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Einnahmezeitpunkt von Medikamenten zur Behandlung des Bluthochdrucks

Die meisten Menschen nehmen Herz-Kreislaufmedikamente am Morgen ein. Das geschieht meistens aus medizinischen Gründen. Natürlich ist es einfach auch bequemer und sicherer alle Tabletten auf einmal zu nehmen, denn gerade eine zusätzliche Abendmedikation wird doch gelegentlich vergessen.

Allerdings deuten wissenschaftliche Studien darauf hin, dass wir hier im Hinblick auf den Einnahmezeitpunkt gerade von blutdrucksenkenden Medikamenten umdenken müssen.

Die Kreislaufanpassung von der Nacht zum Tag – eine Herausforderung für Herz und Kreislauf

Die Kreislaufregulation dient der Aufrechterhaltung eines adäquaten Blutdruckes, so dass Ihr Gehirn zu jedem Zeitpunkt ausreichend durchblutet wird – vor allen Dingen auch gegen die Schwerkraft.

In der Nacht entspannen sich Ihre Arterien und Venen und auch der Kreislauf kommt insgesamt zur Ruhe. Daher ist sind Ihr Blutdruck und die Herzfrequenz in der Nacht niedriger als am Tag. Bei der sogenannten Langzeit-Blutdruckmessung bezeichnen wir das als typische Nachtabsenkung. Sie beträgt gegenüber dem Tageswert >10%.

Bedingt durch Ihre genetische Innere Uhr beginnt sich der Kreislauf bereits noch im Schlaf und damit vor dem Erwachen auf die Aktivität in aufrechter Körperposition vorzubereiten. Das können wir sozusagen als „Vorglühen” oder noch besser “Vorspannen” bezeichnen. Das hat den Sinn, dass der spätere Wechsel vom Liegen zum Stehen eine nicht allzu große Belastung für den Kreislauf wird.

Findet dann beim Schritt aus dem Bett der Wechsel von der Horizontallage (Nachtschlaf) zur vertikalen Lage (Stehen, Sitzen) statt, fällt der Blutdruck kurzzeitig plötzlich ab. Der Blutdruckabfall ist in der Regel so ausgeprägt, dass eine Ohnmacht droht. Allerdings merken wir das nicht, weil unser Körper innerhalb von wenigen 100 Millisekunden gegenreguliert. Diese Adrenalin-vermittelte Gegenregulation können wir über den Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz messen.

Gleichzeitig stellt diese Ausgleichsreaktion gerade bei überschießendem Blutdruckanstieg am Morgen eine besonders hohe Kreislaufbelastung dar. Folglich erklären diese Adrenalin-vermittelten Mechanismen auch, warum morgens nach dem Aufstehen, am häufigsten zwischen 9:00 Uhr und 12:00 Uhr Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkte, plötzlicher Herztod und Schlaganfälle auftreten.

Blutdruckmedikamente am Morgen

Die genannten Mechanismen der Kreislaufanpassung sind der Hauptgrund dafür, dass wir bisher die Blutdruckmedikamente am Morgen zuführen. Allerdings nehmen wir die Medikamente typischerweise am Morgen NACH dem Aufstehen ein, meistens erst zum Frühstück. Das heißt, NACHDEM bereits eine erhebliche Adrenalin-vermittelte Aktivierung stattgefunden hat. – Dann kann es schon zu spät sein, denn die Adrenalin-vermittelte Aktivierung ist bereits im vollen Gange.

Was ist Chronopharmakotherapie?

Chronopharmakotherapie bedeutet eine Anpassung der Einnahme von Medikamenten an die Innere Uhr, also an die zirkadianen Rhythmen von Stoffwechselprozessen.

Ein typisches und gut bekanntes Beispiel ist hier die abendliche Einnahme von Statinen zur LDL-Cholesterinsenkung. Das ist sinnvoll, weil die Leber das LDL-Cholesterin, einer der Hauptrisikofaktoren für die Arteriosklerose, in der Nacht bildet. Folglich wird mit der abendlichen im Vergleich zur morgendlichen Einnahme von Statinen der gleiche therapeutische Effekt mit einer geringeren Dosis erzielt. Das hilft  dann auch die Nebenwirkungen von Statinen zu vermeiden.

Renin-Angiotensin-Aldosteron-System – wichtig für die Blutdrucksteuerung

Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System ist wichtig für die hormonelle Steuerung Ihres Blutdrucks. Renin wird in der Niere gebildet und bewirkt dann in Ihrem Körper über verschiedene Schritte die Bildung von  Angiotensin II. Angiotensin II bewirkt eine Engstellung der Blutgefäße und damit einen Anstieg des Blutdrucks. Darüber hinaus verursacht Renin so auch indirekt, dass in den Nebennieren Aldosteron freigesetzt wird, was Flüssigkeit im Körper hält und so ebenfalls zur Aufrechterhaltung des Blutdrucks beiträgt.

Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System ist einer der Hauptangriffspunkte, um einen erhöhten Blutdruck medikamentös zu senken. Hierfür setzen wir verschiedene Medikamente ein:

  • ACE-Hemmer, z.B. Ramipril
  • AT-Blocker, z.B. Valsartan, Olmesartan, Telmisartan
  • Reninblocker, z.B. Aliskiren
  • Aldosteron-Anatagonisten, z.B. Spironolacton, Epleneron

Das Besondere am Renin-Angiotensin-Aldosteron System ist, dass Renin in der Niere bereits in der Nacht vermehrt gebildet wird. Folglich steigen auch die abhängigen kreislaufaktiven Hormone, wie z.B. Aldosteron vor dem Erwachen an. Es ist das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, das die so wichtige Vorspannung des Blutgefäßsystems im Sinne des „Vorglühens” VOR dem Aufstehen bewirkt. Wie beschrieben, würde das nicht passieren, dann hätten Sie beim Aufstehen erhebliche Kreislaufprobleme mit Benommenheit bis hin zur Ohnmacht.

Als Folge der genetischen Steuerung durch die Innere Uhr bleibt diese zirkardiane Rhythmik übrigens auch dann bestehen, wenn Sie über mehrere Tage im Bett liegen bleiben.

Hygia Chronotherapy Trial – Blutdrucksenker-Einnahme am Morgen vs. zur Nacht

Die Studie Hygia Chronotherapy Trial hatte sich zum Ziel gesetzt zu untersuchen: Hat eine Einnahme aller Blutdruckmedikamente zur Naht einen Vorteil gegenüber der morgendlichen Einnahme unmittelbar beim Aufstehen? Hierfür wurden 19.094 Patienten mit Bluthochdruck einbezogen, die mehr als ein Blutdruckmedikament einnahmen. Das Alter betrug 60,5 +/-13,7 Jahre.

Die Studienteilnehmer waren angewiesen die Medikamente auf ihrem Nachttisch zu platzieren. So nahmen 50% der Menschen die Medikation am Morgen unmittelbar mit dem Aufstehen ein;  50% nahmen die Blutdrucksenker am Abend unmittelbar vor dem Schlaf ein. Das Nachbeobachtungsintervall betrug im Median 6,3 Jahre.

Hygia Chronotherapy Trial – Eingriff in das Renin-Angiotensinsystem der häufigste medikamentöse Therapieansatz

Die Studienteilnehmer erhielten Blutdrucksenker mit einem Angriffspunkt im Renin-Angiotensin-System zu 78,4% am Morgen bzw. 76,5% am Abend. Ca.  2 von 3 Menschen in beiden Gruppen nahmen einen AT-Blocker, die übrigen einen ACE-Hemmer.

Einen sog. Kalziumantagonisten, einschließlich Verapamil, erhielten 22,0 beziehungsweise 17,5% der Patienten. Einen Betablocker nahmen lediglich 22,0 bzw. 17,5% der Menschen mit Bluthochdruck ein. Eine harntreibende Medikation mit einem Diuretikum wurde wesentlich häufiger, d.h. in 46,5 bzw. 39,5% der Fälle, gegeben.

Blutdruckmedikamente am Abend – bessere Bluteinstellung am Tag und in der Nacht

Die Einnahme von Blutdrucksenkern zur Nacht ergab im Hygia Chronotherapy Trial eine statistisch bedeutsame verbesserte Blutdruckeinstellung in der 48h-Stunden-Blutdruckmessung. Dieser Effekt war in der Nacht am deutlichsten. Wichtig ist hier hervorzuheben, dass die Werte am Tag sich nicht verschlechterten.

In der 48h-Langzeitblutdruckmessung wiesen in der Ausgangsuntersuchung 49,0 in der Morgen- und 49,3% in der Abendgruppe eine fehlende Nachtabsenkung des Blutdrucks gegenüber den Tageswerten von <10% auf. Während dieser Anteil in der Gruppe mit morgendlicher Behandlung auf 50,3% leicht anstieg, fiel er bei den Menschen mit abendlicher Einnahme deutlich auf 37,5% ab.

Das bedeutet, dass bei Menschen mit fehlender Nachtabsenkung durch die Zufuhr der Medikation zur Nacht bei 23,9%  Blutdruckprofil normalisiert werden konnte. Das lässt auch den Schluss zu, dass in Anbetracht eines Konditionierungseffektes durch niedrige Blutdruckwerte in der Nacht wahrscheinlich auch die Dosis der Blutdrucksenker insgesamt reduziert werden kann.

Blutdruckmedikamente zur Nacht – weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle und geringere Sterblichkeit

Während frühere wissenschaftlichen Untersuchungen bereits eine verbesserte Blutdruckeinstellung durch die abendliche Gabe von Medikamenten gezeigt hatten, beinhaltete der Hygia Chronotherapy Trial erstmalig auch eine aussagekräftige sog. klinische Endpunktanalyse.

Der Hygia Chronotherapy Trial demonstrierte hier eine eindrucksvolle Risikoreduktion für kardiovaskuläre Ereignisse durch die abendliche Blutdruckmedikation. Die Gesamtsterblichkeit war gegenüber der Gruppe, die ihre Medikamente nur am Morgen eingenommen hatte, um eindrucksvolle 45% und die kardiovaskuläre Sterblichkeit um 66% verringert. Dabei traten auch deutlich weniger Herzinfarkte, Episoden der Herzschwäche, Schlaganfälle und Hirnblutungen auf.

Welche Blutdruckmedikamente wann einnehmen?

ACE-Hemmer, Angiotensin-Blocker, Reninblocker. Insbesondere diese Medikamente sollten Sie eher zur Nacht einnehmen. So wird das Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems in der Nacht ganz im Sinne Ihrer Inneren Uhr gezielt blockiert. Folglich muss man erwarten, dass dieser Umstand gerade die morgendliche Blutdruckeinstellung verbessert. Möglicherweise kann man auch die Dosis verringern, sodass sich auch Nebenwirkungen vermeiden lassen.

