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COVID-19 – Corona-Lungenentzündung als kritische Erkrankung

Die Corona-Lungenentzündung  mit Versagen der Atemfunktionist Hauptkomplikation der COVID-19 Virusinfektion. Das führt bei ca. 5% aller Fälle zur Notwendigkeit der künstlichen Beatmung auf einer Intensivstation, wobei die Beatmung in der Regel 1-2 Wochen dauert.

Die Lungenentzündung, die Viruspneumonie ist auch die Haupttodesursache der COVID-19 Virusinfektion. Vorausgesetzt es sind genügend Beatmungsplätze auf den Intensivstationen vorhanden, liegt die Gesamtsterblichkeit der COVID-19 Infektion bei 2-3%. Entsteht ein Engpass, weil alle Beatmungsplätze belegt sind, dann kann die Sterblichkeit um ein Vielfaches steigen.

Auf der anderen Seite ist aber auch so, dass bei 85% der Menschen die COVID-19 Virusinfektion nur mit Symptomen einhergeht, die gut zu Hause behandelt werden können. Das sind die sog. leichten- bis mittelschweren Verläufe.

Nun stellen wir uns natürlich die Frage, warum bei einigen Menschen schwere und bei anderen Menschen leicht- bis mittelschwere Verläufe auftreten. Hier kennen wir schon einige individuelle Risikofaktoren, wie. z.B.  Alter, Diabetes mellitus und Bluthochdruck.

Eine Antwort, warum es zu unterschiedlich schweren Verläufen kommt, kann sicherlich zu mindestens teilweise sein, dass es nicht nur wichtig ist, dass wir uns überhaupt, sondern auch wie wir uns infizieren.

Wir gehen davon aus, dass je schneller die immunologische Barriere im Mund-Rachenraum mit einer hohen Viruslast in Richtung Lunge überwunden wird, desto schwerer der Verlauf einer COVID-19 Virusinfektion.

COVID-19 – Wie gelangt das Corona-Virus in den Körper?

Die Eintrittspforten für das COVID-19 sind

  • Augen
  • Nase
  • Mund
  • Verletzungsstellen an den Händen

Der Eintritt über kleinere Verletzungen ist quantitativ wahrscheinlich von untergeordneter Bedeutung. Die Haupteintrittspforte ist der Mund. In den Mund gelangt das Virus im Wesentlichen über 3 Mechanismen:

  • Tröpfcheninfektion
  • Aerosolinfektion
  • Hand-Gesichts-Kontakt

COVID-19 – Infektion mit Corona Virus ist häufig eine Tröpfcheninfektion

Die COVID-19 Virusinfektion ist in erster Linie eine sog. Tröpfcheninfektion, d.h. Viren werden durch Tröpfchen, die beim Atmen, Husten oder Niesen in der Luft verteilt, wo sie dann über die typischen Eintrittspforten in den Körper eines anderen Menschen gelangen. Tröpfcheninfektion bedeutet hier, dass das Virus sich im ausgeworfenen Tropfen befindet und dort verbleibt, wo der Tropfen landet, sei es z.B. auf dem Fußboden oder dem Gesicht eines anderen Menschen.

Je weiter der andere Mensch vom Infizierenden Abstand hält, desto geringer die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung; 2 Meter Abstand müssen hier mindestens eingehalten werden.

Corona Virusinfektion – Infektion über Aerosol besonders gefährlich für die Lunge

Die wissenschaftlichen Daten sind hier zwar noch nicht eindeutig, aber wir müssen davon ausgehen, dass das COVID-19 Virus im Alltag auch in Aerosolform vorkommt. Aerosol bedeutet, dass das Virus im Gegensatz zur Tröpfcheninfektion, für eine bestimmte Zeit in der Luft schwebt.

Viren in einem Aerosol gelangen im Gegensatz zu einem Bestandteil eines Tropfens wesentlich besser in direkt die Lunge. Viren in Aerosolen überwinden so die immunologische Barriere im Mund-Rachenraum wesentlich besser. Die immunologische Auseinandersetzung mit dem Virus findet dann schon frühzeitig in der Lunge statt, was auch mit einer frühen Zerstörung von Lungengewebe einhergeht.

Die Bedingung, die die Aerosolbildung vor allen Dingen begünstigt, ist die hohe Konzentration von Menschen in einem geschlossenen Raum. Wenige bzw. ein einzelner Virusträger kann hier genügen, um die Tröpfchendichte so stark zu erhöhen, dass ein Virusaerosol entsteht. Das gilt wahrscheinlich besonders bei körperlicher Aktivität auf engem Raum, z.B. beim Tanzen in einem Club (siehe Apres Ski in Ischgl).

Hand-Gesichts-Kontakt vermeiden

Bei diesem Infektionsweg gelangt das Virus in mehr oder geringer Konzentration zunächst auf die Hände. Das kann über Körperkontakt oder durch Berührung von Virus-kontaminierten Oberflächen geschehen.

Wenn dann die kontaminierte Hand das Gesicht berührt, dann gelangt das Virus meistens über den Mundraum in den Körper. Daher sind Maßnahmen der Handhygiene so wichtig und wir sollten während der laufenden Epidemie die Hände immer unter der Schulterhöhe halten.

Wie lange kann das COVID-19 Virus außerhalb eines biologischen Organismus überleben?

Das COVID-19 Virus kann außerhalb eines biologischen Wirtes, d.h. außerhalb eines Menschen oder eines Tieres für eine begrenzte Zeit überleben und folglich infektiös bleiben. Nach ersten wissenschaftlichen Daten beträgt die Überlebensdauer hier:

  • Aerosol bis zu 3 Stunden
  • Kupferoberflächen bis zu 4 Stunden
  • Karton bis zu 24 Stunden
  • Edelstahl 2-3 Tage
  • Plastik 2-3 Tage

COVID-19 Virus – über Mund und Nase in den Körper und wie geht es dann weiter?

Die COVID-19 Virusinfektion ist in der Regel eine sog. absteigende Infektion. Das heißt, dass die Viren sich im Zeitverlauf vom Eintrittsort im Bereich des Mundes bzw. der Nase zur Lunge hin ausbreiten.

Durch den Erstkontakt des Virus über die Nase bzw. den Mund dominieren gerade in den ersten Tagen Symptome im Bereich des oberen Verdauungstraktes und in den oberen Luftwegen, d.h. im Mund-Rachenraum bzw. im Kehlkopfbereich und in der Luftröhre. Entsprechend sind frühe Symptome ein geröteter Rachen und ein trockener unproduktiver Husten, d.h. ein Husten ohne übermäßige Schleimbildung.

Wir müssen wissen, dass gerade der Mund-Rachenraum eine starke immunologische Barriere darstellt. Dieses sind neben den sog. Mandeln zahlreiche Lymphknoten. Sie erfüllen eine lebenswichtige Wächterfunktion, denn jeden Tag werden wir mit infektiologischen Angreifern, vor allen Dingen Viren und Bakterien konfrontiert.

Durch den Kontakt des Virus mit den Lymphknoten beginnt die immunologische Antwort Ihres Körpers auf die COVID-19 Infektion, was nach einem Zeitraum von ca. 14 Tagen in der Regel einen ausreichenden Antikörperspiegel und folglich auch einen Schutz vor COVID-19 Viren zur Folge hat. Diese spezifischen Antikörper wehren dann die Viren ab, kurzum sie machen sie unschädlich.

Primärziel bei der COVID-19 Virusepidemie

Das Primärziel bei der COVID-19 Virusepidemie ist es die Infektion so lange als möglich zu vermeiden. Dieses hat vor allen Dingen folgende Gründe:

  • Vermeidung von Überlastung Beatmungsplätze auf den Intensivstationen.
  • Zeitgewinn bis zur breiteren Anwendung von Antigentests (Virusnachweis) und Antikörpertests (immunologischer Schutz). Damit verbunden sind gezielteren Maßnahmen des Seuchenschutzes.
  • Zeitgewinn bis zur Entwicklung und Bewertung von spezifischen Therapiemaßnahmen zur Reduktion der Viruslast selbst (antiviral) und Verringerung einer überschießenden Immunantwort in der Akutphase.
  • Zeitgewinn bis zur Entwicklung einer Prophylaxe (Impfstoff)

Sekundärärziel bei der COVID-19 Virusepidemie

Neben dem Primärziel, d.h. dass wir gar keinen Kontakt mit dem Virus haben sollten, lässt sich unter Berücksichtigung des Infektionsweges ein sinnvolles Sekundärziel formulieren.

  • Konzentration des Virus im Körper bei Erstkontakt möglichst gering halten.
  • Viruslast in der Lunge bzw. im Magen-Darmtrakt so lange als möglich gering halten.

Bei dem Sekundärziel gilt es bei Kontakt mit Virusträgern die Konzentration des Virus in unserem Körper möglichst gering und am Ort der optimalen Infektabwehr im Mund-Rachenraum zu halten. Wir müssen dem Körper Zeit geben immunologisch auf das Virus zu reagieren. Dabei müssen wir so weit als möglich vermeiden, dass das Virus früh in die Lunge gelangt und dort mit der Schädigung des Lungengewebes beginnt.

Darüber hinaus müssen wir den frühzeitigen Eintritt des Virus in den Darmtrakt verhindern. Auch bei Menschen, die zu Beginn Darmsymptome hatten, sind besonders schwere Krankheitsverläufe der COVID-19 Virusinfektion berichtet worden. Inwieweit Protonenpumpenhemmer zur Reduktion der Magensäure, die ja auch selber einen infektiologischen Schutz darstellt, hier eine schädliche Rolle spielt, ist spekulativ, aber aus unserer Sicht wahrscheinlich. Überwindet das Virus den Magen, dann kann es sich leichter über den Darm im Körper ausbreiten. Folglich raten wir Menschen soweit als möglich dazu auf Medikamente zur Reduktion der Magensäure, vor allen Dingen auf sog. Protonenpumpenhemmer zu verzichten.

 Corona-Lungenentzündung

Corona-Lungenentzündung – die Pneumonie bei COVID-19 Virusinfektion

Die Pneumonie bei der COVID-19 Virusinfektion führt relativ spät zu Symptomen. Das hat 2 wesentliche Gründe.

Absteigende Infektionsausbreitung. Der eine Grund ist, wie bereits angesprochen der typischerweise absteigende Charakter der Virusinfektion vom Mund-Rachenraum bzw. von den oberen Atemwegen in die Lunge.

Atypischer Charakter der Pneumonie. Der andere Grund ist, dass es bei der COVID-19 Viruspneumonie noch vor Ausprägung der Atemnot in der Regel deutliche, z.T. schwere radiologische Veränderungen im Röntgen-Thorax und im Thorax-CT nachgewiesen werden können. Es besteht also ein Missverhältnis zwischen Symptomen und Strukturveränderungen der Lunge. Vom Erscheinungsbild ähnelt die COVID-19 Viruspneumonie somit einer sog. atypischen Pneumonie.

Die atypische Pneumonie ist dadurch gekennzeichnet, dass vor allen Dingen das Lungengerüst mit den Bereichen zur Aufnahme bzw. Abgabe von Sauerstoff bzw. Kohledioxid gestört ist. Die Transitstrecke zwischen Gasaustauschfläche und Blutgefäßen wird durch entzündliche Veränderungen verbreitert und der Gasaustausch folglich erschwert. Bei nur geringer körperlicher Aktivität hat das nicht unbedingt Symptome zur Folge. Wir sehen dann auch Menschen, die einen Sauerstoffsättigung des Blutes von 80% (normal 92-96%) haben, ohne dass sie sich zunächst beeinträchtigt fühlen.

Die typische Pneumonie, meistens eine bakterielle Pneumonie hingegen ist bereits in der Frühphase dadurch charakterisiert, dass sich die lufthaltigen Bereiche der Lunge, Lungenbläschen oder auch Alveolen genannt mit entzündlicher Flüssigkeit füllen. Folglich wird aus einer gesunden Lunge, eine schwere Lunge und die Atemarbeit steigt frühzeitig an. Sie können sich das so vorstellen, dass aus einem trockenen leichten Schwamm ein nasser schwerer Schwamm wird.

Vorbeugende Maßnahmen zum Schutz der Lunge bei COVID-19 Virusepidemie

Zum Schutz der Atemwege und der Lunge gibt es verschiedene sinnvolle Maßnahmen.

  • Nasen-Einatmung – Mund-Ausatmung
  • Konzentration von Menschen auf engem Raum vermeiden
  • geschlossene Räume regelmäßig lüften
  • Mundschutz bei Verlassen des Hauses

Atmung optimieren

Durch die Einatmung durch die Nase wird der Atemwiderstand erhöht und die potentiell Virus-haltige Atemluft wird bei der Einatmung durch die Nase im Vergleich zum Mund frühzeitiger mit dem Immunsystems des Rachens in Kontakt gebracht. Die Ausatmung durch den Mund ermöglicht eine möglichst komplette Entleerung Luftwege und hat damit in gewisser Weise einen Auswascheffekt.

Konzentration von Menschen auf engem Raum vermeiden

Die selbstverständlichste und wichtigste Regel ist die Einhaltung eines Abstandes zwischen Menschen von mindestens 2 Meter. So wird das Risiko für eine Tröpfcheninfektion deutlich verringert.

Corona Luftqualität – Räume lüften

Die Viruslast in einem Raum kann durch regelmäßiges Lüften deutlich gesenkt werden. Die Qualität, und damit die Viruslast der Raumlauft kann über den Gehalt an CO2 bewertet werden. In der Raumluft beträgt die Konzentration 350 ppm, in der normalen Ausatemluft ca. 40.000 ppm. Eine Raumluft von < 1.000 ppm gilt als unbedenklich. Hat eine Person in einem Raum mit 30 Menschen eine Virusgrippe, dann beträgt die Ansteckungsrate innerhalb von 4 Stunden bei entsprechenden CO2-Messungen bei:

  • 1.000 ppm 5/29 = 17,2%
  • 2.000 ppm 12/29 = 51,4%
  • 3.000 ppm 15,29 = 51,7%

Diese Zahlen, die sich sicherlich auf die Verhältnisse von COVID-19 übertragen lassen, veranschaulichen, wie wichtig neben der Verringerung der Konzentration von Menschen auch das Lüften von geschlossenen Räumen ist.

Zur Veranschaulichung: bei einem Kubikmeter Luft, d.h. einem Würfel mit einer Kantenlänge von 1x1x1 m entsprechen 1.000 ppm einem Anteil von 10x10x10 cm.

Optimal zur Bestimmung der Qualität der Raumluft ist ein CO2-Messgerät, welches Sie z.B. im Baumarkt (noch) besorgen können. Wir halten die Anschaffung für Betriebe, die weiter arbeiten müssen für sinnvoll.

 

 Corona-Lungenentzündung – Mundschutz oder Maske außerhalb des Hauses tragen

Wir unterscheiden beim Mundschutz grundsätzlich den Selbstschutz und den Fremdschutz.

Zusammengefasst lässt sich festhalten:

  • bei gesunden ist JEDER Mundschutz ist besser als keiner
  • infizierte Menschen müssen einen normalen Mundschutz tragen. FFP2- und FFP3-Masken dürfen von symptomatischen bzw. sicher infizierten Menschen NICHT getragen werden

 Corona-Lungenentzündung

Corona – Atemschutzmaske FFP2 und FFP3 relevant als Infektionsschutz zum Selbstschutz

Die bekannten FFP2- und FFP3-Masken (Filtering Face Piece Level 2/3) schützen den Träger mit einer Sicherheit von ca. 99% vor der Inhalation von Viren. Sie weisen bei der Ein- und Ausatmung spezifische Eigenarten auf.

Einatmung. FFP2- und FFP3-Atemschutzmasken stellen einen spürbar er höhten Atemwegswiderstand bei der Einatmung gerade für Lungenerkrankte dar. Die vermehrte Atemarbeit kann so zu einer schnelleren Erschöpfung mit der Notwenigkeit einer maschinellen Beatmung führen.

Ausatmung. Bei Atemschutzmasken erfolg die Ausatmung durch zwar durch das Ventil, Allerdings mit deutlich niedrigerem Atemwegswiderstand als bei der Einatmung. Ist der Träger der Maske virusinfiziert, dann weist die Ausatemluft durch diese Masken eine stark konzentrierte hohe Viruslast auf. Menschen, die Virusträger sind, dürfen daher eine solche Maske in der Gegenwart anderer Menschen nicht tragen. Ein Virusträger mit einer FFP2 bzw. FFP3-Maske ist ein Fremdgefährder.

Corona – Atemschutzmasken – Halb- und Vollmasken

Die FFP2 bzw. FFP3 werden auch in sog. Halb- oder Vollmasken in Filterkartuschen mit Schraubgewinde verbaut. Diese Masken aus Gummi oder Kautschuk zeichnen sich durch einen einen besseren Dichtungsausschluss aus als die gängigen Fliesmasken. Weiterhin halten die Filtersysteme zum Teil sehr lange.

 

 Corona-Lungenentzündung

Corona – Papiermasken und Stoffmasken relevanter Infektionsschutz für Fremdschutz und Selbstschutz

Der einfache Mundschutz aus Papier- bzw. Stoffmaterialien schützt nur unvollständig vor der inhalativen Aufnahme von COVID-19 Viren durch die Atmung. Allerdings gehen wir sicher davon aus, dass die Viruslast, d.h. die Konzentration des Virus bei der Einatmung durch diese Masken reduziert wird. Hier kommt das “wie” bei der Infektion zum Tragen: je länger die die Viruslast im Körper gering bleibt, desto mehr Zeit hat Ihr Immunsystem eine effiziente immunologische Antwort zu entwickeln und damit möglicherweise eine schwere Virusinfektion zu verhindern.

Erkrankte bzw. symptomatische Menschen müssen einen einfachen Mundschutz tragen.

Einmalartikel aus Papier sollten am Tage mehrmals gewechselt werden.

Allerdings werden uns die Versorgungsengpässe hier dazu zwingen auf nicht-optimal Lösungen zurückzugreifen. Festere Papiermasken, übrigens auch die FFP2 und FFP3-Masken können mittels feuchter Bürstenreinigung gereinigt und in die Sonne zum Trockenen gehängt werden. Die UV-Strahlung der Sonne unterstützt das Absterben des Virus. Ein System mit 1 personalisierten Maske pro Tageshälfte für 3 Tage, das bedeutet 6 Masken insgesamt erscheint praktikabel. So liegt eine Maske nach der Reinigung für 72 Stunden bis sie wieder getragen wird.

Stoffmasken müssen am Tag mindestens 2 Mal über 10 Minuten in kochendem Wasser ausgekocht werden. Sie sollten also immer einen Kochtopf spezielle zur Reinigung auf dem Herd stehen haben.

Zusammengefasst lässt sich festhalten:

  • bei gesunden ist JEDER Mundschutz ist besser als keiner
  • infizierte Menschen müssen einen normalen Mundschutz tragen. FFP2- und FFP3-Masken dürfen von symptomatischen bzw. sicher infizierten Menschen NICHT getragen werden

Sonderfall – infizierte Person im eigenen Haushalt

Ist eine Person im eigenen Haushalt infiziert bzw. besteht der Verdacht auf eine COVID-19 Virusinfektion, dann stehen alle Mitglieder dieses Haushaltes unter Quarantäne, da alle infiziert sein können. Auch in diesem Fall sollten die noch nicht symptomatischen Mitglieder des Haushaltes die oben genannten Schutzmaßnahmen zur Reduktion der Viruslast im eigenen Körper nutzen.

Infizierte Person. Die nachgewiesen infizierte bzw. potentiell infizierte symptomatische Person sollte im eigenen Haushalt immer einen einfachen Mundschutz tragen. Eine sog. FFP2 oder FFP3 Maske darf nicht getragen werden, weil durch diesen Maskentyp die Viruskonzentration in der Ausatmenluft konzentriert wird. Andere noch nicht infizierte Personen dürfen durch eine höhere Viruslast nicht zusätzlich gefährdet werden.

Ist ein medizinischer Mundschutz nicht vorhanden, dann können Hilfskonstruktionen, wie z.B. Halstücher verwendet werden. Stoffmasken bzw. Hilfskonstruktionen aus Stoff müssen mehrmals am Tag in kochendem Wasser für 10 Minuten ausgekocht werden.

Nicht-infizierte Person. So lange keine Symptome bestehen bzw. eine COVID-19 Virusinfektion nicht nachgewiesen ist, können diese Menschen zum Selbstschutz FFP2 und FFP3 Masken tragen. Alle Maßnahmen einschließlich Abstandsregeln und Handhygiene müssen eingehalten werden.

COVID-19 Virusepidemie – wachsam und informiert bleiben

Die Erkenntnisse und „Verhaltensweisen“ des Virus mehren sich bzw. werden nachvollziehbarer. Daher sind aus unserer Sicht fachliche Updates sehr wichtig. Heute ist der Wissensstand der letzten Woche schon wieder alt. Zum Glück erweitert sich das Wissen nun, so dass sich jetzt alle bisherigen Maßnahmen als die die richtigen erwiesen haben.

Informieren Sie sich regelmäßig zu neuen Erkenntnissen, z.B. auch beim Robert-Koch-Institut (RKI). Das RKI hat viel Kritik einstecken müssen, vielleicht zum Teil auch zu Recht. Allerdings machen Schuldzuweisungen im Hinblick auf die Vergangenheit keinen Sinn und sind sogar kontraproduktiv. Wir müssen alle, jeder einzelne von uns nach vorne denken und handeln und die Probleme Schritt-für-Schritt lösen.

Genauso wenig wie es Sinn macht vergangene Chancen zu beklagen, sollten wir uns nicht der Illusion hingeben, dass die Hygienemaßnahmen mit Abstandsregel, Mundschutz und Händedesinfektion so bald verschwinden werden. Wir werden mindestens bis zu einer kompletten Durchseuchung bzw. zur breiten Einführung eines Impfstoffes verschärfte Regeln einhalten müssen. Wer anderes behauptet oder will, der lebt in einer gefährlichen Illusion und ist ein Narr (meistens alte Männer).

Auch, wenn wir einen Impfstoff haben, werden wir nicht unser “altes Leben” zurückkommen. Wir haben über Mitbürger aus Asien immer gelächelt, weil sie gerade auf Flugreisen einen Mundschutz tragen. Wir können davon ausgehen, dass auch wir Europäer in der Zukunft dauerhaft infektiologisch vorsichtiger sein werden, denn nach SARS (2002), MERS (2012) und COVID-19 (2019) kommt die nächste Virusepidemie bestimmt.

Literatur

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Modulation von COMT und MAO durch Östrogen, Testosteron und Aromatase

Über die Enzyme Catechol-O-Methyltransferase (COMT) und die Monoaminoxidase (MAO) werden die aktivierenden Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin abgebaut. Dadurch haben diese beiden Enzyme nicht nur einen Einfluss auf Ihr Verhalten und Befinden, sondern auch auf Ihr Herz-Kreislaufsystem, zum Beispiel auf den Herzrhythmus und den Blutdruck.

Wir unterscheiden Menschen mit genetisch unterschiedlichen Varianten von COMT und MAO:

  • Low-COMT bzw. -MAO = langsamer Abbau
  • Intermediate-COMT bzw. -MAO = mittel-schneller Abbau
  • High-COMT bzw. -MAO = schneller Abbau

Die Bildung der COMT und MAO wird epigenetisch, das heißt direkt durch das An- und Abschalten von Genen entscheidend durch die Hormone Östrogen und Testosteron beeinflusst. Östrogen hemmt die genetische Bildung von COMT und MAO, Testosteron steigert sie.

COMT, MAO und Dopamin bei Frauen – normaler Ovarialzyklus und Pille

Östrogen hemmt die Bildung von COMT und MAO und STEIGERT so indirekt die Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin.

Besonders deutlich wird der Einfluss von Östrogen auf COMT und MAO bei Frauen mit einem normalen Ovarialzyklus. Dementsprechend zeigen sich in der Regel zum Teil sehr eindrucksvolle Unterschiede zwischen der 1. und der 2. Zyklushälfte.

In der Östrogen-dominierten 1. Zyklushälfte, d.h. vor dem Eisprung sind Frauen meistens aktiver, sozial offener und folglich glücklicher. Das ist wesentlich auf einen erhöhten Dopaminspiegel zurückzuführen, weil Östrogen über seine Wirkung auf COMT indirekt den Abbau von Dopamin hemmt. Die mit Östrogen und Dopamin verbundene positiven Ausstrahlung wird auch “Glow” (engl. Leuchten) genannt.

Der „Glow“ macht evolutionsbiologisch Sinn, da die 1. Zyklushälfte auf eine Befruchtung und damit auf die Herbeiführung einer Schwangerschaft ausgerichtet ist. Frauen in der 1. Zyklushälfte haben so für Männer eine höhere Anziehungskraft, während der “Glow” bei anderen Frauen eher Konkurrenzverhalten provoziert.

In der Progesteron-dominierten 2. Zyklushälfte, die ja auf eine mögliche Schwangerschaft ausgerichtet ist, tritt der “Glow” dann wieder in Hintergrund. Ursache ist hier eine Zunahme von Progesteron in Relation zu Östrogen. Progesteron verhindert indirekt die hemmende Wirkung von Östrogen auf die Bildung von COMT und MAO.

Kurzum, diese Zusammenhänge zwischen Östrogen und der verminderten Bildung von COMT bzw. MAO erklären die Veränderungen der Stimmung im Laufe des Ovarialzyklus. Östrogen hat einen somit entscheidenden Einfluss auf die Konzentration der aktivierenden Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin.

Frauen, die zur Empfängnisverhütung die “Pille” nehmen, müssen sich darüber im Klaren sein, dass die “Pille” mit ihrem Progesteronanteil die 2. Zyklushälfte simuliert. Das bedeutet grundsätzlich, dass gute Stimmung, Gefühle von Glück und eine gute Ausstrahlung weniger wahrscheinlich sind, als wenn sie die Pille nicht nehmen würden.

COMT, MAO und Dopamin bei Frauen – Schwangerschaft und Wochenbettdepression und Menopause

Während der Schwangerschaft sind nicht nur die Progesteron-, sondern auch die Östrogenwerte deutlich, zum Teil um ca. das 30-fache erhöht. Das bedeutet, dass Frauen sich in der Schwangerschaft meistens glücklicher fühlen. Inwieweit hier Unterschiede bestehen, wenn eine Frau mit einem Jungen oder einem Mädchen schwanger ist, ist uns noch unklar.

Veränderungen des Hormonstatus um die Geburt herum, vor allen Dingen der Östrogen-Sturz mit Beendigung der Schwangerschaft, erhöhen das Risiko für eine peripartale Depression, die in 10-16% aller Geburten vorkommt. Nach der Geburt nennen wir diese Form der Depression eine Wochenbettdepression.

Aus unserer Sicht sind schwangere Frauen, die von vorneherein genetisch bedingt einen gesteigerten Abbau von aktivierenden Neurotransmittern aufweisen, vor allen Dingen solche mit High-COMT- und High-MAO-Genpolymorphismus für eine Wochenbettdepression besonders gefährdet. Diese Annahme wird indirekt auch durch wissenschaftliche Daten gedeckt, die belegen, dass Frauen, die vor der Schwangerschaft eine depressive Episode hatten, ein doppelt erhöhtes Risiko für eine Wochenbettdepression haben.

In Kenntnis der Genpolymorphismen für COMT und MAO können bei Frauen, die ein erhöhtes Risiko für Wochenbettdepression haben, frühzeitig noch während der Schwangerschaft Vorkehrungen getroffen werden, die dann nach der Geburt durchgeführt werden, um die Depression zu verhindern.

Sofern kein Stillwunsch besteht, kann über eine vorübergehende Östrogensubstitution nach Beendigung der Schwangerschaft nachgedacht werden. Vitamin D sollte in höheren Dosen von 40.000 bis 60.000 Einheiten pro Woche gegeben werden. Vitamin D steigert indirekt über eine epigenetische Induktion der Tyrosin-Hydroxylase die Bildung von Dopamin. Angestrebt werden sollten Vitamin D Talspiegel im Blut von 50-80 µg pro l. Auch die spezifische vorübergehende Gabe von Antidepressiva muss erwogen werden. Folglich ist eine eine enge Abstimmung zwischen der schwangeren Frau, Geburtshelfer, Frauenarzt, Spezialisten für Neurotransmittern und auch einer Psychiaterin bzw. einem Psychiater erforderlich.

COMT, MAO und Dopamin bei Frauen – Menopause bei High-COMT und/oder High-MAO

Mit der Menopause um das 50. Lebensjahr nimmt die Hormonbildung in den Eierstöcken ab, Östrogen und Progesteron werden dann hier kaum noch gebildet. Das erhöht gerade bei Frauen mit einer hohen Abbaurate von Neurotransmittern (High-COMT, High-MAO) das Risiko für Depressionen. Auch hier kann die Substitution von Hormonen und Vitamin D in Erwägung gezogen werden.

Gerade bei Wechseljahresbeschwerden könne wir diese durch die Gabe von Östrogen lindern, was folglich auch die allgemeine Stimmung hebt. Da mit steigendem Alter, und gerade bei Frauen ab der Menopause das Risiko, zum Beispiel für Gebärmutterkrebs grundsätzlich erhöht ist, sollte nie die alleinige Gabe von Östrogen über einen längeren Zeitraum stattfinden. Daher wird immer eine Kombination aus Östrogen und Progesteron gegeben.

Allerdings sollte bei einem hormonellen Ansatz zur Modulation einer Depression bei Frauen mit High-COMT bzw. High-MAO darauf geachtet werden, dass die Relation zugunsten der Östrogendosis so ausbalanciert ist, dass der gewünschte Effekt eintritt. Dabei spielt in der Regel das Gleichgewicht meistens eine größere Rolle als die absolute Menge an zugeführtem Östrogen.

COMT, MAO und Dopamin bei Frauen – Menopause bei Low-COMT und/oder Low-MAO

Auf der anderen Seite ist es so, dass Frauen die als genetische Voraussetzung einen Low-COMT Stoffwechsel aufweisen, die Menopause als durchaus als angenehm empfinden. Durch den abfallenden Östrogenspiegel werden überschüssige aktivierende Neurotransmitter besser abgebaut. Folglich können kreisende Gedanken, innere Unruhe und Angstgefühle besser beherrschbar werden bzw. verschwinden. Erfahrene Frauenärztinnen bzw. -ärzte wissen das sehr genau.

Wir beobachten auch, dass gerade Frauen mit Low-COMT Genpolymorphismus den “Glow”, das heißt die positive Ausstrahlung, die üblicherweise in der 1. Zyklushälfte vor der Menopause regelmäßig auftritt, gewissermaßen in die Postmenopause „hinüberretten“. Kurzum, Frauen mit Low-COMT Genpolymorphismus behalten in der Postmenopause häufig eine jugendlichere Ausstrahlung.

Wenn in den Wechseljahren bei einer Frau mit Low-COMT Genpolymorphismus eine Hormontherapie, zum Beispiel zur Behandlung von Hitzewallungen erwogen wird, dann müssen wir übrigens besonders vorsichtig vorgehen. Aus Erfahrung wissen wir, dass in einem solchen Fall ein Übermaß an Östrogen Angst und Panikattacken provozieren kann. Deshalb ist es sinnvoll, wenn in solchen Fällen das Gleichgewicht von Östrogen und Progesteron mehr zu Gunsten von Progesteron ausbalanciert wird.

COMT und MAO bei Männern – Testosteron

Testosteron steigert die Bildung von COMT und MAO und SENKT so indirekt die Konzentration der Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin.

Männer gelten im Vergleich zu Frauen zunächst einmal als weniger schwingungsfähig, das heißt weniger emotional. Das kann im Sozialverhalten auch mit weniger Empathie verbunden sein. Dieses hat sicherlich auch damit zu tun, dass Testosteron bei Männern grundsätzlich gerade im jungen und mittleren Lebensalter indirekt bewirkt, dass die aktivierenden Neurotransmitter vermehrt abgebaut werden.

Gerade die Kombination aus High-COMT und High-MAO kann in Verbindung mit höheren Testosteronspiegeln im jüngeren und mittleren Lebensalter zu Risiko-affinem Verhalten führen. Um sich den “Adrenalin-Kick “ zu geben, tun dann Männer zum Teil waghalsige Dinge, zum Beispiel bei Mutproben, im Straßenverkehr und bei den beliebten Extremsportarten.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Männer (und Frauen) mit einem gesteigerten Abbau von aktivierenden Neurotransmittern gerade bei High-COMT eher depressionsgefährdet sind. Vor allen Dingen sollten diese Männer im Umgang mit der medikamentösen Zufuhr von Testosteron vorsichtig sein, da Testosteron den vorbestehenden High-COMT Stoffwechsel verstärkt und so depressive Verstimmungen provozieren kann.

COMT und MAO  – Testosteron und Östrogen im Verlauf des Lebens

Schließlich nehmen mit zunehmendem Lebensalter, ungefähr zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr beim Mann die Testosteronspiegel und bei der Frau die Östrogenspiegel jeweils ab. Das führt gewissermaßen dazu, dass bei Frauen die Schwingungsfähigkeit ab- und beim Mann zunimmt. Folglich werden Frauen grundsätzlich eher emotional schwingungsärmer und Männer schwingungsfähiger.

Folglich kann die Abnahme von Testosteron mit zunehmendem Lebensalter bei Männern durchaus mit einem Mehr an Empathie verbunden sein. Kompliziert wird das aber dadurch, dass gerade bei Männern mit Low-MAO Genpolymorphismus die Reizbarkeit steigen kann, was aufgrund von Überreizung mit frühzeitiger Erschöpfung, latent aggressivem und sozialvermeidendem Verhalten in späteren Lebensjahren verbunden sein kann.

COMT und MAO bei Männern – Aromatase

Eine besondere Bedeutung bei der Bildung von Östrogen, und damit auch für die Steuerung COMT und MAO hat die Aromatase. Das Enzym Aromatase bewirkt die Umwandlung von Testosteron in 17ß-Östradiol auch außerhalb der Eierstöcke bzw. der Hoden. Wir haben es hier sowohl mit quantitativen und als auch einem qualitativen Aspekt zu tun.

Die quantitative Bedeutung der Aromatase erschließt sich über den hohen Gehalt an Aromatase im Fettgewebe. Das Bauchfett ist der Hauptort bei der extragonadalen Bildung des 17ß-Östradiols, d.h. außerhalb der Eierstöcke bzw. der Hoden. Kurzum, je mehr Bauchfett, desto mehr 17ß-Östradiol. Ebenfalls erkennen wir das immer wieder recht deutlich durch die hohen Östrogenspiegeln bei übergewichtigen Männern. So hat Übergewicht auch bei Männern über eine Östrogen-vermittelte Verringerung von COMT und MAO einen deutlichen Einfluss auf das emotionale Befinden und den Kreislauf.

Qualitativ betrachtet müssen wir wissen, dass es für die Bildung der Aromatase, auch CYP19A1 (Cytochrom P450 19A1) genannt genetische Varianten gibt, die zu einer gesteigerten Bildung von 17ß-Östradiol beitragen. Dieser “fast metabolism”, auch „High-Aromatase“ genannt hat nicht nur bei einer gesteigerten Bildung von 17ß-Östradiol unabhängig von der Menge an Bauchfett eine Relevanz, sondern auch bei der Verstoffwechselung von medikamentös zugeführtem Testosteron (Gel, Injektion) eine Bedeutung. Folglich wird bei den “fast metabolizern” das zugeführte Testosteron schnell und im Übermaß in 17ß-Östradiol umgewandelt.

Über die genetisch bedingte unterschiedliche Stoffwechselgeschwindigkeit der Aromatase erklären sich auch Einflüsse auf die Abbaugeschwindigkeiten von COMT und MAO: je schneller die Aromatase und damit die Östrogenproduktion, desto langsamer ist aufgrund der Östrogenhemmung der Abbau von aktivierenden Neurotransmittern über COMT und MAO.

Sonderfall – Abbau von Östrogen über COMT

Bei der Bewertung von Östrogen sollte auch berücksichtigt werden, dass Östrogen zum Teil selber von COMT abgebaut wird. Folglich wird gerade bei Frauen mit Low-COMT Metabolismus der Verstoffwechselung von aktivierenden Neurotransmittern über 2 Wege gestört, einmal über die epigenetische Hemmung der Bildung von COMT und zusätzlich auch über die zusätzliche Belastung des geschwächten Enzymweges durch Östrogen.

Zudem ist die Konstellation aus “Low-COMT+High-Aromatase“ gewissermaßen ein sich selbst verstärkender Prozess, eine positive Feed-back Schleife. Das kann daher nicht nur über eine Steigerung der aktivierenden Neurotransmitter, sondern auch durch die Nebenwirkungen von Östrogen unabhängig vom Neutransmitterstoffwechsel zu erheblichen gesundheitlichen Konsequenzen führen. Schließlich ist ein Zusammenhang zwischen diesen Mechanismen und Autoimmunerkrankungen, die ja in circa 80% der Fälle bei Frauen vorkommen, denkbar.

Ferner interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Progesteron-sensitive Akne. Viele, gerade junge Frauen haben eine Akne, die mit Einnahme der Pille, d.h. einem Übergewicht an Progesteron gut beherrschbar wird. Wir haben hier den deutlichen Eindruck, dass die Kombination aus „Low-COMT+High Aromatase“ eine Rolle spielt. 

Therapeutischer Nutzen COMT und MAO – Frauenarzt, Urologe, Psychiater und Kardiologe

Wie durch die Ausführung deutlich wird, macht eine isolierte Bestimmung von COMT und MAO dementsprechend wenig Sinn. Schließlich erlaubt nur die Zusammenschau der Genpolymorphismen für COMT beziehungsweise MAO in Verbindung  mit dem individuellen Hormonstatus und  den Ko-Faktoren der einzelnen Enzyme sinnvolle therapeutische Entscheidungen.

Von besonderem therapeutischem Nutzen sind die Kenntnisse zum Stoffwechsel der aktivierenden Neurotransmitter für die medizinischen Fachgebiete, die sich mit emotionalen, Hormon-abhängigen und Herz-Kreislauf-bezogenen Störungen auseinandersetzen, kurzum für Psychiater, Gynäkologen, Urologen und Herz-Kreislaufmediziner. Dementsprechend wird für die betroffenen Menschen eine gezieltere und damit bessere Behandlung möglich. Folglich können Menschen mit bestimmten Symptomen können besonders profitieren:

  • innere Unruhe, zum Beispiel kreisende Gedanken, Angst bis hin zu Panikattacken
  • depressive Verstimmung bis hin zu Depressionen
  • Herzrhythmusstörungen, zum Beispiel Herzrasen, Herzstolpern
  • Blutdruckerhöhungen, beispielsweise auch stark schwankender Blutdruck

Wir wissen, dass auch für Ärztinnen und Ärzte die Zusammenhänge zwischen aktivierenden Neurotransmittern, COMT und MAO in Beziehung zu den Hormonen Östrogen und Testosteron einschließlich der Ko-Faktoren zunächst nicht einfach zu verstehen sind. Die Mühe lohnt sich allerdings, denn wir haben in der Cardiopraxis gelernt, dass wir die Menschen einfach so besser kennen und die Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen individueller ausrichten können.

Literatur für alle

Literatur zu Aromatase

Literatur zu Verhaltensbiologie

Literatur zu Schwangerschaft

Literatur zu Östrogen und Testosterone

 

 

 

 

 

 


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Covid-19 prognose

Corona – CoronaFuturum-Prognoserechner für den Verlauf der COVID-19 Virusepidemie

Wir stellen Ihnen den CoronaFuturum-Corona Prognose-Rechner für COVID-19 vor. Es handelt sich um einen Corona Ticker für den Verlauf der COVID-19 Virusepidemie.

Alle Modelle sind falsch, aber einige sind nützlich. (George Box)

CoronaFuturum – Corona Prognose-Rechner für COVID-19 – Kurzeinfführung

Die Ausbreitung des des COVID-19 Virus entwickelt sich  zeitweise einer Exponentialfunktion.

Wir haben uns daher als erstes gefragt:

  • “Wie sieht der Verlauf der COVID-Infektion in den nächsten 10 Tagen aus?”
  • “Wie können wir erkennen, ob die Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-10 Virusepidemie greifen?”

Folglich haben wir für jedes Land eine landespezifische SOLL-Kurve für den natürlichen Verlauf der Virusepidemie abbildet. Grundlage sind der landesspezifische anfängliche Kurvenverlauf und der damit verbundenen Ansteckungsrate pro infizierte Person. Diese stellen wir den tatsächlichen Fallzahlen, dem IST-Verlauf gegenüber, um einen Eindruck zu gewinnen, ob die getroffenen Maßnahmen greifen oder nicht. Diese Daten finden Sie unter „Anpassung Exponentialfunktion“.

Als nächstes haben wir uns gefragt:

  • „Wann wird der Höhenpunkt der Krise erreicht sein und wie klingt sie ab?“

Zu diesem Zweck haben wir das SIR-Modell für Sie entwickelt.

Darüber hinaus finden Sie noch weitere interessante Aufarbeitung der Zahlen, die wir aus offiziellen Quellen täglich mehrmals aktualisieren.

Unser Ziel ist es Ihnen Planungssicherheit für die mittelfristige Zukunft zu verschaffen. Dabei ist zu beachten, dass es sich hier um eine einfache statistische Anpassung handelt. Dementsprechend sagen wir nicht, dass die realen Fallzahlen immer weiter einer Exponentialfunktion folgen werden. Vielmehr erwarten wir, dass die IST-Kurve der tatsächlichen Fallzahlen von den exponentiellen SOLL-Zahlen mit Greifen der Maßnahmen der Eindämmung nach unten abweichen wird (siehe auch China).

Die Benutzung des COVID-19-Rechners erfolgt auf eigenes Risiko.

Prognose der COVID-19 Virusepidemie – statistisch abbildbar?!

Die COVID-19 Virusinfektion ist eine entzündliche Erkrankung, die sich durch Ansteckung verbreitet. Folglich gehen wir davon aus, dass in der normalen sozialen Gemeinschaft pro Virusträger 2-3 weitere Menschen angesteckt werden. Damit folgt die COVID-19 Virusinfektion mathematischen Gesetzmäßigkeiten. Auf dieser Grundlage haben wir für Sie den CoronaFuturum-PrognoseRechner mit grafischer Darstellung der Erkrankung im Zeitverlauf sowohl für Deutschland als auch für andere Länder erstellt.

Man muss Dinge so einfach wie möglich machen. Aber nicht einfacher. (Albert Einstein)

Prognose bedeutet in diesem Fall, dass wir über einen begrenzten Zeitraum von bis zu 10 Tagen die Anzahl der infizierten Menschen in der Zukunft relativ sicher abschätzen können. Der CoronaFuturum-PrognoseRechner für die COVID-19 Virusepidemie greift täglich auf die offiziellen Zahlen der Epidemie zu und hat sich bisher als erstaunlich zuverlässig erwiesen.

Darüber hinaus können wir über durch die Abweichung der tatsächlichen Ist-Werte vom statistischen Soll-Wert einen Hinweis darauf erlangen, wann die Infektion durch Maßnahmen der Hygiene beherrscht wird.

Ohne Frage, das Leben mit einer potentiell tödlichen Virusepidemie ist nicht einfach. Wir wissen allerdings auch, dass diese Virusepidemie zu Ende gehen wird. Durch klares Denken und strukturiertes Handeln eines jeden Einzelnen von uns im Kontext des sozialen Miteinanders können wir selber die Epidemie für uns alle frühzeitig beenden.

Unser Hauptziel ist es daher, Ihnen Sicherheit im Umgang mit sich selbst und anderen Menschen zu geben, so dass Sie Ihren Alltag besser planen können.

Eine schwere Virusepidemie kann nur durch soziales Handeln eines jedes Einzelnen in der Gemeinschaft beherrscht werden. (Franz Imhäuser)

CoronaFuturum-Prognoserechner – Warum eigentlich?

Der Prognoserechner beantwortet 2 unserer wichtigsten Fragen bei der COVID-19 Virusepidemie, die einen wesentlichen Einfluss auf unser Verhalten im Alltag haben werden:

  • Wie lange dauert die COVID-19 Epidemie noch?
  • Wann können wir mit Ende der COVID-19 Virusepidemie rechnen?

Dauer der Virusepidemie. So lange der Verlauf der tatsächlichen Anzahl der Infektionsfälle dem statistischen Sollwert entspricht, so lange müssen alle Maßnahmen der Hygiene, vor allen Dingen, die der Selbstisolation von Gesunden streng eingehalten werden.

Ende der Virusepidemie. Ist ein Ende der Epidemie abzusehen, dann müssen Sie die offiziellen Vorgaben zu Maßnahmen der Hygiene weiter befolgen, denn schließlich haben diese ja zum Erfolg geführt. Allerdings erlangen Sie für eine zu erwartende Entspannung der Infektionslage Planungssicherheit. Dieses ist gerade für Arbeitnehmer und Arbeitgeber wichtig.

Corona Ticker – Spontanverlauf der Corona-Virusinfektion – exponentieller Anstieg der Erkrankungsfälle

Würden bei der COVID-19 Epidemie keine Gegenmaßnahmen ergriffen, dann würde die Zahl der Erkrankten exponentiell steigen. Exponentiell bedeutet einen sehr steilen Anstieg der Erkrankungsfälle pro Zeit.

Eine exponentielle Steigerung der Erkrankungsfälle bedeutet auch, dass die Sterbefälle in absoluten Zahlen, aber auch prozentual steigen kann. Die Sterblichkeit bei einer COVID-19 Virusinfektion beträgt bei optimaler medizinischen Versorgung 2,0-3,5%.

Der häufigste Grund für das Versterben an einer COVID-19 Infektion ist die schwere Lungenentzündung. Optimale medizinische Versorgung bedeutet folglich vor allen Dingen auch, dass genügend Intensivbetten mit der Möglichkeit einer künstlichen Beatmung zur Verfügung stehen. Stehen nicht genügend Beatmungsplätze zur Verfügung, dann steigt die Sterblichkeit an einer COVID-19 Virusinfektion.

Kurz zusammengefasst, sind die Kapazitäten der Intensivstation ausgelastet und alle Beatmungsplätze sind belegt, dann tritt eine kritische Versorgungssituation mit einem Anstieg der Sterblichkeit ein. Das ist das eigentliche Problem der COVID-19-Virusepidemie.

Corona Ticker – Vorbeugende Maßnahmen bei Corona-Virusinfektion – Abflachung der Exponentialkurve

Experten gehen von einer Virusinfektion mit COVID-19 bei 60-70% der Bevölkerung der deutschen Bevölkerung aus. Die allermeisten Fälle, d.h. ca. 80-85% werden so verlaufen, dass ein Krankenhausaufenthalt nicht notwendig werden wird. Allerdings werden 15-20% der Fälle schwer verlaufen, so dass ein Krankenhausaufenthalt bis hin zur intensivmedizinischen Betreuung erforderlich werden kann.

Damit nicht alle Menschen in einem engen Zeitfenster infiziert sind, muss die gleichzeitige Ansteckung vieler Menschen vor allen Dingen durch Maßnahmen der Selbstisolation von Gesunden verhindert werden. Dieses würde eine Abflachung der oben beschriebenen Exponentialkurve bedeuten. Folglich hätte das medizinische System genügend Kapazitäten, um alle Erkrankten zu versorgen; die Sterblichkeit läge “nur” bei 2,0-3,5%.

Schaffen wir es nicht die Ist-Kurve gemeinsam abzuflachen, dann ist mit einer deutlich höheren Sterblichkeit der COVID-19-Epidemie zu rechnen.

Corona -Was ist exponentielles Wachstum?

Exponentielles Wachstum ist nicht intuitiv verstehbar. Wir Menschen denken linear, d.h. wir denken dass Veränderungen kontinuierlich mit derselben Geschwindigkeit zu- oder abnehmen. Bei der exponentiellen Veränderung nimmt die Geschwindigkeit mit der Zeit zu oder ab. Exponentiell bedeutet also am Anfang langsam und dann immer schneller.

CoronaFuturum-Corona Prognose-Rechner für COVID-19

Kurzum, stellen Sie sich vor, wir geben um 11 Uhr in ein leeres Glas ein Virus, das sich jede Minute vermehrt (Glas 1). Um 11:01h haben wir also zwei Viren in dem Glas (Glas in der Mitte) und noch eine Menge Platz. Eine Minute später sind es bereits vier Viren, dann acht, dann 16 dann 32 und jetzt sind gerade fünf Minuten vergangen.

Kommen wir um 11:59h wieder und betrachten unser Glas so ist es erst halb voll (Glas rechts). Man könnte meinen es ist noch viel Zeit. Jedoch bereits eine Minute später, um 12:00h ist das Glas voll! Ganze 59 Minuten lang sah es so aus als wäre noch viel Platz und viel Zeit. In der Rückschau sieht man jedoch das deutlich, exponentielle Wachstum (Kurve unten).

Corona-Virusepidemie – exponentielles Wachstum vs. Heilung?

Wie ist diese Situation auf Covid-19 übertragbar? Nun wir wissen nicht wann das Glas voll sein wird. Aber wir können schätzen wie schnell sich der Virus verdoppelt. Betrachten wir das Beispiel China in der folgenden Graphik.

CoronaFuturum-Corona Prognose-Rechner für COVID-19

Die gepunktete Linie sind die gesamten Fallzahlen, der grüne Balken die „Geheilten“ und der schwarze die Verstorbenen. Man sieht deutlich, dass die gepunktete Linie abfällt und weit weg von der geschätzten exponentiellen roten Linie abweicht. China scheint kein exponentielles Wachstum mehr zu haben.

Die violette Linie (Heilungsquotient) zeigt schließlich auf der rechten Achse die prozentuale Anzahl derer die den Virus hatten im Verhältnis zur Gesamtzahl an. Je höher dieser Wert umso gesunder ist die Bevölkerung.

Betrachten wir nun Deutschland. Anfangs hatten wir die Münchener Fälle, die sich wieder erholt hatten, das erklärt den „Ausschlag“ dieser violetten Linie. Vergleicht man nun die rote Vorhersage eines geschätzten exponentiellen Modells mit den gepunkteten tatsächlichen Fallzahlen, so sieht es wie bei dem Gläserbeispiel aus. Wir befinden uns im Moment im exponentiellen Wachstum der Fallzahlen.

CoronaFuturum-Corona Prognose-Rechner für COVID-19

Nun geht die rote Vorhersagekurve hier weiter als das Datum der Fallzahlen. Wir können eine Vorhersage über die kommenden Fälle machen, solange wir uns auf der „Soll“-Kurve befinden. Im Titel wird hierzu die Güte der Schätzung (R²) angegeben, je höher dieser Wert (maximal 100%), umso besser passt eine exponentielle Funktion auf die Fallzahlen.

Folglich handelt sich hier lediglich um die Modellierung eines exponentiellen Modells und keine epidemiologische Simulation. Da aber die täglich gemeldeten Fallzahlen nur ein Blick in den Rückspiegel sind, bei einer durchschnittlichen Inkubationszeit von fünf Tagen und einer Testdauer von etwa zwei Tagen ist die Zahl der aktuell Infizierten eher an der Vorhersagekurve in einer Woche ablesbar.

Tun Sie, was Sie können, mit dem, was Sie haben, wo Sie sind. (Theodore Roosevelt)

CoronaFuturum-Corona Prognose-Rechner für COVID-19 – Maßnahmen zur Begrenzung der COVID-19 Virusepidemie

Die wichtigste Maßnahme zur Beherrschung einer schweren Virusepidemie ist neben der Handhygiene die Selbstisolation von (vermeintlich Gesunden). Seien Sie in Ihrem sozialen Umfeld ein Vorbild.

  • bleiben Sie zu Hause
  • Haus nur verlassen, um einzukaufen, falls verfügbar nutzen Sie Lieferdienste
  • kein physischer Kontakt mit Verwandten und Freunden außerhalb des eigenen Haushaltes
  • berufliche Aktivität möglichst von zu Hause aus

Neben einer Verringerung der Ansteckungsrate zeigen Sie so auch soziale Verantwortung für Ihr soziales Umfeld. Folglich macht es keinen Sinn, wenn in einem sozialen Cluster alle gleichzeitig krank werden. Schließlich müssen die Gesunden die Kranken mit Lebensmitteln versorgen.

Seien Sie in Ihrer sozialen Gemeinschaft ein konstruktives Mitglied und gehen Sie mit gutem Beispiel voran.

Man führt nicht, indem man den Leuten zeigt und ihnen sagt, wo sie hingehen sollen. Man führt, indem man zu diesem Ort geht und einen Standpunkt vertritt. (Ken Kesey)

Corona Ticker – Hier geht es zum CoronaFuturum-Corona Prognose-Rechner für COVID-19

CoronaFuturum-Corona Prognose-Rechner für COVID-19

Literatur

 

 

 

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

Mehr zu: Prof. Dr. Peter Posch

 

 

 

 

Mehr zu: Jörg Schieb

 

 

 

 

 

 

 

 


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Früherkennung COVID-19

Früherkennung einer COVID-19 Virusinfektion: Stellenwert von Fieber, Herzfrequenz, Blutdruck, Husten & Luftnot

Die Früherkennung einer COVID-19 Virusinfektion (Corona) hat eine wesentliche Bedeutung für die eigene, aber auch für die Gesundheit von Mitmenschen. Bei der derzeitigen Corona-Pandemie ist es sinnvoll, wenn Sie bei sich selbst eine Virusinfektion erkennen – bevor es zu subjektiven Symptomen kommt. Dieses macht vor allen Dingen Sinn, weil:

  • Sie können frühzeitig ärztliche Hilfe aufsuchen
  • Sie können sich selbst isolieren, um Mitmenschen vor Ansteckung zu schützen

Tun Sie, was Sie können, mit dem, was Sie haben und wo Sie sind. (Theodore Roosevelt)

Wir stellen Ihnen hier Hinweise vor, die Ihnen dabei helfen können, eine Virusinfektion frühzeitig zu erkennen – somit auch eine Infektion mit COVID-19 (Corona).

Die Methoden basieren wesentlich auf wissenschaftlichen Untersuchungen und eigenen Erfahrungen. In der Cardiopraxis bestimmen wir als Teil der unblutigen Kreislaufmessung jährlich über 2.000 Mal die Körpertemperatur und haben auch umfangreiche Erfahrungen mit der Diagnose von Lungenerkrankungen.

Dabei decken wir immer wieder Zusammenhänge auf, die zur Diagnose von entzündlichen Erkrankungen führen. Wir halten es daher für sinnvoll, Ihnen unsere Erfahrungen in Verbindung mit den aktuellen Daten zur Virusepidemie durch COVID-19 mitzuteilen. Wir sind fest davon überzeugt, dass diese Informationen für Sie medizinisch wertvoll sind.

Vorab, Sollten Sie im Fall einer Virusepidemie mit schweren Krankheitsverläufen, die über die Gefährlichkeit der normalen Influenza hinausgeht, den begründeten Verdacht haben, dass Sie z.B. Träger des COVID-19-Virus sind, dann müssen Sie allen Verhaltensmaßregeln der lokalen Gesundheitsämter bzw. des Bundesministeriums für Gesundheit und des Robert-Koch-Institut folgen.

Ziel des Beitrags ist es folglich nicht, dass Sie selbst eine Erkrankung diagnostizieren oder ausschließen, sondern, dass Sie Frühzeichen erkennen und wachsam sind, um das Richtige zu tun, indem Sie sich professionellen ärztlichen Rat holen.

Früherkennung einer COVID-19

Symptome der COVID-19 Virusinfektion bei Erstdiagnose

Symptome der COVID-19 Virusinfektion bei der Erstdiagnose sind aufgrund der bisherigen Erhebungen bei Menschen mit positivem Virustest von der WHO zusammengestellt worden.

Die Symptome sind unspezifisch, d.h. wir kennen sie auch von anderen Erkrankungen im Allgemeinen und auch von anderen Viruserkrankungen im Speziellen. Hinzu kommt, dass deutlich merkbare Symptome bei COVID-19-Infektion sehr spät, d.h. auch nach einer Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen auftreten können. In dieser Zeit hat das Virus sich in Ihrem Körper bereits so vermehrt, dass sich beginnende kritische Störungen der Körperfunktion bemerkbar machen können. In der Inkubationszeit besteht bei COVID-19 Infektion ein erhöhtes Risiko, dass Sie Menschen anstecken. Derzeit geht man davon aus, dass ein Virusträger zwei bis drei weitere Menschen infiziert.

Auffällig ist, dass bei der Diagnose COVID-19 Infektion Fieber mit 87,9% und trockener Husten mit 67,7% die mit Abstand häufigsten Symptome sind. Das entspricht dem Mechanismus einer Infektion mit absteigender Ausbreitung des Virus vom Mund-Rachenraum über die Bronchien bis tief in das Lungengewebe. Erst wenn im Lungengewebe der Gasaustauch von Sauerstoff bzw. Kohlendioxid durch die Pneumonie kritisch gestört und die Atemarbeit durch vermehrte Wasseransammlung erhöht ist, dann treten Symptome der Luftnot auf. Das erklärt auch, warum Kurzatmigkeit bei Erstdiagnose der COVID-19 Virusinfektion lediglich bei knapp 20% der Menschen vorkommt.

Virusinfektion: Die Inkubationszeit

Die Inkubationszeit, d.h. die Phase von der Infektion bis zum ersten Auftreten von Symptomen und damit dem eigentlichen Krankheitsbeginn, ist ein kritischer Zeitraum, weil:

  • vermeintlich gesunde Menschen andere Menschen schon anstecken können
  • eine erhöhte Anfälligkeit für andere Infektionserkrankungen besteht
  • die Zeit bis zum Aufsuchen ärztlicher Hilfe hinausgezögert wird

Besonders müssen wir hervorheben, dass zwischen 66% und 75% aller Ansteckungen durch Personen erfolgt, die sich noch in der symptomfreien Inkubationszeit befinden. Zwei Tage vor dem Auftreten von Symptomen ist die Ansteckungsgefahr am höchsten.

Nach aktuellem Stand beträgt die offizielle max. Inkubationszeit bei COVID-19 ca. 14 Tage. In Ausnahmefällen sind Inkubationszeiten bis 21 Tage beobachtet worden. Das bedeutet, wer nach Kontakt mit einem COVID-19 Träger bis dahin keine Symptome hatte, gilt nicht als Träger des Virus.

Die mittlere Inkubationszeit von COVID-19 liegt bei 5,2 Tagen, d.h. 50% der Menschen, die sich infiziert haben, weisen nach 5,2 Tagen eines oder mehrere der oben genannten Symptome auf. Nach 12,5 Tagen haben 95% aller Erkrankten Symptome entwickelt.

Die Inkubationszeit bis zum Auftreten von Symptomen bietet eine Chance, denn frühzeitiges Erkennen kann Komplikationen der Viruserkrankung bei einem selbst abmildern bzw. anderen Menschen verhindern.

Früherkennung COVID-19

Virusinfektion – Sinn der Messung der Körpertemperatur

Die genaueste und einfachste Methode zur frühzeitigen Erfassung einer beginnenden Virusinfektion ist die regelmäßige Bestimmung Ihrer Körpertemperatur. Sie steigt hochwahrscheinlich schon vor dem Einsetzen von Symptomen an. Dieses wird gerade durch die Häufigkeit von Fieber bei der Erstdiagnose einer COVID-19 Infektion in 87,9% der Fälle deutlich.

Auch wenn die Viruslast in Ihrem Körper noch gering ist, d.h. während der Inkubationszeit, beginnt Ihre Körpertemperatur als Folge der Immunabwehr zu steigen. Der Anstieg der Körpertemperatur als Reaktion auf eine sich ausbreitende Infektion ist kein plötzliches Ereignis. In der Regel zeichnet sich der Anstieg der Körpertemperatur durch einen mehr oder weniger langsamen Beginn aus, und das bevor wir definitionsgemäß von Fieber sprechen. Das muss folglich nicht bedeuten, dass Sie in der Inkubationszeit Fieber haben. Relevante Anstiege der Körpertemperatur im Normalbereich bis 37,5 0C können hier schon ein erstes Zeichen der ablaufenden Infektion sein.

Früherkennung COVID-19

Virusinfektion: Messung und Bewertung der Körpertemperatur

Messen Sie die Basaltemperatur, d.h. die Körpertemperatur unmittelbar nach dem Aufstehen am Morgen.

Nutzen Sie am besten ein Ohrthermometer mit richtiger Messtechnik. Messen Sie 3x hintereinander und nehmen Sie den höchsten Wert. Ein Ohrthermometer misst eher falsch zu niedrige Werte. Falsch zu hohe Werte kommen nur in Einzelfällen vor, z.B. wenn bei individueller Nutzung ausschließlich durch eine Person die Hygiene-Schutzkappe nicht gewechselt wird.

Tragen Sie die Werte am besten in einer Health-App, z.B. unter Reproduktionsmedizin ein.

Beachten Sie, dass jeder Mensch einen individuellen Temperatursollwert hat. Wichtig ist daher, dass Sie Ihre Basaltemperatur im gesunden Zustand kennen.

Frauen mit normalem Ovarialzyklus haben durch den Einfluss der Hormone natürliche Schwankungen der Körpertemperatur. Folglich steigt die Temperatur unmittelbar vor dem Eisprung an und ist somit in der 2. Zyklushälfte  0,3-0,5 0C höher als in der 1. Zyklushälfte. Bei Frauen, die zur Verhütung bzw. aus anderen Gründen Hormonpräparate nehmen, ist die Körpertemperatur häufig bis in den Graubereich zwischen 37,0-37,5 0C gesteigert.

Bei der Bewertung der Körpertemperatur sind die absoluten Werte UND die relativen Veränderungen im Vergleich zum gesunden Ausgangswert von Bedeutung.

Absolute Werte Körpertemperatur

  • 36,2 – (37,4) 0C = Normbereich
  • 37,0 – 37,4 0C = Graubereich
  • 37,5 – 38,0 0C = unterschwelliges Fieber
  • > 38,0 0C = manifestes Fieber

Relevante relative Veränderungen Körpertemperatur

  • Zunahme der Körpertemperatur um 0,3-0,5 0C im Vergleich zum individuellen Normalwert. Gilt auch im Bereich unter 37,5 0C

Für Frauen ist die Bewertung schwieriger als bei Männern, denn Sie müssen ihren Ovarialzyklus genau kennen und in die Überlegungen mit einfließen lassen.

Sollten Sie einen relevanten Anstieg der Körpertemperatur bzw. Fieber verzeichnet haben, dann kontrollieren Sie, ob sich daraus am Abend ein stärkeres Fieber entwickelt bzw. ob der Wert am Folgetag genauso hoch ist bzw. weiter steigt. In diesen Fällen nehmen Sie Kontakt mit einer Ärztin bzw. einem Arzt auf, um die Symptome einzuordnen. Sollten Sie den Verdacht auch eine COVID-19 Infektion haben, dann müssen Sie das telefonisch tun.

Corona-Virusinfektion: Messung und Bewertung von Herzfrequenz & Blutdruck

Die Infektion mit COVID-19 ist eine entzündliche Erkrankung, die zu Veränderungen des Herz-Kreislaufsystems führt. Hier sind Herzfrequenz und Blutdruck zuverlässig zu Hause messbar. Werden kritische Werte erreicht, dann droht das Herz-Kreislaufversagen. Das gilt vor allen Dingen für Menschen mit vorbestehenden chronischen Erkrankungen.

Die Messungen für Herzfrequenz und Blutdruck sollten nach 5 Minuten körperlicher Ruhe im Sitzen erfolgen. Eine Messung vom Liegen zum Stehen kann ebenfalls sinnvoll sein.

Messen Sie die Herzfrequenz per Hand, mit der Blutdruckmanschette oder einem Smartphone-EKG. Bei der Herzfrequenzmessung der Hand tasten Sie den Puls und zählen die Schläge über 15 Sekunden. Diesen Wert, z.B. 16 rechnen Sie dann auf die Minute hoch, indem Sie ihn x4 nehmen; in diesem Fall ergibt sich also eine Herzfrequenz von 64 bpm.

Bei der Blutdruckmessung nutzen Sie Blutdruckmessgerät und dokumentieren die Werte ebenfalls. Dokumentieren Sie die Werte für Herzfrequenz und Blutdruck, z.B. in einer Health-App und betrachten Sie den Verlauf.

Gerade zur Bewertung der Herzfrequenz müssen Sie Ihre normale Herzfrequenz kennen. Diese kann individuell sehr unterschiedlich sein, z.B. hat der eine in Ruhe eine Herzfrequenz von 62 bpm, der andere 84 bpm.

Steigt Ihre Herzfrequenz in Ruhe im Vergleich zu Ihren individuellen Normalwerten um >15 Schläge an bzw. verzeichnen Sie in Ruhe anhaltend Werte >100 bpm, dann ist unter Berücksichtigung weiterer Symptome eine Infektion wahrscheinlich.

Relevanter relativer Anstieg Herzfrequenz

  • > 15 bpm in Ruhe
  • > 20 bpm von der Rückenlage zum Stehen

Absoluter Anstieg der Herzfrequenz

  • > 100 bpm

Der Blutdruck kann in der Anfangsphase einer Infektion ansteigen. Fällt der Blutdruck um mehr als 15 mmHg unter Ihre individuellen Normwerte ab, dann droht ein kritischer Kreislaufzustand.

Relevanter relativer Abfall des Blutdrucks

  • >15 mmHg

Besprechen Sie die Befunde zeitnah mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Setzen Sie bzw. Reduzieren Sie Herz-Kreislaufmedikamente nur in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt.

Corona Virusinfektion

Corona-Virusinfektion: Sinn der Bewertung der Lunge

Der trockene, d.h. der nicht-produktive Husten ohne oder mit geringer Schleimbildung ist mit 67,7% das zweithäufigste Symptom bei Erstdiagnose der COVID-19 Virusinfektion. Kurzatmigkeit als deutlicher Hinweis auf eine Lungenbeteiligung liegt bei Erstdiagnose lediglich bei knapp 20% der betroffenen Menschen vor. Das bestätigt wieder den absteigenden Charakter der Infektion und die Tatsache, dass nicht jeder Mensch, der mit dem COVID-19 Virus infiziert ist, eine schwere Lungenentzündung bekommt

Auch der trockene Husten ist ein unspezifisches Symptom, d.h. ein trockener Husten bedeutet nicht, dass Sie zwangsläufig eine COVID-19 Infektion haben. Kurzum, ein trockener Husten muss im Zusammenhang mit anderen Symptomen beobachtet und bewertet werden. Wie oben angeführt, ist der Verlauf der Körpertemperatur hier von entscheidender Bedeutung.

Die Kurzatmigkeit mit Luftnot im Alltagsleben ist bei Erstdiagnose ein spätes Symptom und die Ausbreitung des Virus ist schon weit fortgeschritten. Sie kennzeichnet möglicherweise das beginnende Lungenversagen, welches innerhalb von Tagen zu einem kritischen Gesundheitszustand führen kann. Insofern ist es wichtig zu wissen, ob die Lunge in ihrer Funktion relevant betroffen ist. Schließlich ist es bei der COVID-19 Virusinfektion die mittel-schwere bis schwere Lungenentzündung, die in der Regel die Notwendigkeit einer Krankenhausbehandlung anzeigt.

Corona-Virusinfektion: Atemreserven subjektiv beurteilen

Die sichere Erfassung einer Lungenbeteiligung einer COVID-19 Virusinfektion ist nur mit apparativen Methoden, z.B. mit einer sog. Dünnschicht-Computertomografie möglich, und auch dann ist die Infektion schon relativ weit fortgeschritten.

Die subjektive Erfassung der Lungenbeteiligung über Symptome ist unsicher, nicht zuletzt, weil die meisten von uns sich im Alltagsleben nur in geringem Maße einer stärkeren körperlichen Belastung aussetzen. Auch der im Internet propagierte Atemanhalte-Test über 10 Sekunden kann eine Virusinfektion der Lunge, so wie das angepriesen wird, nicht ausschließen.

Um eine Störung der Lunge so gut es geht zu erfassen, müssen Sie sich deutlich über Ihre Alltagaktivität hinaus belasten. Sie können mehr auf Ihre Atemreserven achten, indem Sie sich täglich einer forcierten standardisierten körperlichen Belastung aussetzen. Am besten sind hier sicherlich Fahrradergometer mit einstellbarer Wattzahl und Drehzahlmesser geeignet. Auch ein standardisierter strammer Spaziergang, am besten zum Rhythmus eines Liedes kann sich eignen.

Sollten Sie sich bei einem regelmäßigen standardisierten Training früher erschöpft fühlen und/ oder Luftnot verspüren, d.h. nach 10 Minuten anstatt der sonst üblichen 20 Minuten, dann ist das zu mindestens ein Hinweis darauf, dass etwas mit der Lunge nicht in Ordnung sein kann. Spätestens jetzt sollten Sie Ihre Körpertemperatur messen.

Corona-Virusinfektion: Störung der Atmung bewerten

Haben Sie Probleme bei der Atmung bereits bei leichter Alltagsaktivität, wie z.B. hohe Atemfrequenz, Luftnot und rasche Erschöpfung, innere Unruhe, dann ist das Risiko für einen kurzfristig einsetzende kritischen Gesundheitszustand, d.h. innerhalb von Stunden bis Tagen deutlich erhöht.

Haben Sie Hinweise darauf, dass mit Ihrer Lunge etwas nicht stimmt und liegen noch andere Symptome vor, dann sollten Sie zeitnah mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen. Dieser entscheidet dann gemeinsam mit Ihnen ist es bei der COVID-19 Virusinfektion je nach Alter und allgemeinem Gesundheitszustand die mittel-schwere bis schwere Lungenentzündung, die zur Krankenhauseinweisung führt.

Corona-Virusepidemie mit COVID-19: Vorbeugung zum Schutz der Mitmenschen

Gerade in Zeiten einer schweren Virusepidemie ist die beste Vorsorge für sich und andere, wenn Sie sich selbst möglichst von anderen Menschen fernhalten, auch wenn Sie sich selber für gesund halten. Wir müssen alle die Grundregeln der Hygiene beachten.

Sollten Sie den begründeten Verdacht haben, dass die Sie an einer COVID-19 Virusinfektion leiden, dann gehen Sie nicht unangemeldet in eine Arztpraxis sondern nehmen Sie telefonisch Kontakt mit den entsprechenden Stellen, z.B. unter 116 117 auf.

Corona: Prognose der COVID-19 Virusepidemie

Um Ihnen einen Einschätzung über den weiteren Verlauf der Corona Virusepidemie zu ermöglichen, machen wir für Sie den CoronaFuturum-PrognoseRechner zugänglich. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag “Corona – CoronaFuturum-PrognoseRechner für COVID-19”. Hier finden Sie hilfreiche Erläuterungen und den Link zum Rechner.

 

Literatur/Quellen

 

Mehr zu: Dr. Natalie Fleissner

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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COMT & MAO - Blutdruck, Herzrasen, Angst, Depression

Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin, Serotonin: Modulation durch COMT, MAO, Östrogen und Testosteron

Zu uns in die Cardiopraxis kommen täglich Menschen mit vielfältigen Symptomen, z.B. mit Herzrasen, Benommenheit bis hin zu Bewusstseinsverlust, schwankendem Blutdruck und Brustdruck. Diese Herz-Kreislaufsymptome sind häufig nicht so sehr Ausdruck einer eigenständigen Herz-Kreislauferkrankung, sondern viel mehr ein Hinweis darauf, dass etwas mit dem Gleichgewicht Ihres autonomen Nervensystems nicht stimmt.

Diese Störungen sind auch mit Veränderungen des Befindens und Verhaltens verbunden, z.B. auf der einen Seite mit innerer Unruhe, kreisenden Gedanken und Angst bis hin zu Panikattacken und auf der anderen Seite mit Antriebsarmut, Leistungsschwäche und Abgeschlagenheit bis hin zu Depressionen.

So haben wir es in der Cardiopraxis nicht einfach nur mit Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen zu tun, sondern mit Menschen, die im Kontext kardio-vaskulärer Störungen gleichzeitig auch von ihrem Verhalten individuell unterschiedlich sind. Diese Symptomkomplexe sind häufig Ausdruck der individuellen genetischen Prädisposition für die Bewältigung von Stresssituationen.

Die Stressreaktion von Menschen wird wesentlich bestimmt durch die aktivierenden Neurotransmitter

  • Dopamin
  • Noradrenalin
  • Adrenalin
  • Serotonin

Therapeutisch betrachtet bedeutet dieses, dass sich mit einer gezielten Modulation nicht nur die kardio-vaskulären Symptome, wie Bluthochdruck und Herzrasen verringern lassen, sondern dass sich gleichzeitig auch Befinden und Leistungsfähigkeit verbessern. Eine zentrale Bedeutung haben die abbauenden Enzyme für aktivierende Neurotransmitter: COMT (Catechol-O-Methyltransferase) und MAO (Monoaminooxidase).

COMT & MAO - Blutdruck, Herzrasen, Angst, Depression

“Fight-or-Flight”-Mechanismus – Grundlage für Stressreaktionen

Wenn wir uns mit aktivierenden Neurotransmittern beschäftigen, dann müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin sowohl bei Tieren als auch bei Menschen die schnelle Reaktion auf bedrohlichen Stress vermitteln.

Evolutionsbiologisch ist dieses schnelle Reaktionsverhalten für die Bewältigung einer physischen Bedrohung, z.B. einen körperlichen Angriff vorgesehen. Das Lebewesen muss dann sehr schnell entscheiden: Gegenangriff oder Flucht. Wir nennen diese schnelle, reflexartige Reaktion auch den “Fight-or-Flight”-Mechanismus. Diese Muster sind so tief in unserem unbewussten Verhalten verankert, dass wir sie nur begrenzt willkürlich steuern können.

Bei Menschen ist der “Fight-or-Flight”-Mechanismus die erste von 3 Stufen des allgemeinen Adaptationssyndroms bei Stress. Problematisch ist hierbei, dass diese Muster, die evolutionsbiologisch in erster Linie auf das Überleben bei körperlicher Bedrohung von außen ausgerichtet sind, auch in anderen nicht-lebensbedrohlichen Lebenssituationen aktiviert werden. Das hat dann häufig überschießendes und inadäquates Verhalten zur Folge haben, so z.B. im Straßenverkehr oder bei anderen sozialen Auseinandersetzungen. Kurzum, unser Reaktionssystem auf äußere Reize ist vor dem Hintergrund der zivilisatorischen Weiterentwicklung zu undifferenziert.

So bestimmen die Signal- und Stoffwechselwege der aktivierenden Neurotransmitter nicht nur unsere schnelle Reaktion in physischen Gefahrensituationen, sondern fundamental auch wesentlich andere Aspekte unseres Alltagsverhaltens, so z.B.

  • Wachheitszustand
  • Konzentrationsfähigkeit
  • körperliche und geistige Reaktionsgeschwindigkeit
  • Aggressionsverhalten
  • Sozialverhalten
  • Stimmung, Glück- und Zufriedenheit

In Verbindung mit den Hormonen Östrogen und Testosteron bestimmen die aktivierenden Neurotransmitter so zwischen 30-60% unserer Verhaltensweisen im Alltag. Allerdings gibt es bei der Stressreaktion zwischen den Menschen genetische Unterschiede.

Genetik von COMT und MAO – unterschiedliche Abbaugeschwindigkeiten von Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin

Die Catechol-O-Methyltransferase und die Monoaminooxidase, kurz COMT und MAO genannt sind die wichtigsten Enzyme beim Abbau von aktivierenden Neurotransmittern. Durch minimale genetische Veränderungen kann die Abbaugeschwindigkeit sich individuell von Mensch-zu-Mensch deutlich unterscheiden. Grundsätzlich kennen wir:

  • Low-COMT bzw. -MAO = langsamer Abbau
  • Intermediate-COMT bzw. -MAO = mittel-schneller Abbau
  • High-COMT bzw. -MAO = schneller Abbau

COMT, MAO und menschliches Verhalten

Die wissenschaftliche Literatur beschreibt fast ausschließlich Zusammenhänge zwischen den unterschiedlichen Stoffwechselformen und menschlichem Verhalten bzw. psychiatrischen Erkrankungen. Dabei sind die Befunde z.T. nicht eindeutig, was nicht zuletzt daran liegt, dass auch Umweltfaktoren und damit auch die individuelle Biografie einen Einfluss auf Verhaltensmerkmale haben.

Nichtsdestotrotz ist es so, dass unsere individuellen genetischen Voraussetzungen jeweils eine fundamentale Voraussetzung zur unterschiedlichen Bewältigung unseres Alltags darstellen. Alleine schon der Zusammenhang zwischen den individuellen Voraussetzungen von Stressreaktionen und den Symptomen einer Stressreaktion, wie z.B. der Erhöhung von Herzfrequenz, Blutdruck und Blutfluss ist offensichtlich, da diese Mechanismen zu den Gesetzmäßigkeiten der Biologie von höheren Lebewesen gehören.

Auf der Grundlage der wissenschaftlichen Literatur berichten wir nachfolgend auch wesentlich über unsere eigenen inzwischen umfangreichen Erfahrungen bei der Bestimmung der Genpolymorphismen von COMT und MAO. Bitte berücksichtigen Sie, dass die Genetik des Neurotransmitterstoffwechsel einen Menschen nicht alleine erklären kann, sie bietet hier nur eine, wenn auch sehr wertvolle Orientierung.

Low-COMT – langsamer Abbau von Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin

Menschen mit einer Low-COMT-Stoffwechsellage sind zunächst einmal im positiven Sinne besonders schwingungsfähig, was gerade bei Frauen mit einem normalen Ovarialzyklus in der ersten Zyklushälfte verstärkt ist. Sie sind freundlich, interagieren sozial stärker und sind eher glücklich, was nicht zuletzt erhöhten Dopaminspiegeln zuzuschreiben ist. Menschen mit Low-COMT sind häufig auch besonders kreativ.

Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass eine zu starke Ausprägung dieser Eigenschaft, z.B. als Folge eines erhöhten Östrogenspiegel sowohl bei der Frau (Hormontherapie, Übergewicht) als auch beim Mann (Übergewicht) negative Folgen haben kann. Das kann mit innerer Unruhe, kreisenden Gedanken und Angstgefühlen bis hin zu Panikattacken verbunden sein. Menschen mit Low-COMT-Konstellation sind typischerweise die Menschen, die sich eher Sorgen, nicht nur um sich, sondern auch um anderen Menschen machen. Diese Verhaltenskonstellation ist dann häufig mit Blutdruckschwankungen und schnellem Herzschlag verbunden. Auch Ohnmachtsanfälle können auftreten.

Ein deutlicher Hinweis auf eine Low-COMT Genetik bei der Befragung ist der Umstand, dass sich diese Menschen nach Ausdauersport ausgesprochen wohl und entspannt fühlen. Das entspricht voll und ganz der Physiologie des Menschen, weil durch Sport Neurotransmitter, und in diesem Fall Überschüsse abgebaut werden.

High-COMT – schneller Abbau von Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin

Menschen mit High-COMT-Stoffwechsel sind in der Regel weniger schwingungsfähig. Das bedeutet im positiven Sinn, dass sie nicht so stark von Emotionen beeinflusst sind. Sie sind sachlicher und behalten auch in kritischen Lebenssituationen den Überblick, was durchaus ein großer Vorteil sein kann. Die Ursache für diese Verhaltensmuster ist, dass aktivierende Neurotransmitter, wie z.B. auch Noradrenalin und Adrenalin bei diesen Menschen schneller abgebaut werden.

Die High-MAO-Konstellation kann auch Probleme machen. So können Antrieb und Leistungsfähigkeit im Sinne eines echten biochemischen Burn-outs gestört sein. Wir sehen das besonders häufig bei Menschen mit zusätzlichem ausgeprägtem Mangel an Vitamin D. Bei Vitamin D Mangel, weil hier die Bildung von L-Dopa, dem Vorläuferhormon von Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin kritisch verringert sein kann. Dieses kann sogar soweit führen, dass bei jüngeren Menschen fälschlicherweise ein Aufmerksamkeits-Defizit-Störung diagnostiziert wird.

Die High-COMT-Stoffwechsellage ist gerade bei jungen Männern mit dem Bedürfnis nach Risikosituationen, z.B. durch Fahrverhalten oder Extremsportarten, dem sog. verbundenen “Adrenalin-Kick” verbunden. Ein Umstand, der wesentlich dazu beiträgt, ist der ansteigende Testosteronspiegel in frühen Lebensjahren, denn Testosteron beschleunigt den Abbau von aktivierenden Neurotransmittern noch zusätzlich.

Da aktivierende Neurotransmitter eine Stoffwechsel-aktivierende Funktion haben, kann die High-COMT-Stoffwechsellage mit herabgesetztem Blutfluss im Sinne einer körperlichen Reaktion zur Konservierung von Körperwärme verbunden sein, was wiederum die Leistungsfähigkeit einschränkt. Kommen ausgleichende Mechanismen zur Wärmebildung im Sinne einer Stressreaktion hinzu, dann kann der Blutdruck steigen.

Low-MAO – langsamer Abbau von Serotonin

Menschen mit Low-MAO-Stoffwechsel sind im positiven Sinn des Wortes häufig reizbarer. Sie bemerken Dinge schneller und früher als andere Menschen. Dies ist nicht selten mit einer hohen geistigen Beweglichkeit und Kreativität verbunden.

Die Low-MAO-Konstellation kann auch negative Folgen der sinnlichen Überreizung haben, z.B. durch visuelle, akustische, taktile Einflüsse aber auch durch soziale Interaktionen. Gerade in unserer modernen Welt, die im Gegensatz zur Welt unserer Vorfahren, stark mit Reizen überladen ist, hat es der Mensch mit Low-MAO-Stoffwechsel schwerer als andere Menschen. Wenn Sie so wollen, dann ist der wachsame und reaktionsfreudige Low-MAO Mensch optimal für das Leben in einem an sich reizarmen Umfeld mit drohenden eher seltenen Gefahren, z.B. in einem Wald oder der Savanne geeignet.

Menschen mit Low-MAO reagieren im Alltag häufiger angespannt, ungeduldig und gereizt. Nicht selten versuchen sie Spannung, z.B. durch einen Power-Nap abzubauen oder ziehen sich sozial sogar zurück. Da Menschen mit Low-MAO eine sog. kurze Zündschnur haben, reagieren sie häufig bevor sie denken. Diese Impulsivität kann in Verbindung mit einer Überreizung ein gestörtes Sozialverhalten zur Folge haben.

Gerade der Zusammenhang zwischen Low-MAO-Genetik und Verhalten deutet darauf hin wie wichtig soziale Einflüsse sind. Die Dunedin-Studie hat bei Männern mit Low-MAO gezeigt, dass die Ausprägung von gewalttätigem Verhalten im Erwachsenenalter entscheidend davon abhängt, ob die Männer als Kinder misshandelt wurden oder nicht.

High-MAO – schneller Abbau von Serotonin

Menschen mit High-MAO-Stoffwechsel sind eher ruhige Menschen. Sie lassen sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen und sind daher im direkten sozialen Umgang umgänglich. Im Gegensatz zu den Low-MAO-Typen sind sie so bedächtiger, was auch mit einer sog. langen Zündschnur verbunden sein kann.

Bei der High-MAO-Konstellation besteht ein erhöhtes Risiko für depressive Verstimmungen bis hin zu Depressionen. Wir beobachten das vor allen Dingen in Kombination mit dem High-COMT-Stoffwechsel, also dann, wenn auch andere aktivierende Neurotransmitter verstärkt abgebaut werden.

Östrogen hemmt die Bildung von MAO (und COMT), so dass gerade bei Frauen um den Beginn der Menopause und den damit verbundenen rückläufigen Östrogenspiegel, MAO vermehrt gebildet wird. Das kann bei Frauen mit High-MAO das Risiko für Depressionen erhöhen.

COMT & MAO - Blutdruck, Herzrasen, Angst, DepressionKombinationen von COMT und MAO

Aus den oben genannten Stoffwechselwegen, Low, Intermediate und High können für COMT und MAO verschiedene Kombinationen gebildet werden. Die hieraus entstehenden 9 Möglichkeiten alleine erklären schon eine Heterogenität im Verhalten, ganz zu schweigen vom Einfluss der Hormone und der Ernährung.

Gerade Menschen mit extremen Kombinationen, d.h. mit “Low-COMT+Low-MAO” bzw. Mit “High-COMT+High MAO” sind aus unserer Sicht deutlich für Angstzustände bzw. Depression gefährdet. Sie bedürfen unserer besonderen Aufmerksamkeit und müssen auf Maßnahmen der Vorbeugung hingewiesen werden.

Diagnostik, Beratung und Neurotransmitter

Die Genpolymorphismen von COMT und MAO können zuverlässig mittels Blutuntersuchung bestimmt werden. Dabei müssen immer auch die Hormone Östrogen und Testosteron sowie epigenetische Faktoren zur Bildung von COMT und MAO sowie die Ko-Faktoren des Neurotransmitterstoffwechsels im Blut gemessen werden. Eine isolierte Bestimmung von COMT und MAO ist immer unvollständig und ist daher in unseren Augen sinnlos.

Folglich können wir auf der Grundlage einer vollständigen Labordiagnostik individuelle Empfehlungen aussprechen. Durch die gezielte Modulation sei es durch Modifikation des Lebensstils, Anpassung von Medikamenten und individuellen Hinweisen zum Umgang mit Nahrungsergänzungsmitteln verbessern wir so nicht nur die Herz-Kreislaufgesundheit des individuellen Menschen. Wir können so auch gleichzeitig helfen das emotionale Befinden auszubalancieren.

Unser Ziel ist es Ihnen zu helfen ein gesünderes und selbstbestimmteres Leben zu führen. Wir können dieses nicht immer alleine tun, sondern stehen hier betreuenden Urologen, Frauenärztinnen und Psychiatern beratend zur Seite.

Nicht zuletzt ist es das fundamentale “Erkenne Dich selbst” durch das Verstehen der eigenen Biologie, welches Ihnen häufig hilft, besser mit sich und Ihrem Umfeld zurechtzukommen. Sie verstehen einfach besser, warum Sie in bestimmten Situationen anders reagieren als andere Menschen und lernen so besser mit sich selber und anderen Menschen versöhnlich umzugehen. Auch finden Sie über die Kenntnis Ihrer eigenen Neurotransmittergenetik besser zu Wegen, wie Sie Ihr Verhalten verändern können.

Literatur

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Übergewicht & Bluthochdruck – Ursache Körpertemperatur – Video

Übergewicht, Körpertemperatur und Bluthochdruck stehen in einem engen Zusammenhang. Zahlreiche große klinisch-wissenschaftliche Studien haben zu der gesicherten Erkenntnis geführt: Übergewicht, und vor allen Dingen das Bauchfett, erhöht das Risiko für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt und Sterblichkeit. Übergewicht hat auch unmittelbar symptomatische Folgen, insbesondere Belastungsluftnot und Bluthochdruck. Aber woran liegt das eigentlich und was hat das mit dem Kreislauf zu tun?

Besonders wichtig beim Zusammenhang Übergewicht und Herz-Kreislaufsymptome finden wir die folgenden 3 Mechanismen:

  • Temperaturisolierung
  • Entzündung
  • Hormonbildung

Alle 3 Faktoren wirken zusammen und haben einen Einfluss auf die Regulation Ihrer Körpertemperatur und damit auch auf den Kreislauf.

Übergewicht, Körpertemperatur - Ursache für Bluthochdruck

Regulation der Körpertemperatur – kurze Einführung

Für optimale biochemische Prozesse und folglich für eine gute körperliche und geistige Leistungsfähigkeit benötigt Ihr Körper eine stabile Körpertemperatur. Sie liegt bei den meisten Menschen um 36,5 0C und schwankt um ca. 0,3 0C nach oben und nach unten.

Liegt Ihre Körpertemperatur außerhalb Ihres individuellen Wohlfühlbereichs, dann muss Ihr Körper gegensteuern, um wieder in diese Temperaturzone zu gelangen. Die schnellste und für den Körper am feinsten regulierbare Stellgröße ist dabei die Durchblutung der Körperoberfläche.

Ist Ihrem Körper zu warm, dann STEIGERT er die Durchblutung. So wird mehr Wärme an die Körperoberfläche gebracht und kann dort abgestrahlt werden. Bezogen auf den Kreislauf nennen wir das einen HYPERdynamen oder auch einen Wärme-Dissipitations-Kreislauf. Dekompensiert das System, steigt die Körpertemperatur und Sie beginnen z.B. zu schwitzen.

Ist Ihrem Körper zu kalt, dann VERRINGERT er die Durchblutung. Folglich wird mehr Wärme im Körperkern gehalten. Bezogen auf den Kreislauf nennen wir das einen HYPOdynamen oder einen Wärme-Konservierungs-Kreislauf. Dekompensiert das System, dann schaltet Ihr Körper die Reservemechanismen zur Temperatursteigerung ein, wie z.B. das Kältezittern der Muskeln.

Zur wissenschaftlich-ganzheitlichen Bewertung des Herz-Kreislaufsystems setzen wir in der Cardiopraxis vor allen Dingen die unblutige Herz-Kreislaufmessung in Verbindung mit der Körpertemperaturmessung ein. So können wir auch den Einfluss von Übergewicht und Stoffwechsel auf den Kreislauf sehr differenziert erfassen.

Körperfett – wichtig für die Temperaturisolierung

Wenn wir uns Gedanken über die Bedeutung von Körperfett für das Herz-Kreislaufsystem machen, dann ist es naheliegend sich zu fragen: Welchen positiven Sinn hat Körperfett neben der Speicherung von Energie? Oder anders gesagt: Warum kann Fett für das Kreislaufsystem eigentlich sinnvoll sein?

In der Biologie ist Fett vor allen Dingen eine Isolationsschicht. Wir kennen es von Tieren, die in kalten Regionen leben oder sogar einen Winterschlaf halten. Bevor der Winter beginnt, fressen Sie sich Fett an. Damit beugen sie nicht nur dem Mangel an Futter in der kalten Jahreszeit vor, sondern schützen sich auch vor Kälte.

In der Natur gibt es nun eher Wärme-verlierende und Wärme-konservierende Lebewesen, wie z.B. die Maus oder im Gegensatz dazu den Elefanten. Bestimmt wird diese Einteilung durch das Verhältnis von Körpermasse, bzw. Gewicht zur Körperoberfläche: je größer die Körperoberfläche im Verhältnis zur Körpermasse, desto mehr Wärme wird pro Masse abgegeben und umso mehr muss ein Tier in Relation zu seinem Körpergewicht fressen, um den Wärmestoffwechsel aufrecht zu erhalten. In diesem Sinne ist die Maus mit 4,5 kg/m2 eher ein “Wärmeverlierer” und folglich der Elefant mit 190 kg/m2 eher ein “Wärmebewahrer”.

Übergewicht, Körpertemperatur - Ursache für Bluthochdruck

Körperfett – auch eine Isolationsschicht bei Menschen

Diese Mechanismen der Wärmekonservierung können wir auch beim Menschen beobachten. Bei ihm liegt das normale Massen-Oberflächenverhältnis zwischen 35-40 kg/m2 Körperoberfläche. Das entspricht einem Body-Mass-Index von 18,5-25 (kg/ (m x m Körperlänge)), welches auch ein indirektes, wenn auch ungenaueres Maß für das Massen-Oberflächenverhältnis des Menschen ist. Das Massen-Oberflächenverhältnis ist im Hinblick auf den individuellen Stoffwechsel beim Menschen sehr fein abgestimmt, so dass bereits relativ geringe Schwankungen sich im Kreislauf bemerkbar machen.

Körperfett – zu starke Temperaturisolierung steigert Blutdruck

Gerät das Gleichgewicht zwischen Körperisolierung und Wärmeproduktion durcheinander, z.B. durch zu viel Bauchfett bei gleichbleibender oder gesteigerter Stoffwechselleistung, dann wird dem Körper zu warm und er versucht dieses durch eine stärkere Wärmeabgabe auszugleichen. Und zwar zunächst durch eine Steigerung des Blutflusses, und in schwereren Fällen durch Schwitzen.

Bereits Schwitzen ist ein Ausdruck von thermischem Stress, welcher mit einer Adrenalin-vermittelten Stressreaktion verbunden ist. Dieses hat nicht nur Unruhe, sondern auch eine zusätzliche Steigerung von Herzfrequenz und Blutdruck, gerade im Sommer, zur Folge.

Ist der Blutdruck eine ganze Zeit lang zu hoch, dann tritt eine Sollwertverstellung im Regelkreis der Blutdruckregulation nach ober auf. Das bedeutet, dass der Körper sich an den hohen Blutdruck “gewöhnt” und versucht ihn fälschlicherweise auf einem höheren Niveau zu halten. Das wiederum kann die medikamentöse Blutdruckeinstellung erheblich erschweren, vor allen Dingen dann, wenn die ursprüngliche Ursache – das Übermaß an Körperfett – nicht reduziert wird.

Ist der Blutfluss bei Übergewichtigen normal, dann benötigen sie das Bauchfett für den Ausgleich einer zu geringen Stoffwechselleistung und damit einer zu geringen Wärmebildung.

Körperfett – Entzündung

Wir wissen sehr genau, dass im Körperfett verstärkt entzündliche Prozesse ablaufen. Diese werden nicht zuletzt durch die Ablagerung von toxischen Substanzen verursacht. Die lokale Entzündung im Fett setzt folglich Entzündungsmediatoren frei, die über die Blutbahn in den Körper gelangen können. Das geschieht vor allen Dingen dann, wenn das immunologisch wirksame Lymphsystem mit den Lymphknoten als Abwehrsystem überlastet ist. Die Entzündungsreaktion bei übergewichtigen Menschen können wir teilweise daran erkennen, dass Entzündungsmediatoren wie z.B. Interleukine und Entzündungsmarker wie das C-reaktive Protein (CRP) im Blut erhöht sind.

Vermehrte Entzündung im Körper bedeutet mehr Stoffwechselaktivität und damit auch mehr Wärmebildung. Überschüssige Wärme muss entsprechend der oben genannten Mechanismen abgegeben werden, so dass Ihr Körper in einem thermoregulatorischen Gleichgewicht bleibt. Die Verbindung aus vermehrter Wärmebildung durch Entzündung und weniger Wärmeabgabe durch übersteigerte thermische Isolierung sind mit hoher Wahrscheinlichkeit die entscheidenden Ursachen für thermischen Stress. Und damit auch für Bluthochdruck bei übergewichtigen Menschen.

Bauchfett – Hormonbildung von Östrogen

Im Körperfett werden verschiedene Hormone gebildet. Eine besondere Bedeutung für den Kreislauf hat hier die Bildung des hormonell aktiven Östrogens, des 17ß-Östradiols.

Während das im Blut gemessene 17ß-Östradiol bei der prämenopausalen Frau zu 95% in den Eierstöcken gebildet wird, wird es bei der post-menopausalen Frau zu ca. 100% außerhalb der Eierstöcke und beim Mann zu ca. 80% außerhalb der Hoden gebildet. Vorstufen des 17ß-Östradiols sind bei der post-menopausalen Frau und beim Mann dabei vor allen Dingen Testosteron und Androstendion.

Ein Hauptort bei der extragonadalen Bildung des 17ß-Östradiols, d.h. außerhalb der Eierstöcke bzw. der Hoden, ist das Bauchfett. Je mehr Bauchfett, desto mehr 17ß-Östradiol also.

Neben seinen bekannten Auswirkungen, z.B. auf das Fettverteilungsmuster (Hüfte, Brust), hat 17ß-Östradiol auch eine Wirkung auf das Herz-Kreislaufsystem. Wesentlich dabei sind die direkten Effekte auf die Blutgefäße und auf die Verstoffwechselung der aktivierenden Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin.

Östrogen – Wirkung auf Blutgefäße, Blutfluss und Blutdruck

Östrogen bewirkt zunächst einmal eine Weitstellung der Blutgefäße, was eine Senkung des Gefäßwiderstandes und damit eine Steigerung des Blutflusses nach sich zieht. Folglich sinkt der Blutdruck, während die Wärmeabgabe steigt. Frauen kennen diesen Effekt sehr gut. Vor der Menopause ist der Blutdruck gerade zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr sehr niedrig, was mit Herzrasen, Benommenheit und Ohnmachtsanfällen verbunden sein kann. Mit der Menopause treten häufig Schweißausbrüche auf, weil die Blutgefäße enger werden und Wärme so nicht mehr optimal abgeführt werden kann. Schwitzen stellt hier einen Reservemechanismus zur Temperaturabgabe dar. Ein Beleg dafür ist, dass mit der Gabe von Östrogenpräparaten diese Symptome wieder verschwinden.

Der Einfluss von zu viel Östrogen kann starke Blutdruckschwankungen zur Folge haben. Denn der Körper versucht immer wieder, einen latent niedrigen Blutdruck durch eine Adrenalin-vermittelte Aktivierung auszugleichen, um Ohnmachtsanfälle zu verhindern. Mit der Menopause ist der Mangel an Östrogen ein zusätzliches Risiko für einen erhöhten Blutdruck. Das liegt an einem gesteigerten Blutgefäßwiderstand und den unter anderem damit verbundenen thermischen Stress durch die höhere Körpertemperatur.

Östrogen – Wirkung auf aktivierende Neurotransmitter

Östrogen ist ein sehr starker epigenetischer Faktor bei der Modulation des vegetativen Nervensystems und damit auch bei der Steuerung von emotionalem Befinden und Kreislauffunktion. Epigenetisch bedeutet, dass Östrogen bestimmte Gene an- und ausschalten kann.

Östrogen hat so indirekt einen sehr stark hemmenden Effekt auf den Abbau der aktivierenden Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin, weil es die genetische Bildung der abbauenden Enzyme Catechol-O-Methyltransferase und Monoaminooxidase hemmt. Frauen vor der Menopause, die nicht die Pille nehmen, kennen das sehr gut aus der 1. Zyklushälfte vor dem Eisprung, wenn das Östrogen besonders hoch ist: Stimmung und Ausstrahlung sind in der Regel besser als in der 2. Zyklushälfte; Grund ist vor allen Dingen der verringerte Abbau des “Glückshormons” Dopamin.

Ein zu hohes Niveau an aktivierenden Neurotransmittern als Folge eines hohen absoluten bzw. relativen Östrogenspiegels kann vor allen Dingen zu Herzrasen und Blutdruckschwankungen führen. In der Cardiopraxis kennen wir das von Frauen vor der Menopause, von Frauen nach der Menopause mit übermäßiger Östrogensubstitution und von Männern mit nachlassenden Testosteronspiegeln ca. ab dem 40. Lebensjahr.

Gerade bei Männern verschiebt sich ab dem mittleren Lebensalter das Gleichgewicht von Testosteron zugunsten von Östrogen. Hinzu kommt, dass Testosteron genau den entgegengesetzten Effekt zu Östrogen hat, weil es die Bildung der abbauenden Enzyme COMT und MAO epigenetisch aktiviert. Und damit einen vermehrten Abbau von aktivierenden Neurotransmittern bewirkt.

Östrogen verstärkt über die Verringerung des Abbaus von aktivierenden Neurotransmittern auch die emotionale Schwingungsfähigkeit. Das kann wiederum mit Ängstlichkeit bis hin zu Panikattacken verbunden sein. Diese somato-psychischen Effekte verstärken dann die Symptome wie Herzrasen und Bluthochdruck.

Festzuhalten ist, dass wir diese Effekte im Alltag nicht nur von Frauen, sondern auch von Männern kennen; das Übergewicht ist hier ein wesentlicher Risikofaktor.

Gewichtsreduktion unterstützt die Normalisierung des Blutdrucks

Übergewichtige Menschen sollten sich spätestens ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30(kg/(m x m Körperlänge)) überlegen, ob Sie das Gewicht reduzieren wollen. Ab einem BMI von 30 kg/m2 sind sie sicher für das Auftreten von Herz-Krankheiten gefährdet.

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Menschen die Herz-Kreislaufeinstellung verbessert, z.B. durch Intervallfasten. Nicht nur der Blutdruck wird besser einstellbar, nicht selten verbunden mit weniger Medikamenten, sondern auch das Risiko für Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche und Frühsterblichkeit sinkt z.T. erheblich.

Gewichtsreduktion – auf Ihr Temperaturempfinden sollten Sie achten

Wir können diese positiven Wirkungen der Gewichtsreduktion im praktischen Alltag immer wieder nachvollziehen. Schon eine Gewichtsreduktion von 4-6 kg kann ein normales Gleichgewicht zwischen Wärmebildung und Wärmeabgabe wiederherstellen.

Allerdings sollten Sie bei der Gewichtsreduktion berücksichtigen, dass eine zu starke Reduktion der Wärmeisolierung in Relation zur Wärmebildung zu thermischem Kältestress führen kann. Das passiert durch Aktivierung der Ausgleichssysteme zur Wärmebildung. Diese sind ebenfalls wieder mit einer Adrenalin-vermittelten Aktivierung verbunden, was sich negativ auf das Herz-Kreislaufsystem auswirken kann.

Sie sollten bei der Gewichtsreduktion von einem vermehrten Wärmegefühl in die Temperaturindifferenz wechseln. Ihnen ist dann also weder leicht zu kalt noch zu warm. Wenn es Ihnen eher leicht zu kalt ist, dann müssen Sie bei der Gewichtsreduktion aufpassen. Spätestens bei vermehrtem Kältegefühl müssen Sie mit einer Aktivierung Ihres Stoffwechsels beginnen, am besten durch eine aktivere Alltagstätigkeit (z.B. zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Arbeit, mehr Stehen), regelmäßiges aerobes Training und Muskelaufbau.

Übrigens raten wir Menschen mit BMI Werten von über 30 kg/m2 in Verbindung mit einem vermehrten Wärmegefühl von exzessivem Sport gerade bei hohen Außentemperaturen ab. Denn dann kann der thermische Hitzestress zur gesundheitlichen Gefährdung führen. In diesem Fall halten wir es für sinnvoll, wenn Sie Gewicht erst einmal durch eine Normalisierung der Nahrungszufuhr, z.B. durch Intervallfasten, verringern.

 

Literatur

Mehr Zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Normale Körpertemperatur bei Menschen – ein wichtiger Messwert bei Herz-Kreislauferkrankungen – Video

Für eine vollständige Herz-Kreislaufdiagnostik ist es für uns wichtig , dass wir die normale Körpertemperatur des Menschen und die Ursachen für eine erhöhte Körpertemperatur kennen. Die Körpertemperatur des Menschen ist ein wichtiger Messparameter zur Erkennung von Krankheitszuständen. Sie ist aber auch ein Maß für die Stoffwechselaktivität Ihres Körpers.

In der Cardiopraxis nutzen wir die Bestimmung der Körpertemperatur, um festzustellen, wie Blutdruck, Blutfluss, Körpermasse und Stoffwechselaktivität unter Berücksichtigung des Hormonstatus im Einklang stehen. Folglich gibt uns die Körpertemperatur wertvolle Hinweise auf die gezielt individuelle und erfolgreiche Behandlung gerade des Bluthochdrucks. Somit ist die Messung der Körpertemperatur für uns zum unverzichtbaren Bestandteil der Diagnose und Behandlung des Bluthochdrucks geworden.

Der  Energieverbrauch bestimmt die Temperatur Ihres Körpers

Die Körpertemperatur ist ein Maß für den Energieverbrauch des Menschen. Aus großen wissenschaftlichen Studien wissen wir, dass die Körpertemperatur mit dem Langzeitüberleben korreliert. Grundsätzlich gilt: Je höher die Körpertemperatur, desto geringer die Lebenserwartung. Wohlgemerkt, dieses gilt für den Durchschnitt einer großen Bevölkerungsgruppe und muss im Einzelfall nicht so sein.

Der Energieverbrauch des Menschen setzt sich im Wesentlichen aus den folgenden Faktoren zusammen.

  • basale Stoffwechselrate
  • körperliche Aktivität
  • thermischer Effekt von Ernährung
  • körperliche Entzündungsaktivität

Basale Stoffwechselrate. Die basale Stoffwechselrate dient der Aufrechterhaltung der Körperfunktionen in körperlicher Ruhe, z.B. auch im Schlaf. Bei Menschen mit überwiegend sitzender Tätigkeit, wie es bei den meisten Menschen in den Industrieländern der Fall ist, macht die basale Stoffwechselrate folglich 60% des Energieverbrauchs aus. Damit hat die basale Stoffwechselrate folglich den wesentlichen Einfluss auf die Körpertemperatur.

Körperliche Aktivität. Wir unterscheiden hier bei Menschen mit überwiegend sitzender Tätigkeit die sportliche körperliche Aktivität von der nicht-sportlichen Aktivität. Die nicht-sportliche Aktivität, die wir auch Alltagsaktivität nennen können, kann dabei mit 300-2.300 kcal von Mensch zu Mensch erheblich variieren.

Thermischer Effekt von Nahrung. Die Nahrungsaufnahme einschließlich von deren Verarbeitung in Ihrem Körper ist ein energieverbrauchender Prozess, der ebenfalls zur Körpertemperatur beiträgt. So macht es z.B. einen Unterschied, ob Sie scharfe Stoffwechsel-aktivierende Speisen essen oder kühlende Speisen, wie z.B. Salate oder Buttermilch zu sich nehmen.

Körperliche Entzündungsaktivität. Entzündungen im Körper erhöhen Ihre Temperatur. Das können ganz offensichtliche Entzündungen, wie z.B. eine Erkältung, aber auch unterschwellige Prozesse sein. Ein wichtiger Faktor bei der unbemerkten entzündlichen Aktivität ist das Körperfett, welches hier ein eigenständiger Risikofaktor ist.

Die normale Körpertemperatur – bisheriger Standard

Der Normalbereich für die menschliche Körpertemperatur wird mit 36,2 – 37,5 0C angegeben. Dieser Standard geht noch auf die Messungen von Carl Reinhold Wunderlich aus dem Jahr 1851 zurück. Er führte seinerzeit in Leipzig bei 25.000 Menschen ein Vielfaches an axillären Temperaturmessungen mit Quecksilberthermometern durch. Dabei ermittelte er eine durchschnittliche Körpertemperatur von 37,0 Grad Celsius. Dieser Standard ist heute noch weltweit anerkannt. Zu Zeiten Wunderlichs mit Beginn der Industrialisierung betrug die Lebenserwartung 38 Jahre (Stand 1851).

Abnahme der Körpertemperatur in Industrienationen

Dass sich die Normalwerte über die Zeit mindestens in den westlichen Industrienationen nach unten verschoben haben, zeigt eine Untersuchung aus den USA. Hier wurden 4 Großstudien aus dem Zeitraum von 1862 bis 2017 sorgfältig ausgewählt und zusammengefasst. Die Erhebung beginnt also ungefähr in der Zeit, als Carl Reinhold Wunderlich seine Temperaturerhebungen in Deutschland machte.

Bei den zusammengefassten US-amerikanischen Studien wurden 378.629 Männer und Frauen mit insgesamt 677.423 Einzelmessungen untersucht, Die Messungen erfolgten entweder oral im Mund oder axillär, d.h.in der Achselhöhle. Über einen Zeitraum von 157 Jahren zeigte sich ein kontinuierlicher Abfall der Körpertemperatur bei Männern und bei Frauen.

  • Männer -0,59 0C (-0,030 0C pro 10 Jahre)
  • Frauen -0,32 0C (-0,029 0C pro 10 Jahre)

Auf der Grundlage dieser Untersuchungen beträgt also die normale mittlere Körpertemperatur 36,6 Grad Celsius.

Die Lebenserwartung in Deutschland und den USA ist mit 80,6 und 78,7 Jahren vergleichbar (Stand 2016) und hat sich somit auch in Deutschland seit den Zeiten Wunderlichs mehr als verdoppelt.

Die Ergebnisse zu den Temperaturmessungen aus den USA lassen sich aufgrund eines ähnlichen Zivilisationsgrades einschl. gesundheitlicher Versorgung auch auf die Verhältnisse in Westeuropa und damit auch auf Deutschland übertragen. Hierfür spricht auch, dass in Ländern, die nicht einen so hohen Industrialisierungsgrad aufweisen, wie z.B. Pakistan, aktuelle Messungen der Körpertemperatur ähnliche Werte aufweisen wie in den USA in der frühindustriellen Phase.

Für die verringerte durchschnittliche mittlere Körpertemperatur kommen vor allen Dingen folgende Einflussfaktoren in Frage:

Weniger entzündliche Erkrankungen verringern die Temperatur des Körpers

Der Hauptgrund für eine zivilisatorische Abnahme der Körpertemperatur ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Abnahme von chronischen körperlichen Entzündungszuständen.

Zahlreiche Entzündungen werden von Menschen nicht oder kaum bemerkt. Hierzu zählen z.B. die Parodontitis durch schwache Mundhygiene, die bakterielle Magenschleimhautentzündung (Helicobacter pylorii) durch unsaubere Nahrungsmittel oder auch durch toxische Industriestoffe. Gerade die Tuberkulose, die früher sehr häufig war, kann manchmal jahrelang unerkannt bleibt und so zu Temperaturerhöhungen unterhalb der Fiebergrenze beitragen.

Nicht zuletzt sind es neben der Nahrungsmittelhygiene und neben Entzündungshemmern wie etwa Aspirin und Ibuprofen die modernen Antibiotika, die Infekte dauerhaft und schnell beseitigen. Das wiederum trägt auch zu einer Verringerung der Körpertemperatur der Gesamtbevölkerung bei.

Thermischer Stress – ein unterschätzter Grund für eine gesteigerte Temperatur 

Jeder Mensch hat einen individuellen Temperatursollwert. Meistens liegt dieser heutzutage bei 36,5 0C und schwankt um ca. 0,3 0C nach oben und nach unten, ohne dass Sie sich unwohl fühlen.

Befinden Sie sich in extremen Temperaturbereichen, sei es sehr kalt oder sehr warm, dann hat das für Sie thermischen Stress zur Folge, weil der Körper eine stabile Körpertemperatur aufrechterhalten will.

Bei zu kalter Umgebung bildet der Köper aktiv überschießende Wärme (z.B. Kältezittern). Bei zu warmer Umgebung wird der Körper schon alleine durch die Außentemperatur passiv erwärmt. Der Aufwand zur Aufrechterhaltung einer stabilen Körpertemperatur beträgt bei schwankender Umgebungstemperatur immerhin 50-70% der täglichen Energieaufnahme.
Durch die modernen Mittel der Erwärmung und Kühlung von Räumen und durch angepasste Kleidung hat der thermische Stress für Menschen in Industrienationen abgenommen. Folglich sind wir im Alltag nicht mehr so starken Temperaturschwankungen ausgesetzt wie unsere Vorfahren. Dementsprechend wird Ihre Körpertemperatur überwiegend im Wohlfühlbereich des individuellen Sollwertes gehalten. Und zwar ohne dass starke Schwankungen auftreten, die einen Adrenalin-vermittelten Stress zur Folge haben.

Abnahme Körpertemperatur – verringerte körperliche Aktivität im Alltag

Ein besonders wichtiger Faktor bei der Verringerung der durchschnittlichen Körpertemperatur ist die Abnahme der Stoffwechselrate durch weniger körperliche Bewegung. In den Industrienationen ist hier der wesentliche Faktor die überwiegend sitzende beruflich Tätigkeit.

Hinzu kommt die hohe passive Mobilität mit modernen Verkehrsmitteln: Sie sind zwar schnell, aber bedeuten für den Menschen einen geringen Energieverbrauch. Kurzum, es macht einfach einen Unterschied, ob Sie morgens mit dem Fahrrad anstatt mit dem Auto zur Arbeit fahren. Oder ob Sie an einem Schreibtisch oder bei einem Umzugsunternehmen arbeiten.

Bewertung der Körpertemperatur in Verbindung mit Kreislaufparametern und Befinden

Nun, wie gehen wir mit diesen Erkenntnissen um? Sicherlich ist es noch zu früh zu sagen, dass wir einen neuen Standard haben. Dafür brauchen wir noch weitere Studien.

In der Cardiopraxis machen wir allerdings sehr wohl die Erfahrung, dass die “normale” Körpertemperatur bei Männern, gemessen mit dem Ohrthermometer zwischen 36,2 und 37,0 0C, also im Mittel bei 36,6 0C liegt. Das entspricht also ungefähr den Werten aus der oben genannten Studie und auch genau dem mittleren Wert aus einer anderen großen Untersuchung. Letztere wurde bei 35.488 Menschen mit 234.506 Einzelmessungen im Zeitraum 2009-2017 durchgeführt.

Bei Frauen mit einem normalen Ovarialzyklus müssen wir den Zeitpunkt des Zyklus und die damit verbundenen Schwankungen einkalkulieren. Folglich ist Ihre Basaltemperatur in der ersten Hälfte vor dem Eisprung niedriger, in der zweiten Hälfte höher.

Wir können die normale Körpertemperatur und damit den Sollwert durch die gleichzeitige Messung von Blutfluss und Blutdruck sowie Herzfrequenz recht gut abschätzen. Sind Blutdruck, Herzfrequenz sowie Blutfluss normal und haben Sie darüber hinaus kein vermehrtes Kälte- oder Wärmempfinden, dann liegt kein thermischer Stress vor. Ist der Blutfluss weder zu hoch noch zu niedrig, dann muss Ihr Körper kein Zuviel an Wärme abgeben. Ebenso muss er nicht ein Zuwenig an Wärme im Körper halten.
Liegt Ihre Körpertemperatur, gemessen mit dem Ohrthermometer unter 36,2 bzw. über 37,0 0C, dann werden wir besonders hellhörig und forschen nach den Ursachen.

Bewertung der Körpertemperatur im Alltag

Für Sie im Alltag bedeutet dieses zunächst einmal, dass bei der Bestimmung von krankhaftem Fieber alles beim Alten bleibt:

Standard

  • 37,5 – 38,0 0C unterschwelliges Fieber
  • >38,0 0C manifestes Fieber

Graubereich

  • 37,0 – 37,4 0C Graubereich

Für den Bereich zwischen 37,0 bis 37,4 0C schlagen wir einen sog. Graubereich vor. Voraussetzung ist, dass bei Frauen nicht die 2. Zyklushälfte eines normalen Ovarialzyklus oder eine Schwangerschaft vorliegt; in diesem Fall sind Temperaturwerte zwischen 37,0 – 37,4 0C und in Einzelfällen sogar darüber normal.

Kurzum, Sie sollten sich bei wiederholt gemessenen Werten im Graubereich fragen, was die Ursache sein kann. Die häufigsten korrigierbaren Ursachen sind nach unseren Erfahrungen in der Cardiopraxis:

In jedem Fall sollten Sie Ihre normale Körpertemperatur kennen. Dafür bestimmen Sie am besten mehrmals im Monat Ihre Basaltemperatur am Morgen direkt nach dem Aufstehen, am besten mit einem Ohrthermometer.

Weicht die mehrmals gemessene Temperatur von Ihren gewohnten Werten ab oder liegt sie im Graubereich, dann sollten Sie nachdenken. Besteht keine erkennbare Ursache, dann kann es sinnvoll sein gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt nach den Ursachen für die Erhöhung der Körpertemperatur zu forschen.

 

Literatur

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

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Neurotransmitter

Stoffwechselwege von aktivierendem Neurotransmitter – ein einfaches Modell

In der der Cardiopraxis befassen wir uns zunehmend mit den Stoffwechselwegen der aktivierenden Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Serotonin und Adrenalin. Diese haben nicht nur einen Einfluss auf Ihr emotionales Befinden und Verhalten, sondern auch auf das Herz-Kreislaufsystem, wie z.B. den Blutdruck und Herzrhythmus.

Um die Wirkung von aktivierenden Neurotransmittern besser verstehen zu können, müssen wir uns mit den Prinzipien ihres Stoffwechsels befassen.

Neurotransmitter sind Botenstoffe zur Signalübertragung

Neurotransmitter sind Botenstoffe, die eine Nachricht vermitteln, entweder zwischen 2 Nerven oder zwischen einem Nerv und einem Endorgan, z.B. dem Herz.  Kurzum, Neurotransmitter dienen der Kommunikation, vor allen Dingen im Gehirn, dem Hauptort der Informationsverarbeitung für Außeneinflüsse der Umwelt. Darüber hinaus sind sie z.T. auch über das vegetative Nervensystem Signalübermittler zwischen Gehirn und den übrigen Anteilen des Körpers.

Meistens sind es mehrere Stoffwechselschritte für die Bildung von   aktivierenden Neurotransmitter aus jeweils einer Aminosäure notwendig. So nehmen wir z.B. die Aminosäure L-Phenylalanin mit der Nahrung auf und aus ihr entsteht durch verschiedene Umbauprozesse z.B. der Neurotransmitter Dopamin. Da die aktivierenden Neurotransmitter nur eine Aminosäure beinhalten, nennen wir sie folglich auch Monoamine.

Neurotransmitter

Stoffwechsel von Neurotransmittern – ein einfaches Modell

Betrachten wir den Stoffwechsel von aktivierenden Neurotransmittern, dann können wir grundsätzlich 4 Ebenen unterscheiden:

  • Bildung
  • Wirkung
  • Speicherung
  • Abbau

An diesen Prozessen sind verschiedene Faktoren beteiligt. Vereinfacht betrachtet sind es:

  • Nährstoffe
  • Gene
  • epigenetische Faktoren
  • Enzyme
  • Enzym Ko-Faktoren
  • Rezeptoren

Dabei müssen alle Prozesse und deren Faktoren im Gleichgewicht sein, damit Sie gesund und leistungsfähig sind.

Enzyme und Ko-Faktoren

Enzyme sorgen dafür, dass Neurotransmitter meist über mehrere Stoffwechselschritte gebildet werden. Diese Enzyme sind großmolekulare Eiweiße, die die Bildung als Katalysatoren erheblich beschleunigen, ohne dass sie sich selber dabei strukturell oder funktionell verändern. Hat ein Enzym einen Stoffwechselschritt durchgeführt, dann steht es für eine erneute Stoffwechselleistung wieder zur Verfügung, solange die richtigen Ko-Faktoren vorhanden sind.

Enzyme benötigen in der Regel einen oder mehrere Ko-Faktoren, um richtig zu funktionieren. Diese Ko-Faktoren sind zwar für das einzelne Enzym spezifisch, können aber bei verschiedenen Enzymen ganz unterschiedlich sein. Sie kommen häufig aus der Gruppe der sog. Mikronährstoffe; die bekanntesten sind Vitamine und Mineralien, so z.B. Vitamin B6 oder Magnesium.

Für jedes Enzym gibt es einen oder mehrere optimale Ko-Faktoren. Oder anders gesagt, für jedes Schloss gibt es den passenden Schlüssel. Nur zusammen mit dem optimalen Ko-Faktor kann das einzelne Enzym den spezifischen Stoffwechselschritt mit maximaler Geschwindigkeit durchführen.

Nun gibt es auch nicht-optimale Ko-Faktoren, die eine Stoffwechselschritt verlangsamen oder sogar blockieren können. Optimale und nicht-optimale Ko-Faktoren konkurrieren um die Bindungsstelle am Enzym. So kann es z.B. sein, dass der optimale Ko-Faktor Magnesium durch den nicht-optimalen Ko-Faktor Kalzium verdrängt wird.

Enzyme – Ko-Faktoren als regulierender Faktor

In einer Zelle kommt derselbe Enzymtyp mehrmals vor, da ein einzelnes Enzym die notwendige Syntheseleistung alleine nicht erbringen könnte. Für die Geschwindigkeit eines Stoffwechselschritts ist neben der Substratkonzentration und der Temperatur auch das Gleichgewicht zwischen folgenden Zuständen von Enzymen wichtig:

  • nicht besetzte Enzyme ohne Ko-Faktor
  • Enzyme mit optimalem Ko-Faktor
  • Enzyme mit nicht-optimalem Ko-Faktor

So konkurrieren optimale und nicht-optimale Ko-Faktoren um die Bindungsstelle an mehreren Enzymen eines Typs. Je nachdem wie diese Ko-Faktoren, optimale und nicht-optimale, in einem quantitativen Gleichgewicht zu einander stehen, läuft der Stoffwechselweg aller Enzyme desselben Typs in Summe schneller oder langsamer. Anders formuliert, sind viele nicht-optimale Ko-Faktoren vorhanden, dann läuft der Stoffwechselschritt langsam, sind viele optimale Ko-Faktoren vorhanden, dann läuft er schneller.

Hieraus wird deutlich, dass Ko-Faktoren eine wichtige Regulierungsfunktion für Stoffwechselwege haben. Diese Zusammenhänge haben vor dem Hintergrund der unkontrollierten Zufuhr von freiverkäuflichen Nahrungsergänzungsmitteln eine erhebliche Bedeutung. Wird das Gleichgewicht, sei es entweder durch ein Übergewicht von nicht-optimalen aber auch von optimalen Ko-Faktoren eines Enzyms gestört, dann können negative gesundheitliche Folgen auftreten.

Wir kennen das aus der Praxis sehr gut z.B. von der übermäßigen Zufuhr von Vitamin B6 (Umwandlung von L-Dopa zu Dopamin durch L-Aminodecarboxylase). Nicht nur kann die Überbehandlung mit Vitamin B6 schwere neurologische Störungen zur Folge haben, sondern es tritt hierunter auch eine übersteigerte Stoffwechselaktivität auf, die z.T. vermittelt durch Neurotransmittern innere Unruhe, Gereiztheit, Schlafstörungen, Schwitzen und Kreislaufprobleme nach sich zieht.

Gene und epigenetische Faktoren steuern die Bildung von Enzymen

Enzyme werden als Eiweißstoffe selber durch ein einzelnes Gen bzw. mehrere Gene gebildet. Spezifische Gene liegen im Zellkern einer Zelle und sind für die Bildung von Enzymen gewissermaßen Schnittmustervorlagen.

Gene können in ihrer Funktion an- und abgeschaltet werden. Die Faktoren, die das bewirken sind unter anderem “epigenetische Faktoren”. Epigenetik bedeutet vereinfacht “beim Gen”. Ähnlich wie die Ko-Faktoren bei den Enzymen haben sie somit eine regulierende Funktion.

Die Epigenetik ist ein verhältnismäßige neues Wissenschaftsgebiet. Gerade in der Tumorforschung wird hier nach epigenetischen Einflussfaktoren sowohl für die Bildung als auch die Behandlung von Tumorerkrankungen intensiv geforscht.

Bei der Regulierung des Herz- Kreislaufsystem durch aktivierende Neurotransmitter spielen epigenetische Einflussgrößen ebenfalls eine wichtige Rolle. Nach unseren Erfahrungen in Verbindung mit systematischen wissenschaftlichen Erkenntnissen haben hier z.B. Vitamin D und die Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron eine hervorzuhebende Bedeutung.

Vitamin D induziert die Bildung des Enzyms Tyrosin-Hydroxylase (Umwandlung von Tyrosin in L-Dopa). Testosteron induziert genetisch die vermehrte Bildung der Catechol-O-Methytransferase (COMT) und Monoaminooxidase (MAO), was wiederum einem beschleunigten Abbau aktivierenden Neurotransmitter verbunden ist. Östrogen hingegen verlangsamt über eine verringerte Synthese von COMT und MAO den Abbau von aktivierenden Neurotransmittern.

Sie können sich sicherlich vorstellen, dass diese Zusammenhänge nicht nur für Ihr emotional gesteuertes Verhalten, sondern auch die Regulierung des Herz-Kreislaufsystems eine wirkmächtige Bedeutung haben.

Signalstärke von Neurotransmittern

Sind die aktivierenden Neurotransmitter einmal gebildet, dann werden sie durch ein Signal im Nerven aus der Senderzelle in den Zellzwischenraum, den sog. synaptischen Spalt freigesetzt, um das Signal an eine Empfängerzelle zu übertragen. An der Empfängerzelle sitzen in der Zellmembran Rezeptoren, an welche die Neurotransmitter andocken. Über die Rezeptoren werden dann weitere Signalwege innerhalb der Zielzelle aktiviert.

Für die Signalstärke, und ob überhaupt eine Signalübertragung zustande kommt sind mehrere Faktoren wichtig:

  • Signal-sendende Nerven
  • Neurotransmitter
  • Signal-empfangende Nerven
  • Spezifische Rezeptoren für Neurotransmitter

Bei einem Signal durch einen Signal-sendenden Nerv erfolgt immer die Freisetzung mehrerer Neurotransmitter. Für die Entstehung eines Signals spielt zunächst einmal das Vorhandensein von Signal-empfangenden Nerven eine Rolle: ohne Empfänger keine Signalweiterleitung.

Da in der Regel ganze Nervenbündel für die Bildung bzw. Weiterleitung einer bestimmten Signalqualität verantwortlich sind, spielt das zahlenmäßige Verhältnis von sendenden und empfangenden Nerven auch eine Rolle, wobei auch mehrere Sender an einem Empfänger andocken können

Weiterhin hat auch das quantitative Verhältnis von Neurotransmittern zu ihren spezifischen Rezeptoren eine Bedeutung. So kann z.B. trotz zahlreicher Neurotransmitter im synaptischen Spalt ein Signal nicht übertragen werden, wenn auf der Signal-empfangenden Seite wenige oder gar keine Rezeptoren vorhanden sind.

Neurotransmitter

Rezeptoren für Neurotransmitter

Wir ein aktivierender Neurotransmitter durch ein Signal aus dem Signal-sendenden Nerv freigesetzt, dann befindet er sich zunächst im Zwischenraum zwischen 2 Nerven, dem sog. synaptischen Spalt. Er dockt dann, gemäß dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an spezifische Rezeptoren auf der Signal-empfangenden Zelle an. Der Rezeptor löst dann in der Signal-empfangenden Zelle eine intrazelluläre Signal-Kette aus und das Signal wird dann im Nerv weitergeleitet.

Rezeptoren werden selber durch Gene gebildet und werden selber durch spezifische epigenetische Faktoren und zum Teil über Rezeptor-spezifisch Ko-faktoren reguliert. Weitere Regulierungsmöglichkeiten sind die Ansprechbarkeit von Rezeptoren und die die Rezeptorblockade.

Wenn ein Rezeptor vermittelt durch einen Neurotransmitter ein Signal in die Signal-empfangenden Zelle übertragen hat, dann ist er danach für eine bestimmte Zeit inaktiv, d.h. er steht für eine erneute Signalübertragung nicht zur Verfügung. War das gesendete Signal aller Signal-sendenden Nerven quantitativ sehr stark, dann kann im Sinne einer Erschöpfung der ganze Signalweg für eine bestimmte Zeit blockiert sein. Folglich bleiben weitere Signale durch den Signal-sendenden Nerv wirkungslos.

Blockade von Neurotransmitterrezeptoren als therapeutisches Prinzip

Neurotransmitter und Rezeptor sind im Sinne des Schlüssel-Schloss-Prinzips spezifisch füreinander optimal passend. Ähnlich wie bei den Ko-Faktoren der Enzyme kann aber eine nicht-optimal passende Substanz den Rezeptor für den optimal passenden Neurotransmitter und damit die Wirkung desselben blockieren. Diese Blockade kann kompetitiv sein, d.h. die Signalübertragung wird durch das quantitative Verhältnis von optimal-wirkenden Neurotransmittern zu blockierenden Substanzen bestimmt. Allerdings gibt es auch eine nicht-kompetitive Hemmung, bei der der Rezeptor irreversibel blockiert ist, was in gewisser Weise einer Vergiftung entspricht.

In der Herz-Kreislaufmedizin wird das Prinzip der kompetitiven Rezeptorblockade, z.B. bei der Therapie mit Beta-Rezeptoren Blockern zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen regelmäßig eingesetzt. Wenn die Beta-Rezeptoren am Herz besetzt sind, dann können Noradrenalin und Adrenalin am Herzen nicht ihre volle Wirkung mit Steigerung von Herzfrequenz und Pumpkraft entfalten.

Wir können die kompetitive Hemmung durch den Beta-Rezeptoren Blocker übrigens sehr schön in der Stressechokardiografie beobachten. Menschen unter Beta-Blockertherapie weisen hier zunächst in Ruhe eine träge Pumpleistung auf. Mit zunehmender Belastung, und damit adrenerger Aktivierung gewinnen Noradrenalin und Adrenalin an den Herzmuskelzellen die Oberhand und die Pumpkraft steigt deutlich an; manchmal hat man als Untersucher den Eindruck, als sei ein Schalter umgelegt.

Wiederaufnahme von Neurotransmittern

Hat ein Neurotransmitter seine Funktion am Rezeptor des Signal-empfangenden Nerv erfüllt, dann löst er sich wieder, so dass er sich zunächst frei im Zwischenraum zwischen Signal-empfangenden und Signal-sendendem Nerven, dem sog. synaptischen Spalt befindet. In Einzelfällen finden sich an der Außenseite der Zellmembranen, der äußeren Zellgrenze hier Enzyme, die den Abbau des Neurotransmitters bewirken.

In den meisten Fällen werden die freien Neurotransmitter allerdings über einen Wiederaufnahmekanal erneut in den Signal-sendenden Nerv aufgenommen. Bei Wiederaufnahmekanälen handelt es sich um Eiweißstrukturen, die ebenfalls auf der Grundlage von Genen gebildet werden. Somit kann durch genetische Varianten die Wiederaufnahme von Neurotransmittern von Mensch-zu-Mensch unterschiedlich sein: beim einen ist die Wiederaufnahme schneller, beim anderen langsamer.

Die Funktion von Wiederaufnahmekanälen wird bei den aktivierenden Neurotransmittern auch therapeutisch genutzt. So verwenden wir bei der Behandlung von Depression die sog. Serotonin-bzw. die Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer. Durch die Blockade der Wiederaufnahme wird die Konzentration des Neurotransmitters im synaptischen Spalt erhöht und die Wirkung am Signal-empfangenden Nerv gesteigert.

Werden die Neurotransmitter über den Wiederaufnahme-Kanal wieder in den Signal-sendenden Nerv aufgenommen, dann werden sie entweder gespeichert oder abgebaut.

Speicherung von Neurotransmittern

In der Regel speichert der Signal-sendenden Nerv die Neurotransmitter nach ihrer Wiederaufnahme. Dieses geschieht in kleinen Speicherbläschen, sog. Speichervesikeln. Um in ein Speichervesikel zu gelangen, muss der Neurotransmitter erneut einen Transporter-Kanal, der ebenfalls aus Proteinen besteht, passieren. Der Transporter, in der Regel der Vesikuläre Monoamintransporter 2 (VMAT2) ist für alle aktivierenden Neurotransmitter (Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin) gleich.

In den Vesikeln sind die Neurotransmitter vor den abbauenden Enzymen, die innerhalb der Zelle, aber außerhalb der Vesikel liegen, geschützt. Wird der Signal-sendende Nerv erneut aktiviert, dann stehen die Neurotransmitter in den Vesikeln für eine erneute Signalübermittlung an den Signal-empfangenden Nerv zur Verfügung.

Wir nutzen die Funktion eines Vesikel-Transporters auch therapeutisch. Der Blockade des Transporters VMAT2, z.B. durch Reserpin kann bei zu starker neurovegetativer Aktivierung z.B. zur Behandlung des Bluthochdrucks oder bei innerer Unruhe und Angstzuständen therapeutisch eingesetzt werden. Kurzum, Reserpin blockiert die Aufnahme von aktivierenden Neurotransmittern in die schützenden Vesikel. Folglich bauen dann Enzyme die Neurotransmitter außerhalb der Vesikel  vermehrt ab.

Abbau von Neurotransmittern

Der Abbau von aktivierenden Neurotransmittern erfolgt überwiegend innerhalb des Signal-sendenden Nervs. Ebenso wie bei der Bildung von Neurotransmittern spielen bei ihrem Abbau Enzyme eine entscheidende Rolle. Dabei sind wieder die Aktivität, Gene und Ko-faktoren von regulierender Bedeutung.

Von hervorgehobener Bedeutung sind hier die Enzyme Catechol-O-Methytransferase (COMT) und die Monoaminooxidasen (MAO). Für COMT und MAO kennen wir genetische Varianten. So gibt es bei Menschen alleine schon genetisch bedingt eine hohe, mittlere und niedrige Abbaurate von aktivierenden Neurotransmittern durch COMT bzw. MAO. Ist die Abbaurate z.B. niedrig, dann “stauen” sich die Neurotransmitter vor dem Enzym und es liegt bei diesem Menschen eher ein gesteigertes Aktivitätsniveau vor. Ist die die Abbaurate hoch, dann ist das Aktivitätsniveau eher niedrig.

In Bezug auf das menschliche Verhalten bedeutet dieses eine höhere bzw. niedrigere Irritabilität und erklärt so auch zum Teil das unterschiedliche Temperament zwischen einzelnen Menschen. Gerade die genetischen Varianten von COMT und MAO werden in der Verhaltensforschung ausgiebig untersucht. So kann z.B. eine niedrige Aktivität von COMT mit einem “Stau” von Dopamin und Noradrenalin innere Unruhe und eine Neigung zu Panikattacken mit erklären. Eine erhöhte Aktivität von MAO und damit verbunden die gesteigerte Abbaurate des Neurotransmitters Serotonin kann eine Prädisposition für Depressionen bedeuten.

Aktivierende Neurotransmitter – genetische Zusammenhänge gezielt therapeutisch nutzen

Die Kenntnis der genetischen Unterschiede beim Auf- und Abbau von aktivierenden Neurotransmittern ist eine sehr gute Option zur besseren Individualisierung von Therapiemaßnahmen in der Herz-Kreislaufmedizin.

Gerade bei der Behandlung von Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck, die ja nicht nur von Störungen des Organs Herz bzw. der Blutgefäße selber abhängig sind, hat die Kenntnis der individuellen genetischen Voraussetzung für die Wirkung von aktivierenden Neurotransmittern eine zunehmende therapeutische Bedeutung. Nicht nur werden so Verhaltensmuster eher erklärbar, sondern wir können gezielter Empfehlungen bei der medikamentösen Therapie, dem Einsatz von Nahrungsergänzungsmittel und zu den Wirkungen von Hormonpräparaten, seien es Östrogen, Progesteron oder Testosteron geben. Diese haben wiederum eine Wirkung auf Herz und Kreislauf.

 

Literatur

Mehr zu. Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

 

Sehstörungen bei körperlicher Belastung – Ursache Vitamin B6?! 

Wir führen in der Cardiopraxis pro Jahr mehrere tausend Belastungs-EKGs durch. Dabei stoßen wir immer wieder auf ungewöhnliche Befunde. Folgend schildern wir Ihnen 2 Fälle von Männern, die regelhaft über Sehstörungen unter und nach körperlicher Belastung berichteten.

Wo der Mangel schadet, da schadet meistens auch der Überfluss (Franz Imhaeuser)

Fallbericht 1 – Sehstörungen bei Belastung und periphere Nervenschmerzen

In einem Septembermonat stellte sich ein 50-jähriger Mann (Mann I) mit Herzstolpern und Benommenheit bei Belastung in der Cardiopraxis vor. Klinisch war er als Freizeitsportler normgewichtig (BMI 23,0 kg/m2) und in einem sehr guten Trainingszustand.

Die aktuelle kardiologische Diagnostik einschließlich EKG, Belastungs-EKG, Stress-Echokardiografie und nicht-invasiver Kreislaufmessung im Liegen und im Stehen war unauffällig. Ein auswärtig durchgeführtes Langzeit-Blutdruck Monitoring ergab einen Normalbefund, ein Langzeit-EKG zeigte bis auf vereinzelte ventrikuläre Extrasystolen, welche als medizinisch harmlos eingestuft wurden, keinen relevanten Befund.

In der Vorgeschichte war seit 3 Monaten ein polytopes neurologisches Krankheitsbild bekannt. Polytop bedeutet, dass Symptome in verschiedenen Körperregionen auftreten, ohne dass diese durch eine einzelne neurologische Läsion, wie z.B. bei der Verletzung eines peripheren Nervs, erklärt werden können. Der Mann berichtete über Sehstörungen auf beiden Augen, Sprachstörungen mit “Verhaspeln” bei mehrsilbigen Wörtern, die auch im 2. und 3. Anlauf nicht richtig ausgesprochen werden konnten, sowie über intermittierend auftretendes Taubheitsgefühl und Schmerzen der rechten oberen Körperhälfte.

Vor und nach dem Erstbesuch in der Cardiopraxis war eine umfangreiche Abklärung einschließlich fachärztlicher neurologischer, rheumatologischer und Hals-Nasen-Ohren-ärztlicher ohne richtungsweisenden Befund erfolgt. Die augenärztliche Untersuchung hatte eine beidseitige ödematöse Makuladegeneration (rechts >links) ergeben, wobei die Behandlung mit Diamox, Cortison und Magnesium zu einer Verschlechterung der Symptomatik geführt hatten.

Hervorzuheben ist, dass die neurologisch untersuchten peripheren Nervenleitgeschwindigkeiten normal waren. Das Schädel-MRT war ebenfalls komplett unauffällig, d.h. es konnten keine Veränderungen des Sehnervs und auch keine Hinweise auf entzündliche Erkrankung der Gehirnsubstanz, wie z.B. bei Multipler Sklerose festgestellt werden.

Während des Erstbesuchs in der Cardiopraxis wurde auch eine Belastungsuntersuchung durchgeführt. Bei einer mittleren Belastungsstufe gab der Mann über Sehstörungen (“verschwommenes Sehen”) auf beiden Augen an, so dass die Untersuchung abgebrochen wurde. In Rückenlage nahmen die Sehstörungen dann zu.

Fallbericht 1 – Sehstörungen bei Belastung – langsame Besserung nach Absetzen von Vitamin B6

Im weiteren Verlauf gingen die Symptome nach 15-18 Monaten zurück und waren bei einem Folgebesuch 24 Monate nach der Erstvorstellung praktisch nicht mehr vorhanden. Da wir zwischenzeitlich einen ähnlichen Fall (s.u.) betreut hatten, erfolgt nochmals eine genaue Befragung.

Der inzwischen 52-jährige Mann berichtete, dass er zur körperlichen Kräftigung 12 Monate vor der Erstmanifestation belastungsabhängigen Sehstörungen begonnen hatte durchgehend Eiweißprodukte einzunehmen, die hohe Dosen an Vitamin B6 enthielten. Dabei erreichte er Tagesdosen von 300-450% der empfohlen Bedarfsdosis für Vitamin B6. Zusätzlich führte er sich dann mit Beginn der Symptome noch eine weitere Mikronähstoffkombination mit 300% der empfohlenen Tagesdosis an Vitamin B6 zu. Auch ein weiteres Vitamin-B-Komplex Präparat nahm er in unregelmäßigen Abständen immer wieder mal ein. In Summe kam er so auf Vitamin-B6 Spitzenbelastungen von 600-750 % pro Tag, und das zusätzlich zu einer ansonsten sehr gesunden Ernährungsweise. Ca. 6 Monate nach dem Erstbesuch setzte er alle Vitamin B6-haltigen Präparate ab.

Die Symptome waren dann bei einem weiteren Besuch in einem Dezember fast komplett verschwunden. Mann I berichtete, dass die Symptomatik sich im Verlauf gebessert hatte nachdem er Vitamin B6 im Sommer des Vorjahres abgesetzt hatte. Interessanterweise gab er eine jahreszeitliche Abhängigkeit seiner Beschwerden an: im Sommer schlimmer als im Winter. Dabei war die Symptomatik im aktuellen Sommer deutlich geringer ausgeprägt gewesen als im Vorsommer. Bei der aktuellen Untersuchung wurde erstmals Vitamin B6 im Serum bestimmt, was mit 26,7 µg/l (Referenzbereich 3,6-18 µg/l) entsprechend dem 1,5-fachen des oberen Grenzwertes erhöht war.

Fallbericht 2 – Sehstörungen bei Belastung und hohe Vitamin B6-Spiegel im Blut

Ein 51-jähriger Mann (Mann II) stellte sich in einem Novembermonat mit belastungsabhängigen zentralen Sehstörungen (“punktuelle zentrale Ausfälle”) auf beiden Augen (rechts > links) vor. Mann II ist ein hochaktiver Freizeitsportler (Laufen, Kitesurfen) und normgewichtig (BMI 22,0 kg/m2). Die Beschwerden an den Augen hatten vor 3 Monaten, d.h. im August begonnen und in den letzten Wochen waren noch rechtsseitige Kopfschmerzen hinzugekommen. Mann II ist zeichnerisch versiert und hat ein Bild seiner Sehstörungen selber anfertigen können.

Die konventionelle kardiologische Untersuchung war komplett unauffällig. Die Kreislaufmessung ergab bei einer leichten Kälteempfindlichkeit eine sog. Wärmekonservierungskreislauf mit erniedrigten Blutflusswerten (71% des unteren Grenzwertes). Bei hoher Belastungsstufe im Belastungs-EKG traten die Sehstörungen wieder auf, wobei die zentrale Körpertemperatur, gemessen im Ohr von einem Ausgangswert von 36,4 0C auf 36,8 0C angestiegen war. Eine später durchgeführte passive Erwärmung (Sauna, 20 Minuten) blieb symptomfrei.

Eine weiterführende neurologische und augenärztliche Diagnostik einschl. Schädel-MRT waren komplett unauffällig. Auch die visuell evozierten Potentiale, d.h. ein Test der elektrischen Reizweiterleitung von der Netzhaut des Auges bis zur Großhirnrinde ergaben keine pathologischen Auffälligkeiten. Allerdings wurde dieser Test in vollkommener Ruhe und nicht nach körperlicher Belastung vorgenommen. Differentialdiagnostisch wurde Mann II unter dem Verdacht auf eine sog. Augenmigräne empfohlen, vor dem Laufen das Migränemittel Sumatriptan einzunehmen, was allerdings keine Besserung der Symptome unter Belastung zur Folge hatte.

Mann II hatte mittels verschiedener Nahrungsergänzungsmittel beginnenden Monate vor dem Einsetzen der Augensymptome hohe Dosen an Vitamin B6 eingenommen. Zusätzlich zu einer normalen Ernährung führte er so 265% der empfohlenen Tagesdosis an Vitamin B6 zusätzlich zu. Zum Zeitpunkt der Erstdiagnostik in der Praxis betrug der Vitamin B6 Spiegel unter fortlaufender Einnahme 39,3 µg/l (Referenzbereich 3,6-18 µg/l), d.h. das 2,2-fache vom oberen Grenzwert.

Der weitere Verlauf dieses Mannes nach Absetzen von Vitamin B6 Präparaten steht noch aus, da die Befunde relativ aktuell sind.

Sehstörungen bei Belastung – Sport und Vitamin B6

Mit der Vorstellung von Mann II zeigten sich Gemeinsamkeiten mit den Befunden von Mann I. Durch die genauere Angabe der Vitamin-B6-haltigen Nahrungsergänzungsmittel von Mann I konnte im Nachhinein auch eine zeitliche Koinzidenz zwischen der Zufuhr von Vitamin B6 und Symptomatik Mann I erkannt werden. Zusammengefasst waren folgende Übereinstimmungen zwischen beiden Fällen hervorstechend:

  • Sehstörungen bei körperlicher Belastung, d.h. bei aktiver körperlicher Erwärmung
  • Symptombeginn im Sommer, d.h. in der warmen Jahreszeit
  • Vitamin B6 Einnahme in hohen Dosen, d.h. von mindestens 250% der empfohlenen Tagesdosis über einen längeren Zeitraum
  • gut trainierte aktive Freizeitsportler, d.h. regelmäßige Belastung über die Alltagsbelastung hinaus

Schon früh wurde bei Mann I von fachneurologischer Seite der Verdacht auf ein Uhtoff-Phänomen (s.u.) geäußert. Weil allerdings die neurologische Diagnostik einschl. Schädel-MRT keine weiteren Hinweise, z.B. auf eine entzündliche Erkrankung des Gehirns ergeben hatte, wurde bei Mann I der Spontanverlauf abgewartet. Mit der Vorstellung von Mann II haben wir uns dann erneut auf die Suche nach den systematischen Zusammenhängen und Ursachen der Symptome gemacht.

Der Sehnerv – Überträger von elektrischen Signalen

Jeder gesunde Mensch hat 2 Sehnerven, für jedes Auge einen. Ein einzelner Sehnerv hat ca. 1 Millionen Nervenfasern, sog. Axone, die visuelle Reize vom Auge über elektrische Impulse an die hintere Großhirnrinde übertragen, wo sie dann zu bildlichen Informationen verarbeitet werden. Weil im Punkt des schärfsten Sehens in der Netzhaut besonders viele visuelle Rezeptoren liegen, deren Reize weitergeleitet werden müssen, wird hier eine Schädigung der nachgeschalteten Nerven besonders früh wahrgenommen.

Die einzelnen Nervenfasern eines Sehnervs sind umgeben von fetthaltigen Markscheiden, auch Myelinscheiden genannt. Sie können sich das zunächst so vorstellen, wie die Isolation an einem elektrischen Kabel. Die Markscheiden dienen in der Tat der elektrischen Isolation und dem Schutz der Nervenfaser vor Außeneinflüssen. Die Markscheiden weisen im Verlauf Lücken auf, die eine besonders schnelle elektrische Übertragung, eine sprunghafte sog. saltatorische Erregungsüberleitung erlauben.

Sehstörungen bei Belastung – Uhtoff-Phänomen

Reversible Sehstörungen bei körperlicher Belastung, die innerhalb von 24 Stunden wieder verschwinden, wurden erstmals von 1890 von Wilhelm Uhtoff bei Patienten mit Multipler Sklerose beschrieben. Folglich wird dieses Symptom daher auch Uhtoff-Phänomen genannt.

Wilhelm Uhtoff beobachtet diese Symptomatik seinerzeit bei 4% der betreuten Patienten mit Multipler Sklerose. Das setzt eine erstaunliche Beobachtungsgabe voraus, da dieses Symptom in seinem Kollektiv eher selten war und seinerzeit standardisierte Belastungstests, wie z.B. heute das Belastungs-EKG und Freizeitsport nicht üblich waren.

Während Wilhelm Uhtoff die Verbindung zwischen körperlicher Belastung und vorübergehender Sehstörung erkannte, wurde der Zusammenhang der Symptome mit einer Erhöhung der Körpertemperatur 60 Jahre später hergestellt. So wurde dann vorübergehend sogar ein Heißbade-Test als diagnostisches Kriterium die Multiple Sklerose eingesetzt.

Entsprechend sind Faktoren, die zu einem Auslöser für das Uhtoff-Phänomen bzw. dieses begünstigen können:

  • körperliche Belastung
  • emotionaler Stress
  • heißes Bad oder Dusche
  • Sonnenexposition bzw. hohe Außentemperaturen
  • weiblicher Ovulationszyklus (2. Zyklushälfte)
  • heiße Mahlzeiten
  • Fieber

Wir können folglich eine Stoffwechsel-aktive Erwärmung (z.B. körperliche Belastung) von einem weitgehend Stoffwechsel-passivem Auslösemechanismus (z.B. heißes Bad) unterscheiden. Unter theoretischen Gesichtspunkten ist der aktive Auslöser der stärkere Reiz.

Uthoff-Phänomen – Störung der elektrischen Reizweiterleitung im Sehnerv

Das Uhtoff-Phänomen wird auch bei anderen Erkrankungen des Sehnervens, die die Myelinscheide betreffen, so z.B. bei der Neuromyelitis optica beobachtet.

Als Mechanismus, welche zu den Sehstörungen führt, wird die temperaturabhängige elektrische Blockade von teilweise demyelinisierten sensorischen Nervenfasern angenommen. Dabei genügen für eine erkrankte Nervenfaser schon Temperaturunterschiede von 0,2-0,5 0C, dass sich die Nervenleitgeschwindigkeit merklich verändert.

Eine Erweiterung der sog. Ranvierschen Schnürringe als Folge des Verlustes von Markscheidenmaterial hat für Änderungen der Nervenleitgeschwindigkeit die entscheidende Bedeutung. Hierdurch wird die schnelle sog. saltatorische elektrische Erregungsüberleitung in der betroffenen Nervenfaser verlangsamt, so dass die Weiterleitung von zeitlich gleichzeitig stattfindenden visuellen Reizen auf der Netzhaut des Auges zeitlich inhomogen an das Großhirn weitergleitet wird. Da nun aus noch gesunden und kranken Nervenfasern ein Bild in der Großhirnrinde generiert wird, bleibt dieses aufgrund der unterschiedlichen Nervenleitgeschwindigkeiten lückenhaft.

Vitamin B6 und Neurotoxizität- Mangel und Toxizität durch Nahrungsergänzungsmittel

Die wasserlöslichen und neurotropen B-Vitamine haben als sog. Ko-Enzyme eine hervorgehobene Relevanz bei der Aufrechterhaltung eines gesunden Nervensystems. Von besonderer Bedeutung sind hier die Vitamine B1, B6 und B12. Von diesen Vitaminen ist seit der ersten Hälfte des vorherigen Jahrhunderts gut bekannt, dass ein Mangel schwere neurologischen Störungen zur Folge haben kann.

Bei einem schweren Mangel an Vitamin B6 tritt eine strukturelle Schädigung der Myelinscheiden als Ursache für Schäden sowohl der peripheren Nerven als auch des Gehirns auf. Die Veränderungen ähneln dabei sehr stark solchen, die wir von einer anderen demyelinisierenden Erkrankung, der Multiplen Sklerose kennen.

Im Jahr 1983 wurde allerdings auch erstmals berichtet, dass auch eine zu hohe Zufuhr von Vitamin B6 neurologische Symptome zur Folge haben kann. Zahlreiche Fälle werden seit dieser Zeit immer wieder in der Fachliteratur berichtet. In den Niederlanden alleine wurden zwischen 2014 und 2017 mehr als 50 Fälle in einem entsprechenden Register aufgenommen. Die Dunkelziffer dürfte in Anbetracht der Freiverkäuflichkeit und der zunehmenden Selbstmedikation von gesundheitsbewussten Menschen, die meinen, dass sie sich etwas Gutes tun, noch deutlich höher sein.

Vitamin B6 Paradox 

Interessanterweise ist es so, dass die neurologischen Symptome bei einem Vitamin B6 Mangel denen bei einem pathologischen Vitaminüberschuss, einer Vitamin B6 Intoxikation durch Nahrungsergänzungsmittel sehr stark ähneln. In der Wissenschaft wird dieses daher als auch “Vitamin B6 Paradox” bezeichnet. In experimentellen Untersuchungen konnte inzwischen gezeigt werden, dass eine zu hohe Konzentration von Vitamin B6 zu einer funktionellen Störung der Wirkung von Vitamin B6 zur Folge haben kann. Oder anders gesagt, ein quantitativer Überschuss an Vitamin B6 hat eine qualitative Störung der Funktion zur Folge.

Diagnose – Uhtoff-Phänomen durch Vitamin B6 Überdosierung

Bei beiden Männern mit Sehstörungen unter und nach körperlicher Belastung lag nach unseren Erkenntnissen ein Uhtoff-Phänomen vor, welches durch hohe Zufuhr von Vitamin B6 verursacht wurde.

Während bei Mann II das Uhtoff-Phänomen als monotope Störung, d.h. isoliert nur an den Augen auftrat, lagen bei Mann II polytope Symptome mit Beteiligung weiterer peripherer Nervengebiete vor. Bei beiden Männern haben wir gerade bei Mann I an eine entzündliche sog. demyelinisierende Erkrankung, d.h. an das Vorliegen einer Multiple Sklerose gedacht. In beiden Fällen konnte dieser Verdacht nicht bestätigt werden.

Mann I hatte auch eine feuchte, eine sog. ödematöse Makuladegeneration (rechts>links). Dieses kann ein Ko-Faktor bei den Sehstörungen unter Belastung sein, erklärt diese aber nicht alleine.  Dieses gilt umso mehr, da anfänglich zusätzliche neurologische periphere Nervenstörungen in Verbindung mit den belastungsabhängigen Sehstörungen vorlagen; beide Symptome verschwanden bzw. waren 12 Monate nach dem Absetzen von Vitamin B6 fast nicht mehr vorhanden. Weder bei einer Recherche bei Google noch bei PubMed finden sich Einträge zu “uhtoff” in Verbindung mit “macula degeneration” gefunden werden (Stand Januar 2020)

Heilungsverlauf nach Überdosierung von Vitamin B6 plus Sehstörungen unter Belastung

Der Heilungsverlauf nach Absetzen von Vitamin B6 Präparaten ist, wie der Fall von Mann I zeigt, langwierig, d.h. Monate bis Jahre, da Nerven und die umgebenden Markscheiden bekanntermaßen lange brauchen bis sie sich wieder regenerieren. Da eine spezifische Therapie bisher nicht bekannt ist, ist bisher die einzige Behandlungsoption das Absetzen von Vitamin B6 Präparaten und der Spontanverlauf muss abgewartet werden.

Zwar scheint die Prognose auf eine komplette Wiederherstellung der Sehfähigkeit in allen Lebenssituationen eher gut zu sein, bleibende Schäden können allerdings nicht von vorneherein ausgeschlossen werden.

Unklar, und aus unserer Sicht problematisch ist, warum Mann I auch noch Monate nach Absetzen einen erhöhten Vitamin B6-Spiegel vom 1,5-fachen des oberen Grenzwertes hatte. Wir sehen bei anderen Menschen immer wieder leicht erhöhte Vitamin B6 Spiegel, ohne dass sie Vitamin B6 in Form von Nahrungsergänzungsmittel zuführen. Grundsätzlich gilt in der wissenschaftlichen Literatur der Leitsatz, dass eine Intoxikation mit Vitamin B6 durch eine normale Ernährung nicht möglich ist; erst die zusätzliche Einnahme von Vitamin B6 in Form von Nahrungsergänzungsmitteln verursacht gesundheitliche Schäden. Wir sind uns da allerdings nicht so sicher und können hier zu mindestens eine Prädisposition annehmen.

Mögliche Ursachen sind hier:

  • bisher unbekannte genetisch bedingte Abbaustörungen von Vitamin B6
  • bisher unbekannter toxischer Faktor, der den Stoffwechsel von Vitamin B6 verändert
  • anhaltende toxische Störungen durch ursprünglich hohe Zufuhr an Vitamin B6

Sehstörungen bei Belastung durch Vitamin B6 – häufig unerkannt?!

Zwar sind neurologische Störungen, z.B. von peripheren Nervenschäden (Polyneuropathie) und Ataxie (zentral-nervös verursachte Bewegungsstörung) durch eine Überdosierung von Vitamin B6 in der Literatur seit 1983 bekannt. Sie werden auch in den deutschen Fachinformationen, der als Medikament zugelassenen Vitamin B6 Präparate genannt. Allerdings finden sich keine Hinweise auf isolierte Sehstörungen bei Belastung bei Vitamin B6 Überdosierung. In der größten Datenbank für medizinische Artikel PubMed konnten bisher keine Beiträge zu “uhtoff” in Verbindung mit “vitamin b6” gefunden werden; ebenso nicht bei einer Google Recherche (Stand Januar 2020).

Für den Zusammenhang Sehstörungen bei körperlicher Belastung durch die Einnahme von Vitamin B6 liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine hohe Dunkelziffer vor. Dieses bedeutet, dass der Zusammenhang unterdiagnostiziert oder vereinfacht gesagt, einfach nicht erkannt wird. Das liegt vor allen Dingen daran, dass die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln von den Patienten bei der ärztlichen Befragung nicht angegeben bzw. von Ärztinnen und Ärzten neben den üblichen Medikamenten nicht systematisch abgefragt werden.

Kurzum, die gesundheitliche Bedeutung und damit auch der potentielle Schaden von Nahrungsergänzungsmittel werden, wenn sie unkontrolliert eingenommen werden, sowohl von Laien als auch von Ärztinnen und Ärzten im Allgemeinen unterschätzt. Wir sind zwar nur Kardiologen, d.h. keine Spezialisten für neurologische Störungen, aber auch wir hatten bei Mann I zunächst nicht auf die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln geachtet.

Nahrungsergänzungsmittel Vitamin B6 und Sehstörungen bei Belastung – richtig handeln

Auf der Grundlage der Fallbeschreibung besteht zwar keine absolute Sicherheit für den Zusammenhang zwischen der Einnahme von Vitamin B6 als Nahrungsergänzungsmittel und Sehstörungen bei Belastung, wir sehen die Wahrscheinlichkeit allerdings als so hoch an, dass wir auf diesen Zusammenhang hinweisen.

Grundsätzlich sollten Sie Nahrungsergänzungsmittel im Allgemeinen und Vitamin B6 im Speziellen nie über einen längeren Zeitraum, d.h. mehrere Wochen in hohen Dosen einnehmen. Optimal ist eine Steuerung über die jeweiligen Konzentrationen im Blut.

Falls Sie Sehstörungen unter Belastung haben, dann sollten Sie diese Zusammenhänge mit einem Neurologen bzw. Augenarzt besprechen. Eine vollständige fachärztliche neurologische und augenärztliche Untersuchung einschl. eines CTs bzw. eines MRTs des Gehirns muss zum Ausschluss anderer Ursachen immer durchgeführt werden.

Falls Sie im Vorfeld oder begleiteten mit den Symptomen Vitamin B6 über einen längeren Zeitraum eingenommen haben, dann sollten Sie dieses mit der Ärztin bzw. dem Arzt besprechen und Vitamin B6 absetzen.

Im Fall von Sehstörungen unter Belastung in Verbindung mit Vitamin B6 kann es wahrscheinlich Monate dauern bis diese nach Absetzen verschwinden. Sollten die Symptome 3-6 Monaten ohne zusätzliche Einnahme von Vitamin B6 unverändert fortbestehen, dann muss gegebenenfalls eine erneute vollständige Diagnostik erfolgen.

Literatur

Herzlichen Dank für die neurologische Expertise an Frau Dr. V.I. Leussink und Herrn Prof. M. Siebler

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Hitzekollaps, Sonnenstich, Hitzeerschöpfung, Hitzschlag – ein zunehmendes Problem

Hohe klimatische Außentemperaturen werden in der Zukunft sehr wahrscheinlich ein zunehmendes gesundheitliches Problem darstellen. Das gilt sowohl für Deutschland als auch für viele beliebte Reiseländer. Bei Flugreisen in warme Länder konfrontieren der plötzliche Klimawechsel und der Zeitzonenwechsel den Körper mit zusätzlichen Problemen. Das Risiko für akute Hitzeerkrankungen bis hin zum Hitzenotfall ist somit erhöht.

Vorbeugende Maßnahmen gegen Hitzeerkrankungen sind bei hohen Außentemperaturen das A und O, um Ihre körperliche und geistige Gesundheit aufrechtzuerhalten. Nichtsdestotrotz kann auch bei aller Achtsamkeit dann doch einmal eine akute Hitzeerkrankung bei Ihnen oder einem Mitmenschen auftreten.

Folglich ist es für Sie sinnvoll, die Schweregrade von akuten Hitzeerkrankungen voneinander abzugrenzen. So ergreifen Sie dann für sich oder andere Menschen die richtigen Maßnahmen. Das gilt vor allen Dingen dann, wenn es sich um einen potenziell tödlichen Hitzenotfall wie den Hitzschlag handelt.

Erhöhte Körpertemperatur – Wärme abgeben und Wärme bilden

Zur Wärmeabgabe bei erhöhter Körpertemperatur gibt es folgende Mechanismen:

  • physikalische Abstrahlung
  • Steigerung der Hautdurchblutung
  • Abatmen von warmer Luft
  • Schwitzen

Die Feinregulation der Wärmeabgabe erfolgt im Normalfall über die Steuerung der Durchblutung. Schwitzen ist ein Reservemechanismus.

Was sind die wesentlichen Gründe dafür, dass sich Ihr Körper aufheizt und es sogar zum Notfall kommen kann? Hier müssen wir in erster Linie nennen:

  • Trinkmenge
  • Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit
  • körperliche Aktivität

Die Trinkmenge spielt dabei eine besonders große Rolle. Um den Reservemechanismus „Schwitzen“ aufrechtzuerhalten, ist sie von kritischer Bedeutung.

Hitzenotfall – unterschiedliche Schweregrade

Hitzeerkrankungen haben unterschiedliche Formen bzw. Schweregrade. Sie unterscheiden sich dabei auch darin, wie notwendig eine ärztliche Behandlung ist. Wir unterscheiden Hitzekollaps, Sonnenstich, Hitzeerschöpfung und Hitzschlag. Dabei ist der Hitzschlag immer ein Notfall, der sofort ärztlich behandlungspflichtig ist.

Grundsätzlich gilt: Aus jeder symptomatischen Überwärmung Ihres Körpers kann sich ein dringlicher Notfall entwickeln, falls Sie nicht die richtigen kühlenden Maßnahmen ergreifen.

Hitzekollaps – zu geringe Trinkmenge bei sommerlichen Temperaturen

Beim Hitzekollaps ist eine zu geringe Trinkmenge, d.h. ein zu geringer Gehalt an „Hydraulikflüssigkeit“ in Ihren Blutgefäßen das Hauptproblem. Erweitern sich bei erhöhten Außentemperaturen dann noch kurzfristig Ihre Blutgefäße, dann fällt der Blutdruck zu stark ab. Die Folgen reichen von Benommenheit bis hin zur Ohnmacht.

Die Temperatur an Kopf und Körper muss nicht zwingend erhöht sein. Wer die Beine hochlagert, also die sogenannte Schocklage einnimmt, erzielt rasch einen besseren Zustand.

An akuten Maßnahmen sollten Sie beim Hitzekollaps die Beine hochlagern, 600 bis 900 ml zusätzlich trinken und sich vorübergehend im Kühlen aufhalten. Körperliche Belastung gilt es vorübergehend zu vermeiden.

Wenn Sie diese Maßnahmen beachten, dann ist der Hitzekollaps als harmlos einzustufen. Halten Sie sich nicht daran, kann sich aus einem Hitzekollaps auch einmal eine Hitzeerschöpfung mit gravierenden Konsequenzen entwickeln

Sonnenstich – tückisch durch späte Symptome

Definitionsgemäß ist der Sonnenstich die Folge einer thermischen Reizung der Hirnhäute durch direkte Sonneneinstrahlung auf den Kopf. Diese physikalische Reizung zieht eine Abheilungsreaktion mit Entzündungszellen nach sich, welche nach  dem Verschwinden des Hitzereizes fortbestehen bzw. sich verschlimmern kann.

Sonnenstich – heißer Kopf plus normale Temperatur am Körperstamm

In Abgrenzung zu den anderen Hitzesyndromen ist beim Sonnenstich nur die Temperatur am hochroten und heißen Kopf erhöht. Die Temperatur am Körper selbst bleibt normal. Als betroffener Mensch haben Sie dann das Erscheinungsbild einer glühenden Zigarette. Um Ihren subjektiven Eindruck zu bestätigen, können Sie die Ohrtemperatur mit der rektal gemessenen Temperatur im Enddarm vergleichen: Am Kopf ist die Temperatur deutlich höher.

Das Risiko für einen Sonnenstich ist durch die direkte Sonnenexposition des Kopfes erhöht. Zum Beispiel bei fehlender Kopfbedeckung, dünnem beziehungsweise fehlendem Haar sowie bei eingeschränkter Thermoregulation, z.B. bei Kindern und Senioren.

Sonnenstich – Symptome mit niedrigem und hohem gesundheitlichem Risiko unterscheiden

Die Symptome des Sonnenstichs sind:

  • hochroter, heißer Kopf
  • normale Temperatur an Körperstamm und Extremitäten
  • Unruhe, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit (HR)
  • Übelkeit (HR), Erbrechen (HR)
  • Benommenheit, Ohnmacht (HR), Krampfanfälle des Gehirns (HR)
  • gesteigerte Herzfrequenz

Insbesondere dann, wenn Ihr Gehirn bedroht ist, besteht ein besonders hohes Risiko (HR) für Ihre Gesundheit.

Sonnenstich – Erstmaßnahmen und Dringlichkeit für ärztliche Hilfe

Bei Hochrisikosymptomen (= HR) bei Jugendlichen und Erwachsenen bzw. bei ALLEN Kleinkindern und Senioren liegt ein Notfall vor. Sie sollten hier 112 verständigen.

Jugendliche und Erwachsene, die keine Hochrisikosymptome haben, können zunächst mit allgemeinen (siehe unten) und spezifischen Erstmaßnahmen bei Sonnenstich behandelt werden.

Bei den spezifischen Maßnahmen geht es vor allen Dingen um das Kühlen des Kopfes. Sie sollten den gesamten Kopf mit feuchten Tüchern kühlen, da ja die gesamte Hirnhaut entzündlich gereizt ist. Zusätzlich kann eine kühlende Dusche durchgeführt werden. Ein längerer Aufenthalt in einem kühlen Raum ist sinnvoll.

Verschlechtert sich der Zustand innerhalb von 20 bis 30 Minuten, dann rufen Sie unter 112 den Notarzt. Sollte er nicht besser werden, dann rufen Sie den ärztlichen Notdienst unter 116 117.

Auch wenn der Kopf abkühlt und sich die Beschwerden verbessern, kann zeitlich verzögert eine Verschlimmerung auftreten. Das kann mit gravierenden Folgen, z.B. einem Krampfanfall, verbunden sein. Daher gilt es gerade nach einem Sonnenstich den Betroffenen engmaschig zu beobachten.

Hitzeerschöpfung – heiße und FEUCHTE Haut

Bei der Hitzeerschöpfung ist der ganze Körper erhitzt und Temperaturanstiege auf über 39 Grad Celsius sind möglich. Ab 39 Grad Celsius Körpertemperatur droht der Übergang in einen Hitzschlag, Symptome treten allerdings auch schon unterhalb von 39 Grad Celsius auf.

Wichtig ist, dass Sie bei Hitzeerschöpfung eine feuchte und heiße Haut haben, was durch das starke Schwitzen bedingt ist. Somit sind die Ausgleichmechanismen zur Wärmeabgabe bei der Hitzeerschöpfung noch intakt.

Hitzeerschöpfung – Flüssigkeitsmangel und kritisch geringes Körperwasser

Ausgangspunkt für eine Hitzeerschöpfung ist meistens ein gravierender Flüssigkeitsmangel durch eine zu geringe Trinkmenge. Für Ihren Körper liegt die kritische Grenze bei einem Defizit von 12 % an Körperwasser. Bei einer chronisch geringen Trinkmenge und gleichzeitig gesteigerter Verdunstung über die Schleimhäute bzw. durch das Schwitzen kann die kritische Grenze bei hohen Außentemperaturen schnell erreicht werden.

Durch den so verringerten Flüssigkeitsgehalt Ihres Körpers sinkt die Wärmeleitfähigkeit von Gewebe und Wärme kann schlechter abgegeben werden. Sie werden somit bei der Wärmeabgabe zunehmend vom Reservemechanismus Schwitzen abhängig. Das bedeutet einen weiteren Verlust an Körperflüssigkeit. Der Körper heizt sich so selbst zunehmend auf.

Bei nun zunehmend verringerter Flüssigkeit in den Blutgefäßen nimmt jetzt auch die Durchblutung ab und die Wärmeabgabe wird dadurch weiter reduziert. Der Körper heizt sich noch mehr auf. Es droht der Übergang in den Hitzschlag.

Hitzeerschöpfung – Symptome einer drohenden kompletten Erschöpfung

Die Symptome der Hitzeerschöpfung sind:

  • feuchte und heiße Haut
  • schneller und flacher Puls (erhöhte Wärmeabgabe über Kreislauf)
  • flache und schnelle Atmung (erhöhte Wärmeabgabe über Ausatemluft)
  • körperliche Schwäche
  • Benommenheit bis hin zum kurzzeitigen Kreislaufkollaps
  • Verwirrtheit bis Apathie (HR)
  • Übelkeit und Erbrechen (HR)
  • Krampfanfall (HR)

Hitzeerschöpfung – im Zweifel den Notarzt rufen

Ärztliche Hilfe ist hier ähnlich dringend wie beim Sonnenstich.

Bei Kleinkindern und Senioren sollten Sie in jedem Fall den Rettungsdienst unter 112 verständigen. Denn bei diesen Menschen wissen Sie meistens nicht, wohin sich die Symptome entwickeln und ihre Widerstandskraft ist einfach geringer. Daher sollten Sie hier immer die Rettungskräfte informieren.

Jugendlichen und Erwachsenen können Sie bis auf Personen mit Hochrisikosymptomen (HR) mit allgemeinen Maßnahmen (siehe unten) helfen. Sie müssen hier allerdings besonders schnell und konsequent sein, denn der lebensbedrohliche Hitzschlag droht.

Wir in der Cardiopraxis halten gerade bei der Hitzeerschöpfung aktive kühlende Maßnahmen des Gehirns für sehr wichtig: mit Cold-Packs an Halsvorderseite und im Nacken bzw. vorher auch eine kühlende Dusche. Das Hochlagern der Beine beugt dem drohenden Kreislaufzusammenbruch vor.

Sollte es innerhalb von 20 bis 30 Minuten nicht zu einer Besserung kommen, dann verständigen Sie in jedem Fall den Notarzt.

Hitzschlag – heiße und TROCKENE Haut

Beim Hitzschlag ist der ganze Körper erhitzt und es werden schrittweise Werte von über 41 Grad Celsius erreicht. Der Unterschied zur Hitzeerschöpfung ist, dass Sie nicht mehr schwitzen, sondern Ihre Haut ist heiß und trocken. Das bedeutet, dass die wesentlichen Ausgleichmechanismen der Thermoregulation nicht mehr funktionieren.

Das Schwitzen wird ungefähr ab einer Körpertemperatur von 39 Grad Celsius eingestellt. Das Risiko für einen Hitzschlag wird durch eine hohe Luftfeuchtigkeit gesteigert, weil der Körper dann schlechter Wärme durch Schwitzen abgeben kann.

Des Weiteren können Medikamente Ihre Körpertemperatur unabhängig von der Außentemperatur steigern. So können z.B. Betablocker und Diuretika zu einem erhöhten Risiko beitragen.

Hitzschlag – hohes Risiko für Hirnödem und Atemstillstand

Durch das Versagen der sogenannten Bluthirnschranke tritt beim Hitzschlag Flüssigkeit aus dem Blutgefäßraum in das Gehirngewebe über. So entwickelt sich ein vasogenes Hirnödem. Sie laufen jetzt Gefahr, dass sich der Hirnstamm einklemmt, was wiederum einen Atemstillstand und Kreislaufversagen zur Folge hat.

Typischer und nicht-typischer Hitzschlag

Wir unterscheiden einen typischen passiven Hitzschlag von einem nicht-typischen aktiven Hitzschlag. Das ist sehr wichtig, gerade für Menschen, die in warmer Umgebung körperlich aktiv sind.

Typischer Hitzschlag

Typischer „passiver“ Hitzschlag. Beim typischen passiven Hitzschlag erwärmt sich der Körper überwiegend passiv durch die hohen Außentemperaturen. „Typisch“ bedeutet hier, dass hohe Außentemperaturen eine wesentliche Voraussetzung sind. „Passiv“ bedeutet, dass Sie überwiegend körperlich inaktiv sind.

Das ist ungefähr so, als ob Sie einen Kessel Wasser auf den Herd stellen und eine feste Temperatur von z.B. 150 Grad Celsius einstellen. Sie können nun schrittweise verfolgen, wie das Wasser sich erwärmt bis zum Kochen: Erst bilden sich Bläschen, dann steigt Dampf auf, schließlich brodelt das Wasser richtig. Ähnlich verhält es sich bei einem typischen „passiven“ Hitzschlag, Sie können beobachten, wie sich die Symptome schrittweise entwickeln. So haben Sie Zeit zu reagieren.

Das Risiko ist bei Kindern, Senioren und Menschen mit chronischen Erkrankungen bzw. Medikamenteneinnahmen besonders hoch. Die Sterblichkeit beträgt beim typischen Hitzschlag 5 %.

Nicht-typischer Hitzschlag

Nicht-typischer „aktiver“ Hitzschlag. Beim nicht-typischen „aktiven“ Hitzschlag gibt es neben erhöhten Außentemperaturen noch einen weiteren Grund für eine gesteigerte Körpertemperatur: körperliche Aktivität. Meistens spielt auch noch eine Wärme-isolierende Kleidung eine Rolle.

So kann diese Form des Hitzschlags auch schon bei moderaten Außentemperaturen, z.B. von 25 Grad Celsius, vorkommen. „Nicht-typisch“ bedeutet folglich, dass hohe Außentemperaturen keine zwingende Voraussetzung sind. „Aktiv“ wiederum meint, dass körperliche Aktivität entscheidend zum Problem beiträgt.

Diese Form des Hitzschlages ist besonders tückisch, da sie auch bereits bei vergleichsweise geringen Außentemperaturen von 20 bis30 Grad Celsius auftreten kann. Durch die körperliche Aktivität entwickeln sich Symptome sprunghaft und plötzlich ist er da, der Hitzschlag. Das Stadium der Hitzeerschöpfung wird meistens rasch übersprungen und gerade bei „wärmender“ Kleidung sind kritische Körpertemperaturen von 41 Grad Celsius schnell erreicht.

Ein hohes Risiko haben vor allem Leistungssportler und hier insbesondere ambitionierte Amateure bzw. Semi-Professionelle. Prädestiniert sind Sportarten mit gepolsterten Uniformen und Helmen (z.B. American Football). Aber auch von den Ausdauersportarten wie z.B. Laufen und Radfahren werden immer wieder Todesfälle berichtet.

Selbstverständlich ist auch bei schwerer körperlicher Arbeit, z.B. auf Baustellen oder an Hochöfen, die Gefahr eines nicht-typischen Hitzschlags erhöht. Haben die Symptome des nicht-typischen aktiven Hitzschlages erst einmal eingesetzt, dann beträgt die Sterblichkeit des nicht-typischen Hitzschlags eindrucksvolle 60 %.

Hitzschlag – Notfall, SOFORT handeln

Die Symptome eines Hitzschlages sind:

  • TROCKENE und heiße Haut
  • schneller und kaum tastbarer Puls
  • deutliche körperliche Schwäche
  • Verwirrtheit bis Apathie
  • fluktuierendes Bewusstsein bis Bewusstlosigkeit
  • zerebrale Krampfanfälle

Im roten Stadium versucht Ihr Körper die Wärmeabgabe über die Hautdurchblutung aufrecht zu erhalten. Im grauen Stadium ist der Kreislauf zusammengebrochen, die Hautdurchblutung ist kritisch verringert und es besteht unmittelbare Lebensgefahr.

Ein Hitzschlag ist immer ein Notfall und Sie müssen sofort 112 verständigen. Bis zum Eintreffen des Notarztes führen Sie die allgemeinen Versorgungsmaßnahmen von Hitzeopfern durch. Bei Herz-Kreislauf- bzw. Atemstillstand beginnen Sie dann unverzüglich mit den Wiederbelebungsmaßnahmen.

Allgemeine Maßnahmen bei Sonnenstich, Hitzeerschöpfung und Hitzschlag

Kühlende Maßnahmen für Gehirn und Körper

Das Gehirn ist das Hauptproblem. Deswegen müssen Sie ein Hirnödem in jedem Fall verhindern. Betroffene Menschen müssen zügig in einen kühlen Raum gebracht werden, am besten mit Klimaanlage, eventuell auch in den Keller.

Der Kopf wird leicht erhöht gelagert, was den venösen Abstrom aus dem Gehirn verbessert und somit die Wärme im Gehirn selber reduziert. Den arteriellen Zustrom zum Gehirn sollten Sie kühlen. Dadurch wird nicht nur Ihr Gehirn kühler, sondern auch Ihre arteriellen Blutgefäße verengen sich. Das beugt wiederum dem gefürchteten Hirnödem vor.

Bei der aktiven Kühlung des Kopfes gilt es vor allem die hinteren Hirnarterien (sog. Arteriae vertebrales) zu kühlen. Diese versorgen den lebenswichtigen Hirnstamm, wo ja auch das Atemzentrum liegt. Legen Sie hier Cold-Packs in den Nacken! Auch die vorderen Hirnarterien (sog. Arteriae carotides) sollten Sie links und rechts am Hals mit Cold-Packs versorgen.

Falls es der körperliche und geistige Zustand des betroffenen Menschen zulässt, dann können Sie mit einer kühlenden Dusche sehr rasch den Körper abkühlen. Die Verdunstung von Wasser ist dabei der entscheidende Faktor beim Abkühlen.

Der Betroffene sollte sich möglichst wenig selbst bewegen (möglichst auch nicht gehen), weil das die Körpertemperatur erhöht. Wärmende Kleidung und vor allen Dingen Socken sind zu entfernen.

Hitzenotfall – Kreislauf stabil halten

Da die Blutgefäße, auch die Venen, erweitert sind, versackt viel Blut in der Körperperipherie. Das wiederum kann für die Gehirndurchblutung kritisch werden. Die Beine sollten daher leicht erhöht gelagert werden, damit mehr venöses Blut aus der Peripherie zurückfließen kann. Das verbessert die Kreislaufstabilität.

Bei Benommenheit bzw. Bewusstlosigkeit und erhaltener Spontanatmung muss man die betroffene Person in die stabile Seitenlage bringen. So verhindern Sie im Fall von Erbrechen, dass Erbrochenes in die Lunge gelangt.

Falls der betroffene Mensch ansprechbar ist, kann er bis zu 900 ml Wasser schluckweise trinken. Bei Herzkreislauf- bzw. Atemstillstand sollten Sie unmittelbar mit den Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen.

Hitzenotfall – Überwachung in der Akutphase und Nachbeobachtung

In der Akutphase lassen Sie den betroffenen Menschen nicht aus den Augen, bis eine Besserung eingetreten ist bzw. der Rettungsdienst vor Ort ist.

Sprechen Sie den Betroffenen immer wieder beruhigend an!

Achten Sie auf die Feuchtigkeit der Haut! Bleibt die Haut heiß und wird trockener, dann müssen Sie sich auf das Schlimmste gefasst machen. Tasten Sie den Puls, und messen, falls ein Gerät vorhanden ist, den Blutdruck!

Die Nachbeobachtung ist wichtig, da Symptome auch Stunden nach der Hitzeexposition erstmalig bzw. erneut auftreten können, wenn die allgemeinen Maßnahmen nicht konsequent durchgeführt worden sind. Ältere Menschen und Kinder sind besonders gefährdet.

Daher halten Sie Menschen mit einer Hitzeerkrankung grundsätzlich unter Beobachtung! Lassen Sie den betroffenen Menschen auf dem Sofa bei Licht schlafen und bleiben Sie am besten selbst wach! Sollten sich erneut Symptome verstärken, verständigen Sie den Notarzt!

Zusammenfassung: Hitzenotfall richtig vorbeugen und behandeln

  • Bei klimatischer bzw. körperlicher Hitze immer vorbeugende Maßnahmen zum Schutz vor Hitzestress ergreifen!
  • Menschen, die bei moderaten bzw. hohen Temperaturen hart körperlich arbeiten oder Sport treiben, müssen sich regelmäßig aktiv abkühlen.
  • Trinken Sie immer 30 bis 40 ml/kg Körpergewicht und Tag, an heißen Tagen eher 40 ml/kg Körpergewicht!
  • Im Fall von Benommenheit und Unwohlsein bei hohen Außentemperaturen, immer an Nebenwirkungen von Hitze denken!
  • Bei leichten Symptomen von Hitzestress aktiv kühlende Maßnahmen ergreifen, vor allen Dingen für den Kopf!
  • Betroffene Menschen in der Akutphase bis einige Stunden nach den Symptomen nicht alleine lassen und beobachten!
  • Bei heißer und trockener Haut stellen Sie die Diagnose des Hitzschlages und rufen den Rettungsdienst unter 112!

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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