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Wer sollte Statine einnehmen?

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Effektive Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen durch Statine

Mit der medikamentösen Behandlung erhöhter Cholesterinwerte gelingt uns nachweislich eine effektive Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen. Statine spielen dabei eine zentrale Rolle, um atherosklerotische Ereignisse zu verhindern. Sie sind also sozusagen die Lipidsenker der ersten Wahl, wenn eine medikamentöse Therapie erforderlich wird. Dieses konnt man durch zahlreiche Studien überzeugend belegen. Gerade wenn Sie einen hohen Ausgangswert haben, profitieren Sie dabei besonders von einer starken Senkung des LDL-Cholesterins. Wir können letztlich davon ausgehen, dass eine LDL-Cholesterinsenkung um etwa 40 mg/dl (oder andere Einheit: 1 mmol/l) das kardiovaskuläre Risiko um 20-22% reduziert.

Primärer Zielwert ist der LDL-Cholesterin-Spiegel

Aber nicht jeder von uns muss einen Cholesterinsenker einnehmen. Denn wir wissen, dass das Atherosklerose-Risiko sehr gut mit dem LDL-Cholesterin-Spiegel korreliert. Eine Bestimmung des LDL-Cholesterins gelingt übrigens rasch – durch eine Blutentnahme im nicht-nüchternen Zustand. Dabei wird die früher übliche Routinebestimmung des LDL/HDL-Quotienten generell nicht mehr empfohlen, da nur bis zu einer gewissen HDL-Cholesterin-Konzentration von einem protektiven Effekt auszugehen ist. HDL-Cholesterinwerte über 70 mg/dl scheinen nämlich wieder mit einem erhöhten Atherosklerose-Risiko verbunden zu sein.

Therapie abhängig vom kardiovaskulärem Gesamtrisiko

In Abhängigkeit von Ihrem LDL-Cholesterinspiegel und vorliegenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall, Durchblutungsstörung der Beine) oder Risikofaktoren führen wir eine individuelle Risikobeurteilung durch und definieren einen Ziel-LDL-Cholesterinwert. Dabei können wir im Rahmen der Primärprävention, z.B. bei fehlendem Atherosklerose-Nachweis und ohne spezielle Begleiterkrankungen (Diabetes, chronische Nierenerkrankung, familiäre Hypercholesterinämie) das sogenannte SCORE-Risiko, welches sich auf das 10-Jahres-Risiko eines tödlichen kardiovaskulären Ereignisses bezieht (www.escardio.org), miteinbeziehen.

Schließlich wird zwischen einem sehr hohen, hohen, moderaten und niedrigen Risiko unterschieden. Aufgrund neuer Studiendaten sind außerdem die aktuellen Zielwerte niedriger angesetzt als früher, wie die folgende Tabelle zeigt:

 

 

LDL-Cholesterin

Zielwert

Sehr hohes Risiko

Nachgewiesene Atherosklerose-Erkrankung (klinisch oder bildgebend):

Akutes und chronisches Koronarsyndrom (Herzinfarkt, instabile und stabile Angina pectoris, PTCA/Stent, Bypass-OP), >50%ige Koronarstenosen

Schlaganfall, transitorisch ischämische Attacke (TIA), cerebrale Verschlusskrankheit oder signifikante Carotisplaques

Periphere arterielle Verschlusskrankheit

Familiäre Hypercholesterinämie in Kombination mit einer arteriosklerotischen Erkrankung oder einem anderen Risikofaktor

Diabetes mit Endorganschaden (Mikroalbuminurie, Retinopathie, Neuropathie) oder 3 zusätzlichen Risikofaktoren

Diabetes mellitus Typ I mit Dauer > 20 Jahren

schwere chronische Nierenerkrankung (GFR < 30 ml/min)

10-Jahres-Risiko  10 % (SCORE)

 

< 55 mg/dl

<1,4 mmol/l

und mindestens 50 % Reduktion vom Ausgangswert

 

 

 

Hohes Risiko

 

Erhöhtes Gesamtcholesterin > 310 mg/dl (> 8 mmol/l), LDL-Cholesterin > 190 mg/dl (>4,9 mmol/l)

