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Dr. Frank-Chris Schoebel
Dr. Frank-Chris Schoebel
Dr. Frank-Chris Schoebel arbeitet seid 25 Jahren als Kardiologe in Düsseldorf und war über 16 Jahre Mitarbeiter in der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, davon 6 Jahre als Oberarzt.Zum Profil.

Vitamin D gegen Coronavirus: Vorbeugung von COVID-19

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Kennen Sie Ihren persönlichen Vitamin D Spiegel? Dieser ist jetzt während der Corona-Pandemie besonders wichtig. Denn Vitamin D stärkt nicht nur den Knochenbau, Ihre emotionale und körperliche Belastbarkeit. Es ist auch gut für das Immunsystem – das gilt auch für das Risiko einer COVID-19-Infektion.

Coronavirus-Infektion: Prävention durch Vitamin D

Die wissenschaftlichen Belege verdichten sich, dass Vitamin D vor einer schweren Corona-Virusinfektion schützen kann. Dieses gilt vor allem für die Abmilderung des Krankheitsverlaufes im Fall einer Virusinfektion und bewirkt folglich Verringerung von schweren Krankheitsverläufen. Kenntnisse zur individuellen Bildung von Vitamin D aufgrund von Wohnort und Breitengrad sind daher wichtig. Eine Nahrungsergänzung mit Vitamin D sollte individuell in Abstimmung mit einem Arzt auf der Grundlage von Messwerten erfolgen.

Vitamin-D-Bildung im Körper: Sonnenlicht nicht ausreichend

Vitamin D ist ein Mikronährstoff. Seine Aufnahme in den menschlichen Körper findet nur in geringem Maß über die Nahrung statt. Entscheidend für einen ausreichenden Vitamin D Spiegel ist vielmehr die Lichteinstrahlung auf die Haut. Das führt dazu, dass der Körper Vitamin D selber bilden kann. Wesentliche Einflussfaktoren für die Bildung von Vitamin D in der Haut sind somit:

  • geografischer Breitengrad
  • Jahreszeit
  • Sonnenexposition pro Tag (Dauer und Umfang bestrahlte Körperoberfläche)
  • Hauttyp

Für die Erde gilt: je höher der Breitengrad – also je größer die Entfernung vom Äquator und damit je flacher der Einstrahlwinkel der Sonne –, desto weniger Vitamin D kann Ihr Körper selbst bilden. Hinzu kommt, dass sich im Jahreswechsel eine Hemisphäre, je nachdem die nördlicher oder die südliche, von der Sonne weg neigt. So wird der Einstrahlwinkel des Sonnenlichts sehr flach. Neben dem flacheren Einstrahlwinkel werden durch die Wegneigung der Erde von der Sonne auch die Tageslichtphasen kürzer.

Kurz gesagt: Zwischen September und März können Menschen auf der nördlichen Halbkugel ab dem 50. Breitengrad aufwärts (zum Beispiel in Düsseldorf 51° 13′ 39.868″) allein durch Sonneneinstrahlung kein Vitamin D bilden – ganz gleich, wieviel Zeit Sie im Freien mit wieviel exponierter Haut verbringen.

Unsere menschlichen Vorfahren in Afrika waren dunkelhäutig. Je dunkler die Haut, desto geringer ist die Vitamin-D-Bildung in der Haut durch Licht im Vergleich zu heller Hautfarbe. Die Entwicklung einer hellen Hautfarbe nach Migrationswellen aus Afrika in Richtung Norden kann als evolutionsbiologische Anpassung an geringere Lichteinstrahlung interpretiert werden. Das bedeutet gerade für Menschen mit dunkler Hautfarbe, die auf nördlichen Breitengraden leben, ein besonders stark erhöhtes Risiko für einen kritischen Vitamin D Mangel besteht.

Nahrungsergänzungsmittel Vitamin D stärkt Immunsystem

Den meisten ist bekannt, dass Vitamin D wichtig für eine gesunde Knochenbildung ist. Darüber hinaus hat es noch eine Bedeutung für die emotionale und körperliche Belastbarkeit. Aber nur wenige wissen, wie wichtig Vitamin D für das Immunsystem ist.

