Kreislaufschwäche – Muskeln häufig das Problem 

Im Körperkreislauf unterscheiden wir den arteriellen und den venösen Kreislauf. Der arterielle Kreislauf versorgt den Körper z.B. mit Sauerstoff, Blut fließt vom Herzen weg. Über den venösen Kreislauf kehrt Blut, z.B. mit weniger Sauerstoff zum Herz und zur Lunge zurück.

Der venöse Rückstrom zum Herz ist wesentlich komplexer als der arterielle Einstrom. Um zum Herzen zurückzufließen müssen verschiedenen Muskelpumpen ineinandergreifen. Wir unterscheiden die Bein-, Beckenboden, Körperstamm-, Zwerchfell- und die Herzmuskelpumpe. Kurzum, das was beim arteriellen Einstrom alleine durch Ihre linke Herzhauptkammer geleistet wird, das muss auf der rückkehrenden venösen Seite von verschiedenen Pumpen erledigt werden. Folglich ist der venöse Rückstrom auch störanfälliger.

Schwacher venöser Rückstroms – Ursachen und Folgen

Zu einer der häufigsten Ursachen eines gestörten Rückstroms gehört eine schwache Muskulatur vor allen Dingen des Beckenbodens, des Körperstamms und des Zwerchfells. Das Blut versackt im Körper, vornehmlich im Bereich der Beckenvenen. Wir nennen das in der Fachsprache „venöses Pooling“.

Durch ein zu geringes Angebot an venösem Blut an die rechten Herzkammern droht das Herz „leer“ zu pumpen und damit die Minderversorgung Ihres Gehirns. Diese existentielle Bedrohung des Bewusstseins beantwortet Ihr Körper verständlicherweise mit einer Stressreaktion. Adrenalin-vermittelt pumpt das Herz jetzt schneller und kräftiger und Ihr Körper versucht die Blutgefäße enger zu stellen. So will der Körper erreichen, dass der Druck im System wieder steigt.

Diese Mechanismen erklären auch die Symptome eines zu geringen Rückstroms.

Symptome bei venösen Kreislaufstörungen

Die Symptome eines zu geringen Rückstroms von venösem Blut treten vor allen Dingen im Stehen, aber auch im Sitzen und bei langsamem Gehen auf. In diesen Körperpositionen muss das Blut ca. 4/7 Ihrer Körperlänge gegen die Schwerkraft zurücklegen.

Besonders gefährdete Menschen sind hier vor allen Dingen Frauen, die nicht regelmäßig trainieren, eine sitzende Tätigkeit ausüben, übergewichtig sind, ein breites Gesäß und damit ein großes Reservoir für ein venöses Pooling haben. Auch sehr schlanke eher muskelschwache Menschen können Probleme entwickeln. Bei ruhigem Stehen oder langsamem Gehen kann es zu kritischen Kreislaufsituationen kommen.

Folgende akuten Symptome können Sie auch an sich selber bemerken.

Kreislaufstörungen bei anderen Menschen erkennen – Schwanken, Zittern, Ohnmacht

Nun, Sie können Kreislaufstörungen nicht nur bei sich selber bemerken, sondern auch bei anderen Menschen erkennen. Es ist durchaus sinnvoll, wenn Sie solche Veränderungen bei Ihren Mitmenschen erkennen. Folglich können Sie die Betroffene oder den Betroffenen darauf hinweisen. So können dann Maßnahmen ergriffen werden, um mittelfristig einer Ohnmacht vorzubeugen.

Aufgrund unserer alltäglichen Anwendung der unblutigen Kreislaufmessung, haben wir in der Cardiopraxis hier auch messtechnische Erfahrungen und können diese Phänomene besser zuordnen.

Venöse Kreislaufstörungen – nicht lange stillstehen können

Vielleicht ist es Ihnen schon mal aufgefallen, es gibt Menschen, die können nicht lange stillstehen. Dabei ist es durchaus normal, dass jeder Mensch beim Stehen sich leicht hin und her bewegt, z.B. von einem Fuß auf den anderen tritt. Allerdings kennen Sie sicherlich auch solche, die sich bei einem Gespräch im Stehen sehr schnell das Bedürfnis haben sich zu setzen.

Die Tendenz sich rasch hinzusetzen ist eine instinktive Vorbeugungsmaßnahme, um Kreislaufstess im Stehen oder gar einen Ohnmachtsanfall zu vermeiden.

Venöse Kreislaufstörungen – kompensatorisches zirkulatorisches Schwanken

Vor allen Dingen bei älteren und sehr muskelschwachen Menschen können Sie beobachten, wie diese im Stehen hin und her schwanken. Hierbei handelt es sich um ein Ausgleichsverhalten. Dieses dient dazu über eine wechselnde Anspannung der Muskeln den venösen Rückstrom in den Beinen zu unterstützen und Symptome zu vermeiden. Wir nennen dieses Phänomen das „kompensatorische zirkulatorisches Schwanken„.

Venöse Kreislaufstörungen – kompensatorisches zirkulatorisches Muskelzittern 

In seltenen Fällen können Sie beobachten, dass ein Mensch ausschließlich im Stehen zittert. Die Neurologen nennen es „orthostatischer Tremor„. Da dieses Phänomen ausschließlich im Stehen auftritt und im Sitzen verschwindet, kann eine Störung des venösen Rückstroms angenommen werden. Wir können es auch „kompensatorisches zirkulatorisches Muskelzittern“ nennen. Die Störung des venösen Rückstroms ist hier der Auslöser, was eine notwendige bzw. eine überschießenden Ausgleichsreaktion zur Folge hat.

Menschen mit einer besonders starken Störung des venösen Rückstroms sind hier besonders gefährdet, wenn Sie einer extremen Belastungssituation, z.B. längerem Stehen in der Sonne ausgesetzt sind. Kofaktoren, wie z.B. Magnesium, eine Entzündung oder auch bestimmte Medikamente, die allesamt einen gefäßerweiternden Einfluss auf die Venen haben, begünstigen diese kritische Kreislaufsituation. – Es droht ein Ohnmachtsanfall!

Nun versucht der Körper diesen drohenden Ohnmachtsanfall über einen besonders starke Adrenalin-vermittelte Aktivierung abzuwenden und den Kreislauf aufrecht zu erhalten.  Folglich setzt ein Muskelzittern ein, welches funktionell betrachtet auch die Muskulatur des Körperstamms betrifft und so den venösen Rückfluss kompensatorisch aufrechterhält.

Sie können das „kompensatorische zirkulatorische Muskelzittern“ als Betrachter ganz deutlich selber sehen, der betroffene Mensch zittert in der Tat am ganzen Leibe. Im Gegensatz zur üblichen Benommenheit bis hin zur Ohnmacht bei den üblichen Kreislaufstörungen, bleibt der Mensch bei „kompensatorischem zirkulatorischem Muskelzittern“ wach und bewusst. Das liegt wahrscheinlich an der sehr hohen Ausschüttung von Adrenalin.

Kompensatorisches Muskelzittern und orthostischer Tremor

Die Neurologen nennen dieses Phänomen des Zitterns im Stehen beschreibend einen „orthostatischer Tremor„, welcher eine sehr hohe Schlagfrequenz von 13-18 Aktionen pro Sekunde hat. Inwieweit es sich hier um eine Verstärkung des normalen und üblicherweise nicht sichtbaren physiologischen Tremors mit ca. 7 Aktionen pro Sekunde handelt ist nicht klar.

Klar ist allerdings, dass das kompensatorische zirkulatorische Zittern bzw. der orthostatische Tremor immer im Stehen auftritt und im Sitzen verschwindet. Von Seiten der Kreislaufmedizin gesehen betrachten wir dieses Phänomen daher eher funktionell bezogen auf die Auslösesituation bzw. eine ursächliche Kreislaufstörung.

Die neurologische Betrachtungsweise führt in der Regel zu einem rein symptomatischen und medikamentöse Therapieansatz, z.B. mit Benzodiazepinen oder Gabapentin. Der kreislaufmedizinische Ansatz hingegen zielt mit einer Stärkung der Muskulatur ursächlich auf die therapeutische Normalisierung des venösen Rückflusses ab.

Sei es, dass es sich um eine primär neurologische Störung Signalverarbeitung oder um eine primäre Kreislaufstörung handelt, eine Normalisierung des venösen Rückstroms, z.B. durch physiotherapeutisch angeleitetes Beckenboden-Training muss hier immer Teil des Behandlungskonzeptes sein, langfristig ist gutes Yoga therapeutisch.

Kreislaufstörungen – rationale Diagnostik und Therapie

Bemerken Sie bei sich oder anderen Menschen Symptome eines gestörten Kreislaufs, dann ist immer auch ein Besuch bei einer Kreislaufspezialistin bzw. bei einem -spezialisten sinnvoll. Hier sollten Ihr Herz sowie der venöse als auch der arterielle Kreislauf differenziert untersucht werden. Die unblutige Kreislaufmessung mit dem Finapres-System kann hier wertvolle Hinweise geben. Auch die Einnahme von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln muss im Hinblick auf ihre Kreislaufwirkung kritisch hinterfragt werden.

Auf der Grundlage von rationalen Messdaten kann so ein Therapiekonzept erarbeitet werden. Dieses zielt auf die Stärkung der Muskulatur der Beine, des Beckenbodens, des Körperstamms und des Zwerchfells und damit auf Behebung der Ursachen der Kreislaufstörungen ab.

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Beckenboden – Fundament für Frau und Mann

Der Beckenboden ist das Fundament des Körperstammes. Sie benötigen einen kräftigen Beckenboden z.B. für eine gesunde Körperhaltung, eine gute Drehstabilität Ihres Oberkörpers und ein gute Kraftentwicklung beim Tragen von Lasten. Kein Sport, und vor allen Dingen auch kein Kampfsport funktioniert ohne dieses Fundament. Gerade bei Frauen, die ja über elastischeres Körpergewebe verfügen als der Mann, ist das Training einer guten Körperspannung wichtig.

Wir in der Cardiopraxis beschäftigen uns mit dem Beckenboden vor allen Dingen unter dem Gesichtspunkt des gesunden Kreislaufs. Hier spielt er beim venösen Rückstrom von Blut zum Herzen eine besonders wichtige und häufig unterschätzte Rolle.

Beckenboden Muskelpumpe – das Herz in der Hose

In Ihrem Beckenboden gibt es zahlreiche Muskeln. Diese arbeiten auch unwillkürlich, ohne dass Sie das merken. In der Ausatmung spannen sich Ihre Beckenbodenmuskeln an und venöses Blut wird herzwärts gedrückt. In der Einatmung entspannen sich diese Muskeln wieder.

Dieser Mechanismus hat sich in der Evolution als Teil des Kreislaufs und sogar bei einigen Tieren als Teil des Gasaustausches entwickelt. In der Tat finden wir in der Natur sog. „Darmatmer“, die über die rhythmische Kontraktion des Enddarms Sauerstoff auf und Kohlendioxid abgeben. Sich können sich also vorstellen, für den Menschen ist der Beckenboden das Herz in der Hose.

Bei der Anspannung des Beckenbodens zieht sich nicht nur die Muskulatur des Beckenbodens selber zusammen, sondern auch die Innenseite Ihrer Oberschenkelmuskulatur. So wird auch wird auch die Beinmuskelpumpe integriert und trägt zum venösen Rückstrom bei.

Wenn Ihre Beckenbodenmuskulatur zu schwach ist, dann wird das Venenblut nicht richtig abgefördert. Als Folge versackt es in den Beckenvenen und der Druck im Becken steigt. Von der Form her können Sie sich das so vorstellen: aus einer schlanken Bordeauxflasche wird eine bauchige Bocksbeuteflasche.

Kreislaufsymptome bei schwachem Beckenboden

Ein schwacher Beckenboden hat folglich Symptome eines schwachen Kreislaufs zur Folge.

Gesunder Beckenbeckenboden – viele weitere Funktionen

Neben der Bedeutung für den Kreislauf hat Ihr Beckenboden noch viele weitere Funktionen, die für eine ganzheitliche Gesundheit wichtig sind. Es lohnt sicher daher diese verschiedenen Funktionen zu kennen, um zu verstehen wie wichtig das Training speziell für den Beckenboden ist.

Gesunder Beckenboden – Körperstabilität

Der Beckenboden ist das Fundament Ihres Körperstamms. Gerade beim Tragen von Lasten oder bei der Körperdrehung, z.B. beim Sport oder wenn Sie einen Koffer über Kopf in eine Ablage heben, dann leistet er für Sie wertvolle Dienste für einen sicheren Ablauf. Spannen Sie bei solchen Tätigkeiten den Beckenboden nicht an, dann schwächen Sie nicht nur die Muskulatur sondern auch die Venen in diesem Bereich. Folglich „leiern“ Muskeln und Venen aus. Hinzu kommt, dass Sie anfälliger für Rückenschmerzen werden.

Gesunder Beckenboden – Entlastung des Venensystems

Das „Ausleiern“ der Venen im Beckenboden hat nicht nur Kreislaufinstabilität zur Folge, sondern der gesteigerte Venendruck verursacht auch mit der Zeit sehr lästige Hämorrhoiden. Ein guter Spezialist für Hämorrhoiden, ein sog. Proktologe wird Ihnen nie eine Operation empfehlen, ohne dass er auf die Bedeutung des Beckenbodentrainings für die Vorbeugung in der Zukunft hinweist.

Falls Sie Beinödeme haben, dann ist sehr häufig ein schwacher Beckenboden die Ursache. Anstatt harntreibende Medikamente zu nehmen oder gar ausschließlich Kompressionsstrümpfe zu tragen, sollten sie konsequent Ihren Beckenboden trainieren.

Gesunder Beckenboden – normale Harnkontinenz

Gerade bei Frauen sind Beingewebe und Muskulatur von Natur aus dehnbarer, was ja für den natürlichen Geburtsvorgang wichtig ist. Mit den Jahren hat das falsche Ansprechen des Beckenbodens bei Belastung daher auf bei Frauen besondere Konsequenzen. Was beim Mann (durch die Vergrößerung der Prostata) zu wenig läuft, läuft bei Frauen häufig zu viel, es tritt eine Harninkontinenz auf. Bei Belastung, z.B. beim Sport oder schon bei herzhaftem Lachen geht dann der Urin unwillkürlich ab. Die häufig gewählte Antwort ist dann die Nutzung von Einlagen. Die richtige Antwort ist: Beckenboden-Training.

Auch beim Mann spielt der Beckenboden nach einer Prostata-Operation eine wichtige Rolle. Da durch die Operation nicht selten Nerven einzelner Schließmuskeln des Harnabflusses gestört sind, müssen diese bzw. die, welche verbleiben sind, richtig trainiert werden. Wir das nicht getan, dann droht auch hier die Inkontinenz.

Kräftiger Beckenboden – gesunde Sexualität

Ihr Beckenboden hat eine erhebliche Bedeutung für eine gesunde Sexualität. Er trägt zu den unwillkürlichen Kontraktionen des Orgasmus bei. Der Orgasmus hat dabei nicht nur die Funktion des Wohlbefindens und der sexuellen Erfüllung, sondern die rhythmischen Kontraktionen verbessern die Fruchtbarkeit. Bei Männern kommt in späteren Jahren noch hinzu, dass ein kräftiger Beckenboden die „Standfestigkeit“ erhält.

Beckenboden-Training in jedem Lebensalter

Wir empfehlen Beckenboden-Training in jedem Lebensalter. Ziel ist es drohende schwerwiegende Komplikationen und vor allen Dingen Ohnmacht zu verhindern.

Junge Menschen profitieren kurzfristig indem sich die Körperhaltung stabilisiert und Rückenschmerzen vermeiden werden. Darüber hinaus wird Benommenheit und Ohnmacht therapeutisch vorgebeugt. Gleichzeitig erlernen Sie ein gesundes körperliches Verhältnis zur Sexualität. So vermeiden Sie langfristige Komplikationen eines schwachen Beckenbodens, wie z.B. die Harninkontinenz.

Bei älteren Menschen hat die Empfehlung zum Training des Beckenbodens meistens schon therapeutischen Charakter. Wir empfehlen hier das Training vor allen Dingen, um den venösen Rückfluss und damit den Kreislauf zu stärken. Ziel ist es nicht selten die körperliche Selbstbestimmtheit zu erhalten und einen Rollator zu vermeiden. Bei Männern empfehlen wir bereits vor einer Prostata-Operation mit dem Beckenboden-Training zu beginnen.

Beckenboden-Training – professionelle Anleitung sinnvoll

Zum Training des Beckenbodens sind grundsätzlich sind alle Ansätze sinnvoll, die den Schwerpunkt auf den Körperstamm legen. Yoga ist für jeden von uns hervorragend geeignet, weil neben dem Beckenboden auch die Muskulatur des Körperstamms auch das Zwerchfell gekräftigt wird. Auch Power-Plate ist geeignet.

Bei einer therapeutischen Empfehlung raten wir immer zu einer professionellen Anleitung. Manchen Menschen fehlt einfach zunächst das Körpergefühl für den Beckenboden. Hier ist ein gezieltes physiotherapeutisch angeleitetes Beckenboden-Training erforderlich, um die Ansprache, d.h. das Gefühl für den Beckenboden zu erlernen.

Haben Sie die die Ansprache des Beckenbodens einmal richtig erlernt, dann können Sie Übungen ganz beiläufig im Alltag durchführen, z.B. wenn Sie in der Schlange an der Einkaufskasse stehen.

 

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Blutfluss in den Venen – Bedeutung für den Kreislauf häufig unterschätzt

Ihr Blut muss, nachdem es vom linken Herz aus über die Arterien das Körpergewebe erreicht hat, wieder zum rechten Herzen zurück. Nur so kann ein gesunder und leistungsfähiger Kreislauf aufrecht erhalten werden. Hierfür sind vor allen Dingen Ihre Beinmuskeln, die Muskeln des Beckenbodens und des Körperstamms, das Zwerchfell und das Herz wichtig. Anders gesagt, was für den arteriellen Kreislauf das Herz im Wesentlichen alleine leistet, wird beim venösen Rückstrom von verschiedenen Muskelgruppen übernommen.

Die Bedeutung des venösen Rückstroms wird von den meisten Menschen unterschätzt, auch von Ärztinnen und Ärzten.

Blutfluss in den Venen – wichtig für einen gesunden Kreislauf

Im Gegensatz zum arteriellen Einstrom vom Herzen zu den verschiedenen Organen, ist der venöse Rückstrom ein komplexerer und damit auch ein störanfälligerer Vorgang. Gerade beim vermeintlich ruhigen Stehen ist der Rücktransport von venösem Blut zum Herzen gegen die Schwerkraft ein große Herausforderung an Ihren Körper. Bedenken Sie, dass die Strecke von der Großzehe bis zum rechten Anteil des Herzens ca. 4/7 Ihrer Körperlänge beträgt. Es geht also ordentlich gegen die Schwerkraft bergauf.

Ziel des venösen Rückstroms ist es, dem rechten Herz genug Blutvolumen zum Pumpen anzubieten, so dass das sauerstoffarme venöse Blut an die Lunge weitergeleitet werden kann, um dort wieder mit  Sauerstoff angereichert zu werden. Gelingt dieses nicht in ausreichender Form, dann treten Adrenalin-vermittelte Ausgleichsmechanismen in Kraft.

 

Symptome bei venösen Kreislaufstörungen – Herzrasen, Benommenheit, Schwanken, Zittern, Ohnmacht

Subjektive Symptome eines gestörten venösen Rückstroms sind Benommenheit treten beim Aufstehen, nach längerem Stehen und auch bei langsamem Gehen auf.

Eine Ohnmacht tritt selten auf. Wenn Sie genau aufpassen, dann können Sie bei Ihren Mitmenschen unbewußte Ausgleichsreaktionen zur Verbesserung des venösen Rückstroms und damit zur Verhinderung einer Ohnmacht beobachten. Im Stehen besteht hier eine Tendenz sich schnell hinzusetzen, zu schwanken oder auch in seltenen Fällen ein gut sichtbares Muskelzittern.

Da da Kreislaufstörungen von einer z.T. erheblichen Adrenalin-vermittelten Aktivierung begleitet werden, drohen Angstreaktionen in Verbindung mit dem Stehen oder begleitenden Ereignissen. Folglich kann sich aus einer somato-psychischen Kreislaufstörung eine psycho-somatische Erkrankung mit Angstzuständen bis hin zu einer Fixierung in Form einer Phobie entwickeln.

Nun, um diese Prozesse besser zu verstehen müssen wir uns mit den verschiedenen Muskelpumpen des venösen Rückstroms beschäftigen.

Blutfluss in den Venen – verschiedene Muskelpumpen

Wie kann also nun im Stehen venöses Blut bergauf fließen?

Damit der venöse Rückstrom funktioniert und dem Herz wieder genug Blut zur Verfügung steht, müssen verschiedene Muskelpumpen funktionieren und richtig ineinander greifen.

Ist das sauerstoffreiche Blut über Arterien in Ihrer Großzehe angekommen und genügend Sauerstoff an das Gewebe abgegeben, dann muss es nun wieder zurück zum Herz. Dieses geschieht über die Venen. Nun, in der Großzehe sitzt kein Herz, welches das Blut gegen die Schwerkraft nach oben pumpt, so dass hier andere Pumpen am Werk sind. Der venöse Rückstrom beginnt mit der peripheren Muskelpumpe.

Periphere Muskelpumpe – von der Großzehe bis zur Leiste

Die periphere Muskelpumpe der Beine komprimiert die Beinvenen, so dass Blut herzwärts gedrückt wird. Die Venen sind im Vergleich zu Arterien deutlich muskelschwächer und dünnwandiger (Beinarterie ca. 1,0-1,5 mm vs. Beinvene ca. 0,5-0,75 mm) und lassen sich daher gut zusammendrücken. Auch beim vermeintlich ruhigen Stehen spannen Sie Ihre Beine durch leichte Bewegungen immer wieder unwillkürlich an. Dieses dient der Unterstützung des venösen Rückstroms.

Den Rückfall des Blutes mit der Schwerkraft nach fußwärts verhindern Rückschlagventile, die Venenklappen. Diese gibt es fast ausschließlich in den Extremitäten, also den Beinen und den Armen. Von den Beinen aus gesehen, gibt es ab der Leiste und damit ab dem Übergang in den Becken-Bauchraum keine Venenklappen mehr, die den Rückfall von Blut fußwärts verhindern.

Beckenboden Muskelpumpe – das Herz in der Hose

Der Beckenboden ist ein komplexes Gefüge aus ganz verschiedenen Muskeln. Diese ziehen sich unwillkürlich, also unbewusst zusammen: Anspannung in der Einatmung, Entspannung in der Ausatmung. Dabei wird das reichhaltige Venengeflecht des Beckens ausgepresst und herzwärts gedrückt, der Beckenboden ist sozusagen das Herz in der Hose.

Falls Sie ein Becken-Bodentraining schon einmal gemacht haben, dann werden Sie gemerkt haben, dass sich mit der Anspannung des Beckenbodens auch die Muskulatur auf der Innenseite des Oberschenkels anspannt. So werden die Oberschenkelvenen Richtung Bauchraum und somit herzwärts ausgedrückt.

Je schwächer die Beckenbodenmuskulatur, desto weniger trägt der Beckenboden zum Kreislauf bei und das venöse Blut versackt dann in den Beckenvenen. Sie können sich das so vorstellen, aus einer schlanken Bordeauxflasche wird eine bauchige Bocksbeutelflasche.

Dieses vermehrte Blutvolumen erhöht auch den Druck im Venengeflecht des Beckenbodens, so dass Blut aus den Beinen schlechter abfließen kann. Beinödeme sind hier häufig die Folge. Darüber hinaus hat Ihr Beckenboden noch zahlreiche weitere Funktionen.

Körperstamm Muskelpumpe – gute Grundspannung wichtig

Die Muskulatur des Körperstamms hält Spannung auf den Bauchvenen. Das ist besonders wichtig, weil Bauchvenen bis auf Einzelfälle keine Venenklappen haben. Sie können sich das so vorstellen, als ob Sie eine halbvolle aufrechte Shampoo Flasche nach oben ausdrücken wollen; die Öffnung stellt den Übergang zur rechten Herzvorkammer dar. Wenn Sie mit Ihren Händen keine Spannung aufbauen, dann können Sie die Flasche auch nicht ausdrücken. Anders gesagt, das venöse Blut hat es bei zu geringer Körperspannung schwerer zurück zum rechten Herz zu kommen.

Lungen-Muskelpumpe – starkes Zwerchfell besonders wichtig

Ab der Mitte des Bauchraums beginnen die Sogkraft der Lunge (und des Herzens) den Rückstrom zu unterstützen. In der Einatmung senkt sich das Zwerchfell Richtung Bauchraum und Ihre Lunge entfaltet sich. So entsteht in der Lunge ein Unterdruck, welcher einen Sog auf venöses Blut im Bauchraum ausübt. Diese geschieht je nach Anzahl der Atemzüge 12-16 mal pro Minute.

Ist Ihr Zwerchfell zu schwach, dann ist der venöses Rückstrom verringert und Ihre Leistungsfähigkeit ist eingeschränkt. Ein geschwächtes Zwerchfell entsteht häufig als Folge einer flachen Mund-Brustatmung. Das Zwerchfell wird so einfach nicht genügend trainiert; das ist genau so eine Dekonditionierung, wie wir sie von anderen Muskeln im Körper kennen. Gerade bei älteren Menschen, die ja in der Regel  weniger Fleisch essen, kommen noch ein Vitamin B12 bzw. ein Eisenmangel hinzu. Die Lungenmuskelkraft können wir in der Cardiopraxis mittels Manometrie gut messen.

Herz-Muskelpumpe – Sog während der Auswurfphase

Wenn Sie Ihren Puls fühlen, dann werfen die Hauptkammern Blut Richtung Lunge bzw. Körperkreislauf aus. Gleichzeitig bewegt sich das Herz in Richtung Herzspitze. Dieses übt bei geschlossenen vorgeschalteten Verbindungsklappen – rechts Trikuspidalklappe, links Mitralklappe – über einen Unterdruck einen Sog auf die jeweilige Vorkammer und das vorgeschaltete Venensystem aus. Dieses fördert auf der Seite der rechten Hauptkammer den Rückstrom aus dem Systemkreislauf.

Die Auslenkung der Hauptkammer Richtung Herzspitze, und damit auch indirekt die Sogkraft ist im Herzultraschall mit dem sog. Tissue-Doppler gut messbar. Sie beträgt für die Seitenwand der rechten Hauptkammer 3,0 – 3,5 cm im Integral pro Herzaktion, für die linke Hauptkammer 2,0 – 2,5 cm. Ist der Wert rechts erniedrigt, z.B. fast immer nach einer Herzoperation und/oder durch Einnahme z.B. eines Beta-Blockers, dann kommt es zu einer Einflussstauung in den Brustraum. Das können wir im Ultraschall alleine schon an einer Weitstellung der großen unteren Körpervene, der Vena cava inferior im Stehen von deutlich mehr 15 mm erkennen.

Neben der Sogkraft spielt natürlich auch die Häufigkeit des Vorgangs eine Rolle. Liegt Ihre Herzfrequenz unter 50 bpm, dann kann eine sog. bradykarde Herzschwäche durch einen zu niedrigen Herzschlag eintreten.

Das Zusammenspiel aller Muskelpumpen

Für den geordneten vorwärtsgerichteten Fluss in einem hydraulischen System muss im vorgeschalteten System der Druck höher als im nachgeschalteten System sein. Dieses Druckgefälle nennen wir Druckgradienten. Beim venösen Rückfluss lässt sich das am besten ausgehend von der Atmung erklären.

Einatmung. Wenn Sie einatmen, dann spannt sich das Zwerchfell in Richtung Bauchraum an und die Lunge entfaltet sich. Durch die Weitstellung der Lungenarterien wird der Gefäßraum deutlich erweitert und der Druck fällt ab. Da das Zwerchfell nach unten drückt, werden im Bauchraum die Organe und damit auch die dünnwandigen Venen komprimiert. Hier steigt also der Druck. Das Resultat ist ein Anstieg des Druckgefälles zwischen Bauchraum (Zunahme) und Brustraum (Abnahme). Folglich fließt mehr venöses Blut aus dem Bauch- in den Brustraum.

Ausatmung. Wenn Sie ausatmen, dann entspannt sich das Zwerchfell Richtung Brustraum und die Lunge zieht sich aufgrund ihrer elastischen Eigenschaften zusammen. Folglich werden auch die Lungenarterien enger und der Druck steigt. Gleichzeitig sinkt der Druck im Bauchraum. Der Druckgradient zwischen Bauch- und Brustraum wird geringer, was einen verringerten herzwärts gerichteten Vorwärtsfluss zur Folge hat.

Um hier einem fußwärts gerichteten Rückfluss entgegen zu wirken, spannt sich die Becken-Bodenmuskulatur in der Ausatmung an und der Druck im Becken steigt. Es entsteht also ein Druckgradient zwischen Beckenraum und Bauchraum, so dass Blut Richtung Bauchraum fließen kann. Gleichzeitig wird mit der Anspannung des Beckenbodens auch die Muskulatur der Innenseite des Oberschenkels angespannt. Die Folge ist, dass venöses Blut aus dem Oberschenkel in den Bauchraum (am Becken vorbei) fließen kann.

Herz und Beine. Unabhängig von der Atmung wird auch durch die Herzaktion und die unwillkürliche Bewegung der Beine ein Druckgradient in die vor- bzw. nachgeschalteten Kompartimente aufrechterhalten, um den vorwärtsgerichteten Blutfluss zu unterstützen. Der Rückfluss in die Beine wird zu jedem Zeitpunkt durch die Venenklappen verhindert.

Kreislauftraining für die Venen

Wenn Sie den venösen Rückfluss trainieren, dann verbessern Sie Ihre Leistungsfähigkeit und Ihr Befinden. Grundsätzlich sind alle Ansätze geeignet, die den Schwerpunkt auf den Körperstamm legen. Yoga ist hier hervorragend geeignet, weil neben der Muskulatur des Körperstamms auch der Beckenboden und das Zwerchfell gekräftigt werden.

Manchmal ist ein gezieltes physiotherapeutisch angeleitetes Beckenboden-Training erforderlich, um die Ansprache, d.h. das Gefühl für den Beckenboden zu erlernen. Erst wenn der Beckenboden professionell antrainiert ist, dann ist auch ein Training mit Vibrationsplatten, z.B. Power-Plate oder Galileo sinnvoll.

 

 

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Der Baroreflex – Schutzmechanismus vor zu viel Druck und Dehnung

Ihr Herz-Kreislaufsystem ist ein hydraulisches System, welches wesentlich durch die physikalischen Größen Druck und Fluss bestimmt wird. Folglich dient das System wesentlich dem Transport, vor allen Dingen dem Zu- und Abtransport von Nähr- bzw. Abbaustoffen, dem Transport von Hormonsignalen und der Temperaturregulation.

Allerdings muss das Herz-Kreislaufsystem auch sich selber schützen, damit es nicht geschädigt wird. Daher dient die Druckregulierung nicht nur der Durchblutung, sondern auch dem Schutz vor zu hohem Druck bzw. Überdehnung von Arterien und Venen. Hierfür hat Ihr Körper verschiedene Schutzreflexe. Einer der wichtigsten Schutzreflexe ist der Baroreflex.

Baroreflex – Schutz vor allem für das Gehirn

Ihr Gehirn ist besonders druckempfindlich und benötigt daher stabile Druckverhältnisse, um richtig zu funktionieren. Falls Sie an Blutdruckschwankungen leiden, dann haben Sie das sicherlich schon einmal gemerkt. Bei zu hohen Werten spüren Sie Kopfschmerzen oder ein stumpfes Gefühl im Kopf. Bei zu niedrigem Druck merken sie Benommenheit bis hin zu Ohnmachtsanfällen.

Der Baroreflex hat eine seiner Hauptmessstationen in der Gablung der hirnversorgenden Halsarterien. Das sog. Glomus caroticum ist ein Nervengeflecht, welches sowohl über Druck- als auch Dehnungsrezeptoren verfügt.

Die Signale werden kontinuierlich gemessen und an den Hirnstamm zur unbewussten Informationsverarbeitung weitergeleitet. Hier findet der Abgleich mit dem Sollwert statt. Das geschieht in wenigen 100 ms durch das vegetative Nervensystem.

Das Steuerungszentrum ist mit den peripheren Blutgefäßen und dem Herzen verbunden. Der Sinusknoten, der „Taktgeber“ des Herzens ist so mit dem Glomus caroticum in der rechten Halsarterie verbunden. Das linke Sensororgan ist mit dem AV-Knoten, dem elektrischen „Verzögerer“ im Herzen verknüpft.

Druck zu hoch. Ist Ihr Blutdruck zu hoch, dann steuert der Baroreflex gegen, indem die Herzfrequenz gesenkt und die Blutgefäße erweitert werden. Folglich wird Ihr Herz-Kreislaufsystem entlastet.

Druck zu niedrig. Ist Ihr Blutdruck zu niedrig, dann steigt die Herzfrequenz und die Blutgefäße spannen sich an. Das hält in Ihrem Kreislauf den Durchblutungsdruck stabil, so dass alle Organe, und allen voran das Gehirn auch gegen die Schwerkraft ausreichend mit Blut versorgt sind.

Baroreflex – zu hohe Empfindlichkeit mit Risiko für Ohnmachtsanfälle

Ist das Glomus caroticum zu empfindlich, dann kann der Baroreflex übersteuern. Ihr Blutdruck und Ihre Herzfrequenz fallen zu stark ab, das kann beim einfachen hypersensitiven Carotissinus ohne Symptome von statten gehen. Treten Symptome wie Benommenheit und Ohnmachtsanfälle auf, dann sprechen wir vom Carotin-Sinus-Syndrom.

Baroreflex-Test

Die Empfindlichkeit Ihres Baroreflexes, also das Verhältnis zwischen Herzfrequenz und Blutdruck kann bei simultaner kontinuierlicher Messung, z.B. mit dem Finapres-System getestet werden. Die Methodik ist aufgrund des apparativen Aufwandes nicht weit verbreitet.

Vor dem Baroreflex-Test überprüfen wir Ihre Halsschlagadern mittels Ultraschall auf Verengungen. Ist eine hirnversorgende Arterie verschlossen oder hochgradig verengt, dann können wir den Test nicht durchführen. Beim Baroreflex-Test selber massieren wir jeweils eine Halsschlagader mit dosiertem Druck. In der Regel wird nur die Herzfrequenz mittels EKG aufgezeichnet. Folgt dem Druck eine EKG-Pause von mehr als 3,0 Sekunden, dann bewerten wir den Carotissinus als hypersensitiv, also als überempfindlich.

Wichtig ist, dass der Baroreflex-Test nicht nur im Liegen, sondern auch im Stehen durchgeführt wird. Im Stehen ist der Carotissinus empfindlicher und die diagnostische Aussagekraft steigt erheblich.

Die schlussendliche Relevanz eines hypersensitiven Carotis Sinus wird an Ihren Symptomen während des Tests, spontan im Alltag, und an den Ergebnissen von Langzeit-EKGs fest gemacht. Auf dieser Grundlage entscheiden wir dann, ob ein Carotis-Sinus-Syndrom vorliegt  und legen gemeinsam das weitere Vorgehen fest, z.B. ob ein Herzschrittmacher erforderlich ist.

 

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Task Force of the European Society of Cardiology 2018;30:e43-e80

 

 

 

 

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Regulation Blutdruck an der Halsschlagader – Schutz für das Gehirn

Die Halsschlagader versorgt das Gehirn mit Blut, auch gegen die Schwerkraft. Um ideal zu funktionieren, braucht das Gehirn dafür den richtigen Blutdruck. Ist der Blutdruck z.B. für 10 Sekunden zu niedrig, dann kann das zum Bewusstseinsverlust führen.  Ist der Blutdruck zu hoch, können Bewusstseinsstörungen oder gar Hirnblutungen die Folge sein.

Das Nervenzentrum, das den Blutdruck an der Halsschlagader reguliert, heißt Glomus caroticum. Bei hohem Blutdruck sorgt es für eine Senkung der Herzfrequenz und eine Weitstellung der Arterien – und schützt dadurch das Gehirn. Die Gehirnfunktion bei niedrigem Blutdruck erhält es, indem die Herzfrequenz gesteigert und die Arterien enggestellt werden. Dieser wichtig Herz-Kreislaufreflex wird Baroreflex genannt.

Überempfindliche Druckregulation – Risiko Ohnmachtsanfälle

Die Regulation des Baroreflexes kann überempfindlich sein, d.h. bereits ein geringer Druck auf das Nervenzentrum an der Halsschlagader löst kritische Abfälle von Herzfrequenz und/oder Blutdruck aus. Daher sind die Bestimmung der Barorezeptor-Sensitivität und der Carotis-Druckversuch fester Bestandteil der Abklärung von Ohnmachtsanfällen.

Hinweise auf einen überempfindlichen Carotis-Sinus

Im Alltag ergeben sich Hinweise auf eine empfindliche Halsschlagader, wenn aus einer Situation heraus Druck auf die Halsschlagader ausgeht. Das kann die starke Kopfwendung zu einer Seite sein, z.B. beim Blick nach hinten (meistens nach links, Schulterblick beim Autofahren) oder beim Rasieren vorkommen und auch ein zu enger Hemdkragen kann dann Benommenheit bzw. Ohnmachtsanfälle auslösen.

Menschen mit einem überempfindlichen Carotin Sinus sind meistens über 60 Jahre. Eine Verringerung der Elastizität der Halsschlagader, z.B. bei einer beginnenden Arteriosklerose spielt häufig eine Rolle. Darüber hinaus kann auch eine vermehrte Adrenalin-vermittelte Aktivierung durch Stress, z.B. durch einen Flüssigkeitsmangel oder Schmerzen einen überempfindlichen Carotis Sinus zur Folge haben.

Überempfindlicher Baroreflex – Herzfrequenz und/oder Blutdruck beeinträchtig

Bei einem überempfindlichen Carotin Sinus kann die Regulation von Herzfrequenz und Blutdruck in unterschiedlichem Ausmaß betroffen sein. Maßstab ist hier das Ergebnis des Carotis-Druckversuchs.

Hypersensitiver Carotis Sinus vom primär kardio-depressiven Typ. Bei dieser Störung ist überwiegend die Regulation des Herzens betroffen. Wir sprechen vom kardio-depressiven Typ, wenn die Pause zwischen 2 Herzschlägen mehr als 3 Sekunden entspricht, also die Herzfrequenz kurzzeitig weniger als 20 ppm beträgt.

Hypersensitiver Carotin Sinus vom primär vaso-depressiven Typ. Hier ist eher die Gefäßregulation beeinträchtigt. Beim vaso-depressiven Typ fällt der systolische Blutdruck um mehr als 50 mmHg ab.

Natürlich kann auch die Kombination von beiden Phänomenen, niedrige Herzfrequenz + niedriger Blutdruck, unabhängig davon ob die Definition für den ein oder anderen Typ erfüllt ist, zu Ohnmachtsanfällen führen.

Wichtig wird die Unterscheidung aber, wenn es um die Therapie geht, denn Ohnmachtsanfälle durch einen überwiegend vaso-depressiven Typ wird man nicht erfolgreich mit einem Schrittmacher behandeln können. Hinzu kommt, dass der vaso-depressive mit der herkömmlichen Diagnostik (EKG, Blutdruckmanschette) nicht sicher erkannt werden kann. Wir in der Cardiopraxis nutzen daher die kontinuierliche Blutdruckmessung mit dem Finapres-System.

Hypersensitiver Carotin Sinus – wirklich relevant für Symptome?

Ein hypersensitiver Carotin Sinus bedeutet nicht gleich, dass das die Ursache für Synkopen ist. Bevor weitere therapeutische Maßnahmen in diese Richtung ergriffen werden, muss der Zusammenhang zwischen hypersensitivem Carotin Sinus und dem Spontanereignis im Alltag hergestellt sein. Erst dann sprechen wir von einem Carotis Sinus-Syndrom. Am wichtigsten ist hier die Krankengeschichte. Wir versuchen mittels sehr aufmerksamer Befragung herauszufinden, was unmittelbar vor der Benommenheit bzw. der Ohnmacht stattgefunden hat. Wird als Auslösesituation eine Kopfwendung bei der Autofahrt genannt, dann ist der Zusammenhang ziemlich eindeutig.

Unterstützend bei der Diagnostik sind das Langzeit-EKG und gegebenenfalls die Implantation eines sog. Event-Recorders.

Behandlung von Carotis-Sinus-Syndrom – Übertherapie mit Herzschrittmacher vermeiden

Eine Behandlung, die immer wieder beim Carotis-Sinus-Syndrom gewählt wird, ist die Implantation eines Herzschrittmachers. In Einzelfällen ist das sicherlich sinnvoll. Allerdings müssen Sie berücksichtigen, dass häufig ein Mischtyp (inkompletter kardio-depressiver + vaso-depressiver Mischtyp) vorliegt. In diesem Fall kann der Schrittmacher die Störung nur unvollständig kompensieren und die Symptome bleiben häufig bestehen.

Wir bevorzugen als primären Ansatz eine Sympathikolyse, d.h. eine Verringerung des Adrenalin-Tonus’ im vegetativen Nervensystem. Dieses kann bekanntermaßen mit der chronischen Einnahme eines Beta-Blockers gelingen. Wir verwenden hier auch mit Erfolg Rauwolfia Tropfen. Häufig genügt die vorübergehende Behandlung. Als Maß für den Therapieerfolg nutzen wir die Angabe von Symptomen und den Carotis-Druckversuch, welcher sich unter erfolgreicher Therapie normalisiert.

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Task Force of the European Society of Cardiology 2018;30:e43-e80

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Beim Tauchen steigt der Druck mit zunehmender Tiefe. Wenn sich Taucher zu schnell vertikal im Wasser bewegen, etwa beim Auftauchen, kann es zu einem starken Druck-Missverhältnis zwischen Mittelohr und Umgebung kommen.

Eine mögliche Folge: Das Trommelfell platzt. Ist das der Fall, entsteht ein Wärme-Missverhältnis zwischen beiden Mittelohren und der Taucher verliert die Orientierung für oben und unten – die Wahrscheinlichkeit zu ertrinken steigt.

Zur Vorbeugung empfehlen wir verschiedene Maßnahmen. 2 bis 4 Wochen vor dem Tauchgang sollte ein HNO-Arzt aufgesucht werden, der die Ohren reinigt (Infektionsrisiko senken!) und die Beweglichkeit der Trommelfelle und damit ihr Perforationsrisiko prüft.

Beim Tauchen selbst gilt: Niemals allein tauchen, stets langsam vertikal bewegen und bei Ohrendruck das sogenannte Valsalva-Manöver ausführen – eine bestimmte Atemtechnik zum Druckausgleich.

Für Herzpatienten finden Sie Informationen HIER

 

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Schwindel oder Benommenheit – Watte im Kopf 

Jeder von uns hat schon einmal Schwindel, Benommenheit oder sogar eine Ohnmacht erlebt. 

Diese Symptome sind mit erheblichen Verunsicherung verbunden, nicht selten auch mit der Angst das Bewusstsein zu verlieren. Bedenken wir die möglichen Verletzungsfolgen einer Ohnmacht, dann ist das mehr als verständlich. 

In den aller meisten Fällen liegt eine medizinisch-erklärbare und behandelbare somatische, d.h. körperliche Störung vor. Wird die körperliche Störung nicht erklärt und behandelt, dann kann sich die Angst vor neuen verselbständigen. Quasi in einem Teufelskreis verstärkt die Angst vor immer wieder auftretender Unsicherheit die Angst davor. Folglich entwickelt sich dann nicht selten aus einer in erster Linie somato-psychischen Veränderung eine verselbständigte psycho-somatische Störung.  

Orientierungsstörungen im Raum – Benommenheit und Schwindel  

Die räumliche Orientierung in Bezug zur Umgebung wird beim Menschen entscheidend durch den Gesichtssinn über die Augen und das Gleichgewichtsorgan im Innenohr bestimmt. Hinzu kommt die Selbstwahrnehmung des Körpers über spezielle Tastkörperchen in Muskulatur und Haut. Störungen der Orientierung im Raum sowie des Bewusstseins, ohne dass ein Bewusstseinsverlust auftritt, sind ein häufiges Symptom. Wir unterscheiden zwischen Benommenheit und Schwindel, wobei Benommenheit häufig fälschlicherweise häufig auch als Schwindel bezeichnet wird.   

Schwindel – Symptom mit einer Systematik

Beim Schwindel, im Englischen „Vertigo“ handelt es sich um eine Störung mit einer Systematik. Man unterscheidet zwischen Drehschwindel (man hat das Gefühl, die Umgebung dreht sich um einen herum, wie auf einem Karussell), Schwankschwindel (man hat das Gefühl, man schwankt, wie auf einem Schiff) und einem Liftschwindel (man hat das Gefühl abzuheben, wie in einem Fahrstuhl). Die Ursache ist sehr häufig eine Störung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr, z.B. der häufige gutartige anfallsartige Lagerungsschwindel bzw. der nachgeschalteten Strukturen im Gehirn.

Bei Schwindel kann es sich um  dauerhafte oder vorübergehende Veränderung der Weiterleitung von Nervensignalen handeln. Auch neurologische Verarbeitungsprozesse können zu Problemen führen. Ursachen sind immer wieder der gutartige anfallsartige Lagerungsschwindel des Innenohrs., ein Tumor oder eine Nerventzündung.

Unsicherheiten in Bezug auf den umgebenden Raum können auch von z.T. auch vorübergehenden Veränderungen des Sehens ausgehen. Hier kann eine z.B. lokale Durchblutungsstörung des Sehnervs vorliegen. Dieses kann zu Gesichtsfeldausfällen bis hin zu Blindheit auf einem Auge oder z.B. auch Doppelbilder zur Folge haben. Die Diagnose und Behandlung dieser umschriebenen systematischen neurologischen Störungen erfolgt durch die Hals-Nasen-Ohren Ärztin, den Neurologen und/oder den Augenarzt.  

Benommenheit – Symptom ohne Systematik

Die Diagnose und Behandlung der diffusen Benommenheit ist eine Domäne der Herz-KreislaufmedizinBei der Benommenheit handelt es sich um eine diffuse Veränderung der Wahrnehmung. Die verschiedenen Ursachen führen zu Störungen, die im Gegensatz zum Schwindel nicht nur eine fokal umschriebene Gehirnstruktur, z.B. das Innenohr, sondern das ganze Gehirn betreffen.

Diese nicht-fokalen Ereignisse sind fast ausnahmslos Folge einer Veränderung der gesamten Gehirndurchblutung. Am häufigsten tritt eine kritische Verringerung der Blutversorgung in Verbindung mit einem zu geringen Blutdruck auf. Aber auch die alleinige Erhöhung des Blutdrucks kann Benommenheit zu Folge haben. Darüber hinaus spielt eine Verringerung des Blutflusses ein vollkommen unterschätzte Rolle.

Weil das ganze Gehirn betroffen ist, sind die Symptome diffus. Sie haben den Eindruck Watte im Kopf zu haben, die Umgebung wird unwirklich und Sie werden unsicher. Ihnen kann sogar kurz schwarz vor Augen werden und Sie haben den Eindruck das Bewusstsein komplett zu verlieren und wollen sich festhalten. Die Episoden sind meistens mit einem auslösenden Ereignis verbunden, können kurz sein, aber auch länger anhalten. Zu einem kompletten Bewusstseinsverlust kommt es selten, hier liegen meistens andere Ursachen vor. 

Benommenheit – Kreislaufstörungen die häufigste Ursache

Gemäß den häufigsten Ursachen ist die Benommenheit meistens direkte Folge einer Auslösesituation, die mit einer Steigerung der Kreislaufarbeit gegen die Schwerkraft verbunden ist. Es handelt sich hierbei um Veränderungen der Körperlage vom Liegen bzw. Sitzen in den stehenden Zustand bzw. auch um längeres ruhiges Stehen oder langsames Gehen. Dieser Wechsel ist mit einem erheblichen Mehraufwand zur Aufrechterhaltung des Blutdrucks und damit auch der Durchblutung des Gehirns verbunden.

Benommenheit – venöser Rückstrom von Blut gegen die Schwerkraft häufiges Problem

Wenn Sie ruhig stehen, dann muss im Venensystem das Blut gegen die Schwerkraft transportiert werden. Der lange Weg reicht dann von Ihrer Großzehe bis zum Herz-Brustraum. Dieses ist ein hochkomplexer Vorgang der auch die Muskulatur der Beine und des Körperstamms mit einbezieht.

Die Sogkraft von Herz und Lunge haben erst eine Wirkung, wenn das rückfließende Blut bereits ungefähr die Mitte des Bauchraums erreicht hat. Ist der Rückfluss unzureichend, dann steht dem Herzen nicht genug Pumpvolumen zu Verfügung, so dass Blutdruck und Blutfluss abfallen. Im Arteriensystem muss in aufrechter Körperhaltung das Gehirn gegen die Schwerkraft durchblutet werden. Dieser Regelkreis ist für Ihr Überleben von vordringlicher Bedeutung. Ein Kreislaufstillstand von mehr als 10 Sekunden führt zum Bewusstseinsverlust mit potentiell tödlichen Folgen.

Da die Änderung der Körperposition im Raum mit so kritischen Folgen verbunden sein kann, gibt es im Körper vor allen Dingen am Übergang von der unteren Hauptvene (Vena cava) zur rechten Herzvorkammer und in der Halsschlagader am Übergang vom Brustraum zum Gehirn Messstationen, die dafür sorgen, dass bei Bedarf Ausgleichsreaktionen ausgelöst werden um einen kritische Durchblutungsstörung des Gehirns zu vermeiden. Diese Ausgleichsreaktionen, so z.B. eine Steigerung der Herzfrequenz (Pumpe pumpt schneller) und/ oder eine Engerstellung von Arterien und Venen (Druck im hydraulischen System steigt), sind Adrenalin-vermittelt. 

Benommenheit – moderne Kreislaufmessung als Schlüssel zur richtigen Therapie 

In der Cardiopraxis wissen wir aufgrund eigener messtechnischer Erfahrungen mit der unblutigen Kreislaufmessung, dass bei der Diagnose und Therapie der Benommenheit die ursächliche Bedeutung von Herz-Kreislaufstörungen deutlich unterschätzt wird. Das liegt vor allen Dingen daran, dass die komplette Messung des Kreislaufs, obwohl wissenschaftlich gesichert, aufgrund erhöhten Aufwands (einschl. der Komplexität der Auswertung) nicht verbreitet ist. Folge ist, dass bei Menschen mit Benommenheit sehr häufig die falsche Diagnose gestellt wird.  

Therapeuten stellen aufgrund diagnostischer und therapeutischer Ratlosigkeit auch immer wieder die Diagnose einer psycho-somatischen Erkrankung. Das hilft Ihnen als Betroffenen häufig nicht weiter. Diese Herangehensweise ist sogar in gewisser Weise nicht nur medizinisch falsch, sondern auch unethisch. Die Verantwortung für die Symptome wir in in Sie als Betroffene verlagert, obwohl sehr häufig eine somatisch feststellbare und therapeutisch korrigierbare Ursache vorliegt.

In diesem Sinne versuchen wir in der Cardiopraxis mit einem konsequenten wissenschaftlich-ganzheitlichen Ansatz die ursächlichen körperliche Ursachen für die Benommenheit zu erfassen. Nach gezielter Korrektur von somatischen Störungen, wie z.B. im einfachsten Fall eines Flüssigkeitsmangels kommt es in den allermeisten Fällen im Sinne einer somato-psychischen Interaktion zu einer Normalisierung von Befinden und objektiven Messergebnissen; die Diagnose einer psycho-somatischen Erkrankung muss nur selten gestellt werden. 

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Seekrankheit entsteht, weil die Wahrnehmung einer unbewegten Umwelt (Horizont) und des bewegten Körpers auf See in einem Missverhältnis stehen (occulo-vestibuläres mismatch).

Die Symptome reichen von Unwohlsein über Verdauungsstörungen bis hin zu Kaltschweißigkeit und Erbrechen. Jeder Mensch, auch langjährig symptomfreie Seeleute, können seekrank werden. Nach einer Anpassungsphase von ca. 48 Stunden verschwinden die Symptome in der Regel wieder.

Betroffene sollten den zentralen Teil eines Schiffs aufsuchen und die dezentralen Teile Bug und Heck mit ihren stärkeren Vertikalbewegungen meiden. Scopolamin und andere häufig verschriebene parasympathikolytische Medikamente helfen effizient bei Seekrankheit. Taucher sollten diese Medikamente jedoch nicht einnehmen, da sie zu Benommenheit führen können.

 

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