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Sehstörungen bei körperlicher Belastung – Ursache Vitamin B6?! 

Wir führen in der Cardiopraxis pro Jahr mehrere tausend Belastungs-EKGs durch. Dabei stoßen wir immer wieder auf ungewöhnliche Befunde. Folgend schildern wir Ihnen 2 Fälle von Männern, die regelhaft über Sehstörungen unter und nach körperlicher Belastung berichteten.

Wo der Mangel schadet, da schadet meistens auch der Überfluss (Franz Imhaeuser)

Fallbericht 1 – Sehstörungen bei Belastung und periphere Nervenschmerzen

In einem Septembermonat stellte sich ein 50-jähriger Mann (Mann I) mit Herzstolpern und Benommenheit bei Belastung in der Cardiopraxis vor. Klinisch war er als Freizeitsportler normgewichtig (BMI 23,0 kg/m2) und in einem sehr guten Trainingszustand.

Die aktuelle kardiologische Diagnostik einschließlich EKG, Belastungs-EKG, Stress-Echokardiografie und nicht-invasiver Kreislaufmessung im Liegen und im Stehen war unauffällig. Ein auswärtig durchgeführtes Langzeit-Blutdruck Monitoring ergab einen Normalbefund, ein Langzeit-EKG zeigte bis auf vereinzelte ventrikuläre Extrasystolen, welche als medizinisch harmlos eingestuft wurden, keinen relevanten Befund.

In der Vorgeschichte war seit 3 Monaten ein polytopes neurologisches Krankheitsbild bekannt. Polytop bedeutet, dass Symptome in verschiedenen Körperregionen auftreten, ohne dass diese durch eine einzelne neurologische Läsion, wie z.B. bei der Verletzung eines peripheren Nervs, erklärt werden können. Der Mann berichtete über Sehstörungen auf beiden Augen, Sprachstörungen mit “Verhaspeln” bei mehrsilbigen Wörtern, die auch im 2. und 3. Anlauf nicht richtig ausgesprochen werden konnten, sowie über intermittierend auftretendes Taubheitsgefühl und Schmerzen der rechten oberen Körperhälfte.

Vor und nach dem Erstbesuch in der Cardiopraxis war eine umfangreiche Abklärung einschließlich fachärztlicher neurologischer, rheumatologischer und Hals-Nasen-Ohren-ärztlicher ohne richtungsweisenden Befund erfolgt. Die augenärztliche Untersuchung hatte eine beidseitige ödematöse Makuladegeneration (rechts >links) ergeben, wobei die Behandlung mit Diamox, Cortison und Magnesium zu einer Verschlechterung der Symptomatik geführt hatten.

Hervorzuheben ist, dass die neurologisch untersuchten peripheren Nervenleitgeschwindigkeiten normal waren. Das Schädel-MRT war ebenfalls komplett unauffällig, d.h. es konnten keine Veränderungen des Sehnervs und auch keine Hinweise auf entzündliche Erkrankung der Gehirnsubstanz, wie z.B. bei Multipler Sklerose festgestellt werden.

Während des Erstbesuchs in der Cardiopraxis wurde auch eine Belastungsuntersuchung durchgeführt. Bei einer mittleren Belastungsstufe gab der Mann über Sehstörungen (“verschwommenes Sehen”) auf beiden Augen an, so dass die Untersuchung abgebrochen wurde. In Rückenlage nahmen die Sehstörungen dann zu.

Fallbericht 1 – Sehstörungen bei Belastung – langsame Besserung nach Absetzen von Vitamin B6

Im weiteren Verlauf gingen die Symptome nach 15-18 Monaten zurück und waren bei einem Folgebesuch 24 Monate nach der Erstvorstellung praktisch nicht mehr vorhanden. Da wir zwischenzeitlich einen ähnlichen Fall (s.u.) betreut hatten, erfolgt nochmals eine genaue Befragung.

Der inzwischen 52-jährige Mann berichtete, dass er zur körperlichen Kräftigung 12 Monate vor der Erstmanifestation belastungsabhängigen Sehstörungen begonnen hatte durchgehend Eiweißprodukte einzunehmen, die hohe Dosen an Vitamin B6 enthielten. Dabei erreichte er Tagesdosen von 300-450% der empfohlen Bedarfsdosis für Vitamin B6. Zusätzlich führte er sich dann mit Beginn der Symptome noch eine weitere Mikronähstoffkombination mit 300% der empfohlenen Tagesdosis an Vitamin B6 zu. Auch ein weiteres Vitamin-B-Komplex Präparat nahm er in unregelmäßigen Abständen immer wieder mal ein. In Summe kam er so auf Vitamin-B6 Spitzenbelastungen von 600-750 % pro Tag, und das zusätzlich zu einer ansonsten sehr gesunden Ernährungsweise. Ca. 6 Monate nach dem Erstbesuch setzte er alle Vitamin B6-haltigen Präparate ab.

Die Symptome waren dann bei einem weiteren Besuch in einem Dezember fast komplett verschwunden. Mann I berichtete, dass die Symptomatik sich im Verlauf gebessert hatte nachdem er Vitamin B6 im Sommer des Vorjahres abgesetzt hatte. Interessanterweise gab er eine jahreszeitliche Abhängigkeit seiner Beschwerden an: im Sommer schlimmer als im Winter. Dabei war die Symptomatik im aktuellen Sommer deutlich geringer ausgeprägt gewesen als im Vorsommer. Bei der aktuellen Untersuchung wurde erstmals Vitamin B6 im Serum bestimmt, was mit 26,7 µg/l (Referenzbereich 3,6-18 µg/l) entsprechend dem 1,5-fachen des oberen Grenzwertes erhöht war.

Fallbericht 2 – Sehstörungen bei Belastung und hohe Vitamin B6-Spiegel im Blut

Ein 51-jähriger Mann (Mann II) stellte sich in einem Novembermonat mit belastungsabhängigen zentralen Sehstörungen (“punktuelle zentrale Ausfälle”) auf beiden Augen (rechts > links) vor. Mann II ist ein hochaktiver Freizeitsportler (Laufen, Kitesurfen) und normgewichtig (BMI 22,0 kg/m2). Die Beschwerden an den Augen hatten vor 3 Monaten, d.h. im August begonnen und in den letzten Wochen waren noch rechtsseitige Kopfschmerzen hinzugekommen. Mann II ist zeichnerisch versiert und hat ein Bild seiner Sehstörungen selber anfertigen können.

Die konventionelle kardiologische Untersuchung war komplett unauffällig. Die Kreislaufmessung ergab bei einer leichten Kälteempfindlichkeit eine sog. Wärmekonservierungskreislauf mit erniedrigten Blutflusswerten (71% des unteren Grenzwertes). Bei hoher Belastungsstufe im Belastungs-EKG traten die Sehstörungen wieder auf, wobei die zentrale Körpertemperatur, gemessen im Ohr von einem Ausgangswert von 36,4 0C auf 36,8 0C angestiegen war. Eine später durchgeführte passive Erwärmung (Sauna, 20 Minuten) blieb symptomfrei.

Eine weiterführende neurologische und augenärztliche Diagnostik einschl. Schädel-MRT waren komplett unauffällig. Auch die visuell evozierten Potentiale, d.h. ein Test der elektrischen Reizweiterleitung von der Netzhaut des Auges bis zur Großhirnrinde ergaben keine pathologischen Auffälligkeiten. Allerdings wurde dieser Test in vollkommener Ruhe und nicht nach körperlicher Belastung vorgenommen. Differentialdiagnostisch wurde Mann II unter dem Verdacht auf eine sog. Augenmigräne empfohlen, vor dem Laufen das Migränemittel Sumatriptan einzunehmen, was allerdings keine Besserung der Symptome unter Belastung zur Folge hatte.

Mann II hatte mittels verschiedener Nahrungsergänzungsmittel beginnenden Monate vor dem Einsetzen der Augensymptome hohe Dosen an Vitamin B6 eingenommen. Zusätzlich zu einer normalen Ernährung führte er so 265% der empfohlenen Tagesdosis an Vitamin B6 zusätzlich zu. Zum Zeitpunkt der Erstdiagnostik in der Praxis betrug der Vitamin B6 Spiegel unter fortlaufender Einnahme 39,3 µg/l (Referenzbereich 3,6-18 µg/l), d.h. das 2,2-fache vom oberen Grenzwert.

Der weitere Verlauf dieses Mannes nach Absetzen von Vitamin B6 Präparaten steht noch aus, da die Befunde relativ aktuell sind.

Sehstörungen bei Belastung – Sport und Vitamin B6

Mit der Vorstellung von Mann II zeigten sich Gemeinsamkeiten mit den Befunden von Mann I. Durch die genauere Angabe der Vitamin-B6-haltigen Nahrungsergänzungsmittel von Mann I konnte im Nachhinein auch eine zeitliche Koinzidenz zwischen der Zufuhr von Vitamin B6 und Symptomatik Mann I erkannt werden. Zusammengefasst waren folgende Übereinstimmungen zwischen beiden Fällen hervorstechend:

  • Sehstörungen bei körperlicher Belastung, d.h. bei aktiver körperlicher Erwärmung
  • Symptombeginn im Sommer, d.h. in der warmen Jahreszeit
  • Vitamin B6 Einnahme in hohen Dosen, d.h. von mindestens 250% der empfohlenen Tagesdosis über einen längeren Zeitraum
  • gut trainierte aktive Freizeitsportler, d.h. regelmäßige Belastung über die Alltagsbelastung hinaus

Schon früh wurde bei Mann I von fachneurologischer Seite der Verdacht auf ein Uhtoff-Phänomen (s.u.) geäußert. Weil allerdings die neurologische Diagnostik einschl. Schädel-MRT keine weiteren Hinweise, z.B. auf eine entzündliche Erkrankung des Gehirns ergeben hatte, wurde bei Mann I der Spontanverlauf abgewartet. Mit der Vorstellung von Mann II haben wir uns dann erneut auf die Suche nach den systematischen Zusammenhängen und Ursachen der Symptome gemacht.

Der Sehnerv – Überträger von elektrischen Signalen

Jeder gesunde Mensch hat 2 Sehnerven, für jedes Auge einen. Ein einzelner Sehnerv hat ca. 1 Millionen Nervenfasern, sog. Axone, die visuelle Reize vom Auge über elektrische Impulse an die hintere Großhirnrinde übertragen, wo sie dann zu bildlichen Informationen verarbeitet werden. Weil im Punkt des schärfsten Sehens in der Netzhaut besonders viele visuelle Rezeptoren liegen, deren Reize weitergeleitet werden müssen, wird hier eine Schädigung der nachgeschalteten Nerven besonders früh wahrgenommen.

Die einzelnen Nervenfasern eines Sehnervs sind umgeben von fetthaltigen Markscheiden, auch Myelinscheiden genannt. Sie können sich das zunächst so vorstellen, wie die Isolation an einem elektrischen Kabel. Die Markscheiden dienen in der Tat der elektrischen Isolation und dem Schutz der Nervenfaser vor Außeneinflüssen. Die Markscheiden weisen im Verlauf Lücken auf, die eine besonders schnelle elektrische Übertragung, eine sprunghafte sog. saltatorische Erregungsüberleitung erlauben.

Sehstörungen bei Belastung – Uhtoff-Phänomen

Reversible Sehstörungen bei körperlicher Belastung, die innerhalb von 24 Stunden wieder verschwinden, wurden erstmals von 1890 von Wilhelm Uhtoff bei Patienten mit Multipler Sklerose beschrieben. Folglich wird dieses Symptom daher auch Uhtoff-Phänomen genannt.

Wilhelm Uhtoff beobachtet diese Symptomatik seinerzeit bei 4% der betreuten Patienten mit Multipler Sklerose. Das setzt eine erstaunliche Beobachtungsgabe voraus, da dieses Symptom in seinem Kollektiv eher selten war und seinerzeit standardisierte Belastungstests, wie z.B. heute das Belastungs-EKG und Freizeitsport nicht üblich waren.

Während Wilhelm Uhtoff die Verbindung zwischen körperlicher Belastung und vorübergehender Sehstörung erkannte, wurde der Zusammenhang der Symptome mit einer Erhöhung der Körpertemperatur 60 Jahre später hergestellt. So wurde dann vorübergehend sogar ein Heißbade-Test als diagnostisches Kriterium die Multiple Sklerose eingesetzt.

Entsprechend sind Faktoren, die zu einem Auslöser für das Uhtoff-Phänomen bzw. dieses begünstigen können:

  • körperliche Belastung
  • emotionaler Stress
  • heißes Bad oder Dusche
  • Sonnenexposition bzw. hohe Außentemperaturen
  • weiblicher Ovulationszyklus (2. Zyklushälfte)
  • heiße Mahlzeiten
  • Fieber

Wir können folglich eine Stoffwechsel-aktive Erwärmung (z.B. körperliche Belastung) von einem weitgehend Stoffwechsel-passivem Auslösemechanismus (z.B. heißes Bad) unterscheiden. Unter theoretischen Gesichtspunkten ist der aktive Auslöser der stärkere Reiz.

Uthoff-Phänomen – Störung der elektrischen Reizweiterleitung im Sehnerv

Das Uhtoff-Phänomen wird auch bei anderen Erkrankungen des Sehnervens, die die Myelinscheide betreffen, so z.B. bei der Neuromyelitis optica beobachtet.

Als Mechanismus, welche zu den Sehstörungen führt, wird die temperaturabhängige elektrische Blockade von teilweise demyelinisierten sensorischen Nervenfasern angenommen. Dabei genügen für eine erkrankte Nervenfaser schon Temperaturunterschiede von 0,2-0,5 0C, dass sich die Nervenleitgeschwindigkeit merklich verändert.

Eine Erweiterung der sog. Ranvierschen Schnürringe als Folge des Verlustes von Markscheidenmaterial hat für Änderungen der Nervenleitgeschwindigkeit die entscheidende Bedeutung. Hierdurch wird die schnelle sog. saltatorische elektrische Erregungsüberleitung in der betroffenen Nervenfaser verlangsamt, so dass die Weiterleitung von zeitlich gleichzeitig stattfindenden visuellen Reizen auf der Netzhaut des Auges zeitlich inhomogen an das Großhirn weitergleitet wird. Da nun aus noch gesunden und kranken Nervenfasern ein Bild in der Großhirnrinde generiert wird, bleibt dieses aufgrund der unterschiedlichen Nervenleitgeschwindigkeiten lückenhaft.

Vitamin B6 und Neurotoxizität- Mangel und Toxizität durch Nahrungsergänzungsmittel

Die wasserlöslichen und neurotropen B-Vitamine haben als sog. Ko-Enzyme eine hervorgehobene Relevanz bei der Aufrechterhaltung eines gesunden Nervensystems. Von besonderer Bedeutung sind hier die Vitamine B1, B6 und B12. Von diesen Vitaminen ist seit der ersten Hälfte des vorherigen Jahrhunderts gut bekannt, dass ein Mangel schwere neurologischen Störungen zur Folge haben kann.

Bei einem schweren Mangel an Vitamin B6 tritt eine strukturelle Schädigung der Myelinscheiden als Ursache für Schäden sowohl der peripheren Nerven als auch des Gehirns auf. Die Veränderungen ähneln dabei sehr stark solchen, die wir von einer anderen demyelinisierenden Erkrankung, der Multiplen Sklerose kennen.

Im Jahr 1983 wurde allerdings auch erstmals berichtet, dass auch eine zu hohe Zufuhr von Vitamin B6 neurologische Symptome zur Folge haben kann. Zahlreiche Fälle werden seit dieser Zeit immer wieder in der Fachliteratur berichtet. In den Niederlanden alleine wurden zwischen 2014 und 2017 mehr als 50 Fälle in einem entsprechenden Register aufgenommen. Die Dunkelziffer dürfte in Anbetracht der Freiverkäuflichkeit und der zunehmenden Selbstmedikation von gesundheitsbewussten Menschen, die meinen, dass sie sich etwas Gutes tun, noch deutlich höher sein.

Vitamin B6 Paradox 

Interessanterweise ist es so, dass die neurologischen Symptome bei einem Vitamin B6 Mangel denen bei einem pathologischen Vitaminüberschuss, einer Vitamin B6 Intoxikation durch Nahrungsergänzungsmittel sehr stark ähneln. In der Wissenschaft wird dieses daher als auch “Vitamin B6 Paradox” bezeichnet. In experimentellen Untersuchungen konnte inzwischen gezeigt werden, dass eine zu hohe Konzentration von Vitamin B6 zu einer funktionellen Störung der Wirkung von Vitamin B6 zur Folge haben kann. Oder anders gesagt, ein quantitativer Überschuss an Vitamin B6 hat eine qualitative Störung der Funktion zur Folge.

Diagnose – Uhtoff-Phänomen durch Vitamin B6 Überdosierung

Bei beiden Männern mit Sehstörungen unter und nach körperlicher Belastung lag nach unseren Erkenntnissen ein Uhtoff-Phänomen vor, welches durch hohe Zufuhr von Vitamin B6 verursacht wurde.

Während bei Mann II das Uhtoff-Phänomen als monotope Störung, d.h. isoliert nur an den Augen auftrat, lagen bei Mann II polytope Symptome mit Beteiligung weiterer peripherer Nervengebiete vor. Bei beiden Männern haben wir gerade bei Mann I an eine entzündliche sog. demyelinisierende Erkrankung, d.h. an das Vorliegen einer Multiple Sklerose gedacht. In beiden Fällen konnte dieser Verdacht nicht bestätigt werden.

Mann I hatte auch eine feuchte, eine sog. ödematöse Makuladegeneration (rechts>links). Dieses kann ein Ko-Faktor bei den Sehstörungen unter Belastung sein, erklärt diese aber nicht alleine.  Dieses gilt umso mehr, da anfänglich zusätzliche neurologische periphere Nervenstörungen in Verbindung mit den belastungsabhängigen Sehstörungen vorlagen; beide Symptome verschwanden bzw. waren 12 Monate nach dem Absetzen von Vitamin B6 fast nicht mehr vorhanden. Weder bei einer Recherche bei Google noch bei PubMed finden sich Einträge zu “uhtoff” in Verbindung mit “macula degeneration” gefunden werden (Stand Januar 2020)

Heilungsverlauf nach Überdosierung von Vitamin B6 plus Sehstörungen unter Belastung

Der Heilungsverlauf nach Absetzen von Vitamin B6 Präparaten ist, wie der Fall von Mann I zeigt, langwierig, d.h. Monate bis Jahre, da Nerven und die umgebenden Markscheiden bekanntermaßen lange brauchen bis sie sich wieder regenerieren. Da eine spezifische Therapie bisher nicht bekannt ist, ist bisher die einzige Behandlungsoption das Absetzen von Vitamin B6 Präparaten und der Spontanverlauf muss abgewartet werden.

Zwar scheint die Prognose auf eine komplette Wiederherstellung der Sehfähigkeit in allen Lebenssituationen eher gut zu sein, bleibende Schäden können allerdings nicht von vorneherein ausgeschlossen werden.

Unklar, und aus unserer Sicht problematisch ist, warum Mann I auch noch Monate nach Absetzen einen erhöhten Vitamin B6-Spiegel vom 1,5-fachen des oberen Grenzwertes hatte. Wir sehen bei anderen Menschen immer wieder leicht erhöhte Vitamin B6 Spiegel, ohne dass sie Vitamin B6 in Form von Nahrungsergänzungsmittel zuführen. Grundsätzlich gilt in der wissenschaftlichen Literatur der Leitsatz, dass eine Intoxikation mit Vitamin B6 durch eine normale Ernährung nicht möglich ist; erst die zusätzliche Einnahme von Vitamin B6 in Form von Nahrungsergänzungsmitteln verursacht gesundheitliche Schäden. Wir sind uns da allerdings nicht so sicher und können hier zu mindestens eine Prädisposition annehmen.

Mögliche Ursachen sind hier:

  • bisher unbekannte genetisch bedingte Abbaustörungen von Vitamin B6
  • bisher unbekannter toxischer Faktor, der den Stoffwechsel von Vitamin B6 verändert
  • anhaltende toxische Störungen durch ursprünglich hohe Zufuhr an Vitamin B6

Sehstörungen bei Belastung durch Vitamin B6 – häufig unerkannt?!

Zwar sind neurologische Störungen, z.B. von peripheren Nervenschäden (Polyneuropathie) und Ataxie (zentral-nervös verursachte Bewegungsstörung) durch eine Überdosierung von Vitamin B6 in der Literatur seit 1983 bekannt. Sie werden auch in den deutschen Fachinformationen, der als Medikament zugelassenen Vitamin B6 Präparate genannt. Allerdings finden sich keine Hinweise auf isolierte Sehstörungen bei Belastung bei Vitamin B6 Überdosierung. In der größten Datenbank für medizinische Artikel PubMed konnten bisher keine Beiträge zu “uhtoff” in Verbindung mit “vitamin b6” gefunden werden; ebenso nicht bei einer Google Recherche (Stand Januar 2020).

Für den Zusammenhang Sehstörungen bei körperlicher Belastung durch die Einnahme von Vitamin B6 liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine hohe Dunkelziffer vor. Dieses bedeutet, dass der Zusammenhang unterdiagnostiziert oder vereinfacht gesagt, einfach nicht erkannt wird. Das liegt vor allen Dingen daran, dass die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln von den Patienten bei der ärztlichen Befragung nicht angegeben bzw. von Ärztinnen und Ärzten neben den üblichen Medikamenten nicht systematisch abgefragt werden.

Kurzum, die gesundheitliche Bedeutung und damit auch der potentielle Schaden von Nahrungsergänzungsmittel werden, wenn sie unkontrolliert eingenommen werden, sowohl von Laien als auch von Ärztinnen und Ärzten im Allgemeinen unterschätzt. Wir sind zwar nur Kardiologen, d.h. keine Spezialisten für neurologische Störungen, aber auch wir hatten bei Mann I zunächst nicht auf die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln geachtet.

Nahrungsergänzungsmittel Vitamin B6 und Sehstörungen bei Belastung – richtig handeln

Auf der Grundlage der Fallbeschreibung besteht zwar keine absolute Sicherheit für den Zusammenhang zwischen der Einnahme von Vitamin B6 als Nahrungsergänzungsmittel und Sehstörungen bei Belastung, wir sehen die Wahrscheinlichkeit allerdings als so hoch an, dass wir auf diesen Zusammenhang hinweisen.

Grundsätzlich sollten Sie Nahrungsergänzungsmittel im Allgemeinen und Vitamin B6 im Speziellen nie über einen längeren Zeitraum, d.h. mehrere Wochen in hohen Dosen einnehmen. Optimal ist eine Steuerung über die jeweiligen Konzentrationen im Blut.

Falls Sie Sehstörungen unter Belastung haben, dann sollten Sie diese Zusammenhänge mit einem Neurologen bzw. Augenarzt besprechen. Eine vollständige fachärztliche neurologische und augenärztliche Untersuchung einschl. eines CTs bzw. eines MRTs des Gehirns muss zum Ausschluss anderer Ursachen immer durchgeführt werden.

Falls Sie im Vorfeld oder begleiteten mit den Symptomen Vitamin B6 über einen längeren Zeitraum eingenommen haben, dann sollten Sie dieses mit der Ärztin bzw. dem Arzt besprechen und Vitamin B6 absetzen.

