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Wenn sich die Herzklappe wölbt

Ein Mitralklappenprolaps ist eine Verwölbung der Herzklappe zwischen linker Vor- und Hauptkammer. Dahinter steckt eine Bindegewebsstörung, es handelt sich nicht um einen Herzklappenfehler. Geschätzt 4 bis 7 Prozent der Bevölkerung, darunter mehr Frauen, haben dieses angeborene Phänomen.

In den meisten Fällen verursacht ein Mitralklappenprolaps keine Symptome und wird durch Zufall entdeckt. Seltener geht er mit einem unspezifischen Druckgefühl im Brustkorb, harmlosen Rhythmusstörungen oder Luftnot einher. In etwa 3 Prozent aller Fälle tritt allerdings eine Undichtigkeit, eine sogenannte Mitralklappeninsuffizienz, auf. Dadurch kann es zu einem Sehnenfadenabriss an der Mitralklappe, Stauungen in der Lunge, Herzschwäche und einem allgemeinen Leistungsknick kommen.

Auch bei hochgradiger Undichtigkeit ist allerdings eine Rekonstruktion möglich, ohne die Herzklappe ersetzen zu müssen. Untersucht wird ein Mitralklappenprolaps mittels Herzultraschall (Echokardiografie) und Abhören, eine Kontrolle alle 2 bis 5 Jahre wird empfohlen.

 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Herzklappenfehler ausgleichen ohne Symptome

Die Funktion einer Herzklappe kann grundsätzlich auf zwei verschiedene Weisen gestört sein: Bei einer Klappen-Insuffizienz (Undichtigkeit) schließt die Herzklappe nicht richtig und ein Teil des Blutes fließt in die vorgeschaltete Herzkammer zurück. Dadurch vergrößert sich deren Füllungsvolumen und langfristig auch die Herzkammer – eine Herzschwäche kann die Folge sein.

Bei einer Klappen-Stenose (Verengung) passiert das Gegenteil: Die Herzklappe öffnet sich nicht komplett, sodass der Blutfluss behindert wird. Mit erhöhtem Druck versucht die Herzkammer, das Blut durch die verengte Klappe zu pressen. Mögliche Konsequenz dieser Belastung: eine Verdickung der Herzwand. Um sein Ziel – die Aufrechterhaltung von Blutdruck und richtigem Blutvolumen im Zeitverlauf – zu erfüllen, reagiert der menschliche Körper sehr individuell auf diese Herausforderungen.

Im Idealfall kompensiert er durch ausreichende Anpassungsvorgänge, ohne Symptome aufzuweisen. Ebenfalls symptomlos ist, wenn der Körper die Anpassung nicht schafft. Für ihn ist es in der Regel leichter, chronische als akute Herzklappenfehler auszugleichen. Sicher und zuverlässig beurteilen lässt sich der Zustand der Herzklappen mittels Herzultraschall (Echokardiografie).

 

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Die Therapie einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) verfolgt mehrere Ziele: Das Herz soll sowohl in Ruhe als auch bei Belastung optimal entlastet werden, ein adäquater Blutdruck und Blutfluss sollen aufrechterhalten werden und das Herz-Kreislaufsystem soll von körpereigenen potenziell schädlichen Druck-Ausgleich-Systemen abgeschirmt werden.

Um eine medikamentöse Behandlung optimal zu steuern, müssen ganz verschiedene hydraulische Größen erfasst werden – und zwar nicht-invasiv: etwa die Gefäßfüllung per Ultraschall, der Druck in der Lungenstrombahn und im linken Herz per Doppleruntersuchung, die Sog- und Pumpkraft des Herzens per Gewebedoppler und Echokardiografie, Herzfrequenz und Blutdruck sowie Herzzeitvolumen und Gefäßwiderstand per Photoplethysmografie mit der Finapres®-Methode, dem Goldstandard der nicht-invasiven Kreislaufmessung.

In der Cardiopraxis führen wir jährlich über 2.000 Untersuchungen mit dem Finapres®-System durch – laut Hersteller sind wir damit weltweit führend.

 

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Der Herzultraschall (= Echokardiografie) ist neben dem EKG ein sehr wichtiges Instrument zur Diagnose von Herzerkrankungen.

Die strahlen- und schmerzfreie Echokardiografie kann das Herz in seiner Struktur und Funktion darstellen. Die 3-dimensionale Struktur wird dabei 2-dimensional abgebildet, daher sind verschiedene Projektionen Einstellungen des Schallkopfes erforderlich, damit wir alle Strukturen vollständig erfassen können.  Während der 5 bis 10-minütigen Untersuchung setzt der Arzt/die Ärztin den Schallkopf an verschiedenen Stellen des Oberkörpers auf.

In der Struktur und Funktion darstellen lassen sich:

• die 4 Herzkammern
• die 4 Herzklappen
• die herznahen Arterien und Venen
• der Herzbeutel

Die Struktur der Herzkranzgefäße ist so nicht darstellbar, indirekt kann aber ihre Funktion durch Wandbewegungsstörungen visualisiert werden.

Folgende Dinge kann der Arzt/die Ärztin mit der Echokardiografie feststellen:

• Wie sieht die Herzkammer hinsichtlich Größe, Funktion und Beschaffenheit aus?
• Sind die Herzklappen undicht, zu eng oder entzündet?
• Gibt es in der herznahen Aorta ein Aneurysma?
• Ist der Druck in der Lungenstrombahn erhöht?
• Ist die untere Hohlvene überlastet? Herrscht Flüssigkeitsmangel?
• Ist der Herzbeutel entzündet oder hat er einen Erguss?

Das Herz ist nicht nur eine Druck, sondern auch eine Saugpumpe: Während sich die Hauptkammern entleeren, also pumpen, füllen sich gleichzeitig die Herzvorkammern. Dieses ist dadurch möglich, dass die Herzhauptkammern sich während sie pumpen herzspitzenwärts bewegen, ähnlich wie bei einer Melkbewegung. So wird ein Sog in den vorgeschalteten Herzvorkammern, was diese wiederum füllt.

Besonders in der Cardiopraxis ist, dass wir die Sogkraft der linken und  der rechten Herzhauptkammer mit messen, was sonst in der gewöhnlichen Praxis vernachlässigt wird. Dieses Vorgehen ist ein wichtiger Bestandteil der wissenschaftlich-ganzheitlichen Kreislaufmessung, z.B. bei der  Diagnose und Behandlung von Benommenheit und des Bluthochdrucks. Die Sogkraft wird im sog. Tissue-Doppler über die Herzspitzenwärtsbewegung der Hauptkammern direkt erfasst. Diese Parameter erlauben uns z.B. wertvolle Rückschlüsse auf die Interaktion zwischen vegetativem Nervensystem und Herz sowie auf Nebenwirkungen von Herzoperationen und Medikamenten. In letzterem Fall ist es für uns immer wieder faszinierend zu sehen, wie fein sich mithilfe dieser Parameter die Betablockertherapie ausbalancieren lässt. So können Nebenwirkungen, wie Müdigkeit und Einschränkungen der Leistungsfähigkeit sicher vermieden werden.

 

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Am Anfang der kardiologischen Diagnostik stehen immer das persönliche Arzt-Patienten-Gespräch und die körperliche Untersuchung des Herz-Kreislaufsystems. Das erlaubt erste objektivierende Hinweise auf eine kardio-zirkulatorische Erkrankung.

Gezielt werden dann apparative Untersuchungsmethoden (z. B. Langzeit-EKG, Echokardiografie) eingesetzt. Diese verschiedenen Wege müssen zum gleichen Ergebnis führen, damit die richtige Diagnose gestellt wird. Ist etwas unstimmig, muss die Diagnose nochmal neu überdacht werden.

Bei der klinischen Bewertung spielen folgende Faktoren eine Rolle:

  • Alter
  • Symptome
  • Vorgeschichte
  • Begleiterkrankungen
  • Medikation
  • körperliche Untersuchung

Typische Symptome für eine Erkrankung des Herz-Kreislaufsystems sind:

  • Luftnot und/oder Brustenge in Ruhe und/oder bei Belastung
  • Herzstolpern
  • Unruhegefühl, Schwitzen, Schlafstörungen
  • Müdigkeit, Leistungseinschränkung
  • Benommenheit, Ohnmacht
  • Beinödeme

Die Vorgeschichte eines Patienten/einer Patientin kann zudem Hinweise auf eine Verschlechterung geben. Begleitende Krankheiten wie zum Beispiel eine Lungenerkrankung haben ebenso Einfluss auf das Herz-Kreislaufsystem. Zur Diagnostik ist es auch wichtig für den Arzt/die Ärztin, alle aktuellen Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel zu kennen.

 

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Bei der Untersuchung des Herz-Kreislaufsystems müssen alle Befunde – vom EKG über die Echokardiografie bis zum Herzkatheter – übereinstimmen, um eine Diagnose richtig zu stellen. Das Stethoskop bleibt dabei ein unverzichtbares Instrument.

Mit dem Stethoskop können insbesondere Herzklappenfehler oft sehr sicher zugeordnet werden, auch in ihrem Schweregrad. Töne und Geräusche des Herzens sind häufig atemabhängig. Übrigens ist das Stethoskop ziemlich genau: Die Trennschärfe des menschlichen Ohres beträgt zum Beispiel für die Wahrnehmung zweier Töne ca. 60 Millisekunden.

Als Kardiologe muss man wissen, was man hören kann: Das heißt, man muss die möglichen Kreislaufveränderungen auch theoretisch gelernt haben. Ein hervorragendes Buch ist dafür „Bedside Cardiology“ von Jules Constant.

 

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