Beiträge

COMT & MAO - Blutdruck, Herzrasen, Angst, Depression

Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin, Serotonin: Modulation durch COMT, MAO, Östrogen und Testosteron

Zu uns in die Cardiopraxis kommen täglich Menschen mit vielfältigen Symptomen, z.B. mit Herzrasen, Benommenheit bis hin zu Bewusstseinsverlust, schwankendem Blutdruck und Brustdruck. Diese Herz-Kreislaufsymptome sind häufig nicht so sehr Ausdruck einer eigenständigen Herz-Kreislauferkrankung, sondern viel mehr ein Hinweis darauf, dass etwas mit dem Gleichgewicht Ihres autonomen Nervensystems nicht stimmt.

Diese Störungen sind auch mit Veränderungen des Befindens und Verhaltens verbunden, z.B. auf der einen Seite mit innerer Unruhe, kreisenden Gedanken und Angst bis hin zu Panikattacken und auf der anderen Seite mit Antriebsarmut, Leistungsschwäche und Abgeschlagenheit bis hin zu Depressionen.

So haben wir es in der Cardiopraxis nicht einfach nur mit Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen zu tun, sondern mit Menschen, die im Kontext kardio-vaskulärer Störungen gleichzeitig auch von ihrem Verhalten individuell unterschiedlich sind. Diese Symptomkomplexe sind häufig Ausdruck der individuellen genetischen Prädisposition für die Bewältigung von Stresssituationen.

Die Stressreaktion von Menschen wird wesentlich bestimmt durch die aktivierenden Neurotransmitter

  • Dopamin
  • Noradrenalin
  • Adrenalin
  • Serotonin

Therapeutisch betrachtet bedeutet dieses, dass sich mit einer gezielten Modulation nicht nur die kardio-vaskulären Symptome, wie Bluthochdruck und Herzrasen verringern lassen, sondern dass sich gleichzeitig auch Befinden und Leistungsfähigkeit verbessern. Eine zentrale Bedeutung haben die abbauenden Enzyme für aktivierende Neurotransmitter: COMT (Catechol-O-Methyltransferase) und MAO (Monoaminooxidase).

COMT & MAO - Blutdruck, Herzrasen, Angst, Depression

“Fight-or-Flight”-Mechanismus – Grundlage für Stressreaktionen

Wenn wir uns mit aktivierenden Neurotransmittern beschäftigen, dann müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin sowohl bei Tieren als auch bei Menschen die schnelle Reaktion auf bedrohlichen Stress vermitteln.

Evolutionsbiologisch ist dieses schnelle Reaktionsverhalten für die Bewältigung einer physischen Bedrohung, z.B. einen körperlichen Angriff vorgesehen. Das Lebewesen muss dann sehr schnell entscheiden: Gegenangriff oder Flucht. Wir nennen diese schnelle, reflexartige Reaktion auch den “Fight-or-Flight”-Mechanismus. Diese Muster sind so tief in unserem unbewussten Verhalten verankert, dass wir sie nur begrenzt willkürlich steuern können.

Bei Menschen ist der “Fight-or-Flight”-Mechanismus die erste von 3 Stufen des allgemeinen Adaptationssyndroms bei Stress. Problematisch ist hierbei, dass diese Muster, die evolutionsbiologisch in erster Linie auf das Überleben bei körperlicher Bedrohung von außen ausgerichtet sind, auch in anderen nicht-lebensbedrohlichen Lebenssituationen aktiviert werden. Das hat dann häufig überschießendes und inadäquates Verhalten zur Folge haben, so z.B. im Straßenverkehr oder bei anderen sozialen Auseinandersetzungen. Kurzum, unser Reaktionssystem auf äußere Reize ist vor dem Hintergrund der zivilisatorischen Weiterentwicklung zu undifferenziert.

So bestimmen die Signal- und Stoffwechselwege der aktivierenden Neurotransmitter nicht nur unsere schnelle Reaktion in physischen Gefahrensituationen, sondern fundamental auch wesentlich andere Aspekte unseres Alltagsverhaltens, so z.B.

  • Wachheitszustand
  • Konzentrationsfähigkeit
  • körperliche und geistige Reaktionsgeschwindigkeit
  • Aggressionsverhalten
  • Sozialverhalten
  • Stimmung, Glück- und Zufriedenheit

In Verbindung mit den Hormonen Östrogen und Testosteron bestimmen die aktivierenden Neurotransmitter so zwischen 30-60% unserer Verhaltensweisen im Alltag. Allerdings gibt es bei der Stressreaktion zwischen den Menschen genetische Unterschiede.

Genetik von COMT und MAO – unterschiedliche Abbaugeschwindigkeiten von Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin

Die Catechol-O-Methyltransferase und die Monoaminooxidase, kurz COMT und MAO genannt sind die wichtigsten Enzyme beim Abbau von aktivierenden Neurotransmittern. Durch minimale genetische Veränderungen kann die Abbaugeschwindigkeit sich individuell von Mensch-zu-Mensch deutlich unterscheiden. Grundsätzlich kennen wir:

  • Low-COMT bzw. -MAO = langsamer Abbau
  • Intermediate-COMT bzw. -MAO = mittel-schneller Abbau
  • High-COMT bzw. -MAO = schneller Abbau

COMT, MAO und menschliches Verhalten

Die wissenschaftliche Literatur beschreibt fast ausschließlich Zusammenhänge zwischen den unterschiedlichen Stoffwechselformen und menschlichem Verhalten bzw. psychiatrischen Erkrankungen. Dabei sind die Befunde z.T. nicht eindeutig, was nicht zuletzt daran liegt, dass auch Umweltfaktoren und damit auch die individuelle Biografie einen Einfluss auf Verhaltensmerkmale haben.

Nichtsdestotrotz ist es so, dass unsere individuellen genetischen Voraussetzungen jeweils eine fundamentale Voraussetzung zur unterschiedlichen Bewältigung unseres Alltags darstellen. Alleine schon der Zusammenhang zwischen den individuellen Voraussetzungen von Stressreaktionen und den Symptomen einer Stressreaktion, wie z.B. der Erhöhung von Herzfrequenz, Blutdruck und Blutfluss ist offensichtlich, da diese Mechanismen zu den Gesetzmäßigkeiten der Biologie von höheren Lebewesen gehören.

Auf der Grundlage der wissenschaftlichen Literatur berichten wir nachfolgend auch wesentlich über unsere eigenen inzwischen umfangreichen Erfahrungen bei der Bestimmung der Genpolymorphismen von COMT und MAO. Bitte berücksichtigen Sie, dass die Genetik des Neurotransmitterstoffwechsel einen Menschen nicht alleine erklären kann, sie bietet hier nur eine, wenn auch sehr wertvolle Orientierung.

Low-COMT – langsamer Abbau von Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin

Menschen mit einer Low-COMT-Stoffwechsellage sind zunächst einmal im positiven Sinne besonders schwingungsfähig, was gerade bei Frauen mit einem normalen Ovarialzyklus in der ersten Zyklushälfte verstärkt ist. Sie sind freundlich, interagieren sozial stärker und sind eher glücklich, was nicht zuletzt erhöhten Dopaminspiegeln zuzuschreiben ist. Menschen mit Low-COMT sind häufig auch besonders kreativ.

Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass eine zu starke Ausprägung dieser Eigenschaft, z.B. als Folge eines erhöhten Östrogenspiegel sowohl bei der Frau (Hormontherapie, Übergewicht) als auch beim Mann (Übergewicht) negative Folgen haben kann. Das kann mit innerer Unruhe, kreisenden Gedanken und Angstgefühlen bis hin zu Panikattacken verbunden sein. Menschen mit Low-COMT-Konstellation sind typischerweise die Menschen, die sich eher Sorgen, nicht nur um sich, sondern auch um anderen Menschen machen. Diese Verhaltenskonstellation ist dann häufig mit Blutdruckschwankungen und schnellem Herzschlag verbunden. Auch Ohnmachtsanfälle können auftreten.

Ein deutlicher Hinweis auf eine Low-COMT Genetik bei der Befragung ist der Umstand, dass sich diese Menschen nach Ausdauersport ausgesprochen wohl und entspannt fühlen. Das entspricht voll und ganz der Physiologie des Menschen, weil durch Sport Neurotransmitter, und in diesem Fall Überschüsse abgebaut werden.

High-COMT – schneller Abbau von Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin

Menschen mit High-COMT-Stoffwechsel sind in der Regel weniger schwingungsfähig. Das bedeutet im positiven Sinn, dass sie nicht so stark von Emotionen beeinflusst sind. Sie sind sachlicher und behalten auch in kritischen Lebenssituationen den Überblick, was durchaus ein großer Vorteil sein kann. Die Ursache für diese Verhaltensmuster ist, dass aktivierende Neurotransmitter, wie z.B. auch Noradrenalin und Adrenalin bei diesen Menschen schneller abgebaut werden.

Die High-MAO-Konstellation kann auch Probleme machen. So können Antrieb und Leistungsfähigkeit im Sinne eines echten biochemischen Burn-outs gestört sein. Wir sehen das besonders häufig bei Menschen mit zusätzlichem ausgeprägtem Mangel an Vitamin D. Bei Vitamin D Mangel, weil hier die Bildung von L-Dopa, dem Vorläuferhormon von Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin kritisch verringert sein kann. Dieses kann sogar soweit führen, dass bei jüngeren Menschen fälschlicherweise ein Aufmerksamkeits-Defizit-Störung diagnostiziert wird.

Die High-COMT-Stoffwechsellage ist gerade bei jungen Männern mit dem Bedürfnis nach Risikosituationen, z.B. durch Fahrverhalten oder Extremsportarten, dem sog. verbundenen “Adrenalin-Kick” verbunden. Ein Umstand, der wesentlich dazu beiträgt, ist der ansteigende Testosteronspiegel in frühen Lebensjahren, denn Testosteron beschleunigt den Abbau von aktivierenden Neurotransmittern noch zusätzlich.

Da aktivierende Neurotransmitter eine Stoffwechsel-aktivierende Funktion haben, kann die High-COMT-Stoffwechsellage mit herabgesetztem Blutfluss im Sinne einer körperlichen Reaktion zur Konservierung von Körperwärme verbunden sein, was wiederum die Leistungsfähigkeit einschränkt. Kommen ausgleichende Mechanismen zur Wärmebildung im Sinne einer Stressreaktion hinzu, dann kann der Blutdruck steigen.

Low-MAO – langsamer Abbau von Serotonin

Menschen mit Low-MAO-Stoffwechsel sind im positiven Sinn des Wortes häufig reizbarer. Sie bemerken Dinge schneller und früher als andere Menschen. Dies ist nicht selten mit einer hohen geistigen Beweglichkeit und Kreativität verbunden.

Die Low-MAO-Konstellation kann auch negative Folgen der sinnlichen Überreizung haben, z.B. durch visuelle, akustische, taktile Einflüsse aber auch durch soziale Interaktionen. Gerade in unserer modernen Welt, die im Gegensatz zur Welt unserer Vorfahren, stark mit Reizen überladen ist, hat es der Mensch mit Low-MAO-Stoffwechsel schwerer als andere Menschen. Wenn Sie so wollen, dann ist der wachsame und reaktionsfreudige Low-MAO Mensch optimal für das Leben in einem an sich reizarmen Umfeld mit drohenden eher seltenen Gefahren, z.B. in einem Wald oder der Savanne geeignet.