 

Blutdruck > 180/110mmHg

 

familiäre Hypercholesterinämie ohne weitere Risikofaktoren

 

Diabetes ohne Endorganschaden, Dauer 10 Jahren oder zusätzlichen Risikofaktoren

 

chronische Nierenerkrankung (GFR 30-59 ml/min)

 

10-Jahres-Risiko von 5-10% (SCORE)

 

 

< 70 mg/dl

<1,8 mmol/

und mindestens 50 % Reduktion vom Ausgangswert

 

 

 

Moderates Risiko

Junge Patienten mit Diabetes (Typ I < 35 Jahren, Typ II < 50 Jahren) und Diabetes-Dauer < 10 Jahren, keine zusätzlichen Risikofaktoren

10-Jahres-Risiko von 1-5% (SCORE)

 

< 100 mg/dl

< 2,6 mmol/l

 

Geringes Risiko

10-Jahres-Risiko < 1 % (SCORE)

 

< 115 mg/dl

< 3 mmol/l

 

Die niedrigsten LDL-Cholesterin-Zielwerte empfehlen wir übrigens Höchst-Risikopatienten. Und zwar solchen Patienten, die ein zweites vaskuläres Ereignis innerhalb von 2 Jahren erlitten haben trotz maximaler lipidsenkender Therapie: Ziel-LDL-Cholesterin < 40 mg/dl (<1,0 mmol/l).

Statine mit Altersbeschränkung?

Diese Therapiestrategien gelten prinzipiell für alle Altersklassen. Allerdings gibt es eine Einschränkung in der Primärprävention, d.h. ohne Vorliegen einer manifesten Atherosklerose-Erkrankung konnte bei den über 75-jährigen Patienten kein Nutzen der Statin-Therapie mehr nachgewiesen werden. Mögliche Ursachen liegen dabei in der oft bestehenden umfangreichen Vormedikation mit häufigen Nebenwirkungen und der Multimorbidität. In der Sekundärprävention, d.h. in der Verhinderung eines erneuten kardiovaskulären Ereignisses, profitieren Ältere allerdings gleichermaßen von einer Statin-Therapie. Deswegen sollte die Therapie unabhängig vom Alter fortgeführt werden.

Lebensstilmaßnahmen: langfristige Effekte in der Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen

Auch wenn Lebensstilmaßnahmen bei kombinierten Fettstoffwechselstörungen und der Hypertriglyzeridämie effektiver die Lipidwerte senken, sollten sie auch in der Therapie der LDL-Hypercholesterinämie als Basistherapie zum Tragen kommen. Hierzu gehören Rauchverzicht – auch Passivrauchen – ebenso wie eine gesunde (pflanzenbasierte) oder mediterrane Ernährung mit ungesättigten Fetten (kaltgepresstes Oliven- oder Rapsöl), Omega-3-Fettsäuren aus Salzwasserfischen und Leinöl, viel Obst, Nüssen und Gemüse. Außerdem ist ausreichend Bewegung angezeigt, mindestens 150 Minuten moderates Training/Woche oder 30-60 min/Tag. Darüber hinaus sollte das Ziel-Gewicht einen BMI 20–25 kg/m2 sowie Bauchumfang <94 cm (Männer) und <80 cm (Frauen) betragen. Schließlich ist ein Blutdruck < 140/90 mmHg das Ziel.

Fazit

Die Behandlung erhöhter Cholesterinwerte mit Statinen ist eine etablierte und effektive Prävention atherosklerotischer Erkrankungen. Dabei bestimmt die Abschätzung des kardiovaskulären Risikos und das Ausmaß der LDL-Cholesterinwerte die medikamentöse Lipidtherapie. Ziel ist es schließlich, sowohl eine Unter-, als auch Überversorgung mit Statinen zu vermeiden.

Literatur:

ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: lipid modification to reduce cardiovascular risk: The Task Force for the management of dyslipidaemias of the European Society of Cardiology (ESC) and European Atherosclerosis Society (EAS), European Heart Journal 2020: 41; 111-188

 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

 

 

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