Ibuprofen und Schmerzen – Risiko für plötzlichen Herztod erhöht

Schmerzen kennt jeder von uns. Wenn wir Schmerzen haben, dann sind wir in unseren körperlichen, vor allen Dingen aber auch geistigen Fähigkeiten zum Teil erheblich eingeschränkt. Der Schmerz steht meistens voll im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit, er besetzt unser Leben. Wir sind zunehmend mit dem Schmerz und uns selbst beschäftigt. Bei Schmerzen sind wir sind häufig nicht mehr unser gewohntes Selbst, nicht nur für uns selber, sondern auch für andere Menschen. Kurzum, wir drohen die Kontrolle zu verlieren. Unruhe, Angst und Gereiztheit bestimmen unseren Alltag.

Folglich ist es nur allzu verständlich, dass Menschen zu Schmerzmitteln greifen, um diesem Teufelskreis zu entkommen. Rezeptfrei ist vor allen Dingen Ibuprofen ein „beliebtes“ Schmerzmittel in Deutschland. Der Marktanteil an den nicht-steroidalen Schmerzmittel war 2017 mit 57,7% mit Abstand am höchsten, weit vor Paracetamol mit 30,6%, Acetylsalicylsäure mit 7,3% und Diclofenac mit 4,1%. Diese Präparate sind, so gut sie auch gegen Schmerzen helfen, nicht ohne Folgen für das Herz-Kreislaufsystem.

Ibuprofen und Diclofenac – Risiko für plötzlichen Herztod um 30-50% erhöht

In einer groß angelegten Fall-Kontrollstudie aus Dänemark bei 28.947 Menschen, die zwischen 2001 und 2010 einen plötzlichen Herztod erlitten hatten, konnte vor allen Dingen für Ibuprofen und Diclofenac ein erhöhtes Risiko eindrucksvoll belegt werden. In dieser Gruppe hatten 3.376 Personen in den 30 Tagen vor dem plötzlichen Ereignis ein sog. nicht-steroidales Schmerzmittel eingenommen.

Das Risiko für den plötzlichen Herztod war dabei für Ibuprofen mit +31% und Diclofenac mit +50% deutlich erhöht. Andere Schmerzmittel, wie z.B. Naproxen wurden zwar auch untersucht, fielen allerdings nicht so sehr ins Gewicht, weil sie in Dänemark nicht so häufig eingenommen werden.

Die betroffenen Menschen waren im Mittel 70 Jahre alt. Gerade bei solchen, die ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod durch Begleiterkrankungen hatten, wurde das Risiko durch die Einnahme von Diclofenac und Ibuprofen noch weiter gesteigert. Folglich sind auch jüngere Menschen, die ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod gefährdet.  Zu diesen Risikopatienten gehören solche mit Koronarer Herzkrankheit bzw. Zustand nach Herzinfarkt, solche mit Herzschwäche, mit vorbekannten Rhythmusstörungen aber auch Menschen mit Verkalkungen der Hirnarterien sowie diejenigen mit Nierenerkrankungen und rheumatoider Arthritis.

Schmerzen – Risiko Adrenalin-vermittelte Aktivierung durch Schmerzstress

Schmerzen alleine haben schon eine vermehrte Adrenalin-vermittelte Aktivierung zur Folge. Das liegt ja auch in der Natur dieser Körperwahrnehmung, den Schmerzen sind für uns ein wertvolles Warnsignal. Folglich werden wir durch die Schmerzen aufgefordert etwas gegen die Ursachen zu tun.

Adrenalin als Teil des Angriff-/Flucht-Systems, stimuliert körperliche und geistige Aktivität. Allerdings hat das auch Konsequenzen für das Herz-Kreislaufsystem. Es ist typisch, dass Schmerzen Blutdruckerhöhungen bis hin zur Blutdruckkrise zur Folge haben und sie können sogar Herzinfarkte auslösen. Nicht selten kommen Menschen auch zu uns in die Cardiopraxis, bei denen Schmerzen zu Herzstolpern und auch fassbaren Herzrhythmusstörungen im EKG zur Folge hat.

Ibuprofen – Risiko Adrenalin-vermittelten Aktivierung durch Eingriff in Temperaturregulation

Neben seiner Eigenschaft als Schmerzmittel ist Ibuprofen auch ein hoch-effektiver Fiebersenker und damit auf die Regulation Ihrer Körpertemperatur. Dieses geschieht zentral im Gehirn über eine Verstellung des Sollwerts nach unten, z.B. von normalerweise 36,5 Grad Celsius auf 36,0 Grad Celsius. Nun versucht Ihr Körper schon bei niedrigeren Körpertemperaturen Wärme an die Umgebung abzugeben. Das geschieht am besten reguliert über eine Steigerung der Durchblutung und damit eine Weitstellung der Arterien.

Weil die Gefäßerweiterung zum Blutdruckabfall führt, muss nun über eine Steigerung von Herzfrequenz und Pumpkraft des Herzens der Blutdruck adäquat hochgehalten werden. Das geschieht wieder Adrenalin-vermittelt.

Ibuprofen – Symptome durch Kreislaufstörungen erklärbar

Nun haben wir gesehen, dass sowohl Schmerzen als auch Ibuprofen über die Eingriffe in die Temperatur- und die Blutdruckregulation Folgen für Ihr Herz-Kreislaufsystem haben können. Aufgrund dieser Mechanismen lassen Sich auch eine ganze Reihe von Nebenwirkung von Ibuprofen erklären

Einnahme von Ibuprofen bei Herz-Kreislauferkrankungen

In der Cardiopraxis raten wir Menschen mit Bluthochdruck, Koronarer Herzkrankheit, Zustand nach Herzinfarkt und Herzrhythmusstörungen grundsätzlich zu einer möglichst kurzen Behandlung mit Ibuprofen. Sie sollten eine Tagesdosis von 1.200 mg nicht überschreiten. Das Risiko für Komplikationen ist aus unserer Sicht besonders bei Menschen mit einem hohen Blutfluss in der Kreislaufmessung erhöht, weil hier das Herz- und Kreislaufsystem bereits Adrenalin-vermittelt aktiviert.

Bei chronischen Schmerzen ist es sinnvoll mit einem fachlich spezialisierten Schmerztherapeuten zusammen zu arbeiten.

Sollten Sie Ibuprofen einnehmen, dann achten Sie bitte auf die oben genannten Symptome, vor allen Dingen auf neu aufgetretene innere Unruhe, Gereiztheit, Benommenheit und Schlaflosigkeit. Hier können sich ernsthafte Folgen ankündigen.

Sie können dann mit Ihrer Ärztin oder Ärzten sprechen, ob Sie z.B. Paracetamol oder Aspirin einnehmen sollten. Auf jeden Fall ist es für Sie sinnvoll bei gleichzeitiger Einnahme von Ibuprofen ausreichend Trinken (30-40 ml pro kg Körpergewicht und Tag), denn ausreichende Flüssigkeitszufuhr beruhigt das vegetative Nervensystem.

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Sondergaard KB et al. Eur Heart J Cardiovasc Pharmacother 2017;3:100-107

 

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Vorhofflimmern früh erkennen – Schlaganfall verhindern

Ein Schlaganfall ist ein gravierendes Ereignis, häufig genug mit bleibenden Folgen für die körperliche, geistige und seelische Selbstbestimmtheit. Auch wir und er Cardiopraxis sind immer wieder sehr betroffen, wenn ein Patient mit einem Schlaganfall zu uns kommt. Folglich unternehmen wir alle Anstrengung um bei den Menschen, die wir betreuen einen Schlaganfall in der Zukunft zu verhindern.

Vorhofflimmern häufig in der Praxis unerkannt

Da gerade bei Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen, wie z.B. nach Herzinfarkt oder Bluthochdruck Vorhofflimmern eine sehr häufige Ursache für einen Schlaganfall ist, nutzen wir selbstverständlich auch die herkömmlichen Methoden zur vorbeugenden Diagnostik. Dazu gehören das bekannte Ruhe-EKG, das Langzeit-EKG, das Belastungs-EKG und zur Risikostratifizierung auch der Herzultraschall.

Weil Vorhofflimmern häufig ohne Symptome und/oder nur kurzzeitig anfallsartig auftritt, können wir anläßlich eines Besuchs in der Praxis Vorhofflimmern häufig nicht feststellen.

Ein Weg dieser diagnostischen Lücke zu begegnen ist die Selbstmessung durch die potentiell Betroffene. Methoden zur selbständigen Erfassung von Vorhofflimmern reichen dabei von der Pulstastung bis hin zur der Ableitung eines 1-Kanal-EKGs über ein Smartphone.

Pulstastung auf Regelmäßigkeit erlernbar und ein erster wichtiger Schritt

Einen Schlaganfall können Sie selbst verhindern: Tasten Sie Ihren Puls auf Regelmäßigkeit! Denn der Tastbefund gibt einen wertvollen Hinweis darauf, ob Sie zu den rund 1,7 Mio. Menschen in Deutschland mit der Diagnose Vorhofflimmern gehören. Ihr Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, ist 5x so hoch wie normal – bis zu 25% aller Fälle werden durch Vorhofflimmern verursacht!

In der Tat können Sie das  Pulstasten bei guter Schulung und mit etwas Geduld ziemlich zuverlässig selber lernen. Folglich können Sie in  92% aller Fälle Vorhofflimmern durch diese einfache Methode richtig erkennen. Im Gegensatz zum normalen, regelmäßig schlagenden Puls zeichnet sich Vorhofflimmern durch absolute Unregelmäßigkeit aus.

Von der Pulsabfolge sieht das in etwa so aus:

Normaler = regelmäßiger Puls:
__I__I__I__I__I__I__I__I__I__I__I__I

Einzelne elektrische Extrasystolen = regelmäßiger Grundrhythmus + mechanische Pausen:
__I__I__I_____I__I__I__I__I__I__I__I

Vorhofflimmern = absolute Unregelmäßigkeit („Morse-Code“):
__I_I____I__I_____I_I_I___I__I____I

Im letzten Fall sollten Sie noch am selben Tag ein EKG beim Arzt schreiben lassen! Das Risiko für einen Schlaganfall steigt 48 Stunden nach Einsetzen von Vorhofflimmern bedeutsam an.

Folglich empfehlen Risikopatienten für Vorhofflimmern grundsätzlich 2x pro den Puls auf Regelmäßigkeit zu tasten.

 

📚 Taggar JS et al. Eur J Prev Cardiol 2016;23:1330-38

 

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Herzstolpern – unterschiedliche Arten von Rhythmusstörungen

Herzstolpern, schneller Herzschlag, langsamer Herzschlag und kräftiger Herzschlag. Das sind alles Symptome mit denen Menschen zu uns in die Cardiopraxis kommen und um Rat und Tat fragen. So geht es dann erst einmal um die Häufigkeit  des Pulses, denn das gibt uns schon wichtige Hinweise auf den Zustand des Herz-Kreislauf-Systems geben. Darauf folgen dann die Fragen zur Regelmäßigkeit des Pulses. Immer simulieren wir dann auch akustisch die verschiedenen Rhyhtmusstörungen und können so schon ziemlich sicher abschätzen um welche Art von Rhythmusstörung es sich handelt.

Sie können uns dabei unterstützen, wenn Sie selber den Puls regelmäßig tasten. Mit ein bisschen Übung kann das jeder schaffen.

So tastet man den Puls richtig

  • nach 5 bis 10 Minuten Ruhe
  • mit Zeige- und Mittelfinger den Puls kurz oberhalb des Handgelenkes an der Daumenseite aufsuchen
  • leichten Druck ausüben, bis man den Puls tastet
  • Puls 30 Sekunden lang zählen, das Resultat mal 2 multiplizieren = Puls pro min (bpm)

Geschwindigkeit des Pulses ergibt Rückschlüssen auf Herz-Kreislauferkrankungen

Eine Geschwindigkeit zwischen 50 und 100 bpm gilt als normal.

