Antibiotika Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin & Co. – Gyrasehemmer bzw. Fluorchinolone häufig verschrieben

Gyrasehemmer, auch Fluorchinolone genannt, wie z.B. Ciprofloxacin, sind rezeptpflichtige Antibiotika. Man nennt sie Gyrasehemmer, weil sie therapeutisch gewollt bakterielle DNA schädigen und damit ein Absterben der Bakterien bewirken.

Vertreter dieser Antibiotikagruppe werden sehr häufig verwendet, um Infektionen zu behandeln. Beispielsweise eignen sie sich sehr gut zu einer Behandlung von bakteriellen Entzündungen der ableitenden Harnwege, da eine hohe Ausscheidungsrate über die Nieren besteht. Auch Prostata-, Nebenhoden- und bestimmte Formen der Lungenentzündung kann man erfolgreich mit Gyrasehemmern behandeln, weil diese sich sehr stark im Gewebe anreichern können. Ebenso kommen die Antibiotika zur Behandlung von bakteriellen Infekten der oberen Luftwege, wie z.B. einer Nasennebenhöhlen- oder einer Mittelohrentzündung, zum Einsatz.

Neben der unbestritten hohen Wirksamkeit bei den genannten Infektionen haben Gyrasehemmer aber auch Nebenwirkungen. Hier zu nennen sind Schädigungen des Bindegewebes und vor allen Dingen der Wandstruktur der großen Blutgefäße. Dabei ist das Aortenaneurysma mit einem Einriss der Gefäßwand besonders gefürchtet.

Aneurysma und Dissektion der Aorta – hohes Risiko

Ein Aortenaneurysma ist eine Aussackung der Hauptschlagader. Hier besteht das Risiko für einen Einriss und damit für eine lebensbedrohliche Situation. Das Aortenaneurysma kann sowohl im Brustabschnitt, dann thorakales Aortenaneurysma genannt, als auch im Bauchraum, dann als abdominelles Aortenaneurysma bezeichnet, lokalisiert sein.

Meistens ist es der Blutungsschock in Verbindung mit einem Multiorganversagen, der bei einem rupturierten Aneurysma rasch zum Tode führt. Die Sterblichkeit ist auch bei adäquater Behandlung hoch.

Aortenaneurysmen mit und ohne Dissektion treten bei ca. 30 Menschen pro 100.000 Einwohner und Jahr auf.

Akute Symptome eines Aneurysmas bzw. eines Einrisses der Aorta

Bei einem Einriss der Aorta geht alles sehr schnell und heftig. Sie bemerken starke Beschwerden, die sofortiges Handeln erfordern. Zu diesen zählen:

Chronische Symptome eines Aortenaneurysmas

Wenn sich ein Aneurysma langsam entwickelt, dann können chronische Beschwerden auftreten. Diese sind leider nicht immer spezifisch. Zu ihnen zählen:

  • Schluckbeschwerden
  • Druckgefühl
  • pulsierende Masse (Bauch)

Während man Aortenaneurysmen der Bauchaorta leicht und schnell mit dem Ultraschall erfassen kann, ist das bei Veränderungen im Brustbereich schwieriger. Folglich müssen wir hier meistens eine Schnittbilddiagnostik (CT, MRT) einsetzen.

Gyrasehemmer – Antibiotika mit erhöhtem Risiko für ein Aneurysma

Die Einnahme von Gyrasehemmern geht mit einem erhöhten Risiko für ein Aortenaneurysma beziehungsweise einen Einriss der Aorta einher. Zu ihnen zählen:

  • Ciprofloxacin
  • Levofloxacin
  • Moxifloxacin
  • Norfloxacin
  • Ofloxacin

Die Ursache für die Nebenwirkung ist: icht nur die DNA der Bakterien wird durch die Gyrasehemmung geschädigt, sondern auch die DNA von Gelenkknorpeln, Sehnen, Muskeln und Blutgefäßen. So ist zum Beispiel auch das Risiko für eine Achillessehnenruptur durch Fluorchinolone auf das 6-9-fache erhöht.

Das Risiko für ein Aortenaneurysma mit und ohne Dissektion ist durch die Einnahme dieser häufig genommenen Antibiotika ebenfalls deutlich gesteigert. Das gilt sowohl für den aktuellen Zeitraum der Behandlung als auch mittelfristig innerhalb von 60 Tagen nach Einnahme eines Gyrasehemmers. Das Risiko ist so kurz- bis mittelfristig auf das 2,2-2,5-fache erhöht.

Auch eine Einnahme innerhalb des letzten Jahres ist immer noch mit einem gesteigerten Risiko auf 1,2-1,35-fach verbunden. Bei älteren Menschen kommt 1 Fall auf 618 Behandlungen.

Risikopatienten für ein Aneurysma bzw. eine Dissektion durch Gyrasehemmer

Wir können hier sichere und wahrscheinliche Risikofaktoren in Verbindung mit den genannten Antibiotika nennen.
Zu den sicheren Risikofaktoren gehören:

  • Bluthochdruck
  • bekannte Arteriosklerose
  • höheres Alter
  • bekanntes Aortenaneurysma
  • Bindegewebserkrankung (Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom, Riesenzellarteriitis, Takayasu-Arteriitis, Morbus Behcet)

Wahrscheinliche Risikofaktoren, bei denen man auch an die Entwicklung eines Aneurysmas denken sollte, sind:

  • häufige Einnahme von Gyrasehemmern
  • chronische Einnahme von Kortison
  • Symptomen an Gelenken, Muskeln und Sehnen durch Gyrasehemmer

Gyrasehemmer – Selbstmedikation hinterfragen

Besonders riskant ist die Selbstmedikation bei Frauen mit wiederholten Harnwegsinfekten. Entweder sind es in der Hausapotheke eigene Restbestände oder die des Lebenspartners, die Sie zur Selbstmedikation mit Gyrasehemmern verleiten.

Nicht selten sind es Ärztinnen und Ärzte selbst, die Großpackungen von Gyrasehemmern verschreiben: die Betroffenen müssen so bei wiederholten Harnwegsinfekten nicht so häufig zum Arzt gehen. Dieses Verhalten müssen Sie besonders kritisch hinterfragen. Und Ihr Vorgehen bei Antibiotikatherapie immer mit Ihrer Ärztin beziehungsweise Ihrem Arzt unter Berücksichtigung der Risikofaktoren absprechen.

Einnahme von Ciprofloxacin & Co – Sport vermeiden

Wir raten auch während und im unmittelbaren Zeitraum nach der Einnahme von Gyrasehemmern von anstrengenden sportlichen Aktivitäten ab. Somit sollten Sie  allen Dingen Kraftsport meiden. Die mechanische Belastung für Sehnen und Gelenke ist hier erhöht und es besteht das Risiko z.B. für einen Abriss der Achillessehne. Durch eine Steigerung des Blutdrucks wird das Gefäßsystem und damit auch die Hauptschlagader mechanisch belastetet, was die Entstehung eines Aneurysmas bzw. eines Einrisses erhöht.

Vorgehen bei der Antibiotikatherapie mit Gyrasehemmern

Bei Menschen mit sicheren Risikofaktoren für ein Aortenaneurysma raten wir von einer Einnahme von Gyrasehemmern grundsätzlich ab. Folglich sollten Menschen, die Kortison einnehmen und zu einem früheren Zeitpunkt schon einmal Symptome an Gelenken, Muskeln und Sehnen hatten, sollten das Risiko gemeinsam mit dem Arzt sorgfältig abwägen. Die häufige Einnahme von Gyrasehemmern, d.h. mehrmals im Jahr, sollten Sie immer vermeiden.

Sollten Sie akute Symptome eines Aortenaneurysmas haben, dann ist das ein Notfall. Sie müssen dann 112 verständigen und die Symptome und das Antibiotikum angeben.

Falls Sie andere Bindegewebssymptome an Gelenken, Sehnen und Muskeln sowie Symptome eines Aortenaneurysmas nicht akuter Natur haben: Setzen Sie das Antibiotikum ab und nehmen Sie zeitnah mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt Kontakt auf!

 

 

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

 

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