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Herzstolpern: Wenn das Herz Schluckauf hat!

Herzstolpern: Wie kommt es dazu?

Normalerweise spüren wir unseren Herzschlag nicht. Das Herz schlägt regelmäßig, physiologisch moduliert durch die Atmung, bei tiefer Einatmung nimmt die Herzfrequenz zu, bei Ausatmung nimmt sie ab.

Herzstolpern – unterschiedliche Wahrnehmung

Beim Herzstolpern nehmen wir Unregelmäßigkeiten wahr, in erster Linie als Aussetzer, d.h. es fühlt sich so an, als ob ein Herzschlag fehlt, es kann sich wie ein Schluckauf anfühlen. Andere Wahrnehmungen sind, es schlägt bis zum Hals, Unruhe auf der Brust oder es schlägt völlig durcheinander. Das Herz muss dabei nicht zu schnell oder zu langsam schlagen, es ist einfach aus dem Takt geraten. Da die Einordnung dieser Symptome gerade beim erstmaligen Auftreten durch den Laien schwierig ist, kommt es häufig zur verstärkenden Angst, Unsicherheit, wir stellen uns die Frage “ist mein Leben jetzt bedroht”. Mit einer offenen Wunde am Bein gehen wir anders um, wir wissen, sie verheilt wieder.

Herzstolpern – was steckt dahinter?

Ursächlich für Herzstolpern sind häufig Extrasystolen. Extrasystolen sind vorzeitige Extraschläge des Herzens, die den physiologischen Takt des Sinusrhythmus unterbrechen. Extrasystolen können in der Vorkammer oder in der Hauptkammer entstehen. Da Extraschläge vorzeitig sind, ist aufgrund kürzerer Herzfüllung der Auswurf vermindert und dadurch der Puls sehr flach. Beim Tasten des Pulses wird daher häufig der Extraschlag nicht wahrgenommen und es entsteht der Eindruck, dass ein Herzschlag fehlt. Der nachfolgende Herzschlag ist kompensatorisch kräftiger und vermittelt das Gefühl „das Herz schlägt bis zum Hals“ oder „das Herz schlägt zu kräftig wie eine Kanone“. Die Wahrnehmung von Extrasystolen ist von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich. Es gibt Menschen, die bemerken jede einzelne Extrasystole, andere Menschen bemerken trotz tausender Extrasystolen am Tage keine einzige.

Herzstolpern: Das sind die Ursachen

Extrasystolen sind häufig, sie kommen bei herzgesunden und bei herzkranken Menschen vor. Jede Veränderung der Herzstruktur kann Extrasystolen begünstigen: Durchblutungsstörungen des Herzens, nach einem Herzinfarkt, Herzklappenfehler, Herzschwäche oder Entzündungen. Extrasystolen können auch durch Störungen außerhalb des Herzens ausgelöst werden. Etwa durch einen gestörten Elektrolythaushalt (z. B. Magnesium- und Kaliummangel), Störungen der Schilddrüse oder Dysbalancen im autonomen Nervensystem (z. B. durch Stress). Um die Ursache zu finden, müssen wir auch über den Tellerrand hinausblicken und internistisch-kardiologisch arbeiten.

Herzstolpern: Die Ursachen
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Herzstolpern diagnostizieren:
EKG und Ultraschall

Extrasystolen: Basisdiagnostik

Wir Kardiologen haben dabei die Aufgabe, strukturelle Herzerkrankungen per Diagnose auszuschließen. Wichtige Methoden dafür sind Ruhe-EKG, Belastungsuntersuchungen und Ultraschalluntersuchungen des Herzens. Verschwinden die Extrasystolen unter Belastung, können wir das als günstiges Zeichen bewerten.

Weil Extrasystolen nur vorübergehend auftreten können, reicht das Ruhe-EKG oft nicht aus. Wir zeichnen dann ein Langzeit-EKG auf, ggfs. auch über mehrere Tage.

Extrasystolen: Erweiterte Diagnostik
Bei sehr seltenem Auftreten von Extrasystolen können Sie auch ein EKG selbst schreiben. Wir in der Cardiopraxis haben gute Erfahrungen mit dem Alive-Cor-System gemacht.  Mit einer kleinen Kontaktplatte und einem Smartphone schreiben Sie dabei ein 1-Kanal-EKG über 30 Sekunden. Ihrem Arzt bzw. Ihrer Ärztin können Sie dies zur Beurteilung elektronisch übermitteln.

Herzstolpern: Extrasystole oder Vorhofflimmern?

Die EKG-Dokumentation ist wichtig. Wir stellen damit fest, ob die Extrasystole aus der Vorkammer oder aus der Hauptkammer kommt. Nicht nur das: Wir sehen ziemlich genau, in welchem Areal der linken oder rechten Hauptkammer die Extrasystole entsteht. Bedeutend für die Analyse ist auch, ob Extrasystolen vereinzelt oder in Ketten auftreten. Dabei reihen sich mehrere Extrasystolen aneinander, ohne dass ein normaler Herzschlag sie unterbricht.

Langzeit-EKG hilfreich

Wenn beim Langzeit-EKG mehr als 20% aller Herzschläge in 24 Stunden Extrasystolen sind, kann sich durch die häufig gestörte Elektrik eine Herzschwäche entwickeln. Denn das Herz ist ein elektromechanisches Organ. In solch einem Fall muss unbedingt eine Therapie beginnen. Auch dann, wenn der oder die Betroffene die Extrasystolen überhaupt nicht verspürt.

Im Einzelfall kann es zudem schwierig sein, Extrasystolen von Vorhofflimmern zu unterscheiden. Weil Vorhofflimmern umgehend behandelt werden muss, ist eine schnelle EKG-Diagnose wichtig.

So kann Herzstolpern behandelt werden

Die Therapie von Extrasystolen ist sehr vielfältig. Sie reicht von ergänzender Flüssigkeit und Blutsalzen über spezifische Antiarrhythmika und Katheter-gestützte Verödungen bis zu Weglassen oder Dosisreduktion nicht-kardialer Medikamente (z.B. Schmerzmittel, Schilddrüsenhormone) und physikalischen Maßnahmen.

Wann muss ich zum Kardiologen?

Die meisten Formen von Extrasystolen sind harmlos, die Prognose ist in der Regel gut. Kardiologisch abgeklärt werden sollten Extrasystolen in den folgenden Fällen: wenn sie Beschwerden bereiten, wenn sie sehr häufig auftreten und wenn sie aus der Hauptkammer kommen. Haben Sie bereits eine bekannte strukturelle Herzerkrankung und Extrasystolen sind neu aufgetreten? Dann kann dies ein Hinweis sein für eine Verschlechterung! Beispielsweise ist die Durchblutung dann schlechter bei fortschreitender koronarer Herzerkrankung.

Ihre Informationen sind wichtig

Je mehr fundierte Informationen Sie uns in der Cardiopraxis geben, desto schneller und zielgerichteter können wir Ihnen helfen. Wichtige Fragen sind etwa:
  • Seit wann bestehen die Extrasystolen?
  • Werden sie typischerweise abends in Ruhe auf der Couch bemerkt?
  • Verschwinden sie beim Sport?
  • Stehen sie zeitlich im Zusammenhang mit neuer Medikation oder Nahrungsergänzungsmitteln?
  • Gab es Ohnmachtsanfälle?