Schlafapnoe-Syndrom – zu wenig Atmung in der Nacht

Das Schlafapnoe-Syndrom ist eine schlafbezogene Atmungsstörung. Beim Schlafapnoe-Syndrom unterscheiden wir die Hypopnoe von der Apnoe. Eine Hypopnoe ist ein verminderter Atemgasfluss bei gleichzeitigem Abfall der Sauerstoffsättigung. Apnoe bedeutet einen kompletten Atemstillstand für mehr als 10 Sekunden.

Die Schlafapnoe ist zum Teil mit einfachen Methoden messbar. Wir bestimmen hier den sogenannten Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI). Dieser misst die Anzahl der Ereignisse an relevanter Apnoe bzw.Hypopnoe pro Stunde. Ab einem Apnoe-Hypopnoe-Index von 5 gilt der Befund als auffällig.

Wenig Sauerstoff in der Nacht hat hohen Adrenalinspiegel zur Folge

Der Abfall der Sauerstoffsättigung bedeutet für Ihren Körper eine erhebliche Stresssituation. Denn Sauerstoff ist lebenswichtig und muss dem Körper Tag und Nacht zugeführt werden. Der Körper kann einen Abfall der Sauerstoffsättigung sehr früh wahrnehmen. Er reagiert dann mit einer Adrenalin-vermittelten Aktivierung, um im wahrsten Sinne des Wortes den Körper wach zu rütteln, sodass er wieder anfängt vernünftig zu atmen. Diese Stressreaktion mit Adrenalin, die in der Nacht bis zu 60 Mal pro Stunde und fast ausnahmslos unbewusst vorkommt, hat erhebliche gesundheitliche Folgen – gerade im Herz-Kreislauf-Bereich.

Schlafapnoe – zentral, obstruktiv oder kombiniert?

Wir unterscheiden grundsätzlich zwei Formen des Schlafapnoe-Syndroms: das zentrale Schlafapnoe-Syndrom und das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom. Beide Formen kommen auch kombiniert vor.

Zentrales Schlafapnoe-Syndrom. Hier liegt ein verminderter Atemantrieb in Ihrem Gehirn vor. Es kommt zur fehlenden Atembewegung von Brustkorb und Bauch, so dass der Atemgasfluss vermindert ist. Das wiederum führt zum bekannten Abfall der Sauerstoffsättigung.

Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom. Hier ist der Atemantrieb komplett normal. Auch eine Atembewegung von Brustkorb und Bauch ist vorhanden. Allerdings sind die oberen Atemwege vorübergehend verlegt. Der Atemgasfluss kann deshalb nicht vernünftig stattfinden, so dass wiederum die Sauerstoffsättigung abfällt. Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom ist die häufigste Form.

Schlafapnoe-Syndrom – Risikofaktoren

Der Hauptrisikofaktor für eine Schlafapnoe ist das Übergewicht. Weil die oberen Atemwege stärker mit Fett unterpolstert sind, treten in Verbindung mit einer schlaffen Muskulatur dann die oben genannten Probleme auf.

Zudem kann abendlicher Alkohol ein Schlafapnoe-Syndrom noch erheblich verstärken. Des Weiteren begünstigen anatomische Besonderheiten, zum Beispiel eine Verlegung durch eine geschwollene Nasenmuschel bzw. geschwollene Rachenmandeln, eine Schlafapnoe.

Schlaftabletten haben ähnlich wie Alkohol eine Schlafapnoe-verstärkende bzw. -auslösende Wirkung.

Nicht zu vergessen ist, dass das Schlafen in Rückenlage die obstruktive Schlafapnoe begünstigt. In einigen Fällen treten die nächtlichen Atmungsstörungen ausschliesslich in Rückenlage auf. Eigentlich ist das mit die erste therapeutische Maßnahme, die wir bei der Diagnose eines obstruktiven Schlafapnoesyndroms empfehlen: Schlafen Sie bitte auf der Seite!

Schlafapnoe-Syndrom – Tagesmüdigkeit, Bluthochdruck, Vorhofflimmern

Meistens ist es der Lebenspartner, der beim Betroffenen das Schlafapnoe-Syndrom bemerkt. Hierbei gilt es auf Schnarchen mit phasenweise tiefen seufzerartigen Atemzügen zu achten. Nicht jedes Schnarchen bedeutet, dass Sie ein Schlafapnoe-Syndrom haben. Entscheidend ist der Nachweis von Hypopnoe- oder Apnoe und der damit verbundene Abfall der Sauerstoffsättigung im Blut, was man nur messtechnisch, z.B. mit der kardiorespiratorischen Polygrafie erfassen kann.

Grundsätzlich gilt, dass der Schlaf nicht erholsam ist, unabhängig von seiner Dauer. Die wiederholt auftretenden nächtlichen Alarm- und Stressreaktionen führen zu einer neuro-vegetativen Dysbalance. Diese äußert sich durch Tagesmüdigkeit mit dem Bedürfnis weniger als 5 Stunden nach dem Erwachen wieder zu schlafen. Gereiztheit und Unkonzentriertheit sind häufig ein Problem.

Für uns in der Cardiopraxis ist es vor allen Dingen der schwer einstellbare Bluthochdruck und Vorhofflimmern ohne klar erkennbare Ursache, die uns an ein Schlafapnoe-Syndrom denken lassen.

Schwere Komplikationen des Schlafapnoe-Syndroms

An erster Stelle hier zu nennen ist der tagsüber auftretende Sekundenschlaf im Straßenverkehr. Eine erhebliche Zahl an Unfällen in Deutschland wird durch den sogenannten Sekundenschlaf am Steuer verursacht – häufig eine Folge eines Schlafapnoe-Syndroms. Es wird geschätzt, dass 25% aller Unfälle auf der Autobahn Folge eines Sekundenschlafs sind.

Der Abfall der Sauerstoffsättigung und die damit verbundene Steigerung des Adrenalinspiegels im Blut hat erhebliche Folgen für Ihr Herz-Kreislaufsystem. Im kardiovaskulären Bereich bereiten vor allem Bluthochdruck sowie Herzrhythmusstörungen wie z.B. Vorhofflimmern Probleme. Allerdings steigt auch das Risiko für einen Herzinfarkt oder auch einen Schlaganfall.

Bei begleitender Koronarer Herzkrankheit ist das Schlafapnoe-Syndrom auch ein Risikofaktor für eine potenziell tödliche Rhythmusstörung: das gefürchtete Kammerflimmern.

Schlafapnoe-Syndrom – daran denken und handeln

Das Schlafapnoe-Syndrom ist also eine Erkrankung, bei der Probleme in der Nacht zu gesundheitlichen Folgen am Tage führen. Sollten Sie bei sich oder einem anderen Menschen Symptome des Schlafapnoe-Syndroms bemerken, dann ist eine orientierende Diagnostik zu Hause, z.B. mit einem tragbaren kardio-respiratorischem Polysomnografiegerät, sinnvoll.

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