Nüsse – ein gesundes Lebensmittel

Nüsse sind nahrhaft. Sie enthalten Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. Darüber hinaus sind auch gesunde Fette enthalten.

Nüsse erhöhen die Lebenserwartung

Eine Metaanalyse, das heißt eine Zusammenfassung von mehreren hochwertigen Studien, hat bei 467.389 Menschen den Zusammenhang zwischen Nüssen und Sterblichkeit untersucht. Dabei wurden die Gruppen mit niedriger Zufuhr (die untersten 20%) und hoher Zufuhr (die obersten 20%) verglichen. Das Nachbeobachtungsintervall betrug 4-30 Jahre. Erstaunlicherweise konnte der regelmäßige Genuss von Nüssen die Herz-Kreislaufsterblichkeit um 27% senken.

Ursachen für die positive Wirkung von Nüssen

Nüsse enthalten einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren. Diese sind antientzündlich und blutdrucksenkend. Darüber hinaus sind sie reich an wertvollen Mineralien wie Kalzium, Magnesium und Kalium. Auch die B-Vitamine und die Antioxidantien haben eine günstige Wirkung auf das kardiovaskuläre Risiko. Außerdem verdrängen Nüsse Fast Food und Snacks als negative Lebensmittel.

Wie viele Nüsse am Tag sind gesund?

Ca. 50 g Nüsse am Tag sind für Ihr Gewicht unbedenklich. Sollten Sie mehr Nüsse pro Tag essen, dann müssen Sie Kalorien an anderer Stelle sparen. Die salzfreie Zubereitung ist wichtig. Erdnuss-Flips zum Beispiel (100 g) enthalten sage und schreibe 2 g Salz, haben 500 kcal und nur 30% Erdnussanteil (Basis ist Maisgries), hingegen hat eine Nusskernmischung von 100 g nur 0,02 g Salz, 634 kcal und einen 100%igen Nussanteil. Folglich ist der Salzgehalt bei Erdnuss-Flips um das 100-fache erhöht. Salz ist ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung eines Bluthochdruckes und sollte tunlichst vermieden werden.

Wann und für wen sind Nüsse besonders sinnvoll?

In der Regel ist der Nussgenuss für alle Menschen gesund.

Besonders gesund sind Nüsse für ältere Menschen, da sie häufig zu wenige und die falschen Kalorien zu sich führen. Somit stellen Nüsse gerade für ältere Menschen gesunde Kalorien dar und enthalten darüber hinaus das für den Energiestoffwechsel so wichtige Phosphat.

Frauen mit normalem Ovulationszyklus leiden durch die Regelblutung häufig an einem Eisenmangel. Hier kann die Zufuhr von Nüssen unterstützend wirken. Allerdings sollten Frauen auch regelmäßig ihren Eisengehalt im Blut testen lassen, weil der alleinige Nussgenuss selten ausreichend ist. Schwangere haben einen erhöhten Energie- und Nährstoffbedarf. Das liegt allein schon im Wachstum des Kindes begründet. Auch hier können Nüsse sinnvoll sein.

Jugendliche haben als heranwachsende Menschen ebenfalls einen erhöhten Energie- und Nährstoffbedarf. Stellen Sie sich einmal vor, was es für den menschlichen Körper bedeutet, wenn er innerhalb von einem Jahr 30 cm wächst. Gerade Jugendliche sollten daher Nüsse essen.

Vorsicht bei Nüssen – Kinder, Allergie und Histaminintoleranz

Kinder sind häufig mit 2-3 Sachen gleichzeitig beschäftigt. Sie spielen wild und sind leicht abgelenkt. Haben sie noch eine Nuss im Mund, dann ist das ein Risiko. Die geringe Größe der Nuss führt dazu, dass sie in die Luftröhre gelangen kann und von da aus in die tiefen Lungenabschnitte. Das kann von den Eltern sofort bemerkt werden, wenn ein Erstickungsgefühl entsteht. Manchmal merken die Eltern es aber nicht und erst später treten die Folgen, z.B. in Form einer Lungenentzündung, zutage. Kinderärzte empfehlen daher, dass man ganze Nüsse von Kindern unter 4 Jahren fernhalten sollte.

Ca. 1,4% der Bevölkerung leiden an einer echten Nussallergie. Dabei spielen Erdnüsse mit über 50% der Fälle die entscheidende Rolle, gefolgt von Walnüssen mit 34% und Cashews von 20%. Das Risiko ist ein allergischer Schock. Sollten Sie daher an einer Nussallergie leiden, dann sollten Sie auch keine Nüsse konsumieren.

Nüsse sind häufig sog. Histaminliberatoren. Das heißt, dass durch die Inhaltsstoffe der Nüsse aus den Mastzellen vermehrt Histamin freigesetzt wird. Dieses ist ein nicht-allergischer Mechanismus der Histaminfreisetzung. Es können sehr leichte bis schwere Symptome auftreten, sodass die Dunkelziffer der Unverträglichkeit hier hoch ist. Auch Menschen mit einer Histaminintoleranz sollten daher bestimmte Nüsse meiden. Macadamia und Walnuss gelten hier übrigens als unbedenklich.

 

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Bluthochdruck – häufig in der Schwangerschaft

Zu den häufigsten kardiovaskulären Erkrankungen in der Schwangerschaft zählt Bluthochdruck: Etwa 5-10 % der Schwangeren in Europa sind betroffen und der Bluthochdruck ist zudem eine der häufigsten mütterlichen Todesursachen. In Zahlen ausgedrückt sprechen wir von einer Blutdruckerhöhung in der Schwangerschaft bei Werten von > 140/90 mmHg, wobei leichte Formen (140-159/90-109 mmHg) von schweren Formen (>160/110 mmHg) unterschieden werden.

Bluthochdruck bei Schwangerschaft – präexistente Hypertonie versus Schwangerschaftshypertonie

Wir sprechen bei einer vorbekannten Hypertonie oder einem Auftreten vor der 20. Schwangerschaftswoche von einer präexistenten Hypertonie. Im Vergleich dazu tritt die sogenannte Schwangerschaftshypertonie (Gestationshypertonie) erst nach der 20. Schwangerschaftswoche auf, sie erkennt man an einem normalisierten Blutdruck nach der Geburt (binnen 42 Tagen). Und bei einer Schwangerschaftshypertonie können wir kein Eiweiß im Urin nachweisen (Proteinurie), was wiederum bei der gefährlichen Präeklampsie der Fall ist.

Präeklampsie – Bluthochdruck mit schweren Komplikationen in der Schwangerschaft 

Von einer Präeklampsie sprechen wir, wenn bei der Schwangerschaftshypertonie oder auch einer vorbestehenden Hypertonie Organkomplikationen auftreten. Nur dieses Krankheitsbild allein führt zu weltweit 70.000 mütterlichen Todesfällen pro Jahr, in Europa etwa beobachtet man bei 2-5% aller Schwangerschaften diese besonders schwere Hypertonieform.

Dabei können wichtige Organsysteme in der Funktion gestört sein, zum Beispiel kann eine Nierenschädigung (Proteinurie) vorliegen oder auch eine Leberzellschädigung mit Oberbauchbeschwerden, häufig das erste Symptom. Besonders gravierend sind ein auftretendes Lungenödem sowie eine vorzeitige Plazentalösung. Und häufig kann zudem das zentrale Nervensystem von Schlaganfällen, Hirnblutungen durch Gerinnungsstörungen oder auch Krampfanfällen betroffen sein.

Durch ein Multiorganversagen mit schweren Gerinnungsstörungen kann es ebenso zu einer lebensbedrohlichen Situation für die Mutter kommen. Außerdem sind die Folgen für das ungeborene Kind oft gravierend, sie reichen von Entwicklungsverzögerung über Frühgeburtlichkeit bis hin zur Fehlgeburt.

Noch nicht eindeutig geklärt sind die Ursachen für die Präeklampsie. So nehmen Experten zum Beispiel eine gestörte Entwicklung des plazentaren Gefäßsystems mit einer gestörten Durchblutung der Plazenta an, auch wird eine gestörte Gefäßpermeabilität mit einer endothelialen Dysfunktion diskutiert. Außerdem scheinen ein Überwiegen sogenannter vasoaktiver Substanzen (Endothelin) und eine gesteigerte Aktivität des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems eine wichtige Rolle zu spielen.

Risikofaktoren für Präeklampsie

Hinzu kommt, dass Patiententinnen mit ganz verschiedenen Erkrankungen zu einem hohen Risiko für eine Präeklampsie neigen. Neben einem vorher bestehenden Bluthochdruck oder einer Präeklampsie in der vorherigen Schwangerschaft zählt dazu eine chronische Nierenerkrankung. Ebenso Autoimmunerkrankungen (Antiphospholipid-Syndrom bei Lupus erythematodes) und Diabetes Typ I und II.

Dagegen liegt ein mittleres Risiko vor, wenn mehr als einer der folgenden Faktoren auftritt. Dazu gehören etwa die erste Schwangerschaft, ein Alter über 40 Jahre und ein BMI von 35 kg/m2. Auch Mehrlingsschwangerschaften oder eine Familienanamnese für Präeklampsie sind in diesem Zusammenhang zu nennen.

Mithilfe einer Urinanalyse auf Proteine, einer Blutdruckkontrolle und einer Dopplersonografie der Arteriae uterinae wird jede Schwangere im 2. und 3. Trimenon auf Präeklampsie untersucht. Stellen wir ein individuell höheres Präeklampsie-Risiko fest, empfehlen wir eine Medikation mit Aspirin 100 mg/Tag ab der 12. bis zur 36. bzw. 37. Schwangerschaftswoche.

Wenn leichte Formen der Präeklampsie vorliegen, dann ist die Entbindung nach 37 Wochen die einzige kausale Therapie. Wenn dagegen eine schwere Präeklampsie besteht, dann muss in dieser Notfallsituation eine Entbindung so schnell wie möglich erfolgen. Mit besonders schweren Komplikationen der Präeklampsie verbunden ist das HELLP-Syndrom, das wiederum in 0,1- 0,2% aller Schwangerschaften und bei 10 -20 % aller Frauen mit Präeklampsie auftritt. Dabei kommt es zu einer Hämolyse, erhöhten Leberwerten und auch zu einem Abfall der Thrombozyten.

Bluthochdruck-Therapie in der Schwangerschaft

Prinzipiell beginnt man eine medikamentöse Therapie bei einem Blutdruck von über 150/95 mmHg. Folglich behandeln wir einen Blutdruck schon ab > 140/90 mmHg nur in Einzelfällen, wie zum Beispiel bei einer Proteinurie oder Symptomen.

Mittel der ersten Wahl in der Blutdrucktherapie ist das altbekannte Alpha-Methyldopa, zudem ist eine Medikation mit einem Kalziumantagonisten wie dem retardierten Nifedipin sicher. Dagegen sind β1-selektive-Rezeptorblocker, hier bevorzugt das Metoprolol, nur eingeschränkt geeignet. Und vollkommen ungeeignet sind die oft in der Blutdrucktherapie eingesetzten entwässernden Medikamente (Diuretika), weil sie das Plasmavolumen reduzieren. Sogar nierenschädigend für das Neugeborene können die ACE-Hemmer, AT-Blocker sowie der direkte Renin-Inhibitor Aliskiren sein. Deswegen sind gerade diese Medikamente in der Schwangerschaft und auch in der Stillzeit streng kontraindiziert.

Zusammengefasst kann man sagen, dass Frauen mit Bluthochdruck oder Präeklampsie insgesamt ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen auch nach der Geburt haben. Zudem tritt die peripartale Kardiomyopathie (Herzinsuffizienz im Wochenbett) häufiger auf. Außerdem haben Frauen auch ein erhöhtes Risiko dafür, eine Hypertonie, einen Schlaganfall oder eine koronare Herzerkrankung im späteren Erwachsenenalter zu entwickeln.

 

 

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Lakritz – nicht zu viel

Lakritz ist beliebt und wird gern gegessen. Was den Lakritzverbrauch angeht, gibt es ein Nord-Süd-Gefälle: Der Lakritzverbrauch ist in den nordeuropäischen Ländern deutlich größer als in den südeuropäischen Ländern.

Man stellt Lakritz aus dem Wurzelextrakt des echten Süßholzes her. Von diesem Süßholzextrakt enthält Lakritz mindestens 3%. Dabei ist der Hauptinhaltsstoff der Süßholzwurzel Glycyrrhizin. Dessen Gehalt in der Süßholzwurzel ist variabel und liegt bei ca. 3-15%.

Lakritz – Wirkung von Glycyrrhizin im Organismus

Glycyrrhizin hat als relevanten Effekt eine mineralocorticoide Wirkung. Das heißt, dass mehr Salz und damit mehr Wasser im Körper gehalten wird. Es ist anzunehmen, dass über eine Hemmung des Cortisol-abbauenden Enzyms die Plasmaspiegel von Cortisol erhöht werden. Somit hat Glycyrrhizin einen dosisabhängigen mineralcorticoiden Effekt. Daher sind bei regelmäßiger Einnahme von 100 mg Glycyrrhizin pro Tag Gesundheitsstörungen zu erwarten.

Die Auswirkungen auf den Organismus sind insbesondere:

Glycyrrhizingehalt im Lakritz

Für den Glycyrrhizingehalt im Lakritz gibt es keine genaue Deklarationspflicht. Ab einem Gehalt an 10mg Glycyrrhizin pro 100g gilt die Hinweispflicht “enthält Süßholz”. Darüber hinaus sind Lakritzprodukte, die mehr als 0,2% Glycyrrhizin enthalten, als Starklakritze zu kennzeichnen.

Bei den Nicht-Starklakritzen ist aufgrund des unterschiedlichen Glycyrrhizingehaltes in der Süßholzwurzel der Gehalt variabel. Jedoch kann man sicher sagen, dass er unter 0,2% Glycyrrhizin liegt. Das heißt bei Nicht-Starklakritzen, die weniger als 0,2% Glycyrrhizin enthalten: Hier können wir ab einer Menge von 50 g Lakritz einen maximalen Inhalt von 100 mg Glycyrrhizin (entsprechend maximal 0,2% Glycyrrhizin) erwarten.

Lakritz: Empfehlungen für den Genuss

Es wird empfohlen, regelmäßig nicht mehr als maximal 50 g Lakritz zu essen. Denn ansonsten können Gesundheitsstörungen auftreten. Vor allem Vorsicht geboten ist bei Starklakritzen, die einen sehr variablen hohen Glyceringehalt haben können: hier können schon bei deutlich geringerer Menge als 50 g Gesundheitsstörungen auftreten.

Durch die vermehrte Ausscheidung von Kalium durch Lakritz besteht das Risiko für Herzrhythmusstörungen durch Kaliummangel. Hier kann es insbesondere bei herzkranken Menschen zu einer Verschärfung durch gleichzeitigen Gebrauch von Kalium- und Wasser-ausscheidenden Medikamenten (sogenannte Diuretika) kommen. Daher müssen wir insbesondere herzkranken Menschen von einem regelmäßigen Lakritzgenuss abraten.

Lakritz und Bluthochdruck

Die medizinische Relevanz der mineralcorticoiden Wirkung von Lakritz besteht insbesondere bei Bluthochdruck. Zwar ist Bluthochdruck durch vermehrten Lakritzgenuss sicherlich nicht an der Tagesordnung, wir beobachten das Phänomen aber immer wieder. Dies gilt vor allen Dingen für eine unerklärte Bluthochdruckerkrankung bei jungen Menschen. Ebenso daran denken sollten wir bei Bluthochdruck mit begleitenden, zunächst unklaren niedrigen Kaliumspiegeln im Blut.

 

 

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Einnahmezeitpunkt von Medikamenten zur Behandlung des Bluthochdrucks

Die meisten Menschen nehmen Herz-Kreislaufmedikamente am Morgen ein. Das geschieht meistens aus medizinischen Gründen. Natürlich ist es einfach auch bequemer und sicherer alle Tabletten auf einmal zu nehmen, denn gerade eine zusätzliche Abendmedikation wird doch gelegentlich vergessen.

Allerdings deuten wissenschaftliche Studien darauf hin, dass wir hier im Hinblick auf den Einnahmezeitpunkt gerade von blutdrucksenkenden Medikamenten umdenken müssen.

Die Kreislaufanpassung von der Nacht zum Tag – eine Herausforderung für Herz und Kreislauf

Die Kreislaufregulation dient der Aufrechterhaltung eines adäquaten Blutdruckes, so dass Ihr Gehirn zu jedem Zeitpunkt ausreichend durchblutet wird – vor allen Dingen auch gegen die Schwerkraft.

In der Nacht entspannen sich Ihre Arterien und Venen und auch der Kreislauf kommt insgesamt zur Ruhe. Daher ist sind Ihr Blutdruck und die Herzfrequenz in der Nacht niedriger als am Tag. Bei der sogenannten Langzeit-Blutdruckmessung bezeichnen wir das als typische Nachtabsenkung. Sie beträgt gegenüber dem Tageswert >10%.

Bedingt durch Ihre genetische Innere Uhr beginnt sich der Kreislauf bereits noch im Schlaf und damit vor dem Erwachen auf die Aktivität in aufrechter Körperposition vorzubereiten. Das können wir sozusagen als „Vorglühen” oder noch besser “Vorspannen” bezeichnen. Das hat den Sinn, dass der spätere Wechsel vom Liegen zum Stehen eine nicht allzu große Belastung für den Kreislauf wird.

Findet dann beim Schritt aus dem Bett der Wechsel von der Horizontallage (Nachtschlaf) zur vertikalen Lage (Stehen, Sitzen) statt, fällt der Blutdruck kurzzeitig plötzlich ab. Der Blutdruckabfall ist in der Regel so ausgeprägt, dass eine Ohnmacht droht. Allerdings merken wir das nicht, weil unser Körper innerhalb von wenigen 100 Millisekunden gegenreguliert. Diese Adrenalin-vermittelte Gegenregulation können wir über den Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz messen.

Gleichzeitig stellt diese Ausgleichsreaktion gerade bei überschießendem Blutdruckanstieg am Morgen eine besonders hohe Kreislaufbelastung dar. Folglich erklären diese Adrenalin-vermittelten Mechanismen auch, warum morgens nach dem Aufstehen, am häufigsten zwischen 9:00 Uhr und 12:00 Uhr Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkte, plötzlicher Herztod und Schlaganfälle auftreten.

Blutdruckmedikamente am Morgen

Die genannten Mechanismen der Kreislaufanpassung sind der Hauptgrund dafür, dass wir bisher die Blutdruckmedikamente am Morgen zuführen. Allerdings nehmen wir die Medikamente typischerweise am Morgen NACH dem Aufstehen ein, meistens erst zum Frühstück. Das heißt, NACHDEM bereits eine erhebliche Adrenalin-vermittelte Aktivierung stattgefunden hat. – Dann kann es schon zu spät sein, denn die Adrenalin-vermittelte Aktivierung ist bereits im vollen Gange.

Was ist Chronopharmakotherapie?

Chronopharmakotherapie bedeutet eine Anpassung der Einnahme von Medikamenten an die Innere Uhr, also an die zirkadianen Rhythmen von Stoffwechselprozessen.

Ein typisches und gut bekanntes Beispiel ist hier die abendliche Einnahme von Statinen zur LDL-Cholesterinsenkung. Das ist sinnvoll, weil die Leber das LDL-Cholesterin, einer der Hauptrisikofaktoren für die Arteriosklerose, in der Nacht bildet. Folglich wird mit der abendlichen im Vergleich zur morgendlichen Einnahme von Statinen der gleiche therapeutische Effekt mit einer geringeren Dosis erzielt. Das hilft  dann auch die Nebenwirkungen von Statinen zu vermeiden.

Renin-Angiotensin-Aldosteron-System – wichtig für die Blutdrucksteuerung

Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System ist wichtig für die hormonelle Steuerung Ihres Blutdrucks. Renin wird in der Niere gebildet und bewirkt dann in Ihrem Körper über verschiedene Schritte die Bildung von  Angiotensin II. Angiotensin II bewirkt eine Engstellung der Blutgefäße und damit einen Anstieg des Blutdrucks. Darüber hinaus verursacht Renin so auch indirekt, dass in den Nebennieren Aldosteron freigesetzt wird, was Flüssigkeit im Körper hält und so ebenfalls zur Aufrechterhaltung des Blutdrucks beiträgt.

Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System ist einer der Hauptangriffspunkte, um einen erhöhten Blutdruck medikamentös zu senken. Hierfür setzen wir verschiedene Medikamente ein:

  • ACE-Hemmer, z.B. Ramipril
  • AT-Blocker, z.B. Valsartan, Olmesartan, Telmisartan
  • Reninblocker, z.B. Aliskiren
  • Aldosteron-Anatagonisten, z.B. Spironolacton, Epleneron

Das Besondere am Renin-Angiotensin-Aldosteron System ist, dass Renin in der Niere bereits in der Nacht vermehrt gebildet wird. Folglich steigen auch die abhängigen kreislaufaktiven Hormone, wie z.B. Aldosteron vor dem Erwachen an. Es ist das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, das die so wichtige Vorspannung des Blutgefäßsystems im Sinne des „Vorglühens” VOR dem Aufstehen bewirkt. Wie beschrieben, würde das nicht passieren, dann hätten Sie beim Aufstehen erhebliche Kreislaufprobleme mit Benommenheit bis hin zur Ohnmacht.

Als Folge der genetischen Steuerung durch die Innere Uhr bleibt diese zirkardiane Rhythmik übrigens auch dann bestehen, wenn Sie über mehrere Tage im Bett liegen bleiben.

Hygia Chronotherapy Trial – Blutdrucksenker-Einnahme am Morgen vs. zur Nacht

Die Studie Hygia Chronotherapy Trial hatte sich zum Ziel gesetzt zu untersuchen: Hat eine Einnahme aller Blutdruckmedikamente zur Naht einen Vorteil gegenüber der morgendlichen Einnahme unmittelbar beim Aufstehen? Hierfür wurden 19.094 Patienten mit Bluthochdruck einbezogen, die mehr als ein Blutdruckmedikament einnahmen. Das Alter betrug 60,5 +/-13,7 Jahre.

Die Studienteilnehmer waren angewiesen die Medikamente auf ihrem Nachttisch zu platzieren. So nahmen 50% der Menschen die Medikation am Morgen unmittelbar mit dem Aufstehen ein;  50% nahmen die Blutdrucksenker am Abend unmittelbar vor dem Schlaf ein. Das Nachbeobachtungsintervall betrug im Median 6,3 Jahre.

Hygia Chronotherapy Trial – Eingriff in das Renin-Angiotensinsystem der häufigste medikamentöse Therapieansatz

Die Studienteilnehmer erhielten Blutdrucksenker mit einem Angriffspunkt im Renin-Angiotensin-System zu 78,4% am Morgen bzw. 76,5% am Abend. Ca.  2 von 3 Menschen in beiden Gruppen nahmen einen AT-Blocker, die übrigen einen ACE-Hemmer.

Einen sog. Kalziumantagonisten, einschließlich Verapamil, erhielten 22,0 beziehungsweise 17,5% der Patienten. Einen Betablocker nahmen lediglich 22,0 bzw. 17,5% der Menschen mit Bluthochdruck ein. Eine harntreibende Medikation mit einem Diuretikum wurde wesentlich häufiger, d.h. in 46,5 bzw. 39,5% der Fälle, gegeben.

Blutdruckmedikamente am Abend – bessere Bluteinstellung am Tag und in der Nacht

Die Einnahme von Blutdrucksenkern zur Nacht ergab im Hygia Chronotherapy Trial eine statistisch bedeutsame verbesserte Blutdruckeinstellung in der 48h-Stunden-Blutdruckmessung. Dieser Effekt war in der Nacht am deutlichsten. Wichtig ist hier hervorzuheben, dass die Werte am Tag sich nicht verschlechterten.

In der 48h-Langzeitblutdruckmessung wiesen in der Ausgangsuntersuchung 49,0 in der Morgen- und 49,3% in der Abendgruppe eine fehlende Nachtabsenkung des Blutdrucks gegenüber den Tageswerten von <10% auf. Während dieser Anteil in der Gruppe mit morgendlicher Behandlung auf 50,3% leicht anstieg, fiel er bei den Menschen mit abendlicher Einnahme deutlich auf 37,5% ab.

Das bedeutet, dass bei Menschen mit fehlender Nachtabsenkung durch die Zufuhr der Medikation zur Nacht bei 23,9%  Blutdruckprofil normalisiert werden konnte. Das lässt auch den Schluss zu, dass in Anbetracht eines Konditionierungseffektes durch niedrige Blutdruckwerte in der Nacht wahrscheinlich auch die Dosis der Blutdrucksenker insgesamt reduziert werden kann.

Blutdruckmedikamente zur Nacht – weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle und geringere Sterblichkeit

Während frühere wissenschaftlichen Untersuchungen bereits eine verbesserte Blutdruckeinstellung durch die abendliche Gabe von Medikamenten gezeigt hatten, beinhaltete der Hygia Chronotherapy Trial erstmalig auch eine aussagekräftige sog. klinische Endpunktanalyse.

Der Hygia Chronotherapy Trial demonstrierte hier eine eindrucksvolle Risikoreduktion für kardiovaskuläre Ereignisse durch die abendliche Blutdruckmedikation. Die Gesamtsterblichkeit war gegenüber der Gruppe, die ihre Medikamente nur am Morgen eingenommen hatte, um eindrucksvolle 45% und die kardiovaskuläre Sterblichkeit um 66% verringert. Dabei traten auch deutlich weniger Herzinfarkte, Episoden der Herzschwäche, Schlaganfälle und Hirnblutungen auf.

Welche Blutdruckmedikamente wann einnehmen?

ACE-Hemmer, Angiotensin-Blocker, Reninblocker. Insbesondere diese Medikamente sollten Sie eher zur Nacht einnehmen. So wird das Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems in der Nacht ganz im Sinne Ihrer Inneren Uhr gezielt blockiert. Folglich muss man erwarten, dass dieser Umstand gerade die morgendliche Blutdruckeinstellung verbessert. Möglicherweise kann man auch die Dosis verringern, sodass sich auch Nebenwirkungen vermeiden lassen.

Betablocker. Bei Betablockern, z.B. Metoprolol und Bisoprolol, sollten aus unserer Sicht eine sorgfältige Abwägung erfolgen. Auf der einen Seite ist es so, dass Beta-Blocker die Blockierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems unterstützen. Auch wird ihr häufig beruhigender Effekt  gerade am Abend von vielen Menschen geschätzt. Auf der anderen Seite können Beta-Blocker einen kritischen Abfall der Herzfrequenz in der Nacht verursachen. Die  Einnahme am Abend birgt auch das Risiko der Schlafstörungen in sich. Betablocker können die Melatoninfreisetzung beeinträchtigen und somit auch das Schlafverhalten.

Diuretika. Als bekannte Beispiele sind hier zu nennen Torasemid und Hygroton. Auch diese sollten Sie eher am Morgen bzw. am Nachmittag einnehmen. Gerade die Einnahme am Abend kann durch nächtliches Wasserlassen ebenfalls den Schlaf stören. Bei den Aldosteron-Antagonisten bietet sich unter chronopharmakologischen Gesichtspunkten eine möglichst späte Einnahme an. Allerdings sollte der Schlaf dadurch nicht gestört sein.

Alpha-Blocker. Alphablocker, z.B. Doxazosin und Tamsulosin, können Sie versuchsweise am Abend einnehmen. Bestimmte Alpha-Blocker haben eine beruhigende Wirkung und können dadurch das Schlafverhalten auch verbessern.

Kalziumantagonisten zur Blutgefäßweitstellung. Hier zu nennen sind Amlodipin und Lercanidipin. Diese empfehlen wir eher am Morgen, da die Einnahme am Abend durch eine zu starke Gefäßerweiterung das Risiko der Schlafstörungen in sich birgt. Eine zu starke Gefäßerweiterung kann eine adrenalinvermittelte Aktivierung in der Nacht bewirken.

Praktisches Vorgehen bei der Einnahme von Blutdruckmedikamenten

Sie müssen nicht sofort Ihre gesamte Medikation ändern. Bei guter Blutdruckeinstellung sollten Sie die Medikation so belassen.

Für die Einnahme zur Nacht, vor allen Dingen von ACE-Hemmern, AT-Blockern bzw. Reninblockern kommen aus unserer Sicht mehrere Gruppen in Frage, die folgende Merkmale aufweisen.

Ersteinstellung mit Blutdruckmedikamenten. Das ist dann besonders sinnvoll und praktisch, wenn abends bereits ein weiteres Medikament, z.B. ein Statin eingenommen werden soll.

Schlechte Blutdruckeinstellung. Menschen mit schlechter Blutdruckeinstellung vor allen Dingen auch am Morgen bzw. solche mit therapieresistentem Bluthochdruck.

Fehlende Nachtabsenkung. Erhöhter bzw. auch normaler Blutdruck am Tag mit einer Nachtabsenkung des Blutdrucks in der 24h-Blutdruckmessung um <10% in der Nacht.

Schlafapnoe-Syndrom. Die nächtlichen Abfälle der Sauerstoffsättigung beim Schlafapnoe-Syndrom haben eine Adrenalin-vermittelte Aktivierung und damit verbunden auch eine Steigerung der Reninfreisetzung zur Folge.

Die Änderung des Einnahmezeitpunktes von Blutdrucksenkern am Abend muss sorgfältig abgewogen werden. Eine Änderung des Einnahmezeitpunktes sollten Sie immer mit Ihrer Ärztin beziehungsweise Ihrem Arzt absprechen.

 

 

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Herz und Kreislauf in der Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft ist eine Höchstleistung für den mütterlichen Kreislauf. Nicht nur muss die Mutter, sondern auch das werdende Kind mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden. Dafür muss sich der Kreislauf entsprechend anpassen.

Hinzu kommt, dass das Kind im Mutterleib warmgehalten werden muss. Das erfordert eine zusätzliche Stoffwechselleistung der Mutter.

Schwangerschaft – Veränderungen der Blutmenge und der Blutzusammensetzung

Das zirkulierende Blutvolumen steigt durch eine hormonelle Aktivierung (Renin-Angiotensin-Aldosteron-System) an. Natrium und Wasser werden stärker zurückgehalten, sodass das Plasmavolumen um 30-40%, das heißt um 1-1,5 l, ansteigt. Das ist im Vergleich zur Zunahme der Blutkörperchen deutlich mehr, welche um 0,5 l steigen.

Folglich ist das Blut dünner und fließt auch schneller. Eine relative Blutarmut (Anämie) tritt ein und der Hämoglobinwert liegt zwischen 11 und 12 g/dl, was in der Schwangerschaft vollkommen normal ist. Das gesamte Blutvolumen steigt somit zwischen der 12. und 32.-36. Schwangerschaftswoche auf ein Maximum von zusätzlichen 1,5-2 l an.

Schwangerschaft – Herz und Kreislauf mit mehr Leistung

Das Herzminutenvolumen, also die Menge Blut, die das Herz pro Minute durch den Blutkreislauf pumpt, nimmt ab der 6. Schwangerschaftswoche um 25 bis sogar 50% zu. Mehrere Faktoren beeinflussen dies. Zum einen steigt die Herzfrequenz um 10-30 Schläge/min an. Weiterhin nimmt auch das Schlagvolumen, also die Menge Blut, die das Herz pro Herzschlag pumpt, um 10-35% bis auf maximal 170 ml zu. Das hat natürlich eine Größenzunahme des Herzens zur Folge, welche allerdings ebenfalls eine normale Anpassung darstellt.

Ab der 7. Schwangerschaftswoche sinkt der Blutdruck um ca. 15 mmHg, steigt aber ab der 34. Schwangerschaftswoche wieder auf den Ausgangswert an.

Beinödeme in der Schwangerschaft

Knöchelödeme treten in 80% der Schwangerschaften im letzten Trimenon, d.h in den letzten 3 Monaten vor der Geburt, auf. Ein erhöhter Filtrationsdruck in das Gewebe und die bereits angesprochene Wasserretention sind ursächlich. Darüber hinaus wächst die Gebärmutter, was die Beckenvenen abdrückt und einen erhöhten Venendruck zur Folge hat.

Neben Krampfadern treten dann Beinödeme als Flüssigkeitsansammlung im Gewebe auf. Unter anderem kann es auch zu Hämorrhoiden kommen.

Herzrasen und Benommenheit in der Schwangerschaft – Vena-cava-Kompressionssyndrom

Die Gebärmutter vergrößert sich in der Schwangerschaft und kann die untere Hohlvene, das ist die zum Herzen führende Hauptvene, abdrücken. Dadurch fließt weniger venöses Blut zurück zum Herz, es droht sich quasi leer zu pumpen.

Zum Ausgleich steigt die Herzfrequenz im Liegen deutlich an. Das Vena-cava-Kompressionssyndrom kommt meistens nur in Rückenlage beziehungsweise in Rechtsseitenlage vor. Die Symptome sind Übelkeit, Benommenheit, Herzrasen und drohende Ohnmacht. Es tritt eine sofortige Besserung bei Drehung nach links auf.

Wehen und Entbindung – eine Kreislaufbelastung

Der Geburtsvorgang ist eine zusätzliche Belastung des mütterlichen Herzens, da die Herzfrequenz und das Herzzeitvolumen deutlich zunehmen. Darüber hinaus kommt es zu einer Umverteilung von Blutvolumen aus der Gebärmutter beziehungsweise der Plazenta in den mütterlichen Kreislauf. Zur Folge hat das eine zusätzliche akute Belastung von 500 ml.

Kreislaufanpassung in der Schwangerschaft – ein normaler Vorgang

Die Kreislaufanpassung in der Schwangerschaft ist meistens harmlos. Allerdings können bestehende bisher unerkannte Erkrankungen durch eine Schwangerschaft erstmals bemerkt werden.

Mehr zu: Dr. Natalie Fleissner

 

 

 

 

 

 


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Hormone bei der Frau – wichtig für Herz und Kreislauf

Verschiedene Östrogene bei der Frau

Männer und Frauen unterscheiden sich. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen den Geschlechtern sind die Hormone. Besonders wichtig für die Frau sind die weiblichen Geschlechtshormone, die Östrogene: Östradiol, Östriol und Östron. Während der Geschlechtsreife bilden sich Östrogene in den Eierstöcken und zu einem geringen Teil auch in der Nebennierenrinde.

Östradiol ist das wirksamste Östrogen überhaupt. Somit bestimmt diese Hormon wesentlich den weiblichen Zyklus und die Geschlechtsreife. In der Schwangerschaft wird dann ein anderes Östrogen vermehrt gebildet, das Östriol. Nach den Wechseljahren, wenn die Bildung an Östradiol versiegt, tritt dann Östron in den Vordergrund, welches vor allen Dingen aus dem Fettgewebe kommt.

Östrogene auch beim Mann

Auch Männer produzieren im Hoden geringe Mengen an Östrogenen, ungefähr 10% der weiblichen Menge. Das im Hoden gebildete männliche Geschlechtshormon Testosteron wandelt sich als Vorläuferhormon im Fettgewebe in Östrogene um. Das bedeutet also für den Mann: Je mehr Fettgewebe er hat, desto mehr weibliche Geschlechtshormone produziert er.

Östrogene und die vielfältige Wirkung auf Organsysteme

Zuallererst zu nennen ist, dass Östrogene selbstverständlich sehr wichtig für die Ausbildung der weiblichen Geschlechtsorgane sind. Im weiblichen Zyklus steuert Östradiol dann die Bildung der Gebärmutterschleimhaut, die Eireifung im Eierstock und den Eisprung.

Östrogene sorgen erfreulicherweise für eine geringere Talgproduktion: Das hat eine schöne reinere Haut zur Folge und auch die Spannkraft durch Kollagenbildung steigt. Östrogene stellen ebenso eine gesunde Knochendichte und damit sogar die Stabilität ihrer Knochen sicher, indem sie knochenabbauende Zellen hemmen und die Kalziumaufnahme über den Magen-Darm-Trakt fördern.

Die Blutgerinnung ist ein weiterer wichtiger Angriffspunkt der Östrogene. Hier erhöht sich die Synthese von Gerinnungsfaktoren, so dass durch Östrogene durchaus eine erhöhte Thromboseneigung bestehen kann. Das äußert sich vor allem bei hoher Dosis oraler synthetischer Östrogene, wie wir sie von der sog. Pille kennen.

Erfahrene Frauenmedizinerinnen und Frauenmediziner wissen: Östrogene haben eine positive Wirkung auf die Stimmung. Sie wirken anregend durch eine Verminderung der Botenstoffe wie Gamma-Amino-Buttersäure (GABA), auf der anderen Seite fördern sie die Aktivierung von Serotonin und Dopamin, den typischen Glückshormonen.

Östrogene – Gefäßprotektion und Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Östrogene haben einen positiven Effekt auf den Kohlenhydratstoffwechsel – das ist ein wichtiger Schutz vor Diabetes. So verringern Östrogene, dass Glucagon aus Pankreaszellen freigesetzt wird. Dadurch kann der Blutzuckerspiegel nicht so stark steigen. Außerdem werden im Darm die GLP-1-Zellen stimuliert, was wiederum vermehrt Insulin freisetzt und Glucagon hemmt. Kurzum, Östrogene halten den Blutzuckerspiegel niedrig, was wiederum die Arterien vor Verkalkungen schützt.

Von ganz besonderer Bedeutung in der Herzkreislauf-Medizin sind weitere Blutgefäß-schützende Effekte des Östrogens. Östrogen senkt das Cholesterin durch Hochregulation der LDL-Rezeptoren in der Leber: Cholesterin wird so schneller abgebaut und das schützende HDL-Cholesterin vermehrt gebildet.

Östrogen sorgt sogar dafür, dass sich Ihre Blutgefäße mehr entspannen und so mehr Blut fließt. Das geschieht durch die Freisetzung von Stickstoffmonoxid und eine Hemmung des Kalziumeinstroms in die Zellen. Der Effekt ist so ausgeprägt, dass bei einer Kombination aus blutdrucksenkenden Kalziumantagonisten, z.B. Lercanidipin, Amlodipin und Östrogenpräparaten, Vorsicht geboten ist, weil starke Blutdruckabfälle vorkommen können.

Folglich ist es so, dass Frauen vor der Menopause um das 50. Lebensjahr ein deutlich geringeres Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen haben als Männer in diesem Lebensalter. Das gilt auch für den Herzinfarkt. Allerdings gleichen sich die Risiken zwischen beiden Geschlechtern 5-10 Jahre nach der Menopause wieder an.

Hormonersatztherapie – Trendwende bei der Behandlung

Frauen mit einer sehr frühen Menopause (<45 Jahre) haben ein deutlich erhöhtes Risiko für eine koronare Herzkrankheit, es steigt um 50%. Tödliche Herzinfarkte treten 11% häufiger auf. Fachgesellschaften empfehlen in diesen Fällen eine Hormonersatztherapie bis zum mittleren Menopausen-Alter von 50-51 Jahren. Das gilt unabhängig von Beschwerden und hat das Ziel Langzeitschäden zu vermeiden.

Die Hormonersatztherapie wird auch bei Frauen mit sogenannten klimakterischen Beschwerden empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie rät hier eine frühe Hormonersatztherapie bei Wechseljahresbeschwerden vor dem 60. Lebensjahr.

Grundsätzlich gilt, dass kein erhöhtes Brustkrebsrisiko bei einer Hormonersatztherapie besteht. Allerdings gibt es durchaus Faktoren, die das Risiko erhöhen können:

  • Lebensalter
  • Dauer und Dosierung der Hormontherapie
  • körperliche Aktivität
  • Gewicht
  • genetische Faktoren (familiäre Belastung)

Bei Risikofaktoren besteht ein erhöhtes Risiko bei länger als 5-jähriger Behandlungsdauer mit einer Östrogen-Gestagen Kombination, mit zusätzlich 2-3 Brustkrebsfällen pro 1000 Frauen.

Gestagene, dazu zählt Progesteron, schützen vor Wachstum der Gebärmutterschleimhaut. Dadurch wird die Häufigkeit  des Endometriumkarzinoms verringert. Frauen, denen die Gebärmutter entfernt wurde, sollten Östrogen-Monopräparate erhalten.

Immer zu bedenken ist, dass bei der Einnahme einer Hormonersatztherapie ein erhöhtes Thromboserisiko besteht. Denn Östrogene werden in der Leber verstoffwechselt und aktivieren hier die Gerinnungsfaktoren. Allerdings besteht kein erhöhtes Thromboserisiko, wenn man Östrogengel auf der Haut aufträgt.

Kurzum, nach aktueller Datenlage hat die frühe Hormontherapie bei klimakterischen Beschwerden eher Vorteile. Einher geht das mit einer Reduktion von Stoffwechselstörungen wie Diabetes und einem verringerten Herzkreislaufrisiko.

 

 

Mehr zu: Dr. Natalie Fleissner

   

 

 

 

 

 


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Zu hohe Lautstärke erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt

Wer sich über einen längeren Zeitraum einer kritischen Lautstärke aussetzt, gefährdet seine Herz-Kreislauf-Gesundheit. Ein zu lautes Umfeld ist vor allen Dingen ein Risiko für Herzinfarkt und Bluthochdruck. Ab einem Ausgangswert von 50 dB (Dezibel) steigt das Risiko pro 10 dB Zunahme um 6 Prozent an!

Beim Wahrnehmen von hörbarem Schall gilt es zwei Größen zu unterscheiden: Lautstärke und Lärm.

Während Lärm auch subjektiv gefärbt ist, kann man Lautstärke durch den Schalldruck objektiv genau messen. Die Messgröße für Lautstärke heißt Dezibel (dB).

Aber was heißt Lautstärke konkret?

Lautstärke ist objektiv messbar

Hier sehen Sie paar Beispiele zusammengestellt, die Ihnen die Einordnung von verschiedenen Lautstärken im Alltag erleichtert:

  • 0 Dezibel: Hörschwelle normal hörender Mensch
  • 0 bis 20 Dezibel: kaum hörbar; z. B. Flüstern oder Blätterrauschen; wird in der Regel als angenehm empfunden.
  • 20 bis 40 Dezibel: gut hörbar; z. B. Weckerticken oder Ventilator, die auch den Schlaf stören können
  • 40 bis 60 Dezibel: z. B. normales Gespräch, leises Radio; kann die Konzentration stören
  • 60 bis 80 Dezibel: z. B. lautes Gespräch, vorbeifahrendes Auto, Schreibmaschine, Rasenmäher; kann gesundheitliche Langzeitschäden verursachen
  • 80 bis 100 Dezibel: z. B. vorbeifahrende LKWs, Motorsäge; kann bei Dauerlärm zu Gehörschäden führen
  • 110 Dezibel: Schmerzgrenze; z. B. Kreissäge oder Presslufthammer

Übrigens, pro 10 Dezibel Anstieg der objektiven Lautstärke wird wird gefühlt eine Verdoppelung der Lautstärke wahrgenommen.

Akustisches Umfeld kennen lernen

Weil Lautstärke nicht nur für die langfristige Gesundheit, sondern auch für die kurzfristige Befindlichkeit, wie z.B. Stress- und Schlafverhalten wichtig ist, lohnt es sich für Sie sich diesem Alltagsphänomen zu beschäftigen.

Sie können die Lautstärke ganz einfach selbst messen. Zum Beispiel mithilfe von Apps wie etwa “dB Messgerät Pro”. Es ist hilfreich, wenn Sie Ihr persönliches akustisches Umfeld – ob auf der Arbeit oder zuhause – kennenlernen. Sie werden sich wundern, was Sie da alles herausfinden können. Und dann können Sie gegebenenfalls Maßnahmen treffen, um sich vor Lärm zu schützen.

Denn Lärmschutz ist Herz-Kreislauf-Schutz!

 

…..weiter mit “Was ist Lärm für Ihr Herz?”

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Lärm ist individuell unterschiedlich – Risiko Herzinfarkt und Bluthochdruck

Stille ist wichtig für die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Wer regelmäßig einem lauten Umfeld – sei es zuhause oder auf der Arbeit – ausgesetzt ist, hat ein höheres Risiko für Herzinfarkt und Bluthochdruck. Dieses Risiko steigt ab einem Ausgangswert von 50 dB (Dezibel) bei 10 dB Zunahme um 6 Prozent an! Während man Lautstärke objektiv messen kann, hat Lärm eine sehr starke subjektive Komponente.

Lärm ist subjektiv

Die Weltgesundheitsorganisation definiert Lärm wie folgt: „Lärm ist jede Art von Schall, der stört, belästigt oder die Gesundheit beeinträchtigen kann“ (WHO 1972). Kurz gesagt: Jeder Mensch nimmt Lärm anders wahr. Wie, das hängt unter anderem von der inneren Grundspannung, dem Wachheitszustand, auch der Tageszeit und nicht zuletzt von der eigenen Hörfähigkeit ab.

Wenn Sie Geräusche als störend empfinden, sollten Sie Ihre aktuelle Situation genauer überprüfen. Häufig spielt die Tageszeit eine Rolle. Sind Sie eventuell gestresst aufgrund von Schlafmangel? Haben Sie gegebenenfalls Hunger? Eine kurze Pause, ein Power-Nap oder auch ein gesunder Snack können manchmal schon dabei helfen, nicht mehr so gereizt zu sein – und damit auch resilienter gegen Lärm.

Straßenlärm ein entscheidender Faktor

Was die Lautstärke auf Straßen angeht, gibt es unterschiedliche offizielle Empfehlungen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt am Tag Werte unter 53 Dezibel, in der Nacht unter 45 Dezibel. In Deutschland sind diese Werte wesentlich großzügiger angesetzt mit unter 70 Dezibel am Tag und unter 60 Dezibel in der Nacht. Die Hälfte der deutschen Bevölkerung ist also höheren Werten ausgesetzt, als von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen werden!

Im Wohnbereich sollten Sie Werte am Tag von unter 35 Dezibel und in der Nacht von unter 25 Dezibel anstreben. Das erreicht man zum Beispiel bei gekipptem Fenster, wenn der Straßenlärm weniger als 50 Dezibel am Tag und weniger als 40 Dezibel in der Nacht beträgt. Im Arbeitsbereich sollte Ihre Belastung durch Lautstärke unter 40 Dezibel liegen.

Akustisches Umfeld kennen lernen

Es ist sinnvoll, dass Sie Ihr akustisches Umfeld kennenlernen. Die Lautstärke dort können Sie zum Beispiel mit der App „dB Messgerät Pro” messen. So können Sie individuelle Maßnahmen ergreifen, um sich vor Lärm zu schützen.

Denn: Lärmschutz ist Herz-Kreislauf-Schutz!

Hahad O et al. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 245-50

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Blutdruck im Stehen – wichtig bei Bluthochdruck

Wenn wir den Blutdruck messen, sei es in der Arztpraxis oder zu Hause, dann tun wir das im Sitzen. Hierfür müssen wir die Regeln für die Blutdruckmessung beachten, das gilt vor allen Dingen für eine ausreichende Ruhezeit vor der Messung.

Neben der statischen Messung im Sitzen können auch dynamisch erhobene Werte, z.B. beim Wechsel vom Liegen zum Stehen wertvolle Informationen liefern.

Kreislauf im Stehen – ein große Herausforderung

Das ruhige Stehen ist für Ihren Kreislauf eine besondere Herausforderung, denn Blut muss wichtige Körperregionen gegen die Schwerkraft erreichen. Das venöse Blut muss ca. 4/7 Ihrer Körperlänge von der Großzehe bis zum Herzen und arterielles Blut muss 3/7 der Körperlänge gegen die Schwerkraft Ihr Gehirn erreichen. Dabei ist die Blutversorgung des Gehirns ist überaus wichtig, denn wird das Gehirn für nur ca. 10 Sekunden nicht durchblutet, dann werden Sie bewusstlos!

Folglich muss Ihr Kreislauf in jeder Körperlage gut reguliert werden. Dafür verfügt der Körper über Messstationen in Venen, Herz und Arterien, die Druck und Dehnung messen. Besonders wichtig sind diese am im Bereich des Übergangs von den Venen zur Vorkammer und in den Halsarterien, die zum Gehirn führen. Über die Messsensoren in den hinrversorgenden Arterien wird z.B. der wichtige Baro-Reflex gesteuert. Das vegetative Nervensystem leitet “Messergebnisse” zur Verarbeitung an den Hirnstamm weiter, so dass von hier aus Anpassung des Kreislaufs erfolgen kann. Das dauert nur wenige 100 ms.

Sowohl auf der Ebene der Sensoren als auch bei der Verarbeitung der Informationssignale im Hirnstamm können Störungen auftreten, die z.T. durch die Blutdruckmessung im Liegen und im Stehen erfasst werden.

Blutdruck im Liegen und im Stehen messen

Der Test geht ganz einfach

  • Rückenlage für 60-120 Sekunden
  • Blutdruck und Herzfrequenz messen
  • dokumentieren
  • aufstehen und 60-120 Sekunden stehen
  • messen
  • dokumentieren

Wichtig ist, dass Sie die Messung im Stehen erst dann durchführen, wenn Sie mindestens 1 Minute gestanden haben. Innerhalb der ersten 60 Sekunden nach dem Aufstehen kommt es zu einem deutlichen Blutdruckabfall, den Sie mit der Blutdruckmanschette nicht sicher erfassen können, der aber das Ergebnis verfälschen kann.

Unterschiedliche Blutdruckwerte im Liegen und im Stehen

Wenn Sie sich hinstellen, dann muss Ihr Kreislauf das Gefälle gegen die Schwerkraft ausgleichen. Blutdruck und Herzfrequenz werden gehalten bzw. steigen leicht überschießend an. Es ist normal, wenn die Kreislaufregulation hier etwas übersteuert. Das entspricht einer Absicherung, so dass eine Minderdurchblutung Ihres Gehirns und damit eine Ohnmacht verhindert wird.

Normalbefund. Die Blutdruckwerte im Liegen und im Stehen sollte jeweils in den bekannten Normbereichen von <140 mmHg systolisch und <90 mmHg diastolisch liegen. Es ist normal, wenn der Blutdruck vom Liegen zum Stehen gleichbleibt bzw. um 15 mmHg systolisch bzw. um 10 mmHg diastolisch ansteigt. Auch Ihre Herzfrequenz kann um bis zu 10 bpm ansteigen.

Blutdruck im Liegen höher als im Stehen

Hier gibt es 2 Möglichkeiten im Liegen pathologisch zu hoch oder im Stehen pathologisch zu niedrig.

Blutdruck im Liegen pathologisch hoch, im Stehen normal. Sind Ihre Blutdruckwerte im Liegen pathologisch erhöht, d.h. >139 mmHg systolisch oder >89 mmHg diastolisch und im Stehen normal, dann ist das nicht normal. Die Ursache ist unklar.

Wir erleben es in der Cardiopraxis allerdings häufiger, dass dieses Phänomen bei einer Behandlung mit einem Beta-Blocker bzw. dann vorkommt, wenn die untere Hohlvene als Hinweis auf zu viel Flüssigkeit im Gefäßsystem deutlich erweitert ist. Wir nehmen an, dass hier die vermehrte Wandspannung in den Herzvorkammern einen Schutzreflex mit Anspannung der Widerstandsgefäße in der Lungenstrombahn bzw. im Systemkreislauf verursacht. Folglich können nachgeschaltete Strukturen vor einer Überdehnung zu schützen werden. Wir kennen diesen Mechanismus von der Mitralklappenstenose und von der hochgradigen Linksherzinsuffizienz.

Der Beta-Blocker steigert hier die Wandspannung indirekt über eine Verringerung der Sogkraft des Herzens. Eine Anpassung der Medikation mit einer Gabe einer harntreibenden Substanz bzw. die Verringerung der Beta-Blockerdosis führen hier meistens zu einer Normalisierung des Befundes.

Blutdruck im Liegen normal, im Stehen pathologisch niedrig. Fällt der Blutdruck im Stehen von Normalwerten jeweils um mehr als 20 mmHg ab, dann ist das nicht normal. In den allermeisten Fällen ist dieses mit einem Anstieg der Herzfrequenz um >10 bpm verbunden und Folge eines Flüssigkeitsmangels, z.B. bei zu hoher harntreibender Medikation oder zu geringer Trinkmenge. In seltenen Fällen ist dieser Befund Ausdruck einer Linksherzschwäche oder eines schweren Herzklappenfehlers.

Blutdruck im Stehen höher als im Liegen – orthostatische Hypertonie

Steigt der Blutdruck systolisch um >15 mmHg systolisch bzw. >10 mmHg diastolisch vom Liegen zum Stehen an, dann ist das pathologisch. Ist der Blutdruck im Liegen normal und die Werte steigen erst im Stehen in den pathologischen Bereich an, dann sprechen wir von einer orthostatischen Hypertonie.

Der Grund für dieses Verhalten liegt in einer Fehlregulation des Kreislaufs. Meistens ist ein hoher Sollwert das Problem, wie es z.B. bei langer Dauer eines Bluthochdrucks vorkommt. Wenn Wir nun z.B. mit Medikamenten den Blutdruck senken, dann wir der zunächst normale Blutdruck als zu niedrig wahrgenommen und Ihr Körper versucht den Blutdruck im Stehen wieder auf den falsch-hohen Sollwert anzuheben. Hier müssen dann Medikamente, die diese Adrenalin-vermittelte Reaktion durchbrechen können, wie z.B. Moxonidin oder auch Reserpin zum Einsatz kommen.

Eine orthostatische Hypertonie ist durch den schnellen Wechsel von normalen zu deutlich erhöhten Blutdruckwerten eine besondere Gefährdung für Ihr Gehirn und häufig auch mit Benommenheit und Kopfschmerzen verbunden.

Wertvolle Blutdruckmessungen zu Hause gemessen

In der Cardiopraxis führen wir mit dem Finapres®-System hierfür z.B. den sog. Orthostase-Test im Liegen und im Stehen durch, bei dem wir nicht nur Blutdruck und Herzfrequenz, sondern gleichzeitig auch den Blutfluss für jeden einzelnen Herzschlag in Rückenlage und im Stehen messen. Folglich erhalten wir wertvolle Hinweise zur individuellen Therapieeinstellung.

Wie Sie gesehen haben, können Sie einen Teil dieses Tests auch zu Hause durchführen. Da sind wertvolle Informationen, die dann die Messungen in der Praxis ergänzen. Wir freuen uns immer, wenn Sie solche Messwerte mitbringen, weil wir so die Behandlung optimal individuell ausgerichtet können.

 

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Schwer einstellbarer, therapieresistenter bzw. therapierefraktärer Bluthochdruck

Der schwer einstellbare Bluthochdruck ist ein häufig auftretendes und gesundheitlich sehr relevantes Problem. Ist der Blutdruck nicht einstellbar bzw. werden mehrere Medikamente benötigt, dann erhöht sich Ihr individuelles Gesundheitsrisiko für das Auftreten von z.T. lebensbedrohliche Komplikationen. Allerdings wird die Diagnose eines schwer einstellbaren Bluthochdruckes häufig zu früh gestellt, weil diagnostische und therapeutische Maßnahmen nicht richtig ausschöpft werden.

therapieresistenter bluthochdruck

Was ist ein schwer einstellbarer Bluthochdruck?

Das Therapieziel für einen gut eingestellten Bluthochdruck beträgt gemäß den Leitlinien der europäischen Fachgesellschaften <140 mmHg systolisch und <90 mmHg diastolisch.

Schwer einstellbarer Bluthochdruck, im Englischen “treatment resistent hypertension” genannt, bedeutet, dass der Blutdruck trotz Einsatz von 3 Basismedikamenten (Kalziumantagonisten, ACE-Hemmer bzw. AT-Blocker, Diuretika) weiterhin oberhalb der gewählten Grenzen liegt.Das heißt, dass das Primärziel nicht erreicht wird.

Der Bluthochdruck gilt ebenfalls als schwer einstellbar, wenn man mehr als 4 Medikamente einsetzt, um einen normalen Blutdruck zu erreichen.

Wichtig bei allen Überlegungen: Diese Definition gilt nur, wenn die Medikamente in ihrer maximal tolerablen Dosis, das heißt ohne Nebenwirkungen, ausgeschöpft sind.

Was ist eine Pseudoresistenz bei Bluthochdruck?

Bei der Diagnose des schwer einstellbaren  Bluthochdrucks werden häufig Fehler gemacht, nicht selten besteht eine Pseudoresistenz.

Pseudoresistenz bedeutet, dass zwar erhöhte Blutdruckwerte vorliegen und die Definition eines schwer einstellbaren Blutdrucks erfüllt scheint, nicht aber alle diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Eine Pseudoresistenz muss man folglich vor der endgültigen Diagnose eines schwer einstellbaren Bluthochdrucks ausschließen.

Eine richtige Messtechnik des Blutdrucks ist wichtig. Zum Beispiel muss die Manschettengröße genau passen. In 35-40% werden hier die entscheidenden Fehler gemacht. Der sogenannte Weißkitteleffekt ist eine weitere Ursache für ein falsche Diagnose. Das heißt: In 35-40% der Fälle steigt der Blutdruck in einer Arztpraxis übermäßig hoch. Hier müssen wir gegebenenfalls eine Langzeit-Blutdruckmessung durchführen bzw. auf häusliche Messungen zurückgreifen.

Der häufigste Fehler bei der Diagnose einer schwer einstellbaren arteriellen Hypertonie ist mit 60-70% eine zu niedrige Dosierung der Basismedikamente. Die therapeutischen Möglichkeiten müssen systematisch ausschöpfen werden. Des Weiteren muss sichergestellt werden, dass die Medikamente auch tatsächlich eingenommen werden. Bei 35-40% der Betroffenen ist das nicht der Fall.

Pseudoresistenz bei Bluthochdruck durch Medikamente und Drogen

Medikamente können den Bluthochdruck verstärken. Hierzu zählen z.B.:

  • sog. nichtsteroidale Antiphlogistika, zum Beispiel Ibuprofen, Diclofenac
  • Kortison
  • orale Kontrazeptiva
  • Drogen, z.B. Amphetamine, Kokain
  • Alkohol, häufig unterschätzt
  • Antidepressiva, z.B. trizyklische Antidepressiva sowie Noradrenalin- und Serotonin- Wiederaufnahmehemmer

Pseudoresistenz bei Bluthochdruck durch Erkrankungen

Schlafmangel und schlechte Schlafqualität werden gemeinhin als Ursachen für einen schwer einstellbaren Bluthochdruck unterschätzt. Des Weiteren kann ein sog. Schlafapnoe-Syndrom mit Abfall der Sauerstoffsättigung in der Nacht dazu beitragen, dass Adrenalin erheblich ansteigt und damit auch der Blutdruck.

Ein besonderes Problem ist die chronische Niereninsuffizienz. Weil dabei eines der wichtigsten Regulationsorgane für den Blutdruck geschädigt ist, gestaltet sich die Einstellung von vornherein schwieriger. Der Anteil von Menschen mit therapieresistentem Bluthochdruck ist in dieser Gruppe deutlich höher.

Ein weiteres Problem, das man besonders bei Menschen mit bekannten Verkalkungen, z.B. an den hirnversorgenden Arterien oder den Herzkranzarterien, beachten muss, sind verengte Nierenarterien, eine sog. Nierenarterienstenose. Die Mangelversorgung der Niere führt zur Freisetzung von Renin, was dann im gesamten Kreislauf auch den Blutdruck erhöht.

Nebennierenerkrankungen wie z.B. das Phäochromozytom mit krankhafter Adrenalinfreisetzung bzw. das Cushingsyndrom, bei dem übermäßig Kortison freigesetzt wird, müssen ebenfalls ausgeschlossen werden, bevor man die Diagnose eines therapieresistenten Bluthochdrucks stellt.

Schwer einstellbarer Bluthochdruck – häufig schlechte Prognose

In großen wissenschaftlichen Studien konnte man bei repräsentativen Mischkollektiven einen schwer einstellbaren Bluthochdruck bei 5-30% der Betroffenen feststellen. Bei strengem Ausschluss einer Pseudoresistenz liegt die Quote unter 10%. Liegt eine chronische Nierenschwäche vor, wird allerdings in bis zu 40% der Fälle von einem schwer einstellbaren Bluthochdruck berichtet.

Mittelfristig ist das Risiko für Komplikationen innerhalb von 5 Jahren um 5-10% erhöht, z.B. für:

Allgemeine Therapiemaßnahmen bei schwer einstellbarem Bluthochdruck – Lebensstil ändern

Sie sollten vor allen Dingen bei einem schwer einstellbaren Bluthochdruck auf eine Schlafdauer von 7-8 Stunden achten. Des Weiteren sollten Sie Salz streng auf 2,4 g/Tag reduzieren. Eine Gewichtsreduktion und körperliches Training sind ebenfalls förderlich, um den Blutdruck zu normalisieren.

Schwer einstellbarer Bluthochdruck – Medikamente ergänzen

Wird bei Ihnen eine Pseudoresistenz ausgeschlossen und tatsächlich ein schwer einstellbarer Bluthochdruck diagnostiziert, dann ergänzt Ihr Arzt die medikamentöse Behandlung stufenweise. An erster Stelle sind hier sogenannte Thiazid-ähnliche Diuretika, wie zum Beispiel Chlorthalidon oder Indapamid, zu nennen. Als besonders wertvoll erweist sich der Einsatz von sog. Aldosteronantagonisten, wie z.B. von Spironolacton bzw. Eplerenon. Gerade mit diesen Substanzen erzielt man häufig den entscheidenden Durchbruch.

An weiteren Medikamenten stehen sogenannte Alpha- beziehungsweise Betablocker zur Verfügung. Wenn nach Einsatz aller vorangegangenen Medikamente eine Einstellung nicht zufriedenstellend ist, dann greifen wir zu Hydralazin bzw. Minoxidil.

Darüber hinaus muss die Umstellung der Blutdruckmedikation zur Nacht auf jeden Fall erwogen werden.

Vorgehen bei schwer einstellbarem Bluthochdruck

Bevor wir die Diagnose eines schwer einstellbaren Bluthochdrucks stellen, muss ein pseudoresistenter Bluthochdruck ausgeschlossen werden. Das bedeutet, dass wir alle diagnostischen Maßnahmen nutzen und auch an seltene Ursachen eines Bluthochdrucks denken.

Die therapeutische Medikation muss intensiviert und dann stufenweise eskaliert werden.Bei Nierenschwäche sollte frühzeitig ein Nierenspezialist in die Therapie mit einbezogen werden, um Nieren und Nebennieren zu bewerten.

Die Erfahrung zeigt zum Glück, dass wir bei guter Blutdruckeinstellung die Zahl der Medikamente nach einiger Zeit wieder kontrolliert reduzieren können. Besonders wertvoll hat sich hierfür in der Cardiopraxis die unblutige Kreislaufmessung erwiesen, die es uns erlaubt unterschiedliche Formen des Bluthochdrucks zu unterscheiden.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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