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Herzklappenerkrankungen in der Schwangerschaft

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Herzklappenfehler und schwanger – was tun?

Herzklappenfehler sind in der Schwangerschaft für 15% der Herzkreislauf-Komplikationen verantwortlich. Demzufolge sollte bei jeder angeborenen oder erworbenen Herzerkrankung zunächst einmal eine Risikobewertung und Beratung vor einer Schwangerschaft erfolgen.

Risikoeinteilung der Weltgesundheitsorganisation

Dabei hilft die modifizierte Risikoklassifikation der Weltgesundheitsorganisation (kurz WHO), um das mütterliche Sterberisiko sowie die mütterliche kardiale Ereignisrate in 5 Abstufungen einzuschätzen. Folglich gibt es in der WHO-Klasse I kein nachweisbar erhöhtes mütterliches Sterberisiko, auch die mütterliche kardiale Ereignisrate ist mit 2,5-5% sehr niedrig. Anders gesagt heißt das für die werdende Mutter, dass eine Schwangerschaft in den ersten beiden Klassen relativ unproblematisch einzuschätzen ist und die Entbindung sowie Betreuung auch in einem lokalen Krankenhaus möglich erscheint.

Im Gegensatz dazu besteht in den Klassen III-IV ein deutlich erhöhtes mütterliches Sterberisiko. Zum Beispiel wird in der WHO Klasse IV die mütterliche kardiale Ereignisrate auf 40-100% geschätzt. Abgesehen von einer engmaschigen Betreuung und Kontrolle in einem spezialisierten Zentrum durch ein sogenanntes Schwangerschafts-Herz-Team, bestehend aus Kardiologen, Anästhesisten und Geburtshelfern sowie Gynäkologen, würde man in der Klasse WHO IV sogar von einer Schwangerschaft abraten. Bei einer bestehenden Schwangerschaft müsste sogar ein Abbruch diskutiert werden.

Kreislaufbelastung in der Schwangerschaft abhängig von Herzklappenfehler

Durch die Kreislaufveränderungen in der Schwangerschaft mit Zunahme des Blut- und Herzminutenvolumens um etwa 50% und einem Anstieg der Herzfrequenz um 10-20 Schläge pro Minute sind besonders Patientinnen mit hochgradigen Klappenstenosen (Mitralstenose und Aortenstenose) gefährdet.

Infolgedessen kommt es häufig zu einer Herzinsuffizienz, einem Lungenödem und Herzrhythmusstörungen. Es gibt viele Faktoren, die die klinische Symptomatik und die Risiken während der Schwangerschaft beeinflussen: Zum Beispiel spielen hier sowohl der Schweregrad des Klappenfehlers als auch die Belastungstoleranz eine wichtige Rolle. Des Weiteren sind die links- und auch rechtsventrikuläre Funktion sowie auch ein möglicherweise bestehender Lungenhochdruck entscheidende Faktoren, die den Schwangerschaftsverlauf beeinflussen.

Mitralklappenstenose und Schwangerschaft

Die Mitralklappenstenose gehört zu den weltweit häufigsten Klappenfehlern, die für den mütterlichen Tod verantwortlich sind. Rheumatische Ursachen spielen dabei eine wichtige Rolle. Zudem hängt hier die Gesamtmortalität vom NYHA-Stadium ab: Im NYHA-Stadium III-IV besteht eine Gesamtmortalität von 4-5% und erhöht sich dramatisch bei zusätzlich bestehendem Vorhofflimmern auf 17%.

Bei moderater bzw. schwerer Stenose müssen wir mit einem Auftreten einer Herzinsuffizienz und eines Lungenödems rechnen (oft im 2. Trimenon). Außerdem sind Faktoren wie Vorhofflimmern, ein erhöhter Lungendruck oder eine besonders schwergradige Mitralklappenstenose und ein höheres Alter der Schwangeren Prädiktoren für mütterliche Komplikationen. Im Fall einer schweren Mitralklappenstenose (Klappenöffnungsfläche kleiner 1 cm²) wird auch bei fehlenden Beschwerden vor der Schwangerschaft zu einer perkutanen Intervention geraten. Andernfalls müssen wir von einer Schwangerschaft abraten.

Aortenklappenstenose und Schwangerschaft

Die Aortenklappenstenose ist am häufigsten auf eine angeborene bikuspide Aortenklappe zurückzuführen. Eine andere Ursache ist eine rheumatische Genese. Die Tödlichkeit beträgt bei Beschwerden bis zu 17%. Sie können sich vorstellen, dass vor allem bei einer schweren Aortenklappenstenose mit Beschwerden oder auch asymptomatischen Patientinnen mit beeinträchtigter Herzfunktion (EF < 50%) oder pathologischem Belastungstest (z. B. Abfall des Blutdruckes unter Belastung) von einer Schwangerschaft abgeraten werden muss. Alternativ sollte vor einer Schwangerschaft eine Operation erfolgen.

Besondere Vorsicht geboten ist auch bei bikuspiden Aortenklappenstenosen mit einer Erweiterung der Aorta, da hier ein erhöhtes Risiko für Aortendissektionen vorliegt. Sowohl bei Aorten- als auch bei Mitralklappenstenose ist die Rate an Frühgeburten zudem um 20-30% erhöht. Ebenfalls beobachten wir häufig eine Wachstumsretardierung des Kindes.

Mitral- und Aortenklappeninsuffizienz in der Schwangerschaft

Die Insuffizienzvitien, das heißt die Mitral- und Aortenklappeninsuffizienz, werden in der Regel besser toleriert während einer Schwangerschaft, solange die Herzfunktion normal ist. Die Mitralklappeninsuffizienz ist am häufigsten auf den angeborenen Mitralklappenprolaps zurückzuführen. Ein unkomplizierter leichter Mitralklappenprolaps entspricht der WHO Klasse I und bedeutet, dass kein erhöhtes mütterliches Sterberisiko vorliegt.

Die Aortenklappeninsuffizienz muss man häufig auch im Rahmen einer bikuspiden Aortenklappe betrachten, andere Gründe könnten in einem Folgezustand nach Herzklappenentzündung oder rheumatischem Fieber liegen. Des Weiteren kann auch bei bestimmten Bindegewebserkrankungen, wie beispielsweise das Marfan Syndrom, ein erweiterter Aortenklappenannulus vorliegen. Bei beiden Insuffizienzvitien sollte eine Reparatur der Klappen vor der Schwangerschaft erfolgen, wenn Beschwerden, eine eingeschränkte Herzfunktion und eine Vergrößerung der Herzkammer vorliegen.

Schwangere mit Herzklappenprothesen – besondere Risikogruppe

Zu guter Letzt brauchen Frauen mit einer Herzklappenprothese eine besondere kardiologische Betreuung. Bei Frauen mit einer biologischen Prothese ist, bei guter bzw. nur gering eingeschränkter Prothesenfunktion, ein geringes Risiko für Schwangerschaftskomplikationen anzunehmen.

Dagegen gelten Frauen mit mechanischen Klappenprothesen als Hochrisikoschwangere und haben ein sehr hohes Komplikationsrisiko, das spiegelt die Einschätzung der WHO Risikoklassifikation III wider. Folglich müssen Patientinnen in einem Zentrum mit erfahrenen Experten betreut und behandelt werden. Aus der Notwendigkeit der Blutverdünnungstherapie entsteht das Risiko einer Klappenthrombose oder auch Blutungskomplikationen.

Schwangere mit Herzklappenprothesen – Empfehlungen

Eine Änderung in der Leitlinie gab es zuletzt bei der Einnahme von Vitamin-K-Antagonisten bei Patientinnen mit einem mechanischen Klappenersatz. Hier empfiehlt man unter strenger INR-Kontrolle bei einem niedrigen Dosisbedarf (Phenprocoumon < 3 mg/Tag, Warfarin < 5 mg/Tag) eine Fortführung der Blutverdünnungstherapie im 2. und 3. Trimenon bis zur 36. Schwangerschaftswoche. Es erfolgt erst dann ein Wechsel auf Heparin, um Blutungen unter der Geburt besser kontrollieren zu können. Auch im 1. Trimenon ist eine Beibehaltung der Vitamin-K-Antagonisten bei niedrigem Dosisbedarf möglich, und vor allem auch sicher.

Hingegen muss bei einem hohen Vitamin-K-Antagonistenbedarf ein Wechsel auf Heparin zwischen der 6. und 12. Woche erfolgen. Abhängig von der Dosis wurde bei Vitamin-K-Antagonisten ein fetales Risiko mit Fehlgeburten, Tod und Embryopathien beschrieben. Eine vaginale Entbindung unter Blutverdünnungstherapie ist nur kontraindiziert, wenn vorzeitige Wehen unter Vitamin-K-Antagonisten vorliegen.

Zusammenfassend können wir festhalten: Schwangere mit Herzklappenerkrankungen müssen richtig betreut und behandelt werden. Bereits vor einer Schwangerschaft sollte eine Korrektur relevanter Herzklappenfehler erfolgen, andernfalls wäre die Gefährdung für Mutter und Kind zu hoch.

 

2018 ESC Guidelines for the management of cardiovascular disease during pregnancy
Regitz-Zagrosek et al. Clin Res Cardiol 2008; 97:630-65

 

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