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Dr. Natalie Fleissner
Dr. med. Natalie Fleissner studierte Humanmedizin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Zu ihren Behandlungsschwerpunkten gehört die Bildgebende Diagnostik. Besonders große Expertise hat sie zudem bei der Kontrolle und Nachsorge von Schrittmachersystemen wie dem Implantierbaren Defibrillator (ICD) und hochkomplexen Dreikammerschrittmachern. Zum Profil.

Wann muss ich als Herzpatient Antibiotika nehmen?

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Bei einer bakteriellen Entzündung der Herzinnenhaut und der Herzklappen sprechen wir von einer „infektiösen Endokarditis“. Bei bestimmten Herzfehlern kann sich hieraus eine lebensgefährliche Erkrankung entwickeln. Daher ist eine Prävention besonders wichtig.

 

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Infektiöse Endokarditis

Bei der infektiösen Endokarditis handelt es sich um eine bakterielle Entzündung der Herzinnenhaut, die überwiegend die Herzklappen betrifft. Wenn größere Mengen von Bakterien ins Blut gelangen, können sich diese bei bestimmten Herzfehlern auf den Herzklappen auflagern. Am häufigsten gelangen Bakterien aus der Mundhöhle und von infizierten Hautstellen ins Blut.

Die bakterielle Infektion führt zu Entzündungsreaktionen mit Auflagerung von kleinen Blutgerinnseln und im weiteren Verlauf zur Zerstörung der Herzklappen.

Mit 3-10 auf 100.000 Fälle ist die infektiöse Endokarditis eine seltene, aber trotz medizinischer Fortschritte potenziell lebensbedrohliche Erkrankung. Die Sterblichkeit ist mit 15-40 Prozent hoch.

Welche Patientinnen und Patienten brauchen eine Endokarditis-Prophylaxe?

Früher wurden allen Patientinnen und Patienten mit Herzfehlern ein Antibiotikum vor zahnärztlichen oder chirurgischen Eingriffen gegeben. Studien haben jedoch gezeigt, dass nur bestimmte Herzfehler mit einem höheren Endokarditis- Risiko einhergehen. Zudem sind Antibiotika keine harmlosen Pillen. Ein unkritischer Gebrauch kann zu Resistenzen führen und in Zukunft die Behandlung von bakteriellen Infektionen erschweren.

Folgende Hochrisiko-Patientinnen und -Patienten sollen vorbeugend ein Antibiotikum einnehmen:

  • mit Ersatz der Herzklappen (Kunststoff- und Bioprothesen) und mit einer kathetergestützten Klappentherapie (TAVI oder MitraClip)
  • mit rekonstruierten Herzklappen, wenn künstliches (prothetisches) Material verwendet wurde (z.B. Klappenringe, künstliche Sehnenfäden)
  • mit einer Endokarditis in der Vorgeschichte

Patienten mit angeborenen Herzfehlern:

  • Alle zyanotischen Herzfehler (Blaufärbung der Haut)
  • Bis zu 6 Monate nach operativer oder interventioneller Korrektur unter Verwendung von prothetischem Material oder lebenslang bei Rest- Shunt oder Klappeninsuffizienz

 

Wer benötigt keine Endokarditis-Prophylaxe?

  • Patienten mit einem angeborenen, nicht-zyanotischen Herzfehler
  • Patienten mit einem erworbenen (rheumatischen oder nicht-rheumatischen) Herzfehler (Aortenklappenstenose oder -insuffizienz, Mitralklappeninsuffizienz oder -stenose)
  • Patienten mit einem Mitralklappenprolaps
  • Patienten nach Herztransplantationen, die zusätzlich einen Klappenfehler haben. In den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und European Society für Cardiology ist diese Patientengruppe im Gegensatz zu den Empfehlungen der American Heart Association nicht mehr enthalten.
  • Patienten nach Schrittmacher- /Defibrillatorimplantation

 

Bei welchen Eingriffen muss eine Endokarditis-Prophylaxe erfolgen

Eine Prophylaxe mit Antibiotika sollte bei invasiven zahnärztlichen Eingriffen erfolgen, bei denen es zu einer Manipulation des Zahnfleisches, der tieferliegenden Zahnregionen oder zu einer Eröffnung der Mundschleimhaut kommt.

Ebenfalls erfordern diagnostische (z.B. Endoskopien) oder operative Eingriffe im Bereich von infizierter Haut- und Schleimhaut eine Prophylaxe mit Antibiotika.

Hingegen ist keine Endokarditisprophylase notwendig bei Bronchoskopien, Magen-Darmspiegelung, Blasenspiegelung oder der transösphagealen Echokardiographie (Schluckultraschall Herz).

Sprechen Sie diesbezüglich bei allen Eingriffen unbedingt Ihre behandelnden Ärzte an.

Wie wird die Endokarditisprophylaxe durchgeführt?

Sie nehmen 30-60 min vor dem Eingriff vorzugsweise ein Penicillin-Antibiotikum als Tablette oder als Infusion ein. Bei bekannter Penicillin-Unverträglichkeit eignet sich auch Clindamycin.

Sollte eine notwendige Endokarditisprophylaxe nicht vor dem Eingriff erfolgt sein, kann ausnahmsweise eine Antibiotikagabe bis zu 2 Stunden nach dem Eingriff erfolgen.

Antibiotikum Erwachsene Kinder
Amoxicillin oder Ampicillin 2g oral oder i.v. 50mg/kg oral oder i.v.
Bei Penicillinallergie:
Clindamycin
600mg oral oder i.v. 20mg/kg oral oder i.v.

Welche Allgemeinmaßnahmen gibt es zur Prävention einer Endokarditis?

Folgende Allgemeinmaßnahmen sollten idealerweise nicht nur bei Hochrisiko-Patientinnen und -Patienten, sondern auch in der Allgemeinbevölkerung erfolgen:

Eine strikte Mund- und Hauthygiene

  • Zahnärztliche Kontrollen bei Hochrisikopatienten 2x jährlich, ansonsten 1x jährlich
  • Wunddesinfektion
  • Beseitigung/Vermeidung einer chronisch bakteriellen Besiedlung (Haut, Urin)
  • Kurative antibiotische Behandlung von bakteriellem Infektfokus
  • Keine Selbstmedikation mit Antibiotika
  • Strenge Beachtung der Sterilitätsmaßnahmen bei jedem Risikoeingriff
  • Abraten von Piercing und Tätowieren
  • Infusionskatheter und invasive Eingriffe sollten zurückhaltend genutzt werden. Periphere Zugänge sind gegenüber zentralen Venenkathetern zu bevorzugen. Jeden peripheren Katheter alle 3– 4 Tage erneuern.

Fazit

Eine Endokarditis-Prophylaxe wird nur noch für eine kleine Hochrisikogruppe bei diagnostischen oder therapeutischen Eingriffen empfohlen, wenn mit einer hohen Wahrscheinlichkeit Bakterien ins Blut eingeschwemmt werden.

Gesunde Zähne und eine Körperhygiene schützen Sie besser vor einer Endokarditis als Antibiotika.

Literatur

 

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