Der weibliche Ovarialzyklus – Einfluss auf Körpertemperatur, Kreislauf und Befinden

Hormone beeinflussen Herz und Kreislauf. Folglich ist somit die Bewertung von Frauen mit einem normalen Ovarialzyklus eine besondere Herausforderung.

Während bei der Einnahme von Kontrazeptiva und in der Menopause in der Regel stabile Hormonverhältnisse herrschen, schwanken bei einem normalen Ovarialzyklus die Hormone innerhalb eines Monats erheblich. Das hat nicht nur Einfluss auf das körperliche und emotionale Befinden bei Frauen, sondern auch auf den Kreislauf.

Daher ist die Kenntnis des aktuellen Zyklusstadium bei einer Frau mit normalem weiblichem Zyklus für uns in der Cardiopraxis von besonderer Bedeutung, gerade bei den Kreislaufmessungen.

Der normale weibliche Ovulationszyklus – Steuerung durch das Gehirn

Der regelmäßige Zyklus ist die Voraussetzung für die Befruchtung einer Eizelle und somit auch einer Schwangerschaft.  Eine intakte hormonelle Regulation erfolgt auf mehreren Ebenen, im Gehirn und in den Eierstöcken.

Gehirn. Im Gehirn findet im Hypothalamus die Ausschüttung des sog. Releasinghormons GnRH (Gonadotropin Releasing Homone) statt. Dieses bewirkt dann in der Hirnanhangsdrüse, der Hypophyse sowohl die Freisetzung der beiden Hormone FSH (Follikelstimulierendes Hormon) und LH (Luteinisierendes Hormon).

Eierstöcke. In den paarig angelegten Eierstöcken, den sog. Ovarien erfolgt die Produktion der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron. Folglich wird dann je nach Zyklusabschnitt vermehrt Östrogen durch die Signalwirkung von FSH oder Progesteron vermittelt durch LH gebildet.

Der weibliche Zyklus wird grundsätzlich in 2 Phasen eingeteilt:

  • Follikel- oder Eireifungsphase
  • Luteal- oder Gelbkörperphase

Die 1. Hälfte des weiblichen Zyklus – die Follikelphase

Der weibliche Zyklus beginnt mit dem 1. Tag der Regelblutung, der sog. Menstruation, bei der die Schleimhaut der Gebärmutter abgestoßen wird. Das Haupthormon der 1. Zyklushälfte ist Östrogen.

Zeitgleich zum Wiederaufbau der Gebärmutterschleimhaut bewirkt Östrogen die Eireifung in einem der beiden Eierstöcke. In der Folge wird mit  einem deutlichen Anstieg des Östrogenspiegels in der späten Follikelphase Eisprung, die sog. Ovulation ausgelöst. Das Eibläschen, der Follikel platzt auf und gibt die Eizelle frei, die dann vom Eierstock in den Eileiter gespült wird. Von dort aus geht der Transport dann weiter in Richtung Gebärmutter.

Ab dem Sprung in den Eileiter ist die Eizelle ist nun für 24 Stunden befruchtungsfähig.

Die 2. Hälfte des weiblichen Zyklus – die Gelkörperphase

Das Haupthormon der Gelbköperphase, der sog. Lutealphase ist das Progesteron.

Aus dem ursprünglichen Follikel entsteht im Ovar nun der Gelbkörper. Dadurch bildet das Ovar nun Progesteron und Östrogen, aber vor allem das Gelbkörperhormon Progesteron. Folglich wird der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut intensiviert fortgesetzt. Dieses dient zur eventuellen Einnistung einer befruchteten Eizelle in die Gebärmutter.

Gleichzeitig verhindert der erhöhte Progesteronspiegel auch eine neue Eireifung im Ovar und damit auch einen Eisprung. Anders gesagt, ist die Gelbkörperphase die unfruchtbare Phase des Ovarialzyklus. Diese Hormonkonstellation ist übrigens auch das Wirkprinzip der oralen Kontrazeption, der sog. “Pille”.

Kommt es nicht zu einer Schwangerschaft, wird der Gelbkörper im Ovar abgebaut, es wird kein Progesteron mehr gebildet, die Gebärmutterschleimhaut wird abgestoßen und der Zyklus beginnt mit dem 1. Tag der Regelblutung von Neuem.

Dauer des weiblichen Zyklus und Verlauf der Basaltemperatur

Die Dauer der Follikelphase beträgt bei einer regelmäßigen Dauer des Gesamtzyklus von 28 Tagen ca. 14 Tage. Dabei kann die Follikelphase zeitlich erheblich variieren. Daher erschwert dieser Umstand die Bestimmung des Zeitpunktes der Fruchtbarkeit, sei es zur Planung einer Schwangerschaft oder auch zu einer Verhinderung derselben. Kompliziert wird die Verhinderung einer Schwangerschaft auch noch dadurch, dass die männlichen Spermien im weiblichen Körper bis zu 48h überlebensfähig sind.

Die Dauer der Gelkörperphase ist mit 12-16 Tagen sehr konstant.

Eine Abschätzung der fruchtbaren Phase erlaubt die Basaltemperaturmethode. Demgemäß wird die Basaltemperatur morgens unmittelbar mit dem Aufstehen standardisiert bestimmt. Progesteron bewirkt während des Eisprungs durch eine Sollwertverstellung im Regelkreis der Temperaturregulation nach oben einen Temperaturanstieg von 0,2 bis 0,5°C. Dieses geschieht innerhalb von 48h nach dem Eisprung.

Vor der Regelblutung fällt die Basaltemperatur dann abrupt ab. Bleibt demgegenüber die Basaltemperatur über 16 Tage nach dem Eisprung hinaus erhöht, dann ist eine Schwangerschaft wahrscheinlich.

Literatur

Mehr zu: Dr. Natalie Fleissner


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Stoffwechselwege von aktivierendem Neurotransmitter – ein einfaches Modell

In der der Cardiopraxis befassen wir uns zunehmend mit den Stoffwechselwegen der aktivierenden Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Serotonin und Adrenalin. Diese haben nicht nur einen Einfluss auf Ihr emotionales Befinden und Verhalten, sondern auch auf das Herz-Kreislaufsystem, wie z.B. den Blutdruck und Herzrhythmus.

Um die Wirkung von aktivierenden Neurotransmittern besser verstehen zu können, müssen wir uns mit den Prinzipien ihres Stoffwechsels befassen.

Neurotransmitter sind Botenstoffe zur Signalübertragung

Neurotransmitter sind Botenstoffe, die eine Nachricht vermitteln, entweder zwischen 2 Nerven oder zwischen einem Nerv und einem Endorgan, z.B. dem Herz.  Kurzum, Neurotransmitter dienen der Kommunikation, vor allen Dingen im Gehirn, dem Hauptort der Informationsverarbeitung für Außeneinflüsse der Umwelt. Darüber hinaus sind sie z.T. auch über das vegetative Nervensystem Signalübermittler zwischen Gehirn und den übrigen Anteilen des Körpers.

Meistens sind es mehrere Stoffwechselschritte für die Bildung von   aktivierenden Neurotransmitter aus jeweils einer Aminosäure notwendig. So nehmen wir z.B. die Aminosäure L-Phenylalanin mit der Nahrung auf und aus ihr entsteht durch verschiedene Umbauprozesse z.B. der Neurotransmitter Dopamin. Da die aktivierenden Neurotransmitter nur eine Aminosäure beinhalten, nennen wir sie folglich auch Monoamine.

Stoffwechsel von Neurotransmittern – ein einfaches Modell

Betrachten wir den Stoffwechsel von aktivierenden Neurotransmittern, dann können wir grundsätzlich 4 Ebenen unterscheiden:

  • Bildung
  • Wirkung
  • Speicherung
  • Abbau

An diesen Prozessen sind verschiedene Faktoren beteiligt. Vereinfacht betrachtet sind es:

  • Nährstoffe
  • Gene
  • epigenetische Faktoren
  • Enzyme
  • Enzym Ko-Faktoren
  • Rezeptoren

Dabei müssen alle Prozesse und deren Faktoren im Gleichgewicht sein, damit Sie gesund und leistungsfähig sind.

Enzyme und Ko-Faktoren

Enzyme sorgen dafür, dass Neurotransmitter meist über mehrere Stoffwechselschritte gebildet werden. Diese Enzyme sind großmolekulare Eiweiße, die die Bildung als Katalysatoren erheblich beschleunigen, ohne dass sie sich selber dabei strukturell oder funktionell verändern. Hat ein Enzym einen Stoffwechselschritt durchgeführt, dann steht es für eine erneute Stoffwechselleistung wieder zur Verfügung, solange die richtigen Ko-Faktoren vorhanden sind.

Enzyme benötigen in der Regel einen oder mehrere Ko-Faktoren, um richtig zu funktionieren. Diese Ko-Faktoren sind zwar für das einzelne Enzym spezifisch, können aber bei verschiedenen Enzymen ganz unterschiedlich sein. Sie kommen häufig aus der Gruppe der sog. Mikronährstoffe; die bekanntesten sind Vitamine und Mineralien, so z.B. Vitamin B6 oder Magnesium.

Für jedes Enzym gibt es einen oder mehrere optimale Ko-Faktoren. Oder anders gesagt, für jedes Schloss gibt es den passenden Schlüssel. Nur zusammen mit dem optimalen Ko-Faktor kann das einzelne Enzym den spezifischen Stoffwechselschritt mit maximaler Geschwindigkeit durchführen.

Nun gibt es auch nicht-optimale Ko-Faktoren, die eine Stoffwechselschritt verlangsamen oder sogar blockieren können. Optimale und nicht-optimale Ko-Faktoren konkurrieren um die Bindungsstelle am Enzym. So kann es z.B. sein, dass der optimale Ko-Faktor Magnesium durch den nicht-optimalen Ko-Faktor Kalzium verdrängt wird.

Enzyme – Ko-Faktoren als regulierender Faktor

In einer Zelle kommt derselbe Enzymtyp mehrmals vor, da ein einzelnes Enzym die notwendige Syntheseleistung alleine nicht erbringen könnte. Für die Geschwindigkeit eines Stoffwechselschritts ist neben der Substratkonzentration und der Temperatur auch das Gleichgewicht zwischen folgenden Zuständen von Enzymen wichtig:

  • nicht besetzte Enzyme ohne Ko-Faktor
  • Enzyme mit optimalem Ko-Faktor
  • Enzyme mit nicht-optimalem Ko-Faktor

So konkurrieren optimale und nicht-optimale Ko-Faktoren um die Bindungsstelle an mehreren Enzymen eines Typs. Je nachdem wie diese Ko-Faktoren, optimale und nicht-optimale, in einem quantitativen Gleichgewicht zu einander stehen, läuft der Stoffwechselweg aller Enzyme desselben Typs in Summe schneller oder langsamer. Anders formuliert, sind viele nicht-optimale Ko-Faktoren vorhanden, dann läuft der Stoffwechselschritt langsam, sind viele optimale Ko-Faktoren vorhanden, dann läuft er schneller.

Hieraus wird deutlich, dass Ko-Faktoren eine wichtige Regulierungsfunktion für Stoffwechselwege haben. Diese Zusammenhänge haben vor dem Hintergrund der unkontrollierten Zufuhr von freiverkäuflichen Nahrungsergänzungsmitteln eine erhebliche Bedeutung. Wird das Gleichgewicht, sei es entweder durch ein Übergewicht von nicht-optimalen aber auch von optimalen Ko-Faktoren eines Enzyms gestört, dann können negative gesundheitliche Folgen auftreten.

Wir kennen das aus der Praxis sehr gut z.B. von der übermäßigen Zufuhr von Vitamin B6 (Umwandlung von L-Dopa zu Dopamin durch L-Aminodecarboxylase). Nicht nur kann die Überbehandlung mit Vitamin B6 schwere neurologische Störungen zur Folge haben, sondern es tritt hierunter auch eine übersteigerte Stoffwechselaktivität auf, die z.T. vermittelt durch Neurotransmittern innere Unruhe, Gereiztheit, Schlafstörungen, Schwitzen und Kreislaufprobleme nach sich zieht.

Gene und epigenetische Faktoren steuern die Bildung von Enzymen

Enzyme werden als Eiweißstoffe selber durch ein einzelnes Gen bzw. mehrere Gene gebildet. Spezifische Gene liegen im Zellkern einer Zelle und sind für die Bildung von Enzymen gewissermaßen Schnittmustervorlagen.

Gene können in ihrer Funktion an- und abgeschaltet werden. Die Faktoren, die das bewirken sind unter anderem “epigenetische Faktoren”. Epigenetik bedeutet vereinfacht “beim Gen”. Ähnlich wie die Ko-Faktoren bei den Enzymen haben sie somit eine regulierende Funktion.

Die Epigenetik ist ein verhältnismäßige neues Wissenschaftsgebiet. Gerade in der Tumorforschung wird hier nach epigenetischen Einflussfaktoren sowohl für die Bildung als auch die Behandlung von Tumorerkrankungen intensiv geforscht.

Bei der Regulierung des Herz- Kreislaufsystem durch aktivierende Neurotransmitter spielen epigenetische Einflussgrößen ebenfalls eine wichtige Rolle. Nach unseren Erfahrungen in Verbindung mit systematischen wissenschaftlichen Erkenntnissen haben hier z.B. Vitamin D und die Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron eine hervorzuhebende Bedeutung.

Vitamin D induziert die Bildung des Enzyms Tyrosin-Hydroxylase (Umwandlung von Tyrosin in L-Dopa). Testosteron induziert genetisch die vermehrte Bildung der Catechol-O-Methytransferase (COMT) und Monoaminooxidase (MAO), was wiederum einem beschleunigten Abbau aktivierenden Neurotransmitter verbunden ist. Östrogen hingegen verlangsamt über eine verringerte Synthese von COMT und MAO den Abbau von aktivierenden Neurotransmittern.

Sie können sich sicherlich vorstellen, dass diese Zusammenhänge nicht nur für Ihr emotional gesteuertes Verhalten, sondern auch die Regulierung des Herz-Kreislaufsystems eine wirkmächtige Bedeutung haben.

Signalstärke von Neurotransmittern

Sind die aktivierenden Neurotransmitter einmal gebildet, dann werden sie durch ein Signal im Nerven aus der Senderzelle in den Zellzwischenraum, den sog. synaptischen Spalt freigesetzt, um das Signal an eine Empfängerzelle zu übertragen. An der Empfängerzelle sitzen in der Zellmembran Rezeptoren, an welche die Neurotransmitter andocken. Über die Rezeptoren werden dann weitere Signalwege innerhalb der Zielzelle aktiviert.

Für die Signalstärke, und ob überhaupt eine Signalübertragung zustande kommt sind mehrere Faktoren wichtig:

  • Signal-sendende Nerven
  • Neurotransmitter
  • Signal-empfangende Nerven
  • Spezifische Rezeptoren für Neurotransmitter

Bei einem Signal durch einen Signal-sendenden Nerv erfolgt immer die Freisetzung mehrerer Neurotransmitter. Für die Entstehung eines Signals spielt zunächst einmal das Vorhandensein von Signal-empfangenden Nerven eine Rolle: ohne Empfänger keine Signalweiterleitung.

Da in der Regel ganze Nervenbündel für die Bildung bzw. Weiterleitung einer bestimmten Signalqualität verantwortlich sind, spielt das zahlenmäßige Verhältnis von sendenden und empfangenden Nerven auch eine Rolle, wobei auch mehrere Sender an einem Empfänger andocken können

Weiterhin hat auch das quantitative Verhältnis von Neurotransmittern zu ihren spezifischen Rezeptoren eine Bedeutung. So kann z.B. trotz zahlreicher Neurotransmitter im synaptischen Spalt ein Signal nicht übertragen werden, wenn auf der Signal-empfangenden Seite wenige oder gar keine Rezeptoren vorhanden sind.

Rezeptoren für Neurotransmitter

Wir ein aktivierender Neurotransmitter durch ein Signal aus dem Signal-sendenden Nerv freigesetzt, dann befindet er sich zunächst im Zwischenraum zwischen 2 Nerven, dem sog. synaptischen Spalt. Er dockt dann, gemäß dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an spezifische Rezeptoren auf der Signal-empfangenden Zelle an. Der Rezeptor löst dann in der Signal-empfangenden Zelle eine intrazelluläre Signal-Kette aus und das Signal wird dann im Nerv weitergeleitet.

Rezeptoren werden selber durch Gene gebildet und werden selber durch spezifische epigenetische Faktoren und zum Teil über Rezeptor-spezifisch Ko-faktoren reguliert. Weitere Regulierungsmöglichkeiten sind die Ansprechbarkeit von Rezeptoren und die die Rezeptorblockade.

Wenn ein Rezeptor vermittelt durch einen Neurotransmitter ein Signal in die Signal-empfangenden Zelle übertragen hat, dann ist er danach für eine bestimmte Zeit inaktiv, d.h. er steht für eine erneute Signalübertragung nicht zur Verfügung. War das gesendete Signal aller Signal-sendenden Nerven quantitativ sehr stark, dann kann im Sinne einer Erschöpfung der ganze Signalweg für eine bestimmte Zeit blockiert sein. Folglich bleiben weitere Signale durch den Signal-sendenden Nerv wirkungslos.

Blockade von Neurotransmitterrezeptoren als therapeutisches Prinzip

Neurotransmitter und Rezeptor sind im Sinne des Schlüssel-Schloss-Prinzips spezifisch füreinander optimal passend. Ähnlich wie bei den Ko-Faktoren der Enzyme kann aber eine nicht-optimal passende Substanz den Rezeptor für den optimal passenden Neurotransmitter und damit die Wirkung desselben blockieren. Diese Blockade kann kompetitiv sein, d.h. die Signalübertragung wird durch das quantitative Verhältnis von optimal-wirkenden Neurotransmittern zu blockierenden Substanzen bestimmt. Allerdings gibt es auch eine nicht-kompetitive Hemmung, bei der der Rezeptor irreversibel blockiert ist, was in gewisser Weise einer Vergiftung entspricht.

In der Herz-Kreislaufmedizin wird das Prinzip der kompetitiven Rezeptorblockade, z.B. bei der Therapie mit Beta-Rezeptoren Blockern zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen regelmäßig eingesetzt. Wenn die Beta-Rezeptoren am Herz besetzt sind, dann können Noradrenalin und Adrenalin am Herzen nicht ihre volle Wirkung mit Steigerung von Herzfrequenz und Pumpkraft entfalten.

Wir können die kompetitive Hemmung durch den Beta-Rezeptoren Blocker übrigens sehr schön in der Stressechokardiografie beobachten. Menschen unter Beta-Blockertherapie weisen hier zunächst in Ruhe eine träge Pumpleistung auf. Mit zunehmender Belastung, und damit adrenerger Aktivierung gewinnen Noradrenalin und Adrenalin an den Herzmuskelzellen die Oberhand und die Pumpkraft steigt deutlich an; manchmal hat man als Untersucher den Eindruck, als sei ein Schalter umgelegt.

Wiederaufnahme von Neurotransmittern

Hat ein Neurotransmitter seine Funktion am Rezeptor des Signal-empfangenden Nerv erfüllt, dann löst er sich wieder, so dass er sich zunächst frei im Zwischenraum zwischen Signal-empfangenden und Signal-sendendem Nerven, dem sog. synaptischen Spalt befindet. In Einzelfällen finden sich an der Außenseite der Zellmembranen, der äußeren Zellgrenze hier Enzyme, die den Abbau des Neurotransmitters bewirken.

In den meisten Fällen werden die freien Neurotransmitter allerdings über einen Wiederaufnahmekanal erneut in den Signal-sendenden Nerv aufgenommen. Bei Wiederaufnahmekanälen handelt es sich um Eiweißstrukturen, die ebenfalls auf der Grundlage von Genen gebildet werden. Somit kann durch genetische Varianten die Wiederaufnahme von Neurotransmittern von Mensch-zu-Mensch unterschiedlich sein: beim einen ist die Wiederaufnahme schneller, beim anderen langsamer.

Die Funktion von Wiederaufnahmekanälen wird bei den aktivierenden Neurotransmittern auch therapeutisch genutzt. So verwenden wir bei der Behandlung von Depression die sog. Serotonin-bzw. die Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer. Durch die Blockade der Wiederaufnahme wird die Konzentration des Neurotransmitters im synaptischen Spalt erhöht und die Wirkung am Signal-empfangenden Nerv gesteigert.

Werden die Neurotransmitter über den Wiederaufnahme-Kanal wieder in den Signal-sendenden Nerv aufgenommen, dann werden sie entweder gespeichert oder abgebaut.

Speicherung von Neurotransmittern

In der Regel speichert der Signal-sendenden Nerv die Neurotransmitter nach ihrer Wiederaufnahme. Dieses geschieht in kleinen Speicherbläschen, sog. Speichervesikeln. Um in ein Speichervesikel zu gelangen, muss der Neurotransmitter erneut einen Transporter-Kanal, der ebenfalls aus Proteinen besteht, passieren. Der Transporter, in der Regel der Vesikuläre Monoamintransporter 2 (VMAT2) ist für alle aktivierenden Neurotransmitter (Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin) gleich.

In den Vesikeln sind die Neurotransmitter vor den abbauenden Enzymen, die innerhalb der Zelle, aber außerhalb der Vesikel liegen, geschützt. Wird der Signal-sendende Nerv erneut aktiviert, dann stehen die Neurotransmitter in den Vesikeln für eine erneute Signalübermittlung an den Signal-empfangenden Nerv zur Verfügung.

Wir nutzen die Funktion eines Vesikel-Transporters auch therapeutisch. Der Blockade des Transporters VMAT2, z.B. durch Reserpin kann bei zu starker neurovegetativer Aktivierung z.B. zur Behandlung des Bluthochdrucks oder bei innerer Unruhe und Angstzuständen therapeutisch eingesetzt werden. Kurzum, Reserpin blockiert die Aufnahme von aktivierenden Neurotransmittern in die schützenden Vesikel. Folglich bauen dann Enzyme die Neurotransmitter außerhalb der Vesikel  vermehrt ab.

Abbau von Neurotransmittern

Der Abbau von aktivierenden Neurotransmittern erfolgt überwiegend innerhalb des Signal-sendenden Nervs. Ebenso wie bei der Bildung von Neurotransmittern spielen bei ihrem Abbau Enzyme eine entscheidende Rolle. Dabei sind wieder die Aktivität, Gene und Ko-faktoren von regulierender Bedeutung.

Von hervorgehobener Bedeutung sind hier die Enzyme Catechol-O-Methytransferase (COMT) und die Monoaminooxidasen (MAO). Für COMT und MAO kennen wir genetische Varianten. So gibt es bei Menschen alleine schon genetisch bedingt eine hohe, mittlere und niedrige Abbaurate von aktivierenden Neurotransmittern durch COMT bzw. MAO. Ist die Abbaurate z.B. niedrig, dann “stauen” sich die Neurotransmitter vor dem Enzym und es liegt bei diesem Menschen eher ein gesteigertes Aktivitätsniveau vor. Ist die die Abbaurate hoch, dann ist das Aktivitätsniveau eher niedrig.

In Bezug auf das menschliche Verhalten bedeutet dieses eine höhere bzw. niedrigere Irritabilität und erklärt so auch zum Teil das unterschiedliche Temperament zwischen einzelnen Menschen. Gerade die genetischen Varianten von COMT und MAO werden in der Verhaltensforschung ausgiebig untersucht. So kann z.B. eine niedrige Aktivität von COMT mit einem “Stau” von Dopamin und Noradrenalin innere Unruhe und eine Neigung zu Panikattacken mit erklären. Eine erhöhte Aktivität von MAO und damit verbunden die gesteigerte Abbaurate des Neurotransmitters Serotonin kann eine Prädisposition für Depressionen bedeuten.

Aktivierende Neurotransmitter – genetische Zusammenhänge gezielt therapeutisch nutzen

Die Kenntnis der genetischen Unterschiede beim Auf- und Abbau von aktivierenden Neurotransmittern ist eine sehr gute Option zur besseren Individualisierung von Therapiemaßnahmen in der Herz-Kreislaufmedizin.

Gerade bei der Behandlung von Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck, die ja nicht nur von Störungen des Organs Herz bzw. der Blutgefäße selber abhängig sind, hat die Kenntnis der individuellen genetischen Voraussetzung für die Wirkung von aktivierenden Neurotransmittern eine zunehmende therapeutische Bedeutung. Nicht nur werden so Verhaltensmuster eher erklärbar, sondern wir können gezielter Empfehlungen bei der medikamentösen Therapie, dem Einsatz von Nahrungsergänzungsmittel und zu den Wirkungen von Hormonpräparaten, seien es Östrogen, Progesteron oder Testosteron geben. Diese haben wiederum eine Wirkung auf Herz und Kreislauf.

 

Literatur

  • Eisenhower et al. Catecholamine metabolism: a contemporary view with implications for physiology and medicine. Pharmacol Rev 2004;331-349

Mehr zu. Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Kältegefühl, Frieren? – Ingwer Shot hilft!

Kälteempfindlichkeit kennen viele von uns, Frieren in Abhängigkeit von den Außentemperaturen kennen alle Menschen.

Kälteempfindlichkeit macht sich dadurch bemerkbar, dass Sie im Gegensatz zu anderen Menschen eher leicht frösteln. Während andere im Herbst noch ein T-Shirt tragen, ziehen Sie sich schon ein Sweat-Shirt über. Im Bett wachen Sie häufig nachts auf und haben kalte Beine, manchmal so sehr, dass Sie aufstehen müssen und herumlaufen, um den Stoffwechsel zu aktivieren. Wir erleben es in der Cardiopraxis häufiger, dass Kälteempfindlichkeit der entscheidende Grund für Schlafstörungen ist.

Kälteempfindlichkeit – Stoffwechsel und Gewicht 

Grundsätzlich ist es so, dass Frauen eher zur Kälteempfindlichkeit neigen als Männer. Der Grund hierfür ist am wahrscheinlichsten die geringere Muskelmasse von Frauen, was wiederum mit einem vergleichsweisen geringeren Grundumsatz an Energie und damit auch mit herabgesetzter Wärmebildung verbunden ist. Allerdings leiden natürlich auch Männer Kälteempfindlichkeit und wir erleben in der Cardiopraxis auch regelmäßig fröstelige dicke Männer.

Die häufigste Ursache für Kälteempfindlichkeit ist ein herabgesetzter Stoffwechsel aufgrund einer zu geringen körperlichen Aktivität. Fehlernährung bei vegetarischer bzw. veganer Kost mit Mangel vor allen Dingen an Eisen, Vitamin D und B12 sowie weiteren Mikronährstoffen diagnostizieren wir immer häufiger. Auch hormonelle Veränderungen, wie z.B. ein Mangel an Schilddrüsenhormonen kann zu Frösteln führen.

Darüber hinaus spielt natürlich auch eine vermehrte Abstrahlung von Körperwärme bei einem verhältnismäßig geringen Gewicht im Verhältnis zur Körperoberfläche eine Rolle; kurzum schlanke Menschen frieren in der Regel leichter. Meistens wenig berücksichtigt wird, dass jede Form von Gewichtsreduktion, auch Intervallfasten fast immer eine vermehrte Kälteempfindlichkeit zur Folge hat.

Sind Erkrankungen, wie z.B. ein Mangel an Schilddrüsenhormonen als Ursache von Kälteempfindlichkeit ausgeschlossen, dann können Sie Ihren Stoffwechsel aktivieren, z.B. mit einem Ingwer Shot.

Ingwer Shot – einfaches Rezept zum selber machen

Für einen Ingwer-Shot benötigt man Ingwer und Apfel in einem Verhältnis von 1:5, also zum Beispiel 40 g Ingwer (1 daumenlange Knolle) und 200 g Apfel (1 mittelgroßer Apfel). Beide Nahrungsmittel werden mit Schale im Entsafter verarbeitet. Der fertige Saft muss scharf schmecken und kann auch für einige Tage im Kühlschrank gelagert werden. Falls Sie keinen Entsafter zur Hand haben, können Sie auch einfach 200 ml naturtrüben Apfelsaft und 40 g geriebenen Ingwer miteinander vermischen.

Ingwer Shot – konsequent den Stoffwechsel aktivieren

Wir empfehlen folgendes Vorgehen:

  • 1 bis 3 Ingwer-Shots à 80 ml (= 1 Espressotasse) pro Tag
  • in den ersten Tagen auch 6 Shots pro Tag möglich
  • nach 3 Wochen: 1 Woche Pause

Ingwer-Shot – Nebenwirkungen möglich

Um die Stoffwechselaktivierung zu überprüfen, sollten Sie idealerweise täglich nach dem Aufwachen Ihre Körpertemperatur, idealerweise die Ohrtemperatur messen (sogenannte Basaltemperatur). Stellen Sie dabei einen Temperaturanstieg von mehr als 0,5 Grad Celsius fest, können Nebenwirkungen wie zum Beispiel Unruhe, Konzentrationsschwäche oder Schlafstörungen vorkommen. In diesem Fall sollten Sie mit den Shots pausieren bzw. die Menge reduzieren.

Ingwer Shot Fallbeispiel – Intervallfasten, Gewicht, Körpertemperatur

Durch Intervallfasten verringert ein 57-jähriger Mann sein Körpergewicht um 9 kg, von einem Body-Mass-Index von 27,4 auf 24,4 kg/m2. Zu Beginn des Fastens hat er bei einer Basaltemperatur von 37,1 0C immer wieder ein deutliches und unangenehmes Wärmegefühl.  Mit zunehmendem Gewichtsverlust verringert sich die Körpertemperatur auf 36,0 0C und der Mann wird kälteempfindlicher und er fröstelt leichter.

Zur Stoffwechselaktivierung nimmt er dann 3 Ingwer-Shots pro Tag ein. Die Körpertemperatur steigt stetig bis auf 37,1 0C an und es stellt sich wieder ein Wärmegefühl ein.

 

Um den Temperatureffekt in den Wohlfühlbereich zu korrigieren trinkt er abends 500 ml Buttermilch; die Ingwer-Shots nimmt er weiter ein. Mit diesem Vorgehen sinkt die Temperatur am Morgen stetig auf ca. 36,5 0C ab.

Bemerkenswert ist dabei, dass der Kühlungseffekt am Morgen gemessen wird. Folglich handelt es sich nicht um eine akute Wirkung, die auf die Zeit unmittelbar nach Einnahme von Buttermilch beschränkt ist, sondern um einen chronischen Kühlungseffekt. Das weist darauf hin, dass durch Buttermilch ein nachhaltiger Eingriff in den Stoffwechsel erfolgt.

Ingwer Shot – warum wirkt Ingwer?

Die Ursachen der Wirkung von Ingwer sind nicht klar. Die viel propagierte Gehalt an Vitamin C oder Vitamin B6 scheint eher von untergeordneter Bedeutung zu sein, weil z.B. 1 Ingwer Shot entsprechend 40 mg Ingwer hier lediglich  2,5% bzw. 4,6% der jeweilig empfohlenen Tagesmenge enthält. Andere Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sind in noch geringerer Konzentration enthalten (siehe auch App “Nährwertecheck-gesund essen”).

Wahrscheinlicher für die Wirkung von Ingwer ist eine blockierende Wirkung auf das Cytochrome P 450 System, welches für den Abbau von 90% aller Medikamente verantwortlich ist. Hier sind zu mindestens in-vitro, d.h. im Reagenzglas zuverlässig blockierende Wirkungen auf Cytochrome, auch kurz CYPs genannt für CYP1A2, CYP2D6 und vor allem CYP3A4 nachgewiesen; über CYP3A4 werden 50% aller Medikamente verstoffwechselt.

Interessanterweise ist es so, dass über CYP3A4 z.B. die Stoffwechsel-aktivierenden Hormone Testosteron und Östrogen abgebaut werden. Die Blockierung von CYP3A4 durch Ingwer könnte demnach einen Abbaustau und damit eine vermehrte Wirkung dieser Hormone zur Folge haben.

Problematisch hierbei ist, dass es genetisch bedingt bei Menschen für CYPs sog. normal-, fast- und slow-metabolizer gibt, so dass von vornherein schon ein heterogenes Stoffwechselverhalten bei CYPs vorliegt. Kommt dann noch der Inhibitor Ingwer hinzu, dann können Sie sich vorstellen, dass die Wirkung von Ingwer nicht gut kalkulierbar ist: beim einen wirkt er besser, beim anderen weniger Stoffwechsel-aktivierend.

Ingwer Shot – auf Nebenwirkungen achten

In er Cardiopraxis empfehlen wir den Ingwer Shot, vor allen Dingen, wenn bei Intervallfasten. Allerdings sind wir uns der potentiellen Nebenwirkungen bewusst. Vor allen Dingen Frauen, die die Anti-Baby-Pille nehmen sollten auf Unregelmäßigkeiten, wie Zwischenblutungen achten. Vorsichtig sollten auch Menschen, sein die Medikamente einnehmen.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Nüsse – ein gesundes Lebensmittel

Nüsse sind nahrhaft. Sie enthalten Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. Darüber hinaus sind auch gesunde Fette enthalten.

Nüsse erhöhen die Lebenserwartung

Eine Metaanalyse, das heißt eine Zusammenfassung von mehreren hochwertigen Studien, hat bei 467.389 Menschen den Zusammenhang zwischen Nüssen und Sterblichkeit untersucht. Dabei wurden die Gruppen mit niedriger Zufuhr (die untersten 20%) und hoher Zufuhr (die obersten 20%) verglichen. Das Nachbeobachtungsintervall betrug 4-30 Jahre. Erstaunlicherweise konnte der regelmäßige Genuss von Nüssen die Herz-Kreislaufsterblichkeit um 27% senken.

Ursachen für die positive Wirkung von Nüssen

Nüsse enthalten einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren. Diese sind antientzündlich und blutdrucksenkend. Darüber hinaus sind sie reich an wertvollen Mineralien wie Kalzium, Magnesium und Kalium. Auch die B-Vitamine und die Antioxidantien haben eine günstige Wirkung auf das kardiovaskuläre Risiko. Außerdem verdrängen Nüsse Fast Food und Snacks als negative Lebensmittel.

Wie viele Nüsse am Tag sind gesund?

Ca. 50 g Nüsse am Tag sind für Ihr Gewicht unbedenklich. Sollten Sie mehr Nüsse pro Tag essen, dann müssen Sie Kalorien an anderer Stelle sparen. Die salzfreie Zubereitung ist wichtig. Erdnuss-Flips zum Beispiel (100 g) enthalten sage und schreibe 2 g Salz, haben 500 kcal und nur 30% Erdnussanteil (Basis ist Maisgries), hingegen hat eine Nusskernmischung von 100 g nur 0,02 g Salz, 634 kcal und einen 100%igen Nussanteil. Folglich ist der Salzgehalt bei Erdnuss-Flips um das 100-fache erhöht. Salz ist ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung eines Bluthochdruckes und sollte tunlichst vermieden werden.

Wann und für wen sind Nüsse besonders sinnvoll?

In der Regel ist der Nussgenuss für alle Menschen gesund.

Besonders gesund sind Nüsse für ältere Menschen, da sie häufig zu wenige und die falschen Kalorien zu sich führen. Somit stellen Nüsse gerade für ältere Menschen gesunde Kalorien dar und enthalten darüber hinaus das für den Energiestoffwechsel so wichtige Phosphat.

Frauen mit normalem Ovulationszyklus leiden durch die Regelblutung häufig an einem Eisenmangel. Hier kann die Zufuhr von Nüssen unterstützend wirken. Allerdings sollten Frauen auch regelmäßig ihren Eisengehalt im Blut testen lassen, weil der alleinige Nussgenuss selten ausreichend ist. Schwangere haben einen erhöhten Energie- und Nährstoffbedarf. Das liegt allein schon im Wachstum des Kindes begründet. Auch hier können Nüsse sinnvoll sein.

Jugendliche haben als heranwachsende Menschen ebenfalls einen erhöhten Energie- und Nährstoffbedarf. Stellen Sie sich einmal vor, was es für den menschlichen Körper bedeutet, wenn er innerhalb von einem Jahr 30 cm wächst. Gerade Jugendliche sollten daher Nüsse essen.

Vorsicht bei Nüssen – Kinder, Allergie und Histaminintoleranz

Kinder sind häufig mit 2-3 Sachen gleichzeitig beschäftigt. Sie spielen wild und sind leicht abgelenkt. Haben sie noch eine Nuss im Mund, dann ist das ein Risiko. Die geringe Größe der Nuss führt dazu, dass sie in die Luftröhre gelangen kann und von da aus in die tiefen Lungenabschnitte. Das kann von den Eltern sofort bemerkt werden, wenn ein Erstickungsgefühl entsteht. Manchmal merken die Eltern es aber nicht und erst später treten die Folgen, z.B. in Form einer Lungenentzündung, zutage. Kinderärzte empfehlen daher, dass man ganze Nüsse von Kindern unter 4 Jahren fernhalten sollte.

Ca. 1,4% der Bevölkerung leiden an einer echten Nussallergie. Dabei spielen Erdnüsse mit über 50% der Fälle die entscheidende Rolle, gefolgt von Walnüssen mit 34% und Cashews von 20%. Das Risiko ist ein allergischer Schock. Sollten Sie daher an einer Nussallergie leiden, dann sollten Sie auch keine Nüsse konsumieren.

Nüsse sind häufig sog. Histaminliberatoren. Das heißt, dass durch die Inhaltsstoffe der Nüsse aus den Mastzellen vermehrt Histamin freigesetzt wird. Dieses ist ein nicht-allergischer Mechanismus der Histaminfreisetzung. Es können sehr leichte bis schwere Symptome auftreten, sodass die Dunkelziffer der Unverträglichkeit hier hoch ist. Auch Menschen mit einer Histaminintoleranz sollten daher bestimmte Nüsse meiden. Macadamia und Walnuss gelten hier übrigens als unbedenklich.

 

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 


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Bluthochdruck – häufig in der Schwangerschaft

Zu den häufigsten kardiovaskulären Erkrankungen in der Schwangerschaft zählt Bluthochdruck: Etwa 5-10 % der Schwangeren in Europa sind betroffen und der Bluthochdruck ist zudem eine der häufigsten mütterlichen Todesursachen. In Zahlen ausgedrückt sprechen wir von einer Blutdruckerhöhung in der Schwangerschaft bei Werten von > 140/90 mmHg, wobei leichte Formen (140-159/90-109 mmHg) von schweren Formen (>160/110 mmHg) unterschieden werden.

Bluthochdruck bei Schwangerschaft – präexistente Hypertonie versus Schwangerschaftshypertonie

Wir sprechen bei einer vorbekannten Hypertonie oder einem Auftreten vor der 20. Schwangerschaftswoche von einer präexistenten Hypertonie. Im Vergleich dazu tritt die sogenannte Schwangerschaftshypertonie (Gestationshypertonie) erst nach der 20. Schwangerschaftswoche auf, sie erkennt man an einem normalisierten Blutdruck nach der Geburt (binnen 42 Tagen). Und bei einer Schwangerschaftshypertonie können wir kein Eiweiß im Urin nachweisen (Proteinurie), was wiederum bei der gefährlichen Präeklampsie der Fall ist.

Präeklampsie – Bluthochdruck mit schweren Komplikationen in der Schwangerschaft 

Von einer Präeklampsie sprechen wir, wenn bei der Schwangerschaftshypertonie oder auch einer vorbestehenden Hypertonie Organkomplikationen auftreten. Nur dieses Krankheitsbild allein führt zu weltweit 70.000 mütterlichen Todesfällen pro Jahr, in Europa etwa beobachtet man bei 2-5% aller Schwangerschaften diese besonders schwere Hypertonieform.

Dabei können wichtige Organsysteme in der Funktion gestört sein, zum Beispiel kann eine Nierenschädigung (Proteinurie) vorliegen oder auch eine Leberzellschädigung mit Oberbauchbeschwerden, häufig das erste Symptom. Besonders gravierend sind ein auftretendes Lungenödem sowie eine vorzeitige Plazentalösung. Und häufig kann zudem das zentrale Nervensystem von Schlaganfällen, Hirnblutungen durch Gerinnungsstörungen oder auch Krampfanfällen betroffen sein.

Durch ein Multiorganversagen mit schweren Gerinnungsstörungen kann es ebenso zu einer lebensbedrohlichen Situation für die Mutter kommen. Außerdem sind die Folgen für das ungeborene Kind oft gravierend, sie reichen von Entwicklungsverzögerung über Frühgeburtlichkeit bis hin zur Fehlgeburt.

Noch nicht eindeutig geklärt sind die Ursachen für die Präeklampsie. So nehmen Experten zum Beispiel eine gestörte Entwicklung des plazentaren Gefäßsystems mit einer gestörten Durchblutung der Plazenta an, auch wird eine gestörte Gefäßpermeabilität mit einer endothelialen Dysfunktion diskutiert. Außerdem scheinen ein Überwiegen sogenannter vasoaktiver Substanzen (Endothelin) und eine gesteigerte Aktivität des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems eine wichtige Rolle zu spielen.

Risikofaktoren für Präeklampsie

Hinzu kommt, dass Patiententinnen mit ganz verschiedenen Erkrankungen zu einem hohen Risiko für eine Präeklampsie neigen. Neben einem vorher bestehenden Bluthochdruck oder einer Präeklampsie in der vorherigen Schwangerschaft zählt dazu eine chronische Nierenerkrankung. Ebenso Autoimmunerkrankungen (Antiphospholipid-Syndrom bei Lupus erythematodes) und Diabetes Typ I und II.

Dagegen liegt ein mittleres Risiko vor, wenn mehr als einer der folgenden Faktoren auftritt. Dazu gehören etwa die erste Schwangerschaft, ein Alter über 40 Jahre und ein BMI von 35 kg/m2. Auch Mehrlingsschwangerschaften oder eine Familienanamnese für Präeklampsie sind in diesem Zusammenhang zu nennen.

Mithilfe einer Urinanalyse auf Proteine, einer Blutdruckkontrolle und einer Dopplersonografie der Arteriae uterinae wird jede Schwangere im 2. und 3. Trimenon auf Präeklampsie untersucht. Stellen wir ein individuell höheres Präeklampsie-Risiko fest, empfehlen wir eine Medikation mit Aspirin 100 mg/Tag ab der 12. bis zur 36. bzw. 37. Schwangerschaftswoche.

Wenn leichte Formen der Präeklampsie vorliegen, dann ist die Entbindung nach 37 Wochen die einzige kausale Therapie. Wenn dagegen eine schwere Präeklampsie besteht, dann muss in dieser Notfallsituation eine Entbindung so schnell wie möglich erfolgen. Mit besonders schweren Komplikationen der Präeklampsie verbunden ist das HELLP-Syndrom, das wiederum in 0,1- 0,2% aller Schwangerschaften und bei 10 -20 % aller Frauen mit Präeklampsie auftritt. Dabei kommt es zu einer Hämolyse, erhöhten Leberwerten und auch zu einem Abfall der Thrombozyten.

Bluthochdruck-Therapie in der Schwangerschaft

Prinzipiell beginnt man eine medikamentöse Therapie bei einem Blutdruck von über 150/95 mmHg. Folglich behandeln wir einen Blutdruck schon ab > 140/90 mmHg nur in Einzelfällen, wie zum Beispiel bei einer Proteinurie oder Symptomen.

Mittel der ersten Wahl in der Blutdrucktherapie ist das altbekannte Alpha-Methyldopa, zudem ist eine Medikation mit einem Kalziumantagonisten wie dem retardierten Nifedipin sicher. Dagegen sind β1-selektive-Rezeptorblocker, hier bevorzugt das Metoprolol, nur eingeschränkt geeignet. Und vollkommen ungeeignet sind die oft in der Blutdrucktherapie eingesetzten entwässernden Medikamente (Diuretika), weil sie das Plasmavolumen reduzieren. Sogar nierenschädigend für das Neugeborene können die ACE-Hemmer, AT-Blocker sowie der direkte Renin-Inhibitor Aliskiren sein. Deswegen sind gerade diese Medikamente in der Schwangerschaft und auch in der Stillzeit streng kontraindiziert.

Zusammengefasst kann man sagen, dass Frauen mit Bluthochdruck oder Präeklampsie insgesamt ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen auch nach der Geburt haben. Zudem tritt die peripartale Kardiomyopathie (Herzinsuffizienz im Wochenbett) häufiger auf. Außerdem haben Frauen auch ein erhöhtes Risiko dafür, eine Hypertonie, einen Schlaganfall oder eine koronare Herzerkrankung im späteren Erwachsenenalter zu entwickeln.

 

 

Mehr zu: Dr. Natalie Fleissner

 

 

 

 

 

 

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Lakritz – nicht zu viel

Lakritz ist beliebt und wird gern gegessen. Was den Lakritzverbrauch angeht, gibt es ein Nord-Süd-Gefälle: Der Lakritzverbrauch ist in den nordeuropäischen Ländern deutlich größer als in den südeuropäischen Ländern.

Man stellt Lakritz aus dem Wurzelextrakt des echten Süßholzes her. Von diesem Süßholzextrakt enthält Lakritz mindestens 3%. Dabei ist der Hauptinhaltsstoff der Süßholzwurzel Glycyrrhizin. Dessen Gehalt in der Süßholzwurzel ist variabel und liegt bei ca. 3-15%.

Lakritz – Wirkung von Glycyrrhizin im Organismus

Glycyrrhizin hat als relevanten Effekt eine mineralocorticoide Wirkung. Das heißt, dass mehr Salz und damit mehr Wasser im Körper gehalten wird. Es ist anzunehmen, dass über eine Hemmung des Cortisol-abbauenden Enzyms die Plasmaspiegel von Cortisol erhöht werden. Somit hat Glycyrrhizin einen dosisabhängigen mineralcorticoiden Effekt. Daher sind bei regelmäßiger Einnahme von 100 mg Glycyrrhizin pro Tag Gesundheitsstörungen zu erwarten.

Die Auswirkungen auf den Organismus sind insbesondere:

Glycyrrhizingehalt im Lakritz

Für den Glycyrrhizingehalt im Lakritz gibt es keine genaue Deklarationspflicht. Ab einem Gehalt an 10mg Glycyrrhizin pro 100g gilt die Hinweispflicht “enthält Süßholz”. Darüber hinaus sind Lakritzprodukte, die mehr als 0,2% Glycyrrhizin enthalten, als Starklakritze zu kennzeichnen.

Bei den Nicht-Starklakritzen ist aufgrund des unterschiedlichen Glycyrrhizingehaltes in der Süßholzwurzel der Gehalt variabel. Jedoch kann man sicher sagen, dass er unter 0,2% Glycyrrhizin liegt. Das heißt bei Nicht-Starklakritzen, die weniger als 0,2% Glycyrrhizin enthalten: Hier können wir ab einer Menge von 50 g Lakritz einen maximalen Inhalt von 100 mg Glycyrrhizin (entsprechend maximal 0,2% Glycyrrhizin) erwarten.

Lakritz: Empfehlungen für den Genuss

Es wird empfohlen, regelmäßig nicht mehr als maximal 50 g Lakritz zu essen. Denn ansonsten können Gesundheitsstörungen auftreten. Vor allem Vorsicht geboten ist bei Starklakritzen, die einen sehr variablen hohen Glyceringehalt haben können: hier können schon bei deutlich geringerer Menge als 50 g Gesundheitsstörungen auftreten.

Durch die vermehrte Ausscheidung von Kalium durch Lakritz besteht das Risiko für Herzrhythmusstörungen durch Kaliummangel. Hier kann es insbesondere bei herzkranken Menschen zu einer Verschärfung durch gleichzeitigen Gebrauch von Kalium- und Wasser-ausscheidenden Medikamenten (sogenannte Diuretika) kommen. Daher müssen wir insbesondere herzkranken Menschen von einem regelmäßigen Lakritzgenuss abraten.

Lakritz und Bluthochdruck

Die medizinische Relevanz der mineralcorticoiden Wirkung von Lakritz besteht insbesondere bei Bluthochdruck. Zwar ist Bluthochdruck durch vermehrten Lakritzgenuss sicherlich nicht an der Tagesordnung, wir beobachten das Phänomen aber immer wieder. Dies gilt vor allen Dingen für eine unerklärte Bluthochdruckerkrankung bei jungen Menschen. Ebenso daran denken sollten wir bei Bluthochdruck mit begleitenden, zunächst unklaren niedrigen Kaliumspiegeln im Blut.

 

 

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


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Einnahmezeitpunkt von Medikamenten zur Behandlung des Bluthochdrucks

Die meisten Menschen nehmen Herz-Kreislaufmedikamente am Morgen ein. Das geschieht meistens aus medizinischen Gründen. Natürlich ist es einfach auch bequemer und sicherer alle Tabletten auf einmal zu nehmen, denn gerade eine zusätzliche Abendmedikation wird doch gelegentlich vergessen.

Allerdings deuten wissenschaftliche Studien darauf hin, dass wir hier im Hinblick auf den Einnahmezeitpunkt gerade von blutdrucksenkenden Medikamenten umdenken müssen.

Die Kreislaufanpassung von der Nacht zum Tag – eine Herausforderung für Herz und Kreislauf

Die Kreislaufregulation dient der Aufrechterhaltung eines adäquaten Blutdruckes, so dass Ihr Gehirn zu jedem Zeitpunkt ausreichend durchblutet wird – vor allen Dingen auch gegen die Schwerkraft.

In der Nacht entspannen sich Ihre Arterien und Venen und auch der Kreislauf kommt insgesamt zur Ruhe. Daher ist sind Ihr Blutdruck und die Herzfrequenz in der Nacht niedriger als am Tag. Bei der sogenannten Langzeit-Blutdruckmessung bezeichnen wir das als typische Nachtabsenkung. Sie beträgt gegenüber dem Tageswert >10%.

Bedingt durch Ihre genetische Innere Uhr beginnt sich der Kreislauf bereits noch im Schlaf und damit vor dem Erwachen auf die Aktivität in aufrechter Körperposition vorzubereiten. Das können wir sozusagen als „Vorglühen” oder noch besser “Vorspannen” bezeichnen. Das hat den Sinn, dass der spätere Wechsel vom Liegen zum Stehen eine nicht allzu große Belastung für den Kreislauf wird.

Findet dann beim Schritt aus dem Bett der Wechsel von der Horizontallage (Nachtschlaf) zur vertikalen Lage (Stehen, Sitzen) statt, fällt der Blutdruck kurzzeitig plötzlich ab. Der Blutdruckabfall ist in der Regel so ausgeprägt, dass eine Ohnmacht droht. Allerdings merken wir das nicht, weil unser Körper innerhalb von wenigen 100 Millisekunden gegenreguliert. Diese Adrenalin-vermittelte Gegenregulation können wir über den Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz messen.

Gleichzeitig stellt diese Ausgleichsreaktion gerade bei überschießendem Blutdruckanstieg am Morgen eine besonders hohe Kreislaufbelastung dar. Folglich erklären diese Adrenalin-vermittelten Mechanismen auch, warum morgens nach dem Aufstehen, am häufigsten zwischen 9:00 Uhr und 12:00 Uhr Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkte, plötzlicher Herztod und Schlaganfälle auftreten.

Blutdruckmedikamente am Morgen

Die genannten Mechanismen der Kreislaufanpassung sind der Hauptgrund dafür, dass wir bisher die Blutdruckmedikamente am Morgen zuführen. Allerdings nehmen wir die Medikamente typischerweise am Morgen NACH dem Aufstehen ein, meistens erst zum Frühstück. Das heißt, NACHDEM bereits eine erhebliche Adrenalin-vermittelte Aktivierung stattgefunden hat. – Dann kann es schon zu spät sein, denn die Adrenalin-vermittelte Aktivierung ist bereits im vollen Gange.

Was ist Chronopharmakotherapie?

Chronopharmakotherapie bedeutet eine Anpassung der Einnahme von Medikamenten an die Innere Uhr, also an die zirkadianen Rhythmen von Stoffwechselprozessen.

Ein typisches und gut bekanntes Beispiel ist hier die abendliche Einnahme von Statinen zur LDL-Cholesterinsenkung. Das ist sinnvoll, weil die Leber das LDL-Cholesterin, einer der Hauptrisikofaktoren für die Arteriosklerose, in der Nacht bildet. Folglich wird mit der abendlichen im Vergleich zur morgendlichen Einnahme von Statinen der gleiche therapeutische Effekt mit einer geringeren Dosis erzielt. Das hilft  dann auch die Nebenwirkungen von Statinen zu vermeiden.

Renin-Angiotensin-Aldosteron-System – wichtig für die Blutdrucksteuerung

Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System ist wichtig für die hormonelle Steuerung Ihres Blutdrucks. Renin wird in der Niere gebildet und bewirkt dann in Ihrem Körper über verschiedene Schritte die Bildung von  Angiotensin II. Angiotensin II bewirkt eine Engstellung der Blutgefäße und damit einen Anstieg des Blutdrucks. Darüber hinaus verursacht Renin so auch indirekt, dass in den Nebennieren Aldosteron freigesetzt wird, was Flüssigkeit im Körper hält und so ebenfalls zur Aufrechterhaltung des Blutdrucks beiträgt.

Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System ist einer der Hauptangriffspunkte, um einen erhöhten Blutdruck medikamentös zu senken. Hierfür setzen wir verschiedene Medikamente ein:

  • ACE-Hemmer, z.B. Ramipril
  • AT-Blocker, z.B. Valsartan, Olmesartan, Telmisartan
  • Reninblocker, z.B. Aliskiren
  • Aldosteron-Anatagonisten, z.B. Spironolacton, Epleneron

Das Besondere am Renin-Angiotensin-Aldosteron System ist, dass Renin in der Niere bereits in der Nacht vermehrt gebildet wird. Folglich steigen auch die abhängigen kreislaufaktiven Hormone, wie z.B. Aldosteron vor dem Erwachen an. Es ist das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, das die so wichtige Vorspannung des Blutgefäßsystems im Sinne des „Vorglühens” VOR dem Aufstehen bewirkt. Wie beschrieben, würde das nicht passieren, dann hätten Sie beim Aufstehen erhebliche Kreislaufprobleme mit Benommenheit bis hin zur Ohnmacht.

Als Folge der genetischen Steuerung durch die Innere Uhr bleibt diese zirkardiane Rhythmik übrigens auch dann bestehen, wenn Sie über mehrere Tage im Bett liegen bleiben.

Hygia Chronotherapy Trial – Blutdrucksenker-Einnahme am Morgen vs. zur Nacht

Die Studie Hygia Chronotherapy Trial hatte sich zum Ziel gesetzt zu untersuchen: Hat eine Einnahme aller Blutdruckmedikamente zur Naht einen Vorteil gegenüber der morgendlichen Einnahme unmittelbar beim Aufstehen? Hierfür wurden 19.094 Patienten mit Bluthochdruck einbezogen, die mehr als ein Blutdruckmedikament einnahmen. Das Alter betrug 60,5 +/-13,7 Jahre.

Die Studienteilnehmer waren angewiesen die Medikamente auf ihrem Nachttisch zu platzieren. So nahmen 50% der Menschen die Medikation am Morgen unmittelbar mit dem Aufstehen ein;  50% nahmen die Blutdrucksenker am Abend unmittelbar vor dem Schlaf ein. Das Nachbeobachtungsintervall betrug im Median 6,3 Jahre.

Hygia Chronotherapy Trial – Eingriff in das Renin-Angiotensinsystem der häufigste medikamentöse Therapieansatz

Die Studienteilnehmer erhielten Blutdrucksenker mit einem Angriffspunkt im Renin-Angiotensin-System zu 78,4% am Morgen bzw. 76,5% am Abend. Ca.  2 von 3 Menschen in beiden Gruppen nahmen einen AT-Blocker, die übrigen einen ACE-Hemmer.

Einen sog. Kalziumantagonisten, einschließlich Verapamil, erhielten 22,0 beziehungsweise 17,5% der Patienten. Einen Betablocker nahmen lediglich 22,0 bzw. 17,5% der Menschen mit Bluthochdruck ein. Eine harntreibende Medikation mit einem Diuretikum wurde wesentlich häufiger, d.h. in 46,5 bzw. 39,5% der Fälle, gegeben.

Blutdruckmedikamente am Abend – bessere Bluteinstellung am Tag und in der Nacht

Die Einnahme von Blutdrucksenkern zur Nacht ergab im Hygia Chronotherapy Trial eine statistisch bedeutsame verbesserte Blutdruckeinstellung in der 48h-Stunden-Blutdruckmessung. Dieser Effekt war in der Nacht am deutlichsten. Wichtig ist hier hervorzuheben, dass die Werte am Tag sich nicht verschlechterten.

In der 48h-Langzeitblutdruckmessung wiesen in der Ausgangsuntersuchung 49,0 in der Morgen- und 49,3% in der Abendgruppe eine fehlende Nachtabsenkung des Blutdrucks gegenüber den Tageswerten von <10% auf. Während dieser Anteil in der Gruppe mit morgendlicher Behandlung auf 50,3% leicht anstieg, fiel er bei den Menschen mit abendlicher Einnahme deutlich auf 37,5% ab.

Das bedeutet, dass bei Menschen mit fehlender Nachtabsenkung durch die Zufuhr der Medikation zur Nacht bei 23,9%  Blutdruckprofil normalisiert werden konnte. Das lässt auch den Schluss zu, dass in Anbetracht eines Konditionierungseffektes durch niedrige Blutdruckwerte in der Nacht wahrscheinlich auch die Dosis der Blutdrucksenker insgesamt reduziert werden kann.

Blutdruckmedikamente zur Nacht – weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle und geringere Sterblichkeit

Während frühere wissenschaftlichen Untersuchungen bereits eine verbesserte Blutdruckeinstellung durch die abendliche Gabe von Medikamenten gezeigt hatten, beinhaltete der Hygia Chronotherapy Trial erstmalig auch eine aussagekräftige sog. klinische Endpunktanalyse.

Der Hygia Chronotherapy Trial demonstrierte hier eine eindrucksvolle Risikoreduktion für kardiovaskuläre Ereignisse durch die abendliche Blutdruckmedikation. Die Gesamtsterblichkeit war gegenüber der Gruppe, die ihre Medikamente nur am Morgen eingenommen hatte, um eindrucksvolle 45% und die kardiovaskuläre Sterblichkeit um 66% verringert. Dabei traten auch deutlich weniger Herzinfarkte, Episoden der Herzschwäche, Schlaganfälle und Hirnblutungen auf.

Welche Blutdruckmedikamente wann einnehmen?

ACE-Hemmer, Angiotensin-Blocker, Reninblocker. Insbesondere diese Medikamente sollten Sie eher zur Nacht einnehmen. So wird das Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems in der Nacht ganz im Sinne Ihrer Inneren Uhr gezielt blockiert. Folglich muss man erwarten, dass dieser Umstand gerade die morgendliche Blutdruckeinstellung verbessert. Möglicherweise kann man auch die Dosis verringern, sodass sich auch Nebenwirkungen vermeiden lassen.

Betablocker. Bei Betablockern, z.B. Metoprolol und Bisoprolol, sollten aus unserer Sicht eine sorgfältige Abwägung erfolgen. Auf der einen Seite ist es so, dass Beta-Blocker die Blockierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems unterstützen. Auch wird ihr häufig beruhigender Effekt  gerade am Abend von vielen Menschen geschätzt. Auf der anderen Seite können Beta-Blocker einen kritischen Abfall der Herzfrequenz in der Nacht verursachen. Die  Einnahme am Abend birgt auch das Risiko der Schlafstörungen in sich. Betablocker können die Melatoninfreisetzung beeinträchtigen und somit auch das Schlafverhalten.

Diuretika. Als bekannte Beispiele sind hier zu nennen Torasemid und Hygroton. Auch diese sollten Sie eher am Morgen bzw. am Nachmittag einnehmen. Gerade die Einnahme am Abend kann durch nächtliches Wasserlassen ebenfalls den Schlaf stören. Bei den Aldosteron-Antagonisten bietet sich unter chronopharmakologischen Gesichtspunkten eine möglichst späte Einnahme an. Allerdings sollte der Schlaf dadurch nicht gestört sein.

Alpha-Blocker. Alphablocker, z.B. Doxazosin und Tamsulosin, können Sie versuchsweise am Abend einnehmen. Bestimmte Alpha-Blocker haben eine beruhigende Wirkung und können dadurch das Schlafverhalten auch verbessern.

Kalziumantagonisten zur Blutgefäßweitstellung. Hier zu nennen sind Amlodipin und Lercanidipin. Diese empfehlen wir eher am Morgen, da die Einnahme am Abend durch eine zu starke Gefäßerweiterung das Risiko der Schlafstörungen in sich birgt. Eine zu starke Gefäßerweiterung kann eine adrenalinvermittelte Aktivierung in der Nacht bewirken.

Praktisches Vorgehen bei der Einnahme von Blutdruckmedikamenten

Sie müssen nicht sofort Ihre gesamte Medikation ändern. Bei guter Blutdruckeinstellung sollten Sie die Medikation so belassen.

Für die Einnahme zur Nacht, vor allen Dingen von ACE-Hemmern, AT-Blockern bzw. Reninblockern kommen aus unserer Sicht mehrere Gruppen in Frage, die folgende Merkmale aufweisen.

Ersteinstellung mit Blutdruckmedikamenten. Das ist dann besonders sinnvoll und praktisch, wenn abends bereits ein weiteres Medikament, z.B. ein Statin eingenommen werden soll.

Schlechte Blutdruckeinstellung. Menschen mit schlechter Blutdruckeinstellung vor allen Dingen auch am Morgen bzw. solche mit therapieresistentem Bluthochdruck.

Fehlende Nachtabsenkung. Erhöhter bzw. auch normaler Blutdruck am Tag mit einer Nachtabsenkung des Blutdrucks in der 24h-Blutdruckmessung um <10% in der Nacht.

Schlafapnoe-Syndrom. Die nächtlichen Abfälle der Sauerstoffsättigung beim Schlafapnoe-Syndrom haben eine Adrenalin-vermittelte Aktivierung und damit verbunden auch eine Steigerung der Reninfreisetzung zur Folge.

Die Änderung des Einnahmezeitpunktes von Blutdrucksenkern am Abend muss sorgfältig abgewogen werden. Eine Änderung des Einnahmezeitpunktes sollten Sie immer mit Ihrer Ärztin beziehungsweise Ihrem Arzt absprechen.

 

 

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Herz und Kreislauf in der Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft ist eine Höchstleistung für den mütterlichen Kreislauf. Nicht nur muss die Mutter, sondern auch das werdende Kind mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden. Dafür muss sich der Kreislauf entsprechend anpassen.

Hinzu kommt, dass das Kind im Mutterleib warmgehalten werden muss. Das erfordert eine zusätzliche Stoffwechselleistung der Mutter.

Schwangerschaft – Veränderungen der Blutmenge und der Blutzusammensetzung

Das zirkulierende Blutvolumen steigt durch eine hormonelle Aktivierung (Renin-Angiotensin-Aldosteron-System) an. Natrium und Wasser werden stärker zurückgehalten, sodass das Plasmavolumen um 30-40%, das heißt um 1-1,5 l, ansteigt. Das ist im Vergleich zur Zunahme der Blutkörperchen deutlich mehr, welche um 0,5 l steigen.

Folglich ist das Blut dünner und fließt auch schneller. Eine relative Blutarmut (Anämie) tritt ein und der Hämoglobinwert liegt zwischen 11 und 12 g/dl, was in der Schwangerschaft vollkommen normal ist. Das gesamte Blutvolumen steigt somit zwischen der 12. und 32.-36. Schwangerschaftswoche auf ein Maximum von zusätzlichen 1,5-2 l an.

Schwangerschaft – Herz und Kreislauf mit mehr Leistung

Das Herzminutenvolumen, also die Menge Blut, die das Herz pro Minute durch den Blutkreislauf pumpt, nimmt ab der 6. Schwangerschaftswoche um 25 bis sogar 50% zu. Mehrere Faktoren beeinflussen dies. Zum einen steigt die Herzfrequenz um 10-30 Schläge/min an. Weiterhin nimmt auch das Schlagvolumen, also die Menge Blut, die das Herz pro Herzschlag pumpt, um 10-35% bis auf maximal 170 ml zu. Das hat natürlich eine Größenzunahme des Herzens zur Folge, welche allerdings ebenfalls eine normale Anpassung darstellt.

Ab der 7. Schwangerschaftswoche sinkt der Blutdruck um ca. 15 mmHg, steigt aber ab der 34. Schwangerschaftswoche wieder auf den Ausgangswert an.

Beinödeme in der Schwangerschaft

Knöchelödeme treten in 80% der Schwangerschaften im letzten Trimenon, d.h in den letzten 3 Monaten vor der Geburt, auf. Ein erhöhter Filtrationsdruck in das Gewebe und die bereits angesprochene Wasserretention sind ursächlich. Darüber hinaus wächst die Gebärmutter, was die Beckenvenen abdrückt und einen erhöhten Venendruck zur Folge hat.

Neben Krampfadern treten dann Beinödeme als Flüssigkeitsansammlung im Gewebe auf. Unter anderem kann es auch zu Hämorrhoiden kommen.

Herzrasen und Benommenheit in der Schwangerschaft – Vena-cava-Kompressionssyndrom

Die Gebärmutter vergrößert sich in der Schwangerschaft und kann die untere Hohlvene, das ist die zum Herzen führende Hauptvene, abdrücken. Dadurch fließt weniger venöses Blut zurück zum Herz, es droht sich quasi leer zu pumpen.

Zum Ausgleich steigt die Herzfrequenz im Liegen deutlich an. Das Vena-cava-Kompressionssyndrom kommt meistens nur in Rückenlage beziehungsweise in Rechtsseitenlage vor. Die Symptome sind Übelkeit, Benommenheit, Herzrasen und drohende Ohnmacht. Es tritt eine sofortige Besserung bei Drehung nach links auf.

Wehen und Entbindung – eine Kreislaufbelastung

Der Geburtsvorgang ist eine zusätzliche Belastung des mütterlichen Herzens, da die Herzfrequenz und das Herzzeitvolumen deutlich zunehmen. Darüber hinaus kommt es zu einer Umverteilung von Blutvolumen aus der Gebärmutter beziehungsweise der Plazenta in den mütterlichen Kreislauf. Zur Folge hat das eine zusätzliche akute Belastung von 500 ml.

Kreislaufanpassung in der Schwangerschaft – ein normaler Vorgang

Die Kreislaufanpassung in der Schwangerschaft ist meistens harmlos. Allerdings können bestehende bisher unerkannte Erkrankungen durch eine Schwangerschaft erstmals bemerkt werden.

Mehr zu: Dr. Natalie Fleissner

 

 

 

 

 

 


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Hormone bei der Frau – wichtig für Herz und Kreislauf

Verschiedene Östrogene bei der Frau

Männer und Frauen unterscheiden sich. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen den Geschlechtern sind die Hormone. Besonders wichtig für die Frau sind die weiblichen Geschlechtshormone, die Östrogene: Östradiol, Östriol und Östron. Während der Geschlechtsreife bilden sich Östrogene in den Eierstöcken und zu einem geringen Teil auch in der Nebennierenrinde.

Östradiol ist das wirksamste Östrogen überhaupt. Somit bestimmt diese Hormon wesentlich den weiblichen Zyklus und die Geschlechtsreife. In der Schwangerschaft wird dann ein anderes Östrogen vermehrt gebildet, das Östriol. Nach den Wechseljahren, wenn die Bildung an Östradiol versiegt, tritt dann Östron in den Vordergrund, welches vor allen Dingen aus dem Fettgewebe kommt.

Östrogene auch beim Mann

Auch Männer produzieren im Hoden geringe Mengen an Östrogenen, ungefähr 10% der weiblichen Menge. Das im Hoden gebildete männliche Geschlechtshormon Testosteron wandelt sich als Vorläuferhormon im Fettgewebe in Östrogene um. Das bedeutet also für den Mann: Je mehr Fettgewebe er hat, desto mehr weibliche Geschlechtshormone produziert er.

Östrogene und die vielfältige Wirkung auf Organsysteme

Zuallererst zu nennen ist, dass Östrogene selbstverständlich sehr wichtig für die Ausbildung der weiblichen Geschlechtsorgane sind. Im weiblichen Zyklus steuert Östradiol dann die Bildung der Gebärmutterschleimhaut, die Eireifung im Eierstock und den Eisprung.

Östrogene sorgen erfreulicherweise für eine geringere Talgproduktion: Das hat eine schöne reinere Haut zur Folge und auch die Spannkraft durch Kollagenbildung steigt. Östrogene stellen ebenso eine gesunde Knochendichte und damit sogar die Stabilität ihrer Knochen sicher, indem sie knochenabbauende Zellen hemmen und die Kalziumaufnahme über den Magen-Darm-Trakt fördern.

Die Blutgerinnung ist ein weiterer wichtiger Angriffspunkt der Östrogene. Hier erhöht sich die Synthese von Gerinnungsfaktoren, so dass durch Östrogene durchaus eine erhöhte Thromboseneigung bestehen kann. Das äußert sich vor allem bei hoher Dosis oraler synthetischer Östrogene, wie wir sie von der sog. Pille kennen.

Erfahrene Frauenmedizinerinnen und Frauenmediziner wissen: Östrogene haben eine positive Wirkung auf die Stimmung. Sie wirken anregend durch eine Verminderung der Botenstoffe wie Gamma-Amino-Buttersäure (GABA), auf der anderen Seite fördern sie die Aktivierung von Serotonin und Dopamin, den typischen Glückshormonen.

Östrogene – Gefäßprotektion und Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Östrogene haben einen positiven Effekt auf den Kohlenhydratstoffwechsel – das ist ein wichtiger Schutz vor Diabetes. So verringern Östrogene, dass Glucagon aus Pankreaszellen freigesetzt wird. Dadurch kann der Blutzuckerspiegel nicht so stark steigen. Außerdem werden im Darm die GLP-1-Zellen stimuliert, was wiederum vermehrt Insulin freisetzt und Glucagon hemmt. Kurzum, Östrogene halten den Blutzuckerspiegel niedrig, was wiederum die Arterien vor Verkalkungen schützt.

Von ganz besonderer Bedeutung in der Herzkreislauf-Medizin sind weitere Blutgefäß-schützende Effekte des Östrogens. Östrogen senkt das Cholesterin durch Hochregulation der LDL-Rezeptoren in der Leber: Cholesterin wird so schneller abgebaut und das schützende HDL-Cholesterin vermehrt gebildet.

Östrogen sorgt sogar dafür, dass sich Ihre Blutgefäße mehr entspannen und so mehr Blut fließt. Das geschieht durch die Freisetzung von Stickstoffmonoxid und eine Hemmung des Kalziumeinstroms in die Zellen. Der Effekt ist so ausgeprägt, dass bei einer Kombination aus blutdrucksenkenden Kalziumantagonisten, z.B. Lercanidipin, Amlodipin und Östrogenpräparaten, Vorsicht geboten ist, weil starke Blutdruckabfälle vorkommen können.

Folglich ist es so, dass Frauen vor der Menopause um das 50. Lebensjahr ein deutlich geringeres Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen haben als Männer in diesem Lebensalter. Das gilt auch für den Herzinfarkt. Allerdings gleichen sich die Risiken zwischen beiden Geschlechtern 5-10 Jahre nach der Menopause wieder an.

Hormonersatztherapie – Trendwende bei der Behandlung

Frauen mit einer sehr frühen Menopause (<45 Jahre) haben ein deutlich erhöhtes Risiko für eine koronare Herzkrankheit, es steigt um 50%. Tödliche Herzinfarkte treten 11% häufiger auf. Fachgesellschaften empfehlen in diesen Fällen eine Hormonersatztherapie bis zum mittleren Menopausen-Alter von 50-51 Jahren. Das gilt unabhängig von Beschwerden und hat das Ziel Langzeitschäden zu vermeiden.

Die Hormonersatztherapie wird auch bei Frauen mit sogenannten klimakterischen Beschwerden empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie rät hier eine frühe Hormonersatztherapie bei Wechseljahresbeschwerden vor dem 60. Lebensjahr.

Grundsätzlich gilt, dass kein erhöhtes Brustkrebsrisiko bei einer Hormonersatztherapie besteht. Allerdings gibt es durchaus Faktoren, die das Risiko erhöhen können:

  • Lebensalter
  • Dauer und Dosierung der Hormontherapie
  • körperliche Aktivität
  • Gewicht
  • genetische Faktoren (familiäre Belastung)

Bei Risikofaktoren besteht ein erhöhtes Risiko bei länger als 5-jähriger Behandlungsdauer mit einer Östrogen-Gestagen Kombination, mit zusätzlich 2-3 Brustkrebsfällen pro 1000 Frauen.

Gestagene, dazu zählt Progesteron, schützen vor Wachstum der Gebärmutterschleimhaut. Dadurch wird die Häufigkeit  des Endometriumkarzinoms verringert. Frauen, denen die Gebärmutter entfernt wurde, sollten Östrogen-Monopräparate erhalten.

Immer zu bedenken ist, dass bei der Einnahme einer Hormonersatztherapie ein erhöhtes Thromboserisiko besteht. Denn Östrogene werden in der Leber verstoffwechselt und aktivieren hier die Gerinnungsfaktoren. Allerdings besteht kein erhöhtes Thromboserisiko, wenn man Östrogengel auf der Haut aufträgt.

Kurzum, nach aktueller Datenlage hat die frühe Hormontherapie bei klimakterischen Beschwerden eher Vorteile. Einher geht das mit einer Reduktion von Stoffwechselstörungen wie Diabetes und einem verringerten Herzkreislaufrisiko.

 

 

Mehr zu: Dr. Natalie Fleissner

   

 

 

 

 

 


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Zu hohe Lautstärke erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt

Wer sich über einen längeren Zeitraum einer kritischen Lautstärke aussetzt, gefährdet seine Herz-Kreislauf-Gesundheit. Ein zu lautes Umfeld ist vor allen Dingen ein Risiko für Herzinfarkt und Bluthochdruck. Ab einem Ausgangswert von 50 dB (Dezibel) steigt das Risiko pro 10 dB Zunahme um 6 Prozent an!

Beim Wahrnehmen von hörbarem Schall gilt es zwei Größen zu unterscheiden: Lautstärke und Lärm.

Während Lärm auch subjektiv gefärbt ist, kann man Lautstärke durch den Schalldruck objektiv genau messen. Die Messgröße für Lautstärke heißt Dezibel (dB).

Aber was heißt Lautstärke konkret?

Lautstärke ist objektiv messbar

Hier sehen Sie paar Beispiele zusammengestellt, die Ihnen die Einordnung von verschiedenen Lautstärken im Alltag erleichtert:

  • 0 Dezibel: Hörschwelle normal hörender Mensch
  • 0 bis 20 Dezibel: kaum hörbar; z. B. Flüstern oder Blätterrauschen; wird in der Regel als angenehm empfunden.
  • 20 bis 40 Dezibel: gut hörbar; z. B. Weckerticken oder Ventilator, die auch den Schlaf stören können
  • 40 bis 60 Dezibel: z. B. normales Gespräch, leises Radio; kann die Konzentration stören
  • 60 bis 80 Dezibel: z. B. lautes Gespräch, vorbeifahrendes Auto, Schreibmaschine, Rasenmäher; kann gesundheitliche Langzeitschäden verursachen
  • 80 bis 100 Dezibel: z. B. vorbeifahrende LKWs, Motorsäge; kann bei Dauerlärm zu Gehörschäden führen
  • 110 Dezibel: Schmerzgrenze; z. B. Kreissäge oder Presslufthammer

Übrigens, pro 10 Dezibel Anstieg der objektiven Lautstärke wird wird gefühlt eine Verdoppelung der Lautstärke wahrgenommen.

Akustisches Umfeld kennen lernen

Weil Lautstärke nicht nur für die langfristige Gesundheit, sondern auch für die kurzfristige Befindlichkeit, wie z.B. Stress- und Schlafverhalten wichtig ist, lohnt es sich für Sie sich diesem Alltagsphänomen zu beschäftigen.

Sie können die Lautstärke ganz einfach selbst messen. Zum Beispiel mithilfe von Apps wie etwa “dB Messgerät Pro”. Es ist hilfreich, wenn Sie Ihr persönliches akustisches Umfeld – ob auf der Arbeit oder zuhause – kennenlernen. Sie werden sich wundern, was Sie da alles herausfinden können. Und dann können Sie gegebenenfalls Maßnahmen treffen, um sich vor Lärm zu schützen.

Denn Lärmschutz ist Herz-Kreislauf-Schutz!

 

…..weiter mit “Was ist Lärm für Ihr Herz?”

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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