sie die Medikation mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen. Bitte achten Sie auch darauf, dass andere Medikamentengruppen Einfluß auf die Körpertemperatur und damit auf Ihren Blutdruck haben.

Gerade unter extremen klimatischen Bedingungen sollten Sie nicht ohne Absprache die Medikation verändern. Sonst kann es zu kritischen Blutdruckkrisen kommen.

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Hitzewallungen durch Medikamente besonders im Sommer – erhöhtes Risiko für Herz und Kreislauf

Hitzewallungen mit Erhöhung der Körpertemperatur können als Folge von zahlreichen Medikamenten auftreten. Folglich können Medikamente, ohne dass Sie das zunächst vermuten,  unangenehme Symptomen, wie z.B. Hitzewallungen, Unruhegefühl, Gereiztheit, Blutdruckschwankungen, Schwitzen und auch Schlafstörungen zur Folge haben. Diese Nebenwirkungen können Sie zwar zu jeder Jahreszeit bemerken, sind allerdings in den Sommermonaten oder bei einem Urlaub in warmen Ländern verstärkt.

Symptome, die mit einem gesteigerten Wärmegefühl verbunden sind,  können ein erster Hinweis darauf sein, dass sich bei Ihnen ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen, wie z.B. Vorhofflimmern, Blutdruckkrisen oder auch ein Hitzenotfall ankündigen. Sie sollten daher thermische Nebenwirkungen von Medikamenenten kennen, um für sich und andere hier richtig zu handeln. Gerade ältere Menschen, die sich in Ihrem sozialen Umfeld befinden sind sich dieser Risiken nicht bewusst.

 

Hitzegefühl durch Medikamente – “Fieber” als Nebenwirkung im Beipackzettel oder in der Fachinformation

Im Folgenden finden Sie eine Auswahl der häufigsten und wichtigsten Wirkstoffe und Substanzgruppen, die bei Ihnen ein Hitzegefühl zur Folge haben können. Wir können hier nicht alle Medikamente aufzählen, die Auflistung würde einfach zu lang. Folglich sollten Sie im Zweifel die Beipackzettel bzw. die Fachinformationen Ihrer Medikamente genau lesen. Spätestens dann, wenn Symptome der körperlichen Überwärmung oder wenn Sie extremer klimatischer Hitze ausgesetzt sind, dann sollten Sie Bescheid wissen.

Der Einfluss eines Medikamentes auf Ihre Körpertemperatur wird in den Fachinformationen und Beipackzetteln unter dem Begriff “Fieber” zusamengefasst. Das ist von der Wortbedeutung her nicht ganz richtig ist, weil es sich bei Fieber genau genommen um einen Veränderung des Temperatur-Sollwertes, z.B. durch Bakterien und Viren handelt. Medikamente führen aber über verschiedenen Mechanismen zu einer erhöhten Körpertemperatur.

Medikamente – Körpertemperatur über das Gehirn steigern

Ihr Gehirn ist der Ort, an dem Ihre Körpertemperatur reguliert wird. Hier können Medikamente eine Störung Ihrer zentralen Temperaturregulation im Gehirn verursachen.

Zahlreiche Neuroleptika zur Therapie von Psychosen oder auch Anticholinergika, z. B. Asthma-Sprays zum Weitstellen der Bronchien, haben hier eine Wirkung auch auf Ihr Gehirn. Vor allen Dingen die weit verbreiteten Antidepressiva, z.B. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, greifen hier temperatursteigernd in die Thermoregulation Ihres Körpers ein.

Man mag es gar nicht vermuten, aber auch der Gerinnungshemmer Rivaroxaban (XareltoⓇ) oder das Rhythmusmedikament Flecainid (Tambocor®) verursacht in bis zu 10 %der Fälle erhöhte Körpertemperaturen, die dann häufig bei sommerlicher Hitze symptomatisch werden können.

Viele hormonell ausgerichtete Substanzen zur Behandlung von Krebserkrankungen steigernebenfalls Ihre Körpertemperatur. Zu ihnen zählen Bicalutamid, Tamoxifen, Goserelin und Anastrozol. Die Antidepressiva Venlafaxin und Duloxetin und die bei Migräne häufig eingesetzten Tryptane geben Ihnen auch das Gefühl der Wärme.

Hormone und Nahrungsergänzungsmittel – Steigerung des Stoffwechsels kann Hitzestress auslösen

Eine ganze Reihe an Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten steigern den Stoffwechsel und haben so ebenfalls Einfluss auf Ihre Körpertemperatur.

An erster Stelle zu nennen sind Schilddrüsenhormone, Kontrazeptiva mit ihrem Gehalt an Östrogen und Progesteron sowie Kortison und Asthma-Sprays. Des Weiteren können Magnesiumcitrat und Kalzium sowie Vitamin D den Stoffwechsel erheblich ankurbeln, so dass Sie sogar machmal nachts nicht richtig schlafen können. Einschlafstörungen, gerade bei sommerlichen Außentemperaturen sind hier die Folge . Vitamin B6 und B12 werden als Stoffwechselaktivatoren in der Regel ebenso unterschätzt.

Medikamente können Ausgleichsmechanismen für Hitzestress blockieren

Ihr Körper verfügt über zahlreiche Ausgleichsmechnismen, um die Körpertemperatur auch bei extremen Witterungsbedingungen konstant zu halten. Eine ganze Reihe von Medikamenten hemmen diese Ausgleichsmechanismen. Zum Beispiel nehmen Sie den Anstieg Ihrer Körpertemperatur dann nicht mehr wahr bzw. Ihr Körper kann nicht mehr richtig auf erhöhte Außentemperaturen reagieren. Häufig sind Sie sich dieser Mechanismen gar nicht bewusst, was zu schweren Nebenwirkungen bis hin zum Hitzeschock führen kann.

Durstgefühl verringert. Ein verringertes Durstgefühl kennen wir von ACE-Hemmern und AT-Blockern. Allerdings bringen auch Neuroleptika und Carbamazepin hier ein erhöhtes Risiko mit sich. Medikamente zur Behandlung des Morbus Parkinson sind weit verbreitet. Insbesondere bei älteren Menschen, die diese Medikamente ja häufig einnehmen, sollte häufiger einmal überprüft werden, inwieweit die Körpertemperatur zu hoch ist. Sinnvoll ist hier sicherlich das regelmäßige Messen der Ohrtemperatur.

Schwitzen verringert. Besonders tückisch ist ein verringertes Schwitzen durch einen sogenannten Antimuscarin-Effekt. Zu nennen sind hier Substanzen wie Alimemazin, Chlorpromazin, das Antidepressivum Amitriptylin und das gegen die Seekrankheit häufig verwendete Scopolamin. Des Weiteren haben Oxybutynin, Procyclidin und Topiramat hier eine Bedeutung.

Temperaturwahrnehmung verringert. Die Wahrnehmung der erhöhten Körpertemperatur ist vor allem bei Antiparkinson-Medikamenten gestört. Aber auch Medikamente, die beruhigend wirken, wie Benzodiazepine, Antihistaminika und Antidepressiva, verringern die Wahrnehmung einer zu hohen Temperatur. Weitere Medikamente, die diesen Effekt haben, sind Gabapentine, Anti-Muskarin-Medikamente und Antiepileptika.

Temperaturabgabe verringert. Damit der Körper Wärme gut abstrahlen kann, sind gut hydrierte Körperzellen wichtig. Ein erhöhtes Risiko für Überhitzung stellen folglich Medikamente, die das Körperwasser senken, wie z.B. harntreibende Medikamente, sogenannte Diuretika, ACE-Hemmer, AT Blocker und die sehr beliebten Abführmittel.

Kreislaufmedikamente – Ausgleichmechanismen bei Überhitzung verstärkt oder blockiert

Medikamente können die natürliche Reaktion auf hohe Außentemperaturen, also die Ausgleichsmechanismen, verstärken. Die Folge ist ein kritisch beeinträchtiger Kreislauf.

An erster Stelle zu nennen ist der Blutdruckabfall, der durch blutdrucksenkende Medikamente wie Nitrate, Betablocker, Calciumantagonisten, ACE-Hemmer und AT-Blocker begünstigt wird.

Was man häufig vergisst ist, dass die in der Urologie verwendeten Alpha-Blocker, z.B. Tamsulosin und Dutasterid/Tamsulosin und Doxazosin ebenfalls den Blutdruck senken und hier zu thermoregulatorischen Nebenwirkungen beitragen. Auch die Phosphodiesterase-Hemmer, die als Erektionshilfen von Männern eingesetzt werden, wie z.B. Sildenafil, Vardenafil und Tadalafil, reduzieren gerade in den Sommermonaten den Blutdruck. Das hat nicht selten kritische Folgen.

Medikamente im Sommer – frühzeitig über Nebenwirkungen informieren

Bei hohen Außentemperaturen, auch im Urlaub sollten Sie die Medikamente, die Sie einnehmen, auf Nebenwirkungen bezüglich erhöhter Körpertemperatur überprüfen. Achten Sie im Beipackzettel auf die Nebenwirkung “Fieber”.

Lesen Sie hierzu sorgfältig den Beipackzettel oder die Fachinformation!

Sollten Sie Medikamente einnehmen, die Hitzestress begünstigen, dann ist die erste Maßnahme: Hitzestress im Alltag vorbeugen! Sie sollten auf die Symptome von Hitzestress achten und im Zweifel mit einem Arzt bzw. einer Ärztin sprechen.

Niemals sollten Sie eigenmächtig die Dosis eines Medikamentes anpassen.

 

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Die Leber verstoffwechselt Medikamente

Damit Medikamente optimal wirken und zu keinen Nebenwirkungen führen, muss der menschliche Körper sie verstoffwechseln können. Manchmal ist es erst die biochemische Verarbeitung durch den Körper selbst, die aus einer sogenannten Pro-Drug, einem „Vormedikament”, die eigentlich wirksame Substanz „herstellt”.

Besonders wichtig für die Verstoffwechselung von Medikamenten ist die Leber. Sie ist das erste große Stoffwechselorgan, welches dem Darm und somit dem Aufnahmeort der meisten Präparate, nachgeschaltet ist. In der Leber wiederum ist es auf zellulärer Ebene das Cytochrom-P450-System, das vor allen anderen Systemen für den Ab- und Umbau von Medikamenten am wichtigsten ist, denn 90% aller Medikamente werden hier verarbeitet.

Cytochrome, auch CYPs genannt, sind Eiweiße, die vor allen Dingen wasserunlösliche Substanzen in wasserlösliche Stoffe umwandeln. Dadurch können diese besser ausgeschieden werden, zum Beispiel über die Niere. Für unterschiedliche Medikamente benötigt der Organismus unterschiedliche CYPs. So hat der Mensch 57 verschiedene CYPs. Eines der wichtigsten Cytochrome ist CYP3A4, hierüber werden bis zu 50 Prozent aller Medikamente verarbeitet.

Stoffwechsel von Medikamenten: bei jedem Menschen unterschiedlich durch Genetik

Menschen sind auch in Bezug auf das Cytochrom-System genetisch unterschiedlich. Variiert ein einzelnes CYP, z.B. CYP3A4 in seiner Ausprägung, dann nennen wir das einen Genpolymorphismus. Diese Genpolymorphismen sind ein wesentlicher Grund dafür, dass Menschen auf Medikamente mit unterschiedlicher therapeutischer Wirkung und mit unerwünschten Nebenwirkungen reagieren.

Wir unterscheiden:

  • slow metabolizer
  • normal metabolizer
  • fast metabolizer

„Slow metabolizer” bedeutet, dass ein CYP bedingt durch eine genetische Veränderung vergleichsweise langsam arbeitet. „Fast metabolizer” steht dafür, dass ein CYP besonders schnell eine angebotene Substanz umwandelt. Das erklärt auch, warum eine Substanz bei einigen Menschen gut wirken kann („normal metabolizer”), bei anderen aber nicht so gut, weil es z.B. zu schnell abgebaut wird („fast metabolizer”).

Über genetisch festgelegte Veränderungen erklärt sich auch ein Teil der Nebenwirkungen von Medikamenten. Ein zu langsamer Abbau des medizinischen Wirkstoffes („slow metabolizer”)  kann eine überstarke Anhäufung des Medikaments im Körper zur Folge haben. Das wiederum verursacht toxische Nebenwirkungen und der Körper ist überfordert.

Medikamente und Nahrungsmittel beeinflussen CYPs des Cytochrom P450 Systems

Medikamente und Nahrungsmittel können die Funktion von CYPs beeinflussen. Wir unterscheiden:

  • Substrate
  • Inhibitoren
  • Induktoren

„Substrat” bedeutet, dass ein Medikament von einem bestimmten CYP verarbeitet wird, z.B. Metoprolol über CYP 3A4. Der Stoffwechsel hängt also hier wesentlich davon ab, wie ein einzelnes CYP genetisch festgelegt ist.

Problematisch wird es bei „Inhibitoren”. Sie blockieren mehr oder weniger ein CYP und hemmen so den Abbau von anderen Medikamenten. Das können übrigens auch Nahrungsmittel sein, wie z.B. Grapefruit bei CYP3A4.

„Induktoren” hingegen beschleunigen die Stoffwechselrate von CYPs, so z.B. Johanniskraut bei CYP3A4. Entsprechende Medikamente werden dann schneller abgebaut und sind bei den betroffenen Menschen weniger wirksam. Das gilt übrigens auch für die kombinierte Einnahme der Anti-Baby-Pille mit Johanniskraut.

Ein Medikament beeinflusst häufig mehrere Cytochrome

Die meisten Menschen bekommen gleich mehrere Pillen verschrieben, z.B. bei der Behandlung von Koronarer Herzkrankheit, Herzschwäche oder Bluthochdruck. So wird der Abbau von Medikamenten noch komplizierter.

Verschiedene Medikamente werden über denselben Stoffwechselweg abgebaut, z.B. Metoprolol (Beta-Blocker), Lercanidipin (Kalziumantagonist) und Irbesartan (AT-Blocker) über CYP3A4. So kann auch bei einem CYP3A4 „normal-metabolizer” zu einer Überlastung von CYP 3A4 auftreten. Erstrecht, wenn es sich bei dem behandelten Menschen um einen „slow-metabolizer” handelt.

Meistens nutzt dasselbe Medikament verschiedene CYPs für den Abbau. Der häufig eingesetzte Beta-Blocker Metoprolol z.B. wird über CYP3A4 und CYP2D abgebaut. Andere Substanzen nutzen weit mehr und bis zu 7 CYPs. Bei den häufig genutzten Medikamenten des Herz-Kreislaufbereichs interagiert ein Medikament (Substrat, Inhibitor, Induktor) mit durchschnittlich mit 2,1 CYPs.

Genvarianten des Cytochrom-System bestimmen: ein Schritt in die richtige Richtung

Genetische Veränderungen von Cytochromen kann man heutzutage unkompliziert und zuverlässig molekular-genetisch mit Hilfe einer Blutprobe im Labor bestimmen. Allerdings liegen die Kosten für die notwendige komplette Charakterisierung zwischen 300 und 400 Euro. Diese werden nur von einem Teil der privaten Krankenkassen und gar nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

In der Cardiopraxis empfehlen wir Ihnen einen solchen Test, falls aufgrund von medikamentösen Nebenwirkungen der begründete Verdacht auf einen sogenannten Genpolymorphismus besteht. Wir raten Ihnen vor allen Dingen dann dazu, wenn Sie mit einer lebenslangen Einnahme von Medikamenten rechnen müssen. So können die aktuellen Medikamente überprüft werden und auch bei neuen Präparaten später Nebenwirkungen vermieden werden.

Medikamenteninteraktionen: So gehen wir praktisch in der Cardiopraxis vor

Es folgen jetzt einige Abschnitte, die eigentlich für Ärztinnen und Ärzte gedacht sind, die lernen wollen mit dem Cytochrom-System praktisch umzugehen. Falls Ihnen das verständlicherweise zu kompliziert ist, dann können Sie gerne zum letzten Abschnitt “Nebenwirkung von Medikamenten…” springen.

Leider stehen uns molekular-genetische Analysen nur gelegentlich zur Verfügung. Wie gehen wir da in der Cardiopraxis nun praktisch vor? Wir führen eine Cytochrom-Liste mit fast allen Medikamenten, die wir zur Therapie Ihres Herz-Kreislaufsystems nutzen. In dieser Liste ordnen wir den Medikamenten die verschiedenen CYPs mit ihren jeweiligen Eigenschaften zu. Diese Liste ist nur ein Beispiel wie Sie die Zuordnung machen können.1

Schritt 1: Verdacht schöpfen

Alles beginnt mit einem Problem. Bei zahlreichen Medikamenten kennen wir das Potenzial für Interaktionen. Z.B. ist das Herzrhythmusmedikament Amiodaron ein starker Inhibitor von CYP2C9 und Blutdrucksenker wie Irbesartan und Candesartan müssen in der Regel deutlich geringer dosiert werden.

Wenn ein Mensch von einer neuen Nebenwirkung berichtet, dann kann das schon auf eine Abbaustörung durch ein verändertes CYP hinweisen. Das gilt vor allen Dingen dann, wenn es sich um allgemeine Unverträglichkeit handelt.

Ein weiterer Ansatzpunkt: Wenn bei einem neuen Medikament eine stärkere Wirkung einer schon länger genommenen Substanz eintritt. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, dass Sie seit Jahren den Beta-Blocker Metoprolol in niedriger Dosierung einnehmen. Dabei lag Ihre Herzfrequenz in Ruhe bisher immer bei ca. 72 bpm. Nun erhalten Sie im Krankenhaus zusätzlich den Thrombozytenblocker Clopidogrel. Sie berichten nun über neu aufgetretene Benommenheit und eine Herzfrequenz von 56 bpm.

Was ist passiert?

Schritt 2: Interaktion zwischen Medikament und Cytochrom klären

Im ersten Schritt schauen wir, ob das unter Nebenwirkungsverdacht stehende Clopidogrel überhaupt über ein CYP verarbeitet wird. Wenn wir unsere CYP-Liste nicht zur Hand haben, dann schauen wir im Internet in der Datenbank „drugbank” nach. Hier finden wir unter “Predicted ADMET Features” die sogenannte pharmakokinetische Eigenschaft des Medikaments: „A” steht für „Adsorption” (= Aufnahme), „D” für „Distribution (= Verteilung), „M” für „Metabolism” (= Stoffwechsel), „E” für „Excretion” (= Ausscheidung) und „T” für „Toxicity” (= Giftigkeit).

In der Spalte 1 „Property” sind die potenziellen Eigenschaften des Medikaments in Bezug auf das CYP-System aufgelistet. Darauf wurde es laborchemisch getestet, in diesem Fall die Eigenschaft als CYP2D6 Inhibitor.

In Spalte 2 unter „Value” ist angegeben, welche Eigenschaft das Medikament tatsächlich hat, z.B. Inhibitor. In der Tat ist Clopidogrel ein Inhibitor von CYP2D6.

Und in Spalte 3 finden Sie die Wahrscheinlichkeit dieser tatsächlichen Eigenschaft. Dabei werten wir 1,0 als hoch und <0,50 als niedrig. Im Fall von Clopidogrel besteht eine mittlere Wahrscheinlichkeit von 0,57, dass Clopidogrel ein Wirkung als “Inhibitor” hat.

 

Schritt 3: Schnittmenge mit anderen Medikamenten finden

Nun haben Sie herausgefunden, dass Ihr Medikament Clopidogrel tatsächlich Einfluss auf das Cytochrom-System hat. Sie müssen jetzt sehen, ob andere Medikamente mit Clopidogrel eine Schnittmenge beim CYP2D6 haben. Das können Sie wieder über „drugbank” machen. Bei mehreren Medikamenten ist es manchmal einfacher, wenn Sie im englischen Wikipedia den Eintrag zum Cytochrom selbst lesen, in diesem Fall „CYP2D6”. Am Ende des Wikipedia-Beitrages finden Sie eine ziemlich vollständige Liste mit Medikamenten, die als Substrate, Inhibitoren oder Induktoren mit dem Cytochrom interagieren können.

Schritt 4: Konsequenzen ziehen

Falls wir den klinischen Verdacht auf einen Genpolymorphismus haben, schreiben wir das als Verdachtsdiagnose in unsere Arztbriefe. Wir versuchen dann in der Zukunft Medikamente zu vermeiden, die über diesen Stoffwechselweg abgebaut werden.

Nebenwirkungen von Medikamenten – schwierige Analyse für Ärztin und Arzt

Sie werden spätestens jetzt bemerkt haben, dass die Bewertung von Nebenwirkungen sehr komplex, schwierig und zeitaufwändig ist, auch für den verschreibenden Arzt. Das bedeutet: Die Empfehlung von Medikamenten ist folglich auch immer mit einem hohen Maß an Verantwortung verbunden.

Sie verstehen jetzt auch, warum es ab der Einnahme von 5 Medikamenten für eine Ärztin bzw. einen Arzt fast unmöglich ist, die Arzneimittelinteraktionen zu bewerten.

Das alles erklärt auch unseren Grundsatz in der Cardiopraxis: „So wenig Medikamente wie nötig”. Es geht hierbei nicht darum, Ihren individuellen Wünschen nach wenigen Präparaten zu folgen, sondern einfach um eine medizinische Notwendigkeit.

Wir rechnen in der Zukunft damit, dass die Bestimmung von Arzneimittelinteraktionen mit Medikamenten besser bestimmbar und besser vorhersehbar werden. Die bisherig eingesetzten einfachen Ampelsysteme, z.B. durch Apotheken sind noch zu grob. Ziel muss sein, die individuelle genetisch determinierte Stoffwechselaktivität von Cytochromen  bzw. ihre Aktivität bei Einsatz mehrerer Medikamente zu erfassen. Hilfreich werden hierbei  System der künstlichen Intelligenz sein, die große Datenmengen verarbeiten können. Optimal ist eine molekular-genetische Analyse des Cytochrom-Systems bei allen Menschen, die langfristig Medikamente einnehmen.

Anhang

Links zu einzelnen Medikamenten

Drugbank

Geben Sie oben einen Wirkstoff ein und scrollen Sie nach unten bis Sie zum Abschnitt “Properties” gelangen. Dort finden Sie unter “Predicted ADMET Features” die Bedeutung der Medikamente im Verhältnis zu verschiedenen CYPs.

Links zu einzelnen Cytochromen

Wikipedia-Links zu den wichtigsten CYPs für Herz-Kreislaufmedikamente.

1A2 2B6 2C8 2C9 2C19 2D6 2E1 2J2 3A4 3A5

Rot markierte Links kennzeichnen Beiträge, die Medikamentenlisten enthalten; Sie finden sie dort unter “Ligands”.

 

1Für die CYP-Liste übernimmt Cardiopraxis keine Gewährleistung. Nur zum internen Gebrauch in der Cardiopraxis gedacht.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Viagra-Nutzer: Aufgepasst!

Die Hauptnebenwirkung von sogenannten PDE-Hemmern wie Viagra®, Cialis® oder Levitra® sind Blutdruckabfälle. Durch ihre Adrenalin-vermittelte Aktivierung können zudem weitere Nebenwirkungen bis hin zum Herzinfarkt die Folge sein. Männer, die einen PDE-Hemmer nutzen, nehmen zur Behandlung einer Prostatavergrößerung häufig auch Alpha-Blocker ein – als hochwirksame Blutdrucksenker erhöhen diese das Risiko für Nebenwirkungen zusätzlich.

Typische Symptome sind dann Benommenheit, Bewusstseinsverlust, Herzrasen oder -stolpern, Unruhegefühl oder Druck auf der Brust. Vorbeugen kann man dem Ganzen, indem man die Medikamenteneinnahme mit der Ärztin bzw. dem Arzt abklärt. Hilfreich ist zum Beispiel die zeitversetzte Einnahme von PDE-Hemmern und Gefäß-erweiternden Medikamenten.

Mit Nitropräparaten sollten Viagra und Co dagegen niemals eingenommen werden. Auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von 30 ml pro Kilogramm und Tag ist förderlich. Im Notfall ist schnelles Handeln gefragt: Bei Benommenheit und Unruhegefühl die Beine hochlegen, im Zweifel den Notarzt rufen!

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Magnesium – ein lukrativer Markt

Der Handel mit Nahrungsergänzungsmittel ist ein wachsender Markt, der pro Jahr über 1,1 Milliarden Euro pro Jahr alleine in Deutschland umgesetzt. Nahrungsergänzungsmittel werden über verschiedene Vertriebskanäle angeboten. An der Spitze steht der  Lebensmitteleinzelhandel, einschließlich Discounter mit 37,5% gefolgt von Drogeriemärkten mit 32,4 %, Apotheken mit 23,4% und Versandapotheken mit 6,7%, dabei  ist der Direktversand über das Internet nicht erfasst (Quelle: INSIGHT Health).

Magnesium – meist verkaufter Mineralstoff

Insgesamt ist Magnesium ist neben Vitamin C das beliebteste Nahrungsergänzungsmittel und als Mineralstoff der Spitzenreiter, weit vor z.B. Kalzium, Zink und Kalium. Alleine 2016 wurde Magnesium als Einzelmineralstoff in Deutschland über 41,6 Millionen verkauft (Quelle: INSIGHT Health). Imm Gegensatz zu Großbritannien ist es  in Deutschland frei verkäuflich und kann von den Kunden in allen Dosierungen und Packungsgrößen unkontrolliert erworben werden.

Neben den gut platzierten Angeboten in Geschäften und Apotheken wird Magnesium auch stark in Print-Publikationen sowie im Internet beworben. Sie kommen als Konsument also kaum an diesem Nahrungsergänzungsmittel vorbei. Der Käufer lebt in dem Glauben: Magnesium ist immer gesund, je mehr desto besser.

Für den Konsumenten ist  die kontrollierte Einnahme von Magnesium darüber hinaus noch erschwert, weil Magnesium nicht nur als Einzelsubstanz verkauft wird, sondern auch in vielen Kombinationspräparaten enthalten ist, z.B. in Korallenpräparaten und weiteren zahlreichen sog. Mikronährstoffmischungen.

Kurzum Magnesium ist in Deutschland sehr beliebtes Nahrungsergänzungsmittel und wird gerne in der Selbstmedikation eingesetzt, kaum einer der es noch nicht genommen hat. Dabei sind die Gründe für die Einnahme häufig eher diffus und reichen von “ich habe Muskelkrämpfe” über “muss ja wohl gut sein” bis hin zu obskuren Krebstherapien.

Wirkung von Magnesium bei Muskelkrämpfen sehr fraglich

Bis auf den Einsatz in der Schwangerschaft gibt es im Übrigen für eine hilfreiche Wirkung von Magnesium bei Muskelkrämpfen trotz zahlreicher Studien keine wissenschaftlichen Belege.  Im Einzelfall kann es sicherlich helfen, man sollte als Betroffener die Wirkung aber immer kritisch hinterfragen. Gemäß unseren Erfahrungen in der Cardiopraxis hilft bei Muskelkrämpfen die Faszientherapie, z.B. mit einem Nudelholz.

Magnesium kann zu Symptomen der Überhitzung führen

Der Mineralstoff Magnesium ist an zahlreichen Stoffwechselprozessen beteiligt und aktiviert den Stoffwechsel. Das hat eine vermehrte Wärmebildung zur Folge und kann zu thermischem Stress führen.

Wir können in der Cardiopraxis die Aktivierung des Stoffwechsels indirekt über Steigerung des Blutflusses in der unblutige Blutflussmessung gut messen. So können wir einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Magnesium, Symptomen und Blutfluss feststellen und die Dosierung von Magnesium individuell anpassen.

Wir erleben so in der Cardiopraxis Woche-für-Woche Menschen bei denen die unkontrollierte Magnesium-Einnahme zu Nebenwirkungen geführt hat, zum Beispiel:

  • innere Unruhe
  • Gereiztheit bis hin zu Aggressivität
  • vermehrte Ängstlichkeit bis hin zu Panikattacken
  • Zittern
  • verringerte Toleranz von Wärme
  • vermehrtes Schwitzen
  • Ein- und Durchschlafstörungen
  • Benommenheit bis hin zu Ohnmachtsanfälle, auch mit Verletzungsfolge

Kontrollierte Einnahme von Magnesium ist wichtig

Kontrolliert eingesetzt kann Magnesium ein gesundes Nahrungsergänzungsmittel sein. Manchmal führen sogar Medikamente, sog. Mikronährstoffräuber dazu, dass Magnesium dem Körper fehlt.

In der Cardiopraxis setzen wir Magnesium, neben Kalium und Vitamin D vor allen Dingen zur Stoffwechselaktivierung bei Menschen mit Bluthochdruck und niedrigem Blutfluss erfolgreich ein. Dabei ist die unblutige Kreislaufmessung für uns eine wertvolle Hilfe.

Falls vom Arzt nicht anders verordnet, sollten Sie eine tägliche Magnesium-Zufuhr auf maximal 14 Tage beschränken. Bei einer dauerhaften Einnahme sollten es höchstens 3 Einheiten, zum Beispiel zu 300 mg, in der Woche, sein. Gerade wenn Sie Kombinationspräparate einnehmen, sollten Sie auf die Summe der täglich eingenommen Dosis von Magnesium achten.

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Wer zu viel Chili isst, kann Nebenwirkungen erleben. Denn Chilischoten enthalten Capsaicin, das über verschiedene thermo-regulatorische Mechanismen negative Effekte im Herz-Kreislaufsystem auslösen kann.

Capsaicin aktiviert direkt den Stoffwechsel, steigert den Leberstoffwechsel und bildet zudem braunes Fettgewebe. Durch die Stoffwechsel-Aktivierung und den Schmerz- bzw. Hitzereiz nimmt man eine erhöhte Körpertemperatur wahr. Weil der Körper die Temperatur stabil halten will, stellt er die Gefäße weit, was den Blutdruck abfallen lässt. Und da der Körper auch den Blutdruck stabil halten will, setzt er wiederum Adrenalin frei.

Das freigesetzte Adrenalin und der aktivierte Stoffwechsel sorgen für Symptome wie

  • Unruhegefühl
  • Blutdruckschwankungen
  • Benommenheit
  • Schlafstörungen

Ein maßvoller Verzehr von Chili kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn der Stoffwechsel eines Menschen nicht sehr aktiv ist.

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