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Dr. Natalie Fleissner
Dr. Natalie Fleissner
Dr. med. Natalie Fleissner studierte Humanmedizin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Zu ihren Behandlungsschwerpunkten gehört die Bildgebende Diagnostik. Besonders große Expertise hat sie zudem bei der Kontrolle und Nachsorge von Schrittmachersystemen wie dem Implantierbaren Defibrillator (ICD) und hochkomplexen Dreikammerschrittmachern. Zum Profil.

Sportler-EKG: Was ist noch normal?

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Wer richtig viel und intensiv Ausdauersport macht, kann Veränderungen im EKG aufweisen, die beim Athleten als normal gelten. Welche EKG-Veränderungen bei Sportlern normal sind, erfahren Sie im Folgenden.

 

Physiologische EKG-Veränderungen bei Ausdauerathleten

Nicht beim Freizeitjogger im Park, sondern bei Ausdauerathleten kommt es zu einer harmonischen Vergrößerung des Herzens mit Zunahme der Muskelmasse und Anpassungen des vegetativen Nervensystems mit einer erhöhten Aktivität des Parasympathikus.

Zu diesen physiologischen Veränderungen kommt es nur dann, wenn Sie intensiv Sport, d.h. mindestens vier Stunden pro Woche, betreiben.

Niedriger Puls bei Sportlern normal

Ausdauerathleten sind dafür bekannt, dass sie einen sehr niedrigen Ruhepuls haben.So wie die Skelettmuskulatur durch ein regelmäßiges Krafttraining an Muskelmasse zunehmen kann, kann auch das Herz durch intensiven Ausdauersport trainiert werden. Je muskelkräftiger das Herz ist, desto mehr Blut kann es mit jedem Herzschlag transportieren. Ein Sportler kann also mit einer deutlich niedrigeren Herzfrequenz die gleiche Menge Blut transportieren als ein untrainierter Mensch. So kann ein Puls von 30 Schlägen pro Minute sogar noch normal sein.

Zentrale Rolle des EKGs im Sportlerscreening

Das EKG ist im Sportlerscreening zur Verhinderung des plötzlichen Herztodes unverzichtbar. Plötzliche Todesfälle bei Sportlern gehen nicht selten auf angeborene Herzerkrankungen, wie z.B. eine hypertrophe oder arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie und QT-Sydrome, zurück.

Auch wenn es nicht alle Herzerkrankungen vollständig erkennen kann, verbessert es die Gütekriterien eines Sportlerscreenings mit Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) inklusive der Familienanamnese und körperlicher Untersuchung deutlich. So konnte durch das EKG als diagnostisches Verfahren die Sensitivität von 18,8% auf 87,5% erhöht werden, d.h. durch das EKG konnten zuverlässig kranke Personen erkannt werden. Ebenfalls erhöht sich die Spezifität, bei der gesunde Sportler auch als gesund identifiziert werden, durch das EKG. Durch die Etablierung des Ruhe-EKGS im Sportlerscreening konnte die Spezifität von 75,1% auf 97,5% verbessert werden.

Die Herausforderung besteht in der Abgrenzung physiologischer und damit gutartiger EKG-Veränderungen bei Sportlern von pathologischen Befunden. Zudem wollen wir von ärztlicher Seite unnötige Folgeuntersuchungen mit nachfolgender Verunsicherung des Sportlers vermeiden.

Seattle-Kriterien definieren normale und abnormale EKG-Befunde

Die 2012 entwickelten Seattle-Kriterien helfen bei der Interpretation der EKG-Veränderungen bei Sportlern und definieren detailliert normale sowie abnormale EKG-Befunde.

Es gibt eine Reihe von besonderen EKG-Befunden, die bei beschwerdefreien Athleten ohne eine familiäre Vorgeschichte für den plötzlichen Herztod als normal gelten:

  • Im Schlaf sind Sinuspausen von über 2 Sekunden und atrioventrikuläre Blockierungen 2. Grades Typ Wenkebach (oder 2:1 Blockierungen) normal. Ursächlich ist eine erhöhte vagale Aktivität.
  • Puls bis 30 Schläge pro Minute (Häufigkeit bis zu 8% aller hoch trainierten Athleten): die unter Belastung erreichte maximale Herzfrequenz ist normal und wird erst bei einer höheren Belastungsstufe erreicht im Vergleich zu Nicht-Sportlern
  • Sinusarrhythmie als Folge des erhöhten Vagotonus
  • ein AV-Block I. Grades (PQ-Zeit > 200 ms) oder II. Grades Typ Wenckebachmit Normalisierung im Belastung-EKG
  • Inkompletter Rechtsschenkelblock (Häufigkeit bis zu 40% aller Athleten): wird bei Sportlern durch eine Leitungsverzögerung im rechten Ventrikel (Hauptkammer) verursacht und nicht durch eine verzögerte elektrische Überleitung im His-/Purkinje-System. Der inkomplette Rechtsschenkelblock ist oft durch eine lange Trainings- oder Sportpause reversibel.
  • ektope Vorhofrhythmen (oft im Schlaf) durch erhöhten Vagotonus
  • EKG-Zeichen der linksventrikulären Hypertrophie (Herzmuskelverdickung, Häufigkeit bis zu 45% der männlichen und 10% der weiblichen Athleten) ohne pathologische Q-Zacken, ohne ST-Streckensenkungen und ohne Veränderungen der T-Welle.
  • Zeichen der frühen Repolarisation: erhöht abgehende, konkavförmige ST-Strecke in Ableitung V2-V4, auch lateral und inferior. Das Ausmaß der frühen Repolarisation wird vom autonomen Nervensystem und der Herzfrequenz beeinflusst. Bei niedrigen Herzfrequenzen sind die ST-Streckenerhöhungen ausgeprägter, unter Belastung können sie bei höheren Herzfrequenzen abnehmen oder verschwinden. Die frühe Repolarisation spiegelt beim Sportler die Entwicklung einer trainingsbedingten Hyper-Vagotonie wider, sie verringert sich oder verschwindet mit einer Trainingspause.
    Eine Besonderheit ist bei Athleten afrokaribischen Ursprungs zu beachten: die ST-Strecke ist konvexförmig mit nachfolgend negativer T-Welle in den Ableitungen V1-V4.

Merke: Bei Athleten kaukasischen (weißen) Ursprungs sind negative-T-Wellen über Ableitung V2 stets als pathologisch anzusehen.

Fazit

Das EKG ist ein zentraler Bestandteil des Sportlerscreenings und ist zur Verhinderung des plötzlichen Herztodes beim Sport unverzichtbar.

Die diagnostische Herausforderung  liegt in der Abgrenzung von gutartigen und pathologischen Befunden. Die 2012 entwickelten Seattle-Kriterien definieren detailliert normale sowie abnormale EKG-Befunde und helfen jeder Ärztin oder Arzt bei der Interpretation des Sportler-EKGs.

Literatur
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