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Linksschenkelblock – was ist das?

Das Herz ist ein elektromechanisches Organ. Das heißt: Zunächst kommen die elektrische Erregungsbildung und Fortleitung und anschließend die Mechanik. Bei der Mechanik erschlafft und füllt sich das Herz, der Herzmuskel zieht sich zusammen und wirft dann das Blut in den Kreislauf aus. Die elektromechanische Kopplung meint diese Beziehung, dass einem elektrischen Impuls anschliessend die mechanische Antwort des Herzens folgt.

Linksschenkelblock – elektrische Erregung der Herzhauptkammern

Die elektrische Impulsgebung im physiologischen Sinusrhythmus passiert im Sinusknoten, der im oberen rechten Vorhof liegt. Von dort aus erfolgt die Erregung über die Vorhöfe. Die Erregung wird nach kurzer Filterung im AV-Knoten anschliessend auf die Herzhauptkammern übergeleitet. Dabei erregt der rechte Tawara-Schenkel die rechte Hauptkammer und der linke Tawara-Schenkel die linke Hauptkammer. Die Tawara-Schenkel sind spezialisierte Herzfasern zur Erregungsfortleitung in den Hauptkammern. Man kann sie sich wie einen Baum mit einer größeren Hauptleitung und Verzweigungen in viele kleinere Unteräste vorstellen. Folglich führt dies zur zeitgleichen Erregung des gesamten Herzmuskels.

Linksschenkelblock – Diagnose

Den Linksschenkelblock diagnostizieren wir im 12-Kanal-Ruhe-EKG. Dabei kommt es zu einer verzögerten Erregungsleitung im linken Tawara-Schenkel. Im EKG sehen wir, dass die linke Herzhauptkammer verzögert erregt wird. Der QRS-Komplex ist bei einem kompletten Linksschenkelblock hier breiter als 120 ms. Wir unterscheiden davon einen inkompletten Linksschenkelblock, bei dem der QRS-Komplex zwischen 110 und 120 ms breit ist.

Linksschenkelblock – was sind die Ursachen?

Die wesentlichen Ursachen des Linksschenkelblocks sind strukturelle Erkrankungen des Herzens, vor allem die koronare Herzerkrankung und ein bereits erlebter Herzinfarkt. Bei der systolischen Herzinsuffizienz, also einer relevanten Einschränkung der linksventrikulären Pumpkraft, finden wir in etwa 30% der Fälle einen Linksschenkelblock. Dabei ist es nicht immer eindeutig, was jeweils Henne und was Ei ist. Also, die Herzinsuffizienz kann zu einem Linksschenkelblock führen, aber auch der Linksschenkelblock kann bei längerer Persistenz zu einer Herzschwäche führen.  Zudem sind weitere Ursachen Bluthochdruckerkrankungen und Herzklappenfehler und eher selten kann der Linksschenkelblock auch angeboren sein.

Linksschenkelblock – welche Folgen?

Beim Linksschenkelblock liegt eine elektromechanische Störung vor. Das heißt: Die linke Herzhauptkammer wird verspätet und dabei „auf Umwegen“ erregt. Es kommt daher zu einer Asynchronie zwischen der linken und rechten Herzhauptkammer. Die Erregung erreicht die rechte Hauptkammer früher und es kommt zu einer interventrikulären Asynchronie. Darüber hinaus arbeitet aber auch die linke Herzhauptkammer in sich asynchron. Die septalen Abschnitte der Kammerscheidewand werden dabei frühzeitiger erregt als die der Lateralwand. Folglich nennen wir dies intraventrikuläre Asynchronie. Durch diese asynchrone Kontraktion des linken Herzens arbeitet das Herz unökonomisch. Die Herzkraft ist demnach reduziert und so kann es bei längerer Persistenz durch den Linksschenkelblock bedingt zu einer Verschlechterung beziehungsweise neu auftretenden Pumpschwäche des linken Herzens kommen.

Linksschenkelblock – welche Therapiemöglichkeiten?

Zunächst einmal ist es wichtig die Ursachen des Linksschenkelblocks, also die Grunderkrankung, wirkungsvoll zu bekämpfen. Dies beinhaltet die medikamentöse Therapie einer Herzschwäche und die Versorgung einer Durchblutungsstörung des Herzens. Medikamente, die die Leitung wieder beschleunigen und den Linksschenkelblock somit direkt auflösen, gibt es nicht. In bestimmten Fällen kommt aber ein sogenanntes CRT-System zum Einsatz. Dies ist ein spezielles Schrittmachersystem, das die rechte Kammer und die linke Kammer über den Zugang des Koronarsinus für die linke Kammer zeitgleich erregen kann. Somit kommt es wieder zu einer Synchronisation und damit zu einer Besserung des Pumpverhaltens.

Linksschenkelblock – was ist zu beachten?

Der Linksschenkelblock weist in der Regel auf eine Herzschädigung hin und hat insgesamt eine schlechtere Prognose als der sogenannte Rechtsschenkelblock. Zu einer kardiologischen Abklärung bei Linksschenkelblock raten wir daher immer.

 

Literatur

Fahy GJ et al. Natural history of isolated bundle branch block. American Journal of Cardiology 1996; 77: 1185-1190

 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

 

 

Herz – elektromechanisches Organ

Das Herz ist ein elektromechanisches Organ. Dabei erfolgt zunächst der elektrische Impuls und die elektrische Erregung wird daraufhin im Herzen weitergeleitet. Anschliessend folgt der elektrischen Erregung die Mechanik: das Erschlaffen und die Füllung, sowie anschließend das Zusammenziehen des Herzmuskels und Auswurf des Blutes in den Kreislauf. Der Begriff elektromechanische Kopplung bezeichnet, dass nach dem elektrischen Impuls die mechanische Herzarbeit kommt.

Herz – Elektrophysiologie

Unser Taktgeber ist der Sinusknoten im physiologischen Sinusrhythmus. Nach Ausbreitung der Erregung über die Vorhöfe kommt es nach einer kurzen Verzögerung im AV-Knoten, dem Filter zwischen Vorhof und Kammer, zu einer Weiterleitung der elektrischen Erregung auf die rechte und auf die linke Hauptkammer. Diese Weiterleitung passiert über spezialisierte Herzfasern, den sogenannten Tawara-Schenkeln. Folglich erregt der rechte Tawara-Schenkel schließlich die rechte Herzhauptkammer, währende der linken Tawara-Schenkel die linke Herzhauptkammer erregt. Ist die Weiterleitung des rechten Tawara-Schenkels verzögert, kommt es zum Rechtsschenkelblock. Dabei geht man davon aus, dass etwa 0,15% der Bevölkerung einen Rechtsschenkelblock haben. Mit steigendem Lebensalter kommt er häufiger vor.

Rechtsschenkelblock – Die Diagnose

Die Verzögerung der Erregungsleitung im rechten Tawara-Schenkel sehen wir im EKG. Folglich ist die Diagnose Rechtsschenkelblock nur mithilfe des EKGs zu stellen. Dabei ist vor allem in den sogenannten rechtspräkordialen Ableitungen, diese sind V1 bis V3, die Diagnose zu stellen. Definitionsgemäß ist beim Rechtsschenkelblock die endgültige Negativitätsbewegung des QRS-Komplex später als 0,03 sec. Wir unterscheiden im EKG einen inkompletten von einem kompletten Rechtsschenkelblock:

  • QRS-Komplex >120 ms = kompletter Rechtsschenkelblock
  • QRS-Komplex >110 ms und <120 ms = inkompletter Rechtsschenkelblock

Rechtsschenkelblock – Die Ursachen

Im Wesentlichen kann jede strukturelle Erkrankung, welche zu einer Druck- oder Volumenbelastung des rechten Herzens führt, zu einem Rechtsschenkelblock führen. Hierzu gehören beispielsweise:
Herzklappenfehler
– Kurzschlussverbindungen (= Shunt)
– Durchblutungsstörungen
– Entzündungen
– Lungengerüsterkrankungen (zum Beispiel COPD)
– Lungengefäßerkrankungen (z.B. Lungenembolie)

Andere Ursachen sind sehr hohe Kaliumspiegel oder Vergiftungen. Zudem können Medikamente die Erregungsleitung verzögern und zu einem Rechtsschenkelblock führen, zum Beispiel Antiarrhythmika oder Psychopharmaka. Zudem kommen auch angeborene Formen des Rechtsschenkelblock vor.

Wichtig ist, dass der Rechtsschenkelblock auch bei strukturell herzgesunden Menschen vorkommen kann.

Rechtsschenkelblock – Die Therapie

Die Therapie des Rechtsschenkelblocks richtet sich nach der vorhandenen Grunderkrankung. Folglich kann eine Optimierung dieser Erkrankung zu einer Entlastung führen. Anders als beim Linksschenkelblock ist die sogenannte Resynchronisationstherapie, das heißt ein CRT System, hier in der Regel keine etablierte Therapieoption. Zudem sind Medikamente, welche die Erregungsleitung im rechten Tawara-Schenkel dauerhaft beschleunigen, nicht verfügbar. Insbesondere ist aber zu erwähnen, dass bei Fehlen einer Ursache einer strukturellen Erkrankung eine Therapie nicht erforderlich ist. Ein Rechtsschenkelblock kommt auch bei Herzgesunden vor.

Rechtsschenkelblock – Fazit

Einen Rechtsschenkelblock müssen wir uns individuell immer genau anschauen. Sind das Herz und die Lunge strukturell gesund, so ist die Prognose bei einem Rechtsschenkelblock uneingeschränkt. Zum Beispiel kann der Rechtsschenkelblock bei jungen auch sportlichen erwachsenen Menschen vorkommen. Verbunden mit einer strukturellen Herzerkrankung kann er mit einer eingeschränkten Prognose einhergehen, insbesondere je beiter der QRS-Komplex ist. Insgesamt ist die Prognose günstiger als der Linksschenkelblock. Der Linksschenkelblock ist häufiger Ausdruck einer strukturellen Herzerkrankung. Nichtsdestotrotz empfehlen wir bei Auftreten und insbesondere Neuauftreten eines Rechtsschenkelblocks eine kardiologische Kontrolle.

 

Literatur:

Fahy GJ et al. Natural history of isolated bundle branch block. American Journal of Cardiology 1996; 77: 1185-1190

Desai AD et al. Prognostic Significance of Quantitative QRS Duration. American Journal of Medicine 2006; 119: 600-606

 

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30 % der Menschen mit Herzschwäche haben einen sogenannten Linksschenkelblock. Dabei handelt es sich um eine Störung der elektrischen Erregung in der linken Herzhauptkammer, die man gut im EKG ablesen kann. Die Erregung läuft dann zeitlich verzögert zur linken Herzhauptkammer ab. Die Folge: Die Auswurfleistung des Herzens (Ejektionsfraktion) ist schlechter und die körperliche Belastbarkeit nimmt ab.

Therapiert werden kann ein Linksschenkelblock mit einem sogenannten bi-ventrikulären Schrittmachersystem. Dabei werden 3 Elektroden implantiert und der Schrittmacher stimuliert die linke und die rechte Hauptkammer gleichzeitig. Auf diese Weise laufen die Erregungen in beiden Kammern wieder synchron ab und die Ejektionsfraktion verbessert sich. Bei den meisten Patienten steigert sich die alltägliche körperliche Belastbarkeit durch die Schrittmacher-Therapie deutlich und der Schweregrad der Luftnot kann deutlich reduziert werden. Wichtig ist, das diese komplexen Schrittmachersysteme individuell optimal eingestellt sind. Nur so lässt sich ein maximal positiver Effekt erzielen.

 

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