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Gerinnungsstörung: Blutungen durch Blutgerinnungshemmer

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Plötzliche Blutungen unter Einnahme von Medikamenten, die die Blutgerinnung hemmen? Das kann passieren. Und manchmal sind diese Blutungen nicht einmal sichtbar. Wie Sie sich absichern können? Wir wägen Nutzen gegen Risiko ab. Die wichtigsten Informationen finden Sie im Video und im Text.

 

Gerinnungshemmer – Blutverdünner

Wir setzen aufgrund verschiedener Erkrankungen unterschiedliche gerinnungshemmende Substanzen ein. Hierzu zählen die sogenannten Thrombozytenaggregationshemmer. Sie werden nach einem Herzinfarkt, Schlaganfall (ohne Vorhofflimmern) oder Stent-Implantation üblicherweise eingesetzt. Typische Medikamente sind sowohl Aspirin und Clopidogrel als auch – beim akuten Koronarsyndrom – Ticagrelor und Prasugrel. Darüber hinaus gibt es die Gruppe der sogenannten Antikoagulanzien. Sie werden typischerweise bei Vorhofflimmern eingesetzt sowie nach Thrombosen und Lungenembolien. Hierzu gehören Marcumar und seit einigen Jahren auch die sogenannten NOAKs, wie Rivaroxaban, Apixaban Edoxaban und Dabigatran.

Therapie mit Gerinnungshemmer – Nebenwirkungen

Eine besonders zu beachtende Nebenwirkung der blutverdünnenden Therapie ist eine vermehrte Blutungsneigung. Dabei kann die Blutung sichtbar sein, zum Beispiel nach einem Sturz mit Blutergussbildung. Es kann aber auch zu einer nicht sichtbaren Blutung – der sogenannten okkulten Blutung – kommen. Diese äußert sich typischerweise über den Magendarmtrakt. So kann es zu einem sehr langsamen Blutverlust über Wochen kommen.

Gerinnungsstörung: Symptome einer Blutarmut

Typische Symptome für eine Blutarmut entstehen dadurch, dass im Blut zu wenige rote Blutkörperchen enthalten sind. Damit ist auch zu wenig Hämoglobin als Sauerstoffträger im Blut vorhanden. Zu den Symptomen zählen zum Beispiel:

  • Verminderte Leistungsfähigkeit
  • Abgeschlagenheit und Müdigkeit
  • Luftnot
  • Hautblässe
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen

Blutarmut – Diagnostik für chronischen Blutverlust

Beim sehr langsamen wenigen Blutverlust über den Magen-Darm-Trakt kann der Stuhl seine normale Farbe behalten und ist nicht typischerweise schwarz oder dunkel gefärbt. Über eine Laboranalyse lässt sich eine sogenannte Blutarmut (= Anämie) sehr leicht erkennen. Gewöhnlich ist bei der chronischen Blutungsanämie der sogenannte Hämoglobinwert erniedrigt und die roten Blutkörperchen sind klein. Wir sprechen in diesem Fall auch von einer mikrozytären Anämie. Außerdem erkennen wir einen Mangel an Speichereisen (=Ferritin), da über den Blutverlust auch Eisen über den Körper ausgeschieden wird. Der Nachweis von okkultem Blut im Stuhl kann zum Beispiel mit dem sogenannten Hämoccult-Test gelingen. Mit diesem lassen sich Blutspuren im Stuhl nachweisen. Eine weiterführende Diagnostik beinhaltet endoskopische Untersuchungen, wie eine Magen- und Darmspiegelung oder eine Ultraschalluntersuchung des Bauches.

Was tun bei Blutarmut durch Gerinnungshemmer?

In erster Linie geht es natürlich um die Nutzen-Risiko-Analyse. Das heißt zum einen Vermeiden von einer Komplikation im kardiovaskulären System, beispielsweise von einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Zum anderen geht es um das Vermeiden einer relevanten Blutarmut. An erster Stelle steht natürlich die Diagnostik und mögliche Sanierung einer Blutungsquelle, zum Beispiel eines Magengeschwüres. Darüber hinaus kann der Eisenmangel durch eine Eisensubstitution behoben und damit die Blutbildung angeregt werden. Darüber hinaus werden die Gerinnungshemmer in ihrer Dosierung angepasst an die Leber- und die Nierenfunktion. Hier sollte regelmäßig eine Überprüfung stattfinden. Zudem überprüfen wir Therapiealternativen: Beispielsweise bei Vorhofflimmern mit wiederholten Blutungen unter der blutverdünnenden Therapie ist der Vorhofohr-Occluder eine Therapieoption. Dies bedeutet, dass das Vorhofohr mit einem „Stopfen“ versehen wird. So können sich die Blutgerinnsel im Vorhofohr, die für ca. 90% aller Thrombembolien verantwortlich gemacht werden, nicht mehr bilden. Was auf keinen Fall getan werden sollte, ist das Absetzen des gerinnungshemmenden Medikaments ohne ärztliche Rücksprache.

Therapieüberwachung bei Einnahme der Gerinnungshemmer

Es sollte regelmäßig eine Laborkontrolle stattfinden. Hier schauen wir nach den Parametern der Nieren- und Leberfunktion, um gegebenenfalls Dosisanpassungen vornehmen zu können. Darüber hinaus wird das Blutbild hinsichtlich einer Blutarmut überprüft. In regelmäßigen Abständen ist die Begleitmedikation zu überprüfen, da es durch Interaktion der Medikamente zur Unter- oder auch zur Überdosierung kommen kann. Die Therapie mit einer blutverdünnenden Substanz bedarf bei Änderung immer der ärztlichen Rücksprache. Es sollte niemals eigenmächtig das Medikament abgesetzt werden. Denn eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Analyse ist eine der wichtigsten ärztlichen Aufgaben in der Herz-Kreislauf-Medizin beim Einsatz von Medikamenten, die die Blutgerinnung hemmen.

Literatur

Hindricks G et al. 2020 ESC Guidelines for the diagnosis and management of atrial fibrillation developed in collaboration with the European Association for Cardio-Thoracic Surgery (EACTS): The Task Force for the diagnosis and management of atrial fibrillation of the European Society of Cardiology (ESC) Developed with the special contribution of the European Heart Rhythm Association (EHRA) of the ESC, European Heart Journal, ehaa612

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