AVNRT – anfallsartiges, regelmäßiges Herzrasen jungen und bei älteren Menschen

Einige Menschen, die uns in der Cardiopraxis besuchen, berichten über ein anfallsartiges Herzrasen. Davon sind viele im jüngeren Erwachsenenalter. Das Herzrasen wird dabei im Vergleich zum Vorhofflimmern als sehr regelmäßig empfunden.

Die sogenannte AV-Knoten-Reentry-Tachykardie (=AVNRT) ist die häufigste Ursache dieser regelmäßigen, anfallsartigen Tachykardien aus der Vorkammer und steht für etwa 2/3 der Fälle.

AVNRT – Wie kommt es dazu?

Die einzig elektrische Verbindung zwischen der Vorkammer und der Hauptkammer ist der AV-Knoten. Im Fall der AVNRT liegt hier eine Besonderheit zugrunde: Im AV-Knoten gibt es zwei funktionell unterschiedliche Leitungsbahnen. Die eine Bahn leitet den Impuls langsamer, die andere Bahn leitet ihn schneller.

Unter besonderen Voraussetzungen kann sich eine sogenannte Kreiserregung im AV-Knoten entwickeln, die für das Herzrasen ursächlich ist. Dabei nicht involviert ist der physiologische Taktgeber Sinusknoten. Diese Kreiserregung im AV-Knoten wird eingeleitet durch Extraaktionen des Herzens meistens aus der Vorkammer, seltener durch Extraschläge aus der Hauptkammer.

AVNRT – typische Merkmale

  • Herzrasen mit regelmäßiger Herzschlagfolge (im Gegensatz zum Vorhofflimmern)
  • Typisch plötzlicher Beginn und Ende (vergleichbar mit einem Lichtschalter, der ein- und ausgeschaltet wird)
  • Herzfrequenz zwischen 140-240 Schlägen/min möglich
  • Dauer des Herzrasens unterschiedlich: von Minuten bis Stunden und Tage
  • Nach dem Herzrasen häufig vermehrtes Wasserlassen (sog. Harnflut)

AVNRT – mögliche Begleitsymptome

Dessen ungeachtet sind Betroffene mit AVNRT häufig  strukturell herzgesund, sie haben also keine Durchblutungsstörung des Herzens oder eine Herzschwäche. Daher werden oft auch hohe Herzfrequenzen bis 200 Schläge/min toleriert. Dann sind mögliche Symptome Luftnot, begleitender Schwindel oder auch Angina pectoris. Gerade zu Beginn des Herzrasens, wenn der Puls plötzlich von 60 auf beispielsweise 200/min steigt, kann es zu einem kurzfristigen Blutdruckabfall kommen auch mit einer möglichen kurzen Ohnmacht.

AVNRT – Therapie in der Akutsituation

Der Patient selbst kann in der Akutsituation das Herzrasen unterbrechen durch sogenannte vagale Manöver. Folglich fördern diese die Aktivität des Nervus vagus, der auf den AV-Knoten eine hemmende Wirkung hat und so das Herzrasen beenden kann. Zu den vagalen Manövern gehören:

  • kaltes Wasser trinken
  • Gesicht in kaltes Wasser tauchen
  • Pressmanöver (gegen geschlossenen Mund/Nase forciert ausatmen)

Wer anschließend seine Beine hochlegt und so den venösen Rückstrom zum Herzen steigert, kann die Erfolgsrate der vagalen Manöver zur Beendigung des Herzrasens noch steigern auf etwa 30-40%.

Klappt dies nicht, so wird in der  Kardiologischen Arztpraxis oder in der Notaufnahme das Herzrasen erfolgreich mit Medikamenten beendet. Und zwar vorzugsweise mit Adenosin. Adenosin ist eine körpereigene Substanz, die als Bolus intravenös verabreicht kurzfristig den AV-Knoten blockiert und somit die Kreiserregung beendet.

AVNRT – Langzeittherapie

Zur Vermeidung erneuten Herzrasens ist die medikamentöse Prophylaxe beispielsweise mit Betablockern langfristig wenig effektiv. Dagegen gilt als Goldstandard der Therapie die Katheterablation. Hierzu wird über einen eingeführten Katheter eine der beiden Leitungsbahnen (der slow-pathway) mit Wärme verödet, sodass die Kreiserregung im AV-Knoten nicht mehr stattfinden kann.

Diese Ablation hat einen Langzeiterfolg von über 95%. In seltenen Fällen ist ein Zweiteingriff erforderlich. Die Komplikationsrate ist sehr gering. Die relevanteste Komplikation ist eine Verletzung der gesamten Leitungseigenschaft des AV-Knotens, was einen Herzschrittmacher nötig machen kann. Aber die Wahrscheinlichkeit für eine Herzschrittmacherpflichtigkeit liegt unter 1%.

AVNRT – Zusammenfassung

Die AV-Knoten-Reentry-Tachykardie ist eine häufige Ursache für anfallsartiges regelmäßiges Herzrasen aus der Vorkammer. Davon betroffen sind häufig jüngere Menschen. Diese Herzrhythmusstörung ist zunächst als gutartig einzustufen, es besteht kein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod. Schließlich läßt sich diese Rhythmusstörung heutzutage durch die Katheterablation langfristig heilen.

 

Fallbericht AVNRT mit Beispiel-EKG

2019 ESC Guidelines for the management of patients with supraventricular tachycardias

 

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes


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