Die Forschung hat eine entscheidende unterstützende Rolle von Vitamin D für die Funktion der Immunzellen hervorgehoben – insbesondere bei der Modulation der Entzündungsreaktion auf eine Virusinfektion. Auf zellulärer Ebene moduliert Vitamin D die Anpassung an eine Entzündungsreaktion, wobei niedrige Vitamin D Spiegel mit einer überschießenden Entzündungsreaktion verbunden sind. Dieses ist gerade bei der COVID-Infektion von Relevanz. Denn die kritische Phase der Erkrankung tritt in der Regel ein, wenn das Immunsystem überschießend auf das Virus reagiert. Wir sprechen dann vom sogenannten Zytokin-Sturm. Auch die Zytokine und die Regulierung von Zell-Signalwegen werden durch Vitamin D nachweislich moduliert, indem eine überschießende Reaktion abgeschwächt wird.

Nicht zuletzt wird die Bedeutung von Vitamin D für den Entzündungsvorgang durch den positiven Einfluss auf Entzündungsparameter im Blut deutlich, wie auf Interleukin-6, Tumor-Nekrose-Faktor-alpha oder Ferritin.

Coronainfektion verringern durch hohen Vitamin-D-Spiegel

Menschen mit einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel haben ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit SARS-CoV-2. Das bedeutet, dass Vitamin D wahrscheinlich auch die primäre Infektabwehr gegen SARS-CoV-2 Viren stärkt.

 
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Vitamin D-Spiegel <12 Monate und Häufigkeit SARS-CoV-2-positives Testergebnis

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine große retrospektive Analyse eines sehr großen Kollektivs mit über 191.799 Menschen in den USA. Ihnen wurden innerhalb von 12 Monaten vor der Bewertung eine Blutprobe entnommen und auch die Vitamin D Konzentration wurde bestimmt. Die Analyse auf eine aktive Infektion mittels PCR-Test erfolgte zwischen März und Juni 2020. Die Ergebnisse ergaben sehr eindrucksvoll, dass unterhalb eines Vitamin-D-Schwellenwerts von ca. <45 ng/ml das Risiko für ein positives Testergebnis deutlich zu steigen scheint. Das heißt: Ab einem Wert von unter 45 ng/ml ist das Risiko einer Infektion höher je niedriger der Vitamin D Wert ist.

Corona besser abwehren – Krankheitsverlauf mildern

Menschen mit einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel haben ein erhöhtes Risiko eines schwereren Verlaufs einer COVID-19-Erkrankung. Damit werden Menschen, die eine COVID-19 Erkrankung haben auch häufiger in einem Krankenhaus aufgenommen und müssen auch häufiger auf einer Intensivstation behandelt werden. Eine große Metaanlayse – also eine Zusammenfassung mehrerer wissenschaftlicher Studien – hat hier verschiedene kleinere Untersuchungen bestätigt.

So gibt es Hinweise, dass niedrige Vitamin-D-Spiegel mit einer höheren Sterblichkeit durch eine COVID-19 assoziert sind. Das ergibt sich aus Daten verschiedener Länder in Europa. Auch hier steigt – ähnlich wie bei der Erkrankungshäufigkeit – unterhalb eines Vitamin D Wertes von ca. <45 ng/ml das Risiko für einen in diesem Fall tödlichen Verlauf deutlich an. Es lässt sich also festhalten: Je geringer der Vitamin D Wert, desto höher das Risiko an einer COVID-19 Infektion zu sterben.

Therapie bei COVID-Infektion: Vitamin D gegen Coronavirus 

Der therapeutische Einsatz von Vitamin D reduziert das Risiko für andere entzündliche Atemwegserkrankungen im Allgemeinen. Dieses gilt vor allen Dingen für Menschen mit Ausgangswerten <25 ng/ml. Speziell für die Infektion mit dem Corona-Virus liegen mittlerweile einige Therapiestudien vor. Sie zeigen zum Beispiel: Die therapeutische Gabe von Vitamin D hat zur Folge, dass im Fall einer Infektion das Virus schneller wieder aus dem Körper verschwindet. Darüber hinaus werden wahrscheinlich die Übernahmen von COVID-Patienten von einer Normalstation auf eine Intensivstation deutlich verringert.

Von besonderer Bedeutung ist der Schutz sogenannter vulnerabler Gruppen – von älteren Menschen. In einer französischen Untersuchung konnte gezeigt werden, dass im Falle einer Infektion die Gabe von Vitamin D die Sterblichkeit bei Bewohnern von Seniorenheimen um ca. 30% senken kann.

Einnahme von Vitamin D: Vorgehen bei der Substitution 

Inzwischen haben medizinischen Fachgesellschaften in verschiedenen Ländern, wie Israel, Frankreich, der Schweiz, Schottland, Neuseeland, damit begonnen, Vitamin D zur Prävention von COVID-2 zu empfehlen.

Aufgrund der Studienlage empfehlen wir die Messwert-gesteuerte Nahrungsergänzung mit Vitamin D. Angestrebt wird ein Vitamin D Spiegel von 45-60 ng/ml. Grundsätzlich erscheint eine Supplementierung mit Vitamin D für alle Menschen in Deutschland sinnvoll. Achten Sie besonders auf Ihren Vitamin D Spiegel, wenn Sie eine dunkle Hautfarbe haben. Besondere Aufmerksamkeit sollten Menschen aus sogenannten Risikogruppen für den schweren Verlauf einer COVID-Erkrankung schenken. Hierzu zählen:

  • Menschen >60 Jahre, vor allem die hochbetagten Familienmitglieder (zu Hause oder im Seniorenheim)
  • übergewichtige Menschen
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen

Vitamin D Spiegel: Richtwerte, Bestimmung, Empfehlung

Optimal ist eine Bestimmung des Blutspiegels am Ende des Sommers zum Zeitpunkt der Tag- und Nachtgleiche im September, weil so der Schweregrad eines unterschwelligen Mangels und folglich die Dringlichkeit einer gut überwachten Behandlung deutlich wird.

Vitamin D

  • < 10 ng/ml – sehr stark erhöhtes Risiko
  • 10-20 ng/ml – stark erhöhtes Risiko
  • 20-30 ng/ml – mittleres Risiko

Im Verlauf des Winters sollte der Wert im Optimalfall mindestens einmal im Dezember, d.h. sechs bis acht Wochen nach Beginn der Behandlung überprüft und die Dosis gegebenenfalls angepasst werden. Bei Menschen mit Werten <20 ng/ml empfehlen wir häufigere Kontrollen, damit das Therapieziel auch sicher und frühzeitig erreicht wird.

Die Dosis der Vitamin-D-Gabe richtet sich nach Alter (je älter, desto weniger), Körpergröße und -gewicht sowie Befinden. Die Dosis beträgt zwischen 7.000 und 60.000 Einheiten Vitamin D pro Woche.

Komplikationen unter Vitamin-D-Substitution sind ausgesprochen selten. Die gefürchteten Nierensteine unter Substitutionstherapie sind äußerst selten. Bei einem Zustand nach Nierensteinen sollte besonders auf eine adäquat hohe Trinkmenge von 30 ml pro kg Körpergewicht und Tag geachtet werden. Sollte als Zeichen einer zu starken Stoffwechselaktivierung ein vermehrtes Wärmegefühl verbunden mit Unruhe auftreten, dann kann die Dosis verringert werden.

Im Frühjahr – mit der Tag- und Nachtgleiche im März – kann die Vitamin D Behandlung auslaufen. Allerdings sollten Menschen, die einer beruflichen Tätigkeit in geschlossenen Räumen nachgehen, ältere Menschen und solche mit dunkler Hautfarbe die Behandlung in Absprache mit ihrer Ärztin bzw. ihrem Arzt fortsetzen. Nicht zuletzt hat Vitamin D neben seinem positiven Einfluss auf das Immunsystem auch positive Effekte auf den Knochenbau sowie die emotionale und körperliche Leistungsfähigkeit.

Literatur
Annweiler, C et al. Vitamin D and survival in COVID-19 patients: A quasi-experimental study. J Ster Biochem Mol Bio 2020;204
Castillio MA. Effect of calcifediol treatment and best available therapy versus best available therapy on intensive care unit admission and mortality among patients hospitalized for COVID-19: A pilot randomized clinical study J Ster Biochem Mol Bio 2020;203:
Israel A et al. The link between vitamin D deficiency and Covid-19 in a large population. medRxiv 2020
Jain, A et al. Analysis of vitamin D level among asymptomatic and critically ill COVID-19 patients and its correlation with inflammatory markers. Sci Rep 2020 1020191
Kaufman HW et al. SARS-CoV-2 positivity rates associated with circulating 25-hydroxyvitamin D levels. Plos One 2020
Laird E et al. Vitamin D and inflammation: potential implications for severity of Covid-19. Ir Med J 2020;113:81
Martineau AR et al. Vitamin D supplementation to prevent acute respiratory tract infections: systematic review and meta-analysis of individual participant data. BMJ 2017;356:i6583
Meltzer DO et al. Association of Vitamin D Status and Other Clinical Characteristics With COVID-19 Test Results. JAMA 2020 3(9):e2019722.
Merzon E et al. Low plasma 25(OH) vitamin D level is associated with increased risk of COVID‐19 infection: an Israeli population‐based study. The FEBS Journal 287 (2020) 3693–3702

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