Herz und Kreislauf in der Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft ist eine Höchstleistung für den mütterlichen Kreislauf. Nicht nur muss die Mutter, sondern auch das werdende Kind mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden. Dafür muss sich der Kreislauf entsprechend anpassen.

Hinzu kommt, dass das Kind im Mutterleib warmgehalten werden muss. Das erfordert eine zusätzliche Stoffwechselleistung der Mutter.

Schwangerschaft – Veränderungen der Blutmenge und der Blutzusammensetzung

Das zirkulierende Blutvolumen steigt durch eine hormonelle Aktivierung (Renin-Angiotensin-Aldosteron-System) an. Natrium und Wasser werden stärker zurückgehalten, sodass das Plasmavolumen um 30-40%, das heißt um 1-1,5 l, ansteigt. Das ist im Vergleich zur Zunahme der Blutkörperchen deutlich mehr, welche um 0,5 l steigen.

Folglich ist das Blut dünner und fließt auch schneller. Eine relative Blutarmut (Anämie) tritt ein und der Hämoglobinwert liegt zwischen 11 und 12 g/dl, was in der Schwangerschaft vollkommen normal ist. Das gesamte Blutvolumen steigt somit zwischen der 12. und 32.-36. Schwangerschaftswoche auf ein Maximum von zusätzlichen 1,5-2 l an.

Schwangerschaft – Herz und Kreislauf mit mehr Leistung

Das Herzminutenvolumen, also die Menge Blut, die das Herz pro Minute durch den Blutkreislauf pumpt, nimmt ab der 6. Schwangerschaftswoche um 25 bis sogar 50% zu. Mehrere Faktoren beeinflussen dies. Zum einen steigt die Herzfrequenz um 10-30 Schläge/min an. Weiterhin nimmt auch das Schlagvolumen, also die Menge Blut, die das Herz pro Herzschlag pumpt, um 10-35% bis auf maximal 170 ml zu. Das hat natürlich eine Größenzunahme des Herzens zur Folge, welche allerdings ebenfalls eine normale Anpassung darstellt.

Ab der 7. Schwangerschaftswoche sinkt der Blutdruck um ca. 15 mmHg, steigt aber ab der 34. Schwangerschaftswoche wieder auf den Ausgangswert an.

Beinödeme in der Schwangerschaft

Knöchelödeme treten in 80% der Schwangerschaften im letzten Trimenon, d.h in den letzten 3 Monaten vor der Geburt, auf. Ein erhöhter Filtrationsdruck in das Gewebe und die bereits angesprochene Wasserretention sind ursächlich. Darüber hinaus wächst die Gebärmutter, was die Beckenvenen abdrückt und einen erhöhten Venendruck zur Folge hat.

Neben Krampfadern treten dann Beinödeme als Flüssigkeitsansammlung im Gewebe auf. Unter anderem kann es auch zu Hämorrhoiden kommen.

Herzrasen und Benommenheit in der Schwangerschaft – Vena-cava-Kompressionssyndrom

Die Gebärmutter vergrößert sich in der Schwangerschaft und kann die untere Hohlvene, das ist die zum Herzen führende Hauptvene, abdrücken. Dadurch fließt weniger venöses Blut zurück zum Herz, es droht sich quasi leer zu pumpen.

Zum Ausgleich steigt die Herzfrequenz im Liegen deutlich an. Das Vena-cava-Kompressionssyndrom kommt meistens nur in Rückenlage beziehungsweise in Rechtsseitenlage vor. Die Symptome sind Übelkeit, Benommenheit, Herzrasen und drohende Ohnmacht. Es tritt eine sofortige Besserung bei Drehung nach links auf.

Wehen und Entbindung – eine Kreislaufbelastung

Der Geburtsvorgang ist eine zusätzliche Belastung des mütterlichen Herzens, da die Herzfrequenz und das Herzzeitvolumen deutlich zunehmen. Darüber hinaus kommt es zu einer Umverteilung von Blutvolumen aus der Gebärmutter beziehungsweise der Plazenta in den mütterlichen Kreislauf. Zur Folge hat das eine zusätzliche akute Belastung von 500 ml.

Kreislaufanpassung in der Schwangerschaft – ein normaler Vorgang

Die Kreislaufanpassung in der Schwangerschaft ist meistens harmlos. Allerdings können bestehende bisher unerkannte Erkrankungen durch eine Schwangerschaft erstmals bemerkt werden.

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Winterblues und Winterdepression – Stimmungsschwankungen zwischen Sommer und Winter

Wer der Wissenschaft der Medizin genau nachgehen will, der muss zunächst das Geschehen in den Jahreszeiten untersuchen. (Hippokrates)

Die meisten von uns kennen Änderungen der emotionalen Stimmung und des Verhaltens in Abhängigkeit von der Jahreszeit. Der Hauptgrund für diese saisonale Veränderungen ist das verringerte Tageslicht im Winter. Folgerichtig beschreiben wir dieses Phänomen auch mit dem Oberbegriff Saisonalität. Das Spektrum reicht hier von einer leicht gedrückten Stimmung über den Winterblues bis hin zur Winterdepression. Eine Saisonalität wird in der westlichen Welt von ca. 85% der Menschen wahrgenommen. Während die meisten Menschen kaum relevante Symptome verspüren, sind Menschen mit einem Winterblues oder gar einer Winterdepression in ihren alltäglichen Aktivitäten beeinträchtigt.

Die Winterdepression und der Winterblues haben neben der Abhängigkeit vom Licht viele Gemeinsamkeiten, wie z.B. die Symptome. Beide Formen werden aber durch die Einschränkung der Alltagstauglichkeit eindeutig unterschieden. Demgegenüber sind normale Alltagsaktivitäten bei einer Winterdepression nur noch mit größter Anstrengung oder gar nicht mehr möglich.

Winterdepression – Sie können sich selber NICHT helfen

Die Winterdepression, auch saisonale affektive Störung genannt ist auf jeden Fall eine sehr ernstzunehmende Erkrankung. Zwischen 0,5 und 3 % der Bevölkerung sind davon betroffen. Frauen im gebärfähigen Alter leiden 3 mal häufiger an einer Winterdepression als Männer, wobei sich der Geschlechtsunterschied nach der Menopause ausgleicht.

Menschen mit einer Winterdepression haben eine schwere Einschränkung der Alltagstauglichkeit. Sie kommen morgens nur sehr schwer aus dem Bett. An manchen Tagen bleiben Sie auch einfach den ganzen Tag im Bett. Häufiger kommen Sie zu spät zur Arbeit und Ihnen unterlaufen Unachtsamkeiten und Fehler, die Sie sonst nicht von sich kennen. Auch zu Hause bleiben wichtige Erledigungen, wie z.B. das regelmäßige Waschen der Wäsche oder die Bezahlung von Rechnungen liegen. Im sozialen Kontakt mit Menschen reagieren Sie gereizt bis aggressiv und Sie ziehen sich in den Wintermonaten häufig aus sozialen Kontakten zurück.

Menschen mit einer Winterdepression können sich selber nicht mehr helfen und sind so gesundheitlich bis hin zur Suizidalität ernsthaft gefährdet. Folglich sollten Betroffene in diesem Fall auf jeden Fall einen Facharzt bzw. eine Fachärztin aufzusuchen, denn möglicherweise muss eine Behandlung mit Medikamenten eingeleitet werden.

Winterblues – Sie können sich selber helfen….und anderen Menschen auch

Der Winterblues wird auch saisonale depressive Verstimmung oder saisonale Dysthymie genannt. Die saisonale depressive Verstimmung kommt in Deutschland bei ca. 15-20% der Bevölkerung vor. Die Symptome sind beim einzelnen mehr oder weniger schwer ausgeprägt und können bei einzelnen Menschen von Jahr zu Jahr schwanken, z.B. nehmen sie bei einem Umzug nach Norden oder in eine dunklere Wohnung zu.

Sollten Sie vom Winterblues betroffen sein, dann sind Sie allerdings immer in der Lage Ihren Alltagsaktivitäten nachzugehen. Im Gegensatz zur Winterdepression hängt beim Winterblues die Ausprägung des Schweregrades auch von Ihrem Verhalten ab. So können Sie sich z.B. mit einer Lichttherapie sehr gut selber helfen.

Achten Sie auch bei Ihren Mitmenschen auch Zeichen des Winterblues. Möglicherweise können Sie einem Familienmitglied, einer Freundin oder einem Arbeitskollegen einen wertvollen Hinweis geben.

Winterdepression und Winterblues – Symptome im Winter 

  • Symptome beginnen im Spätherbst und verschwinden auch unbehandelt im Frühling
  • Traurigkeit, Niedergeschlagenheit
  • weniger Energie mit Antriebsarmut
  • Denkstörungen
  • gesteigerte Nahrungsaufnahme (Kohlenhydrate!), meistens mit Gewichtszunahme
  • längere Schlafdauer, erschwertes Erwachen
  • verringerter Sexualtrieb
  • sozialer Rückzug
  • typisch Verbesserung durch Lichtexposition (z.B. durch Tageslichtlampe, Skiurlaub)

Winterblues und Winterdepression – weniger Licht im Winter, der entscheidende Auslöser

Fehlendes Sonnenlicht im Winter ist der entscheidende Auslöser für die Saisonalität mit Winterblues und Winterdepression. Am Äquator herrscht Tages- und Nachtgleiche, d.h. der helle Tag ist genauso lang wie die dunkle Nacht. Je weiter wir allerdings vom Äquator entfernt leben, desto länger werden die Nächte im Winter. Am kürzesten Tag (21. Dezember) ist es in Deutschland rund 16 Stunden dunkel, am längsten Tag (21. Juni) dagegen nur etwa 8,5 Stunden. Für die USA konnte gezeigt werden, dass je weiter entfernt Menschen vom Äquator entfernt leben, desto häufiger treten Winterblues und Winterdepression auf. Die Zahlen dürften für Europa vergleichbar sein und wir können ausgehen, dass in Deutschland jeder 5. Mensch von einem der beiden saisonalen Syndrome betroffen ist.

Ein weiterer Beleg dafür, dass Licht der entscheidende Auslöser einer saisonalen Störung ist, ist die Tatsache, dass eine Lichttherapie sehr gut hilft. Das wird besonders deutlich, wenn ein Mensch mit hochsymptomatischem Winterblues im Januar in ein sonniges Skigebiet reist. Schon nach wenigen Tagen Sonnenexposition sind alle Symptome verschwunden. Allerdings stellen sich Symptome nach der Rückkehr in die winterliche Umgebung in Deutschland rasch wieder ein.

winter depression genetik

Winterblues und Winterdepression – Genetik als Ursache?

Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass möglicherweise genetische Faktoren eine Rolle bei saisonalen Störungen spielen. Sowohl Isländer, die in Island um den 65. Breitengrad leben als auch Kanadier mit isländischem Ursprung, die um dem 50. Breitengrad leben, haben eine vergleichbare und für den Breitengrad sehr niedrig Rate an Winterdepressionen. Eine genetische Ursache kann hier eine evolutive vorteilhafte Anpassung für das Leben im Norden darstellen. Die oben genannten Symptome der Saisonalität einschließlich der verringerten Bereitschaft zur Reproduktion sind für ein erfolgreiches Überleben einer Art in lichtarmen Ländern ja eher ungünstig.

Ein weiterer Hinweis darauf, dass die Empfindlichkeit für Helligkeit und Dunkelheit vererbt wird, ist die Tatsache, dass Winterblues und Winterdepression in Familien gehäuft vorkommen. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung ist das Vorkommen ähnlich wie bei Erwachsenen.

Winterblues und Winterdepression – Melatonin als Vermittler?

Eine sehr aufwändige wissenschaftliche Untersuchung hat gezeigt, dass zwischen Menschen mit Winterdepression und solchen ohne depressive Symptome im Winter ein Unterschied bei der Ausschüttung von Melatonin auftritt.

Bei Menschen mit Winterdepression ist die Dauer der Ausschüttung im Sommer signifikant kürzer als im Winter, während dieses bei gesunden Kontrollen nicht der Fall ist. Während der Zeitpunkt des Beginns der Ausschüttung von Melatonin zwischen beiden Gruppen im Sommer und im Winter vergleichbar ist, ist der Zeitpunkt der Beendigung der entscheidende Faktor. Der Beendigung der Melatoninausschüttung bei Patienten mit Winterdepression zwischen Sommer und Winter deutlich verringert: 5:15h ± 1:29h vs. 5:41h ± 1:26h (p= 0,01). Bei den Kontrollen bestand praktisch kein Unterschied zwischen Sommer und Winter.

Für Melatonin konnte gezeigt werden, dass es die Freisetzung von Dopamin im Gehirn verringert. Das wird einerseits zur Behandlung von Domamin-Vermittelten Suchterkrankungen genutzt. Andererseits ist Dopamin ein Vermittler von Emotionen wie Freude und Zufriedenheit. Folglich ist es durchaus denkbar, dass Melatonin selber die Symptome der Winterdepression bzw. des Winterblues direkt beeinflusst.

Die Bedeutung dieser Befunde sind bisher nicht klar, bestätigen allerdings die bessere Wirksamkeit einer Lichttherapie bei Winterdepression, wenn Sie am Morgen, und dann besonders früh eingesetzt wird.

 

 

 

Winterblues und Winterdepression – auch bei Kindern und Jugendlichen

Die Saisonalität bei Kindern und Jugendlichen äußert sich meistens erstmals im Schulalter und ist mit ähnlichen Symptomen wie bei Erwachsenen verbunden. Bei Kindern und Jugendlichen wird das besonders deutlich, wenn es im Winter zu einem Abfall der schulischen Leistungen kommt, was ja an den Schulnoten “objektiv” abgelesen werden kann. Wenn im jüngeren Lebensalter vor allen Dingen im Winter vermeintlich psycho-somatische Beschwerden, wie z.B. Bauch- oder Kopfschmerzen auftreten, dann sollten wir an eine saisonale Ursache denken. Auch das Bedürfnis nach Fastfood kann übermäßig gesteigert sein.

Bei Jugendlichen kommen Überlagerungen mit dem altersspezifischen Schlafmuster und der Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivtäts-Störung vor. Bei Jugendlichen ist die Schlafphase so verschoben, dass sie bekanntermaßen morgens schlecht aus dem Bett kommen. Allerdings beinhaltet dieses Schlafmuster auch ein natürliches spätes Zubettgehen, was bei einer rein saisonalen Störung eher nicht der Fall ist. Im Gegensatz zu jungen Menschen mit ADHS, fallen Schüler mit einer rein saisonalen Störung in der Schule nicht durch Hyperaktivität auf und sind den Lehrern keine Last.

Zu einem besonderen Problem wird die Saisonalität, wenn die Kinder nicht mehr zu Hause leben und selbstverantwortlich einer Ausbildung nachgehen. Gerade, wenn die jungen Menschen nicht mehr durch den “Elternwecker” getaktet werden, können ernsthafte Probleme, z.B. durch den morgendlichen Verbleib im Bett entstehen. Daher ist es wichtig, wenn der Winterblues bzw. die Winterdepression im Schulalter erkannt werden, so dass Strategien zur Behandlung entwickelt werden können. Eltern, die selber an einer Saisonalität leiden, sollten hier besonders achtsam sein, ohne allerdings im Sinne der sich selbst erfüllenden Prophezeiung eine Diagnose zu stellen und das eigene Kind zu stigmatisieren. Im Zweifel sollten Sie als Eltern Ihre Gedanken mit einem Spezialisten für saisonale Erkrankungen teilen.

Winterblues – eine positive Perspektive durch Lebensstilmodifikation

Gerade der Winterblues, die saisonale depressive Verstimmung ist durch Lebensstilmodifikation gut beherrschbar. Wesentlich ist der gezielte Einsatz von Tageslichtlampen und farbigen programmierbaren Lichtquellen zur Simulation des Tageslichtes. Darüber hinaus sind die kalte Dusche am Morgen, körperliche Aktivität und Anpassung der Ernährung und Vitamin D sehr hilfreich. Frühzeitige Vorbeugung bereits im September/Oktober kann Symptome verhindern.

Bei Anzeichen einer Winterdepression sollten Sie unbedingt professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

 

…..weiter im Selbsthilfekurs “Winterblues”

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Winterblues und Winterdepression – Wechsel von Licht und Dunkel

Als Spezies wurden wir für den Äquator entwickelt, 12 Stunden Licht und 12 Stunden Dunkelheit. Es ist also unsere eigene Schuld, wenn wir uns vom Äquator entfernt haben. Je mehr wir uns davon entfernen, desto mehr Probleme bekommen wir. (Torbjorn Akerstedt, Direktor Stockholm Stress Research Institute)

Wer sich mit dem Winterblues näher befassen will bzw. selber an einer saisonalen depressiven Verstimmung oder gar an einer Winterdepression leidet, der sollte sich mit der Evolution des Menschen und seinem Verhältnis zu Licht und Dunkelheit befassen.    

Die Wiege der Menschheit – nahe am Äquator  

Der Ursprung der Menschheit liegt in Afrika. Nach dem gegenwärtigen Stand der Forschung hat das erste menschenähnliches Wesen vor 7,2 Millionen Jahren in Zentralafrika im heutigen Tschad gelebt. Dieser Hominide, der Sahelanthropus tchadensis ging mit hoher Wahrscheinlichkeit schon überwiegend auf 2 Beinen und lebte nur ca. 1.300 km nördlich vom Äquator.   

Sahelanthropus tchadensis und weitere Vorfahren des Homo sapiens lebten bis vor ca. 2,6 Millionen Jahren ausschließlich in Zentralafrika, bevor sie sich dann in andere Regionen Afrikas ausgebreitet haben. Das bedeutet also, dass unsere Vorfahren mindestens 4,6 Millionen Jahre durch die Region am Äquator geprägt wurden. Erst vor 65.000 Jahren begann eine Art der Gattung Homo Afrika sich über die Grenzen Afrikas hinaus auszubreiten, es war der Homo sapiens.  

Äquator – Tages- und Nachtgleiche für Licht und Dunkel das ganze Jahr  

Diese frühe Phase des menschlichen Daseins in Zentralafrika hatte alleine schon durch ihre Dauer – immerhin 2,3 Millionen x 2.000 Jahre unserer Zeitrechnung – einen entscheidenden Einfluss auf die Genetik der heutigen Menschen.   

Das gilt z.B. für das Fight-or-Flight Verhalten bei drohender Gefahr. Das für diese schnelle Reaktionsweise ursächliche Adrenalinsystem prägt noch heute unsere Emotionen im alltäglichen Leben. Obwohl wir in der Regel nicht mehr von Gefahren für Leib und Leben umgeben sind, reagieren wir auch im friedlichen sozialen Umgang häufig vollkommen unnötig reflexartig und überschießend, z.B. im Straßenverkehr.  

Der Mensch und seine Vorfahren sind tagaktive Lebewesen, d.h. sie gehen am Tag der Nahrungssuche nach und schlafen in der Nacht. Unsere Innere Uhr und damit alle unsere zirkadianen biologischen Prozesse werden durch den solaren Tag, d.h. durch den Wechsel von Tag und Nacht synchronisiert. In Bezug auf die Genetik hat die evolutive Entwicklung unserer Vorfahren über Millionen von Jahren am Äquator auch zu einer entsprechenden Programmierung unseres genetischen Codes geführt.   

Am Äquator herrscht das ganze Jahr über die sog. Tagundnachtgleiche, d.h. die Sonne geht um ca. 6:00h auf und um ca. 18:00h unter. Die Menschen dort sind also jeden Tag im Jahr sehr stabilen und ausgeglichenen Lichtverhältnissen ausgesetzt: 12 Stunden Helligkeit und 12 Stunden Dunkelheit.    

Etwas weiter nördlich vom Äquator in N’Djamena, der Hauptstadt des Tschad, also der Region wo unsere Vorfahren herkommen, beträgt die maximale Dauer der nächtlichen Dunkelheit zur Sommersonnenwende am 21. Juni 11 Stunden 9 Minuten und zur Wintersonnenwende am 21. Dezember 12 Stunden und 25 Minuten. Die Differenz zwischen minimaler und maximaler Dunkelheit beträgt folglich 1 Stunde und 34 Minuten.     

Je weiter vom Äquator entfernt, desto größer der Stress für den Menschen

Bezogen auf die Erde gilt, je weiter wir uns vom Äquator entfernen, desto größer sind die Unterschiede für Tag und Nacht zwischen dem 21. Juni und dem 21. Dezember, der Sommer- bzw. Wintersonnenwende. Zwei Faktoren spielen für den Menschen dabei eine Rolle  

  • absolute Dauer der Dunkelheit   
  • Anpassungsdruck zwischen minimaler und maximaler Dunkelheit zwischen Juni und Dezember  

Nehmen wir als Beispiel mal die saisonalen Lichtverhältnisse in Düsseldorf, einer Stadt leicht oberhalb des 51. Breitengrades in Westeuropa. Düsseldorf liegt also 5.661 Kilometer ((51 x 111) + 28km) vom Äquator entfernt.     

Winterblues – Absolute Dunkelheit in Westeuropa

In Düsseldorf beträgt die Dauer der Dunkelheit zur Sommersonnenwende 7:25 h Stunden und zur Wintersonnenwende 16:08 h. Die minimale bzw. maximale Abweichung der Zeit, die wir der Dunkelheit ausgesetzt sind, beträgt somit abweichend von einer Licht- bzw. Dunkelphase am Äquator mit 12 Stunden am 51. Breitengrad jeweils ca. 4 Stunden.  

Alleine der hohe Anteil der nächtlichen Dunkelheit ist für das emotionale und körperliche Befinden der meisten Menschen ein relevanter Faktor für die Leistungsfähigkeit und hat entsprechende Symptome zur Folge. Durch eine zu lange Dunkelheit werden mehrere Primärtriebe des Menschen, namentlich der Bewegungstrieb und die Nahrungssuche einschränkt.   

Auf der anderen Seite ist aber auch so, dass zu viel Helligkeit im Sommer die Schlafdauer bedeutsam verkürzen kann, was ebenfalls negative gesundheitlich Folgen, wie z.B. Unruhe oder Schlafstörungen zur Folge haben kann  

Kurzum, eine zu starke Abweichung von der äquatorialen Tagundnachtgleiche ist in Bezug auf die menschliche Vorgeschichte eher als unnatürlich zu bewerten.  

Winterblues und Winterdepression – Anpassungsdruck zwischen Sommer und Winter in Westeuropa 

Betrachten wir nun für Düsseldorf den Unterschied zwischen maximaler Dunkelheit zur Sommer- und zur Wintersonnenwende, dann beträgt dieser 8 Stunden und 43 Minuten, also fast 9 Stunden.  

Im Gegensatz zu den stabilen und ausbalancierten Lichtverhältnissen am Äquator mit einem Anpassungsdruck von 0 Stunden, unterliegt die Innere Uhr des Menschen in Deutschland einem kontinuierlichem Anpassungsdruck. Synchronisiert durch Sonnenaufgang und -untergang müssen sich Ihre inneren biologischen Prozesse immer weiter umstellen. Das ist durchaus Stress. Wir können das daran ablesen, dass manche Menschen mit saisonaler Depression bzw. saisonaler Verstimmung bereits vor der Tagundnachtgleiche im September sich bereits antriebsärmer fühlen.  

 Extremer Anpassungsdruck an den Polen

Je weiter Sie vom Äquator entfernt leben, desto extremer werden die Verhältnisse.   

In Hammerfest auf dem 70. Breitengrad in Norwegen, der nördlichsten Stadt der Welt, herrscht zwischen dem 22. November und dem 21. Januar nahezu komplette Dunkelheit, die Polarnacht. Entsprechend geht die Sonne zwischen dem 19. Mai und dem 26. Juli überhaupt nicht unter. Zwischen dem 21. Januar und dem 19. Mai müssen die Hammerfester innerhalb von 118 Tagen einen Anpassungsdruck von 24 Stunden von kompletter Dunkelheit zu kompletter Helligkeit bewältigen. Dasselbe gilt natürlich auch für die Regionen nahe dem Südpol.  

  

Winterblues und Winterdepression – Abhängigkeit vom Breitengrad

In den USA ist die Saisonalität am besten untersucht. Fasst man die Winterdepression und den Winterblues zusammen, dann finden wir eine eindeutige Korrelation zwischen dem Breitengrad und der Häufigkeit der Störungen. Folglich liegt die Häufigkeit am 27. Breitengrad in Sarasota, Florida, zusammengefasst lediglich bei 4,0%, am 65. Breitengrad in Fairbanks, Alaska bei 28,3%.  

In Europa dürften die Verhältnisse ähnlich sein wie in den USA, wobei bisher hauptsächlich Menschen in den nordeuropäischen Ländern untersucht wurden. So ist die Häufigkeit von Winterblues und Winterdepression in Tromsö, Norwegen am 69. Breitengrad, mit 24,4% ähnlich hoch wie in Fairbanks, Alaska. In Deutschland beträgt die Häufigkeit von Winterblues und Winterdepression 20-25%.

Winterblues und Winterdepression – machen Sie mehr Licht

Die vorangegangen Ausführungen zeigen doch recht deutlich, warum uns Menschen das fehlende Licht gesundheitlichen Probleme bereiten kann, je weiter wir vom Äquator entfernt leben.  Dieses ist auch die biologische Grundlage für den Erfolg der Lichttherapie und überhaupt den Umgang mit Umgebungslicht bei Winterblues und Winterdepression.

 

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Von Mitte Dezember bis Mitte März ist Grippesaison, die Ansteckungsgefahr ist dann besonders hoch. Übertragen werden Grippeviren über Tröpfcheninfektion (Niesen, Husten oder Sprechen) und direkten Kontakt (z.B. Händeschütteln, Türgriffe). Besonders groß ist das Risiko in großen Menschenansammlungen (z.B. in öffentlichen Verkehrsmitteln, Schulen, Einkaufsstätten).

In der Grippesaison 2017/18 wurden allein in Deutschland über 333.000 Betroffene registriert, 1.665 Menschen starben daran (87% von ihnen waren älter als 60 Jahre). Der volkswirtschaftliche Schaden durch Arbeitsausfall ist hoch.

Der beste Schutz gegen Grippe ist die jährliche Impfung (jedes Jahr neuer Impfstoff!) und eine gute Hygiene. Mit den folgenden hygienischen Maßnahmen können Sie gut vorbeugen:

  • regelmäßig Hände waschen und Hände vom Gesicht fernhalten
  • als Betroffener mindestens 2 Meter Abstand zu Mitmenschen einhalten
  • hygienisch husten = in den Ärmel husten (nicht in die Hand) = Dracula-Technik
  • bei Krankheitssymptomen auf Körperkontakt verzichten (z. B. Hand geben, umarmen)
  • geschlossene Räume regelmäßig lüften

Ein gesunder Lebensstil hilft ebenfalls: regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung und eine Trinkmenge von 30 ml pro kg Körpergewicht pro Tag.

Ein hohes Risiko für Grippeverläufe haben

  • Schwangere
  • Säuglinge und Kleinkinder
  • chronisch Kranke
  • Senioren

Besonders gegenüber diesen Risikogruppen sollte ein grippekranker Mensch Kontakt vermeiden und Hygienemaßnahmen streng beachten.

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Notaufnahmestation – medizinische Dringlichkeit entscheidet über Reihenfolge der Behandlung

Wenn Sie den Rettungsdienst unter 112 verständigen bzw. selbstständig eine Notaufnahmestation aufsuchen UND Sie sind NICHT lebensbedrohlich erkrankt, dann sollten Sie die Regeln einer Notaufnahmestation kennen.

Auf einer Notaufnahmestation geht es NICHT der Reihe nach, und das ist auch medizinisch richtig so. Das mögen Sie subjektiv als ungerecht empfinden, das ist es aber nicht. Auf der Notaufnahmestation entscheidet die medizinische Dringlichkeit darüber, welcher Mensch zu welchem Zeitpunkt behandelt wird. Die medizinische Dringlichkeit wird endverantwortlich durch eine Ärztin oder einen Arzt festgelegt. Würde ein Arzt sich z.B. zeitaufwändig um einen Mann kümmern, der lediglich ein leichtes Fieber mit Husten hat, anstatt eine Frau mit drohendem Herzinfarkt akut zu versorgen, dann ist das ärztlich falsch und kann juristische Konsequenzen zur Folge haben.

Folglich sollten Sie sich auf einer Notaufnahmestation auf lange Wartezeiten, auch auf mehrere Stunden einstellen.

Sicherlich, Sie sind innerlich angespannt, fühlen sich körperlich nicht gut, wissen nicht, wie es weiter gehen wird und würden am liebsten bald wieder nach Hause gehen. Trotzdem sollten Sie darauf verzichten, ungeduldig und unfreundlich zu sein oder gar Pflegepersonal bzw. ärztliches Personal zu beschimpfen, auch wenn der Ablauf nicht Ihren Wünschen und Vorstellungen entspricht.

Gehen Sie davon aus, dass Ihre Wartezeit auf der Notaufnahmestation medizinisch sinnvoll für die Menschen genutzt wird, die dringlicher ärztliche Hilfe benötigen als Sie, nicht selten solche, die lebensgefährlich erkrankt sind.

Gut vorbereitet auf die Notaufnahmestation – Wartezeit sinnvoll gefüllt

Gut vorbereitet sollten Sie den Weg auf die Notaufnahmestation antreten, dann ist alles nur noch halb so schlimm. Sinnvoll ist es daher, BEVOR Sie sich auf den Weg zur Notaufnahmestation machen, neben den wichtigen medizinischen Vorbefunden, eine Reisetasche mit Nachtwäsche und etwas zum Lesen und zum Trinken mitzunehmen. Bei den doch wahrscheinlich längeren Wartezeiten ist es auch sinnvoll, ein Butterbrot und Obst einzupacken. Allerdings sollten Sie das Pflegepersonal auf der Notaufnahmestation fragen, bevor Sie etwas essen, denn für Sie könnten ja noch Untersuchungen anstehen, bei denen Sie nüchtern sein müssen.

Gut vorbereitet können Sie die Zeit im Wartebereich jetzt entspannt und sinnvoll füllen, indem Sie etwas lesen, sich mit Ihren Angehörigen unterhalten (ruhig) oder indem Sie entspannende Musik über Ihr Handy hören (selbstverständlich mit Kopfhörer).

Notaufnahmestation – durch Menschen mit nicht-lebensbedrohlichen Erkrankungen überlastet 

In Deutschland werden pro Jahr ca. 52 Millionen Menschen auf Notaufnahmestationen betreut. Bei ca. 1.850 Krankenhäusern, die an der Notfallversorgung teilnehmen, bedeutet dieses pro Krankenhaus rein rechnerisch ca. 28.1 Tausend Patienten pro Jahr und entsprechend 77,0 pro Tag und 3,2 pro Stunde. Selbstredend ist die Belastung in einigen Krankenhäusern höher und das Patientenaufkommen ist zu Stoßzeiten ebenfalls deutlich höher, z.B. 8-12 Patienten pro Stunde sind keine Seltenheit.

Die meisten ambulanten Notfallbehandlungen werden werktags zwischen 18:00-20:00 h und an Wochenenden zwischen 10:00-12:00h durchgeführt. An Wochenenden steigt die Zahl der ambulanten Notfälle um 39% an.

Ärztliches Personal und Pflegekräfte auf der Notaufnahmestation betreuen ca. 52 % aller Notfallpatienten ausschließlich ambulant. Von den verbleibenden ca. 25 Millionen Fällen in den Notaufnahmen hätten weitere 43 %, d.h. 10,7 Millionen ambulant versorgt werden können. Nur ca. 10% aller Menschen, die auf eine Notaufnahmestation kommen sind lebensbedrohlich erkrankt.

Insbesondere die Zahlen zur Mehrbelastung von Notaufnahmestationen am frühen Abend und am Wochenende sowie die Tatsache, dass 52% der Menschen ohne stationäre Aufnahme wieder nach Hause gehen, zeigen, dass diese Patienten von ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzten versorgt werden können und sollten. Kurzum, eine Vielzahl dieser Probleme sind eigentlich die Aufgabe Ihres Hausarztes, sofern die Praxis geöffnet ist. Außerhalb der hausärztlichen Praxiszeiten erfolgt in Deutschland die ambulante medizinische Versorgung durch den ärztlichen Notdienst bzw. durch die Notfallpraxen.

Nicht-lebensbedrohliche Erkrankungen – Ärztlicher Notdienst unter 116117 und Notfallpraxen kontaktieren 

Bei nicht-lebensbedrohlichen Erkrankungen NICHT den Rettungsdienst unter 112 verständigen und NICHT eine Notaufnahmestation in einem Krankenhaus aufsuchen.

Zu diesen nicht-lebensbedrohlichen Erkrankungen zählen wir:

  • Brechdurchfall
  • Erkältung mit hohem Fieber
  • Bauchschmerzen akut
  • Harnwegsinfekte akut
  • Rückenschmerzen akut
  • starke Hals- und Ohrenschmerzen

Entsprechend sollten Sie bei nicht-lebensbedrohlichen Erkrankungen den Ärztlichen Notdienst unter 116117 (besser zu merken als elf6 elf7) verständigen. Folglich können Sie bereits telefonisch Ihre Symptome schildern und sollten Sie nicht transportfähig sein, dann kommt auch ein Arzt zu Ihnen ins Haus. Ansonsten können Sie bei nicht-lebensbedrohlichen Erkrankungen eine Notfallpraxis aufsuchen, die Adresse finden Sie im Internet.

Beim Ärztlichen Notdienst bzw. in den Notfallpraxen werden die Menschen in der Regel der Reihe nach behandelt.

Die Öffnungszeiten lauten:

  • Montag, Dienstag, Donnerstag: 18:00-8:00h
  • Mittwoch, Freitag 12:00-8:00h
  • Samstag, Sonntag 8:00-8:00h

Menschen mit Hör- und Sprechstörungen kontaktieren den Ärztlichen Notdienst unter der Faxnummer 0800 58 95 210 oder in Nordrhein-Westfalen unter der E-Mail gehoerlos@arztrufzentrale-nrw.de (andere Bundesländer, siehe Internet)

Lebensbedrohliche Erkrankungen – Rettungsdienst unter 112 anrufen

Bei lebensbedrohlichen Situationen gilt immer: den Notruf 112 wählen!

Zu den Hinweisen auf lebensbedrohliche Erkrankungen zählen wir:

  • starke Brustschmerzen, Herzbeschwerden
  • schwere Atemnot
  • Lähmung, Sensibilitäts- oder Sprachstörungen
  • starke, bisher unbekannte Kopfschmerzen
  • Bewusstlosigkeit, Bewusstseinstrübung
  • schwere Blutungen, Verletzungen
  • Ertrinkungs-, Stromunfälle, Vergiftungen, Verbrennungen

Folgerichtig gehen Sie bei Absetzen des Notrufes schnell und konsequent vor, wie z.B. bei einem Herzinfarkt.

Akute Beschwerden – wählen Sie den richtigen Weg, meistens ist es elf6 elf7

Aufgrund der oben genannten Ausführungen wird klar, dass bei Menschen mit akuten Symptomen meistens der Gang auf die Notaufnahme nicht nur unbequem, sondern auch aus medizinischer Sicht nicht erforderlich ist.

Sparen Sie sich folglich Weg und Wartezeit, wenn eine nicht-lebensbedrohlich Erkrankung bei Ihnen besteht. Daher verständigen Sie in solchen Fällen den Ärztlichen Notdienst unter elf6 elf7.

IKK e.V. Notfallversorgung in Zahlen

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Kohlendioxid, kurz CO2, entsteht im Körper bei Stoffwechselvorgängen und wird über die Lunge abgeatmet. In der Luft gemessen wird es mit der Einheit parts per million = ppm. Sie ist somit ein Indikator für die Luftreinheit. Normale Raumluft hat einen CO2-Wert von etwa 350 ppm, Ausatemluft von ca. 40.000 ppm. Bis zu einem Wert von 1.000 ppm gilt Raumluft als unbedenklich.

Wie sich Grippeviren bei zunehmend unreiner Luft in einem geschlossenen Raum ausbreiten können, zeigen wir an einem Beispiel. Dabei gehen wir von einem Klassenraum mit 30 Schülern aus, wobei ein Schüler Grippe hat. Die Ansteckungsrate der übrigen 29 Schüler nimmt innerhalb von 4 Stunden je nach Luftqualität im Raum folgendermaßen zu:

  • Raumluft 1.000 ppm CO2: fünf von 29 Schülern infizieren sich mit Grippe = 17,2 %
  • Raumluft 2.000 ppm CO2: 12 von 29 Schülern infizieren sich mit Grippe = 41,4 %
  • Raumluft 3.000 ppm CO2: 15 von 29 Schülern infizieren sich mit Grippe = 51,7 %

Um einer solchen Entwicklung vorzubeugen, kann man während der Grippesaison ganz einfache Maßnahmen treffen:

  • bei mehreren Personen im Raum: alle zwei Stunden lüften!
  • bei vorhandener Messvorrichtung: ab 1.000 ppm, spätestens ab 1.400 ppm CO2 lüften!

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Grippe – jedes Jahr schwere Verläufe und Todesfälle

In der Cardiopraxis liegt es uns am Herzen, dass Sie gesund durch die verschiedenen Jahreszeiten kommen. Daher erinnern wir Sie auch  immer wieder an die Grippeschutzimpfung. Gerade Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen werden von der Grippe besonders gefährdet.

In der letzten Saison 2018/19 waren über 182.000 registrierte Menschen in Deutschland von einer Grippe betroffen. Dabei wurden dem Robert Koch-Institut wurden 954 Todesfälle mit Infektionsnachweis gemeldet. Dagegen war die Grippewelle in der Vorsaison 2017/18 eine der schlimmsten: geschätzt sind 25.100 Menschen in Deutschland durch Influenza gestorben.

Besonders schwere Erkrankungsverläufe mit Todesfällen treten bei Menschen mit chronischen Vorerkrankungen auf.

Die effektivste Methode gegen die Grippe ist die Impfung, deren Wirksamkeit und Sicherheit vor allem für chronisch Kranke in vielen Studien belegt wurde.

Grippeviren verändern sich von Jahr zu Jahr

Grippeviren verändern sich genetisch, deswegen gibt es jedes Jahr einen neuen Impfwirkstoff. Folglich werden seit April 2018 grundsätzlich die 4-fach-Impfstoffe (zusätzlicher Schutz gegen Influenza B-Viruslinie) empfohlen. Einen 100-prozentigen Schutz vor Infektion gibt es allerdings nicht. Eine besonders schwere Komplikation der Grippe ist die Lungenentzündung, die zu Beatmungspflichtigkeit und Tod führen kann.

Was können Sie gegen die Grippe tun? – Grippeschutzimpfung!!

Rüsten Sie sich für die Grippewelle frühzeitig. Wenn Sie für die Haupt-Grippewelle von Januar bis März gut geschützt sein wollen, dann ist der ideale Zeitraum für eine Schutzimpfung der Zeitraum von Oktober bis November. Nach der Impfung baut sich der Schutz innerhalb von 10 bis 14 Tagen auf.  Eine frühere Impfung sollten Sie vermeiden, weil der Grippeschutz nach der Impfung stetig abnimmt. Um ausreichenden Schutz aufzubauen, sollten vor einer Virusinfektion zudem mindestens 14 Tage vergangen sein.

Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Ihre persönliche Risikokonstellation. Sie sollten sich jedes Jahr einen Termin im Kalender machen, um sich an die rechtzeitige Impfung zu erinnern. Sie können sich z.B. gut daran erinnern, wenn Sie sich den 6. November, den Namenstag von St. Martin merken. Also, spätestens wenn die Kinder der Martinszüge vor Ihrer Tür stehen oder die Martinsgans zu Hause auf den Tisch kommt, dann ist die Zeit für Sie gekommen die Grippeschutzimpfung anzugehen.

Grippewelle – Hochrisikogruppen besonders gefährdet

Zu den Hochrisikogruppen bei Grippe zählen Menschen mit

  • Alter >60 Jahre
  • angeborenen oder erworbenen Immundefekten, z. B. einer HIV-Infektion
  • Immunsuppression
  • Diabetes mellitus
  • Kinder (ab 6 Monaten), Jugendliche und Erwachsene mit chronischen Erkrankungen: Herz-Kreislauf, Leber, Niere, Lunge, Nervensystem
  • schwangere Frauen
  • Bewohner von Alten- und Pflegeheimen
  • Medizinisches Personal, Personal in Pflegeeinrichtungen, Lehrkräfte
  • Personen mit direktem Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln: Verhinderung, dass sich Erreger der „Vogelgrippe“ mit im Menschen zirkulierenden Viren mischen

Grippeschutzimpfung für Schwangere – Gesundheitsfürsorge für Mutter und Kind

Durch eine Grippeinfektion während der Schwangerschaft steigt die Gefahr von Wachstumsverzögerungen und von Fehl- oder Frühgeburten. Somit können Sie nicht nur sich selber, sondern auch das Kind durch eine Impfung vor diesen Gefahren schützen! Selbstredend sollten Sie sich auch als Vater bzw. sollten sich auch andere Familienmitglieder impfen.

Zudem schützen Sie auch Ihr Kind nach der Geburt, denn während der Schwangerschaft werden durch die Plazenta (Mutterkuchen) Abwehrstoffe auf das Kind übertragen, die in den ersten Lebensmonaten einen gewissen Schutz vor Grippe bieten. Denn Säuglinge dürfen erst ab dem sechsten Monat selbst gegen Grippe geimpft werden.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt allen gesunden Schwangeren die Grippeimpfung ab dem 4. Schwangerschaftsmonat. Falls Sie schwanger sind und an eine chronische Grunderkrankungen wie Asthma, Diabetes oder Bluthochdruck haben, dann sollten sich bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel gegen Grippe impfen lassen.

Grippeschutzimpfung – Kosten übernehmen die Krankenkassen

Die Kosten für eine Grippeschutzimpfung übernimmt für Sie übrigens auch die Gesetzliche Krankenkasse! Im Rahmen der Grippeerkrankung sehen wir auch gehäuft Folgeerkrankungen durch Pneumokokken (sekundäre bakterielle Infektion), daher ist eine gleichzeitige Pneumokokken Schutzimpfung Impfung bei chronisch Kranken und Menschen mit einer fehlenden Milz sehr wichtig.

Grippeschutzimpfung – sich selber und andere Menschen schützen

Und bitte denken Sie daran, die Grippeschutzimpfung hat eine sehr starke soziale Wirkung! Folglich schützten Sich sich mit einer Grippeschutzimpfung nicht nur selber, sondern auch Menschen mit einem erhöhten Gripperisiko in Ihrem Umfeld. – Grippeschutz ist Familienschutz!

….zum Start Selbsthilfekurs “Grippe”

Mehr zu: Dr. Natalie Fleissner

 

 

 

 

 

 


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Lärm macht krank – Stille schützt Herz und Kreislauf

Stille schützt Herz und Kreislauf. Längere kritische Geräuschexposition am Arbeitsplatz und im Wohnbereich, z.B. durch Straßengeräusche, ist ein potenzielles Gesundheitsrisiko. Ab 50 Dezibel (dB) steigt das Risiko für Herzinfarkt und Bluthochdruck pro 10 dB um 6 Prozent. Bei Werten über 50 dB macht daher Lärmschutz Sinn. Wir unterscheiden den nicht-individuell gestaltbaren Lärmschutz vom individuell gestaltbaren Lärmschutz.

Nicht-individuell gestaltbarer Lärmschutz

Hier gilt vor allen Dingen: Lärmbildung vermeiden und abwehren! Das kann etwa durch Ersatz von Dieselautos mittels E-Autos geschehen oder durch verkehrsberuhigende Maßnahmen. Lärm abwehren lässt sich mit architektonischen Maßnahmen, z. B. Schutzwänden. Entsprechend kann man lärmfern wohnen und arbeiten.

Die Hauswanddicke und die Fensterisolierung spielen ebenfalls eine Rolle. Sie können, zumindest was die Fensterisolierung in der Nacht angeht, selbst aktiv werden. Schwere Vorhänge können gut vor Lärm schützen. Im Innenraum können Schallschlucker wie Innenwände, Teppiche, Bilder und sogenannte Helmholtzsche Körper kleine Wunder vollbringen. Insgesamt betrachtet ist die Lärmexposition im Wohn- und Arbeitsbereich allerdings durch den Einzelnen häufig kaum kontrollierbar.

Individuell gestaltbarer Lärmschutz – öfter mal eine akustische Pause

Individuell gestaltbaren Lärmschutz kann der einzelne Mensch mit einfachen Maßnahmen günstig beeinflussen.
So können Sie z.B. eine akustische Pause einlegen, indem Sie Fenster und Türen schließen, ein „Bitte nicht stören”-Schild an die Türe hängen. Für ca. 10 Minuten können Sie dann in akustischer Ruhe einfache Tätigkeiten ausführen. Atemübungen und Meditation sind hier besonders hilfreich. Sie sollten auch darauf achten, dass Sie Störgeräusche aktiv ausschalten, indem Sie Musik und Radio, auch via Kopfhörer, für eine Zeit lang abstellen.

Individueller Lärmschutz – ANC-Kopfhörer richtig nutzen

Ein interessanter Ansatz ist die Nutzung sogenannter In-Ear-Kopfhörer mit guten Ohrpassstücken –OHNE Musik.
Bereits das Einsetzen der Ohrstöpsel verringert die Schallexposition um 5 bis 10 dB. Mit Hilfe von Antischall-Systemen, sogenannten Active Noise Cancelling (ANC) Kopfhörern, kann Schall um 20 bis 30 dB abgeschwächt werden (z.B. Bose QuietComfort 20 In-Ear oder Bose Quiet-Control 30). Viele Produkte sind so auch ohne Handy („stand alone”) nutzbar.

Bei der Nutzung von In-Ear ANC-Kopfhörern OHNE Musikbeschallung ist es nicht das Ziel, das Umfeld komplett auszuschalten. Eine direkte Ansprache durch Personen oder Warnsignale sollten weiter hörbar sein. Bei einigen Systemen können Sie dafür den Grad der Schallabschirmung via App auf dem Handy individuell anpassen. Ein interessanter Effekt ist dabei, dass Sie die Umwelt häufig bewusster und klarer wahrnehmen, weil ablenkende Störgeräusche unterdrückt werden.

Obwohl man Warnsignale bei In-Ear ANC-Systemen gut wahrnehmen kann, sollte man bei der Nutzung im Straßenverkehr auf jeden Fall die Musik ausschalten und die visuelle Kontrolle intensivieren. Ist man zu Hause oder bei der Arbeit, dann kann man eventuell sogenannte Ambient Sounds nutzen, zum Beispiel die Endel-App. Im Gegensatz zu In-Ear-Systemen schließen Over-Ear-Kopfhörer mit ANC den Schall bis 35 dB ab. Das ist meist nicht erforderlich und vor allen Dingen als Fußgänger im Straßenverkehr auch nicht sinnvoll. Übrigens, als Autofahrer sollten Sie im Straßenverkehr keine Kopfhörer nutzen.

ANC-Kopfhörer sinnvoll für Menschen mit Hochtonschwerhörigkeit

Besonders nützlich sind In-Ear ANC-Systeme für Menschen mit Hochtonschwerhörigkeit. Der Anteil von Menschen mit Hochtonschwerhörigkeit beträgt im Alter von 44 bis 64 Jahren bereits 11 bis 24 Prozent der Bevölkerung und nimmt mit dem Alter zu.

Menschen mit Hochtonschwerhörigkeit haben erhebliche Probleme, z.B. in einem Stimmengewirr einem Gespräch zu folgen oder Gesprochenes im Fernsehen zu verstehen. Sie stehen durch Umgebungsgeräusche auch in anderen Situationen häufig unter Stress. In-Ear ANC-Kopfhörer mindern bei diesen Menschen den Stress durch Straßenverkehr, denn die Systeme sind auch für Fußgänger im Stadtverkehr geeignet.

 

Akustisches Umfeld kennen lernen

Lernen Sie Ihr persönliches akustisches Umfeld selbst kennen! Nutzen Sie dabei Apps, mit denen Sie die Lautstärke in Dezibel messen können, z.B. dB Messgerät Pro.

Ergreifen Sie Maßnahmen zum individuellen Lärmschutz, denn Lärmschutz ist Herz-Kreislaufschutz!

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Hochton-Schwerhörigkeit – Stress für Herz und Kreislauf

Akustischer Stress belastet Herz und Kreislauf – Bluthochdruck und Herzinfarkt sind die möglichen Folgen. Dass wir akustische Phänomene als Stress wahrnehmen, hängt nicht nur von der Lautstärke, sondern auch von der subjektiven Hörfähigkeit ab. Eine weit verbreitete Hörstörung ist die Hochtonschwerhörigkeit.

Hochton-Schwerhörigkeit kommt häufiger vor, als Sie denken

Diese Wahrnehmungsstörung ist bereits im mittleren Lebensalter recht häufig und nimmt mit dem Alter stetig und deutlich zu:

  • 45 bis 54 Jahre : 11%
  •  55 bis 64 Jahre: 25 %
  • 65 bis 84 Jahre: 43%

Sie hat auch volkswirtschaftliche Bedeutung: Jeder vierte Mensch im beruflich aktiven Alter zwischen 55 und 64 Jahren hat eine Hochton-Schwerhörigkeit.

Hochton-Schwerhörigkeit – Lautstärke ist NICHT das Problem

Wenn Sie eine Hochton-Schwerhörigkeit haben, dann ist Lautstärke der gesprochenen Sprache nicht das Problem. Sie hören den Gesprächspartner normal laut, aber mehr oder weniger undeutlich.

Hochton-Schwerhörigkeit – hohe Frequenzen SIND das Problem

Bei der Hochton-Schwerhörigkeit ist, wie der Name schon sagt, die Tonfrequenz die Ursache für das Missempfinden. Es sind die Töne mit hohen Frequenzen und bestimmte Klangmuster, die zum Problem werden. Insgesamt werden niedrige Frequenzen eher als angenehm, hohe Frequenzen eher als unangenehm wahrgenommen. Homogene Klangmuster sind für Betroffene wohltuend, während heterogene Klangmuster als störend empfunden werden.

Allein schon durch die Bewertung der Symptome lässt sich eine Hochton-Schwerhörigkeit gut eingrenzen. Die hohen Stimmen von Kindern und Frauen verstehen betroffene Personen immer schlechter. Wörter mit Konsonanten bzw. Zischlaute wie F, H, S, SCH werden besonders schlecht gehört; Wörter mit Vokalen wie A, O, U werden besser gehört. So fällt es Ihnen bei einer Hochton-Schwerhörigkeit z.B. schwer, Gesprächen zu folgen, wenn diese in einer mehr oder weniger lauten und störenden Umgebung stattfinden.

Hochton-Schwerhörigkeit – chronische Schädigung durch hohe Lautstärke

Bei der typischen Hochton-Schwerhörigkeit sind in der Regel beide Ohren gleich stark betroffen und die Störung nimmt schleichend zu. Dieser langsame Prozess wird als degenerativ bezeichnet, ist aber nicht ohne Ursachen. Die häufigste ist die chronische Schädigung durch zu hohe Lautstärke, z.B. durch Straßenlärm. Hinzu kommen Infektionen des Ohres und nur in ca. 25 Prozent der Fälle nimmt man einen genetischen Einfluss an.

Anatomisch lässt sich die Hochton-Schwerhörigkeit so erklären: Feinste Haarwurzelzellen, die kleinsten Untereinheiten der akustischen Wahrnehmung im Innenohr, sind geschädigt. Das schränkt vor allen Dingen die Wahrnehmung von hohen Tönen ein.

Hochton-Schwerhörigkeit – soziale Kommunikation eingeschränkt

Gerade Gruppengespräche können Sie mit dieser Art der Schwerhörigkeit nur mühevoll verfolgen. Denn das schnelle akustische Umschalten von einem auf den anderen Gesprächspartner fällt Ihnen jetzt schwer. Das wird noch schwieriger, wenn eine Geräuschkulisse im Hintergrund aktiv ist.

Als betroffene Person bleiben Sie im Gespräch häufig passiv und zeigen Zeichen der akustischen Verunsicherung, z.B. häufiges Nicken und Lächeln. Eine Hochton-Schwerhörigkeit führt also nicht selten zum sozialen Rückzug: Betroffene können nicht mehr aktiv an Gesprächen teilnehmen und sind durch die akustische Kommunikation auch regelrecht gestresst und erschöpft.

Hochton-Schwerhörigkeit – Fernsehen als Test

Neben der face-to-face-Kommunikation ist natürlich auch die differenzierte Wahrnehmung aus anderen Quellen, wie z.B. dem Fernsehen, deutlich eingeschränkt. Besonders schwer haben es Hochton-Schwerhörige bei sogenannten Flatscreen-Fernsehern, die in der Regel – falls ohne Soundbar – eine besonders schlechte Akustik haben.

Das gemeinsame Fernsehen mit Angehörigen oder Freunden kann ein erster deutlicher Hinweis auf eine beginnende Hochton-Schwerhörigkeit sein. Es kommt hier durchaus zum Streit um die Fernbedienung, weil unterschiedliches Hörvermögen besteht.

Meistens haben Betroffene noch nicht begriffen, dass es bei ihnen um eine Störung der Wahrnehmung hoher Tonfrequenzen anstatt um die Lautstärke geht. Wie so häufig bei Menschen, die mit Schwerhörigkeit nicht vertraut sind, denken sie, sie könnten ihr akustisches Problem mit Lautstärke lösen: Sie haben das Bedürfnis, die Lautstärke an der Fernbedienung hoch zu regeln (was selbstverständlich nicht wirklich hilft).

Das führt natürlich zu Konflikten mit den anderen Zuschauern bzw. Zuhörern im Raum. Als Betroffener fragen Sie trotzdem immer wieder nach „Was hat der da gerade gesagt?” und irgendwann können Sie die Handlung, z.B. eines Krimis, nicht mehr richtig verfolgen. Dann nehmen Sie nur noch emotionale Stimmungsbilder im Fernsehen wahr und meiden mit zunehmender Hörstörung das Fernsehen ganz.

Hochton-Schwerhörigkeit – Stress pur

Weil durch die Hochton-Schwerhörigkeit Ihre akustische Wahrnehmungsfähigkeit geringer ist, sind Sie auch akustisch deutlich weniger belastbar. Das hat zur Folge, dass verhältnismäßig normale akustische Situationen, wie z.B. die Reise in einem Zugabteil mit akustisch normal aktiven Menschen, als Lärm wahrgenommen wird – und Sie stresst.

Hochton-Schwerhörigkeit – nicht richtig verstehen UND nicht richtig verstanden werden

Hinzu kommen gerade in der frühen Phase der unerkannten Hochton-Schwerhörigkeit soziale Konflikte. Als betroffene Person verstehen Sie nicht nur weniger, sondern Sie werden auch von Ihrem sozialen Umfeld häufig nicht verstanden: „Wenn du dich richtig auf das Fernsehen konzentrieren und richtig zuhören würdest, dann würdest du das auch verstehen!

Hochton-Schwerhörigkeit – subjektive und objektive Schweregradeinteilung

Nach Symptomen kann die Hochtonschwerhörigkeit orientierend in Schweregrade eingeteilt werden:

  • Leichtgradig: Gruppengespräche und Fernsehen funktionieren eingeschränkt
  • Mittelgradig: zunehmend Versuche im Gespräch von den Lippen abzulesen; hohe Frauen- und Kinderstimmen werden nur noch schwer verstanden; das soziale Umfeld fordert auf, sich doch endlich mal ein Hörgerät anzuschaffen.
  • Hochgradig: Sprachverständnis ist stark eingeschränkt.

Haben Sie oder eine angehörige Person Symptome der Hochton-Schwerhörigkeit, dann sollten Sie sich Klarheit verschaffen. Lassen Sie sich nicht nur Ihre Verdachtsdiagnose professionell bestätigen, um weitere Konsequenzen einzuleiten! Vermeiden Sie auch den Stress, der durch die Unsicherheit der Verdachtsdiagnose selbst entsteht.

Ein Hörtest mit einem Audiogramm ist objektiv und Sie sollten ihn entweder beim Hals-Nasen-Ohren Arzt oder beim Hörgeräteakustiker durchführen.

Hochton-Schwerhörigkeit – wie gehe ich damit um?

Mit einer Hochton-Schwerhörigkeit sollten Sie offensiv umgehen, um sich Ihre Kommunikationsfähigkeit zu erhalten und um Stress zu vermeiden. Das ist für Ihre langfristige Gesundheit wichtig: Ein normales Sozialverhalten, was ja vor allen Dingen durch Kommunikation gekennzeichnet ist, kann so aufrechterhalten werden und man ist weniger seelisch belastet.

Hochton-Schwerhörigkeit – Ohren professionell sauber halten

Gerade bei den leichten Formen der Hochtonschwerhörigkeit ist es sinnvoll, dass Sie Ihre Ohren sauber halten. So vermeiden Sie, dass neben dem Problem mit den hohen Frequenzen auch noch eine gestörte Wahrnehmung von Lautstärke hinzukommt. Bei der Ohrenreinigung sollten Sie auf eine professionelle Hilfe durch den Hals-Nasen-Ohren Arzt Wert legen. Traumatisierende Selbstversuche mit Wattestäbchen schaden mehr, als dass sie nutzen!

Hochton-Schwerhörigkeit – Problem offen ansprechen

Als Betroffene sollten Sie in Ihrem sozialen Umfeld offen mit dem Problem umgehen. Sie können ruhig auch mal sagen „Ich höre schlecht, können Sie das bitte nochmal deutlich wiederholen?“. Falls Sie über 45 Jahre alt sind, dann können Sie auch davon ausgehen, dass Sie sich häufig in der Gesellschaft von Mitbetroffenen befinden: MINDESTENS jeder 10. Mensch hat ab dem 45. Lebensjahr eine Hochton-Schwerhörigkeit.

Haben Ihre Mitmenschen verstanden, dass Sie eine Hörstörung haben, dann stellen sie sich auch schon mal darauf ein und sprechen artikulierter und langsamer.

Hochton-Schwerhörigkeit – Text-Messaging

Akustische Probleme beim Telefonieren können Sie zum Teil dadurch lösen, dass Sie sich vermehrt über Textnachrichten austauschen. Gerade, wenn es um Vereinbarungen wie z.B. eine Verabredung geht, ist eine Textnachricht häufig klarer. Die Textnachrichten können Sie übrigens ganz einfach akustisch in Ihr Smartphone diktieren. Das geht inzwischen nicht nur schnell, sondern auch zuverlässig.

Hochton-Schwerhörigkeit – In-Ear Kopfhörer mit Active Noise Cancelling reduzieren den Stress

Um dem akustischen Stress durch heterogene Geräuschkulissen, z.B. in einem Großraumbüro oder auf der Straße zu entgehen, empfehlen wir in der Cardiopraxis In-Ear Kopfhörer mit Active-Noise-Cancelling (ANC) ohne Musikbeschallung, z.B. Bose QuietComfort 20 oder Bose QuietControl 30. Durch den Antischall des ANC werden störende Frequenzen ausgeblendet und die Umgebungslautstärke um bis zu 30 Dezibel reduziert. Falls Sie keine Musik hören, dann sind Sie beim Gehen durch eine laute Stadt so immer noch in der Lage, akustische Warnsignale wie etwa Autohupen zu erfassen.

Bei einem Gespräch können Sie das ANC ausschalten und dabei die Ohrstöpsel im Ohr belassen. Die Ohrstöpsel allein reduzieren die Lautstärke schon um 5 bis 10 Dezibel und Sie können sich sogar auch unterwegs noch ganz gut unterhalten.

Menschen mit Hochton-Schwerhörigkeit empfinden diese Systeme als ausgesprochen angenehm und entspannend. Auf sogenannte Over-ear Systeme sollten Sie zu dem genannten Zweck verzichten: Es geht ja nicht darum, Ihre akustische Umgebung komplett auszublenden, sondern Ihre individuelle Hörschädigung anzupassen. Die Interaktion mit Ihren Mitmenschen soll schließlich verbessert werden.

Hochton-Schwerhörigkeit – ab mittlerem Schweregrad Hörgerät erwägen

Ein Hörgerät sollten Sie spätestens ab mittelgradiger Hochtonschwerhörigkeit in Erwägung ziehen. Moderne Hörgeräte können individuell an das jeweils aktuelle akustische Umfeld angepasst werden (zum Beispiel Gespräche, Straßenverkehr). Diese Hörgeräte sind zum Teil auch bequem über Handy und Apps zu steuern. Die direkte Kopplung zum Fernseher ist zum Teil auch möglich.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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Körpertemperatur – wichtig für Blutdruck, Blutfluss und Befinden

Für uns in der Cardiopraxis ist Ihre Körpertemperatur ein besonders wichtiger Messwert. In Verbindung mit den Ergebnissen zu Ihrem Blutdruck und Blutfluss gibt uns die Körpertemperatur nicht nur genaue Hinweise auf den Zustand Ihres Kreislaufs, sondern auch auf Ihr subjektives Befinden.

Mit den gesammelten Ergebnissen können wir in der Cardiopraxis Störungen des Herz-Kreislaufsystems wie z.B. Bluthochdruck, Benommenheit und Herzschwäche gezielter behandeln. Auch bei der Gewichtsreduktion, etwa durch Intervallfasten, können wir Ihnen mit den Ergebnissen der Körpertemperatur wertvolle Hinweise geben.

Folglich messen wir bei jeder Kreislaufmessung die Körpertemperatur mit. Wir nutzen dabei die zuverlässige Infrarotmessung im Ohr. Sie können Ihre Körpertemperatur aber auch zuverlässig und schnell zu Hause selber bestimmen.

Körpertemperatur – wo und wann messen?

Wenn Sie die Körpertemperatur bestimmen, dann ist es am besten, wenn Sie ein Maß für die sogenannte Körperkerntemperatur ganz im Inneren des Körpers haben. Der Körperkern ist der Ort, wo die Organe, wie z.B. die Leber, liegen. Die Körperkerntemperatur gibt Ihnen die besten und zuverlässigsten Hinweise auf veränderte Stoffwechselprozesse bzw. entzündliche Krankheitsvorgänge.

Da die Messung ganz im Inneren des Körpers technisch schwierig ist, verlassen wir uns auf die Temperaturmessungen im Enddarm oder im Ohr. Die Temperatur hier entspricht der Körperkerntemperatur ziemlich genau.

Die Körpertemperatur schwankt im Tagesverlauf, die Regulation folgt einer genetisch festgelegten Inneren Uhr. Folglich ist es wichtig, dass Sie immer zum selben Tageszeitpunkt messen, z.B. unmittelbar nach dem Nachtschlaf. Diese Messung nennen wir die Basaltemperatur. Sie können auch abends in Ruhe um 19:00 Uhr herum messen.

Die Werte sollten Sie in einer Health App dokumentieren und die Kurve im Zeitverlauf beobachten.

Körpertemperatur im Ohr – so messen Sie richtig

Die Körpertemperatur über das Trommelfell im Ohr mittels Infrarottechnik zu bestimmen ist zuverlässig und schnell. Sie sollten allerdings auf einige Dinge achten, um verwertbare Messergebnisse zu bekommen.

Vor der Messung selbst sollten Sie ein sauberes Ohr haben. Auf die Reinigung mit Wattestäbchen sollten Sie auf jeden Fall verzichten, hier muss gegebenenfalls der Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder die Hals-Nasen-Ohren-Ärztin helfen.

Der Gehörgang verläuft vom Eingang aus gesehen nach unten und vorne; das Trommelfell liegt am Ende des Gehörgangs verwinkelt am Übergang zum Mittelohr. Um den Gehörgang nun so zu begradigen, dass der Infrarotmessstrahl direkt auf das Trommelfell gerichtet ist, neigen Sie den Kopf etwas zur Gegenseite und ziehen Sie das Ohr nach hinten und oben. Das gilt, wenn Sie bei sich selbst, aber auch wenn Sie bei einer anderen Person messen.

Gerade bei der Selbstmessung können gelegentlich Fehler unterlaufen, wenn der Messstrahl im Gehörgang verkantet. Folglich sollten Sie zu einem Messzeitpunkt jeweils 3 Einzelmessungen hintereinander vornehmen. Der höchste Wert zählt, da falsch-niedrige Werte nicht vorkommen.

Mit der Zeit bekommen Sie so einen messtechnisch-objektiven Überblick zu Ihrer individuellen Körpertemperatur zu einem bestimmten Tageszeitpunkt, am besten zur Basaltemperatur. Bilden Sie einfach den Mittelwert der Einzelmessungen von ca. 21 aufeinanderfolgenden Tagen. Sie werden feststellen, dass die meisten Werte um den Mittelwert herum in einem Bereich von ca. plus/minus 0,3 Grad Celsius liegen.

Körpertemperatur – wann steckt eine Krankheit dahinter?

Wenn Werte um mehr als 0,5 Grad Celsius vom Mittelwert abweichen, ist es ratsam Sie die Ursache hinterfragen.
Kündigt sich möglicherweise bei Ihnen eine Infektionserkrankung an? Hinweise geben hier nicht nur der Anstieg der Temperatur, sondern auch starke Schwankungen von Tag zu Tag. Bemerken Sie weitere Symptome wie eine verstopfte Nase, Kopfschmerzen, Husten, Bauchschmerzen, Durchfall oder jedwede Schmerzen in irgendeiner Körperregion?

Von Fieber sprechen wir, wenn die Körpertemperatur deutlich erhöht ist:

  • Fieber ab 38 Grad Celsius
  • hohes Fieber 39 bis 41 Grad Celsius
  • sehr hohes Fieber ab 41 Grad Celsius

In seltenen Fällen kann eine Temperaturerhöhung ein Zeichen einer chronischen Erkrankung, zum Beispiel einer Krebs- oder einer Autoimmunerkrankung, sein. Nehmen Sie ggf. Medikamente ein, die die Temperatur verändern können? Dazu zählen etwa Schilddrüsenhormone, Testosteron, Östrogen oder auch Cortison.

Körpertemperatur – was kann noch hinter Veränderungen stecken?

Falls Ihre Temperatur im Vergleich zu vorherigen Werten höher ist, dann sollten Sie auch fragen, ob Sie in letzter Zeit an Körpergewicht zugenommen haben, z.B. durch Intervallfasten. In der Regel steigen die Körpertemperatur und die Wärmeempfindlichkeit, wenn Sie an Gewicht zunehmen. Nehmen Sie ab, dann sinkt die Körpertemperatur und die Kälteempfindlichkeit nimmt zu.

Manchmal kommt es vor, dass stoffwechselaktivierende Nahrung die Temperatur erhöht, z.B. Alkohol oder auch scharfe Gewürze, wie z.B. Chili oder Ingwer. Haben Sie in der letzten Nacht eventuell wenig geschlafen? Auch das kann die Körpertemperatur steigen lassen.

Selbstverständlich haben auch normale Körperprozesse Temperaturschwankungen zur Folge. Bei Frauen steigt die Körpertemperatur am Tag des Eisprungs um ca. 0,5 Grad Celsius an.

Falls Sie direkt aus einer intensiven Traumphase, der REM-Schlafphase, erwachen, können Sie ebenfalls eine erhöhte Temperatur haben: Im REM-Schlaf sind die neurovegetativen Prozesse dereguliert und die Temperatur erhöht.

Falls Sie zu einem späteren Zeitpunkt als üblich aufstehen, dann kann das auch mit einer erhöhten Temperatur verbunden sein. Die Temperatur ist ja Teil der inneren Uhr und verläuft damit regelhaft eher gekoppelt an die Tageszeit als an das Schlaf-Wach-Verhalten.

Kritisch erhöhte Körpertemperatur – im Zweifel ärztliche Hilfe

Bei unklaren Temperaturveränderungen konsultieren Sie im Zweifel einen Arzt oder eine Ärztin, um weitere Diagnostik durchzuführen. Das gilt vor allen Dingen für ältere Menschen, da bei ihnen Erkrankungen häufig nur mit einem leichten Temperaturanstieg verbunden sind.

Sehr hohes Fieber ab 41 Grad Celsius ist ein drohender Notfall. Eine sehr schwere Infektionserkrankung ist wahrscheinlich die Ursache, es droht der Kreislaufkollaps. Falls sich die Temperatur mit fiebersenkenden Maßnahmen innerhalb von 45 Minuten senken lassen, dann sollten Sie unmittelbar ärztliche Hilfe anfordern, z.B. über den ärztlichen Notdienst 116 117.

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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