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Übergewicht & Bluthochdruck – Ursache Körpertemperatur – Video

Übergewicht, Körpertemperatur und Bluthochdruck stehen in einem engen Zusammenhang. Zahlreiche große klinisch-wissenschaftliche Studien haben zu der gesicherten Erkenntnis geführt: Übergewicht, und vor allen Dingen das Bauchfett, erhöht das Risiko für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt und Sterblichkeit. Übergewicht hat auch unmittelbar symptomatische Folgen, insbesondere Belastungsluftnot und Bluthochdruck. Aber woran liegt das eigentlich und was hat das mit dem Kreislauf zu tun?

Besonders wichtig beim Zusammenhang Übergewicht und Herz-Kreislaufsymptome finden wir die folgenden 3 Mechanismen:

  • Temperaturisolierung
  • Entzündung
  • Hormonbildung

Alle 3 Faktoren wirken zusammen und haben einen Einfluss auf die Regulation Ihrer Körpertemperatur und damit auch auf den Kreislauf.

Übergewicht, Körpertemperatur - Ursache für Bluthochdruck

Regulation der Körpertemperatur – kurze Einführung

Für optimale biochemische Prozesse und folglich für eine gute körperliche und geistige Leistungsfähigkeit benötigt Ihr Körper eine stabile Körpertemperatur. Sie liegt bei den meisten Menschen um 36,5 0C und schwankt um ca. 0,3 0C nach oben und nach unten.

Liegt Ihre Körpertemperatur außerhalb Ihres individuellen Wohlfühlbereichs, dann muss Ihr Körper gegensteuern, um wieder in diese Temperaturzone zu gelangen. Die schnellste und für den Körper am feinsten regulierbare Stellgröße ist dabei die Durchblutung der Körperoberfläche.

Ist Ihrem Körper zu warm, dann STEIGERT er die Durchblutung. So wird mehr Wärme an die Körperoberfläche gebracht und kann dort abgestrahlt werden. Bezogen auf den Kreislauf nennen wir das einen HYPERdynamen oder auch einen Wärme-Dissipitations-Kreislauf. Dekompensiert das System, steigt die Körpertemperatur und Sie beginnen z.B. zu schwitzen.

Ist Ihrem Körper zu kalt, dann VERRINGERT er die Durchblutung. Folglich wird mehr Wärme im Körperkern gehalten. Bezogen auf den Kreislauf nennen wir das einen HYPOdynamen oder einen Wärme-Konservierungs-Kreislauf. Dekompensiert das System, dann schaltet Ihr Körper die Reservemechanismen zur Temperatursteigerung ein, wie z.B. das Kältezittern der Muskeln.

Zur wissenschaftlich-ganzheitlichen Bewertung des Herz-Kreislaufsystems setzen wir in der Cardiopraxis vor allen Dingen die unblutige Herz-Kreislaufmessung in Verbindung mit der Körpertemperaturmessung ein. So können wir auch den Einfluss von Übergewicht und Stoffwechsel auf den Kreislauf sehr differenziert erfassen.

Körperfett – wichtig für die Temperaturisolierung

Wenn wir uns Gedanken über die Bedeutung von Körperfett für das Herz-Kreislaufsystem machen, dann ist es naheliegend sich zu fragen: Welchen positiven Sinn hat Körperfett neben der Speicherung von Energie? Oder anders gesagt: Warum kann Fett für das Kreislaufsystem eigentlich sinnvoll sein?

In der Biologie ist Fett vor allen Dingen eine Isolationsschicht. Wir kennen es von Tieren, die in kalten Regionen leben oder sogar einen Winterschlaf halten. Bevor der Winter beginnt, fressen Sie sich Fett an. Damit beugen sie nicht nur dem Mangel an Futter in der kalten Jahreszeit vor, sondern schützen sich auch vor Kälte.

In der Natur gibt es nun eher Wärme-verlierende und Wärme-konservierende Lebewesen, wie z.B. die Maus oder im Gegensatz dazu den Elefanten. Bestimmt wird diese Einteilung durch das Verhältnis von Körpermasse, bzw. Gewicht zur Körperoberfläche: je größer die Körperoberfläche im Verhältnis zur Körpermasse, desto mehr Wärme wird pro Masse abgegeben und umso mehr muss ein Tier in Relation zu seinem Körpergewicht fressen, um den Wärmestoffwechsel aufrecht zu erhalten. In diesem Sinne ist die Maus mit 4,5 kg/m2 eher ein “Wärmeverlierer” und folglich der Elefant mit 190 kg/m2 eher ein “Wärmebewahrer”.

Übergewicht, Körpertemperatur - Ursache für Bluthochdruck

Körperfett – auch eine Isolationsschicht bei Menschen

Diese Mechanismen der Wärmekonservierung können wir auch beim Menschen beobachten. Bei ihm liegt das normale Massen-Oberflächenverhältnis zwischen 35-40 kg/m2 Körperoberfläche. Das entspricht einem Body-Mass-Index von 18,5-25 (kg/ (m x m Körperlänge)), welches auch ein indirektes, wenn auch ungenaueres Maß für das Massen-Oberflächenverhältnis des Menschen ist. Das Massen-Oberflächenverhältnis ist im Hinblick auf den individuellen Stoffwechsel beim Menschen sehr fein abgestimmt, so dass bereits relativ geringe Schwankungen sich im Kreislauf bemerkbar machen.

Körperfett – zu starke Temperaturisolierung steigert Blutdruck

Gerät das Gleichgewicht zwischen Körperisolierung und Wärmeproduktion durcheinander, z.B. durch zu viel Bauchfett bei gleichbleibender oder gesteigerter Stoffwechselleistung, dann wird dem Körper zu warm und er versucht dieses durch eine stärkere Wärmeabgabe auszugleichen. Und zwar zunächst durch eine Steigerung des Blutflusses, und in schwereren Fällen durch Schwitzen.

Bereits Schwitzen ist ein Ausdruck von thermischem Stress, welcher mit einer Adrenalin-vermittelten Stressreaktion verbunden ist. Dieses hat nicht nur Unruhe, sondern auch eine zusätzliche Steigerung von Herzfrequenz und Blutdruck, gerade im Sommer, zur Folge.

Ist der Blutdruck eine ganze Zeit lang zu hoch, dann tritt eine Sollwertverstellung im Regelkreis der Blutdruckregulation nach ober auf. Das bedeutet, dass der Körper sich an den hohen Blutdruck “gewöhnt” und versucht ihn fälschlicherweise auf einem höheren Niveau zu halten. Das wiederum kann die medikamentöse Blutdruckeinstellung erheblich erschweren, vor allen Dingen dann, wenn die ursprüngliche Ursache – das Übermaß an Körperfett – nicht reduziert wird.

Ist der Blutfluss bei Übergewichtigen normal, dann benötigen sie das Bauchfett für den Ausgleich einer zu geringen Stoffwechselleistung und damit einer zu geringen Wärmebildung.

Körperfett – Entzündung

Wir wissen sehr genau, dass im Körperfett verstärkt entzündliche Prozesse ablaufen. Diese werden nicht zuletzt durch die Ablagerung von toxischen Substanzen verursacht. Die lokale Entzündung im Fett setzt folglich Entzündungsmediatoren frei, die über die Blutbahn in den Körper gelangen können. Das geschieht vor allen Dingen dann, wenn das immunologisch wirksame Lymphsystem mit den Lymphknoten als Abwehrsystem überlastet ist. Die Entzündungsreaktion bei übergewichtigen Menschen können wir teilweise daran erkennen, dass Entzündungsmediatoren wie z.B. Interleukine und Entzündungsmarker wie das C-reaktive Protein (CRP) im Blut erhöht sind.

Vermehrte Entzündung im Körper bedeutet mehr Stoffwechselaktivität und damit auch mehr Wärmebildung. Überschüssige Wärme muss entsprechend der oben genannten Mechanismen abgegeben werden, so dass Ihr Körper in einem thermoregulatorischen Gleichgewicht bleibt. Die Verbindung aus vermehrter Wärmebildung durch Entzündung und weniger Wärmeabgabe durch übersteigerte thermische Isolierung sind mit hoher Wahrscheinlichkeit die entscheidenden Ursachen für thermischen Stress. Und damit auch für Bluthochdruck bei übergewichtigen Menschen.

Bauchfett – Hormonbildung von Östrogen

Im Körperfett werden verschiedene Hormone gebildet. Eine besondere Bedeutung für den Kreislauf hat hier die Bildung des hormonell aktiven Östrogens, des 17ß-Östradiols.

Während das im Blut gemessene 17ß-Östradiol bei der prämenopausalen Frau zu 95% in den Eierstöcken gebildet wird, wird es bei der post-menopausalen Frau zu ca. 100% außerhalb der Eierstöcke und beim Mann zu ca. 80% außerhalb der Hoden gebildet. Vorstufen des 17ß-Östradiols sind bei der post-menopausalen Frau und beim Mann dabei vor allen Dingen Testosteron und Androstendion.

Ein Hauptort bei der extragonadalen Bildung des 17ß-Östradiols, d.h. außerhalb der Eierstöcke bzw. der Hoden, ist das Bauchfett. Je mehr Bauchfett, desto mehr 17ß-Östradiol also.

Neben seinen bekannten Auswirkungen, z.B. auf das Fettverteilungsmuster (Hüfte, Brust), hat 17ß-Östradiol auch eine Wirkung auf das Herz-Kreislaufsystem. Wesentlich dabei sind die direkten Effekte auf die Blutgefäße und auf die Verstoffwechselung der aktivierenden Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin.

Östrogen – Wirkung auf Blutgefäße, Blutfluss und Blutdruck

Östrogen bewirkt zunächst einmal eine Weitstellung der Blutgefäße, was eine Senkung des Gefäßwiderstandes und damit eine Steigerung des Blutflusses nach sich zieht. Folglich sinkt der Blutdruck, während die Wärmeabgabe steigt. Frauen kennen diesen Effekt sehr gut. Vor der Menopause ist der Blutdruck gerade zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr sehr niedrig, was mit Herzrasen, Benommenheit und Ohnmachtsanfällen verbunden sein kann. Mit der Menopause treten häufig Schweißausbrüche auf, weil die Blutgefäße enger werden und Wärme so nicht mehr optimal abgeführt werden kann. Schwitzen stellt hier einen Reservemechanismus zur Temperaturabgabe dar. Ein Beleg dafür ist, dass mit der Gabe von Östrogenpräparaten diese Symptome wieder verschwinden.

Der Einfluss von zu viel Östrogen kann starke Blutdruckschwankungen zur Folge haben. Denn der Körper versucht immer wieder, einen latent niedrigen Blutdruck durch eine Adrenalin-vermittelte Aktivierung auszugleichen, um Ohnmachtsanfälle zu verhindern. Mit der Menopause ist der Mangel an Östrogen ein zusätzliches Risiko für einen erhöhten Blutdruck. Das liegt an einem gesteigerten Blutgefäßwiderstand und den unter anderem damit verbundenen thermischen Stress durch die höhere Körpertemperatur.

Östrogen – Wirkung auf aktivierende Neurotransmitter

Östrogen ist ein sehr starker epigenetischer Faktor bei der Modulation des vegetativen Nervensystems und damit auch bei der Steuerung von emotionalem Befinden und Kreislauffunktion. Epigenetisch bedeutet, dass Östrogen bestimmte Gene an- und ausschalten kann.

Östrogen hat so indirekt einen sehr stark hemmenden Effekt auf den Abbau der aktivierenden Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin, weil es die genetische Bildung der abbauenden Enzyme Catechol-O-Methyltransferase und Monoaminooxidase hemmt. Frauen vor der Menopause, die nicht die Pille nehmen, kennen das sehr gut aus der 1. Zyklushälfte vor dem Eisprung, wenn das Östrogen besonders hoch ist: Stimmung und Ausstrahlung sind in der Regel besser als in der 2. Zyklushälfte; Grund ist vor allen Dingen der verringerte Abbau des “Glückshormons” Dopamin.

Ein zu hohes Niveau an aktivierenden Neurotransmittern als Folge eines hohen absoluten bzw. relativen Östrogenspiegels kann vor allen Dingen zu Herzrasen und Blutdruckschwankungen führen. In der Cardiopraxis kennen wir das von Frauen vor der Menopause, von Frauen nach der Menopause mit übermäßiger Östrogensubstitution und von Männern mit nachlassenden Testosteronspiegeln ca. ab dem 40. Lebensjahr.

Gerade bei Männern verschiebt sich ab dem mittleren Lebensalter das Gleichgewicht von Testosteron zugunsten von Östrogen. Hinzu kommt, dass Testosteron genau den entgegengesetzten Effekt zu Östrogen hat, weil es die Bildung der abbauenden Enzyme COMT und MAO epigenetisch aktiviert. Und damit einen vermehrten Abbau von aktivierenden Neurotransmittern bewirkt.

Östrogen verstärkt über die Verringerung des Abbaus von aktivierenden Neurotransmittern auch die emotionale Schwingungsfähigkeit. Das kann wiederum mit Ängstlichkeit bis hin zu Panikattacken verbunden sein. Diese somato-psychischen Effekte verstärken dann die Symptome wie Herzrasen und Bluthochdruck.

Festzuhalten ist, dass wir diese Effekte im Alltag nicht nur von Frauen, sondern auch von Männern kennen; das Übergewicht ist hier ein wesentlicher Risikofaktor.

Gewichtsreduktion unterstützt die Normalisierung des Blutdrucks

Übergewichtige Menschen sollten sich spätestens ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30(kg/(m x m Körperlänge)) überlegen, ob Sie das Gewicht reduzieren wollen. Ab einem BMI von 30 kg/m2 sind sie sicher für das Auftreten von Herz-Krankheiten gefährdet.

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Menschen die Herz-Kreislaufeinstellung verbessert, z.B. durch Intervallfasten. Nicht nur der Blutdruck wird besser einstellbar, nicht selten verbunden mit weniger Medikamenten, sondern auch das Risiko für Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche und Frühsterblichkeit sinkt z.T. erheblich.

Gewichtsreduktion – auf Ihr Temperaturempfinden sollten Sie achten

Wir können diese positiven Wirkungen der Gewichtsreduktion im praktischen Alltag immer wieder nachvollziehen. Schon eine Gewichtsreduktion von 4-6 kg kann ein normales Gleichgewicht zwischen Wärmebildung und Wärmeabgabe wiederherstellen.

Allerdings sollten Sie bei der Gewichtsreduktion berücksichtigen, dass eine zu starke Reduktion der Wärmeisolierung in Relation zur Wärmebildung zu thermischem Kältestress führen kann. Das passiert durch Aktivierung der Ausgleichssysteme zur Wärmebildung. Diese sind ebenfalls wieder mit einer Adrenalin-vermittelten Aktivierung verbunden, was sich negativ auf das Herz-Kreislaufsystem auswirken kann.

Sie sollten bei der Gewichtsreduktion von einem vermehrten Wärmegefühl in die Temperaturindifferenz wechseln. Ihnen ist dann also weder leicht zu kalt noch zu warm. Wenn es Ihnen eher leicht zu kalt ist, dann müssen Sie bei der Gewichtsreduktion aufpassen. Spätestens bei vermehrtem Kältegefühl müssen Sie mit einer Aktivierung Ihres Stoffwechsels beginnen, am besten durch eine aktivere Alltagstätigkeit (z.B. zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Arbeit, mehr Stehen), regelmäßiges aerobes Training und Muskelaufbau.

Übrigens raten wir Menschen mit BMI Werten von über 30 kg/m2 in Verbindung mit einem vermehrten Wärmegefühl von exzessivem Sport gerade bei hohen Außentemperaturen ab. Denn dann kann der thermische Hitzestress zur gesundheitlichen Gefährdung führen. In diesem Fall halten wir es für sinnvoll, wenn Sie Gewicht erst einmal durch eine Normalisierung der Nahrungszufuhr, z.B. durch Intervallfasten, verringern.

 

Literatur

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

 

 

Hormone bei der Frau – wichtig für Herz und Kreislauf

Verschiedene Östrogene bei der Frau

Männer und Frauen unterscheiden sich. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen den Geschlechtern sind die Hormone. Besonders wichtig für die Frau sind die weiblichen Geschlechtshormone, die Östrogene: Östradiol, Östriol und Östron. Während der Geschlechtsreife bilden sich Östrogene in den Eierstöcken und zu einem geringen Teil auch in der Nebennierenrinde.

Östradiol ist das wirksamste Östrogen überhaupt. Somit bestimmt diese Hormon wesentlich den weiblichen Zyklus und die Geschlechtsreife. In der Schwangerschaft wird dann ein anderes Östrogen vermehrt gebildet, das Östriol. Nach den Wechseljahren, wenn die Bildung an Östradiol versiegt, tritt dann Östron in den Vordergrund, welches vor allen Dingen aus dem Fettgewebe kommt.

Östrogene auch beim Mann

Auch Männer produzieren im Hoden geringe Mengen an Östrogenen, ungefähr 10% der weiblichen Menge. Das im Hoden gebildete männliche Geschlechtshormon Testosteron wandelt sich als Vorläuferhormon im Fettgewebe in Östrogene um. Das bedeutet also für den Mann: Je mehr Fettgewebe er hat, desto mehr weibliche Geschlechtshormone produziert er.

Östrogene und die vielfältige Wirkung auf Organsysteme

Zuallererst zu nennen ist, dass Östrogene selbstverständlich sehr wichtig für die Ausbildung der weiblichen Geschlechtsorgane sind. Im weiblichen Zyklus steuert Östradiol dann die Bildung der Gebärmutterschleimhaut, die Eireifung im Eierstock und den Eisprung.

Östrogene sorgen erfreulicherweise für eine geringere Talgproduktion: Das hat eine schöne reinere Haut zur Folge und auch die Spannkraft durch Kollagenbildung steigt. Östrogene stellen ebenso eine gesunde Knochendichte und damit sogar die Stabilität ihrer Knochen sicher, indem sie knochenabbauende Zellen hemmen und die Kalziumaufnahme über den Magen-Darm-Trakt fördern.

Die Blutgerinnung ist ein weiterer wichtiger Angriffspunkt der Östrogene. Hier erhöht sich die Synthese von Gerinnungsfaktoren, so dass durch Östrogene durchaus eine erhöhte Thromboseneigung bestehen kann. Das äußert sich vor allem bei hoher Dosis oraler synthetischer Östrogene, wie wir sie von der sog. Pille kennen.

Erfahrene Frauenmedizinerinnen und Frauenmediziner wissen: Östrogene haben eine positive Wirkung auf die Stimmung. Sie wirken anregend durch eine Verminderung der Botenstoffe wie Gamma-Amino-Buttersäure (GABA), auf der anderen Seite fördern sie die Aktivierung von Serotonin und Dopamin, den typischen Glückshormonen.

Östrogene – Gefäßprotektion und Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Östrogene haben einen positiven Effekt auf den Kohlenhydratstoffwechsel – das ist ein wichtiger Schutz vor Diabetes. So verringern Östrogene, dass Glucagon aus Pankreaszellen freigesetzt wird. Dadurch kann der Blutzuckerspiegel nicht so stark steigen. Außerdem werden im Darm die GLP-1-Zellen stimuliert, was wiederum vermehrt Insulin freisetzt und Glucagon hemmt. Kurzum, Östrogene halten den Blutzuckerspiegel niedrig, was wiederum die Arterien vor Verkalkungen schützt.

Von ganz besonderer Bedeutung in der Herzkreislauf-Medizin sind weitere Blutgefäß-schützende Effekte des Östrogens. Östrogen senkt das Cholesterin durch Hochregulation der LDL-Rezeptoren in der Leber: Cholesterin wird so schneller abgebaut und das schützende HDL-Cholesterin vermehrt gebildet.

Östrogen sorgt sogar dafür, dass sich Ihre Blutgefäße mehr entspannen und so mehr Blut fließt. Das geschieht durch die Freisetzung von Stickstoffmonoxid und eine Hemmung des Kalziumeinstroms in die Zellen. Der Effekt ist so ausgeprägt, dass bei einer Kombination aus blutdrucksenkenden Kalziumantagonisten, z.B. Lercanidipin, Amlodipin und Östrogenpräparaten, Vorsicht geboten ist, weil starke Blutdruckabfälle vorkommen können.

Folglich ist es so, dass Frauen vor der Menopause um das 50. Lebensjahr ein deutlich geringeres Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen haben als Männer in diesem Lebensalter. Das gilt auch für den Herzinfarkt. Allerdings gleichen sich die Risiken zwischen beiden Geschlechtern 5-10 Jahre nach der Menopause wieder an.

Hormonersatztherapie – Trendwende bei der Behandlung

Frauen mit einer sehr frühen Menopause (<45 Jahre) haben ein deutlich erhöhtes Risiko für eine koronare Herzkrankheit, es steigt um 50%. Tödliche Herzinfarkte treten 11% häufiger auf. Fachgesellschaften empfehlen in diesen Fällen eine Hormonersatztherapie bis zum mittleren Menopausen-Alter von 50-51 Jahren. Das gilt unabhängig von Beschwerden und hat das Ziel Langzeitschäden zu vermeiden.

Die Hormonersatztherapie wird auch bei Frauen mit sogenannten klimakterischen Beschwerden empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie rät hier eine frühe Hormonersatztherapie bei Wechseljahresbeschwerden vor dem 60. Lebensjahr.

Grundsätzlich gilt, dass kein erhöhtes Brustkrebsrisiko bei einer Hormonersatztherapie besteht. Allerdings gibt es durchaus Faktoren, die das Risiko erhöhen können:

  • Lebensalter
  • Dauer und Dosierung der Hormontherapie
  • körperliche Aktivität
  • Gewicht
  • genetische Faktoren (familiäre Belastung)

Bei Risikofaktoren besteht ein erhöhtes Risiko bei länger als 5-jähriger Behandlungsdauer mit einer Östrogen-Gestagen Kombination, mit zusätzlich 2-3 Brustkrebsfällen pro 1000 Frauen.

Gestagene, dazu zählt Progesteron, schützen vor Wachstum der Gebärmutterschleimhaut. Dadurch wird die Häufigkeit  des Endometriumkarzinoms verringert. Frauen, denen die Gebärmutter entfernt wurde, sollten Östrogen-Monopräparate erhalten.

Immer zu bedenken ist, dass bei der Einnahme einer Hormonersatztherapie ein erhöhtes Thromboserisiko besteht. Denn Östrogene werden in der Leber verstoffwechselt und aktivieren hier die Gerinnungsfaktoren. Allerdings besteht kein erhöhtes Thromboserisiko, wenn man Östrogengel auf der Haut aufträgt.

Kurzum, nach aktueller Datenlage hat die frühe Hormontherapie bei klimakterischen Beschwerden eher Vorteile. Einher geht das mit einer Reduktion von Stoffwechselstörungen wie Diabetes und einem verringerten Herzkreislaufrisiko.

 

 

 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Eine Übertherapie mit dem Schilddrüsenhormon L-Thyroxin kann man bei etwa 1 bis 2 Prozent aller Patientinnen und Patienten in einer kardiologischen Praxis beobachten. Die Folge ist ein gesteigerter Stoffwechsel, der mit einer höheren Körpertemperatur, thermischem Stress und einer Erweiterung der Gefäße einhergeht.

Bemerkbar macht sich das zum Beispiel durch Unruhe, Angst, Schlafstörungen, Blutdruckschwankungen, Herzrasen oder Rhythmusstörungen. Ein 5-fach höheres Auftreten von Vorhofflimmern und eine Zunahme der Sterblichkeit um mehr als das Doppelte sind ebenfalls angezeigt. Ein Grund dafür ist, dass Therapien fast nur auf Basis von Laborwerten, wie etwa dem TSH-Wert, gesteuert werden. Dabei gibt es noch weitere wichtige Steuerungsgrößen, die berücksichtigt werden sollten – eben Blutfluss, Körpertemperatur, Blutdruck und Herzfrequenz.

Noch etwas Wichtiges in puncto Schilddrüsenhormontherapie: Ihr Nutzen zur Unterdrückung von gutartigen Schilddrüsenknoten darf angezweifelt werden; zur Behandlung von Schilddrüsenkarzinom werden dagegen hohe Dosen von sogenannten T3- oder T4-Medikamenten eingesetzt.

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


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Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Der Sinusknoten ist der Taktgeber des Herz-Kreislaufsystems. Den normalen Herzrhythmus bezeichnet man deswegen auch als Sinusrhythmus.

Am Dach der rechten Vorkammer befindet sich der Sinusknoten und gibt von dort aus elektrische Impulse ab: Die Erregung breitet sich über die Vorkammern und den AV-Knoten auf die Hauptkammern aus, schließlich folgt der mechanische Herzschlag.

Je nach Situation ist die Sinusknotenfrequenz unterschiedlich: In Ruhe liegt sie zwischen 50 und 100 bpm, bei Hochleistung bei bis zu 200 bpm.

Einen Einfluss auf den Sinusknoten haben

  • das autonome Nervensystem
  • zirkulierende Hormone
  • Medikamente (z.B. ß-Blocker)

Folgende Krankheiten können auftreten:

  • Die Sinusknotenfrequenz ist allgemein zu langsam
  • Der Sinusknoten fällt aus
  • Die Sinusknotenfrequenz ist bedarfsabhängig zu langsam =chronotrope Inkompetenz

In einigen Fällen kann eine Herzschrittmacher-Therapie helfen..

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 


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Die Hormone Tetrajodthyronin (T4) (= Vorstufe) und Trijodthyronin (T3) (= aktives Hormon) werden in der Schilddrüse gebildet. Sie regulieren den Stoffwechsel des ganzen Körpers. Gesteuert werden die beiden Hormone zudem über das im Gehirn gebildete Hormon TSH: Produziert der Körper zu wenig T3/T4, steigt die TSH-Produktion, was wiederum für mehr Bildung von T3/T4 sorgt. Bei zu viel T3/T4 wird zur Regulation der umgekehrte Prozess in Gang gesetzt.

Wer unter einer Schilddrüsenunterfunktion leidet, kann folgende Symptome zeigen:

  • Müdigkeit
  • Abgeschlagenheit
  • Leistungseinschränkung
  • Gewichtszunahme

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion können sie so aussehen:

  • Unruhe, Aggressivität, Angst
  • Erschöpfung
  • Schlafstörungen
  • Gewichtsverlust
  • Herzrasen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Blutdruckschwankungen

Bei Menschen, die niedrige T4/T3-Werte haben und gleichzeitig viel TSH aufweisen, kann eine Schilddrüsenhormon-Therapie sinnvoll sein. Die Richtwerte sind aber immer abhängig von der Lebensphase (z. B. Schwangerschaft, Alter) zu betrachten.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Das Herz pumpt 135 bis 263 Millionen Liter Blut pro Leben – das entspricht über 273.000 Fässern Wein, eine ganze Menge also.

Der Kreislauf hat 3 Hauptfunktionen: den Transport von Energie- und Baustoffen, den Transport von Temperatur und den Transport von Signalen.

Zu den Energie- und Baustoffen, die er transportiert, zählen Sauerstoff, Kohlenhydrate, Eiweiß, Fette, Vitamine und Mikronährstoffe. Für den Transport braucht der Kreislauf eine Menge Power: Etwa 3/7 des arteriellen Einstroms fließt gegen die Schwerkraft zum Gehirn, 4/7 des venösen Rückstroms kämpfen ebenso gegen die Schwerkraft an. Die Versorgung des Gehirns ist dabei besonders wichtig: 10 Sekunden ohne Druck und Sauerstoff machen einen Menschen bereits bewusstlos!

Wärme bzw. Temperatur transportiert der Kreislauf, um die für biochemische Prozesse so wichtige stabile Kerntemperatur im Körper aufrechtzuerhalten. Dabei wird etwa 30 % der Wärmeabgabe über die Gefäße gesteuert: Sind die Gefäße weit, wird viel Wärme abgegeben; sind sie eng, dann wird mehr Wärme im Körper gehalten. Das ist vor allem wichtig bei wechselnden Jahreszeiten und erklärt auch, warum sich der Kreislauf im Sommer und Winter unterschiedlich verhält.

Auch Signale transportiert der Kreislauf. Zum Beispiel Hormone über die Blutbahn (langsames System) und Signale über die Nervenleitungsbahnen (schnelles System).

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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