Schlaf für alle Lebewesen wichtig

Der Schlaf ist allen Lebewesen in der Natur gemeinsam. Alle Lebewesen bis hin zum Einzeller schlafen in irgendeiner Form. Dabei schläft der Mensch ca. 30% des Tages. Bei Tieren ist die Schlafdauer durchaus unterschiedlich. So schlafen kleine Tiere länger als große Tiere. Raubtiere können länger schlafen als ängstliche Beutetiere, die immer auf der Hut vor einem Angriff sein müssen. Die geschützt lebenden Waldtiere schlafen ebenfalls länger als die in der Weite lebenden Steppentiere.

Den Schlaf hat sich für uns Menschen seit der Einführung des künstlichen Lichts erheblich verkürzt, was gesundheitliche Folgen hat. In der Cardiopraxis beschäftigen wir uns mit dem Schlaf, weil eine zu kurze Schlafdauer und/oder eine schlechte Schlafqualität auch einen wesentlichem Einfluss auf Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und auf das Risiko für einen Herzinfarkt hat.

Schlafen – einer der biologischen Primärtriebe

In der Natur gibt es Triebe, die bei allen Lebewesen von Geburt an vorhanden und somit genetisch festgelegt sind, die sog. Primärtriebe. Sie dienen sowohl dem Überleben des Einzelwesens als auch dem Bestand einer Gruppe. Zu den Primärtrieben zählen

  • Nahrungsaufnahme
  • Bewegung
  • Schlafen
  • Vermehrung

Die Nahrungsaufnahme ist für den Energie- und Baustoffwechsel Ihres Körpers da – und damit für Ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Der Trieb zur Bewegung trainiert die Muskulatur und trägt zur Aufrechterhaltung Ihres Stoffwechsels und des Kreislaufs bei. Der Drang zu Vermehrung dient dem Überleben der eigenen Art im Speziellen und dem Aufrechterhalten des Lebens auf der Erde überhaupt.

Gesunder Schlaf – hohe Kosten

Praktisch betrachtet hat der Zustand des Schlafs sehr hohe Kosten, sowohl für den einzelnen Menschen als auch für den Bestand einer Gruppe. Wenn Sie gesunde 7-8h Stunden pro Tag schlafen, dann gehen Sie Risiken ein.

Während des Schlafs können Sie als Lebewesen nicht auf Nahrungssuche gehen. Im modernen Alltag des Menschen können wir auch anders sagen, dass Sie nicht Ihrem Beruf oder Ihren Freizeitaktivitäten nachgehen können. Das führt zu der irrigen Annahme vieler Menschen, dass Schlaf Zeitverschwendung und eine Unterbrechung des eigentlichen Lebens ist.

Weder können Lebewesen im Schlaf Nachkommen zeugen noch sich selbst oder Ihre Nachkommen vor feindlichen Angriffen schützen.

Für den Schutz einer Gruppe ist die Notwendigkeit zu schlafen z.T. dadurch gelöst, dass es – wieder genetisch festgelegt – unterschiedliche Schlaftypen gibt. Dem natürlichen Schlafbedürfnis folgend schlafen Menschen zu unterschiedlichen Zeiten ein und wachen entsprechend auch wieder auf. So ist der Zeitraum, in der eine Gruppe in der Nacht unbewacht ist, möglichst kurz.

Kurzum, der Schlaf verhindert die Funktion aller anderen Primärtriebe, ist quasi das komplette Gegenteil von diesen. Im Schlaf essen Sie nicht, Sie bewegen sich nicht und Sie vermehren sich auch nicht. Würden Sie ausschließlich schlafen, dann würden Sie sterben. Umgekehrt ist es aber auch so, dass Sie sterben würden, wenn Sie nicht mehr schlafen.

Gesunder Schlaf – hoher Nutzen

In der Wissenschaft ist es eine allgemein anerkannte Schlussfolgerung: Die evolutionsbiologische Entwicklung des Schlafverhaltens ist zwar mit hohen Kosten und Risiken verbunden, die aber durch einen Nutzen aufgewogen werden müssen, der eine kritische existenzielle Bedeutung hat. Schlaf gilt in diesem Zusammenhang als wichtige Voraussetzung dafür, dass die anderen Primärtriebe richtig funktionieren können. Er ist somit für das Leben unabdingbar. Ohne Schlaf ist kein Überleben möglich.

Geistig und körperlich nicht leistungsfähig ohne Schlaf

Der Hauptnutzen des Schlafs ist: Körperzellen können sich regenerieren, Energie kann konserviert werden und Erinnerungen und Erlerntes können sortiert werden.

Gerade Erinnern und Lernen sind ein evolutionsbiologisch wichtiger Wettbewerbsvorteil. So ist es z.B. sinnvoll zu wissen, wo man am Vortag Nahrung erhalten hat, anstatt immer wieder neu suchen zu müssen. Verarbeitungsprozesse im Schlaf schützen zudem auch vor emotionaler und geistiger Überlastung im Wachzustand.

