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Stoffwechselwege von aktivierendem Neurotransmitter – ein einfaches Modell

In der der Cardiopraxis befassen wir uns zunehmend mit den Stoffwechselwegen der aktivierenden Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Serotonin und Adrenalin. Diese haben nicht nur einen Einfluss auf Ihr emotionales Befinden und Verhalten, sondern auch auf das Herz-Kreislaufsystem, wie z.B. den Blutdruck und Herzrhythmus.

Um die Wirkung von aktivierenden Neurotransmittern besser verstehen zu können, müssen wir uns mit den Prinzipien ihres Stoffwechsels befassen.

Neurotransmitter sind Botenstoffe zur Signalübertragung

Neurotransmitter sind Botenstoffe, die eine Nachricht vermitteln, entweder zwischen 2 Nerven oder zwischen einem Nerv und einem Endorgan, z.B. dem Herz.  Kurzum, Neurotransmitter dienen der Kommunikation, vor allen Dingen im Gehirn, dem Hauptort der Informationsverarbeitung für Außeneinflüsse der Umwelt. Darüber hinaus sind sie z.T. auch über das vegetative Nervensystem Signalübermittler zwischen Gehirn und den übrigen Anteilen des Körpers.

Meistens sind es mehrere Stoffwechselschritte für die Bildung von   aktivierenden Neurotransmitter aus jeweils einer Aminosäure notwendig. So nehmen wir z.B. die Aminosäure L-Phenylalanin mit der Nahrung auf und aus ihr entsteht durch verschiedene Umbauprozesse z.B. der Neurotransmitter Dopamin. Da die aktivierenden Neurotransmitter nur eine Aminosäure beinhalten, nennen wir sie folglich auch Monoamine.

Stoffwechsel von Neurotransmittern – ein einfaches Modell

Betrachten wir den Stoffwechsel von aktivierenden Neurotransmittern, dann können wir grundsätzlich 4 Ebenen unterscheiden:

  • Bildung
  • Wirkung
  • Speicherung
  • Abbau

An diesen Prozessen sind verschiedene Faktoren beteiligt. Vereinfacht betrachtet sind es:

  • Nährstoffe
  • Gene
  • epigenetische Faktoren
  • Enzyme
  • Enzym Ko-Faktoren
  • Rezeptoren

Dabei müssen alle Prozesse und deren Faktoren im Gleichgewicht sein, damit Sie gesund und leistungsfähig sind.

Enzyme und Ko-Faktoren

Enzyme sorgen dafür, dass Neurotransmitter meist über mehrere Stoffwechselschritte gebildet werden. Diese Enzyme sind großmolekulare Eiweiße, die die Bildung als Katalysatoren erheblich beschleunigen, ohne dass sie sich selber dabei strukturell oder funktionell verändern. Hat ein Enzym einen Stoffwechselschritt durchgeführt, dann steht es für eine erneute Stoffwechselleistung wieder zur Verfügung, solange die richtigen Ko-Faktoren vorhanden sind.

Enzyme benötigen in der Regel einen oder mehrere Ko-Faktoren, um richtig zu funktionieren. Diese Ko-Faktoren sind zwar für das einzelne Enzym spezifisch, können aber bei verschiedenen Enzymen ganz unterschiedlich sein. Sie kommen häufig aus der Gruppe der sog. Mikronährstoffe; die bekanntesten sind Vitamine und Mineralien, so z.B. Vitamin B6 oder Magnesium.

Für jedes Enzym gibt es einen oder mehrere optimale Ko-Faktoren. Oder anders gesagt, für jedes Schloss gibt es den passenden Schlüssel. Nur zusammen mit dem optimalen Ko-Faktor kann das einzelne Enzym den spezifischen Stoffwechselschritt mit maximaler Geschwindigkeit durchführen.

Nun gibt es auch nicht-optimale Ko-Faktoren, die eine Stoffwechselschritt verlangsamen oder sogar blockieren können. Optimale und nicht-optimale Ko-Faktoren konkurrieren um die Bindungsstelle am Enzym. So kann es z.B. sein, dass der optimale Ko-Faktor Magnesium durch den nicht-optimalen Ko-Faktor Kalzium verdrängt wird.

Enzyme – Ko-Faktoren als regulierender Faktor

In einer Zelle kommt derselbe Enzymtyp mehrmals vor, da ein einzelnes Enzym die notwendige Syntheseleistung alleine nicht erbringen könnte. Für die Geschwindigkeit eines Stoffwechselschritts ist neben der Substratkonzentration und der Temperatur auch das Gleichgewicht zwischen folgenden Zuständen von Enzymen wichtig:

  • nicht besetzte Enzyme ohne Ko-Faktor
  • Enzyme mit optimalem Ko-Faktor
  • Enzyme mit nicht-optimalem Ko-Faktor

So konkurrieren optimale und nicht-optimale Ko-Faktoren um die Bindungsstelle an mehreren Enzymen eines Typs. Je nachdem wie diese Ko-Faktoren, optimale und nicht-optimale, in einem quantitativen Gleichgewicht zu einander stehen, läuft der Stoffwechselweg aller Enzyme desselben Typs in Summe schneller oder langsamer. Anders formuliert, sind viele nicht-optimale Ko-Faktoren vorhanden, dann läuft der Stoffwechselschritt langsam, sind viele optimale Ko-Faktoren vorhanden, dann läuft er schneller.

Hieraus wird deutlich, dass Ko-Faktoren eine wichtige Regulierungsfunktion für Stoffwechselwege haben. Diese Zusammenhänge haben vor dem Hintergrund der unkontrollierten Zufuhr von freiverkäuflichen Nahrungsergänzungsmitteln eine erhebliche Bedeutung. Wird das Gleichgewicht, sei es entweder durch ein Übergewicht von nicht-optimalen aber auch von optimalen Ko-Faktoren eines Enzyms gestört, dann können negative gesundheitliche Folgen auftreten.

Wir kennen das aus der Praxis sehr gut z.B. von der übermäßigen Zufuhr von Vitamin B6 (Umwandlung von L-Dopa zu Dopamin durch L-Aminodecarboxylase). Nicht nur kann die Überbehandlung mit Vitamin B6 schwere neurologische Störungen zur Folge haben, sondern es tritt hierunter auch eine übersteigerte Stoffwechselaktivität auf, die z.T. vermittelt durch Neurotransmittern innere Unruhe, Gereiztheit, Schlafstörungen, Schwitzen und Kreislaufprobleme nach sich zieht.

Gene und epigenetische Faktoren steuern die Bildung von Enzymen

Enzyme werden als Eiweißstoffe selber durch ein einzelnes Gen bzw. mehrere Gene gebildet. Spezifische Gene liegen im Zellkern einer Zelle und sind für die Bildung von Enzymen gewissermaßen Schnittmustervorlagen.

Gene können in ihrer Funktion an- und abgeschaltet werden. Die Faktoren, die das bewirken sind unter anderem “epigenetische Faktoren”. Epigenetik bedeutet vereinfacht “beim Gen”. Ähnlich wie die Ko-Faktoren bei den Enzymen haben sie somit eine regulierende Funktion.

Die Epigenetik ist ein verhältnismäßige neues Wissenschaftsgebiet. Gerade in der Tumorforschung wird hier nach epigenetischen Einflussfaktoren sowohl für die Bildung als auch die Behandlung von Tumorerkrankungen intensiv geforscht.

Bei der Regulierung des Herz- Kreislaufsystem durch aktivierende Neurotransmitter spielen epigenetische Einflussgrößen ebenfalls eine wichtige Rolle. Nach unseren Erfahrungen in Verbindung mit systematischen wissenschaftlichen Erkenntnissen haben hier z.B. Vitamin D und die Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron eine hervorzuhebende Bedeutung.

Vitamin D induziert die Bildung des Enzyms Tyrosin-Hydroxylase (Umwandlung von Tyrosin in L-Dopa). Testosteron induziert genetisch die vermehrte Bildung der Catechol-O-Methytransferase (COMT) und Monoaminooxidase (MAO), was wiederum einem beschleunigten Abbau aktivierenden Neurotransmitter verbunden ist. Östrogen hingegen verlangsamt über eine verringerte Synthese von COMT und MAO den Abbau von aktivierenden Neurotransmittern.

Sie können sich sicherlich vorstellen, dass diese Zusammenhänge nicht nur für Ihr emotional gesteuertes Verhalten, sondern auch die Regulierung des Herz-Kreislaufsystems eine wirkmächtige Bedeutung haben.

Signalstärke von Neurotransmittern

Sind die aktivierenden Neurotransmitter einmal gebildet, dann werden sie durch ein Signal im Nerven aus der Senderzelle in den Zellzwischenraum, den sog. synaptischen Spalt freigesetzt, um das Signal an eine Empfängerzelle zu übertragen. An der Empfängerzelle sitzen in der Zellmembran Rezeptoren, an welche die Neurotransmitter andocken. Über die Rezeptoren werden dann weitere Signalwege innerhalb der Zielzelle aktiviert.

Für die Signalstärke, und ob überhaupt eine Signalübertragung zustande kommt sind mehrere Faktoren wichtig:

  • Signal-sendende Nerven
  • Neurotransmitter
  • Signal-empfangende Nerven
  • Spezifische Rezeptoren für Neurotransmitter

Bei einem Signal durch einen Signal-sendenden Nerv erfolgt immer die Freisetzung mehrerer Neurotransmitter. Für die Entstehung eines Signals spielt zunächst einmal das Vorhandensein von Signal-empfangenden Nerven eine Rolle: ohne Empfänger keine Signalweiterleitung.

Da in der Regel ganze Nervenbündel für die Bildung bzw. Weiterleitung einer bestimmten Signalqualität verantwortlich sind, spielt das zahlenmäßige Verhältnis von sendenden und empfangenden Nerven auch eine Rolle, wobei auch mehrere Sender an einem Empfänger andocken können

Weiterhin hat auch das quantitative Verhältnis von Neurotransmittern zu ihren spezifischen Rezeptoren eine Bedeutung. So kann z.B. trotz zahlreicher Neurotransmitter im synaptischen Spalt ein Signal nicht übertragen werden, wenn auf der Signal-empfangenden Seite wenige oder gar keine Rezeptoren vorhanden sind.

Rezeptoren für Neurotransmitter

Wir ein aktivierender Neurotransmitter durch ein Signal aus dem Signal-sendenden Nerv freigesetzt, dann befindet er sich zunächst im Zwischenraum zwischen 2 Nerven, dem sog. synaptischen Spalt. Er dockt dann, gemäß dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an spezifische Rezeptoren auf der Signal-empfangenden Zelle an. Der Rezeptor löst dann in der Signal-empfangenden Zelle eine intrazelluläre Signal-Kette aus und das Signal wird dann im Nerv weitergeleitet.

Rezeptoren werden selber durch Gene gebildet und werden selber durch spezifische epigenetische Faktoren und zum Teil über Rezeptor-spezifisch Ko-faktoren reguliert. Weitere Regulierungsmöglichkeiten sind die Ansprechbarkeit von Rezeptoren und die die Rezeptorblockade.

Wenn ein Rezeptor vermittelt durch einen Neurotransmitter ein Signal in die Signal-empfangenden Zelle übertragen hat, dann ist er danach für eine bestimmte Zeit inaktiv, d.h. er steht für eine erneute Signalübertragung nicht zur Verfügung. War das gesendete Signal aller Signal-sendenden Nerven quantitativ sehr stark, dann kann im Sinne einer Erschöpfung der ganze Signalweg für eine bestimmte Zeit blockiert sein. Folglich bleiben weitere Signale durch den Signal-sendenden Nerv wirkungslos.

Blockade von Neurotransmitterrezeptoren als therapeutisches Prinzip

Neurotransmitter und Rezeptor sind im Sinne des Schlüssel-Schloss-Prinzips spezifisch füreinander optimal passend. Ähnlich wie bei den Ko-Faktoren der Enzyme kann aber eine nicht-optimal passende Substanz den Rezeptor für den optimal passenden Neurotransmitter und damit die Wirkung desselben blockieren. Diese Blockade kann kompetitiv sein, d.h. die Signalübertragung wird durch das quantitative Verhältnis von optimal-wirkenden Neurotransmittern zu blockierenden Substanzen bestimmt. Allerdings gibt es auch eine nicht-kompetitive Hemmung, bei der der Rezeptor irreversibel blockiert ist, was in gewisser Weise einer Vergiftung entspricht.

In der Herz-Kreislaufmedizin wird das Prinzip der kompetitiven Rezeptorblockade, z.B. bei der Therapie mit Beta-Rezeptoren Blockern zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen regelmäßig eingesetzt. Wenn die Beta-Rezeptoren am Herz besetzt sind, dann können Noradrenalin und Adrenalin am Herzen nicht ihre volle Wirkung mit Steigerung von Herzfrequenz und Pumpkraft entfalten.

Wir können die kompetitive Hemmung durch den Beta-Rezeptoren Blocker übrigens sehr schön in der Stressechokardiografie beobachten. Menschen unter Beta-Blockertherapie weisen hier zunächst in Ruhe eine träge Pumpleistung auf. Mit zunehmender Belastung, und damit adrenerger Aktivierung gewinnen Noradrenalin und Adrenalin an den Herzmuskelzellen die Oberhand und die Pumpkraft steigt deutlich an; manchmal hat man als Untersucher den Eindruck, als sei ein Schalter umgelegt.

Wiederaufnahme von Neurotransmittern

Hat ein Neurotransmitter seine Funktion am Rezeptor des Signal-empfangenden Nerv erfüllt, dann löst er sich wieder, so dass er sich zunächst frei im Zwischenraum zwischen Signal-empfangenden und Signal-sendendem Nerven, dem sog. synaptischen Spalt befindet. In Einzelfällen finden sich an der Außenseite der Zellmembranen, der äußeren Zellgrenze hier Enzyme, die den Abbau des Neurotransmitters bewirken.

In den meisten Fällen werden die freien Neurotransmitter allerdings über einen Wiederaufnahmekanal erneut in den Signal-sendenden Nerv aufgenommen. Bei Wiederaufnahmekanälen handelt es sich um Eiweißstrukturen, die ebenfalls auf der Grundlage von Genen gebildet werden. Somit kann durch genetische Varianten die Wiederaufnahme von Neurotransmittern von Mensch-zu-Mensch unterschiedlich sein: beim einen ist die Wiederaufnahme schneller, beim anderen langsamer.

Die Funktion von Wiederaufnahmekanälen wird bei den aktivierenden Neurotransmittern auch therapeutisch genutzt. So verwenden wir bei der Behandlung von Depression die sog. Serotonin-bzw. die Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer. Durch die Blockade der Wiederaufnahme wird die Konzentration des Neurotransmitters im synaptischen Spalt erhöht und die Wirkung am Signal-empfangenden Nerv gesteigert.

Werden die Neurotransmitter über den Wiederaufnahme-Kanal wieder in den Signal-sendenden Nerv aufgenommen, dann werden sie entweder gespeichert oder abgebaut.

Speicherung von Neurotransmittern

In der Regel speichert der Signal-sendenden Nerv die Neurotransmitter nach ihrer Wiederaufnahme. Dieses geschieht in kleinen Speicherbläschen, sog. Speichervesikeln. Um in ein Speichervesikel zu gelangen, muss der Neurotransmitter erneut einen Transporter-Kanal, der ebenfalls aus Proteinen besteht, passieren. Der Transporter, in der Regel der Vesikuläre Monoamintransporter 2 (VMAT2) ist für alle aktivierenden Neurotransmitter (Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin) gleich.

In den Vesikeln sind die Neurotransmitter vor den abbauenden Enzymen, die innerhalb der Zelle, aber außerhalb der Vesikel liegen, geschützt. Wird der Signal-sendende Nerv erneut aktiviert, dann stehen die Neurotransmitter in den Vesikeln für eine erneute Signalübermittlung an den Signal-empfangenden Nerv zur Verfügung.

Wir nutzen die Funktion eines Vesikel-Transporters auch therapeutisch. Der Blockade des Transporters VMAT2, z.B. durch Reserpin kann bei zu starker neurovegetativer Aktivierung z.B. zur Behandlung des Bluthochdrucks oder bei innerer Unruhe und Angstzuständen therapeutisch eingesetzt werden. Kurzum, Reserpin blockiert die Aufnahme von aktivierenden Neurotransmittern in die schützenden Vesikel. Folglich bauen dann Enzyme die Neurotransmitter außerhalb der Vesikel  vermehrt ab.

Abbau von Neurotransmittern

Der Abbau von aktivierenden Neurotransmittern erfolgt überwiegend innerhalb des Signal-sendenden Nervs. Ebenso wie bei der Bildung von Neurotransmittern spielen bei ihrem Abbau Enzyme eine entscheidende Rolle. Dabei sind wieder die Aktivität, Gene und Ko-faktoren von regulierender Bedeutung.

Von hervorgehobener Bedeutung sind hier die Enzyme Catechol-O-Methytransferase (COMT) und die Monoaminooxidasen (MAO). Für COMT und MAO kennen wir genetische Varianten. So gibt es bei Menschen alleine schon genetisch bedingt eine hohe, mittlere und niedrige Abbaurate von aktivierenden Neurotransmittern durch COMT bzw. MAO. Ist die Abbaurate z.B. niedrig, dann “stauen” sich die Neurotransmitter vor dem Enzym und es liegt bei diesem Menschen eher ein gesteigertes Aktivitätsniveau vor. Ist die die Abbaurate hoch, dann ist das Aktivitätsniveau eher niedrig.

In Bezug auf das menschliche Verhalten bedeutet dieses eine höhere bzw. niedrigere Irritabilität und erklärt so auch zum Teil das unterschiedliche Temperament zwischen einzelnen Menschen. Gerade die genetischen Varianten von COMT und MAO werden in der Verhaltensforschung ausgiebig untersucht. So kann z.B. eine niedrige Aktivität von COMT mit einem “Stau” von Dopamin und Noradrenalin innere Unruhe und eine Neigung zu Panikattacken mit erklären. Eine erhöhte Aktivität von MAO und damit verbunden die gesteigerte Abbaurate des Neurotransmitters Serotonin kann eine Prädisposition für Depressionen bedeuten.

Aktivierende Neurotransmitter – genetische Zusammenhänge gezielt therapeutisch nutzen

Die Kenntnis der genetischen Unterschiede beim Auf- und Abbau von aktivierenden Neurotransmittern ist eine sehr gute Option zur besseren Individualisierung von Therapiemaßnahmen in der Herz-Kreislaufmedizin.

Gerade bei der Behandlung von Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck, die ja nicht nur von Störungen des Organs Herz bzw. der Blutgefäße selber abhängig sind, hat die Kenntnis der individuellen genetischen Voraussetzung für die Wirkung von aktivierenden Neurotransmittern eine zunehmende therapeutische Bedeutung. Nicht nur werden so Verhaltensmuster eher erklärbar, sondern wir können gezielter Empfehlungen bei der medikamentösen Therapie, dem Einsatz von Nahrungsergänzungsmittel und zu den Wirkungen von Hormonpräparaten, seien es Östrogen, Progesteron oder Testosteron geben. Diese haben wiederum eine Wirkung auf Herz und Kreislauf.

 

Literatur

  • Eisenhower et al. Catecholamine metabolism: a contemporary view with implications for physiology and medicine. Pharmacol Rev 2004;331-349

Mehr zu. Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

 

Sehstörungen bei körperlicher Belastung – Ursache Vitamin B6?! 

Wir führen in der Cardiopraxis pro Jahr mehrere tausend Belastungs-EKGs durch. Dabei stoßen wir immer wieder auf ungewöhnliche Befunde. Folgend schildern wir Ihnen 2 Fälle von Männern, die regelhaft über Sehstörungen unter und nach körperlicher Belastung berichteten.

Wo der Mangel schadet, da schadet meistens auch der Überfluss (Franz Imhaeuser)

Fallbericht 1 – Sehstörungen bei Belastung und periphere Nervenschmerzen

In einem Septembermonat stellte sich ein 50-jähriger Mann (Mann I) mit Herzstolpern und Benommenheit bei Belastung in der Cardiopraxis vor. Klinisch war er als Freizeitsportler normgewichtig (BMI 23,0 kg/m2) und in einem sehr guten Trainingszustand.

Die aktuelle kardiologische Diagnostik einschließlich EKG, Belastungs-EKG, Stress-Echokardiografie und nicht-invasiver Kreislaufmessung im Liegen und im Stehen war unauffällig. Ein auswärtig durchgeführtes Langzeit-Blutdruck Monitoring ergab einen Normalbefund, ein Langzeit-EKG zeigte bis auf vereinzelte ventrikuläre Extrasystolen, welche als medizinisch harmlos eingestuft wurden, keinen relevanten Befund.

In der Vorgeschichte war seit 3 Monaten ein polytopes neurologisches Krankheitsbild bekannt. Polytop bedeutet, dass Symptome in verschiedenen Körperregionen auftreten, ohne dass diese durch eine einzelne neurologische Läsion, wie z.B. bei der Verletzung eines peripheren Nervs, erklärt werden können. Der Mann berichtete über Sehstörungen auf beiden Augen, Sprachstörungen mit “Verhaspeln” bei mehrsilbigen Wörtern, die auch im 2. und 3. Anlauf nicht richtig ausgesprochen werden konnten, sowie über intermittierend auftretendes Taubheitsgefühl und Schmerzen der rechten oberen Körperhälfte.

Vor und nach dem Erstbesuch in der Cardiopraxis war eine umfangreiche Abklärung einschließlich fachärztlicher neurologischer, rheumatologischer und Hals-Nasen-Ohren-ärztlicher ohne richtungsweisenden Befund erfolgt. Die augenärztliche Untersuchung hatte eine beidseitige ödematöse Makuladegeneration (rechts >links) ergeben, wobei die Behandlung mit Diamox, Cortison und Magnesium zu einer Verschlechterung der Symptomatik geführt hatten.

Hervorzuheben ist, dass die neurologisch untersuchten peripheren Nervenleitgeschwindigkeiten normal waren. Das Schädel-MRT war ebenfalls komplett unauffällig, d.h. es konnten keine Veränderungen des Sehnervs und auch keine Hinweise auf entzündliche Erkrankung der Gehirnsubstanz, wie z.B. bei Multipler Sklerose festgestellt werden.

Während des Erstbesuchs in der Cardiopraxis wurde auch eine Belastungsuntersuchung durchgeführt. Bei einer mittleren Belastungsstufe gab der Mann über Sehstörungen (“verschwommenes Sehen”) auf beiden Augen an, so dass die Untersuchung abgebrochen wurde. In Rückenlage nahmen die Sehstörungen dann zu.

Fallbericht 1 – Sehstörungen bei Belastung – langsame Besserung nach Absetzen von Vitamin B6

Im weiteren Verlauf gingen die Symptome nach 15-18 Monaten zurück und waren bei einem Folgebesuch 24 Monate nach der Erstvorstellung praktisch nicht mehr vorhanden. Da wir zwischenzeitlich einen ähnlichen Fall (s.u.) betreut hatten, erfolgt nochmals eine genaue Befragung.

Der inzwischen 52-jährige Mann berichtete, dass er zur körperlichen Kräftigung 12 Monate vor der Erstmanifestation belastungsabhängigen Sehstörungen begonnen hatte durchgehend Eiweißprodukte einzunehmen, die hohe Dosen an Vitamin B6 enthielten. Dabei erreichte er Tagesdosen von 300-450% der empfohlen Bedarfsdosis für Vitamin B6. Zusätzlich führte er sich dann mit Beginn der Symptome noch eine weitere Mikronähstoffkombination mit 300% der empfohlenen Tagesdosis an Vitamin B6 zu. Auch ein weiteres Vitamin-B-Komplex Präparat nahm er in unregelmäßigen Abständen immer wieder mal ein. In Summe kam er so auf Vitamin-B6 Spitzenbelastungen von 600-750 % pro Tag, und das zusätzlich zu einer ansonsten sehr gesunden Ernährungsweise. Ca. 6 Monate nach dem Erstbesuch setzte er alle Vitamin B6-haltigen Präparate ab.

Die Symptome waren dann bei einem weiteren Besuch in einem Dezember fast komplett verschwunden. Mann I berichtete, dass die Symptomatik sich im Verlauf gebessert hatte nachdem er Vitamin B6 im Sommer des Vorjahres abgesetzt hatte. Interessanterweise gab er eine jahreszeitliche Abhängigkeit seiner Beschwerden an: im Sommer schlimmer als im Winter. Dabei war die Symptomatik im aktuellen Sommer deutlich geringer ausgeprägt gewesen als im Vorsommer. Bei der aktuellen Untersuchung wurde erstmals Vitamin B6 im Serum bestimmt, was mit 26,7 µg/l (Referenzbereich 3,6-18 µg/l) entsprechend dem 1,5-fachen des oberen Grenzwertes erhöht war.

Fallbericht 2 – Sehstörungen bei Belastung und hohe Vitamin B6-Spiegel im Blut

Ein 51-jähriger Mann (Mann II) stellte sich in einem Novembermonat mit belastungsabhängigen zentralen Sehstörungen (“punktuelle zentrale Ausfälle”) auf beiden Augen (rechts > links) vor. Mann II ist ein hochaktiver Freizeitsportler (Laufen, Kitesurfen) und normgewichtig (BMI 22,0 kg/m2). Die Beschwerden an den Augen hatten vor 3 Monaten, d.h. im August begonnen und in den letzten Wochen waren noch rechtsseitige Kopfschmerzen hinzugekommen. Mann II ist zeichnerisch versiert und hat ein Bild seiner Sehstörungen selber anfertigen können.

Die konventionelle kardiologische Untersuchung war komplett unauffällig. Die Kreislaufmessung ergab bei einer leichten Kälteempfindlichkeit eine sog. Wärmekonservierungskreislauf mit erniedrigten Blutflusswerten (71% des unteren Grenzwertes). Bei hoher Belastungsstufe im Belastungs-EKG traten die Sehstörungen wieder auf, wobei die zentrale Körpertemperatur, gemessen im Ohr von einem Ausgangswert von 36,4 0C auf 36,8 0C angestiegen war. Eine später durchgeführte passive Erwärmung (Sauna, 20 Minuten) blieb symptomfrei.

Eine weiterführende neurologische und augenärztliche Diagnostik einschl. Schädel-MRT waren komplett unauffällig. Auch die visuell evozierten Potentiale, d.h. ein Test der elektrischen Reizweiterleitung von der Netzhaut des Auges bis zur Großhirnrinde ergaben keine pathologischen Auffälligkeiten. Allerdings wurde dieser Test in vollkommener Ruhe und nicht nach körperlicher Belastung vorgenommen. Differentialdiagnostisch wurde Mann II unter dem Verdacht auf eine sog. Augenmigräne empfohlen, vor dem Laufen das Migränemittel Sumatriptan einzunehmen, was allerdings keine Besserung der Symptome unter Belastung zur Folge hatte.

Mann II hatte mittels verschiedener Nahrungsergänzungsmittel beginnenden Monate vor dem Einsetzen der Augensymptome hohe Dosen an Vitamin B6 eingenommen. Zusätzlich zu einer normalen Ernährung führte er so 265% der empfohlenen Tagesdosis an Vitamin B6 zusätzlich zu. Zum Zeitpunkt der Erstdiagnostik in der Praxis betrug der Vitamin B6 Spiegel unter fortlaufender Einnahme 39,3 µg/l (Referenzbereich 3,6-18 µg/l), d.h. das 2,2-fache vom oberen Grenzwert.

Der weitere Verlauf dieses Mannes nach Absetzen von Vitamin B6 Präparaten steht noch aus, da die Befunde relativ aktuell sind.

Sehstörungen bei Belastung – Sport und Vitamin B6

Mit der Vorstellung von Mann II zeigten sich Gemeinsamkeiten mit den Befunden von Mann I. Durch die genauere Angabe der Vitamin-B6-haltigen Nahrungsergänzungsmittel von Mann I konnte im Nachhinein auch eine zeitliche Koinzidenz zwischen der Zufuhr von Vitamin B6 und Symptomatik Mann I erkannt werden. Zusammengefasst waren folgende Übereinstimmungen zwischen beiden Fällen hervorstechend:

  • Sehstörungen bei körperlicher Belastung, d.h. bei aktiver körperlicher Erwärmung
  • Symptombeginn im Sommer, d.h. in der warmen Jahreszeit
  • Vitamin B6 Einnahme in hohen Dosen, d.h. von mindestens 250% der empfohlenen Tagesdosis über einen längeren Zeitraum
  • gut trainierte aktive Freizeitsportler, d.h. regelmäßige Belastung über die Alltagsbelastung hinaus

Schon früh wurde bei Mann I von fachneurologischer Seite der Verdacht auf ein Uhtoff-Phänomen (s.u.) geäußert. Weil allerdings die neurologische Diagnostik einschl. Schädel-MRT keine weiteren Hinweise, z.B. auf eine entzündliche Erkrankung des Gehirns ergeben hatte, wurde bei Mann I der Spontanverlauf abgewartet. Mit der Vorstellung von Mann II haben wir uns dann erneut auf die Suche nach den systematischen Zusammenhängen und Ursachen der Symptome gemacht.

Der Sehnerv – Überträger von elektrischen Signalen

Jeder gesunde Mensch hat 2 Sehnerven, für jedes Auge einen. Ein einzelner Sehnerv hat ca. 1 Millionen Nervenfasern, sog. Axone, die visuelle Reize vom Auge über elektrische Impulse an die hintere Großhirnrinde übertragen, wo sie dann zu bildlichen Informationen verarbeitet werden. Weil im Punkt des schärfsten Sehens in der Netzhaut besonders viele visuelle Rezeptoren liegen, deren Reize weitergeleitet werden müssen, wird hier eine Schädigung der nachgeschalteten Nerven besonders früh wahrgenommen.

Die einzelnen Nervenfasern eines Sehnervs sind umgeben von fetthaltigen Markscheiden, auch Myelinscheiden genannt. Sie können sich das zunächst so vorstellen, wie die Isolation an einem elektrischen Kabel. Die Markscheiden dienen in der Tat der elektrischen Isolation und dem Schutz der Nervenfaser vor Außeneinflüssen. Die Markscheiden weisen im Verlauf Lücken auf, die eine besonders schnelle elektrische Übertragung, eine sprunghafte sog. saltatorische Erregungsüberleitung erlauben.

Sehstörungen bei Belastung – Uhtoff-Phänomen

Reversible Sehstörungen bei körperlicher Belastung, die innerhalb von 24 Stunden wieder verschwinden, wurden erstmals von 1890 von Wilhelm Uhtoff bei Patienten mit Multipler Sklerose beschrieben. Folglich wird dieses Symptom daher auch Uhtoff-Phänomen genannt.

Wilhelm Uhtoff beobachtet diese Symptomatik seinerzeit bei 4% der betreuten Patienten mit Multipler Sklerose. Das setzt eine erstaunliche Beobachtungsgabe voraus, da dieses Symptom in seinem Kollektiv eher selten war und seinerzeit standardisierte Belastungstests, wie z.B. heute das Belastungs-EKG und Freizeitsport nicht üblich waren.

Während Wilhelm Uhtoff die Verbindung zwischen körperlicher Belastung und vorübergehender Sehstörung erkannte, wurde der Zusammenhang der Symptome mit einer Erhöhung der Körpertemperatur 60 Jahre später hergestellt. So wurde dann vorübergehend sogar ein Heißbade-Test als diagnostisches Kriterium die Multiple Sklerose eingesetzt.

Entsprechend sind Faktoren, die zu einem Auslöser für das Uhtoff-Phänomen bzw. dieses begünstigen können:

  • körperliche Belastung
  • emotionaler Stress
  • heißes Bad oder Dusche
  • Sonnenexposition bzw. hohe Außentemperaturen
  • weiblicher Ovulationszyklus (2. Zyklushälfte)
  • heiße Mahlzeiten
  • Fieber

Wir können folglich eine Stoffwechsel-aktive Erwärmung (z.B. körperliche Belastung) von einem weitgehend Stoffwechsel-passivem Auslösemechanismus (z.B. heißes Bad) unterscheiden. Unter theoretischen Gesichtspunkten ist der aktive Auslöser der stärkere Reiz.

Uthoff-Phänomen – Störung der elektrischen Reizweiterleitung im Sehnerv

Das Uhtoff-Phänomen wird auch bei anderen Erkrankungen des Sehnervens, die die Myelinscheide betreffen, so z.B. bei der Neuromyelitis optica beobachtet.

Als Mechanismus, welche zu den Sehstörungen führt, wird die temperaturabhängige elektrische Blockade von teilweise demyelinisierten sensorischen Nervenfasern angenommen. Dabei genügen für eine erkrankte Nervenfaser schon Temperaturunterschiede von 0,2-0,5 0C, dass sich die Nervenleitgeschwindigkeit merklich verändert.

Eine Erweiterung der sog. Ranvierschen Schnürringe als Folge des Verlustes von Markscheidenmaterial hat für Änderungen der Nervenleitgeschwindigkeit die entscheidende Bedeutung. Hierdurch wird die schnelle sog. saltatorische elektrische Erregungsüberleitung in der betroffenen Nervenfaser verlangsamt, so dass die Weiterleitung von zeitlich gleichzeitig stattfindenden visuellen Reizen auf der Netzhaut des Auges zeitlich inhomogen an das Großhirn weitergleitet wird. Da nun aus noch gesunden und kranken Nervenfasern ein Bild in der Großhirnrinde generiert wird, bleibt dieses aufgrund der unterschiedlichen Nervenleitgeschwindigkeiten lückenhaft.

Vitamin B6 und Neurotoxizität- Mangel und Toxizität durch Nahrungsergänzungsmittel

Die wasserlöslichen und neurotropen B-Vitamine haben als sog. Ko-Enzyme eine hervorgehobene Relevanz bei der Aufrechterhaltung eines gesunden Nervensystems. Von besonderer Bedeutung sind hier die Vitamine B1, B6 und B12. Von diesen Vitaminen ist seit der ersten Hälfte des vorherigen Jahrhunderts gut bekannt, dass ein Mangel schwere neurologischen Störungen zur Folge haben kann.

Bei einem schweren Mangel an Vitamin B6 tritt eine strukturelle Schädigung der Myelinscheiden als Ursache für Schäden sowohl der peripheren Nerven als auch des Gehirns auf. Die Veränderungen ähneln dabei sehr stark solchen, die wir von einer anderen demyelinisierenden Erkrankung, der Multiplen Sklerose kennen.

Im Jahr 1983 wurde allerdings auch erstmals berichtet, dass auch eine zu hohe Zufuhr von Vitamin B6 neurologische Symptome zur Folge haben kann. Zahlreiche Fälle werden seit dieser Zeit immer wieder in der Fachliteratur berichtet. In den Niederlanden alleine wurden zwischen 2014 und 2017 mehr als 50 Fälle in einem entsprechenden Register aufgenommen. Die Dunkelziffer dürfte in Anbetracht der Freiverkäuflichkeit und der zunehmenden Selbstmedikation von gesundheitsbewussten Menschen, die meinen, dass sie sich etwas Gutes tun, noch deutlich höher sein.

Vitamin B6 Paradox 

Interessanterweise ist es so, dass die neurologischen Symptome bei einem Vitamin B6 Mangel denen bei einem pathologischen Vitaminüberschuss, einer Vitamin B6 Intoxikation durch Nahrungsergänzungsmittel sehr stark ähneln. In der Wissenschaft wird dieses daher als auch “Vitamin B6 Paradox” bezeichnet. In experimentellen Untersuchungen konnte inzwischen gezeigt werden, dass eine zu hohe Konzentration von Vitamin B6 zu einer funktionellen Störung der Wirkung von Vitamin B6 zur Folge haben kann. Oder anders gesagt, ein quantitativer Überschuss an Vitamin B6 hat eine qualitative Störung der Funktion zur Folge.

Diagnose – Uhtoff-Phänomen durch Vitamin B6 Überdosierung

Bei beiden Männern mit Sehstörungen unter und nach körperlicher Belastung lag nach unseren Erkenntnissen ein Uhtoff-Phänomen vor, welches durch hohe Zufuhr von Vitamin B6 verursacht wurde.

Während bei Mann II das Uhtoff-Phänomen als monotope Störung, d.h. isoliert nur an den Augen auftrat, lagen bei Mann II polytope Symptome mit Beteiligung weiterer peripherer Nervengebiete vor. Bei beiden Männern haben wir gerade bei Mann I an eine entzündliche sog. demyelinisierende Erkrankung, d.h. an das Vorliegen einer Multiple Sklerose gedacht. In beiden Fällen konnte dieser Verdacht nicht bestätigt werden.

Mann I hatte auch eine feuchte, eine sog. ödematöse Makuladegeneration (rechts>links). Dieses kann ein Ko-Faktor bei den Sehstörungen unter Belastung sein, erklärt diese aber nicht alleine.  Dieses gilt umso mehr, da anfänglich zusätzliche neurologische periphere Nervenstörungen in Verbindung mit den belastungsabhängigen Sehstörungen vorlagen; beide Symptome verschwanden bzw. waren 12 Monate nach dem Absetzen von Vitamin B6 fast nicht mehr vorhanden. Weder bei einer Recherche bei Google noch bei PubMed finden sich Einträge zu “uhtoff” in Verbindung mit “macula degeneration” gefunden werden (Stand Januar 2020)

Heilungsverlauf nach Überdosierung von Vitamin B6 plus Sehstörungen unter Belastung

Der Heilungsverlauf nach Absetzen von Vitamin B6 Präparaten ist, wie der Fall von Mann I zeigt, langwierig, d.h. Monate bis Jahre, da Nerven und die umgebenden Markscheiden bekanntermaßen lange brauchen bis sie sich wieder regenerieren. Da eine spezifische Therapie bisher nicht bekannt ist, ist bisher die einzige Behandlungsoption das Absetzen von Vitamin B6 Präparaten und der Spontanverlauf muss abgewartet werden.

Zwar scheint die Prognose auf eine komplette Wiederherstellung der Sehfähigkeit in allen Lebenssituationen eher gut zu sein, bleibende Schäden können allerdings nicht von vorneherein ausgeschlossen werden.

Unklar, und aus unserer Sicht problematisch ist, warum Mann I auch noch Monate nach Absetzen einen erhöhten Vitamin B6-Spiegel vom 1,5-fachen des oberen Grenzwertes hatte. Wir sehen bei anderen Menschen immer wieder leicht erhöhte Vitamin B6 Spiegel, ohne dass sie Vitamin B6 in Form von Nahrungsergänzungsmittel zuführen. Grundsätzlich gilt in der wissenschaftlichen Literatur der Leitsatz, dass eine Intoxikation mit Vitamin B6 durch eine normale Ernährung nicht möglich ist; erst die zusätzliche Einnahme von Vitamin B6 in Form von Nahrungsergänzungsmitteln verursacht gesundheitliche Schäden. Wir sind uns da allerdings nicht so sicher und können hier zu mindestens eine Prädisposition annehmen.

Mögliche Ursachen sind hier:

  • bisher unbekannte genetisch bedingte Abbaustörungen von Vitamin B6
  • bisher unbekannter toxischer Faktor, der den Stoffwechsel von Vitamin B6 verändert
  • anhaltende toxische Störungen durch ursprünglich hohe Zufuhr an Vitamin B6

Sehstörungen bei Belastung durch Vitamin B6 – häufig unerkannt?!

Zwar sind neurologische Störungen, z.B. von peripheren Nervenschäden (Polyneuropathie) und Ataxie (zentral-nervös verursachte Bewegungsstörung) durch eine Überdosierung von Vitamin B6 in der Literatur seit 1983 bekannt. Sie werden auch in den deutschen Fachinformationen, der als Medikament zugelassenen Vitamin B6 Präparate genannt. Allerdings finden sich keine Hinweise auf isolierte Sehstörungen bei Belastung bei Vitamin B6 Überdosierung. In der größten Datenbank für medizinische Artikel PubMed konnten bisher keine Beiträge zu “uhtoff” in Verbindung mit “vitamin b6” gefunden werden; ebenso nicht bei einer Google Recherche (Stand Januar 2020).

Für den Zusammenhang Sehstörungen bei körperlicher Belastung durch die Einnahme von Vitamin B6 liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine hohe Dunkelziffer vor. Dieses bedeutet, dass der Zusammenhang unterdiagnostiziert oder vereinfacht gesagt, einfach nicht erkannt wird. Das liegt vor allen Dingen daran, dass die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln von den Patienten bei der ärztlichen Befragung nicht angegeben bzw. von Ärztinnen und Ärzten neben den üblichen Medikamenten nicht systematisch abgefragt werden.

Kurzum, die gesundheitliche Bedeutung und damit auch der potentielle Schaden von Nahrungsergänzungsmittel werden, wenn sie unkontrolliert eingenommen werden, sowohl von Laien als auch von Ärztinnen und Ärzten im Allgemeinen unterschätzt. Wir sind zwar nur Kardiologen, d.h. keine Spezialisten für neurologische Störungen, aber auch wir hatten bei Mann I zunächst nicht auf die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln geachtet.

Nahrungsergänzungsmittel Vitamin B6 und Sehstörungen bei Belastung – richtig handeln

Auf der Grundlage der Fallbeschreibung besteht zwar keine absolute Sicherheit für den Zusammenhang zwischen der Einnahme von Vitamin B6 als Nahrungsergänzungsmittel und Sehstörungen bei Belastung, wir sehen die Wahrscheinlichkeit allerdings als so hoch an, dass wir auf diesen Zusammenhang hinweisen.

Grundsätzlich sollten Sie Nahrungsergänzungsmittel im Allgemeinen und Vitamin B6 im Speziellen nie über einen längeren Zeitraum, d.h. mehrere Wochen in hohen Dosen einnehmen. Optimal ist eine Steuerung über die jeweiligen Konzentrationen im Blut.

Falls Sie Sehstörungen unter Belastung haben, dann sollten Sie diese Zusammenhänge mit einem Neurologen bzw. Augenarzt besprechen. Eine vollständige fachärztliche neurologische und augenärztliche Untersuchung einschl. eines CTs bzw. eines MRTs des Gehirns muss zum Ausschluss anderer Ursachen immer durchgeführt werden.

Falls Sie im Vorfeld oder begleiteten mit den Symptomen Vitamin B6 über einen längeren Zeitraum eingenommen haben, dann sollten Sie dieses mit der Ärztin bzw. dem Arzt besprechen und Vitamin B6 absetzen.

Im Fall von Sehstörungen unter Belastung in Verbindung mit Vitamin B6 kann es wahrscheinlich Monate dauern bis diese nach Absetzen verschwinden. Sollten die Symptome 3-6 Monaten ohne zusätzliche Einnahme von Vitamin B6 unverändert fortbestehen, dann muss gegebenenfalls eine erneute vollständige Diagnostik erfolgen.

Literatur

Herzlichen Dank für die neurologische Expertise an Frau Dr. V.I. Leussink und Herrn Prof. M. Siebler

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Hitzekollaps, Sonnenstich, Hitzeerschöpfung, Hitzschlag – ein zunehmendes Problem

Hohe klimatische Außentemperaturen werden in der Zukunft sehr wahrscheinlich ein zunehmendes gesundheitliches Problem darstellen. Das gilt sowohl für Deutschland als auch für viele beliebte Reiseländer. Bei Flugreisen in warme Länder konfrontieren der plötzliche Klimawechsel und der Zeitzonenwechsel den Körper mit zusätzlichen Problemen. Das Risiko für akute Hitzeerkrankungen bis hin zum Hitzenotfall ist somit erhöht.

Vorbeugende Maßnahmen gegen Hitzeerkrankungen sind bei hohen Außentemperaturen das A und O, um Ihre körperliche und geistige Gesundheit aufrechtzuerhalten. Nichtsdestotrotz kann auch bei aller Achtsamkeit dann doch einmal eine akute Hitzeerkrankung bei Ihnen oder einem Mitmenschen auftreten.

Folglich ist es für Sie sinnvoll, die Schweregrade von akuten Hitzeerkrankungen voneinander abzugrenzen. So ergreifen Sie dann für sich oder andere Menschen die richtigen Maßnahmen. Das gilt vor allen Dingen dann, wenn es sich um einen potenziell tödlichen Hitzenotfall wie den Hitzschlag handelt.

Erhöhte Körpertemperatur – Wärme abgeben und Wärme bilden

Zur Wärmeabgabe bei erhöhter Körpertemperatur gibt es folgende Mechanismen:

  • physikalische Abstrahlung
  • Steigerung der Hautdurchblutung
  • Abatmen von warmer Luft
  • Schwitzen

Die Feinregulation der Wärmeabgabe erfolgt im Normalfall über die Steuerung der Durchblutung. Schwitzen ist ein Reservemechanismus.

Was sind die wesentlichen Gründe dafür, dass sich Ihr Körper aufheizt und es sogar zum Notfall kommen kann? Hier müssen wir in erster Linie nennen:

  • Trinkmenge
  • Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit
  • körperliche Aktivität

Die Trinkmenge spielt dabei eine besonders große Rolle. Um den Reservemechanismus „Schwitzen“ aufrechtzuerhalten, ist sie von kritischer Bedeutung.

Hitzenotfall – unterschiedliche Schweregrade

Hitzeerkrankungen haben unterschiedliche Formen bzw. Schweregrade. Sie unterscheiden sich dabei auch darin, wie notwendig eine ärztliche Behandlung ist. Wir unterscheiden Hitzekollaps, Sonnenstich, Hitzeerschöpfung und Hitzschlag. Dabei ist der Hitzschlag immer ein Notfall, der sofort ärztlich behandlungspflichtig ist.

Grundsätzlich gilt: Aus jeder symptomatischen Überwärmung Ihres Körpers kann sich ein dringlicher Notfall entwickeln, falls Sie nicht die richtigen kühlenden Maßnahmen ergreifen.

Hitzekollaps – zu geringe Trinkmenge bei sommerlichen Temperaturen

Beim Hitzekollaps ist eine zu geringe Trinkmenge, d.h. ein zu geringer Gehalt an „Hydraulikflüssigkeit“ in Ihren Blutgefäßen das Hauptproblem. Erweitern sich bei erhöhten Außentemperaturen dann noch kurzfristig Ihre Blutgefäße, dann fällt der Blutdruck zu stark ab. Die Folgen reichen von Benommenheit bis hin zur Ohnmacht.

Die Temperatur an Kopf und Körper muss nicht zwingend erhöht sein. Wer die Beine hochlagert, also die sogenannte Schocklage einnimmt, erzielt rasch einen besseren Zustand.

An akuten Maßnahmen sollten Sie beim Hitzekollaps die Beine hochlagern, 600 bis 900 ml zusätzlich trinken und sich vorübergehend im Kühlen aufhalten. Körperliche Belastung gilt es vorübergehend zu vermeiden.

Wenn Sie diese Maßnahmen beachten, dann ist der Hitzekollaps als harmlos einzustufen. Halten Sie sich nicht daran, kann sich aus einem Hitzekollaps auch einmal eine Hitzeerschöpfung mit gravierenden Konsequenzen entwickeln

Sonnenstich – tückisch durch späte Symptome

Definitionsgemäß ist der Sonnenstich die Folge einer thermischen Reizung der Hirnhäute durch direkte Sonneneinstrahlung auf den Kopf. Diese physikalische Reizung zieht eine Abheilungsreaktion mit Entzündungszellen nach sich, welche nach  dem Verschwinden des Hitzereizes fortbestehen bzw. sich verschlimmern kann.

Sonnenstich – heißer Kopf plus normale Temperatur am Körperstamm

In Abgrenzung zu den anderen Hitzesyndromen ist beim Sonnenstich nur die Temperatur am hochroten und heißen Kopf erhöht. Die Temperatur am Körper selbst bleibt normal. Als betroffener Mensch haben Sie dann das Erscheinungsbild einer glühenden Zigarette. Um Ihren subjektiven Eindruck zu bestätigen, können Sie die Ohrtemperatur mit der rektal gemessenen Temperatur im Enddarm vergleichen: Am Kopf ist die Temperatur deutlich höher.

Das Risiko für einen Sonnenstich ist durch die direkte Sonnenexposition des Kopfes erhöht. Zum Beispiel bei fehlender Kopfbedeckung, dünnem beziehungsweise fehlendem Haar sowie bei eingeschränkter Thermoregulation, z.B. bei Kindern und Senioren.

Sonnenstich – Symptome mit niedrigem und hohem gesundheitlichem Risiko unterscheiden

Die Symptome des Sonnenstichs sind:

  • hochroter, heißer Kopf
  • normale Temperatur an Körperstamm und Extremitäten
  • Unruhe, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit (HR)
  • Übelkeit (HR), Erbrechen (HR)
  • Benommenheit, Ohnmacht (HR), Krampfanfälle des Gehirns (HR)
  • gesteigerte Herzfrequenz

Insbesondere dann, wenn Ihr Gehirn bedroht ist, besteht ein besonders hohes Risiko (HR) für Ihre Gesundheit.

Sonnenstich – Erstmaßnahmen und Dringlichkeit für ärztliche Hilfe

Bei Hochrisikosymptomen (= HR) bei Jugendlichen und Erwachsenen bzw. bei ALLEN Kleinkindern und Senioren liegt ein Notfall vor. Sie sollten hier 112 verständigen.

Jugendliche und Erwachsene, die keine Hochrisikosymptome haben, können zunächst mit allgemeinen (siehe unten) und spezifischen Erstmaßnahmen bei Sonnenstich behandelt werden.

Bei den spezifischen Maßnahmen geht es vor allen Dingen um das Kühlen des Kopfes. Sie sollten den gesamten Kopf mit feuchten Tüchern kühlen, da ja die gesamte Hirnhaut entzündlich gereizt ist. Zusätzlich kann eine kühlende Dusche durchgeführt werden. Ein längerer Aufenthalt in einem kühlen Raum ist sinnvoll.

Verschlechtert sich der Zustand innerhalb von 20 bis 30 Minuten, dann rufen Sie unter 112 den Notarzt. Sollte er nicht besser werden, dann rufen Sie den ärztlichen Notdienst unter 116 117.

Auch wenn der Kopf abkühlt und sich die Beschwerden verbessern, kann zeitlich verzögert eine Verschlimmerung auftreten. Das kann mit gravierenden Folgen, z.B. einem Krampfanfall, verbunden sein. Daher gilt es gerade nach einem Sonnenstich den Betroffenen engmaschig zu beobachten.

Hitzeerschöpfung – heiße und FEUCHTE Haut

Bei der Hitzeerschöpfung ist der ganze Körper erhitzt und Temperaturanstiege auf über 39 Grad Celsius sind möglich. Ab 39 Grad Celsius Körpertemperatur droht der Übergang in einen Hitzschlag, Symptome treten allerdings auch schon unterhalb von 39 Grad Celsius auf.

Wichtig ist, dass Sie bei Hitzeerschöpfung eine feuchte und heiße Haut haben, was durch das starke Schwitzen bedingt ist. Somit sind die Ausgleichmechanismen zur Wärmeabgabe bei der Hitzeerschöpfung noch intakt.

Hitzeerschöpfung – Flüssigkeitsmangel und kritisch geringes Körperwasser

Ausgangspunkt für eine Hitzeerschöpfung ist meistens ein gravierender Flüssigkeitsmangel durch eine zu geringe Trinkmenge. Für Ihren Körper liegt die kritische Grenze bei einem Defizit von 12 % an Körperwasser. Bei einer chronisch geringen Trinkmenge und gleichzeitig gesteigerter Verdunstung über die Schleimhäute bzw. durch das Schwitzen kann die kritische Grenze bei hohen Außentemperaturen schnell erreicht werden.

Durch den so verringerten Flüssigkeitsgehalt Ihres Körpers sinkt die Wärmeleitfähigkeit von Gewebe und Wärme kann schlechter abgegeben werden. Sie werden somit bei der Wärmeabgabe zunehmend vom Reservemechanismus Schwitzen abhängig. Das bedeutet einen weiteren Verlust an Körperflüssigkeit. Der Körper heizt sich so selbst zunehmend auf.

Bei nun zunehmend verringerter Flüssigkeit in den Blutgefäßen nimmt jetzt auch die Durchblutung ab und die Wärmeabgabe wird dadurch weiter reduziert. Der Körper heizt sich noch mehr auf. Es droht der Übergang in den Hitzschlag.

Hitzeerschöpfung – Symptome einer drohenden kompletten Erschöpfung

Die Symptome der Hitzeerschöpfung sind:

  • feuchte und heiße Haut
  • schneller und flacher Puls (erhöhte Wärmeabgabe über Kreislauf)
  • flache und schnelle Atmung (erhöhte Wärmeabgabe über Ausatemluft)
  • körperliche Schwäche
  • Benommenheit bis hin zum kurzzeitigen Kreislaufkollaps
  • Verwirrtheit bis Apathie (HR)
  • Übelkeit und Erbrechen (HR)
  • Krampfanfall (HR)

Hitzeerschöpfung – im Zweifel den Notarzt rufen

Ärztliche Hilfe ist hier ähnlich dringend wie beim Sonnenstich.

Bei Kleinkindern und Senioren sollten Sie in jedem Fall den Rettungsdienst unter 112 verständigen. Denn bei diesen Menschen wissen Sie meistens nicht, wohin sich die Symptome entwickeln und ihre Widerstandskraft ist einfach geringer. Daher sollten Sie hier immer die Rettungskräfte informieren.

Jugendlichen und Erwachsenen können Sie bis auf Personen mit Hochrisikosymptomen (HR) mit allgemeinen Maßnahmen (siehe unten) helfen. Sie müssen hier allerdings besonders schnell und konsequent sein, denn der lebensbedrohliche Hitzschlag droht.

Wir in der Cardiopraxis halten gerade bei der Hitzeerschöpfung aktive kühlende Maßnahmen des Gehirns für sehr wichtig: mit Cold-Packs an Halsvorderseite und im Nacken bzw. vorher auch eine kühlende Dusche. Das Hochlagern der Beine beugt dem drohenden Kreislaufzusammenbruch vor.

Sollte es innerhalb von 20 bis 30 Minuten nicht zu einer Besserung kommen, dann verständigen Sie in jedem Fall den Notarzt.

Hitzschlag – heiße und TROCKENE Haut

Beim Hitzschlag ist der ganze Körper erhitzt und es werden schrittweise Werte von über 41 Grad Celsius erreicht. Der Unterschied zur Hitzeerschöpfung ist, dass Sie nicht mehr schwitzen, sondern Ihre Haut ist heiß und trocken. Das bedeutet, dass die wesentlichen Ausgleichmechanismen der Thermoregulation nicht mehr funktionieren.

Das Schwitzen wird ungefähr ab einer Körpertemperatur von 39 Grad Celsius eingestellt. Das Risiko für einen Hitzschlag wird durch eine hohe Luftfeuchtigkeit gesteigert, weil der Körper dann schlechter Wärme durch Schwitzen abgeben kann.

Des Weiteren können Medikamente Ihre Körpertemperatur unabhängig von der Außentemperatur steigern. So können z.B. Betablocker und Diuretika zu einem erhöhten Risiko beitragen.

Hitzschlag – hohes Risiko für Hirnödem und Atemstillstand

Durch das Versagen der sogenannten Bluthirnschranke tritt beim Hitzschlag Flüssigkeit aus dem Blutgefäßraum in das Gehirngewebe über. So entwickelt sich ein vasogenes Hirnödem. Sie laufen jetzt Gefahr, dass sich der Hirnstamm einklemmt, was wiederum einen Atemstillstand und Kreislaufversagen zur Folge hat.

Typischer und nicht-typischer Hitzschlag

Wir unterscheiden einen typischen passiven Hitzschlag von einem nicht-typischen aktiven Hitzschlag. Das ist sehr wichtig, gerade für Menschen, die in warmer Umgebung körperlich aktiv sind.

Typischer Hitzschlag

Typischer „passiver“ Hitzschlag. Beim typischen passiven Hitzschlag erwärmt sich der Körper überwiegend passiv durch die hohen Außentemperaturen. „Typisch“ bedeutet hier, dass hohe Außentemperaturen eine wesentliche Voraussetzung sind. „Passiv“ bedeutet, dass Sie überwiegend körperlich inaktiv sind.

Das ist ungefähr so, als ob Sie einen Kessel Wasser auf den Herd stellen und eine feste Temperatur von z.B. 150 Grad Celsius einstellen. Sie können nun schrittweise verfolgen, wie das Wasser sich erwärmt bis zum Kochen: Erst bilden sich Bläschen, dann steigt Dampf auf, schließlich brodelt das Wasser richtig. Ähnlich verhält es sich bei einem typischen „passiven“ Hitzschlag, Sie können beobachten, wie sich die Symptome schrittweise entwickeln. So haben Sie Zeit zu reagieren.

Das Risiko ist bei Kindern, Senioren und Menschen mit chronischen Erkrankungen bzw. Medikamenteneinnahmen besonders hoch. Die Sterblichkeit beträgt beim typischen Hitzschlag 5 %.

Nicht-typischer Hitzschlag

Nicht-typischer „aktiver“ Hitzschlag. Beim nicht-typischen „aktiven“ Hitzschlag gibt es neben erhöhten Außentemperaturen noch einen weiteren Grund für eine gesteigerte Körpertemperatur: körperliche Aktivität. Meistens spielt auch noch eine Wärme-isolierende Kleidung eine Rolle.

So kann diese Form des Hitzschlags auch schon bei moderaten Außentemperaturen, z.B. von 25 Grad Celsius, vorkommen. „Nicht-typisch“ bedeutet folglich, dass hohe Außentemperaturen keine zwingende Voraussetzung sind. „Aktiv“ wiederum meint, dass körperliche Aktivität entscheidend zum Problem beiträgt.

Diese Form des Hitzschlages ist besonders tückisch, da sie auch bereits bei vergleichsweise geringen Außentemperaturen von 20 bis30 Grad Celsius auftreten kann. Durch die körperliche Aktivität entwickeln sich Symptome sprunghaft und plötzlich ist er da, der Hitzschlag. Das Stadium der Hitzeerschöpfung wird meistens rasch übersprungen und gerade bei „wärmender“ Kleidung sind kritische Körpertemperaturen von 41 Grad Celsius schnell erreicht.

Ein hohes Risiko haben vor allem Leistungssportler und hier insbesondere ambitionierte Amateure bzw. Semi-Professionelle. Prädestiniert sind Sportarten mit gepolsterten Uniformen und Helmen (z.B. American Football). Aber auch von den Ausdauersportarten wie z.B. Laufen und Radfahren werden immer wieder Todesfälle berichtet.

Selbstverständlich ist auch bei schwerer körperlicher Arbeit, z.B. auf Baustellen oder an Hochöfen, die Gefahr eines nicht-typischen Hitzschlags erhöht. Haben die Symptome des nicht-typischen aktiven Hitzschlages erst einmal eingesetzt, dann beträgt die Sterblichkeit des nicht-typischen Hitzschlags eindrucksvolle 60 %.

Hitzschlag – Notfall, SOFORT handeln

Die Symptome eines Hitzschlages sind:

  • TROCKENE und heiße Haut
  • schneller und kaum tastbarer Puls
  • deutliche körperliche Schwäche
  • Verwirrtheit bis Apathie
  • fluktuierendes Bewusstsein bis Bewusstlosigkeit
  • zerebrale Krampfanfälle

Im roten Stadium versucht Ihr Körper die Wärmeabgabe über die Hautdurchblutung aufrecht zu erhalten. Im grauen Stadium ist der Kreislauf zusammengebrochen, die Hautdurchblutung ist kritisch verringert und es besteht unmittelbare Lebensgefahr.

Ein Hitzschlag ist immer ein Notfall und Sie müssen sofort 112 verständigen. Bis zum Eintreffen des Notarztes führen Sie die allgemeinen Versorgungsmaßnahmen von Hitzeopfern durch. Bei Herz-Kreislauf- bzw. Atemstillstand beginnen Sie dann unverzüglich mit den Wiederbelebungsmaßnahmen.

Allgemeine Maßnahmen bei Sonnenstich, Hitzeerschöpfung und Hitzschlag

Kühlende Maßnahmen für Gehirn und Körper

Das Gehirn ist das Hauptproblem. Deswegen müssen Sie ein Hirnödem in jedem Fall verhindern. Betroffene Menschen müssen zügig in einen kühlen Raum gebracht werden, am besten mit Klimaanlage, eventuell auch in den Keller.

Der Kopf wird leicht erhöht gelagert, was den venösen Abstrom aus dem Gehirn verbessert und somit die Wärme im Gehirn selber reduziert. Den arteriellen Zustrom zum Gehirn sollten Sie kühlen. Dadurch wird nicht nur Ihr Gehirn kühler, sondern auch Ihre arteriellen Blutgefäße verengen sich. Das beugt wiederum dem gefürchteten Hirnödem vor.

Bei der aktiven Kühlung des Kopfes gilt es vor allem die hinteren Hirnarterien (sog. Arteriae vertebrales) zu kühlen. Diese versorgen den lebenswichtigen Hirnstamm, wo ja auch das Atemzentrum liegt. Legen Sie hier Cold-Packs in den Nacken! Auch die vorderen Hirnarterien (sog. Arteriae carotides) sollten Sie links und rechts am Hals mit Cold-Packs versorgen.

Falls es der körperliche und geistige Zustand des betroffenen Menschen zulässt, dann können Sie mit einer kühlenden Dusche sehr rasch den Körper abkühlen. Die Verdunstung von Wasser ist dabei der entscheidende Faktor beim Abkühlen.

Der Betroffene sollte sich möglichst wenig selbst bewegen (möglichst auch nicht gehen), weil das die Körpertemperatur erhöht. Wärmende Kleidung und vor allen Dingen Socken sind zu entfernen.

Hitzenotfall – Kreislauf stabil halten

Da die Blutgefäße, auch die Venen, erweitert sind, versackt viel Blut in der Körperperipherie. Das wiederum kann für die Gehirndurchblutung kritisch werden. Die Beine sollten daher leicht erhöht gelagert werden, damit mehr venöses Blut aus der Peripherie zurückfließen kann. Das verbessert die Kreislaufstabilität.

Bei Benommenheit bzw. Bewusstlosigkeit und erhaltener Spontanatmung muss man die betroffene Person in die stabile Seitenlage bringen. So verhindern Sie im Fall von Erbrechen, dass Erbrochenes in die Lunge gelangt.

Falls der betroffene Mensch ansprechbar ist, kann er bis zu 900 ml Wasser schluckweise trinken. Bei Herzkreislauf- bzw. Atemstillstand sollten Sie unmittelbar mit den Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen.

Hitzenotfall – Überwachung in der Akutphase und Nachbeobachtung

In der Akutphase lassen Sie den betroffenen Menschen nicht aus den Augen, bis eine Besserung eingetreten ist bzw. der Rettungsdienst vor Ort ist.

Sprechen Sie den Betroffenen immer wieder beruhigend an!

Achten Sie auf die Feuchtigkeit der Haut! Bleibt die Haut heiß und wird trockener, dann müssen Sie sich auf das Schlimmste gefasst machen. Tasten Sie den Puls, und messen, falls ein Gerät vorhanden ist, den Blutdruck!

Die Nachbeobachtung ist wichtig, da Symptome auch Stunden nach der Hitzeexposition erstmalig bzw. erneut auftreten können, wenn die allgemeinen Maßnahmen nicht konsequent durchgeführt worden sind. Ältere Menschen und Kinder sind besonders gefährdet.

Daher halten Sie Menschen mit einer Hitzeerkrankung grundsätzlich unter Beobachtung! Lassen Sie den betroffenen Menschen auf dem Sofa bei Licht schlafen und bleiben Sie am besten selbst wach! Sollten sich erneut Symptome verstärken, verständigen Sie den Notarzt!

Zusammenfassung: Hitzenotfall richtig vorbeugen und behandeln

  • Bei klimatischer bzw. körperlicher Hitze immer vorbeugende Maßnahmen zum Schutz vor Hitzestress ergreifen!
  • Menschen, die bei moderaten bzw. hohen Temperaturen hart körperlich arbeiten oder Sport treiben, müssen sich regelmäßig aktiv abkühlen.
  • Trinken Sie immer 30 bis 40 ml/kg Körpergewicht und Tag, an heißen Tagen eher 40 ml/kg Körpergewicht!
  • Im Fall von Benommenheit und Unwohlsein bei hohen Außentemperaturen, immer an Nebenwirkungen von Hitze denken!
  • Bei leichten Symptomen von Hitzestress aktiv kühlende Maßnahmen ergreifen, vor allen Dingen für den Kopf!
  • Betroffene Menschen in der Akutphase bis einige Stunden nach den Symptomen nicht alleine lassen und beobachten!
  • Bei heißer und trockener Haut stellen Sie die Diagnose des Hitzschlages und rufen den Rettungsdienst unter 112!

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Anpassung des Herz-Kreislaufsystems im Sommer

Ihr Herz-Kreislaufsystem passt sich immer den klimatischen Bedingungen an. Das Ziel ist dabei ein stabiler Sollwert für Ihre Körpertemperatur, denn nur bei richtiger Körpertemperatur sind Sie voll körperlich und geistig leistungsfähig.

Im Sommer ist in der Regel eine vermehrte Wärmeabgabe sinnvoll. Ihr Körper fördert das, indem er vor allem die Blutgefäße weit stellt und damit die Durchblutung steigert. Sie merken das an Ihren warmen Händen.

Im Winter steht hingegen die Wärmekonservierung im Vordergrund. Ihr Körper erreicht das, indem er die Blutgefäße eng stellt, also den Blutfluss verringert. Das wiederum können Sie daran merken, dass Ihre Hände häufiger kalt sind.

Gerade im Sommer erleben wir in der Cardiopraxis immer wieder starke Nebenwirkungen von Herz-Kreislaufmedikamenten. Die Menschen kommen zu uns mit innerer Unruhe, Luftnot, Benommenheit oder gar Ohnmachtsanfällen.

Medikamente gegen Bluthochdruck im Sommer – “mein Blutdruck spinnt”

Im Sommer ist er Blutdruck in Verbindung mit Medikamenten meistens das Hauptproblem.

Medikamente zur Herz-Kreislauftherapie können dabei die Ausgleichsmechanismen Ihres Körpers zur Reduktion überschüssiger Körperwärme verstärken. Der Blutdruck fällt dann ab.

Medikamente können die Wärmeabgabe aber auch kritisch verringern. Folglich steigen Hitzestress und Blutdruck Sie erleben so in der Regel einen Wechsel zwischen hohen und niedrigen Blutdruckwerten.

Häufig hören wir in den Sommermonaten in der Cardiopraxis den Satz: „Mein Blutdruck spinnt”. Mit differenzierten Kreislaufmessungen des Blutdrucks UND des Blutflusses können wir hier meistens gezielt helfen, indem wir die Medikation anpassen.

Herz- und Kreislaufmedikamente im Sommer

Blutgefäßweitsteller. Medikamenten dieser Gruppe (Kalzium-Antagonisten, ACE-Hemmer, AT-Blocker, Alphablocker) verursachen eine Weitstellung der Arterien. Der Blutdruck sinkt und die Durchblutung steigt, so dass der Körper Wärme besser an die Umgebung abgeben kann.

Sinkt der Blutdruck allerdings zu stark, versucht Ihr Körper das durch freigesetztes Adrenalin auszugleichen. Folglich steigen Herzfrequenz und Blutdruck häufig überschießend an.

Bremser der Pumpkraft und der Herzfrequenz. Beta-Blocker bremsen die Pumpkraft und reduzieren die Herzfrequenz und damit die Durchblutung. Damit sinkt auch der Blutdruck. Im Sommer ist die Wärmeabgabe durch die verringerte Durchblutung gerade bei höheren Dosen kritisch reduziert. Der Körper wird wärmer und Symptome von Hitzestress werden begünstigt.

Darüber hinaus dämpft ein falsch dosierter Beta-Blocker Warnsignale des Adrenalinsystems für eine körperlichen Überhitzung. So kann Ihre Körpertemperatur unbemerkt ansteigen und dann plötzlich kritische Folgen haben.

Harntreiber. Die sogenannten Diuretika reduzieren das Füllungsvolumen in den Arterien und Venen, was eine Verringerung er Durchblutung zur Folge hat. Der Blutdruck sinkt.

Weil die Durchblutung geringer ist, reduziert sich auch die Wärmeabgabe Mit einem verringerten Flüssigkeitsgehalt Ihrer Körperzellen reduziert sich auch die Wärmeleitfähigkeit Ihrer Körperzellen.. Somit steigt unter Harntreibern die Körpertemperatur an und Ihr Hitzestress steigt.

 

Hoher Blutdruck unter Medikamenten im Sommer

Zwar kann nicht nur bei übergewichtigen Menschen der Blutdruck im Sommer steigen, diese Gruppe ist allerdings besonders gefährdet.

Gerade Menschen mit Übergewicht haben durch das Körperfett eine bessere und häufig auch übermäßige Wärmeisolierung ihres Körpers. Hinzu kommt, dass Körperfett selbst entzündlich und damit wärmebildend ist. Das kann gerade im Sommer zu einem Hitzestau führen, was Hitzestress zur Folge hat Der wiederum ist mit einer gesteigerten Adrenalin-vermittelten Aktivierung verbunden, und das verursacht nicht selten krisenhafte Blutdruckanstiege.

Daher sollten vor allem übergewichtige Menschen unbedingt äußerlichen Hitzestress meiden. Sie sollten die Flüssigkeitszufuhr überprüfen. Eventuell müssen sie harntreibende Medikamente reduzieren bzw. absetzen. Falls es zu Blutdruckspitzen kommt, ist das Modulieren des Adrenalinhaushalts sinnvoll. Bei hoher Herzfrequenz können Betablocker in niedriger Dosierung oder auch Moxonidin zum Einsatz kommen.

Niedriger Blutdruck unter Medikamenten im Sommer

Die häufigste Ursache für einen zu niedrigen Blutdruck im Sommer ist ein zu geringer absoluter oder relativer Flüssigkeitsgehalt. “Absolut” bedeutet hier, dass Sie einfach zu wenig trinken; “relativ”, dass Ihr Gefäßraum, z.B. durch Wärme zu weit gestellt ist. Die Einnahme von Herz-Kreislaufmedikamenten verstärkt das noch.

Die zusätzliche Wärme durch klimatisches Anpassen führt dazu, dass sich die Blutgefäße weiten. Das hat bekanntermaßen zunächst einen Blutdruckabfall zur Folge, denn dem Kreislauf fehlt es einfach an “Hydraulikflüssigkeit”. Dieser vergrößerte Gefäßraum muss nun mit Flüssigkeit gefüllt oder verkleinert werden.

Auch hier gilt: Gegebenenfalls müssen Sie im Sommer die Dosis von Medikamenten anpassen. Gerade Kalzium-Antagonisten und Diuretika können vorübergehend reduziert bzw. abgesetzt werden.

Blutdruckmedikamente im Sommer – gemeinsam anpassen?

Der Flüssigkeitsbedarf des Körpers im Sommer ist höher, insbesondere bei körperlichen Freizeitaktivitäten. Sie sollten, falls nicht anders abgesprochen 30 bis 40 ml pro kg Körpergewicht und Tag trinken. Achten Sie auf kühlende und vorbeugende Maßnahmen, um Hitzestress zu vermeiden!

Wenn Ihr Blutdruck „spinnt”, sollten Sie die Medikation mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen. Bitte achten Sie auch darauf, dass andere Medikamentengruppen Einfluß auf die Körpertemperatur und damit auf Ihren Blutdruck haben.

Gerade unter extremen klimatischen Bedingungen sollten Sie nicht ohne Absprache die Medikation verändern. Sonst kann es zu kritischen Blutdruckkrisen kommen.

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Körpertemperatur – wichtig für Blutdruck, Blutfluss und Befinden

Für uns in der Cardiopraxis ist Ihre Körpertemperatur ein besonders wichtiger Messwert. In Verbindung mit den Ergebnissen zu Ihrem Blutdruck und Blutfluss gibt uns die Körpertemperatur nicht nur genaue Hinweise auf den Zustand Ihres Kreislaufs, sondern auch auf Ihr subjektives Befinden.

Mit den gesammelten Ergebnissen können wir in der Cardiopraxis Störungen des Herz-Kreislaufsystems wie z.B. Bluthochdruck, Benommenheit und Herzschwäche gezielter behandeln. Auch bei der Gewichtsreduktion, etwa durch Intervallfasten, können wir Ihnen mit den Ergebnissen der Körpertemperatur wertvolle Hinweise geben.

Folglich messen wir bei jeder Kreislaufmessung die Körpertemperatur mit. Wir nutzen dabei die zuverlässige Infrarotmessung im Ohr. Sie können Ihre Körpertemperatur aber auch zuverlässig und schnell zu Hause selber bestimmen.

Körpertemperatur – wo und wann messen?

Wenn Sie die Körpertemperatur bestimmen, dann ist es am besten, wenn Sie ein Maß für die sogenannte Körperkerntemperatur ganz im Inneren des Körpers haben. Der Körperkern ist der Ort, wo die Organe, wie z.B. die Leber, liegen. Die Körperkerntemperatur gibt Ihnen die besten und zuverlässigsten Hinweise auf veränderte Stoffwechselprozesse bzw. entzündliche Krankheitsvorgänge.

Da die Messung ganz im Inneren des Körpers technisch schwierig ist, verlassen wir uns auf die Temperaturmessungen im Enddarm oder im Ohr. Die Temperatur hier entspricht der Körperkerntemperatur ziemlich genau.

Die Körpertemperatur schwankt im Tagesverlauf, die Regulation folgt einer genetisch festgelegten Inneren Uhr. Folglich ist es wichtig, dass Sie immer zum selben Tageszeitpunkt messen, z.B. unmittelbar nach dem Nachtschlaf. Diese Messung nennen wir die Basaltemperatur. Sie können auch abends in Ruhe um 19:00 Uhr herum messen.

Die Werte sollten Sie in einer Health App dokumentieren und die Kurve im Zeitverlauf beobachten.

Körpertemperatur im Ohr – so messen Sie richtig

Die Körpertemperatur über das Trommelfell im Ohr mittels Infrarottechnik zu bestimmen ist zuverlässig und schnell. Sie sollten allerdings auf einige Dinge achten, um verwertbare Messergebnisse zu bekommen.

Vor der Messung selbst sollten Sie ein sauberes Ohr haben. Auf die Reinigung mit Wattestäbchen sollten Sie auf jeden Fall verzichten, hier muss gegebenenfalls der Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder die Hals-Nasen-Ohren-Ärztin helfen.

Der Gehörgang verläuft vom Eingang aus gesehen nach unten und vorne; das Trommelfell liegt am Ende des Gehörgangs verwinkelt am Übergang zum Mittelohr. Um den Gehörgang nun so zu begradigen, dass der Infrarotmessstrahl direkt auf das Trommelfell gerichtet ist, neigen Sie den Kopf etwas zur Gegenseite und ziehen Sie das Ohr nach hinten und oben. Das gilt, wenn Sie bei sich selbst, aber auch wenn Sie bei einer anderen Person messen.

Gerade bei der Selbstmessung können gelegentlich Fehler unterlaufen, wenn der Messstrahl im Gehörgang verkantet. Folglich sollten Sie zu einem Messzeitpunkt jeweils 3 Einzelmessungen hintereinander vornehmen. Der höchste Wert zählt, da falsch-niedrige Werte nicht vorkommen.

Mit der Zeit bekommen Sie so einen messtechnisch-objektiven Überblick zu Ihrer individuellen Körpertemperatur zu einem bestimmten Tageszeitpunkt, am besten zur Basaltemperatur. Bilden Sie einfach den Mittelwert der Einzelmessungen von ca. 21 aufeinanderfolgenden Tagen. Sie werden feststellen, dass die meisten Werte um den Mittelwert herum in einem Bereich von ca. plus/minus 0,3 Grad Celsius liegen.

Körpertemperatur – wann steckt eine Krankheit dahinter?

Wenn Werte um mehr als 0,5 Grad Celsius vom Mittelwert abweichen, ist es ratsam Sie die Ursache hinterfragen.
Kündigt sich möglicherweise bei Ihnen eine Infektionserkrankung an? Hinweise geben hier nicht nur der Anstieg der Temperatur, sondern auch starke Schwankungen von Tag zu Tag. Bemerken Sie weitere Symptome wie eine verstopfte Nase, Kopfschmerzen, Husten, Bauchschmerzen, Durchfall oder jedwede Schmerzen in irgendeiner Körperregion?

Von Fieber sprechen wir, wenn die Körpertemperatur deutlich erhöht ist:

  • Fieber ab 38 Grad Celsius
  • hohes Fieber 39 bis 41 Grad Celsius
  • sehr hohes Fieber ab 41 Grad Celsius

In seltenen Fällen kann eine Temperaturerhöhung ein Zeichen einer chronischen Erkrankung, zum Beispiel einer Krebs- oder einer Autoimmunerkrankung, sein. Nehmen Sie ggf. Medikamente ein, die die Temperatur verändern können? Dazu zählen etwa Schilddrüsenhormone, Testosteron, Östrogen oder auch Cortison.

Körpertemperatur – was kann noch hinter Veränderungen stecken?

Falls Ihre Temperatur im Vergleich zu vorherigen Werten höher ist, dann sollten Sie auch fragen, ob Sie in letzter Zeit an Körpergewicht zugenommen haben, z.B. durch Intervallfasten. In der Regel steigen die Körpertemperatur und die Wärmeempfindlichkeit, wenn Sie an Gewicht zunehmen. Nehmen Sie ab, dann sinkt die Körpertemperatur und die Kälteempfindlichkeit nimmt zu.

Manchmal kommt es vor, dass stoffwechselaktivierende Nahrung die Temperatur erhöht, z.B. Alkohol oder auch scharfe Gewürze, wie z.B. Chili oder Ingwer. Haben Sie in der letzten Nacht eventuell wenig geschlafen? Auch das kann die Körpertemperatur steigen lassen.

Selbstverständlich haben auch normale Körperprozesse Temperaturschwankungen zur Folge. Bei Frauen steigt die Körpertemperatur am Tag des Eisprungs um ca. 0,5 Grad Celsius an.

Falls Sie direkt aus einer intensiven Traumphase, der REM-Schlafphase, erwachen, können Sie ebenfalls eine erhöhte Temperatur haben: Im REM-Schlaf sind die neurovegetativen Prozesse dereguliert und die Temperatur erhöht.

Falls Sie zu einem späteren Zeitpunkt als üblich aufstehen, dann kann das auch mit einer erhöhten Temperatur verbunden sein. Die Temperatur ist ja Teil der inneren Uhr und verläuft damit regelhaft eher gekoppelt an die Tageszeit als an das Schlaf-Wach-Verhalten.

Kritisch erhöhte Körpertemperatur – im Zweifel ärztliche Hilfe

Bei unklaren Temperaturveränderungen konsultieren Sie im Zweifel einen Arzt oder eine Ärztin, um weitere Diagnostik durchzuführen. Das gilt vor allen Dingen für ältere Menschen, da bei ihnen Erkrankungen häufig nur mit einem leichten Temperaturanstieg verbunden sind.

Sehr hohes Fieber ab 41 Grad Celsius ist ein drohender Notfall. Eine sehr schwere Infektionserkrankung ist wahrscheinlich die Ursache, es droht der Kreislaufkollaps. Falls sich die Temperatur mit fiebersenkenden Maßnahmen innerhalb von 45 Minuten senken lassen, dann sollten Sie unmittelbar ärztliche Hilfe anfordern, z.B. über den ärztlichen Notdienst 116 117.

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Warme Jahreszeit optimal um mit Gewichtsreduktion zu beginnen

Mit dem Frühjahrsäquinoktikum (= Tages- und Nachtgleiche um den 20. März) kommen nicht nur hellere, sondern auch wärmere Tage. Höhere Außentemperaturen reduzieren die Notwendigkeit für den Körper, Wärme zu konservieren und auch zu generieren. Sie unterstützen den Körper dadurch bei der Gewichtsreduktion, also der richtige Zeitpunkt mit einer kontrollierten Daten zu beginnen.

Übergewicht belastet Herz, Kreislauf und Gelenke. Das Gewicht zu normalisieren ist daher für eine langfristige Gesundheit erstrebenswert. Zur Verhinderung von wiederkehrendem Vorhofflimmern ist eine nachhaltige Gewichtsreduktion sogar effektiver als Medikamente. In der Cardiopraxis erleben wir immer wieder Menschen, die sehr gute Erfolge mit dem sogenannten Intervallfasten erzielen.

Mit der folgenden Formel zum Intervallfasten können gute und nachhaltige Erfolge erzielt werden. Sie berücksichtigt nicht nur die Zeitintervalle, sondern auch die Qualität der Nahrung.

Gesund essen

In der Reduktionsphase sollten Sie besonders gesund essen. Die Hauptmahlzeit kann zum Beispiel ein reichhaltiger Salat mit Spinat, Putenfleisch, Fenchel, Nüssen, Hülsenfrüchten, Weichobst (Blaubeeren, Erdbeeren) und scharfen Gewürzen sein. Letztere tragen zur Anregung des Stoffwechsels bei.

Regelmäßig essen

Wir halten dabei regelmäßige Mahlzeiten für besonders wichtig. Denn so trägt auch die Synchronisation der inneren Uhren der Stoffwechselprozesse zur Gesamtgesundheit bei. Des Weiteren sollten Sie nach 18:00 Uhr keine Mahlzeit einnehmen, da wissenschaftlich gesichert ist, dass dieselbe Kalorienzahl am Abend zu einer stärkeren Gewichtszunahme als am Morgen führt. Darüber hinaus stören späte Mahlzeiten den Schlaf.

Körpertemperatur und Temperaturempfinden bestimmen das genaue Vorgehen

Die Bewertung der Körpertemperatur und des Wärmeempfindens ist ein wesentlicher Gradmesser dafür, wie die Gewichtsreduktion stattfinden sollte. Das Wechselspiel zwischen Körpergewicht, Stoffwechsel und Kreislauf können wir in der Cardiopraxis durch die Blutflussmessung objektiv quantifizieren. Ein hoher Blutfluss, welcher meistens mit einer gesteigerten Wärmeempfindlichkeit einhergeht, signalisiert in der Regel, dass der Körper versucht überschüssige Wärme abzugeben (Wärmedissipitations-Kreislauf). Ein niedriger Blutfluss in Verbindung mit einer Neigung zur Kälteempfindlichkeit signalisiert, dass der Körper versucht Wärme im Körper zu halten (Wärmekonservierungs-Kreislauf).

Menschen, die ein vermehrtes Kältegefühl haben, sollten unabhängig vom Gewicht parallel mit einer Stoffwechselaktivierung (körperliches Training, scharfe Speisen, z.B. Ingwer oder Chili) beginnen. Die geringere Nahrungszufuhr sollte zunächst in den Hintergrund treten. Wenn Sie bei Kälteempfinden beziehungsweise niedrigen Körpertemperaturen versuchen, die Nahrungszufuhr zu verringern, dann kann das zu Stress mit den möglichen Folgen von Unruhe, Schlafstörungen bis hin zur Blutdruckerhöhung führen.

Menschen, die sich gesteigertes Wärmeempfinden haben und vielleicht sogar immer wieder leicht schwitzen, sollten unabhängig vom Gewicht zunächst die Stoffwechselaktivierung (Training, scharfe Speisen) zurückstellen, da sonst Hitzestress auftreten kann. Der wiederum kann ebenfalls zu Unruhe, Schlafstörungen und Blutdruckerhöhungen führen. Menschen, denen es schnell zu warm ist, sollten am Anfang einer kontrollierten Gewichtsreduktion vor allen Dingen auf eine reduzierte Nahrungszufuhr setzen.

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Wir in der Cardiopraxis wollen Sie dabei unterstützen, Nebenwirkungen bei der Gewichtsabnahme zu vermeiden. Fürs erfolgreiche Intervallfasten haben wir Ihnen ein paar hilfreiche Hinweis und Regeln zusammengestellt.

Wichtig: Stoffwechsel und Körpertemperatur

Wenn Sie Ihr Körpergewicht reduzieren, ist das ein wesentlicher Eingriff in Ihren Energie- und damit auch in Ihren Temperaturhaushalt. Das kann mit Stressreaktionen verbunden sein, die sich ungünstig auf Herzkreislauferkrankungen wie Bluthochdruck und Rhythmusstörungen auswirken können.

Der Körper verliert mit der Gewichtsabnahme an Isolationsschicht (Bauchfett), was zu einer vermehrten Abstrahlung von Wärme führt. Darüber hinaus bildet sich weniger Wärme, weil Fett selber entzündlich und damit wärmebildend ist. Sie können damit rechnen, dass Sie pro Kilogramm Gewichtsreduktion ca. 0,05 bis 0,1°C an Körpertemperatur verlieren.

Wenn der Temperaturabfall in Relation zum Ausgangswert ca. 1,0 °C, zum Beispiel von 37,1°C auf 36,1°C beträgt, ist meistens eine kritische Grenze erreicht. Spätestens dann kommt es zu Symptomen wie Kältegefühl, Hungerattacken und Schlafstörungen. Eine weitere Gewichtsreduktion ist nun zunächst nicht sinnvoll. Selbst stark übergewichtige Menschen, die nur wenige Kilos verloren haben, beginnen manchmal schon zu frösteln, obwohl sie noch übergewichtig sind.

Der Körper versucht bei Erreichen der kritischen Grenze, durch Stressreaktionen den Wärmeverlust auszugleichen. Meistens passiert das über Adrenalin-vermittelte Ausgleichsreaktionen. Damit verbunden sind Heißhungerattacken und Suchverhalten nach Nahrung. Das kann Schlafstörungen zur Folge haben und ist durchaus biologisch sinnvoll, denn ein hungriges Tier oder auch ein hungriger Mensch sollte nicht schlafen, sondern nach Nahrung suchen. Außerdem versucht der Körper bei Unterschreiten des Temperatur-Sollwertes, Wärme durch Gefäßregulation zu konservieren indem er die Arterien engstellt, wie man es auch aus der kalten Jahreszeit kennt. Dadurch besteht das Risiko, dass sich der Blutdruck erhöht.

Stress vermeiden beim Intervallfasten

Gerade die ersten 2 Wochen können kritisch sein, wenn Sie auf eine gewichtsreduzierende Kost umstellen. Das gilt grundsätzlich für weniger Kalorien, aber vor allem für weniger oder gar kein Zucker. Denn Zucker ist ein kritischer Suchtfaktor. Hilfreich ist es, Süßigkeiten aus dem Haushalt zu verbannen. Bei Heißhungerattacken durch die Sucht nach Zucker können eventuell niedrigdosierte Chilipräparate zu einem geringeren Hungergefühl beitragen. Wir machen in der Cardiopraxis immer wieder die Erfahrung, dass auch die vorübergehende niedrig-dosierte Therapie mit Rauwolfia Tropfen hilft. Rauwolfia enthält den Hauptwirkstoff Reserpin, was den Abbau von Adrenalin fördert. Dadurch haben Sie weniger Stress in der Umstellungsphase.

In jedem Fall sollten Sie 7 bis 8 Stunden in der Nacht schlafen, weil das zu einer verbesserten emotionalen Impulskontrolle führt. Das heißt vereinfacht: Sie können sich am Tage besser beherrschen, wenn Sie gut geschlafen haben. Auch regelmäßiges Meditieren kann helfen.

Planen Sie Ihre Mahlzeiten

Sie sollten die Mahlzeiten selbst vorbereiten. Insbesondere dann, wenn Sie bei der Arbeit nicht in die Kantine gehen wollen (und das sollten Sie auch nicht).

Denken Sie daran, bevor Sie einen Teller füllen, wie sich eine große Portion auf Gesundheit (zum Beispiel Gewichtszunahme) und Befinden (zum Beispiel Völlegefühl mit Leistungsknick) auswirkt. Das hilft Ihnen dabei, die Portion zu begrenzen. Sie sollten sich auch vor jeder Mahlzeit vor Augen führen, dass ein Sättigungsgefühl nach einer Mahlzeit erst nach ca. 20 Minuten auftritt. Vielleicht sollten Sie so lange warten, bis Sie einen zweiten Teller oder etwas anderes essen. Allgemein sollten Sie der Nahrungsaufnahme mehr Aufmerksamkeit schenken. Es sollte langsam und ausreichend gekaut werden. Wenn man sich bewusst Zeit nimmt, bemerkt man auch rechtzeitig das einsetzende Sättigungsgefühl.

Dokumentieren und analysieren Sie Ihr Gewicht

Sie sollten sich täglich wiegen und das Gewicht in einer Tabelle dokumentieren. Noch besser ist die grafische Dokumentation in Form einer Kurve. Hilfreich sind dabei zahlreiche Health-Apps und es gibt auch Waagen, die die Daten von der Waage zuverlässig per Bluetooth auf das Handy übertragen.
Bei Gewichtsveränderungen sollten Sie darüber nachdenken, was die Ursache gewesen sein kann. Das können zum Beispiel Wassereinlagerungen durch zu viel Salz, Mahlzeiten mit einem zu niedrigen Proteinanteil oder auch für Sie persönlich allergene Nahrungsmittel sein. Sie werden erstaunt sein, was Sie so alles über Ihren individuellen Stoffwechsel lernen können. Vermeiden Sie in Zukunft solche Nahrung, die zu sprunghaftem Gewichtsanstieg geführt hat.

Messen Sie Ihre Körpertemperatur

Wir raten in der Cardiopraxis dazu, neben dem Körpergewicht auch die Körpertemperatur täglich zu messen. Richtig angewandt ist das Messen der Körperkerntemperatur im Ohr zuverlässig und schnell. Wenn die Körpertemperatur im Verhältnis zum Ausgangswert um 0,5 bis 1,0 C0, meistens in Verbindung mit einem vermehrten Kältegefühl, abweicht, dann sollten Sie etwas tun: Bilden Sie aktiv Wärme bzw. konservieren Sie passiv Wärme. Das geht folgendermaßen.

So bilden Sie aktiv Wärme durch Training

Moderates Intervalltraining führt dazu, dass Ihr Stoffwechsel gut aktiviert wird. Zum Beispiel können Sie 3 Mal pro Woche mehr als 10.000 Schritte oder ca. 4 Stunden pro Woche stramm gehen. Dabei sollte die Pulsfrequenz auf 140 Prozent des Ausgangswertes gesteigert werden, z. B. bei einer Ruhefrequenz von 72 bpm auf 100 bpm beim Gehen. Des Weiteren wird der Stoffwechsel durch Muskelaufbau, zum Beispiel durch Krafttraining, angeregt. Das erhöht insbesondere auch den Grundumsatz, das heißt den Verbrauch von Kalorien auch in körperlicher Ruhe.

So bilden Sie Wärme durch Ernährung

Sie können den Stoffwechsel auch durch die Einnahme von aktivierenden Speisen (zum Beispiel Chili, Ingwer) anregen. Das kann durchaus zu einem deutlichen Wiederanstieg der Körpertemperatur führen. Kühlende Speisen wie zum Beispiel Buttermilch, Quark oder Joghurt in größeren Mengen sollten Sie zu diesem Zeitpunkt meiden.

Ziehen Sie sich warm an

Sollten Sie ein vermehrtes Kältegefühl spüren, dann können in der Nacht Schlafstörungen auftreten. Bis eine aktive Wärmebildung durch körperliche Aktivität beziehungsweise Nahrungszufuhr greift, sollten Sie daher wärmere Kleidung tragen (“Flanell statt Seide und Baumwolle”). In der Nacht können durchaus lange Hosen und Longsleeve-Hemden, zum Beispiel Ski-Unterwäsche, sehr hilfreich sein. Auch für Bettsocken sollten Sie sich nicht zu schade sein.

 

 

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Intervallfasten – weniger Gewicht, besseres Lebensgefühl

Nachdem Sie nur Ihr Körpergewicht erfolgreich reduziert haben, stellt sich nun die Frage: wie kann ich mein Gewicht halten?

Sie werden wahrscheinlich gemerkt habe, dass die Sie sich mit weniger Pfunden ruhiger, ausgeglichener und beweglicher fühlen. Möglicherweise schlafen Sie auch besser. Kurzum, Ihnen geht es einfach viel besser. Dieses positive Lebensgefühl alleine sollte allen Anlass geben das Körpergewicht zu halten.

Weiterhin können Sie sich vor Augen führen, dass das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, Stoffwechselstörungen, wie z.B. Diabetes mellitus und nicht zuletzt für Gelenkerkrankungen mittelfristig deutlich sinkt. Kurz gesagt, Sie altern einfach langsamer als die anderen Menschen und sehen durch die bessere Beweglichkeit auch schon jünger aus.

Intervallessen – langfristig gesund

Kurzfristiges Fasten ist langfristig erfolglos. Das Wort Diät kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Lebensweise” – damit ist also eine langfristige Verhaltensänderung gemeint. Um Ihr Gewicht dauerhaft zu reduzieren, sollten Sie daher Ihre Lebensweise insgesamt anpassen.

Bei der Ernährung gilt es daher weiterhin achtsam zu sein. Nach erreichtem Gewichtsziel können Sie die nun leicht abgeänderte Formel weiter nutzen:

 

Täglich auf die Waage

Ihr Körpergewicht sollten Sie weiter über mindestens ein Jahr messen, bis der Körperstoffwechsel sich angepasst hat. Durch kontrollierte zusätzliche Mahlzeiten sollten Sie herausfinden, was bei Ihnen zu einer Gewichtszunahme führt – und diese Nahrung meiden. Auf jeden Fall ist körperliches Training angesagt (Intervalltraining, Muskelaufbau), um die Stoffwechselleistung vor allem im Winter hochzuhalten.

Temperaturmessung bleibt sinnvoll

Optimal ist, wenn Sie zusätzlich Ihre Körpertemperatur messen. Die kalte Jahreszeit ist besonders herausfordernd, um das Gewicht zu halten. Denn der Körper will dann eine Isolationsschicht (= Körperfett) aufbauen, um sich vor niedrigeren Temperaturen zu schützen. Besonders Menschen mit Winterblues sind hier gefährdet, da sie in der auch dunklen Jahreszeit zur vermehrten Nahrungszufuhr neigen. Hier hilft nur körperliches Training weiter.

Wenn Sie weiter Gewicht reduzieren wollen, sollten Sie kein Kältegefühl mehr haben und Ihre Körpertemperatur sollte im Wohlfühlbereich liegen. In der Regel funktioniert dann die nächste Runde der Gewichtsreduktion im folgenden Frühjahr.

Etappenziele machen bei starkem Übergewicht

Bei starkem Übergewicht macht es grundsätzlich Sinn, die Zielerreichung über 2 bis 3 Jahre zu planen, z.B. 8 kg pro Jahr. Das wirkt sich günstig auf die Stabilität der Gewichtsreduktion aus. Stärkere Gewichtsschwankungen z.B. durch den Wiederanstieg des Körpergewichts, dem sog. Rebound-Phänomen fallen geringer aus. Das wiederum ist günstig für die Gesundheit.

Darüber hinaus sollten Sie daran denken, dass sich ein starker Gewichtsverlust von z.B. 30 kg auf Ihr äußeres Erscheinungsbild auswirkt. Nicht nur Sie selbst nehmen sich anders wahr, auch Ihr soziales Umfeld. Beide Seiten müssen sich meistens erst einmal daran gewöhnen.

In der Cardiopraxis machen wir die Erfahrung, dass eine nachhaltige Gewichtsnormalisierung möglich ist. Sie sollten dafür einige Grundregeln beachten, konsequent sein und Geduld haben.

 

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Körpertemperatur – stabile Verhältnisse sind wichtig für Ihre Gesundheit

Für Ihre Gesundheit ist eine stabile Körpertemperatur ein besonders wichtiger Faktor. Schließlich benötigen alle biochemischen Prozesse in Ihrem Körper, vom kleinen Zeh bis zum Gehirn stabile Verhältnisse, um optimal aufeinander abgestimmt funktionieren zu können. Folgerichtig haben Abweichungen Ihrer Körpertemperatur vom individuellen Sollwert Funktionsstörungen zur Folge, die auch Ihre allgemeine körperliche und geistige Leistungsfähigkeit einschränken. Gerade bei Hitzestress sind abkühlende Maßnahmen, z.B. eine kühlende Dusche wichtig.

Die Wärmebildung erfolgt durch Ihren Stoffwechsel, sowohl in Ruhe als auch bei körperlicher und auch geistiger Aktivität. Selbst im Schlaf ist Ihr Stoffwechsel aktiv und sorgt für die richtige Temperatur. Damit Ihr Körper nicht überhitzt, gibt es auch verschiedene Mechanismen der Wärmeabgabe. Die Feinregulation erfolgt durch den Kreislauf über eine Veränderung des Blutflusses: ist der Blutfluss hoch, dann wird mehr Wärme abgegeben, ist er niedrig, dann versucht der Körper Wärme im Körper zu halten.

Messung von Körpertemperatur und Kreislauf – Hinweise auf individuelle Stoffwechselaktivität

Wir verfügen in der Cardiopraxis über umfangreiche Erfahrungen bei der unblutigen Blutflussmessung mit dem Finapres-System. Bei jeder Kreislaufmessung führen wir auch eine Temperaturmessung (Ohrmessung) durch. Daher haben wir die Möglichkeit bei jedem Menschen die individuellen Zusammenhänge zwischen Körpertemperatur und Blutfluss und Blutdruck besser zu erfassen und zu verstehen. Das gibt uns auch indirekte Hinweis auf Ihre Stoffwechselaktivität. Dabei müssen wir zahlreiche Faktoren berücksichtigen.

Körpertemperatur – schwankt in Abhängigkeit von vielen Faktoren

  • Tageszeit (Minimum 03:00-06:00 Uhr, Maximum 18:00-21:00 Uhr)
  • Außentemperatur
  • Alter (in der Regel je älter, desto niedriger)
  • Hormonstatus (Schilddrüse, Sexualhormone)
  • Kreislauf
  • Gewicht (in der Regel: je mehr Gewicht, desto mehr Temperatur)

Körpertemperatur und Blutfluss – wichtiger Indikator für körperliche Störungen

Körpertemperatur und Blutfluss – wichtig bei Therapie von Bluthochdruck und beim Fasten

Die Bedeutung der Körpertemperatur wird aus unserer Sicht vollkommen unterschätzt. Obwohl einfach und schnell zu erfassen, wird die Körpertemperatur viel zu selten von Ihnen und von Ärztinnen bzw. Ärzten gemessen.

Wir in der Cardiopraxis messen Ihre Körpertemperatur bei jeder Kreislaufmessung. Schließlich haben gerade die Ergebnisse der kombinierten Messung für uns eine herausragende Bedeutung bei der individuellen Behandlung des Bluthochdrucks und bei den Empfehlungen zum Fasten. So können wir Ihnen gezielt helfen und Nebenwirkungen auch bei der Verordnung von Medikamenten vermeiden. Interessanterweise kann z.B.  bei bestimmten Formen des Bluthochdrucks eine einfache Stoffwechselaktivierung dazu führen, dass Sie gar keine Medikamente benötigen.

Körpertemperatur – selber messen

Sie sollten gelegentlich Ihre Körpertemperatur selber messen. Am zuverlässigsten sind die Messungen im Enddarm oder im Ohr. Diese entsprechen am ehesten der Körperkerntemperatur, die am genauesten mit einer Darmkapsel gemessen werden kann. Aus praktischen Gründen empfehlen wir Ihnen die Messung im Ohr. Die Körpertemperatur schwankt in Abhängigkeit von der Tageszeit. Folgerichtig sollten Sie Ihre Körpertemperatur zu einem fest definierten Zeitpunkt messen. Bewährt hat sich hier die sog. Basaltemperatur morgens unmittelbar nach dem Aufwachen.

Der Sollwert für die Körpertemperatur kann zwischen den Menschen variieren. Indem Sie einige Tage hintereinander die Ohrtemperatur messen und den Mittelwert bilden, können Sie Ihren individuellen Sollwert ungefähr abschätzen. Folglich, falls dann Ihre Basaltemperatur nach wiederholtem Messen mehr als 0,5 Grad Celsius vom Sollwert abweicht, dann sollten Sie über die Ursache nachdenken – und ggf. einen Arzt bzw. eine Ärztin konsultieren.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Mit einer bewussten Steuerung aller Körperfunktionen wäre der Mensch überfordert. Vieles übernimmt daher ein autonomes System – das vegetative Nervensystem. Unbewusst steuert es zum Beispiel die Funktionsweisen von Herz-Kreislauf, Verdauung, Stoffwechsel, Immunsystem, Körpertemperatur und Fortpflanzung – und ist damit sehr wichtig für unser Wohlbefinden.

Zwei sich ergänzende Gegenspieler werden im Rahmen des Vegetativen Nervensystems reguliert. Der Nervus sympathikus sorgt mit Adrenalin und Noradrenalin für ein höheres Aktivitätslevel. Der Nervus vagus ermöglicht mit dem Botenstoff Acetylcholin, dass der Körper zur Ruhe kommt und sich regeneriert. Beide Systeme sind zum Überleben wichtig.

Ein Ungleichgewicht Ungleichgewicht von Nervus sympathikus und Nervus vagus ist krankheitsfördernd. Das gilt sowohl für ein Übergewicht des Nervus sympathikus als auch des Nervus vagus.

……weiter im Selbsthilfekurs “Angst besser verstehen & beruhigen”

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


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