Schlafapnoe-Syndrom – zu wenig Atmung in der Nacht

Das Schlafapnoe-Syndrom ist eine schlafbezogene Atmungsstörung. Beim Schlafapnoe-Syndrom unterscheiden wir die Hypopnoe von der Apnoe. Eine Hypopnoe ist ein verminderter Atemgasfluss bei gleichzeitigem Abfall der Sauerstoffsättigung. Apnoe bedeutet einen kompletten Atemstillstand für mehr als 10 Sekunden.

Die Schlafapnoe ist zum Teil mit einfachen Methoden messbar. Wir bestimmen hier den sogenannten Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI). Dieser misst die Anzahl der Ereignisse an relevanter Apnoe bzw.Hypopnoe pro Stunde. Ab einem Apnoe-Hypopnoe-Index von 5 gilt der Befund als auffällig.

Wenig Sauerstoff in der Nacht hat hohen Adrenalinspiegel zur Folge

Der Abfall der Sauerstoffsättigung bedeutet für Ihren Körper eine erhebliche Stresssituation. Denn Sauerstoff ist lebenswichtig und muss dem Körper Tag und Nacht zugeführt werden. Der Körper kann einen Abfall der Sauerstoffsättigung sehr früh wahrnehmen. Er reagiert dann mit einer Adrenalin-vermittelten Aktivierung, um im wahrsten Sinne des Wortes den Körper wach zu rütteln, sodass er wieder anfängt vernünftig zu atmen. Diese Stressreaktion mit Adrenalin, die in der Nacht bis zu 60 Mal pro Stunde und fast ausnahmslos unbewusst vorkommt, hat erhebliche gesundheitliche Folgen – gerade im Herz-Kreislauf-Bereich.

Schlafapnoe – zentral, obstruktiv oder kombiniert?

Wir unterscheiden grundsätzlich zwei Formen des Schlafapnoe-Syndroms: das zentrale Schlafapnoe-Syndrom und das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom. Beide Formen kommen auch kombiniert vor.

Zentrales Schlafapnoe-Syndrom. Hier liegt ein verminderter Atemantrieb in Ihrem Gehirn vor. Es kommt zur fehlenden Atembewegung von Brustkorb und Bauch, so dass der Atemgasfluss vermindert ist. Das wiederum führt zum bekannten Abfall der Sauerstoffsättigung.

Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom. Hier ist der Atemantrieb komplett normal. Auch eine Atembewegung von Brustkorb und Bauch ist vorhanden. Allerdings sind die oberen Atemwege vorübergehend verlegt. Der Atemgasfluss kann deshalb nicht vernünftig stattfinden, so dass wiederum die Sauerstoffsättigung abfällt. Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom ist die häufigste Form.

Schlafapnoe-Syndrom – Risikofaktoren

Der Hauptrisikofaktor für eine Schlafapnoe ist das Übergewicht. Weil die oberen Atemwege stärker mit Fett unterpolstert sind, treten in Verbindung mit einer schlaffen Muskulatur dann die oben genannten Probleme auf.

Zudem kann abendlicher Alkohol ein Schlafapnoe-Syndrom noch erheblich verstärken. Des Weiteren begünstigen anatomische Besonderheiten, zum Beispiel eine Verlegung durch eine geschwollene Nasenmuschel bzw. geschwollene Rachenmandeln, eine Schlafapnoe.

Schlaftabletten haben ähnlich wie Alkohol eine Schlafapnoe-verstärkende bzw. -auslösende Wirkung.

Nicht zu vergessen ist, dass das Schlafen in Rückenlage die obstruktive Schlafapnoe begünstigt. In einigen Fällen treten die nächtlichen Atmungsstörungen ausschliesslich in Rückenlage auf. Eigentlich ist das mit die erste therapeutische Maßnahme, die wir bei der Diagnose eines obstruktiven Schlafapnoesyndroms empfehlen: Schlafen Sie bitte auf der Seite!

Schlafapnoe-Syndrom – Tagesmüdigkeit, Bluthochdruck, Vorhofflimmern

Meistens ist es der Lebenspartner, der beim Betroffenen das Schlafapnoe-Syndrom bemerkt. Hierbei gilt es auf Schnarchen mit phasenweise tiefen seufzerartigen Atemzügen zu achten. Nicht jedes Schnarchen bedeutet, dass Sie ein Schlafapnoe-Syndrom haben. Entscheidend ist der Nachweis von Hypopnoe- oder Apnoe und der damit verbundene Abfall der Sauerstoffsättigung im Blut, was man nur messtechnisch, z.B. mit der kardiorespiratorischen Polygrafie erfassen kann.

Grundsätzlich gilt, dass der Schlaf nicht erholsam ist, unabhängig von seiner Dauer. Die wiederholt auftretenden nächtlichen Alarm- und Stressreaktionen führen zu einer neuro-vegetativen Dysbalance. Diese äußert sich durch Tagesmüdigkeit mit dem Bedürfnis weniger als 5 Stunden nach dem Erwachen wieder zu schlafen. Gereiztheit und Unkonzentriertheit sind häufig ein Problem.

Für uns in der Cardiopraxis ist es vor allen Dingen der schwer einstellbare Bluthochdruck und Vorhofflimmern ohne klar erkennbare Ursache, die uns an ein Schlafapnoe-Syndrom denken lassen.

Schwere Komplikationen des Schlafapnoe-Syndroms

An erster Stelle hier zu nennen ist der tagsüber auftretende Sekundenschlaf im Straßenverkehr. Eine erhebliche Zahl an Unfällen in Deutschland wird durch den sogenannten Sekundenschlaf am Steuer verursacht – häufig eine Folge eines Schlafapnoe-Syndroms. Es wird geschätzt, dass 25% aller Unfälle auf der Autobahn Folge eines Sekundenschlafs sind.

Der Abfall der Sauerstoffsättigung und die damit verbundene Steigerung des Adrenalinspiegels im Blut hat erhebliche Folgen für Ihr Herz-Kreislaufsystem. Im kardiovaskulären Bereich bereiten vor allem Bluthochdruck sowie Herzrhythmusstörungen wie z.B. Vorhofflimmern Probleme. Allerdings steigt auch das Risiko für einen Herzinfarkt oder auch einen Schlaganfall.

Bei begleitender Koronarer Herzkrankheit ist das Schlafapnoe-Syndrom auch ein Risikofaktor für eine potenziell tödliche Rhythmusstörung: das gefürchtete Kammerflimmern.

Schlafapnoe-Syndrom – daran denken und handeln

Das Schlafapnoe-Syndrom ist also eine Erkrankung, bei der Probleme in der Nacht zu gesundheitlichen Folgen am Tage führen. Sollten Sie bei sich oder einem anderen Menschen Symptome des Schlafapnoe-Syndroms bemerken, dann ist eine orientierende Diagnostik zu Hause, z.B. mit einem tragbaren kardio-respiratorischem Polysomnografiegerät, sinnvoll.

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Blitze – Häufigkeit und Relevanz für die Gesundheit

Blitze sind elektrische Entladungen in der Erdatmosphäre. Sie finden entweder zwischen den Wolken oder zwischen den Wolken und der Erde statt. Die Blitzhäufigkeit in Deutschland betrug z.B. im Jahr 2003 über 2.000.000 Blitze. Das sind 0,5 bis 10 Blitzeinschläge pro Quadratkilometer und Jahr. Die Hauptmonate der Blitzsaison sind Juli und August, 95 Prozent aller Blitze treten zwischen Mai und September auf.

In Deutschland werden 3 bis 7 Todesfälle durch Blitze registriert . Allerdings ist die Anzahl der überlebten Blitzeinschläge nicht bekannt. Die Dunkelziffer ist relevant, weil überlebte Blitzunfälle zu erheblichen Verletzungen und Behinderungen führen können.

Blitzunfall – direkter und indirekter Blitzeinschlag

Der direkte Blitzeinschlag in den Menschen endet fast immer tödlich und entspricht einem Hochspannungsunfall. Dieses Ereignis ist allerdings selten.

Viel häufiger ist der indirekte Blitzschlag. Wir unterscheiden hier die Wirkung über die Schrittspannung, über die Berührungsspannung und über die Überschlagsspannung. Schrittspannung meint, dass sich eine elektrische Spannung zwischen den Beinen entwickelt. Ein Beispiel für Berührungsspannung ist etwa das Festhalten an einem Laternenmast. Und von Überschlagsspannung ist die Rede, wenn Spannung z. B. in unmittelbarer Nähe eines getroffenen Baumes übertragen wird.

Die Druckwelle selbst hat ebenfalls negative Einwirkung auf Ihre Gesundheit. Folglich treten Trommelfellrisse, Verletzungen der Lunge und komplexe Knochenbrüche auf.

Nicht zu vergessen ist die Blendwirkung durch den Blitz, die kurzzeitig einen kompletten Verlust der Sehkraft zur Folge haben kann.

Blitzunfall – Verletzungen durch Blitze

Verletzungen sind bei Blitzunfällen das Hauptproblem.

Beim direkten Blitzeinschlag kommt es zu Verbrennungen an der Ein- und Austrittstelle des Blitzes.

Das Herz kann durch den Blitz geschädigt werden, was gerade in der Akutphase eine kritische Bedeutung haben kann. Im schlimmsten Fall kommt es zu Kammerflimmern mit Herz-Kreislaufstillstand und Tod. Darüber hinaus treten Atemstillstände, Schäden des zentralen Nervensystems und Bewusstlosigkeit auf.

Nerven- und Muskellähmungen sind eine häufige Folge der elektrischen Organschädigung. Diese Phänomene sind meistens vorübergehend und halten in der Regel nur einige Tage an.

Knochenbrüche sind eine sehr häufige Folge von Blitzunfällen: Durch eine Druckwelle wird der Mensch durch die Luft geschleudert. Weil die Muskulatur durch die elektrische Erregung verkrampft, funktionieren Schutzreflexe beim Aufprall teilweise oder komplett nicht. Folglich sind die Knochenfrakturen nach Blitzunfall im Gegensatz zum einfachen Sturz häufig atypisch und komplex (z.B. Trümmerbruch), was meistens die Heilungsphase verlängert.

Als längerfristige Folgen können chronische Schmerzen und dauerhafte Persönlichkeitsstörung verbleiben.

Blitz und Donner – Gefahrenlage durch 30/30-Regel einschätzen

Um Schäden für die Gesundheit und den Tod zu vermeiden, lohnt es sich für Sie, die 30/30 Regel zu erlernen.

30 Sekunden. Beträgt die Dauer zwischen Blitz und Donner 30 Sekunden und weniger, dann ist das Risiko für einen Blitzunfall deutlich erhöht. Das Gewitter ist dann weniger als 10 km entfernt. In diesem Fall sollten Sie immer einen sicheren Ort aufsuchen, auf Sportplätzen z.B. eine Blitzschutzhütte.

Ist die Zeit zwischen Blitz und Donner sogar kürzer als 5 Sekunden, dann besteht unmittelbar Gefahr. Auf dem Golfplatz zum Beispiel dann sofort in die Hocke gehen, am besten in einer Vertiefung, und nicht mehr das entfernte Clubhaus aufsuchen.

Wenn Sie die Entfernung abschätzen wollen, dann zählen Sie die Sekunden zwischen Blitz und Donner und teilen das Ergebnis durch 3. Das zeigt Ihnen ungefähr an, wie viele Kilometer das Gewitter von Ihnen entfernt ist.

30 Minuten. Registrieren Sie 30 Minuten lang keine Gewitteraktivität, d.h. keinen Blitz oder Donner, bedeutet das für Sie Entwarnung. Das Gewitter ist vorüber und Sie können die unterbrochenen Tätigkeiten wieder aufnehmen.

Gewitter – Schutz in Gebäuden und Fahrzeugen

Sollten Sie in der unglücklichen Lage sein, und das kann jeden von uns treffen, nah oder mitten in einem Gewitter zu sein, dann sollten Sie den Schutz von Gebäuden oder Fahrzeugen aufsuchen.

Schutz bieten hier ausschließlich Automobile mit Ganzmetallkarosserie, was der Standard bei PKWs ist. Kein Schutz hingegen bieten Fahrzeuge mit Glasfaserkarosserie, z.B. Wohnmobile sowie Cabriolets ohne Dachgerüst oder Metallüberrollbügel, auch nicht bei verschlossenem Verdeck.

Die Autofahrt sollten Sie pausieren, da durch die Blendwirkung von Blitzen eine deutlich erhöhte Unfallgefahr droht.
Keinen Schutz bieten Motorräder oder Fahrräder. Folglich müssen Sie in diesem Fall mit dem Fahrzeug stehen bleiben und mindestens 5 m Abstand vom abgestellten Zweirad halten.

Blitz in der freien Natur – Abstand halten

Sind Sie während eines Gewitters auf einem freien Feld, dann sollten Sie eine Vertiefung aufsuchen, so dass Sie nicht selbst den höchsten Punkt in der Landschaft bilden. Meiden Sie alle freistehenden Bäume, denn es kann zu Überschlagspannung kommen! Der Spruch „Die Buche suche, der Eiche weiche” ist Unsinn. Waldränder sollten Sie ebenfalls vermeiden. Hat ein Wald etwa gleich hohe Bäume, dann suchen Sie das Waldinnere auf, denn hier ist es am sichersten.

Grundsätzlich halten Sie von größeren Objekten mindestens 5 m Abstand, da das Risiko der Überschlagspannung besteht. Legen Sie auch metallische Gegenstände wie z.B. Golfschläger und Walking-Stöcke weg! Selbstverständlich sollten Sie Wasser unbedingt meiden, denn Wasser hat ja bekanntermaßen eine sehr gute elektrische Leitfähigkeit. Menschengruppen sollten auf keinen Fall zusammenstehen, sondern auch hier sind mindestens 5 m Abstand zwischen den einzelnen Personen einzuhalten.

Blitz in der freien Natur – durch Körperhaltungen die Angriffsfläche verringern

Wenn Sie den Kontakt mit der elektrischen Entladung eines Blitzes vermeiden wollen, sollten Sie möglichst Ihre Angriffsfläche klein halten. Hierfür müssen Sie eine möglichst geringe Körperhöhe in der Landschaft mit einer möglichst geringen Kontaktfläche auf dem Boden kombinieren.

  • Stellen Sie die Füße zusammen!
  • Gehen Sie in die Hocke!
  • Halten Sie die Arme zusammen!
  • Ziehen Sie den Kopf ein!

Legen Sie sich nicht auf den Boden! Das würde ja die Kontaktfläche vergrößern.

Ist ein Mitglied, zum Beispiel Ihrer Wandergruppe, von einem Blitz getroffen worden, dann können und müssen Sie Erste Hilfe leisten. Die Berührung des Blitzschlagopfers ist ohne Gefahr. Setzen Sie als erstes den Notruf 112 ab! Falls erforderlich, bringen Sie den getroffenen Menschen in eine stabile Seitenlage bzw. beginnen Sie mit den Wiederbelebungsmaßnahmen!

Richtig verhalten bei Blitz und Donner – Sieg der Vernunft über die Unvernunft

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Gewitter sehr häufig sind und Blitze durch den Menschen einfach nicht verhindert werden können. Der Mensch muss sich der Natur also anpassen.

Gewitter und damit auch Blitze sind gut akustisch und optisch wahrnehmbar, so dass Sie Vorsorgemaßnahmen in der Regel rechtzeitig ergreifen können.

Bei Gewitter muss die Vernunft über die Unvernunft siegen. Auch wenn es uns nicht passt, die Zeit zum nächsten Termin drängt oder es gar schon dunkel wird: Alle Aktivitäten müssen zugunsten des Blitzschutzes unterbrochen werden.

