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Was ist eine Psoriasis?
Die Schuppenflechte oder auch medizinisch Psoriasis genannt, ist eine häufige Hauterkrankung in den europäischen Industrienationen. 3-5% der Gesamtbevölkerung sind betroffen, schätzungsweise 2 Millionen Menschen sind dies in Deutschland. Die chronisch entzündliche Hauterkrankung befällt die Streckseiten der Arme und Beine, die Kopfhaut, den Steiß, Bauchnabel und Ohren. Typisch für die Erkrankung sind silbrig schuppende, juckende rötliche Stellen.
Psoriasis betrifft nicht nur die Haut
Da es sich nicht nur um eine reine Hauterkrankung, sondern auch um eine entzündliche Systemerkrankung handelt, ist auch der Befall anderer Organe möglich. Bei der Schuppenflechte entzündet sich dabei meist zuerst die Haut. Unser Immunsystem ist aber nicht nur in der Haut, sondern im ganzen Körper aktiv. Es kann also auch an anderer Stelle überreagieren und Entzündungen hervorrufen. So zum Beispiel im Bereich der Gelenke, des Darms, des Auges, Gehirn und Herz.
Immunologisch schreibt man dem Zytokin Interleukin-17-A eine zentrale Rolle im Entzündungsprozess zu. Vereinfacht gesagt handelt es sich bei Zytokinen um chemische Botenstoffe des Immunsystems. Bei der Schuppenflechte nehmen wir an, dass Triggerfaktoren wie zum Beispiel Stress, Infekte, Medikamente und Rauchen zu einer vermehrten Produktion von Interleukin 6 und Interleukin 23 durch die Immunzellen in der Haut führt. Diese regen wiederum die Ausbildung von Immunzellen mit Produktion von Interleukin 17 A an. So wird eine Entzündungskaskade ausgelöst, bei der überschießendes Zytokin freigesetzt wird. In der Folge entzündet sich die Haut und lässt vermehrt Interleukin 17 A durch, welches über die Blutbahn dann zu einer Entzündungsreaktion der Gefäßhaut und Dysfunktion führt. So gesehen kann also die chronische Entzündungsreaktion von der Haut auch auf die Gefäße übergreifen.
Chronische Hautentzündung korreliert mit Koronarplaques
Wir wissen, dass Entzündungen in den Blutgefäßen auch zu vermehrten Ablagerungen führen und somit den Prozess der Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) beschleunigen können. Die Arteriosklerose ist bekanntermaßen die Hauptursache für Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. PET-CT Studien konnten neben einer Entzündungsreaktion in der Haut auch parallel bestehende Entzündungsreaktionen in der Gefäßwand nachweisen. Zum Teil ist die Entzündungsreaktion in der Aorta (Körperschlagader) auch ein Indikator für das Vorliegen einer koronaren Herzerkrankung gewesen. Zuletzt konnten wir auch anhand einer Studie feststellen, dass die Ausprägung von Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen (Koronarplaques) mit dem Hautbefall sogar korreliert. Das bedeutet: Je schwerwiegender die Hautbeteiligung war, desto höher auch das Gefäßrisiko.
Patienten mit Psoriasis haben ein grundsätzlich höheres Herz-Kreislauf-Risiko
Über diesen Entzündungsprozess beobachten wir auch bei Patienten mit Psoriasis ein gehäuftes Auftreten von klassischen kardiovaskulären Risikofaktoren wie arterielle Hypertonie, Diabetes, Hyperlipoproteinämie und Nikotingebrauch. Durch diese Kombination haben Patienten mit Psoriasis ein um 57% höheres Risiko für kardiovaskulären Tod.
Generell können wir davon ausgehen, dass Menschen mit Schuppenflechte ein grundsätzlich höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Studien konnten demnach zeigen, dass Patienten mit schwerer Psoriasis im Alter von 40-50 Jahren ein doppelt so hohes Risiko haben, einen Herzinfarkt zu erleiden, wie gesunde Gleichaltrige.
Effektive Therapie der Psoriasis kann das Herz-Kreislauf-Risiko senken
Auch wenn die Psoriasis eine chronische, also unheilbare, Erkrankung ist, verfügen Fachärzte über eine breite Palette wirksamer Medikamente. Die Medikamente werden je nach Schweregrad der Hautpsoriasis und der Organbeteiligungen ausgewählt. Die Therapie reicht von einer lokalen Therapie mit topischen Steroiden oder in Tablettenform, über Basistherapeutika wie Methotrexat bis zu einer Reihe von antientzündlich wirkenden sog. Biologika (Antikörpertherapie gegen Interleukin 23, Interleukin 17 A und Interleukin-17-A-Rezeptorblocker). Möglicherweise können wir die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch eine effektive Therapie der Psoriasis reduzieren.
Eine CT-Studie konnte nachweisen, dass beispielsweise Biologika bei Psoriasis-Patienten die kalkfreien Plaques in den Koronararterien verringern. Die kalkfreie Plaque-Belastung verringerte sich sogar um 8%, während bei den Betroffenen, die keine Biologika einnahmen, die koronare Plaque-Belastung dagegen im selben Zeitraum um 2% zunahm. Unklar ist jedoch, ob die Biologika direkt auf die Koronarveränderungen wirken oder indirekt, indem sie systemische Entzündungen reduzieren. Grundsätzlich können wir davon ausgehen, dass eine effektive Therapie der Psoriasis die Entzündungsreaktionen auch in den Gefäßen mindert.
Fazit:
Wir empfehlen eine kardiologische Mitbetreuung von Psoriasis-Patienten aufgrund des erhöhten kardiovaskulären Risikos. Wichtig ist, dass man weitere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sorgfältig im Blick behält und vor allem auch eine gute Blutdruckeinstellung erfolgt. Patienten mit einer lang bestehenden schweren Psoriasis gehören wie Diabetiker zu den kardiologischen Hochrisikopatienten und brauchen sorgfältige Überwachung und Therapie. Eine erfolgreiche Behandlung der Hauterkrankung kann wahrscheinlich das kardiovaskuläre Risiko reduzieren.
Literatur: