Borrelien werden durch Zecken übertragen

Die Borreliose ist eine durch Zecken übertragene Erkrankung, die auch das Herz angreifen kann. Der Erreger, ein Bakterium, heißt Borrelia burgdorferi und bevölkert den Darm der Zecke. Durch den Zeckenstich und dem damit verbundenem Verdauungsakt gelangt das Bakterium aus dem Darm zu den Beißwerkzeugen und so in das menschliche Gewebe. Die Übertragung findet frühestens nach einigen Stunden Kontaktzeit statt. Folglich ist ein frühes Entfernen der Zecken hocheffektiv und schützt vor der Borreliose.

Zecken in ganz Deutschland verbreitet

Zecken sind in ganz Deutschland verbreitet. Erkrankungen an Borreliose werden vor allen Dingen aus allen ostdeutschen Bundesländern, Bayern, Rheinland-Pfalz und aus dem Saarland an das Robert-Koch-Institut gemeldet. Die Saison für die verschiedenen Zecken beginnt im Frühjahr mit Temperaturen zum Teil schon ab 8 Grad Celsius und dauert bis zum Herbst.

Die Häufigkeit von Borrelien in Zecken ist schwierig zu ermitteln. Wir wissen, dass es beim Menschen nach einem Zeckenstich in 2,6 bis 5,6 Prozent der Fälle zu einer immunologischen Antwort kommt: Antikörper bilden sich. 41 von 100.000 Einwohnern pro Jahr erkranken an Borreliose, die Dunkelziffer ist allerdings unklar.

Borreliose – Symptome nach Tagen bis Wochen

Die Inkubationszeit für eine Borreliose, also bis sich Krankheitssymptome bemerkbar machen, beträgt nach Zeckenstich 3 bis 30 Tage. Ein frühes Symptom ist eine wandernde, ringförmige Rötung an der Stichstelle, das sogenannte Erythema migrans. Später sind dann auch das Nervensystem, die Haut, Gelenke und auch das Herz beteiligt – was erst Monate nach dem ursächlichen Stich auftreten kann.

Herz und Borreliose – Störungen des Herzrhythmus meistens das Problem

In 0,3 bis 4 Prozent aller Fälle ist das Herz bei Borreliose beteiligt – und damit sehr selten. Frauen sind im Gegensatz zu Männern deutlich häufiger betroffen, das Geschlechterverhältnis beträgt 3 zu 1. Die Herzbeteiligung wird ungefähr 3 Wochen nach dem Erythema migrans symptomatisch.

Die wichtigste Form der Herzbeteiligung bei einer Borreliose ist ein blockierter AV-Knoten. Folglich kann es zu einem langsamen Herzschlag kommen. Das Risiko für eine Ohnmacht ist so erhöht. Diese Störung ist allerdings häufig nur vorübergehend, und lediglich in 10 Prozent der Fälle ist eine dauerhafte Schrittmacherimplantation erforderlich.

Weiterhin kommen als Folge der Infektion auch Rhythmusstörungen wie einzelne Extrasystolen vor. Diese können dann auch mal komplexe Formen annehmen, z.B. in Form von Vorhofflimmern.

Eine weitere Form der Herzbeteiligung durch Borrelia burgdorferi ist die Herzbeutel– beziehungsweise Herzmuskelentzündung. Folglich kann auch eine Herzschwäche auftreten.

Borreliose – schwierige Diagnose

Die Diagnostik der Borreliose ist schwierig. Vor allen Dingen muss der Arzt gerade in den Sommermonaten und in den Folgemonaten daran denken.

Für den Kardiologen ist es der neu aufgetretene langsame Herzschlag vor allem bei jungen Menschen, der an eine Borreliose denken lässt. Im Ruhe-EKG oder auch im Langzeit-EKG können wir dann die durchaus flüchtig auftretende AV-Blockierung nachweisen. Auch bei einem Herzbeutelerguss oder einer Herzschwäche ohne erkennbare Ursache sollte man den Verdacht auf eine Borreliose lenken.

Nun muss der Zusammenhang zwischen den Veränderungen am Herzen und einem möglichen Zeckenstich hergestellt werden. Häufig können sich betroffene Personen zunächst nicht an einen Zeckenstich erinnern. Manchmal war es nur eine Wanderung durch ein waldreiches Gebiet vor einigen Wochen, und die Zecke wurde gar nicht bemerkt.

Als frühes Symptom kommt das Erythema migrans nur in 50 Prozent der Fälle vor. Der Antikörpernachweis im Blut ist bei der Interpretation im Hinblick auf eine akute Erkrankung schwierig. Ein Antikörper-Test wird daher nur bei einem begründeten klinischen Verdacht durchgeführt.

In der Frühphase der Erkrankung kann der Antikörper-Test ein negatives Ergebnis hervorbringen – hier besteht eine diagnostische Lücke. Daher sollte bei klinisch begründetem Verdacht trotzdem eine Behandlung in Erwägung gezogen werden. An Herzdiagnostik führen wir ein EKG, ein Langzeit-EKG, einen Herzultraschall und häufig auch ein MRT durch.

Die Lyme-Borreliose wird mit Antibiotika über 3 bis 4 Wochen behandelt. In sehr seltenen Fällen kann ein vorübergehender Herzschrittmacher erforderlich sein. In 10 Prozent der Fälle mit AV-Blockierung ist eine dauerhafte Schrittmacherimplantation nötig.

Zeckenbiß –  richtig vorbeugen ist bester Schutz

Bei der Borreliose ist der Schutz vor Zecken die wichtigste Vorbeugung. Beispielsweise sollten Sie im Wald auf festen Wegen bleiben, lange Hosen und feste Schuhe tragen. Nach einem Aufenthalt in der freien Natur, sei es auf einer hochgrasigen Wiese, im Wald oder auch in Ihrem eigenen Garten, suchen Sie den Körper nach Zecken ab. Das ist vor allen Dingen bei Kindern wichtig. Achten Sie auf Kopf, Hals, die Unterseite der Arme einschließlich der Achseln und schauen Sie in den Kniekehlen und im Genitalbereich nach!

Zeckenbiß – richtig handeln

Die Zecke sollten Sie dann rasch entfernen, am besten mit einer Zeckenpipette. Diese wird unterhalb des Zeckenkopfs im Hautniveau angesetzt und die Zecke wird unterhalb des Körpers gegriffen. NIEMALS sollten Sie den vollgesaugten Zeckenkörper greifen. Als nächstes ziehen Sie die Zecke vorsichtig und gerade heraus. NICHT die Zecke herausdrehen, denn sonst bleiben Teile der Zecke in Ihrer Haut. Abschließend desinfizieren Sie die Einstichstelle gründlich und beobachten sie den Hautbereich in den nächsten Wochen!

 

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