Das gilt vor allen Dingen für Sportler. Sie müssen sportliche Aktivitäten im Freien abbrechen (Golf, Jogging, Wandern, Fahrradfahren). Der Gedanke oder gar die Ansage an eine Gruppe “das schaffen wir noch” ist grober Unsinn und kann lebensgefährlich sein. Suchen Sie frühzeitig Schutz auf! Sonst war das vielleicht Ihre letzte Golfrunde für eine sehr lange Zeit.

Merken Sie sich die 30/30 Regel!!

Hilfreich bei Freizeitaktivität im Freien ist die App BlitzortungLife.

 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Borrelien werden durch Zecken übertragen

Die Borreliose ist eine durch Zecken übertragene Erkrankung, die auch das Herz angreifen kann. Der Erreger, ein Bakterium, heißt Borrelia burgdorferi und bevölkert den Darm der Zecke. Durch den Zeckenstich und dem damit verbundenem Verdauungsakt gelangt das Bakterium aus dem Darm zu den Beißwerkzeugen und so in das menschliche Gewebe. Die Übertragung findet frühestens nach einigen Stunden Kontaktzeit statt. Folglich ist ein frühes Entfernen der Zecken hocheffektiv und schützt vor der Borreliose.

Zecken in ganz Deutschland verbreitet

Zecken sind in ganz Deutschland verbreitet. Erkrankungen an Borreliose werden vor allen Dingen aus allen ostdeutschen Bundesländern, Bayern, Rheinland-Pfalz und aus dem Saarland an das Robert-Koch-Institut gemeldet. Die Saison für die verschiedenen Zecken beginnt im Frühjahr mit Temperaturen zum Teil schon ab 8 Grad Celsius und dauert bis zum Herbst.

Die Häufigkeit von Borrelien in Zecken ist schwierig zu ermitteln. Wir wissen, dass es beim Menschen nach einem Zeckenstich in 2,6 bis 5,6 Prozent der Fälle zu einer immunologischen Antwort kommt: Antikörper bilden sich. 41 von 100.000 Einwohnern pro Jahr erkranken an Borreliose, die Dunkelziffer ist allerdings unklar.

Borreliose – Symptome nach Tagen bis Wochen

Die Inkubationszeit für eine Borreliose, also bis sich Krankheitssymptome bemerkbar machen, beträgt nach Zeckenstich 3 bis 30 Tage. Ein frühes Symptom ist eine wandernde, ringförmige Rötung an der Stichstelle, das sogenannte Erythema migrans. Später sind dann auch das Nervensystem, die Haut, Gelenke und auch das Herz beteiligt – was erst Monate nach dem ursächlichen Stich auftreten kann.

Herz und Borreliose – Störungen des Herzrhythmus meistens das Problem

In 0,3 bis 4 Prozent aller Fälle ist das Herz bei Borreliose beteiligt – und damit sehr selten. Frauen sind im Gegensatz zu Männern deutlich häufiger betroffen, das Geschlechterverhältnis beträgt 3 zu 1. Die Herzbeteiligung wird ungefähr 3 Wochen nach dem Erythema migrans symptomatisch.

Die wichtigste Form der Herzbeteiligung bei einer Borreliose ist ein blockierter AV-Knoten. Folglich kann es zu einem langsamen Herzschlag kommen. Das Risiko für eine Ohnmacht ist so erhöht. Diese Störung ist allerdings häufig nur vorübergehend, und lediglich in 10 Prozent der Fälle ist eine dauerhafte Schrittmacherimplantation erforderlich.

Weiterhin kommen als Folge der Infektion auch Rhythmusstörungen wie einzelne Extrasystolen vor. Diese können dann auch mal komplexe Formen annehmen, z.B. in Form von Vorhofflimmern.

Eine weitere Form der Herzbeteiligung durch Borrelia burgdorferi ist die Herzbeutel– beziehungsweise Herzmuskelentzündung. Folglich kann auch eine Herzschwäche auftreten.

Borreliose – schwierige Diagnose

Die Diagnostik der Borreliose ist schwierig. Vor allen Dingen muss der Arzt gerade in den Sommermonaten und in den Folgemonaten daran denken.

Für den Kardiologen ist es der neu aufgetretene langsame Herzschlag vor allem bei jungen Menschen, der an eine Borreliose denken lässt. Im Ruhe-EKG oder auch im Langzeit-EKG können wir dann die durchaus flüchtig auftretende AV-Blockierung nachweisen. Auch bei einem Herzbeutelerguss oder einer Herzschwäche ohne erkennbare Ursache sollte man den Verdacht auf eine Borreliose lenken.

Nun muss der Zusammenhang zwischen den Veränderungen am Herzen und einem möglichen Zeckenstich hergestellt werden. Häufig können sich betroffene Personen zunächst nicht an einen Zeckenstich erinnern. Manchmal war es nur eine Wanderung durch ein waldreiches Gebiet vor einigen Wochen, und die Zecke wurde gar nicht bemerkt.

Als frühes Symptom kommt das Erythema migrans nur in 50 Prozent der Fälle vor. Der Antikörpernachweis im Blut ist bei der Interpretation im Hinblick auf eine akute Erkrankung schwierig. Ein Antikörper-Test wird daher nur bei einem begründeten klinischen Verdacht durchgeführt.

In der Frühphase der Erkrankung kann der Antikörper-Test ein negatives Ergebnis hervorbringen – hier besteht eine diagnostische Lücke. Daher sollte bei klinisch begründetem Verdacht trotzdem eine Behandlung in Erwägung gezogen werden. An Herzdiagnostik führen wir ein EKG, ein Langzeit-EKG, einen Herzultraschall und häufig auch ein MRT durch.

Die Lyme-Borreliose wird mit Antibiotika über 3 bis 4 Wochen behandelt. In sehr seltenen Fällen kann ein vorübergehender Herzschrittmacher erforderlich sein. In 10 Prozent der Fälle mit AV-Blockierung ist eine dauerhafte Schrittmacherimplantation nötig.

Zeckenbiß –  richtig vorbeugen ist bester Schutz

Bei der Borreliose ist der Schutz vor Zecken die wichtigste Vorbeugung. Beispielsweise sollten Sie im Wald auf festen Wegen bleiben, lange Hosen und feste Schuhe tragen. Nach einem Aufenthalt in der freien Natur, sei es auf einer hochgrasigen Wiese, im Wald oder auch in Ihrem eigenen Garten, suchen Sie den Körper nach Zecken ab. Das ist vor allen Dingen bei Kindern wichtig. Achten Sie auf Kopf, Hals, die Unterseite der Arme einschließlich der Achseln und schauen Sie in den Kniekehlen und im Genitalbereich nach!

Zeckenbiß – richtig handeln

Die Zecke sollten Sie dann rasch entfernen, am besten mit einer Zeckenpipette. Diese wird unterhalb des Zeckenkopfs im Hautniveau angesetzt und die Zecke wird unterhalb des Körpers gegriffen. NIEMALS sollten Sie den vollgesaugten Zeckenkörper greifen. Als nächstes ziehen Sie die Zecke vorsichtig und gerade heraus. NICHT die Zecke herausdrehen, denn sonst bleiben Teile der Zecke in Ihrer Haut. Abschließend desinfizieren Sie die Einstichstelle gründlich und beobachten sie den Hautbereich in den nächsten Wochen!

 

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Vorhofflimmern – unterschiedliche Formen und Behandlung

Vorhofflimmern ist die häufigste behandlungsbedürftige Herzrhythmusstörung. Zirka 1 bis 2 % aller Menschen in Deutschland sind betroffen. Vorhofflimmern erhöht das Risiko für einen Schlaganfall um das 5-fache, 20 bis 25% aller Schlaganfälle sind auf diese Rhythmusstörung zurückzuführen.

Wir unterscheiden verschiedene Formen:

  • Paroxysmales Vorhofflimmern ist anfallsartig und endet spontan. Die Anfälle können Minuten bis Stunden oder Tage anhalten.
  • Persistierendes Vorhofflimmern endet nicht spontan. Der unregelmäßige Rhythmus lässt sich allerdings aktiv durch Medikamente beziehungsweise durch eine elektrische Kardioversion in den Sinusrhythmus überführen.
  • Permanentes Vorhofflimmern ist eine akzeptierte dauerhafte Rhythmusstörung, ein normaler Sinusrhythmus lässt sich nicht mehr herstellen.

Vorhofflimmern – Ziele der Behandlung

Das Hauptziel bei Vorhofflimmern ist es, einen Schlaganfall zu verhindern. Darüber hinaus gilt es, Ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten und insgesamt symptomfrei zu bleiben. Der Sinusrhythmus ist die beste Therapie.

Um Vorhofflimmern vorzubeugen, ist es wichtig, die Auslösebedingungen zu modulieren. Wir sprechen dabei vom sogenannten Up-stream-Ansatz. Hierzu zählen die Modulation des vegetativen Nervensystems und die Vermeidung von Triggern, wie zum Beispiel Alkohol, Schlafentzug und Übergewicht. Die medikamentöse Therapie trägt ebenfalls dazu bei Vorhofflimmern vorzubeugen.

Lang anhaltendes paroxysmales oder persistierendes Vorhofflimmern – mehrere Möglichkeiten der Behandlung

Eine besondere Herausforderung ist die Behandlung von seltenen Ereignissen beim persistierenden Vorhofflimmern bzw. beim lange anhaltenden paroxysmalen Vorhofflimmern, welches erst nach vielen Stunden oder Tagen wieder spontan in den Sinusrhythmus zurückspringt. Selten heißt hier: 1 bis maximal 12 Episoden pro Jahr, die ohne eine medizinische Intervention nicht innerhalb von Stunden spontan enden. Hier stehen grundsätzlich 4 Optionen zur Verfügung:

  • Medikamentöse Dauertherapie
    Die tägliche Einnahme von Rhythmusmedikamenten hat den Nachteil, dass an den meisten Tagen die Einnahme des Medikamentes umsonst ist und es zusätzlich zu mehr Nebenwirkungen kommt.
  • Medikamentöse Bedarfsmedikation
    Beim Pill-in-the-Pocket-Konzept erfolgt die Einnahme der Rhythmusmedikamente bedarfsabhängig, das heißt bei Einsetzen des Vorhofflimmerns. Dadurch werden Nebenwirkungen reduziert. In der Regel werden bedarfsabhängig nur Rhythmusmedikamente (Flecainid oder Propafenon) eingesetzt. Eine blutverdünnende Therapie, die den Schlaganfall wesentlich verhindert, ist häufig schon Teil der Dauertherapie beziehungsweise erfolgt nach Rücksprache mit dem Arzt.
  • Elektrische Kardioversion
    Lässt sich mit medikamentösen Maßnahmen ein Sinusrhythmus nicht wieder herstellen, dann ist in 90% der Fälle eine elektrische Kardioversion erfolgreich. In Kurznarkose wird mittels eines Elektroschocks mit niedriger Energie das Vorhofflimmern in den Sinusrhythmus überführt.
  • Katheterablation
    Bei symptomatischen und häufigen Episoden wird eine Katheterablation in Erwägung gezogen. Dabei handelt es sich um eine Katheter-gestützte Verödung des Vorhofflimmerns. Die Erfolgsrate ist hoch, allerdings ist es auch ein invasiver Eingriff mit einer Komplikationsrate.

Medizinische Voraussetzung für das Therapiekonzept „Pill-in-the-Pocket“

Wird ein Pill-in-the-Pocket-Konzept ärztlich indiziert, dann liegt ein symptomatisches anfallartiges Vorhofflimmern vor. Man konnte bereits nachweisen, dass die Rhythmusmedikation unter ärztlicher Kontrolle wirksam Vorhofflimmern in den Sinusrhythmus überführt.

Dieses Vorgehen ist nur sinnvoll für strukturell herzgesunde Menschen. Das Pill-in-the-Pocket-Konzept eignet sich NICHT für Menschen mit koronarer Herzkrankheit, z.B. nach einem Herzinfarkt, bei einer schweren Herzklappenerkrankung oder Herzschwäche sowie bei schweren Herzrhythmusstörungen, die ihren Ursprung in den Herzhauptkammern haben.

Vor dem Anfall Vorhofflimmern – „Pill-in-the-Pocket“ vorbereiten

Gemeinsam mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin sollten Sie einen genauen SCHRIFTLICHEN PLAN erstellen.

Folgende Fragen sind zu klären:

  • Was tue ich, wenn ich das Vorhofflimmern nicht toleriere (z.B. bei Benommenheit, Luftnot)?
  • Welches Rhythmusmedikament soll ich wann und wie einnehmen?
  • Was tun, wenn die Herzfrequenz über 100 Schlägen/min liegt?
  • Wie verhalte ich mich, wenn nach 6 Stunden kein normaler Rhythmus vorliegt?
  • Wie verhalte ich mich, wenn nach 6 Stunden kein normaler Rhythmus vorliegt und die Herzfrequenz über 100 liegt?
  • Wann nehme ich einen Blutverdünner ein?

Mit Ihrem Kardiologen klären Sie in jedem Fall auch die Kommunikationswege, also wie Sie ihn am besten erreichen, eventuell per E-Mail oder Textmessaging.

In der Regel werden von Ihnen 3 Medikamente in kleiner Packungsgröße vorgehalten:

  • Rhythmusmedikament (Flecainid zu 100 mg oder Propafenon zu 300 mg)
  • Herzfrequenzbremser ist in der Regel ein Beta-Blocker (z.B. Metoprolol 47,5 mg)
  • Blutverdünner, falls noch nicht in der Basismedikation (z.B. Eliquis 5 mg, Lixiana 60 mg etc.)

Sie sollten die Medikamente greifbar so lagern, dass Sie sie in 30 bis 60 Minuten erreichen können. Das kann die Kulturtasche, das Handschuhfach im Pkw oder auch die Büroschublade sein. Folglich ist es natürlich auch sinnvoll, die Medikamente mit auf Reisen zu nehmen.

Akuter Anfall Vorhofflimmern – Pill-in-the-Pocket durchführen

Haben Sie das Gefühl, dass Sie Vorhofflimmern haben, z.B. durch Unruhe oder Wahrnehmung eines unregelmäßigen und/oder schnellen Herzschlages? Dann müssen Sie das Vorhofflimmern bestätigen. Entweder über Tasten des Pulses oder noch besser über die Ableitung eines 1-Kanal-EKGs, zum Beispiel mit Kardia Mobile bzw. Kardia Band von AliveCor oder der Apple Watch.

Die erstmalige Einnahme von Rhythmusmedikamenten sollte unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Nur so können die Wirksamkeit eines Rhythmusmedikaments nachgewiesen und Nebenwirkungen ausgeschlossen werden. Wenn Sie das Pill-in-the-Pocket-Konzept selbstständig durchführen, dann muss das immer nach dem ärztlichen Verordnungsplan geschehen.

Sie nehmen die Medikamente im Sitzen ein, da in seltenen Fällen Kreislaufprobleme auftreten. In der Regel beträgt die Dosis der Einmalgabe 200 bis 300 mg Flecainid oder 450 bis 600 mg Propafenon. NIEMALS nehmen Sie beide Medikamente gleichzeitig oder in kurzer Folge zu sich. Falls die Herzfrequenz erhöht ist, kombinieren Sie das Rhythmusmedikament nach Absprache mit Ihrem Arzt bzw. nach Plan mit einem Betablocker.

Die Erfolgsquote des „Pill-in-the-Pocket“-Konzeptes liegt nach 1 bis 2 Stunden bei ca. 80 %.

„Pill-in-the Pocket“ – Verhalten bei Erfolg und Misserfolg

Erfolgreiche medikamentöse Kardioversion. Ist die medikamentöse Überführung von Vorhofflimmern in den Sinusrhythmus erfolgreich, dann können Sie Ihre Alltagsaktivitäten wie gewohnt fortsetzen. Bei zunehmender Häufigkeit der Episoden, z.B. mehrmals im Monat, sollten Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt kontaktieren. Nehmen Sie die Rhythmusmedikamente nicht mehrmals am Tag ohne Rücksprache ein.

Erfolglose medikamentöse Kardioversion. Bei einem fortbestehenden Vorhofflimmern dürfen Sie die Dosis nicht eigenmächtig steigern oder wiederholen. Rhythmusmedikamente können vor allen Dingen bei zu hoher Dosis schwerwiegende Nebenwirkungen verursachen. Es gilt nun die kurzfristigen Sekundärziele zu erreichen. Damit meinen wir Herzfrequenzkontrolle, Symptomarmut bzw. Symptomfreiheit sowie die Vorbeugung eines Schlaganfalls. Ab 48 Stunden nach Einsetzen des Vorhofflimmerns steigt das Schlaganfallrisiko.

Diese Sekundärziele sind:

  • Herzfrequenzkontrolle: Die Herzfrequenz sollte unter 100 Schlägen/min liegen. Ist das nicht der Fall, dann nehmen Sie den Betablocker nach Plan beziehungsweise nach Rücksprache ein.
  • Symptomarmut bzw. – freiheit sollte gegeben sein.
  • Schlaganfall vorbeugen: Sie nehmen einen Gerinnungshemmer nach Plan bzw. nach Rücksprache.

Falls Sie die Sekundärziele erreichen, dann genügt eine mittelfristige Vorstellung beim Arzt, z.B. nach dem Wochenende oder dem Urlaub. Falls Sie die Sekundärziele allerdings nicht erreichen (siehe oben), dann müssen Sie sich am selben Tag noch beim Kardiologen bzw. auf einer Notaufnahmestation vorstellen.

„Pill-in-the-Pocket“ – ein Fallbericht aus dem Alltag

In der Cardiopraxis betreuen wir regelmäßig Menschen, die mit sehr gutem Erfolg „Pill-in-the-Pocket“ bei Vorhofflimmern durchführen. Hier ein Beispiel aus unserem Arbeitsalltag.

Vorteile des „Pill-in-the-Pocket“-Konzeptes

Durch das „Pill-in-the-Pocket“-Konzept sind jahrelange stabile Verläufe möglich. Nach erfolgreicher Durchführung nehmen Ihre Sicherheit und Vertrauen zu und damit auch Ihre Unabhängigkeit. So werden z.B. Fernreisen psychologisch wieder möglich. Wenn Ihre Episoden häufiger werden, ist es ratsam das Konzept gemeinsam mit Ihrem Kardiologen zu überdenken und eine Katheterablation in Erwägung zu ziehen.

Langfristig sollten Sie immer beachten, dass kardiologische Kontrollen alle 6 bis 12 Monate erforderlich sind. Wenn sich die Situation ändert oder neue Symptome auftreten, sollten Sie sich vorzeitig vorstellen. Der Medikamentenplan muss immer überprüft werden, wenn ein zusätzliches Medikament in die Behandlung eingeführt wird.

 

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Ibuprofen und Bluthochdruck – der Blutdruck schwankt stark

32,4 % der Menschen in Deutschland über 20 Jahren haben Bluthochdruck. Diese Herz-Kreislauferkrankung ist ein hoch-relevanter gesundheitlicher Risikofaktor, z.B. für das Auftreten eines Herzinfarktes.

In der Cardiopraxis erfassen wir durch die Kreislaufmessung mit dem FinapresⓇ-System nicht nur den Blutdruck, sondern auch den Blutfluss und gleichzeitig messen wir auch Ihre Körpertemperatur. Das zeigt uns nicht nur besser, wie Ihr Blutdruck reguliert wird, sondern auch wie Ihr Temperaturregelkreis – und damit Ihr Stoffwechsel – gesteuert wird. So können wir die Ursachen des erhöhten Blutdrucks sehr häufig besser erkennen und erfolgreich behandeln.

Zu uns in die Cardiopraxis kommen sehr häufig Menschen, die angeben, dass ihr Blutdruck „spinnt”, weil er besonders stark schwankt: mal ist er niedrig, mal sehr hoch. Auf genauere Befragung geben zahlreiche Betroffene an, dass sie in letzter Zeit das Schmerzmittel Ibuprofen in Tagesdosen von 400 bis 2.400 mg einnehmen.

Mit Ibuprofen, dem „Marktführer“ unter den Schmerzmitteln, haben wir in der Cardiopraxis umfangreiche messtechnische Erfahrungen. Denn bei der Kreislaufmessung bestimmen wir nicht nur Blutdruck, sondern auch Blutfluss und Körpertemperatur. Allein vom rezeptfreien Ibuprofen bis 400 mg wurden im Jahr 2017 in Deutschland 51 Millionen Packungen verkauft, der Umsatz betrug 320 Millionen Euro.

Ibuprofen – der Blutdruck steigt

In einer sogenannten Placebo-kontrollierten Doppelblind-Studie konnte man bei 444 Menschen mit einem durchschnittlichen Alter von 62 Jahren zeigen, dass mittlere Dosen an Ibuprofen (600-800 mg) und Naproxen (375-500 mg) den Blutdruck steigern

. Das galt vor allen Dingen für den systolischen Blutdruck mit durchschnittlich 3,4 mmHg (Ibuprofen) und 1,9 mmHg (Naproxen). Dies mag gering erscheinen, allerdings war der Pulsdruck, d.h. die Differenz zwischen systolischem und diastolischem Druck, ebenfalls erhöht. Das weist indirekt darauf hin, dass der Blutfluss relevant ansteigt – und damit auf eine Adrenalin-vermittelte Aktivierung.

Das besondere an der Untersuchung war, dass alle Studienteilnehmer ursprünglich einen normalen Blutdruck hatten. Nach einem Behandlungsintervall von 4 Monaten erfüllten in der Ibuprofen-Gruppe 23,2% und in der Naproxen-Gruppe 19% die Kriterien eines Bluthochdrucks. Nun fragten wir uns, welche Mechanismen hinter dem gestiegenen Blutdruck stecken.

 

Ibuprofen – nicht nur Schmerzmittel, sondern auch „Fiebersenker”

Ibuprofen ist nicht nur ein sehr gutes Schmerzmittel, sondern auch ein sehr guter Fiebersenker. Sie kennen das sehr gut, wenn Sie oder Ihre Kinder mal einen hochfieberhaften Infekt haben. Innerhalb von ca. 30 Minuten nach Einnahme schlägt das Herz schneller und kräftiger, Sie beginnen zu schwitzen und die Körpertemperatur fällt, z.B. von 40,0 auf 38,5 Grad Celsius.

Ibuprofen – Regelkreise für Körpertemperatur und Blutdruck

Nun, Ibuprofen greift auch bei normaler Körpertemperatur in die Regulation Ihres Temperaturhaushaltes ein. Genauso wie beim fieberhaften Infekt senkt Ibuprofen den Sollwert für die Körpertemperatur, z.B. von 36,5 auf 36,0 Grad Celsius. Folglich will der Körper nun mehr Wärme abgeben. Am besten macht er das, indem er die Haut stärker durchblutet. Die Blutgefäße werden weitgestellt und so wird vermehrt Blut aus dem warmen Körperkern über die Körperoberfläche zirkuliert, so dass mehr Wärme an die Umgebung abgestrahlt wird.

Sind die Blutgefäße thermoregulatorisch weitgestellt, dann greift das auch in Ihre Blutdruckregulation ein – der Blutdruck sinkt zunächst. Der Blutdruckregelkreis hat ebenfalls einen Sollwert. Sein Ziel ist es zu jedem Zeitpunkt Ihr Gehirn richtig zu durchbluten. Fällt der Blutdruck durch die Weitstellung der Arterien ab, dann muss der der Regelkreis der Blutdruckregulation reagieren – sonst verlieren Sie das Bewusstsein.

Folglich versucht das vegetative Nervensystem über Ausgleichssysteme den Blutdruck adäquat hoch zu halten. Bei weit gestellten Blutgefäßen funktioniert das vor allen Dingen, indem die Herzfrequenz und Pumpkraft des Herzens steigen. Diese Reaktion wird über Adrenalin vermittelt.

Adrenalin im Übermaß kann wiederum schädliche Auswirkungen auf  Ihr Herz-Kreislaufsystem haben. Der beschriebene Mechanismus erklärt auch, warum unter Ibuprofen vermehrt Herzinfarkte und der plötzliche Herztod auftreten: zu viel Adrenalin begünstigt, dass Arterien verkrampfen, sich Blutgerinnsel bilden und Herzrhythmusstörungen ausgelöst werden.

Ibuprofen – Nebenwirkung „der Blutdruck spinnt”

Ihr Kreislauf ist durch den niedrigen Gefäßwiderstand, der ja die Ursache für den hohen Blutfluss ist, extrem „kippelig” und störanfällig. Als Folge des Wechselspiels „Bedürfnis nach erhöhter Temperaturabgabe“ und „Blutdruck aufrechterhalten“ gerät der Blutdruck aus dem Gleichgewicht. Ihr Blutdruck schwankt stärker, mal ist er niedrig, mal ist er zum Teil sehr hoch: Der „Blutdruck” spinnt.

Das erklärt auch eine Reihe von Nebenwirkungen von Ibuprofen:

Ibuprofen – Vorsicht bei Herz-Kreislauferkrankungen

Gerade, wenn Sie Herzrhythmusstörungen, eine Koronare Herzkrankheit oder einen Bluthochdruck haben, dann sollten Sie im Umgang mit Ibuprofen vorsichtig sein.

Wir empfehlen in diesen Fällen als Tagesdosis max. 1.200 mg Ibuprofen über einen möglichst kurzen Zeitraum. Eine Alternative ist Paracetamol.

Sollten sich Ihr Befinden verändern – und hier reicht schon eine zunehmende innere Unruhe – dann besprechen Sie Ihre Schmerzmedikation mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

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Ruschitzka F et al. Eur Heart J 2017;38:3282-3292

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Ibuprofen und Schmerzen – Risiko für plötzlichen Herztod erhöht

Schmerzen kennt jeder von uns. Wenn wir Schmerzen haben, dann sind wir in unseren körperlichen, vor allen Dingen aber auch geistigen Fähigkeiten zum Teil erheblich eingeschränkt. Der Schmerz steht meistens voll im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit, er besetzt unser Leben. Wir sind zunehmend mit dem Schmerz und uns selbst beschäftigt. Bei Schmerzen sind wir sind häufig nicht mehr unser gewohntes Selbst, nicht nur für uns selber, sondern auch für andere Menschen. Kurzum, wir drohen die Kontrolle zu verlieren. Unruhe, Angst und Gereiztheit bestimmen unseren Alltag.

Folglich ist es nur allzu verständlich, dass Menschen zu Schmerzmitteln greifen, um diesem Teufelskreis zu entkommen. Rezeptfrei ist vor allen Dingen Ibuprofen ein „beliebtes“ Schmerzmittel in Deutschland. Der Marktanteil an den nicht-steroidalen Schmerzmittel war 2017 mit 57,7% mit Abstand am höchsten, weit vor Paracetamol mit 30,6%, Acetylsalicylsäure mit 7,3% und Diclofenac mit 4,1%. Diese Präparate sind, so gut sie auch gegen Schmerzen helfen, nicht ohne Folgen für das Herz-Kreislaufsystem.

Ibuprofen und Diclofenac – Risiko für plötzlichen Herztod um 30-50% erhöht

In einer groß angelegten Fall-Kontrollstudie aus Dänemark bei 28.947 Menschen, die zwischen 2001 und 2010 einen plötzlichen Herztod erlitten hatten, konnte vor allen Dingen für Ibuprofen und Diclofenac ein erhöhtes Risiko eindrucksvoll belegt werden. In dieser Gruppe hatten 3.376 Personen in den 30 Tagen vor dem plötzlichen Ereignis ein sog. nicht-steroidales Schmerzmittel eingenommen.

Das Risiko für den plötzlichen Herztod war dabei für Ibuprofen mit +31% und Diclofenac mit +50% deutlich erhöht. Andere Schmerzmittel, wie z.B. Naproxen wurden zwar auch untersucht, fielen allerdings nicht so sehr ins Gewicht, weil sie in Dänemark nicht so häufig eingenommen werden.

Die betroffenen Menschen waren im Mittel 70 Jahre alt. Gerade bei solchen, die ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod durch Begleiterkrankungen hatten, wurde das Risiko durch die Einnahme von Diclofenac und Ibuprofen noch weiter gesteigert. Folglich sind auch jüngere Menschen, die ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod gefährdet.  Zu diesen Risikopatienten gehören solche mit Koronarer Herzkrankheit bzw. Zustand nach Herzinfarkt, solche mit Herzschwäche, mit vorbekannten Rhythmusstörungen aber auch Menschen mit Verkalkungen der Hirnarterien sowie diejenigen mit Nierenerkrankungen und rheumatoider Arthritis.

Schmerzen – Risiko Adrenalin-vermittelte Aktivierung durch Schmerzstress

Schmerzen alleine haben schon eine vermehrte Adrenalin-vermittelte Aktivierung zur Folge. Das liegt ja auch in der Natur dieser Körperwahrnehmung, den Schmerzen sind für uns ein wertvolles Warnsignal. Folglich werden wir durch die Schmerzen aufgefordert etwas gegen die Ursachen zu tun.

Adrenalin als Teil des Angriff-/Flucht-Systems, stimuliert körperliche und geistige Aktivität. Allerdings hat das auch Konsequenzen für das Herz-Kreislaufsystem. Es ist typisch, dass Schmerzen Blutdruckerhöhungen bis hin zur Blutdruckkrise zur Folge haben und sie können sogar Herzinfarkte auslösen. Nicht selten kommen Menschen auch zu uns in die Cardiopraxis, bei denen Schmerzen zu Herzstolpern und auch fassbaren Herzrhythmusstörungen im EKG zur Folge hat.

Ibuprofen – Risiko Adrenalin-vermittelten Aktivierung durch Eingriff in Temperaturregulation

Neben seiner Eigenschaft als Schmerzmittel ist Ibuprofen auch ein hoch-effektiver Fiebersenker und damit auf die Regulation Ihrer Körpertemperatur. Dieses geschieht zentral im Gehirn über eine Verstellung des Sollwerts nach unten, z.B. von normalerweise 36,5 Grad Celsius auf 36,0 Grad Celsius. Nun versucht Ihr Körper schon bei niedrigeren Körpertemperaturen Wärme an die Umgebung abzugeben. Das geschieht am besten reguliert über eine Steigerung der Durchblutung und damit eine Weitstellung der Arterien.

Weil die Gefäßerweiterung zum Blutdruckabfall führt, muss nun über eine Steigerung von Herzfrequenz und Pumpkraft des Herzens der Blutdruck adäquat hochgehalten werden. Das geschieht wieder Adrenalin-vermittelt. Ibuprofen kann durch eine übermäßige Adrenalin vermittelte Aktivierung auch Bluthochdruck zur Folge haben.

Ibuprofen – Symptome durch Kreislaufstörungen erklärbar

Nun haben wir gesehen, dass sowohl Schmerzen als auch Ibuprofen über die Eingriffe in die Temperatur- und die Blutdruckregulation Folgen für Ihr Herz-Kreislaufsystem haben können. Aufgrund dieser Mechanismen lassen Sich auch eine ganze Reihe von Nebenwirkung von Ibuprofen erklären

Einnahme von Ibuprofen bei Herz-Kreislauferkrankungen

In der Cardiopraxis raten wir Menschen mit Bluthochdruck, Koronarer Herzkrankheit, Zustand nach Herzinfarkt und Herzrhythmusstörungen grundsätzlich zu einer möglichst kurzen Behandlung mit Ibuprofen. Sie sollten eine Tagesdosis von 1.200 mg nicht überschreiten. Das Risiko für Komplikationen ist aus unserer Sicht besonders bei Menschen mit einem hohen Blutfluss in der Kreislaufmessung erhöht, weil hier das Herz- und Kreislaufsystem bereits Adrenalin-vermittelt aktiviert.

Bei chronischen Schmerzen ist es sinnvoll mit einem fachlich spezialisierten Schmerztherapeuten zusammen zu arbeiten.

Sollten Sie Ibuprofen einnehmen, dann achten Sie bitte auf die oben genannten Symptome, vor allen Dingen auf neu aufgetretene innere Unruhe, Gereiztheit, Benommenheit und Schlaflosigkeit. Hier können sich ernsthafte Folgen ankündigen.

Sie können dann mit Ihrer Ärztin oder Ärzten sprechen, ob Sie z.B. Paracetamol oder Aspirin einnehmen sollten. Auf jeden Fall ist es für Sie sinnvoll bei gleichzeitiger Einnahme von Ibuprofen ausreichend Trinken (30-40 ml pro kg Körpergewicht und Tag), denn ausreichende Flüssigkeitszufuhr beruhigt das vegetative Nervensystem.

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Sondergaard KB et al. Eur Heart J Cardiovasc Pharmacother 2017;3:100-107

 

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Vorhofflimmern früh erkennen – Schlaganfall verhindern

Ein Schlaganfall ist ein gravierendes Ereignis, häufig genug mit bleibenden Folgen für die körperliche, geistige und seelische Selbstbestimmtheit. Auch wir und er Cardiopraxis sind immer wieder sehr betroffen, wenn ein Patient mit einem Schlaganfall zu uns kommt. Folglich unternehmen wir alle Anstrengung um bei den Menschen, die wir betreuen einen Schlaganfall in der Zukunft zu verhindern.

Vorhofflimmern häufig in der Praxis unerkannt

Da gerade bei Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen, wie z.B. nach Herzinfarkt oder Bluthochdruck Vorhofflimmern eine sehr häufige Ursache für einen Schlaganfall ist, nutzen wir selbstverständlich auch die herkömmlichen Methoden zur vorbeugenden Diagnostik. Dazu gehören das bekannte Ruhe-EKG, das Langzeit-EKG, das Belastungs-EKG und zur Risikostratifizierung auch der Herzultraschall.

Weil Vorhofflimmern häufig ohne Symptome und/oder nur kurzzeitig anfallsartig auftritt, können wir anläßlich eines Besuchs in der Praxis Vorhofflimmern häufig nicht feststellen.

Ein Weg dieser diagnostischen Lücke zu begegnen ist die Selbstmessung durch die potentiell Betroffene. Methoden zur selbständigen Erfassung von Vorhofflimmern reichen dabei von der Pulstastung bis hin zur der Ableitung eines 1-Kanal-EKGs über ein Smartphone.

Pulstastung auf Regelmäßigkeit erlernbar und ein erster wichtiger Schritt

Einen Schlaganfall können Sie selbst verhindern: Tasten Sie Ihren Puls auf Regelmäßigkeit! Denn der Tastbefund gibt einen wertvollen Hinweis darauf, ob Sie zu den rund 1,7 Mio. Menschen in Deutschland mit der Diagnose Vorhofflimmern gehören. Ihr Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, ist 5x so hoch wie normal – bis zu 25% aller Fälle werden durch Vorhofflimmern verursacht!

In der Tat können Sie das  Pulstasten bei guter Schulung und mit etwas Geduld ziemlich zuverlässig selber lernen. Folglich können Sie in  92% aller Fälle Vorhofflimmern durch diese einfache Methode richtig erkennen. Im Gegensatz zum normalen, regelmäßig schlagenden Puls zeichnet sich Vorhofflimmern durch absolute Unregelmäßigkeit aus.

Von der Pulsabfolge sieht das in etwa so aus:

Normaler = regelmäßiger Puls:
__I__I__I__I__I__I__I__I__I__I__I__I

Einzelne elektrische Extrasystolen = regelmäßiger Grundrhythmus + mechanische Pausen:
__I__I__I_____I__I__I__I__I__I__I__I

Vorhofflimmern = absolute Unregelmäßigkeit („Morse-Code“):
__I_I____I__I_____I_I_I___I__I____I

Im letzten Fall sollten Sie noch am selben Tag ein EKG beim Arzt schreiben lassen! Das Risiko für einen Schlaganfall steigt 48 Stunden nach Einsetzen von Vorhofflimmern bedeutsam an.

Folglich empfehlen Risikopatienten für Vorhofflimmern grundsätzlich 2x pro den Puls auf Regelmäßigkeit zu tasten.

Eine weitere wichtige Anwendungsmöglichkeit der Pulstastung ist das „Pill-in-the-Pocket“ – Konzept zur selbstständigen Überführung von Vorhofflimmern in den normalen Sinusrhythmus.

 

? Taggar JS et al. Eur J Prev Cardiol 2016;23:1330-38

 

…..weiter im Selbsthilfekurs.

 

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Herzstolpern – unterschiedliche Arten von Rhythmusstörungen

Herzstolpern, schneller Herzschlag, langsamer Herzschlag und kräftiger Herzschlag. Das sind alles Symptome, mit denen Menschen zu uns in die Cardiopraxis kommen und um Rat und Tat fragen. So geht es dann erst einmal um die Häufigkeit  des Pulses, denn das gibt uns schon wichtige Hinweise auf den Zustand des Herz-Kreislauf-Systems. Darauf folgen dann die Fragen zur Regelmäßigkeit des Pulses. Immer simulieren wir dann auch akustisch die verschiedenen Rhyhtmusstörungen und können so schon ziemlich sicher abschätzen, um welche Art von Rhythmusstörung es sich handelt.

Sie können uns dabei unterstützen, wenn Sie selber den Puls regelmäßig tasten. Mit ein bisschen Übung kann das jeder schaffen.

So tastet man den Puls richtig

  • nach 5 bis 10 Minuten Ruhe
  • mit Zeige- und Mittelfinger den Puls kurz oberhalb des Handgelenkes an der Daumenseite aufsuchen
  • leichten Druck ausüben, bis man den Puls tastet
  • Puls 30 Sekunden lang zählen, das Resultat mal 2 multiplizieren = Puls pro min (bpm)

Geschwindigkeit des Pulses ergibt Rückschlüsse auf Herz-Kreislauferkrankungen

Eine Geschwindigkeit zwischen 50 und 100 bpm gilt als normal.

Falls der Puls unter 50 ppm liegt, dann kann das in Verbindung mit Symptomen wie Benommenheit, Einschränkungen der Leistungsfähigkeit oder Luftnot auf eine relevante Störung hindeuten. Hier müssen, falls vorhanden die Medikamente überprüft werden. In Einzelfällen kann eine Rhythmusstörung vorliegen, die eine Implantation eines Herzschrittmachers erforderlich macht.

Falls der Puls über 100 bpm liegt und regelmäßig ist, dann kann in Einzelfällen eine Rhythmusstörung die Ursache sein. Viel häufiger ist allerdings eine zu geringe Trinkmenge, die kompensatorisch zu einem erhöhten Puls führt. Aber auch Stoffwechselstörungen, wie z.B. eine Überfunktion der Schilddrüse und nicht zuletzt Fieber verursachen einen beschleunigten Herzschlag.

Art der Unegelmäßigkeit des Pulses deutet auf  unterschiedliche Herzrhythmusstörungen hin

Wichtig ist aber auch die Regelmäßigkeit des Pulses. Hier kann es große Unterschiede geben

  • Ein regelmäßiger Puls gilt als normal – und sieht so aus:

__I__I__I__I__I__I__I__I__I__I__I__I

__I__I__I_____I__I__I__I__I__I__I__I

  • Absolute Unregelmäßigkeit („Morse-Code“) besteht z. B. bei Vorhofflimmern. Vorstellen kann man sich das so:

__I_I____I__I_____I_I_I___I__I____I

Alle Menschen über 65 Jahre und die, die weitere Risikofaktoren für Vorhofflimmern haben, sollten 2x pro Woche den Puls auf Regelmäßigkeit tasten. Absolute Unregelmäßigkeit könnte auf Vorhofflimmern hinweisen und damit auf ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko. In diesem Fall noch am selben Tag ein EKG beim Arzt schreiben lassen!

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Risiko für Vorhofflimmern – Schlaganfall aktiv verhindern

Vorhofflimmern ist die Ursache für 20 bis 25% aller Schlaganfälle. Fast jeden 10. Menschen kann es im Laufe des Lebens treffen. Herkömmlichen Methoden zur Erfassung von Vorhofflimmern, wie Ruhe-EKG und Langzeit-EKG können anfallsartiges Vorhofflimmern häufig nicht erfassen. Weiterhin erschwert wird die Diagnose dadurch, dass eine große Zahl Menschen von Vorhofflimmern dieses subjektiv gar nicht merken. Nicht selten wird Vorhofflimmern erst erkannt, wenn ein Schlaganfall aufgetreten ist.

Sie sollten Ihr individuelles Risiko kennen

Ihr persönliches Risiko sollten Sie, falls vorhanden mit einem Kardiologen oder einer Kardiologie besprechen. Dabei ist es wichtig über die Symptome von Vorhofflimmern gemeinsam zu sprechen. Die Untersuchungsintervalle sollten für die Zukunft festgelegt werden.

Puls auf Regelmäßigkeit tasten

Einen wertvollen Hinweis kann der Puls geben: Ist er absolut unregelmäßig wie bei einem Morse-Code, deutet das auf Vorhofflimmern hin. Die Pulsabfolge kann dann zum Beispiel so aussehen:

__I_I____I__I_____I_I_I___I__I____I

Risikopatienten sollten daher ihren Puls 2x pro Woche tasten.

Alternative Möglichkeiten: die Arrhythmie-Anzeige bei Blutdruck-Selbstmessung oder die 1-Kanal EKG zur Selbstmessung.

Verdacht auf Vorhofflimmern – schnell handeln

Sollten Sie den Verdacht auf Vorhofflimmern haben, dann gehen Sie am besten noch am selben Tag zu einer Ärztin oder einem Arzt, es kann auch der Hausarzt sein.  Hier sollte dann ein EKG geschrieben werden.

Bei der Diagnose von Rhythmusstörungen ist es im Allgemeinen immer sinnvoll eine EKG-Aufzeichnung der Rhythmusstörung zu haben, den kaum ein Kardiologe wird eine gerinnungshemmende Therapie einleiten, ohne dass das Vorhofflimmern schriftlich dokumentiert ist.

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Vorhofflimmern ist häufig schwer zu erfassen

Vorhofflimmern und andere Rhythmusstörungen treten häufig nur vorübergehend auf. Daher können Kardiologen Vorhofflimmern mit einem Ruhe-EKG oder einem Langzeit-EKG häufig nur schwer erfassen. Das Problem ist, dass auch kurzzeitiges Vorhofflimmern ein erhöhtes Schlaganfallrisiko bedeutet.

Gerade bei Vorhofflimmern entsteht hier eine diagnostische Lücke, die zur Folge hat, dass gezielte Therapiemaßnahmen nicht eingeleitet werden können. Ohne EKG-Dokumentation wird kaum ein Arzt z.B. eine gerinnungshemmende Therapie zur Vorbeugung eines Schlaganfalls einleiten, weil diese ja auch mit einem erhöhten Blutungsrisiko verbunden ist.

1-Kanal EKG selber zu Hause und unterwegs messen

Sollten Sie ein Risikopatient für Vorhofflimmern sein oder Symptome wie z.B. Herzstolpern, Herzrasen verspüren, dann ist die App „Kardia“ von AliveCor eine gute Lösung. Die App funktioniert sowohl auf dem iPhone als auch mit Android-Systemen. Zusätzlich benötigen Sie eine kleine Platte, die Sie im Internet einfach erwerben. So können Sie selber ein hochwertiges 1-Kanal-EKG aufzeichnen.

Starten Sie einfach die die App auf Ihrem Smartphone. Danach drücken Sie auf „Aufzeichnen“ und legen die Daumen jeweils für mindestens 30 Sekunden auf die beiden Kontaktflächen. Sie können die Aufzeichnung auf dem Bildschirm direkt mitverfolgen. Ihr Ergebnis wird dann automatisch gespeichert.  In der Zukunft können Sie es dann immer wieder abrufen.

Wissenschaftlich gesicherter Analyse-Modus

Die App verfügt über einen wissenschaftlich geprüften Analyse-Modus mit einer hohen Sensitivität und Spezifität von 97% bzw. 98%. Sie erhalten 1 von 3 Diagnosen: „normal“, „unklassifiziert“ und „mögliches Vorhofflimmern“. Über die App können Sie dann eine PDF-Date erstellen und diese dann per E-Mail oder Textmessaging an die Ärztin oder den Arzt weiterleiten. Ihre Ergebnisse werden, etwa im Hinblick auf Vorhofflimmern, analysiert. Dann können Sie Ihr EKG per PDF-Datei an die Ärztin bzw. den Arzt versenden.

Vorhofflimmern – konsequent handeln

Sollten Sie ein Ergebnis „unklassifiziert“ oder „mögliches Vorhofflimmern“ erhalten, dann sollten Sie zeitnah mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt Kontakt aufnehmen, denn es könnte sich um Vorhofflimmern handeln. Innerhalb von 48 Stunden nach Beginn dieser Rhythmusstörung steigt das Schlaganfallrisiko.

Am besten besprechen Sie das Vorgehen vor dem ersten Einsatz mit Ihrer Kardiologin oder Ihrem Kardiologen, damit alles gut funktioniert.

Gute Erfahrungen in der Cardiopraxis

Wir setzen das AliveCor-System seit 2016 regelmäßig im Praxisalltag ein. Dabei verleihen die Geräte in der Regel für 2 Wochen. So können wir fast immer einen gesicherten Zusammenhang zwischen Ihren subjektiven Symptomen und objektiven EKG-Veränderungen herstellen. Sehr häufig können wir so gesundheitsrelevante Rhythmusstörungen sichern und adäquate Therapiemaßnahmen einleiten. Nicht selten ist es aber auch so, dass bei Symptomen gar keine Rhythmusstörungen vorliegen. Sie können dann beruhigt sein und unnötige Therapien können vermieden werden.

Eine weitere wichtige Anwendungsmöglichkeit ist das „Pill-in-the-Pocket“ – Konzept zur selbstständigen Überführung von Vorhofflimmern in den normalen Sinusrhythmus.

Wir als professionelle Kardiologinnen und Kardiologen sehen die Entwicklung hin zur EKG-Selbstmessung als sehr positiv. 1-Kanal-EKGs sind ein weiterer Schritt zu mehr Patientensicherheit und vor allen Dingen zur Vorbeugung eines Schlaganfalls.

Für wen ist eine Anschaffung sinnvoll?

Sie sollten sich die Anschaffung vor allen Dingen überlegen, wenn Sie ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern haben. Sind Sie über 60 Jahre als oder haben Sie ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern, dann macht es aus unserer Sicht auf jeden Fall Sinn. Sie können es so sehen, ähnlich wie ein Mensch mit Bluthochdruck regelmäßig den Blutdruck mit einer Blutdruckmanschette misst so sollte ein Mensch mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern regelmäßig, z.B. 2x pro Woche ein 1-Kanal-EKG ableiten.

Sollten Sie Rhythmusstörungen subjektiv empfinden, aber bei Ihnen ist noch nie ein Ereignis in einem EKG erfasst worden, dann können profitieren.

Die App können Sie kostenlos herunterladen. Sie erwerben die Kontaktplatte für unter 150 Euro im Internet. Die Krankenkassen erstatten zum Teil die Kosten.

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