Blutdruck selber messen – eine Diagnose mit Konsequenzen

Die Selbstmessung des Blutdrucks ist wahrscheinlich neben der Bestimmung der Herzfrequenz und der Körpertemperatur die häufigste apparative Massnahme zur Erfassung von Daten zur eigenen Gesundheit überhaupt. Genauso wie bei Herzfrequenz und Körpertemperatur haben die meisten von uns ein grundlegendes Verständnis davon, was ein normaler Blutdruck und was ein Bluthochdruck ist.

Moderne Blutdruckmessgeräte – hoher Standard

Die im Handel angebotenen halb-automatischen Blutdruckmessung entsprechen in Qualität und Handhabung den professionellen Geräten in einer Arztpraxis oder im Krankenhaus. Die Geräte sind handlicher geworden, zuverlässig und die Daten lassen sich z.T. schon via Bluetooth auf das Handy übertragen, so dass eine anschauliche Dokumentation möglich wird.

Die meistens integrierte Analyse der Herzfrequenz erlaubt Hinweise auf Rhythmusstörungen. Inzwischen steht auch ein Gerät zur Verfügung, welches die integrierte Ableitung und Analyse eines 1-Kanal EKGs zum Nachweis von Vorhofflimmern erlaubt. Dieses hat eine vergleichbare Qualität wie das 1-Kanal EKG  wie z.B. das System von für die Apple Watch oder die Kardia Systeme von AliveCor. Darüber hinaus steht zu erwarten, dass in der Zukunft auch eine integrierte Bestimmung des Blutflusses eine genauere Kreislaufanalyse zulassen wird.

Blutdruck messen zu Hause – viele Vorteile

Die Heimblutdruckmessung hat neben den geringen Kosten und der weiten Verbreitung zahlreiche Vorteile.

Die Blutdruckmessung zu Hause erlaubt z.B. die Abgrenzung eines sog. Weißkittel-Effektes, d.h. eines Blutdrucks, der nur in eine Arztpraxis erhöht ist und zu Hause komplett normal ist. Darüber hinaus können wir bei Messungen zu verschiedenen Tageszeiten auch kritisch hohe Werte erfassen, während zu anderen Tageszeiten (und auch in der Arztpraxis) der Blutdruck völlig normal ist. Hier hat vor allem die Messung am Morgen und am Abend eine Bedeutung.

Messungen an mehreren Tagen und zu unterschiedlichen Tageszeiten und sogar Jahreszeiten geben uns als Ärzten wertvolle Hinweise. Darüber hinaus können Sie auch dynamische Messungen zu Hause ableiten, z.B. im Liegen und manche dem Aufstehen. Nicht zuletzt ist es so, dass Sie bei Befindlichkeitsstörungen, wie z.B. innere Unruhe, Kopfschmerzen und Luftnot über die Blutdruckmessungen Hinweise auf die Ursache gewinnen und eine besprochene Bedarfsmedikation einsetzen können, z.B. bei einer hypertensiven Entgleisung.

Die Grenzwerte für den Blutdruck sind niedriger als für die Messungen in einer Arztpraxis:

  • Normal – systolisch <140 mmHg und diastolisch <85 mmHg

Blutdruck messen zu Hause – Risiko Fehlmessungen

Einen entscheidenen Nachteil hat die Blutdruckmessung zu Hause, das Risiko der Fehlmessung. Wenn der Blutdruck falsch gemessen wird, kann das zu Fehldiagnosen und damit zu falschen Therapien und Nebenwirkungen führen. Schon in der Arztpraxis können hier in 40-60% falsche Werte erhoben werden, wenn nicht einige entscheidende Punkte beachtet werden. Im häuslichen Bereich kann die Fehlerquote sogar höher liegen.

Richtig Blutdruck messen – 9 kostbare Tipps

So misst man richtig:

  • zunächst 5 Minuten ruhig sitzen
  • beide Füße auf dem Boden, keine gekreuzten Beine (führt zu falsch-hohen Werten)
  • Messarm muss auf Unterlage ruhen
  • Messeinheit muss auf Herzhöhe sein
  • richtige Manschettengröße in Relation zu Oberarmumfang wählen (zu schmale Manschette = falsch-hohe Werte, zu breite Manschette = falsch-niedrige Werte)
  • Oberarmumfang: Breite x Länge
    < 24 cm: 10 x 18 cm
    24 bis 32 cm: 12 x 24 cm (Standardmanschette)
    33 bis 41 cm: 15 x 30 cm
    >41 cm: 18 x 36 cm
  • Manschette um unbekleideten Oberarm legen (Luftschlauch vorne, Verschluss hinten, Messpunkt auf Herzhöhe)
  • nicht sprechen, lesen oder Handy nutzen
  • bei Erstmessung an beiden Armen messen, den höheren Wert wählen und in der Zukunft an dem Arm mit dem höheren Wert messen

Blutdruckwerte dokumentieren 

Dokumentieren Sie Uhrzeit, systolischen und diastolischen Blutdruck sowie die Herzfrequenz. Bringen Sie am besten eine Kopie der Liste zu Ihrem nächsten Arztbesuch mit. Sollte Sie die Werte in einer App speichern, was wir empfehlen, dann ist es sinnvoll, dass Sie einen Ausdruck machen. So kann Ihre Ärztin oder der Arzt die Dokumentation zu seinen Unterlagen nehmen und im Verlauf vergleichen.

Wiliams B et al European Heart Journal 2018; 39:3021–3104

Mehr zu: Dr. Frank-Chris Schoebel

 

 

 

 

 

 


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