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Summercraze – Überaktivierung bis zur Sommerdepression

Menschen, die in der dunklen Jahreszeit an Winterblues leiden, haben auch häufig ein verändertes Befinden und Verhalten im Sommer.

Sie leiden an einer saisonalen manischen Verstimmung – man kann es den Summercraze nennen. Zunächst handelt es sich hier um keine therapiebedürftige Erkrankung, da die Betroffenen in der Regel voll alltagstauglich bleiben. Allerdings können Befindlichkeits- und Verhaltensänderungen durchaus sowohl für den Betroffenen oder die Betroffene als auch für das soziale Umfeld störend sein. Man sollte daher die Symptome kennen und mit einfachen Maßnahmen darauf reagieren.

Summercraze – Sommerdepression

Die Symptome des Summercraze sind gegenläufig zu den Symptomen im Winter: die betroffenen Personen schwanken von einem ins andere Extrem. Sie sind vermehrt aktiviert und es kann zur Erschöpfung bis hin zur Sommerdepression kommen.

Die Befindlichkeits- und Verhaltensänderungen können bereits mit dem Frühlingsäquinoktium, das heißt mit der Tages- und Nachtgleiche um den 20. März, beginnen. Dann werden die Tage wieder länger und heller. Im Herbst verschwinden diese Symptome auch wieder ohne Therapie.

Summercraze – Symptome der gesteigerten Aktivität im Sommer

Menschen, die den Summercraze haben, sind im Gegensatz zur depressiven Verstimmung im Winter im Sommer sehr euphorisch, unruhig und manchmal auch gereizt. Insgesamt haben sie häufig das Gefühl, mehr Energie zu haben.

Weil sie z.B. weniger Nahrung aufnehmen, kann das eventuell zu deutlichem Gewichtsverlust führen – im Gegensatz zum Winterblues, wo betroffene Menschen in der Regel zunehmen.

Als Folge von Schlafstörungen ist Schlafdauer ist häufig um mehr als eine Stunde kürzer, und es kann sogar zu Schlaflosigkeit kommen. Das Resultat sind Erschöpfungszustände und soziales Fehlverhalten. In schweren Fällen tritt eine Erschöpfung mit der saisonaler Sommerdepression auf.

Ursache für Summercraze – zu viel Einfluss von Licht?!

Die Hauptursache für den Summercraze ist wahrscheinlich eine zu starke emotionale Aktivierung durch Licht.

Daher sollten Sie als betroffene Person möglichst häufig eine Sonnenbrille beziehungsweise eine gelbe Brille mit Blaulichtfilter tragen. Der Schatten ist Ihr Freund, vermeiden Sie zu lange direkte Sonneneinstrahlung.

Der Arbeits- beziehungsweise Wohnbereich sollte auf 1.000 bis 2.000 Lux abgedunkelt werden. Zur Messung eignet sich hier durchaus eine App, zum Beispiel der LightLuxMeter.

Summercraze vermeiden – kühle Umgebung, Sonnenbrille und angenehmer Schlaf

Thermischer Stress durch klimatische Hitze kann bei Ihnen zusätzlich Unruhe zur Folge haben. Deswegen ist es für Sie sinnvoll Stoffwechsel-anregende Speisen wie scharfe Gewürze, z.B. Ingwer, Chili sowie Alkohol zu vermeiden. Der Arbeits- und Wohnbereich sollte grundsätzlich kühl gehalten werden, eventuell mittels Klimaanlage. Bei starker Hitze und zunehmender Unruhe sollten Sie eine kühlende (nicht kalte) Dusche nehmen und vorbeugende Massnahmen gegen Hitzestress treffen. Danach sollten Sie sich nicht abtrocknen, sondern das Wasser verdunsten lassen. Dieses nutzt die Verdunstungskälte.

Eine Sonnenbrille sollten Sie als betroffene Person vor allen Dingen im Freien und aber auch in den frühen hellen Abendstunden tragen. Das erleichtert Ihnen später das Einschlafen zum gewünschten Zeitpunkt. Weiterhin ist es sinnvoll auf regelmäßige Schlafzeiten und eine Schlafdauer von 7 bis 8 Stunden zu achten.

Am Abend sollten Sie daher nicht zu häufig Aktivitäten planen. Computerlicht am Abend begünstigt Schlafstörungen und Sie können dieses vermeiden indem Sie den Computer bzw. Handy oder Tablet möglichst wenig bzw. einen Blaulichtfilter nutzen.

Das Schlafzimmer sollten Sie zwischen 18 und 20 Grad Celsius kühl halten. Häufig können Menschen mit Summercraze schlechter einschlafen, was auch mit der länger anhaltenden Helligkeit am Abend zu tun hat. Hier helfen 0,5 bis 2 mg Melatonin (zum Beispiel Circadin 2 mg, rezeptpflichtig) 1 bis 2 Stunden vor dem geplanten Einschlafzeitpunkt. Sie sollten das Schlafzimmer gerade im Sommer komplett abdunkeln, nicht zuletzt wegen des frühen Sonnenaufgangs. Folglich ist auch eine Schlafmaske hilfreich, um ein zu frühes Erwachen zu verhindern.

Summercraze außer Kontrolle: Arzt konsultieren

Vor allen Dingen bei anhaltenden Schlafstörungen, z.B. mit mehreren Nächten starker Schlaflosigkeit in der Woche, sollten Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin konsultieren. So entgleitet Ihnen die Situation nicht und Sie behalten die Kontrolle über sich und Ihr alltägliches Leben.

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Winterdepression oder Winterblues – das ist ein großer Unterschied!

Eine Winterdepression ist eine ernstzunehmende affektive Störung. Zwischen 0,5 und 3 % der Bevölkerung sind davon betroffen, 15 % aller Patienten mit einer endogenen Depression leiden auch unter der Winterdepression. Ein normaler Alltag ist für sie nur schwer oder gar nicht mehr möglich. In diesem Fall gilt es den Facharzt bzw. die Fachärztin aufzusuchen, um eventuell medikamentös behandelt zu werden.

Wesentlich häufiger als die Winterdepression tritt der „Winterblues“ auf – eine saisonale depressive Verstimmung, die im Spätherbst beginnt und unbehandelt im Frühling wieder verschwindet. Betroffene sind in ihrem Alltag zwar eingeschränkt, aber noch handlungsfähig. Der Winterblues äußert sich zum Beispiel durch allgemeine Traurigkeit, weniger Energie sowie gesteigerte Nahrungsaufnahme und Gewichtszunahme. Auch längere Schlafdauer, erschwertes Erwachen und sozialer Rückzug sind typische Symptome.

Mögliche Ursachen für den Winterblues: Die körpereigene Bildung von Vitamin D geht in dieser Zeit zurück, ebenso schüttet der Körper weniger das Hormon Serotonin aus und es kommt zu einer starken Phasenverschiebung zwischen innerer und äußerer Uhr. Denn es mangelt an Sonnenlicht: Am kürzesten Tag (21. Dezember) ist es in Deutschland rund 16 Stunden dunkel, am längsten Tag (21. Juni) dagegen nur etwa 8,5 Stunden.

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Ein wesentlicher Faktor für den „Winterblues“, eine saisonale depressive Verstimmung, ist die längere Dunkelheit: Während es am 21. Dezember in Deutschland rund 16 Stunden lang dunkel ist, sind es am 21. Juni nur etwa 8,5 Stunden. Dadurch kommt es im Winter zu einer starken Phasenverschiebung zwischen innerer, genetisch bedingter Uhr und äußerer, astronomisch bedingter Uhr.

Eine Möglichkeit, dies günstig zu beeinflussen, sind Smart Home LED-Leuchten. Sie sind nach sogenannten Äquinox-Kriterien programmiert, die von Ende September bis Ende März für ein ausgewogenes Verhältnis von Licht und Dunkelheit sorgen (ca. 12 Std. Helligkeit, 4 Std. Dämmerung, 8. Std. Dunkelheit für Schlaf).

Im Verlauf sieht das so aus: Ab 6 Uhr startet die „Dämmerung“ für ca. 30 Minuten dank aufblendendem Weißlicht mit einem geringen Blauanteil, gegen 6.30 Uhr ist dann die maximale Lichtstärke („Sonnenaufgang“) erreicht. Den Tag über scheint ein Weißlicht mit hohem Blauanteil. Von 18.45 bis 19.15 Uhr wird das Licht dann wieder langsam abgeblendet, tiefe Orange- bzw. Rottöne leiten die anschließende Nachtruhe ein.

Dieses Vorgehen wird übrigens auch mit Erfolg zunehmend auf Langstreckenflügen genutzt.

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Durch die kältere Außentemperatur wird der menschliche Stoffwechsel im Winter weniger angeregt: Die Gefäße verengen sich, die Durchblutung und damit auch die Leistungsfähigkeit sinken. Winterblues, eine depressive Verstimmung, kann die Folge sein. Bei steigender Temperatur würde sich dieser Prozess umkehren.

Erreichen kann man das zum Beispiel durch regelmäßiges körperliches Training – etwa schnelles Gehen. 3 bis 4 Mal die Woche für 30 bis 60 Minuten wären ideal.

Auch scharfes Essen kann hilfreich sein gegen den Winterblues. Wer an einem Tag entweder 1 bis 2 Chilischoten, 1 Knolle Ingwer, 2 bis 3 Knoblauchzehen oder 2 bis 3 Esslöffel Senf kreativ in seine Nahrung einbaut (z. B. als Ingwer-Shot), wird einen Effekt bemerken.

Man sollte es allerdings auch nicht übertreiben, weil eine zu starke Stoffwechselaktivierung auch zu Nebenwirkungen führen kann. Hilfreich ist die tägliche Messung der basalen Körpertemperatur. Vorsicht ist geboten, wenn die Körpertemperatur um mehr als 0,5 Grad Celsius vom Ausgangswert ansteigt! Mögliche Nebenwirkungen von scharfem Essen sind zudem Unruhe, Schwitzen oder Schlafstörungen.

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In der dunkleren Jahreszeit wird weniger Vitamin D vom Körper gebildet, denn dafür benötigt er Sonnenlicht. Kalzium, welches durch Vitamin D vermehrt aufgenommen wird, ist neben der Knochenbildung für die Bildung und Funktion der Tyrosinhydroxylase sehr wichtig. Dieses Enzym hat eine Schlüsselfunktion für die Bildung der Vitalitätshormone Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin und Thyroxin.

Diese wiederum regen unseren Stoffwechsel an und sorgen für unser Wohlbefinden. Zumindest im Winter kann man daher Vitamin D oral einnehmen, um der Stimmung auf die Sprünge zu helfen. Das sollte unter ärztlicher Begleitung passieren, da die Dosis vor allem bei älteren Menschen individuell angepasst werden muss. Sonst sind unerwünschte Nebenwirkungen möglich.

 

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Johanniskraut – Nebenwirkungen in Kombination mit anderen Medikamenten

Johanniskraut wird seit Jahrhunderten als pflanzliches Präparat bei der Behandlung von depressiven Verstimmungen eingesetzt. In der Tat ist die therapeutische Wirksamkeit von Johanniskrautpräparaten bei leichten bis mittelschweren Formen der Depressionen wissenschaftlich gut belegt. Wir unterscheiden hier die freiverkäuflichen Produkte von den rezeptpflichtigen Medikamenten.

Die höher konzentrierten rezeptpflichtigen Medikamente helfen auch bei mittelschwerer Depression und sind in ihrer Herstellungsqualität streng kontrolliert. Bei den niedriger konzentrierten frei verkäuflichen Produkten ist die Qualität häufig unsicher.

Johanniskraut wirkt im Gehirn

Die relevanten Wirkstoffe für die anti-depressive Wirkung von Johanniskraut sind die Inhaltsstoffen Hypericin und Hyperforin. Sie greifen synergistisch in den Neurotransmitter-Stoffwechsel im Gehirn ein, z.B. von Serotonin, Dopamin und Noradrenalin und GABA allesamt auch Angriffspunkt für andere Antidepressiva.

Nebenwirkungen von Johanniskraut – innere Unruhe, Benommenheit, Müdigkeit

Insbesondere bei höheren Dosierungen können innere Unruhe, Benommenheit, Müdigkeit und Verdauungsstörungen vorkommen. Gerade die Nebenwirkungen an der Haut mit Juckreiz, höhere Lichtempfindlichkeit und toxischen Hautreaktionen sind gefürchtet.

Nebenwirkung von Johanniskraut bei Einnahme von Betablocker – Fallbericht 

Ein 60-jähriger Mann hat unter einer langjährigen Betablocker-Therapie (10mg Bisoprolol pro Tag) gut kontrollierte Herzrhythmusstörungen. Bei ihm tritt symptomatisches Vorhofflimmern mit 0-2 Episoden in 6 Monaten und damit selten auf.

Kurzfristig stellte er sich in der Cardiopraxis mit einem Anstieg der Anfallshäufigkeit auf 5-10 Episoden pro Woche vor; das ist sehr häufig. Unsere genaue Befragung ergab, dass er wegen depressiver Verstimmung seit einigen Wochen ein freiverkäufliches niedrig-dosiertes Johanniskrautprodukt einnimmt.

Folglich haben das Mittel abgesetzt und binnen kurzer Zeit war der Mann fast wieder beschwerdefrei und die Anfallshäufigkeit auf 0-2 Episoden pro 6 Monate reduziert.

Johanniskraut und Beta-Blocker wirken in der Leber auf Cytochrom CYP3A4

Johanniskraut interagiert sehr stark mit wichtigen Stoffwechselwegen für den Abbau von Medikamenten, z.B. dem Cytochrom P450 Systemen in der Leber. Hier steigert als sog. „Induktor“  vor allen Dingen den Stoffwechsel des Enzyms CYP3A4. In geringerem Maß trifft das auch auf CYP2C19 zu; auf CYP2C9 wirkt es als „Inhibitor“. Nun ist es so, dass nahezu 50% aller Medikamente über CYP3A4 als „Substrat“ abgebaut werden, so auch der Beta-Blocker Bisoprolol.

In der Tat hat die beschleunigte Stoffwechselleistung von CYP3A4 bei unserem Mann die Konzentration von Bisoprolol im Körper so stark erniedrigt, dass es das Vorhofflimmern nicht mehr richtig unterdrücken konnte. Folglich haben die Anfälle von Rhythmusstörungen zugenommen.

Johanniskraut kann Wirkung der Anti-Baby-Pille beeinträchtigen

Gerade Frauen sollten vorsichtig mit dem Einsatz von Johanniskrautprodukten umgehen, da Johanniskraut, im Englischen auf St. Johns Wort genannt den Abbau von Östrogen beschleunigt.

In der Tat kann es zu Problemen bei der Empfängnisverhütung mit den niedrig-konzentrierten oral eingenommenen Kontrazeptiva kommen. Folglich nimmt die Zahl der Zwischenblutungen um mehr als 50%. Weiterhin wurden auch Zeichen der gesteigerten Fruchtbarkeit trotz Anti-Baby Pille in Form von reifen Follikeln objektiv nachgewiesen. Abgesehen davon sind auch ungewollte Schwangerschaften unter der Einnahme von Johanniskraut in Kombination mit der Anti-Baby-Pille berichtet worden.

Johanniskraut mit anderen Medikamenten vermeiden – Nebenwirkungen sind zu erwarten

In jedem Fall sollten Sie bei der Dauereinnahme von Medikamenten einschließlich der Anti-Baby Pille die Einnahme von Johanniskraut vermeiden.

Falls Sie kurzzeitig Medikamente, z.B. Antibiotika einnehmen müssen, dann sollten Sie sich vor der Einnahme informieren ob Johanniskraut mit dem betreffenden Medikament interagiert.

Schließlich sollten sich als Frau auch nicht wundern, wenn Ihr Zyklus durch den Einsatz von Johanniskraut unregelmäßig wird.

Grundsätzlich ist es ratsam, wenn Sie vor der Einnahme von Johanniskraut-Präparaten in Verbindung mit anderen Medikamenten immer mit Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt sprechen!

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Berry-Bibee EN et. al. Contracption 2016;94:668-677

Wikipedia: Medikamentenlisten zu Interaktionen (siehe unter „Ligands“) mit CYP3A4, CYP2C19, CYP2C9

 

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