Beiträge

Linksschenkelblock – was ist das?

Das Herz ist ein elektromechanisches Organ. Das heißt: Zunächst kommen die elektrische Erregungsbildung und Fortleitung und anschließend die Mechanik. Bei der Mechanik erschlafft und füllt sich das Herz, der Herzmuskel zieht sich zusammen und wirft dann das Blut in den Kreislauf aus. Die elektromechanische Kopplung meint diese Beziehung, dass einem elektrischen Impuls anschliessend die mechanische Antwort des Herzens folgt.

Linksschenkelblock – elektrische Erregung der Herzhauptkammern

Die elektrische Impulsgebung im physiologischen Sinusrhythmus passiert im Sinusknoten, der im oberen rechten Vorhof liegt. Von dort aus erfolgt die Erregung über die Vorhöfe. Die Erregung wird nach kurzer Filterung im AV-Knoten anschliessend auf die Herzhauptkammern übergeleitet. Dabei erregt der rechte Tawara-Schenkel die rechte Hauptkammer und der linke Tawara-Schenkel die linke Hauptkammer. Die Tawara-Schenkel sind spezialisierte Herzfasern zur Erregungsfortleitung in den Hauptkammern. Man kann sie sich wie einen Baum mit einer größeren Hauptleitung und Verzweigungen in viele kleinere Unteräste vorstellen. Folglich führt dies zur zeitgleichen Erregung des gesamten Herzmuskels.

Linksschenkelblock – Diagnose

Den Linksschenkelblock diagnostizieren wir im 12-Kanal-Ruhe-EKG. Dabei kommt es zu einer verzögerten Erregungsleitung im linken Tawara-Schenkel. Im EKG sehen wir, dass die linke Herzhauptkammer verzögert erregt wird. Der QRS-Komplex ist bei einem kompletten Linksschenkelblock hier breiter als 120 ms. Wir unterscheiden davon einen inkompletten Linksschenkelblock, bei dem der QRS-Komplex zwischen 110 und 120 ms breit ist.

Linksschenkelblock – was sind die Ursachen?

Die wesentlichen Ursachen des Linksschenkelblocks sind strukturelle Erkrankungen des Herzens, vor allem die koronare Herzerkrankung und ein bereits erlebter Herzinfarkt. Bei der systolischen Herzinsuffizienz, also einer relevanten Einschränkung der linksventrikulären Pumpkraft, finden wir in etwa 30% der Fälle einen Linksschenkelblock. Dabei ist es nicht immer eindeutig, was jeweils Henne und was Ei ist. Also, die Herzinsuffizienz kann zu einem Linksschenkelblock führen, aber auch der Linksschenkelblock kann bei längerer Persistenz zu einer Herzschwäche führen.  Zudem sind weitere Ursachen Bluthochdruckerkrankungen und Herzklappenfehler und eher selten kann der Linksschenkelblock auch angeboren sein.

Linksschenkelblock – welche Folgen?

Beim Linksschenkelblock liegt eine elektromechanische Störung vor. Das heißt: Die linke Herzhauptkammer wird verspätet und dabei „auf Umwegen“ erregt. Es kommt daher zu einer Asynchronie zwischen der linken und rechten Herzhauptkammer. Die Erregung erreicht die rechte Hauptkammer früher und es kommt zu einer interventrikulären Asynchronie. Darüber hinaus arbeitet aber auch die linke Herzhauptkammer in sich asynchron. Die septalen Abschnitte der Kammerscheidewand werden dabei frühzeitiger erregt als die der Lateralwand. Folglich nennen wir dies intraventrikuläre Asynchronie. Durch diese asynchrone Kontraktion des linken Herzens arbeitet das Herz unökonomisch. Die Herzkraft ist demnach reduziert und so kann es bei längerer Persistenz durch den Linksschenkelblock bedingt zu einer Verschlechterung beziehungsweise neu auftretenden Pumpschwäche des linken Herzens kommen.

Linksschenkelblock – welche Therapiemöglichkeiten?

Zunächst einmal ist es wichtig die Ursachen des Linksschenkelblocks, also die Grunderkrankung, wirkungsvoll zu bekämpfen. Dies beinhaltet die medikamentöse Therapie einer Herzschwäche und die Versorgung einer Durchblutungsstörung des Herzens. Medikamente, die die Leitung wieder beschleunigen und den Linksschenkelblock somit direkt auflösen, gibt es nicht. In bestimmten Fällen kommt aber ein sogenanntes CRT-System zum Einsatz. Dies ist ein spezielles Schrittmachersystem, das die rechte Kammer und die linke Kammer über den Zugang des Koronarsinus für die linke Kammer zeitgleich erregen kann. Somit kommt es wieder zu einer Synchronisation und damit zu einer Besserung des Pumpverhaltens.

Linksschenkelblock – was ist zu beachten?

Der Linksschenkelblock weist in der Regel auf eine Herzschädigung hin und hat insgesamt eine schlechtere Prognose als der sogenannte Rechtsschenkelblock. Zu einer kardiologischen Abklärung bei Linksschenkelblock raten wir daher immer.

 

Literatur

Fahy GJ et al. Natural history of isolated bundle branch block. American Journal of Cardiology 1996; 77: 1185-1190

 

 

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes


Sie möchten regelmässig informiert bleiben? Tragen Sie sich hier für unseren Newsletter ein!


Herz – elektromechanisches Organ

Das Herz ist ein elektromechanisches Organ. Dabei erfolgt zunächst der elektrische Impuls und die elektrische Erregung wird daraufhin im Herzen weitergeleitet. Anschliessend folgt der elektrischen Erregung die Mechanik: das Erschlaffen und die Füllung, sowie anschließend das Zusammenziehen des Herzmuskels und Auswurf des Blutes in den Kreislauf. Der Begriff elektromechanische Kopplung bezeichnet, dass nach dem elektrischen Impuls die mechanische Herzarbeit kommt.

Herz – Elektrophysiologie

Unser Taktgeber ist der Sinusknoten im physiologischen Sinusrhythmus. Nach Ausbreitung der Erregung über die Vorhöfe kommt es nach einer kurzen Verzögerung im AV-Knoten, dem Filter zwischen Vorhof und Kammer, zu einer Weiterleitung der elektrischen Erregung auf die rechte und auf die linke Hauptkammer. Diese Weiterleitung passiert über spezialisierte Herzfasern, den sogenannten Tawara-Schenkeln. Folglich erregt der rechte Tawara-Schenkel schließlich die rechte Herzhauptkammer, währende der linken Tawara-Schenkel die linke Herzhauptkammer erregt. Ist die Weiterleitung des rechten Tawara-Schenkels verzögert, kommt es zum Rechtsschenkelblock. Dabei geht man davon aus, dass etwa 0,15% der Bevölkerung einen Rechtsschenkelblock haben. Mit steigendem Lebensalter kommt er häufiger vor.

Rechtsschenkelblock – Die Diagnose

Die Verzögerung der Erregungsleitung im rechten Tawara-Schenkel sehen wir im EKG. Folglich ist die Diagnose Rechtsschenkelblock nur mithilfe des EKGs zu stellen. Dabei ist vor allem in den sogenannten rechtspräkordialen Ableitungen, diese sind V1 bis V3, die Diagnose zu stellen. Definitionsgemäß ist beim Rechtsschenkelblock die endgültige Negativitätsbewegung des QRS-Komplex später als 0,03 sec. Wir unterscheiden im EKG einen inkompletten von einem kompletten Rechtsschenkelblock:

  • QRS-Komplex >120 ms = kompletter Rechtsschenkelblock
  • QRS-Komplex >110 ms und <120 ms = inkompletter Rechtsschenkelblock

Rechtsschenkelblock – Die Ursachen

Im Wesentlichen kann jede strukturelle Erkrankung, welche zu einer Druck- oder Volumenbelastung des rechten Herzens führt, zu einem Rechtsschenkelblock führen. Hierzu gehören beispielsweise:
Herzklappenfehler
– Kurzschlussverbindungen (= Shunt)
– Durchblutungsstörungen
– Entzündungen
– Lungengerüsterkrankungen (zum Beispiel COPD)
– Lungengefäßerkrankungen (z.B. Lungenembolie)

Andere Ursachen sind sehr hohe Kaliumspiegel oder Vergiftungen. Zudem können Medikamente die Erregungsleitung verzögern und zu einem Rechtsschenkelblock führen, zum Beispiel Antiarrhythmika oder Psychopharmaka. Zudem kommen auch angeborene Formen des Rechtsschenkelblock vor.

Wichtig ist, dass der Rechtsschenkelblock auch bei strukturell herzgesunden Menschen vorkommen kann.