Falls der Puls unter 50 ppm liegt, dann kann das in Verbindung mit Symptomen wie Benommenheit, Einschränkungen der Leistungsfähigkeit oder Luftnot auf eine relevante Störung hindeuten. Hier müssen, falls vorhanden die Medikamente überprüft werden. In Einzelfällen kann eine Rhythmusstörung vorliegen, die eine Implantation eines Herzschrittmachers erforderlich macht.

Falls der Puls über 100 bpm liegt und regelmäßig ist, dann kann in Einzelfällen eine Rhythmusstörung die Ursache sein. Viel häufiger ist allerdings eine zu geringe Trinkmenge, die kompensatorisch zu einem erhöhten Puls führt. Aber auch Stoffwechselstörungen, wie z.B. eine Überfunktion der Schilddrüse und nicht zuletzt Fieber verursachen einen beschleunigten Herzschlag.

Art der Unegelmäßigkeit des Pulses deutet auf  unterschiedliche Herzrhythmusstörungen hin

Wichtig ist aber auch die Regelmäßigkeit des Pulses. Hier kann es große Unterschiede geben

  • Ein regelmäßiger Puls gilt als normal – und sieht so aus:

__I__I__I__I__I__I__I__I__I__I__I__I

__I__I__I_____I__I__I__I__I__I__I__I

  • Absolute Unregelmäßigkeit („Morse-Code“) besteht z. B. bei Vorhofflimmern. Vorstellen kann man sich das so:

__I_I____I__I_____I_I_I___I__I____I

Alle Menschen über 65 Jahre und die, die weitere Risikofaktoren für Vorhofflimmern haben, sollten 2x pro Woche den Puls auf Regelmäßigkeit tasten. Absolute Unregelmäßigkeit könnte auf Vorhofflimmern hinweisen und damit auf ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko. In diesem Fall noch am selben Tag ein EKG beim Arzt schreiben lassen!

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Risiko für Vorhofflimmern – Schlaganfall aktiv verhindern

Vorhofflimmern ist die Ursache für 20 bis 25% aller Schlaganfälle. Fast jeden 10. Menschen kann es im Laufe des Lebens treffen. Herkömmlichen Methoden zur Erfassung von Vorhofflimmern, wie Ruhe-EKG und Langzeit-EKG können anfallsartiges Vorhofflimmern häufig nicht erfassen. Weiterhin erschwert wird die Diagnose dadurch, dass eine große Zahl Menschen von Vorhofflimmern dieses subjektiv gar nicht merken. Nicht selten wird Vorhofflimmern erst erkannt, wenn ein Schlaganfall aufgetreten ist.

Sie sollten Ihr individuelles Risiko kennen

Ihr persönliches Risiko sollten Sie, falls vorhanden mit einem Kardiologen oder einer Kardiologie besprechen. Dabei ist es wichtig über die Symptome von Vorhofflimmern gemeinsam zu sprechen. Die Untersuchungsintervalle sollten für die Zukunft festgelegt werden.

Puls auf Regelmäßigkeit tasten

Einen wertvollen Hinweis kann der Puls geben: Ist er absolut unregelmäßig wie bei einem Morse-Code, deutet das auf Vorhofflimmern hin. Die Pulsabfolge kann dann zum Beispiel so aussehen:

__I_I____I__I_____I_I_I___I__I____I

Risikopatienten sollten daher ihren Puls 2x pro Woche tasten.

Alternative Möglichkeiten: die Arrhythmie-Anzeige bei Blutdruck-Selbstmessung oder die 1-Kanal EKG zur Selbstmessung.

Verdacht auf Vorhofflimmern – schnell handeln

Sollten Sie den Verdacht auf Vorhofflimmern haben, dann gehen Sie am besten noch am selben Tag zu einer Ärztin oder einem Arzt, es kann auch der Hausarzt sein.  Hier sollte dann ein EKG geschrieben werden.

Bei der Diagnose von Rhythmusstörungen ist es im Allgemeinen immer sinnvoll eine EKG-Aufzeichnung der Rhythmusstörung zu haben, den kaum ein Kardiologe wird eine gerinnungshemmende Therapie einleiten, ohne dass das Vorhofflimmern schriftlich dokumentiert ist.

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Vorhofflimmern ist häufig schwer zu erfassen

Vorhofflimmern und andere Rhythmusstörungen treten häufig nur vorübergehend auf. Daher können Kardiologen Vorhofflimmern mit einem Ruhe-EKG oder einem Langzeit-EKG häufig nur schwer erfassen. Das Problem ist, dass auch kurzzeitiges Vorhofflimmern ein erhöhtes Schlaganfallrisiko bedeutet.

Gerade bei Vorhofflimmern entsteht hier eine diagnostische Lücke, die zur Folge hat, dass gezielte Therapiemaßnahmen nicht eingeleitet werden können. Ohne EKG-Dokumentation wird kaum ein Arzt z.B. eine gerinnungshemmende Therapie zur Vorbeugung eines Schlaganfalls einleiten, weil diese ja auch mit einem erhöhten Blutungsrisiko verbunden ist.

1-Kanal EKG selber zu Hause und unterwegs messen

Sollten Sie ein Risikopatient für Vorhofflimmern sein oder Symptome wie z.B. Herzstolpern, Herzrasen verspüren, dann ist die App „Kardia“ von AliveCor eine gute Lösung. Die App funktioniert sowohl auf dem iPhone als auch mit Android-Systemen. Zusätzlich benötigen Sie eine kleine Platte, die Sie im Internet einfach erwerben. So können Sie selber ein hochwertiges 1-Kanal-EKG aufzeichnen.

Starten Sie einfach die die App auf Ihrem Smartphone. Danach drücken Sie auf „Aufzeichnen“ und legen die Daumen jeweils für mindestens 30 Sekunden auf die beiden Kontaktflächen. Sie können die Aufzeichnung auf dem Bildschirm direkt mitverfolgen. Ihr Ergebnis wird dann automatisch gespeichert.  In der Zukunft können Sie es dann immer wieder abrufen.

Wissenschaftlich gesicherter Analyse-Modus

Die App verfügt über einen wissenschaftlich geprüften Analyse-Modus mit einer hohen Sensitivität und Spezifität von 97% bzw. 98%. Sie erhalten 1 von 3 Diagnosen: „normal“, „unklassifiziert“ und „mögliches Vorhofflimmern“. Über die App können Sie dann eine PDF-Date erstellen und diese dann per E-Mail oder Textmessaging an die Ärztin oder den Arzt weiterleiten. Ihre Ergebnisse werden, etwa im Hinblick auf Vorhofflimmern, analysiert. Dann können Sie Ihr EKG per PDF-Datei an die Ärztin bzw. den Arzt versenden.

Vorhofflimmern – konsequent handeln

Sollten Sie ein Ergebnis „unklassifiziert“ oder „mögliches Vorhofflimmern“ erhalten, dann sollten Sie zeitnah mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt Kontakt aufnehmen, denn es könnte sich um Vorhofflimmern handeln. Innerhalb von 48 Stunden nach Beginn dieser Rhythmusstörung steigt das Schlaganfallrisiko.

Am besten besprechen Sie das Vorgehen vor dem ersten Einsatz mit Ihrer Kardiologin oder Ihrem Kardiologen, damit alles gut funktioniert.

Gute Erfahrungen in der Cardiopraxis

Wir setzen das AliveCor-System seit 2016 regelmäßig im Praxisalltag ein. Dabei verleihen die Geräte in der Regel für 2 Wochen. So können wir fast immer einen gesicherten Zusammenhang zwischen Ihren subjektiven Symptomen und objektiven EKG-Veränderungen herstellen. Sehr häufig können wir so gesundheitsrelevante Rhythmusstörungen sichern und adäquate Therapiemaßnahmen einleiten. Nicht selten ist es aber auch so, dass bei Symptomen gar keine Rhythmusstörungen vorliegen. Sie können dann beruhigt sein und unnötige Therapien können vermieden werden.

Wir als professionelle Kardiologinnen und Kardiologen sehen die Entwicklung hin zur EKG-Selbstmessung als sehr positiv. 1-Kanal-EKGs sind ein weiterer Schritt zu mehr Patientensicherheit und vor allen Dingen zur Vorbeugung eines Schlaganfalls.

Für wen ist eine Anschaffung sinnvoll?

Sie sollten sich die Anschaffung vor allen Dingen überlegen, wenn Sie ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern haben. Sind Sie über 60 Jahre als oder haben Sie ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern, dann macht es aus unserer Sicht auf jeden Fall Sinn. Sie können es so sehen, ähnlich wie ein Mensch mit Bluthochdruck regelmäßig den Blutdruck mit einer Blutdruckmanschette misst so sollte ein Mensch mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern regelmäßig, z.B. 2x pro Woche ein 1-Kanal-EKG ableiten.

Sollten Sie Rhythmusstörungen subjektiv empfinden, aber bei Ihnen ist noch nie ein Ereignis in einem EKG erfasst worden, dann können profitieren.

Die App können Sie kostenlos herunterladen. Sie erwerben die Kontaktplatte für unter 150 Euro im Internet. Die Krankenkassen erstatten zum Teil die Kosten.

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Herzrhythmusstörungen – häufig in EKG und Langzeit-EKG nicht erfasst

Der normale Herzrhythmus ist regelmäßig und die Herzfrequenz liegt zwischen 50 und 100 Schlägen pro Minute. Wird die geordnete elektrische Aktivität von elektrischen Extraaktionen unterbrochen, dann können Sie das durch einen unregelmäßigen Puls merken. Ihr Herz stolpert dann, macht Pausen, ist dabei mehr oder weniger unregelmäßig in Aktion. Meistens sind diese Ereignisse nur kurzzeitige und seltene Unterbrechungen des normalen Herzrhythmus. Folglich werden Sie von einem Ruhe-EKG oder einem 24-Stunden Langzeit-EKG nicht erfasst.

Vorhofflimmern – häufig erst mit dem Schlaganfall erkannt

Vorhofflimmern erhöht das Risiko für einen Schlaganfall auf das 5-fache. 20-25% aller Schlaganfälle werden durch diese Herzrhythmusstörung verursacht. Problematisch ist, dass auch kurzzeitiges Vorhofflimmern das Risiko schon erhöht und viele Menschen Vorhofflimmern gar nicht merken. Folglich wird Vorhofflimmern zu spät erkannt, dann wenn der Schlaganfall im vollen Gange ist.

KardiaBand von AliveCor – medizinisch verwendbares 1-Kanal EKG

Eine praktische Lösung, die vor allen Dingen die Diagnose von Vorhofflimmern erleichtert, ist das KardiaBand von AliveCor. Im Gegensatz zu KardiaMobile, welches mit einer Kontaktplatte und dem Smartphone funktioniert, benötigen Sie bei KardiaBand neben dem Armband mit dem Kontaktpunkt und dem Smartphone noch zusätzlich eine Apple Watch.

Die Funktionsweise der KardiaApp ist für KardiaMobile und KardiaBand gleich. Die Sicherheit zur Erkennung von Vorhofflimmern in der aktiven Messung liegt bei über 95%. 1-Kanal EKGs können bequem via E-Mail oder Textmessaging an Ihre Kardiologen weitergeleitet werden.

Der Vorteil des KardiaBands ist, dass Sie es am Arm tragen können. Der Vorteil von KardiaMobile ist, dass Sie es auch mit anderen Betriebssystemen für Smartphones, z.B. Android benutzen können. KardiaMobile und KardiaBand sind im Anschaffungspreis ungefähr gleich und liegen unter 150 Euro.

Mit der Einführung der 1-Kanal EKG Funktion bei der Apple-Watch 4 ist der Markt für KardiaMobile deutlich reduziert worden. Wenn Sie allerdings Modell der Apple Watch 3 oder darunter nutzen wollen, dann ist das KardiaBand die richtige Anschaffung, denn es funktioniert auch mit älteren Versionen der Apple Watch.

Kardia von AliveCor – weitere Entwicklungen zu erwarten

Es wäre falsch anzunehmen, dass mit der Einführung der Apple Watch 4 dieses Unternehmen vom Markt verschwinden wird. AliveCor ist ein ernstzunehmendes Unternehmen mit einer großen Forschungsabteilung. Zurzeit werden bei AliveCor z.B. EKG-Diagnose Algorithmen zum Nachweis von zu niedrigen bzw. zu hohen Kaliumspiegeln gearbeitet, beides Risikofaktoren für potentiell tödlich Rhythmusstörungen. Des weiteren steht ein mobiles und Smartphone-taugliches 12 Kanal EKG kurz vor der Markteinführung.

 

 

 

 

 

 

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Vorhofflimmern – 1-Kanal EKG mit der Apple Watch ein Schritt zur Verhütung eines Schlaganfalls

Mehr als 10 % aller Menschen haben im Laufe ihres Lebens Vorhofflimmerndes Herzens. Vorhofflimmern wiederum verursacht 20-25 % aller Schlaganfälle. Dementsprechend ist Vorhofflimmern nicht nur eine häufige Rhythmusstörung, sondern auch eine Diagnose mit hoher gesundheitlicher Relevanz.

Kurzzeitiges Vorhofflimmern – diagnostische Lücke

Vorhofflimmern tritt häufig nur kurzzeitig  auf, manchmal nur für ein Sekunden, ein paar Minuten oder auch Stunden. Obwohl nur kurzzeitig, ist auch durch diese anfallsartigen Episoden das Risiko für einen Schlaganfall erhöht. Demzufolge entsteht so eine diagnostische Lücke, weil auch wiederholt abgeleitete Langzeit-EKGs häufig unauffällig sind.

Anders formuliert stellt sich das so dar: Sie machen eine Wanderung durch einen großen Wald machen und halten nach Rehen Ausschau. Wenn Sie aus dem Wald heraus kommen, und Sie haben keine Rehe gesehen, dann können Sie auch nicht mit letzter Sicherheit ausschließen, dass in dem Wald keine Rehe sind.

Vorhofflimmern ohne EKG – therapeutisches Dilemma

Zum anderen steht der Kardiologe vor einem therapeutischen Dilemma. Kardiologen können aufgrund der Kombination aus Risikofaktoren für Vorhofflimmern in Verbindung mit dem geschilderte Pulsmuster eine Verdachtsdiagnose auf Vorhofflimmern mit einer hohen Trefferquote stellen. Allerdings kann der Kardiologe nicht mit der gerinnungshemmenden Therapie beginnen, weil diese mit einem, wenn auch leicht erhöhten Blutungsrisiko verbunden ist. Der Arzt möchte ja den potentiell Betroffenen nicht einem unnötigen Blutungsrisiko aussetzen.

Kurzum, ohne EKG-Dokumentation keine sichere Diagnose Vorhofflimmern und so auch keine gerinnungshemmende Therapie

Diagnostische Lücke schließen – 1-Kanal EKG zur Selbstmessung

Die neue Apple Watch 4 kann nicht nur Ihren Puls messen, sondern auch ein medizinisch hochwertiges 1-Kanal EKG erstellen. Wir unterscheiden eine passive von einer aktiven Messung.

Aktive und passive Messung unterscheiden

Bei der passiven Messung erfasst die Apple Watch die Abweichung der Herzfrequenz von der üblichen Ruhefrequenz. Sie erhalten so Hinweise auf mögliches Vorhofflimmern. Allerdings ist das keine Diagnose, denn die passive Messung ist relativ störanfällig (z.B. zu lockerer Sitz der Uhr) und gibt in etwa 60 % der Fälle „falschen Alarm“.

Sicherer ist die aktive Messung, bei der ein 1-Kanal-EKG direkt abgeleitet wird. Zusätzlich erhalten Sie nach einer solchen Messung die Diagnosen „Sinusrhythmus“, „Vorhofflimmern“ oder „Unklassifiziert“. Die Trefferquote für eine richtige Diagnose liegt bei dieser Messung zwischen 97-99%! Das aufgezeichnete EKG können Sie bequem über das Smartphone per E-Mail und Textmessagingsysteme übertragen.

Enge Abstimmung mit Kardiologen erforderlich

Wenn Sie eine eine Apple Watch 4 zur EKG-Messung nutzt, dann sollte sich vorher mit seiner Ärztin bzw. seinem Arzt abstimmen. Risikopatienten für Vorhofflimmernkönnen von dem Smartwatch-EKG besonders profitieren. Sie sollten 2x pro Woche auch ohne Symptome ein EKG ableiten. Bei der Diagnose „Vorhofflimmern“ oder „Unklassifiziert“ sollten sie innerhalb der nächsten 48 Stunden Kontakt aufnehmen mit ihrem Arzt bzw. ihrer Ärztin, um frühzeitig eine blutverdünnende Therapie einzuleiten

Alternative Systeme

Eine Alternative zur Apple Watch 4 sind die beiden Systeme von AliveCor:

Positive Erfahrungen durch professionelle Kardiologen

Wir machen in der Cardiopraxis seit 2016 sehr gute Erfahrungenmit den AliveCor Systemen. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit erwarten wir ähnliche Ergebnisse mit der Apple Watch 4. Gerade bei Risikopatienten für Vorhofflimmern erhoffen wir uns eine frühzeitigere Diagnose – und damit auch weniger Schlaganfälle.

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Herz-Kreislaufstillstand – sofort handeln ist wichtig

Stellen Sie sich vor, jedes Jahr erleiden rund 100.000 Menschen in Deutschland einen Herzkreislauf-Stillstand. Wenn dabei keine Wiederbelebungsmaßnahmen durchgeführt werden, sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit jede Minute um 10 Prozent. Bis der Rettungsdienst eintrifft, vergehen im Schnitt 7 bis 8 Minuten.

Aber gerade in den ersten 10 Minuten ist die Laienreanimation lebensrettend: im Gegensatz zu Skandinavien mit 60% wird die Wiederbelebung durch Laien in Deutschland lediglich in 42 Prozent aller Fälle durchgeführt.

Laienreanimation – häufig der entscheidende erste Schritt

Die Laienreanimation besteht aus den drei Schritten Prüfen – Rufen – Drücken.

Durch die Kompression des Brustkorbes können Sie Blutfluss und Blutdruck in ausreichendem Maße aufrechterhalten. Weiterhin ergänzen Sie idealerweise die Herzdruckmassage durch eine Beatmung. Konsequent sorgen Sie mit der Atemspende dafür, dass zusätzlicher Sauerstoff über die Lungen in die Blutbahn gelangt.

Allerdings hat der betroffene Mensch vor Einsetzen eines plötzlichen Herz-Kreislaufstillstandes in der Regel noch normal geatmet, so dass die Sauerstoffspeicher meistens gut gefüllt sind. Somit ist eine Atemspende von Beginn der Wiederbelebung an zwar optimal, aber gerade in der Anfangsphase nicht zwingend erforderlich. Drücken ist wichtiger.

Alleinige Kardiokompression hilft auch – wissenschaftlich belegt

Das Schwedische Register für Wiederbelebung hat 30.445 Fälle von Herzkreislauf-Stillstand zwischen 2000 und 2017 erfasst. In 60 Prozent aller Fälle kam die Laienreanimation zum Einsatz. Richtigerweise übten fast 40 Prozent der Ersthelfer dabei die Herzdruckmassage in Kombination mit Beatmungsmaßnahmen aus. In knapp 21 Prozent der Fälle wurde ausschließlich die Herzdruckmassage angewendet.

Das Ergebnis nach 30 Tagen

  • 7,1 % Überlebensrate der Personen, bei denen gar keine Reanimation stattgefunden hatte
  • 16,2 % Überlebensrate bei denjenigen, welche eine Herzdruckmassage und Beatmung erhielten
  • 14,3 % Überlebensrate in der Gruppe, die ausschließlich eine Herzdruckmassage erhalten hatten

Seien Sie im Notfall ein Ersthelfer

Schlussfolgernd kann die Laienreanimation die Überlebenswahrscheinlichkeit eines Menschen verdoppeln. Folgerichtig ist nichts zu tun keine Option. Sie wissen es jetzt besser.

Kurzum, Sie können, falls  Sie eine Abneigung gegen eine Mund-zu-Nase- oder eine Mund-zu-Mund-Beatmung haben, mindestens kräftig und kontinuierlich drücken bis professionelle Hilfe vor Ort ist.

📚 Riva G et al. Circulation online 2019: https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.118.038179

 

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Automatischer Externer Defibrillator – hilft schnell und sicher bei Kammerflimmern

In Deutschland sterben pro Jahr über 100.000 Menschen den plötzlichen Herztod. Eine Hauptursache: Herzkammerflimmern der Herzhauptkammern.

Sie können sich Kammerflimmern wie einen elektrischen Sturm im Herz vorstellen, die Hauptkammern werden kontinuierlich elektrisch erregt. Folglich tritt eine Erstarrung des Herzens ein, der mechanische Herzstillstand. Aus diesem Grund kann sich das Herz nun weder richtig mit Blut füllen und schon gar nicht mehr Blut in den Kreislauf pumpen, ein vollständiger Kreislaufkollaps.

Am empfindlichsten reagiert das Gehirn. Wird Ihr Gehirn 10 bis 15 Sekunden nicht richtig mit sauerstoffreichem Blut versorgt, dann tritt Bewusstseinsverlust ein. Folglich sinkt mit jeder Minute die Überlebenswahrscheinlichkeit um 10%.

Automatischer externer Defibrillator – einfach zu handhaben, für jeden

Ein Automatischer Externer Defibrillator (AED) kann das Herzkammerflimmern beenden. AEDs sind mit einem grünen Hinweisschild gekennzeichnet und gibt es heutzutage in vielen öffentlichen Gebäuden.

Mit Hilfe der App „Defi App“ vom Deutschen Roten Kreuz finden Sie im Notfall den nächsten AED Standort. Folgerichtig gehört der AED  in Deutschland zunehmend zu den Maßnahmen der Erstversorgung bei akutem Herzinfarkt.

Der AED ist selbsterklärend, nach dem Öffnen des AED gibt eine Stimme Ihnen die Schritte vor:

  • Als erstes kleben Sie 2 Elektroden auf den freien Oberkörper der betroffenen Person. Die richtige Position der Elektroden ist auf einem Piktogramm abgebildet
  • Daraufhin analysiert der AED den Herzrhythmus. Während dieser Zeit (etwa 10 Sekunden) muss man die Herzdruckmassage unterbrechen (und geduldig sein)
  • Der AED fordert Sie mit einem Sprachsignal auf, falls Kammerflimmern vorliegt, den gut erkennbaren Knopf für die elektrische Schockabgabe zu drücken. Während der Schockabgabe sollte keine anwesende Person den bewußtlosen Menschen berühren
  • Nach erfolgter Schockabgabe führen Sie die Herzdruckmassage unmittelbar fort und folgen den weiteren Vorgaben des AED
  • Führen Sie die Wiederbelebungsmassnahmen mit Hilfe des AED solange durch bis der Patient das Bewusstsein wiedererlangt oder Hilfe eintrifft

Automatischer externer Defibrillator – funktioniert einfach prima!

Eine Wiederbelebung in einer kardiologischen Praxis ist ein sehr seltenes Ereignis, und doch kommt Sie alle 10 Jahre 1x vor. Darauf sind wir vorbereitet. So haben wir auch selber schon in der Cardiopraxis einen AED eingesetzt.

An einem Montagabend im Januar 2017, saß abends spät noch ein 71-jähriger Mann im Wartebereich der Cardiopraxis Düsseldorf. Das Video „AED – Leben retten“ war noch keine 14 Tage veröffentlicht. Der Mann war nur 30 Sekunden unbeobachtet, bewußtlos wurde er von Dr. Dierkes aufgefunden.

Mit eingespielten Abläufen ging nun alles ganz schnell.

  • Dr. Dierkes begann unverzüglich mit der Herz-Druckmassage
  • Frau Rottsieper holte unmittelbar den Automatischen Externen Defibrillator (AED)
  • zeitgleich verständigte Herr Schönling das  Notarztteam unter 112 
  • Dr. Dierkes legte die Elektroden auf dem Brustkorb an
  • Frau Busch startete den AED und löste nach etwa 2,5 Minuten Bewusstlosigkeit durch Knopfdruck den elektronischen Wiederbelebungsschock aus
  • der Mann erwachte spontan atmend und war kreislaufstabil

Kurzum, nach sicherer Ankunft am Universitätsklinikum Düsseldorf konnte im Herzkatheterlabor eine hochgradige Engstelle einer Herzkranzarterie erfolgreich mittels Stent behandelt werden. Darauf hat der zufriedene Mann uns in der Cardiopraxis 15 Tage nach dem Ereignis wieder besucht. Seit dem eindrucksvollen Ereignis hat er wieder viele schöne Tage in seiner Werkstatt verbracht.

AED – der Feuerlöscher für das Herz

Wir kennen ihn alle und sehen ihn überall, den Feuerlöscher für Hausbrände. Obwohl ein Gebäudebrand rein statistisch betrachtet ein sehr unwahrscheinliches Ereignis ist, ist die Vorhaltung eines Feurlöscher in öffentlichen Gebäuden sogar gesetzlich vorgeschrieben.

Nun, der AED ist in gewisser Weise der Feuerlöscher für das Herz, denn er löscht Kammerflimmern. Zwar gibt es hier noch keine gesetzlichen Vorschriften, allerdings schätzen wir die Notwenigkeit der flächendeckenden Vorhaltung von AEDs in öffentlichen Gebäuden ähnlich ein wie beim Feuerlöscher. Der Bedarfsfall ist selten, aber wenn es brennt dann müssen wir sofort handlungsbereit und handlungsfähig sein.

Schauen Sie sich doch mal in Ihrem Lebensumfeld um wo ein AED zu finden ist, sei es an Ihrer Arbeitsstelle oder auf Ihren üblichen Wegen an Ihrem Wohnort. Machen Sie es wie beim Ostereiersuchen. Hilfreich ist dabei die Defi-App vom Deutschen Roten Kreuz.

📚 Mell HK et al. Progr Cardiovasc Dis 2008;51: 204-212

 

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Apple Watch und AliveCor – 1 Kanal EKG zur Vorbeugung eines Schlaganfalls

Mit der Apple Watch von Apple und Kardia Band bzw. Kardia Mobile von AliveCor gibt es Smartphone-basierte Systeme um 1-Kanal-EKG abzuleiten. So können Sie als medizinischer Laien erlauben zu jeder Tages- und Nachtzeit, sei es zu Hause, bei der Arbeit oder beim Sport ein medizinisch hochwertiges EKG schreiben und auf Ihrem Smartphone speichern.

Medizinisch so bedeutend sind die Systeme, weil sie Herzrhythmusstörungen erkennen können und hier vor allen Dingen Vorhofflimmern. Daneben können auch Symptome wie Herzstolpern, Herzrasen und Benommenheit im Hinblick auf mögliche andere Rhythmusstörungen objektiviert werden. Ein Herzinfarkt lässt sich mit einem 1-Kanal EKG allerdings nicht erkennen.

Vorhofflimmern – häufig zu spät erkannt

In Deutschland treten pro Jahr 270.000 Schlaganfälle auf. Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für eine dauerhafte Behinderung und die dritthäufigste Todesursache. Ausgangspunkt für einen Schlaganfall ist in 20-25% der Fälle ein Vorhofflimmern des Herzens. Hat ein Mensch Vorhofflimmern, dann ist das Schlaganfallrisiko um das 5-fache erhöht.

Mindestens 1,8 Millionen Menschen in Deutschland haben Vorhofflimmern. Problematisch ist, dass Vorhofflimmern selbst in über 50% der Fälle keine Symptome verursacht, so dass es häufig nur zufällig entdeckt wird. Immer wieder wird Vorhofflimmern erstmalig beim Auftreten eines Schlaganfalls und damit viel zu spät diagnostiziert. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass Vorhofflimmern häufig nur anfallsartig, d.h. vorübergehend auftritt (und trotzdem das Schlaganfallrisiko steigert), so dass der Befund in der Routinediagnostik wie Ruhe-EKG und Langzeit-EKG nicht erfasst wird. 1-Kanal-EKGs abgeleitet über die Apple Watch oder über die AliveCor Systeme sind hier eine wertvolle medizinische Hilfe, insbesondere für Risikopatienten.

Verschiedene Anbieter für 1-Kanal-EKGs

Sowohl mit dem KardiaBand von AliveCor als auch beim eigenen System der Apple Watch (ab Apple Watch 4) kann man ein EKG über die Apple Watch ableiten. Für die Nutzung des AliveCor Systems benötigen Sie ein spezielles Armband mit einem zusätzlichen Kontaktpunkt, das KardiaBand. Dieser zweite Kontaktpunkt ist bei der Apple Watch 4 fest in die Uhrkrone integriert.

Als alternative Lösung kann man unabhängig von einer Apple Watch auch die Kardia Mobile Kontaktplatte nutzen. Während beide Lösungen über die Apple Watch auch prinzipiell ohne Smartphone funktionieren, benötigen Sie für das Kardia Mobile immer das Smartphone. Vorteil der Lösung mit Kardia Mobile: Es ist wesentlich kostengünstiger als die beiden anderen Lösungen und lässt sich auch mit anderen mobilen Betriebssystemen wie Android nutzten.

Passive und aktive Messung unterscheiden

Man unterscheidet bei beiden Lösungen, die in Verbindung mit der Apple Watch funktionieren, eine passive und eine aktive Messung. Bei der passiven Messung überwacht die Uhr die Herzfrequenz in Verbindung mit der Bewegung und zeigt an, wenn die Herzfrequenz in Ruhe von der sonst üblichen Herzfrequenz abweicht, z.B. 120 anstatt üblicherweise 72 bpm. Das kann ein indirekter Hinweis auf Vorhofflimmern sein. Die aktive Messung ist dagegen die direkte Registrierung eines EKGs: Dabei wird die EKG-Funktion aktiviert und über 2 Körperkontaktpunkte in der Regel über 30 Sekunden ein EKG abgeleitet. Dieses EKG wird gespeichert und die betroffene Person kann es jederzeit bequem über die App an einen Arzt bzw. eine Ärztin weiterleiten.

Während die passive Messung durchaus häufiger fehlerhaft ist, z.B. durch einen lockeren Sitz der Uhr, ist die aktive EKG-Messung sehr genau und kann im Fall von Vorhofflimmern Grundlage einer Therapieentscheidung sein. Sowohl das System von Apple als auch die Systeme von AliveCor verfügen über eine Diagnosefunktion mit den Diagnosen “normal”, “unklassifiziert” und “mögliches Vorhofflimmern”. Die Treffersicherheit zum Nachweis von Vorhofflimmern bzw. eines normalen Herzrhythmus´ liegt bei beiden Systemen zwischen 97-99%. Das Risiko für einen Schlaganfall steigt innerhalb von 48h nach Beginn deutlich an. Daher sollten Sie im Fall der Diagnose “unklassifiziert” oder “mögliches Vorhofflimmern” den Befund zeitnah einem Arzt zeigen.

Bereits gute Erfahrungen in der Cardiopraxis mit AliveCor

In der Cardiopraxis machen wir mit den AliveCor Systemen seit mehreren Jahren sehr gute Erfahrungen. Ähnliche Ergebnisse erwarten wir bei der Apple Watch 4  (hier geht´s zu einem aktuellen WDR-Bericht über die Apple Watch 4 in der „Aktuellen Stunde“). Wir verfügen über mehrere Kardia Mobile Kontaktplatten, die wir mehrmals im Monat an symptomatische Patienten verleihen.

Das Vorgehen ist insbesondere dann wertvoll, wenn wir aufgrund einer Risikokonstellation und bei immer wieder auftretendem eher typischem Herzstolpern für Vorhofflimmern im Ruhe-EKG und Langzeit-EKG keine relevanten Rhythmusstörungen finden.

Ein Beispiel aus dem Alltag

Um es an einem Beispiel zu erklären: Es kann etwa vorkommen, dass ein Mann an einem Freitagabend nach dem Sport und zwei Gläsern Bier erstmals mittels Kardia Mobile und Smartphone Vorhofflimmern dokumentiert. Er schickt dann das EKG per E-Mail oder per Textmessenger an eine unserer Ärztinnen oder Ärzte in der Cardiopraxis. Das sieht so aus:

Meistens lässt sich dann alles Weitere gut regeln, ohne dass der Patient (oder die Patientin) eine Notaufnahmestation aufsuchen muss. Häufig hat die betroffene Person schon vorab ein Rezept für einen Blutverdünner erhalten, was sie dann in der Notapotheke “scharf stellen” kann. Oder wir schicken eins per Handy-Foto zu, was in der Regel vom Apotheker akzeptiert wird (vorausgesetzt das Originalrezept wird nachgeliefert). So lässt sich ein gefährlicher Schlaganfall verhindern, ohne stundenlang in der Notaufnahme sitzen zu müssen – und man kann am nächsten Tag wieder zum Sport gehen.

Natürlich kann man auch zur Überwachung den Puls tasten, z.B. 2x in der Woche über jeweils 1 Minute. Allerdings ist die Diagnose aufgrund der mündlichen Aussagen bei weitem so nicht sicher. Folglich würden die allermeisten Ärzte und Ärztinnen nie eine Entscheidung für eine gerinnungshemmende Therapie treffen, wenn kein schriftlich dokumentiertes EKG vorliegt. Der Grund ist, dass eine gerinnungshemmende Therapie zur Verhinderung eines Schlaganfalls ja auch mit einem erhöhten Blutungsrisiko verbunden ist, was als eine erhebliche Nebenwirkung einzustufen ist.

Auch für Risikopatienten ohne bisherige Symptome geeignet

Wir in der Cardiopraxis empfehlen Systeme zur Ableitung eines 1-Kanal EKGs auch solchen Menschen, die ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern haben und bisher noch keine Symptome oder kein gesichertes Vorhofflimmern hatten. Vor allen Dingen dann, wenn eine Kombination mehrerer Risikofaktoren vorliegt:

  • Alter >65 Jahre
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • vergrößerte Herzvorkammer im Herzultraschall
  • Herzschwäche
  • relevante Herzklappenerkrankung
  • Durchblutungsstörung des Herzens (Koronare Herzkrankheit, nach Herzinfarkt)
  • Zustand nach Herzoperation
  • in bestimmten Fällen bei Medikamenten (z.B. Schilddrüsenhormone, Asthma-Sprays)

Da wir nicht wissen, ob solche Menschen ein asymptomatisches Vorhofflimmern entwickeln werden, raten wir dazu, unabhängig von Symptomen 1-2x pro Woche jeweils über 1 Minute ein EKG abzuleiten. Man kann das mit der Blutdruckmessung vergleichen: Man misst regelmäßig, um im richtigen Moment das Richtige tun zu können. Wichtig an dieser Stelle ist, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen dem betroffenen Menschen und der Ärztin bzw. dem Arzt vereinbart ist. Tauchen bei der EKG-Dokumentation Unsicherheiten auf, dann muss in jedem Fall ein fachlich geschulter Arzt konsultiert werden.

1-Kanal-EKGs mit dem Smartphone – ein wichtiger Schritt in Zukunft

Heutzutage haben wir gerade bei Vorhofflimmern sehr differenzierte effektive und sichere Behandlungsmöglichkeiten, die uns helfen einen Schlaganfall zu verhindern. Sie müssen allerdings auch zum richtigen Zeitpunkt ärztliche Hilfe suchen. Grundsätzlich besteht in der Medizin eine zunehmende Tendenz, differenzierte technische Diagnostik möglichst nah zu den potentiell betroffenen Menschen zu bringen. Seien es jetzt die Apple Watch 4 oder die Systeme von AliveCor – es handelt sich um valide Diagnosesysteme. Folglich schließen wir eine wichtige diagnostisch Lücke und die Schnittstelle zwischen Ihnen und z.B. ihrer Kardiologin wird weiter verbessert.

Die Verlagerung von hochwertiger medizinisch-technischer Diagnostik in den Alltag von Risikogruppen wird in zunehmen. Daher rechnen wir damit, dass in den nächsten 5-10 Jahren durch diese Systeme die Schlaganfallrate deutlich reduzieren lässt.

 

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