Es gibt zahlreiche Experimente, die gezeigt haben, dass Lernen, Erinnern, komplexes Denken und Entscheiden ohne ausreichenden Schlaf erheblich eingeschränkt bzw. nicht möglich sind. Im Alltag merken wir das vielleicht gar nicht so sehr, weil den meisten von uns hier eine Selbstwahrnehmung fehlt. Manchmal können wir unser Verhalten durch einen zu geringen Schlaf nachvollziehen: Wenn wir z.B. nervös sind, gereizt reagieren oder Fehler machen, z.B. im Straßenverkehr. Ca. 25% aller Verkehrsunfälle auf der Autobahn werden durch den Sekundenschlaf, einer Folge von Schlafmangel, verursacht.

Nicht nur unsere emotionale Ausgeglichenheit und unsere geistigen Fähigkeiten hängen von einem gesunden Schlaf ab, auch unsere körperliche Fitness. So verringert sich z.B. bei jungen Sportlern das Risiko einer Sportverletzung um 50%, wenn Sie 8 anstatt 6 Stunden schlafen. Profisportler achten daher auf einen gesunden Schlaf, um Spitzenleistungen zu erbringen.

Wenn es in Ihrem Alltag nicht richtig rund läuft, dann sollten Sie sich als erstes fragen: Habe ich 7-8 Stunden geschlafen und habe ich gut geschlafen?

Schlaf – genetisch festgelegt durch Helligkeit und Dunkelheit

Der Schlaf-Wach-Rhythmus von Lebewesen wird durch die innere, genetisch festgelegte Uhr gesteuert. Diese Innere Uhr hat einen zirkardianen Rhythmus, der ungefähr 24 Stunden umfasst und in etwa dem solaren Tag entspricht. Abweichungen der Inneren Uhr von der Solaren Uhr werden durch den Einfluss von Helligkeit und Dunkelheit auf die Bildung von Melatonin ausgeglichen.

Seit 3,5-3,9 Milliarden Jahren gibt es Leben auf der Erde und seit dieser Zeit hat sich das genetische Programm der Inneren Uhr durch die Tageszeiten ausgebildet. Wir müssen dabei berücksichtigen, dass die Wiege der Menschheit in Zentralafrika unweit des Äquators liegt. Hier herrscht ein ausgewogenes Verhältnis von Licht und Dunkelheit, 12 Stunden Helligkeit am Tag, 12 Stunden Dunkelheit in der Nacht. Am Äquator lebten Hominiden, d.h. unsere direkten Vorfahren über 4,6 Millionen Jahre, so dass unser unser genetisches Programm und damit unser biologischer Rhythmus entscheidend durch die Tagundnachtgleiche geprägt sind. Dieses wird auch dadurch kenntlich, dass je weiter wir vom Äquator entfernt leben, desto häufiger saisonale Syndrom wie der Winterblues oder die Winterdepression vorkommen.

Die Möglichkeit für den Menschen die Nacht zu erhellen entwickelte sich erst vor ca. 700.000 Jahren mit der Nutzung des Feuers durch Homo erectus. Eine wesentliche Änderung des Schlafverhaltens durch den spärlichen Gebrauch des Feuers ist unwahrscheinlich, das Leben in der Nacht blieb eine dunkle Angelegenheit.

Den Homo sapiens, den Menschen in seiner heutigen Form, gibt es erst seit 300.000 Jahren. Zwar entwickelte dieser Kochfeuer, Fackeln, Öllampen und Kerzen – das Schlafverhalten und damit die Schlafdauer veränderten sich aber nicht wesentlich. Wurde es dunkel draußen, dann suchten die Menschen Schutz in ihren Behausungen, wurden müde und schliefen bis zum Morgengrauen.

Kunstlicht – wesentlicher Störfaktor für einen gesunden Schlaf

Erst mit der Erfindung der Glühbirne im Jahr 1879 durch Thomas Alvar Edison ändert sich das Schlafverhalten der Menschen drastisch. Wir haben seit dieser Zeit ungefähr 2 Stunden an Nachtschlaf verloren. In den letzten 30 Jahren hat der Einsatz von Computerlicht noch weiter zur Störung des natürlichen Schlafs beigetragen: Der hohe Blauanteil im Computerlicht unterdrückt das Ausschütten von Melatonin.

Aus biologischer und medizinischer Sicht kann es nicht richtig sein, ein Verhalten zu entwickeln, das erheblich von einem seit mehreren Milliarden Jahren entwickelten Prinzip des Lebens abweicht.

Die Orientierung des Schlafs am natürlichen Wechsel von Hell und Dunkel ist auch für den Menschen biologisch sinnvoll. In der Natur geschieht nichts ohne Grund. Wir sollten uns daher vor Augen führen, dass der Schlaf keine Unterbrechung des Lebens ist, sondern eine essenzielle Voraussetzung für das Leben überhaupt.

Die richtige Schlafdauer ist ein wesentlicher Faktor für die Gesundheit und das Langzeitüberleben. Dementsprechend macht es Sinn, sich um den eigenen Schlaf aktiv zu kümmern.

 

Ⓒ Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch