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Maximilian Schmitz

Schlafstörung: Schäfchen zählen, Melatonin oder Atemtechnik?

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Schlecht schlafen kennt fast jeder. Man liegt im Bett, ist müde, aber der Kopf macht weiter. Der nächste Tag läuft schon im inneren Film ab. Termine, Sorgen, Gespräche, Blutdruck, Arbeit, Familie. Und irgendwann kommt dieser unangenehme Gedanke: Ich muss jetzt schlafen, sonst wird morgen alles schlimm.

Genau dieser Gedanke macht es meistens nicht besser.

Dann kommen die klassischen Tipps: Schäfchen zählen. Melatonin nehmen. Eine Atemtechnik probieren. Magnesium. Glycin. Ashwagandha. Kein Handy. Schlaftracker optimieren. Mouth Taping. Sleepmaxxing.

Einige dieser Dinge sind sinnvoll. Andere werden überschätzt. Und manches klingt harmlos, kann bei chronischer Schlafstörung aber in die falsche Richtung führen, oder gefährlich sein.

Die gute Nachricht: Schlafstörungen sind behandelbar. Aber nicht jede Schlafstörung braucht sofort Tabletten. Und nicht jedes „natürliche“ Mittel ist automatisch eine gute Lösung.

Schlaf kommt selten durch mehr Kontrolle. Schlaf kommt eher, wenn der Körper wieder Sicherheit lernt.

Wann spricht man von einer Insomnie?

Nicht jede schlechte Nacht ist eine Krankheit.

Eine Insomnie liegt typischerweise dann vor, wenn Ein- oder Durchschlafstörungen über längere Zeit bestehen, tagsüber Beschwerden verursachen und nicht besser durch eine andere Schlafstörung erklärt werden. Bei chronischer Insomnie bestehen die Beschwerden über mindestens drei Monate. Typisch sind Einschlafprobleme, Durchschlafprobleme, zu frühes Erwachen und Tagesprobleme wie Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder Reizbarkeit. [1]

Das ist wichtig. Wer nach Stress, Jetlag oder Krankheit ein paar Nächte schlecht schläft, braucht meist keine große Diagnostik. Wer aber seit Monaten schlecht schläft, tagsüber nicht funktioniert oder immer mehr Angst vor der Nacht entwickelt, sollte das ernst nehmen.

Schäfchen zählen: nett, aber wahrscheinlich nicht besonders wirksam

Schäfchen zählen ist der Klassiker. Es ist harmlos. Aber besonders wirksam ist es wahrscheinlich nicht.

Eine kleine Oxford-Studie untersuchte Menschen mit Einschlafproblemen. Bildhafte, angenehme Vorstellungen – zum Beispiel eine ruhige Landschaft – schnitten besser ab als einfache Ablenkung. Monotones Zählen scheint oft zu wenig mentale Fläche zu besetzen, um Grübeln wirklich zu unterbrechen. [2]

Die Einschränkung ist wichtig: Das ist keine große moderne Interventionsstudie mit harten Endpunkten. Es ist eher ein psychologisch plausibler Hinweis. Trotzdem passt es gut zur Alltagserfahrung: Wer nachts zählt, bleibt oft beim Zählen wach.

Praktischer ist häufig eine ruhige Bildvorstellung: ein Spaziergang am Wasser, ein vertrauter Weg durch den Wald, ein ruhiger Ort aus dem Urlaub. Nicht als Leistung. Nicht perfekt visualisieren. Einfach den Kopf sanft von der Problemschleife wegführen.

Melatonin: kein normales Schlafmittel

Melatonin wird stark beworben. Viele nehmen es, weil es „natürlich“ klingt.

Das Problem: Natürlich heißt nicht automatisch sinnvoll.

Melatonin ist vor allem ein Zeitgeberhormon. Es signalisiert dem Körper: Nacht kommt. Es wirkt also eher auf die innere Uhr als wie ein klassisches Schlafmittel. Deshalb kann Melatonin bei Jetlag, verschobenem Schlafrhythmus oder bestimmten zirkadianen Störungen sinnvoll sein. Bei einer normalen chronischen Insomnie ist der Nutzen deutlich begrenzter.

Eine systematische Übersichtsarbeit zu chronischer Insomnie fand bei Erwachsenen keinen überzeugenden Nutzen von Melatonin auf Einschlafzeit, Gesamtschlafzeit oder Schlafeffizienz. [3]

Das bedeutet nicht: Melatonin ist Unsinn. Es bedeutet aber: Melatonin ist nicht die Standardlösung für Schlafstörungen. Und es sollte nicht dauerhaft auf eigene Faust genommen werden, nur weil es rezeptfrei erhältlich ist.

Warum Melatonin besser klingt, als es wirkt

Melatonin ist ein gutes Beispiel dafür, wie schnell aus biologischer Plausibilität eine Alltagsempfehlung wird.

Biologisch klingt es logisch: Melatonin steigt abends, also nimmt man Melatonin und schläft besser. So einfach ist Schlaf aber nicht. Schlaf hängt von innerer Uhr, Schlafdruck, Stressniveau, Licht, Alkohol, Medikamenten, Schmerzen, Atmung, Psyche und Gewohnheiten ab.

Die Studien sind deshalb gemischt. Manche zeigen kleine Effekte auf die Einschlafzeit. Andere zeigen bei Erwachsenen mit chronischer Insomnie keinen relevanten Nutzen. Patientengruppen, Dosierungen, Präparate und Messmethoden sind unterschiedlich. Genau deshalb sind Leitlinien zurückhaltend. Die europäische Insomnie-Leitlinie und die deutsche S3-Leitlinie sehen die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie als zentrale Erstlinientherapie. [1,4]

Ein weiterer Punkt: Viele Menschen nehmen Melatonin zu spät, zu hoch dosiert oder in der falschen Situation. Dann wird aus einem möglichen Zeitgeber ein unsauber eingesetztes Schlafmittel.

Besonders problematisch ist die dauerhafte Selbstmedikation, wenn die eigentliche Ursache nicht erkannt wird: Schlafapnoe, Restless-Legs-Syndrom, Depression, Angststörung, Alkohol, Schmerzen, Schilddrüse, Medikamente oder nächtlicher Harndrang.

Meine Einordnung: Melatonin ist kein Unsinn. Aber es ist deutlich weniger universell, als es verkauft wird.

Atemtechnik: keine Wunderwaffe, aber oft sinnvoll

Atemtechniken sind gerade sehr beliebt. 4-7-8-Atmung. Box Breathing. Langsames Ausatmen. Atemmeditation.

Das ist nicht falsch. Langsame Atmung kann das autonome Nervensystem beruhigen. Viele Menschen kommen dadurch aus der inneren Anspannung heraus. Der Puls wird ruhiger, die Aufmerksamkeit verlagert sich weg vom Grübeln, der Körper bekommt ein Signal: keine Gefahr.

Aber auch hier gilt: Atemtechnik ist keine medizinische Therapie für jede Schlafstörung. Sie ersetzt keine Diagnostik bei Schlafapnoe, keine Behandlung einer Depression und keine strukturierte Insomnie-Therapie bei monatelangen Beschwerden.

Praktisch empfehle ich eher einfache Varianten als komplizierte Rituale: langsam einatmen, länger ausatmen. Zum Beispiel 4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus. Nicht erzwingen. Nicht zählen wie bei einer Prüfung. Einfach ruhiger werden.

Magnesium, Glycin, Ashwagandha: was ist dran?

Nahrungsergänzungsmittel werden bei Schlafproblemen massiv beworben. Magnesium, Glycin, Ashwagandha, Lavendel, Baldrian, Apigenin, L-Theanin, „Sleepy Girl Mocktail“. Die Liste wird jede Woche länger.

Ein Teil davon ist plausibel. Ein Teil ist harmlos. Ein Teil ist Marketing.

Magnesium kann sinnvoll sein, wenn tatsächlich ein Mangel, Muskelkrämpfe oder eine unruhige neuromuskuläre Situation vorliegen. Für die generelle Behandlung chronischer Insomnie ist die Evidenz aber nicht stark. Eine systematische Übersicht bei älteren Erwachsenen fand nur drei kleine randomisierte Studien mit insgesamt 151 Teilnehmern; die Einschlafzeit verkürzte sich im Mittel um etwa 17 Minuten, die Gesamtschlafzeit nahm nicht eindeutig zu. [5]

Glycin ist interessant. Kleine Humanstudien deuten darauf hin, dass 3 g Glycin vor dem Schlafen subjektive Schlafqualität und Tagesbefinden verbessern können. Das ist biologisch plausibel, aber die Datenbasis ist klein und nicht leitlinienprägend. Daher kann hier keine reliable Empfehlung gegeben werden. [6]

Ashwagandha wird besonders aggressiv vermarktet. Eine Meta-Analyse fand Hinweise auf bessere Schlafqualität, betonte aber die begrenzte Datenlage und die fehlenden robusten Langzeitsicherheitsdaten. Das NIH beschreibt mögliche Effekte auf Stress und Schlaf, weist aber ebenfalls auf die Notwendigkeit sorgfältiger Sicherheitsbewertung hin. [7,8]

Der kritische Punkt ist nicht, dass diese Substanzen grundsätzlich verboten wären. Der kritische Punkt ist die Reihenfolge. Wenn jemand monatelang schlecht schläft, schnarcht, Atemaussetzer hat, Blutdruckspitzen entwickelt oder tagsüber einschläft, dann ist Magnesium nicht die Diagnose. Dann muss man nach der Ursache suchen.

Sleepmaxxing: wenn Schlafoptimierung selbst zum Problem wird

Unter dem Begriff „Sleepmaxxing“ kursieren derzeit viele Schlafhacks: Mouth Taping, Nasenpflaster, Magnesium, Melatonin-Spray, Rotlicht, Blaulichtbrille, Schlaftracker, Cooling Pads, spezielle Abendgetränke.

Ein Teil davon kann individuell angenehm sein. Aber der Trend hat ein Problem: Schlaf wird zur Leistung.

Wer abends zehn Dinge richtig machen will, um endlich perfekt zu schlafen, setzt sich selbst unter Druck. Und Druck ist einer der besten Wege, nicht einzuschlafen.

Besonders kritisch ist Mouth Taping, also das nächtliche Zukleben des Mundes. Nasenatmung ist grundsätzlich sinnvoll, weil die Nase die Luft filtert, befeuchtet und erwärmt. Aber daraus folgt nicht, dass man sich nachts den Mund zukleben sollte. Eine systematische Übersicht von 2025 fand nur begrenzte Evidenz und sah potenziell relevante Risiken bei Menschen mit Mundatmung, schlafbezogener Atmungsstörung oder obstruktiver Schlafapnoe. [9]

Meine klare Empfehlung: Kein Mouth Taping. Insbesondere nicht bei Schnarchen, Atemaussetzern, verstopfter Nase, Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankung oder unklarer Tagesmüdigkeit. In diesen Fällen gehört die Atmung abgeklärt, nicht zugeklebt.

Schlaftracker: hilfreich als Trend, schlecht als Urteil über die Nacht

Viele Patienten nutzen Apple Watch, Garmin, Oura, Fitbit oder andere Schlaftracker. Das kann sinnvoll sein. Man sieht Bettzeiten, Regelmäßigkeit, ungefähre Schlafdauer und manchmal Hinweise auf nächtliche Unruhe.

Aber Schlaftracker sind kein Schlaflabor.

Moderne Wearables können Schlaf und Wachheit oft brauchbar unterscheiden. Bei Schlafstadien sind sie deutlich unsicherer. Validierungsstudien gegen Polysomnographie zeigen je nach Gerät und Schlafphase eine nur moderate bis gute Genauigkeit, aber keine klinische Diagnostik. [10]

Das größere Problem ist psychologisch. Es gibt inzwischen den Begriff Orthosomnia: Menschen schlafen schlechter, weil sie ihre Schlafdaten zu stark kontrollieren. Fallberichte zeigen, dass Tracker bei manchen Patienten Schlafangst und Perfektionismus verstärken können. [11]

Deshalb mein praktischer Satz: Ein Schlaftracker darf ein Hinweisgeber sein. Er darf nicht der Richter über Ihre Nacht werden.

Wenn Sie morgens aufwachen und sich gut fühlen, aber die Uhr sagt „schlechter Schlaf“, glauben Sie nicht automatisch der Uhr mehr als Ihrem Körper.

Schlafapnoe nicht übersehen – besonders bei Bluthochdruck und Vorhofflimmern

Nicht jede Schlafstörung ist Insomnie.

Gerade in der Kardiologie ist die obstruktive Schlafapnoe wichtig. Wer laut schnarcht, Atemaussetzer hat, morgens mit Kopfschmerzen aufwacht, tagsüber müde ist oder nachts mit Herzrasen aufschreckt, sollte nicht nur an Stress denken.

Die American Heart Association beschreibt, dass obstruktive Schlafapnoe bei Patienten mit Hypertonie, Herzinsuffizienz, koronarer Herzkrankheit, pulmonaler Hypertonie und Vorhofflimmern sehr häufig ist; in diesen Gruppen wird eine Prävalenz von bis zu 40 bis 80 Prozent genannt. [12]

Das ist für die Praxis relevant. Schlafapnoe kann Blutdruckeinstellung erschweren, Vorhofflimmern begünstigen, Tagesmüdigkeit verursachen und die Lebensqualität deutlich verschlechtern.

Eine Atemtechnik hilft dann nicht ausreichend. Melatonin auch nicht. Magnesium auch nicht. Dann braucht es Diagnostik.

Was wirklich am besten belegt ist: KVT-I

Bei chronischer Insomnie ist die beste Behandlung nicht Melatonin und nicht Schäfchen zählen. Die beste belegte Behandlung ist die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie, kurz KVT-I oder CBT-I.

Das klingt psychologisch, ist aber sehr praktisch. Es geht nicht darum, jemandem einzureden, dass die Schlafstörung „nur im Kopf“ sei. Es geht darum, den Teufelskreis aus schlechtem Schlaf, Angst vor schlechtem Schlaf, Bettfrust, Grübeln, Schonverhalten und immer längerer Bettzeit zu durchbrechen.

Die American Academy of Sleep Medicine empfiehlt multikomponentige CBT-I als zentrale Behandlung bei chronischer Insomnie. Dazu gehören unter anderem Stimuluskontrolle, Schlafrestriktion beziehungsweise Bettzeitbegrenzung, Entspannung und kognitive Strategien. [13]

Das ist der wichtigste Punkt des ganzen Artikels: Chronische Schlafstörung behandelt man nicht dadurch, dass man immer mehr Mittel ausprobiert. Man behandelt sie, indem man dem Schlaf wieder Vertrauen gibt.

Was bedeutet Stimuluskontrolle?

Stimuluskontrolle klingt technisch, ist aber einfach.

Das Bett soll wieder mit Schlaf verbunden werden – nicht mit Grübeln, Handy, Arbeit, Wachliegen und Ärger.

Praktisch heißt das: ins Bett gehen, wenn man schläfrig ist. Das Bett nicht als Büro oder Sorgenplatz nutzen. Wenn man lange wach liegt: aufstehen, etwas Ruhiges tun, erst bei Schläfrigkeit zurück. Morgens möglichst zur gleichen Zeit aufstehen. Tagsüber nicht endlos kompensieren.

Das ist am Anfang unbequem. Aber es ist wirksam, weil das Gehirn wieder lernt: Bett bedeutet Schlaf.

Schlafhygiene: sinnvoll, aber allein oft zu schwach

Schlafhygiene ist nicht falsch. Ein dunkles Schlafzimmer, regelmäßige Zeiten, wenig Alkohol, kein spätes Koffein, weniger Bildschirmlicht und Bewegung am Tag sind sinnvoll.

Aber Schlafhygiene allein reicht bei chronischer Insomnie oft nicht. Viele Betroffene kennen die Regeln längst. Sie halten sich sogar streng daran – und schlafen trotzdem schlecht.

Dann entsteht ein neues Problem: Schlaf wird zur Leistungsprüfung. Alles muss stimmen. Temperatur, Tee, Licht, Uhrzeit, App, Geräusch, Matratze. Und je mehr man den Schlaf kontrollieren will, desto weniger kommt er.

Deshalb ist Schlafhygiene die Basis. Aber bei echter Insomnie braucht es meist mehr: CBT-I, Umgang mit Grübeln, Bettzeitsteuerung, Stimuluskontrolle und manchmal ärztliche Diagnostik.

Was hat Schlaf mit Herz und Kreislauf zu tun?

Schlaf ist kein Wellness-Thema. Schlaf gehört zur Prävention.

Die American Heart Association zählt gesunden Schlaf zu den „Life’s Essential 8“ der Herzgesundheit. Für Erwachsene werden im Durchschnitt 7 bis 9 Stunden Schlaf pro Nacht empfohlen. [14]

Zu wenig Schlaf kann Blutdruck, Stoffwechsel, Appetitregulation, Entzündung und Stresssysteme ungünstig beeinflussen. Bei Menschen mit Bluthochdruck, Vorhofflimmern, koronarer Herzkrankheit oder Herzinsuffizienz lohnt es sich deshalb, Schlaf ernst zu nehmen.

Aber auch hier gilt: Nicht jede schlechte Nacht ist ein kardiologisches Risiko. Entscheidend ist das Muster. Wochen und Monate mit schlechtem Schlaf sind etwas anderes als eine kurze Stressphase.

Wann sollte man medizinisch genauer hinschauen?

Schlafstörungen sollten ärztlich eingeordnet werden, wenn sie länger anhalten, tagsüber deutlich beeinträchtigen oder mit Warnzeichen verbunden sind.

  • lautes Schnarchen, Atemaussetzer oder morgendliche Kopfschmerzen
  • ausgeprägte Tagesmüdigkeit oder Sekundenschlaf
  • nächtliches Herzrasen, Luftnot oder Brustdruck
  • unruhige Beine, Kribbeln oder Bewegungsdrang am Abend
  • depressive Stimmung, Angst, Panik oder Grübelzwang
  • regelmäßiger Alkoholgebrauch als „Einschlafhilfe“
  • neue Schlafstörung nach Medikamentenänderung
  • Schlafprobleme bei Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern oder schwerem Bluthochdruck

Gerade Schlafapnoe wird häufig mit „ich schlafe schlecht“ verwechselt. Das ist wichtig, weil unbehandelte Schlafapnoe Blutdruck, Rhythmusstörungen und Tagesmüdigkeit verstärken kann.

Praktische Empfehlung: Was soll man heute Abend tun?

Nicht alles auf einmal.

Heute Abend keine Schlafrevolution starten. Besser drei einfache Dinge:

  • Morgens feste Aufstehzeit. Auch nach schlechter Nacht. Das stabilisiert den Rhythmus.
  • Abends weniger Kampf. Nicht im Bett arbeiten, diskutieren, scrollen oder den Schlaf erzwingen.
  • Eine ruhige Technik wählen. Bildvorstellung oder langsames Ausatmen. Nicht fünf Methoden gleichzeitig.

Melatonin würde ich nicht als ersten Schritt nehmen. Magnesium, Glycin oder Ashwagandha auch nicht. Wenn es um Jetlag, Schichtarbeit, verschobenen Rhythmus, nachgewiesene Mängel oder spezielle Situationen geht, kann man darüber sprechen. Aber als Dauerlösung gegen Grübeln, Schnarchen, Schlafapnoe oder chronische Insomnie sind Nahrungsergänzungsmittel meist nicht der richtige Weg.

Fazit

Schäfchen zählen ist harmlos, aber wahrscheinlich nicht besonders wirksam. Eine ruhige Bildvorstellung ist oft besser.

Melatonin ist kein klassisches Schlafmittel. Es kann bei Schlaf-Rhythmusproblemen helfen, ist aber bei chronischer Insomnie ohne zirkadianes Problem meist überschätzt.

Atemtechnik kann sinnvoll sein, vor allem wenn Anspannung und Grübeln im Vordergrund stehen. Sie ist aber Teil eines Gesamtkonzepts, keine Wundertherapie.

Magnesium, Glycin und Ashwagandha sind interessante Substanzen, aber keine Standardtherapie bei chronischer Schlafstörung.

Sleepmaxxing und Schlaftracker können aus einem Schlafproblem schnell ein Kontrollproblem machen und.

Die beste belegte Behandlung bei chronischer Schlafstörung bleibt die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie. Und bei Schnarchen, Atemaussetzern, Bluthochdruck oder Vorhofflimmern sollte man an Schlafapnoe denken.

Kurz gesagt: Schlaf kommt selten durch mehr Kontrolle. Schlaf kommt eher, wenn der Körper wieder Sicherheit lernt

Quellenlage:

  1. Riemann D. et al. The European Insomnia Guideline: an update on the diagnosis and treatment of insomnia 2023. Journal of Sleep Research. DOI: 10.1111/jsr.14035.
  2. Harvey AG, Payne S. The management of unwanted pre-sleep thoughts in insomnia: distraction with imagery versus general distraction. Behaviour Research and Therapy. 2002;40(3):267-277. DOI: 10.1016/S0005-7967(01)00012-2.
  3. Choi K. et al. Efficacy of melatonin for chronic insomnia: systematic reviews and meta-analyses. Sleep Medicine Reviews. 2022. PubMed PMID: 36179487.
  4. AWMF S3-Leitlinie Insomnie bei Erwachsenen, Registernummer 063-003, Update 2025.
  5. Mah J, Pitre T. Oral magnesium supplementation for insomnia in older adults: a systematic review and meta-analysis. BMC Complementary Medicine and Therapies. 2021;21:125.
  6. Bannai M, Kawai N. New therapeutic strategy for amino acid medicine: glycine improves the quality of sleep. Journal of Pharmacological Sciences. 2012;118(2):145-148.
  7. Cheah KL. et al. Effect of Ashwagandha extract on sleep: a systematic review and meta-analysis. PLOS ONE. 2021;16(9):e0257843.
  8. NIH Office of Dietary Supplements. Ashwagandha: Fact Sheet for Health Professionals. Updated 2025.
  9. Rhee J. et al. Breaking social media fads and uncovering the safety and efficacy of mouth taping in patients with mouth breathing, sleep disordered breathing, or obstructive sleep apnea: a systematic review. PLOS ONE. 2025;20(5):e0323643.
  10. Robbins R. et al. Accuracy of three commercial wearable devices for sleep tracking compared with polysomnography. Sensors. 2024;24(20):6532.
  11. Baron KG. et al. Orthosomnia: Are some patients taking the quantified self too far? Journal of Clinical Sleep Medicine. 2017;13(2):351-354.
  12. Yeghiazarians Y. et al. Obstructive Sleep Apnea and Cardiovascular Disease: A Scientific Statement From the American Heart Association. Circulation. 2021;144:e56-e67.
  13. Edinger JD. et al. Behavioral and psychological treatments for chronic insomnia disorder in adults: an American Academy of Sleep Medicine clinical practice guideline. Journal of Clinical Sleep Medicine. 2021;17(2):255-262.
  14. American Heart Association. Life’s Essential 8: Get Healthy Sleep. Adults should aim for 7-9 hours of sleep per night.
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