1-Kanal-EKG mit Smartphone

Verschiedene Hersteller bieten mittlerweile 1-Kanal-EKG-Systeme an. Diese erlauben es Ihnen, auch zu Hause über das Smartphone eine elektrische Herzstromkurve abzuleiten. Die Systeme, egal ob von AliveCor, Apple oder Samsung, sind medizinisch wertvoll und sehr gut geeignet zur Dokumentation von Herzrhythmusstörungen. Zum Beispiel ist ihre Diagnose von Vorhofflimmern zu über 95% sicher.

Allerdings leitet das 1-Kanal-EKG nur eine von 12 Standardableitungen ab. Die Ableitung I bildet lediglich einen Teil der Seitenwandregion der linken Hauptkammer ab. Jedoch ist das Herz ein dreidimensionales Organ und wir unterscheiden neben der Seitenwand noch eine Vorderwand und eine Hinterwand.

Normales Ruhe-EKG beim Arzt

Das Standard-EKG hat 12 Ableitungen. Hierfür benötigen wir Elektroden an Armen, Beinen und Körperstamm. Mit diesen 12 Ableitungen können wir alle Regionen des Herzens, also Vorderwand, Seitenwand und Hinterwand, elektrisch genau abbilden. Neben einer Herzrhythmusdiagnostik erlaubt uns ein vollständiges EKG auch eine gute Herzinfarktdiagnostik.

AliveCor KardiaMobile 6L – EKG-Ableitungen

Bereits vor über 5 Jahren hat AliveCor mit EKG KardiaMobile das erste Smartphone-basierte 1-Kanal-EKG auf den Markt gebracht. Nun hat die Firma das KardiaMobile 6L herausgebracht. Dieses verfügt über die sogenannten 6 Extremitätenableitungen: I, II, III, aVR, aVL und aVF.

  • Hinterwand des Herzens = II, III, aVF
  • Seitenwand des Herzens = I, aVL
  • Vorderwand des Herzens = keine Ableitung

Gerade die Vorderwand ist über einen Verschluss des Ramus interventricularis anterior häufig der Schauplatz eines Herzinfarktes. Aber diese Region wird mit dem 6-Kanal EKG nicht richtig erfasst. Zur genauen Abbildung der Vorderwand benötigen wir die bekannten Brustwandableitungen, die mit dem AliveCor KardiaMobile 6L nicht möglich sind.

Ein Vorteil des Kardia Mobile 6L ist eine bessere Abbildung der P-Welle, das ist die elektrische Vorhofaktion. Folglich können wir als Fachleute den Sinusrhythmus vom Vorhofflimmern noch besser unterscheiden. Des Weiteren können elektrische Extraaktionen, sogenannte Extrasystolen aus der Hauptkammer, im Hinblick auf ihren Ursprungsort besser abgegrenzt werden.

AliveCor KardiaMobile 6L – wie wird abgeleitet?

Man legt die Unterseite der Kontaktplatte auf den Unterschenkel des LINKEN Schienbeins. Dann berühren die rechte und die linke Hand jeweils die Oberseite der Kontaktplatte rechts und links. 30 Sekunden beträgt die Aufzeichnungsdauer und das EKG wird direkt an das Handy übertragen.

AliveCor KardiaMobile 6L – keine Herzinfarktdiagnostik

Auch das AliveCor KardiaMobile 6L ist nicht für die Herzinfarktdiagnostik geeignet, weil es die Vorderwand als häufigste Infarktregion nicht abbildet. Das 6-Kanal-EKG ist etwas störanfällig, da es nicht selten zu Verwackelungsartefakten kommt. Allerdings ist auch mit dem AliveCor KardiaMobile 6L eine stabile 1-Kanal-Ableitung möglich. So wie bei der Apple Watch und z. B. auch beim Kardia Mobile.

AliveCor KardiaMobile 6L am besten für Bewertung durch Kardiologen geeignet

Das AliveCor KardiaMobile 6L ist ein gutes Gerät und erlaubt Ärztinnen und Ärzten eine bessere Bewertung des EKGs. Für den Laien hat es aus unserer Sicht allerdings keinen Mehrwert. Darüber hinaus muss man auch die Kosten beachten.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Herzrasen nach dem Mittagessen –  Herzrhythmusstörungen durch Histamin

Vorgeschichte

Bei einem 57-jährigen Mann ist seit der Kindheit eine saisonale Allergie bekannt. Seit dem jungen Erwachsenenalter treten immer wieder Symptome einer Histaminintoleranz bzw. eines Mastzellaktivitäts-Syndroms auf.

Ca. 10 Minuten vor Beginn der Symptome Mahlzeit mit Würstchen, Sauerkraut und Kartoffelpürree, dazu ca. 3 Eßlöffel Senf (Löwensenf, mittelscharf-mild).

Symptome von Histamin

Akute Symptome am Tag 1

  • Zuschwellung des Rachens mit veränderter Stimme (“kloßig”) und Schluckstörungen
  • Jucken der Augen
  • keine Luftnot
  • kein Herzstolpern (= asymptmatische Herzrhythmusstörungen)
  • Zuschwellen der Augen
  • Müdigkeit

Latente Symptome am Tag 2

  • Angina pectoris (Nitrospray– und Cimetidin-Test positiv)
  • weicher Stuhlgang
  • fortgesetzte Schwellung der Augen (bis Tag 3)

Smartphone 1-Kanal EKG – Apple Watch 4 

Was kann ich sehen:

  • elektrische Herzfrequenz 101 bpm
  • P-Welle gut sichtbar
  • regelmäßige P-Wellen mit konstantem Intervall, jeder P-Welle folgt ein QRS-Komplex mit gleichem Abstand = Sinusrhythmus
  • intermittierende elektrische Extraaktionen (Extrasystolen)
  • Extrasystolen mit SCHMALEM QRS-Komplex = Vorhoffextrasystolen = atriale Extrasystolen (gelber Punkt) mit post-extrasystolischen Pausen bis zur nächsten normalen elektrischen Herzaktion (gelber Strich). Bei einer Anzahl von  7 Extrasystolen während einer Aufzeichnungsdauer von 30 Sek. entspricht das 14% aller gezählter Hauptkammerkomplexe
  • Extrasystolen mit BREITEM QRS-Komplex = Hauptkammerextrasystolen = ventrikuläre Extrasystolen (roter Punkt), 1 Doppelaktion mit 2 aufeinanderfolgenden ventrikulären Extrasystolen (= Couplet); alle ventrikulären Extrasystolen sehen ähnlich aus = monomorphe ventrikuläre Extrasystolen = 1 einzelner Ursprungsort in den Herzhauptkammern wahrscheinlich. Bei einer Anzahl von 7 Extrasystolen während einer Aufzeichnungsdauer von 30 Sek entspricht das 14% aller gezählter Hauptkammerkomplexe.

Diagnose durch Apple

  • uneindeutig

Diagnose durch den Kardiologen

  • Sinustachykardie mit intermittierenden supraventrikulären Extrasystolen und monomorphen ventrikulären Extrasystolen mit 1 Couplet

Smartphone 1-Kanal EKG – AliveCor KardiaMobile

Was kann ich sehen? – Zusatzinformationen

Die Annotation (blaue Markierung), die Balkenlinie unterhalb des EKGs zeigt einen komplett regelmäßigen Grundrhythmus an. Bei besser sichtbaren regelmäßigen P-Wellen vor dem QRS-Komplex können Sie somit die Diagnose “Sinusrhythmus” eindeutig selber stellen. Auch die Vorhofextrasystolen (gelber Punkt) lassen sich gut abgrenzen.

Diagnose durch Kardia

  • Tachykardie

Die Diagnose “unklassifiziert” oder “mögliches Vorhofflimmern” wird NICHT gestellt, was richtig ist.

Diagnose durch den Kardiologen

  • Sinsutachykardie mit einzelnen atrialen Extrasystolen

Smartphone 1-Kanal EKG – AliveCor Kardia 6L

 

Was kann ich sehen? – Zusatzinformationen

Der Hauptvektor des QRS-Komplexes der monomorphen ventrikulären Extrasystolen liegt zwischen den Extremitätenableitungen II und III, d.h. die grösste positive Amplitude liegt zwischen diesen Ableitungen. Folglich handelt es sich um einen sog. Steiltyp.

Die Extrasystolen haben somit mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ihren Ursprung in einem Ausflußtrakt des Herzens oder der Aortenbasis. Entweder handelt es sich um den rechtsventrikulären Ausflußtrakt (Verbindung zwischen rechter Herzhauptkammer und Lungensrombahn) oder dem linksventrikulären Ausflußtrakt (Verbindung zwischen linker Herzhauptkammer und Aorta). Eine genauere Festlegung ist nicht möglich, hierfür brauchen Sie ein 12-Kanal EKG.

Die P-Wellen sind in dem 6-Kanal EKG gut abgrenzbar.

Diagnose durch Kardia

  • normal (bei Herzfrequenz <100 bom)

Diagnose durch den Kardiologen

  • ventrikuläre Extrasystole

Technische Anmerkung – Annotation bei Kardia von AliveCor

Die AliveCor Kardia Systeme, KardiaMobile, KardiaBand und Kardia 6L  zeigen im 1-Kanal EKG eine sog. Annotation an. Es handelt sich um eine Balkenlinie (blaue Markierung) unterhalb des EKGs; die kleinen senkrechten Balken zeigen den QRS-Komplex an. Somit können Sie auch bei schneller Herzschlagfolge die Regelmäßigkeit der Herzaktionen besser bewerten. Gegebenenfalls können Sie das EKG ausdrucken und mit einem Zirkel oder einem Lineal selber nachmessen. Sowohl das KardiaMobile als auch die 1-Kanal EKG-Funkton des Kardia 6L verfügen über eine Annotation. Das 1-Kanal EKG von Apple verfügt nicht über eine Annotation.

Technische Anmerkung – Vorteile des 6-Kanal EKGs

Gerade dem geschulten Betrachter bietet das 6-Kanal EKG von AliveCor mehr Möglichkeiten. Die P-Wellen sind besser abgrenzbar, weil Sie in der Regel in der Extremitäten Ableitung II am besten sichtbar sind. Die 1-Kanal EKGs bilden jeweils nur die Ableitung I ab.

Durch das 6-Kanal EKG läßt sich auch der Ursprungsort von ventrikulären Extrasystolen besser abgrenzen. Das hat durchaus Bedeutung, weil es sich in dem vorgestellten Fall mit hoher Wahrscheinlichkeit um  ventrikuläre Extrasystolen aus einem Ausflußtrakt des Herzens handelt.

 

Intervention und Verlauf

Symptome. Die akuten Symptome entwickelten sich 10 Minuten nach Ende der Mahlzeit und der betroffene Mensch nahm dann 2 orale Antihistaminika, den H1-Blocker Lorantadin (10mg) und den H2-Blockers Ranitidin (300 mg, oral nicht in Deutschland erhältlich). Die Symptomentwicklung hatte eine klare Abfolge, indem sie sich eindeutig zuerst im Rachenraum bemerkbar machten.

Herzrhythmus. Die atrialen und ventrikulären Extrasystolen wurden zuerst ca. 10-15 Minuten nach Beendigung der Mahlzeit registriert. Die ventrikulären Extrasystolen waren nach ca. 1 Stunde deutlich rückläufig bzw. nicht mehr nachweisbar, während atriale Extraaktion weiter vorkommen, allerdings nicht in der anfänglichen Häufigkeit.

Interessanterweise lag die Herzfrequenz in der Nacht (gemessen mit Apple-Watch 4 + SleepWatch App) bis zum Morgen, d.h. 16h Stunden nach der Symptom-auslösenden Mahlzeit mit 77 bpm mehr als 10 bpm höher als in den 7 Tagen davor (Durchschnitt 15,1 bpm <77 bpm). Folglich bestand somit eine fortgesetzte arrythmogene Aktivierung des Herzens auch in der Nacht.

Den vollständigen Fallbericht finden Sie hier: Fallbericht V.a.Histaminintoleranz

Kurzbeschreibung – Histamin und Herzrhythmusstörungen

Histamin wirkt über verschiedene Rezeptoren und bewirket so mannigfache Symptome. Dabei verursachen vor allen Dingen die Aktivierung von H1 und H2 Rezeptoren Veränderungen im Herz-Kreislaufsystem.

Folglich bewirkt Histamin über die  H1 Rezeptoren eine Blutgefäßerweiterung und damit Blutdruckschwankungen. Die H2 Rezeptoren hingegen stimulieren das Herz indem sie, so wie in diesem Fall eine Tachykardie auslösen und auch die Muskulatur der Herzhauptkammern zu mehr Aktivität stimulieren. Darüber hinaus können vor allen Dingen in den Vorkammern Extrasystolen bis hin zu Vorhofflimmern getriggert werden.

Ein indirekter Beleg für die Bedeutung von Histaminrezeptoren am Herzen ist die Wirkung von sog. H2-Blockern, z.B. Cimetedin und Ranitidin am Herzen. Schließlich ist bei Rantidin die Wirkung auf die Erregungsbildung und -weiterleitung im Herzen so  ausgeprägt, dass unter höheren Dosierungen von 300mg Ranitidin in seltenen Fällen kritische Verlangsamungen der Herzfrequenz vorkommen können.

Folglich haben diese  Zusammenhänge im Alltag durchaus praktische Bedeutung. In diesem Sinne sind Menschen, die ohnehin schon ein erhöhtes Risiko, z.B. für Vorhofflimmern haben, besonders gefährdet. Liegt dann noch eine Histaminerkrankung, z.B. eine Allergie, eine Histaminintoleranz oder ein Mastzellaktivitätssyndrom vor, dann können zugeführte Histamin-begünstigende Nahrungsmittel, so z.B. auch das beliebte Oktoberfestbier Herzrhythmusstörungen auslösen.

Während eine Allergie von Betroffenen und Ärzten gut erkannt wird, fällt die Abgrenzung anderer Histaminerkrankungen aufgrund der eingeschränkten diagnostischen Möglichkeiten, und hier vor allen Dingen eines einfachen Labortests, schwer. Folglich sollten wir bei Herzrhythmusstörungen im jüngeren und mittleren Lebensalter, d.h. bei fehlenden weiteren Risikofaktoren für das Herz an eine Histaminerkrankung bzw. den Einfluss von Nahrungsmitteln denken und genauer nach weiteren Histaminsymptomen fragen.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Herzstolpern, Herzrasen – Warum ein 1-Kanal-EKG mit dem Smartphone?

Die EKG-Funktion von Smartphones entweder in Verbindung mit einer Smartwatch oder anderen Geräten zur Ableitung wird  zunehmend auch in Fachkreisen diskutiert. Auch wir in der Cardiopraxis erleben hier alltäglich den wertvollen Beitrag dieser Systeme bei der Gesundheitsversorgung, insbesondere bei der Verhinderung eines Schlaganfalls. Sollten Sie sich für dieses Thema interessieren, dann werden Sie bei Cardiopraxis immer wieder Beiträge zum Thema “Smartphone EKG” finden.

Smartphone, Smartwatch oder Blutdruckgerät mit EKG-Funktion – planen und kaufen 

Sie überlegen sich, ob Sie ein Smartphone-basiertes Gerät mit EKG-Funktion oder ein ähnliches Gerät kaufen sollen. Möglicherweise haben Sie ein solch teures Produkt bereits erworben und fragen sich jetzt: Was soll ich damit anfangen? Wozu brauche ich überhaupt eine EKG-Funktion auf meinem Smartphone?

Aus professioneller Sicht handelt es sich bei den Smartphone-basierten Angeboten zur Ableitung eines EKGs zunächst einmal um hochwertige Produkte. Es gibt hier verschiedene Anbieter, z.B. AliveCor, Apple, Withings und Samsung.Die Information des 1-Kanal-EKGs ist medizinisch verwertbar und wissenschaftlich getestet. Es handelt sich somit nicht um ein Spielzeug, da die Messergebnisse diagnostische und therapeutische Konsequenzen haben können.

Wie können Sie die EKG-Funktion für sich sinnvoll nutzen?

Der Blog “Smartphone-EKG” – EKG lernen

Um Ihnen ein besseres Verständnis für den Sinn und die Feinheiten des 1-Kanal-EKGs zu ermöglichen, betreibt Cardiopraxis zu diesem zukunftsweisenden Thema einen Blog.

Wir veröffentlichen Beiträge zum Thema EKG mit dem Smartphone in loser Folge. Dabei stehen Fallberichte mit Beispiel-EKGs und den dazu passenden Erklärungen im Vordergrund. Wir wollen Ihnen die Nutzungsmöglichkeiten, aber auch die Fehlerquellen beim 1-Kanal-EKG aufzeigen.

Warum macht die Cardiopraxis einen Blog zum Thema Smartphone und EKG? 

Wir in der Cardiopraxis nutzen seit 2016 KardiaMobile von AliveCor bei der Patientenversorgung, die Systeme verleihen wir mehrmals im Monat an Patienten mit unklaren Rhythmusstörungen. Da Rhythmusstörungen häufig nur vorübergehend sind, die z.B. nur 2 mal im Monat auftreten, werden Sie häufig auch mit einem Langzeit-EKG nicht erfasst. Gerade hier sind uns die Smartphone-basierten Systeme eine große Hilfe.

Inzwischen haben wir auch umfangreiche Erfahrungen mit dem KardiaBand und der AppleWatch 4. Im Bereich Smartphone EKG werden wir in der Zukungft auch alle medizinsich sinnvollen Systeme testen und Sie darüber informieren.

Wir sind von den 1-Kanal-EKGs mit dem Smartphone und deren Nutzen auch als Profis überzeugt. Die Verlagerung von hochwertiger Diagnostik zum betroffenen Menschen halten wir für zukunftsweisend und gesundheitsfördernd. Der medizinische Hauptnutzen bei den 1-Kanal-EKGs mit dem Smartphone ist der Nachweis bzw. der Ausschluss von symptomatischem und asymptomatischem Vorhofflimmern, was der Schlaganfallverhütung dient.

Schlaganfall – unerkanntes Vorhofflimmern häufig die Ursache 

Pro Jahr treten in Deutschland ca. 270.000 neue Schlaganfälle auf. Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für eine bleibende Behinderung. Dieser Zustand ist nur allzu häufig mit einem Verlust der vollen körperlichen und geistigen Selbstbestimmtheit verbunden. Das Gefühl der Hilflosigkeit vor dem Hintergrund verlorener Gesundheit lässt Sie bisweilen verzweifeln und an den Verlust der eigenen Würde denken.

Wer schwere Verläufe von Schlaganfällen kennt, und wenn es nur ein einziger “Fall”  ist, der weiß, warum wir diesen Blog machen.

In 20-25% der Fälle ist die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern die Ursache eines Schlaganfalls. Vor allen Dingen unerkanntes und unbehandeltes Vorhofflimmern ist dabei meistens der Grund. Die Diagnose “Vorhofflimmern” kann nur mittels EKG gestellt werden. Andere Verfahren, wie z.B. die Tastung des Pulses sind nur richtungsweisend.

Medizinischer Nutzen von Smartphone-EKGs – Schlaganfall verhindern 

Das Besondere an den meisten Systemen für Smartphone-EKGs ist eine automatische Erkennung von Vorhofflimmern. Das AliveCor System zeigte in Studien eine Diagnosesicherheit von Vorhofflimmern von über 95%. Die Sicherheit bei der Diagnose eines Normalbefundes lag ebenfalls über 95%.

Sollte die Diagnose Vorhofflimmern gestellt werden, muss fast immer eine notwendige Therapie zur Verhinderung eines Schlaganfalls eingeleitet werden. Diese beinhaltet dann auch eine Hemmung der Blutgerinnung, was schlussendlich das Risiko für einen Schlaganfall um mehr als 70% reduziert.

Problematisch bei Vorhofflimmern ist, dass es häufig immer wieder nur kurzzeitig auftritt und trotzdem gefährlich ist. In diesen Fällen können wir auch als Kardiologen die Rhythmusstörung mittels Ruhe-EKG oder auch Langezeit-EKG nicht erfassen. Diese diagnostische Lücke kann durch das Smartphone-EKG geschlossen werden. Anders gesagt, mit einem Smartphone-EKG können Sie selber Vorhofflimmern erfassen, auch wenn Sie nicht in direkter kardiologischer Betreuung sind oder ein übliches EKG-Gerät in der Hausarztpraxis oder Notaufnahme unmittelbar erreichbar ist.

Wir sind davon überzeugt, dass sich durch die Früherkennung von Vorhofflimmern mittels Smartwatch-EKGs die Rate an Schlaganfällen deutlich senken lässt.

Neben Vorhofflimmern werden natürlich auch andere Rhythmusstörungen aufgezeichnet, die bei Symptomen zur Diagnosefindung beitragen können. Ein nicht zu unterschätzender Wert von Smartphone-EKGs ist, dass bei vorliegenden Symptomen eine Rhythmusstörung ausgeschlossen werden kann. Dieses vermeidet weitere unnötige Diagnostik und Therapie.

EKG mit dem Smartphone – Was es nicht leisten kann

Grundsätzlich ist festzuhalten: Ein Smartphone-EKG eignet sich bisher nicht zur Erfassung eines Herzinfarktes.

Die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern tritt oft anfallsartig auf, sie dauert unterschiedlich lang, einige Minuten bis viele Stunden. Problematisch ist, dass viele solcher Episoden asymptomatisch sind. Studien legen nahe, dass mehr Episoden asymptomatisch als symptomatisch sind. Deshalb macht es auch für Risikopatienten Sinn, dass sie auch ohne Beschwerden 1-2 mal in der Woche messen.

Mit dem Smartphone-EKG kann ich den Herzrhythmus im selben Augenblick messen. Eine Aussage darüber, ob vielleicht in der Vergangenheit Vorhofflimmern vorlag, können wir nicht treffen. Übrigens gilt dies auch für alle anderen herkömmlichen EKG-Methoden.

Vorhofflimmern – Puls tasten, Arrhythmiefunktion mit Blutdruckmanschette oder Smartphone-EKGs

Im Gegensatz zum Tastbefund und der Arrhythmie-Detektion durch eine einfache Blutdruckmanschette ermöglicht das 1-Kanal-EKG mit dem Smartphone eine schriftliche Dokumentation. Ohne schriftliche Dokumentation ist keine Einordnung von Rhythmusstörungen durch den Arzt möglich, und damit auch keine Therapie. Hier bieten die Smartphone-EKGs einen entscheidenden Vorteil.

Die Daten können an eine Ärztin oder an einen Arzt via Text-messaging, E-Mail oder direkt als Print-out mitgeteilt werden.

EKG mit dem Smartphone – den Kontakt zum Arzt halten 

Das Smartphone-EKG ersetzt nicht den Arztbesuch. Nur ein Arzt kann ein EKG sicher bewerten und gegebenenfalls weitere diagnostische Maßnahmen einleiten.

Im Zweifel sollten Sie bei Symptomen oder unklaren EKG-Befunden daher immer einen Arzt kontaktieren, am besten einen Kardiologen oder eine Kardiologin.

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


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Herzstolpern, Herzrasen – nur ein EKG kann eine Diagnose sichern 

Die Symptome von Herzrhythmusstörungen sind unterschiedlich. Sie berichten uns „mein Herz stolpert immer mal wieder“, „mein Herz rast“, „manchmal habe ich das Gefühl, mein Herz macht eine Pause“, zwischen durch ist mein Herz so langsam“ oder „in letzter Zeit schlägt mein Herz immer mal wieder komplett unregelmäßig“.

Symptome können auf spezifische Rhythmusstörungen hinweisen, aber erst das EKG erlaubt eine genaue Diagnose und damit eine sichere Risikoabschätzung. Viele Rhythmusstörungen sind harmlos, manche allerdings können ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen haben.

Eine wichtige Frage, die uns in der Cardiopraxis immer wieder gestellt wird, ist:

  • Soll ich überhaupt ein Smartphone-EKG messen?
  • Wie soll ich ein Smartphone-EKG ableiten?
  • Wann sollte ich ein 1-Kanal EKG bestimmen?

Warum 1-Kanal EKG messen? 

Das Smartphone-EKG ist besonders dann sinnvoll, wenn Sie symptomatische Rhythmusstörungen haben, die bisher schriftlich noch nicht registriert wurden. Die Messung mit schriftlicher Dokumentation ist für den Arzt besonders wichtig, da nur so eine richtige Diagnose möglich wird und damit auch die richtige Therapie. Rhythmusstörungen sind häufig selten, z.B.  einmal im Monat.

Smartphone-EKG – wer sollte diese Funktion nutzen? 

Wir kennen 3 große Gruppen von Menschen, die von einem 1-Kanal EKG profitieren können. Solche mit:

  • Symptomen von Herzrhythmusstörungen
  • einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern
  • bekannten Herzrhythmusstörungen

Menschen mit Symptomen und unbekannten Herzrhythmusstörungen 

Symptome von Herzrhythmusstörungen können sich vielfältig äußern. Manchmal merken Sie einfach nur ein plötzlich einsetzendes Unwohlsein, Unruhe auf der Brust bzw. eine Luftnot. Etwas spezifischer für Herzrhythmusstörungen sind:

  • Herzrasen
  • langsamer Herzschlag
  • Herzstolpern
  • unregelmäßiger Herzschlag

Bei gelegentlich auftretenden Symptomen ist eine Rhythmusstörung häufig noch nicht schriftlich dokumentiert. Gerade hier macht die Aufzeichnung mit dem Smartphone Sinn, um eine richtige Diagnose zu stellen.

Menschen mit symptomatischen Rhythmusstörungen messen zum Zeitpunkt der Symptome, quasi am “point-of-Action”. Des Weiteren sollten auch symptomatische Menschen gelegentlich, das heißt 1-2 Mal pro Woche unabhängig von den Symptomen messen, um gegebenenfalls asymptomatische Rhythmusstörungen zu erfassen und zu dokumentieren.

Risikopatienten für Vorhofflimmern 

Aus unserer Sicht macht es Sinn, wenn Menschen mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern unabhängig von den Symptomen regelmäßig ein 1-Kanal ableiten. Zur Risikogruppe gehören Menschen mit:

  • Alter >65 Jahre
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • vergrößerte Herzvorkammern im Herzultraschall
  • relevante Herzklappenerkrankung
  • Herzschwäche
  • Durchblutungsstörung des Herzens (Koronare Herzkrankheit, nach Herzinfarkt)

Haben Sie ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern, dann sollten Sie z.B. 2 mal pro Woche unabhängig von Symptomen messen. So können asymptomatische Episoden von Vorhofflimmern erfasst werden.

Menschen mit bekannten Herzrhythmusstörungen 

Es macht durchaus Sinn ebenfalls 2 Mal wöchentlich zu messen, wenn bei Ihnen Rhythmusstörungen bekannt und dokumentiert sind. Zunächst harmlose Rhythmusstörungen, wie z.B. vermehrte Vorhofextrasystolen sind nicht selten der Vorbote für Vorhofflimmern.

Wie sollte Sie ein 1-Kanal EKG mit einem Smartphone-EKG gemessen werden? 

Wenn Sie qualitativ ein hochwertiges 1-Kanal EKG mit dem Smartphone ableiten wollen, dann ist eine gute Messroutine wichtig. Nur so können Sie ein verwertbares EKG ohne Störungen, sog. Artefakte ableiten.

Häufig spielt die Bewegung des Armes eine erhebliche Rolle und hat Artefakte zur Folge. Das ist ähnlich wie bei einem verwackelten Foto, wir können dann häufig den Befund nicht richtig erkennen. Am besten Sie leiten ein Smartphone-EKG möglichst im Sitzen ab und legen dabei den Arm auf den Tisch. Während der Aufzeichnung sollte nicht gesprochen werden. Das EKG sollten Sie speichern und zur genauen Betrachtung eventuell auch ausdrucken.

Sie sollten auf den Bedarfsfall vorbereitet sein, da manche Rhythmusstörungen nur einige Minuten anhalten. Daher macht es Sinn, wenn Sie den Umgang mit dem jeweiligen System üben. Zudem ist es sehr wertvoll bei einer auffälligen Messung wiederholt zu messen und somit zu dokumentieren, wie lange die Herzrhythmusstörung dauert.

Smartphone-EKG – automatische Diagnose von Vorhofflimmern – Kommunikation mit einem Kardiologen am besten 

Kardiologinnen und Kardiologen sind Spezialisten für Herzrhythmusstörungen und dafür lange ausgebildet worden. Sie sollten daher mit einem Kardiologen das Vorgehen zur Befundübermittlung und -bewertung besprechen.

Die Diagnosefunktion bei den Kardia-Geräten von AliveCor bzw. von Apple verfügen im Hinblick auf Vorhofflimmern über 3 Diagnosen:

  • normal
  • unklassifiziert
  • mögliches Vorhofflimmern

Bei den Diagnosen “unklassifiziert” und “mögliches Vorhofflimmern” raten wir zur zeitnahen Kontaktaufnahme. Bei Vorhofflimmern steigt das Risiko für einen Schlaganfall an. In der Cardiopraxis haben viele Menschen, die wir betreuen unsere E-Mail oder Handynummer, so dass die Übermittlung rasch erfolgen kann, auch über Textmessaging.

Im Falle von Symptomen, wie Luftnot und Benommenheit raten wir Ihnen eine Notaufnahmestation aufzusuchen bzw. den Rettungsdienst unter 112 zu verständigen.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

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Routinemessung – Sinusrhythmus – 1-Kanal EKG mit Apple Watch 4 

Vorgeschichte

Ein 38-jähriger gesunder Mann hat eine Apple Watch 4 erworben. Folglich testet er auch einmal die EKG-Funktion.

Aktuelle Symptome

  • keine Symptome
  • gute Belastbarkeit

Smartphone 1-Kanal EKG – Apple Watch 4 

Was sehe ich:

  • elektrische Herzfrequenz 70bpm
  • regelmäßiger QRS-Komplex
  • schmaler QRS-Komplex (blauer Punkt)
  • P-Welle gut sichtbar (grüner Punkt)

Diagnose durch den Kardiologen 

  • Sinusrhythmus

EKG – Diagnose-Kriterien

  • regelmäßige P-Wellen
  • Konstante P-Wellen-Intervalle
  • Jeder P-Welle folgt ein QRS-Komplex

Kurzbeschreibung – Sinusrhythmus

Der Sinusrhythmus ist der normale elektrische Rhythmus Ihres Herzen. Zur Diagnose eines Sinusrhythmus gehört, dass der regelmäßig auftretenden P-Welle (blauer Punkt) jeweils ein QRS-Komplex (grüner Punkt) folgt. Folglich tritt durch die geordnete hintereinander geschaltete elektrische Erregung von Vorkammer (P-Welle) und Hauptkammer (QRS-Komplex) auch das mechanische Zusammenziehen der Vorkammer und der Hauptkammermuskulatur nacheinander auf. Kurzum, erst entleeren sich die Vorkammern in die Hauptkammern und danach werfen die Hauptkammern Blut in den Lungen- bzw. Körperkreislauf aus.

Zum Sinusrhythmus gehört ein typischer Vektor der P-Welle. Dies ist im 1-Kanal-EKG im Gegensatz zum 12-Kanal-EKG eingeschränkt beurteilbar. Da alternative geordnete ektope Vorhofrhythmen z.B. aus dem basalen Vorhof, sehr selten sind, ist dies zu vernachlässigen, insbesondere auch, weil dieses Kriterium nicht zur Abgrenzung von Vorhofflimmern herangezogen wird.

Der Sinusrhythmus bestimmt im Normalfall die Herzfrequenz, d.h. die Häufigkeit mit der Ihr Herz z.B. pro Minute elektrisch und mechanisch aktiv ist. Die normale Herzfrequenz beträgt beim Menschen in Ruhe 50-100 bpm. Folglich sprechen wir bei einer Herzfrequenz von >100 bpm von einer Tachykardie, bei einer Herzfrequenz <50 bpm von einer Bradykardie.

Beim Sinusrhythmus ist die Herzschlagfolge regelmäßig, d.h. die Abstände z.B. zwischen den QRS-Komplexen sind fast gleich. Beispielsweise beträgt der Abstand bei 50 bpm 1.200 ms und bei 100 bpm 600 ms.

Allerdings kann der Abstand zwischen zwei elektrischen Herzaktionen atemabhängig sehr geringfügig, z.B. um 30 ms schwanken. Dieses Phänomen nennen wir Herzfrequenzvariabilität, es ist abhängig von der Atmung und ein Zeichen des Gesunden. In der Einatmung nimmt die Herzfrequenz zu, in der Ausatmung nimm sie ab. Dieses Phänomen nennen wir respiratorische Sinusarrhythmie. Im EKG können wir es gerade bei jüngeren Menschen immer wieder sehen.

 

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Herzrasen – plötzlich schneller Puls –  1-Kanal EKG mit Apple Watch 4 

Vorgeschichte

Ein 62-jähriger gesunder Mann bemerkt aus der körperlichen Ruhe heraus eine plötzliche innere Unruhe. Folglich tastet er einen sehr schnellen Puls. Ein sicherer Auslöser liegt nicht vor.

Allerdings kennt er dieses Herzrasen schon aus seiner Vorgeschichte. Einerseits beginnt  das Herzrasen immer plötzlich,  andererseits hört es auch genauso plötzlich wieder auf  (on-off, wie ein Lichtschalter). Die Episoden kommen 1-2 mal pro Jahr vor und er kann sie bisher durch vagale bzw. mechanische Manöver mit Eiswasser bzw. Kopfstand erfolgreich beenden. Eine Dokumentation mit einem 12-Kanal-EKG ist bisher noch nicht erfolgt.

Aktuelle Symptome bei laufendem Herzrasen

  • innere Unruhe
  • keine Benommenheit
  • körperlich belastbar

Smartphone 1-Kanal EKG – Apple Watch 4 

Was sehe ich:

  • elektrische Herzfrequenz 170 bpm
  • regelmäßige Kammeraktionen
  • schmale Kammerkomplexe
  • keine sichere P-Welle, möglich unmittelbar nach QRS-Komplex

Verdachtsdiagnose durch den Kardiologen 

  • hochgradiger Verdacht auf AV-Knoten Reentrytachykardie (AVNRT)

Anamnesekriterien aus der Vorgeschichte

  • plötzliches Einsetzen und Ende der Tachykardie
  • mehrmals durch mechanische und vagale Manöver beendet

EKG – Kriterien der typischen AVNRT

  • schmale QRS-Komplexe
  • regelmäßige QRS-Komplexe
  • Keine oder unmittelbar nach QRS-Komplex erkennbare P-Welle

Akute Therapie der AVNRT 

Mechanisches Manöver

  • Kopfstand

BILD – Kopfstand

  • führt zur Terminierung der Rhythmusstörung mit Sinusrhythmus

Technische Anmerkungen

Bei sehr hohen Herzfrequenzen ist die P-Welle häufig schwierig abgrenzbar. Allerdings kann durch eine komplette Blockade des AV-Knotens mittels Adenosin die P-Welle sichtbar gemacht werden.

Der Analysemodus der Apple-Watch erlaubt die Diagnose “mögliches Vorhofflimmern” nur bis zu einer Herzfrequenz von 120 bpm. Dasselbe gilt übrigens auch bei einer Herzfrequenz von unter 50 bpm. Kurzum, die Apple Watch ist für die Diagnose “mögliches Vorhofflimmern” nur in einem Herzfrequenzbereich von 50-120 bpm geeignet. Folglich kann es sich in dem oben genannten Fall streng genommen auch um pseudoreguläres schnelles Vorhofflimmern gehandelt haben. Das ist allerdings aufgrund der Ansprechbarkeit der Rhythmusstörung auf ein vagales Manöver mit prompter Terminierug des Herzrasen unwahrscheinlich. Denn Vorhofflimmern reagiert allenfalls mit einer vorübergehenden Verlangsamung der Herzfrequenz auf vagale Manöver, fast nie mit einer kompletten Terminierung.

 

Kurzbeschreibung AV-Knoten Reentrytachykardie (AVNRT) 

Eine AVNRT ist eine grundsätzlich „gutartige“ Herzrhythmusstörung, welche typischerweise plötzlich beginnt und wieder endet. Diese Form der Tachykardie kann in jedem Lebensalter erstmals auftreten.

In der Tat können Sie eine AVNRT häufig durch vagale Manöver (z.B. Augenbulbusdruck, Druck auf eine Halsschlagader, Valsalva-Pressmanöver, Eiswasser) beenden. Allerdings sollten Sie einen Kopfstand wirklich nur dann durchführen, wenn Sie ihn wirklich beherrschen. Folglich muss der  Einsatz von vagalen Manövern immer vor der ersten Durchführung mit einer Kardiologin oder einem Kardiologen besprochen werden.

Eine AVNRT kann bei langer Dauer von mehreren Stunden zu Luftnot, vermehrter Harnausscheidung („Harnflut“) und Leistungsschwäche führen. Aus diesem Grund kann bei begleitenden weiteren Herz-Kreislauferkrankungen, wie Herzschwäche und Koronare Herzkrankheit eine kritische Kreislaufschwäche mit Lungenödem auftreten.

Folgerichtig, hält die AVNRT an bzw. kann die Tachykardie nicht durch vagale oder mechanische Manöver beendet werden, dann müssen Sie ärztliche Hilfe aufsuchen. Bei guter Leistungsfähigkeit können Sie unmittelbar zu einem Kardiologen oder eine Notaufnahmestation gehen. Im Zweifel, und immer bei Symptomen, wie z.B. Luftnot und Benommenheit, sollten Sie den Rettungsdienst unter 112 verständigen.

Eine AVNRT kann typischerweise durch die intravenöse Gabe von Adenosin (AdrekarⓇ) beendet werden. Zudem ist so auch die diagnostische Abgrenzung von Vorhofflattern mit regelmäßiger Überleitung möglich.

Überdies können wir  eine AVNRT durch eine Katheterablation behandeln und somit “heilen”. Zudem ist der Eingriff  komplikationsarm und hocheffektiv mit Erfolgsraten > 95%. Eine medikamentöse Rezidivpropylaxe ist wenig effektiv und nicht zu empfehlen.

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EKG mit dem Smartphone – Vorhofflimmern besser messen und dokumentieren

Vorhofflimmern und andere Rhythmusstörungen treten häufig nur vorübergehend auf. Daher können Kardiologen Vorhofflimmern mit einem Ruhe-EKG oder einem Langzeit-EKG häufig nur schwer erfassen. Das Problem ist, dass auch kurzzeitiges Vorhofflimmern ein erhöhtes Schlaganfallrisiko bedeutet.

Gerade bei Vorhofflimmern entsteht hier eine diagnostische Lücke, die zur Folge hat, dass gezielte Therapiemaßnahmen nicht eingeleitet werden können. Ohne EKG-Dokumentation wird kaum ein Arzt z.B. eine gerinnungshemmende Therapie zur Vorbeugung eines Schlaganfalls einleiten, weil diese ja auch mit einem erhöhten Blutungsrisiko verbunden ist.

1-Kanal EKG selber zu Hause und unterwegs messen

Sollten Sie ein Risikopatient für Vorhofflimmern sein oder Symptome wie z.B. Herzstolpern, Herzrasen verspüren, dann ist die App „Kardia“ von AliveCor eine gute Lösung. Die App funktioniert sowohl auf dem iPhone als auch mit Android-Systemen. Zusätzlich benötigen Sie eine kleine Platte, die Sie im Internet einfach erwerben. So können Sie selber ein hochwertiges 1-Kanal-EKG aufzeichnen. Das Produkt ist medizinisch hochwertig und wird auch bei wissenschaftlichen Untersuchungen eingesetzt.

Starten Sie einfach die die App auf Ihrem Smartphone. Danach drücken Sie auf „Aufzeichnen“ und legen die Daumen jeweils für mindestens 30 Sekunden auf die beiden Kontaktflächen. Sie können die Aufzeichnung auf dem Bildschirm direkt mitverfolgen. Ihr Ergebnis wird dann automatisch gespeichert.  In der Zukunft können Sie es dann immer wieder abrufen.

Wissenschaftlich gesicherter Analyse-Modus

Die App verfügt über einen wissenschaftlich geprüften Analyse-Modus mit einer hohen Sensitivität und Spezifität von 97% bzw. 98%. Sie erhalten 1 von 3 Diagnosen: “normal”, “unklassifiziert” und “mögliches Vorhofflimmern”. Über die App können Sie dann eine PDF-Date erstellen und diese dann per E-Mail oder Textmessaging an die Ärztin oder den Arzt weiterleiten. Ihre Ergebnisse werden, etwa im Hinblick auf Vorhofflimmern, analysiert. Dann können Sie Ihr EKG per PDF-Datei an die Ärztin bzw. den Arzt versenden.

Vorhofflimmern – konsequent handeln

Sollten Sie ein Ergebnis “unklassifiziert” oder “mögliches Vorhofflimmern” erhalten, dann sollten Sie zeitnah mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt Kontakt aufnehmen, denn es könnte sich um Vorhofflimmern handeln. Innerhalb von 48 Stunden nach Beginn dieser Rhythmusstörung steigt das Schlaganfallrisiko.

Am besten besprechen Sie das Vorgehen vor dem ersten Einsatz mit Ihrer Kardiologin oder Ihrem Kardiologen, damit alles gut funktioniert.

Gute Erfahrungen in der Cardiopraxis

Wir setzen das AliveCor-System seit 2016 regelmäßig im Praxisalltag ein. Dabei verleihen die Geräte in der Regel für 2 Wochen. So können wir fast immer einen gesicherten Zusammenhang zwischen Ihren subjektiven Symptomen und objektiven EKG-Veränderungen herstellen. Sehr häufig können wir so gesundheitsrelevante Rhythmusstörungen sichern und adäquate Therapiemaßnahmen einleiten. Nicht selten ist es aber auch so, dass bei Symptomen gar keine Rhythmusstörungen vorliegen. Sie können dann beruhigt sein und unnötige Therapien können vermieden werden.

Eine weitere wichtige Anwendungsmöglichkeit ist das “Pill-in-the-Pocket” – Konzept zur selbstständigen Überführung von Vorhofflimmern in den normalen Sinusrhythmus.

Wir als professionelle Kardiologinnen und Kardiologen sehen die Entwicklung hin zur EKG-Selbstmessung als sehr positiv. 1-Kanal-EKGs sind ein weiterer Schritt zu mehr Patientensicherheit und vor allen Dingen zur Vorbeugung eines Schlaganfalls.

Für wen ist eine Anschaffung sinnvoll?

Sie sollten sich die Anschaffung vor allen Dingen überlegen, wenn Sie ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern haben. Sind Sie über 60 Jahre als oder haben Sie ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern, dann macht es aus unserer Sicht auf jeden Fall Sinn. Sie können es so sehen, ähnlich wie ein Mensch mit Bluthochdruck regelmäßig den Blutdruck mit einer Blutdruckmanschette misst so sollte ein Mensch mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern regelmäßig, z.B. 2x pro Woche ein 1-Kanal-EKG ableiten.

Sollten Sie Rhythmusstörungen subjektiv empfinden, aber bei Ihnen ist noch nie ein Ereignis in einem EKG erfasst worden, dann können profitieren.

Die App können Sie kostenlos herunterladen. Sie erwerben die Kontaktplatte für unter 150 Euro im Internet. Die Krankenkassen erstatten zum Teil die Kosten.

Blog “EKG erstellen mit Smartphone & Smartwatch”

Hier geht es zu unserem Blog “EKG erstellen mit Smartphone & Smartwatch”. Dort finden Sie Fallberichte mit EKG-Beispielen und Erklärungen der EKGs. In loser Folge werden Sie hier immer wieder neue Beiträge finden.

 

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

……weiter im Selbsthilfekurs.

 

 

 

 

 

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Herzrhythmusstörungen – häufig in EKG und Langzeit-EKG nicht erfasst

Der normale Herzrhythmus ist regelmäßig und die Herzfrequenz liegt zwischen 50 und 100 Schlägen pro Minute. Wird die geordnete elektrische Aktivität von elektrischen Extraaktionen unterbrochen, dann können Sie das durch einen unregelmäßigen Puls merken. Ihr Herz stolpert dann, macht Pausen, ist dabei mehr oder weniger unregelmäßig in Aktion. Meistens sind diese Ereignisse nur kurzzeitige und seltene Unterbrechungen des normalen Herzrhythmus. Folglich werden Sie von einem Ruhe-EKG oder einem 24-Stunden Langzeit-EKG nicht erfasst.

Vorhofflimmern – häufig erst mit dem Schlaganfall erkannt

Vorhofflimmern erhöht das Risiko für einen Schlaganfall auf das 5-fache. 20-25% aller Schlaganfälle werden durch diese Herzrhythmusstörung verursacht. Problematisch ist, dass auch kurzzeitiges Vorhofflimmern das Risiko schon erhöht und viele Menschen Vorhofflimmern gar nicht merken. Folglich wird Vorhofflimmern zu spät erkannt, dann wenn der Schlaganfall im vollen Gange ist.

KardiaBand von AliveCor – medizinisch verwendbares 1-Kanal EKG

Eine praktische Lösung, die vor allen Dingen die Diagnose von Vorhofflimmern erleichtert, ist das KardiaBand von AliveCor. Im Gegensatz zu KardiaMobile, welches mit einer Kontaktplatte und dem Smartphone funktioniert, benötigen Sie bei KardiaBand neben dem Armband mit dem Kontaktpunkt und dem Smartphone noch zusätzlich eine Apple Watch.

Die Funktionsweise der KardiaApp ist für KardiaMobile und KardiaBand gleich. Die Sicherheit zur Erkennung von Vorhofflimmern in der aktiven Messung liegt bei über 95%. 1-Kanal EKGs können bequem via E-Mail oder Textmessaging an Ihre Kardiologen weitergeleitet werden. Die 1-Kanal EKG Selbstmessung ist ein besonders sinnvoller Baustein beim “Pill-in-the-Pocket”Konzept zur selbstständigen Überführung von Vorhofflimmern in den normalen Sinusrhythmus.

 

Der Vorteil des KardiaBands ist, dass Sie es am Arm tragen können. Der Vorteil von KardiaMobile ist, dass Sie es auch mit anderen Betriebssystemen für Smartphones, z.B. Android benutzen können. KardiaMobile und KardiaBand sind im Anschaffungspreis ungefähr gleich und liegen unter 150 Euro.

Mit der Einführung der 1-Kanal EKG Funktion bei der Apple-Watch 4 ist der Markt für KardiaMobile deutlich reduziert worden. Wenn Sie allerdings Modell der Apple Watch 3 oder darunter nutzen wollen, dann ist das KardiaBand die richtige Anschaffung, denn es funktioniert auch mit älteren Versionen der Apple Watch.

Kardia von AliveCor – weitere Entwicklungen zu erwarten

Es wäre falsch anzunehmen, dass mit der Einführung der Apple Watch 4 dieses Unternehmen vom Markt verschwinden wird. AliveCor ist ein ernstzunehmendes Unternehmen mit einer großen Forschungsabteilung. Zurzeit werden bei AliveCor z.B. EKG-Diagnose Algorithmen zum Nachweis von zu niedrigen bzw. zu hohen Kaliumspiegeln gearbeitet, beides Risikofaktoren für potentiell tödlich Rhythmusstörungen. Des weiteren steht ein mobiles und Smartphone-taugliches 12 Kanal EKG kurz vor der Markteinführung.

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Vorhofflimmern – 1-Kanal EKG mit der Apple Watch ein Schritt zur Verhütung eines Schlaganfalls

Mehr als 10 % aller Menschen haben im Laufe ihres Lebens Vorhofflimmern des Herzens. Vorhofflimmern wiederum verursacht 20-25 % aller Schlaganfälle. Dementsprechend ist Vorhofflimmern nicht nur eine häufige Rhythmusstörung, sondern auch eine Diagnose mit hoher gesundheitlicher Relevanz.

Kurzzeitiges Vorhofflimmern – diagnostische Lücke

Vorhofflimmern tritt häufig nur kurzzeitig  auf, manchmal nur für ein Sekunden, ein paar Minuten oder auch Stunden. Obwohl nur kurzzeitig, ist auch durch diese anfallsartigen Episoden das Risiko für einen Schlaganfall erhöht. Demzufolge entsteht so eine diagnostische Lücke, weil auch wiederholt abgeleitete Langzeit-EKGs häufig unauffällig sind.

Anders formuliert stellt sich das so dar: Sie machen eine Wanderung durch einen großen Wald machen und halten nach Rehen Ausschau. Wenn Sie aus dem Wald heraus kommen, und Sie haben keine Rehe gesehen, dann können Sie auch nicht mit letzter Sicherheit ausschließen, dass in dem Wald keine Rehe sind.

Vorhofflimmern ohne EKG – therapeutisches Dilemma

Zum anderen steht der Kardiologe vor einem therapeutischen Dilemma. Kardiologen können aufgrund der Kombination aus Risikofaktoren für Vorhofflimmern in Verbindung mit dem geschilderte Pulsmuster eine Verdachtsdiagnose auf Vorhofflimmern mit einer hohen Trefferquote stellen. Allerdings kann der Kardiologe nicht mit der gerinnungshemmenden Therapie beginnen, weil diese mit einem, wenn auch leicht erhöhten Blutungsrisiko verbunden ist. Der Arzt möchte ja den potentiell Betroffenen nicht einem unnötigen Blutungsrisiko aussetzen.

Kurzum, ohne EKG-Dokumentation keine sichere Diagnose Vorhofflimmern und so auch keine gerinnungshemmende Therapie.

Diagnostische Lücke schließen – 1-Kanal EKG zur Selbstmessung

Die neue Apple Watch 4 kann nicht nur Ihren Puls messen, sondern auch ein medizinisch hochwertiges 1-Kanal EKG erstellen. Wir unterscheiden eine passive von einer aktiven Messung.

Aktive und passive Messung unterscheiden

Bei der passiven Messung erfasst die Apple Watch die Abweichung der Herzfrequenz von der üblichen Ruhefrequenz. Sie erhalten so Hinweise auf mögliches Vorhofflimmern. Allerdings ist das keine Diagnose, denn die passive Messung ist relativ störanfällig (z.B. zu lockerer Sitz der Uhr) und gibt in etwa 60 % der Fälle „falschen Alarm“.

Sicherer ist die aktive Messung, bei der ein 1-Kanal-EKG direkt abgeleitet wird. Zusätzlich erhalten Sie nach einer solchen Messung die Diagnosen „Sinusrhythmus“, „Vorhofflimmern“ oder „Unklassifiziert“. Die Trefferquote für eine richtige Diagnose liegt bei dieser Messung zwischen 97-99%! Das aufgezeichnete EKG können Sie bequem über das Smartphone per E-Mail und Textmessagingsysteme übertragen.

Enge Abstimmung mit Kardiologen erforderlich

Wenn Sie eine eine Apple Watch 4 zur EKG-Messung nutzt, dann sollte sich vorher mit seiner Ärztin bzw. seinem Arzt abstimmen. Risikopatienten für Vorhofflimmern können von dem Smartwatch-EKG besonders profitieren. Sie sollten 2x pro Woche auch ohne Symptome ein EKG ableiten. Bei der Diagnose „Vorhofflimmern“ oder „Unklassifiziert“ sollten sie innerhalb der nächsten 48 Stunden Kontakt aufnehmen mit ihrem Arzt bzw. ihrer Ärztin, um frühzeitig eine blutverdünnende Therapie einzuleiten

Alternative Systeme

Eine Alternative zur Apple Watch 4 sind die beiden Systeme von AliveCor:

Positive Erfahrungen durch professionelle Kardiologen

Wir machen in der Cardiopraxis seit 2016 sehr gute Erfahrungen mit den AliveCor Systemen. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit erwarten wir ähnliche Ergebnisse mit der Apple Watch 4. Gerade bei Risikopatienten für Vorhofflimmern erhoffen wir uns eine frühzeitigere Diagnose – und damit auch weniger Schlaganfälle. Eine weitere wichtige Anwendungsmöglichkeit ist das “Pill-in-the-Pocket” – Konzept zur selbstständigen Überführung von Vorhofflimmern in den normalen Sinusrhythmus.

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