Blitze – Häufigkeit und Relevanz für die Gesundheit

Blitze sind elektrische Entladungen in der Erdatmosphäre. Sie finden entweder zwischen den Wolken oder zwischen den Wolken und der Erde statt. Die Blitzhäufigkeit in Deutschland betrug z.B. im Jahr 2003 über 2.000.000 Blitze. Das sind 0,5 bis 10 Blitzeinschläge pro Quadratkilometer und Jahr. Die Hauptmonate der Blitzsaison sind Juli und August, 95 Prozent aller Blitze treten zwischen Mai und September auf.

In Deutschland werden 3 bis 7 Todesfälle durch Blitze registriert . Allerdings ist die Anzahl der überlebten Blitzeinschläge nicht bekannt. Die Dunkelziffer ist relevant, weil überlebte Blitzunfälle zu erheblichen Verletzungen und Behinderungen führen können.

Blitzunfall – direkter und indirekter Blitzeinschlag

Der direkte Blitzeinschlag in den Menschen endet fast immer tödlich und entspricht einem Hochspannungsunfall. Dieses Ereignis ist allerdings selten.

Viel häufiger ist der indirekte Blitzschlag. Wir unterscheiden hier die Wirkung über die Schrittspannung, über die Berührungsspannung und über die Überschlagsspannung. Schrittspannung meint, dass sich eine elektrische Spannung zwischen den Beinen entwickelt. Ein Beispiel für Berührungsspannung ist etwa das Festhalten an einem Laternenmast. Und von Überschlagsspannung ist die Rede, wenn Spannung z. B. in unmittelbarer Nähe eines getroffenen Baumes übertragen wird.

Die Druckwelle selbst hat ebenfalls negative Einwirkung auf Ihre Gesundheit. Folglich treten Trommelfellrisse, Verletzungen der Lunge und komplexe Knochenbrüche auf.

Nicht zu vergessen ist die Blendwirkung durch den Blitz, die kurzzeitig einen kompletten Verlust der Sehkraft zur Folge haben kann.

Blitzunfall – Verletzungen durch Blitze

Verletzungen sind bei Blitzunfällen das Hauptproblem.

Beim direkten Blitzeinschlag kommt es zu Verbrennungen an der Ein- und Austrittstelle des Blitzes.

Das Herz kann durch den Blitz geschädigt werden, was gerade in der Akutphase eine kritische Bedeutung haben kann. Im schlimmsten Fall kommt es zu Kammerflimmern mit Herz-Kreislaufstillstand und Tod. Darüber hinaus treten Atemstillstände, Schäden des zentralen Nervensystems und Bewusstlosigkeit auf.

Nerven- und Muskellähmungen sind eine häufige Folge der elektrischen Organschädigung. Diese Phänomene sind meistens vorübergehend und halten in der Regel nur einige Tage an.

Knochenbrüche sind eine sehr häufige Folge von Blitzunfällen: Durch eine Druckwelle wird der Mensch durch die Luft geschleudert. Weil die Muskulatur durch die elektrische Erregung verkrampft, funktionieren Schutzreflexe beim Aufprall teilweise oder komplett nicht. Folglich sind die Knochenfrakturen nach Blitzunfall im Gegensatz zum einfachen Sturz häufig atypisch und komplex (z.B. Trümmerbruch), was meistens die Heilungsphase verlängert.

Als längerfristige Folgen können chronische Schmerzen und dauerhafte Persönlichkeitsstörung verbleiben.

Blitz und Donner – Gefahrenlage durch 30/30-Regel einschätzen

Um Schäden für die Gesundheit und den Tod zu vermeiden, lohnt es sich für Sie, die 30/30 Regel zu erlernen.

30 Sekunden. Beträgt die Dauer zwischen Blitz und Donner 30 Sekunden und weniger, dann ist das Risiko für einen Blitzunfall deutlich erhöht. Das Gewitter ist dann weniger als 10 km entfernt. In diesem Fall sollten Sie immer einen sicheren Ort aufsuchen, auf Sportplätzen z.B. eine Blitzschutzhütte.

Ist die Zeit zwischen Blitz und Donner sogar kürzer als 5 Sekunden, dann besteht unmittelbar Gefahr. Auf dem Golfplatz zum Beispiel dann sofort in die Hocke gehen, am besten in einer Vertiefung, und nicht mehr das entfernte Clubhaus aufsuchen.

Wenn Sie die Entfernung abschätzen wollen, dann zählen Sie die Sekunden zwischen Blitz und Donner und teilen das Ergebnis durch 3. Das zeigt Ihnen ungefähr an, wie viele Kilometer das Gewitter von Ihnen entfernt ist.

30 Minuten. Registrieren Sie 30 Minuten lang keine Gewitteraktivität, d.h. keinen Blitz oder Donner, bedeutet das für Sie Entwarnung. Das Gewitter ist vorüber und Sie können die unterbrochenen Tätigkeiten wieder aufnehmen.

Gewitter – Schutz in Gebäuden und Fahrzeugen

Sollten Sie in der unglücklichen Lage sein, und das kann jeden von uns treffen, nah oder mitten in einem Gewitter zu sein, dann sollten Sie den Schutz von Gebäuden oder Fahrzeugen aufsuchen.

Schutz bieten hier ausschließlich Automobile mit Ganzmetallkarosserie, was der Standard bei PKWs ist. Kein Schutz hingegen bieten Fahrzeuge mit Glasfaserkarosserie, z.B. Wohnmobile sowie Cabriolets ohne Dachgerüst oder Metallüberrollbügel, auch nicht bei verschlossenem Verdeck.

Die Autofahrt sollten Sie pausieren, da durch die Blendwirkung von Blitzen eine deutlich erhöhte Unfallgefahr droht.
Keinen Schutz bieten Motorräder oder Fahrräder. Folglich müssen Sie in diesem Fall mit dem Fahrzeug stehen bleiben und mindestens 5 m Abstand vom abgestellten Zweirad halten.

Blitz in der freien Natur – Abstand halten

Sind Sie während eines Gewitters auf einem freien Feld, dann sollten Sie eine Vertiefung aufsuchen, so dass Sie nicht selbst den höchsten Punkt in der Landschaft bilden. Meiden Sie alle freistehenden Bäume, denn es kann zu Überschlagspannung kommen! Der Spruch „Die Buche suche, der Eiche weiche” ist Unsinn. Waldränder sollten Sie ebenfalls vermeiden. Hat ein Wald etwa gleich hohe Bäume, dann suchen Sie das Waldinnere auf, denn hier ist es am sichersten.

Grundsätzlich halten Sie von größeren Objekten mindestens 5 m Abstand, da das Risiko der Überschlagspannung besteht. Legen Sie auch metallische Gegenstände wie z.B. Golfschläger und Walking-Stöcke weg! Selbstverständlich sollten Sie Wasser unbedingt meiden, denn Wasser hat ja bekanntermaßen eine sehr gute elektrische Leitfähigkeit. Menschengruppen sollten auf keinen Fall zusammenstehen, sondern auch hier sind mindestens 5 m Abstand zwischen den einzelnen Personen einzuhalten.

Blitz in der freien Natur – durch Körperhaltungen die Angriffsfläche verringern

Wenn Sie den Kontakt mit der elektrischen Entladung eines Blitzes vermeiden wollen, sollten Sie möglichst Ihre Angriffsfläche klein halten. Hierfür müssen Sie eine möglichst geringe Körperhöhe in der Landschaft mit einer möglichst geringen Kontaktfläche auf dem Boden kombinieren.

  • Stellen Sie die Füße zusammen!
  • Gehen Sie in die Hocke!
  • Halten Sie die Arme zusammen!
  • Ziehen Sie den Kopf ein!

Legen Sie sich nicht auf den Boden! Das würde ja die Kontaktfläche vergrößern.

Ist ein Mitglied, zum Beispiel Ihrer Wandergruppe, von einem Blitz getroffen worden, dann können und müssen Sie Erste Hilfe leisten. Die Berührung des Blitzschlagopfers ist ohne Gefahr. Setzen Sie als erstes den Notruf 112 ab! Falls erforderlich, bringen Sie den getroffenen Menschen in eine stabile Seitenlage bzw. beginnen Sie mit den Wiederbelebungsmaßnahmen!

Richtig verhalten bei Blitz und Donner – Sieg der Vernunft über die Unvernunft

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Gewitter sehr häufig sind und Blitze durch den Menschen einfach nicht verhindert werden können. Der Mensch muss sich der Natur also anpassen.

Gewitter und damit auch Blitze sind gut akustisch und optisch wahrnehmbar, so dass Sie Vorsorgemaßnahmen in der Regel rechtzeitig ergreifen können.

Bei Gewitter muss die Vernunft über die Unvernunft siegen. Auch wenn es uns nicht passt, die Zeit zum nächsten Termin drängt oder es gar schon dunkel wird: Alle Aktivitäten müssen zugunsten des Blitzschutzes unterbrochen werden.

Das gilt vor allen Dingen für Sportler. Sie müssen sportliche Aktivitäten im Freien abbrechen (Golf, Jogging, Wandern, Fahrradfahren). Der Gedanke oder gar die Ansage an eine Gruppe “das schaffen wir noch” ist grober Unsinn und kann lebensgefährlich sein. Suchen Sie frühzeitig Schutz auf! Sonst war das vielleicht Ihre letzte Golfrunde für eine sehr lange Zeit.

Merken Sie sich die 30/30 Regel!!

Hilfreich bei Freizeitaktivität im Freien ist die App BlitzortungLife.

 

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