Hormone bei der Frau – wichtig für Herz und Kreislauf

Verschiedene Östrogene bei der Frau

Männer und Frauen unterscheiden sich. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen den Geschlechtern sind die Hormone. Besonders wichtig für die Frau sind die weiblichen Geschlechtshormone, die Östrogene: Östradiol, Östriol und Östron. Während der Geschlechtsreife bilden sich Östrogene in den Eierstöcken und zu einem geringen Teil auch in der Nebennierenrinde.

Östradiol ist das wirksamste Östrogen überhaupt. Somit bestimmt diese Hormon wesentlich den weiblichen Zyklus und die Geschlechtsreife. In der Schwangerschaft wird dann ein anderes Östrogen vermehrt gebildet, das Östriol. Nach den Wechseljahren, wenn die Bildung an Östradiol versiegt, tritt dann Östron in den Vordergrund, welches vor allen Dingen aus dem Fettgewebe kommt.

Östrogene auch beim Mann

Auch Männer produzieren im Hoden geringe Mengen an Östrogenen, ungefähr 10% der weiblichen Menge. Das im Hoden gebildete männliche Geschlechtshormon Testosteron wandelt sich als Vorläuferhormon im Fettgewebe in Östrogene um. Das bedeutet also für den Mann: Je mehr Fettgewebe er hat, desto mehr weibliche Geschlechtshormone produziert er.

Östrogene und die vielfältige Wirkung auf Organsysteme

Zuallererst zu nennen ist, dass Östrogene selbstverständlich sehr wichtig für die Ausbildung der weiblichen Geschlechtsorgane sind. Im weiblichen Zyklus steuert Östradiol dann die Bildung der Gebärmutterschleimhaut, die Eireifung im Eierstock und den Eisprung.

Östrogene sorgen erfreulicherweise für eine geringere Talgproduktion: Das hat eine schöne reinere Haut zur Folge und auch die Spannkraft durch Kollagenbildung steigt. Östrogene stellen ebenso eine gesunde Knochendichte und damit sogar die Stabilität ihrer Knochen sicher, indem sie knochenabbauende Zellen hemmen und die Kalziumaufnahme über den Magen-Darm-Trakt fördern.

Die Blutgerinnung ist ein weiterer wichtiger Angriffspunkt der Östrogene. Hier erhöht sich die Synthese von Gerinnungsfaktoren, so dass durch Östrogene durchaus eine erhöhte Thromboseneigung bestehen kann. Das äußert sich vor allem bei hoher Dosis oraler synthetischer Östrogene, wie wir sie von der sog. Pille kennen.

Erfahrene Frauenmedizinerinnen und Frauenmediziner wissen: Östrogene haben eine positive Wirkung auf die Stimmung. Sie wirken anregend durch eine Verminderung der Botenstoffe wie Gamma-Amino-Buttersäure (GABA), auf der anderen Seite fördern sie die Aktivierung von Serotonin und Dopamin, den typischen Glückshormonen.

Östrogene – Gefäßprotektion und Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Östrogene haben einen positiven Effekt auf den Kohlenhydratstoffwechsel – das ist ein wichtiger Schutz vor Diabetes. So verringern Östrogene, dass Glucagon aus Pankreaszellen freigesetzt wird. Dadurch kann der Blutzuckerspiegel nicht so stark steigen. Außerdem werden im Darm die GLP-1-Zellen stimuliert, was wiederum vermehrt Insulin freisetzt und Glucagon hemmt. Kurzum, Östrogene halten den Blutzuckerspiegel niedrig, was wiederum die Arterien vor Verkalkungen schützt.

Von ganz besonderer Bedeutung in der Herzkreislauf-Medizin sind weitere Blutgefäß-schützende Effekte des Östrogens. Östrogen senkt das Cholesterin durch Hochregulation der LDL-Rezeptoren in der Leber: Cholesterin wird so schneller abgebaut und das schützende HDL-Cholesterin vermehrt gebildet.

Östrogen sorgt sogar dafür, dass sich Ihre Blutgefäße mehr entspannen und so mehr Blut fließt. Das geschieht durch die Freisetzung von Stickstoffmonoxid und eine Hemmung des Kalziumeinstroms in die Zellen. Der Effekt ist so ausgeprägt, dass bei einer Kombination aus blutdrucksenkenden Kalziumantagonisten, z.B. Lercanidipin, Amlodipin und Östrogenpräparaten, Vorsicht geboten ist, weil starke Blutdruckabfälle vorkommen können.

Folglich ist es so, dass Frauen vor der Menopause um das 50. Lebensjahr ein deutlich geringeres Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen haben als Männer in diesem Lebensalter. Das gilt auch für den Herzinfarkt. Allerdings gleichen sich die Risiken zwischen beiden Geschlechtern 5-10 Jahre nach der Menopause wieder an.

Hormonersatztherapie – Trendwende bei der Behandlung

Frauen mit einer sehr frühen Menopause (<45 Jahre) haben ein deutlich erhöhtes Risiko für eine koronare Herzkrankheit, es steigt um 50%. Tödliche Herzinfarkte treten 11% häufiger auf. Fachgesellschaften empfehlen in diesen Fällen eine Hormonersatztherapie bis zum mittleren Menopausen-Alter von 50-51 Jahren. Das gilt unabhängig von Beschwerden und hat das Ziel Langzeitschäden zu vermeiden.

Die Hormonersatztherapie wird auch bei Frauen mit sogenannten klimakterischen Beschwerden empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie rät hier eine frühe Hormonersatztherapie bei Wechseljahresbeschwerden vor dem 60. Lebensjahr.

Grundsätzlich gilt, dass kein erhöhtes Brustkrebsrisiko bei einer Hormonersatztherapie besteht. Allerdings gibt es durchaus Faktoren, die das Risiko erhöhen können:

  • Lebensalter
  • Dauer und Dosierung der Hormontherapie
  • körperliche Aktivität
  • Gewicht
  • genetische Faktoren (familiäre Belastung)

Bei Risikofaktoren besteht ein erhöhtes Risiko bei länger als 5-jähriger Behandlungsdauer mit einer Östrogen-Gestagen Kombination, mit zusätzlich 2-3 Brustkrebsfällen pro 1000 Frauen.

Gestagene, dazu zählt Progesteron, schützen vor Wachstum der Gebärmutterschleimhaut. Dadurch wird die Häufigkeit  des Endometriumkarzinoms verringert. Frauen, denen die Gebärmutter entfernt wurde, sollten Östrogen-Monopräparate erhalten.

Immer zu bedenken ist, dass bei der Einnahme einer Hormonersatztherapie ein erhöhtes Thromboserisiko besteht. Denn Östrogene werden in der Leber verstoffwechselt und aktivieren hier die Gerinnungsfaktoren. Allerdings besteht kein erhöhtes Thromboserisiko, wenn man Östrogengel auf der Haut aufträgt.

Kurzum, nach aktueller Datenlage hat die frühe Hormontherapie bei klimakterischen Beschwerden eher Vorteile. Einher geht das mit einer Reduktion von Stoffwechselstörungen wie Diabetes und einem verringerten Herzkreislaufrisiko.

 

 

     

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Zu hohe Lautstärke erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt

Wer sich über einen längeren Zeitraum einer kritischen Lautstärke aussetzt, gefährdet seine Herz-Kreislauf-Gesundheit. Ein zu lautes Umfeld ist vor allen Dingen ein Risiko für Herzinfarkt und Bluthochdruck. Ab einem Ausgangswert von 50 dB (Dezibel) steigt das Risiko pro 10 dB Zunahme um 6 Prozent an!

Beim Wahrnehmen von hörbarem Schall gilt es zwei Größen zu unterscheiden: Lautstärke und Lärm.

Während Lärm auch subjektiv gefärbt ist, kann man Lautstärke durch den Schalldruck objektiv genau messen. Die Messgröße für Lautstärke heißt Dezibel (dB).

Aber was heißt Lautstärke konkret?

Lautstärke ist objektiv messbar

Hier sehen Sie paar Beispiele zusammengestellt, die Ihnen die Einordnung von verschiedenen Lautstärken im Alltag erleichtert:

  • 0 Dezibel: Hörschwelle normal hörender Mensch
  • 0 bis 20 Dezibel: kaum hörbar; z. B. Flüstern oder Blätterrauschen; wird in der Regel als angenehm empfunden.
  • 20 bis 40 Dezibel: gut hörbar; z. B. Weckerticken oder Ventilator, die auch den Schlaf stören können
  • 40 bis 60 Dezibel: z. B. normales Gespräch, leises Radio; kann die Konzentration stören
  • 60 bis 80 Dezibel: z. B. lautes Gespräch, vorbeifahrendes Auto, Schreibmaschine, Rasenmäher; kann gesundheitliche Langzeitschäden verursachen
  • 80 bis 100 Dezibel: z. B. vorbeifahrende LKWs, Motorsäge; kann bei Dauerlärm zu Gehörschäden führen
  • 110 Dezibel: Schmerzgrenze; z. B. Kreissäge oder Presslufthammer

Übrigens, pro 10 Dezibel Anstieg der objektiven Lautstärke wird wird gefühlt eine Verdoppelung der Lautstärke wahrgenommen.

Akustisches Umfeld kennen lernen

Weil Lautstärke nicht nur für die langfristige Gesundheit, sondern auch für die kurzfristige Befindlichkeit, wie z.B. Stress- und Schlafverhalten wichtig ist, lohnt es sich für Sie sich diesem Alltagsphänomen zu beschäftigen.

Sie können die Lautstärke ganz einfach selbst messen. Zum Beispiel mithilfe von Apps wie etwa „dB Messgerät Pro“. Es ist hilfreich, wenn Sie Ihr persönliches akustisches Umfeld – ob auf der Arbeit oder zuhause – kennenlernen. Sie werden sich wundern, was Sie da alles herausfinden können. Und dann können Sie gegebenenfalls Maßnahmen treffen, um sich vor Lärm zu schützen.

Denn Lärmschutz ist Herz-Kreislauf-Schutz!

 

…..weiter mit „Was ist Lärm für Ihr Herz?“

 

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Lärm ist individuell unterschiedlich – Risiko Herzinfarkt und Bluthochdruck

Stille ist wichtig für die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Wer regelmäßig einem lauten Umfeld – sei es zuhause oder auf der Arbeit – ausgesetzt ist, hat ein höheres Risiko für Herzinfarkt und Bluthochdruck. Dieses Risiko steigt ab einem Ausgangswert von 50 dB (Dezibel) bei 10 dB Zunahme um 6 Prozent an! Während man Lautstärke objektiv messen kann, hat Lärm eine sehr starke subjektive Komponente.

Lärm ist subjektiv

Die Weltgesundheitsorganisation definiert Lärm wie folgt: „Lärm ist jede Art von Schall, der stört, belästigt oder die Gesundheit beeinträchtigen kann“ (WHO 1972). Kurz gesagt: Jeder Mensch nimmt Lärm anders wahr. Wie, das hängt unter anderem von der inneren Grundspannung, dem Wachheitszustand, auch der Tageszeit und nicht zuletzt von der eigenen Hörfähigkeit ab.

Wenn Sie Geräusche als störend empfinden, sollten Sie Ihre aktuelle Situation genauer überprüfen. Häufig spielt die Tageszeit eine Rolle. Sind Sie eventuell gestresst aufgrund von Schlafmangel? Haben Sie gegebenenfalls Hunger? Eine kurze Pause, ein Power-Nap oder auch ein gesunder Snack können manchmal schon dabei helfen, nicht mehr so gereizt zu sein – und damit auch resilienter gegen Lärm.

Straßenlärm ein entscheidender Faktor

Was die Lautstärke auf Straßen angeht, gibt es unterschiedliche offizielle Empfehlungen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt am Tag Werte unter 53 Dezibel, in der Nacht unter 45 Dezibel. In Deutschland sind diese Werte wesentlich großzügiger angesetzt mit unter 70 Dezibel am Tag und unter 60 Dezibel in der Nacht. Die Hälfte der deutschen Bevölkerung ist also höheren Werten ausgesetzt, als von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen werden!

Im Wohnbereich sollten Sie Werte am Tag von unter 35 Dezibel und in der Nacht von unter 25 Dezibel anstreben. Das erreicht man zum Beispiel bei gekipptem Fenster, wenn der Straßenlärm weniger als 50 Dezibel am Tag und weniger als 40 Dezibel in der Nacht beträgt. Im Arbeitsbereich sollte Ihre Belastung durch Lautstärke unter 40 Dezibel liegen.

Akustisches Umfeld kennen lernen

Es ist sinnvoll, dass Sie Ihr akustisches Umfeld kennenlernen. Die Lautstärke dort können Sie zum Beispiel mit der App „dB Messgerät Pro“ messen. So können Sie individuelle Maßnahmen ergreifen, um sich vor Lärm zu schützen.

Denn: Lärmschutz ist Herz-Kreislauf-Schutz!

Hahad O et al. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 245-50

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Blutdruck im Stehen – wichtig bei Bluthochdruck

Wenn wir den Blutdruck messen, sei es in der Arztpraxis oder zu Hause, dann tun wir das im Sitzen. Hierfür müssen wir die Regeln für die Blutdruckmessung beachten, das gilt vor allen Dingen für eine ausreichende Ruhezeit vor der Messung.

Neben der statischen Messung im Sitzen können auch dynamisch erhobene Werte, z.B. beim Wechsel vom Liegen zum Stehen wertvolle Informationen liefern.

Kreislauf im Stehen – ein große Herausforderung

Das ruhige Stehen ist für Ihren Kreislauf eine besondere Herausforderung, denn Blut muss wichtige Körperregionen gegen die Schwerkraft erreichen. Das venöse Blut muss ca. 4/7 Ihrer Körperlänge von der Großzehe bis zum Herzen und arterielles Blut muss 3/7 der Körperlänge gegen die Schwerkraft Ihr Gehirn erreichen. Dabei ist die Blutversorgung des Gehirns ist überaus wichtig, denn wird das Gehirn für nur ca. 10 Sekunden nicht durchblutet, dann werden Sie bewusstlos!

Folglich muss Ihr Kreislauf in jeder Körperlage gut reguliert werden. Dafür verfügt der Körper über Messstationen in Venen, Herz und Arterien, die Druck und Dehnung messen. Besonders wichtig sind diese am im Bereich des Übergangs von den Venen zur Vorkammer und in den Halsarterien, die zum Gehirn führen. Über die Messsensoren in den hinrversorgenden Arterien wird z.B. der wichtige Baro-Reflex gesteuert. Das vegetative Nervensystem leitet „Messergebnisse“ zur Verarbeitung an den Hirnstamm weiter, so dass von hier aus Anpassung des Kreislaufs erfolgen kann. Das dauert nur wenige 100 ms.

Sowohl auf der Ebene der Sensoren als auch bei der Verarbeitung der Informationssignale im Hirnstamm können Störungen auftreten, die z.T. durch die Blutdruckmessung im Liegen und im Stehen erfasst werden.

Blutdruck im Liegen und im Stehen messen

Der Test geht ganz einfach

  • Rückenlage für 60-120 Sekunden
  • Blutdruck und Herzfrequenz messen
  • dokumentieren
  • aufstehen und 60-120 Sekunden stehen
  • messen
  • dokumentieren

Wichtig ist, dass Sie die Messung im Stehen erst dann durchführen, wenn Sie mindestens 1 Minute gestanden haben. Innerhalb der ersten 60 Sekunden nach dem Aufstehen kommt es zu einem deutlichen Blutdruckabfall, den Sie mit der Blutdruckmanschette nicht sicher erfassen können, der aber das Ergebnis verfälschen kann.

Unterschiedliche Blutdruckwerte im Liegen und im Stehen

Wenn Sie sich hinstellen, dann muss Ihr Kreislauf das Gefälle gegen die Schwerkraft ausgleichen. Blutdruck und Herzfrequenz werden gehalten bzw. steigen leicht überschießend an. Es ist normal, wenn die Kreislaufregulation hier etwas übersteuert. Das entspricht einer Absicherung, so dass eine Minderdurchblutung Ihres Gehirns und damit eine Ohnmacht verhindert wird.

Normalbefund. Die Blutdruckwerte im Liegen und im Stehen sollte jeweils in den bekannten Normbereichen von <140 mmHg systolisch und <90 mmHg diastolisch liegen. Es ist normal, wenn der Blutdruck vom Liegen zum Stehen gleichbleibt bzw. um 15 mmHg systolisch bzw. um 10 mmHg diastolisch ansteigt. Auch Ihre Herzfrequenz kann um bis zu 10 bpm ansteigen.

Blutdruck im Liegen höher als im Stehen

Hier gibt es 2 Möglichkeiten im Liegen pathologisch zu hoch oder im Stehen pathologisch zu niedrig.

Blutdruck im Liegen pathologisch hoch, im Stehen normal. Sind Ihre Blutdruckwerte im Liegen pathologisch erhöht, d.h. >139 mmHg systolisch oder >89 mmHg diastolisch und im Stehen normal, dann ist das nicht normal. Die Ursache ist unklar.

Wir erleben es in der Cardiopraxis allerdings häufiger, dass dieses Phänomen bei einer Behandlung mit einem Beta-Blocker bzw. dann vorkommt, wenn die untere Hohlvene als Hinweis auf zu viel Flüssigkeit im Gefäßsystem deutlich erweitert ist. Wir nehmen an, dass hier die vermehrte Wandspannung in den Herzvorkammern einen Schutzreflex mit Anspannung der Widerstandsgefäße in der Lungenstrombahn bzw. im Systemkreislauf verursacht. Folglich können nachgeschaltete Strukturen vor einer Überdehnung zu schützen werden. Wir kennen diesen Mechanismus von der Mitralklappenstenose und von der hochgradigen Linksherzinsuffizienz.

Der Beta-Blocker steigert hier die Wandspannung indirekt über eine Verringerung der Sogkraft des Herzens. Eine Anpassung der Medikation mit einer Gabe einer harntreibenden Substanz bzw. die Verringerung der Beta-Blockerdosis führen hier meistens zu einer Normalisierung des Befundes.

Blutdruck im Liegen normal, im Stehen pathologisch niedrig. Fällt der Blutdruck im Stehen von Normalwerten jeweils um mehr als 20 mmHg ab, dann ist das nicht normal. In den allermeisten Fällen ist dieses mit einem Anstieg der Herzfrequenz um >10 bpm verbunden und Folge eines Flüssigkeitsmangels, z.B. bei zu hoher harntreibender Medikation oder zu geringer Trinkmenge. In seltenen Fällen ist dieser Befund Ausdruck einer Linksherzschwäche oder eines schweren Herzklappenfehlers.

Blutdruck im Stehen höher als im Liegen – orthostatische Hypertonie

Steigt der Blutdruck systolisch um >15 mmHg systolisch bzw. >10 mmHg diastolisch vom Liegen zum Stehen an, dann ist das pathologisch. Ist der Blutdruck im Liegen normal und die Werte steigen erst im Stehen in den pathologischen Bereich an, dann sprechen wir von einer orthostatischen Hypertonie.

Der Grund für dieses Verhalten liegt in einer Fehlregulation des Kreislaufs. Meistens ist ein hoher Sollwert das Problem, wie es z.B. bei langer Dauer eines Bluthochdrucks vorkommt. Wenn Wir nun z.B. mit Medikamenten den Blutdruck senken, dann wir der zunächst normale Blutdruck als zu niedrig wahrgenommen und Ihr Körper versucht den Blutdruck im Stehen wieder auf den falsch-hohen Sollwert anzuheben. Hier müssen dann Medikamente, die diese Adrenalin-vermittelte Reaktion durchbrechen können, wie z.B. Moxonidin oder auch Reserpin zum Einsatz kommen.

Eine orthostatische Hypertonie ist durch den schnellen Wechsel von normalen zu deutlich erhöhten Blutdruckwerten eine besondere Gefährdung für Ihr Gehirn und häufig auch mit Benommenheit und Kopfschmerzen verbunden.

Wertvolle Blutdruckmessungen zu Hause gemessen

In der Cardiopraxis führen wir mit dem Finapres®-System hierfür z.B. den sog. Orthostase-Test im Liegen und im Stehen durch, bei dem wir nicht nur Blutdruck und Herzfrequenz, sondern gleichzeitig auch den Blutfluss für jeden einzelnen Herzschlag in Rückenlage und im Stehen messen. Folglich erhalten wir wertvolle Hinweise zur individuellen Therapieeinstellung.

Wie Sie gesehen haben, können Sie einen Teil dieses Tests auch zu Hause durchführen. Da sind wertvolle Informationen, die dann die Messungen in der Praxis ergänzen. Wir freuen uns immer, wenn Sie solche Messwerte mitbringen, weil wir so die Behandlung optimal individuell ausgerichtet können.

 

 

 

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Schwer einstellbarer, therapieresistenter bzw. therapierefraktärer Bluthochdruck

Der schwer einstellbare Bluthochdruck ist ein häufig auftretendes und gesundheitlich sehr relevantes Problem. Ist der Blutdruck nicht einstellbar bzw. werden mehrere Medikamente benötigt, dann erhöht sich Ihr individuelles Gesundheitsrisiko für das Auftreten von z.T. lebensbedrohliche Komplikationen. Allerdings wird die Diagnose eines schwer einstellbaren Bluthochdruckes häufig zu früh gestellt, weil diagnostische und therapeutische Maßnahmen nicht richtig ausschöpft werden.

therapieresistenter bluthochdruck

Was ist ein schwer einstellbarer Bluthochdruck?

Das Therapieziel für einen gut eingestellten Bluthochdruck beträgt gemäß den Leitlinien der europäischen Fachgesellschaften <140 mmHg systolisch und <90 mmHg diastolisch.
Schwer einstellbarer Bluthochdruck, im Englischen “treatment resistent hypertension” genannt, bedeutet, dass der Blutdruck trotz Einsatz von 3 Basismedikamenten (Kalziumantagonisten, ACE-Hemmer bzw. AT-Blocker, Diuretika) weiterhin oberhalb der gewählten Grenzen liegt.Das heißt, dass das Primärziel nicht erreicht wird.

Der Bluthochdruck gilt ebenfalls als schwer einstellbar, wenn man mehr als 4 Medikamente einsetzt, um einen normalen Blutdruck zu erreichen.

Wichtig bei allen Überlegungen: Diese Definition gilt nur, wenn die Medikamente in ihrer maximal tolerablen Dosis, das heißt ohne Nebenwirkungen, ausgeschöpft sind.

Was ist eine Pseudoresistenz bei Bluthochdruck?

Bei der Diagnose des schwer einstellbaren  Bluthochdrucks werden häufig Fehler gemacht, nicht selten besteht eine Pseudoresistenz.

Pseudoresistenz bedeutet, dass zwar erhöhte Blutdruckwerte vorliegen und die Definition eines schwer einstellbaren Blutdrucks erfüllt scheint, nicht aber alle diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Eine Pseudoresistenz muss man folglich vor der endgültigen Diagnose eines schwer einstellbaren Bluthochdrucks ausschließen.

Eine richtige Messtechnik des Blutdrucks ist wichtig. Zum Beispiel muss die Manschettengröße genau passen. In 35-40% werden hier die entscheidenden Fehler gemacht. Der sogenannte Weißkitteleffekt ist eine weitere Ursache für ein falsche Diagnose. Das heißt: In 35-40% der Fälle steigt der Blutdruck in einer Arztpraxis übermäßig hoch. Hier müssen wir gegebenenfalls eine Langzeit-Blutdruckmessung durchführen bzw. auf häusliche Messungen zurückgreifen.

Der häufigste Fehler bei der Diagnose einer schwer einstellbaren arteriellen Hypertonie ist mit 60-70% eine zu niedrige Dosierung der Basismedikamente. Die therapeutischen Möglichkeiten müssen systematisch ausschöpfen werden. Des Weiteren muss sichergestellt werden, dass die Medikamente auch tatsächlich eingenommen werden. Bei 35-40% der Betroffenen ist das nicht der Fall.

Pseudoresistenz bei Bluthochdruck durch Medikamente und Drogen

Medikamente können den Bluthochdruck verstärken. Hierzu zählen z.B.:

  • sog. nichtsteroidale Antiphlogistika, zum Beispiel Ibuprofen, Diclofenac
  • Kortison
  • orale Kontrazeptiva
  • Drogen, z.B. Amphetamine, Kokain
  • Alkohol, häufig unterschätzt
  • Antidepressiva, z.B. trizyklische Antidepressiva sowie Noradrenalin- und Serotonin- Wiederaufnahmehemmer

Pseudoresistenz bei Bluthochdruck durch Erkrankungen

Schlafmangel und schlechte Schlafqualität werden gemeinhin als Ursachen für einen schwer einstellbaren Bluthochdruck unterschätzt. Des Weiteren kann ein sog. Schlafapnoe-Syndrom mit Abfall der Sauerstoffsättigung in der Nacht dazu beitragen, dass Adrenalin erheblich ansteigt und damit auch der Blutdruck.

Ein besonderes Problem ist die chronische Niereninsuffizienz. Weil dabei eines der wichtigsten Regulationsorgane für den Blutdruck geschädigt ist, gestaltet sich die Einstellung von vornherein schwieriger. Der Anteil von Menschen mit therapieresistentem Bluthochdruck ist in dieser Gruppe deutlich höher.

Ein weiteres Problem, das man besonders bei Menschen mit bekannten Verkalkungen, z.B. an den hirnversorgenden Arterien oder den Herzkranzarterien, beachten muss, sind verengte Nierenarterien, eine sog. Nierenarterienstenose. Die Mangelversorgung der Niere führt zur Freisetzung von Renin, was dann im gesamten Kreislauf auch den Blutdruck erhöht.

Nebennierenerkrankungen wie z.B. das Phäochromozytom mit krankhafter Adrenalinfreisetzung bzw. das Cushingsyndrom, bei dem übermäßig Kortison freigesetzt wird, müssen ebenfalls ausgeschlossen werden, bevor man die Diagnose eines therapieresistenten Bluthochdrucks stellt.

Schwer einstellbarer Bluthochdruck – häufig schlechte Prognose

In großen wissenschaftlichen Studien konnte man bei repräsentativen Mischkollektiven einen schwer einstellbaren Bluthochdruck bei 5-30% der Betroffenen feststellen. Bei strengem Ausschluss einer Pseudoresistenz liegt die Quote unter 10%. Liegt eine chronische Nierenschwäche vor, wird allerdings in bis zu 40% der Fälle von einem schwer einstellbaren Bluthochdruck berichtet.

Mittelfristig ist das Risiko für Komplikationen innerhalb von 5 Jahren um 5-10% erhöht, z.B. für:

Allgemeine Therapiemaßnahmen bei schwer einstellbarem Bluthochdruck – Lebensstil ändern

Sie sollten vor allen Dingen bei einem schwer einstellbaren Bluthochdruck auf eine Schlafdauer von 7-8 Stunden achten. Des Weiteren sollten Sie Salz streng auf 2,4 g/Tag reduzieren. Eine Gewichtsreduktion und körperliches Training sind ebenfalls förderlich, um den Blutdruck zu normalisieren.

Schwer einstellbarer Bluthochdruck – Medikamente ergänzen

Wird bei Ihnen eine Pseudoresistenz ausgeschlossen und tatsächlich ein schwer einstellbarer Bluthochdruck diagnostiziert, dann ergänzt Ihr Arzt die medikamentöse Behandlung stufenweise. An erster Stelle sind hier sogenannte Thiazid-ähnliche Diuretika, wie zum Beispiel Chlorthalidon oder Indapamid, zu nennen. Als besonders wertvoll erweist sich der Einsatz von sog. Aldosteronantagonisten, wie z.B. von Spironolacton bzw. Eplerenon. Gerade mit diesen Substanzen erzielt man häufig den entscheidenden Durchbruch.

An weiteren Medikamenten stehen sogenannte Alpha- beziehungsweise Betablocker zur Verfügung. Wenn nach Einsatz aller vorangegangenen Medikamente eine Einstellung nicht zufriedenstellend ist, dann greifen wir zu Hydralazin bzw. Minoxidil.

Vorgehen bei schwer einstellbarem Bluthochdruck

Bevor wir die Diagnose eines schwer einstellbaren Bluthochdrucks stellen, muss ein pseudoresistenter Bluthochdruck ausgeschlossen werden. Das bedeutet, dass wir alle diagnostischen Maßnahmen nutzen und auch an seltene Ursachen eines Bluthochdrucks denken.

Die therapeutische Medikation muss intensiviert und dann stufenweise eskaliert werden.Bei Nierenschwäche sollte frühzeitig ein Nierenspezialist in die Therapie mit einbezogen werden, um Nieren und Nebennieren zu bewerten.

Die Erfahrung zeigt zum Glück, dass wir bei guter Blutdruckeinstellung die Zahl der Medikamente nach einiger Zeit wieder kontrolliert reduzieren können. Besonders wertvoll hat sich hierfür in der Cardiopraxis die unblutige Kreislaufmessung erwiesen, die es uns erlaubt unterschiedliche Formen des Bluthochdrucks zu unterscheiden.

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Diagnose Bluthochdruck – ein wichtiger Risikofaktor für die Gesundheit 

In Deutschland haben rund rund ein Drittel aller Menschen nach dem 20. Lebensjahr einen Bluthochdruck. Der Diagnose Bluthochdruck kann für Sie ernsthafte gesundheitliche Folgen haben. Entsprechend steigert ein erhöhter Blutdruck das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenschwäche. Dementsprechend ist ein Bluthochdruck auch mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden.

Normalwerte für den Blutdruck 

Bei der Blutdruckmessung werden 2 Werte angegeben: der obere Wert ist der systolische Wert, der untere ist der diastolische Wert, z.B. 120/80 mmHg. Die Begriffe „systolisch“ und „diastolisch“ beziehen sich auf die Aktivität der Herzhauptkammern. Entsprechend pumpen die Hauptkammern in der Systole, in der Diastole füllen sie sich. Die Maßeinheit richtet sich an der Verdrängung einer Quecksilbersäule (Hg) in Millimeter aus, daher mmHg.

Entpsrechend den Leitlinien der europäischen Fachgesellschaften verwenden wir Messwerte, die durch einen Arzt oder Assistenzpersonal in der Arztpraxis erhoben werden. Folglich sprechen wir bei systolischen Werten ab 140 mmHg bzw. bei  diastolischen Werten ab 90 mmH von einem Bluthochdruck, einer sog. arteriellen Hypertonie. 

Mitunter haben wir den Verdacht, dass der Blutdruck durch die Anwesenheit in der Praxis durch den sog. Weißkittel-Effekt beeinflusst ist. Entsprechend fließen dann häusliche Messungen bzw. Ergebnisse aus einer 24-Stunden-Blutdruckmessung mit in die Bewertung ein. Interessant für die richtige Wahl der Therapie sind auch dynamische Blutdruckmessungen im Liegen und im Stehen.

