Blutdruck im Stehen – wichtig bei Bluthochdruck

Wenn wir den Blutdruck messen, sei es in der Arztpraxis oder zu Hause, dann tun wir das im Sitzen. Hierfür müssen wir die Regeln für die Blutdruckmessung beachten, das gilt vor allen Dingen für eine ausreichende Ruhezeit vor der Messung.

Neben der statischen Messung im Sitzen können auch dynamisch erhobene Werte, z.B. beim Wechsel vom Liegen zum Stehen wertvolle Informationen liefern.

Kreislauf im Stehen – ein große Herausforderung

Das ruhige Stehen ist für Ihren Kreislauf eine besondere Herausforderung, denn Blut muss wichtige Körperregionen gegen die Schwerkraft erreichen. Das venöse Blut muss ca. 4/7 Ihrer Körperlänge von der Großzehe bis zum Herzen und arterielles Blut muss 3/7 der Körperlänge gegen die Schwerkraft Ihr Gehirn erreichen. Dabei ist die Blutversorgung des Gehirns ist überaus wichtig, denn wird das Gehirn für nur ca. 10 Sekunden nicht durchblutet, dann werden Sie bewusstlos!

Folglich muss Ihr Kreislauf in jeder Körperlage gut reguliert werden. Dafür verfügt der Körper über Messstationen in Venen, Herz und Arterien, die Druck und Dehnung messen. Besonders wichtig sind diese am im Bereich des Übergangs von den Venen zur Vorkammer und in den Halsarterien, die zum Gehirn führen. Über die Messsensoren in den hinrversorgenden Arterien wird z.B. der wichtige Baro-Reflex gesteuert. Das vegetative Nervensystem leitet „Messergebnisse“ zur Verarbeitung an den Hirnstamm weiter, so dass von hier aus Anpassung des Kreislaufs erfolgen kann. Das dauert nur wenige 100 ms.

Sowohl auf der Ebene der Sensoren als auch bei der Verarbeitung der Informationssignale im Hirnstamm können Störungen auftreten, die z.T. durch die Blutdruckmessung im Liegen und im Stehen erfasst werden.

Blutdruck im Liegen und im Stehen messen

Der Test geht ganz einfach

  • Rückenlage für 60-120 Sekunden
  • Blutdruck und Herzfrequenz messen
  • dokumentieren
  • aufstehen und 60-120 Sekunden stehen
  • messen
  • dokumentieren

Wichtig ist, dass Sie die Messung im Stehen erst dann durchführen, wenn Sie mindestens 1 Minute gestanden haben. Innerhalb der ersten 60 Sekunden nach dem Aufstehen kommt es zu einem deutlichen Blutdruckabfall, den Sie mit der Blutdruckmanschette nicht sicher erfassen können, der aber das Ergebnis verfälschen kann.

Unterschiedliche Blutdruckwerte im Liegen und im Stehen

Wenn Sie sich hinstellen, dann muss Ihr Kreislauf das Gefälle gegen die Schwerkraft ausgleichen. Blutdruck und Herzfrequenz werden gehalten bzw. steigen leicht überschießend an. Es ist normal, wenn die Kreislaufregulation hier etwas übersteuert. Das entspricht einer Absicherung, so dass eine Minderdurchblutung Ihres Gehirns und damit eine Ohnmacht verhindert wird.

Normalbefund. Die Blutdruckwerte im Liegen und im Stehen sollte jeweils in den bekannten Normbereichen von <140 mmHg systolisch und <90 mmHg diastolisch liegen. Es ist normal, wenn der Blutdruck vom Liegen zum Stehen gleichbleibt bzw. um 15 mmHg systolisch bzw. um 10 mmHg diastolisch ansteigt. Auch Ihre Herzfrequenz kann um bis zu 10 bpm ansteigen.

Blutdruck im Liegen höher als im Stehen

Hier gibt es 2 Möglichkeiten im Liegen pathologisch zu hoch oder im Stehen pathologisch zu niedrig.

Blutdruck im Liegen pathologisch hoch, im Stehen normal. Sind Ihre Blutdruckwerte im Liegen pathologisch erhöht, d.h. >139 mmHg systolisch oder >89 mmHg diastolisch und im Stehen normal, dann ist das nicht normal. Die Ursache ist unklar.

Wir erleben es in der Cardiopraxis allerdings häufiger, dass dieses Phänomen bei einer Behandlung mit einem Beta-Blocker bzw. dann vorkommt, wenn die untere Hohlvene als Hinweis auf zu viel Flüssigkeit im Gefäßsystem deutlich erweitert ist. Wir nehmen an, dass hier die vermehrte Wandspannung in den Herzvorkammern einen Schutzreflex mit Anspannung der Widerstandsgefäße in der Lungenstrombahn bzw. im Systemkreislauf verursacht. Folglich können nachgeschaltete Strukturen vor einer Überdehnung zu schützen werden. Wir kennen diesen Mechanismus von der Mitralklappenstenose und von der hochgradigen Linksherzinsuffizienz.

Der Beta-Blocker steigert hier die Wandspannung indirekt über eine Verringerung der Sogkraft des Herzens. Eine Anpassung der Medikation mit einer Gabe einer harntreibenden Substanz bzw. die Verringerung der Beta-Blockerdosis führen hier meistens zu einer Normalisierung des Befundes.

Blutdruck im Liegen normal, im Stehen pathologisch niedrig. Fällt der Blutdruck im Stehen von Normalwerten jeweils um mehr als 20 mmHg ab, dann ist das nicht normal. In den allermeisten Fällen ist dieses mit einem Anstieg der Herzfrequenz um >10 bpm verbunden und Folge eines Flüssigkeitsmangels, z.B. bei zu hoher harntreibender Medikation oder zu geringer Trinkmenge. In seltenen Fällen ist dieser Befund Ausdruck einer Linksherzschwäche oder eines schweren Herzklappenfehlers.

Blutdruck im Stehen höher als im Liegen – orthostatische Hypertonie

Steigt der Blutdruck systolisch um >15 mmHg systolisch bzw. >10 mmHg diastolisch vom Liegen zum Stehen an, dann ist das pathologisch. Ist der Blutdruck im Liegen normal und die Werte steigen erst im Stehen in den pathologischen Bereich an, dann sprechen wir von einer orthostatischen Hypertonie.

Der Grund für dieses Verhalten liegt in einer Fehlregulation des Kreislaufs. Meistens ist ein hoher Sollwert das Problem, wie es z.B. bei langer Dauer eines Bluthochdrucks vorkommt. Wenn Wir nun z.B. mit Medikamenten den Blutdruck senken, dann wir der zunächst normale Blutdruck als zu niedrig wahrgenommen und Ihr Körper versucht den Blutdruck im Stehen wieder auf den falsch-hohen Sollwert anzuheben. Hier müssen dann Medikamente, die diese Adrenalin-vermittelte Reaktion durchbrechen können, wie z.B. Moxonidin oder auch Reserpin zum Einsatz kommen.

Eine orthostatische Hypertonie ist durch den schnellen Wechsel von normalen zu deutlich erhöhten Blutdruckwerten eine besondere Gefährdung für Ihr Gehirn und häufig auch mit Benommenheit und Kopfschmerzen verbunden.

Wertvolle Blutdruckmessungen zu Hause gemessen

In der Cardiopraxis führen wir mit dem Finapres®-System hierfür z.B. den sog. Orthostase-Test im Liegen und im Stehen durch, bei dem wir nicht nur Blutdruck und Herzfrequenz, sondern gleichzeitig auch den Blutfluss für jeden einzelnen Herzschlag in Rückenlage und im Stehen messen. Folglich erhalten wir wertvolle Hinweise zur individuellen Therapieeinstellung.

Wie Sie gesehen haben, können Sie einen Teil dieses Tests auch zu Hause durchführen. Da sind wertvolle Informationen, die dann die Messungen in der Praxis ergänzen. Wir freuen uns immer, wenn Sie solche Messwerte mitbringen, weil wir so die Behandlung optimal individuell ausgerichtet können.

 

 

 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

 

 

Schwer einstellbarer, therapieresistenter bzw. therapierefraktärer Bluthochdruck

Der schwer einstellbare Bluthochdruck ist ein häufig auftretendes und gesundheitlich sehr relevantes Problem. Ist der Blutdruck nicht einstellbar bzw. werden mehrere Medikamente benötigt, dann erhöht sich Ihr individuelles Gesundheitsrisiko für das Auftreten von z.T. lebensbedrohliche Komplikationen. Allerdings wird die Diagnose eines schwer einstellbaren Bluthochdruckes häufig zu früh gestellt, weil diagnostische und therapeutische Maßnahmen nicht richtig ausschöpft werden.

therapieresistenter bluthochdruck

Was ist ein schwer einstellbarer Bluthochdruck?

Das Therapieziel für einen gut eingestellten Bluthochdruck beträgt gemäß den Leitlinien der europäischen Fachgesellschaften <140 mmHg systolisch und <90 mmHg diastolisch.
Schwer einstellbarer Bluthochdruck, im Englischen “treatment resistent hypertension” genannt, bedeutet, dass der Blutdruck trotz Einsatz von 3 Basismedikamenten (Kalziumantagonisten, ACE-Hemmer bzw. AT-Blocker, Diuretika) weiterhin oberhalb der gewählten Grenzen liegt.Das heißt, dass das Primärziel nicht erreicht wird.

Der Bluthochdruck gilt ebenfalls als schwer einstellbar, wenn man mehr als 4 Medikamente einsetzt, um einen normalen Blutdruck zu erreichen.

Wichtig bei allen Überlegungen: Diese Definition gilt nur, wenn die Medikamente in ihrer maximal tolerablen Dosis, das heißt ohne Nebenwirkungen, ausgeschöpft sind.

Was ist eine Pseudoresistenz bei Bluthochdruck?

Bei der Diagnose des schwer einstellbaren  Bluthochdrucks werden häufig Fehler gemacht, nicht selten besteht eine Pseudoresistenz.

Pseudoresistenz bedeutet, dass zwar erhöhte Blutdruckwerte vorliegen und die Definition eines schwer einstellbaren Blutdrucks erfüllt scheint, nicht aber alle diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Eine Pseudoresistenz muss man folglich vor der endgültigen Diagnose eines schwer einstellbaren Bluthochdrucks ausschließen.

Eine richtige Messtechnik des Blutdrucks ist wichtig. Zum Beispiel muss die Manschettengröße genau passen. In 35-40% werden hier die entscheidenden Fehler gemacht. Der sogenannte Weißkitteleffekt ist eine weitere Ursache für ein falsche Diagnose. Das heißt: In 35-40% der Fälle steigt der Blutdruck in einer Arztpraxis übermäßig hoch. Hier müssen wir gegebenenfalls eine Langzeit-Blutdruckmessung durchführen bzw. auf häusliche Messungen zurückgreifen.

Der häufigste Fehler bei der Diagnose einer schwer einstellbaren arteriellen Hypertonie ist mit 60-70% eine zu niedrige Dosierung der Basismedikamente. Die therapeutischen Möglichkeiten müssen systematisch ausschöpfen werden. Des Weiteren muss sichergestellt werden, dass die Medikamente auch tatsächlich eingenommen werden. Bei 35-40% der Betroffenen ist das nicht der Fall.

Pseudoresistenz bei Bluthochdruck durch Medikamente und Drogen

Medikamente können den Bluthochdruck verstärken. Hierzu zählen z.B.:

  • sog. nichtsteroidale Antiphlogistika, zum Beispiel Ibuprofen, Diclofenac
  • Kortison
  • orale Kontrazeptiva
  • Drogen, z.B. Amphetamine, Kokain
  • Alkohol, häufig unterschätzt
  • Antidepressiva, z.B. trizyklische Antidepressiva sowie Noradrenalin- und Serotonin- Wiederaufnahmehemmer

Pseudoresistenz bei Bluthochdruck durch Erkrankungen

Schlafmangel und schlechte Schlafqualität werden gemeinhin als Ursachen für einen schwer einstellbaren Bluthochdruck unterschätzt. Des Weiteren kann ein sog. Schlafapnoe-Syndrom mit Abfall der Sauerstoffsättigung in der Nacht dazu beitragen, dass Adrenalin erheblich ansteigt und damit auch der Blutdruck.

Ein besonderes Problem ist die chronische Niereninsuffizienz. Weil dabei eines der wichtigsten Regulationsorgane für den Blutdruck geschädigt ist, gestaltet sich die Einstellung von vornherein schwieriger. Der Anteil von Menschen mit therapieresistentem Bluthochdruck ist in dieser Gruppe deutlich höher.

Ein weiteres Problem, das man besonders bei Menschen mit bekannten Verkalkungen, z.B. an den hirnversorgenden Arterien oder den Herzkranzarterien, beachten muss, sind verengte Nierenarterien, eine sog. Nierenarterienstenose. Die Mangelversorgung der Niere führt zur Freisetzung von Renin, was dann im gesamten Kreislauf auch den Blutdruck erhöht.

Nebennierenerkrankungen wie z.B. das Phäochromozytom mit krankhafter Adrenalinfreisetzung bzw. das Cushingsyndrom, bei dem übermäßig Kortison freigesetzt wird, müssen ebenfalls ausgeschlossen werden, bevor man die Diagnose eines therapieresistenten Bluthochdrucks stellt.

Schwer einstellbarer Bluthochdruck – häufig schlechte Prognose

In großen wissenschaftlichen Studien konnte man bei repräsentativen Mischkollektiven einen schwer einstellbaren Bluthochdruck bei 5-30% der Betroffenen feststellen. Bei strengem Ausschluss einer Pseudoresistenz liegt die Quote unter 10%. Liegt eine chronische Nierenschwäche vor, wird allerdings in bis zu 40% der Fälle von einem schwer einstellbaren Bluthochdruck berichtet.

Mittelfristig ist das Risiko für Komplikationen innerhalb von 5 Jahren um 5-10% erhöht, z.B. für:

Allgemeine Therapiemaßnahmen bei schwer einstellbarem Bluthochdruck – Lebensstil ändern

Sie sollten vor allen Dingen bei einem schwer einstellbaren Bluthochdruck auf eine Schlafdauer von 7-8 Stunden achten. Des Weiteren sollten Sie Salz streng auf 2,4 g/Tag reduzieren. Eine Gewichtsreduktion und körperliches Training sind ebenfalls förderlich, um den Blutdruck zu normalisieren.

Schwer einstellbarer Bluthochdruck – Medikamente ergänzen

Wird bei Ihnen eine Pseudoresistenz ausgeschlossen und tatsächlich ein schwer einstellbarer Bluthochdruck diagnostiziert, dann ergänzt Ihr Arzt die medikamentöse Behandlung stufenweise. An erster Stelle sind hier sogenannte Thiazid-ähnliche Diuretika, wie zum Beispiel Chlorthalidon oder Indapamid, zu nennen. Als besonders wertvoll erweist sich der Einsatz von sog. Aldosteronantagonisten, wie z.B. von Spironolacton bzw. Eplerenon. Gerade mit diesen Substanzen erzielt man häufig den entscheidenden Durchbruch.

An weiteren Medikamenten stehen sogenannte Alpha- beziehungsweise Betablocker zur Verfügung. Wenn nach Einsatz aller vorangegangenen Medikamente eine Einstellung nicht zufriedenstellend ist, dann greifen wir zu Hydralazin bzw. Minoxidil.

Vorgehen bei schwer einstellbarem Bluthochdruck

Bevor wir die Diagnose eines schwer einstellbaren Bluthochdrucks stellen, muss ein pseudoresistenter Bluthochdruck ausgeschlossen werden. Das bedeutet, dass wir alle diagnostischen Maßnahmen nutzen und auch an seltene Ursachen eines Bluthochdrucks denken.

Die therapeutische Medikation muss intensiviert und dann stufenweise eskaliert werden.Bei Nierenschwäche sollte frühzeitig ein Nierenspezialist in die Therapie mit einbezogen werden, um Nieren und Nebennieren zu bewerten.

Die Erfahrung zeigt zum Glück, dass wir bei guter Blutdruckeinstellung die Zahl der Medikamente nach einiger Zeit wieder kontrolliert reduzieren können. Besonders wertvoll hat sich hierfür in der Cardiopraxis die unblutige Kreislaufmessung erwiesen, die es uns erlaubt unterschiedliche Formen des Bluthochdrucks zu unterscheiden.

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

 

Diagnose Bluthochdruck – ein wichtiger Risikofaktor für die Gesundheit 

In Deutschland haben rund rund ein Drittel aller Menschen nach dem 20. Lebensjahr einen Bluthochdruck. Der Diagnose Bluthochdruck kann für Sie ernsthafte gesundheitliche Folgen haben. Entsprechend steigert ein erhöhter Blutdruck das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenschwäche. Dementsprechend ist ein Bluthochdruck auch mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden.

Normalwerte für den Blutdruck 

Bei der Blutdruckmessung werden 2 Werte angegeben: der obere Wert ist der systolische Wert, der untere ist der diastolische Wert, z.B. 120/80 mmHg. Die Begriffe „systolisch“ und „diastolisch“ beziehen sich auf die Aktivität der Herzhauptkammern. Entsprechend pumpen die Hauptkammern in der Systole, in der Diastole füllen sie sich. Die Maßeinheit richtet sich an der Verdrängung einer Quecksilbersäule (Hg) in Millimeter aus, daher mmHg.

Entpsrechend den Leitlinien der europäischen Fachgesellschaften verwenden wir Messwerte, die durch einen Arzt oder Assistenzpersonal in der Arztpraxis erhoben werden. Folglich sprechen wir bei systolischen Werten ab 140 mmHg bzw. bei  diastolischen Werten ab 90 mmH von einem Bluthochdruck, einer sog. arteriellen Hypertonie. 

Mitunter haben wir den Verdacht, dass der Blutdruck durch die Anwesenheit in der Praxis durch den sog. Weißkittel-Effekt beeinflusst ist. Entsprechend fließen dann häusliche Messungen bzw. Ergebnisse aus einer 24-Stunden-Blutdruckmessung mit in die Bewertung ein. Interessant für die richtige Wahl der Therapie sind auch dynamische Blutdruckmessungen im Liegen und im Stehen.

 

Bluthochdruck unterschiedliche Schweregrade

Normaler Blutdruck

  • <120 und <80 mmHg                           – Optimal
  • 120-129 und/oder 80-84 mmHg       – Normal
  • 130-139 und/oder 85/89 mmHg       – Hochnormal

Bluthochdruck

  • 140-159 und/oder 90-99 mmHg          – Grad 1
  • 60-179 und/oder 100/109 mmHg       – Grad 2
  • >179 und/oder >109 mmHg                 – Grad 3

Isolierter systolischer Bluthochdruck

  • >139 mmHg und <90 mmHg

Blutdruck – Therapieziele

Das Primärziel ist, dass Ihr Blutdruck systolisch <140 mmHg und diastolisch <90 mmHg liegt. Damit sind eine gute Leistungsfähigkeit und eine gute Prognose gewährleistet. 

Die Sekundärziele werden erst bei guter Toleranz der medikamentösen Therapie angestrebt. Hierfür versuchen wir Werte von systolisch 130 mmHg und bei Menschen <65 Jahren von 120 mmHg zu erreichen. Diastolisch sollte der Blutdruck dann 80 mmHg betragen. 

Die Zielwerte für einen normalen Bluthochdruck liegen gemäß den Empfehlungen der Fachgesellschaften in Europa etwas höher als in den USA. Allergins basieren die Empfehlung in den USA entscheidend auf der SPRINT-Studie, die mittels automatischer Messung stattfanden, ohne dass eine 2. Person im Raum war. Hierdurch entwsprechen diese Werte eher der Messung zu Hause. Für häusliche Blutdruckmessungen werden niedrige Schwellenwerte angesetzt, <135 mmHg systolisch und <85 mmHg diastolisch.

Hinzu kommt, dass bei sehr niedrigen Blutdruckwerten die Häufigkeit an Nebenwirkungen, wie z.B. Benommenheit, Einschränkung der Leistungsfähigkeit und Müdigkeit zunehmen. In der Tat kann dann gerade bei älteren Menschen auch die Sterblichkeit steigen.

Bluthochdruck – medikamentöse Basistherapie 

Die medikamentöse Basistherapie richtet sich an den Erfolgen in zahlreichen großen klinischen Studien aus. In erster Linie setzen wir die Basismedikamente ein um eine möglichst optimale Blutdrucksenkung zu gewährleisten. Außerdem stimmen wir die Behandlung so ab, dass möglichst wenige wenige Nebenwirkungen verursacht werden, am besten gar keine. Folglich versuchen in der Cardiopraxis die Anzahl der Medikamente möglichst gering zu halten.

Als Basistherapeutika setzen wir langwirksame Kalziumantagonisten, z.B.  Lercanidipin oder Amlodipin ein. Hemmer des Renin-Angiotensin-Systems wie ACE-Hemmer, z.B.  Ramipril oder AT-Blocker, z.B. Valsartan und Olmesartan gehören ebenfalls zum Basisprogramm. Weiterhin werden harntreibende Medikamente, sog. Diuretika gegeben. 

Abgesehen davon können wir in der Cardiopraxis mit Hilfe der Kreislaufmessung mit dem Finapres®-System häufig unterschiedliche Formen des Bluthochdrucks voneinander abgrenzen. Hierduch können wir Ihnen ganz gezielte Empfehlungen geben, welche sich meistens auf die Aktivität des individuellen Stoffwechsels beziehen. Infolgedessen können hierdurch die Medikamente möglichst gering gehalten und häufig ganz vermieden werden.

Werden die Therapieziele für den Blutdruck allerdings nicht erreicht –  was zum Glück selten der Fall ist – und der Blutdruck liegt trotz Einsatz von 3 Medikamenten und mehr oberhalb der Grenzwerte, dann sprechen wir von einem schwer einstellbaren Bluthochdruck. Je nachdem müssen wir dann weitere diagnostische und therapeutische Maßnahmen einsetzen.

 

Wiliams B et al European Heart Journal 2018; 39:3021–3104

 

 

 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Blutdruck selber messen – eine Diagnose mit Konsequenzen

Die Selbstmessung des Blutdrucks ist wahrscheinlich neben der Bestimmung der Herzfrequenz und der Körpertemperatur die häufigste apparative Massnahme zur Erfassung von Daten zur eigenen Gesundheit überhaupt. Genauso wie bei Herzfrequenz und Körpertemperatur haben die meisten von uns ein grundlegendes Verständnis davon, was ein normaler Blutdruck und was ein Bluthochdruck ist.

Moderne Blutdruckmessgeräte – hoher Standard

Die im Handel angebotenen halb-automatischen Blutdruckmessung entsprechen in Qualität und Handhabung den professionellen Geräten in einer Arztpraxis oder im Krankenhaus. Die Geräte sind handlicher geworden, zuverlässig und die Daten lassen sich z.T. schon via Bluetooth auf das Handy übertragen, so dass eine anschauliche Dokumentation möglich wird.

Die meistens integrierte Analyse der Herzfrequenz erlaubt Hinweise auf Rhythmusstörungen. Inzwischen steht auch ein Gerät zur Verfügung, welches die integrierte Ableitung und Analyse eines 1-Kanal EKGs zum Nachweis von Vorhofflimmern erlaubt. Dieses hat eine vergleichbare Qualität wie das 1-Kanal EKG  wie z.B. das System von für die Apple Watch oder die Kardia Systeme von AliveCor. Darüber hinaus steht zu erwarten, dass in der Zukunft auch eine integrierte Bestimmung des Blutflusses eine genauere Kreislaufanalyse zulassen wird.

Blutdruck messen zu Hause – viele Vorteile

Die Heimblutdruckmessung hat neben den geringen Kosten und der weiten Verbreitung zahlreiche Vorteile.

Die Blutdruckmessung zu Hause erlaubt z.B. die Abgrenzung eines sog. Weißkittel-Effektes, d.h. eines Blutdrucks, der nur in eine Arztpraxis erhöht ist und zu Hause komplett normal ist. Darüber hinaus können wir bei Messungen zu verschiedenen Tageszeiten auch kritisch hohe Werte erfassen, während zu anderen Tageszeiten (und auch in der Arztpraxis) der Blutdruck völlig normal ist. Hier hat vor allem die Messung am Morgen und am Abend eine Bedeutung.

Messungen an mehreren Tagen und zu unterschiedlichen Tageszeiten und sogar Jahreszeiten geben uns als Ärzten wertvolle Hinweise. Darüber hinaus können Sie auch dynamische Messungen zu Hause ableiten, z.B. im Liegen und manche dem Aufstehen. Nicht zuletzt ist es so, dass Sie bei Befindlichkeitsstörungen, wie z.B. innere Unruhe, Kopfschmerzen und Luftnot über die Blutdruckmessungen Hinweise auf die Ursache gewinnen und eine besprochene Bedarfsmedikation einsetzen können, z.B. bei einer hypertensiven Entgleisung.

Die Grenzwerte für den Blutdruck sind niedriger als für die Messungen in einer Arztpraxis:

  • Normal – systolisch <140 mmHg und diastolisch <85 mmHg

Blutdruck messen zu Hause – Risiko Fehlmessungen

Einen entscheidenen Nachteil hat die Blutdruckmessung zu Hause, das Risiko der Fehlmessung. Wenn der Blutdruck falsch gemessen wird, kann das zu Fehldiagnosen und damit zu falschen Therapien und Nebenwirkungen führen. Schon in der Arztpraxis können hier in 40-60% falsche Werte erhoben werden, wenn nicht einige entscheidende Punkte beachtet werden. Im häuslichen Bereich kann die Fehlerquote sogar höher liegen.

Richtig Blutdruck messen – 9 kostbare Tipps

So misst man richtig:

  • zunächst 5 Minuten ruhig sitzen
  • beide Füße auf dem Boden, keine gekreuzten Beine (führt zu falsch-hohen Werten)
  • Messarm muss auf Unterlage ruhen
  • Messeinheit muss auf Herzhöhe sein
  • richtige Manschettengröße in Relation zu Oberarmumfang wählen (zu schmale Manschette = falsch-hohe Werte, zu breite Manschette = falsch-niedrige Werte)
  • Oberarmumfang: Breite x Länge
    < 24 cm: 10 x 18 cm
    24 bis 32 cm: 12 x 24 cm (Standardmanschette)
    33 bis 41 cm: 15 x 30 cm
    >41 cm: 18 x 36 cm
  • Manschette um unbekleideten Oberarm legen (Luftschlauch vorne, Verschluss hinten, Messpunkt auf Herzhöhe)
  • nicht sprechen, lesen oder Handy nutzen
  • bei Erstmessung an beiden Armen messen, den höheren Wert wählen und in der Zukunft an dem Arm mit dem höheren Wert messen

Blutdruckwerte dokumentieren 

Dokumentieren Sie Uhrzeit, systolischen und diastolischen Blutdruck sowie die Herzfrequenz. Bringen Sie am besten eine Kopie der Liste zu Ihrem nächsten Arztbesuch mit. Sollte Sie die Werte in einer App speichern, was wir empfehlen, dann ist es sinnvoll, dass Sie einen Ausdruck machen. So kann Ihre Ärztin oder der Arzt die Dokumentation zu seinen Unterlagen nehmen und im Verlauf vergleichen.

Wiliams B et al European Heart Journal 2018; 39:3021–3104

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Lärm macht krank – Stille schützt Herz und Kreislauf

Stille schützt Herz und Kreislauf. Längere kritische Geräuschexposition am Arbeitsplatz und im Wohnbereich, z.B. durch Straßengeräusche, ist ein potenzielles Gesundheitsrisiko. Ab 50 Dezibel (dB) steigt das Risiko für Herzinfarkt und Bluthochdruck pro 10 dB um 6 Prozent. Bei Werten über 50 dB macht daher Lärmschutz Sinn. Wir unterscheiden den nicht-individuell gestaltbaren Lärmschutz vom individuell gestaltbaren Lärmschutz.

Nicht-individuell gestaltbarer Lärmschutz

Hier gilt vor allen Dingen: Lärmbildung vermeiden und abwehren! Das kann etwa durch Ersatz von Dieselautos mittels E-Autos geschehen oder durch verkehrsberuhigende Maßnahmen. Lärm abwehren lässt sich mit architektonischen Maßnahmen, z. B. Schutzwänden. Entsprechend kann man lärmfern wohnen und arbeiten.

Die Hauswanddicke und die Fensterisolierung spielen ebenfalls eine Rolle. Sie können, zumindest was die Fensterisolierung in der Nacht angeht, selbst aktiv werden. Schwere Vorhänge können gut vor Lärm schützen. Im Innenraum können Schallschlucker wie Innenwände, Teppiche, Bilder und sogenannte Helmholtzsche Körper kleine Wunder vollbringen. Insgesamt betrachtet ist die Lärmexposition im Wohn- und Arbeitsbereich allerdings durch den Einzelnen häufig kaum kontrollierbar.

Individuell gestaltbarer Lärmschutz – öfter mal eine akustische Pause

Individuell gestaltbaren Lärmschutz kann der einzelne Mensch mit einfachen Maßnahmen günstig beeinflussen.
So können Sie z.B. eine akustische Pause einlegen, indem Sie Fenster und Türen schließen, ein „Bitte nicht stören“-Schild an die Türe hängen. Für ca. 10 Minuten können Sie dann in akustischer Ruhe einfache Tätigkeiten ausführen. Atemübungen und Meditation sind hier besonders hilfreich. Sie sollten auch darauf achten, dass Sie Störgeräusche aktiv ausschalten, indem Sie Musik und Radio, auch via Kopfhörer, für eine Zeit lang abstellen.

Individueller Lärmschutz – ANC-Kopfhörer richtig nutzen

Ein interessanter Ansatz ist die Nutzung sogenannter In-Ear-Kopfhörer mit guten Ohrpassstücken –OHNE Musik.
Bereits das Einsetzen der Ohrstöpsel verringert die Schallexposition um 5 bis 10 dB. Mit Hilfe von Antischall-Systemen, sogenannten Active Noise Cancelling (ANC) Kopfhörern, kann Schall um 20 bis 30 dB abgeschwächt werden (z.B. Bose QuietComfort 20 In-Ear oder Bose Quiet-Control 30). Viele Produkte sind so auch ohne Handy („stand alone”) nutzbar.

Bei der Nutzung von In-Ear ANC-Kopfhörern OHNE Musikbeschallung ist es nicht das Ziel, das Umfeld komplett auszuschalten. Eine direkte Ansprache durch Personen oder Warnsignale sollten weiter hörbar sein. Bei einigen Systemen können Sie dafür den Grad der Schallabschirmung via App auf dem Handy individuell anpassen. Ein interessanter Effekt ist dabei, dass Sie die Umwelt häufig bewusster und klarer wahrnehmen, weil ablenkende Störgeräusche unterdrückt werden.

Obwohl man Warnsignale bei In-Ear ANC-Systemen gut wahrnehmen kann, sollte man bei der Nutzung im Straßenverkehr auf jeden Fall die Musik ausschalten und die visuelle Kontrolle intensivieren. Ist man zu Hause oder bei der Arbeit, dann kann man eventuell sogenannte Ambient Sounds nutzen, zum Beispiel die Endel-App. Im Gegensatz zu In-Ear-Systemen schließen Over-Ear-Kopfhörer mit ANC den Schall bis 35 dB ab. Das ist meist nicht erforderlich und vor allen Dingen als Fußgänger im Straßenverkehr auch nicht sinnvoll. Übrigens, als Autofahrer sollten Sie im Straßenverkehr keine Kopfhörer nutzen.

ANC-Kopfhörer sinnvoll für Menschen mit Hochtonschwerhörigkeit

Besonders nützlich sind In-Ear ANC-Systeme für Menschen mit Hochtonschwerhörigkeit. Der Anteil von Menschen mit Hochtonschwerhörigkeit beträgt im Alter von 44 bis 64 Jahren bereits 11 bis 24 Prozent der Bevölkerung und nimmt mit dem Alter zu.

Menschen mit Hochtonschwerhörigkeit haben erhebliche Probleme, z.B. in einem Stimmengewirr einem Gespräch zu folgen oder Gesprochenes im Fernsehen zu verstehen. Sie stehen durch Umgebungsgeräusche auch in anderen Situationen häufig unter Stress. In-Ear ANC-Kopfhörer mindern bei diesen Menschen den Stress durch Straßenverkehr, denn die Systeme sind auch für Fußgänger im Stadtverkehr geeignet.

 

Akustisches Umfeld kennen lernen

Lernen Sie Ihr persönliches akustisches Umfeld selbst kennen! Nutzen Sie dabei Apps, mit denen Sie die Lautstärke in Dezibel messen können, z.B. dB Messgerät Pro.

Ergreifen Sie Maßnahmen zum individuellen Lärmschutz, denn Lärmschutz ist Herz-Kreislaufschutz!

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

 

Anpassung des Herz-Kreislaufsystems im Sommer

Ihr Herz-Kreislaufsystem passt sich immer den klimatischen Bedingungen an. Das Ziel ist dabei ein stabiler Sollwert für Ihre Körpertemperatur, denn nur bei richtiger Körpertemperatur sind Sie voll körperlich und geistig leistungsfähig.

Im Sommer ist in der Regel eine vermehrte Wärmeabgabe sinnvoll. Ihr Körper fördert das, indem er vor allem die Blutgefäße weit stellt und damit die Durchblutung steigert. Sie merken das an Ihren warmen Händen.

Im Winter steht hingegen die Wärmekonservierung im Vordergrund. Ihr Körper erreicht das, indem er die Blutgefäße eng stellt, also den Blutfluss verringert. Das wiederum können Sie daran merken, dass Ihre Hände häufiger kalt sind.

Gerade im Sommer erleben wir in der Cardiopraxis immer wieder starke Nebenwirkungen von Herz-Kreislaufmedikamenten. Die Menschen kommen zu uns mit innerer Unruhe, Luftnot, Benommenheit oder gar Ohnmachtsanfällen.

Medikamente gegen Bluthochdruck im Sommer – „mein Blutdruck spinnt”

Im Sommer ist er Blutdruck in Verbindung mit Medikamenten meistens das Hauptproblem.

Medikamente zur Herz-Kreislauftherapie können dabei die Ausgleichsmechanismen Ihres Körpers zur Reduktion überschüssiger Körperwärme verstärken. Der Blutdruck fällt dann ab.

Medikamente können die Wärmeabgabe aber auch kritisch verringern. Folglich steigen Hitzestress und Blutdruck Sie erleben so in der Regel einen Wechsel zwischen hohen und niedrigen Blutdruckwerten.

Häufig hören wir in den Sommermonaten in der Cardiopraxis den Satz: „Mein Blutdruck spinnt”. Mit differenzierten Kreislaufmessungen des Blutdrucks UND des Blutflusses können wir hier meistens gezielt helfen, indem wir die Medikation anpassen.

Herz- und Kreislaufmedikamente im Sommer

Blutgefäßweitsteller. Medikamenten dieser Gruppe (Kalzium-Antagonisten, ACE-Hemmer, AT-Blocker, Alphablocker) verursachen eine Weitstellung der Arterien. Der Blutdruck sinkt und die Durchblutung steigt, so dass der Körper Wärme besser an die Umgebung abgeben kann.

Sinkt der Blutdruck allerdings zu stark, versucht Ihr Körper das durch freigesetztes Adrenalin auszugleichen. Folglich steigen Herzfrequenz und Blutdruck häufig überschießend an.

Bremser der Pumpkraft und der Herzfrequenz. Beta-Blocker bremsen die Pumpkraft und reduzieren die Herzfrequenz und damit die Durchblutung. Damit sinkt auch der Blutdruck. Im Sommer ist die Wärmeabgabe durch die verringerte Durchblutung gerade bei höheren Dosen kritisch reduziert. Der Körper wird wärmer und Symptome von Hitzestress werden begünstigt.

Darüber hinaus dämpft ein falsch dosierter Beta-Blocker Warnsignale des Adrenalinsystems für eine körperlichen Überhitzung. So kann Ihre Körpertemperatur unbemerkt ansteigen und dann plötzlich kritische Folgen haben.

Harntreiber. Die sogenannten Diuretika reduzieren das Füllungsvolumen in den Arterien und Venen, was eine Verringerung er Durchblutung zur Folge hat. Der Blutdruck sinkt.

Weil die Durchblutung geringer ist, reduziert sich auch die Wärmeabgabe Mit einem verringerten Flüssigkeitsgehalt Ihrer Körperzellen reduziert sich auch die Wärmeleitfähigkeit Ihrer Körperzellen.. Somit steigt unter Harntreibern die Körpertemperatur an und Ihr Hitzestress steigt.

 

Hoher Blutdruck unter Medikamenten im Sommer

Zwar kann nicht nur bei übergewichtigen Menschen der Blutdruck im Sommer steigen, diese Gruppe ist allerdings besonders gefährdet.

Gerade Menschen mit Übergewicht haben durch das Körperfett eine bessere und häufig auch übermäßige Wärmeisolierung ihres Körpers. Hinzu kommt, dass Körperfett selbst entzündlich und damit wärmebildend ist. Das kann gerade im Sommer zu einem Hitzestau führen, was Hitzestress zur Folge hat Der wiederum ist mit einer gesteigerten Adrenalin-vermittelten Aktivierung verbunden, und das verursacht nicht selten krisenhafte Blutdruckanstiege.

Daher sollten vor allem übergewichtige Menschen unbedingt äußerlichen Hitzestress meiden. Sie sollten die Flüssigkeitszufuhr überprüfen. Eventuell müssen sie harntreibende Medikamente reduzieren bzw. absetzen. Falls es zu Blutdruckspitzen kommt, ist das Modulieren des Adrenalinhaushalts sinnvoll. Bei hoher Herzfrequenz können Betablocker in niedriger Dosierung oder auch Moxonidin zum Einsatz kommen.

Niedriger Blutdruck unter Medikamenten im Sommer

Die häufigste Ursache für einen zu niedrigen Blutdruck im Sommer ist ein zu geringer absoluter oder relativer Flüssigkeitsgehalt. „Absolut” bedeutet hier, dass Sie einfach zu wenig trinken; “relativ”, dass Ihr Gefäßraum, z.B. durch Wärme zu weit gestellt ist. Die Einnahme von Herz-Kreislaufmedikamenten verstärkt das noch.

Die zusätzliche Wärme durch klimatisches Anpassen führt dazu, dass sich die Blutgefäße weiten. Das hat bekanntermaßen zunächst einen Blutdruckabfall zur Folge, denn dem Kreislauf fehlt es einfach an “Hydraulikflüssigkeit”. Dieser vergrößerte Gefäßraum muss nun mit Flüssigkeit gefüllt oder verkleinert werden.

Auch hier gilt: Gegebenenfalls müssen Sie im Sommer die Dosis von Medikamenten anpassen. Gerade Kalzium-Antagonisten und Diuretika können vorübergehend reduziert bzw. abgesetzt werden.

Blutdruckmedikamente im Sommer – gemeinsam anpassen?

Der Flüssigkeitsbedarf des Körpers im Sommer ist höher, insbesondere bei körperlichen Freizeitaktivitäten. Sie sollten, falls nicht anders abgesprochen 30 bis 40 ml pro kg Körpergewicht und Tag trinken. Achten Sie auf kühlende und vorbeugende Maßnahmen, um Hitzestress zu vermeiden!

Wenn Ihr Blutdruck „spinnt”, sollten Sie die Medikation mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen. Bitte achten Sie auch darauf, dass andere Medikamentengruppen Einfluß auf die Körpertemperatur und damit auf Ihren Blutdruck haben.

Gerade unter extremen klimatischen Bedingungen sollten Sie nicht ohne Absprache die Medikation verändern. Sonst kann es zu kritischen Blutdruckkrisen kommen.

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

 

Hitze im Sommer – erhöhtes Risiko für Herz und Kreislauf

Erhöhte Außentemperaturen können zu Hitzestress führen. Die Hitzewelle 2018 hat zu einer Steigerung der Gesamtsterblichkeit während den Sommermonaten um 8-12 % geführt.

Besonders durch gefährdet sind alle Kinder und Senioren. Bei den chronisch erkrankten Menschen haben solche mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und mit Lungenerkrankungen besonders unter heißen Temperaturen zu leiden.

Darüber hinaus sind Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Morbus Parkinson und Durchblutungsstörungen des Gehirns gefährdet. Psychisch Erkrankte und Menschen mit Demenz, die sich selbst nicht helfen können, vernachlässigen häufig die Warnsignale, die durch sommerliche Hitze entstehen.

Medikamente – Stressfaktor bei Hitze im Sommer

Zahlreiche Medikamente haben einen Einfluss auf Ihre Körpertemperatur. Das kann die Wirkung von klimatischer Hitze noch weiter verstärken.

Im Folgenden finden Sie eine Auswahl der häufigsten und wichtigsten Wirkstoffe und Substanzgruppen, die Ihnen im Sommer Probleme machen können. Allerdings gibt es noch weitere Medikamente, die Hitzestress begünstigen. Folglich sollten Sie im Zweifel die Beipackzettel bzw. die Fachinformationen Ihrer Medikamente genau lesen. Der Einfluss eines Medikamentes auf Ihre Körpertemperatur wird hier unter dem Begriff “Fieber” zusamengefasst. Das ist von der Wortbedeutung her nicht ganz richtig ist, weil es sich bei Fieber genau genommen um einen Veränderung des Temperatur-Sollwertes, z.B. durch Bakterien und Viren handelt. Medikamente führen aber über verschiedenen Mechanismen zu einer erhöhten Körpertemperatur.

Medikamente – Körpertemperatur über das Gehirn steigern

Ihr Gehirn ist der Ort, an dem Ihre Körpertemperatur reguliert wird. Hier können Medikamente eine Störung Ihrer zentralen Temperaturregulation im Gehirn verursachen.

Zahlreiche Neuroleptika zur Therapie von Psychosen oder auch Anticholinergika, z. B. Asthma-Sprays zum Weitstellen der Bronchien, haben hier eine Wirkung auch auf Ihr Gehirn. Vor allen Dingen die weit verbreiteten Antidepressiva, z.B. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, greifen hier temperatursteigernd in die Thermoregulation Ihres Körpers ein.

Man mag es gar nicht vermuten, aber auch der Gerinnungshemmer Rivaroxaban (XareltoⓇ) oder das Rhythmusmedikament Flecainid (Tambocor®) verursacht in bis zu 10 Prozent der Fälle erhöhte Körpertemperaturen, die dann häufig bei sommerlicher Hitze symptomatisch werden können.

Viele hormonell ausgerichtete Substanzen zur Behandlung von Krebserkrankungen erhöhen ebenfalls Ihre Körpertemperatur. Zu ihnen zählen Bicalutamid, Tamoxifen, Goserelin und Anastrozol. Die Antidepressiva Venlafaxin und Duloxetin und die bei Migräne häufig eingesetzten Tryptane geben Ihnen auch das Gefühl der Wärme.

Steigerung des Stoffwechsels kann Hitzestress verursachen

Eine ganze Reihe an Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten steigern den Stoffwechsel und haben so ebenfalls Einfluss auf Ihre Körpertemperatur.

An erster Stelle zu nennen sind Schilddrüsenhormone sowie Kontrazeptiva mit ihrem Gehalt an Östrogen und Progesteron, Kortison und Asthma-Sprays. Des Weiteren können Magnesiumcitrat und Kalzium sowie Vitamin D den Stoffwechsel erheblich ankurbeln, so dass Sie die Nebenwirkungen bei sommerlicher Außentemperatur erst richtig beginnen zu merken. Vitamin B6 und B12 werden als Stoffwechselaktivatoren in der Regel ebenso unterschätzt.

Medikamente können Asugleichsmechanismen von Hitzestress blockieren

Ihr Körper verfügt über zahlreiche Ausgleichsmechnismen, um die Körpertemperatur auch bei extremen Witterungsbedingungen konstant zu halten. Eine ganze Reihe von Medikamenten hemmen diese Ausgleichsmechanismen. Zum Beispiel nehmen Sie den Anstieg Ihrer Körpertemperatur dann nicht mehr wahr bzw. Ihr Körper kann nicht mehr richtig auf erhöhte Außentemperaturen reagieren. Häufig sind Sie sich dieser Mechanismen gar nicht bewusst, was zu schweren Nebenwirkungen bis hin zum Hitzeschock führen kann.

Durstgefühl verringert. Ein verringertes Durstgefühl kennen wir von ACE-Hemmern und AT-Blockern. Allerdings bringen auch Neuroleptika und Carbamazepin hier ein erhöhtes Risiko mit sich. Medikamente zur Behandlung des Morbus Parkinson sind weit verbreitet. Insbesondere bei älteren Menschen, die diese Medikamente ja häufig einnehmen, sollte häufiger einmal überprüft werden, inwieweit die Körpertemperatur zu hoch ist. Sinnvoll ist hier sicherlich das regelmäßige Messen der Ohrtemperatur.

Schwitzen verringert. Besonders tückisch ist ein verringertes Schwitzen durch einen sogenannten Antimuscarin-Effekt. Zu nennen sind hier Substanzen wie Alimemazin, Chlorpromazin, das Antidepressivum Amitriptylin und das gegen die Seekrankheit häufig verwendete Scopolamin. Des Weiteren haben Oxybutynin, Procyclidin und Topiramat hier eine Bedeutung.

Temperaturwahrnehmung verringert. Die Wahrnehmung der erhöhten Körpertemperatur ist vor allem bei Antiparkinson-Medikamenten gestört. Aber auch Medikamente, die beruhigend wirken, wie Benzodiazepine, Antihistaminika und Antidepressiva, verringern die Wahrnehmung einer zu hohen Temperatur. Weitere Medikamente, die diesen Effekt haben, sind Gabapentine, Anti-Muskarin-Medikamente und Antiepileptika.

Temperaturabgabe verringert. Damit der Körper Wärme gut abstrahlen kann, sind gut hydrierte Körperzellen wichtig. Ein erhöhtes Risiko für Überhitzung stellen folglich Medikamente, die das Körperwasser senken, wie z.B. harntreibende Medikamente, sogenannte Diuretika, ACE-Hemmer, AT Blocker und die sehr beliebten Abführmittel dar.

Kreislaufmedikamente – Ausgleichmechanismen bei Überhitzung verstärkt oder blockiert

Medikamente können die natürliche Reaktion auf hohe Außentemperaturen, also die Ausgleichsmechanismen, verstärken. Die Folge ist ein kritisch beeinträchtiger Kreislauf.

An erster Stelle zu nennen ist der Blutdruckabfall, der durch blutdrucksenkende Medikamente wie Nitrate, Betablocker, Calciumantagonisten, ACE-Hemmer und AT-Blocker begünstigt wird. Auch Alkohol senkt den Blutdruck.

Was man häufig vergisst ist, dass die in der Urologie verwendeten Alpha-Blocker, z.B. Tamsulosin und Dutasterid/Tamsulosin und Doxazosin ebenfalls den Blutdruck senken und hier zu thermoregulatorischen Nebenwirkungen beitragen. Auch die Phosphodiesterase-Hemmer, die als Erektionshilfen von Männern eingesetzt werden, wie z.B. Sildenafil, Vardenafil und Tadalafil, reduzieren gerade in den Sommermonaten den Blutdruck. Das hat nicht selten kritische Folgen.

Medikamente im Sommer – frühzeitig über Nebenwirkungen informieren

Bei hohen Außentemperaturen, auch im Urlaub sollten Sie die Medikamente, die Sie einnehmen, auf Nebenwirkungen bezüglich erhöhter Körpertemperatur überprüfen.

Lesen Sie hierzu sorgfältig den Beipackzettel oder die Fachinformation!

Sollten Sie Medikamente einnehmen, die Hitzestress begünstigen, dann ist die erste Maßnahme: Hitzestress im Alltag vorbeugen! Sie sollten auf die Symptome von Hitzestress achten und im Zweifel mit einem Arzt bzw. einer Ärztin sprechen.

Niemals sollten Sie eigenmächtig die Dosis eines Medikamentes anpassen.

 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

 

Kreislaufschwäche – Muskeln häufig das Problem 

Im Körperkreislauf unterscheiden wir den arteriellen und den venösen Kreislauf. Der arterielle Kreislauf versorgt den Körper z.B. mit Sauerstoff, Blut fließt vom Herzen weg. Über den venösen Kreislauf kehrt Blut, z.B. mit weniger Sauerstoff zum Herz und zur Lunge zurück.

Der venöse Rückstrom zum Herz ist wesentlich komplexer als der arterielle Einstrom. Um zum Herzen zurückzufließen müssen verschiedenen Muskelpumpen ineinandergreifen. Wir unterscheiden die Bein-, Beckenboden, Körperstamm-, Zwerchfell- und die Herzmuskelpumpe. Kurzum, das was beim arteriellen Einstrom alleine durch Ihre linke Herzhauptkammer geleistet wird, das muss auf der rückkehrenden venösen Seite von verschiedenen Pumpen erledigt werden. Folglich ist der venöse Rückstrom auch störanfälliger.

Schwacher venöser Rückstroms – Ursachen und Folgen

Zu einer der häufigsten Ursachen eines gestörten Rückstroms gehört eine schwache Muskulatur vor allen Dingen des Beckenbodens, des Körperstamms und des Zwerchfells. Das Blut versackt im Körper, vornehmlich im Bereich der Beckenvenen. Wir nennen das in der Fachsprache „venöses Pooling“.

Durch ein zu geringes Angebot an venösem Blut an die rechten Herzkammern droht das Herz „leer“ zu pumpen und damit die Minderversorgung Ihres Gehirns. Diese existentielle Bedrohung des Bewusstseins beantwortet Ihr Körper verständlicherweise mit einer Stressreaktion. Adrenalin-vermittelt pumpt das Herz jetzt schneller und kräftiger und Ihr Körper versucht die Blutgefäße enger zu stellen. So will der Körper erreichen, dass der Druck im System wieder steigt.

Diese Mechanismen erklären auch die Symptome eines zu geringen Rückstroms.

Symptome bei venösen Kreislaufstörungen

Die Symptome eines zu geringen Rückstroms von venösem Blut treten vor allen Dingen im Stehen, aber auch im Sitzen und bei langsamem Gehen auf. In diesen Körperpositionen muss das Blut ca. 4/7 Ihrer Körperlänge gegen die Schwerkraft zurücklegen.

Besonders gefährdete Menschen sind hier vor allen Dingen Frauen, die nicht regelmäßig trainieren, eine sitzende Tätigkeit ausüben, übergewichtig sind, ein breites Gesäß und damit ein großes Reservoir für ein venöses Pooling haben. Auch sehr schlanke eher muskelschwache Menschen können Probleme entwickeln. Bei ruhigem Stehen oder langsamem Gehen kann es zu kritischen Kreislaufsituationen kommen.

Folgende akuten Symptome können Sie auch an sich selber bemerken.

Kreislaufstörungen bei anderen Menschen erkennen – Schwanken, Zittern, Ohnmacht

Nun, Sie können Kreislaufstörungen nicht nur bei sich selber bemerken, sondern auch bei anderen Menschen erkennen. Es ist durchaus sinnvoll, wenn Sie solche Veränderungen bei Ihren Mitmenschen erkennen. Folglich können Sie die Betroffene oder den Betroffenen darauf hinweisen. So können dann Maßnahmen ergriffen werden, um mittelfristig einer Ohnmacht vorzubeugen.

Aufgrund unserer alltäglichen Anwendung der unblutigen Kreislaufmessung, haben wir in der Cardiopraxis hier auch messtechnische Erfahrungen und können diese Phänomene besser zuordnen.

Venöse Kreislaufstörungen – nicht lange stillstehen können

Vielleicht ist es Ihnen schon mal aufgefallen, es gibt Menschen, die können nicht lange stillstehen. Dabei ist es durchaus normal, dass jeder Mensch beim Stehen sich leicht hin und her bewegt, z.B. von einem Fuß auf den anderen tritt. Allerdings kennen Sie sicherlich auch solche, die sich bei einem Gespräch im Stehen sehr schnell das Bedürfnis haben sich zu setzen.

Die Tendenz sich rasch hinzusetzen ist eine instinktive Vorbeugungsmaßnahme, um Kreislaufstess im Stehen oder gar einen Ohnmachtsanfall zu vermeiden.

Venöse Kreislaufstörungen – kompensatorisches zirkulatorisches Schwanken

Vor allen Dingen bei älteren und sehr muskelschwachen Menschen können Sie beobachten, wie diese im Stehen hin und her schwanken. Hierbei handelt es sich um ein Ausgleichsverhalten. Dieses dient dazu über eine wechselnde Anspannung der Muskeln den venösen Rückstrom in den Beinen zu unterstützen und Symptome zu vermeiden. Wir nennen dieses Phänomen das „kompensatorische zirkulatorisches Schwanken„.

Venöse Kreislaufstörungen – kompensatorisches zirkulatorisches Muskelzittern 

In seltenen Fällen können Sie beobachten, dass ein Mensch ausschließlich im Stehen zittert. Die Neurologen nennen es „orthostatischer Tremor„. Da dieses Phänomen ausschließlich im Stehen auftritt und im Sitzen verschwindet, kann eine Störung des venösen Rückstroms angenommen werden. Wir können es auch „kompensatorisches zirkulatorisches Muskelzittern“ nennen. Die Störung des venösen Rückstroms ist hier der Auslöser, was eine notwendige bzw. eine überschießenden Ausgleichsreaktion zur Folge hat.

Menschen mit einer besonders starken Störung des venösen Rückstroms sind hier besonders gefährdet, wenn Sie einer extremen Belastungssituation, z.B. längerem Stehen in der Sonne ausgesetzt sind. Kofaktoren, wie z.B. Magnesium, eine Entzündung oder auch bestimmte Medikamente, die allesamt einen gefäßerweiternden Einfluss auf die Venen haben, begünstigen diese kritische Kreislaufsituation. – Es droht ein Ohnmachtsanfall!

Nun versucht der Körper diesen drohenden Ohnmachtsanfall über einen besonders starke Adrenalin-vermittelte Aktivierung abzuwenden und den Kreislauf aufrecht zu erhalten.  Folglich setzt ein Muskelzittern ein, welches funktionell betrachtet auch die Muskulatur des Körperstamms betrifft und so den venösen Rückfluss kompensatorisch aufrechterhält.

Sie können das „kompensatorische zirkulatorische Muskelzittern“ als Betrachter ganz deutlich selber sehen, der betroffene Mensch zittert in der Tat am ganzen Leibe. Im Gegensatz zur üblichen Benommenheit bis hin zur Ohnmacht bei den üblichen Kreislaufstörungen, bleibt der Mensch bei „kompensatorischem zirkulatorischem Muskelzittern“ wach und bewusst. Das liegt wahrscheinlich an der sehr hohen Ausschüttung von Adrenalin.

Kompensatorisches Muskelzittern und orthostischer Tremor

Die Neurologen nennen dieses Phänomen des Zitterns im Stehen beschreibend einen „orthostatischer Tremor„, welcher eine sehr hohe Schlagfrequenz von 13-18 Aktionen pro Sekunde hat. Inwieweit es sich hier um eine Verstärkung des normalen und üblicherweise nicht sichtbaren physiologischen Tremors mit ca. 7 Aktionen pro Sekunde handelt ist nicht klar.

Klar ist allerdings, dass das kompensatorische zirkulatorische Zittern bzw. der orthostatische Tremor immer im Stehen auftritt und im Sitzen verschwindet. Von Seiten der Kreislaufmedizin gesehen betrachten wir dieses Phänomen daher eher funktionell bezogen auf die Auslösesituation bzw. eine ursächliche Kreislaufstörung.

Die neurologische Betrachtungsweise führt in der Regel zu einem rein symptomatischen und medikamentöse Therapieansatz, z.B. mit Benzodiazepinen oder Gabapentin. Der kreislaufmedizinische Ansatz hingegen zielt mit einer Stärkung der Muskulatur ursächlich auf die therapeutische Normalisierung des venösen Rückflusses ab.

Sei es, dass es sich um eine primär neurologische Störung Signalverarbeitung oder um eine primäre Kreislaufstörung handelt, eine Normalisierung des venösen Rückstroms, z.B. durch physiotherapeutisch angeleitetes Beckenboden-Training muss hier immer Teil des Behandlungskonzeptes sein, langfristig ist gutes Yoga therapeutisch.

Kreislaufstörungen – rationale Diagnostik und Therapie

Bemerken Sie bei sich oder anderen Menschen Symptome eines gestörten Kreislaufs, dann ist immer auch ein Besuch bei einer Kreislaufspezialistin bzw. bei einem -spezialisten sinnvoll. Hier sollten Ihr Herz sowie der venöse als auch der arterielle Kreislauf differenziert untersucht werden. Die unblutige Kreislaufmessung mit dem Finapres-System kann hier wertvolle Hinweise geben. Auch die Einnahme von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln muss im Hinblick auf ihre Kreislaufwirkung kritisch hinterfragt werden.

Auf der Grundlage von rationalen Messdaten kann so ein Therapiekonzept erarbeitet werden. Dieses zielt auf die Stärkung der Muskulatur der Beine, des Beckenbodens, des Körperstamms und des Zwerchfells und damit auf Behebung der Ursachen der Kreislaufstörungen ab.

?

 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Beckenboden – Fundament für Frau und Mann

Der Beckenboden ist das Fundament des Körperstammes. Sie benötigen einen kräftigen Beckenboden z.B. für eine gesunde Körperhaltung, eine gute Drehstabilität Ihres Oberkörpers und ein gute Kraftentwicklung beim Tragen von Lasten. Kein Sport, und vor allen Dingen auch kein Kampfsport funktioniert ohne dieses Fundament. Gerade bei Frauen, die ja über elastischeres Körpergewebe verfügen als der Mann, ist das Training einer guten Körperspannung wichtig.

Wir in der Cardiopraxis beschäftigen uns mit dem Beckenboden vor allen Dingen unter dem Gesichtspunkt des gesunden Kreislaufs. Hier spielt er beim venösen Rückstrom von Blut zum Herzen eine besonders wichtige und häufig unterschätzte Rolle.

Beckenboden Muskelpumpe – das Herz in der Hose

In Ihrem Beckenboden gibt es zahlreiche Muskeln. Diese arbeiten auch unwillkürlich, ohne dass Sie das merken. In der Ausatmung spannen sich Ihre Beckenbodenmuskeln an und venöses Blut wird herzwärts gedrückt. In der Einatmung entspannen sich diese Muskeln wieder.

Dieser Mechanismus hat sich in der Evolution als Teil des Kreislaufs und sogar bei einigen Tieren als Teil des Gasaustausches entwickelt. In der Tat finden wir in der Natur sog. „Darmatmer“, die über die rhythmische Kontraktion des Enddarms Sauerstoff auf und Kohlendioxid abgeben. Sich können sich also vorstellen, für den Menschen ist der Beckenboden das Herz in der Hose.

Bei der Anspannung des Beckenbodens zieht sich nicht nur die Muskulatur des Beckenbodens selber zusammen, sondern auch die Innenseite Ihrer Oberschenkelmuskulatur. So wird auch wird auch die Beinmuskelpumpe integriert und trägt zum venösen Rückstrom bei.

Wenn Ihre Beckenbodenmuskulatur zu schwach ist, dann wird das Venenblut nicht richtig abgefördert. Als Folge versackt es in den Beckenvenen und der Druck im Becken steigt. Von der Form her können Sie sich das so vorstellen: aus einer schlanken Bordeauxflasche wird eine bauchige Bocksbeuteflasche.

Kreislaufsymptome bei schwachem Beckenboden

Ein schwacher Beckenboden hat folglich Symptome eines schwachen Kreislaufs zur Folge.

Gesunder Beckenbeckenboden – viele weitere Funktionen

Neben der Bedeutung für den Kreislauf hat Ihr Beckenboden noch viele weitere Funktionen, die für eine ganzheitliche Gesundheit wichtig sind. Es lohnt sicher daher diese verschiedenen Funktionen zu kennen, um zu verstehen wie wichtig das Training speziell für den Beckenboden ist.

Gesunder Beckenboden – Körperstabilität

Der Beckenboden ist das Fundament Ihres Körperstamms. Gerade beim Tragen von Lasten oder bei der Körperdrehung, z.B. beim Sport oder wenn Sie einen Koffer über Kopf in eine Ablage heben, dann leistet er für Sie wertvolle Dienste für einen sicheren Ablauf. Spannen Sie bei solchen Tätigkeiten den Beckenboden nicht an, dann schwächen Sie nicht nur die Muskulatur sondern auch die Venen in diesem Bereich. Folglich „leiern“ Muskeln und Venen aus. Hinzu kommt, dass Sie anfälliger für Rückenschmerzen werden.

Gesunder Beckenboden – Entlastung des Venensystems

Das „Ausleiern“ der Venen im Beckenboden hat nicht nur Kreislaufinstabilität zur Folge, sondern der gesteigerte Venendruck verursacht auch mit der Zeit sehr lästige Hämorrhoiden. Ein guter Spezialist für Hämorrhoiden, ein sog. Proktologe wird Ihnen nie eine Operation empfehlen, ohne dass er auf die Bedeutung des Beckenbodentrainings für die Vorbeugung in der Zukunft hinweist.

Falls Sie Beinödeme haben, dann ist sehr häufig ein schwacher Beckenboden die Ursache. Anstatt harntreibende Medikamente zu nehmen oder gar ausschließlich Kompressionsstrümpfe zu tragen, sollten sie konsequent Ihren Beckenboden trainieren.

Gesunder Beckenboden – normale Harnkontinenz

Gerade bei Frauen sind Beingewebe und Muskulatur von Natur aus dehnbarer, was ja für den natürlichen Geburtsvorgang wichtig ist. Mit den Jahren hat das falsche Ansprechen des Beckenbodens bei Belastung daher auf bei Frauen besondere Konsequenzen. Was beim Mann (durch die Vergrößerung der Prostata) zu wenig läuft, läuft bei Frauen häufig zu viel, es tritt eine Harninkontinenz auf. Bei Belastung, z.B. beim Sport oder schon bei herzhaftem Lachen geht dann der Urin unwillkürlich ab. Die häufig gewählte Antwort ist dann die Nutzung von Einlagen. Die richtige Antwort ist: Beckenboden-Training.

Auch beim Mann spielt der Beckenboden nach einer Prostata-Operation eine wichtige Rolle. Da durch die Operation nicht selten Nerven einzelner Schließmuskeln des Harnabflusses gestört sind, müssen diese bzw. die, welche verbleiben sind, richtig trainiert werden. Wir das nicht getan, dann droht auch hier die Inkontinenz.

Kräftiger Beckenboden – gesunde Sexualität

Ihr Beckenboden hat eine erhebliche Bedeutung für eine gesunde Sexualität. Er trägt zu den unwillkürlichen Kontraktionen des Orgasmus bei. Der Orgasmus hat dabei nicht nur die Funktion des Wohlbefindens und der sexuellen Erfüllung, sondern die rhythmischen Kontraktionen verbessern die Fruchtbarkeit. Bei Männern kommt in späteren Jahren noch hinzu, dass ein kräftiger Beckenboden die „Standfestigkeit“ erhält.

Beckenboden-Training in jedem Lebensalter

Wir empfehlen Beckenboden-Training in jedem Lebensalter. Ziel ist es drohende schwerwiegende Komplikationen und vor allen Dingen Ohnmacht zu verhindern.

Junge Menschen profitieren kurzfristig indem sich die Körperhaltung stabilisiert und Rückenschmerzen vermeiden werden. Darüber hinaus wird Benommenheit und Ohnmacht therapeutisch vorgebeugt. Gleichzeitig erlernen Sie ein gesundes körperliches Verhältnis zur Sexualität. So vermeiden Sie langfristige Komplikationen eines schwachen Beckenbodens, wie z.B. die Harninkontinenz.

Bei älteren Menschen hat die Empfehlung zum Training des Beckenbodens meistens schon therapeutischen Charakter. Wir empfehlen hier das Training vor allen Dingen, um den venösen Rückfluss und damit den Kreislauf zu stärken. Ziel ist es nicht selten die körperliche Selbstbestimmtheit zu erhalten und einen Rollator zu vermeiden. Bei Männern empfehlen wir bereits vor einer Prostata-Operation mit dem Beckenboden-Training zu beginnen.

Beckenboden-Training – professionelle Anleitung sinnvoll

Zum Training des Beckenbodens sind grundsätzlich sind alle Ansätze sinnvoll, die den Schwerpunkt auf den Körperstamm legen. Yoga ist für jeden von uns hervorragend geeignet, weil neben dem Beckenboden auch die Muskulatur des Körperstamms auch das Zwerchfell gekräftigt wird. Auch Power-Plate ist geeignet.

Bei einer therapeutischen Empfehlung raten wir immer zu einer professionellen Anleitung. Manchen Menschen fehlt einfach zunächst das Körpergefühl für den Beckenboden. Hier ist ein gezieltes physiotherapeutisch angeleitetes Beckenboden-Training erforderlich, um die Ansprache, d.h. das Gefühl für den Beckenboden zu erlernen.

Haben Sie die die Ansprache des Beckenbodens einmal richtig erlernt, dann können Sie Übungen ganz beiläufig im Alltag durchführen, z.B. wenn Sie in der Schlange an der Einkaufskasse stehen.

 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

 

Blutfluss in den Venen – Bedeutung für den Kreislauf häufig unterschätzt

Ihr Blut muss, nachdem es vom linken Herz aus über die Arterien das Körpergewebe erreicht hat, wieder zum rechten Herzen zurück. Nur so kann ein gesunder und leistungsfähiger Kreislauf aufrecht erhalten werden. Hierfür sind vor allen Dingen Ihre Beinmuskeln, die Muskeln des Beckenbodens und des Körperstamms, das Zwerchfell und das Herz wichtig. Anders gesagt, was für den arteriellen Kreislauf das Herz im Wesentlichen alleine leistet, wird beim venösen Rückstrom von verschiedenen Muskelgruppen übernommen.

Die Bedeutung des venösen Rückstroms wird von den meisten Menschen unterschätzt, auch von Ärztinnen und Ärzten.

Blutfluss in den Venen – wichtig für einen gesunden Kreislauf

Im Gegensatz zum arteriellen Einstrom vom Herzen zu den verschiedenen Organen, ist der venöse Rückstrom ein komplexerer und damit auch ein störanfälligerer Vorgang. Gerade beim vermeintlich ruhigen Stehen ist der Rücktransport von venösem Blut zum Herzen gegen die Schwerkraft ein große Herausforderung an Ihren Körper. Bedenken Sie, dass die Strecke von der Großzehe bis zum rechten Anteil des Herzens ca. 4/7 Ihrer Körperlänge beträgt. Es geht also ordentlich gegen die Schwerkraft bergauf.

Ziel des venösen Rückstroms ist es, dem rechten Herz genug Blutvolumen zum Pumpen anzubieten, so dass das sauerstoffarme venöse Blut an die Lunge weitergeleitet werden kann, um dort wieder mit  Sauerstoff angereichert zu werden. Gelingt dieses nicht in ausreichender Form, dann treten Adrenalin-vermittelte Ausgleichsmechanismen in Kraft.

 

Symptome bei venösen Kreislaufstörungen – Herzrasen, Benommenheit, Schwanken, Zittern, Ohnmacht

Subjektive Symptome eines gestörten venösen Rückstroms sind Benommenheit treten beim Aufstehen, nach längerem Stehen und auch bei langsamem Gehen auf.

Eine Ohnmacht tritt selten auf. Wenn Sie genau aufpassen, dann können Sie bei Ihren Mitmenschen unbewußte Ausgleichsreaktionen zur Verbesserung des venösen Rückstroms und damit zur Verhinderung einer Ohnmacht beobachten. Im Stehen besteht hier eine Tendenz sich schnell hinzusetzen, zu schwanken oder auch in seltenen Fällen ein gut sichtbares Muskelzittern.

Da da Kreislaufstörungen von einer z.T. erheblichen Adrenalin-vermittelten Aktivierung begleitet werden, drohen Angstreaktionen in Verbindung mit dem Stehen oder begleitenden Ereignissen. Folglich kann sich aus einer somato-psychischen Kreislaufstörung eine psycho-somatische Erkrankung mit Angstzuständen bis hin zu einer Fixierung in Form einer Phobie entwickeln.

Nun, um diese Prozesse besser zu verstehen müssen wir uns mit den verschiedenen Muskelpumpen des venösen Rückstroms beschäftigen.

Blutfluss in den Venen – verschiedene Muskelpumpen

Wie kann also nun im Stehen venöses Blut bergauf fließen?

Damit der venöse Rückstrom funktioniert und dem Herz wieder genug Blut zur Verfügung steht, müssen verschiedene Muskelpumpen funktionieren und richtig ineinander greifen.

Ist das sauerstoffreiche Blut über Arterien in Ihrer Großzehe angekommen und genügend Sauerstoff an das Gewebe abgegeben, dann muss es nun wieder zurück zum Herz. Dieses geschieht über die Venen. Nun, in der Großzehe sitzt kein Herz, welches das Blut gegen die Schwerkraft nach oben pumpt, so dass hier andere Pumpen am Werk sind. Der venöse Rückstrom beginnt mit der peripheren Muskelpumpe.

Periphere Muskelpumpe – von der Großzehe bis zur Leiste

Die periphere Muskelpumpe der Beine komprimiert die Beinvenen, so dass Blut herzwärts gedrückt wird. Die Venen sind im Vergleich zu Arterien deutlich muskelschwächer und dünnwandiger (Beinarterie ca. 1,0-1,5 mm vs. Beinvene ca. 0,5-0,75 mm) und lassen sich daher gut zusammendrücken. Auch beim vermeintlich ruhigen Stehen spannen Sie Ihre Beine durch leichte Bewegungen immer wieder unwillkürlich an. Dieses dient der Unterstützung des venösen Rückstroms.

Den Rückfall des Blutes mit der Schwerkraft nach fußwärts verhindern Rückschlagventile, die Venenklappen. Diese gibt es fast ausschließlich in den Extremitäten, also den Beinen und den Armen. Von den Beinen aus gesehen, gibt es ab der Leiste und damit ab dem Übergang in den Becken-Bauchraum keine Venenklappen mehr, die den Rückfall von Blut fußwärts verhindern.

Beckenboden Muskelpumpe – das Herz in der Hose

Der Beckenboden ist ein komplexes Gefüge aus ganz verschiedenen Muskeln. Diese ziehen sich unwillkürlich, also unbewusst zusammen: Anspannung in der Einatmung, Entspannung in der Ausatmung. Dabei wird das reichhaltige Venengeflecht des Beckens ausgepresst und herzwärts gedrückt, der Beckenboden ist sozusagen das Herz in der Hose.

Falls Sie ein Becken-Bodentraining schon einmal gemacht haben, dann werden Sie gemerkt haben, dass sich mit der Anspannung des Beckenbodens auch die Muskulatur auf der Innenseite des Oberschenkels anspannt. So werden die Oberschenkelvenen Richtung Bauchraum und somit herzwärts ausgedrückt.

Je schwächer die Beckenbodenmuskulatur, desto weniger trägt der Beckenboden zum Kreislauf bei und das venöse Blut versackt dann in den Beckenvenen. Sie können sich das so vorstellen, aus einer schlanken Bordeauxflasche wird eine bauchige Bocksbeutelflasche.

Dieses vermehrte Blutvolumen erhöht auch den Druck im Venengeflecht des Beckenbodens, so dass Blut aus den Beinen schlechter abfließen kann. Beinödeme sind hier häufig die Folge. Darüber hinaus hat Ihr Beckenboden noch zahlreiche weitere Funktionen.

Körperstamm Muskelpumpe – gute Grundspannung wichtig

Die Muskulatur des Körperstamms hält Spannung auf den Bauchvenen. Das ist besonders wichtig, weil Bauchvenen bis auf Einzelfälle keine Venenklappen haben. Sie können sich das so vorstellen, als ob Sie eine halbvolle aufrechte Shampoo Flasche nach oben ausdrücken wollen; die Öffnung stellt den Übergang zur rechten Herzvorkammer dar. Wenn Sie mit Ihren Händen keine Spannung aufbauen, dann können Sie die Flasche auch nicht ausdrücken. Anders gesagt, das venöse Blut hat es bei zu geringer Körperspannung schwerer zurück zum rechten Herz zu kommen.

Lungen-Muskelpumpe – starkes Zwerchfell besonders wichtig

Ab der Mitte des Bauchraums beginnen die Sogkraft der Lunge (und des Herzens) den Rückstrom zu unterstützen. In der Einatmung senkt sich das Zwerchfell Richtung Bauchraum und Ihre Lunge entfaltet sich. So entsteht in der Lunge ein Unterdruck, welcher einen Sog auf venöses Blut im Bauchraum ausübt. Diese geschieht je nach Anzahl der Atemzüge 12-16 mal pro Minute.

Ist Ihr Zwerchfell zu schwach, dann ist der venöses Rückstrom verringert und Ihre Leistungsfähigkeit ist eingeschränkt. Ein geschwächtes Zwerchfell entsteht häufig als Folge einer flachen Mund-Brustatmung. Das Zwerchfell wird so einfach nicht genügend trainiert; das ist genau so eine Dekonditionierung, wie wir sie von anderen Muskeln im Körper kennen. Gerade bei älteren Menschen, die ja in der Regel  weniger Fleisch essen, kommen noch ein Vitamin B12 bzw. ein Eisenmangel hinzu. Die Lungenmuskelkraft können wir in der Cardiopraxis mittels Manometrie gut messen.

Herz-Muskelpumpe – Sog während der Auswurfphase

Wenn Sie Ihren Puls fühlen, dann werfen die Hauptkammern Blut Richtung Lunge bzw. Körperkreislauf aus. Gleichzeitig bewegt sich das Herz in Richtung Herzspitze. Dieses übt bei geschlossenen vorgeschalteten Verbindungsklappen – rechts Trikuspidalklappe, links Mitralklappe – über einen Unterdruck einen Sog auf die jeweilige Vorkammer und das vorgeschaltete Venensystem aus. Dieses fördert auf der Seite der rechten Hauptkammer den Rückstrom aus dem Systemkreislauf.

Die Auslenkung der Hauptkammer Richtung Herzspitze, und damit auch indirekt die Sogkraft ist im Herzultraschall mit dem sog. Tissue-Doppler gut messbar. Sie beträgt für die Seitenwand der rechten Hauptkammer 3,0 – 3,5 cm im Integral pro Herzaktion, für die linke Hauptkammer 2,0 – 2,5 cm. Ist der Wert rechts erniedrigt, z.B. fast immer nach einer Herzoperation und/oder durch Einnahme z.B. eines Beta-Blockers, dann kommt es zu einer Einflussstauung in den Brustraum. Das können wir im Ultraschall alleine schon an einer Weitstellung der großen unteren Körpervene, der Vena cava inferior im Stehen von deutlich mehr 15 mm erkennen.

Neben der Sogkraft spielt natürlich auch die Häufigkeit des Vorgangs eine Rolle. Liegt Ihre Herzfrequenz unter 50 bpm, dann kann eine sog. bradykarde Herzschwäche durch einen zu niedrigen Herzschlag eintreten.

Das Zusammenspiel aller Muskelpumpen

Für den geordneten vorwärtsgerichteten Fluss in einem hydraulischen System muss im vorgeschalteten System der Druck höher als im nachgeschalteten System sein. Dieses Druckgefälle nennen wir Druckgradienten. Beim venösen Rückfluss lässt sich das am besten ausgehend von der Atmung erklären.

Einatmung. Wenn Sie einatmen, dann spannt sich das Zwerchfell in Richtung Bauchraum an und die Lunge entfaltet sich. Durch die Weitstellung der Lungenarterien wird der Gefäßraum deutlich erweitert und der Druck fällt ab. Da das Zwerchfell nach unten drückt, werden im Bauchraum die Organe und damit auch die dünnwandigen Venen komprimiert. Hier steigt also der Druck. Das Resultat ist ein Anstieg des Druckgefälles zwischen Bauchraum (Zunahme) und Brustraum (Abnahme). Folglich fließt mehr venöses Blut aus dem Bauch- in den Brustraum.

Ausatmung. Wenn Sie ausatmen, dann entspannt sich das Zwerchfell Richtung Brustraum und die Lunge zieht sich aufgrund ihrer elastischen Eigenschaften zusammen. Folglich werden auch die Lungenarterien enger und der Druck steigt. Gleichzeitig sinkt der Druck im Bauchraum. Der Druckgradient zwischen Bauch- und Brustraum wird geringer, was einen verringerten herzwärts gerichteten Vorwärtsfluss zur Folge hat.

Um hier einem fußwärts gerichteten Rückfluss entgegen zu wirken, spannt sich die Becken-Bodenmuskulatur in der Ausatmung an und der Druck im Becken steigt. Es entsteht also ein Druckgradient zwischen Beckenraum und Bauchraum, so dass Blut Richtung Bauchraum fließen kann. Gleichzeitig wird mit der Anspannung des Beckenbodens auch die Muskulatur der Innenseite des Oberschenkels angespannt. Die Folge ist, dass venöses Blut aus dem Oberschenkel in den Bauchraum (am Becken vorbei) fließen kann.

Herz und Beine. Unabhängig von der Atmung wird auch durch die Herzaktion und die unwillkürliche Bewegung der Beine ein Druckgradient in die vor- bzw. nachgeschalteten Kompartimente aufrechterhalten, um den vorwärtsgerichteten Blutfluss zu unterstützen. Der Rückfluss in die Beine wird zu jedem Zeitpunkt durch die Venenklappen verhindert.

Kreislauftraining für die Venen

Wenn Sie den venösen Rückfluss trainieren, dann verbessern Sie Ihre Leistungsfähigkeit und Ihr Befinden. Grundsätzlich sind alle Ansätze geeignet, die den Schwerpunkt auf den Körperstamm legen. Yoga ist hier hervorragend geeignet, weil neben der Muskulatur des Körperstamms auch der Beckenboden und das Zwerchfell gekräftigt werden.

Manchmal ist ein gezieltes physiotherapeutisch angeleitetes Beckenboden-Training erforderlich, um die Ansprache, d.h. das Gefühl für den Beckenboden zu erlernen. Erst wenn der Beckenboden professionell antrainiert ist, dann ist auch ein Training mit Vibrationsplatten, z.B. Power-Plate oder Galileo sinnvoll.

 

 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch