Stromunfall – Hochspannung häufig tödlich

In Deutschland sterben pro Jahr 36-100 Menschen an den Folgen eines Elektrounfalls. Wir unterscheiden dabei den Niederspannungsbereich mit <1.000 V und den Hochspannungsbereich mit >1.000 V.

Bei einer Niederspannung ist das Risiko zu versterben mit 3% verhältnismäßig gering. Allerdings kommen diese Elektrounfälle häufiger vor: 90% aller Stromunfälle betreffen Niederspannung.
Die Hochspannungsunfälle sind mit 10% der Elektrounfälle wesentlich seltener, sie enden allerdings in 30% der Fälle tödlich.

Stromunfall – Einflussfaktoren

Der wichtigste Faktor für die Gefährlichkeit des Stromkontakts ist die Stromstärke: Je höher sie ist, desto gefährlicher ist sie. Allerdings muss auch die Art des Stroms, also Wechselstrom oder Gleichstrom, berücksichtigt werden. Dabei ist der Wechselstrom riskanter. Auch der Stromweg ist von Bedeutung. Der Stromverlauf von Hand zu Hand etwa ist als besonders gefährlich einzustufen, das Herz liegt im Stromweg. Auch die Wirkdauer des Stroms und die Leitfähigkeit an der Kontaktstelle spielen eine Rolle.

Gerade bei älteren Menschen ist auch der Gesundheitszustand des Betroffenen ein wichtiger Einflussfaktor. Das gilt vor allen Dingen für Menschen mit Implantaten, z.B. mit einem Herzschrittmacher.

Stromunfälle im Haushalt

Defekte elektrische Geräte im Haushalt sind die häufigste Ursache für einen elektrischen Schlag. Das kann eine Waschmaschine oder auch ein Elektromixer sein. Die unsachgemäße Handhabung von Elektrogeräten in Verbindung mit Wasser spielt immer wieder eine Rolle. Schalten Sie nie einen Fön oder einen Elektrorasierer in der Nähe einer gefüllten Badewanne ein! Schon gar nicht, wenn jemand in der Wanne sitzt – oder gar Sie selbst!

Eine besonders ärgerliche Ursache ist das unfachmännische bzw. unfachfrauliche Vorgehen bei Elektroinstallationen im Haushalt. Im Sinne von „zugeschaut und mitgebaut“, gern auf der Grundlage von YouTube-Videos, haben sich dadurch schon zahlreiche Unfälle ereignet.

Stromschlag – Folgen für die Gesundheit

Damit ein Stromschlag zu einer gesundheitlichen Bedrohung werden kann, muss der Körper in den Stromkreis mit einbezogen werden. Das hat dann drei wesentliche gesundheitliche Folgen.

Lokale Folgen an der Kontaktstelle. Hier handelt es sich vor allen Dingen um Verbrennungen und schwere Muskelkontraktionen. Darüber hinaus ist es oft so, dass Sie an der Stromquelle einfach kleben bleiben. Das wiederum verstärkt den lokalen Gewebsuntergang noch.

Systemische Folgen. Aber auch fern von der Kontaktstelle kann es zu Reaktionen auf einen Stromschlag kommen. Ohnmacht, Atembeschwerden, Brustschmerz und Herzrhythmusstörungen bis hin zum kompletten Herzkreislaufversagen mit Todesfolge sind möglich.

Sekundärverletzungen. Als Folge des Stromschlags können schwere Muskelkontraktionen mit komplizierten sekundären Knochenbrüchen auftreten. Auch Kopfverletzungen nach einem Sturz kommen vor.

Stromschlag – gestörter Herzrhythmus

Der Einfluss von Strom auf das Herz ist wesentlich abhängig von der Stromstärke. Darüber hinaus muss das Herz im elektrischen Feld, z.B. bei Stromfluss von Hand zu Hand, liegen.
Die Folgen sind meistens Herzrhythmusstörungen mit veränderter Erregungsleitung und Erregungsbildung. Das kann einfache Extrasystolen, allerdings auch komplexe Rhythmusstörungen wie Vorhofflimmern und Kammerflimmern nach sich ziehen. Letzteres ist dann die häufigste Ursache für den plötzlichen Herztod beim Stromunfall. Durch eine sogenannte AV-Blockierung kann allerdings auch ein zu langsamer Puls entstehen. Das wiederum verursacht z.B. Ohnmacht.

Wann ist eine ärztliche Vorstellung nach Stromschlag sinnvoll?

Nach jedem Stromschlag müssen Sie sich ärztlich vorstellen, denn es besteht das Risiko für gefährliche Herzrhythmusstörungen. Am besten stellen Sie sich direkt auf einer Notaufnahme vor, denn es muss ärztlich entschieden werden, ob eine stationäre Überwachung erforderlich ist.

Risikofaktoren, die eine stationäre Überwachung erfordern, sind:

  • anfänglicher Herzkreislaufstillstand
  • stattgehabte Bewusstlosigkeit
  • Weichteilverletzungen
  • Verbrennungen

In der Basisversorgung wird bei allen Betroffenen ein 12-Kanal-EKG abgeleitet. Falls das EKG unauffällig ist, der Betroffene beschwerdefrei ist und keine oben genannten Risikofaktoren vorhanden sind, kann die Behandlung weiter ambulant stattfinden.

In immerhin ca. 25% der Fälle lassen sich nach einem Elektrounfall bei der Vorstellung auf der Notaufnahmestation Veränderungen im EKG nachweisen. Bei diesen Menschen ist eine stationär Überwachung erforderlich. Hier wird der Herzrhythmus mindestens 24 Stunden lang per Monitor überwacht. Abhängig vom Schweregrad werden weiterführende Maßnahmen eingeleitet. Hierzu zählen Laboruntersuchungen, die auf eine allgemeine Schädigung des Körpers und spezifisch auch des Herzmuskels hinweisen (Troponin-Test). Eine Herzultraschalluntersuchung ist meistens ebenfalls Teil des diagnostischen Programms.

Erste Hilfe bei einem Stromunfall

Bei einem Stromunfall hat der Selbstschutz Vorrang.

Im Gegensatz zum Blitzeinschlag, bei dem nach dem Unfall die Stromzufuhr beendet ist, ist das bei Stromunfällen im Haushalt und am Arbeitsplatz unsicher. Schalten Sie deswegen entsprechende Elektrogeräte aus, ziehen Sie den Netzstecker und drehen Sie die Sicherung heraus! Sie müssen gegebenenfalls das Unfallopfer isolieren, indem Sie z.B. das stromführende Elektrokabel mit einem elektrisch nicht-leitenden Gegenstand entfernen, z.B. einem Besenstiel aus Kunststoff.

Erst nach diesen sichernden Maßnahmen können Sie die Erste Hilfe-Maßnahmen einleiten. Je nach Verletzungsgrad und Stabilität des Bewusstseins, Atmung und Kreislauf setzen Sie die Rettungskette über den Notruf 112 in Gang. Ist der Verunfallte bewusstlos und atmet nicht oder auffällig, dann beginnen Sie mit den Wiederbelebungsmaßnahmen.

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