Menschen mit Low-MAO reagieren im Alltag häufiger angespannt, ungeduldig und gereizt. Nicht selten versuchen sie Spannung, z.B. durch einen Power-Nap abzubauen oder ziehen sich sozial sogar zurück. Da Menschen mit Low-MAO eine sog. kurze Zündschnur haben, reagieren sie häufig bevor sie denken. Diese Impulsivität kann in Verbindung mit einer Überreizung ein gestörtes Sozialverhalten zur Folge haben.

Gerade der Zusammenhang zwischen Low-MAO-Genetik und Verhalten deutet darauf hin wie wichtig soziale Einflüsse sind. Die Dunedin-Studie hat bei Männern mit Low-MAO gezeigt, dass die Ausprägung von gewalttätigem Verhalten im Erwachsenenalter entscheidend davon abhängt, ob die Männer als Kinder misshandelt wurden oder nicht.

High-MAO – schneller Abbau von Serotonin

Menschen mit High-MAO-Stoffwechsel sind eher ruhige Menschen. Sie lassen sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen und sind daher im direkten sozialen Umgang umgänglich. Im Gegensatz zu den Low-MAO-Typen sind sie so bedächtiger, was auch mit einer sog. langen Zündschnur verbunden sein kann.

Bei der High-MAO-Konstellation besteht ein erhöhtes Risiko für depressive Verstimmungen bis hin zu Depressionen. Wir beobachten das vor allen Dingen in Kombination mit dem High-COMT-Stoffwechsel, also dann, wenn auch andere aktivierende Neurotransmitter verstärkt abgebaut werden.

Östrogen hemmt die Bildung von MAO (und COMT), so dass gerade bei Frauen um den Beginn der Menopause und den damit verbundenen rückläufigen Östrogenspiegel, MAO vermehrt gebildet wird. Das kann bei Frauen mit High-MAO das Risiko für Depressionen erhöhen.

COMT & MAO - Blutdruck, Herzrasen, Angst, DepressionKombinationen von COMT und MAO

Aus den oben genannten Stoffwechselwegen, Low, Intermediate und High können für COMT und MAO verschiedene Kombinationen gebildet werden. Die hieraus entstehenden 9 Möglichkeiten alleine erklären schon eine Heterogenität im Verhalten, ganz zu schweigen vom Einfluss der Hormone und der Ernährung.

Gerade Menschen mit extremen Kombinationen, d.h. mit “Low-COMT+Low-MAO” bzw. Mit “High-COMT+High MAO” sind aus unserer Sicht deutlich für Angstzustände bzw. Depression gefährdet. Sie bedürfen unserer besonderen Aufmerksamkeit und müssen auf Maßnahmen der Vorbeugung hingewiesen werden.

Diagnostik, Beratung und Neurotransmitter

Die Genpolymorphismen von COMT und MAO können zuverlässig mittels Blutuntersuchung bestimmt werden. Dabei müssen immer auch die Hormone Östrogen und Testosteron sowie epigenetische Faktoren zur Bildung von COMT und MAO sowie die Ko-Faktoren des Neurotransmitterstoffwechsels im Blut gemessen werden. Eine isolierte Bestimmung von COMT und MAO ist immer unvollständig und ist daher in unseren Augen sinnlos.

Folglich können wir auf der Grundlage einer vollständigen Labordiagnostik individuelle Empfehlungen aussprechen. Durch die gezielte Modulation sei es durch Modifikation des Lebensstils, Anpassung von Medikamenten und individuellen Hinweisen zum Umgang mit Nahrungsergänzungsmitteln verbessern wir so nicht nur die Herz-Kreislaufgesundheit des individuellen Menschen. Wir können so auch gleichzeitig helfen das emotionale Befinden auszubalancieren.

Unser Ziel ist es Ihnen zu helfen ein gesünderes und selbstbestimmteres Leben zu führen. Wir können dieses nicht immer alleine tun, sondern stehen hier betreuenden Urologen, Frauenärztinnen und Psychiatern beratend zur Seite.

Nicht zuletzt ist es das fundamentale “Erkenne Dich selbst” durch das Verstehen der eigenen Biologie, welches Ihnen häufig hilft, besser mit sich und Ihrem Umfeld zurechtzukommen. Sie verstehen einfach besser, warum Sie in bestimmten Situationen anders reagieren als andere Menschen und lernen so besser mit sich selber und anderen Menschen versöhnlich umzugehen. Auch finden Sie über die Kenntnis Ihrer eigenen Neurotransmittergenetik besser zu Wegen, wie Sie Ihr Verhalten verändern können.

Weiter zum MediaRezept “Neurotransmitter

Literatur

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


Sie möchten regelmässig informiert bleiben? Tragen Sie sich hier für unseren Newsletter ein!


 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Modulation von COMT und MAO durch Östrogen, Testosteron und Aromatase

Über die Enzyme Catechol-O-Methyltransferase (COMT) und die Monoaminoxidase (MAO) werden die aktivierenden Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin abgebaut. Dadurch haben diese beiden Enzyme nicht nur einen Einfluss auf Ihr Verhalten und Befinden, sondern auch auf Ihr Herz-Kreislaufsystem, zum Beispiel auf den Herzrhythmus und den Blutdruck.

Wir unterscheiden Menschen mit genetisch unterschiedlichen Varianten von COMT und MAO:

  • Low-COMT bzw. -MAO = langsamer Abbau
  • Intermediate-COMT bzw. -MAO = mittel-schneller Abbau
  • High-COMT bzw. -MAO = schneller Abbau

Die Bildung der COMT und MAO wird epigenetisch, das heißt direkt durch das An- und Abschalten von Genen entscheidend durch die Hormone Östrogen und Testosteron beeinflusst. Östrogen hemmt die genetische Bildung von COMT und MAO, Testosteron steigert sie.

COMT, MAO und Dopamin bei Frauen – normaler Ovarialzyklus und Pille

Östrogen hemmt die Bildung von COMT und MAO und STEIGERT so indirekt die Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin.

Besonders deutlich wird der Einfluss von Östrogen auf COMT und MAO bei Frauen mit einem normalen Ovarialzyklus. Dementsprechend zeigen sich in der Regel zum Teil sehr eindrucksvolle Unterschiede zwischen der 1. und der 2. Zyklushälfte.

In der Östrogen-dominierten 1. Zyklushälfte, d.h. vor dem Eisprung sind Frauen meistens aktiver, sozial offener und folglich glücklicher. Das ist wesentlich auf einen erhöhten Dopaminspiegel zurückzuführen, weil Östrogen über seine Wirkung auf COMT indirekt den Abbau von Dopamin hemmt. Die mit Östrogen und Dopamin verbundene positiven Ausstrahlung wird auch “Glow” (engl. Leuchten) genannt.

Der „Glow“ macht evolutionsbiologisch Sinn, da die 1. Zyklushälfte auf eine Befruchtung und damit auf die Herbeiführung einer Schwangerschaft ausgerichtet ist. Frauen in der 1. Zyklushälfte haben so für Männer eine höhere Anziehungskraft, während der “Glow” bei anderen Frauen eher Konkurrenzverhalten provoziert.

In der Progesteron-dominierten 2. Zyklushälfte, die ja auf eine mögliche Schwangerschaft ausgerichtet ist, tritt der “Glow” dann wieder in Hintergrund. Ursache ist hier eine Zunahme von Progesteron in Relation zu Östrogen. Progesteron verhindert indirekt die hemmende Wirkung von Östrogen auf die Bildung von COMT und MAO.

Kurzum, diese Zusammenhänge zwischen Östrogen und der verminderten Bildung von COMT bzw. MAO erklären die Veränderungen der Stimmung im Laufe des Ovarialzyklus. Östrogen hat einen somit entscheidenden Einfluss auf die Konzentration der aktivierenden Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin.

Frauen, die zur Empfängnisverhütung die “Pille” nehmen, müssen sich darüber im Klaren sein, dass die “Pille” mit ihrem Progesteronanteil die 2. Zyklushälfte simuliert. Das bedeutet grundsätzlich, dass gute Stimmung, Gefühle von Glück und eine gute Ausstrahlung weniger wahrscheinlich sind, als wenn sie die Pille nicht nehmen würden.

COMT, MAO und Dopamin bei Frauen – Schwangerschaft und Wochenbettdepression und Menopause

Während der Schwangerschaft sind nicht nur die Progesteron-, sondern auch die Östrogenwerte deutlich, zum Teil um ca. das 30-fache erhöht. Das bedeutet, dass Frauen sich in der Schwangerschaft meistens glücklicher fühlen. Inwieweit hier Unterschiede bestehen, wenn eine Frau mit einem Jungen oder einem Mädchen schwanger ist, ist uns noch unklar.

Veränderungen des Hormonstatus um die Geburt herum, vor allen Dingen der Östrogen-Sturz mit Beendigung der Schwangerschaft, erhöhen das Risiko für eine peripartale Depression, die in 10-16% aller Geburten vorkommt. Nach der Geburt nennen wir diese Form der Depression eine Wochenbettdepression.

Aus unserer Sicht sind schwangere Frauen, die von vorneherein genetisch bedingt einen gesteigerten Abbau von aktivierenden Neurotransmittern aufweisen, vor allen Dingen solche mit High-COMT- und High-MAO-Genpolymorphismus für eine Wochenbettdepression besonders gefährdet. Diese Annahme wird indirekt auch durch wissenschaftliche Daten gedeckt, die belegen, dass Frauen, die vor der Schwangerschaft eine depressive Episode hatten, ein doppelt erhöhtes Risiko für eine Wochenbettdepression haben.

In Kenntnis der Genpolymorphismen für COMT und MAO können bei Frauen, die ein erhöhtes Risiko für Wochenbettdepression haben, frühzeitig noch während der Schwangerschaft Vorkehrungen getroffen werden, die dann nach der Geburt durchgeführt werden, um die Depression zu verhindern.

Sofern kein Stillwunsch besteht, kann über eine vorübergehende Östrogensubstitution nach Beendigung der Schwangerschaft nachgedacht werden. Vitamin D sollte in höheren Dosen von 40.000 bis 60.000 Einheiten pro Woche gegeben werden. Vitamin D steigert indirekt über eine epigenetische Induktion der Tyrosin-Hydroxylase die Bildung von Dopamin. Angestrebt werden sollten Vitamin D Talspiegel im Blut von 50-80 µg pro l. Auch die spezifische vorübergehende Gabe von Antidepressiva muss erwogen werden. Folglich ist eine eine enge Abstimmung zwischen der schwangeren Frau, Geburtshelfer, Frauenarzt, Spezialisten für Neurotransmittern und auch einer Psychiaterin bzw. einem Psychiater erforderlich.

