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Sehstörungen bei körperlicher Belastung – Ursache Vitamin B6?! 

Wir führen in der Cardiopraxis pro Jahr mehrere tausend Belastungs-EKGs durch. Dabei stoßen wir immer wieder auf ungewöhnliche Befunde. Folgend schildern wir Ihnen 2 Fälle von Männern, die regelhaft über Sehstörungen unter und nach körperlicher Belastung berichteten.

Wo der Mangel schadet, da schadet meistens auch der Überfluss (Franz Imhaeuser)

Fallbericht 1 – Sehstörungen bei Belastung und periphere Nervenschmerzen

In einem Septembermonat stellte sich ein 50-jähriger Mann (Mann I) mit Herzstolpern und Benommenheit bei Belastung in der Cardiopraxis vor. Klinisch war er als Freizeitsportler normgewichtig (BMI 23,0 kg/m2) und in einem sehr guten Trainingszustand.

Die aktuelle kardiologische Diagnostik einschließlich EKG, Belastungs-EKG, Stress-Echokardiografie und nicht-invasiver Kreislaufmessung im Liegen und im Stehen war unauffällig. Ein auswärtig durchgeführtes Langzeit-Blutdruck Monitoring ergab einen Normalbefund, ein Langzeit-EKG zeigte bis auf vereinzelte ventrikuläre Extrasystolen, welche als medizinisch harmlos eingestuft wurden, keinen relevanten Befund.

In der Vorgeschichte war seit 3 Monaten ein polytopes neurologisches Krankheitsbild bekannt. Polytop bedeutet, dass Symptome in verschiedenen Körperregionen auftreten, ohne dass diese durch eine einzelne neurologische Läsion, wie z.B. bei der Verletzung eines peripheren Nervs, erklärt werden können. Der Mann berichtete über Sehstörungen auf beiden Augen, Sprachstörungen mit “Verhaspeln” bei mehrsilbigen Wörtern, die auch im 2. und 3. Anlauf nicht richtig ausgesprochen werden konnten, sowie über intermittierend auftretendes Taubheitsgefühl und Schmerzen der rechten oberen Körperhälfte.

Vor und nach dem Erstbesuch in der Cardiopraxis war eine umfangreiche Abklärung einschließlich fachärztlicher neurologischer, rheumatologischer und Hals-Nasen-Ohren-ärztlicher ohne richtungsweisenden Befund erfolgt. Die augenärztliche Untersuchung hatte eine beidseitige ödematöse Makuladegeneration (rechts >links) ergeben, wobei die Behandlung mit Diamox, Cortison und Magnesium zu einer Verschlechterung der Symptomatik geführt hatten.

Hervorzuheben ist, dass die neurologisch untersuchten peripheren Nervenleitgeschwindigkeiten normal waren. Das Schädel-MRT war ebenfalls komplett unauffällig, d.h. es konnten keine Veränderungen des Sehnervs und auch keine Hinweise auf entzündliche Erkrankung der Gehirnsubstanz, wie z.B. bei Multipler Sklerose festgestellt werden.

Während des Erstbesuchs in der Cardiopraxis wurde auch eine Belastungsuntersuchung durchgeführt. Bei einer mittleren Belastungsstufe gab der Mann über Sehstörungen (“verschwommenes Sehen”) auf beiden Augen an, so dass die Untersuchung abgebrochen wurde. In Rückenlage nahmen die Sehstörungen dann zu.

Fallbericht 1 – Sehstörungen bei Belastung – langsame Besserung nach Absetzen von Vitamin B6

Im weiteren Verlauf gingen die Symptome nach 15-18 Monaten zurück und waren bei einem Folgebesuch 24 Monate nach der Erstvorstellung praktisch nicht mehr vorhanden. Da wir zwischenzeitlich einen ähnlichen Fall (s.u.) betreut hatten, erfolgt nochmals eine genaue Befragung.

Der inzwischen 52-jährige Mann berichtete, dass er zur körperlichen Kräftigung 12 Monate vor der Erstmanifestation belastungsabhängigen Sehstörungen begonnen hatte durchgehend Eiweißprodukte einzunehmen, die hohe Dosen an Vitamin B6 enthielten. Dabei erreichte er Tagesdosen von 300-450% der empfohlen Bedarfsdosis für Vitamin B6. Zusätzlich führte er sich dann mit Beginn der Symptome noch eine weitere Mikronähstoffkombination mit 300% der empfohlenen Tagesdosis an Vitamin B6 zu. Auch ein weiteres Vitamin-B-Komplex Präparat nahm er in unregelmäßigen Abständen immer wieder mal ein. In Summe kam er so auf Vitamin-B6 Spitzenbelastungen von 600-750 % pro Tag, und das zusätzlich zu einer ansonsten sehr gesunden Ernährungsweise. Ca. 6 Monate nach dem Erstbesuch setzte er alle Vitamin B6-haltigen Präparate ab.

Die Symptome waren dann bei einem weiteren Besuch in einem Dezember fast komplett verschwunden. Mann I berichtete, dass die Symptomatik sich im Verlauf gebessert hatte nachdem er Vitamin B6 im Sommer des Vorjahres abgesetzt hatte. Interessanterweise gab er eine jahreszeitliche Abhängigkeit seiner Beschwerden an: im Sommer schlimmer als im Winter. Dabei war die Symptomatik im aktuellen Sommer deutlich geringer ausgeprägt gewesen als im Vorsommer. Bei der aktuellen Untersuchung wurde erstmals Vitamin B6 im Serum bestimmt, was mit 26,7 µg/l (Referenzbereich 3,6-18 µg/l) entsprechend dem 1,5-fachen des oberen Grenzwertes erhöht war.

Fallbericht 2 – Sehstörungen bei Belastung und hohe Vitamin B6-Spiegel im Blut

Ein 51-jähriger Mann (Mann II) stellte sich in einem Novembermonat mit belastungsabhängigen zentralen Sehstörungen (“punktuelle zentrale Ausfälle”) auf beiden Augen (rechts > links) vor. Mann II ist ein hochaktiver Freizeitsportler (Laufen, Kitesurfen) und normgewichtig (BMI 22,0 kg/m2). Die Beschwerden an den Augen hatten vor 3 Monaten, d.h. im August begonnen und in den letzten Wochen waren noch rechtsseitige Kopfschmerzen hinzugekommen. Mann II ist zeichnerisch versiert und hat ein Bild seiner Sehstörungen selber anfertigen können.

Die konventionelle kardiologische Untersuchung war komplett unauffällig. Die Kreislaufmessung ergab bei einer leichten Kälteempfindlichkeit eine sog. Wärmekonservierungskreislauf mit erniedrigten Blutflusswerten (71% des unteren Grenzwertes). Bei hoher Belastungsstufe im Belastungs-EKG traten die Sehstörungen wieder auf, wobei die zentrale Körpertemperatur, gemessen im Ohr von einem Ausgangswert von 36,4 0C auf 36,8 0C angestiegen war. Eine später durchgeführte passive Erwärmung (Sauna, 20 Minuten) blieb symptomfrei.

Eine weiterführende neurologische und augenärztliche Diagnostik einschl. Schädel-MRT waren komplett unauffällig. Auch die visuell evozierten Potentiale, d.h. ein Test der elektrischen Reizweiterleitung von der Netzhaut des Auges bis zur Großhirnrinde ergaben keine pathologischen Auffälligkeiten. Allerdings wurde dieser Test in vollkommener Ruhe und nicht nach körperlicher Belastung vorgenommen. Differentialdiagnostisch wurde Mann II unter dem Verdacht auf eine sog. Augenmigräne empfohlen, vor dem Laufen das Migränemittel Sumatriptan einzunehmen, was allerdings keine Besserung der Symptome unter Belastung zur Folge hatte.

Mann II hatte mittels verschiedener Nahrungsergänzungsmittel beginnenden Monate vor dem Einsetzen der Augensymptome hohe Dosen an Vitamin B6 eingenommen. Zusätzlich zu einer normalen Ernährung führte er so 265% der empfohlenen Tagesdosis an Vitamin B6 zusätzlich zu. Zum Zeitpunkt der Erstdiagnostik in der Praxis betrug der Vitamin B6 Spiegel unter fortlaufender Einnahme 39,3 µg/l (Referenzbereich 3,6-18 µg/l), d.h. das 2,2-fache vom oberen Grenzwert.

Der weitere Verlauf dieses Mannes nach Absetzen von Vitamin B6 Präparaten steht noch aus, da die Befunde relativ aktuell sind.

Sehstörungen bei Belastung – Sport und Vitamin B6

Mit der Vorstellung von Mann II zeigten sich Gemeinsamkeiten mit den Befunden von Mann I. Durch die genauere Angabe der Vitamin-B6-haltigen Nahrungsergänzungsmittel von Mann I konnte im Nachhinein auch eine zeitliche Koinzidenz zwischen der Zufuhr von Vitamin B6 und Symptomatik Mann I erkannt werden. Zusammengefasst waren folgende Übereinstimmungen zwischen beiden Fällen hervorstechend:

  • Sehstörungen bei körperlicher Belastung, d.h. bei aktiver körperlicher Erwärmung
  • Symptombeginn im Sommer, d.h. in der warmen Jahreszeit
  • Vitamin B6 Einnahme in hohen Dosen, d.h. von mindestens 250% der empfohlenen Tagesdosis über einen längeren Zeitraum
  • gut trainierte aktive Freizeitsportler, d.h. regelmäßige Belastung über die Alltagsbelastung hinaus

Schon früh wurde bei Mann I von fachneurologischer Seite der Verdacht auf ein Uhtoff-Phänomen (s.u.) geäußert. Weil allerdings die neurologische Diagnostik einschl. Schädel-MRT keine weiteren Hinweise, z.B. auf eine entzündliche Erkrankung des Gehirns ergeben hatte, wurde bei Mann I der Spontanverlauf abgewartet. Mit der Vorstellung von Mann II haben wir uns dann erneut auf die Suche nach den systematischen Zusammenhängen und Ursachen der Symptome gemacht.

Der Sehnerv – Überträger von elektrischen Signalen

Jeder gesunde Mensch hat 2 Sehnerven, für jedes Auge einen. Ein einzelner Sehnerv hat ca. 1 Millionen Nervenfasern, sog. Axone, die visuelle Reize vom Auge über elektrische Impulse an die hintere Großhirnrinde übertragen, wo sie dann zu bildlichen Informationen verarbeitet werden. Weil im Punkt des schärfsten Sehens in der Netzhaut besonders viele visuelle Rezeptoren liegen, deren Reize weitergeleitet werden müssen, wird hier eine Schädigung der nachgeschalteten Nerven besonders früh wahrgenommen.

Die einzelnen Nervenfasern eines Sehnervs sind umgeben von fetthaltigen Markscheiden, auch Myelinscheiden genannt. Sie können sich das zunächst so vorstellen, wie die Isolation an einem elektrischen Kabel. Die Markscheiden dienen in der Tat der elektrischen Isolation und dem Schutz der Nervenfaser vor Außeneinflüssen. Die Markscheiden weisen im Verlauf Lücken auf, die eine besonders schnelle elektrische Übertragung, eine sprunghafte sog. saltatorische Erregungsüberleitung erlauben.

Sehstörungen bei Belastung – Uhtoff-Phänomen

Reversible Sehstörungen bei körperlicher Belastung, die innerhalb von 24 Stunden wieder verschwinden, wurden erstmals von 1890 von Wilhelm Uhtoff bei Patienten mit Multipler Sklerose beschrieben. Folglich wird dieses Symptom daher auch Uhtoff-Phänomen genannt.

Wilhelm Uhtoff beobachtet diese Symptomatik seinerzeit bei 4% der betreuten Patienten mit Multipler Sklerose. Das setzt eine erstaunliche Beobachtungsgabe voraus, da dieses Symptom in seinem Kollektiv eher selten war und seinerzeit standardisierte Belastungstests, wie z.B. heute das Belastungs-EKG und Freizeitsport nicht üblich waren.

Während Wilhelm Uhtoff die Verbindung zwischen körperlicher Belastung und vorübergehender Sehstörung erkannte, wurde der Zusammenhang der Symptome mit einer Erhöhung der Körpertemperatur 60 Jahre später hergestellt. So wurde dann vorübergehend sogar ein Heißbade-Test als diagnostisches Kriterium die Multiple Sklerose eingesetzt.

Entsprechend sind Faktoren, die zu einem Auslöser für das Uhtoff-Phänomen bzw. dieses begünstigen können:

  • körperliche Belastung
  • emotionaler Stress
  • heißes Bad oder Dusche
  • Sonnenexposition bzw. hohe Außentemperaturen
  • weiblicher Ovulationszyklus (2. Zyklushälfte)
  • heiße Mahlzeiten
  • Fieber

Wir können folglich eine Stoffwechsel-aktive Erwärmung (z.B. körperliche Belastung) von einem weitgehend Stoffwechsel-passivem Auslösemechanismus (z.B. heißes Bad) unterscheiden. Unter theoretischen Gesichtspunkten ist der aktive Auslöser der stärkere Reiz.

Uthoff-Phänomen – Störung der elektrischen Reizweiterleitung im Sehnerv

Das Uhtoff-Phänomen wird auch bei anderen Erkrankungen des Sehnervens, die die Myelinscheide betreffen, so z.B. bei der Neuromyelitis optica beobachtet.

Als Mechanismus, welche zu den Sehstörungen führt, wird die temperaturabhängige elektrische Blockade von teilweise demyelinisierten sensorischen Nervenfasern angenommen. Dabei genügen für eine erkrankte Nervenfaser schon Temperaturunterschiede von 0,2-0,5 0C, dass sich die Nervenleitgeschwindigkeit merklich verändert.

Eine Erweiterung der sog. Ranvierschen Schnürringe als Folge des Verlustes von Markscheidenmaterial hat für Änderungen der Nervenleitgeschwindigkeit die entscheidende Bedeutung. Hierdurch wird die schnelle sog. saltatorische elektrische Erregungsüberleitung in der betroffenen Nervenfaser verlangsamt, so dass die Weiterleitung von zeitlich gleichzeitig stattfindenden visuellen Reizen auf der Netzhaut des Auges zeitlich inhomogen an das Großhirn weitergleitet wird. Da nun aus noch gesunden und kranken Nervenfasern ein Bild in der Großhirnrinde generiert wird, bleibt dieses aufgrund der unterschiedlichen Nervenleitgeschwindigkeiten lückenhaft.

Vitamin B6 und Neurotoxizität- Mangel und Toxizität durch Nahrungsergänzungsmittel

Die wasserlöslichen und neurotropen B-Vitamine haben als sog. Ko-Enzyme eine hervorgehobene Relevanz bei der Aufrechterhaltung eines gesunden Nervensystems. Von besonderer Bedeutung sind hier die Vitamine B1, B6 und B12. Von diesen Vitaminen ist seit der ersten Hälfte des vorherigen Jahrhunderts gut bekannt, dass ein Mangel schwere neurologischen Störungen zur Folge haben kann.

Bei einem schweren Mangel an Vitamin B6 tritt eine strukturelle Schädigung der Myelinscheiden als Ursache für Schäden sowohl der peripheren Nerven als auch des Gehirns auf. Die Veränderungen ähneln dabei sehr stark solchen, die wir von einer anderen demyelinisierenden Erkrankung, der Multiplen Sklerose kennen.

Im Jahr 1983 wurde allerdings auch erstmals berichtet, dass auch eine zu hohe Zufuhr von Vitamin B6 neurologische Symptome zur Folge haben kann. Zahlreiche Fälle werden seit dieser Zeit immer wieder in der Fachliteratur berichtet. In den Niederlanden alleine wurden zwischen 2014 und 2017 mehr als 50 Fälle in einem entsprechenden Register aufgenommen. Die Dunkelziffer dürfte in Anbetracht der Freiverkäuflichkeit und der zunehmenden Selbstmedikation von gesundheitsbewussten Menschen, die meinen, dass sie sich etwas Gutes tun, noch deutlich höher sein.

Vitamin B6 Paradox 

Interessanterweise ist es so, dass die neurologischen Symptome bei einem Vitamin B6 Mangel denen bei einem pathologischen Vitaminüberschuss, einer Vitamin B6 Intoxikation durch Nahrungsergänzungsmittel sehr stark ähneln. In der Wissenschaft wird dieses daher als auch “Vitamin B6 Paradox” bezeichnet. In experimentellen Untersuchungen konnte inzwischen gezeigt werden, dass eine zu hohe Konzentration von Vitamin B6 zu einer funktionellen Störung der Wirkung von Vitamin B6 zur Folge haben kann. Oder anders gesagt, ein quantitativer Überschuss an Vitamin B6 hat eine qualitative Störung der Funktion zur Folge.

Diagnose – Uhtoff-Phänomen durch Vitamin B6 Überdosierung

Bei beiden Männern mit Sehstörungen unter und nach körperlicher Belastung lag nach unseren Erkenntnissen ein Uhtoff-Phänomen vor, welches durch hohe Zufuhr von Vitamin B6 verursacht wurde.

Während bei Mann II das Uhtoff-Phänomen als monotope Störung, d.h. isoliert nur an den Augen auftrat, lagen bei Mann II polytope Symptome mit Beteiligung weiterer peripherer Nervengebiete vor. Bei beiden Männern haben wir gerade bei Mann I an eine entzündliche sog. demyelinisierende Erkrankung, d.h. an das Vorliegen einer Multiple Sklerose gedacht. In beiden Fällen konnte dieser Verdacht nicht bestätigt werden.

Mann I hatte auch eine feuchte, eine sog. ödematöse Makuladegeneration (rechts>links). Dieses kann ein Ko-Faktor bei den Sehstörungen unter Belastung sein, erklärt diese aber nicht alleine.  Dieses gilt umso mehr, da anfänglich zusätzliche neurologische periphere Nervenstörungen in Verbindung mit den belastungsabhängigen Sehstörungen vorlagen; beide Symptome verschwanden bzw. waren 12 Monate nach dem Absetzen von Vitamin B6 fast nicht mehr vorhanden. Weder bei einer Recherche bei Google noch bei PubMed finden sich Einträge zu “uhtoff” in Verbindung mit “macula degeneration” gefunden werden (Stand Januar 2020)

Heilungsverlauf nach Überdosierung von Vitamin B6 plus Sehstörungen unter Belastung

Der Heilungsverlauf nach Absetzen von Vitamin B6 Präparaten ist, wie der Fall von Mann I zeigt, langwierig, d.h. Monate bis Jahre, da Nerven und die umgebenden Markscheiden bekanntermaßen lange brauchen bis sie sich wieder regenerieren. Da eine spezifische Therapie bisher nicht bekannt ist, ist bisher die einzige Behandlungsoption das Absetzen von Vitamin B6 Präparaten und der Spontanverlauf muss abgewartet werden.

Zwar scheint die Prognose auf eine komplette Wiederherstellung der Sehfähigkeit in allen Lebenssituationen eher gut zu sein, bleibende Schäden können allerdings nicht von vorneherein ausgeschlossen werden.

Unklar, und aus unserer Sicht problematisch ist, warum Mann I auch noch Monate nach Absetzen einen erhöhten Vitamin B6-Spiegel vom 1,5-fachen des oberen Grenzwertes hatte. Wir sehen bei anderen Menschen immer wieder leicht erhöhte Vitamin B6 Spiegel, ohne dass sie Vitamin B6 in Form von Nahrungsergänzungsmittel zuführen. Grundsätzlich gilt in der wissenschaftlichen Literatur der Leitsatz, dass eine Intoxikation mit Vitamin B6 durch eine normale Ernährung nicht möglich ist; erst die zusätzliche Einnahme von Vitamin B6 in Form von Nahrungsergänzungsmitteln verursacht gesundheitliche Schäden. Wir sind uns da allerdings nicht so sicher und können hier zu mindestens eine Prädisposition annehmen.

Mögliche Ursachen sind hier:

  • bisher unbekannte genetisch bedingte Abbaustörungen von Vitamin B6
  • bisher unbekannter toxischer Faktor, der den Stoffwechsel von Vitamin B6 verändert
  • anhaltende toxische Störungen durch ursprünglich hohe Zufuhr an Vitamin B6

Sehstörungen bei Belastung durch Vitamin B6 – häufig unerkannt?!

Zwar sind neurologische Störungen, z.B. von peripheren Nervenschäden (Polyneuropathie) und Ataxie (zentral-nervös verursachte Bewegungsstörung) durch eine Überdosierung von Vitamin B6 in der Literatur seit 1983 bekannt. Sie werden auch in den deutschen Fachinformationen, der als Medikament zugelassenen Vitamin B6 Präparate genannt. Allerdings finden sich keine Hinweise auf isolierte Sehstörungen bei Belastung bei Vitamin B6 Überdosierung. In der größten Datenbank für medizinische Artikel PubMed konnten bisher keine Beiträge zu “uhtoff” in Verbindung mit “vitamin b6” gefunden werden; ebenso nicht bei einer Google Recherche (Stand Januar 2020).

Für den Zusammenhang Sehstörungen bei körperlicher Belastung durch die Einnahme von Vitamin B6 liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine hohe Dunkelziffer vor. Dieses bedeutet, dass der Zusammenhang unterdiagnostiziert oder vereinfacht gesagt, einfach nicht erkannt wird. Das liegt vor allen Dingen daran, dass die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln von den Patienten bei der ärztlichen Befragung nicht angegeben bzw. von Ärztinnen und Ärzten neben den üblichen Medikamenten nicht systematisch abgefragt werden.

Kurzum, die gesundheitliche Bedeutung und damit auch der potentielle Schaden von Nahrungsergänzungsmittel werden, wenn sie unkontrolliert eingenommen werden, sowohl von Laien als auch von Ärztinnen und Ärzten im Allgemeinen unterschätzt. Wir sind zwar nur Kardiologen, d.h. keine Spezialisten für neurologische Störungen, aber auch wir hatten bei Mann I zunächst nicht auf die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln geachtet.

Nahrungsergänzungsmittel Vitamin B6 und Sehstörungen bei Belastung – richtig handeln

Auf der Grundlage der Fallbeschreibung besteht zwar keine absolute Sicherheit für den Zusammenhang zwischen der Einnahme von Vitamin B6 als Nahrungsergänzungsmittel und Sehstörungen bei Belastung, wir sehen die Wahrscheinlichkeit allerdings als so hoch an, dass wir auf diesen Zusammenhang hinweisen.

Grundsätzlich sollten Sie Nahrungsergänzungsmittel im Allgemeinen und Vitamin B6 im Speziellen nie über einen längeren Zeitraum, d.h. mehrere Wochen in hohen Dosen einnehmen. Optimal ist eine Steuerung über die jeweiligen Konzentrationen im Blut.

Falls Sie Sehstörungen unter Belastung haben, dann sollten Sie diese Zusammenhänge mit einem Neurologen bzw. Augenarzt besprechen. Eine vollständige fachärztliche neurologische und augenärztliche Untersuchung einschl. eines CTs bzw. eines MRTs des Gehirns muss zum Ausschluss anderer Ursachen immer durchgeführt werden.

Falls Sie im Vorfeld oder begleiteten mit den Symptomen Vitamin B6 über einen längeren Zeitraum eingenommen haben, dann sollten Sie dieses mit der Ärztin bzw. dem Arzt besprechen und Vitamin B6 absetzen.

Im Fall von Sehstörungen unter Belastung in Verbindung mit Vitamin B6 kann es wahrscheinlich Monate dauern bis diese nach Absetzen verschwinden. Sollten die Symptome 3-6 Monaten ohne zusätzliche Einnahme von Vitamin B6 unverändert fortbestehen, dann muss gegebenenfalls eine erneute vollständige Diagnostik erfolgen.

Literatur

Herzlichen Dank für die neurologische Expertise an Frau Dr. V.I. Leussink und Herrn Prof. M. Siebler

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Kreislaufschwäche – Muskeln häufig das Problem 

Im Körperkreislauf unterscheiden wir den arteriellen und den venösen Kreislauf. Der arterielle Kreislauf versorgt den Körper z.B. mit Sauerstoff, Blut fließt vom Herzen weg. Über den venösen Kreislauf kehrt Blut, z.B. mit weniger Sauerstoff zum Herz und zur Lunge zurück.

Der venöse Rückstrom zum Herz ist wesentlich komplexer als der arterielle Einstrom. Um zum Herzen zurückzufließen müssen verschiedenen Muskelpumpen ineinandergreifen. Wir unterscheiden die Bein-, Beckenboden, Körperstamm-, Zwerchfell- und die Herzmuskelpumpe. Kurzum, das was beim arteriellen Einstrom alleine durch Ihre linke Herzhauptkammer geleistet wird, das muss auf der rückkehrenden venösen Seite von verschiedenen Pumpen erledigt werden. Folglich ist der venöse Rückstrom auch störanfälliger.

Schwacher venöser Rückstroms – Ursachen und Folgen

Zu einer der häufigsten Ursachen eines gestörten Rückstroms gehört eine schwache Muskulatur vor allen Dingen des Beckenbodens, des Körperstamms und des Zwerchfells. Das Blut versackt im Körper, vornehmlich im Bereich der Beckenvenen. Wir nennen das in der Fachsprache “venöses Pooling”.

Durch ein zu geringes Angebot an venösem Blut an die rechten Herzkammern droht das Herz “leer” zu pumpen und damit die Minderversorgung Ihres Gehirns. Diese existentielle Bedrohung des Bewusstseins beantwortet Ihr Körper verständlicherweise mit einer Stressreaktion. Adrenalin-vermittelt pumpt das Herz jetzt schneller und kräftiger und Ihr Körper versucht die Blutgefäße enger zu stellen. So will der Körper erreichen, dass der Druck im System wieder steigt.

Diese Mechanismen erklären auch die Symptome eines zu geringen Rückstroms.

Symptome bei venösen Kreislaufstörungen

Die Symptome eines zu geringen Rückstroms von venösem Blut treten vor allen Dingen im Stehen, aber auch im Sitzen und bei langsamem Gehen auf. In diesen Körperpositionen muss das Blut ca. 4/7 Ihrer Körperlänge gegen die Schwerkraft zurücklegen.

Besonders gefährdete Menschen sind hier vor allen Dingen Frauen, die nicht regelmäßig trainieren, eine sitzende Tätigkeit ausüben, übergewichtig sind, ein breites Gesäß und damit ein großes Reservoir für ein venöses Pooling haben. Auch sehr schlanke eher muskelschwache Menschen können Probleme entwickeln. Bei ruhigem Stehen oder langsamem Gehen kann es zu kritischen Kreislaufsituationen kommen.

Folgende akuten Symptome können Sie auch an sich selber bemerken.

Kreislaufstörungen bei anderen Menschen erkennen – Schwanken, Zittern, Ohnmacht

Nun, Sie können Kreislaufstörungen nicht nur bei sich selber bemerken, sondern auch bei anderen Menschen erkennen. Es ist durchaus sinnvoll, wenn Sie solche Veränderungen bei Ihren Mitmenschen erkennen. Folglich können Sie die Betroffene oder den Betroffenen darauf hinweisen. So können dann Maßnahmen ergriffen werden, um mittelfristig einer Ohnmacht vorzubeugen.

Aufgrund unserer alltäglichen Anwendung der unblutigen Kreislaufmessung, haben wir in der Cardiopraxis hier auch messtechnische Erfahrungen und können diese Phänomene besser zuordnen.

Venöse Kreislaufstörungen – nicht lange stillstehen können

Vielleicht ist es Ihnen schon mal aufgefallen, es gibt Menschen, die können nicht lange stillstehen. Dabei ist es durchaus normal, dass jeder Mensch beim Stehen sich leicht hin und her bewegt, z.B. von einem Fuß auf den anderen tritt. Allerdings kennen Sie sicherlich auch solche, die sich bei einem Gespräch im Stehen sehr schnell das Bedürfnis haben sich zu setzen.

Die Tendenz sich rasch hinzusetzen ist eine instinktive Vorbeugungsmaßnahme, um Kreislaufstess im Stehen oder gar einen Ohnmachtsanfall zu vermeiden.

Venöse Kreislaufstörungen – kompensatorisches zirkulatorisches Schwanken

Vor allen Dingen bei älteren und sehr muskelschwachen Menschen können Sie beobachten, wie diese im Stehen hin und her schwanken. Hierbei handelt es sich um ein Ausgleichsverhalten. Dieses dient dazu über eine wechselnde Anspannung der Muskeln den venösen Rückstrom in den Beinen zu unterstützen und Symptome zu vermeiden. Wir nennen dieses Phänomen das “kompensatorische zirkulatorisches Schwanken“.

Venöse Kreislaufstörungen – kompensatorisches zirkulatorisches Muskelzittern 

In seltenen Fällen können Sie beobachten, dass ein Mensch ausschließlich im Stehen zittert. Die Neurologen nennen es “orthostatischer Tremor“. Da dieses Phänomen ausschließlich im Stehen auftritt und im Sitzen verschwindet, kann eine Störung des venösen Rückstroms angenommen werden. Wir können es auch “kompensatorisches zirkulatorisches Muskelzittern” nennen. Die Störung des venösen Rückstroms ist hier der Auslöser, was eine notwendige bzw. eine überschießenden Ausgleichsreaktion zur Folge hat.

Menschen mit einer besonders starken Störung des venösen Rückstroms sind hier besonders gefährdet, wenn Sie einer extremen Belastungssituation, z.B. längerem Stehen in der Sonne ausgesetzt sind. Kofaktoren, wie z.B. Magnesium, eine Entzündung oder auch bestimmte Medikamente, die allesamt einen gefäßerweiternden Einfluss auf die Venen haben, begünstigen diese kritische Kreislaufsituation. – Es droht ein Ohnmachtsanfall!

Nun versucht der Körper diesen drohenden Ohnmachtsanfall über einen besonders starke Adrenalin-vermittelte Aktivierung abzuwenden und den Kreislauf aufrecht zu erhalten.  Folglich setzt ein Muskelzittern ein, welches funktionell betrachtet auch die Muskulatur des Körperstamms betrifft und so den venösen Rückfluss kompensatorisch aufrechterhält.

Sie können das “kompensatorische zirkulatorische Muskelzittern” als Betrachter ganz deutlich selber sehen, der betroffene Mensch zittert in der Tat am ganzen Leibe. Im Gegensatz zur üblichen Benommenheit bis hin zur Ohnmacht bei den üblichen Kreislaufstörungen, bleibt der Mensch bei “kompensatorischem zirkulatorischem Muskelzittern” wach und bewusst. Das liegt wahrscheinlich an der sehr hohen Ausschüttung von Adrenalin.

Kompensatorisches Muskelzittern und orthostischer Tremor

Die Neurologen nennen dieses Phänomen des Zitterns im Stehen beschreibend einen “orthostatischer Tremor“, welcher eine sehr hohe Schlagfrequenz von 13-18 Aktionen pro Sekunde hat. Inwieweit es sich hier um eine Verstärkung des normalen und üblicherweise nicht sichtbaren physiologischen Tremors mit ca. 7 Aktionen pro Sekunde handelt ist nicht klar.

Klar ist allerdings, dass das kompensatorische zirkulatorische Zittern bzw. der orthostatische Tremor immer im Stehen auftritt und im Sitzen verschwindet. Von Seiten der Kreislaufmedizin gesehen betrachten wir dieses Phänomen daher eher funktionell bezogen auf die Auslösesituation bzw. eine ursächliche Kreislaufstörung.

Die neurologische Betrachtungsweise führt in der Regel zu einem rein symptomatischen und medikamentöse Therapieansatz, z.B. mit Benzodiazepinen oder Gabapentin. Der kreislaufmedizinische Ansatz hingegen zielt mit einer Stärkung der Muskulatur ursächlich auf die therapeutische Normalisierung des venösen Rückflusses ab.

Sei es, dass es sich um eine primär neurologische Störung Signalverarbeitung oder um eine primäre Kreislaufstörung handelt, eine Normalisierung des venösen Rückstroms, z.B. durch physiotherapeutisch angeleitetes Beckenboden-Training muss hier immer Teil des Behandlungskonzeptes sein, langfristig ist gutes Yoga therapeutisch.

Kreislaufstörungen – rationale Diagnostik und Therapie

Bemerken Sie bei sich oder anderen Menschen Symptome eines gestörten Kreislaufs, dann ist immer auch ein Besuch bei einer Kreislaufspezialistin bzw. bei einem -spezialisten sinnvoll. Hier sollten Ihr Herz sowie der venöse als auch der arterielle Kreislauf differenziert untersucht werden. Die unblutige Kreislaufmessung mit dem Finapres-System kann hier wertvolle Hinweise geben. Auch die Einnahme von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln muss im Hinblick auf ihre Kreislaufwirkung kritisch hinterfragt werden.

Auf der Grundlage von rationalen Messdaten kann so ein Therapiekonzept erarbeitet werden. Dieses zielt auf die Stärkung der Muskulatur der Beine, des Beckenbodens, des Körperstamms und des Zwerchfells und damit auf Behebung der Ursachen der Kreislaufstörungen ab.

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Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Winterblues und Winterdepression – Vitamin D relevant?!!

Beim Winterblues bzw. der Winterdepression sind die emotionale Stimmung sowie die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit reduziert. Bis zu 25% der Menschen sind betroffen. Der entscheidende Faktor ist die Verringerung von Tageslicht im Winter. Entsprechend ist eine Lichttherapie mit einer Tageslichtlampe die beste Therapie.

Von der Behandlung von nicht-saisonalen Depressionen ist bekannt, dass der Ausgleich eines Vitamin D Mangels bei leichten bis mittelschweren Formen die Symptomatik verringern kann. Dabei ist der therapeutische Erfolg durchaus vergleichbar mit der Wirkung von Antidepressiva.

Folglich sollten Sie gerade bei Winterblues bzw. Winterdepression die Möglichkeit der Vitamin D Behandlung überprüfen.

Vitamin D – wichtig für die Bildung von Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin, Thyroxin

Für die Bildung der Vitalitätshormone Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin und Thyroxin ist das Enzym Thyroxin-Hydroxylase von entscheidender Bedeutung. Sie bildet aus der Aminosäure Tyrosin, die wir mit der Nahrung aufnehmen, den Stoff L-Dopa aus dem dann die genannten Hormone synthetisiert werden.

Die Bedeutung der Vitalitätshormone für den Stoffwechsel, eine gute Stimmung sowie die körperliche als auch geistige Leistungsfähigkeit ist sehr gut in der Literatur belegt. Die stimmungsaufhellende Wirkung z.B. von Noradrenalin ist therapeutisches Prinzip bei der Behandlung mit den antidepressive wirksamen sog. Noradrenalin Re-uptake Hemmern.

Durch Vitamin D wird bewirkt, dass die Tyrosin-Hydroxylase von Ihren Genen vermehrt gebildet wird, was wiederum dann eine Steigerung der Vitalitätshormone zur Folge hat. Ein deutlicher Mangel an Vitamin D kann die Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigen.

Vitamin D-Bildung benötigt optimale Bedingungen

Vitamin D ist im strengen Sinne der Definition eines Vitamins kein Vitamin, weil der menschliche Körper Vitamin D in der Haut selber herstellen kann. Dazu benötigt Ihr Köper allerdings Tageslicht, so dass der Faktor Licht das eigentliche “Vitamin” ist. Für die Vitamin D Bildung ist der UV-B-Anteil entscheidend, so dass Tageslicht gefiltert durch Fensterscheiben oder Sonnenschutzcreme nicht wirksam ist.

Bei optimalen Tageslichtverhältnissen genügt die tägliche Exposition von Gesicht, Händen und Unterarmen über 15 Minuten, um eine ausreichende Menge an Vitamin D zu bilden. Allerdings gehört zu den optimalen Bedingungen hier neben der Hautbeschaffenheit, dem wolkenfreien, klaren Himmel ohne Partikelverschmutzung der Luft auch der Einfallswinkel des Lichts.

Vitamin D Bildung – ab Herbst sicher zu wenig Licht ab dem 51. Breitengrad

Dieser ändert sich im Lauf des Jahres desto mehr je weiter wir vom Äquator entfernt leben. Während am Äquator der Lichteinfall der Sonne gleichbleibend steil ist, wird er zwischen 21. Juni, der Sommersonnenwende und dem 21. Dezember immer flacher, was eine abnehmende Lichtintensität zur Folge hat. Folglich nimmt auch die Vitamin D Produktion in Ihrer Haut immer mehr ab.

Dieser Effekt kann so ausgeprägt sein, dass wir beginnend im Herbst bis zum Frühjahr ab dem 51. Breitengrad trotz ausreichender Tageslichtexposition gar kein Vitamin D mehr bilden können, Dieses Phänomen wird auch “Vitamin D-Winter” genannt.

Hauttyp und Vitamin D Bildung

Je heller der Hauttyp, desto leichter bildet Ihr Körper Vitamin D.

Evolutionsbiologisch kommen wir aus Afrika und unserer Vorfahren haben alleine 4,2 Millionen Jahre lang in Zentralafrika nahe am Äquator gewohnt. Wir können davon ausgehen, dass sie eine dunkle Hautfarbe wie die heutigen Afrikaner hatten.

Erst mit der Ausbreitung Homo sapiens nach Norden über die Grenzen Afrikas hinaus entwickelte der Mensch im Laufe der Evolution eine hellere Hautfarbe. Dieses kann als Anpassung an die verringerte vertikale Lichteinstrahlung und damit einer Optimierung der Vitamin D Synthese in nördlicheren Breitengraden interpretiert werden.

Auf der anderen Seite ist es so, dass eine dunkle Haut vor zu viel Vitamin D Bildung, z.B. am Äquator schützt. Wenn dunkelhäutige Menschen allerdings weit vom Äquator entfernt leben, sei es in nördlicher aber auch in südlicher Richtung, dann sind sie für einen Vitamin D Mangel besonders gefährdet.

Winterblues – Vitamin B6, Vitamin B12, Eisen

Auch andere Mikronährstoffe können eine Bedeutung für Stoffwechsel und Leistungsfähigkeit haben. Hierzu zählen vor allen Dingen Vitamin B6, B12 und Eisen. Eisen ist z.B. ein wichtiger Co-Faktor der Tyrosin-Hydroxylase, d.h. Eisenmangel vemindert die Aktivität der Tyrosin-Hydroxylase.

Gerade Frauen mit einem regelmäßigen Zyklus können durch die Regelblutung einen schleichenden Eisenmangel entwickeln. Vegetarier, Veganer und ältere Menschen, die wenig oder gar kein Fleisch essen haben häufig einen Mangel an Vitamin B12 und Eisen. Folglich sollten folgende Werte bei Winterblues bzw. Winterblues mittels Labortest bestimmt werden.

  • Vitamin D
  • Blutbild
  • Eisen, Transferrin, Transferrin-Sättigung, Ferritin
  • Vitamin B6
  • Vitamin 12

 Winterblues bzw. Winterdepression – Vitamin D substituieren

Deutschland liegt zwischen dem 47. und 54. Breitengrad, so dass hier das Risiko eines Vitamin D Mangels erhöht ist. Daher macht gerade in diesen Breitengraden eine zielgerichtete Substitution von Vitamin D bei Menschen mit Winterblues bzw. Winterdepression Sinn. Dieses führt zu einer Verbesserung der Stimmung und der Leistungsfähigkeit.

Die Substitution der oben genannten Mikronährstoffe sollte aus unserer Sicht Messwert-gesteuert sein. Einer unkontrollierten Einnahme stehen wir in der Cardiopraxis skeptisch gegenüber, nicht zuletzt, um sinnlose Behandlungen bzw. eine Überdosierung zu vermeiden.

Wir empfehlen eine Laboruntersuchung, z.B. im November und im Januar. Liegt der Vitamin D Spiegel bei 80% des unteren Grenzwertes, d.h. z.B. bei unter 20 ng/ml (UGW 30 ng/ml), dann ist auf jeden eine medikamentöse Substitution angezeigt. Dabei streben wir therapeutische Werte von 130% des UGW, also ca. 40 ng/ml an.

Menschen unter 65 Jahre sollten 20.000 IE Vitamin D ein bis 1xin der Woche zusätzlich einnehmen, Menschen über 65 Jahre eine Menge von 1.000 IE Vitamin D 1x täglich. Nach 4 bis 6 Wochen werden die Werte erneut überprüft.  In den Sommermonaten können dann eventuell eine Pause machen oder die Dosis reduzieren.

Eine Überdosierung sollten Sie vermeiden, denn es können Nebenwirkungen wie Hitzegefühl, Unruhegefühl, Schlafstörungen und Herz-Kreislaufstörungen auftreten.

…zum Start Selbsthilfekurs “Winterblues”

Fallbericht zu schwerem Vitamin D Mangel

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Magnesium – ein lukrativer Markt

Der Handel mit Nahrungsergänzungsmittel ist ein wachsender Markt, der pro Jahr über 1,1 Milliarden Euro pro Jahr alleine in Deutschland umgesetzt. Nahrungsergänzungsmittel werden über verschiedene Vertriebskanäle angeboten. An der Spitze steht der  Lebensmitteleinzelhandel, einschließlich Discounter mit 37,5% gefolgt von Drogeriemärkten mit 32,4 %, Apotheken mit 23,4% und Versandapotheken mit 6,7%, dabei  ist der Direktversand über das Internet nicht erfasst (Quelle: INSIGHT Health).

Magnesium – meist verkaufter Mineralstoff

Insgesamt ist Magnesium ist neben Vitamin C das beliebteste Nahrungsergänzungsmittel und als Mineralstoff der Spitzenreiter, weit vor z.B. Kalzium, Zink und Kalium. Alleine 2016 wurde Magnesium als Einzelmineralstoff in Deutschland über 41,6 Millionen verkauft (Quelle: INSIGHT Health). Imm Gegensatz zu Großbritannien ist es  in Deutschland frei verkäuflich und kann von den Kunden in allen Dosierungen und Packungsgrößen unkontrolliert erworben werden.

Neben den gut platzierten Angeboten in Geschäften und Apotheken wird Magnesium auch stark in Print-Publikationen sowie im Internet beworben. Sie kommen als Konsument also kaum an diesem Nahrungsergänzungsmittel vorbei. Der Käufer lebt in dem Glauben: Magnesium ist immer gesund, je mehr desto besser.

Für den Konsumenten ist  die kontrollierte Einnahme von Magnesium darüber hinaus noch erschwert, weil Magnesium nicht nur als Einzelsubstanz verkauft wird, sondern auch in vielen Kombinationspräparaten enthalten ist, z.B. in Korallenpräparaten und weiteren zahlreichen sog. Mikronährstoffmischungen.

Kurzum Magnesium ist in Deutschland sehr beliebtes Nahrungsergänzungsmittel und wird gerne in der Selbstmedikation eingesetzt, kaum einer der es noch nicht genommen hat. Dabei sind die Gründe für die Einnahme häufig eher diffus und reichen von “ich habe Muskelkrämpfe” über “muss ja wohl gut sein” bis hin zu obskuren Krebstherapien.

Wirkung von Magnesium bei Muskelkrämpfen sehr fraglich

Bis auf den Einsatz in der Schwangerschaft gibt es im Übrigen für eine hilfreiche Wirkung von Magnesium bei Muskelkrämpfen trotz zahlreicher Studien keine wissenschaftlichen Belege.  Im Einzelfall kann es sicherlich helfen, man sollte als Betroffener die Wirkung aber immer kritisch hinterfragen. Gemäß unseren Erfahrungen in der Cardiopraxis hilft bei Muskelkrämpfen die Faszientherapie, z.B. mit einem Nudelholz.

Magnesium kann zu Symptomen der Überhitzung führen

Der Mineralstoff Magnesium ist an zahlreichen Stoffwechselprozessen beteiligt und aktiviert den Stoffwechsel. Das hat eine vermehrte Wärmebildung zur Folge und kann zu thermischem Stress führen.

Wir können in der Cardiopraxis die Aktivierung des Stoffwechsels indirekt über Steigerung des Blutflusses in der unblutige Blutflussmessung gut messen. So können wir einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Magnesium, Symptomen und Blutfluss feststellen und die Dosierung von Magnesium individuell anpassen.

Wir erleben so in der Cardiopraxis Woche-für-Woche Menschen bei denen die unkontrollierte Magnesium-Einnahme zu Nebenwirkungen geführt hat, zum Beispiel:

  • innere Unruhe
  • Gereiztheit bis hin zu Aggressivität
  • vermehrte Ängstlichkeit bis hin zu Panikattacken
  • Zittern
  • verringerte Toleranz von Wärme
  • vermehrtes Schwitzen
  • Ein- und Durchschlafstörungen
  • Benommenheit bis hin zu Ohnmachtsanfälle, auch mit Verletzungsfolge

Kontrollierte Einnahme von Magnesium ist wichtig

Kontrolliert eingesetzt kann Magnesium ein gesundes Nahrungsergänzungsmittel sein. Manchmal führen sogar Medikamente, sog. Mikronährstoffräuber dazu, dass Magnesium dem Körper fehlt.

In der Cardiopraxis setzen wir Magnesium, neben Kalium und Vitamin D vor allen Dingen zur Stoffwechselaktivierung bei Menschen mit Bluthochdruck und niedrigem Blutfluss erfolgreich ein. Dabei ist die unblutige Kreislaufmessung für uns eine wertvolle Hilfe.

Falls vom Arzt nicht anders verordnet, sollten Sie eine tägliche Magnesium-Zufuhr auf maximal 14 Tage beschränken. Bei einer dauerhaften Einnahme sollten es höchstens 3 Einheiten, zum Beispiel zu 300 mg, in der Woche, sein. Gerade wenn Sie Kombinationspräparate einnehmen, sollten Sie auf die Summe der täglich eingenommen Dosis von Magnesium achten.

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Eine Panikattacke ist eine übersteigerte Angstreaktion, die durch die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin vermittelt wird. Bestimmte Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel können Panikattacken auslösen und begünstigen.

Bei häufigen Anfällen sollte man deswegen seine Medikamente auf eine mögliche Überdosierung überprüfen. Dazu zählen Stoffwechselaktivatoren wie Schilddrüsenhormone, Magnesium oder Vitamin D, Kreislaufmedikamente, Prostatamittel, Haarwuchsmittel und Erektionsmittel. Auch Energy Drinks können Angst und Panikattacken auslösen

Übrigens: Ein frühes Symptom für Panikattacken können Unruhezustände sein.

……weiter im Selbsthilfekurs “Angst besser verstehen & beruhigen”

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Am Anfang der kardiologischen Diagnostik stehen immer das persönliche Arzt-Patienten-Gespräch und die körperliche Untersuchung des Herz-Kreislaufsystems. Das erlaubt erste objektivierende Hinweise auf eine kardio-zirkulatorische Erkrankung.

Gezielt werden dann apparative Untersuchungsmethoden (z. B. Langzeit-EKG, Echokardiografie) eingesetzt. Diese verschiedenen Wege müssen zum gleichen Ergebnis führen, damit die richtige Diagnose gestellt wird. Ist etwas unstimmig, muss die Diagnose nochmal neu überdacht werden.

Bei der klinischen Bewertung spielen folgende Faktoren eine Rolle:

  • Alter
  • Symptome
  • Vorgeschichte
  • Begleiterkrankungen
  • Medikation
  • körperliche Untersuchung

Typische Symptome für eine Erkrankung des Herz-Kreislaufsystems sind:

  • Luftnot und/oder Brustenge in Ruhe und/oder bei Belastung
  • Herzstolpern
  • Unruhegefühl, Schwitzen, Schlafstörungen
  • Müdigkeit, Leistungseinschränkung
  • Benommenheit, Ohnmacht
  • Beinödeme

Die Vorgeschichte eines Patienten/einer Patientin kann zudem Hinweise auf eine Verschlechterung geben. Begleitende Krankheiten wie zum Beispiel eine Lungenerkrankung haben ebenso Einfluss auf das Herz-Kreislaufsystem. Zur Diagnostik ist es auch wichtig für den Arzt/die Ärztin, alle aktuellen Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel zu kennen.

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In der Cardiopraxis haben wir viel Erfahrung damit, wie sich Ihr Lebensstil auf Ihren Blutdruck auswirken kann. Schon einige Verhaltensänderungen können dafür sorgen, dass der Bluthochdruck wieder sinkt, Medikamente können dadurch reduziert oder sogar komplett abgesetzt werden.

Orientiert an objektiven Kreislaufparametern geben wir folgende Empfehlungen, um den Stoffwechsel zu aktivieren:

  • Trinken Sie 30 bis 40 ml pro kg pro Tag!
  • Nehmen Sie Kalium und Magnesium ein (über Lebensmittel oder dosiert und vorübergehend über Nahrungsergänzungsmittel)!
  • Führen Sie Vitamin B und D zu!
  • Achten Sie auf salznormale Ernährung (5 g/Tag)!
  • Machen Sie regelmäßiges körperliches Training!

Um den Stoffwechsel zu beruhigen, sind folgende Maßnahmen empfehlenswert: Verzichten Sie auf Nikotin, mäßigen Sie Ihren Alkoholkonsum, reduzieren Sie Ihr Gewicht und bauen Sie Entspannungstechniken in Ihr Leben ein!

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Wir bitten unsere Patientinnen/Patienten immer, zu jedem Arztbesuch eine aktuelle Medikamentenliste mitzubringen. Denn Medikamente sind wichtige (und potenziell gefährliche) Werkzeuge. Sie haben Wirkungen und Nebenwirkungen und beeinflussen Diagnose- und Therapieverfahren.

Schreiben Sie Ihre Medikamente selbst vorab auf! Sie kennen sie am besten. Am besten tragen Sie diese Medikamentenliste immer bei sich, das machen die meisten Patienten. Auf der Liste sollten vermerkt sein:

  • der genaue Name eines Medikaments
  • die Konzentration des Medikaments, z. B. in mg
  • der Zeitpunkt der Einnahme, z. B. morgens, mittags, abends, zur Nacht

Geben Sie auch Nahrungsergänzungsmittel an! Denn diese verändern häufig Ihren Stoffwechsel und wirken somit auf Ihren Kreislauf.

Kurzum: Wenn wir Ihre aktuellen Medikamente nicht kennen, dann können wir Ihnen nicht richtig helfen; eventuell gefährden wir Sie sogar durch falsche Entscheidungen. Also helfen Sie uns, damit wir Ihnen helfen können!

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