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Dr. Frank-Chris Schoebel
Dr. Frank-Chris Schoebel
Dr. Frank-Chris Schoebel arbeitet seid 25 Jahren als Kardiologe in Düsseldorf und war über 16 Jahre Mitarbeiter in der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, davon 6 Jahre als Oberarzt.Zum Profil.

Unterschiedliche Schlaftypen – Leistungsfähigkeit, Beruf und soziale Interaktion

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Haben Sie sich schon einmal gefragt, welchen Einfluss Ihr natürliches Schlafverhalten auf Ihre sozialen Interaktionen und Ihren Beruf haben? Hier erfahren Sie mehr!

 

Schlaftypen Frühaufsteher und Langschläfer: Berufswahl und soziale Interaktion beachten!

Wir kennen unterschiedliche genetisch festgelegte Chronotypen. Ein Merkmal ist, dass Menschen zu unterschiedlichen Zeiten schlafen gehen und aufwachen. Wir unterscheiden grundsätzlich sogenannten Frühtypen (früh zu Bett und frühes natürliches Erwachen) von Spättypen (spät zu Bett und spätes natürliches Erwachen) und die Zwischentypen, die 60%-80% der Bevölkerung ausmachen.

  • Frühtyp: Einschlafen ca. 21:30 – Aufwachen ca. 4:30h
  • Zwischentyp: Einschlafen ca. 23:30 – Aufwachen ca. 6:30h
  • Spättyp: Einschlafen ca. 01:00 – Aufwachen ca. 9:00h

Entsprechend sind auch die Leistungsmaxima für biologische Funktionen sowie körperliche und geistige Tätigkeiten für die verschiedenen Chronotypen unterschiedlich. Da wir in einer komplexen Arbeitswelt leben, die eine soziale Synchronisation erfordert, können gerade die Extremtypen, das heißt die Frühtypen, aber noch mehr die Spättypen unter den zeitlichen Anforderungen des Berufes leiden.

Schlafverhalten und Leistungsmaximum

Der Chronotyp bestimmt nicht nur unser Schlafverhalten, sondern auch unsere geistige und körperliche Leistungsfähigkeit. Legen wir einen Intermediärtyp zugrunde, dann ist die geistige Leistungsfähigkeit (zum Beispiel kreatives und logisches Denken) von circa 10:00h bis 12:00h am höchsten, während die körperliche Leistungsfähigkeit (zum Beispiel Koordination, Reaktionsgeschwindigkeit, Muskelkraft) von circa 13:00h-18:00h das Maximum aufweist.

Bei Frühtypen verschieben sich Leistungsmaxima um circa 2 Stunden nach vorne. Das bedeutet zum Beispiel, dass geistige Arbeit am besten in den frühen Morgenstunden geleistet werden kann. Spättypen hingegen beginnen erst am Nachmittag geistig aktiver zu werden. Häufig reicht bei dieser Gruppe die geistige Leistungsfähigkeit bis in die Nacht hinein und sie sind in dieser Zeit den Intermedärtypen, aber vor allen Dingen den Frühtypen vom Aktivitätsgrad überlegen.

Die unterschiedlichen Leisungsmaxima haben im gesellschaftlichen Zusammenleben merkbare Konsequenzen. Auch hier ist es so, dass die biologische menschliche Entwicklung mit den gesellschaftlichen Anforderungen des modernen Alltags nicht standgehalten hat. Ähnlich wie bei der Bewältigung von Stresssituationen sind wir auch bei unseren chronobiologischen Prozessen weiterhin an ein Leben als Jäger und Sammler angepasst.

Soziale Synchronisation

Während unsere Vorfahren als Jäger und Sammler in der Regel in Gruppen von bis zu 50, maximal 200 Menschen umherzogen, können Menschen seit circa 12.000 Jahren in immer größeren Verbänden bis hin zu Staaten von mehreren 100 Millionen zusammenleben und arbeiten.

Eine wesentliche Voraussetzung für ein funktionierendes Sozialgefüge in großen Gruppen ist die soziale Synchronisierung. Hierzu gehört neben einem gemeinsamen Ordnungs- und Wertesystem (zum Beispiel Religionen, Rechtssysteme, hierarchische Machtstruktur), auch die Koordinierung von gemeinsamen Tätigkeiten zu festgelegten Zeiten des Tages.

Hominiden – über 7,2 Millionen Jahre umherziehende Jäger und Sammler

Hominiden, das heißt menschenähnliche Lebewesen lebten über circa 7,2 Millionen Jahre als Jäger und Sammler. Diese Gruppen waren meistens gezwungen sich der Verfügbarkeit von Nahrung anzupassen. Das bedeutete zum Beispiel, dass unsere Vorfahren wandernden Weidetieren hinterherzogen, die selbst wiederum auf der Suche nach fruchtbarem Weideland waren.

Soziale Synchronisation – Folge der neolithischen Revolution

Ein entscheidender Wendepunkt für das soziale Zusammenleben von Menschen war die neolithische Revolution vor circa 12.000 Jahren. Um diese Zeit begann für die Menschen die breite Nutzung von Ackerbau und Viehzucht, weshalb wir auch von der Agrarrevolution sprechen. Nun passten die Menschen ihre Umgebung ihren Nahrungsbedürfnissen an.

Durch diese Lebensweise, die die zuverlässige Nahrungsgewinnung in den Mittelpunkt stellte, brauchten und konnten Menschen nicht mehr umherzuziehen und wurden sesshaft. Mit der Sesshaftigkeit war es den Menschen außerdem jetzt notwendig in größeren Gruppen und in festen sicheren Behausungen zu leben.

Das Zusammenleben in größeren Gruppen zu leben, ergab sich wiederum auch aus der Diversifizierung der Arbeit. Während es vor der neolithischen Revolution wenige „Berufe“ gegeben hatte, nahmen diese allein schon als Zuarbeiter der Landwirtschaft deutlich zu. Das produktive soziale Gefüge wurde immer komplexer und musste auch zeitlich koordiniert werden. Da der Mensch biologisch betrachtet grundsätzlich ein tagaktives Lebewesen ist, wurde das Tageslicht zur steuernden Größe.

Schon unter praktischen Gesichtspunkten erforderten die meisten Aufgaben in der Landwirtschaft, dass bestimmte Aufgaben alltäglich zu bestimmten Zeiten des Tages durchgeführt wurden, zum Beispiel das Melken von Milchvieh am Morgen oder der Wechsel von Weideflächen für das gehütete Vieh.

Das Zusammenleben von größeren Gruppen hatte auch zur Folge, dass größere Projekte, wie zum Beispiel die Errichtung von Gebäuden gemeinsam in kurzer Zeit aber auch koordiniert über einen sehr langen Zeitraum durchgeführt werden konnten.

Diese Prozesse bei denen mehrere Menschen bis zu mehreren Zehntausenden (siehe zum Beispiel Bau der Pyramiden) gleichzeitig und koordiniert an einem Projekt arbeiten, nennen wir soziale Synchronisation menschlichen Verhaltens.

Soziale Synchronisation – unser Alltag

In unserer modernen Welt ist die soziale Synchronisation eine wesentliche Voraussetzung für eine funktionierende Arbeitswelt. Da Menschen tagaktive Lebewesen sind, orientiert sich unsere Aktivität weiterhin wesentlich am Tageslicht, wobei durch künstliches Licht der aktive Tag bis in die Abendstunden verlängert wird.

In unserer Arbeitsumfeld sind chronobiologische Intermediärtypen und Frühtypen in der Regel im Vorteil. Gerade Frühtypen genießen ein hohes Mass an sozialer Anerkennung, denn wer früh aufsteht und sichtbar viel leistet hat in der Regel ein hohes Maß an sozialer Anerkennung.

Umgekehrt ist es so, dass Menschen, die bei einem regulären frühen Arbeitsbeginn als Spättypen noch müde und vielleicht häufig sogar zu spät zur Arbeit kommen, eher als Schlafmützen gelten. Die Situation ist den meisten von uns bekannt, weil Verspätungen am Arbeitsplatz immer wieder sozialen Konflikte auslösen.

Häufig übersehen sind es gerade die Spättypen, die sogenannten Eulen, die nach Einbruch der Dunkelheit wertvolle Beiträge leisten. So ist es zum Beispiel in einer Verhandlungssituation sinnvoll, wenn nach 20:00 Uhr ein oder zwei Eulen in der eigenen Verhandlungsgruppe sind, denn diese sind dann hellwach und damit gegenüber anderen Schlaftypen in einem erheblichen Vorteil.

Schlafverhalten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Jugendliche und junge Erwachsene zwischen dem 16. und 25. Lebensjahr gehen aufgrund ihrer natürlichen geistigen und körperlichen Entwicklung gerne spät zu Bett und stehen spät auf.

Auch diese Altersgruppe ist ein Opfer der sozialen Synchronisation, weil zum Beispiel die Schule in der Regel um 8:00h beginnt, also viel zu früh. Problematisch ist, dass für dieses natürliche Schlafverhalten meistens das Verständnis in Gesellschaft und Familie fehlen.

Dieses Schlafverhalten, welches dem eines Spättypen entspricht, sagt noch nichts darüber aus, welcher individuelle Schlaftyp sich später tatsächlich herausbildet. Das ist insofern auch problematisch, weil die Berufswahl in diesen Zeitraum fällt.

„Der Mensch ist ein Schichtarbeiter, aber er ist kein Wechselschichtler“. (Dr. Franz Imhäuser)

Chronotypen und Berufswahl

Für eine optimale Gesundheit und Leistungsfähigkeit ist für unterschiedlichen Chronotypen die Berufswahl eine wichtige Entscheidung. Wüssten wir genau welcher Chronotyp sich bei einem jungen Menschen ausprägen wird, dann könnte dieses bei der Wahl der Ausbildung berücksichtigt werden.

Leider fällt Entscheidung zur Berufswahl bei jungen heranwachsenden Menschen in einen biologischen Entwicklungszeitraum, in dem alle Menschen das Verhalten eines „Spättyps“ aufweisen, so dass ein Abgleich zwischen Chronotyp und Beruf meisten nur schwer möglich ist.

Manchmal lässt sich der spätere Chronotyp bei einem jungen Menschen anhand des chronobiologischen Verhaltens der Eltern abschätzen, zum Beispiel sind beide Eltern Spättypen, dann steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Spättypen bei den Nachkommen.

Kann der Chronotyp abgeschätzt werden, dann gibt es ganz unterschiedliche Berufe, die für Spättypen und Frühtypen besonders günstig sind.

Berufe für Frühaufsteher

  • Bäcker, Konditor
  • Lebensmittelhandel (Frühschicht)
  • Ärzte, Pflegeberufe
  • Hotel

Berufe für Langschläfer

  • Rechtsanwalt, Rechtsanwaltsgehilfe
  • Steuerberater, Steuerfachkraft
  • Lebensmittelhandel (Spätschicht)
  • Verkauf im Präsenzhandel
  • Gastronomie und Veranstaltungsgewerbe

Chronotypen – Arbeitgeberperspektive: Einstellung und Leistungseffizienz

Für Arbeitgeber machen Kenntnisse zur Chronobiologie sowohl bei der Einstellung von neuen Mitarbeitern als auch bei der Arbeitseinteilung Sinn. So können Teams optimal zusammengestellt und geführt werden, so dass eine maximale Arbeitseffizienz bei gleichzeitig hoher Mitarbeiterzufriedenheit erzielt wird.

Ein Arbeitgeber sollte sich in Abhängigkeit von der Arbeitsstelle durchaus überlegen, welche Chronotypen er einstellt. Während das jüngeren Menschen häufig schwierig ist, da der Chronotyp noch nicht sicher bestimmbar ist, kann man bei Menschen ab circa 25 Jahren mit einfachen Fragen herausfinden, welcher Chronotyp er ist, zum Beispiel:

  • Können Sie spät in der Nacht noch gut arbeiten?
  • Wann stehen Sie im Urlaub natürlicherweise auf?
  • Benötigen Sie morgens zum Aufstehen einen Wecker?

Auch ein Fragebogen zum Chronotyp (siehe unten) kann hier sehr hilfreich sein. So können Arbeitgeber gezielt die Arbeitnehmer einstellen, die für das jeweilige Berufsumfeld optimal sind, zum Beispiel vorwiegend Spättypen für Rechtsanwaltsgehilfen oder Frühtypen für medizinische Berufe.

Die chronobiologisch orientierte Zuordnung von Mitarbeiter ist zum Beispiel in einem überlappenden 2-Schichtsystem, wie zum Beispiel im Lebensmittelhandel gut möglich. Frühtypen werden vorzugsweise in der Frühschicht, Spättypen in der Spätschicht eingesetzt.

Unterschiedliche Chronotypen in einer Lebenspartnerschaft

In einer Lebenspartnerschaft kann es vor allen Dingen problematisch werden, wenn ein Spättyp mit einem Frühtyp zusammenlebt. Die Zeit, die gemeinsam im Wachzustand verbracht werden kann ist, verkürzt.

Häufig fehlt dann das Verständnis dafür, dass Frühtypen das natürliche Bedürfnis haben, früh zu Bett zu gehen oder umgekehrt, warum der Spättyp morgens nicht aufstehen will. Meistens versucht sich ein Partner dann dem Schlafverhalten des anderen anzupassen, was dann Schlafmangel zur Folge haben kann.

Wenn in einer Beziehung diese Probleme auftauchen, dann gibt es keine einfachen Lösungen, denn jeder Partner braucht 7-8 Stunden Schlaf. Eine erste Hilfe ist, wenn Sie sich darüber im Klaren werden, dass unterschiedliches Schlafverhalten natürlich ist und beide Partner ausreichend Schlaf benötigen. Die gemeinsame Wachzeit sollten Sie daher möglichst aktiv gemeinsam miteinander verbringen.

Chronotyp – bei wichtigen Entscheidungen beachten

Wir können nicht alle Entscheidungen in unserem Leben unserem individuellen Chronotyp unterordnen. Allerdings sollten wir uns den eigenen Chronotyp und den der Menschen in unserem unmittelbaren privaten und beruflichen bewusst machen. Häufig werden dann Probleme bei sozialen Interaktionen klarer, mehr Rücksichtnahme wird einfacher und Anpassungen für das gemeinsame Miteinander haben nachhaltig gesunde Lösungen zur Folge.

Warum sprechen Sie nicht mal mit Ihrem Partner oder Ihrem Arbeitgeber über Ihren Chronotyp?

Material und Literatur

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