Im Fall von Sehstörungen unter Belastung in Verbindung mit Vitamin B6 kann es wahrscheinlich Monate dauern bis diese nach Absetzen verschwinden. Sollten die Symptome 3-6 Monaten ohne zusätzliche Einnahme von Vitamin B6 unverändert fortbestehen, dann muss gegebenenfalls eine erneute vollständige Diagnostik erfolgen.

Literatur

Herzlichen Dank für die neurologische Expertise an Frau Dr. V.I. Leussink und Herrn Prof. M. Siebler

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Ibuprofen und Bluthochdruck – der Blutdruck schwankt stark

32,4 % der Menschen in Deutschland über 20 Jahren haben Bluthochdruck. Diese Herz-Kreislauferkrankung ist ein hoch-relevanter gesundheitlicher Risikofaktor, z.B. für das Auftreten eines Herzinfarktes.

In der Cardiopraxis erfassen wir durch die Kreislaufmessung mit dem FinapresⓇ-System nicht nur den Blutdruck, sondern auch den Blutfluss und gleichzeitig messen wir auch Ihre Körpertemperatur. Das zeigt uns nicht nur besser, wie Ihr Blutdruck reguliert wird, sondern auch wie Ihr Temperaturregelkreis – und damit Ihr Stoffwechsel – gesteuert wird. So können wir die Ursachen des erhöhten Blutdrucks sehr häufig besser erkennen und erfolgreich behandeln.

Zu uns in die Cardiopraxis kommen sehr häufig Menschen, die angeben, dass ihr Blutdruck „spinnt”, weil er besonders stark schwankt: mal ist er niedrig, mal sehr hoch. Auf genauere Befragung geben zahlreiche Betroffene an, dass sie in letzter Zeit das Schmerzmittel Ibuprofen in Tagesdosen von 400 bis 2.400 mg einnehmen.

Mit Ibuprofen, dem „Marktführer“ unter den Schmerzmitteln, haben wir in der Cardiopraxis umfangreiche messtechnische Erfahrungen. Denn bei der Kreislaufmessung bestimmen wir nicht nur Blutdruck, sondern auch Blutfluss und Körpertemperatur. Allein vom rezeptfreien Ibuprofen bis 400 mg wurden im Jahr 2017 in Deutschland 51 Millionen Packungen verkauft, der Umsatz betrug 320 Millionen Euro.

Ibuprofen – der Blutdruck steigt

In einer sogenannten Placebo-kontrollierten Doppelblind-Studie konnte man bei 444 Menschen mit einem durchschnittlichen Alter von 62 Jahren zeigen, dass mittlere Dosen an Ibuprofen (600-800 mg) und Naproxen (375-500 mg) den Blutdruck steigern

. Das galt vor allen Dingen für den systolischen Blutdruck mit durchschnittlich 3,4 mmHg (Ibuprofen) und 1,9 mmHg (Naproxen). Dies mag gering erscheinen, allerdings war der Pulsdruck, d.h. die Differenz zwischen systolischem und diastolischem Druck, ebenfalls erhöht. Das weist indirekt darauf hin, dass der Blutfluss relevant ansteigt – und damit auf eine Adrenalin-vermittelte Aktivierung.

Das besondere an der Untersuchung war, dass alle Studienteilnehmer ursprünglich einen normalen Blutdruck hatten. Nach einem Behandlungsintervall von 4 Monaten erfüllten in der Ibuprofen-Gruppe 23,2% und in der Naproxen-Gruppe 19% die Kriterien eines Bluthochdrucks. Nun fragten wir uns, welche Mechanismen hinter dem gestiegenen Blutdruck stecken.

 

Ibuprofen – nicht nur Schmerzmittel, sondern auch “Fiebersenker”

Ibuprofen ist nicht nur ein sehr gutes Schmerzmittel, sondern auch ein sehr guter Fiebersenker. Sie kennen das sehr gut, wenn Sie oder Ihre Kinder mal einen hochfieberhaften Infekt haben. Innerhalb von ca. 30 Minuten nach Einnahme schlägt das Herz schneller und kräftiger, Sie beginnen zu schwitzen und die Körpertemperatur fällt, z.B. von 40,0 auf 38,5 Grad Celsius.

Ibuprofen – Regelkreise für Körpertemperatur und Blutdruck

Nun, Ibuprofen greift auch bei normaler Körpertemperatur in die Regulation Ihres Temperaturhaushaltes ein. Genauso wie beim fieberhaften Infekt senkt Ibuprofen den Sollwert für die Körpertemperatur, z.B. von 36,5 auf 36,0 Grad Celsius. Folglich will der Körper nun mehr Wärme abgeben. Am besten macht er das, indem er die Haut stärker durchblutet. Die Blutgefäße werden weitgestellt und so wird vermehrt Blut aus dem warmen Körperkern über die Körperoberfläche zirkuliert, so dass mehr Wärme an die Umgebung abgestrahlt wird.

Sind die Blutgefäße thermoregulatorisch weitgestellt, dann greift das auch in Ihre Blutdruckregulation ein – der Blutdruck sinkt zunächst. Der Blutdruckregelkreis hat ebenfalls einen Sollwert. Sein Ziel ist es zu jedem Zeitpunkt Ihr Gehirn richtig zu durchbluten. Fällt der Blutdruck durch die Weitstellung der Arterien ab, dann muss der der Regelkreis der Blutdruckregulation reagieren – sonst verlieren Sie das Bewusstsein.

Folglich versucht das vegetative Nervensystem über Ausgleichssysteme den Blutdruck adäquat hoch zu halten. Bei weit gestellten Blutgefäßen funktioniert das vor allen Dingen, indem die Herzfrequenz und Pumpkraft des Herzens steigen. Diese Reaktion wird über Adrenalin vermittelt.

Adrenalin im Übermaß kann wiederum schädliche Auswirkungen auf  Ihr Herz-Kreislaufsystem haben. Der beschriebene Mechanismus erklärt auch, warum unter Ibuprofen vermehrt Herzinfarkte und der plötzliche Herztod auftreten: zu viel Adrenalin begünstigt, dass Arterien verkrampfen, sich Blutgerinnsel bilden und Herzrhythmusstörungen ausgelöst werden.

Ibuprofen – Nebenwirkung “der Blutdruck spinnt”

Ihr Kreislauf ist durch den niedrigen Gefäßwiderstand, der ja die Ursache für den hohen Blutfluss ist, extrem „kippelig” und störanfällig. Als Folge des Wechselspiels „Bedürfnis nach erhöhter Temperaturabgabe“ und „Blutdruck aufrechterhalten“ gerät der Blutdruck aus dem Gleichgewicht. Ihr Blutdruck schwankt stärker, mal ist er niedrig, mal ist er zum Teil sehr hoch: Der „Blutdruck” spinnt.

Das erklärt auch eine Reihe von Nebenwirkungen von Ibuprofen:

Ibuprofen – Vorsicht bei Herz-Kreislauferkrankungen

Gerade, wenn Sie Herzrhythmusstörungen, eine Koronare Herzkrankheit oder einen Bluthochdruck haben, dann sollten Sie im Umgang mit Ibuprofen vorsichtig sein.

Wir empfehlen in diesen Fällen als Tagesdosis max. 1.200 mg Ibuprofen über einen möglichst kurzen Zeitraum. Eine Alternative ist Paracetamol.

Sollten sich Ihr Befinden verändern – und hier reicht schon eine zunehmende innere Unruhe – dann besprechen Sie Ihre Schmerzmedikation mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

 

Ruschitzka F et al. Eur Heart J 2017;38:3282-3292

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Hitzestress – Belastung für Herz und Kreislauf

Eine stabile Körpertemperatur ist sehr wichtig, damit alle biochemischen Prozesse in Ihrem Körper richtig funktionieren. Weicht die Körpertemperatur von Ihrem individuellen Sollwert ab, dann sprechen wir von thermischem Stress.

Im Falle von Wärme- oder sogar Hitzestress genügt schon eine Abweichung von +0,4 Grad Celsius, um bei Ihnen Symptome zu verursachen. Das kennt jeder von uns, wir werden unruhig, beim Aufstehen sind wir leichter benommen und unsere körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sind eingeschränkt.

Gerade in den Sommermonaten erleben wir in der Cardiopraxis dann immer wieder Menschen, die dann zusätzlich über einen Anstieg ihrer Herzfrequenz und starke Blutdruckschwankungen berichten. Nicht selten sind es auch Herzrhythmusstörungen, die Probleme bereiten. Folglich sind  vorbeugende Massnahmen gegen Hitzestress und Abkühlung gerade in dieser Jahreszeit besonders wichtig für Herz und Kreislauf.

Ihr Körper versucht Hitzestress selber auszugleichen

Damit Ihrem Körper nicht zu heiß wird, gibt es sog. Ausgleichsmechanismen, über die Ihre Wärmeabgabe gesteigert werden kann. In körperliche Ruhe und bei normalen Außentemperaturen erfolgt ca. 60% der Wärmeabgabe über die passive Abstrahlung; das ist ein ähnlicher Mechanismus, wie die Abkühlung einer warmen Tasse Tee in kühlerer Umgebung.

Ungefähr 25% der Wärme wird über die Blutbahn aus dem Inneren des Körpers an die Oberfläche geleitet und dort an die Umgebung abgegeben. Nur 15% werden über die Verdunstung, und vor allen Dingen hier über Schwitzen verloren.

Unter normalen Bedingungen hat die Steuerung der Durchblutung bei der Feinregulation des Wärmehaushalts die entscheidende Rolle, Schwitzen ist lediglich ein Reservemechanismus. Steigt Ihre Körpertemperatur, z.B. durch scharfes Essen oder hohe Außentemperaturen, dann gewinnt die Abgabe von Wärme über das Schwitzen zunehmend an Bedeutung.

Die Verdunstungswärme von Wasser beträgt 2.400 kJ/l. Das bedeutet, dass Sie mit dem Verdunsten von 0,5 l Wasser auf der Haut ca. 1/6 der Ruhewärmeproduktion eines ganzen Tages abgeben können. Unter anderem hat auch die erhöhte Wärmeleitfähigkeit von Wasser gegenüber festem Gewebe eine herausragende Bedeutung. Stehen Sie dann noch in einem leichten Luftzug, dann wird die Wärmeabgabe von intensiver, weil die vorbeiziehende Luft die Wärme noch besser abführt.

Kühle Dusche an heißen Tagen

Die Erkenntnisse aus der Thermodynamik und menschlichen Thermoregulation können für Sie bei hohen Außentemperaturen sehr nützlich sein. Wenn Sie nun, z.B. an einem heißen Sommertag merken, dass Sie Ihnen heiß wird und Sie unruhig werden, dann gehen Sie unter die Dusche.

Richtige Wassertemperatur. Die Wassertemperatur ist bei einer abkühlenden Dusche besonders wichtig. Sie sollte ca. 0,5 Grad Celsius über der Hauttemperatur liegen und folglich handwarm bis lauwarm sein. Ist die Wassertemperatur zu kalt, dann aktiviert Ihr Körper Ausgleichsmechanismen indem er die Durchblutung drosselt, weil er wahrnimmt, dass die Außentemperaturen deutliche gefallen sind. Folglich steigt Ihre Körpertemperatur sogar, Ihnen wird noch heißer. Duschen Sie zu heiß, dann steigt die Körpertemperatur ebenfalls unerwünscht.

Nicht abtrocknen. Nun das wichtigste. Nach dem Duschen nicht abtrocknen. So kann die Feuchtigkeit auf der Haut die Wärme sehr gut verdunstet werden.

Leicht bewegen. Sie können sich das Handtuch um die Hüften legen und sollten sich bewegen. Zum Beispiel hat es sich bewährt in dieser Zeit das Badezimmer aufzuräumen. Folglich wird durch den leichten Windzug Wärme noch besser abgeführt.

Mit dieser einfachen Maßnahme erreichen Sie eine sehr effektive Abkühlung. Das haben Mitarbeiter der Cardiopraxis selber mehrfach getestet.

Herz-Kreislauferkrankungen – kühl und ruhig bleiben

Gerade Menschen mit Herz-Kreislauf profitieren an heißen Tagen von kühlenden Maßnahmen. Denken Sie bitte immer auch daran genügend zu trinken: 30-(40) ml pro kg Körpergewicht pro Tag sollten es sein. Gut hydrierte Körperzellen leiten die Wärme über Abstrahlung besser ab. Bei Herzschwäche oder Nierenschwäche sollten Sie die Menge mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt absprechen.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Körpertemperatur – wichtig für Blutdruck, Blutfluss und Befinden

Für uns in der Cardiopraxis ist Ihre Körpertemperatur ein besonders wichtiger Messwert. In Verbindung mit den Ergebnissen zu Ihrem Blutdruck und Blutfluss gibt uns die Körpertemperatur nicht nur genaue Hinweise auf den Zustand Ihres Kreislaufs, sondern auch auf Ihr subjektives Befinden.

Mit den gesammelten Ergebnissen können wir in der Cardiopraxis Störungen des Herz-Kreislaufsystems wie z.B. Bluthochdruck, Benommenheit und Herzschwäche gezielter behandeln. Auch bei der Gewichtsreduktion, etwa durch Intervallfasten, können wir Ihnen mit den Ergebnissen der Körpertemperatur wertvolle Hinweise geben.

Folglich messen wir bei jeder Kreislaufmessung die Körpertemperatur mit. Wir nutzen dabei die zuverlässige Infrarotmessung im Ohr. Sie können Ihre Körpertemperatur aber auch zuverlässig und schnell zu Hause selber bestimmen.

Körpertemperatur – wo und wann messen?

Wenn Sie die Körpertemperatur bestimmen, dann ist es am besten, wenn Sie ein Maß für die sogenannte Körperkerntemperatur ganz im Inneren des Körpers haben. Der Körperkern ist der Ort, wo die Organe, wie z.B. die Leber, liegen. Die Körperkerntemperatur gibt Ihnen die besten und zuverlässigsten Hinweise auf veränderte Stoffwechselprozesse bzw. entzündliche Krankheitsvorgänge.

Da die Messung ganz im Inneren des Körpers technisch schwierig ist, verlassen wir uns auf die Temperaturmessungen im Enddarm oder im Ohr. Die Temperatur hier entspricht der Körperkerntemperatur ziemlich genau.

Die Körpertemperatur schwankt im Tagesverlauf, die Regulation folgt einer genetisch festgelegten Inneren Uhr. Folglich ist es wichtig, dass Sie immer zum selben Tageszeitpunkt messen, z.B. unmittelbar nach dem Nachtschlaf. Diese Messung nennen wir die Basaltemperatur. Sie können auch abends in Ruhe um 19:00 Uhr herum messen.

Die Werte sollten Sie in einer Health App dokumentieren und die Kurve im Zeitverlauf beobachten.

Körpertemperatur im Ohr – so messen Sie richtig

Die Körpertemperatur über das Trommelfell im Ohr mittels Infrarottechnik zu bestimmen ist zuverlässig und schnell. Sie sollten allerdings auf einige Dinge achten, um verwertbare Messergebnisse zu bekommen.

Vor der Messung selbst sollten Sie ein sauberes Ohr haben. Auf die Reinigung mit Wattestäbchen sollten Sie auf jeden Fall verzichten, hier muss gegebenenfalls der Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder die Hals-Nasen-Ohren-Ärztin helfen.

Der Gehörgang verläuft vom Eingang aus gesehen nach unten und vorne; das Trommelfell liegt am Ende des Gehörgangs verwinkelt am Übergang zum Mittelohr. Um den Gehörgang nun so zu begradigen, dass der Infrarotmessstrahl direkt auf das Trommelfell gerichtet ist, neigen Sie den Kopf etwas zur Gegenseite und ziehen Sie das Ohr nach hinten und oben. Das gilt, wenn Sie bei sich selbst, aber auch wenn Sie bei einer anderen Person messen.

Gerade bei der Selbstmessung können gelegentlich Fehler unterlaufen, wenn der Messstrahl im Gehörgang verkantet. Folglich sollten Sie zu einem Messzeitpunkt jeweils 3 Einzelmessungen hintereinander vornehmen. Der höchste Wert zählt, da falsch-niedrige Werte nicht vorkommen.

Mit der Zeit bekommen Sie so einen messtechnisch-objektiven Überblick zu Ihrer individuellen Körpertemperatur zu einem bestimmten Tageszeitpunkt, am besten zur Basaltemperatur. Bilden Sie einfach den Mittelwert der Einzelmessungen von ca. 21 aufeinanderfolgenden Tagen. Sie werden feststellen, dass die meisten Werte um den Mittelwert herum in einem Bereich von ca. plus/minus 0,3 Grad Celsius liegen.

Körpertemperatur – wann steckt eine Krankheit dahinter?

Wenn Werte um mehr als 0,5 Grad Celsius vom Mittelwert abweichen, ist es ratsam Sie die Ursache hinterfragen.
Kündigt sich möglicherweise bei Ihnen eine Infektionserkrankung an? Hinweise geben hier nicht nur der Anstieg der Temperatur, sondern auch starke Schwankungen von Tag zu Tag. Bemerken Sie weitere Symptome wie eine verstopfte Nase, Kopfschmerzen, Husten, Bauchschmerzen, Durchfall oder jedwede Schmerzen in irgendeiner Körperregion?

Von Fieber sprechen wir, wenn die Körpertemperatur deutlich erhöht ist:

  • Fieber ab 38 Grad Celsius
  • hohes Fieber 39 bis 41 Grad Celsius
  • sehr hohes Fieber ab 41 Grad Celsius

In seltenen Fällen kann eine Temperaturerhöhung ein Zeichen einer chronischen Erkrankung, zum Beispiel einer Krebs- oder einer Autoimmunerkrankung, sein. Nehmen Sie ggf. Medikamente ein, die die Temperatur verändern können? Dazu zählen etwa Schilddrüsenhormone, Testosteron, Östrogen oder auch Cortison.

Körpertemperatur – was kann noch hinter Veränderungen stecken?

Falls Ihre Temperatur im Vergleich zu vorherigen Werten höher ist, dann sollten Sie auch fragen, ob Sie in letzter Zeit an Körpergewicht zugenommen haben, z.B. durch Intervallfasten. In der Regel steigen die Körpertemperatur und die Wärmeempfindlichkeit, wenn Sie an Gewicht zunehmen. Nehmen Sie ab, dann sinkt die Körpertemperatur und die Kälteempfindlichkeit nimmt zu.

Manchmal kommt es vor, dass stoffwechselaktivierende Nahrung die Temperatur erhöht, z.B. Alkohol oder auch scharfe Gewürze, wie z.B. Chili oder Ingwer. Haben Sie in der letzten Nacht eventuell wenig geschlafen? Auch das kann die Körpertemperatur steigen lassen.

Selbstverständlich haben auch normale Körperprozesse Temperaturschwankungen zur Folge. Bei Frauen steigt die Körpertemperatur am Tag des Eisprungs um ca. 0,5 Grad Celsius an.

Falls Sie direkt aus einer intensiven Traumphase, der REM-Schlafphase, erwachen, können Sie ebenfalls eine erhöhte Temperatur haben: Im REM-Schlaf sind die neurovegetativen Prozesse dereguliert und die Temperatur erhöht.

Falls Sie zu einem späteren Zeitpunkt als üblich aufstehen, dann kann das auch mit einer erhöhten Temperatur verbunden sein. Die Temperatur ist ja Teil der inneren Uhr und verläuft damit regelhaft eher gekoppelt an die Tageszeit als an das Schlaf-Wach-Verhalten.

Kritisch erhöhte Körpertemperatur – im Zweifel ärztliche Hilfe

Bei unklaren Temperaturveränderungen konsultieren Sie im Zweifel einen Arzt oder eine Ärztin, um weitere Diagnostik durchzuführen. Das gilt vor allen Dingen für ältere Menschen, da bei ihnen Erkrankungen häufig nur mit einem leichten Temperaturanstieg verbunden sind.

Sehr hohes Fieber ab 41 Grad Celsius ist ein drohender Notfall. Eine sehr schwere Infektionserkrankung ist wahrscheinlich die Ursache, es droht der Kreislaufkollaps. Falls sich die Temperatur mit fiebersenkenden Maßnahmen innerhalb von 45 Minuten senken lassen, dann sollten Sie unmittelbar ärztliche Hilfe anfordern, z.B. über den ärztlichen Notdienst 116 117.

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Körpertemperatur – stabile Verhältnisse sind wichtig für Ihre Gesundheit

Für Ihre Gesundheit ist eine stabile Körpertemperatur ein besonders wichtiger Faktor. Schließlich benötigen alle biochemischen Prozesse in Ihrem Körper, vom kleinen Zeh bis zum Gehirn stabile Verhältnisse, um optimal aufeinander abgestimmt funktionieren zu können. Folgerichtig haben Abweichungen Ihrer Körpertemperatur vom individuellen Sollwert Funktionsstörungen zur Folge, die auch Ihre allgemeine körperliche und geistige Leistungsfähigkeit einschränken. Gerade bei Hitzestress sind abkühlende Maßnahmen, z.B. eine kühlende Dusche wichtig.

Die Wärmebildung erfolgt durch Ihren Stoffwechsel, sowohl in Ruhe als auch bei körperlicher und auch geistiger Aktivität. Selbst im Schlaf ist Ihr Stoffwechsel aktiv und sorgt für die richtige Temperatur. Damit Ihr Körper nicht überhitzt, gibt es auch verschiedene Mechanismen der Wärmeabgabe. Die Feinregulation erfolgt durch den Kreislauf über eine Veränderung des Blutflusses: ist der Blutfluss hoch, dann wird mehr Wärme abgegeben, ist er niedrig, dann versucht der Körper Wärme im Körper zu halten.

Messung von Körpertemperatur und Kreislauf – Hinweise auf individuelle Stoffwechselaktivität

Wir verfügen in der Cardiopraxis über umfangreiche Erfahrungen bei der unblutigen Blutflussmessung mit dem Finapres-System. Bei jeder Kreislaufmessung führen wir auch eine Temperaturmessung (Ohrmessung) durch. Daher haben wir die Möglichkeit bei jedem Menschen die individuellen Zusammenhänge zwischen Körpertemperatur und Blutfluss und Blutdruck besser zu erfassen und zu verstehen. Das gibt uns auch indirekte Hinweis auf Ihre Stoffwechselaktivität. Dabei müssen wir zahlreiche Faktoren berücksichtigen.

Körpertemperatur – schwankt in Abhängigkeit von vielen Faktoren

  • Tageszeit (Minimum 03:00-06:00 Uhr, Maximum 18:00-21:00 Uhr)
  • Außentemperatur
  • Alter (in der Regel je älter, desto niedriger)
  • Hormonstatus (Schilddrüse, Sexualhormone)
  • Kreislauf
  • Gewicht (in der Regel: je mehr Gewicht, desto mehr Temperatur)

Körpertemperatur und Blutfluss – wichtiger Indikator für körperliche Störungen

Körpertemperatur und Blutfluss – wichtig bei Therapie von Bluthochdruck und beim Fasten

Die Bedeutung der Körpertemperatur wird aus unserer Sicht vollkommen unterschätzt. Obwohl einfach und schnell zu erfassen, wird die Körpertemperatur viel zu selten von Ihnen und von Ärztinnen bzw. Ärzten gemessen.

