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Anpassung des Herz-Kreislaufsystems im Sommer

Ihr Herz-Kreislaufsystem passt sich immer den klimatischen Bedingungen an. Das Ziel ist dabei ein stabiler Sollwert für Ihre Körpertemperatur, denn nur bei richtiger Körpertemperatur sind Sie voll körperlich und geistig leistungsfähig.

Im Sommer ist in der Regel eine vermehrte Wärmeabgabe sinnvoll. Ihr Körper fördert das, indem er vor allem die Blutgefäße weit stellt und damit die Durchblutung steigert. Sie merken das an Ihren warmen Händen.

Im Winter steht hingegen die Wärmekonservierung im Vordergrund. Ihr Körper erreicht das, indem er die Blutgefäße eng stellt, also den Blutfluss verringert. Das wiederum können Sie daran merken, dass Ihre Hände häufiger kalt sind.

Gerade im Sommer erleben wir in der Cardiopraxis immer wieder starke Nebenwirkungen von Herz-Kreislaufmedikamenten. Die Menschen kommen zu uns mit innerer Unruhe, Luftnot, Benommenheit oder gar Ohnmachtsanfällen.

Medikamente gegen Bluthochdruck im Sommer – „mein Blutdruck spinnt”

Im Sommer ist er Blutdruck in Verbindung mit Medikamenten meistens das Hauptproblem.

Medikamente zur Herz-Kreislauftherapie können dabei die Ausgleichsmechanismen Ihres Körpers zur Reduktion überschüssiger Körperwärme verstärken. Der Blutdruck fällt dann ab.

Medikamente können die Wärmeabgabe aber auch kritisch verringern. Folglich steigen Hitzestress und Blutdruck Sie erleben so in der Regel einen Wechsel zwischen hohen und niedrigen Blutdruckwerten.

Häufig hören wir in den Sommermonaten in der Cardiopraxis den Satz: „Mein Blutdruck spinnt”. Mit differenzierten Kreislaufmessungen des Blutdrucks UND des Blutflusses können wir hier meistens gezielt helfen, indem wir die Medikation anpassen.

Herz- und Kreislaufmedikamente im Sommer

Blutgefäßweitsteller. Medikamenten dieser Gruppe (Kalzium-Antagonisten, ACE-Hemmer, AT-Blocker, Alphablocker) verursachen eine Weitstellung der Arterien. Der Blutdruck sinkt und die Durchblutung steigt, so dass der Körper Wärme besser an die Umgebung abgeben kann.

Sinkt der Blutdruck allerdings zu stark, versucht Ihr Körper das durch freigesetztes Adrenalin auszugleichen. Folglich steigen Herzfrequenz und Blutdruck häufig überschießend an.

Bremser der Pumpkraft und der Herzfrequenz. Beta-Blocker bremsen die Pumpkraft und reduzieren die Herzfrequenz und damit die Durchblutung. Damit sinkt auch der Blutdruck. Im Sommer ist die Wärmeabgabe durch die verringerte Durchblutung gerade bei höheren Dosen kritisch reduziert. Der Körper wird wärmer und Symptome von Hitzestress werden begünstigt.

Darüber hinaus dämpft ein falsch dosierter Beta-Blocker Warnsignale des Adrenalinsystems für eine körperlichen Überhitzung. So kann Ihre Körpertemperatur unbemerkt ansteigen und dann plötzlich kritische Folgen haben.

Harntreiber. Die sogenannten Diuretika reduzieren das Füllungsvolumen in den Arterien und Venen, was eine Verringerung er Durchblutung zur Folge hat. Der Blutdruck sinkt.

Weil die Durchblutung geringer ist, reduziert sich auch die Wärmeabgabe Mit einem verringerten Flüssigkeitsgehalt Ihrer Körperzellen reduziert sich auch die Wärmeleitfähigkeit Ihrer Körperzellen.. Somit steigt unter Harntreibern die Körpertemperatur an und Ihr Hitzestress steigt.

 

Hoher Blutdruck unter Medikamenten im Sommer

Zwar kann nicht nur bei übergewichtigen Menschen der Blutdruck im Sommer steigen, diese Gruppe ist allerdings besonders gefährdet.

Gerade Menschen mit Übergewicht haben durch das Körperfett eine bessere und häufig auch übermäßige Wärmeisolierung ihres Körpers. Hinzu kommt, dass Körperfett selbst entzündlich und damit wärmebildend ist. Das kann gerade im Sommer zu einem Hitzestau führen, was Hitzestress zur Folge hat Der wiederum ist mit einer gesteigerten Adrenalin-vermittelten Aktivierung verbunden, und das verursacht nicht selten krisenhafte Blutdruckanstiege.

Daher sollten vor allem übergewichtige Menschen unbedingt äußerlichen Hitzestress meiden. Sie sollten die Flüssigkeitszufuhr überprüfen. Eventuell müssen sie harntreibende Medikamente reduzieren bzw. absetzen. Falls es zu Blutdruckspitzen kommt, ist das Modulieren des Adrenalinhaushalts sinnvoll. Bei hoher Herzfrequenz können Betablocker in niedriger Dosierung oder auch Moxonidin zum Einsatz kommen.

Niedriger Blutdruck unter Medikamenten im Sommer

Die häufigste Ursache für einen zu niedrigen Blutdruck im Sommer ist ein zu geringer absoluter oder relativer Flüssigkeitsgehalt. „Absolut” bedeutet hier, dass Sie einfach zu wenig trinken; “relativ”, dass Ihr Gefäßraum, z.B. durch Wärme zu weit gestellt ist. Die Einnahme von Herz-Kreislaufmedikamenten verstärkt das noch.

Die zusätzliche Wärme durch klimatisches Anpassen führt dazu, dass sich die Blutgefäße weiten. Das hat bekanntermaßen zunächst einen Blutdruckabfall zur Folge, denn dem Kreislauf fehlt es einfach an “Hydraulikflüssigkeit”. Dieser vergrößerte Gefäßraum muss nun mit Flüssigkeit gefüllt oder verkleinert werden.

Auch hier gilt: Gegebenenfalls müssen Sie im Sommer die Dosis von Medikamenten anpassen. Gerade Kalzium-Antagonisten und Diuretika können vorübergehend reduziert bzw. abgesetzt werden.

Blutdruckmedikamente im Sommer – gemeinsam anpassen?

Der Flüssigkeitsbedarf des Körpers im Sommer ist höher, insbesondere bei körperlichen Freizeitaktivitäten. Sie sollten, falls nicht anders abgesprochen 30 bis 40 ml pro kg Körpergewicht und Tag trinken. Achten Sie auf kühlende und vorbeugende Maßnahmen, um Hitzestress zu vermeiden!

Wenn Ihr Blutdruck „spinnt”, sollten Sie die Medikation mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen. Bitte achten Sie auch darauf, dass andere Medikamentengruppen Einfluß auf die Körpertemperatur und damit auf Ihren Blutdruck haben.

Gerade unter extremen klimatischen Bedingungen sollten Sie nicht ohne Absprache die Medikation verändern. Sonst kann es zu kritischen Blutdruckkrisen kommen.

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

 

Hitze im Sommer – erhöhtes Risiko für Herz und Kreislauf

Erhöhte Außentemperaturen können zu Hitzestress führen. Die Hitzewelle 2018 hat zu einer Steigerung der Gesamtsterblichkeit während den Sommermonaten um 8-12 % geführt.

Besonders durch gefährdet sind alle Kinder und Senioren. Bei den chronisch erkrankten Menschen haben solche mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und mit Lungenerkrankungen besonders unter heißen Temperaturen zu leiden.

Darüber hinaus sind Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Morbus Parkinson und Durchblutungsstörungen des Gehirns gefährdet. Psychisch Erkrankte und Menschen mit Demenz, die sich selbst nicht helfen können, vernachlässigen häufig die Warnsignale, die durch sommerliche Hitze entstehen.

Medikamente – Stressfaktor bei Hitze im Sommer

Zahlreiche Medikamente haben einen Einfluss auf Ihre Körpertemperatur. Das kann die Wirkung von klimatischer Hitze noch weiter verstärken.

Im Folgenden finden Sie eine Auswahl der häufigsten und wichtigsten Wirkstoffe und Substanzgruppen, die Ihnen im Sommer Probleme machen können. Allerdings gibt es noch weitere Medikamente, die Hitzestress begünstigen. Folglich sollten Sie im Zweifel die Beipackzettel bzw. die Fachinformationen Ihrer Medikamente genau lesen. Der Einfluss eines Medikamentes auf Ihre Körpertemperatur wird hier unter dem Begriff “Fieber” zusamengefasst. Das ist von der Wortbedeutung her nicht ganz richtig ist, weil es sich bei Fieber genau genommen um einen Veränderung des Temperatur-Sollwertes, z.B. durch Bakterien und Viren handelt. Medikamente führen aber über verschiedenen Mechanismen zu einer erhöhten Körpertemperatur.

Medikamente – Körpertemperatur über das Gehirn steigern

Ihr Gehirn ist der Ort, an dem Ihre Körpertemperatur reguliert wird. Hier können Medikamente eine Störung Ihrer zentralen Temperaturregulation im Gehirn verursachen.

Zahlreiche Neuroleptika zur Therapie von Psychosen oder auch Anticholinergika, z. B. Asthma-Sprays zum Weitstellen der Bronchien, haben hier eine Wirkung auch auf Ihr Gehirn. Vor allen Dingen die weit verbreiteten Antidepressiva, z.B. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, greifen hier temperatursteigernd in die Thermoregulation Ihres Körpers ein.

Man mag es gar nicht vermuten, aber auch der Gerinnungshemmer Rivaroxaban (XareltoⓇ) oder das Rhythmusmedikament Flecainid (Tambocor®) verursacht in bis zu 10 Prozent der Fälle erhöhte Körpertemperaturen, die dann häufig bei sommerlicher Hitze symptomatisch werden können.

Viele hormonell ausgerichtete Substanzen zur Behandlung von Krebserkrankungen erhöhen ebenfalls Ihre Körpertemperatur. Zu ihnen zählen Bicalutamid, Tamoxifen, Goserelin und Anastrozol. Die Antidepressiva Venlafaxin und Duloxetin und die bei Migräne häufig eingesetzten Tryptane geben Ihnen auch das Gefühl der Wärme.

Steigerung des Stoffwechsels kann Hitzestress verursachen

Eine ganze Reihe an Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten steigern den Stoffwechsel und haben so ebenfalls Einfluss auf Ihre Körpertemperatur.

An erster Stelle zu nennen sind Schilddrüsenhormone sowie Kontrazeptiva mit ihrem Gehalt an Östrogen und Progesteron, Kortison und Asthma-Sprays. Des Weiteren können Magnesiumcitrat und Kalzium sowie Vitamin D den Stoffwechsel erheblich ankurbeln, so dass Sie die Nebenwirkungen bei sommerlicher Außentemperatur erst richtig beginnen zu merken. Vitamin B6 und B12 werden als Stoffwechselaktivatoren in der Regel ebenso unterschätzt.

Medikamente können Asugleichsmechanismen von Hitzestress blockieren

Ihr Körper verfügt über zahlreiche Ausgleichsmechnismen, um die Körpertemperatur auch bei extremen Witterungsbedingungen konstant zu halten. Eine ganze Reihe von Medikamenten hemmen diese Ausgleichsmechanismen. Zum Beispiel nehmen Sie den Anstieg Ihrer Körpertemperatur dann nicht mehr wahr bzw. Ihr Körper kann nicht mehr richtig auf erhöhte Außentemperaturen reagieren. Häufig sind Sie sich dieser Mechanismen gar nicht bewusst, was zu schweren Nebenwirkungen bis hin zum Hitzeschock führen kann.

Durstgefühl verringert. Ein verringertes Durstgefühl kennen wir von ACE-Hemmern und AT-Blockern. Allerdings bringen auch Neuroleptika und Carbamazepin hier ein erhöhtes Risiko mit sich. Medikamente zur Behandlung des Morbus Parkinson sind weit verbreitet. Insbesondere bei älteren Menschen, die diese Medikamente ja häufig einnehmen, sollte häufiger einmal überprüft werden, inwieweit die Körpertemperatur zu hoch ist. Sinnvoll ist hier sicherlich das regelmäßige Messen der Ohrtemperatur.

Schwitzen verringert. Besonders tückisch ist ein verringertes Schwitzen durch einen sogenannten Antimuscarin-Effekt. Zu nennen sind hier Substanzen wie Alimemazin, Chlorpromazin, das Antidepressivum Amitriptylin und das gegen die Seekrankheit häufig verwendete Scopolamin. Des Weiteren haben Oxybutynin, Procyclidin und Topiramat hier eine Bedeutung.

Temperaturwahrnehmung verringert. Die Wahrnehmung der erhöhten Körpertemperatur ist vor allem bei Antiparkinson-Medikamenten gestört. Aber auch Medikamente, die beruhigend wirken, wie Benzodiazepine, Antihistaminika und Antidepressiva, verringern die Wahrnehmung einer zu hohen Temperatur. Weitere Medikamente, die diesen Effekt haben, sind Gabapentine, Anti-Muskarin-Medikamente und Antiepileptika.

Temperaturabgabe verringert. Damit der Körper Wärme gut abstrahlen kann, sind gut hydrierte Körperzellen wichtig. Ein erhöhtes Risiko für Überhitzung stellen folglich Medikamente, die das Körperwasser senken, wie z.B. harntreibende Medikamente, sogenannte Diuretika, ACE-Hemmer, AT Blocker und die sehr beliebten Abführmittel dar.

Kreislaufmedikamente – Ausgleichmechanismen bei Überhitzung verstärkt oder blockiert

Medikamente können die natürliche Reaktion auf hohe Außentemperaturen, also die Ausgleichsmechanismen, verstärken. Die Folge ist ein kritisch beeinträchtiger Kreislauf.

An erster Stelle zu nennen ist der Blutdruckabfall, der durch blutdrucksenkende Medikamente wie Nitrate, Betablocker, Calciumantagonisten, ACE-Hemmer und AT-Blocker begünstigt wird. Auch Alkohol senkt den Blutdruck.

Was man häufig vergisst ist, dass die in der Urologie verwendeten Alpha-Blocker, z.B. Tamsulosin und Dutasterid/Tamsulosin und Doxazosin ebenfalls den Blutdruck senken und hier zu thermoregulatorischen Nebenwirkungen beitragen. Auch die Phosphodiesterase-Hemmer, die als Erektionshilfen von Männern eingesetzt werden, wie z.B. Sildenafil, Vardenafil und Tadalafil, reduzieren gerade in den Sommermonaten den Blutdruck. Das hat nicht selten kritische Folgen.

Medikamente im Sommer – frühzeitig über Nebenwirkungen informieren

Bei hohen Außentemperaturen, auch im Urlaub sollten Sie die Medikamente, die Sie einnehmen, auf Nebenwirkungen bezüglich erhöhter Körpertemperatur überprüfen.

Lesen Sie hierzu sorgfältig den Beipackzettel oder die Fachinformation!

Sollten Sie Medikamente einnehmen, die Hitzestress begünstigen, dann ist die erste Maßnahme: Hitzestress im Alltag vorbeugen! Sie sollten auf die Symptome von Hitzestress achten und im Zweifel mit einem Arzt bzw. einer Ärztin sprechen.

Niemals sollten Sie eigenmächtig die Dosis eines Medikamentes anpassen.

 

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Kreislaufschwäche – Muskeln häufig das Problem 

Im Körperkreislauf unterscheiden wir den arteriellen und den venösen Kreislauf. Der arterielle Kreislauf versorgt den Körper z.B. mit Sauerstoff, Blut fließt vom Herzen weg. Über den venösen Kreislauf kehrt Blut, z.B. mit weniger Sauerstoff zum Herz und zur Lunge zurück.

Der venöse Rückstrom zum Herz ist wesentlich komplexer als der arterielle Einstrom. Um zum Herzen zurückzufließen müssen verschiedenen Muskelpumpen ineinandergreifen. Wir unterscheiden die Bein-, Beckenboden, Körperstamm-, Zwerchfell- und die Herzmuskelpumpe. Kurzum, das was beim arteriellen Einstrom alleine durch Ihre linke Herzhauptkammer geleistet wird, das muss auf der rückkehrenden venösen Seite von verschiedenen Pumpen erledigt werden. Folglich ist der venöse Rückstrom auch störanfälliger.

Schwacher venöser Rückstroms – Ursachen und Folgen

Zu einer der häufigsten Ursachen eines gestörten Rückstroms gehört eine schwache Muskulatur vor allen Dingen des Beckenbodens, des Körperstamms und des Zwerchfells. Das Blut versackt im Körper, vornehmlich im Bereich der Beckenvenen. Wir nennen das in der Fachsprache „venöses Pooling“.

Durch ein zu geringes Angebot an venösem Blut an die rechten Herzkammern droht das Herz „leer“ zu pumpen und damit die Minderversorgung Ihres Gehirns. Diese existentielle Bedrohung des Bewusstseins beantwortet Ihr Körper verständlicherweise mit einer Stressreaktion. Adrenalin-vermittelt pumpt das Herz jetzt schneller und kräftiger und Ihr Körper versucht die Blutgefäße enger zu stellen. So will der Körper erreichen, dass der Druck im System wieder steigt.

Diese Mechanismen erklären auch die Symptome eines zu geringen Rückstroms.

Symptome bei venösen Kreislaufstörungen

Die Symptome eines zu geringen Rückstroms von venösem Blut treten vor allen Dingen im Stehen, aber auch im Sitzen und bei langsamem Gehen auf. In diesen Körperpositionen muss das Blut ca. 4/7 Ihrer Körperlänge gegen die Schwerkraft zurücklegen.

Besonders gefährdete Menschen sind hier vor allen Dingen Frauen, die nicht regelmäßig trainieren, eine sitzende Tätigkeit ausüben, übergewichtig sind, ein breites Gesäß und damit ein großes Reservoir für ein venöses Pooling haben. Auch sehr schlanke eher muskelschwache Menschen können Probleme entwickeln. Bei ruhigem Stehen oder langsamem Gehen kann es zu kritischen Kreislaufsituationen kommen.

Folgende akuten Symptome können Sie auch an sich selber bemerken.

Kreislaufstörungen bei anderen Menschen erkennen – Schwanken, Zittern, Ohnmacht

Nun, Sie können Kreislaufstörungen nicht nur bei sich selber bemerken, sondern auch bei anderen Menschen erkennen. Es ist durchaus sinnvoll, wenn Sie solche Veränderungen bei Ihren Mitmenschen erkennen. Folglich können Sie die Betroffene oder den Betroffenen darauf hinweisen. So können dann Maßnahmen ergriffen werden, um mittelfristig einer Ohnmacht vorzubeugen.

Aufgrund unserer alltäglichen Anwendung der unblutigen Kreislaufmessung, haben wir in der Cardiopraxis hier auch messtechnische Erfahrungen und können diese Phänomene besser zuordnen.

Venöse Kreislaufstörungen – nicht lange stillstehen können

Vielleicht ist es Ihnen schon mal aufgefallen, es gibt Menschen, die können nicht lange stillstehen. Dabei ist es durchaus normal, dass jeder Mensch beim Stehen sich leicht hin und her bewegt, z.B. von einem Fuß auf den anderen tritt. Allerdings kennen Sie sicherlich auch solche, die sich bei einem Gespräch im Stehen sehr schnell das Bedürfnis haben sich zu setzen.

Die Tendenz sich rasch hinzusetzen ist eine instinktive Vorbeugungsmaßnahme, um Kreislaufstess im Stehen oder gar einen Ohnmachtsanfall zu vermeiden.

Venöse Kreislaufstörungen – kompensatorisches zirkulatorisches Schwanken

Vor allen Dingen bei älteren und sehr muskelschwachen Menschen können Sie beobachten, wie diese im Stehen hin und her schwanken. Hierbei handelt es sich um ein Ausgleichsverhalten. Dieses dient dazu über eine wechselnde Anspannung der Muskeln den venösen Rückstrom in den Beinen zu unterstützen und Symptome zu vermeiden. Wir nennen dieses Phänomen das „kompensatorische zirkulatorisches Schwanken„.

Venöse Kreislaufstörungen – kompensatorisches zirkulatorisches Muskelzittern 

In seltenen Fällen können Sie beobachten, dass ein Mensch ausschließlich im Stehen zittert. Die Neurologen nennen es „orthostatischer Tremor„. Da dieses Phänomen ausschließlich im Stehen auftritt und im Sitzen verschwindet, kann eine Störung des venösen Rückstroms angenommen werden. Wir können es auch „kompensatorisches zirkulatorisches Muskelzittern“ nennen. Die Störung des venösen Rückstroms ist hier der Auslöser, was eine notwendige bzw. eine überschießenden Ausgleichsreaktion zur Folge hat.

Menschen mit einer besonders starken Störung des venösen Rückstroms sind hier besonders gefährdet, wenn Sie einer extremen Belastungssituation, z.B. längerem Stehen in der Sonne ausgesetzt sind. Kofaktoren, wie z.B. Magnesium, eine Entzündung oder auch bestimmte Medikamente, die allesamt einen gefäßerweiternden Einfluss auf die Venen haben, begünstigen diese kritische Kreislaufsituation. – Es droht ein Ohnmachtsanfall!

Nun versucht der Körper diesen drohenden Ohnmachtsanfall über einen besonders starke Adrenalin-vermittelte Aktivierung abzuwenden und den Kreislauf aufrecht zu erhalten.  Folglich setzt ein Muskelzittern ein, welches funktionell betrachtet auch die Muskulatur des Körperstamms betrifft und so den venösen Rückfluss kompensatorisch aufrechterhält.

Sie können das „kompensatorische zirkulatorische Muskelzittern“ als Betrachter ganz deutlich selber sehen, der betroffene Mensch zittert in der Tat am ganzen Leibe. Im Gegensatz zur üblichen Benommenheit bis hin zur Ohnmacht bei den üblichen Kreislaufstörungen, bleibt der Mensch bei „kompensatorischem zirkulatorischem Muskelzittern“ wach und bewusst. Das liegt wahrscheinlich an der sehr hohen Ausschüttung von Adrenalin.

Kompensatorisches Muskelzittern und orthostischer Tremor

Die Neurologen nennen dieses Phänomen des Zitterns im Stehen beschreibend einen „orthostatischer Tremor„, welcher eine sehr hohe Schlagfrequenz von 13-18 Aktionen pro Sekunde hat. Inwieweit es sich hier um eine Verstärkung des normalen und üblicherweise nicht sichtbaren physiologischen Tremors mit ca. 7 Aktionen pro Sekunde handelt ist nicht klar.

Klar ist allerdings, dass das kompensatorische zirkulatorische Zittern bzw. der orthostatische Tremor immer im Stehen auftritt und im Sitzen verschwindet. Von Seiten der Kreislaufmedizin gesehen betrachten wir dieses Phänomen daher eher funktionell bezogen auf die Auslösesituation bzw. eine ursächliche Kreislaufstörung.

Die neurologische Betrachtungsweise führt in der Regel zu einem rein symptomatischen und medikamentöse Therapieansatz, z.B. mit Benzodiazepinen oder Gabapentin. Der kreislaufmedizinische Ansatz hingegen zielt mit einer Stärkung der Muskulatur ursächlich auf die therapeutische Normalisierung des venösen Rückflusses ab.

Sei es, dass es sich um eine primär neurologische Störung Signalverarbeitung oder um eine primäre Kreislaufstörung handelt, eine Normalisierung des venösen Rückstroms, z.B. durch physiotherapeutisch angeleitetes Beckenboden-Training muss hier immer Teil des Behandlungskonzeptes sein, langfristig ist gutes Yoga therapeutisch.

Kreislaufstörungen – rationale Diagnostik und Therapie

Bemerken Sie bei sich oder anderen Menschen Symptome eines gestörten Kreislaufs, dann ist immer auch ein Besuch bei einer Kreislaufspezialistin bzw. bei einem -spezialisten sinnvoll. Hier sollten Ihr Herz sowie der venöse als auch der arterielle Kreislauf differenziert untersucht werden. Die unblutige Kreislaufmessung mit dem Finapres-System kann hier wertvolle Hinweise geben. Auch die Einnahme von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln muss im Hinblick auf ihre Kreislaufwirkung kritisch hinterfragt werden.

Auf der Grundlage von rationalen Messdaten kann so ein Therapiekonzept erarbeitet werden. Dieses zielt auf die Stärkung der Muskulatur der Beine, des Beckenbodens, des Körperstamms und des Zwerchfells und damit auf Behebung der Ursachen der Kreislaufstörungen ab.

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Der Kreislauf ist ein dynamisches hydraulisches System: Blut fließt mit Druck vom Herz über die Arterien zu den Organen und Muskeln – und schließlich über die Venen wieder zurück zum Herz. Der Kreislauf hat verschiedene lebenswichtige Funktionen.

Wichtige Messgrößen für den Zustand des Kreislaufs sind der Blutdruck (mmHg) und der Blutfluss (l/min). Zudem der Gefäßwiderstand, der sich aus Blutdruck und -fluss ergibt.

Häufig wird in der Praxis das Herzkreislauf-System (z.B. bei Bluthochdruck, Herzschwäche) ausschließlich über den Blutdruck bewertet. Das ist unvollständig und führt meist zu Fehlbewertungen und Nebenwirkungen von Medikamenten.

Nur wenn man sowohl Blutdruck als auch Blutfluss untersucht, kann eine optimale Therapie eingeleitet werden.
Um den Blutfluss zu messen, gibt es zwei Möglichkeiten:

  • blutig: per Herzkatheter
  • unblutig: photo-plethymografisch am Finger (Finapres®️ = Goldstandard)

Das Finapres®️-System verfügt auch über die Möglichkeit der Messung der Empfindlichkeit des Baroreflexes und wir setzten es hier auch bei der Diagnostik von Ohnmachtsanfällen beim Baroreflex-Test ein.

Der Umgang mit dem Finapres®️-System erfordert Erfahrung, ein gutes wissenschaftliches Grundlagenwissen und komplexes Denken. In der Cardiopraxis führen wir seit 2011 jährlich etwa 2.400 Messungen mit dem Finapres®️-System durch und haben damit sehr viel Erfahrung. Für unsere Patienten heißt das: erfolgreiche Kreislaufeinstellung mit möglichst wenigen Medikamenten und wenigen Nebenwirkungen.

Weiter mit..Komplette Kreislaufmessung – Wie geht das?

Im Bild: William Harvey, Arzt

 

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Das Autonome Nervensystem erfüllt eine Reihe überaus wichtiger Funktionen: Es reguliert unbewusst unseren Kreislauf und Stoffwechsel und bestimmt damit unser Befinden und unsere Leistungsfähigkeit. Mit sensitiven Messsystemen für Kreislauf und Stoffwechsel lassen sich so auch Rückschlüsse auf das Befinden ziehen.

Im Rahmen des Kreislaufes reguliert der Blutfluss die Nährstoffversorgung und Temperatur des Körpers. Messen lässt sich der Blutfluss mit der unblutigen Finapres®-Methode, einem photopletysmografischen Verfahren.

Ein Indikator für die Stoffwechselaktivität eines Menschen ist seine Ohrtemperatur. Messen lässt sich diese zum Beispiel mit dem System Koogeek®️.

Bei Menschen mit Übergewicht und gesteigertem Stoffwechsel passiert Folgendes: Ihre Temperatur ist erhöht, was zu Unruhe (thermischem Stress) führt. Um besser Wärme durch das isolierende Fett abgeben zu können, ist ihr Blutfluss tendenziell höher. Wenn kein Ausgleich (z. B. Bewegung, Gewichtsreduktion) erfolgt, bleibt die Unruhe.

Bei Menschen mit Normalgewicht und herabgesetztem Stoffwechsel sieht der Prozess genau umgekehrt aus. Ihr Temperatur-Sollwert wird unterschritten und durch einen niedrigen Blutfluss versucht der Körper, Wärme zu konservieren. Wenn ihr Blutfluss zu gering ist, sinkt auch ihre Leistungsfähigkeit.

 

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Die Schlafseite in der Nacht – Blutdruck, Blutfluss und Befinden

„Wer rechts liegt, schont das Herz“ titelte die Welt am Sonntag am 1. Juli 2018 – aber so einfach ist es nicht! Denn die Belastung des Herz-Kreislaufsystems durch eine bestimmte Seitenlage ist individuell unterschiedlich.

Zu Thema „Kreislauf und Schlaflage“ werden Sie einiges im Internet finden, vieles ist davon Unsinn. Sie werden zu diesen Zusammenhängen auch wenige wissenschaftliche Daten finden. In der Cardiopraxis verfügen wir durch das Finapres-System über langjährige messtechnisch quantifizierte Erfahrung bei Kreislaufveränderungen in unterschiedlicher Körperlage. Das hat auch Konsequenzen bei der Behandlung von verschiedenen Erkrankungen. Hier haben wir gute Erfahrungen bei Schlafstörungen, sowohl bei erhöhtem als auch bei erniedrigtem Blutdruck sowie bei Herzschwäche und Herzklappenfehler gemacht.

Schlafseite – individuell unwillkürlich oder willkürlich? 

Fast alle Menschen haben eine bevorzugte Schlafseite, viele schlafen auf der rechten Körperseite, nicht wenige auf der linken Seite und manchen schlafen sogar gerne auf dem Bauch. Der Grund dafür, dass Sie eine bestimmte Schlafseite wählen ist meistens instinktiv, d.h. Sie fühlen sich auf dieser Seite innerlich am wohlsten und ruhigsten, wir nennen das die unwillkürliche Schlafseite. Haben Sie andere Gründe für die Wahl einer Seite, z.B. liegen Sie gerne zum Fenster hin oder vom Partner abgewandt, dann nennen wir das die willkürliche Schlafseite.

Schlafseite – Blutdruck, Blutfluss und Gefäßwiderstand unterschiedlich 

Der Blutdruck kann auch bei Ihnen z.B. zwischen der Rechts- und der Linksseitenlage bis zu 40 mmHg unterschiedlich sein. Diese Erkenntnisse zum Blutdruck sind durch die polysomonografischen Messungen aus der Schlafmedizin bekannt.

Was nicht bekannt ist, sind der Einfluss der Seitenlage im Liegen auf differenzierte Kreislaufparameter. In der Tat ist es so, dass Kreislaufwerte, so z.B. Blutdruck, Blutfluss und Gefäßwiderstand ebenfalls in wechselnder Seitenlage unterschiedlich sind. In der Cardiopraxis haben wir, dank der Möglichkeit zur differenzierten Kreislaufmessung mit dem Finapres-System diesbezüglich umfangreiche Erfahrungen.

Unsere Betrachtung beginnt immer mit der Bestimmung des Durchmessers der unteren Hohlvene, die sauerstoffarmes Blut zum Körper zurückführt. In der Regel ist so, dass auf der Körperseite, auf der die untere Hohlvene weiter gestellt ist, auch der Blutfluss höher und der arterielle Blutdruck bzw. der errechnete Gefäßwiderstand niedriger sind. Das Herz-Kreislaufsystem ist somit prinzipiell mehr entlastet. Wir gehen hier von einem Schutzreflex aus, der die anatomischen Strukturen, z.B. die dünne Muskulatur der Vorkammern vor Überdehnung schützt: weite Vene bedeutet erhöhte Wandspannung in der Herzvorkammer und hat zu entlastender Arterienweitstellung.

Grundsätzlich stellt dieser Zusammenhang den Normalzustand dar, auf einer Seite ist der Gefäßwiderstand immer niedriger als auf der anderen. Die am besten entlastete Seite wird häufig instinktiv als die unwillkürliche Schlafseite gewählt. In etwa 30 % der Fälle wird der Kreislauf in Linksseitenlage besser entlastet als in Rechtsseitenlage.

Kreislauf differenziert im Liegen messen

Liegen bei Ihnen Schlafstörungen bzw. Kreislaufveränderungen, wie zu niedriger oder zu hoher Blutdruck oder auch eine Herzschwäche bzw. ein Herzklappenfehler vor, dann führen wir bei Ihnen eine sog. Rotationsmessung im Liegen durch.

Wir beginnen indem wir den Durchmesser der unteren Hohlvene direkt vor dem Übergang zur rechten Vorkammer des Herzens in unterschiedlicher Seitenlage im Liegen bestimmen. Dann schließen die Messungen im arteriellen Gefäßkreislauf an. Hier leiten wir mit dem Finapres-System die differenzierten Kreislaufparameter wie Blutfluss, Gefäßwiderstand und als Maß für das neuro-vegetative Gleichgewicht die Baro-Rezeptorsensitivtität in unterschiedlicher Seitenlage ab.

Die Dauer der Untersuchung beträgt ca. 10 Minuten, die Auswertung dauert etwa 5 Minuten.

Unsere Erkenntnisse zu den Veränderungen des Kreislaufs setzen wir immer wieder bei gesundheitlichen Störungen ein.

Schlafseite in der Nacht – Schlafstörungen

Leiden Sie unter Schlafstörungen, vor allen Dingen unter Einschlafstörungen und liegen willkürlich auf der Herz-belastenden Seite, dann können wir Ihnen den praktischen Hinweis geben, die Schlafseite zu wechseln. Das hat manchmal zur Folge, dass mit Ihrem Partner die Bettseite tauschen (um weiter zu- oder abgewandt zu liegen) oder auch mal das Bett umstellen (um weiter zum Fenster oder der Tür zu liegen).

Schlafseite in der Nacht – Bluthochdruck

Wenn bei Ihnen ein erhöhter Blutdruck vorliegt, dann raten wir Ihnen in der Regel dazu auf der Niederdruck-Seite zu schlafen. Das hat nicht nur zur Folge, dass Ihr Herz besser entlastet ist, sondern kann auch zu einer Verbesserung der Blutdruckeinstellung insgesamt beitragen. Es ist nämlich so, dass beim krankhaften Bluthochdruck der Sollwert im Regelkreis der Blutdruck nach oben verstellt ist. Durch konsequentes Schlafen auf der Niederdruck-Seite kann der Sollwert nach unten normalisiert werden.

Schlafseite in der Nacht – Benommenheit, Schwindel, Ohnmacht

Gerade bei jüngeren Menschen kommt häufig die Kombination aus niedrigem Blutdruck und Benommenheit bis hin zu Ohnmachtsanfällen vor. Jüngere Menschen schlafen meistens tiefer und in Kombination mit dem Schlaf auf der Niedrigdruck-Seite, kann das Probleme zur Folge haben. Gerade diese Kombination hat zur Folge, dass der Sollwert für den Blutdruck in der Nacht auf einen zu niedrigeren Wert eingestellt wird. Das führt dann am Tag, wenn das Gehirn auch im Stehen richtig durchblutet werden muss, zu den bekannten Problemen. Wir sind dann meistens in der Lage mit einer Empfehlung zur Schlaflage gegebenenfalls auch mit unterstützenden mechanischen Maßnahmen Hilfe (Führungswiderstand bei Schlafen) zu leisten.

Schlafseite in der Nacht – Herzschwäche und Herzklappenfehler

Selbstverständlich ist dieser Ansatz zur richtigen Entlastung des Herzens im Schlaf auch von Bedeutung für Menschen mit Herzschwäche bzw. mit Herzklappenfehlern. Wenn das Herz im Schlaf lediglich gegen einen niedrig-normalen arteriellen anstatt einen hohen Gefäßwiderstand anpumpen muss, dann ist es besser entlastet und kann sich besser erholen.

Bei der Aortenklappenstenose, dem häufigsten Herzklappenfehler muss der linke Herzmuskel schon alleine durch die verengte Klappe gegen einen erhöhten Widerstand angepumpt werden. In der Nacht sollte daher gerade hier eine zusätzliche Belastung durch Schlaf auf der Hochdruck-Seite vermieden werden.

Gerade wenn die Aortenklappeninsuffizienz  und/oder der Mitralklappeninsuffizienz, dann wenn als eine Klappe undicht ist, sollte der nachgeschaltete Gefäßwiderstand niedrig sein, so dass bei undichter Klappe möglichst wenig Blut in die linke Haupt- bzw. Vorkammer zurückfließt. Das entlastet im Schlaf nicht nur das Herz, sondern auch die Lunge.

Empfehlung zur richtigen Schlaflage – individuell nur mit differenzierenden Messungen

Wir haben Ihnen in den vorangehenden Ausführungen das normale Kreislaufverhalten bei unterschiedlicher Seitenlage geschildert. Von diesem Normalzustand gibt es allerdings einige Ausnahmen. Wir sehen diese immer wieder bei Menschen mit niedrigem Blutdruck und Benommenheit, bei Bluthochdruck, bei Herzschwäche. Auch der Einsatz von Herz-Kreislaufmedikamenten verändert das Kreislaufverhalten im Liegen.

Wir raten daher von der alleinigen Messung des Blutdrucks als Maß für die Entlastung des Herz-Kreislaufsystems ab. Dieses Vorgehen kann Fehldiagnosen und Falschbehandlungen zur Folge haben. Ein vollständige Kreislaufmessung ist gerade bei Veränderungen im Liegen immer die Voraussetzung für richtiges Handeln.

 

 

 

 

 

 

 

Damit der Kreislauf den Körper mit ausreichend Nährstoffen versorgen kann, benötigt er vor allem zwei Voraussetzungen: primär einen adäquaten Druck, um das Gehirn auch gegen die Schwerkraft zu erreichen und sekundär den Blutfluss zur Zufuhr der Nährstoffe.

Entwicklungsgeschichtlich ist das Herz-Kreislaufsystem darauf ausgerichtet, das Überleben im reproduktiven Lebensalter (bis ca. 35. Lebensjahr) zu sichern. Schwere Organerkrankungen wie z. B. Koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz oder Tumore treten daher meistens erst später auf. Für jüngere Menschen wird es gesundheitlich oft dann kritisch, wenn es zu einem starken Blutdruckabfall kommt – bei einer Verletzung mit Blutungsschock oder einer Entzündung mit Kreislaufschock (Sepsis) zum Beispiel.

Der Körper hat eigene Ausgleichsysteme, die den Druck aufrechterhalten, etwa durch Adrenalin. Bei einer Herzerkrankung kann ein Übermaß an Adrenalin allerdings schädlich sein.

 

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Entzündliche Hauterkrankungen (z.B. Atomische Dermatitis) setzen bestimmte Botenstoffe frei, die auf den ganzen Körper wirken können. Dabei kann sich auch die Körperkerntemperatur erhöhen.

Dadurch können sich die Arterien weitstellen und der Kreislauf „überdreht“. Das ebenso ausgeschüttete Adrenalin und Noradrenalin kann zu Symptomen wie z. B. Unruhe, Erschöpfung und Schlafstörungen führen.

Vitamin D kann eine solche entzündliche Hauterkrankung günstig beeinflussen – und damit auch den Kreislauf. Zwar ist die wissenschaftliche Datenlage zu Vitamin D bei Hauterkrankungen nicht eindeutig, ein Therapieversuch kann aber trotzdem sinnvoll sein.

 

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Der Kreislauf wird durch 2 Regelkreissysteme stark beeinflusst: Druckregulation und Temperaturregulation.

Die Druckregulation sorgt für einen stabilen Blutdruck und Blutfluss, um alle Organe ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen, auch gegen die Schwerkraft. Ein niedriger Druck führt zu Benommenheit, kein Druck über mehr als 10 Sekunden gar zu Bewusstseinsverlust. Wenn der Blutfluss weniger als 80 % des unteren Grenzwertes beträgt, resultiert auch das in Benommenheit und Leistungseinschränkung.

Als zweites Regelkreissystem sorgt die Thermoregulation dafür, dass der Körper eine stabile Körperkerntemperatur aufrechterhält, damit die biochemischen Prozesse in den Organen auch bei extremen Außentemperaturen funktionieren können. Weitgestellte Gefäße führen dabei zu einem Wärmeverlust, enggestellte Gefäße dagegen zu einer Konservierung von Wärme.

Wichtig zu wissen: Die Druck- und Thermoregulation können gemeinsam, aber auch unabhängig voneinander zu Bluthochdruck führen.

 

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Das Herz pumpt 135 bis 263 Millionen Liter Blut pro Leben – das entspricht über 273.000 Fässern Wein, eine ganze Menge also.

Der Kreislauf hat 3 Hauptfunktionen: den Transport von Energie- und Baustoffen, den Transport von Temperatur und den Transport von Signalen.

Zu den Energie- und Baustoffen, die er transportiert, zählen Sauerstoff, Kohlenhydrate, Eiweiß, Fette, Vitamine und Mikronährstoffe. Für den Transport braucht der Kreislauf eine Menge Power: Etwa 3/7 des arteriellen Einstroms fließt gegen die Schwerkraft zum Gehirn, 4/7 des venösen Rückstroms kämpfen ebenso gegen die Schwerkraft an. Die Versorgung des Gehirns ist dabei besonders wichtig: 10 Sekunden ohne Druck und Sauerstoff machen einen Menschen bereits bewusstlos!

Wärme bzw. Temperatur transportiert der Kreislauf, um die für biochemische Prozesse so wichtige stabile Kerntemperatur im Körper aufrechtzuerhalten. Dabei wird etwa 30 % der Wärmeabgabe über die Gefäße gesteuert: Sind die Gefäße weit, wird viel Wärme abgegeben; sind sie eng, dann wird mehr Wärme im Körper gehalten. Das ist vor allem wichtig bei wechselnden Jahreszeiten und erklärt auch, warum sich der Kreislauf im Sommer und Winter unterschiedlich verhält.

Auch Signale transportiert der Kreislauf. Zum Beispiel Hormone über die Blutbahn (langsames System) und Signale über die Nervenleitungsbahnen (schnelles System).

 

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