Rechtsschenkelblock – Die Therapie

Die Therapie des Rechtsschenkelblocks richtet sich nach der vorhandenen Grunderkrankung. Folglich kann eine Optimierung dieser Erkrankung zu einer Entlastung führen. Anders als beim Linksschenkelblock ist die sogenannte Resynchronisationstherapie, das heißt ein CRT System, hier in der Regel keine etablierte Therapieoption. Zudem sind Medikamente, welche die Erregungsleitung im rechten Tawara-Schenkel dauerhaft beschleunigen, nicht verfügbar. Insbesondere ist aber zu erwähnen, dass bei Fehlen einer Ursache einer strukturellen Erkrankung eine Therapie nicht erforderlich ist. Ein Rechtsschenkelblock kommt auch bei Herzgesunden vor.

Rechtsschenkelblock – Fazit

Einen Rechtsschenkelblock müssen wir uns individuell immer genau anschauen. Sind das Herz und die Lunge strukturell gesund, so ist die Prognose bei einem Rechtsschenkelblock uneingeschränkt. Zum Beispiel kann der Rechtsschenkelblock bei jungen auch sportlichen erwachsenen Menschen vorkommen. Verbunden mit einer strukturellen Herzerkrankung kann er mit einer eingeschränkten Prognose einhergehen, insbesondere je beiter der QRS-Komplex ist. Insgesamt ist die Prognose günstiger als der Linksschenkelblock. Der Linksschenkelblock ist häufiger Ausdruck einer strukturellen Herzerkrankung. Nichtsdestotrotz empfehlen wir bei Auftreten und insbesondere Neuauftreten eines Rechtsschenkelblocks eine kardiologische Kontrolle.

 

Literatur:

Fahy GJ et al. Natural history of isolated bundle branch block. American Journal of Cardiology 1996; 77: 1185-1190

Desai AD et al. Prognostic Significance of Quantitative QRS Duration. American Journal of Medicine 2006; 119: 600-606

 

EPU: Herzkatheter zur Untersuchung der Herz-Elektrik

Herzkatheter werden meistens zur Darstellung der Herzkranzgefäße durchgeführt. Demgegenüber befasst sich die sogenannte elektrophysiologische Untersuchung, kurz EPU, mit der Elektrik des Herzens.

Elektrophysiologische Untersuchung: Durchführung

Über die rechte Leistenvene bringt man in der Regel mindestens 3 Katheter in das rechte Herz vor. Die Untersuchung erfolgt unter leicht sedierender Medikation und einer Lokalanästhesie der Leiste. Dabei gibt es keine Narkose. Einen Katheter platziert man in der Vorkammer, einen Katheter in der Hauptkammer und einen Katheter an deren Übergang, am AV-Knoten. Gegebenenfalls – je nach Fragestellung – wird auch noch ein vierter Katheter in den Koronarsinus gelegt. Hierüber können wir zusätzlich die elektrischen Signale, die linksseitig zwischen Vor- und Hauptkammer zu sehen sind, ableiten.

Elektrophysiologische Untersuchung: Was sehen wir?

Über die Herzkatheter können lokale, elektrische Signale im Herzen aufgenommen und das Herz, ähnlich wie beim Herzschrittmacher, stimuliert werden. Die elektrophysiologische Untersuchung führt man je nach Fragestellung nach einem spezifischen Protokoll durch. Je nach Einzelfall werden auch während der Untersuchung bestimmte Medikamente gegeben, die eine gewisse Provokation darstellen. Folglich haben diese zum Ziel, die klinisch wahrgenommenen oder dokumentierten Herzrhythmusstörungen auch in der elektrophysiologischen Untersuchung auszulösen.

Elektrophysiologische Untersuchung: Welche Aussagen können wir treffen?

Die elektrophysiologische Untersuchung gibt Aussage über die wesentlichen, elektrischen Strukturen des Herzens. Dazu gehören:

  • Sinusknotenfunktion
  • Leitungseigenschaften des AV-Knoten und His-Bündel-Region
  • Nachweis oder Ausschluss zusätzlicher Leitungsbahnen
  • Auslösbarkeit und Analyse von Herzrhythmusstörungen aus der Vorkammer
  • Auslösbarkeit und Analyse von Herzrhythmusstörungen aus der Hauptkammer

Elektrophysiologische Untersuchung: Wann führen wir sie durch?

Die elektrophysiologische Untersuchung hat unterschiedliche Indikationen. Die häufigste ist das anfallsartige, regelmäßige Herzrasen wie beispielsweise eine AVNRT oder AVRT beim WPW-Syndrom. Bevor man die Ablation durchführt, wird im Rahmen der elektrophysiologischen Untersuchung versucht das Herzrasen zu induzieren und der genaue Mechanismus wird herausgearbeitet. Anschließend erfolgen die Ablation und danach die Kontroll-Stimulation, um den Ablationserfolg zu prüfen.

Auch bei Störung der Sinus- und AV-Knoten-Funktion, welche im Ruhe- und Langzeit-EKG deutlich wurde, wird wenn auch selten  in besonderen Fällen eine elektrophysiologische Untersuchung durchgeführt. Gerade bei diesen Fragestellungen hat aber in den letzten Jahren der implantierbare loop Recorder an Bedeutung gewonnen. Des Weiteren auch bei unklaren Ohnmachtsanfällen mit begleitender, struktureller Herzerkrankung oder Auffälligkeiten der Erregungsleitung im 12-Kanal Oberflächen-EKG kann die Untersuchung sinnvoll sein. Zudem kann eine elektrophysiologische Untersuchung indiziert sein bei Menschen, die wiederholt über Herzrhythmusstörungen und Herzrasen klagen und noch keine EKG-Dokumentation hatten, aber aufgrund der Symptomatik einen hohen Leidensdruck verspüren. Mithilfe Patienten-eigener App-basierter EKG-Schreibung kann hier zukünftig sicherlich eine verbesserte Diagnostik erfolgen, bevor die elektrophysiologische Untersuchung durchgeführt wird

Elektrophysiologische Untersuchung: Zusammenfassung

Die elektrophysiologische Untersuchung ist eine Katheter-gestützte Untersuchung des Herzens, die sich der Herz-Elektrik widmet. Insbesondere den genauen elektrophysiologischen Mechanismus von Herzrhythmusstörungen kann man untersuchen, um im Anschluss eine optimale Therapie einleiten zu können.

Literatur

Willems S. Leitlinie invasive elektrophysiologische Untersuchung. Clin Res Cardiol 2007; 96:634-651

WPW-Syndrom – Was ist das?

Das WPW-Syndrom wurde erstmals 1930 durch die Herren Wolf, Parkinson und White beschrieben. Die Anfangsbuchstaben geben dem Syndrom seinen Namen. Beim WPW-Syndrom besteht eine angeborene, zusätzliche elektrische Leitungsbahn zwischen Vorhof und Hauptkammer neben der sonst physiologischen einzigen elektrischen Verbindung, dem AV-Knoten. Dabei sind Männer häufiger betroffen als Frauen und in der Bevölkerung tritt das WPW-Syndrom mit einer Häufigkeit von 0,1-0,3% auf.

WPW-Syndrom – Was steckt elektrisch dahinter?

Die zusätzliche Verbindung leitet von der Vor- auf die Hauptkammer die elektrischen Signale weiter. Dabei kann sie sowohl in die normale Richtung leiten als auch in die entgegengesetzte Richtung. Bei einer sogenannten antegraden Leitung zeigt sich im EKG eine sogenannte Deltawelle. Diese stellt die vorzeitige elektrische Erregung der Hauptkammer neben der Überleitung über den AV-Knoten dar. Der Unterschied zur häufigeren sogenannten AV-Knoten-Reentry-Tachykardie besteht also darin, dass eine zusätzliche Leitungsbahn außerhalb des AV-Knotens vorliegt.

WPW-Syndrom – Klinische Symptome

Das führende Symptom ist das anfallsartige und regelmäßige Herzrasen mit Herzfrequenzen zwischen 140-220 Schlägen/min. Dieses tritt typischerweise erstmalig etwa im 20. bis 30. Lebensjahr auf. Dabei kann es vom Patienten selbst in etwa 1/3 der Fälle durch sogenannte vagale Manöver beendet werden.

WPW-Syndrom – Mögliche Komplikation

Die typische und gefürchtete Komplikation des WPW-Syndroms ist, dass bei antegrader schneller Leitungskapazität der zusätzlichen Leitungsbahn die Filterfunktion des AV-Knotens umgangen wird. Das passiert, wenn bei Auftreten von Vorhofflimmern sehr schnelle repetitive elektrische Signale auf die Hauptkammer überspringen. Durch diese hochfrequenten elektrischen Signale in der Hauptkammer kann das Risiko für Kammerflimmern erhöht sein. Um abzuschätzen, wie schnell die zusätzliche Verbindungsbahn leitet, kann ein Belastungs-EKG bzw. eine elektrophysiologische Untersuchung Hinweise geben.

WPW-Syndrom – Die Therapie

Die Therapie der Wahl ist die kathetergestützte Ablation. Hierbei wird durch die Katheterspitze die zusätzliche Leitungsbahn verödet. Die Erfolgsquote liegt über 95% und bei vollständiger Ablation der zusätzlichen Leitungsbahn kann man von einer Heilung sprechen. Dabei ist die Komplikationsrate eines solchen Eingriffes vor allem abhängig vom genauen Ort der Leitungsbahn. Liegt dieser sehr nahe am AV-Knoten, besteht ein Risiko für eine Verletzung des AV-Knotens mit nachfolgender Herzschrittmacherpflichtigkeit.

ESC-Guidelines for the management of patients with supraventricular tachycardia

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

 

 

AVNRT – anfallsartiges, regelmäßiges Herzrasen jungen und bei älteren Menschen

Einige Menschen, die uns in der Cardiopraxis besuchen, berichten über ein anfallsartiges Herzrasen. Davon sind viele im jüngeren Erwachsenenalter. Das Herzrasen wird dabei im Vergleich zum Vorhofflimmern als sehr regelmäßig empfunden.

Die sogenannte AV-Knoten-Reentry-Tachykardie (=AVNRT) ist die häufigste Ursache dieser regelmäßigen, anfallsartigen Tachykardien aus der Vorkammer und steht für etwa 2/3 der Fälle.

AVNRT – Wie kommt es dazu?

Die einzig elektrische Verbindung zwischen der Vorkammer und der Hauptkammer ist der AV-Knoten. Im Fall der AVNRT liegt hier eine Besonderheit zugrunde: Im AV-Knoten gibt es zwei funktionell unterschiedliche Leitungsbahnen. Die eine Bahn leitet den Impuls langsamer, die andere Bahn leitet ihn schneller.

Unter besonderen Voraussetzungen kann sich eine sogenannte Kreiserregung im AV-Knoten entwickeln, die für das Herzrasen ursächlich ist. Dabei nicht involviert ist der physiologische Taktgeber Sinusknoten. Diese Kreiserregung im AV-Knoten wird eingeleitet durch Extraaktionen des Herzens meistens aus der Vorkammer, seltener durch Extraschläge aus der Hauptkammer.

AVNRT – typische Merkmale

  • Herzrasen mit regelmäßiger Herzschlagfolge (im Gegensatz zum Vorhofflimmern)
  • Typisch plötzlicher Beginn und Ende (vergleichbar mit einem Lichtschalter, der ein- und ausgeschaltet wird)
  • Herzfrequenz zwischen 140-240 Schlägen/min möglich
  • Dauer des Herzrasens unterschiedlich: von Minuten bis Stunden und Tage
  • Nach dem Herzrasen häufig vermehrtes Wasserlassen (sog. Harnflut)

AVNRT – mögliche Begleitsymptome

Dessen ungeachtet sind Betroffene mit AVNRT häufig  strukturell herzgesund, sie haben also keine Durchblutungsstörung des Herzens oder eine Herzschwäche. Daher werden oft auch hohe Herzfrequenzen bis 200 Schläge/min toleriert. Dann sind mögliche Symptome Luftnot, begleitender Schwindel oder auch Angina pectoris. Gerade zu Beginn des Herzrasens, wenn der Puls plötzlich von 60 auf beispielsweise 200/min steigt, kann es zu einem kurzfristigen Blutdruckabfall kommen auch mit einer möglichen kurzen Ohnmacht.

AVNRT – Therapie in der Akutsituation

Der Patient selbst kann in der Akutsituation das Herzrasen unterbrechen durch sogenannte vagale Manöver. Folglich fördern diese die Aktivität des Nervus vagus, der auf den AV-Knoten eine hemmende Wirkung hat und so das Herzrasen beenden kann. Zu den vagalen Manövern gehören:

  • kaltes Wasser trinken
  • Gesicht in kaltes Wasser tauchen
  • Pressmanöver (gegen geschlossenen Mund/Nase forciert ausatmen)

Wer anschließend seine Beine hochlegt und so den venösen Rückstrom zum Herzen steigert, kann die Erfolgsrate der vagalen Manöver zur Beendigung des Herzrasens noch steigern auf etwa 30-40%.

Klappt dies nicht, so wird in der  Kardiologischen Arztpraxis oder in der Notaufnahme das Herzrasen erfolgreich mit Medikamenten beendet. Und zwar vorzugsweise mit Adenosin. Adenosin ist eine körpereigene Substanz, die als Bolus intravenös verabreicht kurzfristig den AV-Knoten blockiert und somit die Kreiserregung beendet.

AVNRT – Langzeittherapie

Zur Vermeidung erneuten Herzrasens ist die medikamentöse Prophylaxe beispielsweise mit Betablockern langfristig wenig effektiv. Dagegen gilt als Goldstandard der Therapie die Katheterablation. Hierzu wird über einen eingeführten Katheter eine der beiden Leitungsbahnen (der slow-pathway) mit Wärme verödet, sodass die Kreiserregung im AV-Knoten nicht mehr stattfinden kann.

Diese Ablation hat einen Langzeiterfolg von über 95%. In seltenen Fällen ist ein Zweiteingriff erforderlich. Die Komplikationsrate ist sehr gering. Die relevanteste Komplikation ist eine Verletzung der gesamten Leitungseigenschaft des AV-Knotens, was einen Herzschrittmacher nötig machen kann. Aber die Wahrscheinlichkeit für eine Herzschrittmacherpflichtigkeit liegt unter 1%.

AVNRT – Zusammenfassung

Die AV-Knoten-Reentry-Tachykardie ist eine häufige Ursache für anfallsartiges regelmäßiges Herzrasen aus der Vorkammer. Davon betroffen sind häufig jüngere Menschen. Diese Herzrhythmusstörung ist zunächst als gutartig einzustufen, es besteht kein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod. Schließlich läßt sich diese Rhythmusstörung heutzutage durch die Katheterablation langfristig heilen.

 

Fallbericht AVNRT mit Beispiel-EKG

2019 ESC Guidelines for the management of patients with supraventricular tachycardias

 

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes


Sie möchten regelmässig informiert bleiben? Tragen Sie sich hier für unseren Newsletter ein!


 

 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Borrelien werden durch Zecken übertragen

Die Borreliose ist eine durch Zecken übertragene Erkrankung, die auch das Herz angreifen kann. Der Erreger, ein Bakterium, heißt Borrelia burgdorferi und bevölkert den Darm der Zecke. Durch den Zeckenstich und dem damit verbundenem Verdauungsakt gelangt das Bakterium aus dem Darm zu den Beißwerkzeugen und so in das menschliche Gewebe. Die Übertragung findet frühestens nach einigen Stunden Kontaktzeit statt. Folglich ist ein frühes Entfernen der Zecken hocheffektiv und schützt vor der Borreliose.

Zecken in ganz Deutschland verbreitet

Zecken sind in ganz Deutschland verbreitet. Erkrankungen an Borreliose werden vor allen Dingen aus allen ostdeutschen Bundesländern, Bayern, Rheinland-Pfalz und aus dem Saarland an das Robert-Koch-Institut gemeldet. Die Saison für die verschiedenen Zecken beginnt im Frühjahr mit Temperaturen zum Teil schon ab 8 Grad Celsius und dauert bis zum Herbst.

Die Häufigkeit von Borrelien in Zecken ist schwierig zu ermitteln. Wir wissen, dass es beim Menschen nach einem Zeckenstich in 2,6 bis 5,6 Prozent der Fälle zu einer immunologischen Antwort kommt: Antikörper bilden sich. 41 von 100.000 Einwohnern pro Jahr erkranken an Borreliose, die Dunkelziffer ist allerdings unklar.

Borreliose – Symptome nach Tagen bis Wochen

Die Inkubationszeit für eine Borreliose, also bis sich Krankheitssymptome bemerkbar machen, beträgt nach Zeckenstich 3 bis 30 Tage. Ein frühes Symptom ist eine wandernde, ringförmige Rötung an der Stichstelle, das sogenannte Erythema migrans. Später sind dann auch das Nervensystem, die Haut, Gelenke und auch das Herz beteiligt – was erst Monate nach dem ursächlichen Stich auftreten kann.

Herz und Borreliose – Störungen des Herzrhythmus meistens das Problem

In 0,3 bis 4 Prozent aller Fälle ist das Herz bei Borreliose beteiligt – und damit sehr selten. Frauen sind im Gegensatz zu Männern deutlich häufiger betroffen, das Geschlechterverhältnis beträgt 3 zu 1. Die Herzbeteiligung wird ungefähr 3 Wochen nach dem Erythema migrans symptomatisch.

Die wichtigste Form der Herzbeteiligung bei einer Borreliose ist ein blockierter AV-Knoten. Folglich kann es zu einem langsamen Herzschlag kommen. Das Risiko für eine Ohnmacht ist so erhöht. Diese Störung ist allerdings häufig nur vorübergehend, und lediglich in 10 Prozent der Fälle ist eine dauerhafte Schrittmacherimplantation erforderlich.

Weiterhin kommen als Folge der Infektion auch Rhythmusstörungen wie einzelne Extrasystolen vor. Diese können dann auch mal komplexe Formen annehmen, z.B. in Form von Vorhofflimmern.

Eine weitere Form der Herzbeteiligung durch Borrelia burgdorferi ist die Herzbeutel– beziehungsweise Herzmuskelentzündung. Folglich kann auch eine Herzschwäche auftreten.

Borreliose – schwierige Diagnose

Die Diagnostik der Borreliose ist schwierig. Vor allen Dingen muss der Arzt gerade in den Sommermonaten und in den Folgemonaten daran denken.

Für den Kardiologen ist es der neu aufgetretene langsame Herzschlag vor allem bei jungen Menschen, der an eine Borreliose denken lässt. Im Ruhe-EKG oder auch im Langzeit-EKG können wir dann die durchaus flüchtig auftretende AV-Blockierung nachweisen. Auch bei einem Herzbeutelerguss oder einer Herzschwäche ohne erkennbare Ursache sollte man den Verdacht auf eine Borreliose lenken.

Nun muss der Zusammenhang zwischen den Veränderungen am Herzen und einem möglichen Zeckenstich hergestellt werden. Häufig können sich betroffene Personen zunächst nicht an einen Zeckenstich erinnern. Manchmal war es nur eine Wanderung durch ein waldreiches Gebiet vor einigen Wochen, und die Zecke wurde gar nicht bemerkt.

Als frühes Symptom kommt das Erythema migrans nur in 50 Prozent der Fälle vor. Der Antikörpernachweis im Blut ist bei der Interpretation im Hinblick auf eine akute Erkrankung schwierig. Ein Antikörper-Test wird daher nur bei einem begründeten klinischen Verdacht durchgeführt.

In der Frühphase der Erkrankung kann der Antikörper-Test ein negatives Ergebnis hervorbringen – hier besteht eine diagnostische Lücke. Daher sollte bei klinisch begründetem Verdacht trotzdem eine Behandlung in Erwägung gezogen werden. An Herzdiagnostik führen wir ein EKG, ein Langzeit-EKG, einen Herzultraschall und häufig auch ein MRT durch.

Die Lyme-Borreliose wird mit Antibiotika über 3 bis 4 Wochen behandelt. In sehr seltenen Fällen kann ein vorübergehender Herzschrittmacher erforderlich sein. In 10 Prozent der Fälle mit AV-Blockierung ist eine dauerhafte Schrittmacherimplantation nötig.

Zeckenbiß –  richtig vorbeugen ist bester Schutz

Bei der Borreliose ist der Schutz vor Zecken die wichtigste Vorbeugung. Beispielsweise sollten Sie im Wald auf festen Wegen bleiben, lange Hosen und feste Schuhe tragen. Nach einem Aufenthalt in der freien Natur, sei es auf einer hochgrasigen Wiese, im Wald oder auch in Ihrem eigenen Garten, suchen Sie den Körper nach Zecken ab. Das ist vor allen Dingen bei Kindern wichtig. Achten Sie auf Kopf, Hals, die Unterseite der Arme einschließlich der Achseln und schauen Sie in den Kniekehlen und im Genitalbereich nach!

Zeckenbiß – richtig handeln

Die Zecke sollten Sie dann rasch entfernen, am besten mit einer Zeckenpipette. Diese wird unterhalb des Zeckenkopfs im Hautniveau angesetzt und die Zecke wird unterhalb des Körpers gegriffen. NIEMALS sollten Sie den vollgesaugten Zeckenkörper greifen. Als nächstes ziehen Sie die Zecke vorsichtig und gerade heraus. NICHT die Zecke herausdrehen, denn sonst bleiben Teile der Zecke in Ihrer Haut. Abschließend desinfizieren Sie die Einstichstelle gründlich und beobachten sie den Hautbereich in den nächsten Wochen!

 

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


Sie möchten regelmässig informiert bleiben? Tragen Sie sich hier für unseren Newsletter ein!


Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Der Sinusknoten ist der Taktgeber des Herz-Kreislaufsystems. Den normalen Herzrhythmus bezeichnet man deswegen auch als Sinusrhythmus.

Am Dach der rechten Vorkammer befindet sich der Sinusknoten und gibt von dort aus elektrische Impulse ab: Die Erregung breitet sich über die Vorkammern und den AV-Knoten auf die Hauptkammern aus, schließlich folgt der mechanische Herzschlag.

Je nach Situation ist die Sinusknotenfrequenz unterschiedlich: In Ruhe liegt sie zwischen 50 und 100 bpm, bei Hochleistung bei bis zu 200 bpm.

Einen Einfluss auf den Sinusknoten haben

  • das autonome Nervensystem
  • zirkulierende Hormone
  • Medikamente (z.B. ß-Blocker)

Folgende Krankheiten können auftreten:

  • Die Sinusknotenfrequenz ist allgemein zu langsam
  • Der Sinusknoten fällt aus
  • Die Sinusknotenfrequenz ist bedarfsabhängig zu langsam =chronotrope Inkompetenz

In einigen Fällen kann eine Herzschrittmacher-Therapie helfen..

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


Sie möchten regelmässig informiert bleiben? Tragen Sie sich hier für unseren Newsletter ein!


Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Der AV-Knoten ist sehr wichtig für eine gute Herzarbeit: Am Übergang von Vor- zur Hauptkammer gelegen, verzögert er dort die elektrische Erregungsüberleitung und schützt vor lebensbedrohlich hohen Pulsfrequenzen (z.B. bei Vorhofflimmern).

Bestimmte Medikamente (z. B. Betablocker) oder auch Alterungsprozesse können seine Funktionsweise beeinflussen: Die Erregungsleitung kann zu stark verzögert sein oder auch Kammeraktionen können ausfallen – ein (zu) niedriger Puls ist die Folge. In der Regel hilft dann das Vermeiden der auslösenden Medikamente, in schweren Fällen ein Herzschrittmacher.

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


Sie möchten regelmässig informiert bleiben? Tragen Sie sich hier für unseren Newsletter ein!


Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Das EKG ist ein wichtiger Bestandteil beim Diagnostizieren von Rhythmus- und Durchblutungsstörungen des Herzens, z. B. Vorhofflimmern und Herzinfarkt, vor allen Dingen auch eines stummen Herzinfarktes. Als Vorsorgeuntersuchung wird ein EKG ab dem 35. Lebensjahr empfohlen.

Das Herz ist ein elektro-mechanisches System. Es bildet regelmäßig einen elektrischen Impuls, der in mechanische Energie umgesetzt wird. Das EKG stellt genau diese Erregungsbildung und ihre elektrische Fortleitung im Verlauf dar.

Und das alles lässt sich am EKG-Kurvenverlauf ablesen:

  • Erregungsbildung im Sinusknoten („Taktgeber”)
  • P-Welle = Erregungsausbreitung in den Vorkammern
  • mechanische Kontraktion der Vorkammern mit Füllung der Hauptkammern + Erregungsüberleitung auf den AV-Knoten („Verzögerer”)
  • QRS-Komplex = Erregungsausbreitung in den Hauptkammern
  • mechanische Kontraktion der Hauptkammern mit Auswurf des Schlagvolumens in den Körperkreislauf

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


Sie möchten regelmässig informiert bleiben? Tragen Sie sich hier für unseren Newsletter ein!


Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Die elektrische Aktivität des Herzens ist ein gut regulierter Prozess. Im Sinusknoten (Taktgeber) in der rechten Vorkammer wird die elektrische Erregung gebildet und über den AV-Knoten (Verzögerer) auf die Hauptkammern weitergeleitet.

Jede Herzmuskelzelle kann unabhängig vom Sinusknoten selbständig das Herz erregen. Tritt eine solche Störung auf, spricht man von einer Extrasystole. Dabei unterscheiden wir Vorhof- (atriale) und Hauptkammer- (ventrikuläre) Extrasystolen.

Einzelne Extrasystolen merkt man bereits subjektiv – in Form eines „Herz-Schluckaufs”. Das ist in der Regel medizinisch gesehen unbedenklich. Auf jeden Fall aber sollte dies bei einer Ärztin/einem Arzt abgeklärt werden, um Ursachen zu erkennen und zu beheben.

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


Sie möchten regelmässig informiert bleiben? Tragen Sie sich hier für unseren Newsletter ein!


Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch