Dr. Frank-Chris Schoebel
Dr. Frank-Chris Schoebel
Dr. Frank-Chris Schoebel arbeitet seit 25 Jahren als Kardiologe in Düsseldorf und war über 16 Jahre Mitarbeiter in der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, davon 6 Jahre als Oberarzt. Zum Profil.

Bluthochdruck – unterschiedliche Formen richtig behandeln

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Bluthochdruck – unterschiedliche Ursachen

Die Lehrmeinung sagt, dass 95% aller Bluthochdruckerkrankungen “primär“ sind. Anders gesagt, die Ursache Ihres Bluthochdrucks ist nicht bekannt.

Lediglich bei 5% der Fälle wird eine „sekundäre“ arterielle Hypertonie diagnostiziert und es liegt eine einzelne, erfassbare Ursache vor. Ein Beispiel hierfür ist eine enge Nierenarterie, welche über eine Durchblutungsstörung der Niere eine hormonell verursachte Steigerung des Blutdrucks nach sich zieht. Wird die Engstelle der Nierenarterie beseitig, z.B. durch einen Stent, normalisiert sich der Blutdruck wieder.

Bei der primären Hypertonie, bei der also die Ursachen nicht bekannt sind, ist folglich die Therapie alleine auf die Behandlung des Symptoms “erhöhter Blutdruck“ ausgerichtet, ohne dass die Ursache zu korrigiert werden. Kurzum, Ihr Arzt und Sie probieren so lange herum bis die richtige Kombination von Medikamenten gefunden wird. Dieses Vorgehen ist meistens mit unbefriedigenden Blutdruckresultaten und Nebenwirkungen bis hin zu deutlichen Einschränkungen der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit verbunden.

Bluthochdruck – Blutdruck messen alleine reicht nicht aus

In der Cardiopraxis erfassen wir durch die Kreislaufmessung mit dem FinapresⓇ-System nicht nur den Blutdruck, sondern auch den Blutfluss und können so nach dem Ohmschen Gesetz den Gefäßwiderstand errechnen. Das erlaubt uns nicht nur einen besseren Einblick in Ihre Blutdruckregulation, sondern auch in die Steuerung der Körpertemperatur und damit auch Ihres Stoffwechsels. So können wir die Ursachen des erhöhten Blutdrucks sehr häufig besser erkennen und erfolgreich behandeln.

Grundsätzlich unterscheiden wir alleine aufgrund der Blutflussmessung 2 Arten von Bluthochdruck:

hoher Blutdruck

  • + niedriger Blutfluss = hypOdynamer („weißer“) Bluthochdruck
  • + hoher Blutfluss = hypERdynamer („roter“) Bluthochdruck

Es gibt auch die Kombination aus normalem Fluss und hohem Blutdruck, besonders wenn schon Medikamente eingenommen werden. Allerdings hilft uns die grundsätzliche Unterscheidung in „weiß“ und „rot“ ein sehr großes Stück weiter, weil wir so über den Mechanismus auf die Ursachen Ihres Bluthochdrucks rückschliessen können.

Bluthochdruck – hypOdynamer Blutfluss meist durch reduzierten Stoffwechsel

Beim „weißen“ Bluthochdruck ist der Blutfluss erniedrigt, er beträgt 90% und weniger von 2,2 Liter pro Minute pro Quadratmeter Körperoberfläche. Dieses ist mit einer dynamische Engstellung der kleinen Widerstandsarterien der Mikrozirkulation der verbunden. Folglich wird auch die Haut schlechter durchblutet und der betroffene Mensch ist eher blass. Leistungsschwäche, Luftnot und Müdigkeit sind häufige Symptome.

Die Hauptursache handelt es sich um eine Störung des Energiehaushaltes. Ihr Stoffwechsel ist herabgesetzt und der Körper versucht die Wärmeabgabe über eine verringerte Hautdurchblutung zu drosseln. Wir nennen das auch einen „Wärmekonservierung-Kreislauf“. Dieses Kreislaufverhalten dient dem Zweck den Sollwert Ihrer Körpertemperatur stabil zu halten, damit die biochemischen Prozesse in Ihrem Körper richtig funktionieren können.

Das erklärt auch, warum es Menschen mit einem hypodynamen Bluthochdruck eher leicht zu kalt ist und sie sich in einer warmen Umgebung, z.B. im Sommer wohler fühlen. Diese Menschen haben häufig auch eher ein niedriges bzw. normales Körpergewicht.

Die Stoffwechselstörung entsteht meistens durch einen Mangel an Flüssigkeit (zu geringer Trinkmenge!) oder das Fehlen von Mikronährstoffen. Auch zu wenig Bewegung bzw. eine zu geringe Muskulatur reduziert die Wärmeproduktion. In Einzelfällen können Medikamente zu Nebenwirkungen führen, z.B. Beta-Blocker. Auch isolierte Organfunktionsstörungen, z.B. eine Schilddrüsenunterfunktion kommen vor.

Andere Ursachen sind eine Störung Gefäßbeweglichkeit, so dass diese sich nicht mehr richtig weit stellen können.

Bluthochdruck – hypERdynamer Blutfluss meist durch innere Hitze

Bei „roten“ Bluthochdruck ist der Blutfluss erhöht. Er beträgt mehr als 135% und mehr von 2,2 Liter pro Minute pro Quadratmeter Körperoberfläche. Die Widerstandsgefäße der Mikrozirkulation sind weit gestellt und die Haut wird verstärkt durchblutet, so dass mehr Wärme an die Umgebung abgegeben werden kann. Folglich hat der betroffene Mensch hat als Zeichen der gesteigerten Durchblutung eher eine rote Haut. Er ist unruhig, berichtet uns auch über Luftnot und Leistungsschwäche. Das liegt vor allen Dingen am thermischen Hitzestress, der mit einer vermehrten Adrenalin-Produktion verbunden ist.

Folglich ist Menschen mit einem hyperdynamen Bluthochdruck eher zu warm und sie meiden eine warme Umgebung. Selbst im Winter reicht ihnen häufig nur eine leichte Kleidung. Folglich sind bei diesen Menschen im Sommer vorbeugende Massnahmen gegen Hitzestress geradezu therapeutisch wichtig.

Meistens haben betroffene Menschen ein zu hohes Körpergewicht. Die Hauptursache für den Bluthochdruck ist hier meistens eine zu starke Wärmekonservierung durch Körperfett, was ja eine Isolationsschicht darstellt. Darüber hinaus produziert Fett als Entzündungsfaktor selber Wärme. Häufig spielt auch eine übermäßige Einnahme von Mikronährstoffen, z.B. Magnesium und Vitamin D, B6 und B12 eine kritische Rolle. In seltenen Fällen diagnostizieren wir auch eine Schilddrüsenüberfunktion. Viel häufiger allerdings führt die Überdosierung von Schilddrüsenhormonen zu Kreislaufstörungen. Auch andere Medikamente können die Körpertemperatur steigern, z.B. der Gerinnungshemmer XareltoⓇ.

„Weißer“ und „roter“ Bluthochdruck – wie behandelt?

Sie können sich jetzt sicherlich vorstellen, dass ein hypodynamer und ein hyperdynamer Bluthochdruck unterschiedlich behandelt werden. Wir in der Cardiopraxis verfolgen hier neben der symptomatischen Behandlung mit Medikamenten, die wir soweit als möglich vermeiden, einen differenzierten Ansatz, der die Stoffwechselprozesse mitberücksichtigt.

Im Fall eines hypodynamen Bluthochdrucks streben wir eine Aktivierung des Stoffwechsels mit Steigerung der Trinkmenge (30-40 ml pro kg Körpergewicht pro Tag) und dosierter Verordnung von Mikronährstoffen (Kalium, Magnesium, Vitamin D, evtl. B-Vitamine und Kalzium) an. Auf der anderen Seite raten wir Menschen mit einem hyperdynamen Bluthochdruck in der Regel zur Gewichtsreduktion, z.B. durch Intervallfasten.

 

 

 Cardiopraxis – Kardiologen in Düsseldorf & Meerbusch

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