Wir in der Cardiopraxis messen Ihre Körpertemperatur bei jeder Kreislaufmessung. Schließlich haben gerade die Ergebnisse der kombinierten Messung für uns eine herausragende Bedeutung bei der individuellen Behandlung des Bluthochdrucks und bei den Empfehlungen zum Fasten. So können wir Ihnen gezielt helfen und Nebenwirkungen auch bei der Verordnung von Medikamenten vermeiden. Interessanterweise kann z.B.  bei bestimmten Formen des Bluthochdrucks eine einfache Stoffwechselaktivierung dazu führen, dass Sie gar keine Medikamente benötigen.

Körpertemperatur – selber messen

Sie sollten gelegentlich Ihre Körpertemperatur selber messen. Am zuverlässigsten sind die Messungen im Enddarm oder im Ohr. Diese entsprechen am ehesten der Körperkerntemperatur, die am genauesten mit einer Darmkapsel gemessen werden kann. Aus praktischen Gründen empfehlen wir Ihnen die Messung im Ohr. Die Körpertemperatur schwankt in Abhängigkeit von der Tageszeit. Folgerichtig sollten Sie Ihre Körpertemperatur zu einem fest definierten Zeitpunkt messen. Bewährt hat sich hier die sog. Basaltemperatur morgens unmittelbar nach dem Aufwachen.

Der Sollwert für die Körpertemperatur kann zwischen den Menschen variieren. Indem Sie einige Tage hintereinander die Ohrtemperatur messen und den Mittelwert bilden, können Sie Ihren individuellen Sollwert ungefähr abschätzen. Folglich, falls dann Ihre Basaltemperatur nach wiederholtem Messen mehr als 0,5 Grad Celsius vom Sollwert abweicht, dann sollten Sie über die Ursache nachdenken – und ggf. einen Arzt bzw. eine Ärztin konsultieren.

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Das Autonome Nervensystem erfüllt eine Reihe überaus wichtiger Funktionen: Es reguliert unbewusst unseren Kreislauf und Stoffwechsel und bestimmt damit unser Befinden und unsere Leistungsfähigkeit. Mit sensitiven Messsystemen für Kreislauf und Stoffwechsel lassen sich so auch Rückschlüsse auf das Befinden ziehen.

Im Rahmen des Kreislaufes reguliert der Blutfluss die Nährstoffversorgung und Temperatur des Körpers. Messen lässt sich der Blutfluss mit der unblutigen Finapres®-Methode, einem photopletysmografischen Verfahren.

Ein Indikator für die Stoffwechselaktivität eines Menschen ist seine Ohrtemperatur. Messen lässt sich diese zum Beispiel mit dem System Koogeek®️.

Bei Menschen mit Übergewicht und gesteigertem Stoffwechsel passiert Folgendes: Ihre Temperatur ist erhöht, was zu Unruhe (thermischem Stress) führt. Um besser Wärme durch das isolierende Fett abgeben zu können, ist ihr Blutfluss tendenziell höher. Wenn kein Ausgleich (z. B. Bewegung, Gewichtsreduktion) erfolgt, bleibt die Unruhe.

Bei Menschen mit Normalgewicht und herabgesetztem Stoffwechsel sieht der Prozess genau umgekehrt aus. Ihr Temperatur-Sollwert wird unterschritten und durch einen niedrigen Blutfluss versucht der Körper, Wärme zu konservieren. Wenn ihr Blutfluss zu gering ist, sinkt auch ihre Leistungsfähigkeit.

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Xarelto –  Fieber, eine häufige und unbekannte Nebenwirkung

Xareltomit dem Wirkstoff Rivaroxaban gehört zur neuen Generation der Gerinnungshemmer. Dieses Medikament wird mit gutem Erfolg bei Patienten mit tiefer Beinvenenthrombose, Lungenembolie oder auch zur Verhinderung von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern eingesetzt. In der Gruppe der neuen Gerinnungshemmer ist Xareltodas am meisten verkaufte Produkt weltweit.

Eine häufige, allerdings auch bei Ärzten wenig bekannte Nebenwirkung von Xareltoist eine erhöhte Körpertemperatur mit den verschiedenen Folgesymptomen. Die Nebenwirkung “Fieber” tritt laut Fachinformation in bis zu 10% der Fälle auf. Der geringe Bekanntheitsgrad dieser Nebenwirkung ist sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass die meisten von uns nicht regelmäßig ihre Körpertemperatur messen und so Abweichungen nicht registrieren.

Xarelto– Serotonin-vermittelte Steigerung der Körpertemperatur?

Der Wirkstoff von Xarelto, Rivaroxaban weist eine hohe chemische Strukturähnlichkeit mit dem Antibiotikum Linezolid auf. Die Ähnlichkeit ist so groß, dass Rivaroxaban sogar darauf wissenschaftlich untersucht worden ist, ob es antibiotische Eigenschaften hat, was allerdings nicht der Fall ist.

Von Linezolid wissen wir, dass es vermittelt durch den Botenstoff Serotonin im Gehirn die Körpertemperatur erhöht. Das kann vor allen Dingen in Verbindung mit Antidepressiva, die ebenfalls in den Serotonin-Stoffwechsel eingreifen, den sog. Serotonin Re-uptake Hemmern zum gefürchteten Serotonin-Syndrom führen. Neben der Temperaturerhöhung kommt es beim Serotonin-Syndrom zu weiteren Symptomen der Überhitzung wie Anstieg der Herzfrequenz, Schwitzen, schnelle Atmung, Unruhe bis hin zu Bewusstseinsstörungen sowie Händezittern bis hin zu Krampfanfällen des Gehirns.

In Anbetracht der hohen chemischen Strukturähnlichkeit von Rivaroxaban und Linezolid kann berechtigt angenommen werden, dass die Nebenwirkungen von Xareltoauch über Serotonin vermittelt werden. Damit wäre die Temperaturerhöhung bei Rivaroxaban kein “Fieber”, welches ja durch eine Sollwertverstellung im Regelkreis der Thermoregulation gekennzeichnet ist, sondern eine Serotonin-vermittelte zentral verursachte Temperatursteigerung über das Gehirn.

Xarelto– Temperaturerhöhung, innere Unruhe, Schwäche, Müdigkeit, Schwindel…..

Während der Mechanismus der Temperaturerhöhung durch XareltoⓇnicht sicher belegt ist, ist die Häufigkeit von bis zu 10% aller Behandelten wissenschaftlich gesichert. Die Nebenwirkung auf die Temperaturregulation erklärt zahlreiche, ebenfalls häufige Nebenwirkungen, die unter XareltoⓇauftreten können.

Hierfür sollten Sie sich kurz vor Augen führen, dass die Steuerung der Körpertemperatur einem Regelkreis unterliegt, welcher einen stabilen individuellen Sollwert halten will, so dass alle biochemischen Prozesse in Ihrem Körper gut funktionieren. Weicht Ihre Körpertemperatur, wie im Fall einer Nebenwirkung von Xarelto nun nach oben ab, dann versucht der Organismus die Temperatur wieder auf den Sollwert abzusenken. Am besten regulierbar ist dies über eine Weitstellung der Blutgefäße, was wiederum eine vermehrte Abwärme ermöglicht. Sie merken das an einer warmen Haut und im Extremfall fangen Sie sogar an zu schwitzen.

Die Weitstellung der Blutgefäße erklärt nun eine ganze Reihe von weiteren häufigen sekundären Nebenwirkungen unter Xarelto, die Ausdruck von Ausgleichsreaktionen sind. Durch den damit verbunden Blutdruckabfall kann bei Ihnen Benommenheit auftreten. Ihr Körper versucht dann den Druckabfall durch eine Adrenalin-vermittelte Steigerung der Herzfrequenz auszugleichen. Durch das Wechselspiel zwischen den beiden Notwendigkeiten auf der einen Seite Wärme abzugeben und auf der anderen Seite den Blutdruck aufrechtzuerhalten kommt es zu Blutdruckschwankungen. Adrenalin erklärt dann wiederum Ihre innere Unruhe und die damit einhergehende Erschöpfung aufgrund eines erhöhten Energieaufwandes zur Stabilisierung des Kreislaufs.

Die Ausgleichsreaktionen erklären auch, warum eine thermoregulatorische Nebenwirkung von Xareltonicht sofort Temperaturerhöhung zur Folge hat. Solange der Körper durch die Ausgleichsreaktion genügend Wärme abstrahlen kann, solange dominieren als Nebenwirkung die verschiedenen Ausgleichsreaktionen. Ist die Temperatur erhöht, dann ist das als Folge einer thermoregulatorischen Dekompensation zu werten.

Xarelto– Behandlungsverlauf sorgfältig auf Nebenwirkungen beobachten

Wir betreuen in der Cardiopraxis viele Menschen, die Xareltozur Verhinderung von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern einnehmen. Dieses tun wir mit gutem Resultat, weil Xareltogerade zu diesem Zweck ein sehr gutes Medikament ist. Xareltohat gegenüber den anderen neuen Gerinnungshemmern, wie Lixiana, Eliquisund Pradaxasogar den Vorteil, dass es als einziges nicht über das Cytochrom P450 System der Leber abgebaut wird, was die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten wahrscheinlich verringert. Bei den Menschen, die wir bereits betreuen achten wir sorgfältig auf die genannten Nebenwirkungen und setzen im Verdachtsfall von Nebenwirkungen auf ein anderes Präparat um.

Besonders bei Menschen die als Antidepressivum einen sog. Serotonin Re-uptake Inhibitor erhalten sind wir wachsam. Bei der Ersteinstellung auf einen Gerinnungshemmer verzichten wir in diesen Fällen auf Xarelto.

Xarelto– Blutdruckschwankungen führen häufig zum Besuch beim Kardiologen

Ein immer wieder vorkommendes Problem, was neue Patienten zu uns die Cardiopraxis führt, sind Blutdruckschwankungen. Wir müssen uns dann fragen: woran liegt das? Liegt es gegebenenfalls an der Einnahme von Xarelto?

Wir haben in der Cardiopraxis umfangreiche Erfahrungen mit der unblutigen Blutflussmessung. Das ermöglicht uns die thermoregulatorische Weitstellung von Blutgefäßen über eine Steigerung des Blutflusses indirekt zu erfassen, was ja eine Folge von Xareltosein kann. Nach sorgfältiger Abwägung, möglicherweise bei weiteren Nebenwirkungen, setzen wir dann von Xarelto auf einen anderen Gerinnungshemmer um. Normalisiert sich dann bei einem Kontrolltermin der Blutfluss wieder, so wie im unten gezeigten Bild, dann können wir von einer Nebenwirkung von Xareltoausgehen und vermeiden bei diesem Menschen in Zukunft dieses Medikament.

In seltenen Fällen ist der thermische Stress so hoch, dass der Blutfluss paradox erniedrigt ist.

Selbstverständlich setzen wir auch bei anderen Nebenwirkungen von Xareltoum. Die Veränderungen des Blutflusses sind bei dem beschriebenen Vorgehen allerdings ein besonders gutes Argument, was uns bei der Umstellung bestätigt.

Nebenwirkungen unter Xarelto? – Sie sollten mit Ihrem Kardiologen sprechen

Sollten Sie Xareltoeinnehmen und den Verdacht auf eine der genannten Nebenwirkung haben, dann ist es für Sie sinnvoll zunächst einmal zu überprüfen, ob ein zeitlicher Zusammenhang zwischen den Symptomen und dem Beginn der Behandlung mit XareltoⓇbesteht; das wäre dann schon ein ziemlich eindeutiger Zusammenhang. Auch können Sie Ihre Basaltemperatur im Ohr an mehreren Tagen messen.

Der nächste Schritt ist dann die Nebenwirkungen am besten mit dem verschreibenden Arzt zu besprechen. Wenn Sie denn Zusammenhang zwischen Temperaturerhöhung und Xareltoschildern, dann werden Sie wahrscheinlich auf Unverständnis stoßen, da den meisten Ärztinnen und Ärzten diese Nebenwirkung nicht bekannt ist. Sie können dann auf die Fachinformation (s.u.) verweisen.

Nochmals grundsätzlich, Sie sollten niemals gerade einen Gerinnungshemmer eigenständig umsetzen oder gar absetzen. Das kann schwere gesundheitliche Folgen für Sie haben.

Xareltoist ein gutes Medikament, aber es hat Nebenwirkungen, wie jedes andere Medikament auch. Auf Nebenwirkungen von Medikamenten sollten Sie grundsätzlich immer achten.

 

Fachinformation Xarelto®

 Center for drug evaluation and research, Application number: 202439Orig1s000

 Hasani R et al. Anesth Essays Res. 2019 ;13: 188–190

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Der Kreislauf wird durch 2 Regelkreissysteme stark beeinflusst: Druckregulation und Temperaturregulation.

Die Druckregulation sorgt für einen stabilen Blutdruck und Blutfluss, um alle Organe ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen, auch gegen die Schwerkraft. Ein niedriger Druck führt zu Benommenheit, kein Druck über mehr als 10 Sekunden gar zu Bewusstseinsverlust. Wenn der Blutfluss weniger als 80 % des unteren Grenzwertes beträgt, resultiert auch das in Benommenheit und Leistungseinschränkung.

Als zweites Regelkreissystem sorgt die Thermoregulation dafür, dass der Körper eine stabile Körperkerntemperatur aufrechterhält, damit die biochemischen Prozesse in den Organen auch bei extremen Außentemperaturen funktionieren können. Weitgestellte Gefäße führen dabei zu einem Wärmeverlust, enggestellte Gefäße dagegen zu einer Konservierung von Wärme.

Wichtig zu wissen: Die Druck- und Thermoregulation können gemeinsam, aber auch unabhängig voneinander zu Bluthochdruck führen.

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Das Herz pumpt 135 bis 263 Millionen Liter Blut pro Leben – das entspricht über 273.000 Fässern Wein, eine ganze Menge also.

Der Kreislauf hat 3 Hauptfunktionen: den Transport von Energie- und Baustoffen, den Transport von Temperatur und den Transport von Signalen.

Zu den Energie- und Baustoffen, die er transportiert, zählen Sauerstoff, Kohlenhydrate, Eiweiß, Fette, Vitamine und Mikronährstoffe. Für den Transport braucht der Kreislauf eine Menge Power: Etwa 3/7 des arteriellen Einstroms fließt gegen die Schwerkraft zum Gehirn, 4/7 des venösen Rückstroms kämpfen ebenso gegen die Schwerkraft an. Die Versorgung des Gehirns ist dabei besonders wichtig: 10 Sekunden ohne Druck und Sauerstoff machen einen Menschen bereits bewusstlos!

Wärme bzw. Temperatur transportiert der Kreislauf, um die für biochemische Prozesse so wichtige stabile Kerntemperatur im Körper aufrechtzuerhalten. Dabei wird etwa 30 % der Wärmeabgabe über die Gefäße gesteuert: Sind die Gefäße weit, wird viel Wärme abgegeben; sind sie eng, dann wird mehr Wärme im Körper gehalten. Das ist vor allem wichtig bei wechselnden Jahreszeiten und erklärt auch, warum sich der Kreislauf im Sommer und Winter unterschiedlich verhält.

Auch Signale transportiert der Kreislauf. Zum Beispiel Hormone über die Blutbahn (langsames System) und Signale über die Nervenleitungsbahnen (schnelles System).

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