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Dr. Natalie Fleissner
Dr. Natalie Fleissner
Dr. med. Natalie Fleissner studierte Humanmedizin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Zu ihren Behandlungsschwerpunkten gehört die Bildgebende Diagnostik. Besonders große Expertise hat sie zudem bei der Kontrolle und Nachsorge von Schrittmachersystemen wie dem Implantierbaren Defibrillator (ICD) und hochkomplexen Dreikammerschrittmachern. Zum Profil.

Plötzlicher Herztod beim Sport – Risiko frühzeitig erkennen und richtig handeln

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Der plötzliche Herztod bei Leistungssportlern wird in den Medien mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und verunsichert stets aufs Neue: kann Sport gefährlich sein? Regelmäßiger Sport hält Ihr Herz lange gesund und ist sicher, wenn Sie einige Regeln beachten.

plötzlicher herztod sport

 

Unerkannte Herzerkrankungen führen zum plötzlichen Herztod besonders bei ambitionierten Freizeitsportlern

Der plötzliche Herztod ist bei Profiathleten und Sportlern statistisch gesehen ein relativ seltenes Ereignis. Je nach Studie liegt die Häufigkeit des plötzlichen Herztods beim Sport zwischen 0,5 und 3,0 Todesfällen pro 100.000 Sporttreibenden pro Jahr.

Seit einigen Jahren werden in Deutschland Todesfälle beim Sport von der Universität Saarbrücken (www.scd-deutschland.de) systematisch erfasst. Nach Angaben des Sudden Cardiac Death-Registers in Deutschland ist das Risiko eines plötzlichen Herztodes abhängig vom Geschlecht (in 90% sind Männer betroffen), vom Alter (am häufigsten bei 40- bis 50-Jährigen) und von der Belastungsintensität (höheres Risiko bei höherer Belastungsintensität).

Die Todesfälle ereigneten sich am häufigsten bei den Sportarten, die in Deutschland am populärsten sind: Fußball­spielen und Laufen. Das Risiko, einen plötzlichen Herztod zu erleiden, liegt bei jungen Wettkampfsportlern 2,8-mal höher als bei Nichtsportlern.

Was passiert bei einem plötzlichen Herztod beim Sport?

Definiert ist der plötzliche Herztod beim Sport, wenn dieser während oder bis zu einer Stunde nach dem Sport auftritt.

Hohe Belastungsintensitäten können bei unterschiedlichen, unentdeckten Herz-Kreislauferkrankungen lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen. Der plötzliche Herztod wird meistens durch Kammerflimmern ausgelöst. Hierbei führen die ungeordneten schnellen elektrischen Erregungen zu einem ineffektiven Zusammenziehen der Herzkammern. Das Herz „zuckt“ nur noch. Dadurch wird binnen weniger Sekunden kein Blut mehr durch den Kreislauf gepumpt. Lebenswichtige Körperfunktionen brechen plötzlich zusammen. Die Betroffenen verlieren rasch das Bewusstsein und haben keinen Puls mehr.

Eine schnelle Wiederbelebung, Reanimation, mit Herzdruckmassage und der Einsatz eines Laien-Defibrillators ist überlebenswichtig. Jede Minute, in der kein Kreislauf durch die Herzdruckmassage aufrechterhalten wird, sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um 10 Prozent. Entscheidend für die Prognose ist also die sofortige Einleitung der Reanimationsmaßnahmen, nach dem Algorithmus Prüfen-Rufen-Drücken durch Ersthelfer, auch wenn es sich um medizinische Laien handelt. Jede Handlung ist besser als nichts zu tun!

Die Defibrillation ist die einzige Möglichkeit, Kammerflimmern zu beenden. Der Defibrillator gibt einen Elektroschock ab und kann dadurch Kammerflimmern beenden. Automatische Ansagen helfen nach Starten des Geräts bei der Anwendung. Insbesondere Mitarbeiter sportlicher Einrichtungen sollten regelmäßig in der Reanimation und der sicheren Anwendung automatisierter externer Defibrillatoren ausgebildet werden.

Bei jüngeren Sportlern oft Erkrankungen des Herzmuskels und Koronaranomalien Auslöser für plötzlichen Herztod

Bei Sportlerinnen und Sportlern unter 35 Jahren sind die häufigsten Ursachen eines plötzlichen Herztods Erkrankungen des Herzmuskels, der Herzklappen, der Hauptschlagader oder der Herzkranzgefäße.

Interessanterweise sind die Ursachen für den plötzlichen Herztod in verschiedenen Teilen der Welt sehr unterschiedlich. In Studien mit US-amerikanischen Athleten ist die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) die häufigste Ursache für den plötzlichen Herztod, während in der italienischen Region Veneto die arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie (ARVCM) bis zu 25 Prozent für die Todesfälle verantwortlich ist.

Bei beiden Krankheitsbildern handelt es sich um angeborene, d.h. genetisch bedingte Herzmuskelerkrankungen. Bei der hypertrophen Kardiomyopathie kommt es zu einer allmählichen Verdickung des Herzmuskels mit Narbenbildung. Solche Narben kommen auch bei anderen Herzerkrankungen, z.B. nach einem Herzinfarkt oder Herzmuskelentzündung, vor und stören die elektrische Leitung des Herzens mit Gefahr lebensbedrohlicher Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern.

Bei der arrhythmogenen rechtsventrikulären Kardiomyopathie  wird die Muskulatur hauptsächlich der rechten Herzkammer durch Fett- und Bindegewebe allmählich ersetzt. Die Texturstörung der Herzkammer führt zu einer elektrischen Instabilität mit der Gefahr lebensbedrohlicher Herzrhythmusstörungen und im Extremfall zum plötzlichen Herztod schon im Kindesalter.

Nach Daten des deutschen Registers zum plötzlichen Herztod beim Sport (Sudden Cardiac Death Register) überwiegt bei Sportlern unter 35 Jahren die Myokarditis, die Herzmuskelentzündung,  und die vorzeitige Koronare Herzkrankheit. Überproportional häufig gingen banale Infekte der oberen Atemwege der Myokarditis voraus.

Akute Herzinfarkte können auch bei jungen Sportlern auftreten und sind häufiger Folge von abnormalen Abgängen oder Verläufen der Herzkranzgefäße, Koronarfisteln oder Muskelbrücken, die bei hoher Belastung durch den erhöhten Sauerstoffbedarf und die starke mechanische Aktivität des Herzmuskels zu einer Durchblutungsstörung führen können. Nach Daten des deutschen Registers kann ein Ungleichgewicht zwischen Sauerstoffangebot und Sauerstoffbedarf bei Sportlern mit einer Koronarstenose der Auslöser für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen sein. Seltener sind durch intensive Belastungen ausgelöste Blutgerinnsel ursächlich für eine akute Durchblutungsstörung.

Wesentlich seltener sind vererbte Erkrankungen von Ionenkanälen am Herzen wie z.B. das Long-QT-Syndrom und das Brugada-Syndrom.

Eine untergeordnete Rolle spielen angeborene Herzfehler oder Erkrankungen der großen Körperschlagader, z.B. Aussackungen der Aorta.

In Ruhe führen diese Erkrankungen oft zu keinen Beschwerden und bleiben häufig unentdeckt. Alle Erkrankungen haben gemeinsam, dass bei einer körperlichen Mehrbelastung, wie beim Sport, das Herz nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird und die elektrische Leitung gestört wird. Lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen sind dann die Folge.

Bei älteren Sportlern oft koronare Herzkrankheit Auslöser für plötzlichen Herztod

Ab 35- 40 Jahren ist die Koronare Herzkrankheit (KHK) mit 80% die häufigste Ursache für den plötzlichen Herztod, auch bei Sportlern. Hierbei bilden sich über Jahre Gefäßverkalkungen (Plaques) in den Herzkranzgefäßen. Der beim Sport erhöhte Blutdruck und Puls kann zu einem Einriss der Plaqueoberfläche führen. Der Körper versucht den Einriss durch eine Gerinnselbildung zu heilen. Durch die Gerinnselbildung verstopft das Herzkranzgefäß mit der Folge eines akuten Herzinfarktes, der zu Kammerflimmern und den plötzlichen Herztod führen kann.

Frühzeitiges Erkennen einer Herzerkrankung kann das Risiko für den plötzlichen Herztod verringern

Erst zum Arzt, dann zum Training

Unbestritten reduzieren Sport und regelmäßige Bewegung das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, allen voran die koronare Herzkrankheit. Damit Sie sicher und gesund trainieren, sollten im Vorfeld Risiken erkannt und behandelt werden.

Auch wenn wir nicht jede Herzerkrankung aufdecken können- besonders die genetisch bedingten Herzmuskelerkrankungen lassen sich im Anfangsstadium nicht immer leicht aufdecken- sind kardiologische oder sportmedizinische Untersuchungen unverzichtbar für die Risikoerkennung. Wenn wir die Statistiken für den plötzlichen Herztod beim Sport betrachten, gilt dies um so mehr für Freizeitsportler, die zum Teil mit hohen Belastungsintensitäten trainieren.

Um Risiken frühzeitig zu erkennen, empfehlen wir ein Screening vor Sport bei folgenden Konstellationen:

  • Beschwerden: Sie leiden unter Brustenge (Angina pectoris), Luftnot oder Schwindel. Ohnmachtsanfälle (Synkopen) oder Beinahe-Synkopen, schneller oder unregelmäßiger Puls.
  • Nach einem Infekt brauchen Sie länger, um wieder auf die Beine zu kommen
  • Vorsorge: Sie haben längere Zeit keinen Sport mehr gemacht und möchten jetzt aktiver werden. Ab dem 35. Lebensjahr übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen alle drei Jahre den „Gesundheitscheck“. Nutzen Sie die Vorsorge!
  • Risikofaktoren für die koronare Herzkrankheit: Sie leiden z.B. an erhöhtem Blutdruck, rauchen oder haben ein erhöhtes Cholesterin.
  • Familiäre Belastung: In Ihrer Familie sind Herzerkrankungen oder plötzliche Todesfälle im jüngeren Alter aufgetreten

Sportcheck: sorgfältige Anamnese zentraler Bestandteil

Nicht die apparativen Untersuchungen sind das Wichtigste, sondern eine sorgfältige Erhebung der Vorgeschichte. Hier lassen sich schon erste Hinweise auf eine unentdeckte Herzerkrankung, (Beinah-) Ohnmachtsanfälle oder von Herzrhythmusstörungen finden. Oder Beschwerden, die fälschlicherweise dem orthopädischen Bereich zugeordnet werden. Familiäre Häufungen von Herztodesfällen können einen Hinweis auf eine angeborene Herzmuskelerkrankungen geben.

Nach einer gründlichen körperlichen Untersuchung schließen sich je nach Alter der Sportler ein Ruhe-und ein Belastungs-EKG (bei Sportlern > 35 Jahre), meist auch ein Ultraschall des Herzens an. Von der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) wird seit 2005 zumindest ein Ruhe-EKG bei sportmedizinischen Unter­suchungen für Wettkampfsportler als Screening empfohlen.

Je nach Befunden werden erweiterte diagnostische Maßnahmen vorgenommen:

  • Herz-CT
  • Herz-MRT
  • Herzmuskelprobe-Entnahme (Biopsie)
  • Herzkatheter (Koronarangiographie)
  • genetische Untersuchung

Eine diagnostische Herausforderung kann die Unterscheidung von trainingsbedingten Veränderungen zu pathologischen Befunden sein. Erfahrene Kardiologinnen und Kardiologen kennen in der Regel die Definitionskriterien eines Sportlerherzens und können diese von pathologischen Befunden sicher unterscheiden.

Fazit

Ein erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Herztod beim Sport haben vor allem ambitionierte Freizeitsportler und nicht die professionellen Leistungssportler. Weltweit sind Männer deutlich häufiger betroffen als Frauen. Hinsichtlich der Ursache ist zu unterscheiden zwischen Sportlerinnen und Sportlern unter 35 Jahren und darüber. Daher sollten auch junge Menschen, bevor sie aktiv Sport betreiben, ihr Herz untersuchen lassen. Durch systematische Untersuchungen kann das Risiko für einen plötzlichen Herztod minimiert werden.

Literatur

 

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