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COVID-19 – Corona-Lungenentzündung als kritische Erkrankung

Die Corona-Lungenentzündung  mit Versagen der Atemfunktionist Hauptkomplikation der COVID-19 Virusinfektion. Das führt bei ca. 5% aller Fälle zur Notwendigkeit der künstlichen Beatmung auf einer Intensivstation, wobei die Beatmung in der Regel 1-2 Wochen dauert.

Die Lungenentzündung, die Viruspneumonie ist auch die Haupttodesursache der COVID-19 Virusinfektion. Vorausgesetzt es sind genügend Beatmungsplätze auf den Intensivstationen vorhanden, liegt die Gesamtsterblichkeit der COVID-19 Infektion bei 2-3%. Entsteht ein Engpass, weil alle Beatmungsplätze belegt sind, dann kann die Sterblichkeit um ein Vielfaches steigen.

Auf der anderen Seite ist aber auch so, dass bei 85% der Menschen die COVID-19 Virusinfektion nur mit Symptomen einhergeht, die gut zu Hause behandelt werden können. Das sind die sog. leichten- bis mittelschweren Verläufe.

Nun stellen wir uns natürlich die Frage, warum bei einigen Menschen schwere und bei anderen Menschen leicht- bis mittelschwere Verläufe auftreten. Hier kennen wir schon einige individuelle Risikofaktoren, wie. z.B.  Alter, Diabetes mellitus und Bluthochdruck.

Eine Antwort, warum es zu unterschiedlich schweren Verläufen kommt, kann sicherlich zu mindestens teilweise sein, dass es nicht nur wichtig ist, dass wir uns überhaupt, sondern auch wie wir uns infizieren.

Wir gehen davon aus, dass je schneller die immunologische Barriere im Mund-Rachenraum mit einer hohen Viruslast in Richtung Lunge überwunden wird, desto schwerer der Verlauf einer COVID-19 Virusinfektion.

COVID-19 – Wie gelangt das Corona-Virus in den Körper?

Die Eintrittspforten für das COVID-19 sind

  • Augen
  • Nase
  • Mund
  • Verletzungsstellen an den Händen

Der Eintritt über kleinere Verletzungen ist quantitativ wahrscheinlich von untergeordneter Bedeutung. Die Haupteintrittspforte ist der Mund. In den Mund gelangt das Virus im Wesentlichen über 3 Mechanismen:

  • Tröpfcheninfektion
  • Aerosolinfektion
  • Hand-Gesichts-Kontakt

COVID-19 – Infektion mit Corona Virus ist häufig eine Tröpfcheninfektion

Die COVID-19 Virusinfektion ist in erster Linie eine sog. Tröpfcheninfektion, d.h. Viren werden durch Tröpfchen, die beim Atmen, Husten oder Niesen in der Luft verteilt, wo sie dann über die typischen Eintrittspforten in den Körper eines anderen Menschen gelangen. Tröpfcheninfektion bedeutet hier, dass das Virus sich im ausgeworfenen Tropfen befindet und dort verbleibt, wo der Tropfen landet, sei es z.B. auf dem Fußboden oder dem Gesicht eines anderen Menschen.

Je weiter der andere Mensch vom Infizierenden Abstand hält, desto geringer die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung; 2 Meter Abstand müssen hier mindestens eingehalten werden.

Corona Virusinfektion – Infektion über Aerosol besonders gefährlich für die Lunge

Die wissenschaftlichen Daten sind hier zwar noch nicht eindeutig, aber wir müssen davon ausgehen, dass das COVID-19 Virus im Alltag auch in Aerosolform vorkommt. Aerosol bedeutet, dass das Virus im Gegensatz zur Tröpfcheninfektion, für eine bestimmte Zeit in der Luft schwebt.

Viren in einem Aerosol gelangen im Gegensatz zu einem Bestandteil eines Tropfens wesentlich besser in direkt die Lunge. Viren in Aerosolen überwinden so die immunologische Barriere im Mund-Rachenraum wesentlich besser. Die immunologische Auseinandersetzung mit dem Virus findet dann schon frühzeitig in der Lunge statt, was auch mit einer frühen Zerstörung von Lungengewebe einhergeht.

Die Bedingung, die die Aerosolbildung vor allen Dingen begünstigt, ist die hohe Konzentration von Menschen in einem geschlossenen Raum. Wenige bzw. ein einzelner Virusträger kann hier genügen, um die Tröpfchendichte so stark zu erhöhen, dass ein Virusaerosol entsteht. Das gilt wahrscheinlich besonders bei körperlicher Aktivität auf engem Raum, z.B. beim Tanzen in einem Club (siehe Apres Ski in Ischgl).

Hand-Gesichts-Kontakt vermeiden

Bei diesem Infektionsweg gelangt das Virus in mehr oder geringer Konzentration zunächst auf die Hände. Das kann über Körperkontakt oder durch Berührung von Virus-kontaminierten Oberflächen geschehen.

Wenn dann die kontaminierte Hand das Gesicht berührt, dann gelangt das Virus meistens über den Mundraum in den Körper. Daher sind Maßnahmen der Handhygiene so wichtig und wir sollten während der laufenden Epidemie die Hände immer unter der Schulterhöhe halten.

Wie lange kann das COVID-19 Virus außerhalb eines biologischen Organismus überleben?

Das COVID-19 Virus kann außerhalb eines biologischen Wirtes, d.h. außerhalb eines Menschen oder eines Tieres für eine begrenzte Zeit überleben und folglich infektiös bleiben. Nach ersten wissenschaftlichen Daten beträgt die Überlebensdauer hier:

  • Aerosol bis zu 3 Stunden
  • Kupferoberflächen bis zu 4 Stunden
  • Karton bis zu 24 Stunden
  • Edelstahl 2-3 Tage
  • Plastik 2-3 Tage

COVID-19 Virus – über Mund und Nase in den Körper und wie geht es dann weiter?

Die COVID-19 Virusinfektion ist in der Regel eine sog. absteigende Infektion. Das heißt, dass die Viren sich im Zeitverlauf vom Eintrittsort im Bereich des Mundes bzw. der Nase zur Lunge hin ausbreiten.

Durch den Erstkontakt des Virus über die Nase bzw. den Mund dominieren gerade in den ersten Tagen Symptome im Bereich des oberen Verdauungstraktes und in den oberen Luftwegen, d.h. im Mund-Rachenraum bzw. im Kehlkopfbereich und in der Luftröhre. Entsprechend sind frühe Symptome ein geröteter Rachen und ein trockener unproduktiver Husten, d.h. ein Husten ohne übermäßige Schleimbildung.

Wir müssen wissen, dass gerade der Mund-Rachenraum eine starke immunologische Barriere darstellt. Dieses sind neben den sog. Mandeln zahlreiche Lymphknoten. Sie erfüllen eine lebenswichtige Wächterfunktion, denn jeden Tag werden wir mit infektiologischen Angreifern, vor allen Dingen Viren und Bakterien konfrontiert.

Durch den Kontakt des Virus mit den Lymphknoten beginnt die immunologische Antwort Ihres Körpers auf die COVID-19 Infektion, was nach einem Zeitraum von ca. 14 Tagen in der Regel einen ausreichenden Antikörperspiegel und folglich auch einen Schutz vor COVID-19 Viren zur Folge hat. Diese spezifischen Antikörper wehren dann die Viren ab, kurzum sie machen sie unschädlich.

Primärziel bei der COVID-19 Virusepidemie

Das Primärziel bei der COVID-19 Virusepidemie ist es die Infektion so lange als möglich zu vermeiden. Dieses hat vor allen Dingen folgende Gründe:

  • Vermeidung von Überlastung Beatmungsplätze auf den Intensivstationen.
  • Zeitgewinn bis zur breiteren Anwendung von Antigentests (Virusnachweis) und Antikörpertests (immunologischer Schutz). Damit verbunden sind gezielteren Maßnahmen des Seuchenschutzes.
  • Zeitgewinn bis zur Entwicklung und Bewertung von spezifischen Therapiemaßnahmen zur Reduktion der Viruslast selbst (antiviral) und Verringerung einer überschießenden Immunantwort in der Akutphase.
  • Zeitgewinn bis zur Entwicklung einer Prophylaxe (Impfstoff)

Sekundärärziel bei der COVID-19 Virusepidemie

Neben dem Primärziel, d.h. dass wir gar keinen Kontakt mit dem Virus haben sollten, lässt sich unter Berücksichtigung des Infektionsweges ein sinnvolles Sekundärziel formulieren.

  • Konzentration des Virus im Körper bei Erstkontakt möglichst gering halten.
  • Viruslast in der Lunge bzw. im Magen-Darmtrakt so lange als möglich gering halten.

Bei dem Sekundärziel gilt es bei Kontakt mit Virusträgern die Konzentration des Virus in unserem Körper möglichst gering und am Ort der optimalen Infektabwehr im Mund-Rachenraum zu halten. Wir müssen dem Körper Zeit geben immunologisch auf das Virus zu reagieren. Dabei müssen wir so weit als möglich vermeiden, dass das Virus früh in die Lunge gelangt und dort mit der Schädigung des Lungengewebes beginnt.

Darüber hinaus müssen wir den frühzeitigen Eintritt des Virus in den Darmtrakt verhindern. Auch bei Menschen, die zu Beginn Darmsymptome hatten, sind besonders schwere Krankheitsverläufe der COVID-19 Virusinfektion berichtet worden. Inwieweit Protonenpumpenhemmer zur Reduktion der Magensäure, die ja auch selber einen infektiologischen Schutz darstellt, hier eine schädliche Rolle spielt, ist spekulativ, aber aus unserer Sicht wahrscheinlich. Überwindet das Virus den Magen, dann kann es sich leichter über den Darm im Körper ausbreiten. Folglich raten wir Menschen soweit als möglich dazu auf Medikamente zur Reduktion der Magensäure, vor allen Dingen auf sog. Protonenpumpenhemmer zu verzichten.

 Corona-Lungenentzündung

 Corona-Lungenentzündung – die Pneumonie bei COVID-19 Virusinfektion

Die Pneumonie bei der COVID-19 Virusinfektion führt relativ spät zu Symptomen. Das hat 2 wesentliche Gründe.

Absteigende Infektionsausbreitung. Der eine Grund ist, wie bereits angesprochen der typischerweise absteigende Charakter der Virusinfektion vom Mund-Rachenraum bzw. von den oberen Atemwegen in die Lunge.

Atypischer Charakter der Pneumonie. Der andere Grund ist, dass es bei der COVID-19 Viruspneumonie noch vor Ausprägung der Atemnot in der Regel deutliche, z.T. schwere radiologische Veränderungen im Röntgen-Thorax und im Thorax-CT nachgewiesen werden können. Es besteht also ein Missverhältnis zwischen Symptomen und Strukturveränderungen der Lunge. Vom Erscheinungsbild ähnelt die COVID-19 Viruspneumonie somit einer sog. atypischen Pneumonie.

Die atypische Pneumonie ist dadurch gekennzeichnet, dass vor allen Dingen das Lungengerüst mit den Bereichen zur Aufnahme bzw. Abgabe von Sauerstoff bzw. Kohledioxid gestört ist. Die Transitstrecke zwischen Gasaustauschfläche und Blutgefäßen wird durch entzündliche Veränderungen verbreitert und der Gasaustausch folglich erschwert. Bei nur geringer körperlicher Aktivität hat das nicht unbedingt Symptome zur Folge. Wir sehen dann auch Menschen, die einen Sauerstoffsättigung des Blutes von 80% (normal 92-96%) haben, ohne dass sie sich zunächst beeinträchtigt fühlen.

Die typische Pneumonie, meistens eine bakterielle Pneumonie hingegen ist bereits in der Frühphase dadurch charakterisiert, dass sich die lufthaltigen Bereiche der Lunge, Lungenbläschen oder auch Alveolen genannt mit entzündlicher Flüssigkeit füllen. Folglich wird aus einer gesunden Lunge, eine schwere Lunge und die Atemarbeit steigt frühzeitig an. Sie können sich das so vorstellen, dass aus einem trockenen leichten Schwamm ein nasser schwerer Schwamm wird.

Vorbeugende Maßnahmen zum Schutz der Lunge bei COVID-19 Virusepidemie

Zum Schutz der Atemwege und der Lunge gibt es verschiedene sinnvolle Maßnahmen.

  • Nasen-Einatmung – Mund-Ausatmung
  • Konzentration von Menschen auf engem Raum vermeiden
  • geschlossene Räume regelmäßig lüften
  • Mundschutz bei Verlassen des Hauses

Atmung optimieren

Durch die Einatmung durch die Nase wird der Atemwiderstand erhöht und die potentiell Virus-haltige Atemluft wird bei der Einatmung durch die Nase im Vergleich zum Mund frühzeitiger mit dem Immunsystems des Rachens in Kontakt gebracht. Die Ausatmung durch den Mund ermöglicht eine möglichst komplette Entleerung Luftwege und hat damit in gewisser Weise einen Auswascheffekt.

Konzentration von Menschen auf engem Raum vermeiden

Die selbstverständlichste und wichtigste Regel ist die Einhaltung eines Abstandes zwischen Menschen von mindestens 2 Meter. So wird das Risiko für eine Tröpfcheninfektion deutlich verringert.

Räume lüften

Die Viruslast in einem Raum kann durch regelmäßiges Lüften deutlich gesenkt werden. Die Qualität, und damit die Viruslast der Raumlauft kann über den Gehalt an CO2 bewertet werden. In der Raumluft beträgt die Konzentration 350 ppm, in der normalen Ausatemluft ca. 40.000 ppm. Eine Raumluft von < 1.000 ppm gilt als unbedenklich. Hat eine Person in einem Raum mit 30 Menschen eine Virusgrippe, dann beträgt die Ansteckungsrate innerhalb von 4 Stunden bei entsprechenden CO2-Messungen bei:

  • 1.000 ppm 5/29 = 17,2%
  • 2.000 ppm 12/29 = 51,4%
  • 3.000 ppm 15,29 = 51,7%

Diese Zahlen, die sich sicherlich auf die Verhältnisse von COVID-19 übertragen lassen, veranschaulichen, wie wichtig neben der Verringerung der Konzentration von Menschen auch das Lüften von geschlossenen Räumen ist.

Zur Veranschaulichung: bei einem Kubikmeter Luft, d.h. einem Würfel mit einer Kantenlänge von 1x1x1 m entsprechen 1.000 ppm einem Anteil von 10x10x10 cm.

Optimal zur Bestimmung der Qualität der Raumluft ist ein CO2-Messgerät, welches Sie z.B. im Baumarkt (noch) besorgen können. Wir halten die Anschaffung für Betriebe, die weiter arbeiten müssen für sinnvoll.

 Corona-Lungenentzündung – Mundschutz oder Maske außerhalb des Hauses tragen

Wir unterscheiden beim Mundschutz grundsätzlich den Selbstschutz und den Fremdschutz.

Zusammengefasst lässt sich festhalten:

  • bei gesunden ist JEDER Mundschutz ist besser als keiner
  • infizierte Menschen müssen einen normalen Mundschutz tragen. FFP2- und FFP3-Masken dürfen von symptomatischen bzw. sicher infizierten Menschen NICHT getragen werden

 Corona-Lungenentzündung

Corona – FFP2 und FFP3 Maske relevant als Infektionsschutz zum Selbstschutz

Die bekannten FFP2- und FFP3-Masken schützen den Träger mit einer Sicherheit von ca. 99% vor der Inhalation von Viren. Allerdings weist die Ausatemluft durch diese Masken eine hohe Viruslast auf. Menschen, die Virusträger sind, dürfen daher eine solche Maske in der Gegenwart anderer Menschen nicht tragen. Ein Virusträger mit FFP3-Maske ist ein Fremdgefährder.

Darüber hinaus haben stellen diese Masken einen spürbar er höhten Atemwegswiderstand gerade für Lungenerkrankte dar. Die vermehrte Atemarbeit kann so zu einer schnelleren Erschöpfung mit der Notwenigkeit einer maschinellen Beatmung führen.

 Corona-Lungenentzündung

Corona – Papiermasken und Stoffmasken relevanter Infektionsschutz für Fremdschutz und Selbstschutz

Der einfache Mundschutz aus Papier- bzw. Stoffmaterialien schützt nur unvollständig vor der inhalativen Aufnahme von COVID-19 Viren durch die Atmung. Allerdings gehen wir sicher davon aus, dass die Viruslast, d.h. die Konzentration des Virus bei der Einatmung durch diese Masken reduziert wird. Hier kommt das “wie” bei der Infektion zum Tragen: je länger die die Viruslast im Körper gering bleibt, desto mehr Zeit hat Ihr Immunsystem eine effiziente immunologische Antwort zu entwickeln und damit möglicherweise eine schwere Virusinfektion zu verhindern.

Erkrankte bzw. symptomatische Menschen müssen einen einfachen Mundschutz tragen.

Einmalartikel aus Papier sollten am Tage mehrmals gewechselt werden.

Allerdings werden uns die Versorgungsengpässe hier dazu zwingen auf nicht-optimal Lösungen zurückzugreifen. Festere Papiermasken, übrigens auch die FFP2 und FFP3-Masken können mittels feuchter Bürstenreinigung gereinigt und in die Sonne zum Trockenen gehängt werden. Die UV-Strahlung der Sonne unterstützt das Absterben des Virus. Ein System mit 1 personalisierten Maske pro Tageshälfte für 3 Tage, das bedeutet 6 Masken insgesamt erscheint praktikabel. So liegt eine Maske nach der Reinigung für 72 Stunden bis sie wieder getragen wird.

Stoffmasken müssen am Tag mindestens 2 Mal über 10 Minuten in kochendem Wasser ausgekocht werden. Sie sollten also immer einen Kochtopf spezielle zur Reinigung auf dem Herd stehen haben.

Zusammengefasst lässt sich festhalten:

  • bei gesunden ist JEDER Mundschutz ist besser als keiner
  • infizierte Menschen müssen einen normalen Mundschutz tragen. FFP2- und FFP3-Masken dürfen von symptomatischen bzw. sicher infizierten Menschen NICHT getragen werden

Sonderfall – infizierte Person im eigenen Haushalt

Ist eine Person im eigenen Haushalt infiziert bzw. besteht der Verdacht auf eine COVID-19 Virusinfektion, dann stehen alle Mitglieder dieses Haushaltes unter Quarantäne, da alle infiziert sein können. Auch in diesem Fall sollten die noch nicht symptomatischen Mitglieder des Haushaltes die oben genannten Schutzmaßnahmen zur Reduktion der Viruslast im eigenen Körper nutzen.

Infizierte Person. Die nachgewiesen infizierte bzw. potentiell infizierte symptomatische Person sollte im eigenen Haushalt immer einen einfachen Mundschutz tragen. Eine sog. FFP2 oder FFP3 Maske darf nicht getragen werden, weil durch diesen Maskentyp die Viruskonzentration in der Ausatmenluft konzentriert wird. Andere noch nicht infizierte Personen dürfen durch eine höhere Viruslast nicht zusätzlich gefährdet werden.

Ist ein medizinischer Mundschutz nicht vorhanden, dann können Hilfskonstruktionen, wie z.B. Halstücher verwendet werden. Stoffmasken bzw. Hilfskonstruktionen aus Stoff müssen mehrmals am Tag in kochendem Wasser für 10 Minuten ausgekocht werden.

Nicht-infizierte Person. So lange keine Symptome bestehen bzw. eine COVID-19 Virusinfektion nicht nachgewiesen ist, können diese Menschen zum Selbstschutz FFP2 und FFP3 Masken tragen. Alle Maßnahmen einschließlich Abstandsregeln und Handhygiene müssen eingehalten werden.

COVID-19 Virusepidemie – wachsam und informiert bleiben

Die Erkenntnisse und „Verhaltensweisen“ des Virus mehren sich bzw. werden nachvollziehbarer. Daher sind aus unserer Sicht fachliche Updates sehr wichtig. Heute ist der Wissensstand der letzten Woche schon wieder alt. Zum Glück erweitert sich das Wissen nun, so dass sich jetzt alle bisherigen Maßnahmen als die die richtigen erwiesen haben.

Informieren Sie sich regelmäßig zu neuen Erkenntnissen, z.B. auch beim Robert-Koch-Institut (RKI). Das RKI hat viel Kritik einstecken müssen, vielleicht zum Teil auch zu Recht. Allerdings machen Schuldzuweisungen im Hinblick auf die Vergangenheit keinen Sinn und sind sogar kontraproduktiv. Wir müssen alle, jeder einzelne von uns nach vorne denken und handeln und die Probleme Schritt-für-Schritt lösen.

Genauso wenig wie es Sinn macht vergangene Chancen zu beklagen, sollten wir uns nicht der Illusion hingeben, dass die Hygienemaßnahmen mit Abstandsregel, Mundschutz und Händedesinfektion so bald verschwinden werden. Wir werden mindestens bis zu einer kompletten Durchseuchung bzw. zur breiten Einführung eines Impfstoffes verschärfte Regeln einhalten müssen. Wer anderes behauptet oder will, der lebt in einer gefährlichen Illusion und ist ein Narr (meistens alte Männer).

Auch, wenn wir einen Impfstoff haben, werden wir nicht unser “altes Leben” zurückkommen. Wir haben über Mitbürger aus Asien immer gelächelt, weil sie gerade auf Flugreisen einen Mundschutz tragen. Wir können davon ausgehen, dass auch wir Europäer in der Zukunft dauerhaft infektiologisch vorsichtiger sein werden, denn nach SARS (2002), MERS (2012) und COVID-19 (2019) kommt die nächste Virusepidemie bestimmt.

Literatur

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Covid-19 prognose

Corona – CoronaFuturum-Prognoserechner für den Verlauf der COVID-19 Virusepidemie

Wir stellen Ihnen den CoronaFuturum-Corona Prognose-Rechner für COVID-19 vor. Es handelt sich um einen Corona Ticker für den Verlauf der COVID-19 Virusepidemie.

Alle Modelle sind falsch, aber einige sind nützlich. (George Box)

CoronaFuturum – Corona Prognose-Rechner für COVID-19 – Kurzeinfführung

Die Ausbreitung des des COVID-19 Virus entwickelt sich  zeitweise einer Exponentialfunktion.

Wir haben uns daher als erstes gefragt:

  • “Wie sieht der Verlauf der COVID-Infektion in den nächsten 10 Tagen aus?”
  • “Wie können wir erkennen, ob die Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-10 Virusepidemie greifen?”

Folglich haben wir für jedes Land eine landespezifische SOLL-Kurve für den natürlichen Verlauf der Virusepidemie abbildet. Grundlage sind der landesspezifische anfängliche Kurvenverlauf und der damit verbundenen Ansteckungsrate pro infizierte Person. Diese stellen wir den tatsächlichen Fallzahlen, dem IST-Verlauf gegenüber, um einen Eindruck zu gewinnen, ob die getroffenen Maßnahmen greifen oder nicht. Diese Daten finden Sie unter „Anpassung Exponentialfunktion“.

Als nächstes haben wir uns gefragt:

  • „Wann wird der Höhenpunkt der Krise erreicht sein und wie klingt sie ab?“

Zu diesem Zweck haben wir das SIR-Modell für Sie entwickelt.

Darüber hinaus finden Sie noch weitere interessante Aufarbeitung der Zahlen, die wir aus offiziellen Quellen täglich mehrmals aktualisieren.

Unser Ziel ist es Ihnen Planungssicherheit für die mittelfristige Zukunft zu verschaffen. Dabei ist zu beachten, dass es sich hier um eine einfache statistische Anpassung handelt. Dementsprechend sagen wir nicht, dass die realen Fallzahlen immer weiter einer Exponentialfunktion folgen werden. Vielmehr erwarten wir, dass die IST-Kurve der tatsächlichen Fallzahlen von den exponentiellen SOLL-Zahlen mit Greifen der Maßnahmen der Eindämmung nach unten abweichen wird (siehe auch China).

Die Benutzung des COVID-19-Rechners erfolgt auf eigenes Risiko.

Prognose der COVID-19 Virusepidemie – statistisch abbildbar?!

Die COVID-19 Virusinfektion ist eine entzündliche Erkrankung, die sich durch Ansteckung verbreitet. Folglich gehen wir davon aus, dass in der normalen sozialen Gemeinschaft pro Virusträger 2-3 weitere Menschen angesteckt werden. Damit folgt die COVID-19 Virusinfektion mathematischen Gesetzmäßigkeiten. Auf dieser Grundlage haben wir für Sie den CoronaFuturum-PrognoseRechner mit grafischer Darstellung der Erkrankung im Zeitverlauf sowohl für Deutschland als auch für andere Länder erstellt.

Man muss Dinge so einfach wie möglich machen. Aber nicht einfacher. (Albert Einstein)

Prognose bedeutet in diesem Fall, dass wir über einen begrenzten Zeitraum von bis zu 10 Tagen die Anzahl der infizierten Menschen in der Zukunft relativ sicher abschätzen können. Der CoronaFuturum-PrognoseRechner für die COVID-19 Virusepidemie greift täglich auf die offiziellen Zahlen der Epidemie zu und hat sich bisher als erstaunlich zuverlässig erwiesen.

Darüber hinaus können wir über durch die Abweichung der tatsächlichen Ist-Werte vom statistischen Soll-Wert einen Hinweis darauf erlangen, wann die Infektion durch Maßnahmen der Hygiene beherrscht wird.

Ohne Frage, das Leben mit einer potentiell tödlichen Virusepidemie ist nicht einfach. Wir wissen allerdings auch, dass diese Virusepidemie zu Ende gehen wird. Durch klares Denken und strukturiertes Handeln eines jeden Einzelnen von uns im Kontext des sozialen Miteinanders können wir selber die Epidemie für uns alle frühzeitig beenden.

Unser Hauptziel ist es daher, Ihnen Sicherheit im Umgang mit sich selbst und anderen Menschen zu geben, so dass Sie Ihren Alltag besser planen können.

Eine schwere Virusepidemie kann nur durch soziales Handeln eines jedes Einzelnen in der Gemeinschaft beherrscht werden. (Franz Imhäuser)

CoronaFuturum-Prognoserechner – Warum eigentlich?

Der Prognoserechner beantwortet 2 unserer wichtigsten Fragen bei der COVID-19 Virusepidemie, die einen wesentlichen Einfluss auf unser Verhalten im Alltag haben werden:

  • Wie lange dauert die COVID-19 Epidemie noch?
  • Wann können wir mit Ende der COVID-19 Virusepidemie rechnen?

Dauer der Virusepidemie. So lange der Verlauf der tatsächlichen Anzahl der Infektionsfälle dem statistischen Sollwert entspricht, so lange müssen alle Maßnahmen der Hygiene, vor allen Dingen, die der Selbstisolation von Gesunden streng eingehalten werden.

Ende der Virusepidemie. Ist ein Ende der Epidemie abzusehen, dann müssen Sie die offiziellen Vorgaben zu Maßnahmen der Hygiene weiter befolgen, denn schließlich haben diese ja zum Erfolg geführt. Allerdings erlangen Sie für eine zu erwartende Entspannung der Infektionslage Planungssicherheit. Dieses ist gerade für Arbeitnehmer und Arbeitgeber wichtig.

Corona Ticker – Spontanverlauf der Corona-Virusinfektion – exponentieller Anstieg der Erkrankungsfälle

Würden bei der COVID-19 Epidemie keine Gegenmaßnahmen ergriffen, dann würde die Zahl der Erkrankten exponentiell steigen. Exponentiell bedeutet einen sehr steilen Anstieg der Erkrankungsfälle pro Zeit.

Eine exponentielle Steigerung der Erkrankungsfälle bedeutet auch, dass die Sterbefälle in absoluten Zahlen, aber auch prozentual steigen kann. Die Sterblichkeit bei einer COVID-19 Virusinfektion beträgt bei optimaler medizinischen Versorgung 2,0-3,5%.

Der häufigste Grund für das Versterben an einer COVID-19 Infektion ist die schwere Lungenentzündung. Optimale medizinische Versorgung bedeutet folglich vor allen Dingen auch, dass genügend Intensivbetten mit der Möglichkeit einer künstlichen Beatmung zur Verfügung stehen. Stehen nicht genügend Beatmungsplätze zur Verfügung, dann steigt die Sterblichkeit an einer COVID-19 Virusinfektion.

Kurz zusammengefasst, sind die Kapazitäten der Intensivstation ausgelastet und alle Beatmungsplätze sind belegt, dann tritt eine kritische Versorgungssituation mit einem Anstieg der Sterblichkeit ein. Das ist das eigentliche Problem der COVID-19-Virusepidemie.

Corona Ticker – Vorbeugende Maßnahmen bei Corona-Virusinfektion – Abflachung der Exponentialkurve

Experten gehen von einer Virusinfektion mit COVID-19 bei 60-70% der Bevölkerung der deutschen Bevölkerung aus. Die allermeisten Fälle, d.h. ca. 80-85% werden so verlaufen, dass ein Krankenhausaufenthalt nicht notwendig werden wird. Allerdings werden 15-20% der Fälle schwer verlaufen, so dass ein Krankenhausaufenthalt bis hin zur intensivmedizinischen Betreuung erforderlich werden kann.

Damit nicht alle Menschen in einem engen Zeitfenster infiziert sind, muss die gleichzeitige Ansteckung vieler Menschen vor allen Dingen durch Maßnahmen der Selbstisolation von Gesunden verhindert werden. Dieses würde eine Abflachung der oben beschriebenen Exponentialkurve bedeuten. Folglich hätte das medizinische System genügend Kapazitäten, um alle Erkrankten zu versorgen; die Sterblichkeit läge “nur” bei 2,0-3,5%.

Schaffen wir es nicht die Ist-Kurve gemeinsam abzuflachen, dann ist mit einer deutlich höheren Sterblichkeit der COVID-19-Epidemie zu rechnen.

Corona -Was ist exponentielles Wachstum?

Exponentielles Wachstum ist nicht intuitiv verstehbar. Wir Menschen denken linear, d.h. wir denken dass Veränderungen kontinuierlich mit derselben Geschwindigkeit zu- oder abnehmen. Bei der exponentiellen Veränderung nimmt die Geschwindigkeit mit der Zeit zu oder ab. Exponentiell bedeutet also am Anfang langsam und dann immer schneller.

CoronaFuturum-Corona Prognose-Rechner für COVID-19

Kurzum, stellen Sie sich vor, wir geben um 11 Uhr in ein leeres Glas ein Virus, das sich jede Minute vermehrt (Glas 1). Um 11:01h haben wir also zwei Viren in dem Glas (Glas in der Mitte) und noch eine Menge Platz. Eine Minute später sind es bereits vier Viren, dann acht, dann 16 dann 32 und jetzt sind gerade fünf Minuten vergangen.

Kommen wir um 11:59h wieder und betrachten unser Glas so ist es erst halb voll (Glas rechts). Man könnte meinen es ist noch viel Zeit. Jedoch bereits eine Minute später, um 12:00h ist das Glas voll! Ganze 59 Minuten lang sah es so aus als wäre noch viel Platz und viel Zeit. In der Rückschau sieht man jedoch das deutlich, exponentielle Wachstum (Kurve unten).

Corona-Virusepidemie – exponentielles Wachstum vs. Heilung?

Wie ist diese Situation auf Covid-19 übertragbar? Nun wir wissen nicht wann das Glas voll sein wird. Aber wir können schätzen wie schnell sich der Virus verdoppelt. Betrachten wir das Beispiel China in der folgenden Graphik.

CoronaFuturum-Corona Prognose-Rechner für COVID-19

Die gepunktete Linie sind die gesamten Fallzahlen, der grüne Balken die „Geheilten“ und der schwarze die Verstorbenen. Man sieht deutlich, dass die gepunktete Linie abfällt und weit weg von der geschätzten exponentiellen roten Linie abweicht. China scheint kein exponentielles Wachstum mehr zu haben.

Die violette Linie (Heilungsquotient) zeigt schließlich auf der rechten Achse die prozentuale Anzahl derer die den Virus hatten im Verhältnis zur Gesamtzahl an. Je höher dieser Wert umso gesunder ist die Bevölkerung.

Betrachten wir nun Deutschland. Anfangs hatten wir die Münchener Fälle, die sich wieder erholt hatten, das erklärt den „Ausschlag“ dieser violetten Linie. Vergleicht man nun die rote Vorhersage eines geschätzten exponentiellen Modells mit den gepunkteten tatsächlichen Fallzahlen, so sieht es wie bei dem Gläserbeispiel aus. Wir befinden uns im Moment im exponentiellen Wachstum der Fallzahlen.

CoronaFuturum-Corona Prognose-Rechner für COVID-19

Nun geht die rote Vorhersagekurve hier weiter als das Datum der Fallzahlen. Wir können eine Vorhersage über die kommenden Fälle machen, solange wir uns auf der „Soll“-Kurve befinden. Im Titel wird hierzu die Güte der Schätzung (R²) angegeben, je höher dieser Wert (maximal 100%), umso besser passt eine exponentielle Funktion auf die Fallzahlen.

Folglich handelt sich hier lediglich um die Modellierung eines exponentiellen Modells und keine epidemiologische Simulation. Da aber die täglich gemeldeten Fallzahlen nur ein Blick in den Rückspiegel sind, bei einer durchschnittlichen Inkubationszeit von fünf Tagen und einer Testdauer von etwa zwei Tagen ist die Zahl der aktuell Infizierten eher an der Vorhersagekurve in einer Woche ablesbar.

Tun Sie, was Sie können, mit dem, was Sie haben, wo Sie sind. (Theodore Roosevelt)

CoronaFuturum-Corona Prognose-Rechner für COVID-19 – Maßnahmen zur Begrenzung der COVID-19 Virusepidemie

Die wichtigste Maßnahme zur Beherrschung einer schweren Virusepidemie ist neben der Handhygiene die Selbstisolation von (vermeintlich Gesunden). Seien Sie in Ihrem sozialen Umfeld ein Vorbild.

  • bleiben Sie zu Hause
  • Haus nur verlassen, um einzukaufen, falls verfügbar nutzen Sie Lieferdienste
  • kein physischer Kontakt mit Verwandten und Freunden außerhalb des eigenen Haushaltes
  • berufliche Aktivität möglichst von zu Hause aus

Neben einer Verringerung der Ansteckungsrate zeigen Sie so auch soziale Verantwortung für Ihr soziales Umfeld. Folglich macht es keinen Sinn, wenn in einem sozialen Cluster alle gleichzeitig krank werden. Schließlich müssen die Gesunden die Kranken mit Lebensmitteln versorgen.

Seien Sie in Ihrer sozialen Gemeinschaft ein konstruktives Mitglied und gehen Sie mit gutem Beispiel voran.

Man führt nicht, indem man den Leuten zeigt und ihnen sagt, wo sie hingehen sollen. Man führt, indem man zu diesem Ort geht und einen Standpunkt vertritt. (Ken Kesey)

Corona Ticker – Hier geht es zum CoronaFuturum-Corona Prognose-Rechner für COVID-19

CoronaFuturum-Corona Prognose-Rechner für COVID-19

Literatur

 

 

 

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

Mehr zu: Prof. Dr. Peter Posch

 

 

 

 

Mehr zu: Jörg Schieb

 

 

 

 

 

 

 

 


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Früherkennung COVID-19

Früherkennung COVID-19 Virusinfektion – Stellenwert von Fieber, Herzfrequenz, Blutdruck, Husten und Luftnot

Die Früherkennung einer COVID-19 Virusinfektion hat eine wesentliche Bedeutung für die eigene, aber auch für die Gesundheit von Mitmenschen. Bei einer Virusepidemie ist es sinnvoll, wenn Sie bei sich selbst eine Infektion erkennen – bevor es zu subjektiven Symptomen kommt. Dieses macht vor allen Dingen Sinn, weil:

  • Sie können frühzeitig ärztliche Hilfe aufsuchen
  • Sie können sich selbst isolieren, um Mitmenschen vor Ansteckung zu schützen

Tun Sie, was Sie können, mit dem, was Sie haben und wo Sie sind. (Theodore Roosevelt)

Wir stellen Ihnen hier Hinweise vor, die Ihnen dabei helfen können, eine Virusinfektion frühzeitig zu erkennen – somit auch eine Infektion mit COVID-19.

Die Methoden basieren wesentlich auf wissenschaftlichen Untersuchungen und eigenen Erfahrungen. In der Cardiopraxis bestimmen wir als Teil der unblutigen Kreislaufmessung jährlich über 2.000 Mal die Körpertemperatur und haben auch umfangreiche Erfahrungen mit der Diagnose von Lungenerkrankungen.

Dabei decken wir immer wieder Zusammenhänge auf, die zur Diagnose von entzündlichen Erkrankungen führen. Wir halten es daher für sinnvoll, Ihnen unsere Erfahrungen in Verbindung mit den aktuellen Daten zur Virusepidemie durch COVID-19 mitzuteilen. Wir sind fest davon überzeugt, dass diese Informationen für Sie medizinisch wertvoll sind.

Vorab, Sollten Sie im Fall einer Virusepidemie mit schweren Krankheitsverläufen, die über die Gefährlichkeit der normalen Influenza hinausgeht, den begründeten Verdacht haben, dass Sie z.B. Träger des COVID-19-Virus sind, dann müssen Sie allen Verhaltensmaßregeln der lokalen Gesundheitsämter bzw. des Bundesministeriums für Gesundheit und des Robert-Koch-Institut folgen.

Ziel des Beitrags ist es folglich nicht, dass Sie selbst eine Erkrankung diagnostizieren oder ausschließen, sondern, dass Sie Frühzeichen erkennen und wachsam sind, um das Richtige zu tun, indem Sie sich professionellen ärztlichen Rat holen.

Früherkennung einer COVID-19

Symptome der COVID-19 Virusinfektion bei Erstdiagnose

Symptome der COVID-19 Virusinfektion bei der Erstdiagnose sind aufgrund der bisherigen Erhebungen bei Menschen mit positivem Virustest von der WHO zusammengestellt worden.

Die Symptome sind unspezifisch, d.h. wir kennen sie auch von anderen Erkrankungen im Allgemeinen und auch von anderen Viruserkrankungen im Speziellen. Hinzu kommt, dass deutlich merkbare Symptome bei COVID-19-Infektion sehr spät, d.h. auch nach einer Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen auftreten können. In dieser Zeit hat das Virus sich in Ihrem Körper bereits so vermehrt, dass sich beginnende kritische Störungen der Körperfunktion bemerkbar machen können. In der Inkubationszeit besteht bei COVID-19 Infektion ein erhöhtes Risiko, dass Sie Menschen anstecken. Derzeit geht man davon aus, dass ein Virusträger zwei bis drei weitere Menschen infiziert.

Auffällig ist, dass bei der Diagnose COVID-19 Infektion Fieber mit 87,9% und trockener Husten mit 67,7% die mit Abstand häufigsten Symptome sind. Das entspricht dem Mechanismus einer Infektion mit absteigender Ausbreitung des Virus vom Mund-Rachenraum über die Bronchien bis tief in das Lungengewebe. Erst wenn im Lungengewebe der Gasaustauch von Sauerstoff bzw. Kohlendioxid durch die Pneumonie kritisch gestört und die Atemarbeit durch vermehrte Wasseransammlung erhöht ist, dann treten Symptome der Luftnot auf. Das erklärt auch, warum Kurzatmigkeit bei Erstdiagnose der COVID-19 Virusinfektion lediglich bei knapp 20% der Menschen vorkommt.

Virusinfektion – die Inkubationszeit

Die Inkubationszeit, d.h. die Phase von der Infektion bis zum ersten Auftreten von Symptomen und damit dem eigentlichen Krankheitsbeginn, ist ein kritischer Zeitraum, weil:

  • vermeintlich gesunde Menschen andere Menschen schon anstecken können
  • eine erhöhte Anfälligkeit für andere Infektionserkrankungen besteht
  • die Zeit bis zum Aufsuchen ärztlicher Hilfe hinausgezögert wird

Besonders müssen wir hervorheben, dass zwischen 66% und 75% aller Ansteckungen durch Personen erfolgt, die sich noch in der symptomfreien Inkubationszeit befinden. Zwei Tage vor dem Auftreten von Symptomen ist die Ansteckungsgefahr am höchsten.

Nach aktuellem Stand beträgt die offizielle max. Inkubationszeit bei COVID-19 ca. 14 Tage. In Ausnahmefällen sind Inkubationszeiten bis 21 Tage beobachtet worden. Das bedeutet, wer nach Kontakt mit einem COVID-19 Träger bis dahin keine Symptome hatte, gilt nicht als Träger des Virus.

Die mittlere Inkubationszeit von COVID-19 liegt bei 5,2 Tagen, d.h. 50% der Menschen, die sich infiziert haben, weisen nach 5,2 Tagen eines oder mehrere der oben genannten Symptome auf. Nach 12,5 Tagen haben 95% aller Erkrankten Symptome entwickelt.

Die Inkubationszeit bis zum Auftreten von Symptomen bietet eine Chance, denn frühzeitiges Erkennen kann Komplikationen der Viruserkrankung bei einem selbst abmildern bzw. anderen Menschen verhindern.

Früherkennung COVID-19

Virusinfektion – Sinn der Messung der Körpertemperatur

Die genaueste und einfachste Methode zur frühzeitigen Erfassung einer beginnenden Virusinfektion ist die regelmäßige Bestimmung Ihrer Körpertemperatur. Sie steigt hochwahrscheinlich schon vor dem Einsetzen von Symptomen an. Dieses wird gerade durch die Häufigkeit von Fieber bei der Erstdiagnose einer COVID-19 Infektion in 87,9% der Fälle deutlich.

Auch wenn die Viruslast in Ihrem Körper noch gering ist, d.h. während der Inkubationszeit, beginnt Ihre Körpertemperatur als Folge der Immunabwehr zu steigen. Der Anstieg der Körpertemperatur als Reaktion auf eine sich ausbreitende Infektion ist kein plötzliches Ereignis. In der Regel zeichnet sich der Anstieg der Körpertemperatur durch einen mehr oder weniger langsamen Beginn aus, und das bevor wir definitionsgemäß von Fieber sprechen. Das muss folglich nicht bedeuten, dass Sie in der Inkubationszeit Fieber haben. Relevante Anstiege der Körpertemperatur im Normalbereich bis 37,5 0C können hier schon ein erstes Zeichen der ablaufenden Infektion sein.

Früherkennung COVID-19

Virusinfektion – Messung und Bewertung der Körpertemperatur

Messen Sie die Basaltemperatur, d.h. die Körpertemperatur unmittelbar nach dem Aufstehen am Morgen.

Nutzen Sie am besten ein Ohrthermometer mit richtiger Messtechnik. Messen Sie 3x hintereinander und nehmen Sie den höchsten Wert. Ein Ohrthermometer misst eher falsch zu niedrige Werte, falsch zu hohe Werte kommen nicht vor.

Tragen Sie die Werte am besten in einer Health-App, z.B. unter Reproduktionsmedizin ein.

Beachten Sie, dass jeder Mensch einen individuellen Temperatursollwert hat. Wichtig ist daher, dass Sie Ihre Basaltemperatur im gesunden Zustand kennen.

Frauen mit normalem Ovarialzyklus haben durch den Einfluss der Hormone natürliche Schwankungen der Körpertemperatur. Folglich steigt die Temperatur unmittelbar vor dem Eisprung an und ist somit in der 2. Zyklushälfte  0,3-0,5 0C höher als in der 1. Zyklushälfte. Bei Frauen, die zur Verhütung bzw. aus anderen Gründen Hormonpräparate nehmen, ist die Körpertemperatur häufig bis in den Graubereich zwischen 37,0-37,5 0C gesteigert.

Bei der Bewertung der Körpertemperatur sind die absoluten Werte UND die relativen Veränderungen im Vergleich zum gesunden Ausgangswert von Bedeutung.

Absolute Werte Körpertemperatur

  • 36,2 – (37,4) 0C = Normbereich
  • 37,0 – 37,4 0C = Graubereich
  • 37,5 – 38,0 0C = unterschwelliges Fieber
  • > 38,0 0C = manifestes Fieber

Relevante relative Veränderungen Körpertemperatur

  • Zunahme der Körpertemperatur um 0,3-0,5 0C im Vergleich zum individuellen Normalwert. Gilt auch im Bereich unter 37,5 0C

Für Frauen ist die Bewertung schwieriger als bei Männern, denn Sie müssen ihren Ovarialzyklus genau kennen und in die Überlegungen mit einfließen lassen.

Sollten Sie einen relevanten Anstieg der Körpertemperatur bzw. Fieber verzeichnet haben, dann kontrollieren Sie, ob sich daraus am Abend ein stärkeres Fieber entwickelt bzw. ob der Wert am Folgetag genauso hoch ist bzw. weiter steigt. In diesen Fällen nehmen Sie Kontakt mit einer Ärztin bzw. einem Arzt auf, um die Symptome einzuordnen. Sollten Sie den Verdacht auch eine COVID-19 Infektion haben, dann müssen Sie das telefonisch tun.

Corona-Virusinfektion – Messung und Bewertung von Herzfrequenz und Blutdruck

Die Infektion mit COVID-19 ist eine entzündliche Erkrankung, die zu Veränderungen des Herz-Kreislaufsystems führt. Hier sind Herzfrequenz und Blutdruck zuverlässig zu Hause messbar. Werden kritische Werte erreicht, dann droht das Herz-Kreislaufversagen. Das gilt vor allen Dingen für Menschen mit vorbestehenden chronischen Erkrankungen.

Die Messungen für Herzfrequenz und Blutdruck sollten nach 5 Minuten körperlicher Ruhe im Sitzen erfolgen. Eine Messung vom Liegen zum Stehen kann ebenfalls sinnvoll sein.

Messen Sie die Herzfrequenz per Hand, mit der Blutdruckmanschette oder einem Smartphone-EKG.

Bei der Herzfrequenzmessung der Hand tasten Sie den Puls und zählen die Schläge über 15 Sekunden. Diesen Wert, z.B. 16 rechnen Sie dann auf die Minute hoch, indem Sie ihn x4 nehmen; in diesem Fall ergibt sich also eine Herzfrequenz von 64 bpm.

Bei der Blutdruckmessung nutzen Sie Blutdruckmessgerät und dokumentieren die Werte ebenfalls.

Dokumentieren Sie die Werte für Herzfrequenz und Blutdruck, z.B. in einer Health-App und betrachten Sie den Verlauf.

Gerade zur Bewertung der Herzfrequenz müssen Sie Ihre normale Herzfrequenz kennen. Diese kann individuell sehr unterschiedlich sein, z.B. hat der eine in Ruhe eine Herzfrequenz von 62 bpm, der andere 84 bpm.

Steigt Ihre Herzfrequenz in Ruhe im Vergleich zu Ihren individuellen Normalwerten um >15 Schläge an bzw. verzeichnen Sie in Ruhe anhaltend Werte >100 bpm, dann ist unter Berücksichtigung weiterer Symptome eine Infektion wahrscheinlich.

Relevanter relativer Anstieg Herzfrequenz

  • > 15 bpm in Ruhe
  • > 20 bpm von der Rückenlage zum Stehen

Absoluter Anstieg der Herzfrequenz

  • > 100 bpm

Der Blutdruck kann in der Anfangsphase einer Infektion ansteigen. Fällt der Blutdruck um mehr als 15 mmHg unter Ihre individuellen Normwerte ab, dann droht ein kritischer Kreislaufzustand.

Relevanter relativer Abfall des Blutdrucks

  • >15 mmHg

Besprechen Sie die Befunde zeitnah mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Setzen Sie bzw. Reduzieren Sie Herz-Kreislaufmedikamente nur in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt.

Corona Virusinfektion

Corona-Virusinfektion – Sinn der Bewertung der Lunge

Der trockene, d.h. der nicht-produktive Husten ohne oder mit geringer Schleimbildung ist mit 67,7% das zweithäufigste Symptom bei Erstdiagnose der COVID-19 Virusinfektion. Kurzatmigkeit als deutlicher Hinweis auf eine Lungenbeteiligung liegt bei Erstdiagnose lediglich bei knapp 20% der betroffenen Menschen vor. Das bestätigt wieder den absteigenden Charakter der Infektion und die Tatsache, dass nicht jeder Mensch, der mit dem COVID-19 Virus infiziert ist, eine schwere Lungenentzündung bekommt

Auch der trockene Husten ist ein unspezifisches Symptom, d.h. ein trockener Husten bedeutet nicht, dass Sie zwangsläufig eine COVID-19 Infektion haben. Kurzum, ein trockener Husten muss im Zusammenhang mit anderen Symptomen beobachtet und bewertet werden. Wie oben angeführt, ist der Verlauf der Körpertemperatur hier von entscheidender Bedeutung.

Die Kurzatmigkeit mit Luftnot im Alltagsleben ist bei Erstdiagnose ein spätes Symptom und die Ausbreitung des Virus ist schon weit fortgeschritten. Sie kennzeichnet möglicherweise das beginnende Lungenversagen, welches innerhalb von Tagen zu einem kritischen Gesundheitszustand führen kann. Insofern ist es wichtig zu wissen, ob die Lunge in ihrer Funktion relevant betroffen ist. Schließlich ist es bei der COVID-19 Virusinfektion die mittel-schwere bis schwere Lungenentzündung, die in der Regel die Notwendigkeit einer Krankenhausbehandlung anzeigt.

Corona-Virusinfektion – Atemreserven subjektiv beurteilen

Die sichere Erfassung einer Lungenbeteiligung einer COVID-19 Virusinfektion ist nur mit apparativen Methoden, z.B. mit einer sog. Dünnschicht-Computertomografie möglich, und auch dann ist die Infektion schon relativ weit fortgeschritten.

Die subjektive Erfassung der Lungenbeteiligung über Symptome ist unsicher, nicht zuletzt, weil die meisten von uns sich im Alltagsleben nur in geringem Maße einer stärkeren körperlichen Belastung aussetzen. Auch der im Internet propagierte Atemanhalte-Test über 10 Sekunden kann eine Virusinfektion der Lunge, so wie das angepriesen wird, nicht ausschließen.

Um eine Störung der Lunge so gut es geht zu erfassen, müssen Sie sich deutlich über Ihre Alltagaktivität hinaus belasten. Sie können mehr auf Ihre Atemreserven achten, indem Sie sich täglich einer forcierten standardisierten körperlichen Belastung aussetzen. Am besten sind hier sicherlich Fahrradergometer mit einstellbarer Wattzahl und Drehzahlmesser geeignet. Auch ein standardisierter strammer Spaziergang, am besten zum Rhythmus eines Liedes kann sich eignen.

Sollten Sie sich bei einem regelmäßigen standardisierten Training früher erschöpft fühlen und/ oder Luftnot verspüren, d.h. nach 10 Minuten anstatt der sonst üblichen 20 Minuten, dann ist das zu mindestens ein Hinweis darauf, dass etwas mit der Lunge nicht in Ordnung sein kann. Spätestens jetzt sollten Sie Ihre Körpertemperatur messen.

Corona-Virusinfektion – Störung der Atmung bewerten

Haben Sie Probleme bei der Atmung bereits bei leichter Alltagsaktivität, wie z.B. hohe Atemfrequenz, Luftnot und rasche Erschöpfung, innere Unruhe, dann ist das Risiko für einen kurzfristig einsetzende kritischen Gesundheitszustand, d.h. innerhalb von Stunden bis Tagen deutlich erhöht.

Haben Sie Hinweise darauf, dass mit Ihrer Lunge etwas nicht stimmt und liegen noch andere Symptome vor, dann sollten Sie zeitnah mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen. Dieser entscheidet dann gemeinsam mit Ihnen ist es bei der COVID-19 Virusinfektion je nach Alter und allgemeinem Gesundheitszustand die mittel-schwere bis schwere Lungenentzündung, die zur Krankenhauseinweisung führt.

Virusepidemie mit COVID-19 – Vorbeugung zum Schutz der Mitmenschen

Gerade in Zeiten einer schweren Virusepidemie ist die beste Vorsorge für sich und andere, wenn Sie sich selbst möglichst von anderen Menschen fernhalten, auch wenn Sie sich selber für gesund halten. Wir müssen alle die Grundregeln der Hygiene beachten.

Sollten Sie den begründeten Verdacht haben, dass die Sie an einer COVID-19 Virusinfektion leiden, dann gehen Sie nicht unangemeldet in eine Arztpraxis sondern nehmen Sie telefonisch Kontakt mit den entsprechenden Stellen, z.B. unter 116 117 auf.

Prognose der COVID-19 Virusepidemie

Um Ihnen einen Einschätzung über den weiteren Verlauf der Corona Virusepidemie zu ermöglichen, machen wir für Sie den CoronaFuturum-PrognoseRechner zugänglich. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag “Corona – CoronaFuturum-PrognoseRechner für COVID-19”. Hier finden Sie hilfreiche Erläuterungen und den Link zum Rechner.

 

Literatur

 

Mehr zu: Dr. Natalie Fleissner

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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Wasser trinken ist lebenswichtig für die Leistungsfähigkeit – aber wie trinke ich mehr?

Der Mensch besteht zu 60% aus Wasser. Ohne ausreichende Flüssigkeit haben Sie keine Kraft, körperlich und geistig. Wer weniger trinkt ist einfach dümmer. Es sollten 30-40 ml/kg Körpergewicht und Tag sein. Die Trinkflüssigkeit sollte Raumtemperatur haben bis körperwarm sein. Am besten starten Sie als zweite Handlung des Tages morgens nach dem Toilettengang. Hier sollten Sie 20-25% der Tagesgesamtmenge trinken.

Mehr trinken – Das Problem

Die Hauptursache, warum die meisten Menschen zu wenig trinken, ist das fehlende Durstgefühl. Entsteht bei Ihnen das Bedürfnis etwa zu sich zu nehmen, sei es tatsächlich metabolisch oder als einfache Belohnung, dann wird meistens feste Nahrung anstatt Flüssigkeit zugeführt. Dieses hängt möglicherweise damit zusammen, dass feste Nahrung durch den Schluckakt ein stärkeres Belohnungsgefühl auslöst.

In manchen Berufsgruppen gibt es wenig Gelegenheiten zur Toilette zu gehen, z.B.  bei Chirurgen im Operationssaal. Dann wird instinktiv das Trinken vermieden, um dann auch den Toilettengang zu vermeiden. Eine weitere Ursache ist die Störung des Harnabflusses. Beim Mann ist er durch die vergrößerte Prostata ab einem bestimmten Alter zu langsam. Bei Frauen erfolgt er leicht unwillkürlich mit einer Inkontinenz bei Beckenbodenschwäche. Auch hier wird zur Vermeidung des Gangs zur Toilette die Flüssigkeitsaufnahme verringert.

Grundvoraussetzung, um mehr zu trinken – Trinkflüssigkeit muss schmecken

Einfaches Wasser schmeckt vielen Leuten nicht. Getränke mit Kohlensäure verursachen ein Völlegefühl und führen häufig schnell zu Aufstoßen. Die meisten kommerziellen Limonadengetränke enthalten zu viel Zucker, Zero-Zucker Getränke wiederum Zusatzstoffe, die möglicherweise nicht gesund sind.

Eine gute Lösung ist hier die Herstellung von sogenanntem “Infused Water”, d.h. Wasser mit Zusatzstoffen wie z.B. mit geringen Mengen an Holundersirup plus Zitronenscheiben.

Auch muss die Art der Flüssigkeit stimmen, harntreibende Flüssigkeiten wie zum Beispiel Kaffee und Alkohol werden nicht in die Bilanz eingerechnet.

Mehr trinken durch bessere Selbstwahrnehmung

Selbstwahrnehmung bedeutet, dass Sie warten, bis der Körper sich mit einem Durstgefühl oder anderen Symptomen meldet. Das Bedürfnis des Körpers nach Flüssigkeit ist allerdings häufig unspezifisch und diffus, denn der Körper sagt einem nicht direkt: „Ich benötige Flüssigkeit.” Im Gegensatz, z.B.  zum Körperschmerz erhalten so folglich häufig Signale, die uns nicht sagen wo das Problem genau liegt. Symptome für einen Flüssigkeitsbedarf sind:

  • Müdigkeit, Antriebsarmut, Konzentrationsstörungen
  • Gereiztheit, Aggressivität
  • körperliche Schwäche
  • Durstgefühl (spätes Signal!)
  • trockene Haut
  • dunkler Urin
  • harter Stuhlgang, Verstopfung

Zusammengefasst kommen die Signale der Selbstwahrnehmung häufig zu spät. Hinzu kommt, dass die Signale unspezifisch und damit bei den meisten Menschen unzuverlässig sind. Wir müssen hier also Strategien zur Symptom-unabhängigen regelmäßigen und ausreichenden Flüssigkeitsaufnahme entwickeln.

Wie trinke ich mehr? – Trinken anstatt Essen – mehr Leistungsfähigkeit

Hunger und Durst sind Ausdruck von Bedürfnissen des Körpers und dienen vor allem kurzfristig zur Aufrechterhaltung eines guten Energiestoffwechsels. Sie können allerdings auch Ausdruck von Suchtverhalten (zum Beispiel bei Zucker) sein. Der Schluckakt an und für sich wirkt bereits als Belohnung. Das Bedürfnis zu trinken wird häufig mit Hunger verwechselt. Folglich ist die falsche Konsequenz: Sie essen, anstatt zu trinken. Sie sollten lernen, Hunger und Durst zu unterscheiden.

Ein stoffwechselbedingter echter Hunger ist Ausdruck des Energiebedarfs für den Funktionsstoffwechsel. Sie können dies vor allen Dingen daran merken, wenn die Körpertemperatur verringert ist und ein Kältegefühl eintritt. Grundsätzlich sollten Sie immer, wenn Sie den Drang haben zu essen, überlegen ob es wirklich Hunger ist. Im Zweifel sollten Sie erst einmal 300-500 ml trinken.

Mehr trinken – Trink-Apps mit Erinnerungsfunktion

In den App-Stores gibt es zahllose Trinkapps wie z.B. “Trinkwecker – mein Wasser”, “Gerolsteiner Trinkcheck-App” oder den “Daily Water Tracker Reminder”. Die Gerolsteiner Trinkcheck-App nutzt Fitnessdaten aus Ihrem Smartphone und passt die tägliche Trinkmenge an Ihre Tagesaktivität und die Außentemperatur an. Die App ist auch tauglich für die Apple Watch und insgesamt sehr komfortabel. Manchen wird allerdings die aktive Erinnerung eher lästig sein, da auch nicht immer Flüssigkeit verfügbar ist.

Mehr trinken – Flaschen leer machen

Wenn Sie Ihr Trinkverhalten für den Tag planen, dann können Sie eine genaue Anzahl an Trinkflaschen bzw. Karaffen mit Aufforderungscharakter positionieren. Entweder Sie nehmen die entsprechenden Flaschen mit für unterwegs oder positionieren sie am Arbeitsplatz, z.B. im Büro. Ihr Ziel ist es dann, dass Sie Ihr gewähltes Flaschenkontingent über den Tag leer machen. So bleiben Sie den ganzen Tag über fit.

mehr trinken

Mehr trinken – auf Urin Farbe achten

Je dunkler der Urin, desto höher ist die Konzentration an festen Substanzen. Folglich je dunkler der Urin, desto geringer ist auch der Flüssigkeitsgehalt des Körpers. Die Urinfarbe sollte ab der zweiten Tagesportion die Farbe einer Weißweinschorle haben. Ist das nicht der Fall, dann müssen Sie auf jeden Fall kräftig nachtrinken.

Die Farbskala mit Ampelfunktion können Sie sich üpbrigens als Foto auf Ihr Handy herunterladen.

Mehr trinken – Start – Drink – Pee – Repeat!

“Drink, Pee, Repeat” ist sicherlich der natürlichste, einfachste und insgesamt beste Tipp.

Bauen Sie eine Feedbackschleife auf, bei der Sie sich immer wieder selber daran erinnern, dass Sie trinken müssen.

Das System sollten Sie am Morgen anschieben, indem Sie nach dem Aufstehen 20-25% der errechneten Tagesmenge trinken (Start). Kommt dann der Gang zur Toilette (Pee), dann erinnern Sie sich selber daran, vielleicht auch über die Urinfarbe, dass Sie direkt nach dem Toilettengang trinken sollten, denn die Bilanz muss stimmen. Trinken Sie dann 250-300 ml und beim nächsten Gang zur Toilette beginnt das Spiel von vorne (Repeat).

mehr trinken

Mehr trinken, mehr Leistungsfähigkeit – die beste individuelle Lösung finden

Insgesamt entwickelt jeder von uns aus den oben genannten Elementen eine eigene Strategie. Die besten Tipps zur Aufrechterhaltung eines adäquaten Flüssigkeitshaushaltes für mehr Fitness sind nach unseren Erfahrungen drink – pee – repeat und das Achten auf die Urinfarbe. So bleiben Sie den ganzen Tag über leistungsfähig.

Literatur

 

trinken kreislauf

 

 

 

 

 


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Übergewicht & Bluthochdruck – Ursache Körpertemperatur – Video

Übergewicht, Körpertemperatur und Bluthochdruck stehen in einem engen Zusammenhang. Zahlreiche große klinisch-wissenschaftliche Studien haben zu der gesicherten Erkenntnis geführt: Übergewicht, und vor allen Dingen das Bauchfett, erhöht das Risiko für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt und Sterblichkeit. Übergewicht hat auch unmittelbar symptomatische Folgen, insbesondere Belastungsluftnot und Bluthochdruck. Aber woran liegt das eigentlich und was hat das mit dem Kreislauf zu tun?

Besonders wichtig beim Zusammenhang Übergewicht und Herz-Kreislaufsymptome finden wir die folgenden 3 Mechanismen:

  • Temperaturisolierung
  • Entzündung
  • Hormonbildung

Alle 3 Faktoren wirken zusammen und haben einen Einfluss auf die Regulation Ihrer Körpertemperatur und damit auch auf den Kreislauf.

Übergewicht, Körpertemperatur - Ursache für Bluthochdruck

Regulation der Körpertemperatur – kurze Einführung

Für optimale biochemische Prozesse und folglich für eine gute körperliche und geistige Leistungsfähigkeit benötigt Ihr Körper eine stabile Körpertemperatur. Sie liegt bei den meisten Menschen um 36,5 0C und schwankt um ca. 0,3 0C nach oben und nach unten.

Liegt Ihre Körpertemperatur außerhalb Ihres individuellen Wohlfühlbereichs, dann muss Ihr Körper gegensteuern, um wieder in diese Temperaturzone zu gelangen. Die schnellste und für den Körper am feinsten regulierbare Stellgröße ist dabei die Durchblutung der Körperoberfläche.

Ist Ihrem Körper zu warm, dann STEIGERT er die Durchblutung. So wird mehr Wärme an die Körperoberfläche gebracht und kann dort abgestrahlt werden. Bezogen auf den Kreislauf nennen wir das einen HYPERdynamen oder auch einen Wärme-Dissipitations-Kreislauf. Dekompensiert das System, steigt die Körpertemperatur und Sie beginnen z.B. zu schwitzen.

Ist Ihrem Körper zu kalt, dann VERRINGERT er die Durchblutung. Folglich wird mehr Wärme im Körperkern gehalten. Bezogen auf den Kreislauf nennen wir das einen HYPOdynamen oder einen Wärme-Konservierungs-Kreislauf. Dekompensiert das System, dann schaltet Ihr Körper die Reservemechanismen zur Temperatursteigerung ein, wie z.B. das Kältezittern der Muskeln.

Zur wissenschaftlich-ganzheitlichen Bewertung des Herz-Kreislaufsystems setzen wir in der Cardiopraxis vor allen Dingen die unblutige Herz-Kreislaufmessung in Verbindung mit der Körpertemperaturmessung ein. So können wir auch den Einfluss von Übergewicht und Stoffwechsel auf den Kreislauf sehr differenziert erfassen.

Körperfett – wichtig für die Temperaturisolierung

Wenn wir uns Gedanken über die Bedeutung von Körperfett für das Herz-Kreislaufsystem machen, dann ist es naheliegend sich zu fragen: Welchen positiven Sinn hat Körperfett neben der Speicherung von Energie? Oder anders gesagt: Warum kann Fett für das Kreislaufsystem eigentlich sinnvoll sein?

In der Biologie ist Fett vor allen Dingen eine Isolationsschicht. Wir kennen es von Tieren, die in kalten Regionen leben oder sogar einen Winterschlaf halten. Bevor der Winter beginnt, fressen Sie sich Fett an. Damit beugen sie nicht nur dem Mangel an Futter in der kalten Jahreszeit vor, sondern schützen sich auch vor Kälte.

In der Natur gibt es nun eher Wärme-verlierende und Wärme-konservierende Lebewesen, wie z.B. die Maus oder im Gegensatz dazu den Elefanten. Bestimmt wird diese Einteilung durch das Verhältnis von Körpermasse, bzw. Gewicht zur Körperoberfläche: je größer die Körperoberfläche im Verhältnis zur Körpermasse, desto mehr Wärme wird pro Masse abgegeben und umso mehr muss ein Tier in Relation zu seinem Körpergewicht fressen, um den Wärmestoffwechsel aufrecht zu erhalten. In diesem Sinne ist die Maus mit 4,5 kg/m2 eher ein “Wärmeverlierer” und folglich der Elefant mit 190 kg/m2 eher ein “Wärmebewahrer”.

Übergewicht, Körpertemperatur - Ursache für Bluthochdruck

Körperfett – auch eine Isolationsschicht bei Menschen

Diese Mechanismen der Wärmekonservierung können wir auch beim Menschen beobachten. Bei ihm liegt das normale Massen-Oberflächenverhältnis zwischen 35-40 kg/m2 Körperoberfläche. Das entspricht einem Body-Mass-Index von 18,5-25 (kg/ (m x m Körperlänge)), welches auch ein indirektes, wenn auch ungenaueres Maß für das Massen-Oberflächenverhältnis des Menschen ist. Das Massen-Oberflächenverhältnis ist im Hinblick auf den individuellen Stoffwechsel beim Menschen sehr fein abgestimmt, so dass bereits relativ geringe Schwankungen sich im Kreislauf bemerkbar machen.

Körperfett – zu starke Temperaturisolierung steigert Blutdruck

Gerät das Gleichgewicht zwischen Körperisolierung und Wärmeproduktion durcheinander, z.B. durch zu viel Bauchfett bei gleichbleibender oder gesteigerter Stoffwechselleistung, dann wird dem Körper zu warm und er versucht dieses durch eine stärkere Wärmeabgabe auszugleichen. Und zwar zunächst durch eine Steigerung des Blutflusses, und in schwereren Fällen durch Schwitzen.

Bereits Schwitzen ist ein Ausdruck von thermischem Stress, welcher mit einer Adrenalin-vermittelten Stressreaktion verbunden ist. Dieses hat nicht nur Unruhe, sondern auch eine zusätzliche Steigerung von Herzfrequenz und Blutdruck, gerade im Sommer, zur Folge.

Ist der Blutdruck eine ganze Zeit lang zu hoch, dann tritt eine Sollwertverstellung im Regelkreis der Blutdruckregulation nach ober auf. Das bedeutet, dass der Körper sich an den hohen Blutdruck “gewöhnt” und versucht ihn fälschlicherweise auf einem höheren Niveau zu halten. Das wiederum kann die medikamentöse Blutdruckeinstellung erheblich erschweren, vor allen Dingen dann, wenn die ursprüngliche Ursache – das Übermaß an Körperfett – nicht reduziert wird.

Ist der Blutfluss bei Übergewichtigen normal, dann benötigen sie das Bauchfett für den Ausgleich einer zu geringen Stoffwechselleistung und damit einer zu geringen Wärmebildung.

Körperfett – Entzündung

Wir wissen sehr genau, dass im Körperfett verstärkt entzündliche Prozesse ablaufen. Diese werden nicht zuletzt durch die Ablagerung von toxischen Substanzen verursacht. Die lokale Entzündung im Fett setzt folglich Entzündungsmediatoren frei, die über die Blutbahn in den Körper gelangen können. Das geschieht vor allen Dingen dann, wenn das immunologisch wirksame Lymphsystem mit den Lymphknoten als Abwehrsystem überlastet ist. Die Entzündungsreaktion bei übergewichtigen Menschen können wir teilweise daran erkennen, dass Entzündungsmediatoren wie z.B. Interleukine und Entzündungsmarker wie das C-reaktive Protein (CRP) im Blut erhöht sind.

Vermehrte Entzündung im Körper bedeutet mehr Stoffwechselaktivität und damit auch mehr Wärmebildung. Überschüssige Wärme muss entsprechend der oben genannten Mechanismen abgegeben werden, so dass Ihr Körper in einem thermoregulatorischen Gleichgewicht bleibt. Die Verbindung aus vermehrter Wärmebildung durch Entzündung und weniger Wärmeabgabe durch übersteigerte thermische Isolierung sind mit hoher Wahrscheinlichkeit die entscheidenden Ursachen für thermischen Stress. Und damit auch für Bluthochdruck bei übergewichtigen Menschen.

Bauchfett – Hormonbildung von Östrogen

Im Körperfett werden verschiedene Hormone gebildet. Eine besondere Bedeutung für den Kreislauf hat hier die Bildung des hormonell aktiven Östrogens, des 17ß-Östradiols.

Während das im Blut gemessene 17ß-Östradiol bei der prämenopausalen Frau zu 95% in den Eierstöcken gebildet wird, wird es bei der post-menopausalen Frau zu ca. 100% außerhalb der Eierstöcke und beim Mann zu ca. 80% außerhalb der Hoden gebildet. Vorstufen des 17ß-Östradiols sind bei der post-menopausalen Frau und beim Mann dabei vor allen Dingen Testosteron und Androstendion.

Ein Hauptort bei der extragonadalen Bildung des 17ß-Östradiols, d.h. außerhalb der Eierstöcke bzw. der Hoden, ist das Bauchfett. Je mehr Bauchfett, desto mehr 17ß-Östradiol also.

Neben seinen bekannten Auswirkungen, z.B. auf das Fettverteilungsmuster (Hüfte, Brust), hat 17ß-Östradiol auch eine Wirkung auf das Herz-Kreislaufsystem. Wesentlich dabei sind die direkten Effekte auf die Blutgefäße und auf die Verstoffwechselung der aktivierenden Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin.

Östrogen – Wirkung auf Blutgefäße, Blutfluss und Blutdruck

Östrogen bewirkt zunächst einmal eine Weitstellung der Blutgefäße, was eine Senkung des Gefäßwiderstandes und damit eine Steigerung des Blutflusses nach sich zieht. Folglich sinkt der Blutdruck, während die Wärmeabgabe steigt. Frauen kennen diesen Effekt sehr gut. Vor der Menopause ist der Blutdruck gerade zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr sehr niedrig, was mit Herzrasen, Benommenheit und Ohnmachtsanfällen verbunden sein kann. Mit der Menopause treten häufig Schweißausbrüche auf, weil die Blutgefäße enger werden und Wärme so nicht mehr optimal abgeführt werden kann. Schwitzen stellt hier einen Reservemechanismus zur Temperaturabgabe dar. Ein Beleg dafür ist, dass mit der Gabe von Östrogenpräparaten diese Symptome wieder verschwinden.

Der Einfluss von zu viel Östrogen kann starke Blutdruckschwankungen zur Folge haben. Denn der Körper versucht immer wieder, einen latent niedrigen Blutdruck durch eine Adrenalin-vermittelte Aktivierung auszugleichen, um Ohnmachtsanfälle zu verhindern. Mit der Menopause ist der Mangel an Östrogen ein zusätzliches Risiko für einen erhöhten Blutdruck. Das liegt an einem gesteigerten Blutgefäßwiderstand und den unter anderem damit verbundenen thermischen Stress durch die höhere Körpertemperatur.

Östrogen – Wirkung auf aktivierende Neurotransmitter

Östrogen ist ein sehr starker epigenetischer Faktor bei der Modulation des vegetativen Nervensystems und damit auch bei der Steuerung von emotionalem Befinden und Kreislauffunktion. Epigenetisch bedeutet, dass Östrogen bestimmte Gene an- und ausschalten kann.

Östrogen hat so indirekt einen sehr stark hemmenden Effekt auf den Abbau der aktivierenden Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin, weil es die genetische Bildung der abbauenden Enzyme Catechol-O-Methyltransferase und Monoaminooxidase hemmt. Frauen vor der Menopause, die nicht die Pille nehmen, kennen das sehr gut aus der 1. Zyklushälfte vor dem Eisprung, wenn das Östrogen besonders hoch ist: Stimmung und Ausstrahlung sind in der Regel besser als in der 2. Zyklushälfte; Grund ist vor allen Dingen der verringerte Abbau des “Glückshormons” Dopamin.

Ein zu hohes Niveau an aktivierenden Neurotransmittern als Folge eines hohen absoluten bzw. relativen Östrogenspiegels kann vor allen Dingen zu Herzrasen und Blutdruckschwankungen führen. In der Cardiopraxis kennen wir das von Frauen vor der Menopause, von Frauen nach der Menopause mit übermäßiger Östrogensubstitution und von Männern mit nachlassenden Testosteronspiegeln ca. ab dem 40. Lebensjahr.

Gerade bei Männern verschiebt sich ab dem mittleren Lebensalter das Gleichgewicht von Testosteron zugunsten von Östrogen. Hinzu kommt, dass Testosteron genau den entgegengesetzten Effekt zu Östrogen hat, weil es die Bildung der abbauenden Enzyme COMT und MAO epigenetisch aktiviert. Und damit einen vermehrten Abbau von aktivierenden Neurotransmittern bewirkt.

Östrogen verstärkt über die Verringerung des Abbaus von aktivierenden Neurotransmittern auch die emotionale Schwingungsfähigkeit. Das kann wiederum mit Ängstlichkeit bis hin zu Panikattacken verbunden sein. Diese somato-psychischen Effekte verstärken dann die Symptome wie Herzrasen und Bluthochdruck.

Festzuhalten ist, dass wir diese Effekte im Alltag nicht nur von Frauen, sondern auch von Männern kennen; das Übergewicht ist hier ein wesentlicher Risikofaktor.

Gewichtsreduktion unterstützt die Normalisierung des Blutdrucks

Übergewichtige Menschen sollten sich spätestens ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30(kg/(m x m Körperlänge)) überlegen, ob Sie das Gewicht reduzieren wollen. Ab einem BMI von 30 kg/m2 sind sie sicher für das Auftreten von Herz-Krankheiten gefährdet.

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Menschen die Herz-Kreislaufeinstellung verbessert, z.B. durch Intervallfasten. Nicht nur der Blutdruck wird besser einstellbar, nicht selten verbunden mit weniger Medikamenten, sondern auch das Risiko für Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche und Frühsterblichkeit sinkt z.T. erheblich.

Gewichtsreduktion – auf Ihr Temperaturempfinden sollten Sie achten

Wir können diese positiven Wirkungen der Gewichtsreduktion im praktischen Alltag immer wieder nachvollziehen. Schon eine Gewichtsreduktion von 4-6 kg kann ein normales Gleichgewicht zwischen Wärmebildung und Wärmeabgabe wiederherstellen.

Allerdings sollten Sie bei der Gewichtsreduktion berücksichtigen, dass eine zu starke Reduktion der Wärmeisolierung in Relation zur Wärmebildung zu thermischem Kältestress führen kann. Das passiert durch Aktivierung der Ausgleichssysteme zur Wärmebildung. Diese sind ebenfalls wieder mit einer Adrenalin-vermittelten Aktivierung verbunden, was sich negativ auf das Herz-Kreislaufsystem auswirken kann.

Sie sollten bei der Gewichtsreduktion von einem vermehrten Wärmegefühl in die Temperaturindifferenz wechseln. Ihnen ist dann also weder leicht zu kalt noch zu warm. Wenn es Ihnen eher leicht zu kalt ist, dann müssen Sie bei der Gewichtsreduktion aufpassen. Spätestens bei vermehrtem Kältegefühl müssen Sie mit einer Aktivierung Ihres Stoffwechsels beginnen, am besten durch eine aktivere Alltagstätigkeit (z.B. zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Arbeit, mehr Stehen), regelmäßiges aerobes Training und Muskelaufbau.

Übrigens raten wir Menschen mit BMI Werten von über 30 kg/m2 in Verbindung mit einem vermehrten Wärmegefühl von exzessivem Sport gerade bei hohen Außentemperaturen ab. Denn dann kann der thermische Hitzestress zur gesundheitlichen Gefährdung führen. In diesem Fall halten wir es für sinnvoll, wenn Sie Gewicht erst einmal durch eine Normalisierung der Nahrungszufuhr, z.B. durch Intervallfasten, verringern.

 

Literatur

Mehr Zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Normale Körpertemperatur bei Menschen – ein wichtiger Messwert bei Herz-Kreislauferkrankungen – Video

Für eine vollständige Herz-Kreislaufdiagnostik ist es für uns wichtig , dass wir die normale Körpertemperatur des Menschen und die Ursachen für eine erhöhte Körpertemperatur kennen. Die Körpertemperatur des Menschen ist ein wichtiger Messparameter zur Erkennung von Krankheitszuständen. Sie ist aber auch ein Maß für die Stoffwechselaktivität Ihres Körpers.

In der Cardiopraxis nutzen wir die Bestimmung der Körpertemperatur, um festzustellen, wie Blutdruck, Blutfluss, Körpermasse und Stoffwechselaktivität unter Berücksichtigung des Hormonstatus im Einklang stehen. Folglich gibt uns die Körpertemperatur wertvolle Hinweise auf die gezielt individuelle und erfolgreiche Behandlung gerade des Bluthochdrucks. Somit ist die Messung der Körpertemperatur für uns zum unverzichtbaren Bestandteil der Diagnose und Behandlung des Bluthochdrucks geworden.

Der  Energieverbrauch bestimmt die Temperatur Ihres Körpers

Die Körpertemperatur ist ein Maß für den Energieverbrauch des Menschen. Aus großen wissenschaftlichen Studien wissen wir, dass die Körpertemperatur mit dem Langzeitüberleben korreliert. Grundsätzlich gilt: Je höher die Körpertemperatur, desto geringer die Lebenserwartung. Wohlgemerkt, dieses gilt für den Durchschnitt einer großen Bevölkerungsgruppe und muss im Einzelfall nicht so sein.

Der Energieverbrauch des Menschen setzt sich im Wesentlichen aus den folgenden Faktoren zusammen.

  • basale Stoffwechselrate
  • körperliche Aktivität
  • thermischer Effekt von Ernährung
  • körperliche Entzündungsaktivität

Basale Stoffwechselrate. Die basale Stoffwechselrate dient der Aufrechterhaltung der Körperfunktionen in körperlicher Ruhe, z.B. auch im Schlaf. Bei Menschen mit überwiegend sitzender Tätigkeit, wie es bei den meisten Menschen in den Industrieländern der Fall ist, macht die basale Stoffwechselrate folglich 60% des Energieverbrauchs aus. Damit hat die basale Stoffwechselrate folglich den wesentlichen Einfluss auf die Körpertemperatur.

Körperliche Aktivität. Wir unterscheiden hier bei Menschen mit überwiegend sitzender Tätigkeit die sportliche körperliche Aktivität von der nicht-sportlichen Aktivität. Die nicht-sportliche Aktivität, die wir auch Alltagsaktivität nennen können, kann dabei mit 300-2.300 kcal von Mensch zu Mensch erheblich variieren.

Thermischer Effekt von Nahrung. Die Nahrungsaufnahme einschließlich von deren Verarbeitung in Ihrem Körper ist ein energieverbrauchender Prozess, der ebenfalls zur Körpertemperatur beiträgt. So macht es z.B. einen Unterschied, ob Sie scharfe Stoffwechsel-aktivierende Speisen essen oder kühlende Speisen, wie z.B. Salate oder Buttermilch zu sich nehmen.

Körperliche Entzündungsaktivität. Entzündungen im Körper erhöhen Ihre Temperatur. Das können ganz offensichtliche Entzündungen, wie z.B. eine Erkältung, aber auch unterschwellige Prozesse sein. Ein wichtiger Faktor bei der unbemerkten entzündlichen Aktivität ist das Körperfett, welches hier ein eigenständiger Risikofaktor ist.

Die normale Körpertemperatur – bisheriger Standard

Der Normalbereich für die menschliche Körpertemperatur wird mit 36,2 – 37,5 0C angegeben. Dieser Standard geht noch auf die Messungen von Carl Reinhold Wunderlich aus dem Jahr 1851 zurück. Er führte seinerzeit in Leipzig bei 25.000 Menschen ein Vielfaches an axillären Temperaturmessungen mit Quecksilberthermometern durch. Dabei ermittelte er eine durchschnittliche Körpertemperatur von 37,0 Grad Celsius. Dieser Standard ist heute noch weltweit anerkannt. Zu Zeiten Wunderlichs mit Beginn der Industrialisierung betrug die Lebenserwartung 38 Jahre (Stand 1851).

Abnahme der Körpertemperatur in Industrienationen

Dass sich die Normalwerte über die Zeit mindestens in den westlichen Industrienationen nach unten verschoben haben, zeigt eine Untersuchung aus den USA. Hier wurden 4 Großstudien aus dem Zeitraum von 1862 bis 2017 sorgfältig ausgewählt und zusammengefasst. Die Erhebung beginnt also ungefähr in der Zeit, als Carl Reinhold Wunderlich seine Temperaturerhebungen in Deutschland machte.

Bei den zusammengefassten US-amerikanischen Studien wurden 378.629 Männer und Frauen mit insgesamt 677.423 Einzelmessungen untersucht, Die Messungen erfolgten entweder oral im Mund oder axillär, d.h.in der Achselhöhle. Über einen Zeitraum von 157 Jahren zeigte sich ein kontinuierlicher Abfall der Körpertemperatur bei Männern und bei Frauen.

  • Männer -0,59 0C (-0,030 0C pro 10 Jahre)
  • Frauen -0,32 0C (-0,029 0C pro 10 Jahre)

Auf der Grundlage dieser Untersuchungen beträgt also die normale mittlere Körpertemperatur 36,6 Grad Celsius.

Die Lebenserwartung in Deutschland und den USA ist mit 80,6 und 78,7 Jahren vergleichbar (Stand 2016) und hat sich somit auch in Deutschland seit den Zeiten Wunderlichs mehr als verdoppelt.

Die Ergebnisse zu den Temperaturmessungen aus den USA lassen sich aufgrund eines ähnlichen Zivilisationsgrades einschl. gesundheitlicher Versorgung auch auf die Verhältnisse in Westeuropa und damit auch auf Deutschland übertragen. Hierfür spricht auch, dass in Ländern, die nicht einen so hohen Industrialisierungsgrad aufweisen, wie z.B. Pakistan, aktuelle Messungen der Körpertemperatur ähnliche Werte aufweisen wie in den USA in der frühindustriellen Phase.

Für die verringerte durchschnittliche mittlere Körpertemperatur kommen vor allen Dingen folgende Einflussfaktoren in Frage:

Weniger entzündliche Erkrankungen verringern die Temperatur des Körpers

Der Hauptgrund für eine zivilisatorische Abnahme der Körpertemperatur ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Abnahme von chronischen körperlichen Entzündungszuständen.

Zahlreiche Entzündungen werden von Menschen nicht oder kaum bemerkt. Hierzu zählen z.B. die Parodontitis durch schwache Mundhygiene, die bakterielle Magenschleimhautentzündung (Helicobacter pylorii) durch unsaubere Nahrungsmittel oder auch durch toxische Industriestoffe. Gerade die Tuberkulose, die früher sehr häufig war, kann manchmal jahrelang unerkannt bleibt und so zu Temperaturerhöhungen unterhalb der Fiebergrenze beitragen.

Nicht zuletzt sind es neben der Nahrungsmittelhygiene und neben Entzündungshemmern wie etwa Aspirin und Ibuprofen die modernen Antibiotika, die Infekte dauerhaft und schnell beseitigen. Das wiederum trägt auch zu einer Verringerung der Körpertemperatur der Gesamtbevölkerung bei.

Thermischer Stress – ein unterschätzter Grund für eine gesteigerte Temperatur 

Jeder Mensch hat einen individuellen Temperatursollwert. Meistens liegt dieser heutzutage bei 36,5 0C und schwankt um ca. 0,3 0C nach oben und nach unten, ohne dass Sie sich unwohl fühlen.

Befinden Sie sich in extremen Temperaturbereichen, sei es sehr kalt oder sehr warm, dann hat das für Sie thermischen Stress zur Folge, weil der Körper eine stabile Körpertemperatur aufrechterhalten will.

Bei zu kalter Umgebung bildet der Köper aktiv überschießende Wärme (z.B. Kältezittern). Bei zu warmer Umgebung wird der Körper schon alleine durch die Außentemperatur passiv erwärmt. Der Aufwand zur Aufrechterhaltung einer stabilen Körpertemperatur beträgt bei schwankender Umgebungstemperatur immerhin 50-70% der täglichen Energieaufnahme.
Durch die modernen Mittel der Erwärmung und Kühlung von Räumen und durch angepasste Kleidung hat der thermische Stress für Menschen in Industrienationen abgenommen. Folglich sind wir im Alltag nicht mehr so starken Temperaturschwankungen ausgesetzt wie unsere Vorfahren. Dementsprechend wird Ihre Körpertemperatur überwiegend im Wohlfühlbereich des individuellen Sollwertes gehalten. Und zwar ohne dass starke Schwankungen auftreten, die einen Adrenalin-vermittelten Stress zur Folge haben.

Abnahme Körpertemperatur – verringerte körperliche Aktivität im Alltag

Ein besonders wichtiger Faktor bei der Verringerung der durchschnittlichen Körpertemperatur ist die Abnahme der Stoffwechselrate durch weniger körperliche Bewegung. In den Industrienationen ist hier der wesentliche Faktor die überwiegend sitzende beruflich Tätigkeit.

Hinzu kommt die hohe passive Mobilität mit modernen Verkehrsmitteln: Sie sind zwar schnell, aber bedeuten für den Menschen einen geringen Energieverbrauch. Kurzum, es macht einfach einen Unterschied, ob Sie morgens mit dem Fahrrad anstatt mit dem Auto zur Arbeit fahren. Oder ob Sie an einem Schreibtisch oder bei einem Umzugsunternehmen arbeiten.

Bewertung der Körpertemperatur in Verbindung mit Kreislaufparametern und Befinden

Nun, wie gehen wir mit diesen Erkenntnissen um? Sicherlich ist es noch zu früh zu sagen, dass wir einen neuen Standard haben. Dafür brauchen wir noch weitere Studien.

In der Cardiopraxis machen wir allerdings sehr wohl die Erfahrung, dass die “normale” Körpertemperatur bei Männern, gemessen mit dem Ohrthermometer zwischen 36,2 und 37,0 0C, also im Mittel bei 36,6 0C liegt. Das entspricht also ungefähr den Werten aus der oben genannten Studie und auch genau dem mittleren Wert aus einer anderen großen Untersuchung. Letztere wurde bei 35.488 Menschen mit 234.506 Einzelmessungen im Zeitraum 2009-2017 durchgeführt.

Bei Frauen mit einem normalen Ovarialzyklus müssen wir den Zeitpunkt des Zyklus und die damit verbundenen Schwankungen einkalkulieren. Folglich ist Ihre Basaltemperatur in der ersten Hälfte vor dem Eisprung niedriger, in der zweiten Hälfte höher.

Wir können die normale Körpertemperatur und damit den Sollwert durch die gleichzeitige Messung von Blutfluss und Blutdruck sowie Herzfrequenz recht gut abschätzen. Sind Blutdruck, Herzfrequenz sowie Blutfluss normal und haben Sie darüber hinaus kein vermehrtes Kälte- oder Wärmempfinden, dann liegt kein thermischer Stress vor. Ist der Blutfluss weder zu hoch noch zu niedrig, dann muss Ihr Körper kein Zuviel an Wärme abgeben. Ebenso muss er nicht ein Zuwenig an Wärme im Körper halten.
Liegt Ihre Körpertemperatur, gemessen mit dem Ohrthermometer unter 36,2 bzw. über 37,0 0C, dann werden wir besonders hellhörig und forschen nach den Ursachen.

Bewertung der Körpertemperatur im Alltag

Für Sie im Alltag bedeutet dieses zunächst einmal, dass bei der Bestimmung von krankhaftem Fieber alles beim Alten bleibt:

Standard

  • 37,5 – 38,0 0C unterschwelliges Fieber
  • >38,0 0C manifestes Fieber

Graubereich

  • 37,0 – 37,4 0C Graubereich

Für den Bereich zwischen 37,0 bis 37,4 0C schlagen wir einen sog. Graubereich vor. Voraussetzung ist, dass bei Frauen nicht die 2. Zyklushälfte eines normalen Ovarialzyklus oder eine Schwangerschaft vorliegt; in diesem Fall sind Temperaturwerte zwischen 37,0 – 37,4 0C und in Einzelfällen sogar darüber normal.

Kurzum, Sie sollten sich bei wiederholt gemessenen Werten im Graubereich fragen, was die Ursache sein kann. Die häufigsten korrigierbaren Ursachen sind nach unseren Erfahrungen in der Cardiopraxis:

In jedem Fall sollten Sie Ihre normale Körpertemperatur kennen. Dafür bestimmen Sie am besten mehrmals im Monat Ihre Basaltemperatur am Morgen direkt nach dem Aufstehen, am besten mit einem Ohrthermometer.

Weicht die mehrmals gemessene Temperatur von Ihren gewohnten Werten ab oder liegt sie im Graubereich, dann sollten Sie nachdenken. Besteht keine erkennbare Ursache, dann kann es sinnvoll sein gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt nach den Ursachen für die Erhöhung der Körpertemperatur zu forschen.

 

Literatur

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

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Einnahmezeitpunkt von Medikamenten zur Behandlung des Bluthochdrucks

Medikamente bei Bluthochdruck sollten Sie am Abend einnehmen.

Die meisten Menschen nehmen Herz-Kreislaufmedikamente am Morgen ein. Das geschieht meistens aus medizinischen Gründen. Natürlich ist es einfach auch bequemer und sicherer alle Tabletten auf einmal zu nehmen, denn gerade eine zusätzliche Abendmedikation wird doch gelegentlich vergessen.

Allerdings deuten wissenschaftliche Studien darauf hin, dass wir hier im Hinblick auf den Einnahmezeitpunkt gerade von blutdrucksenkenden Medikamenten umdenken müssen.

Die Kreislaufanpassung von der Nacht zum Tag – eine Herausforderung für Herz und Kreislauf

Die Kreislaufregulation dient der Aufrechterhaltung eines adäquaten Blutdruckes, so dass Ihr Gehirn zu jedem Zeitpunkt ausreichend durchblutet wird – vor allen Dingen auch gegen die Schwerkraft.

In der Nacht entspannen sich Ihre Arterien und Venen und auch der Kreislauf kommt insgesamt zur Ruhe. Daher ist sind Ihr Blutdruck und die Herzfrequenz in der Nacht niedriger als am Tag. Bei der sogenannten Langzeit-Blutdruckmessung bezeichnen wir das als typische Nachtabsenkung. Sie beträgt gegenüber dem Tageswert >10%.

Bedingt durch Ihre genetische Innere Uhr beginnt sich der Kreislauf bereits noch im Schlaf und damit vor dem Erwachen auf die Aktivität in aufrechter Körperposition vorzubereiten. Das können wir sozusagen als „Vorglühen” oder noch besser “Vorspannen” bezeichnen. Das hat den Sinn, dass der spätere Wechsel vom Liegen zum Stehen eine nicht allzu große Belastung für den Kreislauf wird.

Findet dann beim Schritt aus dem Bett der Wechsel von der Horizontallage (Nachtschlaf) zur vertikalen Lage (Stehen, Sitzen) statt, fällt der Blutdruck kurzzeitig plötzlich ab. Der Blutdruckabfall ist in der Regel so ausgeprägt, dass eine Ohnmacht droht. Allerdings merken wir das nicht, weil unser Körper innerhalb von wenigen 100 Millisekunden gegenreguliert. Diese Adrenalin-vermittelte Gegenregulation können wir über den Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz messen.

Gleichzeitig stellt diese Ausgleichsreaktion gerade bei überschießendem Blutdruckanstieg am Morgen eine besonders hohe Kreislaufbelastung dar. Folglich erklären diese Adrenalin-vermittelten Mechanismen auch, warum morgens nach dem Aufstehen, am häufigsten zwischen 9:00 Uhr und 12:00 Uhr Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkte, plötzlicher Herztod und Schlaganfälle auftreten.

Blutdruckmedikamente am Morgen

Die genannten Mechanismen der Kreislaufanpassung sind der Hauptgrund dafür, dass wir bisher die Blutdruckmedikamente am Morgen zuführen. Allerdings nehmen wir die Medikamente typischerweise am Morgen NACH dem Aufstehen ein, meistens erst zum Frühstück. Das heißt, NACHDEM bereits eine erhebliche Adrenalin-vermittelte Aktivierung stattgefunden hat. – Dann kann es schon zu spät sein, denn die Adrenalin-vermittelte Aktivierung ist bereits im vollen Gange.

Was ist Chronopharmakotherapie?

Chronopharmakotherapie bedeutet eine Anpassung der Einnahme von Medikamenten an die Innere Uhr, also an die zirkadianen Rhythmen von Stoffwechselprozessen.

Ein typisches und gut bekanntes Beispiel ist hier die abendliche Einnahme von Statinen zur LDL-Cholesterinsenkung. Das ist sinnvoll, weil die Leber das LDL-Cholesterin, einer der Hauptrisikofaktoren für die Arteriosklerose, in der Nacht bildet. Folglich wird mit der abendlichen im Vergleich zur morgendlichen Einnahme von Statinen der gleiche therapeutische Effekt mit einer geringeren Dosis erzielt. Das hilft  dann auch die Nebenwirkungen von Statinen zu vermeiden.

Renin-Angiotensin-Aldosteron-System – wichtig für die Blutdrucksteuerung

Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System ist wichtig für die hormonelle Steuerung Ihres Blutdrucks. Renin wird in der Niere gebildet und bewirkt dann in Ihrem Körper über verschiedene Schritte die Bildung von  Angiotensin II. Angiotensin II bewirkt eine Engstellung der Blutgefäße und damit einen Anstieg des Blutdrucks. Darüber hinaus verursacht Renin so auch indirekt, dass in den Nebennieren Aldosteron freigesetzt wird, was Flüssigkeit im Körper hält und so ebenfalls zur Aufrechterhaltung des Blutdrucks beiträgt.

Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System ist einer der Hauptangriffspunkte, um einen erhöhten Blutdruck medikamentös zu senken. Hierfür setzen wir verschiedene Medikamente ein:

  • ACE-Hemmer, z.B. Ramipril
  • AT-Blocker, z.B. Valsartan, Olmesartan, Telmisartan
  • Reninblocker, z.B. Aliskiren
  • Aldosteron-Anatagonisten, z.B. Spironolacton, Epleneron

Das Besondere am Renin-Angiotensin-Aldosteron System ist, dass Renin in der Niere bereits in der Nacht vermehrt gebildet wird. Folglich steigen auch die abhängigen kreislaufaktiven Hormone, wie z.B. Aldosteron vor dem Erwachen an. Es ist das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, das die so wichtige Vorspannung des Blutgefäßsystems im Sinne des „Vorglühens” VOR dem Aufstehen bewirkt. Wie beschrieben, würde das nicht passieren, dann hätten Sie beim Aufstehen erhebliche Kreislaufprobleme mit Benommenheit bis hin zur Ohnmacht.

Als Folge der genetischen Steuerung durch die Innere Uhr bleibt diese zirkardiane Rhythmik übrigens auch dann bestehen, wenn Sie über mehrere Tage im Bett liegen bleiben.

Hygia Chronotherapy Trial – Blutdrucksenker-Einnahme am Morgen vs. zur Nacht

Die Studie Hygia Chronotherapy Trial hatte sich zum Ziel gesetzt zu untersuchen: Hat eine Einnahme aller Blutdruckmedikamente zur Naht einen Vorteil gegenüber der morgendlichen Einnahme unmittelbar beim Aufstehen? Hierfür wurden 19.094 Patienten mit Bluthochdruck einbezogen, die mehr als ein Blutdruckmedikament einnahmen. Das Alter betrug 60,5 +/-13,7 Jahre.

Die Studienteilnehmer waren angewiesen die Medikamente auf ihrem Nachttisch zu platzieren. So nahmen 50% der Menschen die Medikation am Morgen unmittelbar mit dem Aufstehen ein;  50% nahmen die Blutdrucksenker am Abend unmittelbar vor dem Schlaf ein. Das Nachbeobachtungsintervall betrug im Median 6,3 Jahre.

Hygia Chronotherapy Trial – Eingriff in das Renin-Angiotensinsystem der häufigste medikamentöse Therapieansatz

Die Studienteilnehmer erhielten Blutdrucksenker mit einem Angriffspunkt im Renin-Angiotensin-System zu 78,4% am Morgen bzw. 76,5% am Abend. Ca.  2 von 3 Menschen in beiden Gruppen nahmen einen AT-Blocker, die übrigen einen ACE-Hemmer.

Einen sog. Kalziumantagonisten, einschließlich Verapamil, erhielten 22,0 beziehungsweise 17,5% der Patienten. Einen Betablocker nahmen lediglich 22,0 bzw. 17,5% der Menschen mit Bluthochdruck ein. Eine harntreibende Medikation mit einem Diuretikum wurde wesentlich häufiger, d.h. in 46,5 bzw. 39,5% der Fälle, gegeben.

Blutdruckmedikamente am Abend – bessere Bluteinstellung am Tag und in der Nacht

Die Einnahme von Blutdrucksenkern zur Nacht ergab im Hygia Chronotherapy Trial eine statistisch bedeutsame verbesserte Blutdruckeinstellung in der 48h-Stunden-Blutdruckmessung. Dieser Effekt war in der Nacht am deutlichsten. Wichtig ist hier hervorzuheben, dass die Werte am Tag sich nicht verschlechterten.

In der 48h-Langzeitblutdruckmessung wiesen in der Ausgangsuntersuchung 49,0 in der Morgen- und 49,3% in der Abendgruppe eine fehlende Nachtabsenkung des Blutdrucks gegenüber den Tageswerten von <10% auf. Während dieser Anteil in der Gruppe mit morgendlicher Behandlung auf 50,3% leicht anstieg, fiel er bei den Menschen mit abendlicher Einnahme deutlich auf 37,5% ab.

Das bedeutet, dass bei Menschen mit fehlender Nachtabsenkung durch die Zufuhr der Medikation zur Nacht bei 23,9%  Blutdruckprofil normalisiert werden konnte. Das lässt auch den Schluss zu, dass in Anbetracht eines Konditionierungseffektes durch niedrige Blutdruckwerte in der Nacht wahrscheinlich auch die Dosis der Blutdrucksenker insgesamt reduziert werden kann.

Blutdruckmedikamente zur Nacht – weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle und geringere Sterblichkeit

Während frühere wissenschaftlichen Untersuchungen bereits eine verbesserte Blutdruckeinstellung durch die abendliche Gabe von Medikamenten gezeigt hatten, beinhaltete der Hygia Chronotherapy Trial erstmalig auch eine aussagekräftige sog. klinische Endpunktanalyse.

Der Hygia Chronotherapy Trial demonstrierte hier eine eindrucksvolle Risikoreduktion für kardiovaskuläre Ereignisse durch die abendliche Blutdruckmedikation. Die Gesamtsterblichkeit war gegenüber der Gruppe, die ihre Medikamente nur am Morgen eingenommen hatte, um eindrucksvolle 45% und die kardiovaskuläre Sterblichkeit um 66% verringert. Dabei traten auch deutlich weniger Herzinfarkte, Episoden der Herzschwäche, Schlaganfälle und Hirnblutungen auf.

Welche Blutdruckmedikamente wann einnehmen?

ACE-Hemmer, Angiotensin-Blocker, Reninblocker. Insbesondere diese Medikamente sollten Sie eher zur Nacht einnehmen. So wird das Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems in der Nacht ganz im Sinne Ihrer Inneren Uhr gezielt blockiert. Folglich muss man erwarten, dass dieser Umstand gerade die morgendliche Blutdruckeinstellung verbessert. Möglicherweise kann man auch die Dosis verringern, sodass sich auch Nebenwirkungen vermeiden lassen.

Betablocker. Bei Betablockern, z.B. Metoprolol und Bisoprolol, sollten aus unserer Sicht eine sorgfältige Abwägung erfolgen. Auf der einen Seite ist es so, dass Beta-Blocker die Blockierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems unterstützen. Auch wird ihr häufig beruhigender Effekt  gerade am Abend von vielen Menschen geschätzt. Auf der anderen Seite können Beta-Blocker einen kritischen Abfall der Herzfrequenz in der Nacht verursachen. Die  Einnahme am Abend birgt auch das Risiko der Schlafstörungen in sich. Betablocker können die Melatoninfreisetzung beeinträchtigen und somit auch das Schlafverhalten.

Diuretika. Als bekannte Beispiele sind hier zu nennen Torasemid und Hygroton. Auch diese sollten Sie eher am Morgen bzw. am Nachmittag einnehmen. Gerade die Einnahme am Abend kann durch nächtliches Wasserlassen ebenfalls den Schlaf stören. Bei den Aldosteron-Antagonisten bietet sich unter chronopharmakologischen Gesichtspunkten eine möglichst späte Einnahme an. Allerdings sollte der Schlaf dadurch nicht gestört sein.

Alpha-Blocker. Alphablocker, z.B. Doxazosin und Tamsulosin, können Sie versuchsweise am Abend einnehmen. Bestimmte Alpha-Blocker haben eine beruhigende Wirkung und können dadurch das Schlafverhalten auch verbessern.

Kalziumantagonisten zur Blutgefäßweitstellung. Hier zu nennen sind Amlodipin und Lercanidipin. Diese empfehlen wir eher am Morgen, da die Einnahme am Abend durch eine zu starke Gefäßerweiterung das Risiko der Schlafstörungen in sich birgt. Eine zu starke Gefäßerweiterung kann eine adrenalinvermittelte Aktivierung in der Nacht bewirken.

Praktisches Vorgehen bei der Einnahme von Blutdruckmedikamenten

Sie müssen nicht sofort Ihre gesamte Medikation ändern. Bei guter Blutdruckeinstellung sollten Sie die Medikation so belassen.

Für die Einnahme zur Nacht, vor allen Dingen von ACE-Hemmern, AT-Blockern bzw. Reninblockern kommen aus unserer Sicht mehrere Gruppen in Frage, die folgende Merkmale aufweisen.

Ersteinstellung mit Blutdruckmedikamenten. Das ist dann besonders sinnvoll und praktisch, wenn abends bereits ein weiteres Medikament, z.B. ein Statin eingenommen werden soll.

Schlechte Blutdruckeinstellung. Menschen mit schlechter Blutdruckeinstellung vor allen Dingen auch am Morgen bzw. solche mit therapieresistentem Bluthochdruck.

Fehlende Nachtabsenkung. Erhöhter bzw. auch normaler Blutdruck am Tag mit einer Nachtabsenkung des Blutdrucks in der 24h-Blutdruckmessung um <10% in der Nacht.

Schlafapnoe-Syndrom. Die nächtlichen Abfälle der Sauerstoffsättigung beim Schlafapnoe-Syndrom haben eine Adrenalin-vermittelte Aktivierung und damit verbunden auch eine Steigerung der Reninfreisetzung zur Folge.

Die Änderung des Einnahmezeitpunktes von Blutdrucksenkern am Abend muss sorgfältig abgewogen werden. Eine Änderung des Einnahmezeitpunktes sollten Sie immer mit Ihrer Ärztin beziehungsweise Ihrem Arzt absprechen.

 

 

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Herz und Kreislauf in der Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft ist eine Höchstleistung für den mütterlichen Kreislauf. Nicht nur muss die Mutter, sondern auch das werdende Kind mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden. Dafür muss sich der Kreislauf entsprechend anpassen.

Hinzu kommt, dass das Kind im Mutterleib warmgehalten werden muss. Das erfordert eine zusätzliche Stoffwechselleistung der Mutter.

Schwangerschaft – Veränderungen der Blutmenge und der Blutzusammensetzung

Das zirkulierende Blutvolumen steigt durch eine hormonelle Aktivierung (Renin-Angiotensin-Aldosteron-System) an. Natrium und Wasser werden stärker zurückgehalten, sodass das Plasmavolumen um 30-40%, das heißt um 1-1,5 l, ansteigt. Das ist im Vergleich zur Zunahme der Blutkörperchen deutlich mehr, welche um 0,5 l steigen.

Folglich ist das Blut dünner und fließt auch schneller. Eine relative Blutarmut (Anämie) tritt ein und der Hämoglobinwert liegt zwischen 11 und 12 g/dl, was in der Schwangerschaft vollkommen normal ist. Das gesamte Blutvolumen steigt somit zwischen der 12. und 32.-36. Schwangerschaftswoche auf ein Maximum von zusätzlichen 1,5-2 l an.

Schwangerschaft – Herz und Kreislauf mit mehr Leistung

Das Herzminutenvolumen, also die Menge Blut, die das Herz pro Minute durch den Blutkreislauf pumpt, nimmt ab der 6. Schwangerschaftswoche um 25 bis sogar 50% zu. Mehrere Faktoren beeinflussen dies. Zum einen steigt die Herzfrequenz um 10-30 Schläge/min an. Weiterhin nimmt auch das Schlagvolumen, also die Menge Blut, die das Herz pro Herzschlag pumpt, um 10-35% bis auf maximal 170 ml zu. Das hat natürlich eine Größenzunahme des Herzens zur Folge, welche allerdings ebenfalls eine normale Anpassung darstellt.

Ab der 7. Schwangerschaftswoche sinkt der Blutdruck um ca. 15 mmHg, steigt aber ab der 34. Schwangerschaftswoche wieder auf den Ausgangswert an.

Beinödeme in der Schwangerschaft

Knöchelödeme treten in 80% der Schwangerschaften im letzten Trimenon, d.h in den letzten 3 Monaten vor der Geburt, auf. Ein erhöhter Filtrationsdruck in das Gewebe und die bereits angesprochene Wasserretention sind ursächlich. Darüber hinaus wächst die Gebärmutter, was die Beckenvenen abdrückt und einen erhöhten Venendruck zur Folge hat.

Neben Krampfadern treten dann Beinödeme als Flüssigkeitsansammlung im Gewebe auf. Unter anderem kann es auch zu Hämorrhoiden kommen.

Herzrasen und Benommenheit in der Schwangerschaft – Vena-cava-Kompressionssyndrom

Die Gebärmutter vergrößert sich in der Schwangerschaft und kann die untere Hohlvene, das ist die zum Herzen führende Hauptvene, abdrücken. Dadurch fließt weniger venöses Blut zurück zum Herz, es droht sich quasi leer zu pumpen.

Zum Ausgleich steigt die Herzfrequenz im Liegen deutlich an. Das Vena-cava-Kompressionssyndrom kommt meistens nur in Rückenlage beziehungsweise in Rechtsseitenlage vor. Die Symptome sind Übelkeit, Benommenheit, Herzrasen und drohende Ohnmacht. Es tritt eine sofortige Besserung bei Drehung nach links auf.

Wehen und Entbindung – eine Kreislaufbelastung

Der Geburtsvorgang ist eine zusätzliche Belastung des mütterlichen Herzens, da die Herzfrequenz und das Herzzeitvolumen deutlich zunehmen. Darüber hinaus kommt es zu einer Umverteilung von Blutvolumen aus der Gebärmutter beziehungsweise der Plazenta in den mütterlichen Kreislauf. Zur Folge hat das eine zusätzliche akute Belastung von 500 ml.

Kreislaufanpassung in der Schwangerschaft – ein normaler Vorgang

Die Kreislaufanpassung in der Schwangerschaft ist meistens harmlos. Allerdings können bestehende bisher unerkannte Erkrankungen durch eine Schwangerschaft erstmals bemerkt werden.

Mehr zu: Dr. Natalie Fleissner

 

 

 

 

 

 


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Bier auf dem Oktoberfest – Risikofaktor für Herzrhythmusstörungen

Seit 1810 findet in München das Oktoberfest statt. Ursprünglich als Feierlichkeit anlässlich der Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese gedacht, hat sich das Oktoberfest zu einem weltbekannten Volksfest mit über 5 Millionen Besuchern aus über 60 Ländern des nicht-bayrischen Auslands entwickelt.

Im Jahr 2015 haben 5,9 Millionen Besucher durchschnittlich 1,31 Maß Bier pro Besucher (1 Maß Bier = 1,069 l) getrunken. Wir untertreiben also sicherlich nicht, wenn wir behaupten, dass die allermeisten Besucher dieses beliebten Volksfestes kommen, um in der Gesellschaft Gleichgesinnter Bier zu trinken.

Bier enthält Alkohol. Alkohol kann Rhythmusstörungen auslösen. Diese Zusammenhänge hat eine Arbeitsgruppe, die Munich Beer Related Electrocardiogram Workup Study (MunichBREW) wissenschaftlich (und nüchtern) untersucht.

Alkoholtest und AliveCor Smartphone EKG auf dem Oktoberfest

Für die MunichBREW Studie wurden im Jahr 2015 auf dem Oktoberfestgelände 3.028 Besucher erfasst. Neben einem Standard-Alkohol-Atemtest leiteten die Untersucher jeweils ein 30-sekündiges 1-Kanal EKG mit dem KardiaMobile von AliveCor ab. Dieses Smartphone-basierte System zur Dokumentation eines EKGs ist wissenschaftlich getestet und wird von uns in der Cardiopraxis auch bei der Betreuung von Menschen mit Herzrhythmusstörungen häufig genutzt.

Das Durchschnittsalter betrug 34,7 +/- 13,3  Jahre, 29,9% waren Frauen. Der mittlere Alkoholgehalt betrug 0,85 +/- 0,54 Promille, bei Männern höher als bei Frauen.

Schneller Herzschlag und Herzrhythmusstörungen durch Bier

Bei 30,5% der Menschen wurde in der MunichBREW-Studie eine Herzrhythmusstörung nachgewiesen, wobei bei 25,9% aller Untersuchten eine Sinustachykardie vorlag. Sinustachykardie bedeutet eine regelmäßige Herzschlagfolge mit über 100 bpm, die als Ausdruck eines erhöhten Risikos für komplexere Herzrhythmusstörungen gewertet werden kann. Immerhin 5,4% des recht jungen Gesamtkollektives hatten komplexere Herzrhythmusstörungen, wie z.B. Extrasystolen der Vor- bzw.- Hauptkammern und 0,8% hatten sogar Vorhofflimmern, was ja ein Risikofaktor für einen Schlaganfall ist.

Hier ein authentisches “Oktoberfest-EKG” aus München (siehe Datum und Uhrzeit): vorbekanntes intermittierendes Vorhofflimmern; Samstag 28.9.19: Besuch des Oktoberfestes; gegen 21:00h 0,5 Maß Augustiner-Bräu, keine Nahrungsaufnahme; 2:02h in Nacht nächtlich symptomatisches Vorhofflimmern (geistriert mit KardiaMobile von AliveCore).

Bier für Bier – Risiko für Herzrhythmusstörungen steigt bei Frauen stärker als bei Männern

Nicht ganz unerwartet stieg mit der Alkoholkonzentration im Blut auch der Anteil an Menschen, die irgendeine Form von Herzrhythmusstörung aufwiesen. Frauen waren dabei deutlich häufiger betroffen als Männer. Ab 1,2 Promille konnten die Untersucher bei knapp 50% der Frauen und bei knapp 40% der Männer eine Herzrhythmusstörung mit dem 1-Kanal EKG nachweisen.

Alkohol und Histamin im Bier – Risikofaktor für Herzrhythmusstörungen

Wir können davon ausgehen, dass auf dem Oktoberfest zur Steigerung des Alkoholgehaltes im Blut fast ausschließlich Bier zum Einsatz kommt. Folglich müssen wir für die Entstehung von Herzrhythmusstörungen also neben dem Alkoholgehalt und dem Verlust an Elektrolyten auch den Gehalt an Histamin im Bier berücksichtigen.

Beim Bier hat der Histaminstoffwechsel eine besondere Bedeutung, da Bier Histamin enthält und durch den Alkoholgehalt der Abbau von Histamin über das Enzym Diaminooxidase gleichzeitig blockiert wird. Histamin selber kann über H2 Rezeptoren am Herzen einen schnellen Herzschlag und Herzrhythmusstörungen auslösen.

Alkohol. Grundsätzlich gilt, dass Alkohol schon alleine, egal in welcher Zubereitung ein Risikofaktor für Rhythmusstörungen des Herzens ist. Die Mechanismen sind hier nicht ganz klar. Das traditionelle Oktoberfestbier, das Märzenbier, welches die Münchner Brauereien im März brauen, zeichnet sich durch einen relativ hohen Alkoholgehalt von bis zu 6,4% aus.

Trinken wir Alkohol, dann kennen die meisten von uns den Befund des schnellen Herzschlages. Ihre Herzfrequenz liegt dabei 10-20 ppm über Ihrer gewohnten Grundfrequenz in Ruhe. Unabhängig von den Mechanismen, die zum schnelleren Herzschlag führen, zeigt dieses an, dass Alkohol eine Adrenalin-vermittelte Aktivierung des Herzens zur Folge hat. Adrenalin begünstigt immer Herzrhythmusstörungen, insbesondere dann, wenn im Vorfeld Rhythmusstörungen bzw. eine Herz-Kreislauferkrankung bekannt sind.

Elektrolytverlust. Wer Bier trinkt geht häufig zum Wasserlassen. Über den Urin kann Ihr Körper wichtige Elektrolyte, wie Kalium Magnesium und Natrium verlieren. Geschieht dieses im Übermaß, dann wird auch das elektrische Gleichgewicht im Herzen gestört und Herzrhythmusstörungen sind die Folge.

Histamin. Das Oktoberfestbier, also das untergärige Märzenbier enthält wie viele Nahrungsmittel Histamin, was schon alleine das Risiko für Herzrhythmusstörungen steigert. Übrigens, wer Probleme mit Herzrhythmusstörungen bzw. mit Histaminerkrankungen hat, der sollte das obergärige Weizenbier meiden, denn es hat sogar den ca. 6-fachen Histamingehalt im Vergleich zu untergärigen Bieren.

Clever auf das Oktoberfest

Sollten Sie bisher gesund sein und das Oktoberfest besuchen, dann wünschen wir Ihnen viel Spaß in guter Gesellschaft.

Zur Vorsicht raten wir allerdings Menschen mit vorbekannten Herz-Kreislauferkrankungen, insbesondere mit einer Vorgeschichte für Herzrhythmusstörungen, wie z.B. Extrasystolen und Vorhofflimmern. Darüber hinaus haben Menschen mit Histaminerkrankungen, vor allen Dingen mit einer vorgenannten Histaminintoleranz und einem Mastzellaktivitätssyndrom ein erhöhtes Symptomrisiko.

Herzrhythmusstörungen. Eine Maß zu viel kann bei vorgenannten Herzrhythmusstörungen der Auslöser für anhaltendes Vorhofflimmern sein. Sie sollten sich auf eine Maß beschränken und vor dem Gang zur Theresienwiese 1-2 Elektrolyttabletten einnehmen, welche Kalium, Magnesium und Natrium enthalten. Hat Alkohol in der Vergangenheit bei Ihnen wiederholt Herzrhythmusstörungen verursacht, dann sollten Sie ganz auf Alkohol verzichten.

Histaminerkrankungen. In Abhängigkeit von den Symptomen eines Histaminüberschusses in der Vergangenheit, sollten Sie evtl. auf Bier ganz verzichten. Das gilt vor allen Dingen dann, wenn z.B. nach Bier bei Ihnen schon mal Luftnot und ein instabiler Kreislauf vorgekommen sind. Waren die Symptome allerdings bisher nicht besonders stark ausgeprägt, z.B. traten nur Müdigkeit, lediglich leichter Juckreiz bzw. leichter Durchfall am Folgetag auf, dann können Sie Histamin-Symptomen vorbeugen.

So können Sie den Abbau von Histamin durch die Einnahme von Diaminooxidase-Kapseln (DaosinⓇ) ca. 30-60 Minuten vor dem ersten Bier unterstützen. Weiterhin kann Ihnen auch die Einnahme von 500-1.000 mg Vitamin C pro Tag an den Tagen vor dem Wies’n Besuch helfen, da Vitamin C die Histaminfreisetzung aus Mastzellen verringert.

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


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Blutdruck im Stehen – wichtig bei Bluthochdruck

Wenn wir den Blutdruck messen, sei es in der Arztpraxis oder zu Hause, dann tun wir das im Sitzen. Hierfür müssen wir die Regeln für die Blutdruckmessung beachten, das gilt vor allen Dingen für eine ausreichende Ruhezeit vor der Messung.

Neben der statischen Messung im Sitzen können auch dynamisch erhobene Werte, z.B. beim Wechsel vom Liegen zum Stehen wertvolle Informationen liefern.

Kreislauf im Stehen – ein große Herausforderung

Das ruhige Stehen ist für Ihren Kreislauf eine besondere Herausforderung, denn Blut muss wichtige Körperregionen gegen die Schwerkraft erreichen. Das venöse Blut muss ca. 4/7 Ihrer Körperlänge von der Großzehe bis zum Herzen und arterielles Blut muss 3/7 der Körperlänge gegen die Schwerkraft Ihr Gehirn erreichen. Dabei ist die Blutversorgung des Gehirns ist überaus wichtig, denn wird das Gehirn für nur ca. 10 Sekunden nicht durchblutet, dann werden Sie bewusstlos!

Folglich muss Ihr Kreislauf in jeder Körperlage gut reguliert werden. Dafür verfügt der Körper über Messstationen in Venen, Herz und Arterien, die Druck und Dehnung messen. Besonders wichtig sind diese am im Bereich des Übergangs von den Venen zur Vorkammer und in den Halsarterien, die zum Gehirn führen. Über die Messsensoren in den hinrversorgenden Arterien wird z.B. der wichtige Baro-Reflex gesteuert. Das vegetative Nervensystem leitet “Messergebnisse” zur Verarbeitung an den Hirnstamm weiter, so dass von hier aus Anpassung des Kreislaufs erfolgen kann. Das dauert nur wenige 100 ms.

Sowohl auf der Ebene der Sensoren als auch bei der Verarbeitung der Informationssignale im Hirnstamm können Störungen auftreten, die z.T. durch die Blutdruckmessung im Liegen und im Stehen erfasst werden.

Blutdruck im Liegen und im Stehen messen

Der Test geht ganz einfach

  • Rückenlage für 60-120 Sekunden
  • Blutdruck und Herzfrequenz messen
  • dokumentieren
  • aufstehen und 60-120 Sekunden stehen
  • messen
  • dokumentieren

Wichtig ist, dass Sie die Messung im Stehen erst dann durchführen, wenn Sie mindestens 1 Minute gestanden haben. Innerhalb der ersten 60 Sekunden nach dem Aufstehen kommt es zu einem deutlichen Blutdruckabfall, den Sie mit der Blutdruckmanschette nicht sicher erfassen können, der aber das Ergebnis verfälschen kann.

Unterschiedliche Blutdruckwerte im Liegen und im Stehen

Wenn Sie sich hinstellen, dann muss Ihr Kreislauf das Gefälle gegen die Schwerkraft ausgleichen. Blutdruck und Herzfrequenz werden gehalten bzw. steigen leicht überschießend an. Es ist normal, wenn die Kreislaufregulation hier etwas übersteuert. Das entspricht einer Absicherung, so dass eine Minderdurchblutung Ihres Gehirns und damit eine Ohnmacht verhindert wird.

Normalbefund. Die Blutdruckwerte im Liegen und im Stehen sollte jeweils in den bekannten Normbereichen von <140 mmHg systolisch und <90 mmHg diastolisch liegen. Es ist normal, wenn der Blutdruck vom Liegen zum Stehen gleichbleibt bzw. um 15 mmHg systolisch bzw. um 10 mmHg diastolisch ansteigt. Auch Ihre Herzfrequenz kann um bis zu 10 bpm ansteigen.

Blutdruck im Liegen höher als im Stehen

Hier gibt es 2 Möglichkeiten im Liegen pathologisch zu hoch oder im Stehen pathologisch zu niedrig.

Blutdruck im Liegen pathologisch hoch, im Stehen normal. Sind Ihre Blutdruckwerte im Liegen pathologisch erhöht, d.h. >139 mmHg systolisch oder >89 mmHg diastolisch und im Stehen normal, dann ist das nicht normal. Die Ursache ist unklar.

Wir erleben es in der Cardiopraxis allerdings häufiger, dass dieses Phänomen bei einer Behandlung mit einem Beta-Blocker bzw. dann vorkommt, wenn die untere Hohlvene als Hinweis auf zu viel Flüssigkeit im Gefäßsystem deutlich erweitert ist. Wir nehmen an, dass hier die vermehrte Wandspannung in den Herzvorkammern einen Schutzreflex mit Anspannung der Widerstandsgefäße in der Lungenstrombahn bzw. im Systemkreislauf verursacht. Folglich können nachgeschaltete Strukturen vor einer Überdehnung zu schützen werden. Wir kennen diesen Mechanismus von der Mitralklappenstenose und von der hochgradigen Linksherzinsuffizienz.

Der Beta-Blocker steigert hier die Wandspannung indirekt über eine Verringerung der Sogkraft des Herzens. Eine Anpassung der Medikation mit einer Gabe einer harntreibenden Substanz bzw. die Verringerung der Beta-Blockerdosis führen hier meistens zu einer Normalisierung des Befundes.

Blutdruck im Liegen normal, im Stehen pathologisch niedrig. Fällt der Blutdruck im Stehen von Normalwerten jeweils um mehr als 20 mmHg ab, dann ist das nicht normal. In den allermeisten Fällen ist dieses mit einem Anstieg der Herzfrequenz um >10 bpm verbunden und Folge eines Flüssigkeitsmangels, z.B. bei zu hoher harntreibender Medikation oder zu geringer Trinkmenge. In seltenen Fällen ist dieser Befund Ausdruck einer Linksherzschwäche oder eines schweren Herzklappenfehlers.

Blutdruck im Stehen höher als im Liegen – orthostatische Hypertonie

Steigt der Blutdruck systolisch um >15 mmHg systolisch bzw. >10 mmHg diastolisch vom Liegen zum Stehen an, dann ist das pathologisch. Ist der Blutdruck im Liegen normal und die Werte steigen erst im Stehen in den pathologischen Bereich an, dann sprechen wir von einer orthostatischen Hypertonie.

Der Grund für dieses Verhalten liegt in einer Fehlregulation des Kreislaufs. Meistens ist ein hoher Sollwert das Problem, wie es z.B. bei langer Dauer eines Bluthochdrucks vorkommt. Wenn Wir nun z.B. mit Medikamenten den Blutdruck senken, dann wir der zunächst normale Blutdruck als zu niedrig wahrgenommen und Ihr Körper versucht den Blutdruck im Stehen wieder auf den falsch-hohen Sollwert anzuheben. Hier müssen dann Medikamente, die diese Adrenalin-vermittelte Reaktion durchbrechen können, wie z.B. Moxonidin oder auch Reserpin zum Einsatz kommen.

Eine orthostatische Hypertonie ist durch den schnellen Wechsel von normalen zu deutlich erhöhten Blutdruckwerten eine besondere Gefährdung für Ihr Gehirn und häufig auch mit Benommenheit und Kopfschmerzen verbunden.

Wertvolle Blutdruckmessungen zu Hause gemessen

In der Cardiopraxis führen wir mit dem Finapres®-System hierfür z.B. den sog. Orthostase-Test im Liegen und im Stehen durch, bei dem wir nicht nur Blutdruck und Herzfrequenz, sondern gleichzeitig auch den Blutfluss für jeden einzelnen Herzschlag in Rückenlage und im Stehen messen. Folglich erhalten wir wertvolle Hinweise zur individuellen Therapieeinstellung.

Wie Sie gesehen haben, können Sie einen Teil dieses Tests auch zu Hause durchführen. Da sind wertvolle Informationen, die dann die Messungen in der Praxis ergänzen. Wir freuen uns immer, wenn Sie solche Messwerte mitbringen, weil wir so die Behandlung optimal individuell ausgerichtet können.

 

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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