Betablocker. Bei Betablockern, z.B. Metoprolol und Bisoprolol, sollten aus unserer Sicht eine sorgfältige Abwägung erfolgen. Auf der einen Seite ist es so, dass Beta-Blocker die Blockierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems unterstützen. Auch wird ihr häufig beruhigender Effekt  gerade am Abend von vielen Menschen geschätzt. Auf der anderen Seite können Beta-Blocker einen kritischen Abfall der Herzfrequenz in der Nacht verursachen. Die  Einnahme am Abend birgt auch das Risiko der Schlafstörungen in sich. Betablocker können die Melatoninfreisetzung beeinträchtigen und somit auch das Schlafverhalten.

Diuretika. Als bekannte Beispiele sind hier zu nennen Torasemid und Hygroton. Auch diese sollten Sie eher am Morgen bzw. am Nachmittag einnehmen. Gerade die Einnahme am Abend kann durch nächtliches Wasserlassen ebenfalls den Schlaf stören. Bei den Aldosteron-Antagonisten bietet sich unter chronopharmakologischen Gesichtspunkten eine möglichst späte Einnahme an. Allerdings sollte der Schlaf dadurch nicht gestört sein.

Alpha-Blocker. Alphablocker, z.B. Doxazosin und Tamsulosin, können Sie versuchsweise am Abend einnehmen. Bestimmte Alpha-Blocker haben eine beruhigende Wirkung und können dadurch das Schlafverhalten auch verbessern.

Kalziumantagonisten zur Blutgefäßweitstellung. Hier zu nennen sind Amlodipin und Lercanidipin. Diese empfehlen wir eher am Morgen, da die Einnahme am Abend durch eine zu starke Gefäßerweiterung das Risiko der Schlafstörungen in sich birgt. Eine zu starke Gefäßerweiterung kann eine adrenalinvermittelte Aktivierung in der Nacht bewirken.

Praktisches Vorgehen bei der Einnahme von Blutdruckmedikamenten

Sie müssen nicht sofort Ihre gesamte Medikation ändern. Bei guter Blutdruckeinstellung sollten Sie die Medikation so belassen.

Für die Einnahme zur Nacht, vor allen Dingen von ACE-Hemmern, AT-Blockern bzw. Reninblockern kommen aus unserer Sicht mehrere Gruppen in Frage, die folgende Merkmale aufweisen.

Ersteinstellung mit Blutdruckmedikamenten. Das ist dann besonders sinnvoll und praktisch, wenn abends bereits ein weiteres Medikament, z.B. ein Statin eingenommen werden soll.

Schlechte Blutdruckeinstellung. Menschen mit schlechter Blutdruckeinstellung vor allen Dingen auch am Morgen bzw. solche mit therapieresistentem Bluthochdruck.

Fehlende Nachtabsenkung. Erhöhter bzw. auch normaler Blutdruck am Tag mit einer Nachtabsenkung des Blutdrucks in der 24h-Blutdruckmessung um <10% in der Nacht.

Schlafapnoe-Syndrom. Die nächtlichen Abfälle der Sauerstoffsättigung beim Schlafapnoe-Syndrom haben eine Adrenalin-vermittelte Aktivierung und damit verbunden auch eine Steigerung der Reninfreisetzung zur Folge.

Die Änderung des Einnahmezeitpunktes von Blutdrucksenkern am Abend muss sorgfältig abgewogen werden. Eine Änderung des Einnahmezeitpunktes sollten Sie immer mit Ihrer Ärztin beziehungsweise Ihrem Arzt absprechen.

 

 

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Flaschentauchen bei Herz- und Kreislauferkrankungen – Tauchurlaub planen

Das Herz-Kreislaufsystem wird beim Flaschen-Tauchen unter Wasser belastet. Folglich sollten sich gerade Menschen mit Herz- und Kreislauferkrankungen über den Einfluss des Flaschentauchens in Verbindung mit der individuellen Grunderkrankung informieren. Das gilt gerade für Menschen, die zum ersten Mal einen Kurs für Gerätetauchen planen.

Flaschentauchen – Risiko mechanische Belastung für die Lunge

Grundsätzlich gilt beim Tauchen: je tiefer Sie tauchen, desto stärker steigt der Umgebungsdruck. Ab Wasseroberfläche mit 1 bar steigt pro 10 m Tauchtiefe der Druck um jeweils 1 bar. Entsprechend dem Boyle-Mariott’schen Gesetze bleibt allerdings das Produkt aus Druck und Volumen konstant (Druck x Volumen = konstant). Das hat erhebliche Konsequenzen für Ihre Lunge.

Beim Tauchen ohne Atemgerät hat das beim Abtauchen folgende Konsequenzen. Zum Beispiel, wenn Sie an der Wasseroberfläche (1 bar) ein Lungenvolumen von 6 l haben, dann beträgt es in 10 m Tiefe (2 bar) nur noch 3 l. Wenn Sie auftauchen dehnt sich das das Volumen entsprechend wieder aus.

Beim Tauchen mit Atemgeräten wird allerdings das Lungenvolumen durch den Druck aus der Atemflasche beim Abtauchen konstant gehalten. Beim Auftauchen jedoch dehnt sich das Gasvolumen in der Lunge trotzdem aus: in 10 Meter Tiefe 6 l Luft, an der Wasseroberfläche 12 l Luft. Folglich sollten Sie stets regelmäßig ein- und auszuatmen und keinesfalls beim Aufstieg die Luft anhalten! Sonst besteht die Gefahr der Lungenüberdehnung mit Mediastinalemphysem, Pneumothorax oder arterieller Gasembolie.

Flaschentauchen – Risiko für Herz und Kreislauf

Alleine die mechanische Belastung der Lunge führt zu einer Beeinträchtigung des Kreislaufs indem die Lungenarterien und -venen eingeengt werden. Hinzu kommen der Umgebungsdruck und die Kälte, welche folglich einen Anstieg des Blutgefäßwiderstandes und damit eine Herabsetzung der Durchblutung begünstigen. Folglich wird auch das Herz vermehrt mechanisch belastet, was gerade bei Herzschwäche und Herzklappenfehlern zu kritischen Konsequenzen, wie Durchblutungsstörungen und Lungenödem führen kann. Das gilt nicht nur für die Phase des Tauchgangs, sondern auch für die Stunden bis Tage danach.

Der sog. Tauchreflex bedingt überdies, dass durch den erhöhten Umgebungsdruck unter Wasser, dass die Herzfrequenz um bis zu 30% abfallen kann. Dieser Mechanismus hat gerade bei Herzerkrankungen in Verbindungen mit einer niedrigen Ausgangsfrequenz, z.B. durch die Einnahme eines Beta-Blockers einen kritischen Einfluss auf die Durchblutung Ihres Körpers.

Tauchen bei Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Herzklappenfehlern, Herzschwäche und nach Implantation Herzschrittmacher bzw. Defibrillator

Voraussetzung für die Tauchtauglichkeit beim Gerätetauchen ist eine normale linksventrikuläre Ejektionsfraktion in Ruhe und bei Belastung. Zeichen der Durchblutungsstörung unter Belastung müssen ausgeschlossen sein.

Bei Bluthochdruck ist angezeigt:

  • nur bei guter Blutdruckeinstellung
  • Vorsicht bei Betablocker + Tauchreflex: Dadurch können Herzrhythmusstörungen entstehen!

Bei Koronarer Herzkrankheit gilt:

  • frühestens 12 Monate nach Herzinfarkt (wenn beschwerdefrei, Belastung-EKG & Echokardiographie unauffällig)
  • kein Tauchen unter Clopidogrel + Aspirin
  • nach Stent erst nach 6 Monaten Pause

Menschen mit einem Schrittmacher sollten berücksichtigen:

  • das Aggregat muss drucktauglich sein
  • nur in geringen Tiefen tauchen
  • ein adäquater Herzfrequenz-Anstieg unter Belastung ist prinzipiell möglich

Vorhofflimmern stellt kein Problem fürs Flaschentauchen dar, wenn:

  • die Herzfrequenzkontrolle und Belastbarkeit gut sind
  • keine strukturelle Herzerkrankung vorliegt

Bei Herzklappenfehlern können Sie mit Geräten tauchen, wenn:

  • Engstellen der Aortenklappe bzw. der Mitralklappe leichtgradig sind (Öffnungsfläche >1,5 cm2)
  • Undichtigkeiten an den Klappen leichtgradig sind, z.B. an der Aortenklappe oder der Mitralklappe (Rückwurffraktion <20%)

Keine Freigabe zum Flaschentauchen bekommen Menschen mit:

Sonderfall – Flaschentauchen und offenes Foramen ovale (PFO)

Ein offenes Formale ovale als Residuum des Fetalkreislaufs liegt bei ca. 25% der Bevölkerung vor. Im eigentlichen Sinne ist ein offenes Foranen ovale somit kein Herzfehler, sondern eine Normvariante. Dieses sog. PFO (engl.: patent formalen ovale) ist eine Kurzschlussverbindung zwischen venösem und arteriellem Kreislauf, d.h. venöses Blut, und somit auch Gas kann aus der rechten Herzvorkammer in den systemarteriellen Kreislauf und damit in das Gehirn gelangen.

Bei einem PFO besteht immer mindestens eine relative Kontraindikation, d.h. von Flaschentauchen wird eher abgeraten, da das Risiko sowohl einer symptomatischen als auch asymptomatischen Gasembolie in das Gehirn erhöht ist. Letzteres kann auch langfristige Folgen für die Gehirnleistung haben.

Eine absolute Kontraindikation besteht immer, wenn ein offenes Foramen ovale vorliegt und in der Vergangenheit bei Tauchgängen Symptome einer Gasembolie bemerkt wurden. Neurologische Symptome einer arteriellen Gasembolie sind z.B. Verwirrtheit, Sprach- und Sehstörungen, Gleichgewichtsstörungen und Benommenheit bis hin zum Bewusstseinsverlust. Auch Halbseiten- und Querschnittslähmungen können die Folge sein.

Ähnlich sollte das auch gehandhabt werden, wenn bei einer Computertomografie des Gehirns ein diffuses embolisches Muster nachgewiesen wird. Wir sind auch der Überzeugung, dass der sog. spontane Rechts-Links-Shunt, d.h. der Übertritt von Blut aus der rechten in die linke Vorkammer ohne Druckerhöhung ein erhöhtes Risiko darstellt. Dieser spontane Rechts-Links-Shunt kommt bei ca. 12,5% in der Bevölkerung vor und kann direkt in der Echokardiografie (am besten transoesophageale Untersuchung von der Speiseröhre aus) werden. Indirekte Hinweise auf eine Kurzschlussverbindung können auch mittels transkranieller Dopplersonografie der Hirnarterien gewonnen werden.

Tauchtauglichkeit bei Herz- und Kreislauferkrankungen – differenzierte Diagnostik wichtig

Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen sollten sich im Hinblick auf die Tauchtauglichkeit mit Atemgeräten 1 mal im Jahr von einem spezialisierten Arzt untersuchen lassen. Hier erhalten Sie dann das Attest für die Tauchtauglichkeit, was nicht zuletzt aus versicherungstechnischen Gründen wichtig ist.

Wir halten es für ratsam, dass Sie zusätzlich eine Untersuchung bei einem spezialisierten Herz-Kreislaufmediziner durchführen. Beim Kardiologen sind apparative Möglichkeiten und die Erfahrungen auf dem Gebiet der Herz-Kreislaufmedizin häufig umfangreicher. So können wir eine Herzschwäche mit der Bestimmung der Ejektionsfraktion, ein möglicher Lungenhochdruck und Herzklappenfehler besser bewerten.

 

Mehr zu: Dr. Natalie Fleissner


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Der Baroreflex – Schutzmechanismus vor zu viel Druck und Dehnung

Ihr Herz-Kreislaufsystem ist ein hydraulisches System, welches wesentlich durch die physikalischen Größen Druck und Fluss bestimmt wird. Folglich dient das System wesentlich dem Transport, vor allen Dingen dem Zu- und Abtransport von Nähr- bzw. Abbaustoffen, dem Transport von Hormonsignalen und der Temperaturregulation.

Allerdings muss das Herz-Kreislaufsystem auch sich selber schützen, damit es nicht geschädigt wird. Daher dient die Druckregulierung nicht nur der Durchblutung, sondern auch dem Schutz vor zu hohem Druck bzw. Überdehnung von Arterien und Venen. Hierfür hat Ihr Körper verschiedene Schutzreflexe. Einer der wichtigsten Schutzreflexe ist der Baroreflex.

Baroreflex – Schutz vor allem für das Gehirn

Ihr Gehirn ist besonders druckempfindlich und benötigt daher stabile Druckverhältnisse, um richtig zu funktionieren. Falls Sie an Blutdruckschwankungen leiden, dann haben Sie das sicherlich schon einmal gemerkt. Bei zu hohen Werten spüren Sie Kopfschmerzen oder ein stumpfes Gefühl im Kopf. Bei zu niedrigem Druck merken sie Benommenheit bis hin zu Ohnmachtsanfällen.

Der Baroreflex hat eine seiner Hauptmessstationen in der Gablung der hirnversorgenden Halsarterien. Das sog. Glomus caroticum ist ein Nervengeflecht, welches sowohl über Druck- als auch Dehnungsrezeptoren verfügt.

Die Signale werden kontinuierlich gemessen und an den Hirnstamm zur unbewussten Informationsverarbeitung weitergeleitet. Hier findet der Abgleich mit dem Sollwert statt. Das geschieht in wenigen 100 ms durch das vegetative Nervensystem.

Das Steuerungszentrum ist mit den peripheren Blutgefäßen und dem Herzen verbunden. Der Sinusknoten, der “Taktgeber” des Herzens ist so mit dem Glomus caroticum in der rechten Halsarterie verbunden. Das linke Sensororgan ist mit dem AV-Knoten, dem elektrischen “Verzögerer” im Herzen verknüpft.

Druck zu hoch. Ist Ihr Blutdruck zu hoch, dann steuert der Baroreflex gegen, indem die Herzfrequenz gesenkt und die Blutgefäße erweitert werden. Folglich wird Ihr Herz-Kreislaufsystem entlastet.

Druck zu niedrig. Ist Ihr Blutdruck zu niedrig, dann steigt die Herzfrequenz und die Blutgefäße spannen sich an. Das hält in Ihrem Kreislauf den Durchblutungsdruck stabil, so dass alle Organe, und allen voran das Gehirn auch gegen die Schwerkraft ausreichend mit Blut versorgt sind.

Baroreflex – zu hohe Empfindlichkeit mit Risiko für Ohnmachtsanfälle

Ist das Glomus caroticum zu empfindlich, dann kann der Baroreflex übersteuern. Ihr Blutdruck und Ihre Herzfrequenz fallen zu stark ab, das kann beim einfachen hypersensitiven Carotissinus ohne Symptome von statten gehen. Treten Symptome wie Benommenheit und Ohnmachtsanfälle auf, dann sprechen wir vom Carotin-Sinus-Syndrom.

Baroreflex-Test

Die Empfindlichkeit Ihres Baroreflexes, also das Verhältnis zwischen Herzfrequenz und Blutdruck kann bei simultaner kontinuierlicher Messung, z.B. mit dem Finapres-System getestet werden. Die Methodik ist aufgrund des apparativen Aufwandes nicht weit verbreitet.

Vor dem Baroreflex-Test überprüfen wir Ihre Halsschlagadern mittels Ultraschall auf Verengungen. Ist eine hirnversorgende Arterie verschlossen oder hochgradig verengt, dann können wir den Test nicht durchführen. Beim Baroreflex-Test selber massieren wir jeweils eine Halsschlagader mit dosiertem Druck. In der Regel wird nur die Herzfrequenz mittels EKG aufgezeichnet. Folgt dem Druck eine EKG-Pause von mehr als 3,0 Sekunden, dann bewerten wir den Carotissinus als hypersensitiv, also als überempfindlich.

Wichtig ist, dass der Baroreflex-Test nicht nur im Liegen, sondern auch im Stehen durchgeführt wird. Im Stehen ist der Carotissinus empfindlicher und die diagnostische Aussagekraft steigt erheblich.

Die schlussendliche Relevanz eines hypersensitiven Carotis Sinus wird an Ihren Symptomen während des Tests, spontan im Alltag, und an den Ergebnissen von Langzeit-EKGs fest gemacht. Auf dieser Grundlage entscheiden wir dann, ob ein Carotis-Sinus-Syndrom vorliegt  und legen gemeinsam das weitere Vorgehen fest, z.B. ob ein Herzschrittmacher erforderlich ist.

 

 

Task Force of the European Society of Cardiology 2018;30:e43-e80

 

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

Der AV-Knoten ist sehr wichtig für eine gute Herzarbeit: Am Übergang von Vor- zur Hauptkammer gelegen, verzögert er dort die elektrische Erregungsüberleitung und schützt vor lebensbedrohlich hohen Pulsfrequenzen (z.B. bei Vorhofflimmern).

Bestimmte Medikamente (z. B. Betablocker) oder auch Alterungsprozesse können seine Funktionsweise beeinflussen: Die Erregungsleitung kann zu stark verzögert sein oder auch Kammeraktionen können ausfallen – ein (zu) niedriger Puls ist die Folge. In der Regel hilft dann das Vermeiden der auslösenden Medikamente, in schweren Fällen ein Herzschrittmacher.

Mehr zu: Dr. Stefan Dierkes

 

 

 

 

 

 

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Eine Therapie von Herzinsuffizienz (Herzschwäche) ist kompliziert, weil körpereigene Druck-Ausgleich-Systeme das Herz zusätzlich belasten. Ziel ist daher, nicht nur die Herzarbeit zu verringern, sondern auch von diesen Druck-Ausgleich-Systemen abzuschirmen. Somit können wir auch den Schwergrad der Luftnot durch Herzschwäche verringern.

Dafür gibt es verschiedene Medikamente mit unterschiedlichen Funktionen. ACE-Hemmer zum Beispiel verringern die Wirkung von Angiotensin und sind so gefäßerweiternd. Sogenannte Calcium-Antagonisten erweitern die Gefäße, indem sie den Einstrom von Calcium in die Gefäßmuskeln reduzieren.

Beta-Rezeptoren-Blocker schirmen das Herz vor Adrenalin ab und senken so die Herzfrequenz sowie Pumpkraft und beugen Herzrhythmusstörungen vor. Sogenannte Diuretika verringern Flüssigkeit im Gefäßsystem und senken dadurch die Wandspannung im Herz. Ähnlich wirken Adosteron-Antagonisten und Sacubitril.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

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Angina pectoris – enge Herzkranzarterien

Wenn Sie eine Koronare Herzkrankheit haben, dann weist mindestens 1 der 3 Hauptarterien Ihrer Herzkranzarterien eine verkalkte Engstelle von mehr als 60% auf. Dann können Durchblutungsstörungen des nachgeschalteten Herzmuskelgewebes auftreten. Das führt zu einer Änderung des Stoffwechsels von Herzmuskelzellen, sie werden im wahren Sinne des Wortes sauer. Eine Engstelle einer Herzkranzarterie nennen wir “Stenose”, eine Durchblutungsstörung “Ischämie”. Symptome einer Ischämie können z.B. Brustdruck (Angina pectoris) und/oder auch Luftnot sein.

Herzdurchblutungsstörungen – ein Missverhältnis von Angebot und Bedarf

Eine Ischämie bedeutet ein Missverhältnis zwischen dem Angebot an sauerstoffreichen Blut und dem Sauerstoffbedarf des Herzmuskels.

Wenn Sie sich bei einer bestehenden relevanten Stenose nun körperlich belasten, dann steigen Herzfrequenz und Blutdruck, das Herz muss mehr arbeiten und der Sauerstoffbedarf steigt. Bei einer stabilen Angina pectoris führt das in der Regel dazu, dass Sie immer wieder bei derselben Belastungsstufe, z.B. nach 1 Etage Treppensteigen Angina pectoris verspüren.

Darüber hinaus kann diese “Anginaschwelle” variieren, wenn zusätzlich zu der “verkalkten” Engstelle Gefäßkrämpfe im selben Gefäßabschnitt auftreten. Dann steigt der Engegrad kurzzeitig von z.B. 60% auf 80% und es fließt noch weniger Blut durch die wichtige Arterie. Das passiert vor allen Dingen durch die vermehrte Adrenalin-abhängige Aktivierung des vegetativen Nervensystems, häufig am Morgen, bei Kälte oder auch bei Aufregung. Das kann dazu führen, dass Sie am Morgen nur eine halbe und am Nachmittag aber eine ganze Treppenetage steigen können bis Beschwerden auftreten.

Medikamentöse Therapie bei Angina pectoris – Verringerung der Herzarbeit

Aufbauend auf die oben genannten Erkenntnisse ist die medikamentöse Behandlung von Durchblutungsstörungen des Herzmuskels entwickelt worden. Sie zielt wesentlich darauf ab, die Herzarbeit zu verringern. Neuere Möglichkeiten verändern den Stoffwechsel von Herzmuskelzellen.

Beta-Blocker, wie z.B. Metoprolol, Bisoprolol oder Nebivolol reduzieren den Sauerstoffbedarf über eine Verringerung  des Herzschlages und sie bremsen die Kraftentwicklung des Herzmuskels. So ist es häufig, dass bei körperlicher Belastung die Herzfrequenz nicht mehr über 100 ppm ansteigt, was auch die Leistungseinschränkung  durch Beta-Blocker erklärt.

Ivabradin reduziert die Herzfrequenz, ohne diese bei Belastung zu stark zu begrenzen. Darüber hinaus bremst es nicht die Herzmuskelkraft. Es wird gerne eingesetzt, um Beta-Blocker und deren Nebenwirkungen reduzieren zu können.

Kalziumantagonisten, wie z.B. Lercandipin oder Amlodipin weiten die Arterien, die dem Herzen nachgeschaltet sind, so dass der Blutdruck sinkt und das Herz entlastet wird. Darüber hinaus können sie auch die Herzkranzarterien direkt erweitern. Dieser Effekt kann bei einer Neigung der Arterien zu Gefäßkrämpfen hilfreich sein.

Nitropräparate, wie Nitrospray, Mono- und Trinitrate wirken wesentlich über eine Weitstellung der Körpervenen, so dass Blut im Venensystem regelrecht versackt. Folglich wird dem Herzen weniger Blut zum Pumpen angeboten. Die dadurch verringerte Wandspannung bedeutet nicht nur weniger Herzarbeit, sondern auch, dass das Blut über die Herzkranzarterien besser in den entspannten Herzmuskel gelangen kann. Weiterhin haben Nitropräparate auch das Potential Gefäßkrämpfe zu lösen. Der Nitro Spray-Test hat besondere Bedeutung bei der Unterscheidung der verschiedenen Ursachen von Brustdruck bzw. Brustschmerz.

Verringerung Angina pectoris – Verbesserung des Stoffwechsels der Herzmuskelzellen 

Metabolisch wirksame Medikamente, wie Ranolazin oder Trimetazidin wirken auf den Stoffwechsel der Herzmuskelzellen. So kann der Herzmuskel bei verringertem Sauerstoffangebot ökonomischer arbeiten. Trotz geringerem Sauerstoffangebot kann Ihr Herzmuskel noch arbeiten und Brustschmerzen treten erst nach länger andauernder Belastung oder gar nicht auf, das Herz wird nicht mehr so schnell sauer.

Dank Herzkathetertherapie – schwere stabile Angina pectoris nur noch selten

Auch andere Medikamente, wie harntreibende Substanzen und überhaupt alle Blutdrucksenker haben das Potential Durchblutungsstörungen des Herzens zu verringern.

Die entscheidende Massnahme ist allerdings die mechanische Wiedereröffnung einer Engstelle mittels Herzkathetertherapie mit Ballondehnung und/oder Gefäßstütze, dem sog. Stent. So können Kardiologen heutzutage fast allen Menschen mit engen Herzkranzarterien so gut helfen, dass sie keinen Brustdruck mehr verspüren. Das hat auch zur Folge, dass die Anzahl der Medikamente verringert werden kann.

Wir als ärztliche Mitarbeiter der Cardiopraxis haben noch die Anfänge der Herzkathertherapie erlebt. Zu dieser Zeit haben wir häufig noch Menschen erlebt, die zu einem nicht unerheblichen Teil bis zu 30 Angina pectoris Anfälle pro Woche hatten. Und jedesmal mit dem Gedanken: Ist das jetzt ein Herzinfarkt?

Wir können froh sein, dass die Herzkathetertherapie konsequent weiterentwickelt wurde und wir heutzutage über differenzierte medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten verfügen. Das gibt uns in der Cardiopraxis die Möglichkeit fast alle Menschen mit Durchblutungsstörungen des Herzens so zu behandeln, dass sie beschwerdefrei und damit sorgenfreier leben können.

 

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

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Auf einer Flugreise nach Indien fiel einem 59-jährigen Mann auf, dass er seinen Betablocker zu Hause vergessen hatte. Er benötigte ihn täglich zur Vorbeugung von Vorhofflimmern. Zum Glück konnte er sich in Absprache mit der CardioPraxis das Medikament bei einem Zwischenstopp in Abu Dhabi besorgen.

Das zeigt eindrucksvoll: Je mehr ein Arzt über Ihre medizinische Vorgeschichte weiß, desto besser kann er Ihnen helfen. Zudem ist die medizinische Fachsprache international weitgehend verständlich. Sie selbst können mit wenigen Dingen zu einer guten medizinischen Versorgung und Ihrer eigenen Sicherheit auf Auslandsreisen beitragen:

Packen Sie stets ausreichend Medikamente, eine Liste der aktuellen Medikamente sowie Kopien von aktuellen medizinischen Berichten ein! Schriftliche Dokumentationen können Sie zudem einfach auf dem Smartphone speichern.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

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Johanniskraut – Nebenwirkungen in Kombination mit anderen Medikamenten

Johanniskraut wird seit Jahrhunderten als pflanzliches Präparat bei der Behandlung von depressiven Verstimmungen eingesetzt. In der Tat ist die therapeutische Wirksamkeit von Johanniskrautpräparaten bei leichten bis mittelschweren Formen der Depressionen wissenschaftlich gut belegt. Wir unterscheiden hier die freiverkäuflichen Produkte von den rezeptpflichtigen Medikamenten.

Die höher konzentrierten rezeptpflichtigen Medikamente helfen auch bei mittelschwerer Depression und sind in ihrer Herstellungsqualität streng kontrolliert. Bei den niedriger konzentrierten frei verkäuflichen Produkten ist die Qualität häufig unsicher.

Johanniskraut wirkt im Gehirn

Die relevanten Wirkstoffe für die anti-depressive Wirkung von Johanniskraut sind die Inhaltsstoffen Hypericin und Hyperforin. Sie greifen synergistisch in den Neurotransmitter-Stoffwechsel im Gehirn ein, z.B. von Serotonin, Dopamin und Noradrenalin und GABA allesamt auch Angriffspunkt für andere Antidepressiva.

Nebenwirkungen von Johanniskraut – innere Unruhe, Benommenheit, Müdigkeit, Lichtempfindlichkeit

Insbesondere bei höheren Dosierungen können innere Unruhe, Benommenheit, Müdigkeit und Verdauungsstörungen vorkommen. Gerade die Nebenwirkungen an der Haut mit Juckreiz, höhere Lichtempfindlichkeit und toxischen Hautreaktionen sind gefürchtet.

Sollten Sie an einer Saisonalität, d.h. an einem Winterblues oder einer Winterdepression leiden, dann ist eine Lichttherapie mit einer Tageslichtlampe die beste und wissenschaftlich anerkannte Therapie. Falls Sie eine Lichttherapie durchführen wollen, dann sollten Sie auf die Einnahme von Johanniskrautpräparaten ganz verzichten, denn bedingt durch Phototoxizität von Johanniskraut könnten Ihre Augen geschädigt werden.

Nebenwirkung von Johanniskraut bei Einnahme von Betablocker – Fallbericht 

Ein 60-jähriger Mann hat unter einer langjährigen Betablocker-Therapie (10mg Bisoprolol pro Tag) gut kontrollierte Herzrhythmusstörungen. Bei ihm tritt symptomatisches Vorhofflimmern mit 0-2 Episoden in 6 Monaten und damit selten auf.

Kurzfristig stellte er sich in der Cardiopraxis mit einem Anstieg der Anfallshäufigkeit auf 5-10 Episoden pro Woche vor; das ist sehr häufig. Unsere genaue Befragung ergab, dass er wegen depressiver Verstimmung seit einigen Wochen ein freiverkäufliches niedrig-dosiertes Johanniskrautprodukt einnimmt.

Folglich haben das Mittel abgesetzt und binnen kurzer Zeit war der Mann fast wieder beschwerdefrei und die Anfallshäufigkeit auf 0-2 Episoden pro 6 Monate reduziert.

Johanniskraut und Beta-Blocker wirken in der Leber auf Cytochrom CYP3A4

Johanniskraut interagiert sehr stark mit wichtigen Stoffwechselwegen für den Abbau von Medikamenten, z.B. dem Cytochrom P450 Systemen in der Leber. Hier steigert als sog. “Induktor”  vor allen Dingen den Stoffwechsel des Enzyms CYP3A4. In geringerem Maß trifft das auch auf CYP2C19 zu; auf CYP2C9 wirkt es als “Inhibitor”. Nun ist es so, dass nahezu 50% aller Medikamente über CYP3A4 als “Substrat” abgebaut werden, so auch der Beta-Blocker Bisoprolol.

In der Tat hat die beschleunigte Stoffwechselleistung von CYP3A4 bei unserem Mann die Konzentration von Bisoprolol im Körper so stark erniedrigt, dass es das Vorhofflimmern nicht mehr richtig unterdrücken konnte. Folglich haben die Anfälle von Rhythmusstörungen zugenommen.

Johanniskraut kann Wirkung der Anti-Baby-Pille beeinträchtigen

Gerade Frauen sollten vorsichtig mit dem Einsatz von Johanniskrautprodukten umgehen, da Johanniskraut, im Englischen auf St. Johns Wort genannt den Abbau von Östrogen beschleunigt.

In der Tat kann es zu Problemen bei der Empfängnisverhütung mit den niedrig-konzentrierten oral eingenommenen Kontrazeptiva kommen. Folglich nimmt die Zahl der Zwischenblutungen um mehr als 50%. Weiterhin wurden auch Zeichen der gesteigerten Fruchtbarkeit trotz Anti-Baby Pille in Form von reifen Follikeln objektiv nachgewiesen. Abgesehen davon sind auch ungewollte Schwangerschaften unter der Einnahme von Johanniskraut in Kombination mit der Anti-Baby-Pille berichtet worden.

Johanniskraut mit anderen Medikamenten vermeiden – Nebenwirkungen sind zu erwarten

In jedem Fall sollten Sie bei der Dauereinnahme von Medikamenten einschließlich der Anti-Baby Pille die Einnahme von Johanniskraut vermeiden.

Falls Sie kurzzeitig Medikamente, z.B. Antibiotika einnehmen müssen, dann sollten Sie sich vor der Einnahme informieren ob Johanniskraut mit dem betreffenden Medikament interagiert.

Schließlich sollten sich als Frau auch nicht wundern, wenn Ihr Zyklus durch den Einsatz von Johanniskraut unregelmäßig wird.

Grundsätzlich ist es ratsam, wenn Sie vor der Einnahme von Johanniskraut-Präparaten in Verbindung mit anderen Medikamenten immer mit Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt sprechen!

 

Berry-Bibee EN et. al. Contracption 2016;94:668-677

Wikipedia: Medikamentenlisten zu Interaktionen (siehe unter “Ligands”) mit CYP3A4, CYP2C19, CYP2C9

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 

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