COMT, MAO und Dopamin bei Frauen – Menopause bei High-COMT und/oder High-MAO

Mit der Menopause um das 50. Lebensjahr nimmt die Hormonbildung in den Eierstöcken ab, Östrogen und Progesteron werden dann hier kaum noch gebildet. Das erhöht gerade bei Frauen mit einer hohen Abbaurate von Neurotransmittern (High-COMT, High-MAO) das Risiko für Depressionen. Auch hier kann die Substitution von Hormonen und Vitamin D in Erwägung gezogen werden.

Gerade bei Wechseljahresbeschwerden könne wir diese durch die Gabe von Östrogen lindern, was folglich auch die allgemeine Stimmung hebt. Da mit steigendem Alter, und gerade bei Frauen ab der Menopause das Risiko, zum Beispiel für Gebärmutterkrebs grundsätzlich erhöht ist, sollte nie die alleinige Gabe von Östrogen über einen längeren Zeitraum stattfinden. Daher wird immer eine Kombination aus Östrogen und Progesteron gegeben.

Allerdings sollte bei einem hormonellen Ansatz zur Modulation einer Depression bei Frauen mit High-COMT bzw. High-MAO darauf geachtet werden, dass die Relation zugunsten der Östrogendosis so ausbalanciert ist, dass der gewünschte Effekt eintritt. Dabei spielt in der Regel das Gleichgewicht meistens eine größere Rolle als die absolute Menge an zugeführtem Östrogen.

COMT, MAO und Dopamin bei Frauen – Menopause bei Low-COMT und/oder Low-MAO

Auf der anderen Seite ist es so, dass Frauen die als genetische Voraussetzung einen Low-COMT Stoffwechsel aufweisen, die Menopause als durchaus als angenehm empfinden. Durch den abfallenden Östrogenspiegel werden überschüssige aktivierende Neurotransmitter besser abgebaut. Folglich können kreisende Gedanken, innere Unruhe und Angstgefühle besser beherrschbar werden bzw. verschwinden. Erfahrene Frauenärztinnen bzw. -ärzte wissen das sehr genau.

Wir beobachten auch, dass gerade Frauen mit Low-COMT Genpolymorphismus den “Glow”, das heißt die positive Ausstrahlung, die üblicherweise in der 1. Zyklushälfte vor der Menopause regelmäßig auftritt, gewissermaßen in die Postmenopause „hinüberretten“. Kurzum, Frauen mit Low-COMT Genpolymorphismus behalten in der Postmenopause häufig eine jugendlichere Ausstrahlung.

Wenn in den Wechseljahren bei einer Frau mit Low-COMT Genpolymorphismus eine Hormontherapie, zum Beispiel zur Behandlung von Hitzewallungen erwogen wird, dann müssen wir übrigens besonders vorsichtig vorgehen. Aus Erfahrung wissen wir, dass in einem solchen Fall ein Übermaß an Östrogen Angst und Panikattacken provozieren kann. Deshalb ist es sinnvoll, wenn in solchen Fällen das Gleichgewicht von Östrogen und Progesteron mehr zu Gunsten von Progesteron ausbalanciert wird.

COMT und MAO bei Männern – Testosteron

Testosteron steigert die Bildung von COMT und MAO und SENKT so indirekt die Konzentration der Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin.

Männer gelten im Vergleich zu Frauen zunächst einmal als weniger schwingungsfähig, das heißt weniger emotional. Das kann im Sozialverhalten auch mit weniger Empathie verbunden sein. Dieses hat sicherlich auch damit zu tun, dass Testosteron bei Männern grundsätzlich gerade im jungen und mittleren Lebensalter indirekt bewirkt, dass die aktivierenden Neurotransmitter vermehrt abgebaut werden.

Gerade die Kombination aus High-COMT und High-MAO kann in Verbindung mit höheren Testosteronspiegeln im jüngeren und mittleren Lebensalter zu Risiko-affinem Verhalten führen. Um sich den “Adrenalin-Kick “ zu geben, tun dann Männer zum Teil waghalsige Dinge, zum Beispiel bei Mutproben, im Straßenverkehr und bei den beliebten Extremsportarten.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Männer (und Frauen) mit einem gesteigerten Abbau von aktivierenden Neurotransmittern gerade bei High-COMT eher depressionsgefährdet sind. Vor allen Dingen sollten diese Männer im Umgang mit der medikamentösen Zufuhr von Testosteron vorsichtig sein, da Testosteron den vorbestehenden High-COMT Stoffwechsel verstärkt und so depressive Verstimmungen provozieren kann.

COMT und MAO  – Testosteron und Östrogen im Verlauf des Lebens

Schließlich nehmen mit zunehmendem Lebensalter, ungefähr zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr beim Mann die Testosteronspiegel und bei der Frau die Östrogenspiegel jeweils ab. Das führt gewissermaßen dazu, dass bei Frauen die Schwingungsfähigkeit ab- und beim Mann zunimmt. Folglich werden Frauen grundsätzlich eher emotional schwingungsärmer und Männer schwingungsfähiger.

Folglich kann die Abnahme von Testosteron mit zunehmendem Lebensalter bei Männern durchaus mit einem Mehr an Empathie verbunden sein. Kompliziert wird das aber dadurch, dass gerade bei Männern mit Low-MAO Genpolymorphismus die Reizbarkeit steigen kann, was aufgrund von Überreizung mit frühzeitiger Erschöpfung, latent aggressivem und sozialvermeidendem Verhalten in späteren Lebensjahren verbunden sein kann.

COMT und MAO bei Männern – Aromatase

Eine besondere Bedeutung bei der Bildung von Östrogen, und damit auch für die Steuerung COMT und MAO hat die Aromatase. Das Enzym Aromatase bewirkt die Umwandlung von Testosteron in 17ß-Östradiol auch außerhalb der Eierstöcke bzw. der Hoden. Wir haben es hier sowohl mit quantitativen und als auch einem qualitativen Aspekt zu tun.

Die quantitative Bedeutung der Aromatase erschließt sich über den hohen Gehalt an Aromatase im Fettgewebe. Das Bauchfett ist der Hauptort bei der extragonadalen Bildung des 17ß-Östradiols, d.h. außerhalb der Eierstöcke bzw. der Hoden. Kurzum, je mehr Bauchfett, desto mehr 17ß-Östradiol. Ebenfalls erkennen wir das immer wieder recht deutlich durch die hohen Östrogenspiegeln bei übergewichtigen Männern. So hat Übergewicht auch bei Männern über eine Östrogen-vermittelte Verringerung von COMT und MAO einen deutlichen Einfluss auf das emotionale Befinden und den Kreislauf.

Qualitativ betrachtet müssen wir wissen, dass es für die Bildung der Aromatase, auch CYP19A1 (Cytochrom P450 19A1) genannt genetische Varianten gibt, die zu einer gesteigerten Bildung von 17ß-Östradiol beitragen. Dieser “fast metabolism”, auch „High-Aromatase“ genannt hat nicht nur bei einer gesteigerten Bildung von 17ß-Östradiol unabhängig von der Menge an Bauchfett eine Relevanz, sondern auch bei der Verstoffwechselung von medikamentös zugeführtem Testosteron (Gel, Injektion) eine Bedeutung. Folglich wird bei den “fast metabolizern” das zugeführte Testosteron schnell und im Übermaß in 17ß-Östradiol umgewandelt.

Über die genetisch bedingte unterschiedliche Stoffwechselgeschwindigkeit der Aromatase erklären sich auch Einflüsse auf die Abbaugeschwindigkeiten von COMT und MAO: je schneller die Aromatase und damit die Östrogenproduktion, desto langsamer ist aufgrund der Östrogenhemmung der Abbau von aktivierenden Neurotransmittern über COMT und MAO.

Sonderfall – Abbau von Östrogen über COMT

Bei der Bewertung von Östrogen sollte auch berücksichtigt werden, dass Östrogen zum Teil selber von COMT abgebaut wird. Folglich wird gerade bei Frauen mit Low-COMT Metabolismus der Verstoffwechselung von aktivierenden Neurotransmittern über 2 Wege gestört, einmal über die epigenetische Hemmung der Bildung von COMT und zusätzlich auch über die zusätzliche Belastung des geschwächten Enzymweges durch Östrogen.

Zudem ist die Konstellation aus “Low-COMT+High-Aromatase“ gewissermaßen ein sich selbst verstärkender Prozess, eine positive Feed-back Schleife. Das kann daher nicht nur über eine Steigerung der aktivierenden Neurotransmitter, sondern auch durch die Nebenwirkungen von Östrogen unabhängig vom Neutransmitterstoffwechsel zu erheblichen gesundheitlichen Konsequenzen führen. Schließlich ist ein Zusammenhang zwischen diesen Mechanismen und Autoimmunerkrankungen, die ja in circa 80% der Fälle bei Frauen vorkommen, denkbar.

Ferner interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Progesteron-sensitive Akne. Viele, gerade junge Frauen haben eine Akne, die mit Einnahme der Pille, d.h. einem Übergewicht an Progesteron gut beherrschbar wird. Wir haben hier den deutlichen Eindruck, dass die Kombination aus „Low-COMT+High Aromatase“ eine Rolle spielt. 

Therapeutischer Nutzen COMT und MAO – Frauenarzt, Urologe, Psychiater und Kardiologe

Wie durch die Ausführung deutlich wird, macht eine isolierte Bestimmung von COMT und MAO dementsprechend wenig Sinn. Schließlich erlaubt nur die Zusammenschau der Genpolymorphismen für COMT beziehungsweise MAO in Verbindung  mit dem individuellen Hormonstatus und  den Ko-Faktoren der einzelnen Enzyme sinnvolle therapeutische Entscheidungen.

Von besonderem therapeutischem Nutzen sind die Kenntnisse zum Stoffwechsel der aktivierenden Neurotransmitter für die medizinischen Fachgebiete, die sich mit emotionalen, Hormon-abhängigen und Herz-Kreislauf-bezogenen Störungen auseinandersetzen, kurzum für Psychiater, Gynäkologen, Urologen und Herz-Kreislaufmediziner. Dementsprechend wird für die betroffenen Menschen eine gezieltere und damit bessere Behandlung möglich. Folglich können Menschen mit bestimmten Symptomen können besonders profitieren:

  • innere Unruhe, zum Beispiel kreisende Gedanken, Angst bis hin zu Panikattacken
  • depressive Verstimmung bis hin zu Depressionen
  • Herzrhythmusstörungen, zum Beispiel Herzrasen, Herzstolpern
  • Blutdruckerhöhungen, beispielsweise auch stark schwankender Blutdruck

Wir wissen, dass auch für Ärztinnen und Ärzte die Zusammenhänge zwischen aktivierenden Neurotransmittern, COMT und MAO in Beziehung zu den Hormonen Östrogen und Testosteron einschließlich der Ko-Faktoren zunächst nicht einfach zu verstehen sind. Die Mühe lohnt sich allerdings, denn wir haben in der Cardiopraxis gelernt, dass wir die Menschen einfach so besser kennen und die Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen individueller ausrichten können.

Literatur für alle

Literatur zu Aromatase

Literatur zu Verhaltensbiologie

Literatur zu Schwangerschaft

Literatur zu Östrogen und Testosterone

 

 

Weiter zum MediaRezept “Neurotransmitter

 

 

 

 

 


Sie möchten regelmässig informiert bleiben? Tragen Sie sich hier für unseren Newsletter ein!


Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

COMT, MAO, Aromatase – Nahrungsergänzungsmittel: Bedeutung für Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin

Die Enzyme COMT, MAO und Aromatase beeinflussen die Bildung und den Abbau der aktivierenden Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin. Dabei tragen verschiedenen Faktoren zur Regulation bei:

  • genetisch gebildete Enzyme
  • epigenetische Faktoren der Gene
  • Ko-Faktoren der Enzyme

Wir müssen bei der Bewertung der abbauenden Enzyme der aktivierenden Neurotransmitter zunächst immer die genetischen Voraussetzungen berücksichtigen:

  • Low-COMT bzw. -MAO = langsamer Abbau
  • Intermediate-COMT bzw. -MAO = mittel-schneller Abbau
  • High-COMT bzw. -MAO = schneller Abbau

MAO und COMT-Stoffwechsel – Vorsicht bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln

Während die genetischen Voraussetzungen zur Bildung der Enzyme des Neurotransmitterstoffwechsels von Geburt an festgelegt sind, können die Gene über epigenetische Faktoren und die Enzyme über Ko-Faktoren auch therapeutisch beeinflusst werden. Zu diesen Faktoren zählen Hormone, Vitamine und Spurenelemente. Die erwünschten Wirkungen und die unerwünschten Nebenwirkungen sind von den individuellen genetischen Voraussetzungen abhängig. Eine ungezielte Modulation des vegetativen Nervensystems in Unkenntnis der genetischen Voraussetzungen kann daher auch schädlich sein.

Wir kennen viele Stoffe, die einen Einfluss auf den Stoffwechsel Ihrer aktivierenden Neurotransmitter haben. Sie sind häufig in Nahrungsergänzungsmitteln enthalten, z.T. in Dosen, die einem Mehrfachen der empfohlen Tagesdosis entsprechen, was toxischen Nebenwirkungen zur Folge haben kann.

Die wissenschaftliche Literatur beschreibt zahlreiche Substanzen zu Steigerung bzw. zur Hemmung des Stoffwechsels von aktivierenden Neurotransmittern. Auch das Internet ist voll von Tipps und Empfehlungen. Dabei ist die therapeutische Wirksamkeit meistens in Studien nicht gut belegt. Gerade die Empfehlungen aus nicht-wissenschaftlichen Beiträgen sind hier häufig zweifelhaft. Wir haben immer wieder den Eindruck, dass die Autoren das komplexe Gesamtgefüge des Neurotransmitterstoffwechsels, vor allen Dingen unter Berücksichtigung der Wirkung von Hormonen nicht komplett verstehen und damit auch irreführende Empfehlungen abgeben.

Wir berichten daher in diesem Beitrag nur Substanzen von denen wir nicht nur aus der wissenschaftlichen Literatur, sondern auch aufgrund umfangreicher Erfahrung wissen, dass sie wirken können.

Vitamin D – vermehrte Bildung von Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin

Vitamin D hat vielfältige Wirkungen im Körper, die wir z.T. noch nicht kennen. Einen Effekt, den wir aus der Praxis allerdings sehr gut kennen, ist die epigenetische Steuerung der Tyrosin-Hydroxylase durch Vitamin D. Die Tyrosin-Hydroxylase ist ein Enzym, welches, die Umwandlung der Aminosäure Tyrosin in L-Dopa bewirkt; folglich wird aus L-Dopa die aktivierenden Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin gebildet. Vitamin D induziert epigenetisch die Synthese der Tyrosin-Hydroxylase, d.h. es aktiviert das Gen zur Bildung der Tyrosin-Hydroxylase und steigert so die Neurotransmitterspiegel.

High-COMT bzw. High-MAO. Bei Menschen mit einer High-COMT-Stoffwechsellage eignet sich Vitamin D sehr gut, um die Neurotransmitterbilanz zu verbessern. Während die hohe Aktivität von COMT einen sehr starken Abbau der Neurotransmitter verursacht, kann das durch eine vermehrte Bildung über die Tyrosinhydroxylase ausgeglichen werden. Das macht insbesondere Sinn bei Antriebslosigkeit und depressiver Verstimmung.

Hinzu kommt, dass Kalzium, welches durch Vitamin D vermehrt im Körper aufgenommen wird, als Ko-Faktor COMT hemmt und so ebenfalls die Neurotransmitterbilanz zugunsten von mehr Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin verschiebt.-

Auch bei High-MAO-Konstellation können Antrieb und Stimmung sinnvoll verbessert werden, vorausgesetzt es besteht eine Intermediate- bzw. High-COMT-Stoffwechsellage.

In Fällen eines schnellen Abbaus von Neurotransmittern streben wir mittel-hohe Vitamin-D-Werte im Blut an. Der sog. Talspiegel, d.h. der Blutwert unmittelbar vor der nächsten Gabe sollte zwischen 50 und 70 µg /l betragen. Hierfür sind je nach Alter, Körpergröße und Gewicht ganz unterschiedliche Dosen erforderlich. Die Dosierungen reichen hier von 7.000 bis 60.000 I.E. pro Woche.

Low-COMT bzw. Low-MAO. Bei herabgesetztem Abbau von aktivierenden Neurotransmittern, und hier vor allen Dingen bei LOW-COMT-Stoffwechsellage müssen Sie mit der Einnahme von Vitamin D vorsichtig umgehen, denn eine überstarke Aktivierung kann die Folge sein. Das kann gerade mit Symptomen wie Unruhe, überstarker Euphorie bis hin zur Selbstüberschätzung verbunden sein.

Bei Low-COMT Stoffwechsel sollten Werte von 40 µg/l in der Regel nicht überschritten werden.

COMT, MAO, Aromatase – Eisen, Vitamin B6, Kupfer, Vitamin C – Einnahme nur gesteuert mittels Laborwerten

Zahlreiche Ko-Faktoren von Enzymen sind an der Bildung von aktivierenden Neurotransmittern beteiligt. Gerade hier kann eine unkontrollierte Nahrungsergänzung zu Nebenwirkungen führen. Vor allen Dingen bei Eisen, Vitamin B6 und Kupfer sollten Sie nur einen laborchemisch nachgewiesenen Mangel ausgleichen. Die Referenzwerte sollten nicht überschritten werden.

Insbesondere Vitamin B6, welches als Ko-Faktor sowohl direkt an der Bildung von Dopamin als auch Serotonin beteiligt ist, wird häufig mit Hilfe von potentiell schädlichen Nahrungsergänzungsmitteln überdosiert. Wir sehen häufig Menschen hohen Vitamin B6 Spiegeln im Blut und Zeichen der emotionalen Überaktivierung und stark aktiviertem Stoffwechsel (Körpertemperatur + Blutfluss erhöht).

Zwar gilt der Leitsatz, dass erhöhte Vitamin B6-Spiegel alleine durch die Zufuhr einer normalen Nahrung nicht möglich sind, wir sehen aber immer wieder Menschen mit spontan erhöhten Werten. Die Ursache hierfür ist uns unklar. Hinzu kommt, dass zum Abbau von Vitaminen relativ wenig bekannt ist.

Kurzum, Ko-Faktoren bei der Bildung der Neurotransmittern sollten Sie immer vorsichtig sein, vor allen Dingen dann, wenn Sie einen Low-COMT- und/oder einen Low-MAO-Stoffwechsel haben.

COMT, MAO, Aromatase – Magnesium, wichtiger Ko-Faktor für COMT

Bei Magnesiumpräparaten werden die Trägersubstanzen, die neben dem Magnesium selber in den Zubereitungen enthalten sind, in ihrer Wirkung auf den Stoffwechsel unterschätzt. Zu diesen Beistoffen zählt am häufigsten Zitrat. Gerade von Zitrat wissen wir aus Erfahrung recht genau, dass es eine Stoffwechsel-aktivierende Wirkung haben kann, welche z.B. mit innerer Unruhe, Herzrasen und Blutdruckschwankungen verbunden sein kann. Die aktivierende Wirkung von Zitrat erfolgt dabei wahrscheinlich über den Zitratzyklus, einem Stoffwechselweg zur Bereitstellung von Energieträgern im Körper.

Magnesium selbst ist der optimale Ko-Faktor für COMT. Das heißt, dass das Enzym COMT nur zusammen mit Magnesium optimal funktionieren kann.

Low-COMT. Bei Menschen mit einer herabgesetzten Aktivität von COMT und den damit verbunden Symptomen, wie z.B. Unruhegefühl, Angst macht der Einsatz von Magnesium Sinn, um den Abbau von aktivierenden Neurotransmittern zu beschleunigen bzw. zu normalisieren. Wir setzen in diesen Fällen Magnesium-Bisglycinat ein. Der Vorteil ist hier, dass Glyzin selber als beruhigender Neurotransmitter gilt und so zum gewünschten modulierenden Effekt beiträgt.

Wir empfehlen bei LOW-COMT-Stoffwechsel 300 mg Bisglycinat pro Tag. Von der Einnahme von Zitrat-haltigen Produkten raten wir in diesen Fällen ab.

Tryptophan – Ausgangspunkt für die Bildung von 5-Hydroxytryptophans, Serotonin und Melatonin

Tryptophan ist eine Aminosäure, die wir täglich mit der Nahrung aufnehmen. Über den Umbau zu 5-Hydroxtryptophan werden dann Serotonin und Melatonin gebildet. Serotonin selber wird über MAO abgebaut. Ein vermehrte bzw. eine verminderte Einnahme von Tryptophan bzw. von 5-Hydroxtryptophan kann demnach Ihre Befindlichkeit beeinflussen, vor allen Dingen dann, wenn Sie einen High-MAO- oder einen Low-MAO-Stoffwechsel haben.

High-MAO. Menschen mit High-MAO-Stoffwechsel können zu depressiven Verstimmungen bis hin zu Depressionen leiden. Das wird auch dem Umstand zugeschrieben, dass Serotonin vermehrt im Körper abgebaut wird. Die Bedeutung von Serotonin wird nicht zuletzt dadurch deutlich, dass bestimmte Medikamente zur Behandlung der Depression, die sog. Serotonin-Reuptake-Hemmer die Wirkung von Serotonin im Gehirn verstärken.

Eine Verstärkung der Bildung von Serotonin durch eine Zufuhr von Tryptophan bzw. 5-Hydroxtryptophan bei High-MAO-Stoffwechsel macht daher Sinn. Sie können es zunächst mit Nahrung versuchen, z.B. mit Cashewnüssen, Käse (Emmentaler, Brie, Edamer) oder Soja. Auch können Sie es mit Nahrungsergänzungsmitteln einnehmen. Wir bevorzugen hier 100-200 mg 5-Hydroxtryptophan am Tag, da so im Vergleich zur Einnahme von Tryptophan ein Stoffwechselschritt gespart wird. Stark Tryptophan-haltige Lebensmittel bzw. entsprechende Nahrungsergänzungsmittel sollten Sie eher am Abend einnehmen, da über eine gleichzeitig vermehrte Bildung von Melatonin Müdigkeit verursacht werden kann.

Low-MAO. Menschen mit Low-MAO Metabolismus sollten ein Übermaß an Tryptophan bzw. entsprechende Nahrungsergänzungsmittel eher vermeiden, da sie schwer kalkulierbare Veränderungen des Befindens zur Folge haben können. Neben Schläfrigkeit und Antriebsarmut können Gereiztheit bis zu Aggressivität auftreten.

Vitamin B2 – kann den Abbau von Serotonin unterstützen

Vitamin B2 ist der optimale Ko-Faktor von MAO und unterstützt so vor allen Dingen den Abbau von Serotonin. Aus unserer Sicht ist es noch etwas zu früh hier Empfehlungen auszusprechen. Wir gehen aber davon aus, dass wir bei Menschen mit Low-MAO-Metabolismus ähnlich gute Erfolge erzielen wie mit der Gabe von Magnesium bei Menschen mit Low-COMT-Stoffwechsel. Konsequenterweise raten wir bei einem High-MAO-Stoffwechsel von der zusätzlichen Einnahme von Vitamin B2 ab.

Östrogen und Testosteron – die stärksten Modulatoren von COMT und MAO

Zur Interaktion von Östrogen bzw. Testosteron und dem Stoffwechsel von COMT und MAO wollen wir hier nur kurz Stellung nehmen, da wir das bereits in einem anderen Beitrag tun.

Kurz zusammengefasst, sind die Geschlechtshormone die stärksten epigenetischen Modulatoren der Bildung von COMT und MAO: Östrogen hemmt die Bildung, Testosteron beschleunigt sie. Vor dem Hintergrund der möglichen Nebenwirkungen einer Hormontherapie ist diese verschreibungspflichtig und sollte nur in Absprache mit Fachleuten, d.h. Gynäkologen und Urologinnen erfolgen. Auch wir verschreiben wir in der Cardiopraxis keine Hormonpräparate, sondern sprechen allenfalls Empfehlungen aus.

Auf jeden Fall sollten sich Frauen und Männer gerade bei Beginn, aber auch im Verlauf einer Hormontherapie darüber bewusst sein, dass diese emotionalen Veränderungen zur Folge haben kann, wie z.B. innere Unruhe, Angst bis hin zu Panikattacken auf der einen und depressive Verstimmungen bis hin zur Auslösung einer schweren Depression zur Folge haben kann. Diese unerwünschten Nebenwirkungen erklären sich wesentlich durch die unterschiedliche Genetik von COMT und MAO.

Resveratrol – kann die Aromatase und vermehrte Östrogenbildung reduzieren

Bei der Kombination aus “Low-COMT+High-Aromatase” können Überschüsse an Östrogen auftreten. Dieses ist vor allen Dingen bei jungen Frauen mit Ängstlichkeit bis hin zu Panikattacken sowie mit Östrogen-sensiblen Hautveränderungen verbunden. In diesen Fällen kann es sinnvoll sein die Aromatase zu mit Resveratrol (5-10 mg pro kg Tag) zu hemmen und eine übersteigerte Östrogenbildung so zu reduzieren.

Nahrungsergänzungsmittel – COMT und MAO

Nahrungsergänzungsmittel sind nicht harmlos, auch wenn sie freiverkäuflich sind. Wir bewerten sie in der Cardiopraxis in ihren Wirkungen und Nebenwirkungen ähnlich wie die industriell hergestellten Medikamente. Grundsätzlich gilt auch, dass Mangelerscheinungen an Vitaminen und Spurenelementen, mit Ausnahme von Vitamin D und Eisen durch die ausgewogene Nahrung eher selten sind.

Achten Sie bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel genau auf den Inhalt, auch da, wo Sie es vielleicht nicht erwarten, z.B. bei Proteinmischungen. Sollten Nahrungsergänzungsmittel ein Mehrfaches der empfohlenen Tagesdosis der oben genannten Stoffe enthalten, dann gilt es besonders vorsichtig zu sein und auf Nebenwirkungen zu achten. Am besten nehmen sie solche potentiell toxischen Mischungen nur über einen begrenzten Zeitraum.

Literatur

 

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


Sie möchten regelmässig informiert bleiben? Tragen Sie sich hier für unseren Newsletter ein!


Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Neurotransmitter

Stoffwechselwege von aktivierendem Neurotransmitter – ein einfaches Modell

In der der Cardiopraxis befassen wir uns zunehmend mit den Stoffwechselwegen der aktivierenden Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Serotonin und Adrenalin. Diese haben nicht nur einen Einfluss auf Ihr emotionales Befinden und Verhalten, sondern auch auf das Herz-Kreislaufsystem, wie z.B. den Blutdruck und Herzrhythmus.

Um die Wirkung von aktivierenden Neurotransmittern besser verstehen zu können, müssen wir uns mit den Prinzipien ihres Stoffwechsels befassen.

Neurotransmitter sind Botenstoffe zur Signalübertragung

Neurotransmitter sind Botenstoffe, die eine Nachricht vermitteln, entweder zwischen 2 Nerven oder zwischen einem Nerv und einem Endorgan, z.B. dem Herz.  Kurzum, Neurotransmitter dienen der Kommunikation, vor allen Dingen im Gehirn, dem Hauptort der Informationsverarbeitung für Außeneinflüsse der Umwelt. Darüber hinaus sind sie z.T. auch über das vegetative Nervensystem Signalübermittler zwischen Gehirn und den übrigen Anteilen des Körpers.

Meistens sind es mehrere Stoffwechselschritte für die Bildung von   aktivierenden Neurotransmitter aus jeweils einer Aminosäure notwendig. So nehmen wir z.B. die Aminosäure L-Phenylalanin mit der Nahrung auf und aus ihr entsteht durch verschiedene Umbauprozesse z.B. der Neurotransmitter Dopamin. Da die aktivierenden Neurotransmitter nur eine Aminosäure beinhalten, nennen wir sie folglich auch Monoamine.

Neurotransmitter

Stoffwechsel von Neurotransmittern – ein einfaches Modell

Betrachten wir den Stoffwechsel von aktivierenden Neurotransmittern, dann können wir grundsätzlich 4 Ebenen unterscheiden:

  • Bildung
  • Wirkung
  • Speicherung
  • Abbau

An diesen Prozessen sind verschiedene Faktoren beteiligt. Vereinfacht betrachtet sind es:

  • Nährstoffe
  • Gene
  • epigenetische Faktoren
  • Enzyme
  • Enzym Ko-Faktoren
  • Rezeptoren

Dabei müssen alle Prozesse und deren Faktoren im Gleichgewicht sein, damit Sie gesund und leistungsfähig sind.

Enzyme und Ko-Faktoren

Enzyme sorgen dafür, dass Neurotransmitter meist über mehrere Stoffwechselschritte gebildet werden. Diese Enzyme sind großmolekulare Eiweiße, die die Bildung als Katalysatoren erheblich beschleunigen, ohne dass sie sich selber dabei strukturell oder funktionell verändern. Hat ein Enzym einen Stoffwechselschritt durchgeführt, dann steht es für eine erneute Stoffwechselleistung wieder zur Verfügung, solange die richtigen Ko-Faktoren vorhanden sind.

Enzyme benötigen in der Regel einen oder mehrere Ko-Faktoren, um richtig zu funktionieren. Diese Ko-Faktoren sind zwar für das einzelne Enzym spezifisch, können aber bei verschiedenen Enzymen ganz unterschiedlich sein. Sie kommen häufig aus der Gruppe der sog. Mikronährstoffe; die bekanntesten sind Vitamine und Mineralien, so z.B. Vitamin B6 oder Magnesium.

Für jedes Enzym gibt es einen oder mehrere optimale Ko-Faktoren. Oder anders gesagt, für jedes Schloss gibt es den passenden Schlüssel. Nur zusammen mit dem optimalen Ko-Faktor kann das einzelne Enzym den spezifischen Stoffwechselschritt mit maximaler Geschwindigkeit durchführen.

Nun gibt es auch nicht-optimale Ko-Faktoren, die eine Stoffwechselschritt verlangsamen oder sogar blockieren können. Optimale und nicht-optimale Ko-Faktoren konkurrieren um die Bindungsstelle am Enzym. So kann es z.B. sein, dass der optimale Ko-Faktor Magnesium durch den nicht-optimalen Ko-Faktor Kalzium verdrängt wird.

Enzyme – Ko-Faktoren als regulierender Faktor

In einer Zelle kommt derselbe Enzymtyp mehrmals vor, da ein einzelnes Enzym die notwendige Syntheseleistung alleine nicht erbringen könnte. Für die Geschwindigkeit eines Stoffwechselschritts ist neben der Substratkonzentration und der Temperatur auch das Gleichgewicht zwischen folgenden Zuständen von Enzymen wichtig:

  • nicht besetzte Enzyme ohne Ko-Faktor
  • Enzyme mit optimalem Ko-Faktor
  • Enzyme mit nicht-optimalem Ko-Faktor

So konkurrieren optimale und nicht-optimale Ko-Faktoren um die Bindungsstelle an mehreren Enzymen eines Typs. Je nachdem wie diese Ko-Faktoren, optimale und nicht-optimale, in einem quantitativen Gleichgewicht zu einander stehen, läuft der Stoffwechselweg aller Enzyme desselben Typs in Summe schneller oder langsamer. Anders formuliert, sind viele nicht-optimale Ko-Faktoren vorhanden, dann läuft der Stoffwechselschritt langsam, sind viele optimale Ko-Faktoren vorhanden, dann läuft er schneller.

Hieraus wird deutlich, dass Ko-Faktoren eine wichtige Regulierungsfunktion für Stoffwechselwege haben. Diese Zusammenhänge haben vor dem Hintergrund der unkontrollierten Zufuhr von freiverkäuflichen Nahrungsergänzungsmitteln eine erhebliche Bedeutung. Wird das Gleichgewicht, sei es entweder durch ein Übergewicht von nicht-optimalen aber auch von optimalen Ko-Faktoren eines Enzyms gestört, dann können negative gesundheitliche Folgen auftreten.

Wir kennen das aus der Praxis sehr gut z.B. von der übermäßigen Zufuhr von Vitamin B6 (Umwandlung von L-Dopa zu Dopamin durch L-Aminodecarboxylase). Nicht nur kann die Überbehandlung mit Vitamin B6 schwere neurologische Störungen zur Folge haben, sondern es tritt hierunter auch eine übersteigerte Stoffwechselaktivität auf, die z.T. vermittelt durch Neurotransmittern innere Unruhe, Gereiztheit, Schlafstörungen, Schwitzen und Kreislaufprobleme nach sich zieht.

Gene und epigenetische Faktoren steuern die Bildung von Enzymen

Enzyme werden als Eiweißstoffe selber durch ein einzelnes Gen bzw. mehrere Gene gebildet. Spezifische Gene liegen im Zellkern einer Zelle und sind für die Bildung von Enzymen gewissermaßen Schnittmustervorlagen.

Gene können in ihrer Funktion an- und abgeschaltet werden. Die Faktoren, die das bewirken sind unter anderem “epigenetische Faktoren”. Epigenetik bedeutet vereinfacht “beim Gen”. Ähnlich wie die Ko-Faktoren bei den Enzymen haben sie somit eine regulierende Funktion.

Die Epigenetik ist ein verhältnismäßige neues Wissenschaftsgebiet. Gerade in der Tumorforschung wird hier nach epigenetischen Einflussfaktoren sowohl für die Bildung als auch die Behandlung von Tumorerkrankungen intensiv geforscht.

Bei der Regulierung des Herz- Kreislaufsystem durch aktivierende Neurotransmitter spielen epigenetische Einflussgrößen ebenfalls eine wichtige Rolle. Nach unseren Erfahrungen in Verbindung mit systematischen wissenschaftlichen Erkenntnissen haben hier z.B. Vitamin D und die Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron eine hervorzuhebende Bedeutung.

Vitamin D induziert die Bildung des Enzyms Tyrosin-Hydroxylase (Umwandlung von Tyrosin in L-Dopa). Testosteron induziert genetisch die vermehrte Bildung der Catechol-O-Methytransferase (COMT) und Monoaminooxidase (MAO), was wiederum einem beschleunigten Abbau aktivierenden Neurotransmitter verbunden ist. Östrogen hingegen verlangsamt über eine verringerte Synthese von COMT und MAO den Abbau von aktivierenden Neurotransmittern.

Sie können sich sicherlich vorstellen, dass diese Zusammenhänge nicht nur für Ihr emotional gesteuertes Verhalten, sondern auch die Regulierung des Herz-Kreislaufsystems eine wirkmächtige Bedeutung haben.

Signalstärke von Neurotransmittern

Sind die aktivierenden Neurotransmitter einmal gebildet, dann werden sie durch ein Signal im Nerven aus der Senderzelle in den Zellzwischenraum, den sog. synaptischen Spalt freigesetzt, um das Signal an eine Empfängerzelle zu übertragen. An der Empfängerzelle sitzen in der Zellmembran Rezeptoren, an welche die Neurotransmitter andocken. Über die Rezeptoren werden dann weitere Signalwege innerhalb der Zielzelle aktiviert.

Für die Signalstärke, und ob überhaupt eine Signalübertragung zustande kommt sind mehrere Faktoren wichtig:

  • Signal-sendende Nerven
  • Neurotransmitter
  • Signal-empfangende Nerven
  • Spezifische Rezeptoren für Neurotransmitter

Bei einem Signal durch einen Signal-sendenden Nerv erfolgt immer die Freisetzung mehrerer Neurotransmitter. Für die Entstehung eines Signals spielt zunächst einmal das Vorhandensein von Signal-empfangenden Nerven eine Rolle: ohne Empfänger keine Signalweiterleitung.

Da in der Regel ganze Nervenbündel für die Bildung bzw. Weiterleitung einer bestimmten Signalqualität verantwortlich sind, spielt das zahlenmäßige Verhältnis von sendenden und empfangenden Nerven auch eine Rolle, wobei auch mehrere Sender an einem Empfänger andocken können

Weiterhin hat auch das quantitative Verhältnis von Neurotransmittern zu ihren spezifischen Rezeptoren eine Bedeutung. So kann z.B. trotz zahlreicher Neurotransmitter im synaptischen Spalt ein Signal nicht übertragen werden, wenn auf der Signal-empfangenden Seite wenige oder gar keine Rezeptoren vorhanden sind.

Neurotransmitter

Rezeptoren für Neurotransmitter

Wir ein aktivierender Neurotransmitter durch ein Signal aus dem Signal-sendenden Nerv freigesetzt, dann befindet er sich zunächst im Zwischenraum zwischen 2 Nerven, dem sog. synaptischen Spalt. Er dockt dann, gemäß dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an spezifische Rezeptoren auf der Signal-empfangenden Zelle an. Der Rezeptor löst dann in der Signal-empfangenden Zelle eine intrazelluläre Signal-Kette aus und das Signal wird dann im Nerv weitergeleitet.

Rezeptoren werden selber durch Gene gebildet und werden selber durch spezifische epigenetische Faktoren und zum Teil über Rezeptor-spezifisch Ko-faktoren reguliert. Weitere Regulierungsmöglichkeiten sind die Ansprechbarkeit von Rezeptoren und die die Rezeptorblockade.

Wenn ein Rezeptor vermittelt durch einen Neurotransmitter ein Signal in die Signal-empfangenden Zelle übertragen hat, dann ist er danach für eine bestimmte Zeit inaktiv, d.h. er steht für eine erneute Signalübertragung nicht zur Verfügung. War das gesendete Signal aller Signal-sendenden Nerven quantitativ sehr stark, dann kann im Sinne einer Erschöpfung der ganze Signalweg für eine bestimmte Zeit blockiert sein. Folglich bleiben weitere Signale durch den Signal-sendenden Nerv wirkungslos.

Blockade von Neurotransmitterrezeptoren als therapeutisches Prinzip

Neurotransmitter und Rezeptor sind im Sinne des Schlüssel-Schloss-Prinzips spezifisch füreinander optimal passend. Ähnlich wie bei den Ko-Faktoren der Enzyme kann aber eine nicht-optimal passende Substanz den Rezeptor für den optimal passenden Neurotransmitter und damit die Wirkung desselben blockieren. Diese Blockade kann kompetitiv sein, d.h. die Signalübertragung wird durch das quantitative Verhältnis von optimal-wirkenden Neurotransmittern zu blockierenden Substanzen bestimmt. Allerdings gibt es auch eine nicht-kompetitive Hemmung, bei der der Rezeptor irreversibel blockiert ist, was in gewisser Weise einer Vergiftung entspricht.

In der Herz-Kreislaufmedizin wird das Prinzip der kompetitiven Rezeptorblockade, z.B. bei der Therapie mit Beta-Rezeptoren Blockern zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen regelmäßig eingesetzt. Wenn die Beta-Rezeptoren am Herz besetzt sind, dann können Noradrenalin und Adrenalin am Herzen nicht ihre volle Wirkung mit Steigerung von Herzfrequenz und Pumpkraft entfalten.

Wir können die kompetitive Hemmung durch den Beta-Rezeptoren Blocker übrigens sehr schön in der Stressechokardiografie beobachten. Menschen unter Beta-Blockertherapie weisen hier zunächst in Ruhe eine träge Pumpleistung auf. Mit zunehmender Belastung, und damit adrenerger Aktivierung gewinnen Noradrenalin und Adrenalin an den Herzmuskelzellen die Oberhand und die Pumpkraft steigt deutlich an; manchmal hat man als Untersucher den Eindruck, als sei ein Schalter umgelegt.

Wiederaufnahme von Neurotransmittern

Hat ein Neurotransmitter seine Funktion am Rezeptor des Signal-empfangenden Nerv erfüllt, dann löst er sich wieder, so dass er sich zunächst frei im Zwischenraum zwischen Signal-empfangenden und Signal-sendendem Nerven, dem sog. synaptischen Spalt befindet. In Einzelfällen finden sich an der Außenseite der Zellmembranen, der äußeren Zellgrenze hier Enzyme, die den Abbau des Neurotransmitters bewirken.

In den meisten Fällen werden die freien Neurotransmitter allerdings über einen Wiederaufnahmekanal erneut in den Signal-sendenden Nerv aufgenommen. Bei Wiederaufnahmekanälen handelt es sich um Eiweißstrukturen, die ebenfalls auf der Grundlage von Genen gebildet werden. Somit kann durch genetische Varianten die Wiederaufnahme von Neurotransmittern von Mensch-zu-Mensch unterschiedlich sein: beim einen ist die Wiederaufnahme schneller, beim anderen langsamer.

Die Funktion von Wiederaufnahmekanälen wird bei den aktivierenden Neurotransmittern auch therapeutisch genutzt. So verwenden wir bei der Behandlung von Depression die sog. Serotonin-bzw. die Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer. Durch die Blockade der Wiederaufnahme wird die Konzentration des Neurotransmitters im synaptischen Spalt erhöht und die Wirkung am Signal-empfangenden Nerv gesteigert.

Werden die Neurotransmitter über den Wiederaufnahme-Kanal wieder in den Signal-sendenden Nerv aufgenommen, dann werden sie entweder gespeichert oder abgebaut.

Speicherung von Neurotransmittern

In der Regel speichert der Signal-sendenden Nerv die Neurotransmitter nach ihrer Wiederaufnahme. Dieses geschieht in kleinen Speicherbläschen, sog. Speichervesikeln. Um in ein Speichervesikel zu gelangen, muss der Neurotransmitter erneut einen Transporter-Kanal, der ebenfalls aus Proteinen besteht, passieren. Der Transporter, in der Regel der Vesikuläre Monoamintransporter 2 (VMAT2) ist für alle aktivierenden Neurotransmitter (Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin) gleich.

In den Vesikeln sind die Neurotransmitter vor den abbauenden Enzymen, die innerhalb der Zelle, aber außerhalb der Vesikel liegen, geschützt. Wird der Signal-sendende Nerv erneut aktiviert, dann stehen die Neurotransmitter in den Vesikeln für eine erneute Signalübermittlung an den Signal-empfangenden Nerv zur Verfügung.

Wir nutzen die Funktion eines Vesikel-Transporters auch therapeutisch. Der Blockade des Transporters VMAT2, z.B. durch Reserpin kann bei zu starker neurovegetativer Aktivierung z.B. zur Behandlung des Bluthochdrucks oder bei innerer Unruhe und Angstzuständen therapeutisch eingesetzt werden. Kurzum, Reserpin blockiert die Aufnahme von aktivierenden Neurotransmittern in die schützenden Vesikel. Folglich bauen dann Enzyme die Neurotransmitter außerhalb der Vesikel  vermehrt ab.

Abbau von Neurotransmittern

Der Abbau von aktivierenden Neurotransmittern erfolgt überwiegend innerhalb des Signal-sendenden Nervs. Ebenso wie bei der Bildung von Neurotransmittern spielen bei ihrem Abbau Enzyme eine entscheidende Rolle. Dabei sind wieder die Aktivität, Gene und Ko-faktoren von regulierender Bedeutung.

Von hervorgehobener Bedeutung sind hier die Enzyme Catechol-O-Methytransferase (COMT) und die Monoaminooxidasen (MAO). Für COMT und MAO kennen wir genetische Varianten. So gibt es bei Menschen alleine schon genetisch bedingt eine hohe, mittlere und niedrige Abbaurate von aktivierenden Neurotransmittern durch COMT bzw. MAO. Ist die Abbaurate z.B. niedrig, dann “stauen” sich die Neurotransmitter vor dem Enzym und es liegt bei diesem Menschen eher ein gesteigertes Aktivitätsniveau vor. Ist die die Abbaurate hoch, dann ist das Aktivitätsniveau eher niedrig.

In Bezug auf das menschliche Verhalten bedeutet dieses eine höhere bzw. niedrigere Irritabilität und erklärt so auch zum Teil das unterschiedliche Temperament zwischen einzelnen Menschen. Gerade die genetischen Varianten von COMT und MAO werden in der Verhaltensforschung ausgiebig untersucht. So kann z.B. eine niedrige Aktivität von COMT mit einem “Stau” von Dopamin und Noradrenalin innere Unruhe und eine Neigung zu Panikattacken mit erklären. Eine erhöhte Aktivität von MAO und damit verbunden die gesteigerte Abbaurate des Neurotransmitters Serotonin kann eine Prädisposition für Depressionen bedeuten.

Aktivierende Neurotransmitter – genetische Zusammenhänge gezielt therapeutisch nutzen

Die Kenntnis der genetischen Unterschiede beim Auf- und Abbau von aktivierenden Neurotransmittern ist eine sehr gute Option zur besseren Individualisierung von Therapiemaßnahmen in der Herz-Kreislaufmedizin.

Gerade bei der Behandlung von Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck, die ja nicht nur von Störungen des Organs Herz bzw. der Blutgefäße selber abhängig sind, hat die Kenntnis der individuellen genetischen Voraussetzung für die Wirkung von aktivierenden Neurotransmittern eine zunehmende therapeutische Bedeutung. Nicht nur werden so Verhaltensmuster eher erklärbar, sondern wir können gezielter Empfehlungen bei der medikamentösen Therapie, dem Einsatz von Nahrungsergänzungsmittel und zu den Wirkungen von Hormonpräparaten, seien es Östrogen, Progesteron oder Testosteron geben. Diese haben wiederum eine Wirkung auf Herz und Kreislauf.

 

Weiter zum MediaRezept “Neurotransmitter

Literatur

Mehr zu. Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


Sie möchten regelmässig informiert bleiben? Tragen Sie sich hier für unseren Newsletter ein!


 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Müdigkeit und Abgeschlagenheit – kalte Dusche hilft

Wir alle sind phasenweise müde und abgeschlagen. Mal ist es das Wetter, mal ist es die Jahreszeit, manchmal haben wir einfach nur schlecht geschlafen. Kommen noch Probleme am Arbeitsplatz oder im persönlichen sozialen Umfeld hinzu, dann kann eine länger anhaltenden depressiven Verstimmung die Folge sein. In ganz schweren Fällen kann auch eine therapiebedürftige Depression vorliegen. In all diesen Fällen, gerade auch beim Winterblues kann eine kalte Dusche besonders gut gegen die schlechte Stimmung helfen.

Duschen mit kaltem Wasser setzt im Körper Glücks- bzw. Aktivitätshormone wie Endorphine, Adrenalin und Noradrenalin frei. Wahrscheinlich wissen Sie, dass Endorphine per se als “Glückshormone” gelten, und dass eine Steigerung der Noradrenalinfreisetzung im Gehirn der Wirkmechansimus zahlreicher Antidepressiva ist.

Weiterhin ist die Adrenalin-Freisetzung durch kaltes Wasser ein deutliches “Wecksignal” an Ihren Körper. Gerade wenn Sie morgens schlecht in die Gänge kommen,  z.B. wenn Sie ein genetisch determinierter “Spättyp”, eine sog. Nachteule” sind, dann setzt die kalte Dusche ein klares chronobiologisches Signal für den Tagesanfang. Ihre Innere Uhr wird so besser auf einen normalen Alltagsablauf getaktet.

 

Kalte Dusche – schrittweise steigern

Und so funktioniert die richtige kalte Dusche:

  • warm duschen und einseifen
  • Wasserzufuhr auf mittlere Strahlintensität einstellen
  • auf kalt umstellen (10-15 Grad Celsius, in der Regel die kältest-mögliche Wassertemperatur)
  • Anfänger sollten zunächst von unten nach oben kalt duschen, den Kopf zuletzt
  • konzentriert tief und ruhig durchatmen und die Atemzüge zählen, eine leichte Hyperventilation ist Teil des Konzepts
  • die ersten Tage zunächst nur 10 Sekunden, später schrittweise auf 90 Sekunden steigern

Kalte Dusche – die ersten Tage: Euphorie, mehr Kraft

Gerade für Anfänger ist die kalte Dusche eine starke Willensanstrengung.

Sie werden jetzt denken: “das ist aber jetzt mal nun gar nichts für mich” oder “das will ich nicht”. Sie täuschen sich. Wir haben in der Cardiopraxis die Erfahrung gemacht, dass sogar “geständige ” Warmduscher” (Männer!) sich überwunden und erheblich profitiert haben. Jetzt sind sie bekennende “Kaltduscher” geworden.

Unmittelbar mit Beginn der kalten Dusche kommt es bedingt durch Adrenalin und Noradrenalin zu einer Reizüberflutung Ihres  Gehirns. Das entspricht gewissermaßen einem Gleichrichtereffekt. Durch die starke körperliche Reaktion auf den Kältereiz werden alle Gedanken, vor allen Dingen auch die schlechten, weggefegt. Sie haben jetzt meistens einen starken Drang sich unter der Dusche zu bewegen; tun Sie das ruhig.

Gerade in den ersten 2 Wochen hat die kalte Dusche einen sehr stark euphorisierenden Effekt. Sie fühlen sich wie nach einem gut dosierten Muskeltraining, einfach wie Wonderwoman oder Superman.

Kalte Dusche – die ersten Wochen: langsam steigern, weichere Muskeln

Sie haben die ersten Tage gut “überstanden”, Ihre Atmung sollte weiter tief bleiben, sie wird jetzt aber schon ruhiger. Alle paar Tage werden Sie nun in Schritten von je 10 Sekunden die Dauer der kalten Dusche steigern, z.B. bis auf 90 Sekunden; das Zählen hilft Ihnen dabei die Zeit abzuschätzen.

Insbesondere, wenn Ihre Beinmuskulatur durch die lange inaktive Nacht auskühlt und verhärtet ist oder Sie gar zu Muskelkrämpfen neigen, dann kann Ihnen die kalte Dusche helfen. Sie können z.B. zum Ende der kalten Dusche den Wasserstrahl ausschließlich auf die Beine richten: erst die Waden von hinten, dann die Oberschenkel von vorne. Eingesetzt am Ende hat das in der Tat für Anfänger einen gewissen “Belohnungseffekt”, weil Sie das kalte Abduschen der Beine in der Regel nicht als so unangenehm empfinden werden.

Die kalte Dusche der Beine aktiviert den Stoffwechsel der Beinmuskulatur. Folglich merken Sie nach ca. 2 Wochen, dass Ihre Muskeln weicher werden, Muskelkrämpfe nehmen ab, ein schönes Gefühl.

Kalte Dusche – nach den ersten Wochen: mehr Ruhe, mehr Fokus

Nach einigen Wochen verliert die kalte Dusche nun gänzlich ihren “Schrecken”. Hat vorher mehr Ihr Körper Ihre Reaktionen bestimmt, übernimmt jetzt Ihr Geist die Kontrolle. Das Gefühl der Überwindung wird deutlich geringer, mit dem Umschaltung auf kaltes Wasser sind Sie ruhig und atmen tief ein und aus. Das hat durchaus starke meditative Züge und es gibt in der Tat Belege dafür, dass meditative Techniken den Wärmehaushalt kontrollieren können.

Kalte Dusche – jeden Tag für langfristige Gesundheit

Je länger Sie sich kaltem Wasser aussetzen, desto besser sind die Wirkung auf die Psyche und die körperliche Abhärtung. Lange Expositionszeiten, z.B. von 15-90 Minuten ist für die meisten von uns mit dem Alltag nicht vereinbar.

Menschen mit manifesten Depressionen sollten allerdings in Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt längere Aufenthalte unter oder im kalten Wasser in Erwägung ziehen. Wissenschaftliche Berichte zeigen hier erste vielversprechende Ergebnisse für die positive Wirkung von kaltem Wasser auf Depressionen.

Wir in der Cardiopraxis empfehlen ein Konzept mit 90 Sekunden, weil Sie hierdurch schon eine wissenschaftliche belegte Wirkungen auf Ihr Immunsystem erzielen. Bei depressiver Verstimmung, also auch bei Winterblues können Sie sich damit behelfen, dass Sie über den Tag sich mehrmals mit kaltem Wasser das Gesicht waschen (geht auch bei der Arbeit!). Das erfrischt nicht nur akut, sondern hat auch einen Memory-Effekt, weil die Erinnerungen an den stärkere Effekt der kalten Dusche des gesamten Körpers mental “abgerufen” werden.

Winterblues – Schwimmen in freien Gewässern

Einen besondere Reiz hat das Schwimmen in freien Gewässern zu jeder Jahreszeit. Mittlerweile liegen Fallberichte vor, die zeigen, dass Schwimmen im Freien auch bei schwere endogener Depression Symptome lindert, so dass Medikamente reduziert werden können. Das Gewässer, z.B. ein nah gelegener Badesee sollte vom Ufer aus gut zugänglich sein. Hilfreich für ein besseres Befinden sind schon 1-2 Schwimmgänge pro Woche über wenige Minuten. Wenn Sie sich dann an die Abläufe (und das kalte Wasser) gewöhnt haben, dann beeinhaltet ein typische Programm 2 Gänge pro Woche über jeweils 20 Minuten.

Allerdings sollten Sie einige Vorsichtsmaßnahmen beachten.

  • vor dem ersten Mal einige Wochen kalt duschen
  • Schwimmen im Freien im Sommer beginnen
  • nur in bekannten Gewässern schwimmen
  • nicht unbeobachtet schwimmen
  • niemals übertreiben

Kalte Dusche – auch bei Herz- und Kreislauferkrankungen 

Bei Menschen mit Herz- und Kreislauferkrankungen müssen wir mit dem Kältereiz und mit der damit verbunden Ausschüttung von Adrenalin vorsichtiger sein als oben angegeben. In der Cardiopraxis befürworten wir die kalte Dusche für diese Menschen in den meisten Fällen. Die Entscheidung muss allerdings individuell getroffen werden, ebenso sollte das Vorgehen bei der kalten Dusche angepasst werden.

 

 

…..weiter im Selbsthilfekurs “Winterblues”

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


Sie möchten regelmässig informiert bleiben? Tragen Sie sich hier für unseren Newsletter ein!


Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Winterblues und Winterdepression – Vitamin D relevant?!!

Beim Winterblues bzw. der Winterdepression sind die emotionale Stimmung sowie die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit reduziert. Bis zu 25% der Menschen sind betroffen. Der entscheidende Faktor ist die Verringerung von Tageslicht im Winter. Entsprechend ist eine Lichttherapie mit einer Tageslichtlampe die beste Therapie.

Von der Behandlung von nicht-saisonalen Depressionen ist bekannt, dass der Ausgleich eines Vitamin D Mangels bei leichten bis mittelschweren Formen die Symptomatik verringern kann. Dabei ist der therapeutische Erfolg durchaus vergleichbar mit der Wirkung von Antidepressiva.

Folglich sollten Sie gerade bei Winterblues bzw. Winterdepression die Möglichkeit der Vitamin D Behandlung überprüfen.

Vitamin D – wichtig für die Bildung von Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin, Thyroxin

Für die Bildung der Vitalitätshormone Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin und Thyroxin ist das Enzym Thyroxin-Hydroxylase von entscheidender Bedeutung. Sie bildet aus der Aminosäure Tyrosin, die wir mit der Nahrung aufnehmen, den Stoff L-Dopa aus dem dann die genannten Hormone synthetisiert werden.

Die Bedeutung der Vitalitätshormone für den Stoffwechsel, eine gute Stimmung sowie die körperliche als auch geistige Leistungsfähigkeit ist sehr gut in der Literatur belegt. Die stimmungsaufhellende Wirkung z.B. von Noradrenalin ist therapeutisches Prinzip bei der Behandlung mit den antidepressive wirksamen sog. Noradrenalin Re-uptake Hemmern.

Durch Vitamin D wird bewirkt, dass die Tyrosin-Hydroxylase von Ihren Genen vermehrt gebildet wird, was wiederum dann eine Steigerung der Vitalitätshormone zur Folge hat. Ein deutlicher Mangel an Vitamin D kann die Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigen.

Vitamin D-Bildung benötigt optimale Bedingungen

Vitamin D ist im strengen Sinne der Definition eines Vitamins kein Vitamin, weil der menschliche Körper Vitamin D in der Haut selber herstellen kann. Dazu benötigt Ihr Köper allerdings Tageslicht, so dass der Faktor Licht das eigentliche “Vitamin” ist. Für die Vitamin D Bildung ist der UV-B-Anteil entscheidend, so dass Tageslicht gefiltert durch Fensterscheiben oder Sonnenschutzcreme nicht wirksam ist.

Bei optimalen Tageslichtverhältnissen genügt die tägliche Exposition von Gesicht, Händen und Unterarmen über 15 Minuten, um eine ausreichende Menge an Vitamin D zu bilden. Allerdings gehört zu den optimalen Bedingungen hier neben der Hautbeschaffenheit, dem wolkenfreien, klaren Himmel ohne Partikelverschmutzung der Luft auch der Einfallswinkel des Lichts.

Vitamin D Bildung – ab Herbst sicher zu wenig Licht ab dem 51. Breitengrad

Dieser ändert sich im Lauf des Jahres desto mehr je weiter wir vom Äquator entfernt leben. Während am Äquator der Lichteinfall der Sonne gleichbleibend steil ist, wird er zwischen 21. Juni, der Sommersonnenwende und dem 21. Dezember immer flacher, was eine abnehmende Lichtintensität zur Folge hat. Folglich nimmt auch die Vitamin D Produktion in Ihrer Haut immer mehr ab.

Dieser Effekt kann so ausgeprägt sein, dass wir beginnend im Herbst bis zum Frühjahr ab dem 51. Breitengrad trotz ausreichender Tageslichtexposition gar kein Vitamin D mehr bilden können, Dieses Phänomen wird auch “Vitamin D-Winter” genannt.

Hauttyp und Vitamin D Bildung

Je heller der Hauttyp, desto leichter bildet Ihr Körper Vitamin D.

Evolutionsbiologisch kommen wir aus Afrika und unserer Vorfahren haben alleine 4,2 Millionen Jahre lang in Zentralafrika nahe am Äquator gewohnt. Wir können davon ausgehen, dass sie eine dunkle Hautfarbe wie die heutigen Afrikaner hatten.

Erst mit der Ausbreitung Homo sapiens nach Norden über die Grenzen Afrikas hinaus entwickelte der Mensch im Laufe der Evolution eine hellere Hautfarbe. Dieses kann als Anpassung an die verringerte vertikale Lichteinstrahlung und damit einer Optimierung der Vitamin D Synthese in nördlicheren Breitengraden interpretiert werden.

Auf der anderen Seite ist es so, dass eine dunkle Haut vor zu viel Vitamin D Bildung, z.B. am Äquator schützt. Wenn dunkelhäutige Menschen allerdings weit vom Äquator entfernt leben, sei es in nördlicher aber auch in südlicher Richtung, dann sind sie für einen Vitamin D Mangel besonders gefährdet.

Winterblues – Vitamin B6, Vitamin B12, Eisen

Auch andere Mikronährstoffe können eine Bedeutung für Stoffwechsel und Leistungsfähigkeit haben. Hierzu zählen vor allen Dingen Vitamin B6, B12 und Eisen. Eisen ist z.B. ein wichtiger Co-Faktor der Tyrosin-Hydroxylase, d.h. Eisenmangel vemindert die Aktivität der Tyrosin-Hydroxylase.

Gerade Frauen mit einem regelmäßigen Zyklus können durch die Regelblutung einen schleichenden Eisenmangel entwickeln. Vegetarier, Veganer und ältere Menschen, die wenig oder gar kein Fleisch essen haben häufig einen Mangel an Vitamin B12 und Eisen. Folglich sollten folgende Werte bei Winterblues bzw. Winterblues mittels Labortest bestimmt werden.

  • Vitamin D
  • Blutbild
  • Eisen, Transferrin, Transferrin-Sättigung, Ferritin
  • Vitamin B6
  • Vitamin 12

 Winterblues bzw. Winterdepression – Vitamin D substituieren

Deutschland liegt zwischen dem 47. und 54. Breitengrad, so dass hier das Risiko eines Vitamin D Mangels erhöht ist. Daher macht gerade in diesen Breitengraden eine zielgerichtete Substitution von Vitamin D bei Menschen mit Winterblues bzw. Winterdepression Sinn. Dieses führt zu einer Verbesserung der Stimmung und der Leistungsfähigkeit.

Die Substitution der oben genannten Mikronährstoffe sollte aus unserer Sicht Messwert-gesteuert sein. Einer unkontrollierten Einnahme stehen wir in der Cardiopraxis skeptisch gegenüber, nicht zuletzt, um sinnlose Behandlungen bzw. eine Überdosierung zu vermeiden.

Wir empfehlen eine Laboruntersuchung, z.B. im November und im Januar. Liegt der Vitamin D Spiegel bei 80% des unteren Grenzwertes, d.h. z.B. bei unter 20 ng/ml (UGW 30 ng/ml), dann ist auf jeden eine medikamentöse Substitution angezeigt. Dabei streben wir therapeutische Werte von 130% des UGW, also ca. 40 ng/ml an.

Menschen unter 65 Jahre sollten 20.000 IE Vitamin D ein bis 1xin der Woche zusätzlich einnehmen, Menschen über 65 Jahre eine Menge von 1.000 IE Vitamin D 1x täglich. Nach 4 bis 6 Wochen werden die Werte erneut überprüft.  In den Sommermonaten können dann eventuell eine Pause machen oder die Dosis reduzieren.

Eine Überdosierung sollten Sie vermeiden, denn es können Nebenwirkungen wie Hitzegefühl, Unruhegefühl, Schlafstörungen und Herz-Kreislaufstörungen auftreten.

…zum Start Selbsthilfekurs “Winterblues”

Fallbericht zu schwerem Vitamin D Mangel

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


Sie möchten regelmässig informiert bleiben? Tragen Sie sich hier für unseren Newsletter ein!


Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Mit einer bewussten Steuerung aller Körperfunktionen wäre der Mensch überfordert. Vieles übernimmt daher ein autonomes System – das vegetative Nervensystem. Unbewusst steuert es zum Beispiel die Funktionsweisen von Herz-Kreislauf, Verdauung, Stoffwechsel, Immunsystem, Körpertemperatur und Fortpflanzung – und ist damit sehr wichtig für unser Wohlbefinden.

Zwei sich ergänzende Gegenspieler werden im Rahmen des Vegetativen Nervensystems reguliert. Der Nervus sympathikus sorgt mit Adrenalin und Noradrenalin für ein höheres Aktivitätslevel. Der Nervus vagus ermöglicht mit dem Botenstoff Acetylcholin, dass der Körper zur Ruhe kommt und sich regeneriert. Beide Systeme sind zum Überleben wichtig.

Ein Ungleichgewicht Ungleichgewicht von Nervus sympathikus und Nervus vagus ist krankheitsfördernd. Das gilt sowohl für ein Übergewicht des Nervus sympathikus als auch des Nervus vagus.

……weiter im Selbsthilfekurs “Angst besser verstehen & beruhigen”

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


Sie möchten regelmässig informiert bleiben? Tragen Sie sich hier für unseren Newsletter ein!


Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Eine Panikattacke ist eine übersteigerte Angstreaktion, die durch die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin vermittelt wird. Bestimmte Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel können Panikattacken auslösen und begünstigen.

Bei häufigen Anfällen sollte man deswegen seine Medikamente auf eine mögliche Überdosierung überprüfen. Dazu zählen Stoffwechselaktivatoren wie Schilddrüsenhormone, Magnesium oder Vitamin D, Kreislaufmedikamente, Prostatamittel, Haarwuchsmittel und Erektionsmittel. Auch Energy Drinks können Angst und Panikattacken auslösen

Übrigens: Ein frühes Symptom für Panikattacken können Unruhezustände sein.

……weiter im Selbsthilfekurs “Angst besser verstehen & beruhigen”

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


Sie möchten regelmässig informiert bleiben? Tragen Sie sich hier für unseren Newsletter ein!


Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Sinkt die Pumpkraft des Herzens, versucht der Organismus über andere Mechanismen einen adäquaten Druck aufrecht zu erhalten und so das Gehirn zu versorgen. Zwei wichtige Druck-Ausgleichsysteme sind das Vegetative Nervensystem und das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System in der Niere.

Das Vegetative Nervensystem (Adrenalin/Noradrenalin) steuert in der Form dagegen, dass sich die Gefäße verengen und die Pumpkraft steigt – der Druck steigt dadurch ebenso. Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System der Niere sorgt bei sinkender Herzpumpkraft dafür, dass die Flüssigkeit im Gefäßsystem steigt und sich die Gefäße verengen – auch so steigt der Druck insgesamt.

Beide Druck-Ausgleichsysteme sind bei herzgesunden Menschen sehr effektiv, etwa beim Blutungsschock oder beim septischen Schock. Wenn allerdings Herzinsuffizienz vorliegt, belasten sie das Herz zusätzlich, was in einem kritischen Kreislaufversagen endet. Denn: Wenn die Druck-Ausgleichsysteme eingreifen und der Blutdruck steigt, steigt auch die Herzbelastung – dadurch nimmt die Pumpkraft weiter ab und auch der Blutdruck sinkt weiter.

Mehr zu: Dr. frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


Sie möchten regelmässig informiert bleiben? Tragen Sie sich hier für unseren Newsletter ein!


Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Entzündliche Hauterkrankungen (z.B. Atomische Dermatitis) setzen bestimmte Botenstoffe frei, die auf den ganzen Körper wirken können. Dabei kann sich auch die Körperkerntemperatur erhöhen.

Dadurch können sich die Arterien weitstellen und der Kreislauf „überdreht“. Das ebenso ausgeschüttete Adrenalin und Noradrenalin kann zu Symptomen wie z. B. Unruhe, Erschöpfung und Schlafstörungen führen.

Vitamin D kann eine solche entzündliche Hauterkrankung günstig beeinflussen – und damit auch den Kreislauf. Zwar ist die wissenschaftliche Datenlage zu Vitamin D bei Hauterkrankungen nicht eindeutig, ein Therapieversuch kann aber trotzdem sinnvoll sein.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


Sie möchten regelmässig informiert bleiben? Tragen Sie sich hier für unseren Newsletter ein!


Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch