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Notaufnahmestation – medizinische Dringlichkeit entscheidet über Reihenfolge der Behandlung

Wenn Sie den Rettungsdienst unter 112 verständigen bzw. selbstständig eine Notaufnahmestation aufsuchen UND Sie sind NICHT lebensbedrohlich erkrankt, dann sollten Sie die Regeln einer Notaufnahmestation kennen.

Auf einer Notaufnahmestation geht es NICHT der Reihe nach, und das ist auch medizinisch richtig so. Das mögen Sie subjektiv als ungerecht empfinden, das ist es aber nicht. Auf der Notaufnahmestation entscheidet die medizinische Dringlichkeit darüber, welcher Mensch zu welchem Zeitpunkt behandelt wird. Die medizinische Dringlichkeit wird endverantwortlich durch eine Ärztin oder einen Arzt festgelegt. Würde ein Arzt sich z.B. zeitaufwändig um einen Mann kümmern, der lediglich ein leichtes Fieber mit Husten hat, anstatt eine Frau mit drohendem Herzinfarkt akut zu versorgen, dann ist das ärztlich falsch und kann juristische Konsequenzen zur Folge haben.

Folglich sollten Sie sich auf einer Notaufnahmestation auf lange Wartezeiten, auch auf mehrere Stunden einstellen.

Sicherlich, Sie sind innerlich angespannt, fühlen sich körperlich nicht gut, wissen nicht, wie es weiter gehen wird und würden am liebsten bald wieder nach Hause gehen. Trotzdem sollten Sie darauf verzichten, ungeduldig und unfreundlich zu sein oder gar Pflegepersonal bzw. ärztliches Personal zu beschimpfen, auch wenn der Ablauf nicht Ihren Wünschen und Vorstellungen entspricht.

Gehen Sie davon aus, dass Ihre Wartezeit auf der Notaufnahmestation medizinisch sinnvoll für die Menschen genutzt wird, die dringlicher ärztliche Hilfe benötigen als Sie, nicht selten solche, die lebensgefährlich erkrankt sind.

Gut vorbereitet auf die Notaufnahmestation – Wartezeit sinnvoll gefüllt

Gut vorbereitet sollten Sie den Weg auf die Notaufnahmestation antreten, dann ist alles nur noch halb so schlimm. Sinnvoll ist es daher, BEVOR Sie sich auf den Weg zur Notaufnahmestation machen, neben den wichtigen medizinischen Vorbefunden, eine Reisetasche mit Nachtwäsche und etwas zum Lesen und zum Trinken mitzunehmen. Bei den doch wahrscheinlich längeren Wartezeiten ist es auch sinnvoll, ein Butterbrot und Obst einzupacken. Allerdings sollten Sie das Pflegepersonal auf der Notaufnahmestation fragen, bevor Sie etwas essen, denn für Sie könnten ja noch Untersuchungen anstehen, bei denen Sie nüchtern sein müssen.

Gut vorbereitet können Sie die Zeit im Wartebereich jetzt entspannt und sinnvoll füllen, indem Sie etwas lesen, sich mit Ihren Angehörigen unterhalten (ruhig) oder indem Sie entspannende Musik über Ihr Handy hören (selbstverständlich mit Kopfhörer).

Notaufnahmestation – durch Menschen mit nicht-lebensbedrohlichen Erkrankungen überlastet 

In Deutschland werden pro Jahr ca. 52 Millionen Menschen auf Notaufnahmestationen betreut. Bei ca. 1.850 Krankenhäusern, die an der Notfallversorgung teilnehmen, bedeutet dieses pro Krankenhaus rein rechnerisch ca. 28.1 Tausend Patienten pro Jahr und entsprechend 77,0 pro Tag und 3,2 pro Stunde. Selbstredend ist die Belastung in einigen Krankenhäusern höher und das Patientenaufkommen ist zu Stoßzeiten ebenfalls deutlich höher, z.B. 8-12 Patienten pro Stunde sind keine Seltenheit.

Die meisten ambulanten Notfallbehandlungen werden werktags zwischen 18:00-20:00 h und an Wochenenden zwischen 10:00-12:00h durchgeführt. An Wochenenden steigt die Zahl der ambulanten Notfälle um 39% an.

Ärztliches Personal und Pflegekräfte auf der Notaufnahmestation betreuen ca. 52 % aller Notfallpatienten ausschließlich ambulant. Von den verbleibenden ca. 25 Millionen Fällen in den Notaufnahmen hätten weitere 43 %, d.h. 10,7 Millionen ambulant versorgt werden können. Nur ca. 10% aller Menschen, die auf eine Notaufnahmestation kommen sind lebensbedrohlich erkrankt.

Insbesondere die Zahlen zur Mehrbelastung von Notaufnahmestationen am frühen Abend und am Wochenende sowie die Tatsache, dass 52% der Menschen ohne stationäre Aufnahme wieder nach Hause gehen, zeigen, dass diese Patienten von ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzten versorgt werden können und sollten. Kurzum, eine Vielzahl dieser Probleme sind eigentlich die Aufgabe Ihres Hausarztes, sofern die Praxis geöffnet ist. Außerhalb der hausärztlichen Praxiszeiten erfolgt in Deutschland die ambulante medizinische Versorgung durch den ärztlichen Notdienst bzw. durch die Notfallpraxen.

Nicht-lebensbedrohliche Erkrankungen – Ärztlicher Notdienst unter 116117 und Notfallpraxen kontaktieren 

Bei nicht-lebensbedrohlichen Erkrankungen NICHT den Rettungsdienst unter 112 verständigen und NICHT eine Notaufnahmestation in einem Krankenhaus aufsuchen.

Zu diesen nicht-lebensbedrohlichen Erkrankungen zählen wir:

  • Brechdurchfall
  • Erkältung mit hohem Fieber
  • Bauchschmerzen akut
  • Harnwegsinfekte akut
  • Rückenschmerzen akut
  • starke Hals- und Ohrenschmerzen

Entsprechend sollten Sie bei nicht-lebensbedrohlichen Erkrankungen den Ärztlichen Notdienst unter 116117 (besser zu merken als elf6 elf7) verständigen. Folglich können Sie bereits telefonisch Ihre Symptome schildern und sollten Sie nicht transportfähig sein, dann kommt auch ein Arzt zu Ihnen ins Haus. Ansonsten können Sie bei nicht-lebensbedrohlichen Erkrankungen eine Notfallpraxis aufsuchen, die Adresse finden Sie im Internet.

Beim Ärztlichen Notdienst bzw. in den Notfallpraxen werden die Menschen in der Regel der Reihe nach behandelt.

Die Öffnungszeiten lauten:

  • Montag, Dienstag, Donnerstag: 18:00-8:00h
  • Mittwoch, Freitag 12:00-8:00h
  • Samstag, Sonntag 8:00-8:00h

Menschen mit Hör- und Sprechstörungen kontaktieren den Ärztlichen Notdienst unter der Faxnummer 0800 58 95 210 oder in Nordrhein-Westfalen unter der E-Mail gehoerlos@arztrufzentrale-nrw.de (andere Bundesländer, siehe Internet)

Lebensbedrohliche Erkrankungen – Rettungsdienst unter 112 anrufen

Bei lebensbedrohlichen Situationen gilt immer: den Notruf 112 wählen!

Zu den Hinweisen auf lebensbedrohliche Erkrankungen zählen wir:

  • starke Brustschmerzen, Herzbeschwerden
  • schwere Atemnot
  • Lähmung, Sensibilitäts- oder Sprachstörungen
  • starke, bisher unbekannte Kopfschmerzen
  • Bewusstlosigkeit, Bewusstseinstrübung
  • schwere Blutungen, Verletzungen
  • Ertrinkungs-, Stromunfälle, Vergiftungen, Verbrennungen

Folgerichtig gehen Sie bei Absetzen des Notrufes schnell und konsequent vor, wie z.B. bei einem Herzinfarkt.

Akute Beschwerden – wählen Sie den richtigen Weg, meistens ist es elf6 elf7

Aufgrund der oben genannten Ausführungen wird klar, dass bei Menschen mit akuten Symptomen meistens der Gang auf die Notaufnahme nicht nur unbequem, sondern auch aus medizinischer Sicht nicht erforderlich ist.

Sparen Sie sich folglich Weg und Wartezeit, wenn eine nicht-lebensbedrohlich Erkrankung bei Ihnen besteht. Daher verständigen Sie in solchen Fällen den Ärztlichen Notdienst unter elf6 elf7.

IKK e.V. Notfallversorgung in Zahlen

Mehr zu: Dr. Natalie Fleissner

 

 

 

 

 

 


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Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Schlaganfall – immer ein Notfall!!

Ein Schlaganfall ist eine Notfallsituation. Allerdings ist der betroffene Mensch meistens hilflos oder nimmt den Schlaganfall selber gar nicht wahr. Die fehlende Wahrnehmung von Symptomen bei Betroffenen nennen wir in der Medizin “Neglect” und dieses Verhalten ist gerade typisch bei einem akuten Schlaganfall.

Zeitliche Verzögerung kann kritisch für den weiteren Verlauf sein, denn je früher ein Schlaganfall medizinisch behandelt wird, desto geringer sind die Spätfolgen, wie z.B. eine schwere körperliche Behinderung.

Folglich kommt gerade Angehörigen bei der Erkennung des Schlaganfalls eine große Bedeutung für die Einleitung der Rettungskette zu. Wir erleben es in der Cardiopraxis immer wieder, dass dem Ehepartner am Morgen beim Frühstück oder bei der Hausarbeit auffällt, dass mit dem Partner irgendetwas nicht stimmt.

Schlaganfall bei Mitmenschen erkennen

Folglich ist es sinnvoll, wenn Sie als Mitmensch die Symptome eines Schlaganfalls auch bei anderen Menschen erkennen können. Das gilt vor allen Dingen dann, wenn Menschen in Ihrem sozialen Umfeld Risikofaktoren für einen Schlaganfall haben, wie z.B. Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Vorhofflimmern oder auch eine Koronare Herzkrankheit.

Bemerkbar macht sich ein Schlaganfall zum Beispiel durch folgende Warnsymptome:

  • hängender Mundwinkel
  • halbseitige Lähmung
  • Sprachstörung
  • Sehstörungen
  • Schwindel und Gangstörung
  • heftigster, nicht gekannter Kopfschmerz

Nutzen Sie den FAST-Test:

Schlaganfall – so verhalten Sie sich bei einem Notfall

Wenn Sie (z. B. als Angehöriger oder Arbeitskollege) einen Schlaganfall vermuten, gehen Sie folgendermaßen vor:

  • Wählen Sie sofort 112, um einen Notruf abzusetzen!
  • Äußern Sie Ihren Verdacht auf einen Schlaganfall und beschreiben Sie genau, seit wann welche konkreten Symptome bestehen!
  • Beachten Sie: Nicht Sie, sondern die Notrufzentrale beendet das Gespräch! Somit gehen keine wichtigen Informationen (z. B. die Adresse) verloren.
  • Und: Fahren Sie niemals die betroffene Person selbst in die Klinik!

Schlaganfall – das machen Sie, bis der Rettungsdienst eintrifft

Bis der Rettungsdienst eintrifft, sollten Sie sich intensiv um den Menschen mit Verdacht auf Schlaganfall kümmern:

  • Beruhigen Sie ihn, indem Sie mit ihm sprechen!
  • Signalisieren Sie, dass Hilfe zeitnah kommt!
  • Öffnen Sie enge Kleidung!

Auch körperlich können Sie die Person unterstützen:

  • Sorgen Sie für eine 30 Grad-Oberkörperhochlagerung (z. B. mit einem Kissen)!
  • Achten Sie, dass sie auf dem Sofa oder Boden sitzt, nicht auf dem Stuhl (Sturzgefahr!)!
  • Wenn die Person bewusstseinsgestört ist und normal atmet: Machen Sie eine stabile Seitenlage! Auch bei Erbrechen können Sie eine stabile Seitenlage durchführen.
  • Wenn die Person bewusstlos ist und nicht normal atmet: Beginnen Sie mit Wiederbelebung!

Bei einem Schlaganfall können Schluckstörungen auftreten. Daher sollten Sie der betroffenen Person

  • keine Medikamente geben
  • kein Essen oder Trinken reichen
  • mögliche Zahnprothesen entfernen

Schlaganfall – Dokumentation für Klinik bereithalten

Wenn der Notarzt bzw. die Notärztin eintrifft, geben Sie bitte Medikamentenpläne und Arztbriefe mit. Es kann hilfreich sein, den Schlaganfall-Patienten ins Krankenhaus zu begleiten, zum Beispiel bei Sprachstörungen.

Fazit: Auch der Verdacht auf einen Schlaganfall ist immer ein Notfall. „Es wird schon wieder“ ist immer die falsche Sichtweise. Wählen Sie daher bei Verdacht die 112 und verständigen Sie den Rettungsdienst. So können Sie womöglich ein Leben retten oder dauerhafte geistige und körperliche Schäden bei einem Mitmenschen verhindern.

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


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Schlaganfall – schnelle Therapie entscheidend

Schlaganfall ist eine akute Durchblutungsstörung des Gehirns, die dort zum Untergang von Gehirngewebe und dauerhaften Funktionsverlusten führt. Ursächlich ist in 80-85% der Fälle eine Verstopfung einer Gehirnarterie, in 15-20% eine primäre Einblutung in das Gehirngewebe. Therapieziele sind daher:

  • die Durchblutung schnell wiederherstellen
  • das Absterben von Gehirnzellen vermeiden
  • dauerhafte Behinderung verhindern

Schlaganfall – Warnsymptome erkennen

In Deutschland erzielen wir mittlerweile sehr gute Therapieresultate. Die dauerhafte Wiederherstellung von  Körperfunktionen gelingt immer häufiger. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass ein Schlaganfall sofort behandelt wird. Ein erster Schritt dorthin: Sie erkennen Warnzeichen bei sich selbst oder anderen Menschen und handeln schnell. Daher nutzen Sie den FAST-Test, um einen Schlaganfall sicher zu erkennen.

Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall. Ärztinnen und Ärzte können Ihnen nur helfen, wenn Sie Alarm geben. Ist die Symptomatik gering oder auch nur vorübergehend, kann es sich um Vorboten für einen schweren Schlaganfall handeln.  Im Zweifel sollten Sie daher immer sofort den Notruf 112 wählen.

Schlaganfall – moderne Akutbehandlung

Im Krankenhaus angekommen wird als erste diagnostische Maßnahme eine Schichtaufnahme des Kopfes gemacht (CCT oder MRT). Dadurch können Gehirnblutungen ausgeschlossen werden, die für etwa 15-20% aller Schlaganfälle verantwortlich sind. Die Therapie bei einer Hirnblutung ist selbstverständlich komplett anders, als die Therapie eines Schlaganfalls durch ein verschlossenes Gehirngefäß durch ein Blutgerinnsel.

Mit einer Akuttherapie versuchen Ärzte die Durchblutung wiederherzustellen. Durch Gabe von bestimmten Substanzen kann sich das Blutgerinnsel in der Gehirnarterie wieder auflösen (systemische Lyse). Mögliche Nebenwirkungen einer solchen Therapie sind Blutungskomplikationen. Daher wird diese Form der Therapie nur durchgeführt, wenn die Schlaganfallsymptomatik sehr ausgeprägt ist und das Blutungsrisiko des Betroffenen als gering eingestuft wird. In letzten Jahren sind neue Therapiestrategien entwickelt worden. In spezialisierten Zentren führen Neuroradiologen auch sogenannte Thombektomien durch: Über einen Katheter, der über die Leistenarterie bis in die betroffene Gehirnarterie vorgebracht wird, wird das Blutgerinnsel entfernt – wie bei einer Herzinfarkttherapie.

Moderne Schlaganfalltherapie ermöglicht es, das Risiko bleibender Schäden zu verringern. Das Wichtigste beim Erkennen, Handeln und Behandeln ist die Zeit, denn jede Minute zählt: Time is Brain!

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


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Von einem Plötzlichen Herztod spricht man, wenn ein Tod unerwartet in weniger als 1 Stunde nach Symptombeginn auftritt. Schon alleine die Definition deutet darauf hin, dass der plötzliche Herztod selten ein Ereignis ist, das einen wie der Blitz aus heiterem Himmel trifft.

Ist der plötzliche Herztod wirklich ein plötzliches Ereignis?

Eine immer noch aktuelle Studie, die das Notarztsystem Berlin diesbezüglich durchgeführt hat, liefert zu dieser Frage sehr interessante Daten.

Die Arbeitsgruppe erfasste für die wissenschaftlichen Untersuchung 406 Patienten mit plötzlichem Herztod, 72 % der Ereignisse passierten in häuslicher Umgebung. Zu den Ursachen zählten Kammerflimmern (39 %), pulslose elektrische Aktivität (19 %) und Asystolie als kompletter Stillstand des Herzens (42 %). In zwei Dritteln der untersuchten Fälle waren Beobachter bei dem Ereignis dabei, 75% dieser Beobachter waren Angehörige.

Bei einer Befragung unter den Beobachtern kam heraus: 69 % der plötzlich verstorbenen Menschen wiesen vor ihrem plötzlichen Herztod länger als 30 Minuten folgende Symptome auf:

  • Angina pectoris  40 %
  • Luftnot 27 %
  • Bewusstseinsstörung 10 %
  • Andere 23 %

Kurzum in Stadtgebieten sind professionelle Rettungskräfte innerhalb von ca. 10 Minuten vor Ort. Berücksichtigt man eine Patienten- bzw. Beobachter-Entscheidungszeit von 10 Minuten, dann haben ca. 66% der Menschen mit plötzlichem Herztod eine gute Chance rechtzeitig Hilfe zu erhalten. Folglich können lebensrettende Maßnahmen können so innerhalb von 30 Minuten nach Symptombeginn eingeleitet werden.

Auch auf die Symptome bei anderen Menschen achten

Als Verwandter, Freund, Arbeitskollege und auch als Passanten sind Sie potentieller Lebensretter. Sollte in Ihrem Umfeld den Eindruck haben, dass es einem Menschen schlecht geht oder er oder die oben genannten Symptome äußern, dann handeln Sie. Verständigen Sie spätestens nach 10 Minuten den Rettungsdienst unter 112.

Falls erforderlich, führen Sie bis zum Eintreffen der Rettungskräfte selbst lebensrettende Maßnahmen durch:

…..weiter im Selbsthilfekurs “Herzinfarkt sofort handeln”

 

Arntz et al. Intensivmed 1999;36: 485-492

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

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Herzinfarkt – Zeit ist der kritische Faktor

Bei einem typischen Herzinfarkt liegt fast immer ein plötzlicher Verschluss eines Herzkranzgefäßes, einer sog. Koronararterie vor. Das bedeutet, dass wichtige Anteile des Herzmuskels kein sauerstoffreiches Blut mehr erhalten.

Bedenken Sie, ca. 10 Minuten nach einem akuten Verschluss eines Herzkranzgefäßes beginnt das Herzmuskelgewebe unwiederbringlich abzusterben. Je früher ein verschlossenes Herzkranzgefäß im Herzkatheterlabor wiedereröffnet wird, desto kleiner die Infarktgröße und je besser auch die Langzeitüberlebens-Chancen.

Die Zeit läuft.

Patientenentscheidungszeit – weiter ein Problem

Zahlreiche Maßnahmen der sog. Koronaren Versorgungskette zur Behandlung des Herzinfarktes haben sich insbesondere seit Beginn der 90er Jahre eindrucksvoll verbessert und die Herzinfarktsterblichkeit um über 30% verringert. Das Absetzen des Rettungsrufes 112 durch Betroffene oder Beobachter bleibt weiter ein Problem.

Den Zeitraum vom Symptombeginn bis zum Absetzen eines Notrufs nennt man die „Patientenentscheidungszeit“. Während in Deutschland die Abläufe nach Absetzen eines Notrufes unter 112 sehr gut definiert und schnell sind – in der Regel ist eine Notärztin oder ein Notarzt innerhalb von 10 Minuten vor Ort – bleibt die Patientenentscheidungszeit weiterhin ein Problem. Sie macht etwa 60 % der Gesamtzeit bis zur lebensrettenden Therapie im Herzkatheter-Labor aus. In vielen Fällen beträgt Sie mehrere Stunden.

Angehörige, Freunde, Kollegen …. und Fremde – wichtige Signalgeber

Nicht nur der Mensch, der von einem Herzinfarkt betroffen ist, kann die lebensrettende Koronare Versorgungskette in Gang setzten. Häufig sind Freunde, Mitarbeiter, Angehörige und auch Fremde anwesend, die wertvolle Hilfe leisten können. Gerade Fremde, die den Betroffenen nicht kennen, sehen die Situation unvoreingenommen und handeln meist schneller und konsequenter als Angehörige.

Folglich hat der Satz “warten wir erst mal ab”, häufig von einem Angehörigen geäußert, z.B. während einer laufenden Fernsehsendung, schon viel wertvolle Zeit gekostet. Die Kriterien für das Absetzen beim Verdacht auf einen Herzinfarkt sind klar.

Herzinfarkt – allermeistens mehr als 1 Symptom

Einen Herzinfarkt erkennen Sie an diesen Warnzeichen.

  • Druck meistens hinter dem Brustbein
  • Ausstrahlung in andere Körperregionen
  • Luftnot
  • Übelkeit, Gesichtsblässe, Kaltschweissigkeit
  • Bewusstseinsstörung

Nicht immer müssen alle diese typischen Symptome gleichzeitig vorhanden bzw. stark ausgeprägt sein. Allerdings treten bei einem Herzinfarkt fast immer mindestens 2 Symptome gleichzeitig auf. Folglich müssen Sie, sei es, dass Sie Betroffene bzw. Betroffener oder eine anwesende Person sind, bei Vorhandensein von mindestens 2 Symptomen zügig handeln.

Auch zeigt sich hier wieder, wie wichtig die anwesenden Mitmenschen sind, denn Gesichtsblässe, das fahle graue Gesicht, wird von der Betroffenen praktisch nie wahrgenommen.

Besonders verheerend ist der sog. “neglect”, die fehlende Bereitschaft des Betroffenen den Ernst der Lage zu erkennen und selber zu handeln. Häufig hören wir dann den Satz “das wird schon wieder”, wieder ein Grund für unnötigen Zeitverlust.

Verdacht auf Herzinfarkt – Notruf 112 absetzen

Wenn Symptome des Herzinfarktes vorliegen, dann müssen Sie schnell handeln! Falls diese Beschwerden 10 Minuten und mehr bestehen, sollte sofort das Rettungsteam unter 112 verständigt werden!

Das sind wichtige Informationen für das Rettungsteam am Telefon:

  • Wer: Name Anrufer
  • Was: „Medizinischer Notfall“, evtl. zusätzlich “Verdacht auf Herzinfarkt”
  • Wen: Name, Alter Betroffener
  • Wo: Straße, Hausnummer, Stockwerk (!)
  • Wie: wach, ansprechbar “ja” oder “nein”
  • Wie: nicht spontan atmend “ja” oder “nein”

Zwar ist die Nennung des eigenen Namens bei einem Notruf nicht zwingend erforderlich, sie erleichtert allerdings unter der emotionalen Belastung den Einstieg in das Gespräch.

Achten Sie darauf, dass das Telefonat immer vom Profi in der Einsatzzentrale des Rettungsdienstes am anderen Hörer beendet wird, damit keine wertvollen Informationen in der Aufregung fehlen.

Sollten Sie gehörlos bzw. die Sprechsprache nicht richtig beherrschen, dann erkundigen Sie sich vor einem Notfall bzgl. Möglichkeiten der Notfallalarmierung für Gehörbeeinträchtigte.

Wegweisende Maßnahmen – erleichtern Eintreffen für Rettungsdienst

Stellen Sie sich vor, wie können Sie dem Rettungsteam den Weg zum Einsatzort erleichtern:

  • Haustür öffnen
  • Lichter überall anmachen
  • Meldekette bis zur Straße aufbauen, falls genügend Personen anwesend sind, z.B. in Mehretagenhäusern, Schulen oder Bürogebäuden

Ersthelfermaßnahmen – lebensrettend

Ist der Mensch nicht bewusstlos, dann sollte immer ein Ersthelfer bei ihm bleiben, weil die Lage sich plötzlich verschlechtern kann. Besonders tückisch ist die Situation, wenn der Brustdruck des Herzinfarktpatienten nachlässt. Denn gerade dann, wenn sich eine Koronararterie auch spontan wiedereröffnet, treten besonders häufig potentiell tödliche Rhythmussstörungen, wie z.B. Kammerflimmern auf, die gefürchteten Reperfusionsarrhythmien. Die Beteiligten denken “alles ist gut” und dann geht es erst mal richtig los.

Falls der betroffene Mensch von vorne herein bewusstlos ist, dann sollten Sie mit den Erste-Hilfe-Maßnahmen beginnen. Die Herz-Druckmassage alleine führt schon zu einer Verdopplung der akuten Überlebensrate. Bei vorhandenem Automatischen Externen Defibrillator (AED): setzen Sie ihn ein, denn Sie können nichts falsch machen!

Seien Sie Teil des Erfolges

Gerade Risikopatienten für das Auftreten eines Herzinfarktes und deren Angehörigen sollten sich diese Informationen immer wieder mal vor Augen führen. Das mentale Durchspielen einer solchen Situation ist eine Übung und …..”üben übt”.

Sie können diese Informationen auch im Sinne einer betrieblichen Fortbildung an Ihrem Arbeitsplatz weiterleiten. Wir in der Cardiopraxis trainieren regelmäßig für den Ernstfall.

Mit diesen Informationen machen Sie alles richtig. Seien Sie im Notfall Teil des Erfolges, handeln Sie für sich selbst oder seien Sie ein aktiver Ersthelfer.

…..weiter im Selbsthilfekurs “Herzinfarkt sofort handeln”

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

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Wiederbeleben können wir alle!!

Bei einem Herz-Kreislaufstillstand sinkt mit jeder verstrichenen Minute die Überlebenschance um 10 %. Leider beherrschen in Deutschland nur 15 % der Menschen die Laienreanimation – in Nachbarländern liegt die Quote bei bis zu 65 %!

Die Laienreanimation ist für alle machbar, wir können nichts verschlimmern. Der grösste Fehler ist, nichts zu tun. Die Laienreanimation läuft in 3 Schritten ab:

1. Prüfen = Erkennen des Herz-Kreislaufstillstandes

  •  der Mensch ist bewusstlos
  • reagiert nicht auf laute Ansprache oder Schütteln
  • Atmung fehlt oder ist abnormal, auch bei überstrecktem Kopf und freigemachten Atemwegen (im Zweifel ist die Atmung abnormal)
  • den Puls zu fühlen wird nicht mehr empfohlen

2. Rufen = um Hilfe rufen und den Notruf absetzen unter 112

3. Drücken = Herzdruckmassage

  • Oberkörper des Menschen freimachen
  • auf der Höhe der Brustwarzen den Handballen einer Hand auf das Brustbein setzen, andere Hand darauflegen und Finger verschränken
  • mit durchgedrückten Armen 5 cm tief den Brustkorb eindrücken mit einer Frequenz von 100/min
  • Das Drücken ist viel wichtiger als die Beatmung! Falls eine Beatmung möglich ist, dann nach 30 Mal Drücken 2 Beatmungen durchführen (Mund zu Nase). Keine Angst, Sie können nichts falsch machen.

..weiter im Selbsthilfekurs “Herzinfarkt sofort handeln”

 

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 

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Wenn Sie bei einem Mitmenschen einen Schlaganfall vermuten, führen Sie den FAST-Test durch! Die einzelnen Schritte zeigen wir Ihnen im Folgenden.

  1. F(ace) = Gesicht: Bitten Sie die Person zu lächeln! Eine einseitige Verziehung des Gesichts deutet auf eine Halbseitenlähmung hin.
  2. A(rms) = Arme: Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen! Bei einer Lähmung können nicht beide Arme gehoben werden, ein Arm sinkt oder dreht sich.
  3. (S)peech = Sprache: Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen! Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen, liegt wahrscheinlich eine Sprachstörung vor.
  4. (T)ime = Zeit: Wählen Sie unverzüglich die 112 (Europa) und schildern Sie die Symptome!

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 

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Bei einem 57-jährigen Mann tritt auf einer Reise um 7:50 Uhr eine Halbseitenlähmung mit Sprachstörungen auf. Seine Ehefrau alarmiert unmittelbar den Notarzt unter 112 (Europa).

Schon um 8:30 Uhr wird der Mann im Krankenhaus eingeliefert mit der Verdachtsdiagnose embolischer Schlaganfall bei asymptomatischem Vorhofflimmern. Weil die Ärzte eine Hirnblutung ausschließen können, wird um 9 Uhr eine entsprechende Therapie eingeleitet, die das Blutgerinnsel auflöst (Thrombolyse). Schon nach kurzer Zeit sind die Arme und Beine des Mannes wieder beweglich. Nach weiteren drei Tagen sind auch die Sprachstörungen vorüber. An Tag 7 stellt sich der Mann ohne neurologische Defizite in der CardioPraxis vor.

Nach 21 Tagen kann er wieder seinem Beruf nachgehen – und wie gewohnt am Rhein joggen.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

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Das Broken-Heart-Syndrom, auch Tako-Tsubo-Syndrom genannt, kommt in über 90 % der Fälle bei Frauen vor. Auslöser ist fast immer ein starkes emotionales Ereignis, das meist mit Angst verbunden ist. Weitere Symptome sind Brustenge und Luftnot.

Im Labor und im EKG zeigen sich bei diesem Syndrom einige Anzeichen eines Herzinfarktes. Im Gegensatz zum typischen Infarkt sind die Herzkranzgefäße glattwandig und ohne strukturelle Veränderungen, wie man bei einer Herzkatheter-Untersuchung feststellen kann. Gefäßkrämpfe scheinen eine wesentliche Ursache des Broken-Heart-Syndroms zu sein. Die Herz-Funktion ist vorübergehend typisch eingeschränkt.

Nach überstandener Akutphase ist die Langzeitprognose gut. Präventiv können betroffene Menschen Techniken zur vegetativen Beruhigung (z. B. Atmung, ausreichende Trinkmenge) anwenden. Wenn akute Beschwerden auftreten: sofort 112 (Notruf) wählen!

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

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