 

Bluthochdruck unterschiedliche Schweregrade

Normaler Blutdruck

  • <120 und <80 mmHg                           – Optimal
  • 120-129 und/oder 80-84 mmHg       – Normal
  • 130-139 und/oder 85/89 mmHg       – Hochnormal

Bluthochdruck

  • 140-159 und/oder 90-99 mmHg          – Grad 1
  • 60-179 und/oder 100/109 mmHg       – Grad 2
  • >179 und/oder >109 mmHg                 – Grad 3

Isolierter systolischer Bluthochdruck

  • >139 mmHg und <90 mmHg

Blutdruck – Therapieziele

Das Primärziel ist, dass Ihr Blutdruck systolisch <140 mmHg und diastolisch <90 mmHg liegt. Damit sind eine gute Leistungsfähigkeit und eine gute Prognose gewährleistet. 

Die Sekundärziele werden erst bei guter Toleranz der medikamentösen Therapie angestrebt. Hierfür versuchen wir Werte von systolisch 130 mmHg und bei Menschen <65 Jahren von 120 mmHg zu erreichen. Diastolisch sollte der Blutdruck dann 80 mmHg betragen. 

Die Zielwerte für einen normalen Bluthochdruck liegen gemäß den Empfehlungen der Fachgesellschaften in Europa etwas höher als in den USA. Allergins basieren die Empfehlung in den USA entscheidend auf der SPRINT-Studie, die mittels automatischer Messung stattfanden, ohne dass eine 2. Person im Raum war. Hierdurch entwsprechen diese Werte eher der Messung zu Hause. Für häusliche Blutdruckmessungen werden niedrige Schwellenwerte angesetzt, <135 mmHg systolisch und <85 mmHg diastolisch.

Hinzu kommt, dass bei sehr niedrigen Blutdruckwerten die Häufigkeit an Nebenwirkungen, wie z.B. Benommenheit, Einschränkung der Leistungsfähigkeit und Müdigkeit zunehmen. In der Tat kann dann gerade bei älteren Menschen auch die Sterblichkeit steigen.

Bluthochdruck – medikamentöse Basistherapie 

Die medikamentöse Basistherapie richtet sich an den Erfolgen in zahlreichen großen klinischen Studien aus. In erster Linie setzen wir die Basismedikamente ein um eine möglichst optimale Blutdrucksenkung zu gewährleisten. Außerdem stimmen wir die Behandlung so ab, dass möglichst wenige wenige Nebenwirkungen verursacht werden, am besten gar keine. Folglich versuchen in der Cardiopraxis die Anzahl der Medikamente möglichst gering zu halten.

Als Basistherapeutika setzen wir langwirksame Kalziumantagonisten, z.B.  Lercanidipin oder Amlodipin ein. Hemmer des Renin-Angiotensin-Systems wie ACE-Hemmer, z.B.  Ramipril oder AT-Blocker, z.B. Valsartan und Olmesartan gehören ebenfalls zum Basisprogramm. Weiterhin werden harntreibende Medikamente, sog. Diuretika gegeben. 

Abgesehen davon können wir in der Cardiopraxis mit Hilfe der Kreislaufmessung mit dem Finapres®-System häufig unterschiedliche Formen des Bluthochdrucks voneinander abgrenzen. Hierduch können wir Ihnen ganz gezielte Empfehlungen geben, welche sich meistens auf die Aktivität des individuellen Stoffwechsels beziehen. Infolgedessen können hierdurch die Medikamente möglichst gering gehalten und häufig ganz vermieden werden.

Werden die Therapieziele für den Blutdruck allerdings nicht erreicht –  was zum Glück selten der Fall ist – und der Blutdruck liegt trotz Einsatz von 3 Medikamenten und mehr oberhalb der Grenzwerte, dann sprechen wir von einem schwer einstellbaren Bluthochdruck. Je nachdem müssen wir dann weitere diagnostische und therapeutische Maßnahmen einsetzen.

 

Wiliams B et al European Heart Journal 2018; 39:3021–3104

 

 

 

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Blutdruck selber messen – eine Diagnose mit Konsequenzen

Die Selbstmessung des Blutdrucks ist wahrscheinlich neben der Bestimmung der Herzfrequenz und der Körpertemperatur die häufigste apparative Massnahme zur Erfassung von Daten zur eigenen Gesundheit überhaupt. Genauso wie bei Herzfrequenz und Körpertemperatur haben die meisten von uns ein grundlegendes Verständnis davon, was ein normaler Blutdruck und was ein Bluthochdruck ist.

Moderne Blutdruckmessgeräte – hoher Standard

Die im Handel angebotenen halb-automatischen Blutdruckmessung entsprechen in Qualität und Handhabung den professionellen Geräten in einer Arztpraxis oder im Krankenhaus. Die Geräte sind handlicher geworden, zuverlässig und die Daten lassen sich z.T. schon via Bluetooth auf das Handy übertragen, so dass eine anschauliche Dokumentation möglich wird.

Die meistens integrierte Analyse der Herzfrequenz erlaubt Hinweise auf Rhythmusstörungen. Inzwischen steht auch ein Gerät zur Verfügung, welches die integrierte Ableitung und Analyse eines 1-Kanal EKGs zum Nachweis von Vorhofflimmern erlaubt. Dieses hat eine vergleichbare Qualität wie das 1-Kanal EKG  wie z.B. das System von für die Apple Watch oder die Kardia Systeme von AliveCor. Darüber hinaus steht zu erwarten, dass in der Zukunft auch eine integrierte Bestimmung des Blutflusses eine genauere Kreislaufanalyse zulassen wird.

Blutdruck messen zu Hause – viele Vorteile

Die Heimblutdruckmessung hat neben den geringen Kosten und der weiten Verbreitung zahlreiche Vorteile.

Die Blutdruckmessung zu Hause erlaubt z.B. die Abgrenzung eines sog. Weißkittel-Effektes, d.h. eines Blutdrucks, der nur in eine Arztpraxis erhöht ist und zu Hause komplett normal ist. Darüber hinaus können wir bei Messungen zu verschiedenen Tageszeiten auch kritisch hohe Werte erfassen, während zu anderen Tageszeiten (und auch in der Arztpraxis) der Blutdruck völlig normal ist. Hier hat vor allem die Messung am Morgen und am Abend eine Bedeutung.

Messungen an mehreren Tagen und zu unterschiedlichen Tageszeiten und sogar Jahreszeiten geben uns als Ärzten wertvolle Hinweise. Darüber hinaus können Sie auch dynamische Messungen zu Hause ableiten, z.B. im Liegen und manche dem Aufstehen. Nicht zuletzt ist es so, dass Sie bei Befindlichkeitsstörungen, wie z.B. innere Unruhe, Kopfschmerzen und Luftnot über die Blutdruckmessungen Hinweise auf die Ursache gewinnen und eine besprochene Bedarfsmedikation einsetzen können, z.B. bei einer hypertensiven Entgleisung.

Die Grenzwerte für den Blutdruck sind niedriger als für die Messungen in einer Arztpraxis:

  • Normal – systolisch <140 mmHg und diastolisch <85 mmHg

Blutdruck messen zu Hause – Risiko Fehlmessungen

Einen entscheidenen Nachteil hat die Blutdruckmessung zu Hause, das Risiko der Fehlmessung. Wenn der Blutdruck falsch gemessen wird, kann das zu Fehldiagnosen und damit zu falschen Therapien und Nebenwirkungen führen. Schon in der Arztpraxis können hier in 40-60% falsche Werte erhoben werden, wenn nicht einige entscheidende Punkte beachtet werden. Im häuslichen Bereich kann die Fehlerquote sogar höher liegen.

Richtig Blutdruck messen – 9 kostbare Tipps

So misst man richtig:

  • zunächst 5 Minuten ruhig sitzen
  • beide Füße auf dem Boden, keine gekreuzten Beine (führt zu falsch-hohen Werten)
  • Messarm muss auf Unterlage ruhen
  • Messeinheit muss auf Herzhöhe sein
  • richtige Manschettengröße in Relation zu Oberarmumfang wählen (zu schmale Manschette = falsch-hohe Werte, zu breite Manschette = falsch-niedrige Werte)
  • Oberarmumfang: Breite x Länge
    < 24 cm: 10 x 18 cm
    24 bis 32 cm: 12 x 24 cm (Standardmanschette)
    33 bis 41 cm: 15 x 30 cm
    >41 cm: 18 x 36 cm
  • Manschette um unbekleideten Oberarm legen (Luftschlauch vorne, Verschluss hinten, Messpunkt auf Herzhöhe)
  • nicht sprechen, lesen oder Handy nutzen
  • bei Erstmessung an beiden Armen messen, den höheren Wert wählen und in der Zukunft an dem Arm mit dem höheren Wert messen

Blutdruckwerte dokumentieren 

Dokumentieren Sie Uhrzeit, systolischen und diastolischen Blutdruck sowie die Herzfrequenz. Bringen Sie am besten eine Kopie der Liste zu Ihrem nächsten Arztbesuch mit. Sollte Sie die Werte in einer App speichern, was wir empfehlen, dann ist es sinnvoll, dass Sie einen Ausdruck machen. So kann Ihre Ärztin oder der Arzt die Dokumentation zu seinen Unterlagen nehmen und im Verlauf vergleichen.

Wiliams B et al European Heart Journal 2018; 39:3021–3104

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Lärm macht krank – Stille schützt Herz und Kreislauf

Stille schützt Herz und Kreislauf. Längere kritische Geräuschexposition am Arbeitsplatz und im Wohnbereich, z.B. durch Straßengeräusche, ist ein potenzielles Gesundheitsrisiko. Ab 50 Dezibel (dB) steigt das Risiko für Herzinfarkt und Bluthochdruck pro 10 dB um 6 Prozent. Bei Werten über 50 dB macht daher Lärmschutz Sinn. Wir unterscheiden den nicht-individuell gestaltbaren Lärmschutz vom individuell gestaltbaren Lärmschutz.

Nicht-individuell gestaltbarer Lärmschutz

Hier gilt vor allen Dingen: Lärmbildung vermeiden und abwehren! Das kann etwa durch Ersatz von Dieselautos mittels E-Autos geschehen oder durch verkehrsberuhigende Maßnahmen. Lärm abwehren lässt sich mit architektonischen Maßnahmen, z. B. Schutzwänden. Entsprechend kann man lärmfern wohnen und arbeiten.

Die Hauswanddicke und die Fensterisolierung spielen ebenfalls eine Rolle. Sie können, zumindest was die Fensterisolierung in der Nacht angeht, selbst aktiv werden. Schwere Vorhänge können gut vor Lärm schützen. Im Innenraum können Schallschlucker wie Innenwände, Teppiche, Bilder und sogenannte Helmholtzsche Körper kleine Wunder vollbringen. Insgesamt betrachtet ist die Lärmexposition im Wohn- und Arbeitsbereich allerdings durch den Einzelnen häufig kaum kontrollierbar.

Individuell gestaltbarer Lärmschutz – öfter mal eine akustische Pause

Individuell gestaltbaren Lärmschutz kann der einzelne Mensch mit einfachen Maßnahmen günstig beeinflussen.
So können Sie z.B. eine akustische Pause einlegen, indem Sie Fenster und Türen schließen, ein „Bitte nicht stören“-Schild an die Türe hängen. Für ca. 10 Minuten können Sie dann in akustischer Ruhe einfache Tätigkeiten ausführen. Atemübungen und Meditation sind hier besonders hilfreich. Sie sollten auch darauf achten, dass Sie Störgeräusche aktiv ausschalten, indem Sie Musik und Radio, auch via Kopfhörer, für eine Zeit lang abstellen.

Individueller Lärmschutz – ANC-Kopfhörer richtig nutzen

Ein interessanter Ansatz ist die Nutzung sogenannter In-Ear-Kopfhörer mit guten Ohrpassstücken –OHNE Musik.
Bereits das Einsetzen der Ohrstöpsel verringert die Schallexposition um 5 bis 10 dB. Mit Hilfe von Antischall-Systemen, sogenannten Active Noise Cancelling (ANC) Kopfhörern, kann Schall um 20 bis 30 dB abgeschwächt werden (z.B. Bose QuietComfort 20 In-Ear oder Bose Quiet-Control 30). Viele Produkte sind so auch ohne Handy („stand alone”) nutzbar.

Bei der Nutzung von In-Ear ANC-Kopfhörern OHNE Musikbeschallung ist es nicht das Ziel, das Umfeld komplett auszuschalten. Eine direkte Ansprache durch Personen oder Warnsignale sollten weiter hörbar sein. Bei einigen Systemen können Sie dafür den Grad der Schallabschirmung via App auf dem Handy individuell anpassen. Ein interessanter Effekt ist dabei, dass Sie die Umwelt häufig bewusster und klarer wahrnehmen, weil ablenkende Störgeräusche unterdrückt werden.

Obwohl man Warnsignale bei In-Ear ANC-Systemen gut wahrnehmen kann, sollte man bei der Nutzung im Straßenverkehr auf jeden Fall die Musik ausschalten und die visuelle Kontrolle intensivieren. Ist man zu Hause oder bei der Arbeit, dann kann man eventuell sogenannte Ambient Sounds nutzen, zum Beispiel die Endel-App. Im Gegensatz zu In-Ear-Systemen schließen Over-Ear-Kopfhörer mit ANC den Schall bis 35 dB ab. Das ist meist nicht erforderlich und vor allen Dingen als Fußgänger im Straßenverkehr auch nicht sinnvoll. Übrigens, als Autofahrer sollten Sie im Straßenverkehr keine Kopfhörer nutzen.

ANC-Kopfhörer sinnvoll für Menschen mit Hochtonschwerhörigkeit

Besonders nützlich sind In-Ear ANC-Systeme für Menschen mit Hochtonschwerhörigkeit. Der Anteil von Menschen mit Hochtonschwerhörigkeit beträgt im Alter von 44 bis 64 Jahren bereits 11 bis 24 Prozent der Bevölkerung und nimmt mit dem Alter zu.

Menschen mit Hochtonschwerhörigkeit haben erhebliche Probleme, z.B. in einem Stimmengewirr einem Gespräch zu folgen oder Gesprochenes im Fernsehen zu verstehen. Sie stehen durch Umgebungsgeräusche auch in anderen Situationen häufig unter Stress. In-Ear ANC-Kopfhörer mindern bei diesen Menschen den Stress durch Straßenverkehr, denn die Systeme sind auch für Fußgänger im Stadtverkehr geeignet.

 

Akustisches Umfeld kennen lernen

Lernen Sie Ihr persönliches akustisches Umfeld selbst kennen! Nutzen Sie dabei Apps, mit denen Sie die Lautstärke in Dezibel messen können, z.B. dB Messgerät Pro.

Ergreifen Sie Maßnahmen zum individuellen Lärmschutz, denn Lärmschutz ist Herz-Kreislaufschutz!

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Anpassung des Herz-Kreislaufsystems im Sommer

Ihr Herz-Kreislaufsystem passt sich immer den klimatischen Bedingungen an. Das Ziel ist dabei ein stabiler Sollwert für Ihre Körpertemperatur, denn nur bei richtiger Körpertemperatur sind Sie voll körperlich und geistig leistungsfähig.

Im Sommer ist in der Regel eine vermehrte Wärmeabgabe sinnvoll. Ihr Körper fördert das, indem er vor allem die Blutgefäße weit stellt und damit die Durchblutung steigert. Sie merken das an Ihren warmen Händen.

Im Winter steht hingegen die Wärmekonservierung im Vordergrund. Ihr Körper erreicht das, indem er die Blutgefäße eng stellt, also den Blutfluss verringert. Das wiederum können Sie daran merken, dass Ihre Hände häufiger kalt sind.

Gerade im Sommer erleben wir in der Cardiopraxis immer wieder starke Nebenwirkungen von Herz-Kreislaufmedikamenten. Die Menschen kommen zu uns mit innerer Unruhe, Luftnot, Benommenheit oder gar Ohnmachtsanfällen.

Medikamente gegen Bluthochdruck im Sommer – „mein Blutdruck spinnt”

Im Sommer ist er Blutdruck in Verbindung mit Medikamenten meistens das Hauptproblem.

Medikamente zur Herz-Kreislauftherapie können dabei die Ausgleichsmechanismen Ihres Körpers zur Reduktion überschüssiger Körperwärme verstärken. Der Blutdruck fällt dann ab.

Medikamente können die Wärmeabgabe aber auch kritisch verringern. Folglich steigen Hitzestress und Blutdruck Sie erleben so in der Regel einen Wechsel zwischen hohen und niedrigen Blutdruckwerten.

Häufig hören wir in den Sommermonaten in der Cardiopraxis den Satz: „Mein Blutdruck spinnt”. Mit differenzierten Kreislaufmessungen des Blutdrucks UND des Blutflusses können wir hier meistens gezielt helfen, indem wir die Medikation anpassen.

Herz- und Kreislaufmedikamente im Sommer

Blutgefäßweitsteller. Medikamenten dieser Gruppe (Kalzium-Antagonisten, ACE-Hemmer, AT-Blocker, Alphablocker) verursachen eine Weitstellung der Arterien. Der Blutdruck sinkt und die Durchblutung steigt, so dass der Körper Wärme besser an die Umgebung abgeben kann.

Sinkt der Blutdruck allerdings zu stark, versucht Ihr Körper das durch freigesetztes Adrenalin auszugleichen. Folglich steigen Herzfrequenz und Blutdruck häufig überschießend an.

Bremser der Pumpkraft und der Herzfrequenz. Beta-Blocker bremsen die Pumpkraft und reduzieren die Herzfrequenz und damit die Durchblutung. Damit sinkt auch der Blutdruck. Im Sommer ist die Wärmeabgabe durch die verringerte Durchblutung gerade bei höheren Dosen kritisch reduziert. Der Körper wird wärmer und Symptome von Hitzestress werden begünstigt.

Darüber hinaus dämpft ein falsch dosierter Beta-Blocker Warnsignale des Adrenalinsystems für eine körperlichen Überhitzung. So kann Ihre Körpertemperatur unbemerkt ansteigen und dann plötzlich kritische Folgen haben.

Harntreiber. Die sogenannten Diuretika reduzieren das Füllungsvolumen in den Arterien und Venen, was eine Verringerung er Durchblutung zur Folge hat. Der Blutdruck sinkt.

Weil die Durchblutung geringer ist, reduziert sich auch die Wärmeabgabe Mit einem verringerten Flüssigkeitsgehalt Ihrer Körperzellen reduziert sich auch die Wärmeleitfähigkeit Ihrer Körperzellen.. Somit steigt unter Harntreibern die Körpertemperatur an und Ihr Hitzestress steigt.

 

Hoher Blutdruck unter Medikamenten im Sommer

Zwar kann nicht nur bei übergewichtigen Menschen der Blutdruck im Sommer steigen, diese Gruppe ist allerdings besonders gefährdet.

Gerade Menschen mit Übergewicht haben durch das Körperfett eine bessere und häufig auch übermäßige Wärmeisolierung ihres Körpers. Hinzu kommt, dass Körperfett selbst entzündlich und damit wärmebildend ist. Das kann gerade im Sommer zu einem Hitzestau führen, was Hitzestress zur Folge hat Der wiederum ist mit einer gesteigerten Adrenalin-vermittelten Aktivierung verbunden, und das verursacht nicht selten krisenhafte Blutdruckanstiege.

Daher sollten vor allem übergewichtige Menschen unbedingt äußerlichen Hitzestress meiden. Sie sollten die Flüssigkeitszufuhr überprüfen. Eventuell müssen sie harntreibende Medikamente reduzieren bzw. absetzen. Falls es zu Blutdruckspitzen kommt, ist das Modulieren des Adrenalinhaushalts sinnvoll. Bei hoher Herzfrequenz können Betablocker in niedriger Dosierung oder auch Moxonidin zum Einsatz kommen.

Niedriger Blutdruck unter Medikamenten im Sommer

Die häufigste Ursache für einen zu niedrigen Blutdruck im Sommer ist ein zu geringer absoluter oder relativer Flüssigkeitsgehalt. „Absolut” bedeutet hier, dass Sie einfach zu wenig trinken; “relativ”, dass Ihr Gefäßraum, z.B. durch Wärme zu weit gestellt ist. Die Einnahme von Herz-Kreislaufmedikamenten verstärkt das noch.

Die zusätzliche Wärme durch klimatisches Anpassen führt dazu, dass sich die Blutgefäße weiten. Das hat bekanntermaßen zunächst einen Blutdruckabfall zur Folge, denn dem Kreislauf fehlt es einfach an “Hydraulikflüssigkeit”. Dieser vergrößerte Gefäßraum muss nun mit Flüssigkeit gefüllt oder verkleinert werden.

Auch hier gilt: Gegebenenfalls müssen Sie im Sommer die Dosis von Medikamenten anpassen. Gerade Kalzium-Antagonisten und Diuretika können vorübergehend reduziert bzw. abgesetzt werden.

Blutdruckmedikamente im Sommer – gemeinsam anpassen?

Der Flüssigkeitsbedarf des Körpers im Sommer ist höher, insbesondere bei körperlichen Freizeitaktivitäten. Sie sollten, falls nicht anders abgesprochen 30 bis 40 ml pro kg Körpergewicht und Tag trinken. Achten Sie auf kühlende und vorbeugende Maßnahmen, um Hitzestress zu vermeiden!

Wenn Ihr Blutdruck „spinnt”, sollten Sie die Medikation mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen. Bitte achten Sie auch darauf, dass andere Medikamentengruppen Einfluß auf die Körpertemperatur und damit auf Ihren Blutdruck haben.

Gerade unter extremen klimatischen Bedingungen sollten Sie nicht ohne Absprache die Medikation verändern. Sonst kann es zu kritischen Blutdruckkrisen kommen.

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Hitzewallungen durch Medikamente besonders im Sommer – erhöhtes Risiko für Herz und Kreislauf

Hitzewallungen mit Erhöhung der Körpertemperatur können als Folge von zahlreichen Medikamenten auftreten. Folglich können Medikamente, ohne dass Sie das zunächst vermuten,  unangenehme Symptomen, wie z.B. Hitzewallungen, Unruhegefühl, Gereiztheit, Blutdruckschwankungen, Schwitzen und auch Schlafstörungen zur Folge haben. Diese Nebenwirkungen können Sie zwar zu jeder Jahreszeit bemerken, sind allerdings in den Sommermonaten oder bei einem Urlaub in warmen Ländern verstärkt.

Symptome, die mit einem gesteigerten Wärmegefühl verbunden sind,  können ein erster Hinweis darauf sein, dass sich bei Ihnen ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen, wie z.B. Vorhofflimmern, Blutdruckkrisen oder auch ein Hitzenotfall ankündigen. Sie sollten daher thermische Nebenwirkungen von Medikamenenten kennen, um für sich und andere hier richtig zu handeln. Gerade ältere Menschen, die sich in Ihrem sozialen Umfeld befinden sind sich dieser Risiken nicht bewusst.

 

Hitzegefühl durch Medikamente – „Fieber“ als Nebenwirkung im Beipackzettel oder in der Fachinformation

Im Folgenden finden Sie eine Auswahl der häufigsten und wichtigsten Wirkstoffe und Substanzgruppen, die bei Ihnen ein Hitzegefühl zur Folge haben können. Wir können hier nicht alle Medikamente aufzählen, die Auflistung würde einfach zu lang. Folglich sollten Sie im Zweifel die Beipackzettel bzw. die Fachinformationen Ihrer Medikamente genau lesen. Spätestens dann, wenn Symptome der körperlichen Überwärmung oder wenn Sie extremer klimatischer Hitze ausgesetzt sind, dann sollten Sie Bescheid wissen.

Der Einfluss eines Medikamentes auf Ihre Körpertemperatur wird in den Fachinformationen und Beipackzetteln unter dem Begriff “Fieber” zusamengefasst. Das ist von der Wortbedeutung her nicht ganz richtig ist, weil es sich bei Fieber genau genommen um einen Veränderung des Temperatur-Sollwertes, z.B. durch Bakterien und Viren handelt. Medikamente führen aber über verschiedenen Mechanismen zu einer erhöhten Körpertemperatur.

Medikamente – Körpertemperatur über das Gehirn steigern

Ihr Gehirn ist der Ort, an dem Ihre Körpertemperatur reguliert wird. Hier können Medikamente eine Störung Ihrer zentralen Temperaturregulation im Gehirn verursachen.

Zahlreiche Neuroleptika zur Therapie von Psychosen oder auch Anticholinergika, z. B. Asthma-Sprays zum Weitstellen der Bronchien, haben hier eine Wirkung auch auf Ihr Gehirn. Vor allen Dingen die weit verbreiteten Antidepressiva, z.B. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, greifen hier temperatursteigernd in die Thermoregulation Ihres Körpers ein.

Man mag es gar nicht vermuten, aber auch der Gerinnungshemmer Rivaroxaban (XareltoⓇ) oder das Rhythmusmedikament Flecainid (Tambocor®) verursacht in bis zu 10 %der Fälle erhöhte Körpertemperaturen, die dann häufig bei sommerlicher Hitze symptomatisch werden können.

Viele hormonell ausgerichtete Substanzen zur Behandlung von Krebserkrankungen steigernebenfalls Ihre Körpertemperatur. Zu ihnen zählen Bicalutamid, Tamoxifen, Goserelin und Anastrozol. Die Antidepressiva Venlafaxin und Duloxetin und die bei Migräne häufig eingesetzten Tryptane geben Ihnen auch das Gefühl der Wärme.

Hormone und Nahrungsergänzungsmittel – Steigerung des Stoffwechsels kann Hitzestress auslösen

Eine ganze Reihe an Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten steigern den Stoffwechsel und haben so ebenfalls Einfluss auf Ihre Körpertemperatur.

An erster Stelle zu nennen sind Schilddrüsenhormone, Kontrazeptiva mit ihrem Gehalt an Östrogen und Progesteron sowie Kortison und Asthma-Sprays. Des Weiteren können Magnesiumcitrat und Kalzium sowie Vitamin D den Stoffwechsel erheblich ankurbeln, so dass Sie sogar machmal nachts nicht richtig schlafen können. Einschlafstörungen, gerade bei sommerlichen Außentemperaturen sind hier die Folge . Vitamin B6 und B12 werden als Stoffwechselaktivatoren in der Regel ebenso unterschätzt.

Medikamente können Ausgleichsmechanismen für Hitzestress blockieren

Ihr Körper verfügt über zahlreiche Ausgleichsmechnismen, um die Körpertemperatur auch bei extremen Witterungsbedingungen konstant zu halten. Eine ganze Reihe von Medikamenten hemmen diese Ausgleichsmechanismen. Zum Beispiel nehmen Sie den Anstieg Ihrer Körpertemperatur dann nicht mehr wahr bzw. Ihr Körper kann nicht mehr richtig auf erhöhte Außentemperaturen reagieren. Häufig sind Sie sich dieser Mechanismen gar nicht bewusst, was zu schweren Nebenwirkungen bis hin zum Hitzeschock führen kann.

Durstgefühl verringert. Ein verringertes Durstgefühl kennen wir von ACE-Hemmern und AT-Blockern. Allerdings bringen auch Neuroleptika und Carbamazepin hier ein erhöhtes Risiko mit sich. Medikamente zur Behandlung des Morbus Parkinson sind weit verbreitet. Insbesondere bei älteren Menschen, die diese Medikamente ja häufig einnehmen, sollte häufiger einmal überprüft werden, inwieweit die Körpertemperatur zu hoch ist. Sinnvoll ist hier sicherlich das regelmäßige Messen der Ohrtemperatur.

Schwitzen verringert. Besonders tückisch ist ein verringertes Schwitzen durch einen sogenannten Antimuscarin-Effekt. Zu nennen sind hier Substanzen wie Alimemazin, Chlorpromazin, das Antidepressivum Amitriptylin und das gegen die Seekrankheit häufig verwendete Scopolamin. Des Weiteren haben Oxybutynin, Procyclidin und Topiramat hier eine Bedeutung.

Temperaturwahrnehmung verringert. Die Wahrnehmung der erhöhten Körpertemperatur ist vor allem bei Antiparkinson-Medikamenten gestört. Aber auch Medikamente, die beruhigend wirken, wie Benzodiazepine, Antihistaminika und Antidepressiva, verringern die Wahrnehmung einer zu hohen Temperatur. Weitere Medikamente, die diesen Effekt haben, sind Gabapentine, Anti-Muskarin-Medikamente und Antiepileptika.

Temperaturabgabe verringert. Damit der Körper Wärme gut abstrahlen kann, sind gut hydrierte Körperzellen wichtig. Ein erhöhtes Risiko für Überhitzung stellen folglich Medikamente, die das Körperwasser senken, wie z.B. harntreibende Medikamente, sogenannte Diuretika, ACE-Hemmer, AT Blocker und die sehr beliebten Abführmittel.

Kreislaufmedikamente – Ausgleichmechanismen bei Überhitzung verstärkt oder blockiert

Medikamente können die natürliche Reaktion auf hohe Außentemperaturen, also die Ausgleichsmechanismen, verstärken. Die Folge ist ein kritisch beeinträchtiger Kreislauf.

An erster Stelle zu nennen ist der Blutdruckabfall, der durch blutdrucksenkende Medikamente wie Nitrate, Betablocker, Calciumantagonisten, ACE-Hemmer und AT-Blocker begünstigt wird.

Was man häufig vergisst ist, dass die in der Urologie verwendeten Alpha-Blocker, z.B. Tamsulosin und Dutasterid/Tamsulosin und Doxazosin ebenfalls den Blutdruck senken und hier zu thermoregulatorischen Nebenwirkungen beitragen. Auch die Phosphodiesterase-Hemmer, die als Erektionshilfen von Männern eingesetzt werden, wie z.B. Sildenafil, Vardenafil und Tadalafil, reduzieren gerade in den Sommermonaten den Blutdruck. Das hat nicht selten kritische Folgen.

Medikamente im Sommer – frühzeitig über Nebenwirkungen informieren

Bei hohen Außentemperaturen, auch im Urlaub sollten Sie die Medikamente, die Sie einnehmen, auf Nebenwirkungen bezüglich erhöhter Körpertemperatur überprüfen. Achten Sie im Beipackzettel auf die Nebenwirkung „Fieber“.

Lesen Sie hierzu sorgfältig den Beipackzettel oder die Fachinformation!

Sollten Sie Medikamente einnehmen, die Hitzestress begünstigen, dann ist die erste Maßnahme: Hitzestress im Alltag vorbeugen! Sie sollten auf die Symptome von Hitzestress achten und im Zweifel mit einem Arzt bzw. einer Ärztin sprechen.

Niemals sollten Sie eigenmächtig die Dosis eines Medikamentes anpassen.

 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch