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Histaminintoleranz, Mastzellaktivitätssyndrom, Excercise Induced Anaphylaxis – schwer zu unterscheiden – Fallbericht

Bei den Histamin-vermittelten Erkrankung ist gerade die Abgrenzung zwischen einem Mastzellaktivitätssyndrom und einer Histaminintoleranz schwierig, da einfache und sichere diagnostische Labortests nicht zur Verfügung stehen.

Hier hilft meistens nur eine genaue Analyse der Begleitumstände weiter. Zu diesen zählen die Art der zugeführten Nahrung, der Ablauf der Symptomentwicklung und die Betrachtung weiterer Auslöser, wie z.B. Temperatur und körperliche Aktivität. Meistens wird erst nach Jahren, d.h. nach zahlreichen Episoden ein Muster erkannt, was dann eine diagnostische Zuordnung erlaubt.

Vorgeschichte – Allergie und Nahrungsmittelunverträglichkeit bekannt

Aus der medizinischen Vorgeschichte eines 53-jährigen Mannes ist eine saisonale Allergie (Rhinitis, Konjunktivitis) in der Jugend bekannt. Später zeigte sich dann ein eindeutiger allergischer Zusammenhang nur noch mit der Exposition von Latex, z.B. Latexhandschuhe beim Zahnarzt (Jucken der Mundschleimhaut, Asthma-ähnliche Symptome).

Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit wurde erstmalig um das 30. Lebensjahr bemerkt. Die Nahrungsmittelunverträglichkeit war bis dahin noch nicht gut charakterisiert. Das bedeutet vor allen Dingen, dass die auslösenden Nahrungsmittel nicht bekannt waren.

Urlaub bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit 

Gemeinsam mit seiner Frau verbrachte der Mann in einem Januar einen Urlaub im Norden der Dominkanischen Republik nahe der Stelle, wo Kolumbus das erste Mal in Amerika an Land ging. Das Wetter war gut, die Außentemperaturen erreichten am Tag 29 0C und die Luftfeuchtigkeit lag um 95%.

An einem warmen Abend besuchte das Ehepaar unweit des Hotels in ca. 400 m Entfernung ein Restaurant mit einem schönen Ausblick auf das Meer. Der Mann entschied sich für Shrimps mit Cocktailsauce (Ketchup, Meerrettich, Worchester Sauce, Limonensaft, Chili), trinkt 2 trockene Martinis und 2 Gläser Weißwein. Nach angeregten (und guten) Gesprächen verließ das Paar ca. 30 Minuten nach dem letzten Schluck Wein das Lokal in die Dunkelheit.

 

Histamin Symptome durch körperliche Bewegung 

Beim Verlassen des Lokals war noch alles in Ordnung.

Allerdings bemerkte der Mann schon nach ca. 100 m Gehen einen Juckreiz im Ohr. Ein überwältigender Juckreiz war sehr schnell am ganzen Körper zu verspüren. Am deutlichsten waren die Handinnenflächen und die Fußsohlen sowie der Genitalbereich betroffen. Der Ablauf war mit einem sehr starken Unruhegefühl (einschl. Wutausbruch) verbunden. Je weiter der Mann ging, desto schlimmer wurden es.

Nach insgesamt ca. 400 m Gehstrecke erreichte das Ehepaar das Hotel. Die Ehefrau des Mannes war in großer Sorge, weil jetzt bei Licht betrachtet bei ihrem Ehemann auch noch eine entstellende Schwellung des Gesichts sichtbar wurde. Glücklicherweise war seine Luftnot nicht sehr ausgeprägt. Der Schlundbereich war nur leicht geschwollen und die Schluckstörungen gering, so dass Tabletten geschluckt werden konnten.

In der Annahme, dass es sich um Histamin-vermittelte Symptome handelt, gab die Ehefrau ihrem Mann 1 Tablette Lorantadin (H1-Rezeptorblocker). Aufgrund des Hitzegefühls ging Mann unter die Dusche.

Die Unruhe hielt tief bis in die Nacht an und die Ehefrau dachte immer wieder daran ein Krankenhaus aufzusuchen, was aufgrund der abgelegenen Lage des Hotels in einem sehr kleinen Ort logistisch schwierig war.

Am Folgetag waren Unruhe und Juckreiz verschwunden, die Gesichtsschwellung hielt deutlich sichtbar für insgesamt 3 Tage an.

Juckreiz durch Nahrungsmittel – Histaminintoleranz? 

Betrachten wir den Fall nun etwas genauer, dann müssen wir zunächst die Nahrungsmittel analysieren.

Die Cocktailsauce zu den Shrimps enthielt mit Sicherheit Ketchup bzw. Tomatenmark. Beide haben einen mindestens mittel-hohen Gehalt an Histamin und sind darüber hinaus auch sog. Histamin-Liberatoren, d.h. sie begünstigen die Freisetzung von Histamin aus Mastzellen. Meerrettich gilt als unkompliziert, Worchestersauce hingegen hat einen hohen Histamingehalt.

Shrimps frisch gegessen sind meistens kein Problem. Allerdings kann eine Unterbrechung der Kühlkette den Histamingehalt durch Histamin-produzierende Bakterien hier kritisch steigern, und dass gerade bei warmer Umgebungstemperatur.

Und obendrauf ist Alkohol ein sehr starker Diaminooxidasehemmer, d.h. durch Alkohol wird der Abbau von Histamin kritisch gestört.

Aufgrund der Nahrungsmittel muss von einer Histaminintoleranz mit verminderter Diaminooxidaseaktivität, einer genetisch bedingten Abbaustörung von Histamin, ausgegangen werden. Die Kombination von gesteigerte Histaminzufuhr, vermehrter Freisetzung aus Mastzellen (Histaminlibertoren) und einer zusätzlichen Hemmung der Diaminooxidase durch Alkohol ist allein schon ein Grund für die geschilderte Symptomatik.

Das Besondere an diesem Fall ist allerdings, dass die Symptome erst mit einsetzender körperlicher Aktivität, in diesem Fall in Verbindung mit hohen Außentemperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit einsetzten.

Juckreiz durch Gehen – Excercise Induced Anaphylaxis?

Die Verbindung von körperlicher Aktivität und Symptomen des Histaminüberschusses ist als Exercise Induced Anaphylaxis (EIAn) oder Syndrom der Anaphylaxie durch körperliche Aktivität in der wissenschaftlichen Literatur bekannt.

Bei der Excercise Induced Anaphylaxis werden verschiedene Co-Faktoren genannt in der Literatur genannt. Laut diesen Angaben sind Nahrungsmittel in ca. 30% der Fälle ein Begleitumstand. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um solche, die eine Wirkung auf den Histaminstoffwechsel haben.

In ca. 28% der Fälle werden als Belgleitumstand sog. nicht-steroidale Entzündungshemmer genannt. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass Aspirin, Indometazin, Diclofenac als Histamin-freisetzende, sog. Histaminliberatoren gelten, im Gegensatz übrigens zu Ibuprofen.

Ein durch Immunglobulin E vermittelter Mechanismus, d.h. eine allergische Reaktion mit einer vermehrten Durchlässigkeit der Darmwände für Histamin wird diskutiert. Insgesamt gelten die Mechanismen der Excercise Induced Anaphylaxis allerdings als unklar.

Die Exercise Induced Anaphylaxis gilt zwar als selten, ist wahrscheinlich, aber doch häufiger als gedacht.  Die Bedeutung der Nahrung wird unserer Meinung nach im Zusammenhang mit der Exercise Induced Anaphylaxis allerdings unterschätzt.

Bei der Ursachensuche fragen Ärztinnen und Ärzte meistens nur nach zeitlich unmittelbaren Zusammenhängen. So zum Beispiel “Was haben Sie an diesem Tag bzw. unmittelbar vor den Symptomen gegessen?”. Zusammenhänge mit der Ernährung an den Vortagen werden fast nie erfragt. Allerdings haben Nahrungsmittel auch noch Tage nach der Einnahme Einfluss auf den Histaminstoffwechsel. So kann sich eine zunehmend labilere Situation aufbauen, die dann durch körperliche Aktivität kippt und Symptomen zur Folge hat.

Darüber hinaus ist die Abhängigkeit von Histaminsymptomen von körperlicher Aktivität kaum bekannt. Viele Menschen sind nach dem Essen körperlich in irgendeiner Form aktiv, nur der Zusammenhang zwischen Nahrungsaufnahme, körperlicher Aktivität und Symptomen wird nicht gesehen.

Juckreiz durch Ernährung und erhöhte Körpertemperatur – Mastzellaktivitätssyndrom?!! 

Mastzellen werden durch Wärme aktiviert und setzen dann vermehrt Histamin frei. In diesem Fall haben 4 Faktoren zur Steigerung der Körpertemperatur beigetragen.

Hohe Außentemperatur. Eine hohe Außentemperatur verringert den Gradienten, d.h. den Unterschied zwischen Körpertemperatur und Umgebung. So kann der Körper weniger Wärme durch Abstrahlung abgeben.

Hohe Luftfeuchtigkeit. Die hohe Luftfeuchtigkeit verhindert die Verdunstung von Schweiß auf der Haut. Die Wärmeabgabe durch Schwitzen war somit deutlich gestört.

Körperliche Aktivität. Körperliche Aktivität erhöht durch die Steigerung von Stoffwechselprozessen die Körpertemperatur.

Steigerung Körpertemperatur durch Symptome. Hinzu kommt im Sinne eines selbstverstärkenden Prozesses, dass die körperliche Stressreaktion, welche durch den Juckreiz verursacht wird, ebenfalls zur Steigerung der Körpertemperatur beiträgt.

Folglich trat die Steigerung der Körpertemperatur durch eine Kombination von vermehrter Wärmebildung und kritisch verringerten Möglichkeiten der Wärmeabgabe auf.

Im Übrigen hat berichtete der Betroffene, dass solche Ereignisse auch bei niedrigeren Außentemperaturen 6-12 Mal im Jahr auftreten. Bei niedrigeren Außentemperaturen sind die Symptome allerdings nicht so stark ausgeprägt, was für die Relevanz der Steigerung der Körpertemperatur durch körperliche Aktivität spricht.

Das Mastzellaktivitätssyndrom ist gekennzeichnet durch eine Instabilität von Mastzellen, d.h. bereits bei leichter Reizung setzen die Zellen Histamin frei. Zu diesen Auslösern gehören auch physikaliche Reize wie Druck und eben auch extreme Temperaturen, sei es Kälte oder Hitze. Auch der Sprung ins kalte Wasser an einem heißen Sommertag kann ein Trigger sein.

Aktivitäts-induzierte Anaphylaxie als Symptom des Mastzellaktivitätssyndroms

Grundlage für die die verstärkte Wirkung von Histamin war in diesem Fall ein Nahrungs-vermittelter Überschuss von Histamin im Gewebe. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat eine latente Instabilität von Mastzellen im Sinne eines Mastzellaktivitätssydroms in Verbindung mit einer Steigerung der Körpertemperatur eine zusätzliche Freisetzung von Histamin und damit eine Symptom-begünstigende bzw. verstärkende Wirkung gehabt.

Eine zirkulatorische Bedeutung bei der Exercise Induced Anaphylaxis, d.h. eine Verteilung, z.B. von Histamin aus dem Darm in den Körper durch einen gesteigerten Kreislauf darf nicht außer Acht gelassen werde.

In diesem Kontext verstehen wir die Aktivitäts-induzierte Anaphylaxie als Teil des Mastzellaktivitätssyndroms.

Histaminintoleranz, Mastzellaktivitätssyndrom – Symptomen vorbeugen 

Sollten Sie an einer symptomatischen Histaminerkrankung, vor allen Dingen an einer Histaminintoleranz und/oder ein Mastzellaktivitätssyndrom leiden, dann ist für Sie ratsam gerade bei nicht selbst-zubereitetem Essen bzw. zweifelhafter Lagerung von Lebensmitteln vorsichtig zu sein. Sie können und sollten allerdings nicht jedes Essen außer Haus ausschlagen, nur weil Sie Symptome fürchten.

Achten Sie vor allen Dingen auf die Kombination von Lebensmitteln. So können Sie z.B. sicherlich Shrimps essen, vielleicht sogar mit Cocktailsauce; auf den Alkohol sollten Sie bei einer solchen Mahlzeit allerdings verzichten. Gerade bei einem Essen außer Haus macht es Sinn ca. 30 Minuten vor der Mahlzeit einen Diaminooxidasehemmer in Kapselform, z.B. Daosin (frei verkäuflich) einzunehmen.

Histaminintoleranz, Mastzellaktivitätssyndrom – Symptomen einfach behandeln 

Sollten Sie die Zeichen einer bewegungs- bzw. Körpertemperatur-abhängigen Symptomatik, und damit Hinweise auf ein Mastzellaktivitätssyndrom bestehen, dann ist es ratsam bei Symptombeginn einen kühlen Raum, z.B. mit Klimaanlage aufzusuchen und sobald als möglich die körperliche Aktivität einzustellen. Also, nach dem Essen lieber ruhen, als 1.000 Schritte tun.

Auch eine kühlende Dusche mit handwarmem Wasser kann die Aktivität der Mastzellen und damit auch die Ausschüttung von Histamin verringern. Wichtig ist dabei, dass Sie sich nicht b abtrocknen und das Wasser verdunsten lassen, denn das kühlt am besten. Eine eiskalte Dusche oder gar ein Sprung ins kalte Wasser sollten Sie allerdings auf keinen Fall unternehmen, da auch starke Kälte bzw. ein plötzlicher Wechsel von warm nach kalt die Mastzellen ebenfalls aktivieren kann.

 

 

 

 

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

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Winterblues – eine Einführung

Der Wechsel der Jahreszeiten hat eine Veränderung der Lichtverhältnisse zur Folge. Je stärker wir vom Äquator entfernt sind, desto ausgeprägter sind die Veränderungen zwischen Juni und Dezember. Im Winter bedeutet das mehr Dunkelheit und im Sommer mehr Helligkeit. Deutschland liegt auf dem 50. Breitengrad. Das bedeutet, dass die maximale Dunkelheit am 21. Dezember 16 Stunden und die minimale Dunkelheit am 21. Juni 8,5 Stunden beträgt.

Diese sehr lange Dunkelheit im Winter ist Stress für den Körper. Es besteht neben der hohen absoluten Dauer der Dunkelheit im Winter auch ein hoher Anpassungsdruck für Ihre innere Uhr und damit alle Ihre biologischen Rhythmen. Das beeinflusst Ihre Stimmung sowie Ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit.

Was ist der Winterblues?

Der Winterblues ist eine saisonale depressive Verstimmung. Das Alltagsleben ist im Gegensatz zur Depression allerdings nicht beeinträchtigt. In Deutschland leiden ca. 15-20% der Menschen an Winterblues. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Verändern kann man das durch einen anderen Lebensstil.

Symptome des Winterblues

Die Symptome beginnen meistens im Spätherbst und verschwinden typischerweise auch unbehandelt im Frühling. Sie drücken sich durch Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, weniger Energie und insgesamt durch Antriebsarmut aus. Betroffene Menschen leiden unter Denkstörungen.

Typisch ist auch eine gesteigerte Nahrungsaufnahme, vor allem von Kohlenhydraten, was meistens zur Gewichtszunahme führt. Sie schlafen in der Regel 1,5 Stunden länger als im Sommer und Ihnen fällt es schwer morgens aufzustehen. Häufig ist auch der Sexualtrieb verringert und Sie reagieren auf den Dunkelstress mit sozialem Rückzug.

Typischerweise verbessern sich die Symptome innerhalb von Tagen, sobald Sie sich dem Sonnenlicht aussetzen, zum Beispiel im Skiurlaub.

Lebensstilmodifikation bei Winterblues

Der Winterblues lässt sich durch Änderungen des Lebensstils günstig beeinflussen. Eine gezielte Lichttherapie, zum Beispiel mit Tageslichtlampen, führt in den meisten Fällen zu einer deutlichen Verbesserung.

Auch eine Steuerung der Schlafdauer, zum Beispiel indem Sie zu langes Schlafen vermeiden, kann helfen. Kaltes Wasser, zum Beispiel das kalte Duschen oder Schwimmen in kalten Gewässern, bewirkt weniger Niedergeschlagenheit. Wichtig ist auch, dass Sie sich im Winter sportlich betätigen.

Der Lichtmangel sorgt ebenfalls dafür, dass sich weniger Vitamin D in Ihrem Körper bildet. Vitamin D ist über die vermehrte Einfuhr von Kalzium in den Körper aber besonders wichtig: Kalzium ist ein entscheidender Co-Faktor für die Bildung der Vitalitätshormone Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin und Thyroxin.

Vorgehen beim Winterblues

Sie sollten dem Winterblues frühzeitig durch eine Lebensstilmodifikation vorbeugen. Das Programm sollte im September oder Oktober beginnen.

Falls die Funktionstüchtigkeit im Alltag sehr stark eingeschränkt ist, dann kann es sich um eine Winterdepression handeln. Dann sollten Sie eine Fachärztin beziehungsweise einen Facharzt konsultieren.

Weitere praktische Hinweise zum Winterblues finden Sie im Media-Rezept “Winterblues”.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

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Verdacht auf Histaminintoleranz – Fallbericht 

Histaminerkrankungen, d.h. Allergien, die Histaminintoleranz oder auch das Mastzellaktivitätssyndrom können vermittelt durch Histamin zu zahlreichen verschiedenen Symptomen führen. Die Abgrenzung zwischen der Histaminintoleranz und der Manifestation eins Mastzellaktivitätssyndroms ist nicht immer einfach, da Laborbefunde nur begrenzt die Diagnose sichern können. Die genaue Schilderung der Symptome ist daher häufig richtungsweisend. 

Vorgeschichte – Allergie und Nahrungsmittelunverträglichkeit 

Bei einem 57-jährigen Mann ist seit der Kindheit eine saisonale Allergie (Gräser, Birkenpollen) mit Rhinitis und Konjunktivitis bekannt. Diese ist seit dem ca. 20. Lebensjahr deutlich rückläufig und aktuell fast nicht mehr vorhanden.  

Mit der beruflichen Tätigkeit (Arzt) trat dann ca. 10 Jahre nach der Erstexposition eine Latexallergie (Latexhandschuhe) auf. Diese manifestierte sich mit Juckreiz an Händen und Augen sowie mit einem leichten Asthma. Das Problem konnte mit latexfreien Handschuhen beherrscht werden.  

Zwischen dem 30. und 35. Lebensjahr tritt erstmals eine Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln auf. Neben starkem Juckreiz traten auch Ereignisse mit schwerer Luftnot auf. Anfänglich traten diese Episoden 2-4 Mal pro Jahr auf, stiegen aber in der Häufigkeit bis auf aktuell 6-12 Episoden pro Jahr.  

Akute und anhaltende Reaktion auf Histamin – Brühwürstchen, Sauerkraut und Senf

Der Betroffene aß zum Mittagessen eine Mahlzeit bestehend aus Brühwürstchen, Sauerkraut und Kartoffelpüree. 

 Die akuten Symptome entwickelten sich 10 Minuten nach Ende der Mahlzeit und der Mann nahm dann auf Anraten seiner Frau 2 orale Antihistaminika ein, den H1-Blocker Lorantadin (10mg) und den H2-Blockers Ranitidin (300 mg). Die Symptomentwicklung hatte eine klare Abfolge, indem sie eindeutig zuerst im Rachenraum bemerkt wurde. Die Schwellung der Augen sowie die sprunghafte Gewichtszunahme um 1 kg hielten bis zum Tag 3 an. 

Erste Symptome im oberen Verdauungstrakt – V.a. Histaminintoleranz 

Das erste und das am stärksten ausgeprägte Symptom war eine Schwellung im Rachenraum. Dadurch entwickelten sich eine kloßige Sprache und Schluckstörungen, so dass der Betroffene in der Akutphase folglich sogar Medikamente nur schwerlich schlucken konnten. Ein weicher “Stuhlgang” trat an Tag 2 auf. 

Unverträglichkeit von Histamin – Müdigkeit ein häufiges Symptom 

Die Müdigkeit, die z.T. auch auf die Einnahme von Antihistaminika zurückgeführt werden kann, hielt bis zum Abend an. Der Betroffene kennt allerdings auch Müdigkeit als Histaminsymptom ohne den Einsatz von H1-Blockern.  

Die Schwellung um die Augen trat früh auf.  Die Augenschwellung ging am Tag 2 langsam zurück, hielt aber gut sichtbar bis zum Tag 3 an. Ein weiteres Zeichen für den Austritt von Flüssigkeit in das Körpergewebe war ein sprunghafter Anstieg des Körpergewichts, welcher am Tag 3 noch nachweisbar war. 

Histamin – Herzrhythmusstörungen im EKG mit Apple Watch 4 und AliveCor Kardia 6L nachweisbar 

Mit verschiedenen EKG-Systemen (Apple Watch 4, Kardia 6L von AliveCore) konnten wir 10-15 Minuten nach Beendigung der Mahlzeit atriale (gelber Punkt) und ventrikuläre Extrasystolen (roter Punkt) registrieren. Die ventrikulären Extrasystolen waren nach ca. 1 Stunde deutlich rückläufig bzw. nicht mehr nachweisbar. Folglich kam es nur noch zu atrialen Extraaktionen, die allerdings nicht mehr in der anfänglichen Häufigkeit auftraten. Schließlich müssen wir hier berücksichtigen, dass der anfänglich eingenommene H2-Blocker eine in diesem Fall positive Wirkung auf das Herz haben kann. 

Interessanterweise lag die Herzfrequenz in der Nacht (gemessen mit Apple-Watch 4 + SleepWatch App) bis zum Morgen, d.h. 16h Stunden nach der Symptom-auslösenden Mahlzeit mit 77 bpm mehr als 10 bpm höher als in den 7 Tagen davor (durchschnittlich 15,1 bpm kleiner 77 bpm). Dadurch war eine weiterhin gesteigerte elektrische Aktivierung des Herzens mit dem erhöhten Risiko von Herzrhythmusstörungen gegeben. 

 Für weitere Informationen zum EKG: siehe Blog 1-Kanal EKG mit Smartphone 

Histamin – Angina pectoris eindeutig dem Herz zuzuordnen 

Am Tag 2, ca. 20 Stunden nach der Mahlzeit trat ein Brustengegefühl, eine sog. Angina pectoris, in Ruhe auf. Die Herzfrequenz betrug 92 bpm. Das 12-Kanal Ruhe-EKG in der Arztpraxis ergab keine ST-Streckenveränderungen, die Echokardiografie war mit normalen regionalen Kontraktionen ebenfalls unauffällig. Somit lagen keine Zeichen einer ausgeprägten Durchblutungsstörung des Herzmuskels vor. 

Der Nitro-Spray Test war typisch positiv. Nach ca. 5 Minuten löste sich der Brustdruck mit einem deutlich befreienden Gefühl in der Brust begleitet von leichten Kopfschmerzen (häufig). Allerdings ist Nitrospray typischerweise nur kurz wirksam und nach ca. 30 Minuten trat die Angina pectoris wieder auf. 

Nun wurde in der Praxis 1 Ampulle Cimetidin (200 mg) intravenös injiziert. Wieder kam es zu einer typischen Lösung der Beschwerden nach ca. 5 Minuten. 

Die Wirksamkeit vor allen Dingen von Nitrospray spricht für einen Gefäßkrampf der großen Herzkranzgefäße (koronarer Vasospasmus). 

Nebenbefund – Wirkung von Cimetidin auf Histaminrezeptoren im Harntrakt

Am Tag 2 erfolgte die Gabe des Antihistaminikus Cimetidien intravenös. In der Folge war der Harnstrahl bei dem 57-jährigen Mann subjektiv deutlich stärker. Hierfür ist das Wechselspiel zwischen H1- und H2-Rezeptoren wahrscheinlich ursächlich.

Das klingt zunächst paradox, da wir erst einmal denken, dass Antihistaminka zur Abschwächung des Harnstrahls bis hin zum Harnverhalt führen. Das gilt allerdings nur für H1-Antihistaminika, wie z.B. Lorantadin. Histamin vermittelt über H1-Rezeptoren eine stärkere Harnblasenkontraktion. Es gibt allerdings auch H2-Rezeptoren im Harntrakt, die die Blasenkntraktion schwächen, die Wirkung der H1-Rezeptoren sozusagen ausgleichen.

Wenn jetzt, wie in diesem Fall Histamin an den H1-Rezeptoren verstärkt wirkt und die an sich  abschwächende Wirkung von H2-Rezeptoren durch das H2-Antihistaminkum Cimetidin blockiert werden, dann kann der Harnstrahl kräftiger sein.

Hochgradiger Verdacht auf Histaminintoleranz durch unzureichende Funktion der Diaminooxidase 

Ursächlich für die Histaminsymptome war in diesem Fall am wahrscheinlichsten ein direkter toxischer Effekt durch Histamin, da die ersten und schwersten Symptome am Hauptkonzentrationsort der Nahrung, im Mund-Rachenbereich vor Verarbeitung in Magen oder Darm auftraten. Folglich handelt es sich um eine Überladung mit Histamin in einem Missverhältnis zu den enzymatischen Prozessen, die Histamin im Körper abbauen, eine sog. Histaminintoleranz.

Die Histaminintoleranz wird in den meisten Fällen durch eine genetisch bedingte Störung des abbauenden Enzyms Diaminooxidase verursacht. Neben der genetischen Grunddisposition tragen häufig Nahrungsmittel, sog. Diaminooxidase-Hemmer, wie z.B. Alkohol (nicht in diesem Fall) zu einer Verschlimmerung der Beschwerden bei.   

Aus ernährungstechnischer Sicht kommt als Hauptauslöser für die Symptome so auf jeden Fall das Sauerkraut mit seinem sehr hohen Histamingehalt in Frage. Senf als Histaminliberator dürfte zu mindestens in der Frühphase nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben. 

Erstaunlich an diesem Fall ist, dass die Nachwirkungen (Wassereinlagerung, Herzfrequenzerhöhung in der Nacht, Angina pectoris am Folgetag) so lange anhielten. Dabei ist der langsame Rückgang der Schwellungen um die Augen herum vielleicht noch dadurch erklärbar, dass eine Ödemrückbildung aus dem Gewebe länger dauern kann.

Die Tatsache aber, dass Angina pectoris erst am Folgetag auftrat, lässt sich eigentlich nur durch eine längere Verweildauer von Histamin im Körper und/oder eine nachhaltige Abbaustörung durch Hemmung des Enzyms Diaminooxidase und/oder eine längere Freisetzung des Histamins durch den Histaminliberator Senf erklären. 

 

 

 

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Zahlreiche Faktoren beeinflussen Überschuss an Histamin

Die Symptome einer Histaminfreisetzung werden durch folgende Faktoren beeinflusst

  • Zahl der Mastzellen
  • Aktivierbarkeit der Mastzellen
  • Vorhandensein eines Auslösers
  • Potenzial von Histamin, sich selbstverstärkend über Mastzellen freizusetzen
  • Status des Hormonhaushaltes
  • Funktionstüchtigkeit der Abbauwege von Histamin

Aufgrund der Vielzahl von Einflussgrößen, die die Konzentration von Histamin im Gewebe bestimmen, liegt bei den Symptomen von Histamin keine einfache Dosis-Wirkungs-Beziehung vor. Wir können also z.B. nicht sagen: je mehr Auslöser, desto mehr Histamin im Gewebe und desto mehr Symptome.

Schon alleine die Nahrung mit dem Gehalt an Histamin, Histamin-freisetzenden Stoffen (Histaminliberatoren) und den Faktoren, die den Abbau blockieren (Diaminooxidasehemmer) kann bewirken, dass die Symptome sehr variabel ausgeprägt sind. Das erklärt auch, warum derselbe Mensch an einem Tag z.B. Tomatenmark gut verträgt und an einem anderen Tag schwere Symptome des Histaminüberschusses hat.

Das Spektrum reicht von Symptomlosigkeit über leichte Symptome wie Müdigkeit bis hin zum Kreislaufschock, dem anaphylaktischen bzw. anaphylaktoiden Schock. Nachfolgend finden Sie einige Symptome.

Histamin – allgemeine Symptome

  • Müdigkeit
  • Erschöpfungszustände und allgemeines Krankheitsgefühl
  • Wärmeintoleranz

Gerade Müdigkeit oder häufige Erschöpfung sind Symptome, die zunächst nicht an eine Histaminerkrankung denken lassen. Das gilt vor allen Dingen nicht, wenn keine weiteren Symptome wie Juckreiz oder Hautschwellung vorliegen.

Die Müdigkeit kommt fast anfallsartig ca. 20 Minuten nach einer Mahlzeit. Sie haben das Gefühl der bleiernen Schwere und das unbedingte Bedürfnis zu schlafen. Das lässt sich von der üblichen Müdigkeit nach einer Mahlzeit manchmal nicht sicher abgrenzen. Kommen dann aber später Blähungen bzw. ein weicher Stuhlgang am Folgetag hinzu, dann können Sie davon ausgehen, dass die Müdigkeit durch einen Überschuss an Histamin vermittelt war. Im Gegensatz zu einem normalen Power-Nap wachen Sie von einer Histamin-verursachten Müdigkeit nicht erholt auf. Manchmal kann es den ganzen Tag dauern, bis Sie sich wieder langsam erholen.

Ein hochinteressantes Symptom ist die Wärmeintoleranz, die wahrscheinlich beim Mastzellaktivitätssyndrom eine entscheidende Rolle spielt. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen ist bekannt, dass Mastzellen mit Zunahme der Temperatur aktiver werden und mehr Histamin freisetzen. Beim Menschen kann ein Anstieg der Körpertemperatur indirekt durch die klimatische Außentemperatur oder direkt durch körperliche Aktivität verursacht werden.

Wir erleben immer wieder Menschen, die in Verbindung mit einer histaminlastigen Mahlzeit während sie essen und noch am Tisch sitzen keine Symptome haben. Diese treten erst dann zu Tage, wenn sie sich körperlich bewegen, z.B. eine mittlere Strecke zu Fuß gehen. Die Hauptursache ist hochwahrscheinlich, dass Mastzellen mit steigender Körperwärme zunehmend aktiviert werden und somit vermehrt selber Histamin freisetzen. Hinzu kommt, dass Histamin vom Ort der Aufnahme bzw. der Freisetzung, dem Darm, durch einen gesteigerten Kreislauf schneller an andere Orte im Körper gebracht wird.

Histamin – Symptome an der Haut

  • blasse bzw. auch rote Haut (je nach Aktivierungszustand des vegetativen Nervensystems)
  • Ausschläge
  • Neigung zu Blutergüssen
  • Hautschwellung bis hin zur Quaddelbildung (sog. Nesseln)
  • Juckreiz (Ohren, Augen, ganzer Körper)
  • Missempfindungen (Brennen)

Besonders der Juckreiz und die Hautschwellung lenken die Aufmerksamkeit auf die Diagnose einer Histaminerkrankung. Interessanterweise hängen beide Symptome in ihrer Lokalisation vor allen Dingen in der Anfangsphase von der Struktur des Unterhautgewebes ab.

Der Juckreiz tritt häufig dort zuerst auf, wo die Oberflächenhaut relativ fest mit darunter liegenden Strukturen, z.B. Knorpel oder Sehnen, verbunden ist. Viele Menschen berichten daher, dass sie den Juckreiz zuerst im äußeren Gehörgang oder auch an Hand- und/oder Fußsohlen merken. Das liegt unter anderem auch daran, dass eine durch Histamin verursachte Flüssigkeitsansammlung hier wenig Platz hat, um sich auszubreiten.

Ganz anders ist es bei der Hautschwellung. Diese sehen Sie vor allem dort als erstes, wo das Unterhautgewebe besonders locker ist, im Gesicht und vor allen Dingen unter den Augen. Hier bleibt die sichtbare Schwellung dann bis zu 48 Stunden bestehen.

Histamin – Emotionen, geistige Leistungsfähigkeit

  • Benommenheit unabhängig von Körperposition („brain fog“)
  • Gedächtnis- und Wortfindungsstörungen
  • Kopfschmerzen, Migräne, Trigeminusneuralgie
  • Angst mit Risiko für Panikattacken
  • Stimmungsschwankungen
  • Depressionen

Ein deutlicher Überschuss an Histamin ist immer auch mit Stress, d.h. mit einer Adrenalin-vermittelten Aktivierung, verbunden. Diese erklärt zu einem großen Teil die oben genannten Symptome, wobei die Begünstigung von Depressionen gerade der sog. Post-Adrenalinerschöpfung zuzuschreiben ist.
Dass Histaminerkrankungen Auslöser bzw. Co-Faktor von psychischen Auffälligkeiten sein können, unterschätzen Ärztinnen und Ärzte häufig. Vor allem bei latenten Angststörungen oder Stimmungsschwankungen müssen wir an eine Histaminerkrankung denken. Anstatt auch nach körperlichen Ursachen zu suchen, wird häufig ein rein psycho-somatischer Ansatz gewählt, der sich ausschließlich auf eine vermeintlich psychische Ursache verengt. Dem betroffenen Menschen hilft das nicht wirklich und kann es auch nicht helfen, solange der somatische Co-Faktor Histamin nicht beachtet und die zugrundeliegende somatische Störung nicht behandelt wird.

Histamin – Symptome von Herz und Kreislauf

Ein Teil der Herz-Kreislaufsymptome erklärt sich durch die Wirkung von Histamin selbst. So werden Herzrhythmusstörungen über den Histamin H2 Rezeptor und eine Blutgefäßerweiterung bis hin zum Blutdruckabfall über den Histamin H1 Rezeptor vermittelt. Hinzu kommen noch die mehr oder weniger starken Flüssigkeitsverschiebungen aus dem Blutgefäßraum in das Gewebe.

Der Blutdruckabfall bewirkt eine Adrenalin-vermittelte Gegenreaktion. Die kann dann neben den genannten psychischen Reaktionen auch Blutdruckschwankungen zu Folge haben. Gerade in Verbindung mit Histamin begünstigt auch Adrenalin die Entstehung von Herzrhythmusstörungen. Hier handelt es sich meistens um einzelne Extrasystolen aus Vor- und Hauptkammer. Allerdings kann auch Vorhofflimmern entstehen.

Der kritische Kreislaufschock tritt eher selten auf und geht meistens mit einer echten immunologisch vermittelten Allergie einher. Allerdings kann auch eine massive Zufuhr von Histaminliberatoren, z.B. in Form von Kontrastmittel (z.B. CT, MRT), einen Schock zur Folge haben.

Histamin – Luftnot als lebensgefährliches Symptom

  • Niesen, verstopfte Nase
  • Schwierigkeiten beim Einatmen (Kehlkopf)
  • Schwierigkeiten beim Ausatmen (Bronchien) mit Spannungsgefühl in der Brust
  • Luftnot

Die Luftnot mit Atemversagen ist neben dem Kreislaufschock das gefährlichste Symptom der überschießenden Wirkung von Histamin.

Zunächst kommt es zu enggestellten Bronchien. Das erkennen Sie daran, dass pfeifende Geräusche beim Ausatmen zu hören sind, wie bei einem schweren Asthmaanfall. Schnell überbläht sich dann die Lunge, weil Luft nur noch unvollständig ausgeatmet wird. Schließlich ist eine ausreichende Hin-und-Her Bewegung von Luft kaum noch möglich. Hier sollten Sie im Ernstfall die Ruhe bewahren (so schwer das auch ist) und auf ruhiges und möglichst langes Ausatmen achten. So verhindern Sie eine Überblähung.

Besonders gefürchtet wird, wenn der Kehlkopf zuschwillt, so dass Luft kaum noch oder auch gar nicht eingeatmet werden kann. Hören Sie bei einem betroffenen Menschen ein pfeifendes Geräusch beim Einatmen, dann müssen Sie auf das Schlimmste gefasst sein. Verständigen Sie sofort das Rettungsteam unter 112!

Histamin – Symptome im Magen-Darmbereich häufig

  • Übelkeit, Erbrechen
  • Schluckbeschwerden, Engegefühl im Hals
  • Durchfall bzw. Verstopfung
  • Krämpfe, Unwohlsein im Bauch
  • Blasenentzündung, Brennen beim Wasserlassen

Bei Histaminerkrankungen sind häufig Störungen des Verdauungstrakts symptomatisch. Das ist auch plausibel, weil der Kontakt zwischen der großen Zahl der dort lagernden Mastzellen und der Nahrung hier am intensivsten ist. Die Nahrung enthält zudem neben Histamin selbst noch Histaminfreisetzer und Histaminabbaublocker.

Gerade der weiche Stuhlgang nach Stunden bzw. nach einem Tag weist darauf hin, dass mit einer vorangegangenen Mahlzeit etwas nicht gestimmt hat. Eine Nebenwirkung von Histamin ist die Tendenz zu weichem Stuhl, Verstopfung ist eher als Folge von Histamin-vermittelten Darmkrämpfen zu verstehen.
Sollten Sie ein Engegefühl im Hals merken, dann ist das der Ausdruck einer mittelschweren bis schweren Reaktion auf Histamin. Hier sollten Sie unbedingt auf Störungen der Atmung achten und frühzeitig weitere Maßnahmen einleiten.

Bewertung von Symptomen durch Histamin

Sollten Sie oder einer Ihrer Angehörigen an einer Histaminerkrankung leiden, dann ist es sinnvoll, wenn Sie die Symptome kennen. Das gilt vor allen Dingen für die Zeichen der akuten Lebensbedrohung: schwere Luftnot und Blutdruckabfall mit drohender oder bestehender Ohnmacht. Dann müssen Sie immer den Rettungsdienst unter 112 verständigen.

Mit Ihrem Hausarzt sollten Sie die Maßnahmen besprechen, um Nahrungsmittel mit hohem Histamingehalt bzw. mit Histamin-freisetzenden oder Histaminabbau-blockierenden Substanzen zu vermeiden. Hierzu können Sie sich auch sinnvoll im Internet erkundigen.

Symptome, wie z.B. eine Augenschwellung können bis zu 3 Tage anhalten. Darüber hinaus können Symptome, wie z.B. Angina pectoris oder weicher Stuhlgang erst am Folgetag auftreten. Hier fällt die Zuordnung zwischen Ursache und Wirkung manchmal schwer. Sie sollten aber daran denken, dass a) Symptome zeitversetzt vorkommen können und b) in der Zeit nach einem Ereignis Ihre System zum Abbau von Histamin geschwächt sind. Letzteres bedeutet, dass eine erneute Histaminbelastung schon bei geringeren Mengen Symptome auslösen kann.

Der Hausarzt sollte Ihnen auf jeden Fall klare Handlungsanweisungen für den Fall von Symptomen geben. Sie sollten gemeinsam den Einsatz von Antihistaminika, Bronchdilatatorsprays und Kortison besprechen. Ebenso schwere Fälle, bei denen auch die Notfallkette aktiviert werden muss.

Fallbericht: Verdacht auf Histaminintoleranz – Brustdruck und Herzrhythmusstörungen

Fallbericht: Mastzellaktivitätssyndrom – Juckreiz beim Gehen

 

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

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Zu viel Histamin – Nebenwirkungen Herzrasen, Herzstolpern, Blutdruckschwankungen möglich

Wir kennen verschiedene Erkrankungen, die zu einer vermehrten Wirkung von Histamin im Körper führen. Hierzu zählen an aller erster Stelle die Allergie, welche immunologisch vermittelt ist, die Histaminintoleranz sowie das Mastzellaktivierungssyndrom und selten auch die Mastozytose.

In der Cardiopraxis beschäftigt uns Histamin immer wieder, weil Histamin einen erheblichen Einfluss auf den Kreislauf, aber auch das Herz selber haben kann. So können durch ein Übermaß an Histamin in Ihrem Körper Blutdruckschwankungen, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen und Brustdruck auftreten.

Was ist Histamin und wo kommt es her?

Histamin ist ein Botenstoff und ein wichtiger Bestandteil Ihres Immunsystems und damit der entzündlichen Abwehr bei Verletzungen und Fremdkörperkontakt. Es handelt sich um ein Gewebshormon, welches die Durchblutung steigert und die Durchlässigkeit der Blutgefäße für andere Entzündungszellen und somit auch für Flüssigkeit erhöht. Dadurch können Entzündungszellen besser an den Ort des Problems gelangen, um Fremdkörper abzubauen und die Heilung einzuleiten.

Histamin wird im Körper in Mastzellen gebildet und gespeichert. Diese Mastzellen sind überwiegend gewebeständige Zellen der Immunabwehr, d.h. wir finden Sie kaum im Blut.  Mastzellen lagern vor allen Dingen in der Haut, den Bronchien und im Darm. Die Zellen enthalten in Speicherbläschen, den sog. Vesikeln neben dem Histamin bis zu 60 weitere Stoffe der entzündlichen Abwehrreaktion. Interessanterweise nimmt die Zahl der Mastzellen nimmt mit dem Alter zu.

Körpergewebe – Wirkung über verschiedene Histamin-Rezeptoren

Histamin wirkt auf verschiedne Organe und Gewebetypen im Körper. Dieses geschieht  über die Rezeptoren H1, H2, H3 und H4, die auf der Zelloberfläche von  Zellmembranen sitzen. Dabei sind die Rezeptoren verschiedenen Zelltypen des Körpers zugeordnet und vermitteln unterschiedliche Wirkungen.

H1- Rezeptoren bewirken z.B. die Blutgefäßerweiterung und die Engstellung der Bronchien, H2-Rezeptoren verursachen z.B. eine vermehrte Bildung von Magensaft. Die H2-Rezpetoren sind übrigens auch für die Nebenwirkungen von Histamin am Herzen, wie einen schnellen Herzschlag oder Rhythmusstörungen relevant.

Histamin ist auch ein Neurotransmitter im Gehirn und ist hier vor allen Dingen an der Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus und damit der zirkadianen Rhythmik beteiligt. Histamin vermittelt im Gehirn dabei den Wachzustand. Hier wird auch klar, warum Antihistaminika, also Medikamente, die die Wirkung von Histamin am Rezeptor blockieren, müde machen.

Mastzellen – Steuerung der Ausschüttung Histamin über Rezeptoren auf Mastzellen

Wichtig ist, dass Mastzellen als der Hauptspeicherort von Histamin, selber Histaminrezeptoren haben. Diese Rezeptoren können die Mastzelle aktivieren oder je nach Rezeptor auch die Freisetzung von Histamin blockieren.

Ein weiterer wichtiger Rezeptor zur Mastzellaktivierung ist der Östrogenrezeptor. Dieser spielt wahrscheinlich bei Frauen bei Histamin-vermittelten Symptomen in Abhängigkeit vom weiblichen Zyklus eine Rolle.

Auf der anderen Seite gibt es auch weitere Rezeptoren auf der Oberfläche der Mastzellen, welche die Mastzellaktivität und damit die Freisetzung von Histamin blockieren. Hier sind vor allen Dingen die Progesteron-Rezeptoren, Beta 2-Adrenalinzeptoren und Vitamin D-Rezeptoren zu nennen.

Histamin – Abbau über Enzyme

Der Abbau von Histamin findet über die Enzyme Diaminooxidase und die Histamin-N-Methyltransferase statt. Werden diese Enzyme genetisch bedingt vermindert gebildet oder ihre Wirkung durch Nahrungsmittel blockiert, dann kann es ebenfalls zu den Symptomen des Histaminüberschusses kommen.

Aktivierung von Mastzellen – verschiedene Auslöser

Die Aktivierung von Mastzellen, und damit auch die Ausschüttung von Histamin kann neben Nahrungsmitteln auch durch andere Faktoren begünstigt werden.

  • Hitze, Kälte, plötzliche Temperaturänderungen (z.B. der Sprung ins kalte Wasser an einem heißen Sommertag)
  • körperliche Anstrengung
  • Sonnenlicht (Sonnenbank?!)
  • mechanische Irritationen, Spannung, Vibration
  • natürliche und chemisch Gerüche (z.B. Parfüms)
  • emotionaler Stress
  • physischer Stress einschl. Schmerz und Umweltfaktoren (z.B. Wetterwechsel, Umweltgifte, Pollen, Tierhaare etc.)
  • Erschöpfung
  • Nahrungsmittel und Getränke, einschl. Alkohol
  • Medikamente (z.B. Opeoide, nicht-steroidale Entzündungshemmer, Antbiotika, einige Lokalanästhetika) und Konstrastmittel
  • Gifte (z.B. Biene, Wespe, Spinnen, bestimmte Quallen und Ameisen, Schlangen, beißende Insekten, wie Fliegen, Mosquitos, Flöhe)
  • Infektionen (viral, bakteriell, Pilz)

Aufgrund der Vielzahl der Faktoren ist eine Abgrenzung einer symptomatischen Episode eines Histaminüberschusses häufig nicht immer ganz einfach. Zudem besteht häufig eine zeitliche Latenz zwischen dem auslösenden Ereignis und den Symptomen. Folglich müssen wir bei der Suche nach dem Trigger für eine symptomatische Episoden nicht nur den direkten zeitlichen Zusammenhang, z.B. Nahrungsaufnahme und Symptombeginn innerhalb von einer Stunde, sondern auch potentielle Trigger innerhalb der vorangegangenen ca. 3 Tage denken.

Fallbericht: Verdacht auf Histaminintoleranz – Brustdruck und Herzrhythmusstörungen

Fallbericht: Mastzellaktivitätssyndrom – Juckreiz beim Gehen

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

In der dunkleren Jahreszeit wird weniger Vitamin D vom Körper gebildet, denn dafür benötigt er Sonnenlicht. Kalzium, welches durch Vitamin D vermehrt aufgenommen wird, ist neben der Knochenbildung für die Bildung und Funktion der Tyrosinhydroxylase sehr wichtig. Dieses Enzym hat eine Schlüsselfunktion für die Bildung der Vitalitätshormone Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin und Thyroxin.

Diese wiederum regen unseren Stoffwechsel an und sorgen für unser Wohlbefinden. Zumindest im Winter kann man daher Vitamin D oral einnehmen, um der Stimmung auf die Sprünge zu helfen. Das sollte unter ärztlicher Begleitung passieren, da die Dosis vor allem bei älteren Menschen individuell angepasst werden muss. Sonst sind unerwünschte Nebenwirkungen möglich.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

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Johanniskraut – Nebenwirkungen in Kombination mit anderen Medikamenten

Johanniskraut wird seit Jahrhunderten als pflanzliches Präparat bei der Behandlung von depressiven Verstimmungen eingesetzt. In der Tat ist die therapeutische Wirksamkeit von Johanniskrautpräparaten bei leichten bis mittelschweren Formen der Depressionen wissenschaftlich gut belegt. Wir unterscheiden hier die freiverkäuflichen Produkte von den rezeptpflichtigen Medikamenten.

Die höher konzentrierten rezeptpflichtigen Medikamente helfen auch bei mittelschwerer Depression und sind in ihrer Herstellungsqualität streng kontrolliert. Bei den niedriger konzentrierten frei verkäuflichen Produkten ist die Qualität häufig unsicher.

Johanniskraut wirkt im Gehirn

Die relevanten Wirkstoffe für die anti-depressive Wirkung von Johanniskraut sind die Inhaltsstoffen Hypericin und Hyperforin. Sie greifen synergistisch in den Neurotransmitter-Stoffwechsel im Gehirn ein, z.B. von Serotonin, Dopamin und Noradrenalin und GABA allesamt auch Angriffspunkt für andere Antidepressiva.

Nebenwirkungen von Johanniskraut – innere Unruhe, Benommenheit, Müdigkeit, Lichtempfindlichkeit

Insbesondere bei höheren Dosierungen können innere Unruhe, Benommenheit, Müdigkeit und Verdauungsstörungen vorkommen. Gerade die Nebenwirkungen an der Haut mit Juckreiz, höhere Lichtempfindlichkeit und toxischen Hautreaktionen sind gefürchtet.

Sollten Sie an einer Saisonalität, d.h. an einem Winterblues oder einer Winterdepression leiden, dann ist eine Lichttherapie mit einer Tageslichtlampe die beste und wissenschaftlich anerkannte Therapie. Falls Sie eine Lichttherapie durchführen wollen, dann sollten Sie auf die Einnahme von Johanniskrautpräparaten ganz verzichten, denn bedingt durch Phototoxizität von Johanniskraut könnten Ihre Augen geschädigt werden.

Nebenwirkung von Johanniskraut bei Einnahme von Betablocker – Fallbericht 

Ein 60-jähriger Mann hat unter einer langjährigen Betablocker-Therapie (10mg Bisoprolol pro Tag) gut kontrollierte Herzrhythmusstörungen. Bei ihm tritt symptomatisches Vorhofflimmern mit 0-2 Episoden in 6 Monaten und damit selten auf.

Kurzfristig stellte er sich in der Cardiopraxis mit einem Anstieg der Anfallshäufigkeit auf 5-10 Episoden pro Woche vor; das ist sehr häufig. Unsere genaue Befragung ergab, dass er wegen depressiver Verstimmung seit einigen Wochen ein freiverkäufliches niedrig-dosiertes Johanniskrautprodukt einnimmt.

Folglich haben das Mittel abgesetzt und binnen kurzer Zeit war der Mann fast wieder beschwerdefrei und die Anfallshäufigkeit auf 0-2 Episoden pro 6 Monate reduziert.

Johanniskraut und Beta-Blocker wirken in der Leber auf Cytochrom CYP3A4

Johanniskraut interagiert sehr stark mit wichtigen Stoffwechselwegen für den Abbau von Medikamenten, z.B. dem Cytochrom P450 Systemen in der Leber. Hier steigert als sog. “Induktor”  vor allen Dingen den Stoffwechsel des Enzyms CYP3A4. In geringerem Maß trifft das auch auf CYP2C19 zu; auf CYP2C9 wirkt es als “Inhibitor”. Nun ist es so, dass nahezu 50% aller Medikamente über CYP3A4 als “Substrat” abgebaut werden, so auch der Beta-Blocker Bisoprolol.

In der Tat hat die beschleunigte Stoffwechselleistung von CYP3A4 bei unserem Mann die Konzentration von Bisoprolol im Körper so stark erniedrigt, dass es das Vorhofflimmern nicht mehr richtig unterdrücken konnte. Folglich haben die Anfälle von Rhythmusstörungen zugenommen.

Johanniskraut kann Wirkung der Anti-Baby-Pille beeinträchtigen

Gerade Frauen sollten vorsichtig mit dem Einsatz von Johanniskrautprodukten umgehen, da Johanniskraut, im Englischen auf St. Johns Wort genannt den Abbau von Östrogen beschleunigt.

In der Tat kann es zu Problemen bei der Empfängnisverhütung mit den niedrig-konzentrierten oral eingenommenen Kontrazeptiva kommen. Folglich nimmt die Zahl der Zwischenblutungen um mehr als 50%. Weiterhin wurden auch Zeichen der gesteigerten Fruchtbarkeit trotz Anti-Baby Pille in Form von reifen Follikeln objektiv nachgewiesen. Abgesehen davon sind auch ungewollte Schwangerschaften unter der Einnahme von Johanniskraut in Kombination mit der Anti-Baby-Pille berichtet worden.

Johanniskraut mit anderen Medikamenten vermeiden – Nebenwirkungen sind zu erwarten

In jedem Fall sollten Sie bei der Dauereinnahme von Medikamenten einschließlich der Anti-Baby Pille die Einnahme von Johanniskraut vermeiden.

Falls Sie kurzzeitig Medikamente, z.B. Antibiotika einnehmen müssen, dann sollten Sie sich vor der Einnahme informieren ob Johanniskraut mit dem betreffenden Medikament interagiert.

Schließlich sollten sich als Frau auch nicht wundern, wenn Ihr Zyklus durch den Einsatz von Johanniskraut unregelmäßig wird.

Grundsätzlich ist es ratsam, wenn Sie vor der Einnahme von Johanniskraut-Präparaten in Verbindung mit anderen Medikamenten immer mit Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt sprechen!

 

Berry-Bibee EN et. al. Contracption 2016;94:668-677

Wikipedia: Medikamentenlisten zu Interaktionen (siehe unter “Ligands”) mit CYP3A4, CYP2C19, CYP2C9

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