Herzstolpern, Herzrasen – nur ein EKG kann eine Diagnose sichern 

Die Symptome von Herzrhythmusstörungen sind unterschiedlich. Sie berichten uns „mein Herz stolpert immer mal wieder“, „mein Herz rast“, „manchmal habe ich das Gefühl, mein Herz macht eine Pause“, zwischen durch ist mein Herz so langsam“ oder „in letzter Zeit schlägt mein Herz immer mal wieder komplett unregelmäßig“.

Symptome können auf spezifische Rhythmusstörungen hinweisen, aber erst das EKG erlaubt eine genaue Diagnose und damit eine sichere Risikoabschätzung. Viele Rhythmusstörungen sind harmlos, manche allerdings können ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen haben.

Eine wichtige Frage, die uns in der Cardiopraxis immer wieder gestellt wird, ist:

  • Soll ich überhaupt ein Smartphone-EKG messen?
  • Wie soll ich ein Smartphone-EKG ableiten?
  • Wann sollte ich ein 1-Kanal EKG bestimmen?

Warum 1-Kanal EKG messen? 

Das Smartphone-EKG ist besonders dann sinnvoll, wenn Sie symptomatische Rhythmusstörungen haben, die bisher schriftlich noch nicht registriert wurden. Die Messung mit schriftlicher Dokumentation ist für den Arzt besonders wichtig, da nur so eine richtige Diagnose möglich wird und damit auch die richtige Therapie. Rhythmusstörungen sind häufig selten, z.B.  einmal im Monat.

Smartphone-EKG – wer sollte diese Funktion nutzen? 

Wir kennen 3 große Gruppen von Menschen, die von einem 1-Kanal EKG profitieren können. Solche mit:

  • Symptomen von Herzrhythmusstörungen
  • einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern
  • bekannten Herzrhythmusstörungen

Menschen mit Symptomen und unbekannten Herzrhythmusstörungen 

Symptome von Herzrhythmusstörungen können sich vielfältig äußern. Manchmal merken Sie einfach nur ein plötzlich einsetzendes Unwohlsein, Unruhe auf der Brust bzw. eine Luftnot. Etwas spezifischer für Herzrhythmusstörungen sind:

  • Herzrasen
  • langsamer Herzschlag
  • Herzstolpern
  • unregelmäßiger Herzschlag

Bei gelegentlich auftretenden Symptomen ist eine Rhythmusstörung häufig noch nicht schriftlich dokumentiert. Gerade hier macht die Aufzeichnung mit dem Smartphone Sinn, um eine richtige Diagnose zu stellen.

Menschen mit symptomatischen Rhythmusstörungen messen zum Zeitpunkt der Symptome, quasi am “point-of-Action“. Des Weiteren sollten auch symptomatische Menschen gelegentlich, das heißt 1-2 Mal pro Woche unabhängig von den Symptomen messen, um gegebenenfalls asymptomatische Rhythmusstörungen zu erfassen und zu dokumentieren.

Risikopatienten für Vorhofflimmern 

Aus unserer Sicht macht es Sinn, wenn Menschen mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern unabhängig von den Symptomen regelmäßig ein 1-Kanal ableiten. Zur Risikogruppe gehören Menschen mit:

  • Alter >65 Jahre
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • vergrößerte Herzvorkammern im Herzultraschall
  • relevante Herzklappenerkrankung
  • Herzschwäche
  • Durchblutungsstörung des Herzens (Koronare Herzkrankheit, nach Herzinfarkt)

Haben Sie ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern, dann sollten Sie z.B. 2 mal pro Woche unabhängig von Symptomen messen. So können asymptomatische Episoden von Vorhofflimmern erfasst werden.

Menschen mit bekannten Herzrhythmusstörungen 

Es macht durchaus Sinn ebenfalls 2 Mal wöchentlich zu messen, wenn bei Ihnen Rhythmusstörungen bekannt und dokumentiert sind. Zunächst harmlose Rhythmusstörungen, wie z.B. vermehrte Vorhofextrasystolen sind nicht selten der Vorbote für Vorhofflimmern.

Wie sollte Sie ein 1-Kanal EKG mit einem Smartphone-EKG gemessen werden? 

Wenn Sie qualitativ ein hochwertiges 1-Kanal EKG mit dem Smartphone ableiten wollen, dann ist eine gute Messroutine wichtig. Nur so können Sie ein verwertbares EKG ohne Störungen, sog. Artefakte ableiten.

Häufig spielt die Bewegung des Armes eine erhebliche Rolle und hat Artefakte zur Folge. Das ist ähnlich wie bei einem verwackelten Foto, wir können dann häufig den Befund nicht richtig erkennen. Am besten Sie leiten ein Smartphone-EKG möglichst im Sitzen ab und legen dabei den Arm auf den Tisch. Während der Aufzeichnung sollte nicht gesprochen werden. Das EKG sollten Sie speichern und zur genauen Betrachtung eventuell auch ausdrucken.

Sie sollten auf den Bedarfsfall vorbereitet sein, da manche Rhythmusstörungen nur einige Minuten anhalten. Daher macht es Sinn, wenn Sie den Umgang mit dem jeweiligen System üben. Zudem ist es sehr wertvoll bei einer auffälligen Messung wiederholt zu messen und somit zu dokumentieren, wie lange die Herzrhythmusstörung dauert.

Smartphone-EKG – automatische Diagnose von Vorhofflimmern – Kommunikation mit einem Kardiologen am besten 

Kardiologinnen und Kardiologen sind Spezialisten für Herzrhythmusstörungen und dafür lange ausgebildet worden. Sie sollten daher mit einem Kardiologen das Vorgehen zur Befundübermittlung und -bewertung besprechen.

Die Diagnosefunktion bei den Kardia-Geräten von AliveCor bzw. von Apple verfügen im Hinblick auf Vorhofflimmern über 3 Diagnosen:

  • normal
  • unklassifiziert
  • mögliches Vorhofflimmern

Bei den Diagnosen “unklassifiziert” und “mögliches Vorhofflimmern” raten wir zur zeitnahen Kontaktaufnahme. Bei Vorhofflimmern steigt das Risiko für einen Schlaganfall an. In der Cardiopraxis haben viele Menschen, die wir betreuen unsere E-Mail oder Handynummer, so dass die Übermittlung rasch erfolgen kann, auch über Textmessaging.

Im Falle von Symptomen, wie Luftnot und Benommenheit raten wir Ihnen eine Notaufnahmestation aufzusuchen bzw. den Rettungsdienst unter 112 zu verständigen.

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